Seite 1 von 4 123 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 20 von 71
  1. Erfahren

    Dabei seit
    14.03.2010
    Beiträge
    149

    [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #1
    Mitreisende: drtech
    Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    Einige Mitforenten haben schon ihre diesjährigen Sarek-Tourberichte verfasst bzw. sind gerade dabei. Da ich diese mit Begeisterung verfolgt habe, denke ich, dass es an der Zeit ist, dass auch ich Euch mal wieder an meinen Erlebnissen teilhaben lasse.

    Es ist meine jüngste und vierte Tour im Sarek-Gebiet (den Tourbericht meiner zweiten findet Ihr hier) und insgesamt meine 7. Tour in Schwedisch-Lappland (zwei davon im Winter). Leider ist es jedoch erst mein zweiter Tourbericht in diesem Forum, dem ich stets viel Inspiration entnommen habe.

    Tourdauer und Zeitpunkt

    Zwei Wochen ab 8. September

    Anreise

    Meine An- und Abreise erfolgte vollständig mit Bahn und Bus von Hamburg über Kopenhagen und Stockholm nach Gällivare. (Ausnahmsweise nahm ich diesmal einen Fernbus nach Kopenhagen, damit ich den frühen Nachtzug in Stockholm erreichen konnte.) Schließlich ging es mit dem Bus nach Kebnats/Saltoluokta. Für mich ist dies die unkomplizierteste Art der Anreise in dieses Gebiet. Ich kann meinen Rucksack vollständig packen, inklusive Brennstoff, Lebensmitteln, etc. Mit dem Flugzeug müsste ich auch irgendwo übernachten und mich dann noch um die Verpflegung (wegen Gewicht) und Brennstoff kümmern. Nicht zuletzt ist es so klimaschonender.

    Ich erspare mir hier eine detaillierte Schilderung der Anreise, da ich das für nicht so spannend halte.

    Wanderroute

    Saltoluokta - Pietsaure - Bierikjávvre - Skárjá - Álggavágge - Sarvesvágge - Rapadalen - Aktse - Kvikkjokk
    (geplant war ursprünglich Sarvesvágge - Luohttoláhko - Kvikkjokk für den zweiten Teil)

    Ausrüstung

    Zu Anfang ca. 25-27 kg. Hier für Interessierte ein Überblick über die wesentlichen Ausrüstungsgegenstände im Kurzabriss:
    • Schlafen: HB Akto, WM Apache, NeoAir All Season
    • Schleppen: Bergans Alpinist 110l
    • Kochen: Trangia klein mit 1l Spiritus (einfach der standsicherste Kocher)
    • Kleidung: Das Übliche, insbesondere günstige Regenjacke und -hose von Decathlon (nachdem mich GoreTex mehrfach enttäuscht hat)
    • Foto: Sony A7RII und Objektive mit 21mm, 50mm und 135mm; Carbon-Stativ, Filter, wasserdichte Ortlieb-Fototasche (letztere taugt nichts, dazu später mehr)
    • Elektronik: inReach Mini, 2 Powerbanks à 10Ah, Kamera-Akkus, Stirnlampe
    • Lebensmittel: Hauptmahlzeit auf Basis von Nudeln mit drei verschiedenen Soßen (z.B. hatte ich Parmesan und Olivenöl dabei ); Frühstück: Grießbrei oder Milchreis; mittags: Salami, Nüsse, Schokolade
    • Sonstiges: Trekkingstöcke und viel Kleinkram (z.B. Karte & Kompass, Watschuhe, Trinkflasche, ...)

    Noch eine Anmerkung

    Es wird u.U. größere Pausen zwischen den einzelnen Teilen des Berichts geben, da ich bisher nur einen Bruchteil der Fotos gesichtet habe und zwischendurch unterwegs bin. Weihnachten lässt grüßen .

    Bilder könnt Ihr Euch durch Klick in höherer Auflösung ansehen.


    Tag 1: Saltoluokta - Pietsaure

    Die Anreise von Gällivare nach Kebnats geschieht am Nachmittag da zu diesem Zeitpunkt der morgendliche Bus nicht mehr fuhr. Mittlerweile erkenne ich sogar die Busfahrer auf der Strecke Gällivare-Ritsem wieder .


    Mit dem Bus nach Kebnats

    Das Wetter ist herrlich; es ist fast 20° warm. Einfach unglaublich, so spät im Jahr. Kurz nach der Ankunft des Busses kommt das Boot, und ich lasse mich über den See Langas fahren.


    Über den Langas

    Auf der anderen Seite stoppe ich kurz an den Hütten bei Saltoluokta, fülle Wasservorräte auf und packe ein wenig um. Schließlich mache ich mich auf den Weg - zunächst entlang des Kungsleden. Bald treffe ich auf den Abzweig zum Pietsaure und biege nach Westen ab. Das Wetter ist wirklich ein Genuss und macht Wandern im T-Shirt möglich. Der Wald leuchtet in den schönsten Herbstfarben.


    Herbstwald

    Der stetig ansteigende Pfad steuert auf eine Passhöhe unterhalb des Lulep Gierkav zu und erlaubt später tolle Ausblicke auf den Langas und die umgebene Landschaft. Mir gefallen aber auch die Abschnitte im herbstlichen Wald sehr gut.


    Blick zum Lulep Gierkav


    Blick Richtung See

    Ich begegne dem einen oder anderen Tageswanderer, aber insgesamt sind es nicht besonders viele. Kurz vor dem Erreichen der Passhöhe genieße ich noch einmal die Aussicht, trinke etwas und esse etwas Schokolade. Ich bin doch ganz schön geschwitzt und kann die Pause gut vertragen. In der Ferne kann man die Strukturen von Vietas und den hässlichen Staudamm erahnen.


    Lulep Gierkav, Langas und Umgebung

    Nachdem ich eine Weile im Schatten gewandert bin, geht es auf der anderen Seite der Passhöhe wieder angenehm sonnig weiter. Die bunten Birken im Gegenlicht gefallen mir besonders.


    Herbstliche Birke

    Es geht weiter bergab bis zur Samensiedlung am Pietsaure. Ich kann dort keinerlei Bewohner oder sonstige menschliche Wesen entdecken und mache mich auf den Weg zum Kiesstrand am See.


    Samensiedlung am Pietsaure


    Pietsaure mit Sluggá

    Schließlich wandere ich entlang des Strandes bis ich zum Zufluss des Sees gelange, dem Bach Ávtsusjåhkå. Die Bewohner der Samensiedlung haben hier eine mobile Brücke am Strand postiert, die aber leider nicht über den Bach gelegt ist.

    Der Bach fließt zwar ruhig dahin, aber hat doch etwas Strömung und ist nicht ganz flach. Daher setze ich zunächst den Rucksack ab, ziehe Schuhe und Hose aus, meine Watschuhe an und teste zunächst ohne Rucksack die Lage. Ich komme ohne nennenswerte Probleme gerade so durch den Bach, dass meine Unterhose trocken bleibt. Bei höheren Wasserständen könnte die Querung hier problematisch werden. Ich gehe zurück, schultere den Rucksack und erreiche schließlich die andere Seite.

    Ich folge dem Strand weiter in Richtung Südostufer des Sees.


    Ab hier wird's schattig

    Ich wandere noch ein wenig entlang des Ufers, bis ich einen geeigneten Zeltplatz finde und mich für den heutigen Tag zur Ruhe setze. Der Zeltaufbau und das Sortieren der Ausrüstung dauert noch relativ lange, wie so oft am Anfang einer Tour. Das liegt auch daran, dass ich das Akto seinen ersten richtigen Einsatz hat, und ich daher anfänglich etwas länger brauche, um es optimal aufzustellen .

    Schließlich bin ich fertig, fülle meine Wasserflaschen am nahen Bach und mache noch ein Abendfoto, bevor ich mich ins Zelt lege und den Kocher für das Abendessen anwerfe.


    Zeltplatz am Pietsaure
    Geändert von drtech (10.12.2018 um 23:23 Uhr) Grund: Tippfehler

  2. Dauerbesucher
    Avatar von Blahake
    Dabei seit
    19.06.2014
    Ort
    unstet
    Beiträge
    515

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #2
    Juchu, noch ein vielversprechender Reisebericht, der mich davon abhält, an meinem eigenen zu schreiben.

  3. Dauerbesucher

    Dabei seit
    13.11.2013
    Beiträge
    515

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #3
    Oh ja, es geht los, ich freue mich riesig drauf!
    So sehe ich ob die Herbstfarben noch knalliger wurde, du bist ja wirklich genau die 2 Wochen im Anschluss an meine Tour gelaufen. Auch der genannte Weg kommt mir bekannt vor

    Und dank den Fotobeigaben aus dem DSLR-Forum weiß ich, das wird auf alle Fälle ein Reisebericht wo mir öfters die Kinnlade auf den Schreibtisch knallt

    drtech weiß es schon, aber vielleicht als kleine Anekdote: Er ist der Auslöser, dass ich vor 5 Jahren überhaupt angefangen habe mit dem ganzen Outdoorkram. Damals reichte ein Fotothread von ihm aus dem Sarek (im DSLR-Forum), ein Foto von einem einsamen Tunnelzelt in der Wildnis, und ein Vierteljahr später hatte ich eine Vielzahl an nervigen Ausrüstungsthreads hier im Forum eröffnet , meine Ausrüstung komplettiert und den Flug nach Kiruna gebucht. Ohne dich würde ich vielleicht die Wanderungen nicht gemacht haben, und auch nie meine Liebe für Trekking- und Radtouren entdeckt haben.
    Also, bloß kein Erwartungsdruck jetzt


    Zitat Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
    Juchu, noch ein vielversprechender Reisebericht, der mich davon abhält, an meinem eigenen zu schreiben.
    Nix da, mach hinne! Sonst ist bis dahin selbst die Forumssoftware vier Mal neu eingerichtet und auf Tastaturen schreibt dann kein Mensch mehr. Und dann brauchste noch 3 VHS Technik-Kurse

    Liebe Grüße,
    Daniel
    Auf meinem Blog Longing for the Horizon:
    Pamir Highway 2019 / Sarek 2018 / Padjelantaleden 2017 / 4500km Radtour Berlin-Nordkapp 2017 / Kungsleden 2015 / Kungsleden 2014 / Israel-Hike 2014 und viele kleinere Radtouren (Berlin - Kopenhagen / Prag - Berlin etc.)

  4. AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #4
    Zitat Zitat von drtech Beitrag anzeigen
    Schließlich wandere ich entlang des Strandes bis ich zum Zufluss des Sees gelange, dem Bach Ávtsusjåhkå. Die Bewohner der Samensiedlung haben hier eine mobile Brücke am Strand postiert, die aber leider nicht über den Bach gelegt ist.

    Nein ich denke es sind nicht die Sami die die Brücke dort liegen haben sondern Länsstyrelsen hat sie einfach liegen gelassen.
    Siehe auch hier. Ich vermute die Brücke liegt noch genau so da wie vor 9 Jahren.
    Zitat Zitat von drtech Beitrag anzeigen
    Der Bach fließt zwar ruhig dahin, aber hat doch etwas Strömung und ist nicht ganz flach. Daher setze ich zunächst den Rucksack ab, ziehe Schuhe und Hose aus, meine Watschuhe an und teste zunächst ohne Rucksack die Lage. Ich komme ohne nennenswerte Probleme gerade so durch den Bach, dass meine Unterhose trocken bleibt. Bei höheren Wasserständen könnte die Querung hier problematisch werden. Ich gehe zurück, schultere den Rucksack und erreiche schließlich die andere Seite.
    Kommt mir bekannt vor.

    Gruss
    Henning
    Es gibt kein schlechtes Wetter,
    nur unpassende Kleidung.

  5. Erfahren

    Dabei seit
    14.03.2010
    Beiträge
    149

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #5
    Zitat Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
    Juchu, noch ein vielversprechender Reisebericht, der mich davon abhält, an meinem eigenen zu schreiben.
    Das hoffe ich doch nicht. Wobei... Ich wurde auch mehrere Jahre vom Schreiben von Reiseberichten abgehalten .

    Zitat Zitat von theslayer Beitrag anzeigen
    Oh ja, es geht los, ich freue mich riesig drauf!
    So sehe ich ob die Herbstfarben noch knalliger wurde, du bist ja wirklich genau die 2 Wochen im Anschluss an meine Tour gelaufen. Auch der genannte Weg kommt mir bekannt vor
    Toll, dass Du dabei bist, Daniel! Ich scheine ja wirklich einiges an Schuld auf mich geladen zu haben. Du musst Dich nun durchs Gelände und Gestrüpp quälen. Das war früher nicht nötig . Nein, im Ernst, ich freue mich wirklich, dass meine Berichte/Fotos eine Inspiration für Dich waren!

    @Henning: Danke für die Aufklärung über die Herkunft der Brücke!

  6. Erfahren

    Dabei seit
    14.03.2010
    Beiträge
    149

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #6
    Tag 2: Pietsaure - Pass nahe Sluggá

    Die Nacht verläuft weitgehend ereignislos. Ich bin ziemlich müde aufgrund der langen Anreise. Da der Himmel klar ist, hätte es sich ggf. gelohnt, mal wegen potenziellen Nordlichtern nach draußen zu schauen. Diese Nacht schaffe ich das jedoch nicht. Zudem bin ich auf meiner letzten Wintertour von Nordlichtern extrem verwöhnt worden, so dass die Ansprüche gestiegen sind .

    Am Morgen weckt mich die Sonne, die auf das Zelt scheint. Ich koche mein Frühstück und beginne mit dem Zusammenpacken. Ähnlich wie am Abend bin ich noch nicht besonders effizient darin. Später wird das schneller gehen. Es gibt ja auch jeden Tag etwas weniger einzupacken .


    Ein Teil der Ausrüstung vor dem Zelt

    Als ich fertig bin, mache ich mich auf den Weg - wie gestern bei strahlendem Sonnenschein. Nach einem Stück über Gras und Heide, treffe ich auf die ersten Birken und muss mir nun einen Weg durch den Wald bahnen. Ich vermute, dass weiter unten am Seeufer ein Pfad verläuft, möchte aber nicht wieder absteigen.


    Ab hier geht es durch den Birkenwald

    Immer wieder erreiche ich Stellen mit toller Aussicht über den See. Fotografisch macht der leere Himmel wenig her, die bunten Bäume gefallen mir aber umso mehr (reimt sich sogar ).


    Aussicht auf den Pietsaure

    Nach einer Weile der Wegsuche durch den Wald, versuche ich möglichst schnell über die Baumgrenze zu kommen, um das weitere Wandern zu erleichtern. Nach etwas Gestrüpp und Geröll gelingt mir das schließlich, und ich kann unbeschwert auf einfach zu begehendem Gelände weiterwandern. Immer wieder bleibe ich stehen, um die Aussicht zu genießen.


    Sluggá (links) und Pietsaure

    Ich quere einen Bach mit kleinem Wasserfall, mache eine kurze Pause und steuere dann weiter bergauf auf den Pass zwischen Gähppo und Vuovres zu.


    Wasserfall am Weg


    Ausblick zurück

    Es wird mit der Zeit steiniger, besonders weit bis zum Pass ist es nicht mehr. Der Pietsaure entschwindet langsam meinem Blickfeld.


    Bald ist der Pietsaure nicht mehr zu sehen

    Als ich den Pass erreiche, ist es noch relativ früh am Nachmittag. Dennoch möchte ich nicht weitergehen, da die Stelle ein guter Ausgangspunkt für eine eventuelle Besteigung des Sluggá ist und auch selbst eine gute Aussicht bietet. Als ich mich niederlasse ist es sehr windig, und ich beschließe erst einmal, mich ein wenig auszuruhen. Bei dem Wind habe ich keine Lust auf eine Gipfelbesteigung.

    Am Abend laufe ich ein wenig in der Gegend herum. Man hat einen tollen Blick in Richtung Sarek-Massiv, das aber meistens von Wolken eingehüllt wird. Als die Sonne tiefer sinkt, bietet sich zusammen mit den Wolken eine interessante Lichtstimmung beim Blick gen Westen.


    Lichtstimmung am Abend; leider möchten sich die Gipfel des Sarek-Massivs nicht zeigen...



    Kurze Zeit später

    Das Lichtspektakel hält nicht besonders lange an und die Sonne verschwindet hinter dicken Wolken. Ich bin zwar nicht besonders viel gewandert, aber es war ein toller Tag! Ich krieche zufrieden in meinen Schlafsack.
    Geändert von drtech (17.12.2018 um 20:54 Uhr) Grund: Tippfehler

  7. AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #7
    Na, das liest sich doch schon gut, bin gespannt.
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  8. Gerne im Forum

    Dabei seit
    11.12.2018
    Ort
    Kiel
    Beiträge
    58

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #8
    Ganz große klasse. Ich bin schwer gespannt wie es weiter geht. Hört sich bisher jedenfalls nach einer wundervollen Tour an.

  9. Dauerbesucher
    Avatar von Blahake
    Dabei seit
    19.06.2014
    Ort
    unstet
    Beiträge
    515

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #9
    Sehr schön - gerade virtuell mit Daniel über den Slugga und Saltoluokta aus dem Sarek rausgewandert, geht es auf gleichem Weg mit Dir wieder rein.

    Apropos Daniel:
    Zitat Zitat von theslayer Beitrag anzeigen
    Nix da, mach hinne! Sonst ist bis dahin selbst die Forumssoftware vier Mal neu eingerichtet und auf Tastaturen schreibt dann kein Mensch mehr. Und dann brauchste noch 3 VHS Technik-Kurse
    Im Gegenteil, wenn ich lang genug warte, ist die Technik so weit, dass mein Handy das von alleine macht

  10. Erfahren

    Dabei seit
    14.03.2010
    Beiträge
    149

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #10
    Zitat Zitat von Nordwinkel Beitrag anzeigen
    Ganz große klasse. Ich bin schwer gespannt wie es weiter geht. Hört sich bisher jedenfalls nach einer wundervollen Tour an.
    Danke Euch! @Konrad: Schön dass Du nun auch in diesem Forum bist !

    Zitat Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
    Sehr schön - gerade virtuell mit Daniel über den Slugga und Saltoluokta aus dem Sarek rausgewandert, geht es auf gleichem Weg mit Dir wieder rein.
    Tja, es wird wohl die eine oder andere Überschneidung auf der Strecke geben. Dennoch hoffe ich, dass sich niemand langweilt . Sonntag oder Montag geht es wahrscheinlich weiter mit Tag 3.

  11. Erfahren

    Dabei seit
    14.03.2010
    Beiträge
    149

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #11
    Tag 3: Pass nahe Sluggá - Vuojnesvárásj

    Es bleibt auch nachts verhältnismäßig windig, dank Ohrstöpseln schlafe ich aber dennoch recht gut. Als ich am Morgen schließlich aus dem Zelt blicke, haben sich die Wolken über dem Sarek-Massiv gelichtet. Die morgendliche Sonne sorgt für ein warmes Licht auf den Gipfeln.


    Morgenlicht auf den Gipfeln des Sarek-Massivs

    Nachdem ich ein paar Fotos gemacht habe, bereite ich mein Frühstück zu. Leider ist es nach wie vor recht windig, und es hat sich eine Wolkenschicht nordwestlich von mir gebildet. Dies nehme ich als Entschuldigung, den Gipfel des Sluggá auszulassen. Ich sage mir, dass ich für wirklich gutes Licht sowieso hätte früher aufsteigen müssen... Ich packe schließlich meine Sachen zusammen und mache mich auf den Weg in Richtung Tal.


    Auf diesem Foto kann man den Wind anhand der Zeltform zumindest erahnen.


    Weiter geht's in Richtung Westen

    Unterwegs treffe ich auf eine Rentierherde, die sich für ein Foto vor den Gipfeln in der Ferne positioniert hat. Ich bleibe stehen, zücke meine Kamera, montiere das Tele und drücke ab. Für solche spontanen Fotos - auch wenn sie hauptsächlich Doku-Charakter haben - ist es wirklich praktisch, die Kamera griffbereit zu haben. Ich trage sie inkl. der drei Objektive in einer Tasche vor der Brust. Das sorgt auch für ein Gegengewicht zum Rucksack; die Tasche ist mit Schnappverschlüssen an den Schultergurten befestigt.


    Rentierherde vor den Sarek-Gipfeln

    Zunächst ist das Gelände noch gut zu laufen, aber mit der Zeit wird es immer unwegsamer, und ich komme langsamer voran. Immerhin passiere ich an dem einen oder anderen kleinen See. An einem dieser Seen mache ich eine Fotopause. Inzwischen ist es insgesamt stärker bewölkt, aber die Wolkenlücken sorgen für ein interessantes Lichtspiel auf der Landschaft. Ich nehme ebenfalls eine Zeitraffer-Sequenz auf, um das Spiel von Licht und Schatten festzuhalten. (Diese wird später in ein Kurzvideo über die Tour eingebaut.)


    Kleiner See auf dem Weg in Richtung Liehtjitjávvre

    Der Himmel zieht sich weiter zu, und es regnet hin und wieder. Wie wahrscheinlich jeden von Euch, nervt es mich ziemlich, die Klamotten zu wechseln und den Rucksack regenfest zu machen. Zum Glück stellt sich kein wirklich starker Regen ein. Mein Regenoutfit scheint Petrus abzuschrecken .


    Blick Richtung Sijddoädno mit See auf 748m; die einsame Birke gefällt mir.

    Meine Mittagspause verbringe ich hinter einem großen Felsbrocken mit leichtem Überhang. Dort ist es verhältnismäßig windstill und trocken.

    Nachdem ich die Rentierzüchterhütte am Njirávjågåsj passiert habe, geht es nochmal ordentlich durch Weidengestrüpp und Sumpf. Bald treffe ich jedoch auf einen deutlich erkennbaren Pfad. Schließlich überquere ich den Lulep Niendojågåsj. Ich glaube, hier musste ich die Schuhe ausziehen - ganz genau kann ich mich leider nicht mehr erinnern.


    Am Lulep Niendojågåsj; im Hintergrund das Ähpár-Massiv

    Als ich weitergehe, werden die Ausblicke auf die Gletscher des Ähpar-Massivs immer besser.


    Die Ausläufer der Gletscher Ähpárjiegna und Ruopsokjiegna; im Vordergrund der See Liehtjitjávvre

    Das Sarek-Massiv hingegen versteckt sich leider wieder in den Wolken. Das letzte Stück bis zum Guhkesvákkjåhkå ist sehr einfach und angenehm zu laufen. Hier treffe ich ein paar Schweden und einen Deutschen, die mir entgegen kommen. Es ist die erste Begegnung mit Menschen seit der Passhöhe vor dem Pietsaure.


    Angenehmer Pfad zur Brücke am Guhkesvákkjåhkå

    Schließlich erreiche ich die Brücke über den Guhkesvákkjåhkå, der die Grenze zwischen den Nationalparks Stora Sjöfallet und Sarek markiert. Hier würde man ohne Brücke definitiv nicht auf die andere Seite kommen. Mir gefällt die Stelle am Fluss, und ich mache ein paar Fotos von Stromschnelle und Brücke.


    Guhkesvákkjåhkå und Ähpár-Massiv


    Auf der Brücke

    Letzteres Foto war etwas aufwändiger: Stativ aufbauen, Intervallaufnahmen einstellen (Selbstauslöser hätte nicht gereicht), Rucksack schultern, rauf auf die Brücke, zurück und alles wieder einpacken .

    Als ich mit den Spielereien fertig bin, gehe ich auf der anderen Seite auf die Erhebung Vuojnesvárásj (1006 m) zu. Es geht ca. 200 Höhenmeter nach oben. Kurz vor der Passhöhe baue ich mein Zelt auf.


    Zeltplatz mit Blick ins Guhkesvágge

    In der Ferne wird der Sluggá von ein paar Sonnenstrahlen beleuchtet, was ich für ein Foto nutze. Von hier sieht man die gesamte Ebene, die ich durchwandert habe und hat ebenfalls einen guten Blick auf den Liehtjitjávvre.


    Sluggá und Liehtjitjávvre im Abendlicht

    Selbstverständlich gehe ich noch am Abend hoch zum Pass, um auf die andere Seite zu schauen. Der Ausblick von dort ist durchaus spektakulär. Die Fotos, die ich am Abend mache, sind aber eher dokumentarischer Natur, da sich die Landschaft grau in grau zeigt. Es lohnt sich nicht, sie hier zu zeigen. Denn hätte ich gewusst, dass es am nächsten Tag deutlich besseres Licht geben würde, hätte ich erst gar keine gemacht .

    Am Abend treffe ich noch ein schwedisches Pärchen, die ihr Zelt ein paar hundert Meter unterhalb meines Zeltplatzes aufbauen. Ich koche mein Abendessen und verkrieche mich schon bald im Schlafsack.

  12. Dauerbesucher

    Dabei seit
    13.11.2013
    Beiträge
    515

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #12
    Hach, da dürften wir genau den gleichen Zeltplatz gewählt haben, schönes Fleckchen.

    Auch die einsame Birke meine ich gesehen zu haben, aber da standen ja doch ne Handvoll auf der Strecke, vielleicht war es doch eine Andere. War auf alle Fälle spannend nach all den Tagen im Kahlfjäll mal wieder nen Baum zu sehen

    Der abendliche Blick zum Sluggá mit den stimmungsvollen Wolken ist bombastisch!
    Auf meinem Blog Longing for the Horizon:
    Pamir Highway 2019 / Sarek 2018 / Padjelantaleden 2017 / 4500km Radtour Berlin-Nordkapp 2017 / Kungsleden 2015 / Kungsleden 2014 / Israel-Hike 2014 und viele kleinere Radtouren (Berlin - Kopenhagen / Prag - Berlin etc.)

  13. Erfahren

    Dabei seit
    14.03.2010
    Beiträge
    149

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #13
    Zitat Zitat von theslayer Beitrag anzeigen
    Hach, da dürften wir genau den gleichen Zeltplatz gewählt haben, schönes Fleckchen.
    Allerdings! Das dachte ich mir auch, als ich Deine Fotos sah. Zumindest waren wir nah beieinander.

    Zitat Zitat von theslayer Beitrag anzeigen
    Auch die einsame Birke meine ich gesehen zu haben, aber da standen ja doch ne Handvoll auf der Strecke, vielleicht war es doch eine Andere. War auf alle Fälle spannend nach all den Tagen im Kahlfjäll mal wieder nen Baum zu sehen
    Es gab da schon mehrere, aber sie waren sehr vereinzelt und boten sich daher als Fotomotiv an.

    Zitat Zitat von theslayer Beitrag anzeigen
    Der abendliche Blick zum Sluggá mit den stimmungsvollen Wolken ist bombastisch!
    Danke!

  14. Erfahren

    Dabei seit
    14.03.2010
    Beiträge
    149

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #14
    Tag 4: Vuojnesvárásj - Bierikjávvre

    Noch am Abend vorher hatte ich mir Gedanken gemacht, wie weit ich auf meiner nächsten Etappe laufen soll. Da mir das Stück von Saltoluokta bis zum Rapadal bisher unbekannt war, und ich mir am Bierikjávvre interessante Fotos erhoffte, beschloss ich, nur bis zum See zu laufen, um dort das Morgen- und Abendlicht mitzunehmen.

    In der Nacht und am Morgen fällt hin- und wieder leichter Regen. Das ist zwar nicht weltbewegend, verzögert aber meinen Aufbruch etwas. Aber ich habe es ja sowieso nicht eilig. Ich frühstücke in aller Ruhe und mache mich startklar, als ein paar Sonnenstrahlen auf mein Zelt fallen.


    Aufbruch zur heutigen kurzen Etappe

    Wie bereits erwähnt, ist es nur ein kurzes Stück bis zur Passhöhe. Dort erwartet mich aufgrund der Lichteinstrahlung in Verbindung mit den Wolken eine interessante Lichtstimmung. Kaum auf dem Weg, halte ich schon wieder für eine ausgiebige Fotopause an. Die Aussicht von hier auf den verästelten Bierikjåhkå und die Berge im Hintergrund ist spektakulär. Ich kannte sie zwar schon von gestern; mit dem heutigen Licht sieht das ganze aber noch besser aus.


    Bierikjåhkå mit namenlosem Gipfel 1806 m (links) und Bierikbákte (rechts)


    Das vollständige Panorama (klicken für größere Ansicht)

    Irgendwann reiße ich mich los und mache mich auf den Weg hinunter ins Tal. Die Strecke über Gras und Heide ist gut zu gehen.


    Der weitere Wegverlauf in Richtung Bierikjávvre (Tele-Foto, ganz so nah ist es nicht)

    Im Tal treffe ich irgendwann auf einen Pfad, so dass auch hier ein gutes Vorankommen garantiert ist. Kurz überlege ich, ob ich nicht vielleicht den Bierikvárásj besteigen sollte. Ich erwäge sogar kurz, dort oben zu zelten. Auch hier obsiegt leider wieder die Faulheit. Ich habe keine Lust auf die Furt, und oben wäre es heute sowieso zu windig zum zelten, oder ?

    Vielleicht sollte ich meiner Tour den Untertitel "Faul durch den Sarek" oder so ähnlich geben .

    Immer wieder gibt es kleine Bäche, die ich aber bequem mit den Stiefeln überqueren kann.


    Steilwand des Bierikvárasj

    Langsam eröffnen sich erste Ausblicke auf den Bierikjávvre.


    Bierikjávvre; im Vordergrund einer der Abflüsse vom Sarvajiegna

    Ich laufe ungefähr bis zur Mitte des Westufers und lasse mich schließlich relativ früh nieder. Ich mache ein paar erste Fotos, bevor ich am Abend noch eine Runde drehe und etwas den Hang emporsteige. Die Zeit dazwischen nutze ich zum Waschen, Essen und Faulenzen.


    Bierikjávvre vom Zeltplatz

    Obwohl heute wirklich spektakuläres Licht ausbleibt, so gefallen mir die Ausblicke von der erhöhten Position über den See doch sehr gut. Der Bierikbákte dominiert das Panorama.


    Blick nach Norden (mein Zelt am Ufer kann man erahnen)


    Blick nach Südosten mit Bierikbákte und dem Ausgang des Basstavágge

    Ich bin sehr zufrieden mit dem heutigen kurzen Tourtag und freue mich auf den nächsten Morgen. Was wird er wohl bringen?

  15. Anfänger im Forum

    Dabei seit
    24.05.2011
    Beiträge
    17

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #15
    Hallo drtech,
    du schreibst dein Frühstück waren Grießbrei und Milchreis.
    Waren es Fertigpulver oder hast du es selber gemischt?
    Ansonsten schöner Bericht und schöne Fotos!
    Grüße Weildster

  16. Dauerbesucher
    Avatar von Feurio
    Dabei seit
    16.06.2009
    Ort
    München
    Beiträge
    654

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #16
    Krasse Bilder!

  17. AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #17
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  18. Erfahren

    Dabei seit
    14.03.2010
    Beiträge
    149

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #18
    Danke Euch!

    Zitat Zitat von Weildster Beitrag anzeigen
    Hallo drtech,
    du schreibst dein Frühstück waren Grießbrei und Milchreis.
    Waren es Fertigpulver oder hast du es selber gemischt?
    Es war beides selbst gekocht, da mir die Fertigmischungen zu süß sind. Oft sind sie auch noch komisch aromatisiert. Ich hatte Vollmilchpulver und relativ kurz kochenden Milchreis (5 Minuten) dabei. In den Reis kam dann noch Zimt. Der Grieß kann einfach in die aufgekochte Milch gegeben werden. Bei beidem sollte man neben Zucker oder Trockenfrüchten etwas Salz nicht vergessen. Sonst schmeckt es nicht .

    Es kann sein, dass die Fortsetzung meines Berichts etwas dauert. Ich bitte also vorsorglich um etwas Geduld.

  19. Erfahren

    Dabei seit
    14.03.2010
    Beiträge
    149

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #19
    Frohe Weihnachten allerseits !

    Tag 5: Bierikjávvre - Álggavágge

    In der Nacht ist der Himmel weitgehend aufgeklart. Die damit einhergehende, deutliche Abkühlung hat dafür gesorgt, dass sich ordentlich Kondenswasser im Außenzelt gesammelt hat.

    Ich wache relativ früh auf und frühstücke erst einmal. Dann ziehe ich mich an und steige wieder ein Stück den Hang hinauf, um ein paar Fotos zu machen. Einen Sonnenaufgang werde ich heute nicht bewundern können, da die Berge im Osten viel zu hoch sind. Jedoch haben sich Nebelschwaden auf der Wasseroberfläche gebildet, was ich ebenfalls sehr interessant finde. Ich denke mir sogar, dass ein "ganz normaler" Sonnenaufgang dagegen fast langweilig gewesen wäre .


    Seeblick am Morgen um 6 Uhr; es sieht aus, als ob das Wasser dampfen würde.


    Ein Ausschnitt mit Langzeitbelichtung


    Blick Richtung Basstavágge

    Nachdem ich mich sattgesehen habe, begebe ich mich wieder nach unten zum Zelt. Am Ufer mache noch ein paar weitere Fotos. Der Nebel verändert sich ständig.


    Blick Richtung Norden; erste Sonnenstrahlen erreichen das Ufer.


    Ein weiterer Blick in Richtung Bierikbákte

    Da es aufgrund der Steilwand des Bierikbákte lange dauern würde, bis die Sonne meinen Zeltplatz erreicht, packe ich mein Zelt in nassem Zustand ein. Vielleicht habe ich ja heute Abend eine Gelegenheit zum Trocknen. Falls nicht wische ich es einfach kurz aus.

    Nachdem alles verpackt ist, laufe ich weiter gen Süden und schließlich westlich in Richtung Rapadalen. Nördlich des Sees Bielajávrátja bleibe ich für ein paar Fotos stehen. Der Nebel sorgt auch hier für interessante Stimmungen.


    Blick zum See Bielajávrátja


    Nebelbank unterhalb des Bierikbákte

    Ich wandere weiter ins obere Rapadal. Auch hier hängen teilweise noch Nebelbänke über dem Tal. Die Sonne gibt sich aber sichtlich Mühe, diese zu vertreiben.


    Nebel im Rapadal

    Am Bach Tjåggnårisjåhkå treffe ich auf den Pfad, der vom Snávvávágge hierher führt. Diesem Pfad bin ich vor zwei Jahren gefolgt. Um den Tjåggnårisjåhkå zu überqueren, muss ich die Schuhe ausziehen, obwohl der Wasserstand nicht besonders hoch ist. Das macht mir bei dem sonnigen Wetter aber nicht viel aus. Bevor ich den Bach überquere, schieße ich noch ein Foto vom dortigen Wasserfall.


    Der Gletscherbach Tjåggnårisjåhkå

    Der weitere Weg zur Schutzhütte bei Skárjá führt durch mehrere Sumpfgebiete und an dem einen oder anderen kleinen See vorbei. Beim Blick gen Westen sticht vor allem der markante Gipfel des Guohper ins Auge.


    Spiegelung in einem kleinen See


    Panorama mit Guohper

    An dieser Stelle beginnt der Ärger mit meiner Ortlieb-Fototasche. Der Reißverschluss verhakt sich irgendwie und nur durch viel "Gezuckel" bekomme ich sie wieder zu. Ich bin ziemlich genervt und werde es bei den weiteren Fotostopps noch öfter sein. Ich gehe irgendwann dazu über, die Tasche bei trockenem Wetter nur noch halb zu schließen, so dass die Kamera nicht so leicht herausfallen kann.

    Bevor ich die Brücke über den Smájlajjåhkå erreiche, treffe ich zwei Wanderer, die in Gegenrichtung unterwegs sind. Sie sind in Sulitjelma gestartet und durchs Álggavágge hierher gekommen. Das Álggavágge wollte ich heute noch erreichen.


    Brücke und Schutzhütte bei Skárjá

    Neben der Brücke mache ich Mittagspause. Hier bin ich ganz allein, was ungewohnt ist, da sich hier die Wege vieler Wanderer kreuzen. Aber ich bin auch relativ spät im Jahr unterwegs. Die Brücke über den Smájlajjåhkå soll dieses Jahr am 21. September abgebaut werden. Ich hatte vorher nachgefragt, denn sonst wäre ein größerer Umweg notwendig geworden.

    Nach der Rast gehe ich schließlich weiter in Richtung Westen. Dieser Abschnitt bis zum Ostende des Guohpervágge zeichnet sich durch vereinzelte Tier- und Trampelpfade aus, die sich jedoch meist wieder verlieren. Immer wenn man denkt, endlich einen Pfad gefunden zu haben, verschwindet er irgendwann wieder, und ich stapfe durch eher unangenehmes Gelände. Die Ausblicke ins obere Rapadal und auch ins Guohpervágge entschädigen jedoch dafür. (Wenn nur die doofe Fototasche nicht wäre, )


    Rückblick ins obere Rapadal


    Blick ins Guohpervágge; man kann die Abzweigung ins Álggavágge am Einschnitt auf der südlichen Talseite erahnen.

    Wie man auf obigen Fotos sehen kann, hat sich der Himmel inzwischen weitgehend zugezogen. Glücklicherweise bleibt es aber bisher trocken. Im Guohpervágge findet sich schließlich wieder ein Trampelpfad, dem ich bis zur Einmündung des Áhkájåhkå in den Guohperjåhkå folge. Oberhalb des Zuflusses furte ich schließlich den Guohperjåhkå.


    Links geht es ins Álggavágge


    Furt des Guohperjåhkå

    Auf der anderen Talseite wandere ich den Hang hinauf und treffe auf eine Rentierzüchterhütte. Hier befindet sich auch ein Rentierzaun, der sich durch die komplette Talmündung des Álggavágge bis hoch zu den steilen Blockfeldern zieht. Im Zaun gibt es einen Durchgang für Wanderer.

    Am Eingang des Tals ist der Áhkájåhkå weit verzweigt und fließt über Schotterbänke. Diese wandere ich entlang. Ich kann nur erahnen, welche Wassermassen hier zu Zeiten der Schneeschmelze anzutreffen sind.


    Schotterbänke bei Álgganjálmme

    Nachdem ich die Schotterflächen hinter mir gelassen habe, wandere ich weitgehend über angenehme Grasflächen entlang eines gut sichtbaren Pfades. Im Buch von Claes Grundsten wird dieser Abschnitt des Álggavágge auch als "weltgrößtes Fußballfeld" bezeichnet.


    Der Pfad im Álggavágge; rechts die Steilwand des Härrábákte


    Blick zurück in Richtung Sarek-Massiv

    Das Álggavágge hat in seiner Mitte einen leichten "Knick". Ein Stück vor diesem Knick beschließe ich, mein Lager für heute aufzuschlagen. Hier gibt es noch viele Grasflächen, die sicht gut als Zeltplatz eignen. Weiter westlich wird das Tal deutlich Gestrüpp-lastiger und auch sumpfiger. Während ich mein Zelt aufbaue, marschieren zwei Wanderer an mir vorbei. Sie laufen in mir entgegengesetzter Richtung. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht, dass ich erst in 6 Tagen wieder einem menschlichen Wesen begegnen werde.

    Das Zelt ist noch nass vom Kondenswasser, und ich trockne den Zeltboden mit meinem Lappen (der gleichzeitig als Handtuch fungiert) ab. Von selbst würde das Trocknen beim aktuellen Wetter zu lange dauern.


    Mein Zeltplatz im Álggavágge

    Ich wasche mich und Teile meiner Kleidung am Bach, bevor ich das Abendessen zubereite. Viele Fotos mache ich heute Abend nicht mehr. Das Licht spielt nicht mit. Immerhin sehe ich deutlich mehr von den Bergen als bei meiner ersten Sarek-Tour im Jahr 2013. Damals hing an dieser Stelle die Wolkendecke gefühlt direkt über meinem Kopf.

  20. Gerne im Forum
    Avatar von Ardunaut
    Dabei seit
    29.04.2013
    Ort
    Lüneburger Heide
    Beiträge
    58

    AW: [SE] Mitte September durch den herbstlichen Sarek

    #20
    Moin Stefan,

    nachdem wir uns ja im März auf der Anreise zu unseren Wintertouren im Zug zufällig getroffen haben, so haben wir uns wohl im September auch nur knapp verpasst . Ich war in der ersten Septemberhälfte im Sarek unterwegs (Saltoluokta-Aktse-Bierikjávvre-Pietsaure-Saltoluokta).
    Dein Bericht und die Fotos sind wirklich gut - weiter so!

    Viele Grüße
    Arne

Seite 1 von 4 123 ... LetzteLetzte

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer

Aktive Benutzer in diesem Thema: 1 (Registrierte Benutzer: 0, Gäste: 1)