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  1. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #21
    Mitreisende: Borgman
    03. September: Zwischen den großen Seen

    In dieser Nacht habe ich sehr viel besser geschlafen als in der letzten, wache allerdings sehr früh mit Kopfschmerzen auf. Nichts Schlimmes, nur ein Spannungskopfschmerz, der mit zwei Aspirin und ein bisschen leichter Bewegung bald verschwinden wird. Liegt wahrscheinlich an dem mühsamen Gehen gestern. Nach Kaffee und Keksen packe ich schnell zusammen und bin gegen sieben abmarschbereit. Noch ist es größtenteils bewölkt, aber schon eine Viertelstunde später gießt die Sonne einen Eimer warmes Morgenlicht über das Tal. Plötzlich leuchten die Birken in goldenen Farben, ganz anders als noch vor zwei Tagen am Torneträsk. Als hätte ein samischer Waldgott über Nacht den Herbst herbeigezaubert. Unwillkürlich stelle ich mir vor, wie er jetzt oben auf dem nach Südwesten gestreckten Ausläufer des Rohunborri sitzt, im Rücken die geheimnisvoll nebelumwaberte Gipfelkuppe, und zufrieden sein Werk betrachtet.



    Zum Anfang laufe ich weiter durch Weidendickicht, Birkenwald und Moor bis zum Seeabfluss des Lulit Hávgajávri. Der Bach ist glücklicherweise an dieser Stelle gerade noch gut mit Stiefeln zu überqueren, so muss ich nicht gleich zum Schuhwechsel anhalten und kann den Schwung der frühen Morgenstunde nutzen. Auf der anderen Seite geht es für eine Weile sehr angenehm über Moränenschutt mit Zwergstrauchheide genau nach Osten, bis ich auf den Wildbach treffe, der von der Hochebene Gáiseláhku herunterfließt. Die Sonne hat sich leider wieder hinter dicken Wolken verschanzt, die gelegentlichen Nieselregen fallen lassen.



    Der Bach stürzt hier durch die enge Schlucht Bálggesgorsa zu Tal. Auf der Karte ist allerdings überhaupt nicht zu erkennen, dass er auch noch weiter unten scharf in die Landschaft eingeschnitten ist, viel zu steil um ihn an dieser Stelle zu queren. Also muss ich notgedrungen ein Stück bachabwärts laufen, bis ich auf einen Tierpfad treffe, der zum Wasser hinunterführt. Am Gegenhang findet sich ebenfalls ein steiler Pfad, diese Stelle benutzen also die Rentiere auf ihrem Zug durch das Tal, und die sind hier schließlich zu Hause. Nach dem Umweg beschließe ich, gleich hier die Frühstückspause zu machen. Eigentlich wollte ich den Anstieg zur Hochebene vorher noch schaffen, aber für den muss ich erst mal Kraft sammeln. Und hier gibt es wenigstens Wasser, auch wenn ich dafür noch mal den steilen Hang hinunter muss. Bald drängt es mich weiter, ich bin gespannt auf den Blick über den Geavdnjajávri, den langgestreckten See im Osten des Nationalparks. Und wer weiß, wie sich das Wetter entwickelt, momentan sieht es jedenfalls nicht sehr stabil aus.

    Auf dem teils etwas steilen Anstieg kann ich zuerst noch einem undeutlichen Pfad folgen, der sich immer nah an der Schlucht hält, bis er dann auf dem Bergrücken ausläuft. Hier weht ein ungemütlich scharfer Wind über die Ebene, dafür ist die Aussicht über See und Berge für einen Flachlandbewohner wie mich schon sehr befriedigend. Ab und zu reißen die Wolken auf und lassen kurz die Sonne durch, aber sie ziehen einfach zu schnell über den Himmel, als dass es für mehr als ein Foto reichen würde.


    Blick zum Hávgaluoppal


    Rohkunborri


    Hávgavuopmi


    Geavdnjajávri

    Nachdem der Hügel 829m überschritten ist, geht es ein paar Höhenmeter abwärts auf die Hochebene Gaiseláhku, teils steinig, dann wieder über Wiesen. Bis zum Lágojávri laufe ich einfach immer immer nah am Bach. Im Vergleich zum herrlichen Hávgavuopmi wirkt es hier sehr eintönig, graues Geröll und braunes Gras wechseln einander ab. Am Lágojávri entscheide ich mich für das südwestliche Ufer, die andere Seite sieht nach nasserem Gelände aus. Meine Laune ist eher gedämpft, als ich die zwei Kilometer am See entlang latsche, Geröll, Gras, ein Regenschauer, Geröll, immer schräg gegen den kräftigen Süd-Südostwind.



    Heute könnte ruhig noch was Aufregenderes passieren, denke ich, als das Seeende erreicht ist, wo gemächlich ein paar Rentiere weiden. Sind Rentiere aufregend? Ein Rentier hebt nur müde den Kopf, sind Wanderer aufregend? Okay, ich bin ja schon still. Am See 844m gehe ich noch vorbei und stelle dort das Zelt für die Mittagspause auf, gut abgespannt, falls es stärkere Böen gibt. Mehr Regenschauer, die warte ich lieber noch ab, kann mich sowieso nicht so recht aufraffen. Andererseits kann ich noch ein gutes Stück schaffen. Was die gelaufenen Kilometer angeht, hab ich mich bisher ja nicht mit Ruhm bekleckert. Jetzt geht es südlich vom Lágočohkka noch mal ein Stück hoch über dem Geavdnjajávri entlang, am See 881m vorbei und endlich sanft hinunter zum Røkskardet, der Landenge zwischen Altevatnet und Geavdnjajávri. Steiniges und unübersichtliches Gelände erwartet mich hier, durchsetzt mit Weidenbüschen.


    Geavdnjajávri


    Altevatnet

    Südlich der Mitte steht eine kleine Hütte, die ich aber nicht in Augenschein nehme, wahrscheinlich ist sie sowieso abgeschlossen. Stattdessen gehe ich über eine Art felsige Terrasse um den Ausläufer des Davit Borjjasoaivi herum Richtung Altevatn. Der Regen hat aufgehört, aber die Sonne kann sich auch nicht so recht durchsetzen. Immerhin ist das hier interessantes Gelände. Direkt am Seeufer käme man wohl am einfachsten voran, aber ich halte mich lieber auf der 600m-Höhenlinie und quere hier den Hang, der bald recht steil wird. Das macht mehr Spaß als sich durch den dichten Birkenwald zu schlagen, denke ich, und tatsächlich habe ich bald richtig gute Laune. Ein paar Stellen sind etwas knifflig, besonders weil nach dem Regen alles nass ist. Nach einem Kilometer wird der Hang flacher, und nach einem weiteren Kilometer gibt es ganz perfekte Plätze zum Zelten, auf Krähenbeerenheide, ganz nah am Bach. Sehr schön, genau so hatte ich mir das vorgestellt. Ich bin total entspannt an diesem Abend. Gedanken ziehen durch, ohne sich festzuhaken, nichts ist wichtig, außer genau an diesem Platz zu sein und die Ruhe der Landschaft aufzusaugen.

  2. Erfahren
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #22
    04. September: Die Schlüsselstelle und ein riesiger Sandspielplatz

    Obwohl der gestrige Abend so entspannt war, konnte ich in der Nacht ganz schlecht schlafen. Wieder war es mir selbst im geöffneten Schlafsack viel zu warm, und ihn nur als Decke zu benutzen war irgendwie auch ungemütlich. Entnervt schmeiße ich ihn nach ein paar unruhigen Schlafversuchen gegen zwei in die Ecke und koche mir einen Kaffee. Hätte ich Whisky dabei, dann hätte der diese Nacht vermutlich nicht überlebt. Warum bin ich so nervös? Liegt es daran, dass ich morgen, also eigentlich heute, später am Tage den Abfluss des Leinavatn furten muss? Der sieht zwar auf der Karte eindrucksvoll breit aus, aber es gibt auf jeden Fall ein paar Meter Höhendifferenz zwischen Leina- und Altevatn, und viel geregnet hat es an den vergangenen Tagen auch nicht. Müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn ich da nicht irgendwie rüber käme.

    Der Kaffee wird beim Einschlafen sicher auch nicht sehr hilfreich sein, aber trotzdem ist es ein schönes Gefühl, mit einem Heißgetränk in der Hand träge in die Dunkelheit zu starren. Direkt über mir rascheln die Birkenblätter leise im Wind, unten rauscht ebenso unbeirrbar wie beiläufig der Bach. Ich mag die Septembernächte. Sie sind kurz genug um den Wandertag ganz ausnutzen zu können, und doch wird es schon ganz dunkel. Manche fürchten sich allein in der Dunkelheit, aber ich fühle mich darin aufgehoben, behütet. Ohne Ablenkung durch das Sehen kann ich mich ganz auf die Geräusche einlassen, die Phantasie erschafft aus ihnen ihre ganz eigene Welt.

    Am Morgen zeigt das Thermometer 6°C, es fällt leichter Regen. Nicht ganz ausgeschlafen, aber unternehmungslustig breche ich kurz nach halb acht auf. Bin schon sehr gespannt auf den Fluss. Nachdem ich mich eine Weile durch den Birkenwald geschlagen habe, beschließe ich, lieber am Seeufer zu gehen. Da kommt man tatsächlich besser voran. Das Wetter sieht nicht unfreundlich aus, noch ein Regenschauer, dann zeigen sich auch schon Lücken mit blauem Himmel zwischen den Wolken. Für zwei Kilometer geht es jetzt durch ein steiniges Feuchtgebiet, wobei es sich stellenweise nicht vermeiden lässt, mitten durchs Moor zu stapfen. Einmal läuft etwas Wasser in den rechten Stiefel, aber das ist meine geringste Sorge.













    Bald stoße ich auf einen Nord-Süd verlaufenden Rentierzaun, und als der überwunden ist, nähere ich mich schon dem mit Spannung erwarteten Abfluss des Leinavatn. Ja, doch, der ist ganz schön breit, aber ich finde bald eine Stelle, die machbar aussieht. Also Neoprensocken und Watsandalen an und hinein ins Vergnügen. Anfangs geht es sehr einfach, bei dem geringen Wasserstand ist die Strömung auch nur mäßig stark. In der Flussmitte liegen aber große Steine mit entsprechend tiefen Löchern dazwischen, hier dauert es etwas länger, einen gangbaren Weg zu finden. Wenn der Fluss mehr Wasser führt, ist jedenfalls Vorsicht angebracht. Hundert Meter nördlich von meiner Furt liegen zwei kleine Motorboote, hier legt man also an, wenn man zu der Handvoll Hütten am Leinavatn will. Eine davon, Leinahytta, gehört Statskog, man kann sie bei inatur.no mieten (12 Betten in 3 Schlafräumen, 1.000 Kr/Nacht ganzjährig). Glücklich am anderen Ufer angekommen, laufe ich noch die gut 500m über die Landzunge bis zur Gjeddebukta in Sandalen. Keine Umstände mehr, so kurz vor der Frühstückspause.









    Das war doch schon mal sehr erfolgreich. Zufrieden blinzele ich in die Sonne, die sich immer länger gegen die Wolken durchsetzen kann, und schaue mich um. Diese Bucht kann ich überhaupt nicht mit dem Kartenbild in Einklang bringen, die Landzunge ist in Wirklichkeit viel größer und umschließt das Wasser bis auf eine schmale Öffnung. Wirkt auch nicht so, als sei das nur dem geringeren Wasserstand durch einen trockenen Sommer geschuldet. Nach der Pause geht es erst mal eine Weile sehr angenehm über Zwergstrauchheide mit vereinzelten Birken durch offenes Gelände an der Bucht entlang. Streckenweise kann ich sogar einem Pfad folgen. Einige Gerätschaften am Wegesrand deuten drauf hin, dass hier früher die Anlegestelle für die Hütten gewesen sein muss. Aber tatsächlich, von hier sieht man es besser, ist die Bucht komplett vom Altevatn abgetrennt, und wo östlich davon nach der Karte Wasser sein sollte, tut sich eine kahle Ebene auf, dahinter ein weites Grasland mit den Überresten abgestorbener Bäume.


    Gjeddebukta









    Das wirkt hier sehr fremdartig, wie ein ganz anderes Land. Sicher war diese Gegend einmal überflutet und ist dann trockengefallen. Langsam nähere ich mich der Anhöhe Ostováráš, wo es mit Birkenwald und beerenüberwachsenen Steinen wieder sehr vertraut aussieht. Über diese gehe ich weiter genau nach Osten und stoße bald, nicht ganz unerwartet, auf ein großes Moor. Ein Teil des Naturreservats Ostojeaggi. Da muss ich durch, denn der nächste Fluss wird an der Mündung nicht zu furten sein, jedenfalls laut meiner Karte, der ich immer weniger traue. Das Moor ist dann eher von der unangenehmen Sorte. Wo es geht halte ich mich an die steinigen, dicht mit Weidensträuchern bewachsenen Erhebungen, die die sumpfige Ebene durchziehen, was auch nicht viel besser ist. Als ich endlich den Bach Gámasjohka erreiche, bin ich einigermaßen geschafft. Da der sowieso knapp zu tief für die Wanderstiefel ist, kann ich hinter der Furt auch gleich die Mittagspause einläuten.


    Ostojeaggi


    Gámasjohkka

    Auch der Bereich um den Bach herum war also für längere Zeit überflutet, es findet sich nur ganz junge Vegetation. Obwohl auf der Karte ebenfalls mit Moor bezeichnet, ist es hier viel trockener und einfacher zu laufen. Bald erreiche ich den nächsten Zufluss des Altevatn, Suttesgáldojohka, der bequem an einer steinigen Stelle überquert werden kann. Ansonsten besteht hier alles aus Sand. Eine riesige bewaldete Sandebene. Ich gehe erst mal ein Stück weiter nach Norden, bis ich auf eine Schlucht stoße. Die ist mir dann doch ein bisschen zu steil zum Queren, also suche ich weiter östlich nach einer geeigneten Stelle. Nach diesem Hindernis korrigiere ich den Kurs nach Nordwesten und stehe bald wieder vor einer Sandschlucht. Irre Landschaft, ich bin ganz begeistert.




    Suttesgáldojohka


    Buolžagorssajohka



    Als auch hier ein Übergang gefunden ist, stehe ich ein einigermaßen planlos da. Wie weit östlich bin ich eigentlich abgedriftet? War das jetzt schon die Schlucht mit dem Bach aus Norden? Bisschen wenig Wasser, oder? Nach der Karte müsste westlich davon ein Rentiezaun mit einem Weg sein. Ist aber nichts zu sehen. Um nicht völlig verlorenzugehen, laufe ich lieber genau nach Westen. Da ist der Rentierzaun, sehr schön, dann kann ja nichts mehr schief gehen, und hier ist auch eine Fahrspur. Der Umweg hat Zeit gekostet, aber auch Spaß gemacht. Dieser gigantische Sandspielplatz regt meine kindliche Entdeckerfreude an. Ich könnte genauso gut hier irgendwo übernachten und morgen weitersehen. Die Karte verwirrt mich momentan sowieso mehr, als dass sie weiterhilft. Die Fahrspur quert nämlich nach kurzer Zeit einen Bach, was nicht sein dürfte. Vielleicht hätte ich doch das GPS mitnehmen sollen, aber ... nee, nicht auf so eine einfache Tour. Morgen wird sich alles aufklären. Für heute laufe ich nur noch direkt nach Süden an der Abbruchkante entlang, wo sich eine Menge guter Zeltplätze anbieten. Keine hundert Meter von hier habe ich vor einer Stunde den Suttesgáldojohka überquert, da bin ich ja hübsch im Kreis gelaufen. Nach der großen Waschaktion beginnt ein stiller, friedlicher Abend. Am Hang gegenüber ziehen ein paar Rentiere durch den Sand wie Kamele durch die Wüste.

  3. Erfahren
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    #23
    05. September: Das Kreuz mit der Karte

    Diese Nacht konnte ich schlafen wie ein Stein. Als ich mich kurz vor sechs aus dem Schlafsack geschält und mit dem Handtuch die Kondenswassertröpfchen am Innenzelt aufgenommen habe, erwartet mich der perfekte Septembermorgen. -2°C, wolkenlos blauer Himmel, leichter Morgendunst. Auf der Birke, die vor dem Zelt über die Abbruchkante hängt, glitzern kostbare Tautropfen in der Sonne, und über dem Altevatn liegt Nebel. Ein Morgen, an dem man wie eine Lerche zum Himmel aufsteigen und seine Freude herauszwitschern möchte.



    Während ich glücklich mit meiner dampfenden Blechtasse vor dem Zelt sitze, um die ersten zaghaft wärmenden Sonnenstrahlen einzufangen, mache ich mir Gedanken um den weiteren Tourverlauf. Wenn ich von hier nach Norden gehe, komme ich ins obere Dividal, dann könnte ich zum Beispiel auf der westlichen Seite bleiben und durch das Gálggovággi zum Anjavassdal laufen. Da muss ich doch eigentlich nur der Fahrspur folgen, die nach meiner Karte neben dem Rentierzaun über die Altevasshøgda verläuft. Also los, diesen herrlichen Tag will ich ausnutzen. Gegen sieben packe ich das tropfnasse Zelt ein und bin abmarschbereit. Zuerst durch den ebenfalls tropfnassen Birkenwald zur Fahrspur. Mir ist immer noch nicht klar, warum sie den Bach quert, aber ich folge ihr einfach, ohne weiter nachzudenken. Im Schatten sind die Gräser noch von Raureif überzogen, dabei wirkt es gar nicht so kalt. Danach geht es den Hang hoch, und schon nach kurzer Strecke öffnet sich ein prachtvoller Blick über Wald und Berge.


    Klick auf das Bild für größere Ansicht



    Die Fahrspur führt einigermaßen konstant durch den Wald nach Nord-Nordost, statt wie erwartet weiter hoch zur Altevasshøgda. Das kommt mir schon merkwürdig vor. Und dann stehe ich plötzlich vor einem breiten Bach, an dem der Weg erst noch ein Stück entlangläuft, dann unvermittelt einen Schlenker nach Südosten macht und vor einer Furt endet. Das muss der Abfluss der Roggejávrrit sein, jetzt weiß ich zumindest, wo ich bin. Klar, ich bin einer falschen Piste gefolgt, aber wo führt diese hin? Weiter nach Osten, also nach Schweden? Oder umrundet sie einfach nur die Seen im Tal und geht dann wieder nach Norden? Kein Hinweis dazu in der Karte, ich muss jetzt einfach auf mein Gefühl hören. Das sagt mir ganz klar, dass ich keine Lust habe, mich hier pfadlos durch den dichten Wald zu schlagen, wenn die Alternative ein hübscher Weg ist, der immerhin theoretisch in die richtige Richtung gehen könnte. Sieg der Faulheit auf ganzer Linie. Hinter der Furt findet sich ein schmaler Weg am unteren See entlang. Mittlerweile wärmt die Sonne bei absoluter Windstille schon ganz ordentlich.


    Unterer Roggejávri



    Über flache Moränenrücken, entlang an kleinen Tümpeln und Mooren, schlängelt sich der Weg allmählich nach Norden, kann also ganz falsch nicht sein. Ich genieße das schöne Wetter und die Weite der Landschaft, und natürlich auch, dass ich mal nicht auf die Füße gucken muss. Eine knappe Stunde nach der Furt stehe ich wieder an dem Bach, und das kann nun eindeutig nicht sein. Hier dürfte es überhaupt keinen Bach geben, der nach Süden fließt. Nach meiner Karte ist hier die Wasserscheide, der nächste See entwässert nach Norden. Und Richtung Norden sieht dieser schnurgerade Bachlauf überhaupt ganz merkwürdig aus, irgendwie steril inmitten einer verspielten Grundmoränenlandschaft. Was man nicht versteht, darf man getrost ignorieren. Der nächste See ist jedenfalls Irggášjávri, so viel ist sicher. Kurze Zeit später entdecke ich auf einem kleinen Hügel den perfekten Platz für die Frühstückspause. Hier dürfen das Zelt und die gestern gewaschenen Sachen trocknen, während ich in der Sonne mein leckeres Müsli esse und die Rentiere im Tal beobachte. Das Leben ist schön!

    Nach zwei Stunden geht es weiter auf der Piste, vorbei an einer privaten Hütte, bis zu einem Abzweig nach Westen am Seeende. Den schaue ich mir mal näher an, schließlich muss ich irgendwann in diese Richtung laufen, nur noch nicht hier. Ob er wohl den anderen Weg über die Altevasshøgda kreuzt, den ich eigentlich nehmen wollte? Aber ich bin misstrauisch geworden, bis jetzt hat mir die Piste nur einen gehörigen Umweg beschert, wenn auch durch schöne Landschaft. So beschließe ich, nur noch meiner Nase zu folgen und bleibe erst mal im Tal. Als die Fahrspur nach Osten abbiegt, verlasse ich sie und laufe pfadlos am Moarsejávri entlang genau nach Norden. Keine Experimente mehr. Nachdem dieser See hinter mir liegt, wechseln sich Wald, Moor und Buschwerk ab, dazwischen auch mal steinige Stellen. Jetzt sollte ich langsam nach Nordwesten schwenken, das Hochtal Gálggovággi ist von hier schon als Delle zwischen den Bergen Doarrovárri und Návsti erkennbar. Weiter oben am Hang läuft es sich sowieso angenehmer.


    Gálggovággi







    Irgendwo hier habe ich auch die Grenze zum Nationalpark Øvre Dividal überschritten. Als ich eine Senke mit vielen kleinen Seen erreiche, brauche ich erst mal eine Verschnaufpause. Ich fühle mich ein bisschen schwach und unterzuckert. Eine Handvoll Heidelbeeren, ein Müsliriegel und ein halber Liter Wasser, dann geht es wieder. Ich halte jetzt genau auf die Talöffnung zu und rechne damit, bald auf den Rentierzaun zu treffen, der sich laut Karte am Hang nach Norden zieht. Den gibt es allerdings nicht, auch keine Reste davon und auch keinen Pfad. Eine reine Karteileiche, oder ein Phantomzaun zur Touristenverwirrung. Eigentlich wollte ich noch bis zum See Gálggojávri laufen, aber einen knappen Kilometer davor geht mir die Puste aus, ich brauche jetzt sofort eine längere Pause.







    Mittlerweile weht ein kühler Südostwind, der trotz Sonnenschein eine eher frühherbstliche als spätsommerliche Stimmung verbreitet. Die neugierigen Rentiere lungern eine Weile in der Nähe herum, als erwarteten sie eine Einladung zum Essen. Vielleicht mögen sie Kornmo-Kekse. Als ich mich aufraffen kann, ist es kurz vor vier. Anfangs geht es noch angenehm über die offene Beerenheide bis zum Gálggojávri, ich richte mich schon auf eine einfache Nachmittagsetappe ein, doch der erste Blick über den See ist ernüchternd. Störrisches Weidengestrüpp so weit das Auge reicht. Das wird mühsam.


    Gálggojávri

    Wegen einschlägiger Erfahrungen versuche ich zuerst noch, die Zusammenrottungen von Silberweiden zu umgehen, aber es ist zwecklos. So viel kann ich hier gar nicht im Zickzack laufen, das spart auch keine Kraft. Also halte ich einfach Kurs und kämpfe mich Meter für Meter durch. Besser wird es erst, als es am nordwestlichen Talausgang über ein paar Hügel und schließlich bergab geht. Anschließend folge ich noch ein Stück dem Bach und halte schon mal Ausschau nach einem guten Zeltplatz. Leider wird es hier immer steiniger, und weiter unten ist der Bach zu tief eingschnitten. Da laufe ich lieber zurück bis zu einer Stelle, die ich voreilig schon verworfen hatte. Die tut es, obwohl der Boden ein bisschen hubbelig ist. Heute muss ich dringend Socken waschen, die haben jetzt lange genug durchgehalten. Das war doch alles in allem ein ziemlich erfolgreicher Wandertag, wenn auch ganz anders als heute Früh gedacht. Zufrieden genehmige ich mir zum Kaffee ein kostbares, köstliches, unvergleichlich zart schmelzendes Kvikk Lunsj. Als die Sonne hinter dem Berg verschwunden ist, wird es schnell kühl, 3°C am Abend.


    Blick Richtung Vuomavárri und Anjavassdalen

    Geändert von Borgman (25.12.2018 um 09:58 Uhr)

  4. Fuchs
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #24
    Vor kurzem erst entdeckt - ein schicker, neuer Reisebericht von dir aus Norwegen. Wie immer mit sehr schönen Fotos. Das gefällt mir. Da bin ich neugierig, wie es weitergeht.
    Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Ergo: Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.

  5. Erfahren
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #25
    Zitat Zitat von Prachttaucher Beitrag anzeigen
    Schöne Bilder und spannend zu verfolgen, welchen Weg Du Dir gesucht hast. Sehr anregend !
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Vor kurzem erst entdeckt - ein schicker, neuer Reisebericht von dir aus Norwegen. Wie immer mit sehr schönen Fotos. Das gefällt mir. Da bin ich neugierig, wie es weitergeht.
    Danke für die Rückmeldungen! Freut mich, wenn es Euch gefällt! Bin schon fast fertig mit dem nächsten Abschnitt.

    Bevor der Bericht weiter geht noch mal kurz zu meiner Verwirrung mit Piste und Bachlauf, die habe ich erst im Nachhinein aufklären können. Wäre die Tour einigermaßen vorbereitet gewesen, dann hätte ich mit einem Blick auf die Karte von ut.no schon Einiges klarer gesehen. Wie Fjaellraev weiter oben schrieb, war die Turkart schon beim Druck vollkommen veraltet, denn lange vorher, am 22.12.1960 wurde durch einen Königlichen Beschluss die Erlaubnis erteilt, den Wasserlauf des Doarrojohka und Irggášjávri zum Altevatn umzuleiten, die bis dahin in die Målselva entwässert hatten. Dafür mussten zwei Dämme und Durchbrüche zu den Roggejávrrit und weiter zur Suttesgáldjohka gebaut werden. Diese und der für den Bau angelegte Weg hätten eigentlich sogar auf meiner alten Karte schon eingezeichnet sein müssen. Hier findet man mehr zur Wasserregulierung im Gebiet des Altevatn:
    https://www.statkraft.no/globalasset...tcm10-4694.pdf

  6. Moderator
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    Avatar von MaxD
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #26
    Da kann ich mich dem Prachttaucher nur anschließen: Die Bilder sind wirklich fantastisch. Soviel Tiefe!
    Btw, Borgman: Die Sache mit den schlechter werdenden Augen und der Ameisenautobahn auf der Karte wird mir auch immer vertrauter. Eine kleine Lupe mit LED wiegt nicht viel, ist aber eine enorme Erleichterung. Für UL-Freunde gibt es die sogar im Scheckkartenformat als dickere Folie (natürlich ohne LED), die wiegt dann keine 5 g.
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  7. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #27
    @ MaxD: Danke auch Dir! Eine kleine beleuchtete Lupe klingt tatsächlich sehr verlockend, werde mich mal danach umschauen, guter Tipp. Und jetzt weiter im Text:


    06. September: Vor Unheil beschützt im Anjavassdal

    Anscheinend schlafe ich am besten bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, jedenfalls bin ich um fünf Uhr erholt und munter. Genau wie gestern zeigt das Thermometer, nachdem die dünne Raureifschicht abgekratzt ist, -2°C. Nur auf das Bad in der Morgensonne muss ich heute verzichten, weil ich im Schatten des Návsti hocke. Was die gute Laune aber kaum trübt, denn das Wetter sieht vielversprechend aus. Gegen sieben mache ich mich an den Abstieg zum Anjavassdal, das bald in voller Pracht zu bewundern ist. Irgendwo da unten versteckt sich der markierte Pfad zwischen Dividals- und Vuomahytta. Den bin ich in der späten Blüte meiner Zwanzigerjahre schon mal gelaufen, als es so viel geregnet hat. An nassen Wald kann ich mich erinnern, und an zwei grimmig dreinschauende Jäger, die mir entgegenkamen. Ich weiß nicht, ob sie wirklich grimmig waren oder nur keinen Bock hatten, sich mit Touris zu unterhalten.




    Anjavassdalen

    Netterweise geht es, anders als nach dem steinigen Hochtal erwartet, praktisch nur über Beerenheide zum Pfad hinunter. Da liegt eine mächtige Elchschaufel, ist schon der Hammer, welches Gewicht die Tiere so auf dem Kopf herumtragen. Überhaupt ist das hier im Morgenlicht ein richtiger Zauberwald, sehr anregend.





    Der Geruch eines Lagerfeuers zieht durch das Tal und lässt, zusammen mit den langen Schatten der Birken und dem Elchgeweih, in meiner Phantasie ein Bild entstehen. Ich sehe einen knorrigen Samen, der in der Nacht mit geheimnisvollen Ritualen das liebliche Tal für ein weiteres Jahr vor den dunklen Mächten beschützt hat und jetzt erschöpft neben seiner Feuerstelle ausruht. Ovllá ist sein Name. Vor genau 38 Jahren hat er hier an der Einmündung der Vuomajohka in die Anjajohka siebzehn verendete Rentiere entdeckt, die Kadaver bereits angenagt von Wölfen und Vielfraßen. Da die Todesursache nie festgestellt wurde, begannen sofort allerlei Gerüchte zu sprießen, jeder machte sich seine eigenen Gedanken um diesen mysteriösen Vorfall. Ovllá war eigentlich ein nüchterner Bursche, doch der grausige Anblick verfolgte ihn auf Schritt und Tritt. Über den Winter lernte er fast vergessene und schon seit Generationen als Aberglaube bespöttelte Rituale, mit denen seine Vorfahren ihre Rentierherden vor Unheil zu schützen suchten. Am 5. September des folgenden Jahres machte er sich auf den langen Fußmarsch zum Ort des Geschehens, sammelte Holz für ein großes Feuer und begann gleich mit den Vorbereitungen. Als Ovllá im Morgengrauen seine heiligen Handlungen beendet hatte, wickelte er sich in seine Decke aus Rentierfell und schlief friedvoll bis zum Mittag. Die schrecklichen Bilder, die ihn vorher in jedem Traum heimgesucht hatten, waren verschwunden und sollten nie wiederkehren. Seit jener Nacht grasen alle Tiere ungestört in diesem schönen Tal, denn Ovllá kam jedes Jahr und erneuerte seinen Zauber.

    Aber in Wirklichkeit kommt der Rauch von einem Lager aus fünf bis sechs Zelten, eine ältere Dame sammelt am Hang Beeren, und neben dem Feuer hockt ein asiatisch aussehender Jugendlicher, der auf mein fröhliches "Hei! God morgen!" nur müde grunzt. Dann halt nicht. Nach ein paar Minuten erreiche ich die Hängebrücke über die Vuomajohka. So ein markierter Pfad hat eindeutig seine Vorteile, vor allem in einem waldigen Tal. Hügelauf und hügelab windet er sich durch teils dichte Vegetation, gut ausgetreten, aber spärlich markiert. Als sich der Pfad wieder dem Fluss nähert, geht es zwischendurch auch mal über offene Heideflächen. Hier wäre doch ein prima Platz für die Frühstückspause, mein Magen macht sich schon lautstark bemerkbar.


    Brücke Vuomajohka


    Anjavassdalen




    Anjajohka mit dem Berg Njunis im Hintergrund

    Anderthalb Stunden später laufe ich weiter den Pfad talaufwärts, bis dieser nach Süden zur Vuomahytta abbiegt. Hier ist das Tal weit und offen, der Blick reicht bis zum Máttagáisi in der Ferne. Der Karte nach sollte hier ein unmarkierter Pfad nach Westen verlaufen, der vor dem Anjajávri den Fluss quert und danach ganz um den Njunis herumführt. So ein Glück, es gibt ihn tatsächlich! Doch meine gute Laune erhält bald einen Dämpfer, denn schon nach etwa einem Kilometer verliere ich ihn in einem Moorgebiet. Eine Weile suche ich noch nach dem Pfad, dann gebe ich auf und folge einfach dem Fluss. Das Gelände bleibt abwechslungsreich, man läuft über einen Hügel mit Beerenheide, schlägt sich durch die Weidenbüsche in der nassen Senke dahinter, ein bisschen Birkenwald, dann der nächste Hügel. Keine Spur von einem durchgehenden Pfad.


    Blick talaufwärts, zum Máttagáisi







    Das ist wirklich ein besonders schönes Tal, ich bin froh, dass ich diese Route gewählt habe. Bei dem unebenen Gelände komme ich allerdings recht langsam voran und schwitze in der Sonne wie ein Stier. Zweieinhalb anstrengende Stunden nach der Frühstückspause stehe ich kurz nach eins ziemlich erschöpft am breiten, flachen Abfluss des Anjajávri. Eine gute Furtstelle, keine Frage, aber meine leise Hoffnung, hier wieder auf den Pfad zu stoßen, erfüllt sich leider nicht. Es gibt in diesem Tal einfach keinen Pfad, der mir das Leben angenehmer machen könnte. Auf der anderen Seite suche ich mir aber erst mal einen Platz für eine lange Mittagspause und wasche mich im Fluss. Herrliche Erfrischung!


    Abfluss des Anjajávri

    Während der Pause verdichten sich die Wolken immer mehr, was mir ehrlich gesagt ganz recht ist. Vielleicht schwitze ich dann weniger. Gegen viertel nach drei kann ich mich zum Packen aufraffen. Ich will heute noch zwei Stunden das Tal weiter hochgehen und schauen, wie weit ich komme. Hinter einem kleinen Moor beginnt bald mehr oder weniger dichter Wald, der sich weit den steinigen Hang hinaufzieht. Keine Chance, den zu umgehen, da muss ich jetzt durch. Nach anderthalb Kilometern sollte es eigentlich eine Hütte geben, die auf der Karte mit Anjahytta bezeichnet ist, aber auch die bleibt unauffindbar. Also schlage ich mich weiter pfadlos durch Wald und Weidengestrüpp, scheuche versehentlich einen ruhenden Elch auf und gewinne allmählich ein paar Höhenmeter. Dabei halte ich mich weitgehend an die Strichlinie der Karte, also etwas höher am Hang, 600 bis 800m vom Seeufer entfernt. Natürlich gibt es auch in diesem Wald stellenweise Tierpfade, aber die führen alle nach ein paar verheißungsvollen Metern unweigerlich hinunter zum See. Zwischendurch auch mal offenes Gelände mit herrlichem Blick hoch zum Njunis und über das Tal.





    Nach anderthalb Stunden brauche ich eine Verschnaufpause. Mir tun die Füße weh, und meine Softshell ist bedeckt mit ockerfarbenem Staub von den Birken. Es ist nicht kalt, nicht warm, die Wolken hängen bleigrau über der Landschaft, ohne sich abzuregnen, weder bin ich fröhlich noch schlecht gelaunt. Ein unbestimmter, fast meditativer Zustand. Danach tauche ich wieder in den Wald ein, nur die nächsten Meter im Blick. Eine knappe Stunde später treffe ich auf den Bach, der durch einen scharfen Einschnitt von der Westflanke des Njunis herunterfließt und weiter unten in einem breiten Geröllbett ausläuft. Hier möchte ich zelten, und auf den ersten Blick sieht das auf der anderen Seite auch ganz gut aus, trockenes Gelände mit viel Krähenbeerenheide. Also quere ich den Bach und schaue mich mal um. Aus der Nähe betrachtet ist aber jede flache Stelle viel zu abschüssig. Erst schaue ich etwas höher am Hang, dann weiter unten, lasse den Rucksack stehen, gehe noch mal hoch und suche weiter entfernt vom Bach, bis ich jeden Quadratmeter begutachtet habe. Weiterlaufen kommt nicht in Frage, der Tag war lang genug. Also baue ich das Zelt schließlich an einer etwas unebenen Stelle auf und stopfe die Löcher im Boden mit Regenhose, Gamaschen und sonstigen unbenötigten Sachen aus. So wird es gehen. Schon beim Waschen im Bach fallen die ersten Tropfen, später regnet es stärker. 8°C am Abend.

  8. Erfahren
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #28
    Mensch, Bernd... an Dir ist echt ein Dichter verloren gegangen...
    Der Knorrige Same Ovlla, der sein Ritual vollzieht...
    Vielleicht schreibst Du mal die Saga der Sami aus dem oberen Dividal...?
    Geändert von Fjellfex (01.01.2019 um 07:47 Uhr)

  9. Erfahren
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #29
    Zitat Zitat von Fjellfex Beitrag anzeigen
    Mensch, Bernd... an Dir ist echt ein Dichter verloren gegangen...
    Der Knorrige Same Ovlla, der sein Ritual vollzieht...
    Vielleicht schreibst Du mal die Saga der Sami aus dem oberen Dividal...?
    Hehe... wer weiß?... das täte mich schon reizen...
    Aber belassen wir es vorerst bei einem kurzen Aufflackern des Unwirklichen. Manchmal erlebt man solche besonderen Momente allein in der Wildnis, die schwer in Worte zu fassen sind. Kennst Du die auch? Da wünschte man sich, man wäre wirklich ein Dichter und könnte sie im Text einfangen, damit sie nicht verloren gehen.

  10. Erfahren
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #30
    Ehrlich gesagt: "Unwirkliches" oder esoterisch Angehauchtes habe ich noch nicht erlebt auf meinen längeren Solotouren.

    Aber die Dinge werden in Perspektive gerückt. Man hält sich ja für das große Zentrum des Universums, und auf Tour merkt man, wie klein man doch ist.
    Irgendwie ist die Natur gleichgültig: wenn die meteorologischen Bedingungen für einen Schneesturm da sind, dann gibt es einen Schneesturm, und wenn ich dem im Weg bin, habe ich Pech gehabt.

  11. Erfahren
    Avatar von Fjellfex
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #31
    Abgesehen davon werde ich irgendwie den Verdacht nicht los, daß die fertige Dividal-Saga schon bei Dir in der Schublade liegt.

  12. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    #32
    07. September: Wanderer, sammelt Bärenkot!

    Mit dem Wetter habe ich ja richtig Glück auf dieser Tour, bei 2°C ist es am Morgen locker bewölkt und trocken. Perfekte Bedingungen für einen frühen Aufbruch. Trotzdem knalle ich mich nach dem obligatorischen Frühkaffee um sechs noch mal gepflegt auf die Matte und warte, bis sich die Sonne über den Berg gekrochen kommt. Nach zwei relativ langen Wandertagen möchte ich es heute mal ein bisschen ruhiger angehen lassen. Müsli gegen halb neun, eine Stunde später bin ich abmarschbereit.







    Anfangs geht es noch am Westhang des Njunis entlang, wobei das Gelände allmählich einfacher wird, weniger steinig, weniger Buschwerk. Hinter dem nächsten Bach ist schon die Nationalparkgrenze, da wechsele ich auf die nördliche Talseite. Noch bin bin ich nicht sicher, wie ich von hier nach Øverbygd laufen möchte. Heute ist Freitag, es reicht völlig, wenn ich dort Sonntag Mittag den Bus nehme. Die attraktivste Variante ginge direkt nach Norden durch ein weiteres Hochtal, Leađđovággi, dann käme ich erst kurz vor der Brücke über die Målselva in die Zivilisation. Würde aber bedeuten, dass ich mich am Ende durch ziemlich viel Wald schlagen müsste, falls es den eingezeichneten unmarkierten Pfad nicht gibt, und dazu habe ich ehrlich gesagt keine besondere Lust. Alternativ könnte ich östlich durch das Høgskard zum Dividal hinuntergehen und den Rest mehr oder weniger auf der Straße zurücklegen. Die Entscheidung verschiebe ich auf die Mittagspause.

    Jetzt komme ich erst mal in eine Landschaft, die mir ausgesprochen gut gefällt. Ein Moränenhügel reiht sich an den nächsten, teils kahl, teils mit einzelnen Birken bewachsen. So ergeben sich ständig neue Blicke, und man hat immer was zu tun, hügelauf und hügelab. Bei dem schönen Wetter macht das richtig gute Laune, wobei die Sonne nur im Windschatten wärmt. Für eine kurze Pause um die Aussicht zum Høgskardfjell zu genießen, ziehe ich sogar die Jacke über.










    Høgskardfjellet

    Schon von Weitem ist an der Stelle, wo die beiden Bäche Leađđojohka und Beagašanjohka zusammenfließen, ein auffälliges helles Band im Gelände erkennbar. Bestimmt eine Fahrspur oder ein angelegter Weg, von dem die Karte nichts weiß. Dann ist dort auch die Furt, und mit etwas Glück zweigt davon vielleicht was nach Norden ab. Der Bach ist an dieser breiten Stelle problemlos mit Stiefeln zu queren, und gleich dahinter findet sich ein perfekter Platz für die Mittagspause. Flacher Moränenschotter mit kriechendem Grünzeug bewachsen, freier Blick nach Westen zum Máttagáisi, das wäre ein traumhafter Übernachtungsplatz. Während ich das nasse Zelt zum Trocknen aufbaue, muss ich daran denken, wie ich gestern Abend leicht genervt nach einem halbwegs ebenen Fleckchen gesucht habe.


    Blick Richtung Sanddalsbotn


    Blick zurück zum Anjavassdal





    Da ich heute nur noch zwei bis drei Stunden zu wandern gedenke, kann ich mir alle Zeit der Welt lassen. Nach acht Wandertagen am Stück wäre eigentlich jetzt mal ein Pausentag fällig, aber an den ersten Tagen hab ich erkältungsbedingt nicht so viel Strecke geschafft, deshalb geht es jetzt gerade so auf. Ein halber Tag Reserve wäre noch drin, andererseits ist heute erstklassiges Wanderwetter, wer weiß was noch kommt. Also geht es viertel vor drei weiter, erst mal sehr bequem den Weg entlang. Der wird den Spuren nach eher von Rentieren und Wanderern benutzt, Reifenspuren kann ich nicht entdecken. Ab jetzt halte ich Ausschau nach Hinweisen auf einen Pfad ins Leađđovággi, richte mich innerlich aber schon auf den Ausstieg zum Dividal ein. Es wäre für mich völlig in Ordnung, einen Tag kräftesparend auf der Straße zu laufen, schließlich hab ich noch eine kleine Anschlusstour auf Senja vor.


    Høgskardvatnet mit Fahrspur




    Jiehtanasnibba

    Da kein Pfad Richtung Norden erkennbar ist, laufe ich einfach weiter durch das nette Hochtal, vorbei am Høgskardvatn und ein paar Tümpeln. Kurz danach markiert ein Holzpflock den Beginn eines Wanderpfades, der sogar in meiner Karte verzeichnet ist. Die Fahrspur schwenkt hier nach Osten zum gegenüberliegenden Hang und ist ab da nicht mehr zu sehen. Wahrscheinlich käme man auf ihr auch irgendwann ins Dividal hinunter, nur verlassen möchte ich mich nicht darauf. Also folge ich dem gut ausgetretenen Pfad, der bis zum nächsten Bach die Höhe hält und danach sicher in das steinige, dicht bewachsene, teils nasse Tal hinunterführt. Ohne den Pfad hätte ich hier an dem unübersichtlichen Hang ganz sicher Probleme bekommen. Ein paar Stellen sind schon recht steil.


    Blick zurück vom Bach


    Dividalen

    Nach unten wird der Wald immer dichter und finsterer, was aber auch daran liegen könnte, dass immer mehr Wolken aufziehen. Irgendwie dauert der Abstieg wesentlich länger als ich gedacht hätte, und geeignete Zeltplätze gibt es hier auch nicht. Viel zu dicht und üppig ist die Vegetation an den ebenen Stellen in Bachnähe. Klar, zur Not kann man immer irgendwo das Zelt aufstellen, aber ich hätte es schon gerne etwas übersichtlicher. So, hier ist schon die Stromleitung, dann treffe ich gleich auf die Straße. Bevor ich mir Gedanken um mein Nachtlager machen kann, fällt mein Blick auf ein Schild mit einer seltsamen Bitte: "Hilf uns, Bärenkot zur DNA-Analyse zu sammeln". Darunter ein Eimer für die Stuhlproben. Gibt es hier so viele Bären? Mensch, das hätte ich wissen sollen, dann hätte ich selbstverständlich alle verfügbaren Plastiktüten mit Bärenscheiße gefüllt und in den Rucksack gestopft. Aber wie sieht Bärenkot überhaupt aus? Auch daran haben sie gedacht, es sind Fotos auf dem Schild. "Aufgrund der schlechten Verdauung des Bären sind Reste der letzten Mahlzeit leicht erkennbar". Okay, das macht es uns einfach, wir müssen nur Haufen mit halbverdauten Beeren suchen. Und eine daumengroße Menge genügt, das dürfte die Sammelbereitschaft in der Tat erheblich steigern. Na ja, sehr appetitlich sieht es trotzdem nicht aus...









    In Gedanken noch ganz bei den Bären vom Dividal und ihren Ausscheidungen, mache ich mich auf die Suche nach einem Platz für die Nacht. Nah an der Straße soll es nicht sein, also suche ich zuerst auf der anderen Bachseite, da gibt es sogar einen unebenen Fahrweg. Sieht allerdings genauso schlecht aus, abgesehen von den vielen leckeren Himbeeren. Nach der Stärkung klettere ich auf einen der Hügel, da könnte es zwischen den Blaubeeren tatsächlich gehen, nur ist der Boden überall steinig und uneben. Ich lasse den Rucksack erst mal stehen und schaue mich gründlich um. Die Runde durch den Wald dauert etwas länger, fast hätte ich vor lauter Beerensammeln meine Mission vergessen. Bald bin ich so vollgestopft mit Beeren wie ein Bär, hoffentlich verwechselt man meine... nee, das gehört wirklich nicht hierher. Schließlich steht das Zelt doch noch einigermaßen gut im Wald, danach kurz zum Waschen an den Bach, und der gemütliche Teil des Abends kann beginnen.

  13. AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #33
    Du bestärkst mich mit deinem Bericht in einem Gedanken den ich seit 2005 im Hinterkopf trage: Durch das herbstliche Anjavassdalen muss ich mal noch durch.
    Zitat Zitat von Borgman Beitrag anzeigen
    Bevor der Bericht weiter geht noch mal kurz zu meiner Verwirrung mit Piste und Bachlauf, die habe ich erst im Nachhinein aufklären können. Wäre die Tour einigermaßen vorbereitet gewesen, dann hätte ich mit einem Blick auf die Karte von ut.no schon Einiges klarer gesehen. Wie Fjaellraev weiter oben schrieb, war die Turkart schon beim Druck vollkommen veraltet, denn lange vorher, am 22.12.1960 wurde durch einen Königlichen Beschluss die Erlaubnis erteilt, den Wasserlauf des Doarrojohka und Irggášjávri zum Altevatn umzuleiten, die bis dahin in die Målselva entwässert hatten. Dafür mussten zwei Dämme und Durchbrüche zu den Roggejávrrit und weiter zur Suttesgáldjohka gebaut werden. Diese und der für den Bau angelegte Weg hätten eigentlich sogar auf meiner alten Karte schon eingezeichnet sein müssen. Hier findet man mehr zur Wasserregulierung im Gebiet des Altevatn:
    https://www.statkraft.no/globalasset...tcm10-4694.pdf
    Fett von mir. Jein.
    Die Karten auf denen die Turkart Indre Troms beruht stammen gemäss Aufduck auf der Karte aus den Jahren 1959-63 und 1981-83 - Frag mich niemand weshalb Norwegen da einen so langen Unterbruch hatte - und für das Gebiet Dividalen sind das wohl die von mir weiter oben verlinkten historischen Karten aus den Jahren 1961 (Altevatn) und 1963 (Dividalen). Auf der Dividalen steht, dass die Geländeaufnahmen 1951-55 stattfanden und die Wege auf Stand 1963 seien. Ähnliche Fristen dürften für die Altevatn gelten, so dass du quasi mit 60 Jahre altem Kartenmaterial unterwegs warst, was auch das weitere Verschwinden von Wegen und Hütten (Die Anjahütte war AFAIR nur eine einfache Bretterhütte) erklärt.
    Wer in der Region unterwegs ist und in den Hütten übernachtet, dem empfehle ich in einer ruhigen Minute mal in den dort teilweise vorhandenen Büchern von Hans Prestbakmo zu lesen. Viele der Informationen in meinem Hinterkopf habe ich aus seinen Büchern.

    Gruss
    Henning
    Es gibt kein schlechtes Wetter,
    nur unpassende Kleidung.

  14. Erfahren
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #34
    Zitat Zitat von Fjellfex Beitrag anzeigen
    Abgesehen davon werde ich irgendwie den Verdacht nicht los, daß die fertige Dividal-Saga schon bei Dir in der Schublade liegt.
    Nee, nee, nur ein paar Geschichten im Hinterkopf ... und bei meinem Schreibtempo wird es allenfalls ein Kinderbuch über die Bären vom Dividal

    Zitat Zitat von Fjaellraev Beitrag anzeigen
    Du bestärkst mich mit deinem Bericht in einem Gedanken den ich seit 2005 im Hinterkopf trage: Durch das herbstliche Anjavassdalen muss ich mal noch durch.
    Dafür wünsche ich Dir schon mal genauso schönes Wetter. Ja, das Tal hat was...

    Die Karten auf denen die Turkart Indre Troms beruht stammen gemäss Aufduck auf der Karte aus den Jahren 1959-63 und 1981-83 - Frag mich niemand weshalb Norwegen da einen so langen Unterbruch hatte - und für das Gebiet Dividalen sind das wohl die von mir weiter oben verlinkten historischen Karten aus den Jahren 1961 (Altevatn) und 1963 (Dividalen). Auf der Dividalen steht, dass die Geländeaufnahmen 1951-55 stattfanden und die Wege auf Stand 1963 seien. Ähnliche Fristen dürften für die Altevatn gelten, so dass du quasi mit 60 Jahre altem Kartenmaterial unterwegs warst, was auch das weitere Verschwinden von Wegen und Hütten (Die Anjahütte war AFAIR nur eine einfache Bretterhütte) erklärt.
    Hast Recht, genau das steht unten auf der Karte. So ergibt das Ganze natürlich Sinn. Dass ich mit ihr trotzdem letzten Endes gut zurechgekommen bin, spricht ja eher für die Qualität der alten Karten als dagegen.

    Wer in der Region unterwegs ist und in den Hütten übernachtet, dem empfehle ich in einer ruhigen Minute mal in den dort teilweise vorhandenen Büchern von Hans Prestbakmo zu lesen. Viele der Informationen in meinem Hinterkopf habe ich aus seinen Büchern.
    Danke für den Tipp. Von Hans Prestbakmo gibt es übrigens auch ein neueres Buch, wo es um die Rentierhaltung in Indre Troms über drei Jahrhunderte geht. Sieht sehr interessant aus: https://www.norli.no/bardu-og-malselv

  15. Erfahren
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #35
    08. September: Ein Traber und andere Helden der Landstraße

    Wieder eine wunderbar kühle, klare Nacht. Richtig gemütlich finde ich den Schlafsack erst, wenn ich ihn ganz zumachen kann ohne nach zehn Minuten zu schwitzen, wenn er sich anfühlt wie ein Teil von mir, ein wärmendes Fell. Wieder wache ich gegen fünf auf und mache mich nach einem kurzen Gang nach draußen ans Kaffeekochen. Das Thermometer zeigt 0°C, es ist windstill, und die Heidelbeerpflanzen hängen voll von Tautropfen, genauso wie das Zelt. Könnte ein netter Tag werden. Heute stehen ungefähr zwanzig Straßenkilometer auf dem Plan, die ich flott hinter mich bringen möchte. Bevor ich die Målselva erreiche, kann ich dann nach Westen abbiegen und an diesem Fluss entlanglaufen. Also los, erst mal hinunter zur Straße.


    Divielva

    Kurz nach halb sieben ist es hier still und friedlich. Die Sonne wird noch eine Weile brauchen, bis sie über die von Nebelschwaden eingehüllten Berge kommt. Am Anfang macht es sogar richtig Spaß, einfach in die Landschaft gucken ohne auf die Füße zu achten. Die ersten Kilometer auf der Straße genieße ich immer, besonders wenn es so ruhig ist wie hier. Ein einziges Auto kommt mir entgegen. Und dann ein Mensch, der sich rasch nähert. Es ist ein ziemlich großer junger Bursche mit vor den Bauch gehängtem Gewehr, anscheinend als Gegengewicht zum Marschgepäck auf dem Rücken. Ah, ein Soldat, denke ich, was macht der hier so alleine, früh am Morgen? Ich würde ihn das gerne fragen, und ob er den ganzen Weg von der Kaserne in Øverbygd bis hierher gelaufen ist, immerhin ist es gerade erst acht Uhr. Aber er hat keine Zeit zum Anhalten, sondern grüßt nur freundlich. So muss ich mit wieder mal meine eigenen Gedanken machen. Die Waffe sah merkwürdig aus, allerdings bin ich da nun wahrlich kein Experte. Und war das Grün seiner Uniform nicht etwas zu hell? Meine Gedanken kreiseln noch eine Weile um die seltsame Erscheinung, während ich weiter auf meiner einsamen Straße nach Norden laufe. Vielleicht schreibe ich mal eine kleine Geschichte über den fremden Soldaten im Dividal. Wenn er überhaupt ein Soldat war.

    Nach gut zwei Stunden und zehn Kilometern auf der Straße erreiche ich den Abzweig, der laut Karte zu einer Brücke führt. Jetzt bräuchte ich einen netten Platz für die Frühstückspause und biege ab zum Fluss. Nach vielleicht dreihundert Metern sehe ich die Holzbrücke. Auf der anderen Seite scheint es eine Art Unterstand zu geben, bestimmt für Angler. Den will ich mal begutachten. Direkt dahinter steht eine winzige Hütte auf Rädern. Da sie nicht abgeschlossen ist, werfe ich einen Blick hinein. Voll ausgestattet mit Ofen, Bett und Allem. Sieht privat aus, aber wenn ich meine Stiefel ausziehe, darf ich hier bestimmt meinen Kaffee kochen, denn inzwischen weht ein kühler Wind. Und davor kann ich das Zelt trocknen, ganz perfekt. Als das Zelt steht, höre ich auf der Straße das scharfe Klacken von Pferdehufen in schnellem Zweitakt. Ein Traber, was macht der denn hier? Bald donnert er in einem Affenzahn über die Brücke, auf dem Sulky (oder sagt man im Sulky?) eine junge Frau. Diese zackige Präzision macht zwar irgendwie was her, aber so ganz leuchtet mir nicht ein, warum man freiwillig auf Rädern den Pferdehintern anstarrt, anstatt stolz im Sattel durchs Gelände zu reiten. Na, jeder nach seinem Geschmack.


    Divielva

    Schön isses hier jedenfalls. Vor dem Anglerunterstand kann man prima auf Steinplatten in der Sonne sitzen und die Gedanken mit dem Fluss talabwärts treiben lassen. Hier und heute ist das genau meine Vorstellung von Luxus. Sonne, Wasser, eine Sitzstufe und noch so viel Spiritus in der Flasche, dass ich mir einen zweiten Kaffee leisten kann. Tack-tack-Tack-tack-Tack-tack, da kommt wieder der Traber, aus derselben Richtung. Alle Achtung, nach der Karte ist das eine Runde von bestimmt zwanzig Kilometern! Daran sollte ich mir ein Beispiel nehmen und allmählich zusammenpacken.

    Inzwischen sind schon ein paar wenige Autos unterwegs, aber es bleibt erträglich. Kurz denke ich darüber nach, ein Stück per Anhalter zu fahren, das würde mir zwei Stunden auf der Straße ersparen. Andererseits habe ich reichlich Zeit, und das Wetter bleibt sonnig, da kann ich genauso gut laufen. Eine ganze Weile geht es noch am Fluss und ein paar Bauernhöfen entlang, dann steigt die Straße an zum Diviåsen.




    Ryplarstjønna

    Eine richtige Mittagspause brauche ich heute nicht, es reicht völlig aus, wenn ich mich neben der Straße für zwanzig Minuten in die Beerenheide setze und ein paar Kekse knabbere. Danach laufe ich noch bis zum nächsten Abzweig nach Westen, denn ich will ja an der Målselva entlang, wo es hoffentlich gute Zeltmöglichkeiten gibt. Hinter einem kleinen Wohngebiet beginnt ein Schotterweg, der zuerst vielversprechend aussieht, dann aber nach Süden schwenkt. Also zurück zum letzten Abzweig. Eigentlich sollte es einen Pfad direkt am Fluss geben, dann kann ich mich doch genauso gut bis zum Ufer durchs Unterholz schlagen und danach suchen, statt einen Weg nach dem anderen auszuprobieren. Die Karte ist hier wieder mal nicht sehr hilfreich.


    Målselva



    Der Fluss teilt sich hier in mehrere Arme, bildet Inseln, fließt wieder zusammen. Breite Sand- und Kiesstreifen an den Ufern erinnern noch an den trockenen Sommer. Bald finde ich auch den Pfad und halte langsam Ausschau nach einem Übernachtungsplatz. Dabei darf ich mir Zeit lassen und auch mal ein Stück auf den Kiesbänken laufen, es ist ja noch früh am Nachmittag. Als ich zwei Spaziergängerinnen treffe, kann ich auch schon eine Wiese erkennen, die den ersten Hof und die nahe Straße ankündigt. So weit wollte ich eigentlich gar nicht gehen. Schnell ist ein guter Platz gefunden und das Zelt aufgebaut. Nach der Waschaktion studiere ich erst mal meine gesammelten Fahrpläne. Weil vor der Abreise noch nicht klar war, wo ich herauskommen würde, habe ich etliche Busfahrpläne auf Verdacht ausgedruckt, zurechtgeschnitten und zu einem Heftchen geklammert. Hoffentlich sind die richtigen dabei. Nach einigem Drehen und Wenden finde ich nur eine einzige vernünftige Verbindung für Sonntag nach Finnsnes, nämlich um 17:03 Uhr ab Øverbygd. Ist mir recht, dann habe ich morgen den verdienten Ruhetag.


    09. September: Von Indre Troms nach Senja

    Den Morgen lasse ich sehr ruhig angehen und bleibe nach dem Aufwachen so lange liegen, wie die Natur mich lässt. Als der Gang nach Draußen dann unaufschiebbar wird und ich den Zelteingang öffne, begrüßt mich stumm eine Sperbereule, das heißt sie sitzt ganz nah auf einem Ast uns starrt mich an. Deutlich sind die langen Schwanzfedern zu erkennen. Wie auf einem Kugellager dreht sie den Kopf um fast 180°, dann breitet sie die Flügel aus und fliegt völlig geräuschlos zu einem anderen Baum. Was für ein schöner Anblick, das kann ja nur ein guter Tag werden. Vielleicht lässt sie sich noch länger beobachten, ich glaube Sperbereulen sind tagaktiv. Aber nach einer Weile sehe ich sie nicht mehr, da kann ich genauso gut mit dem Kaffeekochen beginnen und die kümmerlichen Reste meines Müslis rauskramen. Anschließend schaue ich mal meine Senja-Karten an, denn spätestens heute Abend sollte ich mir darüber klar sein, was ich an den restlichen fünf vollen Tagen machen möchte.

    Erst kurz vor zwölf packe ich träge mein Zeug zusammen und gehe das kurze Stück bis zum Hof Skjerhaug, wo die Straße beginnt. Da sitzt auf einem Kiefernzweig wieder unbeweglich meine Sperbereule. Fast scheint es, als wolle sie mich verabschieden. Zum ersten Mal ärgere ich mich, dass ich aus Gewichtsgründen wieder nur mein 23mm-Objektiv mitgenommen habe. So schieße ich denn ein Abschiedsfoto und nehme mir vor, bei der nächsten Tour nicht mehr so knickerig mit der Fotoausrüstung zu sein.


    Finde die Sperbereule


    Ausschnitt


    Skjerhaug


    Målselva, Blick nach Süden...


    ... und nach Norden

    Auch heute ist wieder ein wolkenloser Spätsommertag, der einfach nur gute Laune macht. Gemächlich laufe ich die drei Kilometer bis zur Brücke über die Målselva und dann noch mal so viel auf dem Rv87 nach Øverbygd. Wie überall in so kleinen Orten pulsiert das Leben an der Tankstelle, die auch mich magisch anzieht. Nach zehn Tagen Rucksackverpflegung betrete ich sie mit leuchtenden Augen, kann mich aber so weit unter Kontrolle halten, dass ich zuerst eine Flasche Spiritus abgreife. Dann schaue ich mich um, was mich am meisten anmacht und bleibe wieder mal an den Rosinenbrötchen kleben. Mit denen und einem Kaffee setze ich mich auf eine der Picknickbänke nahe der Bushaltestelle und breite meine gestern gewaschenen Sachen aus. Wäre gut, wenn ich die für die Busfahrt trocken einpacken könnte.







    Weil es noch ziemlich früh ist, laufe ich anschließend eine Runde zum waldigen Ufer der Målselva, wo die zwei Stunden bis zur Busabfahrt doch etwas netter herumzubringen sind als an der Straße. Dabei fällt mir ein, dass ich vielleicht noch etwas Bargeld abheben sollte und es auch nicht schaden kann, für morgen früh ein Päckchen Lefse in Reserve zu haben, werden die Rosinenbrötchen diesen Tag doch ganz sicher nicht überleben. Also noch mal zur Tankstelle und zur Bank, dann sollte ich langsam zur Haltestelle gehen. Der Bus kommt allerdings mit zehn Minuten Verspätung. Als wir endlich die Kreuzung Buktamoen erreichen, warten schon alle Anschlussbusse, zum Glück auch meiner nach Finnsnes.

    Momentan habe ich noch keinen Plan, wo ich übernachten werde, aber immerhin habe ich schon beschlossen, dass ich morgen um 12:45 Uhr den Bus Richtung Torsken nehme und nahe der Senjabu aussteige. Mit so viel Zeit könnte ich mir doch einen richtig guten Platz suchen. Gegen viertel vor sieben sind wir in Finnsnes, wo es ein schickes neues Schnellbootterminal mit Kiosk gibt. Für mich ist es jedenfalls neu, und auch sonst habe ich Finnsnes ganz anders in Erinnerung, es wird viel gebaut. Am Kiosk erstehe ich ein Roggenbrötchen mit Käse fürs Abendessen, fülle den Wassersack und mache mich dann auf den Weg zur Gisundbrücke, die Senja mit dem Festland verbindet.


    Erster Blick hinüber nach Senja


    Gisundbrua



    Was für ein herrlicher Abend! Genau zum Sonnenuntergang laufe ich über die 41m hohe Brücke nach Silsand hinein und auf kürzestem Wege den Hang hoch. Hinter den letzten Häusern beginnt direkt ein sehr schönes, durch kleine Hügel und Moore aufgelockertes Waldgebiet, das von unzähligen Pfaden durchzogen ist. Hier habe ich zwar in der Dämmerung ziemlich bald vollkommen die Orientierung verloren, finde aber den perfekten Platz für die Nacht. Eine gemütliche kleine Lichtung inmitten von Birken und Kiefern, die Geräusche der Stadt dringen nur noch gedämpft hierher. Nach der Katzenwäsche ist es schon ganz dunkel. Während sich wohlige Müdigkeit ausbreitet, lasse ich mir mein Roggenbrötchen schmecken und suche nicht mal mehr nach der Lampe.

  16. Erfahren
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    #36
    10. September: Spätsommer auf der Abenteuerinsel

    In der ersten Nacht auf Senja konnte ich hervorragend schlafen und fühle mich fit für die Wanderung, die vor mir liegt. Schon früh scheint die Sonne aufs Zelt, da würde ich am liebsten sofort loslaufen. Warum fährt dieser blöde Bus erst mittags? So eine Verschwendung von herrlichsten Spätsommerstunden! Na ja, das ist nicht zu ändern, vielleicht kann ich vorher in Finnsnes noch irgendwas angucken. Erst mal Frühstück, Lefse und Kaffee, danach schreibe ich einen Einkaufszettel. Bis auf Milchpulver brauche ich so ziemlich alles, Müsli, Kaffee, Haferkekse, Vollkornkekse, ein Stück Käse und Abendessen für vier Tage, am besten ein Brot und Würstchen. Hauptsache keine Nudeln mehr.


    Mein lauschiges Plätzchen hinter Silsand

    Erst als ich aufbreche wird mir so richtig klar, dass ich wirklich keine Ahnung habe, wo genau ich gezeltet habe und wie lange ich gestern Abend noch in den Wald gelaufen bin. Kann aber nicht ganz verkehrt sein, einem Pfad nach Süden zu folgen. Das denke ich jedenfalls so lange, bis ich auf einen kleinen See treffe. Nee, das ist falsch, da bin ich ja viel zu weit nach Westen abgedriftet. Was aber meiner guten Laune keinen Abbruch tut, dann gehe ich halt hier hinunter zur Hauptstraße und einen längeren Weg zur Brücke. Zeit hab ich schließlich mehr als genug.





    Ich muss es einfach noch mal sagen: Was für ein hammergeiles Wetter! Schon eine Woche fast durchgehend kühl und sonnig, so viel Glück hätte ich mir nie erträumt. Äußerst beschwingt gehe ich über die Brücke zurück nach Finnsnes und dahinter gleich in den ersten Supermarkt, einen riesigen Eurospar. Zwei Äpfel brauche ich natürlich, die stehen nicht auf der Liste. Als ich später schwer beladen mit neuen Schätzen am Schnellboothafen ankomme, legt gerade das Hurtigrutenschiff ab. Wieder mal stelle ich fest, dass mich das organisierte Reisen kein bisschen reizt, ich bin viel lieber zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs.


    Finnsnes Kai

    Nachdem alle Nahrungsmittel ordnungsgemäß verstaut sind, sitze ich noch mit einem Kaffee vom Kiosk am Kai, rauche eine und lasse mir die Sonne auf den Pelz brennen. Noch einmal darf ich das unbeschreiblich gute Gefühl genießen, zu einer Tour aufzubrechen. Heute bin ich auch wesentlich entspannter als vor elf Tagen in Narvik, als ich mich kränklich fühlte und alles ziemlich ungewiss aussah. Ich hab sogar einen richtigen Plan für die nächsten Tage! Von der Senjabu will ich auf dem markierten Pfad (Senja på langs, Etappe B bis D) nach Olaheimen gehen, einfachste Variante, keine Experimente. Nur noch entspannt durch schöne Landschaft laufen. Was kann da schon passieren? Man hat Norwegens zweitgrößter Insel zwar den Beinamen "Eventyrøya" (Abenteuerinsel) verpasst, aber ich hoffe trotzdem darauf, dass sich die Abenteuer während meiner kleinen Wanderung in Grenzen halten.

    Dem Busfahrer sage ich, dass er mich bitte nahe der Senjabu rauslassen soll, dann kann ich mich zurücklehnen und an meinem leckeren Apfel knabbern. Die Hütte steht irgendwo zwischen Svanelvmoen und Straumsbotn, das sind ungefähr 35 Minuten Fahrt. Als der Bus für einige Zeit am Rand eines breiten Tals entlanggefahren ist, müsste es bald soweit sein, denke ich. Aber da geht es schon hinunter ins Quertal. Mist, wir sind vorbeigefahren. Ich rufe dem Busfahrer zu, dass er bitte anhalten soll, und da erinnert er sich auch und lacht entschuldigend. Ist ja nicht schlimm, ich kann genauso gut von der Heggelva aus ins Tromdal kommen, da gibt es laut Karte auch einen Pfad. Nach einem kurzen Stück auf der Straße zweigt hier tatsächlich der markierte Pfad ab, hier steht sogar eine Tafel mit Übersichtskarte.


    Heggelva führt auch nur sehr wenig Wasser



    Zum ersten Mal in diesem Urlaub ist mir wirklich zu warm, und so wechsele ich hinter der Brücke über die Heggelva in die kurze Hose und mache mich startklar. Nach meiner Karte, der Turkart Senja Nord, sollte der Pfad nach links abbiegen und unten im Tromdal verlaufen (das auf der Infotafel übrigens "Trondalen" genannt wird), aber das tut er nicht. Die Markierungen und der schwach sichtbare Pfad führen eindeutig den Hang hinauf. Schön, dann sehe ich wenigstens mehr von der Landschaft, irgendwo wird er wieder ins Tal gehen. Nach nicht mal hundert Höhenmetern bietet sich schon ein toller Ausblick über den Staumsbotn bis zum offenen Meer in der Ferne. Hat sich gelohnt, den Pfad hierher zu verlegen. Und die Aussicht wird immer besser.


    Straumsbotn









    Der Pfad ist nicht überall gut zu erkennen, an manchen Stellen muss ich erst mal die nächste Markierung suchen, teil sind es Steinmännchen, teils gelbe Kunststoffstäbe in sehr unregelmäßigen Abständen. Der jetzt wieder deutlich schwerere Rucksack macht sich auch bemerkbar, und so komme ich langsamer voran als gedacht. Dabei läuft mir in der prallen Sonne der Schweiß in dünnen Rinnsalen über die Stirn. Erst gegen viertel nach drei erreiche ich hoch über dem Tromdal einen Bach, der von der Spekelvaksla herunterfließt. Gute Gelegenheit zum Waschen und außerdem ein traumhafter Pausenplatz, den ich mir nicht entgehen lasse.



    Allmählich ziehen mehr Wolken über den Himmel, aber es weht nur ein schwacher Wind. Wahrscheinlich hat es nicht viel mehr als 15°C, die mir richtig sommerlich erscheinen. Ganz perfekt, wärmer brauche ich es sowieso nicht. Nach einer guten Stunde laufe ich weiter am Hang der Spekelvaksla entlang, dann führt der Pfad hinunter ins Tromdal. Dabei treffe ich drei Jäger, die auch wieder nur kurz grüßen. Man scheint in Troms nicht sonderlich gesprächig zu sein. Das Tal ist hier so schmal, dass es gegen 17:00 Uhr schon zum Großteil von den Bergen beschattet wird.











    Hatten die Birken bisher wenigstens noch ein paar wenige Blätter, so fallen hier immer mehr vollkommen kahle Bäume auf. Sehr wahrscheinlich das Werk des Birkenspanners. Plötzlich wirkt das Licht und die Landschaft ganz anders als noch vor einer halben Stunde, eher wie ein Nachmittag im Oktober. Ganz oben weitet sich das Tal etwas und geht sanft in das Leirdal über.



    Der Pfad sollte jetzt eigentlich nach Süden schwenken und etwa auf halber Höhe den Hang entlangführen. Vielleicht tut er das auch, aber da habe ich ihn schon verloren. Entweder sind die Markierungen zu spärlich oder ich bin zu unaufmerksam, jedenfalls merke ich bald, dass ich auf einem Tierpfad laufe, der allmählich ins Tal hinuntergeht. Statt umzukehren und den richtigen Pfad zu suchen, korrigiere ich den Kurs und gewinne langsam wieder an Höhe. Was sich an dem steinigen, bewaldeten Hang voller Stolperfallen als recht anstrengend erweist. Vermutlich umgeht der Pfad nicht ganz zufällig dieses unangenehme Gelände weiter oben. Bis zum Bach aus dem Leirskard kämpfe ich mich durch und beschließe denn, dass es für heute reicht. Wenn auch der Name dieses Quertals nicht ganz zufällig gewählt wurde (Leir heißt "Lager"), dann muss es hier irgendwo einen guten Lagerplatz geben.

    Also steige ich am Bach hoch und treffe dabei auf eine Markierung, ich war tatsächlich nur wenige Höhenmeter unter dem Pfad. Zum Zelten ist es hier immer noch viel zu uneben. Als der Hang weiter oben abflacht, schlägt mir plötzlich kräftiger Wind entgegen. Den Gedanken, direkt am See Leirskardvatn zu zelten, lasse ich wieder fallen und suche mir lieber einen halbwegs windgeschützten Platz mit weiter Aussicht über das Leirdal. Als das Zelt steht, ist es schon ziemlich spät, aber ich will noch gründlich sauber werden und meine total durchgeschwitzte Wäsche waschen. Selbst hier am Leehang zerrt der Wind noch ganz ordentlich an den Zeltleinen und verbreitet in der Dämmerung eine wilde, fast ein bisschen unheimliche Atmosphäre. Trotzdem ist es mit 12°C der bisher wärmste Abend. Ich kontrolliere noch mal die Heringe und richte mich auf eine ungemütliche Nacht ein.

  17. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #37
    11. September: Zwei Drittel Abwettern

    In dieser windigen Nacht schlafe ich kaum. Es ist nicht die Sorge um mein Zelt, die mich umtreibt, das steht bombensicher und hat schon ganz anderen Windgeschwindigkeiten standgehalten. Trotzdem kann ich mich nicht so recht entspannen, ein Teil von mir bleibt immer wachsam. So wälze ich mich nur stundenlang bei offenem Schlafsack hin und her, erst in den frühen Morgenstunden bekomme ich ein bisschen Schlaf, höchstens zwei Stunden. Um viertel nach sechs mache ich mich ziemlich groggy ans Kaffeekochen und packe danach sofort zusammen. Als endlich sogar das im Wind flatternde Zelt gebändigt ist, gehe ich gegen viertel nach sieben hinunter zum Pfad. Abgesehen davon sieht das Wetter gar nicht mal so unfreundlich aus, die Wolken ziehen schnell über den Himmel, reißen kurz auf um einen Flecken Blau zu zeigen und schließen sich wieder. Nicht auszumachen, wie es sich entwickelt.


    Ostervatnet im Leirdal



    Hoch über dem Leirdal wendet sich der Pfad bald nach Süden, dann nach Südosten und führt über einen flachen Pass hinunter zum Langdalsvatn. Dank dieser Kehre habe ich den Wind jetzt direkt von vorne. Der bläst zwar nicht mehr so stark wie in der Nacht, treibt aber munter ein paar Regentropfen vor sich her. Ohne weiter nachzudenken oder in die Karte zu gucken, folge ich einem schwach sichtbaren Pfad zum linken, nördlichen Seeufer, wundere mich aber hinter dem ersten kleinen Geröllfeld, dass es überhaupt keine Markierungen mehr gibt. Das andere Ufer sieht noch steiniger aus, da wird er doch nicht langgehen, oder? Ein Blick auf die Karte klärt meinen Irrtum auf. Doch, genau da ist er eingezeichnet. Also wieder zurück, bis ich auf die Markierungen treffe.


    Langdalsvatnet

    Die Route über das grobe Geröll ist dann zum Glück wieder hervorragend markiert, und die Steine sind auch noch halbwegs trocken, so dass ich gut vorankomme. Auf halber Länge des Sees wechsele ich allerdings in die Regenklamotten, was immer etwas nervt, weil ich für die Regenhose die Schuhe ausziehen muss. Schließlich komme ich bei zunehmendem Regen hinunter ins Kaperdal und nähere mich der Straße. Halb zehn, Zeit für die Frühstückspause. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, dass ich früher selbst in strömendem Regen Pause gemacht habe, ohne das Zelt aufzubauen. Dabei ist doch nichts schöner, als sich zwischendurch ins Trockene zurückzuziehen und zum Weitergehen eine Regenpause abzuwarten.

    Wenn der Regen denn überhaupt eine Pause einlegt. Heute sieht das schlecht aus. Als es nur noch nieselt, packe ich zusammen, aber der Regen hat nur Kraft gesammelt, um gleich wieder richtig loszulegen. Da warte ich lieber noch ein Weilchen. Für den steilen Aufstieg zum Pass unter dem Istind hätte ich lieber trockenes Wetter. Außerdem habe ich genügend Tage übrig, ich muss nichts überstürzen. So vergehen die Stunden, ohne dass der Regen nachlässt. Ich lese ein bisschen, koche einen zweiten Kaffee und nehme ein bescheidenes Mittagessen ein.

    Den Tag kann ich abschreiben. Am Nachmittag packe ich ein weiteres Mal zusammen, allerdings nur, um mir einen besseren Platz am Bumannsvatn zu suchen. Wenn ich hier schon die Nacht verbringen muss, dann wenigstens nicht so nah an der Straße. Nach einer Weile stelle ich missmutig fest, dass es hier kaum brauchbare Stellen gibt, finde dann doch eine passende und gehe gleich zum Waschen an den See. Vielleicht brauchte ich nur ein bisschen Anregung für den Kreislauf, jedenfalls bessert sich meine Laune im kalten Wasser erheblich. Wie zur Bekräftigung hört der Regen gegen halb sieben auf und blauer Himmel kommt zum Vorschein.


    12. September: Kontrastenes rike - im Nationalpark Ånderdalen

    Trotz des verdödelten Nachmittags gestern habe ich ausgezeichnet geschlafen. Als ich um fünf Uhr aus dem Zelt krieche, begrüßt mich ein frostig klarer Morgen, blauer Himmel, -1°C. Bei dem Anblick bin ich sofort hellwach und unternehmungslustig. Kurz denke ich sogar darüber nach, den Morgenkaffee auszulassen, aber dann ist der Gedanke an ein duftendes Heißgetränk doch zu verlockend. So packe ich erst um sechs zusammen und bin eine gute halbe Stunde später unterwegs zur Straße. Aus Gewohnheit folge ich den Markierungen, die erst mal für eine Weile durch nasse Sträucher und Gras parallel zur Straße verlaufen, nur wesentlich unebener als diese. Besser wäre gewesen, bis kurz vor dem Kaperskardtunnel auf der Straße zu bleiben und erst direkt vor dem Aufstieg zum Pfad zu wechseln. Egal, heute ist mein Tag, ich bin fit und fühle mich richtig gut.


    Kaperskardtunnel, links davon geht es hoch

    Mittlerweile ist auch die Sonne über den Berg, da wird mir schnell zu warm, so dick eingemummelt, wie ich losgegangen bin. Nach den ersten steilen Höhenmetern muss ich kurz den Rucksack absetzen, um Handschuhe, Mütze und Jacke loszuwerden. Spiegelglatt liegt der Bumannsvatn zu meinen Füßen, es ist wirklich absolut windstill. Ohne viel Federlesens führt der Pfad in direkter Linie auf den Pass zwischen Istind und Kaperfjell zu. Anfangs ist das Gelände noch einfach, es gibt nur wenige steinige Stellen, und ich komme besser voran als erwartet. Allein wegen der herrlichen Aussicht bin ich froh, dass ich hier nicht gestern im Regen hochgegangen bin. Immer ein schönes Gefühl, wenn der Schweinehund (oder die Faulheit (oder die Wasserscheu)) im Nachhinein eine glorreiche Rechtfertigung erfährt, auf dass man sie im Reisebericht als weise Entscheidung darstellen kann.









    Während der letzten hundert Höhenmeter vor der Passhöhe nehme ich allerdings jede ironische Bemerkung über meinen gloriosen Schweinehund wieder zurück. Den steilen Anstieg durch ein Blockfeld hätte ich im Regen tatsächlich nicht gewagt, ich kann jedem empfehlen, diese Etappe nur bei schönem Wetter in Angriff zu nehmen. Obwohl der Hang noch im Schatten liegt, komme ich mächtig ins Schwitzen und überlege mir jeden Schritt genau. Als der Hang endlich zum Pass hin abflacht, das höchste Steinmännchen und das Nationalparkschild schon in Sicht, wird es besser, hier kann man einfach von Stein zu Stein treten.


    Pass am Istind - geschafft!


    Blick zurück. Von der schwierigsten Stelle direkt darunter gibt es leider kein Bild, da hatte ich nur den nächsten Schritt im Kopf.

    Um den erfolgreichen Aufstieg zu feiern, krame ich einen der letzten Müsliriegel aus dem Rucksack, gönne mir eine halbe Multivitamin-Brausetablette in der Wasserflasche, setze mich auf einen Felsvorsprung und genieße ein letztes Mal den Blick zurück nach Norden. Trotz Sonne ist es hier oben recht frisch, deshalb bleibe ich nicht allzu lang. Jetzt bin ich also im Ånderdalen Nationalpark, der schon 1970 eingerichtet wurde, um einen Teil der Küstenlandschaft mit ihren alten Kiefernwäldern, Mooren und Granitbergen zu schützen. Reich der Kontraste, der dritte Nationalpark, den ich auf meiner Tour durch Troms besuche. Von hier sieht man natürlich noch keine Wälder, sondern erst mal nur Fels nach allen Richtungen.




    Blick nach Südwesten, da geht es hinunter


    Kaperfjellet

    Ab hier leiten die roten Kleckse in eine steinige Senke unterhalb des Istind. Eigentlich war ich schon darauf vorbereitet, erst viel weiter unten wieder fließendes Wasser zu finden, aber ich habe Glück. Ein kleines Schneefeld liefert genügend Schmelzwasser für ein winziges Bächlein. Dann kann ich genauso gut hier die Frühstückspause einläuten und das klitschnasse Zelt trocknen. Die sonnigen Bilder täuschen ein bisschen, was die Temperatur angeht, denn ohne Zelt wäre es immer noch deutlich zu kühl für eine längere Pause.



    Anderthalb Stunden später laufe ich weiter durch steiniges Gelände nach Süden. Die Route ist zwar gut markiert, nur sind die Steinmännchen gegen die Sonne kaum erkennbar. Oft suche ich eine ganze Weile nach dem nächsten, um dann festzustellen, dass es keine 20 Meter entfernt ist. Na, wenn das mein einziges Problem ist, soll es mir recht sein. Erstaunlich viele kleine Senken und Hügel drosseln bis zum Abstieg zu einem See unter dem Tverrfjell mein Tempo, alles nicht schwierig, aber zeitraubend.


    Blick auf die Lendepolltindan in der Ferne








    Tverrfjellet, hier beginnt der Abstieg

    Für kurze Zeit geht es unter dem Tverrfjell sehr angenehm über Wiesen und Zwergstrauchheide, danach wird es spannend. Die Karte bietet zwei Varianten zur Auswahl, um von hier zum Kapervatnet zu gelangen. Die markierte Route soll demnach auf halber Höhe den steilen Hang entlangführen, um dann später mit einem kleinen Schlenker nach Westen ins Tal zu gehen, der Hang ist allerdings wirklich halsbrecherisch steil, ich kann mir gar nicht vorstellen, dass es da wirklich einfacher ist als die Alternative, nämlich gleich hier mit dem Bach zum See 244m abzusteigen. Auf der Infotafel wurde diese Variante wegen Rutschgefahr auf steilem Fels nur bei trockenem Wetter empfohlen. Also, trocken ist es, dann probiere ich das mal. Fürs erste kann ich noch den Markierungen folgen, einen Pfad gibt es allerdings nicht.


    Blick hinunter zum See 244m, dahinter ist schon das Kapervatn zu sehen





    Unterhalb einer kleinen Schlucht quert der "Pfad" den Bach, die Karte empfiehlt, rechts vom ihm abzusteigen. Zu meiner Überraschung sind hier immer noch einzelne Markierungen, die ich aber bald verliere, weil ich mich auf das Gelände konzentrieren muss. Weiter unten ist der steinige Boden nämlich dicht mit Weidenbüschen und Farn bewachsen, so dass man häufig nicht sieht, wo man hintritt. Unangenehm steil ist zwar nur ein kurzes Stück, aber trotzdem bin ich erleichtert, als der Hang zum See abflacht.




    Blick zurück - das wäre geschafft!

    Jetzt muss ich nur noch am See entlang und dann irgendwo den Abfluss queren. Das Ufer besteht zum größten Teil aus überwachsenen Geröllfeldern, stellenweise mit sperrigen Silberweiden, und so brauche ich auch hier meine Zeit und volle Konzentration. Den eingezeichneten unmarkierten Pfad habe ich schon abgeschrieben, als ich zufällig doch noch etwas finde. Zwar keinen Pfad, aber Markierungen. Das verwirrt mich jetzt. Gibt es also vielleicht nur diese eine Route und keine andere? Und hätte ich beim Abstieg nicht irgendwas davon sehen müssen? Oder lässt man uns auf dem steilen Abschnitt allein, um dann hier zwischen den Weiden rote Kleckse zu verstecken? Alles sehr merkwürdig, kann mir jetzt aber auch egal sein, das Gröbste hab ich geschafft. Ab dem Seeabfluss ist sogar eine Art Pfad erahnbar, das Gelände wird einfacher.

    Leider habe ich mir beim Abstieg eine erstaunlich große Blase mitten in der linken Handfläche zugezogen, die auch schon unbemerkt aufgeplatzt ist. So was hatte ich auch noch nicht, da hab ich mich im Eifer der Gefechts wohl zu oft von oben voll auf den Trekkingstock gestützt. Gerade beim Abstieg möchte ich die Dinger nicht missen, nur ist einer jetzt nutzlos, weil ich ihn nicht mehr richtig festhalten kann. Die Haut ist viel zu empfindlich. Auf Blasen bin ich eigentlich gar nicht vorbereitet, weil ich seit meiner allerersten Wandertour nie mehr welche hatte, weder an den Füßen noch sonstwo. Aber Heftpflaster hab ich dabei, vielleicht lässt sich damit in der Mittagspause was improvisieren. Bis zum Kapervatn laufe ich noch und suche mir dort einen gemütlichen Platz. Vor dem Essen muss ich mich erst mal eine Stunde auf die Matte knallen, abschalten, die schmerzenden Beine entlasten. Inzwischen sind mehr Wolken aufgezogen, die aber keinen Regen bringen.


    Kapervatnet, Westende

    Gegen drei Uhr bin ich soweit wiederhergestellt, dass ich weiter am Nordufer des Kapervatn entlanglaufen kann. Nur ganz selten findet sich eine ältere Markierung, und der ohnehin recht undeutliche Pfad verliert sich öfter in den nassen Senken, dazwischen schmucklos kahler Birkenwald. Von prächtigen Herbstfarben ist für ein paar Kilometer kaum etwas zu sehen. Das ändert sich erst, als der Pfad zum Seeende nach Süden schwenkt.


    Kapervatnet


    Skrubbær (Schwedischer Hartriegel)





    Als der See hinter mir liegt, steigt der Pfad zu einem Hügel an, der den Durchgang zum Ånderdal versperrt und den Abfluss in eine enge Schlucht zwängt. Hier stoße ich auf einen Pfadabzweig nach Westen, der allerdings nicht beschildert ist. Der kann ja eigentlich nur zum Kapervatn führen, aber eben zur Südseite. Vermutlich wurde die Wanderroute dorthin verlegt, was auch den vernachlässigten Zustand auf meiner Seite erklären würde. Das Rätsel werde ich heute nicht aufklären können. Ab hier ist der Pfad jedenfalls deutlich ausgetreten. Hinter der Engstelle öffnet sich der Blick zum wunderschönen Åndervatn, von Kiefernwäldern umgeben, Wolken und Berge spiegeln sich verträumt auf seiner Oberfläche. Das ist wirklich ein idyllischer See!



    Mit neuem Schwung beginne ich den teils steilen Abstieg und stehe bald zwischen Kiefern und Moor am Nordufer. Dort, wo der Pfad mit dem Ufer nach Süden schwenkt, läuft man an einem herrlichen Kiesstrand entlang, der sehr dazu einlädt, hier das Zelt aufzustellen. Das ist wirklich ein äußerst verlockender Platz. Ich habe mich zwar schon entschieden, bis zum Seeabfluss zu gehen, damit ich morgen direkt mit dem nächsten Aufstieg beginnen kann, muss mich aber hier einfach für eine Viertelstunde hinsetzen, träge in die Sonne blinzeln und ein paar Fotos machen.






    Blick zurück zum Nordufer





    Danach geht es weiter bis zur relativ neuen Hütte Ånderbu, an der man direkt vorbeikommt. Kurz davor sind durch nasse Stellen sogar luxuriöse Bohlenwege verlegt. Ich bin schon darauf vorbereitet, erst noch den Abfluss zu furten und mir auf der anderen Seite einen Platz für die Nacht zu suchen, aber das ist gar nicht nötig, denn es gibt eine Brücke. Hier hat man wirklich an nichts gespart, um dem Wanderer das Leben angenehm zu machen. Allein den Kilometerangaben auf den Wegweisern nahe der Hütte traue ich nicht, das müssen auf jeden Fall ein paar mehr gewesen sein.






    Brücke über die Ånderelva

    Die Sonne ist um kurz vor sechs schon hinter den Bergen untergegangen. Hier gibt es mehrere gute Zeltstellen zur Auswahl, die ich alle in Ruhe begutachte, bevor ich mich für eine entscheide. Was für ein abwechslungsreicher, erfüllter Tag! Beim Waschen schneide ich versehentlich mit dem Rasierer ein Stück Haut vom linken Daumen ab, wie blöd kann man eigentlich sein? Ich lasse das Blut erst mal einfach heraustropfen, bis ich mit dem Waschen fertig bin und passe dann auf, dass ich mir nicht das Zelt einsaue, während ich die Pflaster suche. Warum hört das nicht auf zu bluten? Als die Wunde versorgt ist, muss ich doch noch mit dem Lappen durchwischen.

    Meine gute Laune trübt das kaum, die restlichen zwei Tage werde ich genauso gut mit nur einem Stock wandern können. Dabei fällt mir auf, wie verschwindend wenige solcher kleinen Verletzungen ich bisher bei meinen Wandertouren hatte, diese Pflaster sind bestimmt schon zehn Jahre alt, hoffentlich kleben sie überhaupt noch einigermaßen. Später höre ich jemanden zur Gitarre singen, bestimmt ist jemand in die Hütte eingezogen. Würde er sich wohl gestört fühlen, wenn ich noch rüberginge und guten Abend sage? Wahrscheinlich nicht, aber ich lasse es trotzdem, nach dem langen Tag bin ich zum Umfallen müde.

  18. Erfahren
    Avatar von Blahake
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #38
    Sind das fantastische Landschaftsbilder!

  19. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #39
    Ich muss mich zwischendurch auch noch einmal melden.

    Tolle Landschaft und herrliche Bilder!
    Eine wirklich super Tour!

    Vielen Dank für den wunderbaren Bericht!
    Kalender *Papageitaucher 2019*
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  20. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [NO] Tour de Troms - Rohkunborri, Øvre Dividal und Ånderdalen

    #40
    Zitat Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
    Sind das fantastische Landschaftsbilder!
    Danke für die Blumen . Und schön, dass Du dabei bist.

    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Ich muss mich zwischendurch auch noch einmal melden.

    Tolle Landschaft und herrliche Bilder!
    Eine wirklich super Tour!

    Vielen Dank für den wunderbaren Bericht!
    Gern geschehen! Freut mich, dass er Dir gefällt.

    Mit dem Schreiben komme ich leider nicht so schnell voran wie ich gern hätte, danke also auch an alle für Eure Geduld!

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