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  1. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #41
    Mitreisende: Borgman
    Gefällt mir ausnehmend gut. Senja - eine herrliche Gegend ist das und du hast wieder mal sehr viel Glück mit dem Wetter.
    Wie gewohnt ist alles wieder fotografisch - prächtig in Szene gesetzt - sehr schön, macht Laune.
    Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Ergo: Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.

  2. Erfahren
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #42
    Sehr schöner Bericht aus mir doch vertrauten Gegenden. Du hattest auch wirklich Glück mit dem Wetter. Die 3 Wochen zuvor war es i, Saltfjellet doch erheblich durchwachsener .
    Mich wird es dieses Jahr wahrscheinlich zum dritten Mal nach Troms verschlagen. Dein Bericht macht jedenfalls Lust auf mehr.

    Eine Frage hätte ich noch: Hast Du auf Senja am Kapervatnet bzw. im Tverrdalen mögliche Campstellen entdecken können? Ich hatte mir schon mal einen Angelausflug dorthin überlegt.


    Gruß
    Tilman

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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #43
    Ich danke dir auch für den bisherigen Bericht!
    Ovre Dividalen war mir nicht bekannt, ebenso wusste ich nicht, dass es in Senja so gute Wandermöglichkeiten gibt.

    Bin 2017 mit dem Rad auf Senja gewesen, allerdings hatte ich die Insel in einem Rutsch in unter 24h durchquert. Jetzt rückblickend hätte ich mir auf alle Fälle dafür mehr Zeit lassen sollen.

    Nun ist Senja halt auf die Liste mit den Wunsch-Wanderzielen gelandet, auch nicht schlecht

    Vielen Dank und freue mich auf weitere Tage.

    Grüße,
    Daniel
    Auf meinem Blog Longing for the Horizon:
    Sarek 2018 / Padjelantaleden 2017 / 4500km Radtour Berlin-Nordkapp 2017 / Kungsleden 2015 / Kungsleden 2014 / Israel-Hike 2014 und viele kleinere Radtouren (Berlin - Kopenhagen / Prag - Berlin etc.)

  4. Erfahren
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #44
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Gefällt mir ausnehmend gut. Senja - eine herrliche Gegend ist das und du hast wieder mal sehr viel Glück mit dem Wetter.
    Wie gewohnt ist alles wieder fotografisch - prächtig in Szene gesetzt - sehr schön, macht Laune.
    Danke! Ja, ich bin auch froh, dass ich von Indre Troms noch nach Senja gefahren bin, die Küstenlandschaft ist zwar nicht so abgeschieden und stärker touristisch erschlossen, aber einfach irre schön.

    Zitat Zitat von sarek2007 Beitrag anzeigen
    Sehr schöner Bericht aus mir doch vertrauten Gegenden. Du hattest auch wirklich Glück mit dem Wetter. Die 3 Wochen zuvor war es i, Saltfjellet doch erheblich durchwachsener .
    Mich wird es dieses Jahr wahrscheinlich zum dritten Mal nach Troms verschlagen. Dein Bericht macht jedenfalls Lust auf mehr.

    Eine Frage hätte ich noch: Hast Du auf Senja am Kapervatnet bzw. im Tverrdalen mögliche Campstellen entdecken können? Ich hatte mir schon mal einen Angelausflug dorthin überlegt.
    Danke auch Dir! Wie es weiter oben im Tverrdal aussieht weiß ich nicht, da gibt es ja noch einen See (346m), aber am See 244m ist das Ufer entweder steinig oder nass oder dicht mit Sträuchern bewachsen. Am westlichen Kapervatn gibt es auf der Nordseite ein paar ganz gute Stellen, kurz bevor, von Süden kommend, der Pfad ins Tverrdal abzweigt. Und direkt am Westufer sah es auch so aus, als könnte man da was finden.


    Zitat Zitat von theslayer Beitrag anzeigen
    Ich danke dir auch für den bisherigen Bericht!
    Ovre Dividalen war mir nicht bekannt, ebenso wusste ich nicht, dass es in Senja so gute Wandermöglichkeiten gibt.

    Bin 2017 mit dem Rad auf Senja gewesen, allerdings hatte ich die Insel in einem Rutsch in unter 24h durchquert. Jetzt rückblickend hätte ich mir auf alle Fälle dafür mehr Zeit lassen sollen.
    ...genau das dachte ich auch , am liebsten hätte ich noch drei Tage drangehängt, um im Norden der Insel was zu machen. Senja bleibt auch auf meiner Wunschliste erst mal noch drauf. Freut mich jedenfalls, dass Du hier Anregungen gefunden hast .

  5. Erfahren
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #45
    13. September: Schreck in der Morgenstunde

    Wieder gut geschlafen. Bei -2°C und Windstille ist heute früh alles sehr nass von Kondenswasser. Erst mal die Tröpfchen am Innenzelt aufwischen, damit der Schlafsack möglichst trocken bleibt. Draußen ist es neblig, auf die Sonne brauche ich heute nicht zu warten. Nach dem Frühkaffee lasse ich den Kocher in der Apsis noch ein bisschen brennen, um die feuchte Kälte für ein paar Minuten zu vertreiben. Da seilt sich plötzlich eine fette Spinne ab, der es in der Kuppel vielleicht zu warm geworden ist. Reflexartig schlage ich nach ihr, damit sie nicht ins Innenzelt purzelt. Dabei verschiebt sich das überstehende Stück der Zeltunterlage so ungünstig, dass sie dem Brenner zu nahe kommt und sofort Feuer fängt. Scheiße, meine Hütte brennt ab! In Panik schlage ich mit dem, was ich gerade in der Hand halte, auf die Flammen, um den Brand zu ersticken. Dummerweise halte ich überhaupt nichts, ich lösche gerade ein Feuer mit der flachen Hand. Das funktioniert zwar bestens, aber dafür klebt jetzt schwarzes geschmolzenes Nylon an den Fingern. Heiß! Schnell weg damit und kühlen! Der halb gefrorene Waschlappen reicht dafür nicht aus, ich muss ans Wasser.

    Uff, gerade noch gutgegangen. Das Zelt ist bis auf das Footprint unbeschädigt, und die zwei kleineren Verbrennungen an der rechten Hand werde ich vermutlich auch überleben. Ein Rest vom schwarzen Plastik lässt sich nicht abreiben, hat sich wohl irgendwie in die Haut eingebrannt. Nach dem Schreck muss ich grinsen. Wenn solche Ungeschicklichkeiten jetzt zur Regel werden, sollte ich beim nächsten Mal lieber unrasiert ohne Stöcke laufen und kalt essen, am besten Tubenkäse, damit ich nicht beim Käseschneiden auch noch mit dem Messer abrutsche. Um sieben breche ich auf, da hat sich der Nebel schon gehoben und umwabert jetzt die Berge auf mittlerer Höhe. Zuerst geht es ein Stück durchs Moor, dahinter beginnt ein stetiger Anstieg von 400 Höhenmetern zum Blåfjell. Den harten Tag gestern merke ich noch ganz ordentlich in den Beinen, aber ich gehe langsam, und das Gelände ist zum Glück größtenteils einfach.


    Blick zurück zum Åndervatn


    Blåfjellet



    Nur den zwei Brandblasen am kleinen und Ringfinger der rechten Hand ist unter dem Handschuh zu warm, sie verlangen immer noch nach Kühlung. Können sie haben. Auf etwa 400m Höhe tauche ich in den Nebel ein, der über dem Berg hin- und herzutreiben scheint, mal nach Süden, mal nach Norden. Ab und zu lichtet er sich und gibt einen stimmungsvollen Blick auf steinige Hügel und kleine Seen frei, dann ist er wieder so dicht, dass man kaum den Pfad erkennen kann. Manchmal blicke ich sogar über das Nebelmeer, die anderen Berge nur noch einsame Inseln in der Ferne.







    In einer Senke auf dem Blåfjell werde ich wieder von den feuchtkalten Wolken verschluckt. Erst als es am südwestlichen Hang allmählich abwärts geht, schälen sich wieder Konturen von Berggipfeln aus der grauen Suppe. Wow, was für ein Panorama, hier ist ja wohl der perfekte Platz für meine Frühstückspause. Während ich das Zelt aufstelle, lichtet sich der Nebel immer mehr. Das nenne ich mal zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, ich bin ganz euphorisch und mache ein paar Fotos, bevor ich Wasser für den Kaffee hole.











    Anderthalb Stunden später hat ein frischer Wind den letzten Rest Nebel vertrieben, stattdessen ziehen immer mehr Wolken auf. Der Zauber ist vorbei. Zeit zum Aufbruch. Teils einfach, stellenweise steinig geht es jetzt hinunter zum Selfjordvatn, während sich der Blick immer mehr zu den Spitzen der Kvænan und dem scharfen Grat von dort zum Storsalberg öffnet. Hinter dem Selfjordvatn thront der Berg Luten, dahinter Grinda. Seltsame Namen, Grinda ist das Gatter, also Weidetor, und Lute bedeutet eigentlich Lauge, so wie bei Lutefisk, dem traditionellen Weihnachtsessen der Norweger. In Gedanken bin ich schon wieder beim Essen, male mir aus, was ich morgen Abend für Leckereien kaufen werde. Bier natürlich, darauf freue ich mich besonders, und ein leckeres dunkles Brot wäre nicht schlecht.


    Selfjordvatnet, links Grinda, dann Luten. Auf der anderen Seite vom Indre Selfjord sieht man Storsalberget und Kvænan.






    Selfjordvatnet

    In der Nähe des Sees geht es über ein paar unangenehme Geröllfelder im Birkenwald, bevor südlich vom Selfjordvatn ein Pfad hinunter zum Indre Selfjord abzweigt, der nicht in der Karte eingezeichnet ist. Dafür gibt es einen Wegweiser, der mir weismachen will, dass ich seit heute früh erst 6,5 km gelaufen bin, in dreieinviertel Stunden reiner Gehzeit. Vielleicht bin ich wirklich so langsam, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass die Kilometerangaben nur mit dem Kurvenmesser auf der Karte ermittelt sind und nicht ganz die Wirklichkeit abbilden. In dem breiten Tal, das jetzt sanft ansteigend zum Lutvatn führt, läuft es sich auf blankem Fels mit nassen Stellen dazwischen jedenfalls recht flott. Die anscheinend eher willkürlich gesetzten Markierungen beachte ich nach einer Weile nicht mehr, es gibt sowieso keinen durchgehenden Pfad, und die Richtung ist klar. Ein einzelnes Rentier repräsentiert mit stolz erhobenem Geweih die Tierwelt des Nationalparks. Davon abgesehen bin ich heute wieder allein unterwegs, damit hätte ich gar nicht gerechnet. Kein anderer Wanderer weit und breit.


    Abzweig zum Indre Selfjord


    Blick zurück zum Blåfjell - keine Ahnung warum der Berg so heißt, er ist graugrün wie alle anderen.


    Lutvatnet

    Auf dem Weg entlang des Lutvatn gibt es neben Zwergstrauchheide auch ein paar steinige Passagen, die ich deutlich in den Beinen spüre. Wenn ich heute noch was schaffen will, dann sollte ich bald eine zweite Pause machen. Am Südende gibt es dafür gute Plätze direkt am Pfad. Tatsächlich sind das heute die ersten guten Zeltstellen, die mir bewusst auffallen. Wer sich sie Etappe zwischen Olaheimen und Åndervatnet auf zwei Tage verteilen möchte, täte wohl gut daran, hier zu übernachten. Der Wind ist aufgefrischt, und die Sonne lässt sich kaum noch blicken, denn von Süden ziehen dicke Wolken auf. Es riecht schon nach Regen, eigentlich ein Grund, schnell weiterzugehen. Aber eine halbe Stunde will ich mich nach dem Essen noch ausstrecken und packe mit den ersten Regentropfen zusammen.

    Noch regnet es nicht sehr stark, eher ein gleichmäßiger norwegischer Landregen als wirklich ungemütliches Wetter. Trotzdem bin ich froh, dass ich die Knickfalten meiner Stiefel noch mal nachgewachst habe, denn das Gelände ist in diesem Tal ziemlich nass. Sanft ansteigend zieht es sich hoch zum Reinlivatn. Kurz bevor ich das erreiche, verlasse ich auch schon den Ånderdalen Nationalpark.


    Blick zurück zum Lutvatn


    Reinlivatnet

    Durch sehr angenehmes, einfaches Gelände führt der Pfad am See entlang und dann hinunter in eine Senke an der Bergseite. Hier, mit weitem Blick ins Tal, könnte ich mir vorstellen zu übernachten, aber daraus wird nichts. Zu nass, zu dicht mit Weidenbüschen bewachsen, da brauche ich gar nicht erst zu suchen. Also laufe ich noch weiter ein enges, steiniges Tal hoch, wo es überhaupt keine Zeltmöglichkeiten gibt. Zum Finnskard will ich heute aber auch nicht mehr absteigen, lieber streune ich links und rechts vom Pfad in der Gegend herum und schraube derweil meine Ansprüche herunter. Nein, den perfekten Platz gibt es hier nicht. Nach einer Weile reicht es mir, ich räume an einer etwas nassen Stelle am größeren der eingestreuten Seen ein paar Steine zur Seite und erkläre sie zum Nachtlager. Wird schon gehen.

    Sobald das Zelt steht, schmeiße ich die Sachen ins Zelt und hole erst mal Wasser aus dem See. Heute nur Katzenwäsche. Bald stapeln sich die nassen Regensachen in der Apsis, daneben rauscht geschäftig der Spirituskocher und verbreitet wohlige Wärme. Gleichmäßig pocht der Regen an die Zeltwand, das macht es hier drin umso gemütlicher. Als dann auch die durchweichten Pflaster gewechselt sind, kehrt eine tiefe Zufriedenheit in meiner kleinen Behausung ein. Aber das Beste kommt noch: zum Kaffee gibt es... mir läuft schon das Wasser im Mund zusammen... Trommelwirbel... das letzte Kvikk Lunsj!

  6. Fuchs
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #46
    Bernd, ich wusste gar nicht: Du hast ein Feuerzelt???

    " Heilige Sch.... ", Feuer im Zelt - für mich ein echter Alptraum.
    Was für ein Glück, dass alles so glimpflich ausgegangen ist. Ich habe echt mitgelitten.
    Nicht, das es irgendwann mal heißt: Hier eine weitere Episode aus der Serie: Der Mann mit den Feuerlöscher - Händen.
    Einmal reicht und ist mehr als genug.
    Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Ergo: Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.

  7. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #47
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Bernd, ich wusste gar nicht: Du hast ein Feuerzelt???
    Wusste ich bisher auch nicht, bin auch mittlerweile nicht mehr ganz davon überzeugt, dass das Soulo dafür taugt...

    " Heilige Sch.... ", Feuer im Zelt - für mich ein echter Alptraum.
    Was für ein Glück, dass alles so glimpflich ausgegangen ist. Ich habe echt mitgelitten.
    Nicht, das es irgendwann mal heißt: Hier eine weitere Episode aus der Serie: Der Mann mit den Feuerlöscher - Händen.
    Einmal reicht und ist mehr als genug.
    Keine Sorge, die Methode probier ich nicht wieder. Das nächste Mal stelle ich eine Tasse Wasser zum Löschen bereit , ach es ist so schön, den Brenner in der Apsis noch eine Weile laufen zu lassen und einmal durchzuwärmen, bevor man in die Kälte raus muss. Na ja, wahrscheinlich verzichte ich zukünftig auf diesen Luxus, Sicherheit geht vor.

  8. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #48
    14. September: Von netten Busfahrern und besorgten Tieren

    Das erste, was ich am frühen Morgen wahrnehme, ist das vertraute Geräusch der Regentropfen, die in dichtem, gleichförmigem Muster das Außenzelt treffen. Gleichgültig, gelassen, kein Wind drängt sie zur Eile. Ich versuche, noch ein Weilchen im Dämmerzustand zu bleiben, nicht ganz aufzuwachen. Das gelingt bei dieser Art Regen sehr gut, die einzelnen Tropfen sind nicht auseinanderzuhalten, das Geräusch legt sich wie ein Schleier um mich, der keinen Anfang und kein Ende hat, keine Falten, keine Modulation. So klingt die Unendlichkeit, man muss ihr nur lauschen, um sich wieder darin zu verlieren.

    Irgendwann schleichen sich erste Gedanken an den Tag die Bewusstseinsspirale herauf, werden allmählich konkreter. Nein, ich hab es nicht eilig heute. Bis Olaheimen laufe ich noch gute zwei Stunden, sagen wir zweieinhalb, dort treffe ich auf die Straße. Dann noch eine Stunde bis nach Å, wo um 15:58 Uhr der Bus nach Finnsnes abfährt. Heute darf ich also nach Herzenslust herumtrielen. Was bei einem eingefleischten Frühaufsteher eben so herumtrielen heißt. Um neun habe ich gefrühstückt und weiß nichts anderes zu tun als zusammenzupacken. Der Regen wird so bald nicht aufhören, da kann ich genauso gut gleich losgehen und zwischendurch noch eine Pause machen. 7°C ist eigentlich nicht sehr kalt, aber die nassen Regensachen überzuziehen kostet trotzdem einige Überwindung. Jetzt schnell losgehen, damit mir warm wird.

    Zuerst hinunter zum Finnskard, das geht ganz gut, allerdings verläuft sich dort der Pfad in einer nassen Wiese, so dass ich erst mal die Markierungen suchen muss. Dann kommt die nächste, auch wieder etwas steilere Stufe zum Storbunkevatn. Die steinigen Stellen umgehe ich lieber, die können im Regen ganz schön glatt sein. Je näher ich dem See komme, umso mooriger und nasser wird das Gelände, das letzte Stück am See entlang ist dann die reinste Matschorgie. Bisher haben die Stiefel ganz tapfer durchgehalten, aber hier geben sie allen Widerstand auf und sind bald durchnässt. Einen Pfad kann ich nicht mehr erkennen, auch keine Markierungen, also laufe ich einfach drauflos.

    Erst kurz vor einer Hütte findet sich wieder ein Pfad, der mich direkt zu einem herrlichen Sandstrand führt. Ein Traum für jeden schönen Sommertag, und selbst heute nach dem vielen Matsch eine willkommene Abwechslung. Unter den angrenzenden Kiefern will ich das Zelt aufbauen, trockene Sachen anziehen und bis zum Mittagessen einfach nur in den Regen starren, der schon etwas nachgelassen hat. Vielleicht kann ich ihn durch reine Willensanstrengung ganz stoppen. Anderthalb Stunden, ein paar Vollkornkekse, ein Stück Käse, einen Kaffee und ein rituelles Rauchopfer später, kann ich stolz einen kleinen Erfolg meiner Bemühungen verbuchen. Es tröpfelt zwar noch gelegentlich, aber die Wolken haben sich gehoben und den Blick auf die Berge freigegeben.


    Storbunkevatnet



    Mittlerweile ist es kurz nach eins, gute Zeit, um von den gemütlich trockenen wieder in die klitschnassen Sachen zu wechseln und weiterzulaufen. Der Pfad wird zu einem Weg, der Weg zu einer Schotterstraße, die beim Hof Olaheimen in die Straße nach Rødsand mündet. Während ich in gemächlichem Tempo auf dem Asphalt nach Süden trotte, hat der Regen schon ganz aufgehört. Sieht doch noch nach einem schönen Nachmittag aus, wer hätte das gedacht.


    Olaheimen

    Ich bin gerade mal anderthalb Kilometer weit gekommen, da hält neben mir ein Bus. Hey, der stand doch gar nicht im Fahrplan, fährt bestimmt nur bis Å, dann muss ich da viel zu lange warten. Aber der Fahrer ist gar nicht im Dienst. „Hei, wo willst du hin?“ „Nach Finnsnes“ „Dann steig ein, ich wohne in Skrolsvik, da fährt der Bus nach Finnsnes ab, du kannst mitfahren, gratis“ „Tausend Dank“. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Cool, dann sehe ich sogar noch was von der Gegend. Wir plaudern ein bisschen, ich erzähle ihm, wo ich gewandert bin, und schon fahren wir bei strahlendem Sonnenschein in Skrolsvik ein. Netter Mensch, er zeigt mir noch das Wartehäuschen am Fähranleger und macht Feierabend. Mein nasses Regenzeug breite ich zum Trocknen auf einer Picknickbank aus und schlumpfe dann rüber zum Warteraum, der ist zwar geheizt. sieht aber ziemlich schäbig aus. In der Sonne ist es sowieso schöner.


    Skrolsvik







    Der Bus steht schon da, aber wo ist der Fahrer? Nicht dass ich ungeduldig wäre, mir gefällt es hier, nur frage ich mich, ob mein Fahrplan richtig ist. Doch da kommt er schon in aller Ruhe aus seinem Haus schräg gegenüber, wahrscheinlich musste er nur seinen Nachmittagskaffee fertig trinken, installiert sich, nimmt mein Geld entgegen und fährt los. Warum sollte er es auch eilig haben, hier auf Senja? Schon nach 25 Minuten Fahrt gibt es 10 Minuten Pause vor dem Supermarkt von Stonglandseidet. Hier wechseln die Busfahrer aus beiden Richtungen nach einem Plausch und einer Zigarette die Busse, der Skrolsviker fährt zurück nach Skrolsvik und der Finnsneser „meinen“ Bus weiter nach Finnsnes.

    So weit will ich aber gar nicht, mein Ziel ist der Coop prix in Silsand, denn ich will nach dem Einkaufen versuchen, genau den schönen Platz wiederzufinden, mit dem ich am Sonntagabend so überaus zufrieden war. Fünf Tage in der Natur sind keine so lange Zeit, als dass mich jetzt der Heißhunger nach Fast Food oder anderen Schweinereien packen würde, aber ich freue mich richtig auf mein kleines Ritual nach der Tour. Ein gutes Brot, möglichst dunkel und ein Töpfchen Mayonnaisepamp mit Karotten- Weißkohl- und Rübenstückchen, was hier als „Italienischer Salat“ angeboten wird, in Italien aber vermutlich nur Kopfschütteln und eine spöttische Bemerkung ernten würde. In Kombination mit norwegischem Kochschinken und/oder Käse (falls noch welcher übrig sein sollte) bildet er allerdings die perfekte Grundlage für eine Halbliterdose Mack-øl, bei Bedarf auch für eine zweite.

    Nicht vergessen, den Platypus zu füllen und ab durch die Mitte, sprich durch das Wohngebiet zum Waldrand. Eigentlich fast unmöglich, ein Stück Beerenheide wiederzufinden, über das man einmal in der Dämmerung durch Zufall gestolpert ist, aber den Versuch ist es wert. Und siehe da, das Glück ist mir hold, einmal links und einmal rechts und noch einmal links oder umgekehrt, und schon stehe ich direkt davor, wie von unsichtbarer Hand geführt. Sobald das Zelt aufgebaut ist, läutet ein kurzer Regenschauer den gemütlichen Teil des Abends ein.

    Kurze Zeit später hören die Tiere des Waldes zufriedenes Schmatzen, dann ein scharfes Zischen, gefolgt von einem Moment andächtiger Stille und einem wohligen Grunzen. Nach ein paar Minuten dröhnt ein tonloses Röhren über die Lichtung, wie von einem heiseren Hirsch, der in diesem grünen Stoffbeutel eingesperrt zu sein scheint. Wo kommt der überhaupt so plötzlich her? Das beunruhigt die Tiere jetzt doch ein wenig. Morgen werden sie der Sache auf den Grund gehen, sich das Ding genauer anschauen und fragen, ob der Hirsch was braucht, ob er vielleicht krank ist, aber nicht mehr heute. Es wird schon dunkel.

  9. Erfahren
    Avatar von Blahake
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #49
    Zitat Zitat von Borgman Beitrag anzeigen
    Anderthalb Stunden, ein paar Vollkornkekse, ein Stück Käse, einen Kaffee und ein rituelles Rauchopfer später, kann ich stolz einen kleinen Erfolg meiner Bemühungen verbuchen...
    Soo geht das also, das muss ich mir merken

    Zitat Zitat von Borgman Beitrag anzeigen
    Was bei einem eingefleischten Frühaufsteher eben so herumtrielen heißt. Um neun habe ich gefrühstückt...
    In der Tat! Um neun habe ich gefrühstückt, falls ich mal sehr früh aufstehen sollte.

    Ich bin sehr froh, dass Dein Brand so glimpflich verlaufen ist! Horrorvorstellung, so ein Feuer im Zelt!

  10. Erfahren
    Avatar von urmeli
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #50
    Bin gerade noch beim ersten Teil des Berichts. Wie immer sehr schön geschrieben. Die tollen Fotos tun ihr übriges. Vielen Dank für die gute Lektüre.

    Habe das als Anlass genommen, mal wieder einige Tourmöglichkeiten mit Øverbygd als Ausgangspunkt zu recherchieren. Ich bin schon in der Vergangenheit daran gescheitert, aber ich frage vorsichtshalber nochmal nach: Kann das wirklich sein, dass Øverbygd in den Schulferien nicht per Bus zu erreichen ist?

  11. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #51
    Zitat Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
    Soo geht das also, das muss ich mir merken
    ... natürlich nur, wenn man dran glaubt und die unzähligen Fehlversuche nicht mitrechnet

    Zitat Zitat von urmeli Beitrag anzeigen
    Bin gerade noch beim ersten Teil des Berichts. Wie immer sehr schön geschrieben. Die tollen Fotos tun ihr übriges. Vielen Dank für die gute Lektüre.
    Immer wieder gerne

    Habe das als Anlass genommen, mal wieder einige Tourmöglichkeiten mit Øverbygd als Ausgangspunkt zu recherchieren. Ich bin schon in der Vergangenheit daran gescheitert, aber ich frage vorsichtshalber nochmal nach: Kann das wirklich sein, dass Øverbygd in den Schulferien nicht per Bus zu erreichen ist?
    Jedenfalls ist es etwas komplizierter. 2018 gab es einen Ferienfahrplan der Linie 105 Tromsø - Øverbygd, da fuhr der Bus nur Fr, Sa und So um 15:00 ab Tromsø (So durchgehend bis Buktamoen):
    https://www.tromskortet.no/getfile.p...105_250618.pdf
    Momentan finde ich aber noch keine Info, ob das dieses Jahr genauso sein wird.

    Auf dem aktuellen Fahrplan der Linie 106 Buktamoen-Øverbygd-Heia findet sich kein Hinweis, dass er während der Sommerferien nicht fährt (da würde ich lieber noch mal nachfragen, bevor ich mich darauf verlasse):
    https://www.tromskortet.no/getfile.p...106_070119.pdf

  12. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #52
    15. September: Tromsø

    Keine Sorge, dem Hirsch geht es bestens. Das erste Bier seit zweieinhalb Wochen entfaltete gestern Abend sehr schnell eine ungeheuer einschläfernde Wirkung. Zum Zähneputzen reichte es gerade noch, dann war ich schon weggetreten. Dafür erwache ich heute sehr früh mit einem dringenden Bedürfnis, das keinerlei Aufschub duldet. Nass, sehr nass ist es, als ich mich aus dem Zelt schäle, nass vom Regen und vom Kondenswasser. Aber der Himmel leuchtet tiefblau und klar in der Morgendämmerung, das wird heute alles trocknen. Für eine Stunde verkrieche ich mich noch im Schlafsack und beginne dann mit dem Frühstück.

    Gegen halb acht habe ich zusammengepackt und laufe diesmal zielstrebig in die richtige Richtung. Zum dritten Mal überquere ich die Gisundbrücke und erreiche eine Stunde später das Fährterminal von Finnsnes, wo ich mich nun schon bestens auskenne. Eigentlich viel zu früh, aber ich will mich noch stadtfein machen. Haarewaschen mit warmem Wasser, was für eine Wohltat, den Stoppelbart abrasieren und ein frisches T-Shirt anziehen. Na, ganz frisch ist das auch nicht, aber zumindest vor drei Tagen am Åndervatn gewaschen. Mit dem Ergebnis bin ich äußerst zufrieden, jetzt sehe ich fast aus wie ein normaler Tourist. Und für einen Kaffee vom Kiosk reicht die Zeit auch noch, bis das Schnellboot fährt. Vorher läuft erst mal das Boot nach Harstad ein.



    Etwas verwundert bin ich darüber, dass man Namen, Geburtsjahr und Reiseziel in ein Mikrofon sprechen muss, bevor man an Bord geht. Ist das jetzt allgemein Vorschrift oder nur in Troms? Und was bezweckt man damit? Schummeln vielleicht manche beim Geburtsjahr? Wird ja nicht überprüft. Ich sage jedenfalls brav mein Sprüchlein und darf an Bord. Einerseits freue ich mich auf Tromsø, wo ich lange nicht gewesen bin, andererseits ist mir Senja richtig ans Herz gewachsen. Die spitzen Granitberge, die klaren Seen, die Kiefernwälder und die gemütlichen Busfahrer werde ich vermissen. Bestimmt komme ich noch mal zurück.

    Als später der bullige, tätowierte Mann mit den Tickets herumgeht und den Fahrpreis nennt, bin ich angenehm überrascht. Normalerweise reißt Schnellbootfahren immer ein tiefes Loch in die Reisekasse, aber heute verlangt er nur 220 Kronen, vergünstigter Samstagspreis. Das ist vermutlich kaum mehr, als ein Busticket gekostet hätte und macht viel mehr Spaß. Mühelos gleitet das Schnellboot über die beinahe spiegelglatte Wasserfläche, entlang an Küstenbergen, Buchten und kleinen Orten, und viel zu schnell erreichen wir Tromsø. Das hätte gerne noch länger dauern können, ich hatte mich gerade so gemütlich eingerichtet. Mit dem Strom der Menschen werde ich an Land gespült und staune nicht schlecht, Donnerwetter, da haben sie ja ein ganz neues Terminal hingeklotzt. Tromsø Havn Prostneset. Noch nicht ganz fertig, aber schon in Benutzung. Im unteren Teil halten die Busse, was wohl die entscheidende Verbesserung ist. In Tromsø um die Touristinfo herum den richtigen Bus zu finden, konnte freitags für einen Fremden, der schnell noch Spritus besorgen musste, eine echte Herausforderung sein.





    Aber heute ist Samstag, die Sonne lacht, und mein Flug geht erst morgen früh. Ein letzter unverplanter Tag breitet seine vielfältigen Möglichkeiten vor mir aus wie ein Flohmarkthändler sein zusammengewürfeltes Porzellan. Alles nicht ganz neu, aber auch nicht ohne Reiz. Tromsø kenne ich von früheren Besuchen ganz gut. Einmal hab ich sogar zwei Nächte im Hotel geschlafen, was heute nicht in Frage kommt, mein Budget für Soloreisen ist dieses Jahr schon mehr als ausgeschöpft. Über die Brücke zur Eismeerkathedrale könnte ich gehen, ins Polaria oder ins Nordnorsk Kunstmuseum. Gab es nicht in der Nähe von Macks Ølbryggeri einen netten Bierladen? Zuerst schlendere ich aber ein bisschen durch die Stadt, lasse mich einfach treiben.







    Nein, am schönsten wäre es doch, bald nach Kvaløya zu fahren, wo ich auch übernachten werde, und noch eine Runde durch die Natur zu laufen. Davon bekommt man nie genug, das wird mir am meisten fehlen, wenn ich wieder in Deutschland bin. Also kaufe ich noch ein Wienerbrød und mache mich auf den Weg zur Bushaltestelle. Die Linien 40 und 42 fahren beide am Flughafen vorbei zum Kvaløysletta Terminal. Hier notiere ich mir zur Sicherheit die Abfahrtszeiten, falls es morgen früh knapp wird und laufe meine altbekannte Strecke durch das Wohngebiet östlich der Slettelva. Ich weiß genau, wo ich mein Zelt aufschlagen will, nämlich auf einem bestimmten Hügel am Hang. Weit genug entfernt vom Wohngebiet, um ungestört zu bleiben aber doch so nah, dass man in weniger als einer Stunde am Flughafen ist.

    Um den Hügel zu finden, muss ich nur genau so gehen wie beim letzten Mal, also immer möglichst nah am Bach bis zu einem kleinen Stauwerk. In dem See oder einem der Zuflüsse zu baden, verbietet sich, weil das die Trinkwasserversorgung für Tromsø ist. Man holt also bitte Wasser aus dem Bach und wäscht sich ein Stück entfernt davon. Am Ende des Schotterwegs ist eine Pumpstation, direkt links daneben beginnt ein schmaler Pfad, der am östlichen Zufluss entlang steil den Hang hinauf führt. Hier begegnen mir die ersten fröhlichen Menschen mit Eimern voller Heidelbeeren. Bald flacht der Hang ab, der nächste Beerensammler, noch ein Stück weiter und rechts hoch zu einem deutlichen, nur spärlich bewachsenen Hügel.







    Voilà: Bernds superperfekter Zeltplatz in bequemer Nähe zum Flughafen Tromsø.



    Tropfnass klatscht das Zelt auf den Boden und ist zwei Minuten später provisorisch aufgestellt. Das soll jetzt erst mal trocknen, während ich esse. Danach trotte ich ohne Gepäck, nur mit der Blechtasse bewaffnet, weiter talaufwärts in Richtung einer Familie mit zwei Kindern, die sich gegenseitig lautstark über ihre jeweiligen Beerenfunde auf dem Laufenden halten. Wo vier satt werden, reicht es auch für fünf. So weit muss ich allerdings gar nicht laufen, hier finden sich überall genügend Beeren. Das erinnert mich an die Bären aus dem Dividal und deren favorisierte Spätsommernahrung, die hätten an dieser Bergseite auch ihre Freude.

    Zurück am Zelt rühre ich eine großzügige Portion Milchpulver mit dem Rest vom Zucker und wenig Wasser zu einer leckeren süßen Sahne zusammen, gieße sie über die Heidelbeeren und lese das Tagebuch von vorne bis hinten durch. Lasse die Zweifel am Anfang noch einmal aufleben, ob ich überhaupt wegfahren kann, ob ich fit genug bin für die Tour, wie sich die Erkältung entwickelt. Die ersten mühsamen Tage, viel zu schnell war der Akku leer, in den Pausen nur der Wunsch nach Schlaf. Die widerspenstige Vegetation am Rohkunborri. Ha! Wie ich mich durchgekämpft habe und dabei mehr und mehr Zutrauen gewann. Als dann die Schlüsselstelle, der Abfluss des Leinavatn, geschafft war und der nächste Morgen seinen unwiderstehlich blau-goldenen Sog entfaltete, da fühlte ich mich wie ausgewechselt, konnte nochmal richtig durchstarten. Und das schöne Wetter hielt sich für viele Tage. Rückblickend wäre ich vom Anjavassdal doch lieber weiter nach Norden durch das Langdal nach Øverbygd gelaufen statt hinunter ins Dividal, aber hat man nicht für jede Entscheidung gute Gründe, die einem vielleicht gar nicht alle bewusst sind? Noch ein paar Tage auf Senja zu wandern, war jedenfalls eine hervorragende Entscheidung, ich bin immer noch ganz vernarrt in diese Insel der Kontraste. Wenn mich in Zukunft jemand nach einem Tipp für eine Woche Urlaub in Norwegen fragt, dann sage ich ohne zu zögern: Senja!

    Jede Tour hat ihren eigenen Charakter, ein unverwechselbares Gefühl, das bleibt. Natürlich sind es immer ganz viele Bilder, die auftauchen, wenn man sich an eine bestimmte Tour zurückerinnert, und manche ähneln sich. Aber bei mir sind es immer ein oder zwei Momente, die zuerst da sind, die, wie soll ich sagen, die Stimmung oder den Geschmack des ganzen Bündels an Erinnerungen enthalten. Als ich das Tagebuch zum ersten Mal durchgelesen habe, weiß ich schon, welcher Moment das für Troms 2018 ist: Das schwebende Gefühl während der kurzen Pause am Hang des Njunis im oberen Anjavassdal.


    Morgen werde ich noch früher aufstehen als sonst, in der Dunkelheit oder im ersten Morgengrauen einen extrastarken Kaffee brauen und zum letzten Mal für längere Zeit das Zelt abbauen. Ich freue mich immer auf zu Hause, wenn ich unterwegs war, aber diesmal ist es besonders befriedigend. Nicht, weil ich besondere Herausforderungen gemeistert hätte, von denen ich stolz berichten könnte, sondern weil sich alles so gut gefügt hat, weil ich im besten Sinne gesättigt bin von all den Eindrücken und Erlebnissen.

  13. Erfahren
    Avatar von vobo
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #53
    Was für einee schöne Tour mit einem wunderschönen Bericht. Ich spüre Deine ganze Erholung und Zufriedenheit ob dieses Urlaubs. Senja macht ja offenbar tatsächlich Laune, da muss ich mal sehen ob es mich auch noch mal dahin verschlägt. Du hattest aber ein Traumwetter für Deine Traumbilder . Einfach SCHÖÖÖN!

  14. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #54
    Zitat Zitat von vobo Beitrag anzeigen
    Was für einee schöne Tour mit einem wunderschönen Bericht. Ich spüre Deine ganze Erholung und Zufriedenheit ob dieses Urlaubs. Senja macht ja offenbar tatsächlich Laune, da muss ich mal sehen ob es mich auch noch mal dahin verschlägt. Du hattest aber ein Traumwetter für Deine Traumbilder . Einfach SCHÖÖÖN!
    Freut mich sehr, dass Dir der Bericht gefallen hat , und Du hast recht, so entspannt und erholt war ich nach einer Tour schon lange nicht mehr. Wenn das so rübergekommen ist, dann war es wohl richtig, dass ich nicht noch extra ein Fazit gezogen habe, das wäre sowieso sehr kurz geworden: einfach schön wars. Ob es Dich nach Senja verschlägt oder woanders hin - ich bin jedenfalls schon gespannt, was Du dieses Jahr vorhast.

    Zum Schluss noch mal einen herzlichen Dank an alle, die sich mit ihren Kommentaren beteiligt oder eine PN geschickt haben!

    Viele Grüße,
    Bernd

  15. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #55
    Lieber Bernd,

    vielen Dank für diesen - wieder mal - vorzüglichen und faszinierenden Reisebericht. Ganz wunderbare Fotos. Ich liebe die Farben der Fuji x - Kameras. Mit großem Vergnügen bin ich dir diesmal besonders gerne gefolgt, vor allem auf Senja.
    Das wäre wirklich eine sehr verlockende Möglichkeit für eine zukünftige Tour........und ich käme mal wieder zurück in die schöne Stadt Tromsø.
    Geändert von evernorth (13.02.2019 um 01:53 Uhr)
    Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Ergo: Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.

  16. Dauerbesucher

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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #56
    Auch von mir vielen Dank für den Bericht!

    Wobei man ja aufpassen muss, den Bericht und die Gegend nicht zu sehr anzupreisen. Sonst spricht sich das noch rum, dass Troms gar nicht mal so hässlich ist

    Und natürlich Pflicht beim Thema Øverbygd:
    https://www.youtube.com/watch?v=Fbd474SEb7Y

  17. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #57
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Das wäre wirklich eine sehr verlockende Möglichkeit für eine zukünftige Tour........und ich käme mal wieder zurück in die schöne Stadt Tromsø.
    Hallo Tom,

    auf Senja ist schon alles ne Nummer kleiner als in den Lyngsalpen, wenn Du die meinst, und Gletscher, auf denen man zelten könnte, hat es da gar nicht, ebenso wenig wie „mitreißende“ Flüsse. Aber wenn Du auf lebensgefährliche Aktionen auch mal verzichten kannst, freut es mich natürlich, dass Dich der Bericht inspiriert hat. Hoffentlich schreibst Du genauso fleißig an Deinem Island-Bericht weiter, wie Du von zukünftigen Wanderzielen träumst, ich warte mit Spannung auf die Fortsetzung.

    Die Fuji-Kamera hatte ich letztes Jahr über Ostern zum ersten Mal mit auf Tour und möchte sie nicht mehr missen. Das Ding macht einfach Spaß!


    Zitat Zitat von morit.z Beitrag anzeigen
    Wobei man ja aufpassen muss, den Bericht und die Gegend nicht zu sehr anzupreisen. Sonst spricht sich das noch rum, dass Troms gar nicht mal so hässlich ist
    Das wollen wir natürlich nicht. Also ja, Troms ist vielleicht nicht allzu hässlich, aber vielleicht fahrt Ihr doch lieber erst mal auf die Lofoten. Leute, Moskenesøya ist spektakulär! Und lasst euch nicht die Trollfjordfahrt von Svolvær aus entgehen! Das war keine Ironie, die ist wirklich toll. Reicht das als Schadensbegrenzung?

    Und natürlich Pflicht beim Thema Øverbygd:
    https://www.youtube.com/watch?v=Fbd474SEb7Y
    Haha, Senjahopen, wie passend! Danke für den Link. Der Eingang eines Coop prix, das fällt mir erst jetzt auf, ist tatsächlich ein perfektes Sinnbild für die norwegische Provinz... und die Pforte zum Wunderland für jeden ausgehungerten Wanderer. Wer träumt nicht von diesem verheißungsvollen Anblick, wenn er sich zehn Tage von Keksen und Tütennudeln ernährt hat... das Video passt wirklich in jeder Hinsicht.

  18. Erfahren
    Avatar von Blahake
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #58
    Auch von mir noch mal dicken Dank für den schönen Bericht!!

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    Avatar von lina
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #59
    Von mir ebenso!

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    Avatar von urmeli
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #60
    Zitat Zitat von Borgman Beitrag anzeigen
    Jedenfalls ist es etwas komplizierter. 2018 gab es einen Ferienfahrplan der Linie 105 Tromsø - Øverbygd, da fuhr der Bus nur Fr, Sa und So um 15:00 ab Tromsø (So durchgehend bis Buktamoen):
    https://www.tromskortet.no/getfile.p...105_250618.pdf
    Momentan finde ich aber noch keine Info, ob das dieses Jahr genauso sein wird.

    Auf dem aktuellen Fahrplan der Linie 106 Buktamoen-Øverbygd-Heia findet sich kein Hinweis, dass er während der Sommerferien nicht fährt (da würde ich lieber noch mal nachfragen, bevor ich mich darauf verlasse):
    https://www.tromskortet.no/getfile.p...106_070119.pdf
    Danke für deine Hilfe. Ich habe auch nochmal tromskortet angeschrieben und die haben mich auch auf den von dir verlinkten Fahrplan der Linie 106 verwiesen. Da man mit dem ja zum Glück in beide Richtungen (Heia oder Buktamoen) immer an der E6 auskommt, ist das also eine ganz gute Option. Danke nochmal!

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