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  1. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #21
    Mitreisende: theslayer
    Super schön!
    Da habt ihr für den Skierffe aber auch einen echt tollen Tag erwischt!
    Ich habe mich damals auch so auf die Aussicht vom Skierffe gefreut und stand dort im Regen mit wenig Sicht.
    Dann bin ich eure Strecke in umgekehrter Richtung gelaufen und habe ebenfalls an diesem kleinen See unterm Låddebákte gezeltet. Wieder Regen, Wolken, sogar Neuschnee, stürmischer Wind. Ich war auch nicht oben.

    Die Farben des Deltas und die Muster sind bei Sonnenschein einfach umwerfend schön!
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    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #22
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Ich war auch nicht oben.
    Mensch, dann weißt du ja, warum mich der Låddebákte immer noch so fuchst... Beileid wegen dem Skierffe, ein anderes Mal dann vielleicht
    Auf meinem Blog Longing for the Horizon:
    Pamir Highway 2019 / Sarek 2018 / Padjelantaleden 2017 / 4500km Radtour Berlin-Nordkapp 2017 / Kungsleden 2015 / Kungsleden 2014 / Israel-Hike 2014 und viele kleinere Radtouren (Berlin - Kopenhagen / Prag - Berlin etc.)

  3. Dauerbesucher

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #23
    [Tag 8] Samstag 1.9. Ruhetag am Skierffe





    Wir befinden uns heute am südlichsten Ende des schwarzen Tourabschnitt Nr. 6.

    Nach 6 Tagen Wandern freuen wir uns heute besonders auf den Pausentag. Auch wenn gestern dank Sonne und angenehmen Untergrund es nicht allzu schwierig war, der regnerische Tag im Rapadalen und die stürmische Nacht davor stecken uns noch in den Knochen.



    Umso schöner, dass der heutige Tag von endlos viel Sonne geprägt ist. In der Früh pflücke ich uns Blaubeeren zur Frühstücksverbesserung, anschließend liegen wir im Zelt und schauen sogar mitgebrachte Serien. Hier ist auch der geeignete Zeitpunkt, endlich mal Lob für einen zweiten Gegenstand auszusprechen: In dem Umfang, wie die Gamaschen bereits ihren Rang in der Ausrüstung erarbeitet haben, geht der heutige MVP-Titel an…. Meine Solarzelle!
    Ich habe vor Beginn der Reise viel recherchiert, wie wir es mit der Stromversorgung machen können.
    Folgende Gerätschaften mussten geladen werden: 2x Handy, 2x Kindle, 1x Systemkamera und evtl. 1x Satellitentelefon. Für die Kamera habe ich schließlich 3 Ersatzakkus mitgenommen und kam eigentlich recht gut über die Runden.

    Hier die Solarzelle auf einem Foto vom gestrigen Tag.[/caption]

    Klar war jedoch: Die Kindles dürfen nicht leer werden (sonst werden Markus und ich unerträglich ) und auch die Telefone sind von Bedeutung. Sowohl zum ab- und an Musik hören und Hörbüchern lauschen, vor allem aber aus dem Aspekt heraus, dass ich mit meinem Handy die gelaufene Strecke täglich aufzeichnen wollte und die Karten-App auch als Navigationshilfe diente.

    Somit war klar, dass mein Handy der Hauptstromverbraucher sein würde. Durch Reduzierung des Tracking-Intervalls auf einmal alle 90 Sekunden, statt den voreingestellten 10 Sekunden, wird die Belastung für den Akku reduziert. Dennoch war mir klar, dass mehr als 2 Tage der Handyakku so nicht durchhalten würde. Jetzt hatten sowohl Markus, wie auch ich, je eine 20.000 mAh Powerbank dabei. Eine Powerbank reicht im Idealfall aber nur für 4,5x Laden meines Telefons, defacto also 9 Tage Nutzungsdauer. Und da waren Kindle und Kamera noch nicht mitgerechnet. Jetzt schleppt man entweder eine zweite Powerbank mit, ich hatte mich aber länger über Solarzellen schlau gemacht. Für etwa das gleiche Gewicht wie die Powerbank (~400gr.) habe ich mir eine 15W 3-Panel Solarzelle zugelegt (RavPower 15W). Diese lässt sich auf etwa A5 Format zusammenfalten und passt so gut in den Rucksack. Ausgeklappt lässt sie sich entweder gut in der Landschaft positionieren, beispielsweise beim Mittagessen, bei Bedarf kann sie aber auch am Rucksack außen befestigt werden und so während des Wanderns Strom produzieren.

    Nun darf man sich keiner Illusion hingeben: Bei bewölktem Himmel ist die Ladeleistung extrem reduziert, ebenso wenn die Zellen nicht sehr gut zur Sonne ausgerichtet sind. De facto war es ein großes Glücksspiel mit dem Solarlader. Noch Tage vor Reisebeginn war ich wirklich unsicher ob ich sie mitnehmen soll, schließlich ist Skandinavien im Herbst nicht eine ideale Zeit für eine Solarzelle und ich befürchtete schon, die 400gr umsonst mitzuschleppen.

    Interessanterweise hat sich die Solarzelle dann aber einwandfrei geschlagen. Unsere rund einstündigen Mittagspausen reichten meist aus, wieder 25-40% Ladeleistung ins Handy zu übertragen, somit blieben die Verluste des Telefons gut ausgeglichen. Und abends am Zelt schnell aufgebaut, konnte die Solarzelle dann auch die sonstige Elektronik versorgen.

    Am heutigen Pausentag, an dem die Sonne wirklich beeindruckend vom Himmel knallte, spielte die Solarzelle dann auch wirklich ihre Stärke aus. Trotz Serien schauen und Musik hören habe ich mein Telefon zwei Mal vollgeladen gekriegt, Markus Telefon noch mal auf 100% gefüllt und sogar unsere Kindles wieder vollgeladen.
    Das war jetzt recht ausführlich, aber wie ihr seht, ich bin von der Solarzelle recht begeistert und es hat sich auf alle Fälle gelohnt das Zusatzgewicht mitzuschleppen. De facto hätte ich die Powerbank auch daheim lassen können, genutzt habe ich diese nur die letzten 4 Tage. Dort war dann nämlich klar, dass die Powerbank locker den Strombedarf bis zum Ende des Urlaubs decken kann und somit habe ich mir die Arbeit gespart in den Pausen die Solarzelle auszupacken und aufzubauen.


    Haare waschen war dringend notwendig


    Ich nenne diese Frisur "der Mönch"

    Serien schauen, Musik hören, Proviant futtern, der Pausentag entwickelt sich prächtig. So prächtig, dass Markus erst um 16:00 Uhr das Zelt verlässt. Ich hatte in der Zwischenzeit ein langerwartetes Bad im nahegelegenen Bach hinter mich gebracht (Wasser kalt wie immer, die Sonne hilft aber beim Trocknen) und habe den Großteil meiner Klamotten gewaschen und zum Trocknen ums Zelt gehängt. Selbst das vollgesogene Fleece schafft es bis abends wieder nahezu komplett getrocknet zu sein.

    Abends klettern wir zum zweiten Mal auf den Skierffe, der Ausblick ist einfach zu gut, und die Wegstrecke da hoch zu kurz, um es sich entgehen zu lassen.

    Heute sehen wir endlich das Zelt im Tal (Bildmitte)[/caption]

    Allerdings ist es doch ein wenig schwer erkennbar[/caption]

    Bielloriehppe[/caption]

    Bielloriehppe[/caption]

    Bielloriehppe[/caption]

    Heute verbringe ich viel Zeit mit dem Fernglas auf dem Gipfel, ein Elch zeigt sich im Delta jedoch immer noch nicht. Auch ein paar Ansichten, die ich gestern noch nicht fotografiert habe, versuche ich abzulichten. Wie letztes Jahr finde ich es spannend zu sehen, wie unterschiedlich sich das einfallende Licht auf die Stimmung am Skierffe auswirkt. Das Rapadalen leuchtet dann in verschiedensten Farben oder sieht bedrohlich aus, auch die Gewässerfarbe scheint auf einem breiten Spektrum zu variieren.



    Dank mitgeschleppten Kocher gibt es heute wieder Abendessen am Gipfel, heute gibt es Nudeln.

    Tolle Abendstimmung[/caption]



    "Und jetzt noch einen Schritt zurück bitte"[/caption]

    Kochecke - windgeschützt.[/caption]

    Blick in die morgige Wanderrichtung[/caption]

    2 Besucher auf dem Abstieg[/caption]

    Anschließend verabschieden wir uns von dieser fantastischen Aussicht, Markus kehrt gar 3x zur Kante zurück und erklärt irgendwann, wie gerührt er von diesem Ort und dieser Aussicht ist. Dies kann ich vollkommen nachvollziehen, ich bin jetzt 4x auf dem Skierffe gewesen und doch bin ich jedes Mal aufs Neue ergriffen.

    Der Ausblick brennt sich ein.[/caption]

    Für die abschließende Planung des Abends muss ich einen Rückgriff auf unsere Wanderung 2015 auf dem Kungsleden machen. Da waren wir 12 Tage unterwegs und Markus sagte rückblickend, dass es ihm am Ende etwa 3 Tage zu lang war. Dadurch wurde der Abschluss für ihn eher anstrengend und hat ihm rückwirkend die schöne erste Woche ein bisschen zerstört, er wollte dann einfach nur noch ankommen und fertig sein mit dem Wandern.





    Als wir also die Tour für dieses Jahr planten, sprachen wir über die Problematik und was wir ändern könnten, damit Markus nicht noch einmal so ein Gefühl entwickelt, und der Urlaub ihm in guter Erinnerung verbleibt. Da ich die diesjährige Strecke auf knapp 14 Tage ausgelegt habe, überlegten wir uns wo mögliche Zwischenausstiege möglich wären. Im Sarek ist dies leider nicht so einfach, denn schließlich läuft man ja von den Rändern in den Nationalpark rein, und muss für einen Ausstieg wieder irgendwie zu den Rändern zurück.
    Jetzt ist allerdings der Skierffe fast genau die Grenze des Sareks, wir sind ihn grob von Nordwest nach Ost durchlaufen. Nur 4 Kilometer vom Skierffe entfernt trifft man schon auf den Wanderweg Kungsleden, der einen in nur 2 Etappen wieder zur Straße bringt. Dies war ja auch der Grund, weshalb ich letztes Jahr bei meiner Wanderung einen dreitägigen „Ausflug“ in den Sarek an genau der Stelle gemacht habe, und anschließend dem Weg weiter gefolgt bin.

    Als weitere Schwierigkeit kam hinzu: Der Ausstieg war nur für Markus gedacht, sofern ich keine körperlichen Probleme kriegen sollte, war ich nämlich fest entschlossen die ganze Strecke zurückzulegen. Dies bedeutete aber auch: Wir haben nur ein Zelt, einen Kocher. Wenn Markus aussteigt, muss er entweder innerhalb eines Tages zurück zum Bus kommen können, oder braucht Hütten.

    360° Panorama vom Skierffe[/caption]



    So blieb als einzige Möglichkeit nun der Ausstieg nach dem Skierffe: So hatte Markus bereits eine Woche wandern hinter sich, würde dann noch 2 Tagesetappen auf dem Kungsleden haben und könnte nachts immer auf den Hütten am Kungsleden übernachten.

    Schon bei der abendlichen Besteigung des Skierffe haben wir über Markus möglichen Ausstieg geredet. Er ist noch sehr unentschieden. Einerseits fühlt er sich fit, es macht ihm Spaß und nach 7 Tagen (bzw. 9 Tage inkl. Kungsleden-Etappen) aufzuhören erscheint ihm fast zu kurz. Dennoch ist ihm bewusst, dass er es gerade nur so genießt weil das Wetter herrlich ist und wir eigentlich ganz gut vorankommen. Sofern es plötzlich 4 Tage durchregnet in der zweiten Woche, hätte er denselben Effekt wie bei der 2015er Reise.
    So richtig kriegen wir diese Problematik nicht aufgelöst. Ich bin fest davon überzeugt, dass Markus die für sich richtige Lösung finden muss. Ich wandere gerne mit ihm die zweite Woche, habe aber auch kein Problem die weitere Strecke Solo zurückzulegen. Also muss er entscheiden, was er präferiert.
    Mehrmals entscheidet sich Markus um und kommt schließlich zu dem Entschluss noch eine Nacht drüber zu schlafen. Damit kann ich auf alle Fälle leben, wir nutzen so aber den Abend noch für eine sehr ausführliche Ratsch-Runde. Deutlich später als die vorherigen Nächte, bis kurz nach Mitternacht liegen wir so in den Schlafsäcken und quatschen. Sollte Markus und ich nun morgen tatsächlich getrennte Wege gehen, zumindest haben wir die wichtigsten Themen geklärt

    Insgesamt war heute also ein traumhafter Tag, genau richtig geplant als Pause. Und so sonnig wie es heute war, kann es die nächsten Tage gerne weiter gehen. Mit Spannung erwarte ich nun Markus Entscheidung am nächsten Morgen, freue mich aber so oder so auf die weitere Strecke.

    Tschüss Skierffe - bis zum nächsten Mal[/caption]

    Auf meinem Blog Longing for the Horizon:
    Pamir Highway 2019 / Sarek 2018 / Padjelantaleden 2017 / 4500km Radtour Berlin-Nordkapp 2017 / Kungsleden 2015 / Kungsleden 2014 / Israel-Hike 2014 und viele kleinere Radtouren (Berlin - Kopenhagen / Prag - Berlin etc.)

  4. Erfahren

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #24
    Zitat Zitat von theslayer Beitrag anzeigen
    Bielloriehppe
    Pårtemassiv mit Pårteglaciären/Bårddejiegna, deucht mich .

  5. AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #25
    Beeindruckende Fotos von einem meiner absoluten Traumziele!!!!

    Ist auf den Skierfe Bildern vom ersten Tag ein Hochsitz im Delta zu erkennen (Bild: https://longingforthehorizon.files.w...1/p14x6226.jpg)
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  6. Dauerbesucher

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #26
    Zitat Zitat von Taffinaff Beitrag anzeigen
    Pårtemassiv mit Pårteglaciären/Bårddejiegna, deucht mich .
    ich wusste doch, dass hier im Forum sicherlich jemand mich auf meine absolute Unfähigkeit hinweist, Berge der Landkarte zuzuordnen

    @Mika: Ja, ist auf alle Fälle einer :-)
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  7. Erfahren
    Avatar von vobo
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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #27
    Wunderschöne Bilder vom Skierffe und dem Drumherum wie dem Partegletscher . Hat Spaß gemacht, Euch zuzuschauen ...

    OT: Wenn Du Zeit hast, füge noch ne Leerzeile zwischen die Bilder, macht sie bestimmt noch ansehnlicher

  8. Dauerbesucher

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #28
    [Tag 9] Sonntag 2.9. Wiese/Fluss westlich des Skierffe – Fuß des Vássjábákte





    Wir befinden uns heute auf dem schwarzen Tourabschnitt Nr. 6 (Obwohl ich eine Route nördlich um das Gebirge gelaufen bin, um zur türkisen Tour 15 zu gelangen).

    Habe heute den Wecker auf 7 Uhr gestellt und erwarte nun Markus Einschätzung zum weiteren Verlauf. Die Nacht hat ihm tatsächlich geholfen einen Entschluss zu fassen:
    Auch wenn es ihm 1-2 Tage zu früh ist, so wird er heute auf den Kungsleden wechseln und ich werde alleine im Sarek weiterziehen. Und auch wenn es für ihn zu früh ist, er bevorzugt diesen Ausstieg als die Option, mehrere Tage im Regen weiter wandern zu müssen, dies kann ich natürlich nachvollziehen.

    Großes Ausrüstungstauschen[/caption]

    Skierffe, heute grauer als gestern.[/caption]

    So dauert das Packen heute früh doch länger, schließlich müssen wir alles korrekt aufteilen, wäre unangenehm wenn ich erst heute Abend feststelle, dass mir die Feuerzeuge fehlen. Der größte Nachteil an Markus Weggang ist, neben dem Fakt das es mit ihm verdammt Spaß gemacht hat, dass nun mein Rucksack wieder schwerer wird:
    Ich hatte von Anbeginn der Reise das Zelt und den Kocher getragen, diese zwei Posten machen zusammen fast 5KG aus. Im Gegenzug dafür hat Markus unsere Abendessen und Mittagessen transportiert. Die sind zwar auch schwer, werden aber Tag für Tag ein wenig leichter. (So ja auch der Unterschied im Start-Rucksackgewicht von 32kg zu 27kg) Wäre Markus jetzt im Sarek geblieben, hätten wir langsam die verbleibenden Mahlzeiten auf zwei Rucksäcke aufteilen können, ich hätte ihm im Gegenzug aber Teile vom Zelt und vom Kocher gegeben, damit wir mit ähnlich schweren Rucksäcken weitergegangen wären.

    Jetzt behalte ich jedoch die schwere Ausrüstung und mit einem leicht süffisanten Grinsen überreicht mir Markus nun 6 Portionen Abendessen und 6x Mittagessen. Hinzu kommen noch das Sattelitentelefon, die Zahnpasta und dankenswerterweise auch sein Taschenmesser. Gefühlt bin ich also fast wieder beim Ausgangsgewicht von 32kg, es fühlt sich auf jeden Fall wieder mächtig schwer an am Rücken.

    Der Abschied nach dem Zeltabbau fällt uns beiden schwer, allerdings verlässt mich Markus auch mit dem schönsten Lob: „Danke für die Planung, lief alles top bisher“, dies verstehe ich als Auszeichnung für die ausführlichen Planungen der letzten Monate, die ich zum größten Teil alleine vorgenommen habe. Ich bin natürlich auch sehr erleichtert, dass bisher das Meiste geklappt hat, denn als Allein-Planer hat man ja auch automatisch die Verantwortung für die zweite Person gleich mit.

    An dieser Stelle: Danke fürs Mitkommen Markus! Hat mir sehr viel Spaß gemacht mit dir den Sarek zu erkunden und gemeinsam über die Landschaft staunen zu können. Danke für eine Vielzahl an running gags und ausführliche Gespräche. Gerne bald wieder!

    Nach der Verabschiedung laufen wir nun in getrennte Richtungen davon: Markus in Richtung Skierffe um dort den Weg zurück zum Kungsleden zu finden. Für mich geht es wieder westwärts, denn nachdem wir nun am östlichen Rand des Sareks gelangt waren, will ich wieder ins Zentrum des Nationalparks zurück. Mein Ziel für Morgen ist die Querung des Skájdásvágge, um so ins Tal Basstavágge zu gelangen. Auch diese Strecke bin ich letztes Jahr schon gelaufen, kenne mich also aus was mich da erwartet. Um zum Skájdásvágge zu gelangen, müsste ich die Strecke von Vorgestern in Gegenrichtung zurücklaufen. (Hatte da im Tages-Eintrag ja schon angemerkt, dass man in der Früh bereits die Querung sehen konnte.) Nun bin ich die Strecke letztes Jahr einmal gelaufen und dann vorgestern in die Gegenrichtung. Ein drittes Mal wirklich exakt dieselbe Strecke? Muss nicht sein, würde ich gerne vermeiden.

    Markus beim Aufstieg nahe des Skierffe[/caption]

    Zoomobjektiv machts möglich.[/caption]



    Noch sichtbar in der Bildmitte[/caption]

    In echt aber schon ein ganzes Stückchen weg.[/caption]

    Nach einer ausführlichen Schmökerei im Grundsten-Reiseführer habe ich schließlich eine Alternative gefunden. Zwar wird diese als deutlich länger beschrieben (30km statt etwa 16 km), doch nach einem detaillierten Blick in die Karte geh ich davon aus, dass dort vom Kungsleden aus gerechnet wird und auch am Ende noch ein Stück mit eingeflossen ist, welches ich nicht gehen muss. (Diese Erkenntnisse stellen sich im Laufe des Tages als korrekt heraus!).
    Die heutige Wanderung geht somit nicht an der nördlichen Abbruchkante des Rapadalen entlang. Stattdessen biege ich gleich nach Norden ab und laufe über die Jågåsjgaskaláhko-Hochebene in Nordwestliche Richtung, um dann am Fluss im Vássjávágge nach Westen aufzusteigen und auf der Südseite des Berges Vássjábákte mein Zelt aufzustellen. Denn dort beginnt morgen der Passanstieg ins Skájdásvágge.

    Erster Blick auf meine heutige Wanderung: Die Jågåsjgaskaláhko-Hochebene[/caption]

    Jågåsjgaskaláhko-Hochebene mit Berg Suorkisjnjurttje links[/caption]

    Das erste Stück bis zum See Ábbmojávrre ist sehr einfach zu gehen, begleitet von wunderschönen Herbstfarben. Auch ziehen, wie in den letzten Tagen, zahlreiche Rentiere an mir vorbei, heute nehme ich mir auch ausreichend Zeit um diese fotografisch festzuhalten.

    Leichte erste "Fluss"-Querung[/caption]

    Pünktlich mit den ersten Sonnenstrahlen kommen nun ein paar Rentiere vom Grat herunter[/caption]

    Neugieriges Beäugen aus der Ferne[/caption]





    Toll vor diesen Herbstfarben[/caption]

    Ich wiederhole mich, aber: Es hat sich gelohnt das Telezoom-Objektiv mitzunehmen.[/caption]



    Kleine Herde[/caption]

    Ein wenig melancholisch bin ich schon, entscheide mich dann aber beim Laufen doch Musik zu hören und in Gedanken die Woche mit Markus Revue passieren zu lassen.

    Blick zurück, links-mittig der Skierffe[/caption]





    Restschneefelder[/caption]

    Blick auf den See Ábbmojávrre. Der dunkle Berg in der Bildmitte ist der Dágarlåbddå, davor werde ich nach links abbiegen und das Seitental hochsteigen.[/caption]

    Als ich beim Abfluss des Sees Niehterjávrre ankomme, habe ich bereits drei Flüsse problemlos passiert. Dies wird mir bei dem Fluss allerdings nicht gelingen. Das Wasser ist zwar nicht tief, aber es finden sich kaum Steine im Wasser, ich finde einfach keine Verbindung zur anderen Uferseite. Also Schuhe ausziehen und ab durchs Wasser.

    Beim Abfluss des Ábbmojávrre...[/caption]

    ...komme ich noch gut über Steine zum anderen Ufer.[/caption]

    Blick zurück zum Ábbmojávrre.[/caption]

    Danach wird die Strecke ein wenig steiniger.[/caption]

    Aber beim Niehterjávrre komme ich nicht rüber ohne Schuhwechsel. Man sieht zwar wie flach das Wasser an dieser Engstelle ist, trotzdem aber zu tief für Wanderstiefel[/caption]

    Auf der anderen Seite beschließe ich gleich Mittagspause zu machen, dann können auch die Füße in Ruhe trocknen. Erstmalig auf der Tour schmeiße ich nun den Kocher zum Mittagessen an, die ganzen Brotlastigen Mittagsspeisen haben wir schon aufgegessen und was übrig war habe ich Markus mitgegeben, damit er Mittags auch was zu beißen hat, wenn ich schon mit dem Kocher weiterziehe.



    Mittagspause am Seeufer[/caption]

    Bin ich heute früh teilweise noch im T-Shirt gelaufen und die Sonne schien ab und an wird es nun doch deutlich bewölkter und der Wind gewinnt an Stärke, was zugleich die gefühlte Temperatur ordentlich in den Keller plumpsen lässt. Ich beende die Pause somit vorzeitig und gehe weiter. Vielfach geht mein Blick zum Skierffe, auch den Tjahkelij sieht man noch mehrmals. Zudem blicke ich nach Osten auf die Hochebene, auf der der Kungsleden verläuft, in dem Wissen das Markus da gerade irgendwo langstapft.

    Steinig geht es nach dem Mittagessen weiter, immer auf den Berg Dágarlåbddå zu.[/caption]

    Blick zurück. Etwa in Bildmitte, hinter dem spitzen Berg ist der Pass, wo ich heute nach dem Zeltabbau auf diese Hochebene gequert bin.[/caption]

    Dágarlåbddå voraus[/caption]

    Eigentlich nur noch Steine.[/caption]

    Die Hochebene wird nach dem Mittagessen deutlich steiniger, spätestens nach der Abbiegung ins Vássjávágge-Tal. Hier geht es über knappe 4 Kilometer knappe 380 Höhenmeter empor, und dies auf einem nahezu durchgängigen Blockfeld. Die Strecke zieht sich trotz guter Musik im Ohr ganz schön. Vor dem Aufstieg hat man einen schönen Blick auf den Dágarlábddå gehabt, auf den ich den vorherigen Teil des Tages direkt zulief.

    Links vom Dágarlåbddå geht es nun in den Aufstieg des Vássjávágge-Tals.[/caption]

    Dauerhafter Untergrund[/caption]

    Dies beschert mir allerdings fantastische Steinformationen und -zusammensetzungen.[/caption]



    Etwa die Hälfte des Aufstiegs im Vássjávágge-Tal geschafft, Blick zurück.[/caption]



    Nun jedoch dominieren Wolken und Nebelfetzen die Szenerie. Oben angekommen steh ich an der Wasserscheide, hier liegt tatsächlich noch eine Menge Schnee und es ist wirklich bitter kalt.

    Restschnee an der Wasserscheide[/caption]

    Das obere Ende des Tals erreicht wird der Blick auf das Bielloriehppe-Gebirge wieder freigegeben.[/caption]

    Quer zum Hang laufe ich nun zur morgigen Einstiegsstelle am Fuße des Berges. Dabei komme ich noch an schlafenden Rentieren vorbei, ein Anblick, den ich so noch nie erlebt habe. Lange bleiben kann ich jedoch nicht, es ist sicherlich gute 10° kälter als gestern Abend und ich will nur schnell eine gute Stelle für mein Zelt finden.

    Wie die bei diesem Temperaturen relaxen können?[/caption]

    Blick von Oben auf den Flusslauf des Lulep Vássjájågåsj. Diesen haben wir am Tag 7 als erstes in der Früh gequert auf dem Weg zum Skierffe.[/caption]

    Nun kommt ein wenig Leben in die Gruppe[/caption]



    Fluss Lulep Vássjájågåsj[/caption]

    Bielloriehppe-Gebirge auf der anderen Talseite des Rapadalen.[/caption]

    Berg Vássjá[/caption]

    Mit Altschneefeldern.[/caption]



    Vássjá und Sumpfgras[/caption]

    Bald finde ich eine grasige Stelle, wo auch in der Nähe ein kleineres Bach-Rinnsal mit frischem Wasser vorhanden ist. Dies gefällt mir sehr, schließlich habe ich letztes Jahr nur ein paar Kilometer weiter westlich mein Zelt auf purem Schotter aufgestellt, dies wäre mit dem diesjährigen Tunnelzelt wohl nicht gegangen.

    Der Berg Vássjábákte, direkt hinterm Zelt. Hier werde ich morgen direkt aufsteigen und ins nächste Tal queren.[/caption]

    Ausblick gen Süden ins Rapadalen/Bielloriehppe vom Zeltplatz aus[/caption]

    Der Zeltaufbau dauert heute Abend ewig! Verglichen mit zwei Personen und vier Händen ist es allein doch komplizierter das Zelt ordentlich abzuspannen, besonders weil hier oben ein ganz schöner Wind weht. Das Zelt will gespannt werden und bis ich 20 Heringe im Boden versenkt habe, vergeht einiges an Zeit. Dafür habe ich aber nun im Zelt aber luxuriös viel Platz. Das mitgenommene Nordisk Oppland 3-Personen Zelt ist schon für Markus und mich zu zweit wirklich geräumig, schließlich hat man ca. 190cm Innenzelt-BREITE und auch im Vorzelt konnten ganz ohne Probleme zwei große Rucksäcke liegen und man konnte immer noch im Vorzelt sitzen und kochen. Alleine kann ich mich also nun ausbreiten wie ich will, das ist natürlich herrlich.

    Gen Süden[/caption]

    Gen Süden[/caption]

    Gen Westen, Berg Vássjá[/caption]

    Gen Norden, der morgen zu besteigende Vássjábákte[/caption]

    Derzeit noch im tiefhängenden Nebel.[/caption]

    Die morgige Querung liegt heute Abend noch im Nebel, es ist jedoch bereits abzusehen, dass es ein steiler Aufstieg wird. Abends gibt es noch Nudeln Bolognese.

    Viel Platz zum Kochen.[/caption]

    Zudem ist nun mehr als ersichtlich, dass wir viel zu viel Spiritus dabei haben. Ich hatte ja zu Beginn der Reise erzählt, dass wir anderen Spiritus gekauft hatten, und nicht ganz klar war, ob dieser ebenfalls so gut brennt. Aus dem Grund hatten wir das abendliche Tee-Zubereiten weggelassen um im Notfall noch genug Spiritus für den Rest der Reise zu haben. Nun habe ich aber nur noch 5 weitere Tage vor mir und von den ursprünglichen 2 Liter Spiritus sind immer noch ca. 1,5 Liter vorhanden, die schwer auf meinem Rücken lasten. Ich werde vermutlich die kommenden Tage ein bisschen Spiritus in verschwenderischer Absicht abbrennen, aus diesem Grund gibt es ab jetzt aber auf alle Fälle wieder Tee. Im langsam aufwärmenden Zelt zu liegen mit einem Liter Tee und meinem Kindle ist wirklich ein toller Ausklang zu einem sehr schönen Wandertag. Außer Markus in der Früh ist mir keine Menschenseele begegnet, die Einsamkeit gefällt mir nach unserer Zeit am Skierffe, wo man natürlich deutlich mehr Menschen begegnet ist. (Aber auch nicht mehr als 5 oder 6 Personen am Tag)

    Abends besuchen mich dafür noch Rentiere direkt am Zelt. Diese sind so nah, ich habe manchmal das Gefühl sie knabbern das Zelt an.

    Nächtliche Besucher[/caption]

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  9. Dauerbesucher

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #29
    [Tag 10] Montag 3.9. Fuß des Vássjábákte – Basstavagge, Zufluss vom Alep Basstajiegna




    Wir befinden uns heute auf dem türkisen Tourabschnitt Nr. 15.

    Der gestrige Abendausklang verlief höchst entspannt bei Tee, Serien und einem guten Buch auf dem Kindle. Nachts wurde es dann ziemlich kalt, auch ein wenig Regen gab es.

    Blick gen Süden und zum Bielloriehppe-Gebirge[/caption]

    Gestern seh man den Anstieg aufgrund des Nebels nicht, aber hier geht es in einer Stunde gleich um die Wurst: Aufstieg zum Vássjábákte-Pass[/caption]



    Der Morgen weckt mich mit wundervollem Sonnenschein und nach dem eisigen Abend gestern: Hitze im Zelt. Ein schnelles Frühstück im Vorzelt, dann trete ich heraus und habe sofort die Sonne im Gesicht. Ist ja fast schon zu heiß, was ist denn heute los? Schnell besinne ich mich darauf, dass es in Deutschland wahrscheinlich weiterhin über 25°C sind, da genieß ich das Wetter hier mal lieber.

    Blick auf den Vássjá gen Westen[/caption]

    Heute: Strahlender Sonnenschein[/caption]

    Blick gen Vássjábákte[/caption]

    Die Herausforderung des Tages, 400 Höhenmeter geht es da nun rauf, wie steil es ist lässt sich auf dem Bild schwer wiedergeben.[/caption]

    Nach dem Zusammenpacken der Ausrüstung (Das Zelt lässt sich Solo ähnlich scheiße zusammenpacken wie aufbauen :-( ), steht nun das Kernstück des Tages an:
    Gleich hinter dem Zelt gilt es bis zur Passhöhe des Vássjábákte aufzusteigen, um auf der anderen Seite durchs Skájdásvágge, einem steilen Tal bis zum Bastavágge abzusteigen. Knapp 400 Höhenmeter erwarten mich, und so stapfe ich ausgeruht, aber mit dem immer noch sauschweren Rucksack los. Die erste Hälfte des Aufstiegs ist noch flacher, die zweite Hälfte jedoch verrückt schräg. Ich kämpfe mich über Blockfelder hoch und verschwinde schnell in vorbeiziehenden Wolken oder Nebelschwaden.

    Die ersten hundert Höhenmeter sind geschafft, Blick zurück. (Unten auf der Grasfläche stand heute das Zelt.[/caption]

    Wie weit ich noch muss lässt sich aufgrund des Nebels schwer sagen. Der Untergrund bleibt schwierig.[/caption]

    Manchmal lichtet sich der Nebel ein wenig und gibt Hoffnung, dass dieser kräftezerrende Aufstieg bald vorbei ist.[/caption]

    Ohne Sonne und mit dem auffrischenden Wind hier oben wird es schnell empfindlich kühl, trotzdem laufe ich im T-Shirt weiter, dank körperlicher Anstrengung bleibt mir warm. Spätestens im letzten Drittel muss ich alle 20 Schritte Pause machen, um wieder zu Atem zu kommen. Zudem wackele ich auf den teils losen Steinblöcken ganz schön hin und her. Die zahlreichen Kilometer über Blockfelder am Vortag haben da als Übung wohl geholfen. Gestern bin ich ohne Sturz oder umknicken vorangekommen, witzigerweise habe ich es erst abends im Zelt geschafft mir wehzutun, als ich mich im Eingangsbereich mit viel Schwung hab hinplumpsen lassen und es dabei geschafft habe mit der Kniescheibe auf dem einzigen spitzen Stein zu landen. Tja doof, aber passiert. Das Knie fühlt sich heute noch ein wenig geprellt an, es geht aber trotzdem voran.

    Nach knapp einer Stunde bin ich oben angekommen, wobei es keinen konkreten Gipfel hier gibt, mich erwartet stattdessen eine flache Ebene. Auch wenn der Aufstieg nicht lang war, mit dem Rucksackgewicht war es doch anstrengend und so macht sich Erleichterung und ein wenig Stolz breit, es in der Früh gleich geschafft zu haben.

    Ich nehm das jetzt mal als Gipfelkreuz[/caption]

    Gipfel-Selfie[/caption]

    Aber die Aussicht bleibt mies. Wie beschrieben auch kein wirklicher Gipfel, der Pass flacht oben einfach aus.[/caption]

    Blick in die Gegenrichtung, hier kam ich gerade her.[/caption]

    Eine Pause auf einem Stein genehmige ich mir deshalb gleich, dabei geht es dem ersten Müsliriegel des Tages an den Kragen. Bisher im Blog unerwähnt ist auch mein selbstgemachtes Beef Jerky geblieben, welches hier oben gleich dreimal so gut schmeckt. Ein halbes Kilo hatte ich zu Tourenbeginn dabei, und mit ein wenig taktischem Haushalten hält es dann schließlich auch bis zum letzten Wandertag. Sogar vier Geschmacksrichtungen habe ich mir diesmal angefertigt, wobei die Sojasaucen-Variante ebenso wie die Whiskey-Soße geschmacklich ganz klar vor der Teriyaki-Version und der Süßsauer-Version ins Ziel kommen.

    Plötzlich wird die Wolke, die das Plateau bedeckt, verblasen und damit werden herrliche Blicke auf das Ähpár-Massiv in nördlicher Richtung möglich. Dieser Blick blieb mir letztes Jahr bei der Übersteigung verwehrt, da hielten sich die Wolken.

    Ähpár-Massiv und weiterer Weg, ich steige jetzt ins Tal ab.[/caption]



    Nach der Pause geht es an den langen, langen Abstieg. Musste ich 400 Höhenmeter aufsteigen geht es auf der anderen Seite nun ganze 800 Höhenmeter bergab, da das Basstavágge deutlich tiefer liegt als mein Anstieg an der Felskante des Rapadalen.

    Jeder Muskel ist angespannt um die Balance zu halten. Stellenweise laufe ich über ein längeres Schneefeld, was deutlich angenehmer zu begehen ist. Dort kann ich das steilere Stück sogar in Skifahr-Stellung herunterrutschen, die mehrfache Übung bei einer diesjährigen Wanderung um den bayrischen Königssee, wo zahlreiche Schneefelder zu überqueren waren, macht sich bezahlt. Spannenderweise kann ich in eine Spalte im Schnee blicken und erkenne dadurch, dass das Schneefeld stellenweise immer noch mehrere Meter dick ist. Angesichts des verrückt heißen Sommers in Schweden ist dies wirklich unglaublich, ich wüsste gern wie dick die Schneeschicht im Winter ist.

    Ähpár-Gegbirge und viele steinige Höhenmeter bis dahin.[/caption]

    Schneefeld als optimale Abkürzung[/caption]



    Blick zurück zum Pass.[/caption]

    Der Abstieg danach bleibt weiterhin steil, ich bin also wirklich froh dieses und letztes Jahr in dieselbe Richtung unterwegs zu sein, und nicht den steilen Anstieg in die Gegenrichtung aushalten zu müssen.

    Steil geht es Bergab[/caption]

    Doch nun kommt der Talboden in Sicht.[/caption]

    Zum Ende hin wird es noch einmal spannend: Ich bin bisher über eine Gebirgszunge abgestiegen, wobei westlich und östlich davon zwei Flüsse hinabfließen, die von den höhergelegenen Gletschern gespeist sind. Am Ende der Zunge vereinigen sich beide Flüsse, dort muss also zwangsläufig der Fluss gequert werden. Fun Fact: Der Name Skájdásjvágge bedeutet „Tal zwischen den Bächen“, der Name ist also Programm. Im letzten Jahr ging die Querung via einer ziemlich unterschwemmten Schneebrücke (Nachzulesen an diesem Tag), und so bin ich gar nicht erstaunt als jetzt, 2 Monate später als bei der letztjährigen Tour, keine Schneebrücke mehr zu sehen ist.

    Hier sieht man gut, dass ich auf einer Gebirgszunge laufe, links und rechts fließen Flüsse ins Tal und vereinigen sich am Ende der Zunge[/caption]

    Ende der Gebirgszunge.[/caption]

    Stattdessen bestaune ich wie sich zwei verschiedenfarbige Flüsse (je nach Sedimentgehalt) ineinander vereinigen und Talwärts donnern. Das Wasser ist auf alle Fälle reißend, durch die Sedimente lässt sich die tatsächliche Tiefe auch schwer ausmachen.

    Hier sieht man gut den Zusammenfluss und die verschiedenen Gewässerfarbend[/caption]

    Da muss ich rüber. Weit ist es zwar nicht, dafür sehr reißend und verdammt kalt.[/caption]


    (INFO: Bitte kein Bildmaterial einfügen, das die Rechte Dritter verletzt. d.h. i.d.R. keine Musikvideos, TV-Serien etc. )

    Wanderstiefel, Socken, Gamaschen und Hose aus, diese zusammen mit der Kameratasche im Rucksack verstauen. Crocs an, Trekkingstöcke verlängern und dann geht es los. Davor habe ich jedoch noch das Satellitentelefon, welches ich in einer wasserdichten Tupperdose transportiere, mit einer Schnur versehen und mir um den Hals gehängt. Ich weiß noch letztes Jahr wie ich mir bei der Querung desselben Flusses weiter unten im Tal dachte „wenn jetzt was passiert wird es richtig doof, du wirst keine Möglichkeit haben um Hilfe zu rufen“. Mit aus diesem Grund will ich nun nicht riskieren, dass das Telefon im Rucksack verbleibt, welchen ich im Ernstfall bei einer missglückten Querung abwerfen müsste.

    Hatte ich vor genau dieser Flussquerung jetzt eine Zeitlang Sorge, stellt sie sich als gut machbar heraus. Es ist zwar schweinekalt an den Füßen und die Strömung zerrt ganz schön an mir. Dafür ist es nur an einzelnen Stellen mehr als knietief und auch nicht sonderlich breit und so stehe ich schnell auf der anderen Seite und mache mich wieder losgehbereit. Diesmal gibt es noch eine ordentliche Runde Füße verarzten, die Blasen werden nämlich nun Tag für Tag schlimmer.

    Blick zurück auf die Gebirgszunge, über die ich jetzt mehrere hundert Höhenmeter abgestiegen bin.[/caption]

    Blick talwärts, nun bin ich im Basstavágge angekommen.[/caption]



    Blick zurück ins Skájdásvágge, ganz oben in der Bildmitte bin ich ins Tal gequert.[/caption]

    Der Rest des Abstiegs zieht sich zwar, lässt sich aber gut bewältigen. Nach Ankunft im Basstavágge mache ich erstmal Mittagessen in Ruhe, bereite mir dazu ganz entspannt meine Ramennudeln zu und genieße den Ausblick in dieses hochalpin anmutende Tal. Schon von weitem sehe ich einen einzelnen Wanderer, der das Tal in meine Richtung hinaufzieht.

    Gen Ende meiner Pause fängt es an zu tröpfeln, es ist die letzten Stunden schon deutlich zugezogen am Himmel, vergessen ist der Sonnenschein von heute früh. Nach dem Loslaufen muss ich schnell erneut anhalten um mir meine Regensachen anzuziehen.

    Blick westwärts ins Bastavágge, da geht es nun lang[/caption]

    Basstavágge gen Osten. Hier bin ich letztes Jahr zur Sami-Siedlung Rinim abgebogen. Alles was nun folgt ist für mich unbekannte Wegstrecke.[/caption]

    Der Basstavárásj, der an einen Bremsklotz erinnert.[/caption]

    Immer am Fluss Lulep Basstajåhkå entlang[/caption]

    Langsam wirds ungemütlich, sowohl vom Untergrund her, wie auch vom stärker werdenden Regen.[/caption]

    Deswegen ist die Begeisterung wirklich verflogen, als ich nur einen Kilometer später vor einem weiteren Bachlauf stehe, wo ich keine Steine zur Querung finde. Um durch den Bach zu kommen, der vom Gletscher des Lulep Basstajiegna herabfließt, muss ich somit wieder alles ausziehen. Als ich auf der anderen Seite gerade fertig bin mit dem Wiederanziehen, erreicht der Wanderer vom Mittagessen auch den Bach. Ich warte also noch ein wenig und zeige ihm die Stelle an der ich gequert bin.

    Ohne Schuhe ausziehen ging hier nichts. Dann wartete ich noch auf den nachfolgenden Wanderer.[/caption]

    Auf der anderen Seite begrüßen wir uns, der Wanderer heißt Ingmar und ist ein Rentner aus Südschweden. Nachdem auch er seine Ausrüstung wieder angezogen hat, gehen wir gemeinsam weiter, schließlich habe ich seit knapp 40h keine weitere Menschenseele gesehen.

    Ich bin wirklich von ihm fasziniert, er hat heute seinen ersten Tag im Sarek, will dort insgesamt 10 Tage verweilen. Leichtes Gepäck hat er, vor allem verglichen zu mir, er schleppt nur 16 Kilo auf dem Rücken. Dafür hat er meinen vollsten Respekt, denn er ist inzwischen 75 Jahre alt. Seine Frau ist wohl keine Wanderin, deswegen teilen sie sich einmal im Jahr auf, er geht auf Wanderurlaub und sie macht Wellness-Urlaub, wie er süffisant angeekelt berichtet. So frage ich ihn auch schnell, ob er schon einmal im Sarek war. Die Antwort hätte ich mir fast denken können: „Na klar, ich war 1976 hier, ich bin ja erstaunt dass es dieses Mal einen so klaren Pfad im Tal gibt“. Mensch, die Schweden mal wieder. Ich kann mir kaum ausmalen wie eine Wandertour im Sarek in den 70ern war. Kein Gore-Tex, keine leichten Silnylon-Zelte und ich vermute auch der Proviant war deutlich schwerer als die heutigen Nudelfertiggerichte.

    So vergeht die Zeit beim Wandern mit ihm wie im Flug. Auch im Regen und Starkwind bleibt dieses Tal wunderschön, stellenweise läuft man über sehr schotterigen Untergrund, teilweise wieder über kurze Gras-Abschnitte oder Sedimenthügel.
    Der Reiseführer schreibt dazu: „[Das Basstavágge] bietet den am deutlichsten ausgeprägten hochalpinen Charakter unter den Haupttälern des Sarek, Die Vegetation ist durchweg dürftig, an der Wasserscheide […] überwiegt Schotter. […] Früher galt es bei den Samen als ein magisches Tal, man hielt es für unheimlich und es bildete sich ein spezieller Kult aus. Nur die Nåjder, die samischen Priester, zogen mit ihren heiligen Trommeln durch das Tal während die übrigen Menschen sowie die Rentiere östlich des Ähpár-Massivs blieben.“

    Grasflächen nahe des Basstavárásj, hier wird auch der Fluss immer kleiner.[/caption]

    Blick zurück, durch die Tal-Einbuchtung rechts bin ich heute heruntergekommen.[/caption]

    Geröllhügel nahe der Wasserscheide.[/caption]

    Wir laufen auf den Basstavárásj zu, der wie ein Bremsklotz in der Talmitte steht. Kurz danach stehen wir auch an der Wasserscheide des Tals, also dem höchsten Punkt. Die Flüsse fließen entweder ostwärts (die Richtung aus der wir gerade kamen) oder westwärts, aber für ein Stückchen laufen wir genau in der Talmitte ohne Wasser.

    Wir kommen recht schnell an den Gletscher Alep Basstajiegna, aus dem der Alep Basstajåhkå-Fluss entfließt.

    Nach der Wasserscheide, der Gletscher Alep Basstajiegna[/caption]

    Basstavárásj[/caption]



    Nun nicht mehr am Lulep Basstajåhkå, der gen Osten fließt, sondern am Alep Basstajåhkå und Blick gen Westen.[/caption]

    Dieser sammelt auf seinem Weg zahlreiche weitere Abflüsse von den umliegenden Bergen ein und wird so im weiteren Verlauf des Tals immer reißender. Aus diesem Grund sollte man bereits hier oben im Tal das Gewässer queren, sofern dies für den weiteren Weg notwendig ist. Da Ingmar am Ende des Tals nach Süden abbiegen will, muss er nun über das Gewässer, ich werde auf der Nordseite des Tals weiter laufen und kann so von einer Querung absehen.

    Ingmar stürzt sich in die Fluten[/caption]

    Und ist trotz des kalten Gletscherwassers schnell drüben.[/caption]

    So stehe ich noch kurz am Ufer und beobachte Ingmar bei der Querung, die zur breitesten des heutigen Tages gehört und auch hier mit viel Druck fließt. Bereit bin ich ja in die Fluten zu springen und ihm zu helfen, sollte dies notwendig sein, doch Ingmar zeigt sich als wahrer Profi (vielleicht haben die Schweden das im Blut) und ist schnell auf der anderen Seite. Wir winken uns noch einmal zu und er läuft am Ufer entlang auf der Suche nach einem Rastplatz für die Nacht.

    Mir reicht es nach dem anstrengenden Tag heute auch völlig und so gehe ich ca. zweihundert Meter zurück, wo wir über eine Sandbank gelaufen sind. Hier baue ich mein Zelt auf, schön umrahmt von jeder Menge Wollgras. Bei all dem böigen Wind ist der Aufbau jedoch eine recht schwierige Angelegenheit, die viel Zeit kostet und kalte Finger beschert.

    Blick gen Westen[/caption]

    Basstavárásj[/caption]

    Wollgras[/caption]



    Fönfrisur?[/caption]

    Der Blick auf den Alep Basstajiegna Gletscher ist ebenso famos, wenn auch ein wenig traurig. Anfang des 20. Jahrhunderts ging dieser Gletscher nämlich noch bis zur Talmitte, nun hat er sich bereits gehörig in das Seitental zurückgezogen.

    Gletscher Alep Basstajiegna[/caption]

    Mit dem Zoom-Objektiv bin ich fast am Gletscher[/caption]

    Tatsächlich ist es da noch ein Stückchen hin, ich ärgere mich trotzdem da wegen dem Regen nicht hinspaziert zu sein Abends.[/caption]

    Regenschauer im Westen[/caption]

    Im Zelt gibt es zum Aufwärmen Kartoffelpüree, dann zwinge ich mich zu einer mehr als notwendigen Katzenwäsche im kalten Alep Basstajåhkå. Wie beschrieben kommt das Wasser direkt aus dem Gletscher, dementsprechend ist das ganze Erlebnis eher unangenehm, verbunden mit dem Nieselregen und starken Wind.

    Markus dürfte heute Abend in Saltoluokta, der letzten Hütte auf dem Weg angekommen sein. So versuche ich mehrmals am Abend mit dem Satellitentelefon Empfang zu bekommen. Doch mit dem Basstavárásj direkt vor der Nase klappt es nicht ein freies Sichtfeld nach Süden hinzukriegen, und somit empfängt das Telefon auch keine Signale. Dieser Berg wurde früher von den samischen Priestern als seite, als heiliger Fels, verehrt. Nun, nun heiligt er weiterhin meinen digital Detox, ich gehe auch ohne Satellitenempfang fröhlich ins Bett.
    Auf meinem Blog Longing for the Horizon:
    Pamir Highway 2019 / Sarek 2018 / Padjelantaleden 2017 / 4500km Radtour Berlin-Nordkapp 2017 / Kungsleden 2015 / Kungsleden 2014 / Israel-Hike 2014 und viele kleinere Radtouren (Berlin - Kopenhagen / Prag - Berlin etc.)

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #30
    Danke für den schönen Reisebericht nebst toller Fotos.

    Aber was hast du gegen MAX Hamburgare? Ich finde die total lecker
    Ein Abenteuer ist es nur, wenn es schief geht.

  11. Dauerbesucher

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #31
    Zitat Zitat von Petetheneed Beitrag anzeigen
    Aber was hast du gegen MAX Hamburgare? Ich finde die total lecker
    Was sagt man da? Beileid?
    Nun, es war nicht das Abschiedsessen, dass ich mir vor einer kulinarisch entbehrungsreichen Tour gewünscht hätte.

    Schön das dir der Bericht gefällt :-)

    Liebe Grüße,
    Daniel
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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #32
    [Tag 11] Dienstag 4.9. Basstavagge, Zufluss vom Alep Bassteliegna – Vuojnesvárásj




    Wir befinden uns heute auf dem pinken Tourabschnitt Nr. 14, sowie danach auf dem roten Tourabschnitt 16. Habe nach der Mittagspause kurz vergessen den Track weiterlaufen zu lassen, daher der Abbruch in der Mitte, geflogen bin ich da nicht


    Nachts wurde der Wind noch eine Stufe stärker. Und wo er abends beim Zeltaufbau vom Gletscher her wehte, dreht er sich in der Nacht in Talrichtung, mein Zelt steht also 90° verkehrt zur Windrichtung, bei Tunnelzelten aufgrund der Konstruktion immer eine blöde Idee. So schlaf ich recht schlecht und wache öfters mit Sorge um mein Zelt auf.

    Dies stellt sich jedoch als unnötig da, meine Festung hält das ohne Probleme aus. Und so werde ich in der Früh von der Sonne geweckt. Und weil ich abends früh im Schlafsack lag bin ich heute sogar um 6:45 Uhr wach, eine Uhrzeit bei der ich daheim höchstens „Grml, grml, umdrehen und weiterschlafen“ als konsekutiven Gedankengang fertig bringe. Die übliche Morgenroutine läuft nun wie von selber, nach ein paar Tagen tritt da ausreichend Gewöhnung ein. Die Solarzelle am Zelt fängt auch gleich die ersten Sonnenstrahlen ein.

    Blick gen Osten[/caption]

    Basstavárásj in der Morgensonne[/caption]

    Blick gen Westen, die heutige Wanderrichtung[/caption]

    Gletscher Alep Basstajiegna[/caption]



    Bei viel Wind klappe ich das Zelt zusammen und vermisse nun Markus, schon allein weil allein das Footprint (Zeltunterlage) zusammenfalten eine ätzende Aufgabe ist

    Beim Loslaufen ist es noch sehr frisch, es geht gleich über viele blockige und hügelige Abschnitte.

    Blick zurück zum Basstavárásj[/caption]

    Es bleibt steinig nahe der Wasserscheide[/caption]

    Mehre Rinnsaale vereinigen sich auf dem Weg Richtung Talmitte[/caption]

    Nach und nach nimmt aber der grasige Untergrund überhand und man kommt gut voran. Ingmar sehe ich auch noch, er scheint ein wenig vor mir losgekommen zu sein und hat auf der anderen Uferseite einen Vorsprung von ein paar hundert Meter. In den Ohren liegt nun gute Musik und ich trabe in der Sonne entspannt den Weg entlang.

    Langsam wird es immer besser zu gehen.[/caption]



    Blick zurück, der Basstavárásj ist noch zu sehen. Getrennt durch den Fluss in der Talmitte sehe ich Ingmar auf der anderen Seite laufen.[/caption]

    Der Berg Sarvatjarvatjåhkå auf der anderen Seite der Basstavágge-Talöffnung leuchtet mit seinen schroffen Gletschern und steilen Felswenden beeindruckend in naher Ferne.

    Erster Blick auf den Sarvatjarvatjåhkå am Talende[/caption]

    Gratisverpflegung[/caption]



    Als ich zum Ende des Basstavágges komme, sehe ich nun die Bielavallda-Ebene. Vor 6 Tagen habe ich hier mit Markus pausiert und wir sind dann weiter ins Snávvávágge aufgestiegen, damals hat man die Öffnung ins Basstavágge schon sehen können. So schließt sich also der Kreis. Selbst den Einstieg ins Ruohtesvágge kann man erahnen, das Tal welches wir in den ersten zwei Tagen durchwandert haben. Besonders in die Richtung sieht es heute besonders finster und regnerisch aus, dafür ist in der Nähe von mir ein pittoresker Regenbogen zu sehen.

    Blick auf die Bielavallda-Hochebene[/caption]

    Mittig der Sarvatjarvatjåhkå[/caption]

    Blick gen Nordwesten. Das dunkle Tal, dass etwa in der Bildmitte nach Rechts abzweigt ist das Ruohtesvágge, in dem wir die ersten 3 Tage unterwegs waren. Sieht regenreich aus, ich werde aber dadurch mit dem Regenbogen verwöhnt.[/caption]



    Jedoch biege ich nun nach Norden/Nordosten ab. Der vor mir liegende Bierikjávrre, Sareks zweitgrößter See, leuchtet in den schönsten Blautönen und davor brennt das Moos in den intensivsten Orange- und Rottönen und zeigt die ganze Stärke der Herbstfärbung.

    Bierikjávrre[/caption]

    Das Moos brennt förmlich[/caption]

    Ausgang Basstavágge, Blick auf die Bielavallda-Hochebene und den darin liegenden Bierikjávrre-See[/caption]

    Die Gesteinswand des Ähpár-Gebirges zu meiner Rechten[/caption]



    Auf der Ostseite des Bierikjávrre, aber noch ca. hundert Höhenmeter den Hang hoch mache ich meine Mittagspause, auch wenn es durch den starken Wind empfindlich frisch ist. Heute lasse ich den Kocher auch dann noch weiter laufen, als der Topf mit Wasser schon längst wieder runter genommen ist. Ich habe immer noch viel zu viel Spiritus dabei, und so lasse ich 150 Milliliter abbrennen. Wieder 150gr weniger, die ich nach der Pause schultern muss.



    Erster Blick auf den Sarvajiegna-Gletscher[/caption]

    Sarvajiegna-Gletscher[/caption]

    Sarvatjåhkkå[/caption]

    Blick zurück vom Bierikvárásj auf Sarek-Gebirge (rechts) und See Bierikjávrre[/caption]

    Mit gefülltem Magen geht es die kleine Passhöhe zwischen dem Bierikvárásj und Berg 994 hinauf, nur um auf der anderen Seite gleich wieder abzusteigen. Dafür habe ich von oben einen wunderschönen Blick gen Nordosten und sehe nun die Wegstrecke des kommenden Tages vor mir ausgebreitet. Auch den Sluggá, an dessen Fuße ich morgen das Zelt aufschlagen will, ist schon klar sichtbar.

    Erster freier Blick gen Norden. Das See/Fluss-System Vuojnesluobbala und Liehtjitjávrre. Im Bildmittelpunkt weit weg...[/caption]

    und nun ein wenig näher: Der Berg Sluggá[/caption]

    Mehr Gratisnahrung[/caption]

    Nun steht allerdings die einzige Flussquerung des Tages am Bierikjåhkå an. Hier habe ich aus dem Reiseführer entnommen, dass die einzige Furtstelle da zu finden ist, kurz bevor der Fluss sich erweitert. So laufe ich zielstrebig auf diese Stelle zu und tatsächlich: Dort wird es deutlich flacher, an allen anderen Stellen hätte man wohl schwimmen müssen.

    Abstieg zum Fluss. Gequert wurde am dünnen Ende links im Bild.[/caption]

    Am Fluss angekommen. Blick auf das Sarek-Massiv und den Sarvajiegna-Gletscher[/caption]

    Hier gehts gleich rüber. Verschiedene Wassertiefen und doch recht kraftvoll.[/caption]



    Nach der üblichen Umzieh-Aktion mache ich mich an die breiteste Querung der gesamten Reise. Der etwa 20m weite Weg rüber ist recht gut machbar, an manchen Stellen muss ich ein paar Schritte zurück und umplanen, da es plötzlich sehr tief wird, sicherlich über Hüfttief. Nur ganz am Ende muss ich noch einmal durch eine tiefere Rinne, dann ist der Fluss aber auch bezwungen.

    Geschafft! Blick vom anderen Ufer zurück auf den Bierikvárásj (ganz rechts im Bild, über den Bergpass bin ich gerade hierher gekommen) und in der Bildmitte der Bierikbákte, der "Verrücktenberg"[/caption]

    Hier nochmal ein Blick zurück auf den Bierikvárásj in der Bildmitte, man sieht gut den Pass über den ich kam.[/caption]

    Panorama zurück, in der Mitte das Ähpár-Gebirge, rechts das Sarek-Massiv[/caption]

    Ähpár-Gebirge, rechts in den Wolken der Bierikbákte. Verrücktenberg heißt dieser, weil laut samischer Legende ein Wahnsinniger versuchte ihn zu erklettern, aber nie zurückkehrte.[/caption]

    Das nachfolgende Stück an Land ist sehr sumpfig und ich kämpfe mich deswegen recht mühsam und mit zahlreichen Schleifen und Haken hoch zum Gipfel des Vuojnesvárásj, den ich dann übersteige und auf der anderen Seite hinabsteige. Von oben hat man einen famosen Blick auf den Sluggá und auch die Brücke über den Guhkesvákkjåhkå, wo ich morgen früh rüber muss, ist dank Teleobjektiv auszumachen.

    Sluggá und Mini-Sluggá [/caption]

    Blick ins Guhkesvágge...[/caption]

    in dessen Talmitte eine Brücke liegt. Ist allerdings noch ein ganzes Stückchen bis dort.[/caption]

    Aber Zoom-Objektiv machts möglich.[/caption]

    Die ersten Menschen die ich seit Ingmar heute früh sehe.[/caption]

    Etwa hundert Meter unter dem Pass finde ich eine gute Stelle zum Zeltaufbau, frisches Wasser ist auch in der Nähe. In der Ferne sehe ich noch 2 Personen, dies sind außer Ingmar heute die einzigen Menschen die von mir gesichtet wurden.

    Panorama vom Zeltplatz[/caption]

    Blick ins Guhkesvágge[/caption]

    Blick in die morgige Laufrichtung, gen Norden zum Sluggá[/caption]



    Heute Abend funktioniert das Sat-Telefon und ich erhalte von Markus die Bestätigung, dass er gestern es bis Saltoluokta geschafft hat und auch die dortige Sauna genießen konnte. Sauna… das klingt in dem Moment nach Musik in meinen Ohren, ich sitze bei kühler Brise vor dem Zelt. Man merkt es täglich stärker dass nun Herbst in Lappland ist, es wird Tag für Tag kühler und die Nächte werden auch kälter.

    Der abendliche Besuch scheint sich nicht für mich zu interessieren.[/caption]

    Doch das Kameraklicken erweckt dann doch noch Aufmerksamkeit[/caption]

    Ich fühle mich beobachtet.[/caption]





    "Rentiere die auf Männer starren"[/caption]



    Ich habe heute rund 14 Kilometer zurückgelegt. Auch weiß ich heute, dass ich auf alle Fälle meinen Zeitplan einhalten werde. Ich habe nämlich noch zwei volle Etappen vor mir, aber noch drei ganze Tage Zeit. Das kommt mir wie gerufen, denn auf den Sluggá will ich sicher noch hoch und weitere Abstecher finde ich auch, sollte noch Zeit sein. Zufrieden krieche ich also in den Schlafsack und beende den wunderschönen Tag.
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    Pamir Highway 2019 / Sarek 2018 / Padjelantaleden 2017 / 4500km Radtour Berlin-Nordkapp 2017 / Kungsleden 2015 / Kungsleden 2014 / Israel-Hike 2014 und viele kleinere Radtouren (Berlin - Kopenhagen / Prag - Berlin etc.)

  13. Fuchs
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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #33
    Jetzt weiß ich wo die ganzen Rentiere im September waren

    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

  14. Anfänger im Forum

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #34
    Bin fast etwas traurig, dass Markus nicht mehr dabei ist, aber klasse Reisebericht und klasse Tour!
    Vor allen die über 30 Kilo Startgewicht imponieren mir. Würde damit keine 5 km weit kommen...

    OT: Bei MAX-Burgern bin ich voll bei Dir! Nur, wenn man sonst verhungern würde!

  15. Dauerbesucher

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #35
    Zitat Zitat von Pfiffie Beitrag anzeigen
    Jetzt weiß ich wo die ganzen Rentiere im September waren

    Dann wirst du dich über den nächsten Wandertag auf alle Fälle auch freuen, da kommen noch ein paar Flauschtiere daher

    @dalkrypare: Danke für die Zustimmung, dachte vielleicht hätte ich den falschen Burger erwischt
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  16. Erfahren

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #36
    Danke für den schönen und spannenden Bericht! Habe ihn schon auf Deiner Homepage verfolgt. Ich habe mich schließlich durchgerungen, auch mal mit einem Bericht anzufangen. Wir haben uns in Saltoluokta knapp verpasst .

  17. Dauerbesucher

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    #37
    [Tag 12] Mittwoch 5.9. Vuojnesvárásj – Fluss südlich des Sluggá




    Wir befinden uns heute auf dem blauen Tourabschnitt Nr. 13.

    Wie erwartet wurde die Nacht richtig kalt. Der Teebeutel, den ich gestern vor dem Zelt deponiert habe, ist komplett durchgefroren, auch das Restwasser in der Trinkflasche hat eine Eisschicht. So richtig gut geschlafen habe ich auch nicht, das Zelt wurde leicht schräg aufgebaut und ich rutsche die Nacht über immer wieder von der Isomatte, so tritt keine wirkliche Erholung ein.

    Unterbrochen wurde meine Nacht auch von einem erneuten Versuch, endlich mal Polarlichter zu sehen auf der Reise. Aus diesem Grund habe ich seit vorgestern schon den Wecker immer auf 1:30 Uhr stehen, und schaue dann kurz vors Zelt. Kostet zwar eine Menge Überwindung aus dem Schlafsack zu kriechen, im kalten Vorzelt zu kauern und dann vors Zelt zu treten, aber ich hoffe ja doch noch auf Erfolg. Heute Nacht aber stellt sich dieser noch nicht ein. Ich blicke auf einen wunderschönen Sternenhimmel, selbst die Milchstraße ist mit bloßem Auge gut sichtbar. Aber das wabernde Grün der Aurora borealis zeigt sich nicht.

    Heutige Wegstrecke vom Zeltplatz aus gesehen. Am Ende des Tages...[/caption]

    ... will ich am Berg Sluggá ankommen.[/caption]

    Nach dem Loslaufen quatsche ich mit zwei Schweden, die gestern in Suorva am Damm gestartet sind, hier in der Nähe gezeltet haben und heute weiter in den Sarek vordringen wollen.

    Gegenverkehr[/caption]





    Mein Weg führt mich nun weiter zur Brücke über den Guhkesvákkjåhkå, dies alles bei strahlendem Sonnenschein. Die Brücke ist eine von nur vier Brücken die im Sarek aufgestellt sind und ist trotz der vielen Flussquerungen erst die zweite Brücke, die ich auf der Tour überquere. Beim Blick ins Wasser ist aber auch völlig klar weshalb hier eine steht, denn ohne wäre hier ein Umdrehen angesagt, viel zu reißend und tief ist der Fluss.



    Tage später werde ich rausfinden, dass der Bootsdienst nicht mehr so spät im Jahr fährt, gut dass ich einen Bootstransfer sowieso nicht eingeplant hatte.[/caption]

    Toll ist der Blick gen Westen ins Guhkesvágge, am Ende dessen man sogar das Áhkká-Massiv in der Sonne leuchten sieht. An unserem ersten Tag haben Markus und ich dieses Gebirge umrundet und am Fuße davon gezeltet, jetzt wären es Luftlinie ca. 25 Kilometer bis dorthin.

    Blick ins Guhkesvágge, in der Mitte mit Schnee das Áhkká-Massiv. Gut das hier eine Brücke steht.[/caption]

    Áhkká-Massiv[/caption]

    Áhkká-Massiv[/caption]

    Áhkká-Massiv[/caption]

    Auf der nördlichen Flussseite folge ich erst einmal einem gut erkennbaren Pfad, vorbei an wunderschön buntem Moos und bei herrlichstem Wetter und tollsten Ausblicken auf die umliegende Landschaft.

    Leichtes Vorankommen bei herrlichstem Farbrausch.[/caption]

    Die Strecke ist ein wenig häufiger begangen.[/caption]

    Blick zurück: In der Mitte das Ähpár-Gebirge, auf der anderen Seite des Gebirges liegt das Basstavágge-Tal durch das ich gestern und vorgestern gelaufen bin. In der Mitte der kleine Hang war die heutige Übernachtungsstelle.[/caption]

    Ähpár-Gebirge[/caption]

    Ruopsokjiegna-Gletscher im Ähpár-Gebirge[/caption]

    Blick voraus zum Sluggá, hier ist das Wandern einfach und unbeschwert.[/caption]

    Zumindest für mich, nicht alle haben so viel Glück.[/caption]

    Zudem höre ich seit gestern ein gutes Hörbuch (Andy Weir – Artemis), da läuft sich der Weg quasi von alleine. Dies ändert sich etwa zwei Kilometer vor der Rentierzüchterhütte entlang des Njirávbuollda. Dort verschwindet der Weg und es wird besonders eklig mit dem Vorankommen, denn nun geht es durch mannshohes Weidengestrüpp. Dies stellt einen massiven Kraftakt dar, dort durchzukommen. Man muss nämlich mit den Armen die Äste zur Seite drücken, einen Schritt vortreten, dabei nicht über die niedrigen Äste stolpern und dies wiederholt sich mehrere hundert Meter am Stück.

    Hier ist der Weg voraus noch gut begehbar.[/caption]

    Doch man sieht schon...[/caption]

    ...jetzt wird es anstrengend![/caption]

    Dementsprechend ist auch die Laune.[/caption]

    Ach quatsch, die lass ich mir doch nicht durch so was vermiesen.[/caption]

    Blick zurück auf gestrüppigere Teile[/caption]

    Alte Rentierzüchterhütte[/caption]

    Und der Neubau dahinter[/caption]

    Blick zurück.[/caption]



    Rentier und Sluggá[/caption]

    Rentiere und Sluggá[/caption]







    An der Hütte angekommen sieht es dann so aus, als sei nur noch ein Hügel zu überwinden und dann ginge es flach voran bis zum Sluggá. Dies stellt sich jedoch bereits an der Hügelkuppe als optische Täuschung heraus.

    Dort sieht man nämlich, dass die nächsten 5 Kilometer viel hoch und runter sein werden, und es dabei zumeist über Blockfelder geht, zudem kommen wieder einige Weidengestrüppabschnitte. Als wäre dies alles nicht genug bahnt man sich den Weg durch eine Seen-Landschaft und es kommen zu allem Überdruss noch sumpfige Bereiche.

    Hier dachte ich noch, ich müsste nur diesen Stein-übersäten Hügel hinter mich bringen.[/caption]

    Doch der Schein trügt, danach bleibt es schwer begehbar.[/caption]

    Mit dieser traurigen Erkenntnis im Kopf mache ich hier auf dem Hügel meine Mittagspause, verschwende jedoch nicht zu viel Zeit, da ich vorankommen will und weiß wie anstrengend die nächsten paar Kilometer werden. Der Reiseführer sagt, das Gelände wäre „wegen großer Felsbköcke und des Weidengestrüpps anstrengend.“ Auch wird es eine „Geduldsprobe“ genannt. Der Reiseführer lügt hier nicht, der Weg ist wirklich eine Kraftanstrengung.

    Froh bin ich über den strahlenden Sonnenschein, bei Regen wäre es auf den glitschigen Steinen sicherlich weit schwieriger. Dennoch bleibt es auch im Trockenen eine kraftraubende Angelegenheit, nur selten kann ich direkt Luftlinie laufen, sondern muss mir stellenweise Umgehungen suchen, da nach einem Hügel wieder ein See vor mir liegt. Und auch dort stellt sich taktisches Planen ein. Denn wenn ich dieses See nun rechts rum umgehe, laufe ich Gefahr, dass ich beim größeren See der danach anschließt eine weit längere Umgehung laufen muss. Also vielleicht doch lieber links um den See, aber sieht das dahinten nicht nach Sumpf aus? Und kommt da nicht schon wieder Gestrüpp?

    Sumpfig und Felsig.[/caption]

    Zahlreiche Seen fordern Umwege.[/caption]



    Ich komme dem Sluggá näher.[/caption]

    Blick zurück.[/caption]

    Ihr seht, es ist mühselig und zeitraubend. Schließlich habe ich es aber geschafft, ich muss nur noch den Fluss überqueren, der südlich des Sluggá fließt. Leider finde ich auch hier keine Möglichkeit trockenen Fußes auf die andere Seite zu kommen, so muss ich auch für diesen relativ dünnen Bachlauf mich umziehen. Besonders nervig wird dies, da das Gestrüpp bis ans Ufer heranreicht, ich ziehe mich also aus während ich mitten im Weidengestrüpp balanciere, selbiges passiert mir beim Umziehen auch auf der anderen Seite.

    Nun steige nach dem Fluss zwar bergauf, teilweise auch wieder durch Gestrüpp, aber ich habe ein Plateau als möglichen Zeltplatz schon fest im Blick. Zudem die Gewissheit, jeden Höhenmeter den ich nun aufsteige, muss ich morgen nicht bei der Begehung des Sluggá ableisten. Trotzdem bin ich nach den heutigen 13 Kilometer durch mehrheitlich schwieriges Gelände doch sehr fertig und deswegen froh als ich an dem Plateau ankomme und mein Zelt errichten kann.

    Endlich angekommen, eine freie Fläche für mein Zelt und der Sluggá in nächster Nähe.[/caption]

    Zelt steht.[/caption]

    Blick zurück auf die heutige Strecke, kurz vor den schneebedeckten Berggipfeln in der Bildmitte bin ich gestartet.[/caption]

    Danach überwinde ich mich auch zu einem schweinekalten Bad im nahegelegenen Fluss. Habe ich mich die letzten Tage eher in kleinen Wasserläufen gewaschen, formt der Fluss hier teilweise kleine See-Becken aus, in denen man tatsächlich schwimmen kann, zudem sind diese richtig tief.

    Meine heutige Badewanne[/caption]

    An ein entspanntes Schwimmen ist jedoch nicht zu denken, es ist so kalt, da springt man rein, dann schnell wieder raus, einseifen, wieder rein und abwaschen, dann überwinden und mit dem Kopf untertauchen. Dabei spürt man förmlich wie das Gehirn einfriert. Schnell wieder raus, Shampoo drauf und wieder rein zum Abspülen. Insgesamt dauert dieses Prozedere nicht länger als 2 Minuten, anschließend steht man schlotternd am Ufer und versucht wieder Leben in die eingefrorenen Gliedmaßen zu bekommen. Da aber knappe 200 Meter weiter eine Vierergruppe Schwed_innen ihr Lager aufgeschlagen hat, verkneife ich mir mein Quietschen beim Eintritt ins Wasser so gut wie möglich . Anschließend hetze ich zurück ins Zelt, selbst eine halbe Stunde später im Schlafsack sind die Füße immer noch Eisblöcke ohne Gefühl.

    Abendleuchten, Blick gen Süd-Westen[/caption]

    Blick gen Norden[/caption]



    Sarek-Gebirge im Abendlicht[/caption]



    Der Sluggá ist vom Zelt zwei Kilometer entfernt. Soweit das Wetter also morgen hält werde ich in der Früh das Zelt stehen lassen und mit leichtem Gepäck zum Sluggá aufbrechen. An sich ist es nur noch eine Tagesetappe von 16 Kilometer bis Saltoluokta, ich habe aber noch zwei Tage Zeit. Werde dann nach der Rückkehr vom Sluggá überlegen ob ich weiter laufe oder einen halben Ruhetag zum Ende noch einlege.

    Da es wieder eine Wolkenlose Nacht wird, bin ich sehr gespannt ob es noch einmal so kalt wird wie die vorherige Nacht.

    Auf meinem Blog Longing for the Horizon:
    Pamir Highway 2019 / Sarek 2018 / Padjelantaleden 2017 / 4500km Radtour Berlin-Nordkapp 2017 / Kungsleden 2015 / Kungsleden 2014 / Israel-Hike 2014 und viele kleinere Radtouren (Berlin - Kopenhagen / Prag - Berlin etc.)

  18. Erfahren
    Avatar von vobo
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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #38
    Sehr schöne Bilder der Rentiere vor der Landschaft. Macht echt Freude.

  19. Gerne im Forum

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #39
    Sehr schöner Bericht. Macht Spaß zu lesen.

    Aber: Dein Waschberhalten solltest du dringend ändern. Seife und Shampoo gehören nicht in die Gewässer.

  20. Fuchs
    Avatar von Pielinen
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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #40
    Zitat Zitat von JensE Beitrag anzeigen
    Sehr schöner Bericht. Macht Spaß zu lesen.

    Aber: Dein Waschberhalten solltest du dringend ändern. Seife und Shampoo gehören nicht in die Gewässer.
    Ja das hat sich wohl noch nicht bei jedem rumgesprochen, besonders in einer so hoch frequentierten Gegend.

    Wasser ohne alles reicht zur Körperreinigung ja völlig und spart Gewicht.
    Wer nichts weiß muss alles glauben...

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