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  1. Erfahren

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #41
    Mitreisende: theslayer
    [Tag 13] Donnerstag 6.9. Fluss südlich des Sluggá – Rumok







    Wir befinden uns heute auf dem blauen Tourabschnitt Nr. 13.

    Die Nacht war dann tatsächlich ziemlich kalt, jedoch nicht ganz so frostig wie die Vorhergehende. Mein nächtliches Aufstehen und aus dem Zelt quälen zeigte wieder viele Sterne, leider keine Polarlichter.

    Morgendlicher Blick auf das Sarek-Massiv[/caption]

    Und der Tageshöhepunkt glänzt jetzt schon im Sonnenlicht.[/caption]

    Da es heute direkt auf den Berg gehen soll, kann ich mir ein wenig Zeit lassen und schlafe bis 8 Uhr aus. Nach dem Frühstück geht es mit leichtem Marschgepäckt zum Sluggá. Den Berg hatte ich letztes Jahr bereits auf der letzten Etappe auf dem Kungsleden aus der Ferne gesehen und war begeistert. Auch wenn er mit 1279 Meter nur etwa 380 Meter über meinem heutigen Zeltplatz herausragt, ist er durch seine exponierte Lage dazu geeignet, tolle Blicke in alle Himmelsrichtungen zu ermöglichen. Zudem ist der Sluggá Schwedens symmetrischster Berg. Aus der Entfernung erinnert er an eine Pyramide, den schwedisch-samischen Namen „Beule“ finde ich nicht so passend.

    Fast da. Am Fuße des Berges gehe ich nach Rechts, um dann über den etwas flacheren Osthang zum Gipfel aufzusteigen.[/caption]

    Bis zum Fuße des Berges brauche ich etwa eine Dreiviertelstunde, vielfach wieder recht matschig und ich muss ein paar Stellen umgehen.

    Kurz vor dem Aufstieg an der Ostseite. Erstmalig ist nun der Blick nach Norden frei.[/caption]

    Im Nordwesten sieht man schon den Akkajaure, den wir am ersten Tag mit der Fähre überquert haben.[/caption]

    Und im Zoom sieht man dann auch die ersten Anzeichen von Zivilisation: Den Staudamm und Windkrafträder.[/caption]

    Im Nordosten dann den Pietsaure, an dessen Längsseite ich heute Nachmittag entlanglaufen werde.[/caption]

    Am Berg selber geht es die Ostseite empor und obwohl es sehr steil ist, geht es nur selten über Blockfelder, ein wenig ausgetretener Pfad führt mehrheitlich über Grasflächen. Trotzdem muss ich mich an einigen großen Steinen hochziehen und bin nur froh über den leichten Rucksack auf dem Rücken.

    Die Ostseite des Sluggá, da muss ich nun hoch.[/caption]

    Noch einmal der Staudamm und Windräder.[/caption]

    Am östlichsten Ende des Pietsaure liegt eine kleine Sami-Siedlung[/caption]

    Und dann: Endlich oben!

    Gipfelkr... nun ja,[/caption]

    ...Gipfelkreuz![/caption]

    Oben an der Bergspitze erwartet mich ein fantastisches Panorama: Im Westen blicke ich auf das Áhkká-Massiv, welches ich ja gestern schon bei der Brücke im Guhkesvágge sehen konnte. Im Südwesten dann das Sarekjåhkkå-Massiv, wieder mit dem markanten Gipfel des Sarvatjåhkkå. Im Süden das Ähpár-Gebirge, welches ich im Basstavágge umgangen habe. Neu ist der Blick gen Norden. Dort sieht man den Suorva-Staudamm in der Ferne, dort verläuft auch die einzige Straße weit und breit über die Markus und ich zu Beginn mit dem Bus angereist sind. Und am nördlichen Fußende des Sluggá beginnt zudem der Pietsaure-See, der sich nach Osten erstreckt und an dem ich weiter entlanglaufen werde um zum Abschluss der Tour zu gelangen. Auf der anderen Seite des Pietsaure steht der Alep Gierkav und der Lulep Gierkav, wobei Zweiterer morgen noch mal interessant werden wird


    Panorama gen Norden mit dem Pietsaure See rechts, dem Akkajaure links.


    Panorama gen Süden, links-mittig das Ähpár-Gebirge, rechts daneben das Sarek-Gebirge und fast ganz rechts das Ákká-Massiv

    Erneuter Blick auf den Staudamm[/caption]

    In diesem Bild sind die vergangenen Wandertage zu sehen. Gestern bin ich von den zwei niedrigen Hügeln (der Höhere ist der Vuojnesvárasj) in der Bildmitte bis zur rechten Bergflanke gelaufen und dann durch die Seen- und Felslandschaft bis zum Sluggá. (Hier sieht man auch, weshalb gestern der Weg so zäh war). Ganz hinten links sieht man einen weiteren niedrigen Hügel, das war der Bierikvárasj, hier bin ich aus dem Basstavágge gekommen und über den Pass, bevor ich durch den breiten Fluss gewatet bin.[/caption]

    Ich finde hier oben sogar ein Gipfelbuch, in welches sich seit 2006 vielleicht 100 Leute eingetragen haben, dass sollen die Alpen erstmal nachmachen. Zudem steht hier oben eine Wetterstation (?) auf einem Schlitten befestigt, ich kann mir kaum ausmalen wie das Teil hier hochgeschleppt wurde.






    Manche suchen schon den Kontakt zur Heimat

    Wie kam dieses Ding hier hoch?[/caption]

    Dann passiert mir das teuerste Malheur der ganzen Tour: Habe ich gerade schon die ersten paar Aufnahmen von der Umgebung gemacht, schaltet sich plötzlich die Kamera aus. Wieder angeschaltet kriege ich 3 Fotos hin, dann geht sie wieder aus. Und beim erneuten Anschalten kommt ein Whitescreen und danach absolut gar nichts mehr. Akkuwechsel, Speicherkarte rein oder raus, mit oder ohne Objektiv, meine treue Olympus ist auf diesem Berg in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Zuerst macht sich gigantischer Frust breit. Schließlich führe ich mir aber vor Augen, was diese Kamera geleistet hat: 4 Wandertouren in Schweden, dann mehrere Urlaube in Israel, Griechenland, in den Alpen, bei Städtetouren und zahlreiche Astro-Versuche auf dem Acker. 4 Jahre hat die Kamera mich jetzt begleitet und hatte wahrlich nicht immer den kuscheligsten Platz in der Kameratasche.

    Ein letztes Abschiedsfoto meiner Olympus! Vielen Dank für all die schönen Aufnahmen![/caption]

    Zudem bin ich heilfroh, dass die Kamera heute kaputt geht, am vorletzten Tag der Wanderung. Ich schleppe insgesamt 3 Objektive herum, Ersatzakkus und Zubehör. Die Kameratasche an der Hüfte ist über 2,5 Kilogramm schwer. Wäre die Kamera also in den ersten Tagen kaputt gegangen, ich hätte mich wohl unfassbar geärgert. Kann man ja nicht im Gebüsch liegen lassen und später holen, sondern hätte man als nutzloses Gewicht mit rumschleppen müssen. Zudem macht mir das Fotografieren wirklich Spaß, das wäre mit dem Handy einfach nicht dasselbe gewesen.

    Apropos Handy, die nun folgenden Aufnahmen habe ich dem Telefon zu verdanken. Damit ist zwar der künstlerische Spielraum ganz schön begrenzt, aber besser als gar keine Fotos ist es allemal und für zwei Tage werde ich das durchhalten.


    Blick zurück zum Zeltplatz. Mein Zelt steht in der Nähe des dreieckigen Sees in der Bildmitte, oberes Bilddrittel. Hier hätte ich gerne wieder mein Zoomobjektiv :-(




    Obligatorische Gipfel-Selfies




    Willkommen zu MEINEM Sarek

    Nachdem es auf dem Gipfel empfindlich kühl war sog ich ein letztes Mal die tolle Aussicht gen Süden in mich auf und machte mich an den steilen Abstieg.


    Pietsaure vom Gipfel aus gesehen.


    Blick auf den steilen Abstieg.


    Wieder herunter vom Sluggá

    Zurück klappte alles gut und 3 Stunden nach dem Losgehen stand ich wieder vor meinem Zelt.


    Blick auf meine "Badewanne"

    Gestern hatte ich ja noch mit mir gehadert, ob ich einen halben Ruhetag mache oder weitergehen sollte am Nachmittag. Ich entschließe mich aber heute das gute Wetter nicht ungenutzt verstreichen zu lassen. Nach dem Mittagessen vor dem Zelt packe ich meine Habseligkeiten zusammen und mach mich auf den weiteren Weg. Der Plan ist heute noch ein paar Kilometer zu schaffen, damit es morgen erstens weniger nach Saltoluokta sind und vielleicht ist so auch eine Besteigung des Lulep Gierkav noch möglich.


    Hier geht es nun hoch zur Passhöhe. Dann kann ich oben am Hang am Pietsaure-See entlang laufen.






    Blick zurück zum Sarek-Gebirge, nach Ankunft an der Passhöhe.

    So muss ich erst ein paar Höhenmeter zur Passanhöhe ableisten, danach geht es schräg am Hang entlang. Dieser stellt die Südflanke des Pietsaure-Sees da, ich habe also einen traumhaften Blick aufs Wasser. Zudem ist es hier oben wirklich sehr geröllhaltig und macht für einen obskuren Ausblick in näherer Umgebung. Trotzdem komme ich gut voran, die Füße tun nicht mehr zu sehr weh und auch der Untergrund erlaubt für schnelle Schritte.


    Nun bin ich auf der Pietsaure-Seite des Hangs angekommen und laufe bis fast zur hohen Erhebung in der Bildmitte (Rásek)


    Blick zurück zum Sluggá


    Das Sarek-Gebirge schaut gerade noch über den Hügel


    Gut begehbarer Untergrund.

    Kurz vor dem Hügel Rumok, der direkt an der Abbruchkante steht finde ich ein kleineres Grasstück samt Wasser und beschließe somit bereits 2,5 Stunden nach dem Zusammenpacken nun wieder das Zelt aufzubauen. Leider ist die Wiese hier nicht so flach, es steht also eine recht ungemütliche Nacht an, wo ich dauernd auf einer Seite von der Isomatte rolle.


    Zeltplatz am Abend. Im Tal der Pietsaure, rechts der Hügel ist der Rásek und auf der anderen Talseite liegt der Lulep Gierkav.


    Lulep Gierkav und Pietsaure, die kleine Erhebung vorne links ist der Rumok



    Blick zurück zum Sluggá, ein paar Kilometer habe ich heute also doch geschafft.

    Man sieht von hier Oben schon die Sami-Siedlung am Ostufer des Pietsaure, da muss ich morgen direkt hin. Da ich morgen in der Nähe der Saltoluokta-Station zelten werde, ist klar dass heute meine letzte Nacht in der „Wildnis“ sein wird, so versuche ich diese voll auszukosten und die Einsamkeit zu genießen.


    Über den Pass rüber, und dann beginnt auch schon der Abstieg nach Saltoluokta


    Zum Glück ist es bis dahin noch ein bisschen.


    Abendessen mit Ausblick

    Schon relativ früh auf dieser Reise habe ich mich hier im Bericht über Fußschmerzen beschwert, ohne wirklich ins Detail zu gehen. Der Hintergrund dazu ist: Ich kriege einfach immer Blasen beim Wandern. Habe mich damit abgefunden, kann den Schmerz einigermaßen verdrängen und genieße lieber die schöne Natur um mich rum, als mir zu viel Sorgen um die Füße zu machen. Habe aber beschlossen heute doch mal zwei Beweisfotos zu posten, nicht dass ihr denkt ich bilde mir das alles ein. Empfindliche Seelen überspringen die Bilder einfach.


    Nicht ein oder zwei, nein ganze 3 Lagen Blasen übereinander. So bin ich nahezu täglich dabei die Füße neu mit Blasenpflastern zu versorgen.



    Nun aber lieber zu etwas erfreulicherem:


    Sluggá im Abendlicht.


    Und in der Dämmerung
    Auf meinem Blog Longing for the Horizon:
    Sarek 2018 / Padjelantaleden 2017 / 4500km Radtour Berlin-Nordkapp 2017 / Kungsleden 2015 / Kungsleden 2014 / Israel-Hike 2014 und viele kleinere Radtouren (Berlin - Kopenhagen / Prag - Berlin etc.)

  2. Erfahren

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #42
    Das mit der Kamera ist wirklich tragisch. Für mich wäre es auch ein absoluter Horror, wenn sie unterwegs den Geist aufgeben würde . Mir persönlich ist die Fotografie genauso wichtig wie das Wandern. Zum "Glück" war es wenigstens kurz vor Ende der Tour.

    Deinen Bericht über die Passage vom Rapadal ins Bastavágge finde ich interessant. Die Strecke kenne ich bisher noch nicht.

    Zum Waschen: Ohne Seife schleppst Du sogar weniger . Auch Töpfe bekommt man ohne Seife ausreichend sauber. Perfekte Sauberkeit ist auf einer solchen Tour sowieso zweitrangig .

  3. AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #43
    und noch mehr geniale Photos...bin ja etwas neidisch :9
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  4. Erfahren

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #44
    [Tag 14] Freitag 7.9. Rumok – Saltoluokta




    Wir befinden uns heute auf dem blauen Tourabschnitt Nr. 13.

    Noch eine Nacht ohne Polarlichter, wieder aber mit atemberaubenden Sternenhimmel. Dies werde ich nach der Rückkehr nach Berlin wieder vermissen, der klare Blick ganz ohne Lichtverschmutzung.


    Zeltplatz - Blick gen Sluggá




    Blick runter zum Pietsaure

    Zum Frühstück gibt es den letzten Porridge, erweitert um selbst gepflückte Blaubeeren. Anschließend packe ich langsam zusammen. Ich merke heute wie der Körper deutlich träger geworden ist und besonders meine Füße sind im Eimer. (Siehe Fotos von gestern )

    Nachdem es nachts mal kurz geregnet hat ist es jetzt trocken aber bewölkt. Doch die Lösen sich schnell auf und es strahlt die Sonne bei blaustem Himmel. Ich laufe von der Stelle wo mein Zelt aufgebaut war nahezu gerade den Hang runter, vorbei an ein paar Wasserfällen die hier ins Tal stürzen.


    Abstieg entlang des Wasserfalls




    Pietsaure und fantastische Reflektion des Alep Gierkav


    Eh ich mich versehe, stehe ich das erste Mal seit Tag 6 wieder zwischen Bäumen.


    Blick zurück auf den Wasserfall, oben hatte ich gezeltet.







    Unten im Tal angekommen finde ich schnell den besser ausgetretenen Weg zur Sami-Siedlung. Dabei habe ich vor allem die wunderschönen Spiegelungen der gegenüberliegenden Bergseite im Pietsaure im Blick.

    Das letzte Stück vor der Siedlung läuft man auf einem traumhaften Sandstrand entlang, hier bin ich sogar ein wenig traurig gestern nicht bis hierher durchgehalten zu haben, wäre sicherlich auch ein schönes Fleckchen für mein Zelt gewesen.


    Blick auf das östliche Ende des Pietsaure


    Samt Sami-Siedlung




    Und traumhaften Sandstrand.




    Blick in Längsrichtung des Sees gen Westen.



    Am östlichen Ende des Pietsaure fließt dieser in den Ávtsusjjåhkå ab. Die Stelle ist nur ca. drei Meter breit, jedoch ist klar dass ich hier wieder in die Wat-Ausrüstung wechseln werden muss. Zumindest weiß ich, dass dies die letzte Wasserquerung der Reise ist. Das Wasser ist glasklar und die Strömung sieht harmlos aus. Erst als ich im Wasser drin bin merke ich meinen Fehler: Wenn ein mehrerer Kilometer langer See abfließt, dann hat der Strömung, egal ob man sieht wie das Wasser gegen Steine knallt, oder nicht. Und wenn das Wasser so glasklar ist, dann lässt sich die Tiefe extrem schlecht schätzen. Eh ich mich versehe steht das Wasser bis zur Unterhose, und der Wasserdruck bedeutet höchste Konzentration.

    Trotzdem gelingt es mir dann den Abfluss schnell zu überqueren. Absolut verrückt, da wagt man sich den Urlaub über durch wilde Gebirgsbäche und Gletscherabflüsse, aber der seichte langsame Fluss am Ende stellt sich dann doch als schwierig heraus.


    Die doch nicht so harmlose Furtstelle des Ávtsusjjåhkå



    Die Sami-Siedlung ist wie ausgestorben, ich vermute die meisten Bewohner_innen sind schon abgereist.





    Nach der Siedlung steige ich den Hügel auf zum Pass am Tjeburisvárásj. Ich folge nun aber einem gut ausgeschilderten und ziemlich ausgetretenen Weg, da einige Tagesausflügler_innen von Saltoluokta wohl die Sami-Siedlung ansteuern und so eine Weg-Pflege durchgeführt wird. Zudem laufe ich das erste Mal seit 13 Tagen, seit den ersten paar Anfangskilometern auf dem Padjelantaleden, wieder auf Holzbohlen, die hier verlegt worden sind.


    Bohlenwege!


    Blick zurück zur heutigen Übernachtungsstelle, nahe des rechten Flusses.




    Blick bergauf zum Tjeburisvárásj


    Am Pass am Tjeburisvárásj angekommen, freier Blick nach Norden


    Der Lulep Gierkav zum Greifen nahe. Diese Chance kann ich mir nicht entgehen lassen.

    Am Tjeburisvárásj angekommen gehe ich nicht den Abstieg nach Osten, der mich direkt zur Saltoluokta-Hütte bringen würde. Stattdessen halte ich die Höhe und gehe nach Westen. Dort findet sich der Einstieg um auf den Lulep Gierkav zu klettern, den ich gestern schon vom Sluggá aus bewundern durfte. Dies passt auch zeitlich wunderbar, denn es ist erst 12 Uhr Mittags und bis Saltoluokta wären es nur noch fünf Kilometer.

    Am Fuße des Berges lade ich das Meiste aus meinem Rucksack aus und verstecke den Inhalt wasserdicht mit der Zeltplane hinter einem Stein. Mit leichtem Gepäck mache ich mich nun an den Anstieg. Dieser ist stellenweise ganz schön steil, dafür ist der Weg immer gut erkennbar.


    Blick auf die weiter unten verlaufenden Bohlenwege. Im Bildhintergrund verläuft der Kungsleden kurz vor der Hügelkette von links nach rechts.


    Blick gen Osten, samt Reisegruppe


    Ich bin der Zivilisation nun wieder deutlich näher gekommen


    Blick auf die gestrige Übernachtung, nahe des rechten Flusses/Wasserfalls

    Ab der Hälfte flacht der Berg zu einem Plateau ab, man läuft also ganz schön viel horizontale Wegstrecke, dafür dass man eigentlich nur 350 Höhenmeter erklettern muss. Nach dem altbewährten Aufstieg stehe ich am Gipfel. Ganz anders als der kleine Sluggá hat der Gierkav oben ein großes Plateau. Das bedeutet man muss an das südliche Plateauende laufen, um einen schönen Blick runter nach Süden zu erhalten, ans westliche Plateauende für den Blick nach Westen und so weiter.


    Gipfel"kreuz"... Was haben die Schweden und Schwedinnen nur mit diesem martialischen Dekor?


    Der Pietsaure mit Slugga, dahinter die ganzen Bergketten des Sarek.




    Blick gen Osten auf den Akkajaure


    Akkajaure


    Am Seeufer liegt bereits das heutige Tagesziel sichtbar, die Fjällstation in Saltaluokta


    Deswegen hat das Telefonat wohl funktioniert. Funkantenne gegenüber


    Blick gen Westen auf den Suorva-Staudamm, den man gestern auch vom Sluggá sehen konnte.

    Trotzdem sauge ich jeden Moment und jeden Blick auf die Umgebung förmlich auf. Ein letztes Mal sehe ich die ganzen Gipfel im Sarek, welche mich die letzten zwei Wochen dauernd begleitet haben. Oben schalte ich zudem das erste Mal mein Handy ein, weil man hier wieder Empfang erhält. Nach einem kurzen Telefonat mit meiner Mutter, die sehr erleichtert ist von mir zu hören, mache ich mich wieder auf den Weg runter. Man hätte auch oben bleiben können, leider ist mein Wasser fast alle und auch mein Mittagessen liegt irgendwo weiter unten hinter einem Stein versteckt.


    Tjeburisvárásj unten im Tal, dort geht der Abstieg nach Saltoluokta weiter.


    Tjeburisvárásj


    Da war ich gestern oben: Sluggá


    Blick auf die knifflige Furtstelle heute am Ávtsusjjåhkå


    Und dem dahinterliegenden Abfluss-Delta


    *kicher*


    Steiler Abstieg

    Den Rucksackinhalt sammele ich nach dem Abstieg wieder ein und mach mich auf in Richtung Saltoluokta. Ich hätte zwar lieber hier noch mein Mittagessen zubereitet, aber mit fehlendem Wasser wird das Kochen nicht funktionieren.

    Nur noch fünf Kilometer bis zum Tourenende. Die ersten davon geht es noch im Kahlfjäll dahin. Ich genieße den Weitblick auf den Akkajaure und die entfernten Berggipfel.


    Blick zurück zum Lulep Gierkav, hier sieht man wie breit oben das Gipfelplateau ist.


    Die letzten Minuten im Kahlfjäll


    Lulep Gierkav


    Nicht mehr weit

    Anschließend geht es wieder hinab unter die Baumgrenze. Ehe ich mich versehe steh ich im Birkenwald. Das letzte Mal habe ich Bäume an Tag 6 gesehen, als wir im Rapadalen durch den Wald liefen. Ich bleib dabei, Kahlfjäll ist schöner, aber für ein paar Kilometer finde ich nun die dichte Bewaldung eine gelungene Abwechslung, besonders weil der Wald vor lauter Herbstfarben förmlich explodiert.


    Nun geht es ab in den Wald.



    Dennoch zieht sich das Waldstück noch ganz schön. Ich nehme irgendwo einen falschen Abzweig und laufe auf einem kleineren Trampelpfad weiter ins Tal. Hier passiert mir auch ein selten dämliches Malheur. Ich rutsche/stolpere bei einem klatschnassen Stein und schaffe es mit einem halben Rückwärts-Purzelbaum zum Liegen zu kommen. Richtig wehgetan habe ich mir dabei nicht, ich lache eher über die Dämlichkeit, zwei Kilometer vor Tourenende mich noch einmal langgelegt zu haben. Schön Schlammverschmiert bin ich dadurch auch, dabei war die Hose dank dem Einsatz von Gamaschen bisher durch den ganzen Urlaub gekommen ohne groß verschmutzt zu sein. Hilft aber alles nichts, weiter gehts.


    Ankunft am Kungsleden



    Der Weg verbindet sich nun für den letzten Kilometer mit dem Kungsleden. Plötzlich bin ich auf einer Wander-Autobahn par excellence. Der Weg ist ca. vier Meter breit und ausgewaschen bis auf das Grundgestein. Laufen ist hier mit ganz schön viel Konzentration verbunden. Da lobe ich mir doch das weglose Gehen der letzten Tage, gefühlt ging dies besser.


    Die hier ansässige Wanderautobahn des Kungsleden

    Bevor ich ganz beim Hüttenkomplex ankomme, finde ich eine schöne Zeltstelle, welche ich in Beschlag nehme. Ganz an der Hütte will ich nicht zelten, da muss man erstens für zahlen und zweitens genieße ich noch das letzte bisschen Abgeschiedenheit für eine Nacht. Meine Zeltstelle heuer ist auch unweit der Stelle wo ich letztes Jahr meine letzte Nacht im Fjäll verbracht habe, ein schönes bisschen Kontinuität.





    Da ich nun Wasser habe gibt es um 16 Uhr nach dem Zeltaufbau „Mittag“-Essen. Ich bin froh dieses Jahr nicht gar so verhungert wie letztes Jahr in Saltoluokta angekommen zu sein. Dennoch haben meine Lebensmittelplanungen für die Reise ziemlich gut gepasst. In meinem Rucksack befinden sich noch einige Teebeutel (wegen Tee-Rationierung in der ersten Woche), 2 Packungen Nüsse á 150gr., 2 Müsliriegel und ein unangetastetes Glas Erdnussbutter. Letzteres hätte man sich aus Gewichtsgründen auf alle Fälle sparen können, das war aber mein Notnagel sollte der Hunger während der Reise über mich hinwegfegen, dann habe ich halt 400gr umsonst geschleppt.

    Beim Mittagessen und im Laufe des Abends werde ich übrigens von 3 Mücken besucht. Ja, ich habe mitgezählt, ganze drei Stück waren es. Die ersten 2 wurden erschlagen, die Letzte entgeht dem Schicksal, als ich beschließe ins Zelt zu krabbeln. Das bringt den Overall-Mücken-Counter auf 4 Stück, wovon 3 diese Begegnung mit dem Leben bezahlt haben. Ich verstehe wirklich nicht was dieses Jahr in Lappland los ist. Wenn ich da an die letzte Nacht 2017 in Norwegen, vor meinem Grenzübertritt nach Finnland denke, wo ich mich mit einem Kopfsprung ins Zelt gerettet habe und trotzdem die nächsten 20 Minuten mit Mücken töten beschäftigt war. Auch auf dem Padjelantaleden letztes Jahr war es teilweise richtig mückig. So habe ich jetzt zwar mein Mückenspray und mein Mückennetz umsonst mitgeschleppt, so rum ist es mir aber deutlich lieber

    Nach dem Essen laufe ich nun zur Fjällstation. Hier dann gleich der absolute Zivilisationsschock, überall Menschen, es scheint wohl auch gerade eine Fähre angekommen zu sein. Im Gegensatz zu all den fitten, sauberen Menschen hier fühle ich mich ganz schön dreckig und ausgelaugt, dafür aber auch immens glücklich.


    Zivilisationsschock an der Fjällstation Saltoluokta, offizielles Ende meiner Wanderung


    Hier stehen mehrere Unterbringungshäuser, Werkzeugschuppen, Klos, Sauna, Küche. Die volle Ladung Zivilisation nach meiner Zeit im Sarek.

    Im Shop reizt mich gar nichts, so buche ich nur für Morgen mein Frühstück. Dies lässt mir jetzt schon das Wasser im Mund zusammenlaufen und da der Porridge verbraucht ist freue ich mich über ein reichhaltiges Buffet morgen als Abschluss.

    So laufe ich relativ bald wieder zum Zelt zurück. Heute bin ich einfach glücklich angekommen zu sein. Die Wanderung hat wunderbar geklappt, ich habe meinen Zeitplan eingehalten. Größere Verletzungen habe ich nicht und außer der Kamera hat sich die Ausrüstung auch gut geschlagen. Tatsächlich freue ich mich nun auf die Rückkehr nach Berlin, es scheint genau die richtige Zeitspanne gewesen zu sein. Ich habe nicht das Bedürfnis noch zwei Wochen dranzuhängen und bin zeitgleich dankbar für die wunderschönen Ausblicke die ich genießen durfte. Ich habe also genau das geschafft, was ich mir vorgenommen habe. Zudem habe ich anders als letztes Jahr nicht das Gefühl „jetzt geht eine sehr lange Reise zu Ende und es erwartet mich eine ungewisse Zukunft“, sondern es war halt ein perfekter Urlaub, der Enden musste.

    So lasse ich den Abend sehr entspannt im Zelt ausklingen, schaue Serien und relaxe mit einem guten Buch. Auch ein Telefonat mit Markus ist drin, so haben wir die Gelegenheit uns gegenseitig zu erzählen, wie es uns im weiteren Verlauf ergangen ist.

    Nach 184 Kilometern in 13 Tagen (inkl. einem Ruhetag) schlafe ich nun ganz entspannt ein und genieße die letzte Nacht im Zelt.
    Auf meinem Blog Longing for the Horizon:
    Sarek 2018 / Padjelantaleden 2017 / 4500km Radtour Berlin-Nordkapp 2017 / Kungsleden 2015 / Kungsleden 2014 / Israel-Hike 2014 und viele kleinere Radtouren (Berlin - Kopenhagen / Prag - Berlin etc.)

  5. Dauerbesucher

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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #45
    Zitat Zitat von Mika Hautamaeki Beitrag anzeigen
    und noch mehr geniale Photos...bin ja etwas neidisch :9
    Ich nicht nur etwas...

    Danke, Daniel, dass wir so mitreisen dürfen!

    Heiko

  6. Erfahren

    Dabei seit
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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #46
    Zum Ende noch mal die Abreise in einem großen Post
    [Tag 15] Samstag 8.9. Saltoluokta und Rückkehr in die Zivilisation

    Ich starte früh in den Tag, denn heute gibt es Frühstück in der Saltoluokta-Hütte. Und auch wenn ich nicht so hungrig bin wie letztes Jahr, beim Gedanken an das Buffet läuft mir das Wasser im Mund zusammen.

    So stehe ich bereits um kurz nach 7 im Frühstücksraum und labe mich an frischem Brot, Aufstrich, Aufschnitt. Auch Joghurt und frische Früchte sind eine unglaubliche Wonne nach dem Fertigessen und dem Verzicht der letzten zwei Wochen.



    Spreche ich anfänglich noch mit einem Deutschen, der auf dem Kungsleden unterwegs ist, tritt eine Stunde später ein bekanntes Gesicht in die Stube. Volker, der Stalker von der Herfahrt (siehe Tag 1), ist gerade eingetreten. Er ist wohl schon gestern in Saltoluokta angekommen und schnell stellt sich heraus dass wir beide heute zurück nach Luleå fahren. Dies ist jedoch noch nicht alles, denn er ist auf ein Blind-Date verabredet mit Anne, einem weiteren Outdoorforum-Mitglied. Die Beiden waren die letzten Jahre kreuz-und-quer in dieser Gegend unterwegs und so gibt es jede Menge spannenden Gesprächsstoff.


    (INFO: Bitte kein Bildmaterial einfügen, das die Rechte Dritter verletzt. d.h. i.d.R. keine Musikvideos, TV-Serien etc. )
    Rückkehr zum Zelt

    Nach dem Frühstück laufe ich zum Zelt zurück und packe es in aller Ruhe zusammen. Beim letzten Mal wird man schon wehmütig. Luft aus der Isomatte ablassen, Schlafsack in den Packsack stopfen, endlos viele Heringe aus dem Boden ziehen. Was die letzten zwei Wochen zum alltäglichen Vorgehen gehörte, wird nun durch das „normale“ Leben in der Zivilisation ersetzt.


    Ein letztes Mal Zelt abbauen



    Die Fähre verlässt Saltoluokta erst gegen 12:15 Uhr, wir sitzen also vor der Fjällstation und genießen die Sonnenstrahlen. In der Früh ist eine riesige Gruppe Eltern mit Kindern und vermutlich Erzieher_innen angekommen. Die Kleinen sind bis zur Nasenspitze in Outdoorklamotten und Gummistiefeln verpackt, ein sehr niedlicher Anblick. Auch ihre Hampelmann-Aufwärmübungen sind lustig anzuschauen.


    Ein Gruppenfoto mit Anne und Volker (und dem Finger des eher weniger talentierten Fotografen )


    Die Fjällstation Saltoluokta


    Jugendherbergen-Charme




    Eine Reisegruppe hat selbstgemachte Trophäen dabei, hier seht ihr den "silbernen Liegestuhl". Es gibt auch noch den "Goldenen Kugelgrill".


    In der Früh zeigt sich der Lulep Gierkav noch bedeckt.


    Dies ändert sich ein Stündchen später.

    Ich hänge sogar noch mal meinen Rucksack an die Waage, zeigte der nach der letztjährigen Reise hier 18,5kg an, so blinken nun über 23kg auf. Nun ja, schwereres Zelt, schwererer Kocher und doch noch ein paar extra Utensilien. Trotzdem kommt er mir nun mit noch über 20kg unfassbar leicht vor, ich werfe ihn mir nahezu mühelos über die Schulter, vergangen ist das Hochwuchten der ersten paar Tage.


    Mit Anne und Volker geht es ab zur Fähre




    Lulep Gierkav


    Und Blick nach Osten, wo es ein paar Sami-Häuser gibt.

    Die Fährüberfahrt bei schönsten Sonnenschein lässt noch einmal tolle Ausblicke zu, ganz anders als bei der Herfahrt, wo Markus und ich ja nur saßen und vor uns hin froren.


    Gierkav vom Boot aus

    Nach der kurzen Überfahrt kommt auch bald der Bus an, der uns zurück nach Gällivare bringen wird.

    Im Bus lerne ich noch Esther aus Deutschland kennen, so ist auch hier sichergestellt, dass ein Großteil der Fahrt mit aufgeklappter Landkarte verbracht wird, wir gleichen gegenseitig ab, wo wir im Sarek langgelaufen sind und berichten uns von vergangenen Radtouren (wobei ihre da deutlich abenteuerlicher sind )

    In Gällivare selbst geht es dann zum COOP. Im Supermarkt stehen und den Mund nicht mehr zubekommen, auch das ein Klassiker nach der Wandertour. So habe ich aber bald meine geliebten Zimtschnecken im Einkaufswagen und kann der Zug-Weiterfahrt gelassen entgegensehen.

    Volker, Anne und ich verabschieden uns noch von Esther, die zusammen mit ihrem Wanderkumpan noch ein paar Stunden in Gällivare hat, bevor sie beide mit dem Nachtzug nach Stockholm aufbrechen. Wir hingegen springen jetzt gleich in den Zug und eh man sich versieht sind wir in Luleå zurück.


    Blick auf vorbeiflitzende Landschaft, die Langsamkeit der Wanderung ist damit auf alle Fälle passé.

    Volker und Anne beziehen ein Hotel in Bahnhofsnähe. Ich habe gestern Abend mich drangemacht zu schauen, ob das Hotel (Clarion Sense) von der Hinfahrt noch bezahlbare Zimmer hat. Die erste Nacht mit Markus hat 80€ gekostet, für 2 Leute ein Schnäppchen in einem 4-Sterne Hotel. Markus berichtete gestern telefonisch, dass er bei seiner Rückfahrt ein anderes Hotel suchen musste, da sie für ein Einzelzimmer 120€ aufriefen. Ich habe jedoch Glück, bei mir soll es „nur“ 60€ kosten. Da aber auch ein Hostelzimmer kaum unter 40€ zu bekommen ist, gönne ich mir den Aufpreis. Ein Zimmer für mich allein und ein BETT! Ein echtes Bett. Mit KOPFKISSEN! Mein Jauchzen und Jubilieren, als ich im Zimmer stehe kennt keine Grenzen.


    Ankunft im Hotel, die Laune ist super. Das Kopftuch versteckt allerdings ein schlimmes Geheimnis....


    Die Haare sind nur noch eklig!!


    Und stehen von alleine!

    Bevor ich wieder in die Stadt verschwinde jedoch was ganz, ganz Wichtiges: die DUUUUUUSCHE! Mein letztes Bad war am Fuße des Sluggá, das ist jetzt fast 72 Stunden her und vor allem die Haare sehen grauenerregend aus. Nach diesem Gletscherbad nun unter der heißen Dusche stehen, so stelle ich mir den Himmel vor. Ich entschließe mich, Umwelt hin- oder her, doch zu testen was der Boiler des Hotels so hergibt. Nach 45 Minuten wird die Haut langsam schrumpelig und ich merke, dass der Heißwassertank doch mehr Reserven hat als ich.


    Endlich wieder sauber!

    Frisch gewaschen und in sauberen Klamotten (ich hatte vor der Abreise hier noch einen Rucksack im Hotel deponiert) geht es zum Abendessen. Dieses war ja bei der Anreise eine Katastrophe, der eklige Burger bei MAX um 23 Uhr soll diesmal nicht wiederholt werden.

    Doch heute bin ich deutlich früher dran und bekomme einen wahnsinnig guten Burger in einem Restaurant mit dem illustren Namen „Bastard Burger“. Auch der Menü-Preis von 17€ ist für das Gebotene in Schweden mehr als nachvollziehbar, zudem sehr, sehr lecker.


    Ausblick auf den Hafen Luleås


    Pures Paradies nach den Tütennudeln der letzten Wochen.

    Auf dem Rückweg zum Hotel geht es noch zum COOP, und ich verprasse meine letzten Kronen um mir schwedische Leckereien zu kaufen, die ich mit heim nehmen will.




    Auf dem Rückweg bestaune ich noch kurz eine Feuershow.

    Erschöpft und glücklich sinke ich abends ins Bett, der Nacken jubiliert endlich auf einem Kissen zu liegen. Nur die dicke Decke überfordert den Körper, es ist etwa 20° wärmer als die vergangenen Nächte, und ich schwitze dadurch wie bekloppt.

    [Tag 16] Sonntag 9.9. Luleå – Berlin

    Der Tag beginnt wieder früh, denn ich muss früh zum Flughafen. Allerdings nicht so früh dass ich diesmal das Frühstück verpassen würde. Gab es auf dem Hinweg nur ein kleines Häppchen nahe der Rezeption bin ich heute 2 Stunden später dran und fahre mit dem Lift bis hoch in den 9. Stock. Dort bei der wunderbaren Aussicht über das morgendliche, nebelige Luleå steht das Buffet. Und schon beim ersten Anblick fallen mir fast die Augen raus. Habe ich gestern in Saltoluokta schon begeistert auf die Essensauslage gestiert, hier gibt es 10 Meter Buffet.





    Die nächste Stunde ist mit Pausenlosen zum-Buffet-gehen gefüllt. Es gibt eine Waffelstation, es gibt 10 Sorten Brot. Es gibt Pancakes. Und es gibt sogar einiges an warmen Speisen, als ich mit dem vierten Teller Bacon zu meinem Tisch zurückkomme kann ich die verwunderten, leicht angeekelten Blicke meiner Mitmenschen im Raum fest am Hinterkopf spüren.






    Der absolut nicht-koschere und nicht-halal Frühstückstraum von mir!



    Nach dem Frühstück schmeiße ich die letzten Sachen in den Koffer und dann geht es zur Busstation um die Ecke. Dann die 12-minütige Busfahrt zum Flughafen (Provinz-Flughäfen rocken!) und schon stehe ich am Check-In-Schalter. Diesmal habe ich auch dran gedacht meinen Rucksack mit allerlei Adressaufklebern zu versehen. Im Eingangsbereich treffe ich noch Volker und Anne, wir sitzen im selben Flieger bis Stockholm.




    Schickes Möbiliar. Hätte ich auch nur die Hälfte der gesehenen Geweihe beim Wandern mitgenommen, ich hätte mir drei dieser Kronleuchter basteln können.

    Der Flug vergeht, nun…, wie im Flug. Ein paar schöne Blicke auf die umliegende Landschaft und schon sind wir in der schwedischen Hauptstadt angekommen.


    Abflug in Luleå


    Mein Traumdomizil: Keine nervigen Nachbarn, zudem ideal während der Zombie-Apokalypse.




    Ankunft in Stockholm

    Wir durchforsten noch einen Souvenirladen (nichts dort, was ich mir kaufen wollen würde) und sitzen dann noch im Gastrobereich zusammen und verzehren unser mitgebrachtes Essen.


    Was es nicht alles zu kaufen gibt


    Siehe Track 18 (Deutschland okkupiert Dänemark und Norwegen), sowie Track 26. Und wie man bei Track 28 sehen kann, die Schweden haben nicht umsonst den Ruf prägnant und ein wenig kühl zu sein

    Witzigerweise treffen wir hier noch auf Bernhard, dem Reisekumpanen von Esther, die ich gestern im Bus traf. Beide sind mit dem Nachtzug bis Stockholm gereist und Esther hatte einen früheren Flug.
    So genießen wir zu viert noch die Zeit, bevor wir uns auf dem Weg zu verschiedenen Gates begeben. Wir vier fliegen alle in verschiedene Richtungen.


    Nun, Brandenburg sieht schon anders aus als Lappland


    Der alte Rangierbahnhof Pankow

    Auch der zweite Flug ist ereignislos, der Schock kommt erst, als ich in Tegel aus dem Flughafengebäude stolpere. Es ist Mitte September und ich hatte die Hitzewelle vor Abflug schon erfolgreich verdrängt. So stehe ich plötzlich in der 27° heißen Umgebung. Heute früh in Luleå hatte es noch 6° als ich zum Flieger aufbrach. Schwitzend vergeht die Fahrt in den Öffis nach Hause. Knappe 27h nach dem Einstieg in die Fähre stehe ich nun vor der Haustür.


    Verschwitzt aber endlich daheim!



    Epilog

    Dieser Eintrag hat auf dem Blog einige Fotoreihen als Galerie eingebunden, diese kriege ich nicht ohne weiteres ins Forum eingebunden. Vielleicht lohnt es sich also diesen Beitrag mal auf dem Blog zu lesen, wer die zusätzlichen Fotos noch sehen will: https://longingforthehorizon.wordpre.../09/10/epilog/
    Vieles wurde bereits geschrieben, weshalb ich mich knapp fassen will:

    Es war ein fantastischer Urlaub, der zu 99% so geklappt hat wie vorgestellt. Mehrheitlich war das Wetter wirklich gut, was für Ende August/Anfang September im Sarek überhaupt keine Selbstverständlichkeit ist. Die Route war spannend, die eine Etappe, die sich wiederholt hat, hat sich komplett gelohnt, schließlich durfte ich wieder auf den Skierffe klettern.

    Für den Blick war es das auf alle Fälle wert :-)[/caption]

    Viele verschiedene Landschaftstypen, damit einhergehend einige spannende Wander-Herausforderungen, aber nicht zu viele, als das man sich überfordert hätte.












    Das Rucksack-Gewicht hat erstaunlich gut geklappt, auch wenn es eindeutig zu viel war. Auch der Körper hat gut durchgehalten. Klar, Blasen an den Füßen, aber die kriege ich immer, damit kann ich leben.


    Auf die letzten Tage sind noch meine Schuhe ordentlich zerbröselt, am rechten Schuh hat sich die Sohle gelöst. Meindl hat sie aber inzwischen unkompliziert und kostenlos repariert.



    Fast keine Mücken und eine Vielzahl an Rentieren. Dafür verzeihe ich dem Sarek auch, dass doch kein Elch meinen Pfad gekreuzt hat.



    Genug Essen mitgenommen, und dem ganze Nudel-Fertigzeug am Ende nicht übertrieben überdrüssig gewesen, auch das ist schön.



    Mit Markus zu Wandern war eine tolle Erfahrung. Wir haben uns gut verstanden, man hatte jemanden zum Quatschen und konnte die spektakuläre Landschaft zusammen genießen. Nichtsdestotrotz bin ich froh, dass er so entschieden hat, wie er es richtig fand, auch wenn dies den früheren Ausstieg bedeutete. So hatten wir eine schöne Zeit zusammen, ich konnte aber auch den Sarek auf Solotour genießen in der zweiten Hälfte. Danke fürs Mitkommen Markus, gerne demnächst wieder :-)

    Auch der vierte Besuch in Schwedisch-Lappland sorgte nicht für Langeweile oder Gewöhnung. Ich finde die Landschaft dort im Norden wunderbar und entdecke zeitgleich allerlei Neues und Vertrautes. Allerdings frage ich mich schon, ob ich ein wenig Abwechslung brauche und überlege nun, wo es mich nächstes Jahr hin verschlagen könnte. Nix genaueres weiß man nicht, aber ich bin mir sicher mir fällt bis dahin was ein.



    Euch allen vielen Dank fürs Lesen, solltet ihr es bis hier hin geschafft haben. Ich hoffe ich konnte euch mit dem Reisebericht ein wenig teilhaben lassen an dem Abenteuer und meinen Gedanken unterwegs. Wie bereits in der Einleitung geschrieben habe ich versucht diesen Bericht für verschiedene Leserschaften interessant zu gestalten. Am Ende steht ein Werk mit über 35 Seiten reinen Text und zusätzlich habe ich dafür 1200 Fotos sortiert, teilweise bearbeitet, verkleinert und positioniert. Wenn ich euch damit eine Freude machen konnte, umso besser. Vorallem schreibe ich den Reisebericht aber für mich, damit ich Jahre später mich wieder in die Situation reinversetzen kann.

    Kritik und Anmerkungen von euch sind gern gesehen, ansonsten bleibt es jetzt erst mal wieder ruhig bis zum nächsten Reisebericht. Der wird kommen, das kann ich euch versichern, denn mir kribbelt es bereits gewaltig in den Füßen :-)
    Auf meinem Blog Longing for the Horizon:
    Sarek 2018 / Padjelantaleden 2017 / 4500km Radtour Berlin-Nordkapp 2017 / Kungsleden 2015 / Kungsleden 2014 / Israel-Hike 2014 und viele kleinere Radtouren (Berlin - Kopenhagen / Prag - Berlin etc.)

  7. Fuchs
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    AW: [SE] Der Sarek im Herbst - kreuz und quer

    #47
    Vielen Dank noch einmal für den schönen Bericht!
    Einiges Bekannte zum Erinnern, aber im für mich neuen Herbstgewand, ist dabei.
    Und einige Strecken, die ich noch nicht gegangen bin, wecken Lust, wieder hochzufahren.

    Gut geschrieben, und viele tolle Bilder sind dabei!
    Um das Wetter beneide ich dich, besonders am Skierffe.
    Genialer Blick auf das Delta!
    Kalender *Papageitaucher 2019*
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

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