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    [US] USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #1
    Mitreisende: blackteah
    Von Mitte Mai bis Mitte Juli war ich in den USA, ein bisschen roadtrippen und viel wandern. Ich bin ca 700 km gelaufen und einige tausend Kilometer gefahren. In diesem Teil geht es um die ersten vier Wochen, in denen ich teilweise mit dem Auto in Arizona & Utah unterwegs war. Im zweiten Teil geht es um meine vierwöchige Trekkingtour auf dem Pacific Crest Trail & John Muir Trail in der kalifornischen Sierra Nevada.



    Inhaltsverzeichnis:

    1. Grand Canyon (3 Tage Trekking) --> klick
    2. Monument Valley (Fototour) --> klick
    3. Bucksking Gulch (2 Tage Trekking) --> klick
    4. Escalante Region (Zebra Slot Canyon, Peek-a-boo Canyon, Spooky Gulch, Coyote Gulch) (Tageswanderungen) --> klick
    5. Bryce & Red Canyon, Snow Canyon State Park & St George (Tageswanderungen) --> klick
    6. Zion Nationalpark (Tageswanderungen) --> klick
    7. Zion Nationalpark (5 Tage Trekking) --> klick

    Die Fotospots dazwischen werde ich nicht komplett ausklammern, da das was zwischen den Wanderungen passiert ist auch zur Reise gehört :-).


    Sunrise in Monument Valley

    Es war meine erste Reise alleine und die erste Reise, in der ich Roadtrip und Wanderurlaub auf diese Art kombiniert habe. Rückblickend war sowohl das eine wie das andere super und ich würde nur ein paar wenige Dinge anders machen. Ich habe alle Wanderungen so ausgewählt, dass ich sie sicher auch allein und ohne jegliche Wüstenerfahrung machen konnte.

    Anfangs versuchte ich noch alles mit Öffentlichen Verkehrsmitteln zu planen, doch ich hätte dann Monument Valley, Buckskin Gulch, Bryce Canyon und Escalante komplett streichen müssen, also habe ich mich doch für ein Auto entschieden (für 3 Wochen – per Anhalter hab ich mich als alleinreisende Frau nicht getraut). Es war noch ein bisschen kompliziert die Strecken zu planen, da ich nicht länger als 4h am Stück fahren kann: meine Augen gehen dann von ganz allein zu, da kann ich gar nichts machen.

    So hab ich es dann umgesetzt:

    Mit Auto
    Tag 1-2: Kingman – Jetlag auskurieren, einkaufen (1:40h Fahrt)
    Tag 3-4: Grand Canyon North Rim – Tageswanderung (3:15h Fahrt)
    Tag 5-7: Grand Canyon – Trekking
    Tag 8: Fahrt Monument Valley mit Zwischenstopp am Coalmine Canyon (3:10h Fahrt)
    Tag 9: Monument Valley, Fahrt Wire Pass Trailhead mit Zwischenstopp Horseshoe Bend (3:30h Fahrt)
    Tag 10-11: Buckskin Gulch – Trekking
    Tag 12: Fahrt Escalante (3h Fahrt)
    Tag 13-14: Hole in the Rock Road – Tageswanderungen, Rückfahrt nach Escalante (2x ca. 3h Fahrt)
    Tag 15-16: Bryce Canyon – Wanderungen (1h Fahrt)
    Tag 17-19: St. George – Snow Canyon State Park Wanderung, Autorückgabe

    Ohne Auto:
    Tag 20-22: Zion Nationalpark – Tageswanderungen
    Tag 23-27: Trans Zion – Trekking
    Tag 28-29: Las Vegas – Einkaufsodyssee


    Sunrise, Grand Canyon South Rim

    Und jetzt viel Spaß beim Reisebericht
    Geändert von blackteah (04.04.2019 um 22:02 Uhr)

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    AW: USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #2
    1. Teil: Grand Canyon

    Inhalt: Anreise, 3 Tage Trekking im Grand Canyon, Weiterfahrt zum Monument Valley über Coalmine Canyon





    Die Anreise verlief problemlos. Ich war etwas nervös wegen der Einreiseprozedur (der Beamte kann einen ja einfach so abweisen), aber als ich erzählt habe „I’m here for hiking“ hat er gleich gefragt „Oh, are you going to hike the John Muir Trail?“ und ich mega begeistert, dass er das kennt, „YES!!“. Damit war das auch erledigt . Beim Mietwagen abholen hab ich mich dann mehrmals kurz hintereinander blamiert und ca. 5 Mal die falsche Abzweigung raus aus Las Vegas genommen (kein Navi), aber irgendwann bin ich dann doch endlich aus der Stadt draußen gewesen.


    „Meine“ Straße

    Die Unterkunft zu finden war dann auch nochmal ein kleines Abenteuer, die Straße verwandelte sich plötzlich ohne Vorwarnung in eine Sandpiste, es sah aus nach Hochsicherheitsgebiet (für mich Europa-gewöhnte) und Hunde haben mich hinter Zäunen beim vorbeifahren angebellt, es wurde dunkel, mein Handy funktionierte nicht mehr, Maps stürtzte ab und die Adresse war weg… Letztendlich bin ich dann aber doch bei meiner super netten Airbnb-Familie angekommen, die viele Tiere hatten. Unter anderem den liebsten Hund und den fiesesten Papagei der Welt.


    Anfangs hatte ich ein bisschen Angst vor den Hunden, völlig zu unrecht. Die kuschelbedürftigsten Tiere, die ich je gesehen habe.


    Meine Host zu mir „don’t look so afraid!“ – einfacher gesagt als getan, bei dem bösen Vieh. Es wollte danach nicht mehr von meiner Schulter, weil er meine Frühstückserdbeeren entdeckt hat, und als sie ihn dann einfach gepackt hat hat er sie böse gebissen. Später, als er mit mir allein war, ist er von seinem Stall runter und hat mich durchs Haus verfolgt. Ich hab die Flucht ergriffen und bin zum einkaufen, weil ich nicht wusste wie ich mich wehren sollte – einen Fußtritt hätte ich mich nicht getraut, weil mir davor erklärt wurde, dass er „my little Baby“ meiner Host ist und außerdem anscheinend ziemlich teuer war…

    Ich bin einen Tag dort im Nirgendwo geblieben und habe in Kingman Essen für die nächsten Zwei Wochen eingekauft und ein Resupply-Package für meinen Pacific-Crest-Section-Hike verschickt. Hätte ich gewusst, was für einen Ärger mir das bereitet, hätte ich es mal lieber bleiben gelassen…

    Dann ging es weiter zum Grand Canyon, der mich völlig von den Socken gehauen hat! Ich hab davor viel gehört und gelesen und da war vieles wie „völlig überlaufen“, „überbewertet“, „gar nicht so beeindruckend“ dabei. Völlig zu unrecht, meiner Meinung nach. Ich will gar nicht wissen, was die ersten Siedler gedacht haben, als ihre Scouts das auf ihrem Weg nach Westen entdeckt haben…

    Hier ein paar Fotoimpressionen bei Sonnenauf- und -untergang, von verschiedenen Viewpoints aus:






    Könnten das Kondore sein? Ich kenne mich leider so schlecht aus und hatte kein Zoom-Objektiv zur Hand…


    Mein absoluter Lieblingsplatz, „The Abyss“ (übrigens auch mit der besten Busansage)

    Die Busfahrer dort sind übrigens nicht so wie die Busfahrer hierzulande. Die brennen richtig für ihren Beruf und machen das mit Leidenschaft! Jede einzelne Busfahrt und jede Ansage wird mit viel Herzblut durchgesagt und mit vielen kleinen Witzen und Anekdoten gewürzt.

    Einen Tag hatte ich an der South Rim eingeplant zum Fotografieren und für eine kleine Wanderung auf dem Hermit Trail, einem schönen etwas abseits gelegenen Wanderweg, der nicht so stark ausgebaut ist wie die Wanderungen im Main Corridor (Bright Angel Trail & South Kaibab Trail). Es gab unheimlich viele schöne Eidechsen zu bestaunen, blühende Kakteen und andere Blumen und natürlich den Grand Canyon. Leider ist nach 10 min mein Kameraakku leer gewesen und ich hatte natürlich kein Ersatz dabei, deswegen gibt es nur ein paar schlechte Handyfotos.


    Der Hermit Trail verläuft zumeist als Pfad


    Eine etwas größere Eidechse auf dem Weg

    Ich empfand beim bergabgehen die Hitze eher als angenehm, hoch wurde es dann schon recht anstrengend, aber alles machbar. Ich bin aber auch nur 5 km und 400 hm in den Canyon reingelaufen.

    Langsam komme ich auch besser ins englische rein, anfangs hab ich noch alles im Kopf übersetzt und bin öfter mal durcheinander gekommen, jetzt kann ich schon einfach drauf los labern ;).

    Nachdem ich am nächsten Morgen erstmal noch eine kleine Sunrise-Fotosession gemacht und mich am Telefon für die nächsten Tage von meinem Freund verabschiedet habe, startet endlich meine Trekkingtour durch den Grand Canyon.



    Mein Traum war eine Rim-to-Rim-Wanderung von Süd nach Nord, doch leider habe ich kein Permit für den Cottonwood Campground bekommen – und die Etappe River to North Rim habe ich mir an einem Stück nicht zugetraut. Mein erstes Permit bekam ich für den Indian Garden Campground und mein zweites für den Bright Angel Campground. Also bin ich am South Kaibab Trailhead gestartet, über den Tonto Trail zum Fluss und über den Bright Angel Trail wieder zurück gelaufen. Dadurch bin ich fast alle Trails des südlichen Main Corridors abgelaufen.


    1. Tag, 19.05.2018

    South Kaibab Trailhead – Tonto Trail – Indian Garden Campground

    Unterwegs:
    9:30 am – 4 pm
    15 km, 200m hoch, 1200m runter

    Der Wecker klingelt um 4:30 am. Uähh! Ich fahre zum Mather Point für ein paar Sunrise Fotos und sehe nochmal ein paar süße Hirsche. Bis ich mit meinem Freund telefoniere, alles packe, herrichte und mit dem Bus zum Trailhead fahre ist es bereits halb 10.


    Awwww!

    Im Bus treffe ich Lu, eine 71 jährige Chilenin die seit 50 Jahren in den USA lebt. Sie ist sehr nett und superfit, da sie die ganze Zeit wandert. Total beeindruckend. Sie schwört auf Merinowolle und Rucksäcke mit gutem Tragesystem und redet ganz gern über Ausrüstung. Wir quatschen den ganzen Weg zusammen und ich bin froh, sie getroffen zu haben. Es ist das erste Mal dass ich die unkomplizierte Art der Amis erlebe, um Weggefährten zu rekrutieren: Ich sitze neben ihr im Bus, sie zeigt auf meinen Rucksack und fragt „are you staying overnight?“ – und schon hat man seinen Wanderpartner.


    Der fertig gepackte Rucksack


    Lu ist zwar schon über 70, hat mir aber an Coolness einiges Voraus

    Der South Kaibab Trail ist sehr gut ausgebaut und besucht und führt in engen Serpentinen bergab. Wir laufen die ganze Zeit in der Sonne, Trinkwasserstellen gibt es keine. Immer wieder öffnen sich tolle neue Blicke in den Canyon zu allen Seiten. Der Trail ist sehr gut ausgebaut und recht breit, allerdings vor allem am Anfang recht steil. Ein paar Jungs in Sneakern vor uns rutschen immer wieder auf dem sandigen Boden aus und landen auf dem Hosenboden.


    In steilen Serpentinen geht es in den Canyon


    Die Aussicht vom Ooh Aah Point


    Die Rimkante wandert langsam immer weiter nach oben


    Blick aufs Tonto Plateau und den Colorado


    Im Canyon wohnen viele süße Erdhörnchen (Groundsquirrels), die aber recht gefährlich sind. Viele Leute füttern sie, die Squirrels werden zahm. Bisse von ihnen gehören zu den gefährlichsten Verletzungen im Grand Canyon.


    Wir verscheuchen sie bei unserer Pause am Skeleton Point immer wieder von unseren Rucksäcken…


    Von Lu kann ich beim posen noch was lernen



    Da wir uns so gut unterhalten kommen wir nicht so schnell vorwärts und es ist bereits Nachmittags, als wir am Tipoff ankommen, der Punkt, an dem der Tonto Trail den South Kaibab Trail kreuzt. Wir tauschen Mailadressen aus und verabschieden uns, da Lu heute im Bright Angel Campground schläft.

    Der Tonto Trail verläuft als kleiner Trampelpfad auf dem Tonto Plateau entlang, ist zum wandern viel schöner als der ausgebaute South Kaibab Trail und punktet mit tollen Ausblicken. Ich treffe insgesamt nur zwei andere Paare auf dem Abschnitt. Allerdings ist es hier noch viel heißer und die Hitze macht mir langsam echt zu schaffen. Als eine Wolke etwas Schatten spendet, nutze ich das gleich für eine kurze Rast.


    Der Tonto Trail ist um einiges schöner als der South Kaibab Trail, aber auch viel heißer


    Das Wasser schafft beeindruckende Nebencanyons




    Wunderschöne Kakteen blühen am Wegesrand


    Ein Fleckchen Grün im Rot und Braun weist immer auf eine kleine Wasserquelle hin


    Diese Kakteenart blüht anscheinend nur alle parr Jahre und stirbt dann ab

    Ca. bei der Hälfte zwischen Tipoff und Indian Garden umläuft man einen langen Riss mit einigen Zuläufen, in denen Schatten spendende Bäume wachsen. Ich stelle mich kurz in das Rinnsal und kühle meine Füße. Einerseits ziemlich gut aber auch etwas blöd: Bald danach fangen meine Fersen an zu schmerzen und zu scheuern und am nächsten Tag hab ich richtig fiese Blasen.

    Ich schleppe mich mittlerweile nur noch voran. Es wird immer heißer und im Schatten eines riesigen Steins halte ich nochmal kurz an. Ich habe die Hitze deutlich unterschätzt, gestern auf dem Hermit Trail hatte ich das Gefühl, dass es bergab überhaupt kein Problem ist.



    Dann, nach einer „Kurve“, kommt die Oase Indian Garden in Sicht: unglaublich! So viel Grün! Überall riesige Bäume, es ist wunderschön. Ich hatte hier nicht mit so einem großen grünen Fleck gerechnet. Allerdings muss ich noch ca. 1 Meile laufen, bis ich um ca. 16 Uhr endlich wirklich da bin.


    Indian Garden kommt in Sicht!


    Hier biege ich vom Tonto Trail auf den Bright Angel Trail ab


    Kaum auf dem Hauptweg, treffe ich sofort wieder Menschen

    An der Wasserstelle ist irre viel los und so biege ich vom Hauptweg ab, raste weg von den Massen kurz an einer Bank und bade meine Füße im Fluss. Tut das gut!


    Keine 10 m vom Hauptweg entfernt, liegt eine wunderschöne, komplett einsame kleine Oase nur für mich!

    Nach der kurzen Erholung stolpere ich direkt in einen Ranger Talk über die Wüste & die Tiere, den ich recht interessant finde. Die Rangerin erzählt, dass junge Männer mit Abstand am öftesten von Klapperschlangen gebissen werden – weil sie versuchen, die Tiere aufzuheben .

    Um 5 pm suche ich mir einen Zeltplatz und verbringe die restliche Zeit des Tages mit kochen, dem „Lagerleben“ und unterhalte mich mit meinen netten kanadischen Nachbarn. Die Zeltplätze sind recht schön gelegen, alle haben ausreichend Schatten, ein Dach und einen Picknicktisch mit Bänken sowie eine sichere Metallbox fürs Essen. Wir werden mehrfach vor den Groundsquirrels (Erdhörnchen) gewarnt, die anscheinend gelernt haben, dass Futter in Plastik verpackt ist und mittlerweile auch auf Plastik abfahren. Es wurden schon so manche Zelte durchbissen, weil die Hörnchen an Essen oder Plastik im Zelt wollten.

    Den Sonnenuntergang genieße ich von der Anhöhe über dem Klohäuschen aus, weil man hier einen wirklich tollen Ausblick hat.


    Der Zeltplatz mit „Squirrelsicherer Box“

    Sonnenuntergang vom Klohäuschenhügel aus

    Leider sind meine Oberschenkel wieder von einer (wie ich glaube) Sonnenallergie geplagt. Ich nehme also eine Allergietablette und hoffe dass es morgen besser ist, aber beim Schlafen schmerzt es immer ziemlich, wenn meine Beine mit der Luftmatratze in Kontakt kommen (also quasi dauernd…). Da auch meine Augen von der Hitze und dem Sand etwas entzündet sind, hoffe ich dass die Tabletten auch da helfen. Einmal wache ich Nachts auf, weil etwas in meinem Vorzelt an irgendwas knabbert, aber als ich laut raschel und meine Stirnlampe raushole, hat sich die Maus schon wieder verkrochen.

    Es ist auch Nachts noch sehr warm. Während es oben auf der Rim Nachts etwas über 0° hatte, nutze ich hier unten meinen Schlafsack nur als Decke und werde trotzdem knusprig braun gebacken.


    2. Tag, 20.05.2018

    Indian Garden – Plateau Point – Bright Angel Campground

    Unterwegs:
    5 am – 11 am
    14 km, 560 m hoch, 920 m runter


    Sonnenaufgang auf dem Plateau Point Trail

    Der Wecker klingelt um 4 am. Wäh!

    Die Kanadier sind auch schon wach und so packen wir quasi zusammen unser Zeug ein. Um 5:15 am laufe ich los Richtung Overlook Point und komme kurz nach Sonnenaufgang dort an. Einige Minuten nach mir treffen zwei Rim-to-Rim Jogger aus Kalifornien ein. Ich habe schon davon gehört, dass es für einige Läufer eine beliebte Herausforderung ist, den Grand Canyon joggend an einem Tag zu durchqueren. 38 km, 2900 hm hoch und 2500 hm runter, dazu die Hitze – es wäre eine Untertreibung zu behaupten, ich wäre von der Leistung beeindruckt. Die beiden wirken noch recht fit und erzählen mir, dass der High Sierra Trail der schönste Trail ist, den sie je gegangen sind.


    Rückblick nach Indian Garden und zur South Rim




    Die zwei Trailrunner machen netterweise für mich das Foto, nachdem ich bestimmt 10 Mal zu langsam für den Selbstauslöser gerannt bin

    Ich esse einen Riegel, eine Tafel Schokolade (gestern war sie noch flüssig, über Nacht ist sie zum Glück wieder fest geworden) und den Rest des gestrigen Abendessens, dann laufe ich zurück. Der Trail ist nicht so spannend und meine Füße sind von gestern ziemlich angeschlagen.

    Kurz vor Indian Garden geht es dann endlich auf den Bright Angel Trail runter Richtung Colorado. Es ist ziemlich schön und recht grün, am Fluss entlang und meist im Baumschatten. Mir kommen einige Leute mit Daypacks entgegen, was für harte Säue. Ich würde das nicht schaffen. Die sehen teilweise auch gar nicht soo fit aus… (Später erst erfahre ich, dass die alle in der Phantom Ranch ein Zimmer hatten, da braucht man dann natürlich kaum Gepäck. Ich dachte, die würden alle Rim to Rim an einem Tag machen )

    Der Bright Angel Trail täuscht ein bisschen über die Wüstenlandschaft des Grand Canyons hinweg, da man zumeist dem Fluß folgt, es sehr grün ist und man meist von steilen Steinwänden umgeben ist. Auf dem Tonto Trail hat man am meisten von der Vegetation des Grand Canyons mitbekommen, weil man da „mittendrin“ war.


    Eine Trailrunnerin kommt mir auf dem Bright Angel Trail entgegen

    Der Trail führt bald an roten Steilwänden in den Canyon runter, sehr beeindruckend. Ich treffe ein deutsches Paar (wir sind beide kurz dem falschen Trail gefolgt), die den Bright Angel Trail als Tagestour gehen und 7 Wochen in den USA sind. Da sie aber schneller sind und noch viel vorhaben, gehen wir bald getrennt. Der Trail bleibt so schön, bis ich am wunderbar grünen Colorado River ankomme. Dort treffe ich einen netten Österreicher (63 Jahre), der das ebenfalls als Tagestour geht. Wir laufen bis zur Brücke zusammen und unterhalten uns gut. „Wieso reisen wir eigentlich zu Orten, wo schon tausende andere waren und die man schon hundert Mal auf Bildern gesehen hat?“ zitiert er Mark Twain. „Man reist, um die Vorstellung mit der Wirklichkeit zu vergleichen“. Das finde ich irgendwie schön.




    An der Bright Angel Suspension Bridge verabschieden wir uns

    Er will noch zur Phantom Ranch gehen und ich will eine Schlaufe über den River Trail machen. Ich vermute ein bisschen, dass er doch dort nächtigen will, weil er mir erzählt hat dass er zum einen auf der Warteliste dort steht und zum andern sein Knie schon zwickt… Außerdem ist es jetzt schon 11 Uhr, ich finde das reichlich spät, um jetzt erst mit dem Aufstieg zu beginnen.

    Ich mache eine kurze Pause, treffe die zwei Deutschen auf ihrem Rückweg wieder und laufe dann den wunderschönen River Trail entlang. Er schwingt sich weit über den Colorado nach oben. Mittlerweile tun mir die Füße stark weh und ich bin ziemlich langsam, es wird immer wärmer. Ich habe in einem verrückten Anfall unsinniger Gewichtsersparnis nur ein Paar ungetesteter Wandersocken eingepackt, die unheimlich scheuern und immer größere (Blut)Blasen verursachen.


    Die South Kaibab Suspension Bridge


    ...und von der anderen Seite nochmal


    Mega süße Rehe am Campground

    Um 11 Uhr komme ich am Campingplatz an (lange nicht so schön wie Indian Garden, meiner Meinung nach), lade mein Zeug ab, wasche mich am Fluß (er war mir ein bisschen zu kalt zum reinhocken), verarzte meine Blasen und setze mich dann in die Phantom Ranch, da man auf dem Campground in der prallen Sonne verglüht. Dort kaufe ich Limo, Oreos und Moleskin. Meine Füße tun furchtbar weh. Ich bin ein bisschen planlos was ich mit dem restlichen Tag anfangen soll, draußen ist es viel zu heiß und hier drinnen gibt es nicht so viel zu tun. Zum Gegend erkunden fühle ich mich irgendwie zu elend. Ich hätte nicht gedacht, dass die Hitze so an meiner Verfassung nagt…

    Da es an der Phantom Ranch immer voller wird und mein Bauch auch schon voll mit Limo ist, gehe ich, obwohl ich nicht so recht weiß wohin mit mir. Das Gefühl verfliegt allerdings sofort, als ich auf dem Campingplatz bin. Der liegt jetzt größtenteils im Schatten und im und am Fluss sitzen einige Leute, es herrscht eine tolle Stimmung. Es ist jetzt 3 pm, ich baue mein Zelt auf, grusche rum, sitze am Fluss, plaudere mit den netten Nachbarn und fühle mich dann so gut, dass ich zu einer Fototour am Boat Beach aufbreche.


    Eine wunderschöne Eidechse am Wegesrand


    Am Boat Beach




    Am Campground


    Die Rucksäcke sollte man aus Squirrelschutz aufhängen…


    Selfies sind gut, um Langeweile zu vertreiben

    Als ich um halb 9 ins Bett gehe, ist das Zelt voller Sand, da es den ganzen Tag sehr windig war. Die Allergietablette von gestern wirkt zum Glück, meinen Beinen geht es schon viel besser. Auch meine Augen brennen kaum noch.

    3. Tag, 21.05.2018

    Bright Angel Campground – Bright Angel Trailhead

    Unterwegs:
    5:20 am – 1 pm (40 min Pause)
    15,5 km, 1900 m hoch, 600m runter

    Der Wecker klingelt um 3:30 am. Uäääääh! Ich stehe trotzdem erst um 4:15 am auf und laufe um 5:20 am los. Die erste Aktion am Morgen war, eine Schmerztablette zu nehmen, und so schmerzen meine Füße/Blasen heute nicht so sehr.

    Ich bin trotzdem furchtbar langsam und alle Leute überholen mich. Aber lustig: später ziehe ich dann an vielen wieder vorbei, weil sie schon früh eine Pause einlegen müssen. Ich bin langsam, aber stetig . (Das werd ich mir in diesem Urlaub noch oft denken...)


    Heute geht es über die Bright Angel Suspension Bridge


    Glasklares Colorado-Wasser


    Einfach wunderschön




    Sogar die Switchbacks sind schön (vor allem, wenn man sie schon hinter sich hat

    Geradeaus am Fluss kann ich mit dem rechten Fuß nur ganz vorsichtig mittig auftreten, wodurch mein Fuß eher platscht als tritt. Und die Blasen tun trotz Tablette schon noch ziemlich weh. Doch bergauf wird es immer besser und irgendwann kann ich fast normal laufen. Es ist recht viel los, ein paar Leute kommen entgegen und von Bright Angel/Phantom Ranch aus ist eine richtige Karawane unterwegs. Man trifft immer wieder die selben Leute, das ist ganz nett, und die Amis sind wirklich durchwegs freundlich und nett.


    Auf dem Bright Angel Trail


    Gleich da!

    Außer kurzer Fotostopps mache ich keine Pausen und so bin ich um 20 nach 8 (also genau nach 3 Stunden) in Indian Garden, wo ich sofort zu meiner stillen Oase gehe, weg von dem Trubel. Dort gibt es erst mal Müsli. Um 10 nach 9 laufe ich weiter. Eigentlich wollte ich hier bis um 4 pm Mittagspause machen, um der Hitze zu entgehen. Die Wände des Bright Angel Trails wirken im oberen Bereich wie ein Backofen, sodass dringend davon abgeraten wird, den Teil des Trails am heißesten Teil des Tages am Nachmittag zu machen. Aber heute ist es bewölkt und nicht sonderlich heiß, regelrecht angenehm, fast kühl. Also wage ich den Anstieg schon jetzt.


    Dieses Pflänzchen kommt mir sehr bekannt vor, aber ich weiß nicht was es ist…


    Verlaufen nahezu ausgeschlossen

    Es zieht sich in unendlichen Kehren nach oben in den Seitencanyon und es werden immer mehr Menschen. Die Aussicht ist schön, bleibt aber über den ganzen Anstieg an gleich. Zuerst ist es etwas einsamer als noch kurz vor Indian Garden, doch je weiter man nach oben kommt, desto mehr Menschen werden es. Und im "leichten Tageseinzugsbereich" der Rim sind unheimlich viele und unheimlich nervige Leute unterwegs. Man will einfach am Ende einer Trekkingtour keinen Parfümwolken-Schickimicki-Leuten mit kleinen Rosa-Pullover-Rattenhunden begegnen (noch dazu, wenn Hunde unter der Rim nicht mal erlaubt sind). Na gut, aber noch bin ich ja beim Aufstieg und der ist erst mal ziemlich schön


    Ein mega süßes neugieriges Mäusebaby


    Und überall so wahnsinns Kakteen


    Ich fühle mich ein bisschen wie in einem Wilden-Westen-Werbefilm


    Keine Ahnung wo und wie es da hochgehn soll…

    Mit 0,5 l Wasser bin ich bei Indian Garden gestartet und mache beim 3 Mile Resthouse den Fehler, meine Wasserflasche nicht aufzufüllen („sind ja nur 1,5 Miles zum nächsten“), was ich bald bereue. Es wird bis zum nächsten Resthouse sehr anstrengend. Dort angekommen trinke ich erstmal einen ganzen Liter und nehme nochmal 0,5l mit. Die restliche Strecke zur Rim zieht sich ungemein, die vielen Leute nerven und meine Füße schmerzen immer mehr – allerdings nicht die Blasen, an die habe ich mich mittlerweile gewöhnt.


    Rechts erkennt man das 3-Mile-Resthouse

    Kurz vor Schluss plaudere ich mit einem Ami (nach dem Krieg 1950 in Deutschland geboren), wir haben uns seit Indian Garden immer wieder gegenseitig überholt und einmal meinte er schmunzelnd: „We seem to have the same hiking pace“. Er erzählt dass er für fünf Tage in Phantom Creek unterwegs war, einem einsamen Seitencanyon mit vielen Schlangen. Er hat lustige buschige Augenbrauen, einen weißen Bart und war schon oft im Grand Canyon wandern, immer auf einsamen Pfaden. Ich mag ihn.

    Um kurz vor 1 pm stehe ich endlich oben auf der Rim!


    Kurz vor der Rim…


    …und auf der Rim!

    Der Bus bringt mich zum Backcountry Center und ich humpel zum Auto, ich kann echt kaum noch laufen. Ich wechsel meine Schuhe (auauauauauau) und überlege, mir doch Flipflops oder ähnliches zu kaufen. Meine Füße & die Blasen tun so weh und die Turschuhe machen es nicht besser… Ich falle über die Oreos, das restliche Brot und die Peanut-Schoko-Creme im Auto her und fahre dann zum Campingplatz, duschen, einchecken, waschen usw. Den restlichen Tag verbringe ich mit Akkus aufladen (die elektronischen und meine eigenen), kochen und alltäglichen Dingen.


    Der Campground

    Abends raffe ich mich nochmal auf und fahre zum Grandview Point. Ich komme gerade noch rechtzeitig, 15 min vor Sonnenuntergang. Inspiriert von einem Ami-Fotografen und einem Deutschen klettere ich auf einen kleinen, ca 2,5 – 3 m hohen Vorsprung. Gar nicht so einfach und oben zittern mir ganz schön die Knie (ich habe Höhenangst). Ein paar junge Asiaten wollen auch hochklettern, schaffen es aber nicht (hehehe).


    Da gings hoch


    Ich wollte gerade gehn, da flammte nochmal der Himmel blutrot auf. Mittlerweile war ich hier ganz alleine…



    Glücklich und mit furchtbar schmerzenden Füßen fahre ich im dunkeln zurück zum Zelt, den Wecker stelle ich auf 8 am. Endlich mal ausschlafen.

    Fazit

    Mir hat die Tour durch den Grand Canyon super gut gefallen. Normalerweise bevorzuge ich einsame Gegenden zum Trekken, aber es war meine erste mehrtägige Tour alleine und meine erste Wüstenwanderung. Außerdem kann ich mich aus verschiedenen Gründen nicht komplett auf meine Kraft & Fitness verlassen. Dafür bietet der Main Corridor die perfekte Umgebung: Die Wege sind leicht, es sind viele andere Menschen unterwegs und man hat in häufigen Abständen Campgrounds mit Rangern, außerdem sind auch so immer wieder mal Ranger auf den Wegen unterwegs. Und die Natur ist einfach großartig, der Canyon hat es geschafft, mich total in seinen Bann zu ziehen. Diese Weite, Tiefe, die Farben und die Gegensätze von trockener Wüste und fruchtbaren Oasen haben mich echt begeistert.

    Ich habe nur ein bisschen die Hitze und ihre Auswirkungen unterschätzt. Ich dachte, ich komme gut damit zurecht, weil ich es eigentlich sehr gerne warm mag und sehr schnell friere (eigentlich ist mir immer kalt). Aber ich hab bei der Wanderung gemerkt, dass ich je heißer es wird immer langsamer werde und auch meine Füße dadurch schnell zu schmerzen anfangen. Das und die Blasen durch die blöden Socken waren ein kleiner Dämpfer der Tour, sind aber sozusagen selbst verschuldet.

    Das nächste Mal würde ich jedoch keine Tour im Main Corridor machen, sondern mir eine Route über den Tonto Trail zusammenstellen. Der ist einfach schöner zu laufen und man trifft nur wenige andere Menschen unterwegs. Z.B. vom Hermit Trail zum Tonto Trail und dann über den Grandview Trail wieder nach oben zur Rim.
    Geändert von blackteah (09.11.2018 um 19:49 Uhr)

  3. Dauerbesucher
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    AW: USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #3
    Nächster Tag: Weiterfahrt zum Monument Valley

    Ich genieße es, einfach mal ausschlafen zu können und mache mich dann auf dem Weg zum Monument Valley. Natürlich muss ich nochmal bei allen Viewpoints rausfahren und den Grand Canyon aus immer neuen und doch gleichen Blickwinkeln bestaunen.


    Aussicht vom Navajo Point, direkt am Desert Drive


    Am Desert View Point muss ich mich leider vom Grand Canyon verabschieden. Hier ist übrigens nochmal richtig viel los.

    In Tuba City begebe ich mich auf eine kleine Odyssee auf der Suche nach Badelatschen. Zum Glück erfolgreich, zumindest mein linker Fuß darf sich nun während der Fahrt in den Schlappen erholen – der für Bremse & Gas zuständige rechte Fuß muss weiterhin in geschlossenen Schuhen leiden .

    Mir fällt auf, dass die Gegend hier extrem ärmlich ist. Die Häuser sind manchmal kaum mehr als Baracken, das Land ist unheimlich trocken, nirgendwo sieht man Felder oder Landwirtschaft. In Tuba City sind die meisten Einwohner Native Americans, und langsam dämmert mir, dass das hier Indianerland (Navajo Reservat) ist. Irgendwie erschreckend zu sehen, dass sie sich offensichtlich von der Vertreibung und Landenteignung nicht erholt haben. Ich weiß nicht, inwieweit Förderungen oder Programme bestehen, aber sonderlich viel für die Gegend hier bringt das wohl nichts. Besonders ironisch erscheint mir das ganze im Zusammenhang mit der aktuellen amerikanischen Politik gegen Einwanderung. Auch habe ich immer wieder davor im Internet gelesen, dass für bestimmte Attraktionen von Navajos horrende Eintrittspreise verlangt werden (Antelope Canyon, Monument Valley), jedoch sehe ich persönlich da keinen Unterschied zu den Eintrittspreisen der National Parks. Außerdem bin ich mir sicher, dass die Leute hier jeden Cent gut gebrauchen können.

    Schließlich finde ich die abenteuerliche Zufahrtsstraße zum Coalmine Canyon. Achtung: Für den Coalmine Canyon benötigt man ein Navajo-Permit, welches man nur im Cameron Visitor Center erstehen kann.


    Der Coalmine Canyon


    Die Wolke sorgt für ein bisschen Abwechslung im ansonsten schlechten Mittagslicht

    Als ich einige Stunden später am Campground im Monument Valley ankomme, staune ich nicht schlecht: Man hat wirklich den allerbesten Platz als Camper!




    Wegen einer ungünstig stehenden Wolke bleibt das Abendglühen leider aus…


    Man kann hier auch wandern, aber ich laufe nur für Fotos möglichst wenig rum. Das ist schon schmerzhaft genug, obwohl ich nur noch die Schlappen anhabe


    Nachts mache ich kaum ein Auge zu und bewundere die wunderschöne Milchstraße, die ich sogar ohne Brille (immerhin 3,5 Dioptrin) aus dem Zelt heraus erkennen kann :-)




    Am nächsten Morgen entschädigt der fantastische Sonnenaufgang für den normalo-Sonnenuntergang gestern

    Den Valley Drive nehme ich natürlich auch noch mit und lerne da ein nettes dänisches Paar kenne. Es ist erstaunlich, man kommt wirklich fast mit jedem ins Gespräch wenn man allein unterwegs ist. Außerdem treffe ich diesen süßen Dino, aber er schläft gerade:






    Schon beeindruckend das Tal….

    Bei der Weiterfahrt zu meinem Shuttle für die Buckskin Gulch Wanderung kann ich der Versuchung nicht widerstehen, bei Page noch schnell zum Horseshoe Bend zu fahren. Die Touristen sind noch schlimmer und nerviger als erwartet (ich fand es noch viel schlimmer als am Grand Canyon), aber die Flussschleife ist schon recht imposant. Ich schau trotzdem, dass ich so schnell wie möglich dort wieder verschwinde.


    Der Preikestolen der USA? Immerhin muss man nicht für ein Foto anstehen, weil die Rim viel Platz für alle bietet
    Geändert von blackteah (09.11.2018 um 19:51 Uhr)

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    AW: USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #4
    2 Tage Abenteuer in Buckskin Gulch



    ~ Lampenfieber Gedanken, das erste Mal ganz allein beim zelten ~

    Was hab ich mir nur dabei gedacht?

    Die Fliegen machen mich Wahnsinnig. Ich bin schon einige Zeit hier, im Wash kurz vor Buckskin Gulch und habe ganz schön Muffensausen. Angst vor dem Alleinsein, vor dem Zelten, den Tieren, der Strecke, den Cessholes, den Boulderjams…

    Die Fliegen sind ganz klein und fliegen einem mit Vorliebe ins Gesicht. Sie sind überall, richtig viele, und machen mich verrückt. Ich kann nicht still sitzen, das Tagebuch schreibe ich im Stehen und laufe immer wieder rum, damit sie sich nicht so gut um mich sammeln können. Ich explodiere innerlich fast. Das Zelt ist zu klein, als dass ich jetzt schon drinliegen möchte.

    Aber jetzt bin ich nun mal hier. Zu allem Überfluss hab ich auch noch meine Tage bekommen, ohne Vorwarnung. So wirklich einen guten versteckten Platz für die Toilette gibt es nicht, und immer wieder kommen Leute den Wash hinab. Der Trail zur berühmten Wave zweigt unweit von hier ab. Bis morgen Abend bei der Confluence von Pariah River und Buckskin Gulch gibt es kein Wasser, und ich habe bereits einen Liter ungeplant fürs Hände & Kleidung waschen verbraucht. Ich habe Angst, dass es nicht reicht.

    Kurz vor dem Abendessen wird mir mein Alleinsein mit einem Schlag wieder bewusst. Mir wird schlecht. Warum mache ich das eigentlich? Was habe ich mir dabei gedacht? Natürlich wollte ich mir auch ein bisschen damit was beweisen, dass ich es alleine schaffe. Aber warum so einen einsamen Trail wählen? War das besondere bisher nicht auch immer die Begegnungen mit anderen Menschen? Ich sehne den Sonnenuntergang herbei, dann kann ich endlich schlafen gehen. Beim wandern ist das alles bestimmt nicht so schlimm. Aber was mache ich, wenn morgens was aus meinem Rucksack fällt? Ein Skorpion? Eine Spinne? WIESO mache ich das?

    Da kommen Reiter aus dem Canyon (wtf??). Ich schaue sie überrascht an, sie schauen mich überrascht an. Anscheinend haben sie hier in der Nähe eine Ranch (wtf???), eine Frau ist ganz begeistert: „Honey, she’s from MUNICH!!“. Als sie weg sind, geht es mir irgendwie viel besser. Die Sonne ist hinterm Hügel verschwunden, der Tag geht zu Ende.

    Ich bin einerseits aufgeregt aber andererseits auch sehr ruhig, jetzt wo ich im Zelt liege und alles aufgeräumt und ordentlich ist.

    ~ Der Schlaf beendet gnädigerweise mein Gedankenkarusell ~



    Mein Zuhause fern von Zuhause

    9. Tag – Mittwoch, 23.05.2018


    2- Tages-Tour: Wire Pass Trailhead – The Confluence – White House Trailhead

    Heute morgen habe ich noch den Sonnenaufgang am Monument Valley bewundert, jetzt stehe ich kurz vor meinem nächsten Abenteuer, der Wanderung durch den längsten Slot Canyon der Welt: Buckskin Gulch. Die erste Tagesetappe zu einem sicheren Zeltplatz beträgt 22 km. 22 km Steilwände, goldenes Licht, Sandboden – und schlammige, stinkende Cesspools (zu deutsch Güllegrube). Da man eine sogenannte Flash Flood im Canyon nicht überleben kann, darf man nur bei guter Wettervorhersage hinein und auch nur an bestimmten erhöhten sicheren Stellen campen.

    Bevor es los geht, muss ich noch mein Permit in der Pariah Contact Station abholen. Dort wird mir gesagt, dass das „Rabbit Hole“, mit dem man die Kletterstelle im Boulderjam umkrabbeln kann, eventuell geöffnet ist und dass der tiefste Cesspool Brusthöhe hat. Hmm lecker.

    Ich stelle mein Auto am White House Trailhead ab und Susan, mein gebuchtes Shuttle, bringt mich zum Wire Pass Trailhead. Die Fahrt ist erstaunlich lang und schön. Ich laufe noch ein bisschen den Wash entlang und suche mir einen schönen Platz fürs Zelt.


    Ein sogenannter „Wash“: ein ausgetrocknetes Flussbett.


    10. Tag – Donnerstag, 24.05.2018
    Wire Pass Traihead – Confluence Paria River

    Unterwegs:
    7:15 am – 5 pm, 30 min Pause
    ca. 22 km

    Was für ein Tag! Voll mit schönen und unschönen Erlebnissen! Aber alles schön der Reihe nach

    Nach einer guten und erholsamen Nacht (ein Wunder, nachdem ich Abends ja so „unentspannt“ war) laufe ich um 7:15 am los Richtung Slot Canyon. Mit gemischten Gefühlen. Einerseits froh, das zu machen und aufgeregt, andererseits immer noch am zweifeln. Beim Frühstück war mir zumindest immer noch ganz schlecht.


    Wirklich wach bin ich noch nicht

    In der Früh habe ich 2 Jungs den Wash hochlaufen sehen und das Wissen, dass die vor mir sind, beruhigt mich.


    Das Wasser bringt die tollen Farben der Steine hervor

    Nach einer ganzen Weile wandern läuft der Wash schließlich auf einen Felsen zu und verschwindet in einer engen, dunklen Spalte. Es geht los!


    Hier gehts rein...

    Der Canyon ist der absolute Wahnsinn. Eng, kurvig, hoch, mystisch. Schon der Wire Pass Canyon ist beeindruckend. Schon bald stehe ich vor dem „Obstacle“, es ist sehr einfach dort runter zu klettern. Ich bin beruhigt.


    Das erste Hindernis erweist sich als einfache und spaßige Kraxelei


    Noch denke ich, dass das hier ganz schön hoch ist…


    …bis die Wände richtig hoch werden. Wo das Licht hinfällt, leuchtet alles wunderbarst.

    Schon bald „fließt“ der Wire Pass Canyon in den Buckskin Gulch Canyon. Eine große schöne rote Wand „zeigt“ förmlich auf den erneuten Eingang des Slot Canyons.


    Da will ich hin....


    ...und da komm ich her.

    Ab jetzt wird es richtig toll. Ich schraube die Kamera auf das Stativ und lasse sie dort, weil ich nach ein paar Schritten eh wieder fotografiere. So laufe ich mit geschultertem Stativ die ersten Stunden durch den Canyon. Zwei Mädchen überholen mich, als ich beim ersten Cesspool mal wieder für ein Foto anhalte. Ohne zu zögern laufen die beiden durch. Als ich es ihnen nachmachen will, haut es mich fast auf die Fresse, weil ich auf einem Stein abrutsche und stolpere. Lektion gelernt, ab da an bin ich vorsichtiger.




    Mein erster Cesspool


    Hier wollte ich eigentlich ein cooles Selfie machen, bin aber zu früh wieder umgedreht. Aber ich finde man sieht sehr schön, dass man durchaus gucken musste, wo man hin tritt


    Teilweise war es so eng, dass man mit den Schultern fast die Wände berührt hat…

    Die Mädls sind bald außer Hörweite und ich laufe Stundenlang alleine. Allerdings beruhigt es mich ungemein, dass die beiden vor mir sind. Ich weiß, dass ich das, was die zwei machen, auch schaffe.


    Immer wieder hängt Treibholz weit oben in den Canyonwänden – ein Zeichen, wie hoch das Wasser bei einer Flashflood ist. Überlebenschance gleich Null.




    Bald kommt auch der schlammigste Pool. Es dauert einige Zeit und einige weitere Pools, bis meine Schuhe endlich wieder normal dreckig sind

    Da ich so viel fotografiere, komme ich nur langsam voran und werde langsam nervös. Ich habe keine Ahnung wo ich bin und wie weit es noch ist. Und ich habe furchtbare Angst vor dem Chest-deep Pool. Meine Gedanken sind regelrecht besetzt von ihm. Aber alles, was die Mädels schaffen, schaffe ich auch.

    Währenddessen wird der Canyon immer schöner.




    Die schmalen Passagen wechseln sich mit weiteren Abschnitten ab


    So groß und so klein…


    Man kann sich schwer vorstellen, mit was für einer Kraft das Wasser hier durchschießt und die Wände so glatt und gerade hinterlässt. Am Ende des „Ganges“ kommt eine fast rechtwinklige Kurve.


    Wie wohl diese gerade Linie entstand?

    Um 12 Uhr mache ich 30 min Pause. Der Canyon ist gerade etwas weiter und man kann gut sitzen. Nach der Pause packe ich das Stativ weg, es macht mich einfach zu langsam. Ich will auf keinen Fall in die Dunkelheit kommen.


    Nach der Pause geht es durch diesen Durchgang wieder zurück in die Enge

    „Hoffentlich ist der tiefe Pool nicht wirklich Brust-tief.“ Dieser Gedanke schießt alle 10 min durch meinen Kopf

    Generell werden es jetzt weniger Pools und die Wände sind höher als zu Beginn. Das Licht fällt besser ein und alles beginnt zu leuchten, es ist wunderwunderschön. Ich bin ganz verzaubert.




    Diese weiche Formen… Fantastisch




    Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus

    Irgendwann kommen mir die zwei Mädls wieder entgegen, sie sagen der tiefste Pool geht nur zu den Oberschenkeln, sie meinen außerdem dass ich ca „7 Miles in“ bin. Also hab ich noch ca. 4,5 Meilen vor mir. Gleichzeitig überholt mich ein anderes Paar, wodurch ich wieder jemanden vor mir hab.


    Am Boden finde ich immer wieder ausgetrocknete Cesspools, der Schlamm bzw der Lehm bilden hier tolle Formen


    Ich fand es komischerweise total gruselig, um den Felsen rum zu gehen. Ich habe mich für rechts entschieden.



    Immer wieder kommen Passagen mit großen Felsen, man muss einen guten Weg hindurch oder drüber finden und manchmal etwas klettern. Mir macht das großen Spaß. An einer solchen Boulder Stelle kommen mir die Jungs von heute morgen wieder entgegen.


    Hier habe ich den Rucksack vorsichtshalber abgenommen und hinter mir hergezogen, weil man runter kraxeln musste. Leider ist dabei auch ein Loch ins Mesh gekommen…

    Ich höre einen Schrei und kurz darauf kommt mir das Paar von vorhin wieder entgegen. Der Mann berichtet von einem hüfttiefen Pool, in dem er dann umgekehrt ist (die Frau ist reingelaufen und hat bei der Tiefe vor Schreck aufgeschrien).

    Ab jetzt bin ich hier drin also ganz allein. Und der Pool ist vor mir.



    Ich laufe erstmal rein und schon bald geht mir das Wasser bis zur Hüfte, die Stecken sagen, es wird noch tiefer. Ich rutsche am Boden rum und zögere, dann kehre ich um. Ich ziehe meine Oberteile aus und packe die Kamera in den Rucksack. Die Hose ist blöderweise schon komplett nass. Mir ist ganz beklommen zumute, aber da es schon so spät ist, möchte ich auch nicht mehr umkehren.

    Ich wage mich wieder rein, halte mich rechts, versuche mich am Fels festzuhalten. In der Mitte ist es noch tiefer, der Boden ist wie eine Badewanne. Eine schlammige, rutschige, dreckige, stinkende Badewanne. Dann bin ich wieder an der Engstelle. Ich habe furchtbar Angst. Der Boden ist abschüssig und rutschig, links verschwinden meine Hände mit den Stöcken weit unter der Wasseroberfläche. Ich drücke mich mit den Stöcken die Canyonwand nach oben, bloß nicht abrutschen. Da unten ist es noch viel tiefer. Ich versuche möglichst schnell und trotzdem sicher durchzukommen. Der Pool ist ewig lang, ich versinke bis zum Bauchnabel. Wie tief denn noch??

    Zum Glück geht es danach wieder nach oben, völlig fertig komme ich raus, weiter vorne sehe ich ein Fleckchen Sonne. Doch davor ist noch ein Pool. Ich habe Angst, was wenn der auch so tief ist? Ich reiße mich zusammen und wate durch, er geht mir bis zum Po. Dann endlich stehe ich zitternd und auch ein bisschen Stolz in der Sonne. Ich habs geschafft!! Und es war nicht brusttief!

    Das Wasser war eisig, mir ist arschkalt. Sobald meine Shirts einigermaßen trocken sind, ziehe ich mich wieder an und will weiter. Vor mir liegt der dunkle, enge Canyon. War der schon die ganze Zeit so dunkel? Ich weiß es nicht. Die Dunkelheit und die Wände sind gruselig. Ich habe Angst vor weiteren Pools. Die Wände sperren mich jetzt ein. Vor mir liegt Unbekanntes, vielleicht doch noch ein brusttiefer Pool? Schaffe ich überhaupt die Boulderstelle? Wie weit ist es noch? Hinter mir liegt der Pool, den ich auf keinen Fall nochmal durchwaten will. Links und rechts nur Steilwände, dazwischen Dunkelheit.


    Was mich zuvor faszinierte, wirkt nun bedrohlich und wird somit zur Mutprobe

    Kurz darauf kommt ein richtig ekliger Pool mit Dreck, Schlick und dicken Ästen, vielleicht auch mit ein paar toten Kaninchen und bösen Riesenschlangen, wer weiß. Schon den ganzen Tag bekomme ich die Müllpresse-Szene aus Star Wars IV nicht mehr aus dem Kopf. Zum Glück geht mir dieser Pool nur knapp bis übers Knie.


    Man sieht deutlich, wo ich durchgewatet bin

    Ich beruhige mich damit, dass in der Contact Station nur von einem tiefen Pool die Rede war, alle anderen sollten nur knietief sein. Dieser Gedanke hilft mir.

    Leider habe ich grade echt genug vom Canyon, ich will nur noch raus. Dieses Gefühl legt sich zum Glück nach ca. 30 min und ich kann die Schönheit des Canyons wieder bewundern und genießen..


    Ein Wassertunnel



    Der Canyon öffnet sich mal wieder und ich entdecke auf der linken Seite eine Stelle, die bisher als einziges so aussieht, als könnte man hier herausklettern. Das musst der Middle Exit sein, ich suche schon den ganzen Tag danach. Er soll auch kurz nach dem tiefsten Pool kommen. Bin ich jetzt echt erst bei der Mitte?! Ich dachte ich bin schon viel weiter. Meine Beine denken das auch, sie fühlen sich so an, als hätte ich bestimmt schon 2/3 der Strecke geschafft. Allerdings muss ich sagen, dass ich diesen Middle Exit wirklich nur hochklettern würde, wenn ich Aug in Aug mit einer Flash Flood wäre – gruselig steil!


    Der Eingang ist schon wieder so dunkel, ich will nicht! Lauern da noch mehr tiefe Pools?

    Der Canyon wird wieder schmaler. Waren Anfangs meine Gedanken von dem tiefen Cesspool besetzt, kreisen sie jetzt um den Rockfall. Hinter jeder Ecke erwarte ich ihn. Aber ich finde nur noch mehr schöne rote und gelbe Felswände.


    Linien weisen den Weg


    Darf ich vorstellen: Das Krokodil mit der dicken Nase


    Zu schön um wahr zu sein...

    Endlich ist es soweit! Ganz schön hoch, denke ich mir. Erleichtert finde ich das Rabbit Hole geöffnet, ich wüsste nicht, wie ich da sonst alleine runter gekommen wäre. Ich lasse meinen Rucksack am Seil nach unten, ohne ihn fühle ich mich auf einmal sehr schutzlos. Durch das Loch zu krabbeln ist aber dann ziemlich cool .


    Zum Glück musste ich „die Leiter“ nicht nach unten klettern – ist schwieriger und höher, als es aussieht! Leider kamen beim Rucksack ablassen ein paar weitere Löcher in die Außentaschen.

    Nun kann es wirklich nicht mehr weit sein! Meine Füße tun mal wieder weh… Auf einmal ist da ein kleiner Bach, wo kam der plötzlich her? Und dann kommt mir eine Gruppe entgegen, zur Confluence sei es nur noch eine Meile!


    Wo auch immer dieser Fluss herkommt… Ich habs nicht bemerkt.


    Wie wohl diese Löcher entstehen? Manchmal wär ich gerne Geologe…


    Diese Pilze sehen aus wie frisch einem Horrorfilm entstiegen…

    Diese Meile zieht sich dann aber noch ziemlich und ich fürchte schon, die Abzweigung verpasst zu haben. Doch dann endlich! Bäume! Da ist sie! Ich bin unendlich glücklich.


    Die heiß ersehnte Confluence

    Ich baue mein Zelt auf, lösche Fotos, filtere Wasser (die Quelle ist ein mini kleines nicht so sauberes Rinnsal) und mache Yoga. Zufrieden schlafe ich schließlich ein.


    Ein Gefühl von Glück und Frieden an der Confluence


    11. Tag – Freitag, 25.05.2018
    Confluence – White House Trailhead

    Unterwegs:
    7:40 am – 1 pm
    ca. 15 km

    Ich breche um halb 8 auf, der Canyon ist hier breiter und hat flache, rote Wände. Anfangs ist es immer noch sehr beeindruckend und ich mache viele Fotos, später weitet es sich zu einer breiten Schlucht, die Canyonwände sind aber immer noch beeindruckend hoch.




    Ich habe wieder Muse für Selfies


    Ein natürliches Tor – Oder war der riesige Bär einfach müde und hat kurz den Kopf am Boden abgelegt?


    Ich sammle Herzen für meinen Freund

    Der Weg durch den Wash zieht sich in der Sonne ziemlich, ich versuche alle Schattenflecken auszunutzen und trete dabei fast auf eine schöne braune Schlange, die wohl das gleiche Ziel verfolgt.


    Beinahe wäre ich auf diese schöne Schlange draufgedatscht. Leider habe ich nur 2 Fotos gemacht und erst hinterher gemerkt, dass der Fokus nicht auf dem Auge lag . Aber die Schuppen sind zum Glück auch der Wahnsinn


    Es ist einfach grandios



    Der Paria River ist trocken. Anfangs gab es noch ein paar Pfützen, aber die halten sich nicht lange. Ich mache zwei Pausen auf der kurzen Strecke, ich bin müde und meine Füße schmerzen.

    Um 1 pm komme ich endlich am White House Trailhead an. Auf dem letzten Teil der Strecke sind mir sogar zwei Gruppen entgegen gekommen.

    Ich fahre zum Paria Outpost (endlich den Dreck abwaschen) und verbringe den restlichen Tag mit lesen. Das Buch ist so traurig, dass ich dauernd weinen muss und ewig nicht einschlafen kann .


    Fazit

    Es war grandios.



    Ehrlich, ich habe selten eine Wanderung gemacht, die mich so begeistert hat. Der Fels war einfach umwerfend. Ich hätte noch 100 mehr Fotos hier posten können und ich hätte doch nicht jedes Gesicht von diesem Canyon abgebildet. Und das Licht! Nie hab ich so ein Licht gesehen. Es war so unglaublich schön und beeindruckend, anders als alles, was ich bisher gesehen habe.

    Gleichzeitig war der Hike das Abenteuerlichste, was ich bisher gemacht habe. Das lustige daran: Wäre ich nicht allein gewesen, hätte ich es wohl als eine ganz normal anspruchsvolle Tour empfunden, die ein paar interessante oder eklige Stellen hat. Es ist wirklich faszinierend, wie harmlose Sachen plötzlich Gefahren in sich bergen, wenn man keinen Partner hat. Was, wenn man in einem Pool ausrutscht und sich den Kopf schlägt oder den Knöchel verstaucht? Zu zweit kein Problem, aber alleine denk man da schon anders drüber.

    Teilweise habe ich es aber wirklich genossen, ganz allein im Canyon zu sein. Ich denke, die Enge und Besonderheit des Canyons kann man dadurch auch am besten genießen, da sich die Wirkung des Canyons so richtig entfalten kann.

    Ich bin stolz, dass ich mich überwunden und die Wanderung durchgezogen habe, trotz meiner Ängste. Die Hindernisse zu überwinden, auch wenn es in dem Moment nicht schön war, hinterlässt im Nachhinein durchaus ein gutes Gefühl. Trotzdem hätte ich es in der Situation wohl mehr genießen können, wenn jemand dabei gewesen wäre. Es war mental manchmal schon eine ganz schöne Herausforderung und ich habe mich, vor allem nach dem tiefen Pool, richtig schlecht gefühlt.

    Ich würde die Tour sogar noch ein weiteres Mal machen, und das sage ich so gut wie nie. Dann am liebsten mit Begleitung und die komplette Route bis zum Colorado River.
    Geändert von blackteah (15.11.2018 um 11:56 Uhr)

  5. Alter Hase
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    AW: USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #5
    Oh ja, das könnte interessant werden!

    Edit 20.11.2018
    da hab ich deine Platzhalter ja an der richtigen Stelle unterbrochen, dein Fazit kann ich voll und ganz verstehen:
    Zitat Zitat von blackteah Beitrag anzeigen
    ...
    Fazit
    Es war grandios.
    ...
    Wunderschöne Fotos hast du mitgebracht. Und Respekt für deinen Mut, du schreibst ja selbst wie schwer dir dieser Abschnitt teilweise gefallen ist.
    Geändert von codenascher (20.11.2018 um 11:54 Uhr)

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

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    AW: USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #6
    @codenascher: Danke! Hab grad deinen Edit entdeckt

    Die Slot Canyons des Grand Staircase Escalante National Monument

    Toadstool Hoodoos (Vermillion Cliffs), Zebra Slot Canyon, Peek-a-boo Canyon, Spooky Gulch, Coyote Gulch

    Tag 12-14 verbrachte ich im Grand Staircase Escalante National Monument (GSENM). Das ist ein ziemlich cooles und ziemlich großes Gebiet, in dem man sehr einsame tolle Touren machen kann. Ich hab mich allerdings nur an die bekanntesten Slot-Canyons gehalten, durch die man durchklettern, krabbeln und sich durchzwängen muss. Dadurch waren es zwei entspannte Tage in spektakulärer Landschaft.

    Am Tag nach Buckskin Gulch habe ich (nach gemütlichen ausschlafen und frühstücken, ist ja schließlich Urlaub ) auf dem Weg nach Escalante noch bei den Toadstool Hoodoos vorbei geschaut, einem kleinen Gebiet mit tollen Felsformationen und -farben. Man "wandert" ca. 10-20 min dort hin und kann dann rumlaufen und alles erkunden. Minimales Outdoorerlebnis würde ich mal sagen . Sah aber schon cool aus.


    Ein Hoodoo (da gabs sehr viel davon)


    War auch gar nicht mal so viel los...

    Den restlichen Tag habe ich dann mit schlemmen (es gab Eis, Cola, Haselnusscroissant, 2 Bier und ein Sandwich! [natürlich nicht alles auf einmal...]) und planen verbracht, da ich für die Region zwar einen groben Plan, aber noch keine genauen Infos hatte. Für die Canyons habe ich mir die Utah-Karte bei maps.me (übrigens eine super App, die ich davor noch nicht kannte!) runter geladen und Screenshots der Routen und Beschreibungen von alltrails gemacht (die ich aber dann im Endeffekt gar nicht gebraucht habe). Der Wetterbericht sagte Sonne voraus, sodass ich für die nächsten zwei Tage zwei Canyonhikes plante – man muss da ja immer schaun obs geht, bei Regen will man nicht in einem Slot Canyon stecken .


    Der "Escalante Outfitters" Campground ist total klasse, sehr schön und äußerst günstig. Mit dazu gehört ein kleiner Outdoorladen und ein Restaurant/Café.


    Die Toadstool Hoodoos liegen zwischen Page und Kanab auf dem Hwy 89. Da es keine befestigte Straße mitten durch das GSENM gibt, muss man ziemlich weit herum gurken, um nach Escalante und zu den Canyons zu kommen. Peek-a-boo & Spooky sind übrigens Seitencanyons des Coyote Gulch . Die "Hole in the Rock Road" ist eine unbefestigte sandige Piste, die bei Regen unpassierbar werden kann. Das letzte Stück zum Lake Powell/Glen Canyon kann man nur mit einem Allrad Wagen fahren.

    Funfact: Wie man hier sieht, liegt der Bryce Canyon auch im Einzugsgebiet vom Paria River. Falls man also eine Buckskin Tour bis zum Colorado plant (in den letzten 4 Tagen wandert man dann im Paria Canyon), sollte man den Wetterbericht des gesamten Gebiets bis zum Bryce Canyon im Auge behalten. Regnet es da oben, gibt es eine Flash Flood die bis in den Colorado rauscht .

    13. Tag, So, 27.05.2018
    (Memorial-Day-Wochenende, wie ich herausfand...)

    Um halb 8 stehe ich nach einer Stunde holpriger Fahrt am Trailhead zum Zebra Slot Canyon, er ist nicht zu verfehlen. Eine weitere Stunde verbringe ich auf dem „Wüstenzustieg“ zum Canyon, dieser ist zwar sehr kurz, aber dafür umso schöner.


    Der Zebra Slot Canyon

    Es sind noch einige andere Leute da, aber alle passen noch gut in den engen Canyon. Ganz am Ende kann man ein bisschen nach oben klettern, von hier hat man eine noch bessere Sicht und das tolle Muster der Seitenwände kommt so richtig schön raus.


    Die kleine Kletterstelle


    Von oben sieht die Welt ganz anders aus… (Ich hab hier übrigens keine Vignettierung drüber gelegt, das macht der Canyon von ganz alleine


    Fantastische Farben und Formen...

    Man könnte von hier noch über ein ca. 3 Meter tiefes Loch klettern, das ist mir allerdings zu waghalsig. Auf der anderen Seite sitzen zwei mit einem kleinen Hund. Ich war sehr beeindruckt von ihrer Kletterleistung, jetzt frage ich mich allerdings, ob die nicht einfach von hinten in den Canyon abgestiegen sind .


    Wie die drei da wohl hinkamen?

    Als ich alles erkundet habe, laufe ich noch zum Tunnel Slot Canyon. Der ist anscheinend recht unbekannt, denn ich treffe hier niemanden mehr – nur ein paar Moquis liegen herum. Der Beginn des Canyons ist sehr schön, man kann auf den großen Felsen im „Flussbett“ herumklettern.


    Sogenannte Moquis


    Passend zum Murmel-Fred: Sie erobern rund um den Globus alle Klimazonen!


    Der Canyon vor dem Slot Canyon

    Leider ist vor dem Eingang zum richtigen Slot Canyon ein großer Teich, ich kann nicht erkennen wie tief er ist. Wo ein Teich ist, das sind bestimmt noch mehr! Das Ganze ist mir nicht geheuer und eigentlich habe ich auch gar keine Lust auf einen einsamen, menschenleeren Canyon mit vielen eiskalten, schlammigen und dreckigen Pools.

    Querfeldein laufe ich zurück zum Trail, die Strecke ist total schön und ich bin froh über meine Entscheidung. Zurück auf dem Trail treffe ich ein Paar mit Kind wieder, die ich bereits in Zebra Slot getroffen habe und unterhalte mich den ganzen Rückweg mit ihnen über Amerika und Europa. Die beiden sind reisebegeistert, waren aber bisher „nur“ in den USA unterwegs. Ich erzähle wie es in Europa ist, dass die Städte alt sind und enge Gassen haben und wir durch die dichte Bevölkerung und jahrtausendlange Besiedlung kaum noch unberührte Natur haben. Als ich begeistert von der Offenheit und Nettigkeit der Amis rede, fragen sie mich, ob wir Europäer so verschlossen sind, weil wir so eng aneinander wohnen müssen. Ein interessanter und irgendwie auch lustiger Gedanke. Aber ich verneine und erzähle, dass hauptsächlich wir Deutschen so verschlossen sind und es eher was mit den unterschiedlichen Kulturen zu tun hat, da z.B. die Südeuropäer ähnlich offen wie die Amis sind – obwohl auch sie ausgesprochen eng aneinandern wohnen.


    Tolle Felsen auf dem Weg zurück zum Auto

    Der schaurig schöne Gruselcanyon

    Die Weiterfahrt zu Pee-a-boo und Spooky dauert dann nochmals 1,5 Stunden, da ich nur 20-30 mph fahre. Mit meinen 2-WD-Wagen muss ich am unteren Parkplatz parken. Ein Glück, wie sich herausstellt, denn kaum habe ich zwei Schritte auf dem Weg zum oberen Parkplatz gemacht, nimmt mich eine Familie in einem riesigen weißen Jeep mit. Ich darf auf die Ladefläche, hier sind bereits 2 Erwachsene, 3 Kinder und eine Jugendliche drin. Vorne sitzen noch weitere 2 Kinder und 4 Erwachsene. Als wir ankommen treibe ich mich „zufällig“ noch ein wenig in der Nähe rum und stelle ein paar Fragen und werde dann von der netten und lustigen Gruppe mitgenommen.

    Für mich ist es super, mit ihnen die Canyons zu erkunden. Um in den Peek-a-boo Canyon zu gelangen, muss man ca 2-3 Meter nach oben klettern (sehr einfach), was ich mich alleine vermutlich nicht getraut hätte. So ist es allerdings überhaupt kein Problem. Auch im Canyon, der unglaublich eng und verschlungen ist, macht es unheimlich viel Spaß mit ihnen herumzukraxeln. Nach den zwei Wochen größtenteils alleine freue ich mich auch einfach über die Gesellschaft. Mit uns ist noch eine andere Gruppe von 4 Personen in den Canyon gekommen und so ist es ziemlich voll…


    Der Eingang zum Peek-a-boo Canyon

    Ein kleiner Tipp: Wem diese Klettereinlage zu gefährlich erscheint und der Spooky Gulch zu eng, kann den Dry Fork Canyon erkunden. Er beginnt gleich Links von Peek-a-boo und hat auch einige schöne schmale Passagen.


    Ein süßes Mädchen von der Gruppe hinter uns

    Ich mache viele Fotos und bleibe deswegen manchmal zurück und dann höre ich von vorne „where is our german friend?“. Vor allem mit Shanna und Craig unterhalte ich mich viel. Shannas Vorfahren kommen aus Schottland und so reden wir mal wieder viel über Europa und Amerika.

    Fototechnisch war ich zu einer katastrophalen Zeit dort, die Bilder von Peek-a-boo sind quasi „Schrott“ – es war natürlich trotzdem ein super Erlebnis . Möchte man schöne Fotos in diesem Canyon machen, muss man Vormittags oder am späten Nachmittag durchgehen, damit die Sonne nicht von oben direkt rein scheint – man braucht indirektes Licht, damit die Canyonwände zu leuchten beginnen.


    Kurz vor dem Ende wird der Canyon nochmal richtig eng. Ich war schon draußen und bin dann nach oben und zurück gelaufen, so konnte ich in den Canyon rein fotografieren.


    Ein kleiner Kaktus. Wie lange er es wohl noch macht?

    Am Ende vom Peek-a-boo Canyon kann man über normales Wüstengelände zum „Hintereingang“ von Spooky Gulch laufen. Der Trail ist teilweise mit Steinmännchen markiert, ein GPS ist aber wirklich hilfreich. Diese Wüstenlandschaften sehen ja immer gleich aus und man sieht die Canyons nicht, bis man direkt davor steht. Es gibt zwar einen schwach erkennbaren Trail, aber man verläuft sich schon sehr schnell und ich habe viele Berichte gelesen, in denen der Eingang von Spooky nicht gefunden wurde.


    Es verspricht, spektakulär zu werden!



    Spooky ist sogar noch enger und höher (dadurch ist das Licht super) und man muss einmal an einem Felsen runter klettern. Vor uns ist eine schwäbische Familie und die Frau bekommt in der dunklen, engen Kletterstelle einen kleinen Panikanfall. Sie tut mir Leid und ich kann gut nachvollziehen, dass es hier echt schwer ist, wenn man nicht ans Klettern/Kraxeln gewöhnt ist und ein bisschen Angst vor der Höhe hat.


    Da verschwindet er im dunklen Loch…


    …und so sah es von unten aus. Immer schön zwischen die Wände stemmen

    Übrigens, alleine wäre das für mich auch eine harte Nuss gewesen, aber in der Gruppe ist es einfach nur eine riesen Gaudi. Solche Stellen machen die Canyons nur noch schöner/interessanter.

    Auch sonst muss man immer wieder etwas höhere Stufen überwinden und es ist wirklich ausgesprochen eng, total toll! Es geht dauernd hoch und runter und die zwei Babies müssen sogar aus ihren Tragen genommen werden, da der Canyon zu eng ist.


    Rucksack und Baby werden nach unten gereicht
    (Hier sieht man gut, dass ohne indirektes Licht die Wände „stumpf“ wirken. Da hilft dann auch kein Photoshop mehr . Falls ihr euch fragt woran das liegt: Die Canyonwände sind an der Stelle sehr niedrig, und so scheint die Sonne direkt hinein. )


    Die Jugendliche (ich habe ihren Namen leider vergessen) ist total neugierig auf meine Kamera, da sie auch gerne eine Olympus möchte, und so leihe ich sie ihr eine Weile. Sie macht wirklich schöne Fotos damit:





    Hier musste man mal wieder 1,5 m nach unten kraxeln




    Besonders dieses Foto finde ich klasse! Leider hab ich ihre Kontaktdaten nicht und kann ihnen die Bilder nicht schicken

    Später passiert mir ein Missgeschick, das beinahe meine Kamera zerstört hätte: Ich klettere die Canyonwand etwas nach oben, um von Shanna und Craig ein schönes Foto zu machen. Meine eigene Kamera lege ich in meine Umhängetasche, aus der sie dann aus 2 Metern höhe auf den Boden fällt. Zum Glück habe ich einen Schmutzfilter und die Sonnenblende drauf, und so geht nur die Blende kaputt und der Rest bleibt intakt. Der Filter hat etliche Dellen. Allerdings dauert es noch bestimmt eine Woche, bis der Sand restlos aus der Kamera draußen ist, zum Glück habe ich ein Objektiv mit Sand & Spritzwasserschutz!


    Da oben hängt noch ein Baumstamm...


    Man versteht, warum er „Spooky“ heißt .


    Manchmal scheint es, als wäre der Canyon plötzlich zu Ende, es findet sich aber immer ein kleiner Durchgang


    Einfach klasse diese Slot Canyons!!

    Ein unglaublich schöner und spannender Canyon. Leider ist es viel zu schnell vorbei… Am liebsten wäre ich umgekehrt und gleich nochmal durch gegangen.

    Zurück am Parkplatz verabschiede mich etwas wehmütig von allen.

    Ich fahre danach nur noch zum Trailhead meiner nächsten Wanderung (Coyote Gulch), wo ich noch zwei weitere nette Wandergruppen treffe und mich auch mit denen eine Weile unterhalte. Hier gibt es mal wieder einen wunderschönen Sonnenuntergang.

    Ein wirklich toller und äußerst lustiger Tag!




    14. Tag, Mo, 28.05.2018

    Coyote Gulch

    Coyote Gulch ist ein größerer Canyon mit wunderschönen, hohen roten Sandsteinwänden. Normalerweise als 2-3 tägige Trekkingtour, habe ich im Internet auch eine Beschreibung als Tagestour gefunden. Man steigt dabei über eine nicht komplett senkrechte Canyonwand ein und braucht dafür ein Seil. Da Memorial Day war, hab ich darauf vertraut, dass schon Seile vorhanden sind. Ich hatte keine Lust, ein 100m Seil zu kaufen.

    Leider hab ich mir die Tour im Vorfeld nicht sooo genau angeschaut und habe mich ein bisschen von den Stein-Fotos blenden lassen. der Großteil des Weges verläuft nämlich in dichtem Gestrüpp und man sieht herzlich wenig. Ich laufe am liebsten in offenem Gelände und so war die Tour nicht komplett nach meinem Geschmack. Aber ich fang am besten mal von vorne an:

    Der Tag beginnt indem ich erst mal verschlafe, weil ich meinen Wecker im Halbschlaf ausgemacht habe. Zum Glück wache ich um viertel nach 6 von selbst auf (äußerst ungewöhnlich) und erlebe so den schönsten Sonnenaufgang vor meinem Zelt auf der ganzen Tour.


    Einfach nur WOW, wenn man aus dem Zelt kriecht, sich umdreht und das sieht!!


    Auch zu diesem Canoyn muss man erst mal eine Stunde durch die Wüste wandern, der Weg ist mit Steinmännchen sehr gut markiert und endet plötzlich im Nichts.


    "Das Steinmännchen kann da doch gar nicht richtig sein" denke ich mir...


    ...werde dann aber nach ein paar Schritten eines besseren belehrt.

    Ohne die Steinmännchen wäre es (zumindest für mich) unmöglich gewesen, die richtige Stelle zu finden.

    Hier am Ausstieg haben sich schon viele Backpacker-Gruppen versammelt (Im amerikanischen gibt es das Wort "Trekking" nicht, man sagt dazu "Backpacking".), die alle aus dem Canyon aussteigen wollen. Ich warte eine Weile bis der Weg frei ist und schaue dem bunten Treiben interessiert zu. Der Abstieg ist dann zum Glück ziemlich einfach, wäre mir aber ohne Seil zu heikel. Ich vermute mal, dass man zur Not aber auch ohne Seil nach oben aussteigen könnte.



    Die größte Attraktion, der Jacob Hamblin Arch, liegt gleich ein paar hundert Meter links des Abstiegs um eine große Kurve. Er ist einfach nur krass beeindruckend! Ehrfürchtig stehe ich davor und mache viele Fotos.


    Schon die Kurve vor dem Arch versetzt mich in Staunen

    [url=https://flic.kr/p/PjHAXr]
    Woahhh!


    Und hier nochmal in voller Pracht!

    Im Bereich des Arches gibt es einige sichere Campgrounds und hier lagern auch noch viele Leute. Allerdings sind die gerade alle am Zusammenpacken und Verlassen des Canyons. Später sehe ich dann nur noch sehr wenige Leute, ich glaube insgesamt 4 Paare den ganzen Tag über.

    Als ich vom Arch weggehe, merke ich schnell, dass das nicht ein Canyon Hike ist wie ich ihn mir vorgestellt habe: Der Canyon ist sehr breit und die Trails verlaufen meistens in der grünen Mitte. Man muss sich durch 2-3 Meter hohes Gestrüpp schlagen und ich komme mir vor wie in einem Dschungel.


    70% des Weges sehen so aus!


    ...oder so.


    Oft bin ich einfach am Fluss entlang gelaufen, das war zumeist sehr schön. Und der Sand war fest

    Was aber durchaus wirklich Spaß macht: Man läuft ja immer auf einer Flussseite dahin. Wenn der Canyon eine 180° Kurve macht, wechselt der Fluss allerdings die Seite. Also er verläuft links bis er in der Kurve auf die rechte Wand stößt, fließt in die Kurve und ab da an an der rechten Seite weiter. An diesen Stellen muss man den Fluss queren und sich die beste Furt dafür suchen. Das ist eine schöne Abwechslung und man kommt den Wänden sehr Nahe.

    Schon bald habe ich die "Natural Bridge" erreicht, die auch wieder sehr beeindruckend ist. Ich bleibe recht lange hier und mache viele Fotos.


    Die Coyote Natural Bridge


    Da der Canyon so breit ist, ist es nicht so kühl wie in den Slot Canyons. Es ist sogar meistens ziemlich heiß. Ich habe mir meinen Filter mitgenommen und das Wasser direkt vor Ort gefiltert. Auf das Schleppen von 3 Litern Wasser hatte ich keine Lust.


    Eine sehr kurze Mittagspause im Baumschatten


    Mal wieder eine sehr schöne Stelle, wenn nicht die schönste: Man muss (oberhalb des Wasserfalls) auf den Bouldern klettern, um voran zu kommen. Außerdem bin ich hier mittlerweile alleine.

    Mittlerweile bin ich vom Weg echt sehr stark angenervt. Aber ich hatte mir vorgenommen, bis zum Cliff Arch zu laufen, ich hatte ein schönes Foto davon gesehen. Als ich dann davor stehe bin ich allerdings etwas enttäuscht:


    Man sieht den Arch leider gar nicht richtig...

    Also suche ich mir einen Weg die steile Wand hinauf, damit ich einen besseren Blick auf den Bogen habe. Und tatsächlich kann man so weit kraxeln, dass der Arch sich endlich vom Stein abhebt:


    Geht doch

    Der Weg zurück verläuft dann wieder durch den grünen Tunnel mit ein paar schönen roten Stein-Abwechslungen (leider viel zu wenigen!). Irgendwann spüre ich ein paar Regentropfen. Regen? Regen!!! Ich werde nervös, es war doch gar kein Regen angesagt! Regnet es jetzt stärker? Was mache ich bei einer Flash Flood? Aber nachdem ich nach oben und zur Seite geschaut habe, verfliegt meine Besorgnis: der Canyon ist echt breit. Überall gibt es erhöhte Stellen, die sichtbar nicht überflutet werden. Es tröpfelt nur. Alles in bester Ordnung. Ich beeile mich jetzt trotzdem ein bisschen, nass werden möchte ich auch nicht unbedingt.


    Das war vor ein paar hundert oder tausend Jahren auch ein sehr beeindruckender Arch

    Den letzten Kilometer laufe ich dann in einigem Abstand zu zwei Mädls und hole sie ein, als sie nach links auf etwas schauen. Eine Schlange! Ich hätte sie glatt übersehen. Sie sieht sehr schön aus und ich mache einige Fotos. Die zwei laufen weiter und meinen noch zu mir: "She's blocking your way, hu?'. Ich kapiere überhaupt nicht was sie meinen und laufe etwas später auch weiter, bis ich ein paar Schritte weiter total überrascht vor dem Jakob Hamblin Arch stehe. Der Anblick ist wieder mal überwältigend, und jetzt verstehe ich auch was die Mädls meinten: Die Schlange lag im Ausstieg. Ich hab das einfach für die normale Canyonwand gehalten...


    Die hübsche Schlange liegt genau im Ausstieg

    Zum Glück ist die Kleine mittlerweile schon viel weiter oben, so dass ich ohne sie zu stören hochlaufen bzw mich hochziehen kann.


    Der Ausstieg tarnt sich gut als Canyonwand

    Der Rückweg gefällt mir dann richtig richtig gut, ich habe ihn irgendwie gar nicht mehr so schön in Erinnerung.


    Der Jacob Hamblin Arch von oben





    Blick zurück. Den Canyon kann man vor allem rechts im Bild erkennen


    Einfach nur schön


    Wie das Wasser Fels & Landschaft formt, einfach sagenhaft


    Zurück am 40 Mile Water Tank Parkplatz

    Mittlerweile tröpfelt es beständig und ich merke, dass der Sand der Piste nass wird. Uh Oh. Mein Wasser habe ich komplett ausgetrunken und die Piste wird bei Regen ja unpassierbar. Keine Ahnung, wie stark es dafür regnen muss. Kurz vor mir sind die zwei Mädls, die ich schon im Canyon getroffen habe, mit ihrem Jeep die Straße zurück nach Escalante gefahren und so versuche ich, möglichst in ihrer trockenen Spuren zu fahren. Obwohl ich nur 25 mph fahre, übersehe ich eine Schlange, die sich perfekt im Sandboden tarnt und überfahre sie. . Ich bekomme einen riesen Schock und fühle mich lange schlecht. Genau deswegen sind Straßen durch geschütztes Gebiet scheiße! So viele Tiere sterben auch in den National Parks und Monuments auf den Straßen.

    Etwa mittig auf meinem Weg liegt der Devils Garden, ein Parkplatz mitten in einem Gebiet mit tollen Steinformationen. Da man nur kurz links ranfahren muss, mache ich einen kleinen Pitstop und schaue mir die Türme an.





    Der Regen wird nicht stärker und so komme ich abends gut in Escalante an, ich bleibe wieder auf dem Campground von Escalante Outfitters. Abends treffe ich einen Typ mit einem super süßen großen schwarzen Hund wieder, der auch schon vor 2 Tagen da war. Er möchte nächste Woche wie ich in den Zion NP und so tauschen wir Nummern aus, vlt könnten wir einen Hike zusammen machen. Irgendwie ein lustiger Zufall.


    HATU NI EDAM? Ich hab abends tatsächlich einige Sekunden gebraucht, um das zu kapieren


    Fazit

    Mir haben die Slot Canyons total gut gefallen! Wer eine Nur-ich-und-die-Natur-Erfahrung möchte, ist hier jedoch fehl am Platz. Die meisten Besucher des GSNEM statten Peek-a-boo & Spooky einen Besuch ab, wodurch man nur früh morgens (oder zur Nebensaison) alleine ist. Wirklich überlaufen ist es aber trotzdem nicht! Ich war ja quasi zu DEM Ausflugs- & Urlaubswochenende unterwegs, und wir haben im Canyon nur zwei andere Gruppen getroffen. Die Kletterstelle am Anfang schreckt eh die meisten Besucher ab.

    Peek-a-boo & Spooky sind für alle perfekt, die etwas abenteuerlustig sind und viel Spaß am Erkunden und Kraxeln haben.

    Zebra Slot ist zwar sehr kurz, lohnt sich meiner Meinung nach aber trotzdem. Ich denke mal, dass die meisten die das hier lesen eh gerne wandern, und da sollte die Stunde "Zuwanderung" durch die Wüste kein Hindernis sein . Mir hat grade das gefallen, da du ja schon ein gutes Stück durch die Landschaft wanderst und plötzlich stehst du völlig unverhofft vor so einer Felsspalte. Und dann sieht das da drin auch noch so abgefahren aus! Den Übergang von Wash zu Canyon fand ich immer wieder unheimlich spannend und interssant.

    Mit dem Schlenker über den Tunnel Slot Canyon, der anscheinend meist recht nass und "tümpelig" ist, lohnt sich die Wanderung noch mehr.

    Coyote Gulch hat zwar bombastische Highlights und ist dadurch bestimmt einer der spektakulärsten Dayhikes & Backpacking Trips dort, allerdings war er leider nicht so mein Fall. Ich laufe einfach nicht gerne durch Gestrüpp, ich war am Ende echt genervt davon. Die Hole in the Rock Road und die Wüstenlandschaft dort hat mir jedoch wirklich äußerst gut gefallen. (Nicht falsch verstehen, das ist Jammern auf sehr hohem Niveau . Coyote Gulch konnte nach den sagenhaften Slot Canyons einfach nicht mithalten, geschweige denn meine unheimlich hohen Erwartungen erfüllen .)
    Geändert von blackteah (22.11.2018 um 15:54 Uhr)

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    AW: USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #7
    Bryce Canyon, Red Canyon, Snow Canyon State Park, Red Cliffs National Conservation Area

    Da ich hier überall nur kurze Wanderungen unternommen habe, fasse ich gleich vier Gebiete in einem Beitrag zusammen. (Außerdem habe ich mir nicht mehr genügend Platzhalter-Beiträge erstellt )

    Es gibt auch gar nicht so viel zu erzählen, deswegen zeige ich hauptsächlich Bilder mit ein paar Infos dazu.


    15. Tag – Di, 29.05.2018
    Fahrt zum Bryce Canyon

    Ein Paar empfiehlt mir beim Frühstück, die Straße Richtung Arches Nationalpark ca. 10-20 Meilen zu fahren und meint, es wäre die schönste Straße in ganz Amerika. Bis ich mit meinem Freund und meiner Familie telefonieren und alles packe, habe ich das allerdings schon wieder vergessen und fahre gleich weiter zum Bryce Canyon. Also, falls jemand von euch mal dort ist: Vielleicht könnt ihr euch den Straßenabschnitt anschauen und ihn ausgiebig für mich mitbewundern


    Aber auch die Straße zum Bryce ist sehr schön.

    Ich werde jetzt nicht so viel zum Bryce schreiben, da der Nationalpark sich meiner Meinung nach nur bedingt für Outdooraktivitäten eignet und man im Netz eh super viel darüber lesen kann. Ich habe mir am ersten Tag (wie alle anderen) das Amphitheater angeschaut, DIE Attraktion des Bryce und auch einer der spektakulärsten Anblicke meiner Reise. In den zwei Tagen vor Ort habe ich die Sonnenaufgänge (und Untergänge, aber die eignen sich nicht so gut zum Fotografieren) dazu genutzt, möglichst viele Fotos vom Amphitheater zu machen:


    Blick vom Inspiration Point


    Mein Teleobjektiv kam das erste Mal so richtig zum Einsatz


    Der Bryce ist eigentlich gar kein Canyon, sondern eine Abbruckkante, an der sich abertausende Hoodoos gebildet haben


    Es gibt unheimlich viel zu entdecken und zu bestaunen




    Morgens gibt es den berühmten "Glow"



    Die Dead-End-Straße den Nationalpark runter ist auch zu empfehlen, es wird deutlich, dass wirklich nur das Amphitheater so vollgespickt mit Hoodoos ist. Natürlich ist aber trotzdem jeder Blick von den Viewpoints schön und man kann gefühlt bis zum Grand Canyon hinunterschauen ;)


    Blick von einem der Aussichtspunkte im unteren Teil des Nationalparks

    Die Wanderwege sind alle sehr gut ausgebaut, wie kleine Straßen durch die Hoodoos. Im Amphitheater selbst sind sie extrem überfüllt. Ich stelle mir eine Trekkingtour im Bryce etwas langweilig vor, da man quasi unterhalb der Rim daran entlang läuft.


    Die Trails im Bryce

    Fast am besten gefallen hat mir das Visitor Center, die Beschreibung der Grand Staircase von Utah ist sehr anschaulich und ich hab den Aufbau der Landschaft endlich mal verstanden...

    Ich zelte ca 15 min Fahrt außerhalb des Parkes im Bryce Canyon Pines Campground neben dem Highway und einer Tankstelle




    16. Tag – Mi, 30.05.2018
    Bryce Canyon: Wanderung auf dem Navajo Loop Trail, dem Queens Garden Trail und dem Fairyland Loop Trail

    Heute will ich auch wieder etwas wandern und laufe im Amphitheater den Queens Garden & Navajo Trail, die man zu einem Loop kombinieren kann. Man muss immer zuerst runter laufen, um am Ende alles wieder hoch auf die Rim zu laufen. Die Rim liegt ca. auf 2700 Meter Höhe, also man kommt schon etwas ins schnaufen

    Die Trails sind schön und auch spektakulär, allerdings ist auch viel los (nervige Leute füttern die Squirrels und finden das auch noch süß) und die Wege sind halt wirklich nicht so spannend zu gehen. Aber schön ists schon anzuschauen:






    Sieht doch gar nicht so voll aus? Für das Foto musste man sich anstellen . Im Hintergrund sieht man die "two Bridges"


    Abgefahren war es ja schon

    Der Fairyland Trail war dann so richtig toll. Er liegt eigentlich außerhalb des Parkes, allerdings hab ich nicht den gesamten Loop geschafft weil mir dann die Zeit ausging. Es war fast nichts los (nur anfangs war noch eine Familie hinter mir unterwegs) und die Landschaft war klasse.


    Oh du schönes Utah


    Fairyland Loop Trail



    Fazit
    Ein Nationalpark mit WOW Effekt. Viel mehr kann er dann aber auch nicht mehr bieten, wodurch man sich nach ausgiebigen Staunen ruhigen Gewissens anderen Sehenswürdigkeiten zuwenden kann .

    Ich war mit zwei Tages etwas zu lang im Nationalpark, ein Tag hätten völlig gereicht. Der perfekte Ablauf wäre:
    -Fairyland Loop Trail laufen
    -Besucherzentrum besuchen
    -Das Amphitheater vom Inspiration Point bewundern
    -10 Minuten den Queens Garden Trail hinunter laufen
    -Alle Aussichtspunkte bis zum Rainbow Point anfahren


    Im Nationalpark wohnen süße Rehe, eines meiner Highlichts


    17. Tag – Do, 31.05.2018
    Red Canyon, Fahrt nach St. George

    Auf dem Weg von Bryce nach St. George kommt man am Red Canyon vorbei, hier mache ich eine 2-3 Stunden Wanderung. Mir hat der Red Canyon super gefallen, denn hier ist erstaundlich wenig los. Die meisten Leute bleiben nur für einen kurzen Fotostopp und fahren dann gleich weiter.

    Ich lasse mich von einer netten Mitarbeiterin des Visitor Centers beraten, welcher Trail sich am besten für eine kurze Wanderung eignet. Sie empfiehlt mir einen Loop und gibt mir auch gleich noch eine Karte mit Beschreibungen. Der imposanteste Trail wäre wohl der „Hoodoo Trail“, allerdings ist er mir mit 500 Metern zu kurz. Ich kombiniere den Buckhorn und Golden Wall Trail und habe so eine gemütliche 6 km lange Wanderung vor mir.


    Auf dem Buckhorn Trail


    Ein toller Aussichtspunkt mit imposantem Hoodoo


    Der Golden Wall Trail

    Unterwegs treffe ich nur einmal eine Gruppe, die mir von einem Aussichtspunkt entgegen kommt. Ansonsten habe ich die wunderschöne Gegend ganz für mich alleine. Ich entdecke sogar wilde Akeleien, eine meiner Lieblingsblumen. Die Hoodoos sind nicht ganz so zahlreich wie im Bryce-Canyon, aber mindestens so beeindruckend.


    Die wilde Akelei


    Blick nach Norden


    Die Golden Wall

    Auf dem Rückweg läuft das letzte Stück bis zum Parkplatz ein älteres Paar Hand in Hand vor mir her, mich rührt die Szene irgendwie total. Vielleicht, weil ich alleine hier bin.



    Abends fahre ich weiter nach St. George, um mein Auto wieder zurückzugeben. Der schnellste Weg ist laut Google Maps über Panguitch (also ein kleiner Umweg nach Norden), aber ich möchte lieber Kilometer sparen und fahre über den Hwy 14 nach Cedar City. Und das war eine tolle Entscheidung! Die Straße durch den Dixie National Forest ist unglaublich schön. Ich sehe so viel Grün wie schon seit Wochen nicht mehr, dichte Wälder wachsen hier oben. Die Straße windet sich in vielen Kurven Berge hinauf und wieder hinab, wilde Berge ziehen an mir vorbei und ich würde am liebsten einfach mal abbiegen und ein paar Tage hier bleiben. Vielleicht beim nächsten Mal…



    In St. George kaufe ich Essen für eine Woche, da ich nach Abgabe meines Autos per Shuttle in den Zion Nationalpark fahre und dort neben zwei Tageswanderungen noch eine 5-Tages-Trekkingtour geplant habe.

    Fazit:
    Wer eine schöne Wanderung abseits vom Bryce-Rummel machen möchte, dem kann ich den Red Canyon nur wärmstens empfehlen.

    18. Tag – Fr, 01.06.2018
    Snow Canyon State Park

    Ich habe mir keinen Wecker gestellt und schlafe erst mal bis um halb 11 – und das, obwohl ich um 10 Uhr ins Bett bin... Reisen macht müde

    Bis ich alle Telefonate usw "erledigt" habe (ich musste auch nochmal zu Walmart), ist es recht spät und so stehe ich um zwei Uhr am Trailhead im Snow Canyon.

    Erst mal ein paar allgemeine Infos:

    Der Snow Canyon State Park liegt gleich nördlich der größten Stadt des südlichen Utahs, St. George, und westlich der großen Red Cliffs National Conservation Area. Er wird zu unrecht von den meisten Reisenden links liegen gelassen: Wer die Gegend besucht, fährt meist gleich weiter zum berühmten Zion Nationalpark. Derweil ist der kleine State Park definitiv einen Besuch wert!

    Hier eine Karte des Parks und seiner Trails:


    Als ich dort war dachte ich mir, dass es viel besser gewesen wäre, hier eine 2-Tageswanderung zu unternehmen, als zwei Tage im Bryce zu bleiben. Also ist empfehlenswert, der Park



    Da ich so spät dran war konnte ich nur eine 2-Stunden-Wanderung unternehmen und hab mir aus verschiedenen Trails einen Loop zusammengebastelt, bei dem man an den Highlights vorbei kommt:


    Toller Ausblick in den Canyon


    Tolle rote Berge vor weißen Klippen


    Lavahöhlen (die Frau mit ihrem Mann und eine weitere, alleinwandernde Frau waren die einzigen, die mir begegnet sind)


    Riesenkakteen


    ausgetrocknete Flussbetten


    Und das beste kam zum Schluss: Versteinerte Dünen. War wirklich toll


    In der Ferne hab ich noch zwei Jungs entdeckt, aber das zählt finde ich nicht als "Begegnung"


    und noch mehr tolle Ausblicke

    Meine Wanderung dauerte genau von 2 bis 4 pm und gefiel mir wirklich gut, auch wenn man teilweise über nervigen Sand laufen musste. Punkt 5 Uhr stand ich dann beim Autoverleiher am anderen Ende der Stadt und Megan, meine Airbnb Vermieterin, holte mich netterweise von dort ab. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es natürlich nicht, die Verleihstation ist ja nur am Flughafen… 😉 . Den Abend verbringe ich gemütlich vor dem riesengroßen Fernseher mit Dexter, Staffel 1.

    Fazit:

    Den Snow Canyon State Park kann ich jedem nur ans Herz legen.

    Ich war nur im nördlichen Teil unterwegs und hier hat man nichts von der nahen Großstadt mitbekommen. Perfekt, um einfach mal rauszukommen und abzuschalten.


    19. Tag – Sa, 02.06.2018
    [COLOR="#A9A9A9“]Dixie Rock & St. George Narrows[/COLOR]

    Ich verbringe den Vormittag mit Packen und Telefonieren mit den Liebsten (endlich mal richtig gutes Internet!), dann rufe ich mir ein Uber-Taxi und fahre zum sogenannten „Dixie Rock“. Er ist eine große natürliche „Aussichtsplattform“ am äußersten Süden der Red Rocks National Conservation Area bzw. am nördlichsten Punkt von St. George und man kann von dort oben die ganze hässliche Stadt überblicken .


    Die Aussicht vom Dixie Rock

    Ich laufe und Kraxel ein bisschen auf den Felsen rum, was ziemlich großen Spaß macht. Hier sind einige Leute unterwegs, der Dixie Rock ist eine Touristenattraktion. Dass hier Hinz und Kunz rumlaufen, kann man auch gut an dem vielen Müll sehen, der sich in den Felsritzen angesammelt hat.

    Anschließend laufe ich den Rim Trail (ab jetzt völlig einsam), ich bin mir sehr sicher, dass er am botanischen Garten endet. Nachdem ich eine Stunde gelaufen bin, endet er allerdings einfach im Nirgendwo, wodurch ich den gleichen Weg wieder zurückgehen muss. Es ist mal wieder brütend heiß und ich werde ziemlich gebrutzelt.


    Am Ende des Rim Trails

    Auf dem Weg zurück und bei der Suche nach dem botanischen Garten entdecke ich auf Google Maps die St George Narrows, und begebe mich auf die Suche nach ihnen. Solche Narrows oder Slot Canyons sieht man nämlich nicht einfach so von der Ferne. Zum Glück ist der Standort bei Maps recht gut markiert und kurz davor entdecke ich sogar noch einige schöne Steinbrücken.




    Schöne kleine Arches

    Dann stehe ich über den gut 15 Meter tiefen Narrows. Ich höre, dass dort unten Leute sind und kurz darauf kommt ein Mädchen am Ende rausgeklettert. Sie sagt, dass man nur in eine Richtung laufen soll, und zeigt mir eine „Sneaker-Route“, also einen alternativen Eingang kurz vor dem engen Stück. Es ist ein kleines Loch im Boden und ohne ihre Anleitung wäre ich da nie reingekrabbelt. Nach einer kurzen Kletter- bzw. Rutschpartie stehe ich in einer Felsschlucht und direkt vor den Narrows. Hier gibt es einige Kletterrouten an den Wänden, da juckt es mich gleich in den Fingern.


    Die Narrows von oben


    Der versteckte Seinteneingang


    Tadaa: die Narrows

    Kurz nach mir kommt eine andere Gruppe auf der Suche nach den Narrows an und wir warten gemeinsam, dass die Gruppe vor uns endlich den Weg frei macht. Da kommen ein paar der Mädls wieder zurück und berichten erschreckendes: Ein armes Mädchen ist stecken geblieben!


    Mit vereinten Kräften wird versucht, das festgeklemmte Mädchen zu befreien

    Es dauert ca. 20 Minuten, bis sie sie endlich befreien können. Sie war ein bisschen dicker und hat den Fehler gemacht, sich hinzusetzen, als sie nicht mehr vorwärts gekommen ist. Dadurch steckte sie so richtig fest und konnte auch nicht mehr aufstehen. Sie ist natürlich völlig fertig mit den Nerven und tut mir schrecklich Leid. Die ganze Gruppe steigt in ihren Bus und fährt davon, ich hoffe, dass das Mädl zu Hause erst mal eine gemütliche Decke und einen heißen Kaba oder ähnliches bekommt.

    Zurück bleibt eine Frau, die anscheinend hier arbeitet (ich habs nicht so ganz verstanden) und uns eine Anleitung gibt: an einer besonders schmalen Stelle sollen Frauen mit großer Oberweite etwas in die Knie gehen, da es sonst zu schmal zum atmen wird. Zum Glück bin ich von solchen Einschränkungen nicht betroffen und so folge ich zusammen mit zwei Jungs aus der Gruppe hinter mir problemlos der Lady in den Canyon. Das ist eindeutig die engste Felsspalte, durch die ich mich bisher durchgeschoben habe! Alleine hätte ich mich das nicht getraut, vor allem nicht mit der Vorgeschichte von dem armen Mädchen….



    Nach dem Mikro-Abenteuer St. George Narrows erkunde ich noch den botanischen Garten, der auch gleich hier um die Ecke ist und trinke dort auf der öffentlichen Toilette etwas Wasser. Da ich nun schon Stunden ohne Kopfbedeckung rumlaufe („ich bin ja nur kurz unterwegs“), merke ich, wie ich langsam austrockne. Ich freue mich total über das Grün und den kleinen Bachlauf.





    Anschließend laufe ich zurück nach St. George: Ich möchte in ein Café, um im Wlan ein Uber-Taxi bestellen zu können.

    Das nichtexistente Stadtzentrum von St. George oder die Unattraktivität von amerikanischen Städten

    Ich laufe also los Richtung Süden und zur „Main St“. Das klingt doch schon nach Zentrum! Pustekuchen, ich finde nichts! Ein geschlossenes Café, mir wird gesagt, dass es hier auch kein weiteres gibt. Ich finde in einer Straße fünf Häuser, die mich ein bisschen an die Westernbuden in Lucky Luke Comics erinnern. Mir dämmert, dass das hier vielleicht das berühmte „Historic City Center“ von St. George ist. Das kann doch nicht sein! Kann das sein?



    Ich laufe weiter die Main St nach Süden, doch ziemlich schnell merke ich, dass es hier kein Zentrum, wie ich es kenne, geben wird. Wie soll ich hier bitte Internet finden?



    Immerhin unterhalten mich die Fußgängerampeln: Die Amis sind wohl so selten zu Fuß unterwegs, dass sie in der Zwischenzeit vergessen, wie diese „Fußgängerampel“ funktioniert…




    Kurz vor meiner Unterkunft, von den roten Bergen im Hintergrund komme ich her…

    Abends gibt es dann zur restlichen Dexter-Staffel eine leckere Belohnung. Immerhin sind heute an meinem Entspannungstag doch ca. 13 Kilometer, einige Kraxelaktionen in den Narrows und etliche Stunden in der prallen Sonne zusammengekommen.



    Fazit:

    St. George ist dann schön, wenn man ein Auto hat, um die umliegenden Parks zu erkunden! Die Red Cliffs sind zwar wirklich schön, allerdings ist es besser, man fährt weiter nach Norden und außer Sichtweite der Stadt.

    Die Stadt selbst konnte mir leider nichts interessantes bieten. Es ist aber durchaus für einen gemütlichen Entspannungs- und Einkaufsstopp auf einer längeren Reise geeignet.
    Geändert von blackteah (07.01.2019 um 19:24 Uhr)

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    AW: USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #8
    Tageswanderungen im Zion Nationalpark

    20. Tag – So, 03.06.2018

    Zion ist ein recht kleiner Nationalpark und doch unter den fünf meistbesuchten in ganz Amerika. Allerdings drängeln sich die meisten der Besucher im Main Canyon, der ganz nebenbei auch die spektakulärsten Hikes und Ausblicke bereit hält. Im Main Canyon fährt ca. alle 10 Minuten ein Shuttle Bus, in den Sommermonaten darf man mit dem Auto gar nicht rein.

    Ich reise per Shuttle (St George Shuttle) an, das ist zum einen bei einem mehrtägigen Aufenthalt billiger als ein Mietwagen und zum anderen äußerst Stressfrei. Mein Airbnb Host Megan fährt mich zur „Haltestelle“ und so checke ich am frühen Nachmittag im „Zion Camp Ferber Resort“ Campground ein. Es ist mit Abstand der teuerste Campground und zugleich auch einer der unschönsten. Leider habe ich keinen Platz auf den Campgrounds im Nationalpark bekommen, die sind um einiges schöner und schattiger.


    Es war voll, alle haben gegrillt, keine Steine da um die Heringe in den Boden zu bekommen: mein Zelt ist mir Nachts mehrmals ins Gesicht gefallen. Außerdem ist mir vor allem in der ersten Nacht dauernd Sand ins Gesicht geweht, ich konnte also insgesamt kaum und nur schlecht schlafen...


    An meinem ersten Tag mache ich mich mit der Umgebung vertraut, fahre mit dem NP-Bus bis zur Endstation und besuche den Weeping Rock. Die Berge im Zion bestehen aus Sandstein, das Wasser versickert darin und tritt, wenn es auf eine härtere Gesteinsschicht stößt, seitlich in den Canyonwänden aus. Dadurch „weint“ der Stein, und besonders schön kann man das am Weeping Rock beobachten. Es gibt in Zion noch weitere solcher Stellen, an denen sich auch immer hängende Gärten bilden, wie zum Beispiel am Emerald Pool.


    Am weeping Rock regnet es aus dem Stein

    Abends fahre ich noch zu einer „Fotografenbrücke“ im Nationalpark und fotografiere zusammen mit 20 anderen Fotografen den Watchman bei Sonnenuntergang.


    Der Watchman. Irgendwie kriege ich das mit der Zeitplanung nicht hin, ich hab wieder mal das "Alpenglühen" verpasst

    Der Outdoor Gear Shop beim Eingang ist übrigens ziemlich gut ausgestattet. Beinahe kaufe ich eines der wunderschönen Shirts, kann mich aber gerade noch zurückhalten. Worüber ich mich besonders freue ist ihre Auswahl an Darn Tough Socken, ich habe davor schon einiges darüber gelesen und kann hier endlich ein Paar kaufen und testen. Ich finde sie klasse!


    21. Tag, Mo 04. Juni 2018 – Wanderung zum Observation Point und Hidden Canyon

    Am nächsten Morgen wird das Wirklichkeit, was ich im Internet schon oft gelesen habe: Die Menschenmassen im Canyon. Ich stehe nicht sofort bei Eröffnung des Parks an den Bussen und so muss ich eine Dreiviertelstunde anstehen, bis ich endlich an der Reihe bin. Unglaublich, die meisten sind mit Neoprenschuhen und Stock ausgerüstet: Sie wollen alle in die Narrows.


    Die Warteschlange vor der Bushaltestelle. Unter dem Dach geht es in gewundenen Schlangen (wie am Flughafen) bis zum Einstieg vor

    Ich bin ganz froh dass ich schon früher aussteige und mache mich um halb 11 auf dem Weg zum Observation Point. Von ihm soll man eine gigantische Aussicht über den Main Canyon haben.

    Leider ist der Weg relativ unspannend, er ist größtenteils aus dem Fels gehauen oder gesprengt und wurde anschließend mit einer Art Beton übergossen. Laaaangweilig zu laufen!



    Dafür entschädigen die immer wieder tollen Ausblicke, vor allem das Stück durch den Echo Canyon gefällt mir gut.


    Tolle Aussicht in den Canyon und zum Angels Landing Felsen


    Der Teil durch den Echo Canyon gefällt mir am besten, auch weil der Boden aus Stein ist


    Der Echo Canyon ist leider viel zu kurz… Vor mir läuft ein Paar und hört übers Handy laut Musik. Urgs.

    Die letzte Stunde laufe ich am frühen Nachmittag in der prallen Sonne und bin sehr froh, nach 2,5 Stunden endlich oben anzukommen. Ich lege mein Gepäck in den Schatten in die Nähe von Menschen (Hier gibt es jede Menge hungriger Squirrels) und mache erst mal ganz viele Fotos von der gigantischen Aussicht.

    Es ist einfach nur Fantastisch! Ich habe auch das Glück auf einen fotowütigen Mitwanderer zu stoßen, der sich in immer neuen Posen fotografieren lässt. Er findet meine Fotoausschnitte super und macht dafür die gleichen Fotos auch für mich, ein sehr praktischer Tausch ;).


    Der Blick lohnt alle Mühen!


    Geschafft aber glücklich

    Ich bleibe eine ganze Weile hier oben und genieße die Aussicht, es ist einfach zu gut. Ich versuche auf der West Rim einen Trail auszumachen, irgendwo muss es oberhalb von Angels Landing auf die Rim gehen. Aber ich habe keine Ahnung wo es langgeht, selbst jetzt, wenn ich die Fotos betrachte weiß ich es nicht – obwohl ich dort ja mittlerweile lang gegangen bin.

    Schließlich mache ich mich nach einer leckeren Sandwichpause wieder auf den Rückweg. Es ist jetzt sogar noch heißer und mir kommen einige sehr erschöpfte Wanderer entgegen, die den ganzen Weg im prallen Sonnenschein laufen.


    Manchmal entdeckt man Kakteen am Wegesrand


    Blick über die West Rim


    Rechts kann man die Switchbacks und den Trail zum Hidden Canyon erkennen

    Der Abstieg geht erstaunlich schnell und so mache ich bei der Abzweigung zum Hidden Canyon noch einmal Rast. Eigentlich hatte ich heute nur den Observation Point geplant, aber es ist noch nicht so spät, es wäre eigentlich noch Zeit. Erst gestern habe ich auf Instagram schöne Fotos vom Hidden Canyon gesehen. Mir kommen Wanderer entgegen und erzählen, dass der Canyon größtenteils im Schatten liegt. Ich checke mein Trinkwasser: ca. 200 ml, und ich habe großen Durst.

    Ich beschließe, einfach mal loszulaufen bis mein Wasser leer wird und dann umzukehren. Mal sehen, wie weit ich komme.


    Es fängt schonmal äußerst schön an

    Eine gute Entscheidung, denn der Hidden Canyon ist wirklich sehr schön! Anfangs ist der Weg auch aus dem Stein gehauen, allerdings wurde er zum Glück nicht mit Beton übergossen. Die Stahlseilsicherung ist etwas überflüssig, hilft den unerfahrenen Wanderern aber, sicheren Fußes die „schmalen“ Passagen zu überwinden.


    Ein kurzes Stück ist mit einem Seil gesichert

    Nach einigen gehauenen Treppen erreicht man dann den schönen grünen und schattigen Canyon und kann eine Weile darin herumwandern. Es gibt sogar einen schönen Steinbogen, dem man zur Abwechslung mal auf Augenhöhe begegnen kann.




    Hier kann mans aushalten, wenn man sonst überall von der Sonne gegrillt wird

    Leider viel zu früh kommt ein Schild, ab hier gehts nicht weiter. Wobei, so früh ist es gar nicht, ich habe gerade den letzten Rest Wasser aus meiner Flasche getrunken und habe immer noch großen Durst. Also eigentlich der perfekte Zeitpunkt .


    Ende erreicht…


    Auch im Hidden Canyon gibt es ein paar beeindruckende rote Steilwände


    Im Park leben zuckersüße Streifenhörnchen.

    Der Rückweg zieht sich dann ein wenig, meine Cola-Tagträume, die mich schon eine Weile begleiten, werden immer aufdringlicher. Ich sehe sie förmlich schon vor mir und verzehre mich nach einem Schlückchen Wasser. Deswegen steige bei der Zion Lodge aus, kaufe mir eine riesengroße Cola und trinke sie auf der grünen Wiese mit den roten Wänden sofort aus. Wie schön, Amerika, dass du den kostenlosen refill erfunden hast! Und so genieße ich meinen zweiten Becher leckerster Cola, den ich je getrunken habe, auf diesem wunderschönen Fleckchen Erde und kann mir gerade keinen schöneren Ort vorstellen.

    Merke: Immer genügend Wasser mitnehmen, wenn man in Wüsten wandert ! Für mich waren 2 Liter für die Wanderungen Observation Point und Hidden Canyon viel zu wenig.


    Die Wiese an der Zion Lodge, ein Ruhepol mitten im Trubel



    22. Tag, Di 05. Juni 2018 – Die Zion Narrows

    Ich habe mich heute mit Nick verabredet, den ich in Escalante kennengelernt habe. Er ist zufälligerweise zur selben Zeit wie ich hier und möchte unbedingt die Narrows wandern – und zu zweit macht das eben viel mehr Spaß.

    Obwohl ich heute viel früher dran bin und weniger Leute da sind, muss ich genauso lange wie gestern warten: es fahren viel weniger Busse. Endlich ist es so weit und lustigerweise ist Nick im selben Bus, nur einen Wagen weiter vorne. Bis wir loslaufen, ist es schon halb 9.

    Ich bin etwas aufgeregt, weil ich keine Ahnung habe wie es so mit Nick wird, aber es ist total entspannt und wir können uns sofort unterhalten. Er ist Baumschneider, lebt in Kalifornien und reist gerade mit seinem Hund an die Ostküste, um dort bei Bekannten Bäume zu schneiden. Davor hat er schon in etlichen Bundesstaaten, in Alaska und in Südamerika gelebt, meistens von Outdoorbezogenen Berufen. Ich finde, er hat einen inspirierenden Lebensstil und eine gute Einstellung zur Natur.


    Oh du schönes Utah mit deinen wunderbaren Canyons!

    Es ist ziemlich viel los in den Narrows und so versuchen wir, so schnell wie möglich alle Leute zu überholen, die da mit ihren ausgeliehenen Holzstöcken im Wasser rumstaken. Nick erzählt mir von dem Nebencanyon „Orderville Canyon“, dass dieser einsam und schön ist. Schon bald stehen wir an der Confluence und biegen nach rechts ab.

    Ab jetzt wird es richtig schön. Wir sind ganz allein, der Canyon ist schmal und es gibt immer wieder Felsen mit Wasserfällen, über die man drüber klettern muss. Es macht total viel Spaß. Nick klettern (wohl auch ziemlich gut) Bigwall Wände und oft scoutet er den Weg und zeigt mir dann, wie eine Stelle zu überwinden ist. Vor allem bei Platten bin ich ziemlich unsicher, und hier ist alles Nass und teilweise glitschig.


    Im Orderville Canyon


    Das Wasser ist eisig


    Es ist wirklich wunderschön hier

    Das Wasser ist eiskalt und da hier noch keine Sonne auf den Boden scheint, ist auch die Luft sehr kalt. Wir versuchen, die Pools zu umklettern, doch das funktioniert nicht immer und bald zittere ich trotzdem am ganzen Körper. Uns kommen vier Jungs entgegen, die wir nach den weiteren Verhältnissen fragen. Einer geht sofort weiter, er ist vor Kälte schon ganz Lila. Die anderen berichten von Pools, die zu tief zum Stehen sind und einem Felsen mit einem Seil.

    Gespannt gehen wir weiter, Nick möchte unbedingt dieses Seil sehen. Dann kommt ein Pool, den man durschwimmen müsste. Ich habe darauf gelinde gesagt herzlich wenig Lust und entdecke einen Baumstamm, der im Wasser treibt. „We could ride the tree“ schlage ich vor. Nick lacht, dann schaut er mich an und checkt, dass ich es ernst meine. Dann schlägt sein Lachen in Begeisterung um und ich lerne ein neues Wort: „Yes, let’s ride the Log!!“. Gesagt, getan, wir verpacken unsere Sachen Wasserdicht im Rucksack, setzten uns rittlings auf den Baumstamm und stechen in See. Wir fühlen uns wie Indianer in einem Einbaum. Es ist großartig!


    Unser Baumstammritt war definitiv der coolste Moment! Hier sind wir allerdings schon auf dem Rückweg, wir sind nochmal einzeln hin und her gefahren um Fotos zu machen

    Beinahe kentern wir, doch dann erreicht Nick den quer über dem Wasserfall liegenden Baumstamm und kann uns sichern. Wir lachen und bestätigen uns gegenseitig, wie cool das gerade ist.

    Doch schon bald danach kommt der nächste Wasserfall, hier gibt es keine andere Möglichkeit als das Wasser. Wir überlegen lange, was wir machen sollen und kehren dann doch um, es ist einfach zu kalt.

    Unser Baumstamm ist beim Rückweg zwar wieder weggetrieben, aber Nick schafft es irgendwie, ihn wieder zu unserer Seite zu holen. Wir sitzen auf, Nick startet diesmal zur Dokumentation ein Handyvideo. Kaum haben wir abgelegt, kommt der Stamm ins rotieren, ich versuche noch mit dem Trekkingstock den Fall aufzuhalten, stochere aber ins Leere. Schwupp, wir nehmen beide ein eiskaltes Bad! Es ist so tief, dass meine Füße nicht mal den Boden berühren. Nick schafft es währenddessen (er fiel auf die andere Seite) irgendwie, sein Handy über Wasser zu halten und so vor dem Nässetod zu bewahren. Leider hat das Video den Fall nicht richtig aufgenommen, nur unser Gekreische und Gelache.

    Noch mehr zitternd, bibbernd und lachend stehen wir schließlich am Ufer, mittlerweile erreicht die Sonne den Talboden und so veranstalten wir hier, etwas aufgewärmt, ein Log-Fotoshooting und fahren beide nochmal die Strecke zum Wasserfall hin und her.


    Zeit fürs Fotoshooting

    Beim Rückweg kommen uns auf einmal viele Menschen entgegen und wir sind sehr froh, so früh gestartet zu sein.




    Wir entdecken wunderschöne wilde Akeleien

    Zurück in den Narrow laufen wir noch weiter Stromaufwärts, bis wir zu den großen Bouldern kommen. Wir klettern auf ein besonders schönes Exemplar hoch und ich sage scherzhaft: „If you scout how deep the water is, I will jump“. Mir ist grad ziemlich warm

    Nick lässt sich das nicht zweimal sagen und erkundet mit einem kleinen Sprung von weiter unten die Wassertiefe, dann traue ich mich zu springen. Es ist einfach total cool hier



    Das Wasser ist schön erfrischend, nicht so kalt wie im Orderville Canyon, und die Sonne scheint schön warm auf den Grund des Canyon. Wir kehren um und versuchen zügig zurück zu gehen, allerdings kommt uns der Rückweg nun doppelt so lang vor. Ich mache von den Narrows kaum Fotos, da wir uns meistens unterhalten und wir nicht viel stehen bleiben wollen.

    Übrigens: Die vielbesungene Walls-Street-Section der Narrows empfinde ich als gar nicht so eindrucksvoll. Vermutlich bin ich zur falschen Tageszeit hier (Morgens oder Abends wird sie wohl angestrahlt), oder ich bin einfach zu verwöhnt vom Buckskin Gulch. Und außerdem sind hier viel zu viele Menschen

    Es wird immer voller. Kurz vor Ende wird uns deutlich vor Augen geführt, warum man möglichst früh mit einem Narrows-Hike anfangen sollte:



    Ich habe außerdem gelesen, dass man in Zukunft ein Permit für die Narrows beantragen muss. Angesichts der Massen an Menschen ist das wohl die einzige Möglichkeit, die Natur ein bisschen zu schützen.

    Zurück am Campground

    Ich habe heute leider noch nicht frei und muss für meine morgige Trekkingtour noch ein Shuttle organisieren, was mir nach einigen Telefonaten auch gelingt. Und da fällt mir plötzlich siedend heiß mein Permit ein. Man darf im Zion nicht einfach wandern, man muss hochkompliziert heißbegehrte Permits für die Campgrounds ergattern, die man am Tag vor Tourbeginn abholen muss! Und das Information Center macht in 10 Minuten zu!

    Ich renne los und schaffe es tatsächlich noch, um 5 vor 6 am Schalter zu stehen und mein Permit abzuholen. Phew! Leider ziehe ich mir so in meinen nassen Socken und Schuhen zwei Blasen zu. Toll – was gibt es besseres vor einer Trekkingtour! 

    Abends treffen Nick und ich uns noch auf zwei Bier, lassen unser kleines Narrows-Adventure Revue passieren und tauschen Fotos aus. Es ist angenehm, mal abends nicht alleine zu sein sondern Gesellschaft zu haben. Er hütet das Haus (sowie zwei Cabins, einen Pool, einen Jakuzi und einen Wohnwagen) und die zwei Hunde von Freunden und kann so eine Woche kostenlos hier wohnen. Sein Angebot, auch im Haus zu übernachten schlage ich allerdings aus – man weiß ja nie, so gut kenne ich ihn jetzt auch nicht. Manchmal ist es schon nervig, dass man als Frau vorsichtig sein muss. In solchen Situationen wäre ich immer gerne ein Mann, der solche spontanen Angebote unbedarft annehmen kann…

    Fazit

    Mir hat es im Zion Main Canoyn echt gut gefallen! Man sollte nicht erwarten hier alleine zu sein, aber die Ausblicke in den Canyon sind schon wirklich einzigartig. Und die Narrows machen einfach nur jede Menge Spaß

    Ich kann jedem nur empfehlen die Gegend zu Fuß zu erkunden, bei der ersten Fahrt mit dem Shuttle durch den Canyon habe ich mich ein bisschen gewundert, warum der Park so dermaßen beliebt und gut besucht ist....
    Geändert von blackteah (25.01.2019 um 21:31 Uhr)

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    AW: USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #9
    Trans Zion Trekking – Allein mit den Gedanken

    Der Zion Nationalpark ist zwar sehr schön, jedoch hatte ich auf dem Trek so meine Höhen und Tiefen. In diesem Reisebericht werde ich auch meine negativen Gedanken und Probleme aufschreiben, da ich denke, dass solche Seiten einer Tour auch für manch andere Soloreisenden interessant sein könnten.



    Zuerst möchte ich ein paar generelle Infos über den Zion Trek loswerden:

    Die Zion Traverse oder Trans Zion ist eine Wandertour von West nach Ost quer durch den gesamten Zion Nationalpark.

    Im ganzen Nationalpark darf man nur auf den ausgewiesenen Campgrounds schlafen, die man über ein Permit System buchen muss. Ausnahme ist der Wildcat Canyon, hier braucht man zwar auch ein Permit, kann dann aber irgendwo „100 feet“ abseits des Weges zelten.

    Die Zion Traverse ist an sich nicht anspruchsvoll, die Schwierigkeit liegt in der enormen Hitze (Wüste), den wenigen Wasserquellen (Wasser schleppen, gute Planung) und klar darin, Permits für die richtigen Campgrounds zu bekommen

    Da ich nicht die ganze Tour laufen wollte und außerdem der Trailhead im Nordwesten (Lee Pass Trailhead) gesperrt war, bin ich nur den westlichen Teil der Trans Zion gelaufen – allerdings glaube ich, dass das der spektakulärste Teil war . Um möglichst viel Zeit in der Natur zu verbringen (und da ich manche Campgrounds auf der West Rim nicht bekommen habe, sowie die Hitze und den Wassermangel nicht so einschätzen konnte), habe ich fünf Tage mit nur kurzen Strecken veranschlagt – im Nachhinein war das ein klarer Fehler.

    Meine Route:
    1. Start am Hop Valley Trailhead, über den Kolob Arch zu Camp No. 5 – 14,5 km
    2. Abstecher zum Beartrap Canyon Fall, dann zurück in das Hop Valley zum Campground B – 12,6 km
    3. Über Hop Valley und Connector Trail zum Wildcat Canyon Trail – 17,5 km
    4. Weiter zum West Rim Plateau zum Camp No. 8 – 12 km
    5. Über den westlichen Rim Trail und Angels Landing zurück in den Main Canyon zum Grotto Trailhead. Von dort aus mit dem Bus zurück zum Zion Canyon Campground – 17 km





    1. Tag: Hop Valley Trailhead – La Verkin Creek

    oder: 23. Tag – Mittwoch, 06.06.2018

    Ich habe mir am Vorabend ein Shuttle organisiert, zum Glück habe ich nicht gleich das um 7 Uhr in der früh gewählt. Da ich am Abend vor meinem Trek mit Nick noch ein Bier trinken war, dadurch erst spät ins Bett gekommen bin und morgens noch einige Zeit mit meinem Freund telefoniert habe, um mich für die nächsten Tage zu verabschieden, schaffe ich es gerade noch rechtzeitig um 10 Uhr bei der Zion Adventure Company zu stehen. Dort kann ich praktischerweise auch meinen Turnbeutel mit dem restlichen Gepäck lagern.

    Meine Fahrerin ist wie eigentlich alle Amerikaner ziemlich nett und wir unterhalten uns gut. Ich bin der einzige Fahrgast, dafür war das Shuttle echt schön günstig

    Am Hop Valley Trailhead geht es endlich los! Ich bin wunderbar positiv aufgeregt, das wird mein bislang längster Solo-Trek und ich vermute, kaum Menschen zu treffen, das das hier ja jetzt eine Sackgasse ist…


    Schon bald nach dem Start führt der Weg ins „Kuh-Reich“

    Die Landschaft ist völlig anders als ich es mir vorgestellt habe: Gleich zu Beginn führt der Weg durch ein Meer an Blumen, eine Farbenpracht wie ich sie in der Wüste nicht erwartet hätte. Es summt und brummt um mich herum und ich kann mich gar nicht satt sehen. Nach kurzer Zeit geht es in ein weites Tal mit freundlicher, aber scheuer Kuhherde. Die Canyonwände sind für meinen Geschmack zu weit weg und die Vegetation zu nah, aber schön ist es trotzdem. Die Bäume werden mich heute den ganzen Tag begleiten. Das hat auch etwas positives: Die Sonne brennt vom Himmel, der sandige Pfad erschwert das Laufen und ich werde etwas wehmütig als ich daran denke, dass ich in zwei Tagen nochmal durch das Tal laufen werde. Ich laufe nicht gerne Wege zweimal…


    Sanft fließt der Trail durch das weite Tal, immer wieder muss man den kleinen Bach überqueren. Das Wasser im Hop Valley darf man übrigens nicht trinken, auch nicht gefiltert.

    Hier im breiten Canyon wohnen viele Fliegen und manche verbeissen sich in meinen Beinen. Da die Fliegen aber immer recht lange sitzen bleiben um Blut zu trinken, erschlage ich die meisten an meinen Wadln.

    Das Wandern fällt mir heute ungewöhnlich schwer. Mein Rucksack drückt, alles ist anstrengend, die Hitze drückt mich nieder. Ich versuche trotzdem, alles um mich herum so gut es geht zu genießen.


    Mittagspause im Schatten, mit ekliger fettiger amerikanischer „Salami“ und super leckeren Mini-Tortillias .

    Nach einem sehr anstrengendem Aufstieg und einem langen Abstieg, und dem mir ewig vorkommenden Stück dazwischen, erreiche ich endlich den La Verkin Creek. Mir dämmert langsam, dass ich diesen Abstieg morgen mit genügend Wasser für 1,5 Tage – also 6,5 Litern – in entgegengesetzter Richtung bewältigen muss: Bergauf. Das macht mir etwas Angst. Überhaupt, reichen 6 Liter? Ich muss zwei Nächte und über 20 km Weg überstehen. Ab diesem Moment ist die Gedankenmühle angeschmissen und lässt mich nicht mehr los:

    Ich frage mich, wieso ich mir am Hop Valley Trailhead keine Gallone Wasser deponiert hatte, ich hatte am Zion Campground fast noch einen ganzen Kanister übrig, den ich zurück gelassen habe. Es ist mir auf einmal unerklärlich, wieso ich das nicht getan habe, es wäre so einfach gewesen. Ich ärgere mich ziemlich, weil ich jetzt so große Angst vor der Wegstrecke ohne Wassernachschub in dieser sengenden Hitze habe. Das Gewicht des Wassers und überhaupt die Verfügbarkeit von Wasser wird mich ab jetzt die nächsten Tage völlig in seinen Bann ziehen und mir viele rastlose Momente bescheren.

    Jetzt geht es aber erst mal noch am La Verkin Creek entlang, der wirklich total schön ist. Eine grüne gluckernde Oase mitten in den Sandstein-Canyons. An der Abzweigung zum Kolob Arch laufe ich ohne Gepäck den wunderschönen verschlungenen Pfad bis zum Arch, welcher erstaunlich unspektakulär und kaum zu sehen ist… ;)


    Der unspektakuläre Kolob Arch.

    Zurück am Rucksack mache ich nochmal kurz Pause und laufe dann die letzten 2-3 Kilometer zu meinem reservierten Campground. Obwohl es nicht weit ist, kommt mir der Weg elendig lang vor. Meine Füße schmerzen und ich habe ziemlich Durst, will so kurz vor dem Ziel aber kein Wasser filtern. Hinzu kommt, dass auch dieser Canyon und der Fluss stark bewachsen sind und man den eigentlichen Canyon nur sehr selten sieht. Ich wandere am liebsten mit einer weiten Sicht – aber der Vorteil ist, dass es einigermaßen schattig ist. Unterwegs habe ich zwei Wanderer getroffen, die einen anderen Campground als Ziel hatten. Wir haben nur wenige Worte gewechselt und ich werde sie nicht wieder sehen.


    Wunderbar erfrischender Virgin River, einfach traumhaft.

    Der Campground ist wirklich sehr schön und wunderbar schattig. Ich filtere mir Wasser, trinke fast einen Liter auf der Stelle und filtere dann die restlichen Flaschen. Meine Gedanken fangen wieder an, um die nächsten Tage zu kreisen. Wie soll ich das nur schaffen, wie soll ich durch den wasserlosen Wildcat Canyon kommen? Ich muss mir genug Wasser für zwei Nächte mitnehmen und weiß noch nicht genau, wann ich die nächste Quelle erreichen werde.

    Ich schiebe die Gedanken beiseite, bade im wunderbar erfrischenden Fluss, wasche meine Kleidung und koche mir mein Abendessen. Chicken & Dumplins in Sahnesoße sind übrigens nicht wirklich lecker…

    Und dann bin ich allein. Das heißt, nicht ganz: Es leben hier furchtbar viele Fliegen, Beissfliegen, Minifliegen und ein paar Mücken. Gegen das Beiss- & Stechgetier hilft mein Mückenmittel, doch die Minifliegen machen mich mal wieder wahnsinnig, so wie vor zwei Wochen bei Buckskin Gulch. Sie versammeln sich als Schwarm um den Kopf und es kitzelt total, wenn sie auf einem landen, außerdem fliegen sie einem in die Ohren. Es ist so ätzend.

    Ich versuche Yoga zu machen und ein bisschen Tagebuch zu schreiben, aber man kann fast nicht still sitzen. Ich denke an unseren mückenverseuchten Norwegen-Urlaub zu Midsommar vor ein paar Jahren und vermisse meinen Freund auf einmal irre stark. Meine Brust wird ganz eng. Natürlich habe ich ihn während meiner Reise auch bisher vermisst, das gehört ja irgendwie dazu. Aber bisher bin ich alleine eigentlich ganz gut zurecht gekommen. Jetzt aber wünsche ich ihn mir sehnlichst herbei. Alles wäre mit ihm schöner und weniger beschwerlich.


    Auch der Sonnenuntergang vermag meine Stimmung nicht zu heben, vergeblich suche ich nach spannenden Fotomotiven.

    Ich versuche mich abzulenken und gehe auf eine kleine Fototour, aber überall versperren mir Bäume die Sicht und ich finde kein richtig schönes Fotomotiv. Generell sind mir hier zu viele Bäume und die Berge sind viel zu weit weg. Ich bin in Zions Natur offensichtlich noch nicht wirklich angekommen, negative Gedanken besetzten mich und ich schaffe es nicht, mich abzulenken.

    Um halb 9 dämmert es und ich kann endlich ins Bett. Morgen wird es bestimmt besser.

    Unterwegs: 10:30 am – 5 pm
    ca. 14,5 km, 130m hoch, 530m runter






    2. Tag: La Verkin Creek – B Horse Camp

    24. Tag auf Reisen – Donnerstag, 07.06.2018

    Ich höre einen Bergsturz und wie Leute verschüttet werden. Ich schrecke aus dem Schlaf auf und bekomme riesige Angst. Überall Felsen, ich bin verschüttet. Ich versuche meine eingesperrten Beine zu bewegen und mich zu befreien, kratze mit den Fingern über Steine und Sand. Eben habe ich doch noch Menschen gehört, ich rufe laut und versuche sie auf mich aufmerksam zu machen. Ich will nicht alleine hier verschüttet sterben. Ich suche panisch in den Felsen mein Handy oder die Stirnlampe um mich wenigstens zu orientieren. Die Felsen drücken mich nieder und ich kann kaum atmen.

    Als ich endlich Licht habe erkenne ich vor mir den Zelteingang. Langsam komme ich zu mir. Ich liege im Zelt. Keine Felsen. Ein Traum. Ich bin völlig aufgelöst, es war so real. Ich gehe raus, aufs Klo, meine Knie zittern. Als ich zurück komme klopft mein Herz immer noch heftig. Sogar als ich am nächsten Abend zu meinem Handy greife um auf die Uhr zu sehen, fühle ich meine Panik während der hektischen Suche unter den Felsen nach meinem Handy wieder.

    Ich lege mich wieder hin und wache erst um 5:30 am auf, als mein Wecker klingelt. Ich bin unendlich müde und drücke bis 7:30 am auf die Schlummertaste, dazwischen habe ich wirre Träume, die Polizei, ein Dinosaurier und ein Vogel spielen eine Rolle. Wie gesagt, sehr wirr… Der Tag kann somit nur besser werden

    Aber erst mal kommt ein Dämpfer am Morgen: Ich finde meine Sonnecreme nicht! Auch Rucksack komplett entleeren hilft nicht: Ich habe es doch tatsächlich geschafft, auf meinem fünftägigen Trek durch die Wüste die Sonnencreme zu vergessen.

    Um 9:20 am starte ich endlich und laufe meinen Weg von gestern zurück. Diesmal kommt mir das Wegstück bis zur Gabelung ziemlich kurz vor. Wieso nochmal war das gestern so anstrengend? Heute bin ich froh um die Bäume und ihren Schatten, ich fürchte mich schon vor dem Sonnenbrand, der mir wohl am Ende der Tour blühen wird. Wenigstens kann ich meine Extremitäten durch lange Klamotten schützen, auch wenn es dann noch heißer ist… Diese schützen mich auch vor den nervigen Beissfliegen, das macht das Gehen gleich viel angenehmer. Hätt ich da nur gestern schon dran gedacht


    Noch hat man etwas Sicht das Tal entlang…

    Von der Gabelung aus laufe ich nicht wieder zurück ins Hop Valley, sondern weiter nach Norden das Tal des La Verkin Creek entlang. Ich möchte heute den kleinen Wasserfall im Beartrap Canyon besichtigen. Doch schon jetzt kreisen meine Gedanken um den Aufstieg ins Hop Valley mit sechs Litern Wasser, der heute Abend noch vor mir liegt.

    Da der Beartrap Waterfall eine weitere Sackgasse ist, setzte ich schon bald meinen Rucksack ab und mache mich mit Kamera, Stativ und einem Liter Wasser bewaffnet auf den weiteren Weg. Es ist zwar ganz schön, aber die Landschaft ist trotzdem nicht so wirklich meins. Es geht einfach immer noch hauptsächlich durch Wald, es gibt keine Fernsicht. Immerhin: Ich bin im Schatten .

    Die Abzweigung zum „einfließenden“ Canyon ist nicht zu verfehlen und ich biege ab. Der Weg verläuft kreuz und quer über den Fluss. Anfangs versuche ich noch an der Canyonwand trockenen Fußes vorwärts zu kommen, doch das Dickicht ist zu dicht und so bewege ich mich nun von Stein zu Stein hüpfend vorwärts. Der kleine Canyon ist total schön und es macht ziemlich viel Spaß, sich seinen Weg zu suchen.


    Der wunderschöne Beartrap Canyon …


    … mit den Beartrap Falls. Im Internet habe ich eine „Wandertour“ gefunden, die diesen Wasserfall hinab führt. Ohne Seil ist das wohl nicht zu schaffen

    Der Wasserfall ist ganz süß, ich komme um Punkt 12 Uhr dort an. Die denkbar schlechteste Zeit für Fotos…. Ich bleibe trotzdem eine halbe Stunde und fotografiere, es ist wirklich schön.


    Auf dem Weg zurück entdecke ich eine kleine Schlange, die schnell vor mir davonkriecht. Meine bisher dritte!


    Auch zwei Truthähnen begegne ich. Ich habe bisher noch nie welche in echt gesehen, die Viecher sind echt riesig! Ich versuche ein möglichst gutes Foto zu schießen, auch wenn meine Kamera nur 40 mm Brennweite hat…

    Der Rückweg geht unglaublich schnell und um 2 oder halb 3 erreiche ich wieder die letzte Flusstelle vor der Abzweigung ins Hop Valley. Ich koche Mittagessen (Apfel-Zimt mit Granola, leeeecker!) und richte mich beim schönen Camp 12 für eine laaaange Mittagspause ein, ich möchte nicht vor 6 oder 7 Uhr abends starten. Dadurch lege ich das anstrengende Wegstück in den kühleren Abendstunden zurück, die Hitze und die Sonne nehmen mich mehr mit als gedacht.

    Camp 12 ist wirklich ein sehr schöner Platz, ich verbringe die Stunden hauptsächlich mit Schreiben, liegen, essen und Wasser filtern. Ich bin hier völlig allein, ein riesiger Baum spendet Schatten und ich hüpfe mehrmals in den Fluss.

    Doch trotz der Idylle bin ich rastlos und frage mich, wieso ich mich nicht entspannen kann. Irgendwie klappt es nicht und das hat was mit dem Alleinsein zu tun, es ist echt seltsam. Generell fällt es mir hier schwer, abzuschalten. Ich bin alleine, die Natur „flasht“ mich nicht so und dadurch kreisen meine Gedanken die ganze Zeit um Probleme. Wieso ich kein Wasser hinterlegt habe. Wie anstrengend es sein wird, mit 6,5 Liter zu wandern. Wie ich morgen 20 km mit nur 4 Litern Wasser schaffen soll. Und so weiter… Nichts lenkt mich richtig von meinen Sorgen ab. Und dann wird man zusätzlich auch noch die ganze Zeit von Fliegen umsummt…


    Hier kann mans wirklich aushalten! Würde ich nochmal dort hin, würde ich auf Camp 12 übernachten.

    Um Wasser zu sparen esse ich hier am Fluss noch mein Abendessen und trinke vorm losgehen noch einen Liter Wasser. Danach ist mir ein bisschen schlecht

    Endlich ist es so weit und ich kann wieder aufbrechen. Laufen ist schön, laufen macht Spaß. Ich starte um 6:10 pm mit 7 Litern Wasser im Gepäck und mache mich daran, das „schwere“ Stück, vor dem es mir so gegraust hat, zu bezwingen.


    Oben angekommen hat man einen guten Blick auf das U-Boot

    Nach einer Stunde stehe ich an Camp B und wundere mich, wieso. Wieso war das gestern noch mal so anstrengend und hat über zwei Stunden gedauert? Wieso erdrückt mich seit Gestern die Sorge vor dem schweren Rucksack? Ich fühle mich richtig gut.

    Ich glaube, ich unterschätze immer wieder die Mittagshitze und ihre Auswirkung auf mich.


    Ganz nah bei meinem Zelt liegt ein versteinerter, schlafender Dinosaurier

    Ich baue mein Zelt auf, putze Zähne und mache ein paar Fotos. Die Seitencanyons sehen furchtbar interessant aus, es wäre sicherlich spannend sie zu erkunden. Alleine fehlt mir dazu aber der Mut und ich verschwinde um halb 9 im Zelt. Wirklich seltsam, am Campground nichts zu essen…

    Das Tor quietscht, eine Kuh muht, ein Mann schreit: Ich schaue neugierig aus dem Zelt und kurz darauf läuft eine Gruppe Jugendlicher mit erwachsenem Führer vorbei (sie sehen ein wenig aus wie Pfadfinder), der Mann erzählt Geschichten von seinen früheren Treks. Sie bemerken mich nicht und ich beobachte, wie sie weiter Richtung La Verkin Creek laufen. Langsam geht die Sonne unter.

    Unterwegs: 9:20 am – 7 pm (3,5h Pause)
    ca. 12,6 km, 560 m hoch, 370m runter



    Mein Platz auf der Hop Valley Site: B


    3. Tag: B Horse Camp – Wildcat Canyon

    25. Tag auf Reisen – Freitag, 08.06.2018

    Obwohl der Wecker schon um 5 am klingelt, schaffe ich es erst mich um 6 am rauszuquälen. Ich bin echt kein Morgenmensch…

    Mittlerweile bin ich aber recht routiniert beim Zusammenpacken und starte um 7 Uhr meinen anstrengendsten Tag auf dem Zion Trek. Der Tag, der mir die letzten Tage so viel Kopfzerbrechen und rastlose Stunden beschert hat. Es soll anders kommen, als gedacht.

    Es ist kurz nach Sonnenaufgang, alles ist in kühles morgendliches Licht getaucht, die Sonne hat den Talgrund noch nicht erreicht. Es geht gut voran, das Rucksackgewicht ist überhaupt kein Problem und das Tal gefällt mir heute richtig gut, viel besser als beim Hinweg. Ich bin richtig guter Dinge und genieße die Zeit. Doch schon bald werde ich in ein wahres Abenteuer stolpern: Eine Kuhherde blockiert den Weg


    Ein kleiner Trupp der riesigen Herde

    Ich weiß nicht viel über Kühe, habe nur von diversen Kuhunfällen und Verhalten bei Kühen und Weiden in einem Forum gelesen. Kühe nie von ihren Kälbern trennen, so viel ist bei mir hängen geblieben. Ich blicke auf eine Herde Kühe mit vielen vielen Kälbern. Wer gehört wohl zu wem?

    Ich nähere mich langsam und ein paar trollen sich glücklicherweise schnell, doch der Großteil setzt sich erst in Bewegung, als ich lauter werde und in die Hände klatsche, meine Trekkingstöcke gegeneinander schlage. Eine Kuh bricht in vollem Galopp von oben durch die Böschung, ich hab schon Angst dass sie sich die Beine bricht…

    Leider ist das Tal jetzt auch nicht soo breit und die Herde läuft genau in meine Laufrichtung. So bin ich die nächste Stunde ständig damit beschäftigt, die Herde vom Weg zu vertreiben und darauf zu achten, niemanden voneinander zu trennen. Das ist manchmal gar nicht so einfach, denn ein paar Kühe bleiben immer wieder zurück. Die galoppierende Kuh von vorhin ist mir noch deutlich im Gedächtnis. Da will man nicht zwischen die Fronten geraten und so halte ich die Herde bestmöglich beisammen.

    Endlich weitet sich das Tal, die meisten Kühe ziehen nach links ab und ich steige rechts aus dem Tal auf, Richtung Hop Valley Trailhead. Einige wenige Kühe treibe ich aber bis fast vors Gatter vor mir her…. Sie laufen vor, bleiben stehen bis ich zu nah komme, schauen mich furchtbar überrascht an und rennen dann schrecklich erschrocken weg. Kühe sind nun wirklich nicht die schlauesten Tiere. Ist ja nicht so, als ob hier nicht fast jeden Tag Wanderer durch kommen…


    Die letzten Ausläufer des Hop Valleys führen wieder durch das schöne Blumenmeer. Am meisten beeindrucken mich die Kakteenblüten

    Am Parkplatz entsorge ich meinen Müll. Ich entdecke zwei Pärchen, die gerade zum wandern aufbrechen wollen und frage sie nach Sonnencreme.

    Mit zwei fast leeren Tuben Sonnencreme reicher wandere ich weiter auf dem Connector Trail Richtung Wildcat Canyon. Der verläuft zwar parallel zu einer Straße, ist aber sehr schön! Endlich ist es so, wie ich es mir vorgestellt habe! Ich laufe ganz beglückt weiter. Der Trail verläuft zwar auch immer wieder durch Wald, ermöglicht aber oft tolle Blicke auf die Landschaft mit roten und weißen Bergen & Klippen.


    Der Connector Trail gefällt mir viel besser als das bisherige Stück…

    Um 12 Uhr mittags suche ich mir ein schattiges Plätzchen für eine lange Pause, mittlerweile bin ich schon auf dem Wildcat Canyon Trail.

    Heute bin ich in meiner Pause recht entspannt. Alles hat sich zum Guten gewendet, der Weg ist schön, das Rucksackgewicht kein Problem und ich habe heute schon viel geschafft. Das Wasser wird wohl auch bis morgen gut reichen. Ich bin zufrieden und lege mich entspannt auf meine Unterlage. Bei einem Geräusch schaue ich auf, im Gebüsch steht halb Puma (vorne), halb Jaguar (hinten). Ich schrecke hoch. Wieso hab ich hier so komische Träume?


    Gemütliche Mittagspause, für Schatten musste ich dauernd die Unterlage verschieben…

    Um halb drei gehts weiter, aber leider verläuft der Weg jetzt ausschließlich auf einem breiten Steinweg im Wald. Erstaunlich wie sich die Landschaft immer gleich auf meine Stimmung auswirkt… Mir kommt ein Dayhiker entgegen und ich frage ihn wie der Weg ist und ob es besser wird. Er schaut mich fragend an und ich meine: weniger Wald. Er meint „I like forest“ und ich meine „I love a wide view“. Er erzählt mir daraufhin von einer tollen Wildflower Section und Meadows (da wusste ich noch nicht, was das heißt: Wiese) und dass man danach eine tolle Sicht in den Canyon hat. Wie unterschiedlich doch die Menschen sind.


    Wie versprochen kommt zuerst Wiese …


    … und dann die Wildflower Section …


    … mit unzähligen wunderschönen Schmetterlingen.

    Keine 10 Schritte hinter den Wildblumen merke ich auf einmal, dass rechts von mir kein Wald mehr ist, sondern sich eine Schlucht bzw ein Canyon öffnet. Wow, bin ich schon so weit? Ab hier endet der Wildcat Canyon, die Quelle liegt irgendwo vor mir, aber ich weiß nicht wie weit. Das ist aber überhaupt kein Problem für mich, denn ich habe tatsächlich noch 3 Liter Wasser dabei. Genug für diesen Abend und morgen Früh. Ich kehre um, finde schnell einen perfekten Campground, baue mein Zelt auf und schaue auf die Uhr.

    Halb 5! Es ist erst halb fünf?? Ich war mir sicher ich wandere heute bis sieben Uhr oder so… Ich frage mich, was ich jetzt vier Stunden lang machen soll, bis ich ins Bett gehen kann. Ich würde am liebsten weiter wandern, ich fühle mich noch richtig gut. Aber ich habe kein Permit für das West Rim Plateau und meine Angst, erwischt zu werden ist zu groß. Außerdem breche ich nicht gerne Regeln, die für den Naturschutz aufgestellt wurden.

    Ich vertreibe mir die Zeit mit fotografieren, kochen, essen, Fotos anschauen, Yoga und schreiben. Am Ende sind es immer noch zwei Stunden… Ich beginne mein Buch, der kleine Prinz. Das war eigentlich für morgen gedacht, da habe ich mit nur 11 km einen sehr kurzen Tag. Aber hilft ja nichts… Die Fliegen, die auch hier in Scharen wohnen, machen es allerdings nicht wirklich gemütlicher…





    Als ich später noch die Gegend erkunde, finde ich noch etliche geeignete Zeltstellplätze, die weiter weg vom Weg wären. Es ist seltsam, mit meinem Freund suche ich immer Plätze, die man möglichst nicht sieht, die möglichst weit weg von Wegen und Menschen sind. Jetzt, allein, ist es genau umgekehrt. Auch gehen wir anderen Leuten eher aus dem Weg und ich frage mich, ob mein Normales Ich sich mit meinem Alleinreisendem Ich unterhalten würde, wenn sie sich auf Reisen treffen würden…

    Auf dem Rückweg zum Zelt befällt mich wieder die Beklommenheit, oder mehr eine unbestimmte Angst. Ich verstehe nicht warum, es gibt eigentlich nicht so richtig konkretes vor dem ich Angst habe. Klar, ich kann mich verletzen oder mich kann eine Biene stechen oder so (gerade als ich das schreibe fällt weiter weg ein Ast vom Baum: Ich könnte auch im Schlaf vom Baum erschlagen werden), aber entweder ich kann dann eh nichts mehr tun oder ich habe meinen SPOT Notfallknopf. Ich vermute, das Allein-Sein macht mir irgendwie Angst, und das auch nur im Camp.

    Ich lege mich um 8 pm ins Zelt, da fühle ich mich normalerweise besser. Meine Gedanken verselbständigen sich, ich denke an meine gemütliche Mittagspause und irgendwie beeinflusst wohl der herabfallende Ast von vorhin meinen Gedankenlauf. Ich stelle mir vor wie es wäre, wenn der Baum auf mich drauffallen würde. Mein Handy hat hier ja keinen Empfang, aber ich habe den SPOT. Der wäre aber im Rucksack gewesen und der stand weiter weg, unerreichbar in so einem Fall. Ich wäre also halb zerquetscht gefangen. Ich stelle mir vor, wie arg es wohl weh tun würden, wenn die Eidechsen an mir fressen würden – würde ich an den Beinen überhaupt etwas spüren? Wie lange würde es wohl dauern, bis ich tot bin?

    Manchmal versteh ich meine Gedanken nicht, ich stehe nochmal auf und laufe etwas umher, dann versuche ich es nochmal mit dem schlafen, zum Glück erfolgreicher.

    Unterwegs: 7am – 4pm (3h Pause dazwischen)
    Ca. 17-18 km, 500m hoch, 60m runter


    [url=https://flic.kr/p/2fgFwiU]
    Der letzte Zeltplatz im Wildcat Canyon


    4. Tag: Wildcat Canyon – West Rim Camp No. 8

    26. Tag auf Reisen – Samstag, 09.06.2018

    Ich träume von Zombies und einer Art Verfolgungsjagt in einem Haus. Die Zombies kann man nur töten, wenn man den Kopf zerstört, was manchmal ganz schön anstrengend ist.

    Um 7am schaue ich auf die Uhr. Viel zu früh. Ich will nicht so früh ankommen.

    Als nächstes träume ich von Harry, Ron und Hermine (obwohl sie nicht so aussehen, außerdem bin ich seltsamerweise Ron) und einem Schleimmonster, das eigentlich sehr nett ist. Wir helfen ihm, sich vor den Bösen zu verstecken, was für uns natürlich auch sehr gefährlich ist.

    Um 9am stehe ich schließlich auf, die Sonne scheint auf mein Zelt und die Hitze treibt mich raus. Ich lasse mir viel Zeit und bin trotzdem schon um 10 am bereit zum loslaufen. Das ist mir auch noch nie passiert .

    Nach ca. 20 min erreiche ich überraschend schnell die Quelle, ein Rinnsal aus den Steinen. Ich hole erst mal zwei Liter und wasche mich, soo kalt aber sooo gut!!


    Die Quelle im Wildcat Canyon. Viele Insekten, unter anderem Schmetterlinge, Fliegen und Wespen umschwirren das Wasser.

    Gerade als ich mein nächstes Wasser filtere kommen mir zwei Backpacker entgegen und erzählen, dass die Quelle an Camp 9 fließt, also belasse ich es bei zwei Litern und laufe um halb 12 weiter.

    Der Weg bleibt waldig und führt leicht bergan. Nur kurz hat man eine schöne Aussicht auf den eigentlichen Wildcat Canyon, von dem mir der Dayhiker gestern erzählt hat.


    Ein typisches Stück Weg.

    Heute langweilt mich der Weg "unterwegs" wirklich enorm. Ich fange an, mich nach Island zu träumen, wo es wild und kühl ist. Ich versuche, im Kopf mir die Karte zu vergegenwärtigen und suche in Gedanken einen Weg von Landmannalaugar über den Langisjör zum Myvatn, ohne dass man übers Eis oder die Tungnaa furten muss. Wie gern ich jetzt über spärlich bewaldete Hügel und Lavasand laufen würde.

    Nach 1,5 Stunden erreiche ich Camp 9 und bekomme erst mal einen Schreck, weil auf dem Schild die Entfernung zum Camp und zur Quelle mit „3 Miles“ angegeben ist. Erst auf dem zweiten Blick erkenne ich den kaum sichtbaren Punkt … 😉


    Den Punkt übersieht man aber auch wirklich leicht

    Ich mache erst mal ausgiebig Mittagspause (heute stolpere ich von einer Pause in die nächste) und suche dann die Quelle. Die ist zwar wirklich nur ein Erdloch, hat aber ganz leichte Strömung. Es dauert ewig, bis ich endlich drei Liter gefiltert habe und so nehme ich nicht mehr Wasserreserven mit. Bei Camp 8 wird die Quelle bestimmt auch noch fließen, wenn sie es hier tut.

    [url=https://flic.kr/p/TdHFh3]
    Die Quelle bei Camp 9. Auch hier gibt es unzählige Insekten, mich beeindrucken vor allem die riesigen Schmetterlinge.

    Der West Rim Trail wird langsam immer schöner. Schmaler, der Weg lichtet sich, nach links hat man immer weider eine weite Sicht auf die Berglandschaft. Und dann um drei, nach einer Stunde: WOW!!!! Nach rechts öffnet sich ein absolut atemberaubender Blick! Fantastisch!


    Einfach nur wow!

    Das wars dann auch für den restlichen Tag mit schönen Blicken und um 4pm komme ich schon am Camp an. Schon wieder so früh! Trotzdem kam mir der heutige Tag sehr anstrengend vor: Ich habe an der linken Ferse fünf neue Blasen bekommen und die auf dem rechten Fuß ist auch etwas größer geworden. Das ist die Strafe dafür, dass ich über die Mittagshitze gewandert bin. Aber ich hatte auch echt keine Lust, schon um 12 Uhr am Campground anzkommen…

    Die Quelle ist leider versiegt und so komme ich mit meinen drei Litern etwas in die Bredouille, aber das wird schon alles klappen.


    Fürs Waschen reicht das Wasser leider nicht mehr… Mjamm!

    Der kleine Prinz ist schnell ausgelesen und ich habe nichts mehr zu tun. Ich bin sehr einsam. Ich hab echt gehofft, hier wären andere Wanderer. Ich hab mir schon ausgemalt, dass man evtl zusammen zu dem tollen Ausblick von heute Nachmittag zurückgehen könnte oder die Gegend erkundet. Aber ich bin allein. Die West Rim war doch so schnell ausgebucht, wieso sind hier keine anderen Wanderer? Ich hätte es nie geglaubt, aber ich mag nicht mehr. Alleine Wandern ist für mich überhaupt kein Problem, aber dieses einsame rumgesitze pack ich irgendwie nicht. Ich hoffe so sehr, dass bei meiner Wanderung auf dem PCT in einer Woche mehr los ist. Aber ich vermute auch, dass mir da die Natur mehr zusagt, wodurch ich mich immer gleich viel besser fühle. Und ich habe keine Campgrounds, bei denen ich bleiben muss. Hier ist mein Campground von Bäumen und 2 Meter hohen Büschen umgeben, ich habe das Gefühl, überall könnte plötzlich etwas auftauchen.

    Zum Glück kann ich mich aufraffen, alleine etwas die Gegend zu erkunden. Ich möchte einen Blick in die Canyons werfen, die ich laut meiner Karte ganz nah vermute, und bahne mir einen Weg durch ein dichtes Feld brusthoher Büsche. Am Ende wartet eine wunderbare eindrucksvolle Aussicht und ein toller Sonnenuntergang auf mich, und ich bin glücklich.




    Immer wieder erstaunlich, wie sich die Bäume an den Abbruchkanten festklammern

    Auf dem Rückweg sehe ich mein kleines Zelt in der Landschaft stehen und freue mich, es sieht so schön aus. Doch noch bevor ich es erreiche ist die Enge in meiner Brust wieder da. Ich versteh das nicht. Normalerweise löst das Zelten in der Wildnis nur Glücksgefühle in mir aus. Und jetzt fühle ich mich am Camp meistens einfach nur unwohl.

    Unterwegs: 10am – 16 pm (ca. 2h Pause)
    Ca. 12km, 125m hoch, 240m runter




    5. Tag: West Rim Camp 8 – The Grotto Trailhead

    27. Tag auf Reisen – Sonntag, 10.06.2018

    Um 5:45am quäle ich mich aus dem Bett und gehe nochmal zu dem Canyon Ausblick, ich hoffe auf eine schöne Morgenröte und werde nicht enttäuscht. Einfach traumhaft!


    Sonnenaufgang




    Es ist einfach wunderschön hier

    Schließlich laufe ich um 7:10 am los, es geht sehr gut und die Füße sind brav. Der Weg führt leicht bergauf, auch mal durch einen schönen Birkenhain…



    Schon bald gibt es fantastische Ausblicke nach rechts, womit fest steht, dass ich auf alle Fälle den langen Weg an dieser Rimkante laufen werde, und nicht den kürzeren an der anderen Rimkante (mit etwas langweiligerem Panorama). Endlich ist der Weg so, wie ich es liebe.

    Die Entscheidung ist goldrichtig, der Trail schmal und die Sicht der Hammer. Mit Abstand der beste Teil der Tour.


    Der Trail auf dem West Rim Plateau ist ganz klar das absolute Highlight der Tour. Man hat durchgehend fantastische, wechselnde Ausblicke auf die zerklüftete Landschaft des Zion. Ich verstehe jetzt auch besser, warum das hier die „White Cliffs“ der Grand Staircase sind.





    Zwei Stunden bevor ich die Quelle erreiche trinke ich mein Wasser leer und so komme ich dort ziemlich durstig an. Ich treffe zwei Backpackerinnen, die mir die beste Stelle zeigen: etwas unterhalb der als erstes sichtbaren Quelle. (Übrigens sind das die ersten Menschen, denen ich heute begegne – wobei ich bei zwei Campgrounds gesehen habe, wie Zelte abgebaut wurden).

    [url=https://flic.kr/p/RAAgre]
    Die Quelle auf der West Rim

    Ich esse mein restliches Essen auf, trinke knapp einen Liter auf Vorrat und nehme einen weiteren mit. Der Abstieg ist auch sehr schön, teilweise verläuft der Trail auf seltsamen Beton, teilweise auf Stein, teilweise auf Sand. Die Canyonwand ist sehr beeindruckend, teilweise sieht man deutlich die Spuren der Wegsprengungen.

    Schon bald ist man mitten in einer „Berglandschaft“, weil der höchsten Rimkante noch einige niedrigere „Berge“ vorgelagert sind, um die man herumläuft bzw vorbeiläuft. Ich treffe hier noch ein paar andere Leute, aber nicht viele. Es wird immer heißer und geht teilweise ziemlich bergauf, womit ich nicht gerechnet hätte.



    Dann erreiche ich Angels Landing und auf einmal ist die Hölle los. Wie Ameisen krabbeln die Menschen über den Fels.


    Beeindruckend ist der Angels Landing Felsen ja schon

    [url=https://flic.kr/p/2eg2ego]

    [url=https://flic.kr/p/2eg2evS]
    Für den Auf- und Abstieg sollte man auf jeden Fall keine zu starke Höhenangst haben …


    … Die Aussicht von oben ist aber wirklich genial. Den Blick in die Zion Narrows finde ich besonders spannend

    Der Weg rauf auf Angels Landing macht trotzdem viel Spaß, auch wenn man oft warten muss. Der Weg ist auch gar nicht so schmal oder ausgesetzt wie ich gefürchtet hatte, überall hängen Stahlseile und ich fühle mich sehr sicher. Vor allem beim Rückweg muss man an den schmalen Stellen echt lange anstehen, was teilweise etwas nervtötend ist.

    Der restliche Weg ist schnell geschafft, ich fühle mich wie ein Fremdkörper mit meinem Rucksack unter den ganzen fancy gekleideten Tageswanderern.


    „Walters Wiggles“ führen zum Grund des Main Canyons und zum Grotto Trailhead.

    Zurück in Springdale hole ich schnell mein zurückgelegtes Gepäck, baue am Campground mein Zelt auf und fahre zurück zum Nationalpark für Burger & Pommes, Cola & Eis und Handy & Internet. Phuuu was hab ich einen Hunger.

    Unterwegs: 7am – 14:10pm (30 min Pause)
    ca. 17km, 800m hoch, 1600m runter



    Den Abend genieße ich wieder bei der Zion Lodge.



    6 Tag: Zion Campground – Las Vegas

    28. Tag auf Reisen – Montag, 11.06.2018

    Ich verbringe mal wieder eine ungemütliche Nacht auf dem Campingplatz, da die Heringe nicht im Boden halten und so das Zelt mehrmals auf mich drauf fällt.

    Dafür ist das Frühstück dann sehr schön, ich treffe mich mit Nick im Café und telefoniere lange mit meinem Freund. Zufälligerweise muss Nick heute auch nach St. George und so kann ich mit ihm mitfahren, wir reden viel über Musik und ich lerne, dass eine meiner Lieblingsbands (The Devil makes Three) Bluegrass Musik ist

    Von St. George aus nehme ich das Shuttle nach Las Vegas und werde von einem Uberfahrer mit extremen Slang zu meiner Unterkunft gefahren. Da dort keinerlei Infos über eine Unterkunft sind, ich keine Klingel finde und bei der Telefonnummer nur spanisch gesprochen wird, beschleicht mich leichte Unruhe. Zum Glück löst sich das alles nach ein paar Minuten und ich liege in einem gemütlichen Bett, und dann geht es erst mal auf eine lange Essens-Shopping-Tour, in der ich die halbe Obstabteilung aufkaufe


    Ich habe in Amerika das erste mal in meinem Leben einen Kolibri gesehen. Das erste Mal hörte ich nur ein unglaublich lautes Brummen und dachte, hier fliegt ein unerhört großes Insekt. In freier Wildbahn waren sie leider immer zu schnell für meine Kamera, aber bei Nicks Freunden und deren Kolibri-Futterhaus hatte ich Glück



    Résumé

    Ich empfand die Tour durch den Zion Nationalpark sehr unterschiedlich: Teilweise war ich unglaublich beglückt über die Natur und das wandern und alles.

    Teilweise war ich aber auch sehr einsam und beklommen. Außerdem hat mir die (eigentlich ja sehr schöne) Natur nicht so zugesagt. Ich persönlich liebe wilde Berge, karge Landschaften und weite Blicke. Das meiste kann der Trek durch den Zion gar nicht bieten, weite Blicke gibt es fast nur auf dem West Rim Trail.

    Das Permit System und dadurch der Zwang, alle Strecken schon weit im Voraus zu planen, fand ich extrem störend. Ich bin mir sicher, dass es mir sehr viel besser gefallen wäre, hätte ich einfach so lange laufen können wie ich gewollt hätte. Ich hatte natürlich auch Pech, dass der nördliche Trailhead gesperrt war, somit war ich in der Planung noch mehr eingeschränkt.

    Ich habe auf jeden Fall viel über mich selbst gelernt, das „unbeschäftigte“ Alleinsein war eine neue und auch aufschlussreiche Erfahrung für mich. Ich bereue es nicht, den Trek gemacht zu haben. Könnte ich ihn nochmal planen würde ich es allerdings so machen:

    Tag 1: Start Connector Trail Trailhead, Übernachtung West Rim Camp 8 mit genialer Aussicht
    Tag 2: Über Angels Landing und den Emerald Pools zum Grotto Traihead


    Alternativ, bei geöffnetem Lee Pass Trailhead, würde ich die Route so laufen:

    Tag 1: Start Lee Pass Trailhead, Übernachten bei Camp 12. Am ersten Tag noch Wanderung zum Beartrap Canyon Fall ohne Gepäck.
    Tag 2: West Rim Camp 9
    Tag 3: Über Angels Landing zum Grotto Trailhead


    Zum Abschluss nochmal ein schönes Bild vom Westrim Plateau




    Damit endet auch der Reisebericht Teil 1 von meiner USA Reise. Es waren vier schöne und sehr unterschiedliche Wochen mit intensiven, spannenden und neuen Erfahrungen für mich. Die Landschaften haben mich teilweise total umgehauen und „geflasht“. Generell kann ich sagen, dass ich die Zeit in den abgeschiedenen Regionen mehr genossen haben, auch wenn die Touristenattraktionen oft Landschaftlich „spektakulärer“ sind.
    Allerdings war ich nach so langer Zeit in der sandigen Hitze auch froh, weiterzufahren. Ich freute mich unglaublich auf die Berge, auf Wasser, auf karge Hochgebirgslandschaften und aufs laufen laufen laufen.

    Wie es weitergeht, schreibe ich allerdings in einem extra Reisebericht. Danke fürs lesen und die lieben Kommentare
    Geändert von blackteah (04.04.2019 um 21:56 Uhr)

  10. Moderator
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    AW: [US] USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #10
    Da nicht für...ich lungere hier eh gespannt herum und warte auf mehr!
    ministry of silly hikes

  11. Alter Hase

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    AW: [US] USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #11
    hallo blackteah,

    na, da warst du richtig gut unterwegs! bis jetzt schon sehr schöner bericht, geniale bilder. freu mich auf den rest!

    gruß

    opa

  12. Gerne im Forum
    Avatar von jiba
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    AW: [US] USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #12
    Woah, ich muss absolute Ignoranz gestehen: Ich wusste gar nicht, dass man so nah ran darf an den Canyon! Hammer!
    Bin total gespannt was noch kommt!

    Darf ich mal fragen, wie lange Du für die Planung gebraucht hast? Der erste Bericht liest sich schon so, als ob Du viel Gehirnschmalz in die Vorbereitung gesteckt hast.

    Ich habe auf jeden Fall abonniert!

  13. Erfahren
    Avatar von SiSler
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    AW: [US] USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #13
    Zitat Zitat von jiba Beitrag anzeigen
    Woah, ich muss absolute Ignoranz gestehen: Ich wusste gar nicht, dass man so nah ran darf an den Canyon!
    .. du darfst nicht nur ran (an die Rim), sondern mitten rein

    @blackteah .. sehr schön! .. obwohl ich wohl das meiste deiner Tour schon (teilweise mehrfach) selbst erleben durfte, bin ich sehr gespannt auf deine weiteren Erlebnisse im "Wilden Westen" .. ich freue mich ebenso auf Fortsetzung und Bilder (die ich auf meinen Touren eher im Kopf behalte, statt sie einzufrieren *teilweise leider*)

    Meine perönlichen Highlights wären da mal Bryce NP und vor allem Zion NP .. wie gesagt, bin gespannt

    Gruß
    Geändert von SiSler (12.11.2018 um 20:59 Uhr)

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    Avatar von blackteah
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    AW: [US] USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #14
    Danke für das Feedback ihr lieben

    @jiba: ja ich war auch überrascht, dass die Rim wirklich nur an den Aussichtspunkten gesichert ist! Es gibt da immer eine Plattform mit Geländer (da halten sich 95% der Leute auf), wenn man davon weg geht ist es halt einfach Stein, der plötzlich aufhört . Es hat mich ziemlich überrascht, dass es sowas gerade im sicherheitsbedürftigen Amerika gibt.

    Und du hast recht, die Planung war sehr aufwendig... Man muss in den Nationalparks für die Campingplätze Permits beantragen, die immer sehr schnell weg sind. Grand Canyon im Dezember, Pacific Crest Trail im Januar, Zion im März, Buckskin Gulch war glaube ich im Februar. Bei Buckskin konnte ich mir auch gar keinen Tag aussuchen, weil nur noch eine einzige Nacht im Mai frei war. Da muss man dann die Route um die Permits herum basteln .

    Schwierig zu sagen, wie lange es letztendlich gedauert hat... Angefangen mich zu informieren habe ich im November, aber die konkrete Planung war so von Januar bis April, und zwar schon intensiv . Ich bin ja so ein Angsthase und wollte möglichst wenig unterwegs planen und suchen müssen, ich hatte nur 2 Nächte, wo ich keinen Campground gebucht hab. Ich hab bestimmt 2 Wochen auch nur mit Buckskin Gulch zugebracht, diese kleine Kletterstelle dort hat mich total verrückt gemacht . Und da sich die Route immer mal wieder verändert hat, musste ich auch ein paar Sachen wieder stornieren.

    Funfact: Ich hatte zuerst im Grand Canyon ein Permit für eine Nacht an einem Campground am Tonto Trail bekommen. Nach einem Tag bekam ich aber eine E-Mail, dass der Campground nun doch ausgebucht ist und ob ich auch mit den Campgrounds Indian Garden & Bright Angel zufrieden wäre, einen Tag später. Klar war ich das! Ich habe mich für 8 verschiedene Kombinationen im gesamten Mai beworben und hatte äußerst Glück, überhaupt was zu bekommen. Ich glaube die Chancen stehen 1:10 oder so...

    PS: Tagestouren darf am GC jeder machen. Deswegen gibt es da ja so viele Rettungen von Leuten mit Hitzschlag, alle rennen rein und dann schaffen sie die knapp 2000 hm bei 40° in der prallen Sonne nicht mehr.
    Geändert von blackteah (14.11.2018 um 16:10 Uhr)

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    AW: [US] USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #15
    Zitat Zitat von SiSler Beitrag anzeigen
    Meine perönlichen Highlights wären da mal Bryce NP und vor allem Zion NP .. wie gesagt, bin gespannt
    Danke dir! Ich finde es auch immer schön, schon besuchte Orte durch die Kameralinse von anderen nochmal zu sehen . Ich bin übrigens nach meinen Touren immer überrascht, wie viele Fotos ich mitbringe, weil ich mir so oft denke: "Davon machst du jetzt kein Foto, schau es einfach nur intensiv an und genieße es"

    Ich fand alles toll! Wobei ich sagen muss, dass Bryce und Zion eher weiter hinten rangieren . Aber das hängt mit vielen verschiedenen Faktoren zusammen (auch mit falscher Planung), darauf geh ich dann in den jeweiligen Berichten nochmal näher ein

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    Avatar von Voronwe
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    AW: [US] USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #16
    Zitat Zitat von blackteah Beitrag anzeigen

    PS: Tagestouren darf am GC jeder machen. Deswegen gibt es da ja so viele Rettungen von Leuten mit Hitzschlag, alle rennen rein und dann schaffen sie die knapp 2000 hm bei 40° in der prallen Sonne nicht mehr
    Na ja, so lustig ist das nicht, das Problem ist ja auch, daß es ein umgekehrter Berg ist, d.h. das konditonelle einfache kommt am Anfang.
    Am Berg kann ich halt sagen: Schaffe ich nicht mehr, ich drehe um, im Canyon ist man da eventuell schon zu weit gegangen.

    Ansonsten, sehr schöne Bilder. 2000 war ich am Grand Canyon, bin aber aus oben erwähnten Gründen nur ein bißchen weiter als zum Oh-Ah-point gegangen (der seinen Namen auch nicht von ungefähr hat)

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    AW: [US] USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #17
    Zitat Zitat von Voronwe Beitrag anzeigen
    Na ja, so lustig ist das nicht, das Problem ist ja auch, daß es ein umgekehrter Berg ist, d.h. das konditonelle einfache kommt am Anfang.
    Am Berg kann ich halt sagen: Schaffe ich nicht mehr, ich drehe um, im Canyon ist man da eventuell schon zu weit gegangen.

    Ansonsten, sehr schöne Bilder. 2000 war ich am Grand Canyon, bin aber aus oben erwähnten Gründen nur ein bißchen weiter als zum Oh-Ah-point gegangen (der seinen Namen auch nicht von ungefähr hat)
    Tut mir Leid, das kam wohl falsch rüber. Natürlich ist es nicht lustig. Ein Facepalm-Smilie wäre wohl passender, ich hab den Smilie mal gelöscht um Missverständnisse vorzubeugen. Es gibt einfach ziemlich viele dumme Leute, die einfach mal so was ausprobieren und sich nicht informieren.

    Und ansonsten, Danke . Als Tageswanderung wäre ich denke ich auch bis zum Oh-Ah-Point gelaufen. Und ich liebe die oft sehr treffende und einfache Benennung der Amis von den Dingen

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    Avatar von Canyoncrawler
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    AW: [US] USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #18
    Hallo,

    ich bin auch zugestiegen und freue mich auf die Forsetzung deines schönen Berichtes aus meiner Lieblingsgegend.

    Immerhin kann man Grand Canyon - Permits nun im Internet reservieren. Als wir da vor 10 Jahren ein Permit beantragten, musste man noch faxen.

    Hast Du auch versucht Permits für Coyote Buttes zu reservieren ?
    Geändert von Canyoncrawler (14.11.2018 um 18:39 Uhr)
    Gruss Kate

    "May your trails be crooked, winding, lonesome, dangerous, leading to the most amazing view. May your mountains rise into and above the clouds." (Edward Abbey)

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    Avatar von blackteah
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    AW: [US] USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #19
    Zitat Zitat von Canyoncrawler Beitrag anzeigen
    Immerhin kann man Grand Canyon - Permits nun im Internet reservieren. Als wir da vor 10 Jahren ein Permit beantragten, musste man noch faxen.

    Hast Du auch versucht Permits für Coyote Buttes zu reservieren ?
    Hallo liebe Canyoncrawler, danke!
    Soweit ich weiß kann man die Permits nicht im Internet reservieren, jedenfalls hab ich letztes Jahr keine Infos dazu gefunden. Ich habe auch ein Fax geschickt

    Für die Permits Coyote Buttes Süd & Nord war ich leider zu spät dran, war dann schon alles weg. Sonst hätte ich im Süden gerne eine gebuchte Tour unternommen. (Ich hab auch von dieser Lotterie gehört, aber so wichtig wars mir auch wieder nicht. Ist denke ich für reine Fotografen oder Sightseeing-Jäger interessanter als für Wandersleut)

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    Avatar von jiba
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    AW: [US] USA 2018, Teil 1 – Grand Canyon, Buckskin Gulch, Escalante, Zion

    #20
    Zitat Zitat von blackteah Beitrag anzeigen
    @jiba: ja ich war auch überrascht, dass die Rim wirklich nur an den Aussichtspunkten gesichert ist! Es gibt da immer eine Plattform mit Geländer (da halten sich 95% der Leute auf), wenn man davon weg geht ist es halt einfach Stein, der plötzlich aufhört . Es hat mich ziemlich überrascht, dass es sowas gerade im sicherheitsbedürftigen Amerika gibt.
    Haha, ja, da musste ich bei dem ein oder anderen Foto (und der Abbruchkante direkt hinter Dir) auch dran denken! Ich war bis jetzt noch nicht im Zelt in den USA unterwegs, aber auch da habe ich das Gefühl, es ist ein Land der Gegensätze. Entweder es gibt die quasi vollgepflasterten Wege, max. 45 Minuten zu gehen, am besten noch mit Treppenlift, oder es gibt dann noch die "Wildnis" in die man nur mit Zelt und Anstrengung kommt.
    Als ich damals da war, da hatte ich noch keine Ahnung von Zelten und hab die schwer bepackten Leute in den Centern immer leicht neidisch und achtungsvoll beäugt. ;)


    Zitat Zitat von blackteah Beitrag anzeigen
    Schwierig zu sagen, wie lange es letztendlich gedauert hat... Angefangen mich zu informieren habe ich im November, aber die konkrete Planung war so von Januar bis April, und zwar schon intensiv . Ich bin ja so ein Angsthase und wollte möglichst wenig unterwegs planen und suchen müssen, ich hatte nur 2 Nächte, wo ich keinen Campground gebucht hab. Ich hab bestimmt 2 Wochen auch nur mit Buckskin Gulch zugebracht, diese kleine Kletterstelle dort hat mich total verrückt gemacht . Und da sich die Route immer mal wieder verändert hat, musste ich auch ein paar Sachen wieder stornieren.
    Wow, das ist echt ne Menge! Ich kann das schon nachvollziehen, dass man auf so einer Tour gut planen will! Ich bin da auch eher jemand, der alles vorher geregelt haben will. Meistens würde es wahrscheinlich auch ohne Planung gut gehen, aber warum sich selbst den Stress machen? Langsam ans "Risiko" ranpirschen ist mein Motto. ;)
    Danke für die Info auf jeden Fall! Dass es schon ein halbes Jahr vor der Tour eng wird mit den Plätzen hätte ich echt nicht gedacht.

    Und ich bin sehr gespannt was es mit dieser "kleinen Kletterstelle" auf sich hat!!

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