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  1. [UK] "Oneway???" 2 Wochen Regen & Wind in den Northwesthighlands & auf Skye

    #1
    Mitreisende: Freedom33333
    Schottland, 28.9 bis 15.10.2018

    Tja, wie fängt man so einen Reisebericht an? Vielleicht am besten mit ein paar Worten zur Planung und zur Vorgeschichte.

    Raus in die Natur bin ich schon seit mehreren Jahren regelmäßig gefahren – immer mit dem Fahrrad, immer auf der Suche nach schönen Plätzen ab vom Weg. Touristenhotspots, bekannte Wälder mit riesigen Parkplätzen und alles voller Menschen – das habe ich als Dorfkind nie so richtig verstanden. Das hat man doch schon unter der Woche von morgens bis abends und an jedem Tag, den man irgendwas in der City macht. Wieso dann auch noch beim „Naturtag“?

    Unvergessen mein erster „Tag im Park“ in Berlin. Meinte der Kollege zu mir, lass mal im Park treffen. Ab ans Ostkreuz, kommen wir zu einem Spielplatz und einer - sorry - schäbigen kleinen Wiese, wo sich die Leute dicht an dicht gedrängt haben und jede zweite Gruppe Lautsprecher dabei hatte. Bleibt er auf einmal stehen und breitet seine Decke aus. Sage ich zu ihm: „Hey, ich dachte wir wollten in einen Park?“ „Das ist der Park.“ Schaut mich voller Unverständnis an.

    Irgendwann fragte ich mich: Wieso eigentlich immer nur Tagestouren? Gerade im Winter, gerade wenn man abends mal etwas länger unterwegs war und erst nachmittags losfährt hat man kaum mehr als 2-3 Stunden draußen. Und dann geht es schon wieder zurück. Wieso nicht einfach mal mit Zelt? Draußen übernachten? Das tat ich dann auch. Mitte Dezember. Meine Ausrüstung war völlig unzureichend, es war unglaublich kalt, aber was solls – ich hatte einen tollen Tag irgendwo im Nirgendwo in Brandenburg. Und viele ungläubige Blicke unter Freunden in der nächsten Woche, als ich erwähnte, ich hätte am Wochenende eine Nacht draußen verbracht.

    Aber das reichte mir irgendwann auch nicht mehr. Wenn man die Natur schon so mag, wieso nicht mal 2 Wochen am Stück irgendwo wandern? Ich las ein paar Erfahrungsberichte hier im Forum bzw. im Internet, unter anderem einen, in dem jemand berichtete, 2 Wochen in Schottland durch die Einsamkeit marschiert zu sein und sich eine einsame Hütte wegen Regen ein paar Tage mit einer Maus geteit zu haben.

    Ich war Anfänger. Fittnesslevel solala. Es sollte alleine sein. Mal zum Nachdenken kommen. Also entschied ich mich für Schottland. Skandinavien war mir als Rookie dann doch etwas zu krass. Zunächst kaufte ich mir eine große Karte, die ganz Schottland abdeckte. Und markierte mir beliebte Touren, wie den Westhighlandway. Anfängerfreundlich, nahe den Straßen, viele Hütten – genau das, was ich nicht suchte.

    Die Planung begann schon im März 2018. Ab da verzichtete ich aufgrund meines eher engeren Studentenbudgets auf einige Lebensqualität, einmal gabs wochenlang nur Reis und Müsli, damit ich mir die passende Ausrüstung leisten konnte. Aber hey – klare Zielsetzung erfordert manchmal eben Opfer. Und ich hatte meinen Urlaub, auf den ich mich freuen konnte (und brauchte die Ausrüstung ja auch für Wochenendtouren).

    Als erstes nahm ich mir Urlaub und buchte den Flug. Ist mein Budget als Student doch arg beschränkt musste es vor allem günstig sein. Aber manchmal hat man eben Pech. To make a long Story short – ich zog mir eine Verletzung zu, wurde geschient und konnte für 5 Wochen keinen Sport treiben. Und musste den Urlaub um 2 Wochen nach hinten schieben. An einem Montag konnte ich wieder schmerzfrei laufen, am Freitag sollte es losgehen. Knappe Planung, aber es half nichts. All die Planung, all die Opfer für nichts und wieder nichts? Nein. Nicht mit mir. Im Ergebnis musste ich meinen Wanderurlaub antreten, ohne auch nur einen einzigen Gipfel zur Vorbereitung gemacht zu haben und gerade wieder bei Null anfangend.

    Die Ausgangssituation konnte also nicht besser sein:
    - meine erste Tour die länger ist als 2 Übernachtungen
    - alleine
    - über 50% der Ausrüstungsgegenstände noch nicht getestet
    - Zelt dem Wind leider kaum gewachsen (konnte ich vorher mangels Wind nicht testen)
    - seit 5 Wochen ohne Training
    - mit 18kg auf dem Rücken, vorher nie mehr als 10kg
    - im Oktober in Schottland
    → Trotzdem war ich selten optimistischer und freudiger Learning by Doing!

    Freitag der 28.9 bis Sonntag der 30.9.18: München – Edinburgh - Inverness
    Mein Flug startete abends in München. Von dort ging es nach Edinburgh. Die erste Nacht verbrachte ich nahe dem Flughafen über AirBnB. Dort sortierte ich gleich mal 1,5kg Gewicht aus.

    Samstag vormittag dann mit dem Bus ins Zentrum, in einen Outdoorladen (Tiso), Gas und Kartenmaterial besorgen. Ca. 2 Stunden wurde ich mit den Karten beraten. Klasse Service! Wobei bedingt durch die Jahreszeit auch nicht übermäßig viel los war.

    Dann ging es mit dem Bus nach Inverness. Im Voraus gebucht hatte ich nichts, aber ich hatte Glück und erwischte direkt („the next one?“ *schaut auf die Uhr* „in 3 Minutes“) einen Bus. Schon die Bustour war toll, eine Weite und wunderschöne Graslandschaften. Ein Tipp: es gibt einen Bus zwischen Inverness und Edinburgh, der hält nur ein oder zweimal. Den hatte ich bei der Hintour. Und dann gibt es einen Bus, der hält bestimmt 20mal. Kostet dasselbe. Nimmt jede Kurve mit, ständig im Kreis, Lesen – unmöglich. Den habe ich bei der Rücktour erwischt. Nehmt unbedingt den Bus, der nicht überall stoppt!



    Kaum kam ich in Inverness an, fing es auch schon an zu schütten. Statt also in der Dunkelheit loszulaufen entschied ich mich, eine weitere Übernachtung in einem Hostel zu buchen. Das schien mir noch vertretbar. Am nächsten Morgen nahm ich dann den Bus nach Drumnadrochit und begann dort meine Tour.

    Unvergessen das Gespräch mit dem Busfahrer. Regnet es am Morgen in Strömen. Alle Leute rennen nur von Unterstand zu Unterstand, niemand will länger als nötig im Regen stehen. Steige ich in den Bus ein. Als der Busfahrer mich und meinen Rucksack sieht, denkt er scheinbar trotzdem, dass ich ein Tagestouri bin, der von Hostel zu Hostel fährt. Als er auf mein Ticket schaut, sagt er nur entsetzt:

    „One Way?????“

    Ich muss Grinsen. Außer mir ist im Bus nur eine Gruppe Jugendlicher, die sich wahrscheinlich das Castle anschauen und dann abends wieder nach Inverness fahren, um sich in ne Kneipe zu setzen.

    Raus aus dem Bus. Endlich ging es los. Meine Güte. 18Kg auf dem Rücken– das war doch ziemlich viel. Und meine Fitness war ja auch arg im Keller. Kaum 15min gelaufen, musste ich meine erste Pause machen. Viel Regen. Stoßweise. 15Min kein regen, dann wieder 15min starker Regen. Ich entschied mich, die Regenjacke gar nicht erst auszuziehen sondern permanent anzubehalten. Die Landschaft war schön, erinnerte mich aber doch noch stark an Deutschland & Die Alpen. An einem See entschied ich mich, querfeldeinzulaufen und auf eine Weide. Die Schaafe waren doch arg scheu und hielten großen Abstand.





    Als ich am Loch Meiklie ankam, wollte ich diesen links umlaufen. Dafür musste ich aber über Privatgrund. Just in dem Moment in dem ich hätte umkehren müssen, weil mir ein Gatter den Weg versperrte, kam witzigerweise die Eigentümerin mit Hund vorbei und ließ mich passieren. Und ich fand einen Ort, den ich so schön fand, dass ich am liebsten direkt da mein Zelt aufgeschlagen hätte. Nach Rücksprache mit der Eigentümerin erlaubte sie mir das auch. Sie bot mir sogar an, in der Scheune zu übernachten. Ihr habt es euch gedacht – es sollte in der Nacht heftig regnen. Ich entschied mich, mein Lager auf Stroh auszurichten – und kam mir vor wie Josef an Weihnachten. Der hintere Teil des riesigen Grundstücks machte den Eindruck, als sei hier seit Jahren niemand mehr gewesen. Die Mauer dagegen den eindruck, sie sei deutlich älter.

    Den Abend verbrachte ich lesend mit meinem Kindle und der tollen Aussicht. Nachts war das Prasseln des Regens aufs Scheunendach doch recht intensiv.







    Am Nächsten Morgen, Montag dem 1. Oktober ging es dann in aller Frühe weiter.

    In corrimony klingelte ich an einer Haustür und bot der Anwohnerin 2 Pfund, wenn sie nur mein Handy und Ladekabel für eine Stunde aufladen könnte, ich würde einfach draußen warten. Das tat sie auch – natürlich ohne sich bezahlen zu lassen, aber es kam mir netter vor, es anzubieten – und gab mir gleich noch 2 geschmierte Brötchen und einen heißen Kakao mit. Willkommen in Schottland!



    Leider regnete es auch an diesem Tag, quasi ununterbrochen. Als ich in Cannich ankam, war ich komplett durchnässt. Und entschied mich, eine Nacht in einem B&B zu verbringen. Für 40 Pfund bekam ich ein riesiges Zimmer mit eigenem Bad, Einer großen Auswahl an Tee, Kakao, Gebäck, ein tolles Frühstück – und hatte das Haus für mich. Die Heizung funktionierte, es gab sogar einen Raum zum Trocknen und in meinem Zimmer 2 zusätzliche Elektroöfen. Und das für 40 Pfund. Wahnsinn. Gegenüber gab es sogenannte „Pots“ für ca. 25 Pfund pro Nacht – Hütten mit ca.3-4qm, aus Holz und mit einem winzigen Heizöfchen ausgestattet. Fast hätte ich da übernachtet, aber die 15 Pfund Aufpreis waren es mir dann doch wert.





    Dienstag, 2 Oktober 2018.
    Morgens auf zur Bushaltestelle, um nicht die Betonstraße entlang zu müssen. Natürlich irrte sich google maps, der Bus war schon abgefahren, ich musste zu Fuß weiter. Glücklicherweise nahmen mich 2 ältere Herren im Auto mit, die auf dem Weg zu einer Wandertour waren. Und gaben mir gleich mal reichlich Tipps. Der Wind an diesem Tag sollte laut ihren Angaben so stark sein, dass sie keinen Munro machen wollten, dafür sei der Wind zu stark.

    An der Mitte vom Loch Bhein A Mheadhoin ließen sie mich dann raus und es ging zu Fuß weiter. Die Straße ging rechts vom See entlang und bietet ein Wahnsinnspanorama. Ab und zu kommt aber auch mal ein Auto entlang. Links hätte es glaube ich einen Wanderweg gegeben, aber ich hatte ja noch so einiges vor, also war mir das auch recht.








    Der Wind an diesem Tag war extrem – und stark genug, um einen einfach mal umzublasen. Die Aussicht von einem kleinen Hügel ließ sich leider nicht allzulang geniesen, da der Boden nass und der Wind so stark war, dass man eine so exponierte Lage doch schnell wieder verlassen musste.


    Nach einer kurzen Rast an einem Parkplatz und dem letzten Kontakt zur „Zivilisation“ ging es dann links vom Loch Affric entlang. Atemberaubend schön.











    Hier begegnete ich hier immerhin noch einigen Tagesausflüglern auf den ersten 1-2 Kilometern. Danach wurde es schon ruhiger. Schließlich kam ich am westlichen Ende des Sees an. Wäre der Wind nicht so extrem gewesen, hätte ich hier direkt mein Zelt aufgeschlagen. Leider hätte es diesem Wind doch nicht standgehalten. Auch die Überlegung, das Zelt auf den Dielen vor der Hütte aufzuschlagen verwarf ich, da ich doch ein wenig Bedenken hatte, der Eigentümer der Hütte könnte ein Jäger sein und in der Nacht vorbeikommen.









    Nachdem ich hier 1-2 Stunden die Aussicht genossen hatte und dem Wetter zum Trotz kurz Schwimmen war ging es weiter. Die Wege waren Matschig, die Wege wurden schlechter. Es wurde langsam Abend. Und ich fand und fand einfach keinen geeigneten Ort, um mein Zelt aufzuschlagen. Erfahrung hatte ich ja wiegesagt keine. Learning by Doing war aber schon immer mein Ding, auch beim Kajakfahren lernen auf der Elbe damals in Hamburg. Einer der Wanderer hatte mir aber mitgeteilt, wenn ich nur weiter geradeausaufen würde, käme ich zu einem Hostel. Nur ob es offen habe, wisse er nicht.

    Ich lief und lief und lief. Dieser ständige Nieselregen, der ständige Wind. Ich war mittlerweile pitschnass. Und ich suchte verzweifelt nach einem Ort für mein Zelt. Aber: Schottland ist ein einziger Schwamm. Kaum hast du einen Ort gefunden, wo du denkst, er würde sich eignen, schon stellst du fest, dass dort das Wasser – obwohl es ein Hügel ist – 10cm hoch steht. Irgendwann gegen Abend musste ich mich entscheiden – weiterlaufen, in der vagen hoffnung, irgendwo ein Hostel zu finden, oder umkehren und zurück zum Loch Affric, wo ich eine windgeschützte trockene Stelle gefunden hatte. Nach ca. 10 Stunden Laufen war ich körperlich schon arg durch. Ich entschied mich, umzukehren. Bereits an dieser Stelle bemerkte ich, welcher Ausrüstungsgegenstand neben meinem Zelt der schwächste bei mir war – die Brille. Es nervte einfach nur tierisch. Entweder beschlagen oder mit kleinen Wassertropfen bedeckt. Alle 30 Sekunden Brille ab und abwischen. In der Dämmerung, bei sinkender Konzentration, bei schlechter werdenden Wegen. Da muss ich dringend eine Lösung finden. Ich schlug mein Zelt an einer Stelle auf, an der es von 2 Seiten vor Wind geschützt war. Als ich mich schon fragte, ob der Wind nachgelassen habe, ging ich nochmal zurück an einen ungeschützten Ort – nein, hatte er nicht. Aber die Stelle war hervorragend. In diesem Wind hätte mein Zelt definitiv nicht gehalten.

    Geändert von Freedom33333 (12.05.2019 um 19:08 Uhr)

  2. AW: [UK] "Oneway???" 2 Wochen Regen & Wind in den Northwesthighlands & auf Skye

    #2
    Mittwoch, 3 Oktober.
    Früh brach ich auf – und baute mein Zelt im Regen ab. Auch das Innenzelt wurde so nass. Half nix, es regnete halt ununterbrochen. Schließlich kam ich an die Stelle, an der der Wanderweg nach rechts den Berg rauf abbog.



    Mein Plan war ja gewesen, da raufzulaufen, dann zum Loch Mullardoch, dann zum Loch Monar und dann oben wieder in die Zivilisation. Nach sorgfältiger Abwägung entschied ich mich dagegen, aus einer Reihe von Gründen:
    - meiner schlechten Fitness
    - der Gefahr sich eine Verletzung zuzuziehen.
    - dem extrem schlechten Wetter
    - der Tatsache dass ich alleine war und auf diesem Weg keine Menschen erwartete (es stellte sich heraus, das es in der - Gegend ein paar Jäger gab, sonst aber nix)
    - den großen Problemen, taugliche Plätze für mein Zelt zu finden
    - dem für starken Wind untauglichen Zelt.
    - Der Tatsache dass ich und meine Ausrüstung bereits klatschnass waren.

    Ich komme wieder!

    Aber nicht heute. Also ab zum „Hostel“. Das war natürlich geschlossen. Aber: es hatte einen „Emergency Room“, d.h. Eines der Zimmer war offen. Und dort gab es sogar 2 Matratzen. Eine war belegt, eine frei. Ich breitete meine Sachen aus, in der Hoffnung dass sie trocknen würden, machte es mir bequem und erkundete die Gegend. Abends kam mein „Mitbewohner“ - ein Mann Mitte 40, der sich zum Ziel gesetzt hatte, möglichst viele Munros zu besteigen. Super netter Kerl! Und eben auch alleine in der Natur unterwegs. Was ganz anderes als die üblichen Tagestouris in größeren Gruppen – mal alleine sein, das geht ja garnicht. Da kann man ja gar nicht quatschen. Nicht dass man noch zum Nachdenken kommt und keine Bestätigung von außen bekommt!



    Witzigerweise berichtete er mir von einem Deutschen, der am selben Morgen abgereist sei. Der hier im Forum auch einen Reisebericht geschrieben hat .

    Donnerstag, 4. Oktober:

    Nach einer guten Nacht ließ ich mich überreden, mit meinem Mitbewohner einen Munro zu besteigen. Es sollten zwei werden, beide im Norden. Das Wetter war extrem, es blies einen fast um. Auch Regen gab es reichlich. Die Ausrüstung blieb im Wesentlichen im Hostel, wir machten uns auf. Auf dem höheren der beiden Berge war es leider so neblig, dass man nichts sehen konnte. Auch sprang mein Handyakku mal eben von 50% auf 0%, sodass Fotos nur sehr eingeschränkt möglich waren. Auch hier die Brille ein massives Problem, teilweise keine Sicht, und das auf einem Grat wo man die Hände ebenfalls benutzt und sich bei Windböen an den Felsen drückt. Alleine hätte ich das niemals gemacht, aber mein Mitbewohner hatte jahrelange Erfahrung und hielt es für machbar.






    (Das wäre das Tal gewesen durch das ich alleine gelaufen wäre)





    Auf dem zweiten Gipfel sah ich schließlich den Aufstieg, den ich eigentlich hatte machen wollen, das Tal, das ich hätte durchschreiten müssen und den Loch Mullardoch am Horizont. Das befriedigte mich doch sehr, den Weg wenigstens von oben gesehen zu haben. Außerdem sahen wir auf dem Gipfel 2 Schneehasen. Das Wetter hatte sich etwas beruhigt. Dann wieder zurück zur Hütte. Waren wir mittlerweile fast wieder getrocknet, fing es auf den letzten 1000metern natürlich an wieder zu regnen.

    Freitag, 5 Oktober.
    Ich entschied mich, den Tag im trockenen Raum zu verbringen. Da es zwischendurch auch mal nicht regnete aber sehr windig war, schaffte ich es nahezu meine gesamte Ausrüstung zu trocknen, als ich damit fertig war, nahm ich mir auch noch die klitschnassen Klamotten meines Zimmergenossen vor und hing die ebenfalls auf. Im Starken Wind mit etwas Sonne trocknen die Klamotten unfassbar schnell. Trotzdem musste ich mehrfach so schnell als möglich zur Wäscheleine hechten und den Kram abhängen, damit ein kurzer Regen nicht die Trocknungserfolge der halben Stunde davor zu nichte machte.


    Aussicht aus dem Fenster. WAHNSINN!




    Samstag, 6. Oktober
    Es half nichts, ich wollte noch ein bisschen was sehen. Vor allem wollte ich gerne noch ans Meer. Also auf zum Exit. Wir packten unsere Sachen und unsere Wege trennten sich. (Witzigerweise sollten wir uns am Ende meiner Tour eine Woche später – im Bus zurück nach Inverness – noch einmal sehen und uns von unseren Erfahrungen berichten) Und es regnete für einen längeren Zeitraum nicht. So entstanden auch diese Fotos, die ich doch sehr beeindruckend finde.









    Nach einem längeren Aufstieg – es war doch sehr boggy, teils musste man auch mal 50m zurücklaufen, weil man in einem Sumpf ohne Ausgang angelangt war – kam ich in dieses wunderschöne Tal. Hier begegnete ich dann witzigerweise einer Dame aus Deutschland – Tierärztin – die seit einigen Jahren in Schottland in einem Dorf wohnt und – auch wegen der Natur nach Schottland ausgewandert ist. Das wäre mir dann doch etwas zu heftig, aber doch immer wieder schön, mal komplett andere Lebensrealitäten kennenzulernen.



    Zum ersten mal seit 5 Tagen hatte ich wieder Internet und Netz. Das war fast mit das Beste (nicht das Netz haben, sondern das nicht haben). Wie sollte es nun also weitergehen? Das Wetter war unvermindert schlecht. Die geschilderten Probleme blieben, bis auf die bessere Fitness. Aufgrund der unvermindert schlechten Wettervorhersage – es sollte die ganze nächste Woche ununterbrochen regnen – entschied ich mich, nicht die ursprünglich geplante Tour zu machen, sondern mit dem Bus zur Isle of Skye zu fahren und dort zu einer Bothy an der Küste zu laufen.
    Geändert von Freedom33333 (12.05.2019 um 19:08 Uhr)

  3. AW: [UK] "Oneway???" 2 Wochen Regen & Wind in den Northwesthighlands & auf Skye

    #3
    Sonntag, 7. Oktober – der bis dato härteste Wandertag meines Lebens.
    Nach einem Zwischenstopp in Kyleakin – 70€ für die billigste verfügbare Unterkunft auf booking.com/AirBnB auf ganz Syke – Heizung leider defekt, sehr hellhörig, besoffene Touris in meinem Alter die nachts nach hause kommen und das ganze Haus aufwecken, dreckiger Dusche usw. ging es mit dem Bus nach Broadford, dort in den Supermarkt um die Vorräte aufzufrischen. Tipp: Kauft euch keine Wurst / Würstchen in UK im Supermarkt. Man war die Wurst eklig. Auch die Erdnussbutter war kein Vergleich zur deutschen. Auch eine Flasche Whisky gönnte ich mir. Wenn schon, denn schon. Whisky von der Isle of Skye.

    Dann lief ich von Broadford über Kilmarie zur Bothy an der Küste. Ca. 15 Meilen. Es regnete in Strömen. Es regnete stärker, als an allen Tagen vorher. Ich marschierte von morgens um 10 bis abends um 10. Der Wind war krank. Als ich in einem Cafe einkehren wollte als der regen nochmal stärker wurde, wurde mir faktisch der Zutritt verweigert – halb voll, jede Menge Platz, aber ich möge bitte meinen Rucksack draußen im strömenden Regen lassen. Also weiter. Was für ein Unterschied zur ersten Gegend in der ich war. Wenn es halt genug Touris mit viel Kohle gibt, die im Auto vorbeikommen und bei Regen die Köpfe einziehen – was will ich da mit Backpackern? Da wird hinterher noch mein Fußboden nass. Nee...die will ich nicht. Ich hatte am Tag vorher geduscht, ich hatte Deo dabei, ich habe nicht gestunken – ich war halt einfach nur nass. Aber so ist das halt. Angebot und Nachfrage.

    Auch kam ich an einem eleganten, schicken Auto in gutem Zustand (wie neu!) vorbei. Aber in Schottland ist alles gut gesichert, da lohnt sich der Autodiebstahl nicht... ;)





    Der Wind war extrem, teils konnte ich mich in voller Ausrüstung nahezu nach vorne legen ohne umzufallen. Wie man sieht war es eher schwierig, vernünftige Fotos zu machen ohne dass einem der Sturm das Handy aus den Händen gerissen hätte ;).






    Ein paar kleine Bäche laut Karte...
    Als ich die Straße verließ um die letzten paar Kilometer einen Wanderweg entlangzulaufen dachte ich mir nichts böses, als ich auf der Karte diverse kleine Flüsse sah.

    Leider waren die mittlerweile so weit angeschwollen, dass man einfach nicht rüberkam. Und ich hatte ja wie gesagt keinerlei Erfahrungen, wie ich mit so etwas umzugehen hatte. Abends, es wurde dunkel, ich war bereits 10 Stunden marschiert, die Kräfte ließen nach, kommst du an mehrere reißende Flüsse und weist – du MUSST da durch, es gibt keinen Weg zurück. Über den ersten Bach war ich noch rübergekommen. An einer Stelle, an der es aber nicht zurück ging wegen des Höhenunterschieds. Und dann steht man da, zwischen 2 Bächen, und es geht nicht weiter. 10Min bin ich den Bach nach oben gegangen um eine passende Stelle zu finden. Teils musste ich über den Boden Kriechen, weil auf einmal ein Fels über mir den Weg versperrte. Es half nichts. Es ging nicht. Es wurde nur schlimmer. Also wieder zurück.

    Irgendwie hatte ich an diesem Punkt nicht die Idee, einfach mit Schuhen durchzulaufen. Ein zweites Paar hatte ich ja nicht. Meine Prämisse war: Die Schuhe müssen trocken bleiben. Der Versuch, die Schuhe auszuziehen und durchzulaufen scheiterte an scharfkantigen Steinen, sodass ich fast mitsamt Ausrüstung in den Bach kippte. Da kam mir eine – wahnsinnig bescheuerte – Idee. Den Rucksack über den Fluss werfen und dann ohne Gewicht rüberspringen. Gesagt getan – 5cm vom Fluss entfernt kam mein Rucksack an – um ein Haar wäre alles in den Bach gefallen. Ich habe keine Ahnung, was ich dann gemacht hätte. Es war mittlerweile stockfinster, immerhin hatte ich eine starke Stirnlampe. Dann Sprang ich mit Anlauf über den Fluss und schrie meinen Triumph hinaus.

    Eine Stunde später kam ich schließlich an der Bothy an – Wahnsinn. Ich lebte noch. Unvergessen der Moment, als ich die Hütte sah. Dort traf ich einen Wanderer aus England, der gerade sein Examen bestanden hatte und ein wenig Urlaub machte. Wir tranken einen Schluck Whisky und hatten ein paar gute Gespräche. Am nächsten Morgen zog er weiter.



    Montag, 8 Oktober bis Donnerstag 11. Oktober: Ruhige regnerische Tage, Einsamkeit, Andere Wanderer
    Von Montag früh bis Dienstag Abend hatte ich die Bothy ganz für mich. Ich las ein Buch auf meinem Kindle durch, begann ein 500 Teile Puzzle zu lösen und versuchte vergeblich meine Klamotten zu trocknen. Das gelang mir erst draußen im Wind, als es am Mittwoch mal nicht in Strömen regnete. Die einzigen Dinge die trocken geblieben waren: Mein Schlafsack, meine Daunenjacke und meine Flieshose. Man war es eine gute Idee, eine zweite Garnitur lange Unterwäsche mitzunehmen. Sonst hätte ich da die ganze Zeit in nasser Hose rumlaufen müssen oder mich den ganzen Tag im Schlafsack verkriechen.









    Im Laufe der Tage kamen insgesamt 4 Wanderer – 3 davon ausgesprochen nett – und ein etwas seltsamer Franzose. Der meinte, er hätte seit 2 Tagen nichts gegessen, schnorrte sich Essen, Gas und Essgeschirr. Das einzige an Essen oder Trinken was er dabei hatte war - kein Witz- eine Flasche Rose-Wein. Im Wesentlichen schlief er von morgens bis abends. Als wir zu viert abends beisammen saßen und der letzte Wanderer einen Flaschenöffner dabei hatte, bot er uns an, die Flasche Wein zu trinken. Diese öffneten wir - ich stellte meinen Whisky natürlich auch für alle zur Verfügung auf den Tisch. Dann passierte was? Er packte die Flasche wieder ein, steckte den Korken wieder in die Flasche, er wolle sie doch behalten, wir hätten jetzt ja meinen Whisky. Dann fragte er mich noch, ob er sich mein Essgeschirr nochmal leihen könne um den Whisky zu trinken. Die 3 anderen waren weigesagt supernett, einer davon war schon fast 70 und erzählte, dass er schon als Kind an dieser Küste war. Einprägsam!

    Einen halben Tag verbrachte ich sitzend am Meer, schaute auf die Brandung, sinnierte über den Sinn des Lebens und gönnte mir dazu einen Schluck Whisky.






    Auch im Meer schwimmen stand selbstverständlich auf dem Programm.



    Als ich das eine mal nachts raus musste stand eine ganze Herde von Rehen direkt neben der Bothy. 10-15 Augenpaare schauen mich an, das Reh was wenige Meter nah war, nahm gleich Reißauss. Gigantisch!

    Auch fast komplett gelöst wurde von mir und einem der anderen ein 500 Teile Puzzle. Ärgerlicherweise fehlten die letzten ca. 100 Teile, die irgendjemand mitgenommen zu haben schien. Wer macht sowas?






    Donnerstag, 11. Oktober 2018: Der zweite krasseste Tag meines Lebens.
    Internet und Handynetz gab es zwar nicht – was für ein Segen. Aber der eine Wanderer war am Mittwoch Abend angekommen und hatte verkündet, am Freitag würde ein extremer Sturm anstehen. Freitag sei daher ein schlechter Tag für den Exit. Ich beschloss also, am Donnerstag weiterzuziehen. Es war auch Zeit. Ich entschied mich, an der Küste entlangzulaufen, zum Loch Coruisk und dort irgendwo zu nächtigen, um zum Abschluss nach entspannten Tagen noch einmal ein bisschen Abenteuer zu haben. Das sollte ich bekommen.

    Zunächst musste ich einen Fluss überqueren. Dieser ging zwar nur bis zu den Oberschenkeln, war aber sehr breit. Ich hatte die dämliche Idee, mit 2 Mülltüten meine Beine einzuwicken und durchzulaufen, mit Schuhen. Ich kam bis zur Mitte des Flusses, dann lief die eine Tüte voll. Also an einem Stein festhalten, die Tüte ausschütten und einen Wanderstiefel in der Mitte des Flusses ausziehen und an meinen Rucksack hängen. Mehrfach wäre ich fast umgekippt. Dann hätte ich wahrscheinlich gleich wieder kehrt machen und zurück zur Hütte gemusst.

    Dann mit einem Schuh in der anderen Mülltüte – diese hielt – und balancierend mit meinen Stöcken und mit einem Fuß im Strumpf im Wasser ans andere Ufer. YES! Am Horizont sah ich noch eine größere Gruppe aus Wanderern auf die Bothy zusteuern. Uff! Was es mit diesen auf sich hatte, sollte ich später noch erfahren. Dann, an der Küste entlang. Der Wind war stark, aber es regnete nicht. Die Aussicht war atemberaubend. Einmal kam ich an eine riesige Spalte im Fels und musste 50m höher weiterlaufen.


    Alles sehr abschüssig und teils noch extrem rutschig. An diesem Tag sollte ich keinen weiteren Menschen begegnen. Die Küste lässt sich kaum beschreiben, besser mit Fotos ausdrücken.







    Mehrfach verlor ich den Weg und fand mich irgendwo im Nirgendwo wieder und musste den Weg suchen.

    Der Weg entlang der Küste war wunderschön und bot eine fantastische Aussicht. Und ich hatte die ganze Küste für mich. Ein unbeschreibliches Gefühl von Freiheit.



    Dann kam es – ich war schon fast am Loch Coruisk. Aber es hatte angefangen zu regnen und es gab einfach keinen Weg. Die Küste war steil und der Weg etwa 50m weiter oben war dermaßen abschüssig und rutschig, dass mir das Risiko zu hoch erschien. Also suchte ich weiter – und fand einen Weg, direkt unten am Meer. Dieser schien vielversprechend als ich ihn ohne Rucksack erkundete, erforderte aber ein wenig Klettereinlagen. Diese erschienen mir aber machbar.

    Als ich schließlich mit Rucksack dort ankam musste ich leider feststellen, dass das Risiko mit all dem Gewicht auf dem Rücken dort zu klettern ebenfalls zu hoch war. Ich hätte rückwärts umkippen und mit dem Kopf voran ins Meer kippen können. Es half nichts – ich musste mich an den Klippen festhalten und durchs Meer stiefeln. Aufgrund scharfkantiger Steine mit Schuhen an. Es ging einfach nicht anders, auch schien der Meeresspiegel zu steigen, auch der Wind frischte auf. Nach 20m – das Wasser ging mir teilweise bis zur Hüfte - hatte ich den Weg absolviert und kippte erstmal das Salzwasser aus meinen Schuhen.

    Dann kam ich an einen Traumstrand, den ich leider nicht allzulange genießen konnte, da es schon recht spät geworden war



    Ich dachte, ich hätte das schlimmste hinter mir. Dem war leider nicht so. Es war mittlerweile ca. 4 Uhr nachmittags geworden und ich dachte mir, ich könnte ja schonmal mein Zelt aufschlagen.

    Als ich einen – scheinbar gut geeigneten, da vom direkten Wind geschützten – Platz gefunden hatte (vorher musste ich einen Fluss durchqueren, dieses mal einfach mit Schuhen an, das Wasser stand eh schon in meinen Schuhe) hatte ich mein Zelt gerade aufgeschlagen als ich lernen musste, dass es nicht reicht, wenn ein Ort DIREKT vom Wind geschützt ist, vielmehr kann der Wind auch von einer Felswand abprallen bzw. umgelenkt werden. Mein Zelt wurde fast zerrissen. Im strömenden Regen und doch schon arg verzweifelt packte ich mein Zelt ein, wobei mir fast die Hälfte wegflog. Alles einfach nur in den Sack stopfen und weg hier.

    Wieder den Fluss überqueren. Fast auf dem Stein ausgerutscht und ins Wasser geklatscht. Keine Seele irgendwo, aber immer mehr Wind und Regen. Selbst die Brücke zur Isle of Skye war teilweise gesperrt wegen dem starken Wind wie ich später erfahren sollte. Und ich – als Rookie – alleine, irgendwo im Nirgendwo, und finde keinen Ort, mein Zelt aufzuschlagen. Immerhin begegnete ich mehreren Fröschen oder Kröten, die wohl eher selten einen Wanderer zu Gesicht bekommen.

    Die Schönheit des Loch Coruisk konnte ich daher leider auch kaum wertschätzen. Überall zu viel Wind von der Küste. Ich entschied mich, den Berg raufzusteigen und hoffte, hinter der Bergkette einen windgeschützten Ort zu finden. Unfähig, die Karte richtig zu lesen musste ich feststellen, dass eine Ebene höher zwar der Loch a Choire Riabhaich lag, es von dort aber nicht wieder bergab, sondern noch weiter bergauf ging. Meine Fitness war zu diesem Zeitpunkt aufgebraucht. Es ging nicht mehr. Also musste das Zelt dort irgendwo aufgeschlagen werden. Es musste.

    Nach über einer Stunde – ich lief den See bis zu seinem Ende, aber überall stand das Wasser, teils gab es – gut versteckt im Gras – Tümpel die über einen Meter tief waren, in die man fast hineinfiel – schlug ich mein Zelt an einer halbwegs ebenen Stelle am Hang auf, ein wenig windgeschützt. Ich hatte Glück, es regnete mal 15min nicht und ich konnte mein Zelt aufschlagen. Kaum war ich ins Zelt geklettert, fing es auch schon wieder an. Das Abendessen ließ ich ausfallen.

    Freitag, 12 Oktober 2018:
    Nachts um ca. 3 Uhr wurde ich geweckt – ein Hirsch, quasi direkt neben meinem Zelt, fing an zu Röhren. Da bin ich ordentlich zusammengezuckt, das war schon SEHR nah. Nachdem ich mein Licht angemacht hatte verzog er sich aber. Der Wind rüttelte dann aber sehr an meinem Zelt, sodass ich wachlag, bis endlich die Sonne aufging.

    Es regnete. In einer Pause packte ich mein Zelt ein und begann, den Berg hinaufzusteigen. Nach nur wenigen Stunden Schlaf fiel mir die massive Steigung doch nicht gerade leicht. Es ging nur langsam voran. Viele kleine Trampelpfade – hoffte ich – bis ich nach einer halben Stunde Aufstieg den Weg wiederfand. YES! Der Blick zurück auf den See in der höheren Ebene, den See in der tieferen Ebene und das Meer ganz links war atemberaubend.





    Dann begann der Abstieg – der Wind war der krasseste, den ich in meinem Leben erlebt habe.



    Alle paar Minuten musste ich mich hinhocken, um zu warten, dass er wieder etwas weniger wurde. Zweimal half alles nichts – der Wind packte mich und warf mich – trotz Stöcken, trotz mittlerweile reichlich Winderfahrung – um, sodass ich mit dem Gesicht voran ins Gras klatschte. Ich hatte Glück und fiel auf Gras, nicht auf Steine. Wenige Wanderer sah ich an diesem Tag noch – auf einen Kamm hatte sich niemand verirrt. Dann folgten noch einige Stunde Marsch durchs Tal – mir begegnete ein Mann aus Luxemburg, der berichtete, der Wind hätte sein Zelt umgeworfen und er sei mit dem Zelt ein paar Meter einen Hang hinabgekullert und hätte den Rest der nacht von innen das Zelt festgehalten. Da ist es mir ja noch mal gut ergangen.




    Auch hier läuft man im Grunde genommen permanent durch Wasser. Sämtliche Wege bestehen aus Bächen oder Pfützen, mal läuft das Wasser in die eine, dann wieder in die andere Richtung. Da ich hier Rückenwind hatte ging es zwar noch – trotzdem zwang einem der Wind ständig Schritte auf, die man eigentlich nicht machen wollte („Vorsicht Pfütze...nein...NEIN...Platsch!“).

    Dann, endlich – eine Straße, Menschen, ein Hotel, ein Pub. Obwohl ich meinen Rucksack jeweils draußen ließ und sehr freundlich fragte, wo hier der Bus fahren würde, wurde ich im Hotel an den Pub verwiesen, die wüssten das besser. Im Pub wurde ich ans Hotel verwiesen, die wüssten das Besser. Das bestärkte leider meinen Eindruck, dass die Isle of Skye in den Tourigegenden arg kommerzialisiert ist und mit der Herzlichkeit der Menschen in anderen Teilen Schottlands– auch wenn man nicht mit Geld wedelt – nicht mithalten kann. Wahrscheinlich hatte ich auch einfach Pech, aber der direkte Vergleich zwischen einer wahnsinnigen Herzlichkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft die ich in der Gegend am Loch Affric erfuhr, wo Touristen eher seltener sind und dem „So viele Touristen hier, nervig, aber gut fürs Geschäft, bitte nur wer nach Geld aussieht“ war für mich schon auffällig.

    Hier begegnete ich schließlich einer anderen Backpackerin – aus Deutschland – die witzigerweise am Donnerstag Abend zur Küste an der Bothy gelaufen war und am Freitag wieder zurück zur Zivilisation. So berichtete sie mir dann auch von einer Gruppe aus 11 Deutschen, die an dem Abend dort aufschlugen (Laut den Bothy Regeln die in der Bothy hingen sind Gruppen über 6 Personen übrigens nicht willkommen).

    Wir nahmen den Bus nach Broadford, quartierten uns in einem Hostel unter und hatten im Gemeinschaftsraum mit ein paar anderen einen gemütlichen Abend. Nur meine Whiskyflasche überlebte den Abend nicht, aber was will man auch machen, wenn die anderen einen billigen Fusel trinken und man ein Gentleman ist.

    Samstag, 13. Oktober 2018
    Am nächsten Morgen stieg ich in den Bus nach Inverness, von dort in den Bus nach Edinburg, verbrachte dort noch den Sonntag (u.a. mit einem Gottesdienst und einen Abstecher in „The Scottch Whisky Experience“) und dann ging es wieder zurück nach München.



    Alles in allem – trotz des Wetters – eine tolle Tour. Eine gute Mischung aus Abenteuer und Entspannung, Bergen, Meer, Flüssen, Natur und interessanten Begegnungen.

    Was würde ich nächstes mal anders machen?
    - Von Anfang an einen Alternativplan für den Fall schlechten Wetters. Abenteuer ist immer gut, aber ein bisschen zur Erholung soll der Urlaub ja auch dienen.
    - Wasserdichte Packsäcke für den Rucksack
    - Das Problem mit dem Beschlagen der Brille lösen
    -ein sturmstabiles Zelt mitnehmen
    - Ggf. eine Kamera mitnehmen, bei der der Akku nicht plötzlich weg ist.
    - Schuhe mit durchstichfester Sohle mit geringem Gewicht und Packmaß für Flussdurchquerungen mitnehmen

    Danke fürs Lesen! Und nochmal danke an all diejenigen, die mir meine Tour mit ihren Tipps hier im Forum erleichtert haben! Ideen für die nächste Tour habe ich mittlerweile auch reichlich ;).
    Geändert von Freedom33333 (01.12.2018 um 19:20 Uhr)

  4. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [UK] "Oneway???" 2 Wochen Regen & Wind in den Northwesthighlands & auf Skye

    #4
    Vielen Dank für deinen interessanten Bericht!

    Wenn du vorher schon Schottland-Berichte hier gelesen hast, dann hast du ja vermutlich genau das bekommen, was du erwartet hattest
    Das mit der Mause-Bothy in Sturm und Starkregen könnte meine Tour vom Herbst 2017 gewesen sein ...

    Deine letzte war die Camasunary-Bothy, nehme ich an, und die "Kletterei" zum Loch Coruisk war wohl der sogenannte "Bad Step".

    Also, ich denke mal, viel schlimmer ist es in Skandinavien auch nicht, da kannst du dann jetzt also auch hin.

    Dass du auf Skye so abweisend abgewiesen wurdest, wundert mich aber doch. Ich war zum Wandern auch schon auf Skye, vor ein paar Jahren, ebenfalls im Herbst. Natürlich hat es geregnet und gestürmt. Aber ich bin immer überall sehr freundlich aufgenommen worden, in Pubs, Restaurants und im Hostel. Eigenartig. Ist ja wirklich ziemlich unschottisch.

    Ja, Schottland kann seeehr nass sein. Aber wenn dann die Sonne durch ein Wolkenloch blitzt und auf die herbstlich orange-gelbe Landschaft fällt, ist es einfach fantastisch!

    Mach weiter so!
    Geändert von Meer Berge (02.12.2018 um 15:37 Uhr)
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    AW: [UK] "Oneway???" 2 Wochen Regen & Wind in den Northwesthighlands & auf Skye

    #5
    Ein schöner Bericht. Danke. Kommt besonders gut an einem kalten, feuchten, nassen Herbstag. Ich hab den Bericht sehr genossen. Freue mich auf neue Abenteuer.
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    AW: [UK] "Oneway???" 2 Wochen Regen & Wind in den Northwesthighlands & auf Skye

    #6
    ... auch ich habe mit Genuß und einem Schmunzeln (man kennt ja sowas durchaus) hier gerne mitgelesen. Wenn man davon ausgeht, daß Schottland jetzt deine erste Mehrtagestour war und du - obwohl der widrigen Verhältnisse - zum Fazit "Alles in allem – trotz des Wetters – eine tolle Tour" kommst, dann hast du die "Taufe" bestens bestanden .. bleib dran, die Wahrscheinlichkeit der Erhöhung des Genuß-Faktors ist in allen Richtungen gegeben

    Gruß
    “I only went out for a walk and finally concluded to stay out ... for going out, I found, was really going in”
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    AW: [UK] "Oneway???" 2 Wochen Regen & Wind in den Northwesthighlands & auf Skye

    #7
    Danke für den Bericht. Deine Schilderungen kann man gut nachempfinden.
    Hast Du schon mal Kontaktlinsen ausprobiert? Das ständige Beschlagen der Brille war für mich ein Grund umzusteigen. Es gibt super-sauerstoffdurchlässige, die fast nicht nerven.
    Deine nächste Reise geht dann wohin?
    Es ist immer zu früh, um aufzugeben.

  8. AW: [UK] "Oneway???" 2 Wochen Regen & Wind in den Northwesthighlands & auf Skye

    #8
    Danke für den Bericht!
    Du hast dich doch gut geschlagen: Für die Tage mit richtig miesem Wetter hast du Unterkunft und Beschäftigung gefunden, du hast erkannt, dass deine geplante Tour für dich nicht machbar ist und eine Alternative gefunden, du warst auf einem Gipfel, und offenbar hattest du sogar Freude an der Tour. Hinterher jedenfalls.

    Bei deiner Beschreibung deines Wegs von Camasunary zum Loch Coruisk musste ich gleich an den Bad Step denken. Mich kriegt da keiner rüber, nicht mal bei gutem Wetter und ohne Rucksack. Respekt!

    Hochwasserbäche und nasse Füße: Ich habe zum Furten ein Paar Crocs-ähnliche Schlappen dabei (die sind weicher, leichter, biegsamer und schmaler als Crocs). Sehr praktisch sind die auch abends rund ums Zelt herum oder in Unterkünften. Es gibt aber Situationen, in denen ich einfach in den Wanderstiefeln bleibe und durch einen Bach laufe. Bei starker Strömung beispielsweise, oder bei einem Untergrund, dem ich misstrauisch gegenüber stehe. Jedesmal eine Bauchentscheidung; eine klare Linie habe ich da nicht. Und ich lasse die Stiefel an, wenn sie sowieso schon geflutet sind. Dann spare ich mir die Zeit zum Schuhe wechseln. Seit ich mir die Einstellung "nasser als nass geht nicht" angeeignet habe, laufe ich viel entspannter durch den schottischen Sumpf...

  9. Erfahren
    Avatar von Heather
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    AW: [UK] "Oneway???" 2 Wochen Regen & Wind in den Northwesthighlands & auf Skye

    #9
    Danke fuer deinen erfrischenden und ehrlichen Bericht! Hat Spass gemacht zu lesen, und Schottland durch die Augen eines "Neulings" zu sehen!

    Ich konnte aber nicht anders als zu Schmunzeln, als du dich ueber die Wuerstchen beklagt hast. Ja, den Supermarkt in Broadford kenn' ich. Bei der Kette Fleischwaren einzukaufen ist...naja, wie soll man sagen? Ich wuerd's nicht machen. Aber ich wohne auch hier und habe ein Auto, was meine Moeglichkeiten erweitert.

    Deine Beobachtungen zum Loch Courisk fand' ich ganz besonders spannend. Da bin ich letztes Jahr mit meiner besten Freundin rum, und trotz strahlendem Sonnenschein haben wir es uns gespart die Crocs auszuziehen, nachdem wir per Faehre von Elgol ankamen und durch den Fluss gewatet sind. Der Uebergang zwischen Wanderweg und Bach war uns zu fliessend, und meine Freundin hatte gerade schon drei Tage damit verbracht ihre Stiefel zu trocknen. Bei deinem schoenen Bericht und den tollen Fotos wurden Erinnerungen wach, und dafuer danke ich ganz artig.

    Schoen, dass du das alles so durchgezogen hast, trotz Verletzung und Wetter! Ich hoffe, dass dich die "Feuertaufe" -oder sollen wir "Wind- und -Regentaufe sagen- nicht abgeschreckt hat! Es wuerde mich auf jeden Fall freuen mehr von deinen Abenteuern zu lesen.

  10. Dauerbesucher

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    AW: [UK] "Oneway???" 2 Wochen Regen & Wind in den Northwesthighlands & auf Skye

    #10
    Ein guter, schottischer Freund von mir würde jetzt sagen:
    Oh aye, October, still summer in Scotland...!

  11. Erfahren
    Avatar von Ljungdalen
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    AW: [UK] "Oneway???" 2 Wochen Regen & Wind in den Northwesthighlands & auf Skye

    #11
    Zitat Zitat von Freedom33333 Beitrag anzeigen
    Ggf. eine Kamera mitnehmen, bei der der Akku nicht plötzlich weg ist.
    Isbd. die Kombination kalt & nass mögen aber auch Kameras unter Umständen nicht. Dann ist zwar vielleicht der Akku noch gut gefüllt, aber die Elektronik spielt (wenn man Glück hat, vorübergehend) nicht mehr mit.

    Bei mir hieß das dann "Error 20"... na, wer kommt auf den Hersteller ? Ist aber, zugegeben, ein Einsteigermodell.... und dabei wird's auch bleiben... es wurde eh schon alles fotografiert

  12. Fuchs

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    AW: [UK] "Oneway???" 2 Wochen Regen & Wind in den Northwesthighlands & auf Skye

    #12
    Danke für den unterhaltsamen Bericht. Wenn du den Franzosen mit dem Rose als etwas seltsam beschreibst, darf man schon von britischem Understatement sprechen. Wenn der Wind ebenso diskret beschrieben wurde und das Zelt überlebt hat, dürfte es schon als sturmfest gelten

  13. AW: [UK] "Oneway???" 2 Wochen Regen & Wind in den Northwesthighlands & auf Skye

    #13
    Vielen Dank an alle für das Feedback!

    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen

    Deine letzte war die Camasunary-Bothy, nehme ich an, und die "Kletterei" zum Loch Coruisk war wohl der sogenannte "Bad Step".
    Zitat Zitat von Borderli Beitrag anzeigen
    Danke für den Bericht!

    Bei deiner Beschreibung deines Wegs von Camasunary zum Loch Coruisk musste ich gleich an den Bad Step denken. Mich kriegt da keiner rüber, nicht mal bei gutem Wetter und ohne Rucksack. Respekt!
    In der Tat war es der Bad Step. Schöner Name. Dann bestätigt das wenigstens, dass ich nicht schlichtweg zu doof war . Auch unten am Wasser war es aber eine ziemliche Schinderei, erst bin ich auf den einen Felsen unten im Wasser raufgeklettert in voller Ausrüstung und wollte dann weiter auf den nächsten, aber das war die Stelle an der ich drohte rückwärts umzukippen, sodass ich dann wieder zurückgeklettert bin und dann durchs Meer. Da konnte man immerhin noch den Boden sehen und durchs Wasser stiefeln.

    https://www.myhighlands.de/loch-coru...rgen-auf-skye/

    Allerdings war Loch Coruisk einer der wenigen Orte, in deren Nähe ich wirklich in Lebensgefahr schwebte. Denn als wir weiter Richtung Kilmarie wollten, hatten wir uns in den Kopf gesetzt an der Küste weiter zu kommen, dem Pfad folgend. Da wir uns wohl verlaufen hatten im strömenden Regen, landeten schließlich mit unseren 20 Kilo Rucksäcken auf einem vielleicht noch 30 Zentimeter breiten Sims, unter uns das aufgewühlte Meer. An diesem Punkt trafen wir dann klugerweise die Entscheidung umzukehren und die Route nach Sligachan zu nehmen.
    Nur von der Hütte dort habe ich nichts gesehen. Ich bin ja extra über den Fluss rübermarschiert und zu einer Hütte hin, in der verzweifelten Hoffnung dass sie auf habe oder ich wenigstens mein Zelt dahinter im Windschutz aufstellen könne. Das war dann leider der Ort der mir fast mein Zelt zerlegt hat.

  14. Erfahren
    Avatar von Heather
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    AW: [UK] "Oneway???" 2 Wochen Regen & Wind in den Northwesthighlands & auf Skye

    #14
    Zitat Zitat von tuan Beitrag anzeigen
    Ein guter, schottischer Freund von mir würde jetzt sagen:
    Oh aye, October, still summer in Scotland...!
    Wie weiss man, dass es in Schottland Sommer ist?

    Der Regen ist waermer.

  15. Erfahren
    Avatar von Glenfiddich
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    AW: [UK] "Oneway???" 2 Wochen Regen & Wind in den Northwesthighlands & auf Skye

    #15
    Danke für deinen klasse Bericht. Beim betrachten der Bilder werden Erinnerungen geweckt. ........

    ...ich glaube ich schaue mir deine Bilder gleich nochmal an......

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