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  1. Erfahren

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    [DE, DK, SE, FI] Hauptstadtpaddeln ... von Berlin nach Helsinki

    #1
    Mitreisende: Paddolf
    ... Wenig los auf Berlins Straßen.
    Wer nicht anders muss oder will, gönnt sich am Sonnabendmorgen gern noch eine Mütze Schlaf, auch wenn die Sonne schon seit einiger Zeit einen schönen Tag eingeläutet hat. Immer wieder ein Blick durch die Windschutzscheibe nach oben. Es leuchtet gelb, ja das Boot ist noch da.
    Halt in der Nähe des Berliner Hauptbahnhofs. Nun verlässt das Boot für lange Zeit seinen Platz auf dem Autodach und findet seine eigentliche Bestimmung als mein Gefährt (fast schon Gefährte) für eine lange Wasserwanderung.
    Start am Kanzleramt, Spree-km 14,1. Weiter ins Berliner Zentrum darf man nur mit Motorunterstützung und einer zugelassenen UKW-Sprechfunkanlage nebst entsprechender Ausbildung. Aber Ziel ist ja auch nicht die Erkundung der innerstädtischen Gewässer, Ziel ist die Ostsee.
    Noch habe ich Hilfe, noch ist das Boot nicht beladen. Wasserung und Zustieg über eine der vielen Leitern der Ufermauer und dann der erste Paddelschlag, es ist wohl eher ein Abdrücken von der Ufermauer. Noch eine paar Fotos, noch ein symbolisches Anschlagen am Spreeufer auf Seiten des Kanzleramts und dann geht es endlich los.
    [/url]

    . . . . . . .

    Tourverlauf - siehe Klick auf das Kartenbild
    (die "Kullerchen" beschreiben die Übernachtungsplätze, die Zahlen daran kennzeichnen den Tag seit Tourstart)


    . . . . . . .

    Ein seltsames Gespann bewegt sich über das nächtliche Travemünder Hafengelände, vornweg mit gelber Rundumleuchte ein Transporter, hinterher rumpelt mein Boot mit zu hoher Geschwindigkeit auf seinem kleinen Bootswagen. Ich sitze in der geöffneten Heckklappe des Transporter und halte krampfhaft die Bootsspitze, hoffend, dass das Gefährt nicht an einer Bodenwelle umgeworfen wird oder der Transporter plötzlich bremst.
    800m später ist einer der gefährlichen Tourabschnitte schadlos überstanden. Meine Familie begrüßt mich. Und jetzt kommt das Boot wieder dorthin, wo es zu Reisebeginn schon einmal war, auf's Autodach. ...
    ... Wenig los auf den Straßen meines Heimatortes.
    Nicht verwunderlich, es ist Sonntag morgen, so zwischen 2 und 3 Uhr. Und nun endet meine Paddelreise endgültig wo sie begonnen hat - nach 8 Wochen, 1 Tag und 21 Stunden.



    Um einen Überblick zu erhalten, zunächst einige Tourparameter.
    Auf Basis meiner WhatsApp-Berichte für die Familie folgt später eine kleine Sammlung kommentierter Bilder.


    einige Tourparameter:
    (Wer nur am Reisebericht interessiert ist, sollte das Folgende überspringen.)

    - Tourlänge aus eigener Kraft: 2115km; Tourdauer: 55 Tage, davon 8 Ruhetage
    (macht je Tag 38,5km, ohne Ruhetage 45km je Tag)
    - längste Tagesstrecke 78km mit Strömungsunterstützung der Elbe bzw. 63km auf der Ostsee
    - das Boot ist ein Prijon Seayak HV, leicht modifiziert durch Einbau einer Fußlenzpumpe und Versetzen der Schottwände (liefert ca. 40l mehr Stauraum gegenüber dem Werkszustand)
    - das Paddel (Werner Ikelos) ist mittels Paddelsicherungsleine verlaufend durch die Spritzdeckenschlaufe mit dem Boot verbunden
    - Schwimmweste und Feststoffpaddelfloat, 3 Seenotfackeln rot
    - Satellitennotrufsender inReach mini und Tastenhandy, jeweils in wasserdichter Verpackung in der Schwimmweste
    - Navigation mittels eTrex 30x und OSM-Karte Europa (als BackUp ca. 1,5kg selbstausgedruckter Karten - zum Glück nicht gebraucht)
    - Kommunikation mit der Familie per Smartfone (immer gutes Netz inklusive Datenfunk)
    - Stromversorgung über Solarpanel (siehe Ergänzung)
    - Rückfahrt mit der Fähre Helsinki-Travemünde (siehe Ergänzung)
    - paddelspezifische Kleidung: Neoprenpulli (0,5mm), Neoprenhose, eine ordentliche Paddeljacke, Paddelpfötchen und ein einfacher Trocki
    - wegen des Extremsommers bin ich bis Västervik mit Hut, kurzer Hose und T-Shirt gefahren
    - erstaunlich: ich habe nie gehungert und trotzdem 8kg abgenommen


    Bei meinen bisherigen kurzen Ostseetouren betrug die Tagesleistung etwa 40km. Vorsichtig geplant macht das 200km Wochenleistung, damit sind Ruhetage und wetterbedingte Pausen gut berücksichtigt. Bei ca. 2100km erwarteter Tourlänge habe ich 11 Wochen Reisedauer angesetzt.
    Die Transportkapazität des Bootes deckt 5 Tourtage ohne Auffrischung der Vorräte ab. Limitierend ist dabei die Frischwassermitnahme. Voll beladen kamen 11l Wasser, 3l Trinkjoghurt und 2l Bier an Bord. (Allerdings kann man in vielen Häfen Frischwasser nachfüllen, ich habe das Boot nie "leergesoffen".)
    Die Streckenplanung erfolgte zunächst in GoogleEarth am heimatlichen Rechner, erfasst sind alle Campingplätze an der voraussichtlichen Strecke, einige Häfen (siehe Ergänzung), Biwakplätze in Dänemark, militärisch genutzte Gebiete und ein Musterstreckenverlauf. Die Daten wurden mittels Basecamp vorab auf das eTrex übertragen. Das spart unterwegs viel Zeit, insbesondere in den inneren Schären wäre die Streckenplanung mit dem kleinen Bildschirm des eTrex und der geringen Zoomgeschwindigkeit ein nervendes Geduldsspiel. (Wer die Daten oder Teile davon nachnutzen möchte, kann die Datei Plan_5_7.kmz laden. Dies gestattet nebenbei einen Blick auf den Unterschied zwischen Plan und tatsächlich gefahrener Tour.)
    Wegen der extremen Trockenheit und des daraus resultierenden Feuerverbots kam mein Hobo-Kocher nur in Deutschland und in Finnland zum Einsatz. Gekocht wurde nur in den Küchen der Campingplätze, ansonsten kam ich auch gut mit Kaltverpflegung zurecht. (Zur Sicherheit hatte ich noch eine Gaskartusche mit Kocheraufsatz mitgeführt, der nur zweimal zum Einsatz kam. Unter den Bedingungen dieser Tour war der Zweitkocher unnötig.) Hauptnahrungsmittel waren Reis (dazu später mehr), Brot und Knuspermüsli.
    Das Zelt sollte unbedingt ein Geodät sein, bei mir ein Forum 42 ZG, ich schätze das Platzangebot eines 2-Personen-Zeltes. Ein 3-Jahreszeiten-Schlafsack und eine herkömmliche Luftmatratze (schwer aber gemütlich) komplettieren die Übernachtungsausrüstung.

    Ein kleiner Stachel bleibt im Fleische, für die Überfahrt von Schweden zu den Ålands habe ich die Fähre Grisslehamn - Eckerö in Anspruch genommen (siehe Ergänzung). Ich kann also mit Pickhammer https://www.outdoorseiten.net/forum/...3%85landinseln eine Selbsthilfegruppe zur Bewältigung des Überfahrttraumas gründen.


    Ergänzungen
    Solarpanel auf Prijon-Booten:
    Die mit der Schutzklasse IP 67 beworbene Solarcard von SISTech war auf dem Achterdeck des Bootes montiert.

    Um den Strom zum Aufladen einer passenden Powerbank zu nutzen, habe ich den Süllrand der Gepäckluke mit Heißluft vorsichtig erwärmt und mit einem ebenfalls heißen Nagel etwas eingedellt. Über diese Delle ist das Kabel zwischen Solarpanel und Powerbank geführt und an dieser Stelle mit Klebeband fixiert.

    Passend dazu habe ich in der Kunststoffabdeckung mit einer Rundfeile eine kleine Vertiefung ausgearbeitet, so dass das Kabel durch die Abdeckung nicht gequetscht wird. Diese Konstruktion hat sich über 2100km in 8 Wochen mit täglich mehrfachem Öffnen und Schließen der Gepäckluke bewährt. Weder ist das Kabel beeinträchtigt, noch ist Wasser in die Gepäckluke eingedrungen.
    Das Solarpanel hat auf den ersten 440km über Binnengewässer und 510km auf der Ostsee tadellos funktioniert. Das Stromangebot war mehr als reichlich für meine Zwecke. Am 21.Tag hatte ich etwas rauere Bedingungen auf der Ostsee mit Seegang, bei dem auch das Achterdeck regelmäßig überspült wurde. Leider zeigte das Solarpanel nicht die erhoffte Wasserdichtigkeit. Von der Seite, von der die Wellen das Deck überspülten, ist Wasser eingedrungen. Die Schutzklasse IP 67 bedeutet eben nur Schutz gegen Untertauchen, nicht gegen Druckwasser. Seit Neuem wird die Solarcard mit IP X8 beworben, vielleicht ist die Konstruktion jetzt etwas robuster. Für Touren auf Binnengewässern scheint die Solarcard mit der von mir verwendeten Montage hervorragend geeignet.
    (Da ich alle 2 bis 4 Tage Zeltplätze anlief, musste ich dort die Powerbank laden und habe mir in Stockholm eine weitere Powerbank mit größerer Kapazität zugelegt, so dass ich ab Stockholm die Tage zwischen den Zeltplatzaufenthalten stromtechnisch problemlos überwinden konnte.)

    Rückfahrt mit der Fähre Helsinki-Travemünde:
    Die Vorgeschichte dazu findet Ihr hier: https://www.outdoorseiten.net/forum/...ravem%C3%BCnde
    Der Kajaktransport über das Hafengelände in Helsinki sah dann doch anders aus als erwartet. Noch bevor sich die Autoschlange hinter dem Führungsfahrzeug in Bewegung setzte, wurde ich von einer netten Fahrerin mit eben diesem Führungsfahrzeug persönlich geleitet. Muss ein kurioses Bild gewesen sein. Vornweg ein VW-Transporter mit Warnbeleuchtung, nebenher trabt der Muli mit der Kajak-Karre. Die junge Frau erzählte auf Anfrage, dass sie einen solchen Einsatz noch nicht erlebt habe. Jedenfalls war ich als einer der ersten an Bord.
    In Travemünde leider ein anderes Bild: Der Fahrer des Führungsfahrzeuges wurde nicht müde, immer wieder die Bedeutung seines Jobs hervorzuheben, die Gefahren auszumalen und wahlweise seine Kollegen aus dem Verkauf der Überfahrten oder mich als verrückt zu bezeichnen. Ich glaube kaum, dass es die 5 Minuten Mehrarbeit waren, die ihn zu diesem anstrengenden Gelaber veranlassten, es kann ihm wohl auch nicht um die Sicherheit gegangen sein, der Kajaktransport aus der geöffneten Heckklappe war mehr als abenteuerlich. Vielmehr vermute ich, dass er sich in seiner Rolle als zweitwichtigste Person im Fährgeschäft (gleich nach dem Kapitän) zu wenig gewürdigt sah. Eine Vorabinformation "Da kommt ein Kajakfahrer mit Bootswagen, Du bist doch erfahren, lass Dir mal 'was einfallen." hätte wahrscheinlich zu einer angemessenen Reaktion geführt. Jedenfalls habe ich mich am Folgetag per Mail nochmals bei der Mitarbeiterin der Fährlinie bedankt, die die etwas ungewöhnliche Fuhre ermöglicht hat und habe vorgewarnt, dass der Fahrer des Führungsfahrzeuges sich bei einer übergeordneten Leitung beschweren wollte. Die Antwortmail war recht entspannt und verheißungsvoll für alle, die Ähnliches vorhaben:
    Sehr geehrter Herr ...,
    es freut mich zu hören, dass Sie wohlbehalten zurück sind und alles glatt gelaufen ist!
    Vielen Dank für Ihre positive Rückmeldung, wir hatten mittlerweile schon einen weiteren Kunden, welcher mit seinem Kajak fahren möchte.
    Ich arbeiten daran, dass es in Zukunft auch weiterhin so funktioniert!
    Mit freundlichen Grüßen / Best regards, ...

    Ernährung mit Reis
    Der scheinbare Widerspruch - kein Kochereinsatz in Schweden aber gekochter Reis lässt sich wie folgt lösen. Reis wurde von mir auf den Zeltplatzküchen vorgekocht, mit Pastasauce o.ä. vermengt und noch warm in 2 Boxen je 1l eingefüllt. Beim Öffnen gibt es dann ein zartes "plopp". In Finnland habe ich dann häufiger Beutelreis auf dem Hobo gekocht. Das Ostseewasser ist dort schon salzärmer als an der deutschen Küste, so dass man zum Kochen nicht das wertvolle Süßwasser benötigt.

    Überfahrt Schweden - Åland
    Wenn der geneigte Leser eine (online-) Karte zu rate ziehen möchte, wird er die Ausführungen besser verstehen. Für die Querung zu den Ålands habe ich 3 Varianten in Betracht gezogen.
    1) Südvariante:
    Kappelskär (Start vom Zeltplatz, 600m vom Wasser entfernt)
    => Söderarm/Torskär (20km durch ein Schärengebiet, also immer Landabdeckung, aber keine Versorgungsmöglichkeit, dort das Zelt für eine Nacht aufschlagen)
    => Lågskär (30km über offenes Wasser, nach 20km zwar das Eiland Flötjan, bei Seegang dürfte dort aber keine Landung möglich sein, Übernachtung auf Lågskär wäre möglich, aber nicht angestrebt)
    => Bredgadden (9km, immer noch über offenes Wasser)
    => Lemland (12km, wie der Name verrät (-land) eine der Hauptinsel, dieses Stück der Querung kann man sich von Schäre zu Schäre hangeln)
    Insgesamt also 70km, davon 45 ausgesetzt mit Zwischenübernachtung.
    2) Nordvariante:
    Singöcamping (auf der Insel Singö)
    => Utersten (16km, auf den ersten 9km einige Inseln) =>
    Märket (12km, diese klitzekleine Leuchtturminsel ist zwischen Schweden und Finnland geteilt, die Grenze ist mit weißer Farbe aufgepinselt und zwar so, dass das mittige Leuchtturmgebäude zu Finnland gehört, ansonsten aber Flächenparität gewährleistet ist - also ein wilder Grenzverlauf)
    => Yttre Borgen (8km)
    => Hammarland (12km, auf dieser Strecke gibt es wieder mehrere mögliche Zwischenstationen)
    Insgesamt also 55km, dies ist ohne Zwischenübernachtung schlecht möglich (soll z.B. beim Märket-Leuchtturmwärter möglich sein, der freut sich über Besuch). Ca. 50km über offenes Wasser.
    3) mittlere Variante:
    Ostseehafen Grisslehamn => Gisslan (29km, ist zwar nur ein kleines Inselchen, sollte aber für eine Landung reichen)
    => Hammarland (13km, Zwischenstopps nach 3km und 7km möglich)
    Insgesamt 41km, fast komplett über offenes Wasser, eine Zwischenübernachtung ist unnötig.

    Vorteil der Südroute: Sie ist insgesamt gesehen etwa 100km kürzer als die mittlere Variante und 150km kürzer als die Nordvariante.
    Vorteil der Nordvariante: Viele Zwischenstopps ermöglichem dem arg strapazierten Sitzefleisch Erholung. Bei unvorhergesehenen Ereignissen ist es einfacher zu reagieren.
    Vorteil der mittleren Route: Ich benötige keine Zwischenübernachtung, diese Variante hat die kürzeste Strecke über offenes Wasser. Sollte das Wetter nicht mitspielen, verkehrt 3mal täglich eine Fähre von Grisslehamn nach Eckerö auf den Ålands, das entspricht in etwa der gewählten Route.



    Wie gesagt, kommentierte Fotos zum Reiseverlauf in Bälde.

  2. Moderator
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    Avatar von November
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    AW: [DE, DK, SE, FI] Hauptstadtpaddeln ... von Berlin nach Helsinki

    #2
    Normalerweise gebe ich ja keine Kommentare, bevor der Bericht überhaupt angefangen hat, diesmal mache ich eine Ausnahme: Ich finde die Aktion einfach nur toll und bin gespannt wie ein Flitzbogen.
    Klar ist überhaupt nichts - aber das dafür umso deutlicher.

  3. Erfahren

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    AW: [DE, DK, SE, FI] Hauptstadtpaddeln ... von Berlin nach Helsinki

    #3
    ... dem kann ich nur zustimmen, echt mal ganz was besonderes...
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    Neues entdecken durch Langsamkeit

  4. AW: [DE, DK, SE, FI] Hauptstadtpaddeln ... von Berlin nach Helsinki

    #4
    Boah mit einem Bericht dieser Art habe ich hier nicht gerechnet, bin gespannt!

  5. Gerne im Forum

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    AW: [DE, DK, SE, FI] Hauptstadtpaddeln ... von Berlin nach Helsinki

    #5
    Hammer! Kann's kaum erwarten, mehr zu lesen.

  6. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [DE, DK, SE, FI] Hauptstadtpaddeln ... von Berlin nach Helsinki

    #6
    Schließe mich meinen Vorschreibern an, klasse Bericht, tolle Schreibe, starke Leistung!

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

  7. Erfahren
    Avatar von pickhammer
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    AW: [DE, DK, SE, FI] Hauptstadtpaddeln ... von Berlin nach Helsinki

    #7
    Zunächst danke für deinen Bericht, ich warte gespannt auf mehr!
    Und (edit) ich gratuliere dir zu dieser Leistung! Das muss man erst mal hinkriegen, von der Organisation angefangen bis zum Willen das auch durchzuführen! Super!

    Ich kann also mit Pickhammer https://www.outdoorseiten.net/forum/...3%85landinseln eine Selbsthilfegruppe zur Bewältigung des Überfahrttraumas gründen.
    Da haben wir in diesem Jahr erfolgreich therapeutisch dran gearbeitet, in dem wir die Sache nochmals angegangen sind; diesmal von Stockholm aus. (Vielleicht hätten wir uns sehen können?) Die Wettergötter waren uns gnädig, und wir sind über Märket nach Käringsund und weiter gepaddelt. Vielleicht mehr davon in einem eigenen Thread...

    Viele Grüsse vom Bodensee
    pickhammer
    Geändert von pickhammer (11.11.2018 um 08:39 Uhr)

  8. Erfahren

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    AW: [DE, DK, SE, FI] Hauptstadtpaddeln ... von Berlin nach Helsinki

    #8
    Ihr wollt das also wirklich lesen ...
    Dann müsst Ihr mein Gejammer ertragen. Es wird sich viel drehen um die Widrigkeiten des Wetters, insbesondere um den prinzipiell von vorn wehenden Wind, weiterhin hört Ihr von den Problemen mit der ausgewogenen Ernährung und natürlich werdet Ihr von den Zipperlein erfahren, die einen alten Mann so plagen.

    Na, schon abgeschreckt?

    Vielleicht gibt es auch ein wenig Paddeln. Die Bilder stammen jedoch überwiegend von den Pausen- und Übernachtungsplätzen. Der Fokus der Tour lag eindeutig auf "ich will das schaffen", fotografieren war eher als Dokumentation für mich selbst gedacht.
    Ab dem 4. Paddeltag hat mich meine Holde mehr oder weniger genötigt, für die von ihr eingerichtete WhatsApp-Gruppe der Tour-Interessenten täglich ein Lebenszeichen von sich zu geben. Dass ist jetzt die Berichtsbasis.


    1.Tag
    Die Nacht zuvor war unruhig: Wie werde ich die körperlichen Dauerbelastungen verkraften? Bleibe ich von Krankheiten, von ernsthaften Verletzungen verschont? Wie wird es sein, tagelang keinen Gesprächspartner zu haben? Ist die Ausrüstung haltbar und praktikabel? Und vor allem - bin ich den Herausforderungen der Ostseepaddelei gewachsen?

    Nun ist aber zunächst alles das vergessen. Auf der Spree bisher kaum Bootsverkehr, die Ausflugsdampfer werden noch für die Touristentouren startklar gemacht. Wenn nicht die dichte Bebauung der Ufer wäre, würde man kaum glauben, sich im Zentrum einer Großstadt zu befinden.
    Es geht zügig voran - bis zur Schleuse Charlottenburg. Zwei Motoryachten warten hier schon, ich warte ebenfalls ... und warte ... Das ist nicht mein Ding. Um die Wehrinsel herum, dann wuchte ich das Boot am Wehr aus dem Wasser, Bootswagen aufbauen. ... Mist, gerade wird geschleust. Egal, ich werde eben zeitverzögert aber mit mehr Aktivität auch ins Unterwasser kommen.
    Und genau hier hätte die Tour schon beendet sein können: Aua! Ein scharfer Schmerz im linken Fuß. Mehrere Millimeter tief hat sich eine Art Nagel in meinen Fuß gebohrt. Glücklicherweise trage ich Crocs mit recht dicker Sohle. Die ebenfalls als Fußbekleidung in Erwägung gezogenen Badelatschen hätten den Nagel ca. 1cm tiefer eindringen lassen (nachgemessen).
    Tegeler See, Wannsee - durchaus in meinem Umfeld gelegen aber bisher von mir nicht befahren. Nicht ganz unbegründet, der heutige Tag bestätigt meine Vorurteile: Viel Motorbootverkehr und Gegenwind. (Na gut, für den Gegenwind sind die Berliner nur eingeschränkt verantwortlich.) Einige der Motorbootwellen geben einen kleinen Vorgeschmack auf Kommendes.
    Das letzte Wegstück von Potsdam zum heimatlichen Steg findet das Boot fast ohne mein Zutun.


    2.Tag
    Packen.

    Ein Haufen Ausrüstung liegt am Boot. Zelt und Schlafausrüstung haben von früheren Touren her ihren Platz, alles andere muss neu eingeordnet werden. Insbesondere sind Wasserflaschen, Paddeljacke und Vorratsbehälter für Nahrung hinzugekommen und wollen irgendwie untergebracht sein.
    So richtig funktioniert das nicht, am Ende landet zu meinem Bedauern ein Packsack auf dem Vorderdeck. Noch aber besteht Hoffnung, in Travemünde soll alles aussortiert werden, was nur für die Fahrt über die Binnengewässer nötig ist. Ob das reichen wird?

    Scharfer Start. Das Boot ist nicht nur erkennbar träger sondern setzt der Bewegung auch mehr Widerstand als unbeladen entgegen. Mit dem tieferen Schwerpunkt sollte es aber auch etwas stabiler im Wasser liegen. Davon merke ich natürlich noch nichts, noch bin ich ja auf der gemütlichen Havel.


    Heute soll es mindestens bis Brandenburg gehen, besser etwas darüber hinaus.
    Das tut es am Ende auch, unerwartet schwer fällt mir nur das Auffinden des angepeilten Zeltplatzes. Ich fahre ohne Karte und das eTrex ist noch unter Deck - auf dem Fluss ist ja der Weg vorgezeichnet. Aber so ein "dicker" Havelsee hat eben doch Einiges an Buchten und Steganlagen, die aus der Ferne gegen die mittlerweile tiefstehende Sonne alle wirken, als könnten sie zu einem Zeltplatz gehören.

    Der Zeltplatz hat eine Wasserwanderer-Wiese, allerdings bin ich der einzige Wasserwanderer, aber 3 Zelte von Radwanderern sind aufgebaut. Das erste und zum Glück einzige Mal auf der Tour stoße ich auf Ablehnung. Die Dame aus dem angepeilten Nachbarzelt macht mir (vor jedem weiteren Kontakt) deutlich, dass mein Zelt nicht Nachbarzelt sein sollte. "Wollen Sie sich nicht einen anderen Platz suchen, mein Kind wird immer früh wach ..." Ich denke kurz in Nutzviehkategorien (Kuh, Zicke) und ziehe dann kommentarlos um - nochmal ins Wasser und 30m treideln. Als der nackte Fuß auf ein im Schlick verborgenes Stahlprofil trifft, wird der Nutzviehbezeichnung kurzzeitig ein "blöde" vorangestellt, aber es bleibt beim unterdrückten Murmeln. Nichts Ernsthaftes passiert, das Zelt steht eben nur 10 min später.


    3.Tag
    Das Frühaufsteher-Kind wurde wohl von der Nutzvieh-Dame gefesselt und geknebelt in seinem Schlafsack abgelegt, jedenfalls fehlen bisher Aktivitäten aus dieser Richtung.

    Bald ist das Boot startklar und Frühstückshunger macht sich bemerkbar, aber ich warte ... weil ...

    ... Freude ... meine Holde hat sich unverhofft angekündigt. Sie ist heute sehr früh aufgestanden und will mit Zug und Fahrrad zum Zeltplatz reisen. Mit einiger Verspätung kommen meine frischen Brötchen angeradelt.

    Heute habe ich landseitige Begleitung - bis zum frühen Nachmittag.

    Brückenbild

    Bei der endgültigen Verabschiedung "an einem fernen Havelstrande" wird mir doch schwer ums Herz, vielmehr als zur eigentlichen Verabschiedung am heimatlichen Steg.


    kurz vor Rathenow

    Vorher oder nachher - gegen Abend fordert ein Havelabschnitt mit Uferbetretungsverbot eine Entscheidung darüber, wo ich campen will. Wenn es irgend geht, fallen solche Entscheidungen bei mir für gewöhnlich zu Gunsten der längeren Strecke. Ich hätte mich über mich selbst gewundert, wenn es heute anders gewesen wäre. Also auf zum Wasserwanderrastplatz Grütz. Bis dorthin verstärken sich die üblichen Paddelzipperlein. Die Sehnen der rechten Drehhand sind leicht überlastet, die Hornhaut an den Händen ist noch nicht ausreichend ausgebildet und beginnt Blasen zu werfen, der Rücken schmerzt und natürlich schmerzt der Hintern. Wanderpaddeln ist (bei mir) nicht so sehr ein Problem der Muskulatur. (Natürlich gibt es immer ein wenig Muskelkater an den Rumpfseiten, aber das deute ich eher als positives Zeichen für einen Muskelaufbau.)

    Am WWR Grütz kann ich mir den Zeltaufstellplatz nach belieben wählen, vertilge meine restlichen Frühstücksbrötchen und will bald in den Schlafsack.


    Gesang vom Wasser, nicht ganz melodisch aber begeistert, Kinderstimmen sind auszumachen. Wenig später legen drei 2-Kajaks an. Opa kommandiert die Enkelschar und langsam wachsen Zelte empor. Bald darauf stoßen weitere Boote hinzu. Hier scheint eine wassersportbegeisterte Großfamilie unterwegs zu sein. Zwischendurch trifft ein Radlerpärchen ein, der WWR ist von Leben erfüllt. Entgegen anfänglicher Befürchtungen wird es jedoch bald ruhig, auch wenn die Erwachsenen der Großfamilie noch ein wenig am Lagerfeuer sitzen.


    4.Tag
    Ich bekomme einen Hobo mit akkugetriebenem Gebläse vorgeführt, die Radler haben ein solches Teil dabei. Die Verbrennung ist intensiver und vor allem rußärmer als bei meinem Ikea-Hobo. Ein gutes Gerät - wenn da nicht das Problem der Akkuladerei und der höhere Preis wären. Im Gespräch traue ich mich noch nicht so recht, über das Tourziel zu sprechen, zu unbestimmt erscheinen mir die Erfolgsaussichten. Ich eiere also irgendwie herum: "Tour zur Ostsee und vielleicht noch etwas darüber hinaus".

    Beim Start scheint das Problem Überlastung der rechten Drehhand mit Gefahr der Sehnenscheidentzündung halbwegs gebannt, ich greife vorsorglich links mit deutlich längerem Hebel, dafür muckert der Rücken immer noch - 'mal sehen, was daraus wird.

    Es gibt auch paddeln, einen weiten blauen Himmel mit Schönwetterwolken (keine WölkCHEN) und das blaue Band der Havel - wirklich ein Band, nicht so sehr ein See mit wechselnder Breite wie bei uns in Werder, am ehesten vergleichbar mit der Havel hinter Phöben, nur lange nicht so viel Motorbootverkehr. Wenn Du das Paddel ruhen lässt ... Stille. Am Besten, Ihr probiert das selbst. Besonders still und schon fast abgeschieden die Gülper Havel zwischen Molkenberg und Strohdehne ...

    auf der Gülper Havel

    Gülper Schleuse

    Havel bei Strohdehne

    Ankunft bei den Wassersportfreunden Havelberg (ein Kanuverein).


    Vor dem Vereinshaus sitzt eine Damenrunde, ein Geburtstag ist zu begehen. Ich schließe mich den Glückwünschen an und schon stehen Kaffeetasse und gefüllter Kuchenteller vor mir. Die Damen brechen bald zu einer Radtour auf, vorher bekomme ich den Kuchenteller nachgefüllt und mir wird der "streng geheime" Platz des Schlüssels für's Vereinsheim offenbart (fast so sicher wie unter der Fußmatte).
    Heute kein Zeltaufbau, wenig später kann ich einen Bungalow beziehen. Für lange Zeit das letzte richtige Bett - und trotzdem weniger zu zahlen als auf allen kommerziellen Zelplätzen vorher (es war ja nur einer) und vor allem nachher.
    Der Kocher bleibt verpackt. Zum Frühstück haben mich die Radler mit heißem Kaffeewasser versorgt, Mittags gab es Brot - und nur Brot, am Nachmittag bereits Kuchen und zum Abend ein Mehrgangmenü im Stehrestaurant: 1.Salat 2.Zwiebelfleisch 3.Fladenbrot ... und Soße Kräuter-scharf.


    5.Tag
    Neues vom Rücken: Es hat "knack" gemacht.
    Erfreulicherweise beim Neueinrasten der Rückenlehne, so dass die Hoffnung besteht, dass die 1-2mm der Auslöser für den Ärger mit dem Rücken waren.

    Von der Havel in die Elbe, ab Havelberg nur ein kurzes Stück. In ca. 1km Entfernung leuchtet das grüne Ampellicht der Schleuseneinfahrt. Ich paddle, was Ärmchen und Rumpfdrehung hergeben. Die Hoffnung, die Schleuse vor dem Schließen der Tore zu erreichen ist zwar gering, stirbt aber bekanntermaßen zuletzt. Hat der Schleusenwärter Mitleid mit dem eifrig strampelnden Paddler, ist seine Kaffeetasse noch nicht leer ... es grünt noch immer. Schlechte Renneinteilung, die Geschwindigkeit bricht ein, aber es ist noch immer grün. Und es bleibt grün. Die Schleuse ist dauergeöffnet, möglicherweise den geringen Wasserständen geschuldet.


    Hui, trotz der geringen Wasserstände aus Sicht eines Havelpaddlers eine ordentliche Strömung. Es geht gut voran.
    Pause in Wittenberge, ich setze mich im Eiskaffee etwas abseits, da ich vermutlich einen strengeren Geruch emittiere.



    Vorgesehen war die Übernachtung in den Häfen Schnackenburg oder Lenzen. Aber es läuft einfach zu gut, so dass ich Gorleben anpeile. Hafenzufahrt nach Gorleben über einen Kilometer lang - und am Ende ein recht trostloses Bild. Niemand lässt sich auf dem Vereinsgelände blicken, einen schönen Platz für mein Zelt kann ich nicht erkennen, der Ausstieg mit dem Boot über eine steile Treppe wäre ausgesprochen beschwerlich.


    Also wieder zurück zur Elbe. Fast gegenüber der Hafenzufahrt wähle ich einen Platz zwischen den Buhnen. (Aus jetziger Sicht käme ich kaum auf die Idee, ohne Not einen Hafen für die Nacht anzulaufen. Meine Einstellung zum Wildcampen hat sich gründlich geändert.)




    Seit Langem die erste Zeltübernachtung allein und außerhalb eines dafür vorgesehenen Platzes. Ich höre auf die Geräusche der Nacht, irgendwie bin ich leicht angespannt und schlafe erst spät ein.


    6.Tag
    Heute führte die Tour Richtung NordWest - und woher kommt der Wind ...




    Den ganzen Paddeltag die Puckelei, da wird man irgendwie schwermütig und verliert den Blick für die Schönheiten: Das bis auf den Wind angenehme Wetter, das ausführliche Gespräch mit einem anderen Paddler in Dömitz und natürlich die Schönheiten des Hauptakteurs, der Elbe. Zum Teil eine großartige Landschaft, auf jeden Fall anders als die der Havel. Abgesehen von der schieren Breite des Flusses sind die Ufer von wechselnden Wasserständen geprägt, der Bewuchs ist deutlich verschieden. Pech für den Paddler, der sich an den Havelufern häufig vor dem Wind verstecken kann. Hier muss man mitten durch - und die Wellen waren z.T. so hoch wie ein A4-Blatt lang, also es war wirklich ätzend. Nun ja, so etwas bleibt nicht aus und vielleicht werde ich in einigen Tagen ein solches Wetter wie heute herbeisehnen.

    Ich habe Zutrauen zu den Übernachtungen am Elbufer gefunden. Es gibt ja auch eine große Auswahl schöner Lagerplätze zwischen den Buhnen. Mit Rücksicht auf ein entfernt grummelndes Gewitter überlege ich höchstens, das Zelt eher am Schilf als unter Bäumen aufzuschlagen.



    Ansonsten, sollte ich dereinst einen neuen Job benötigen, bewerbe mich bei der Wasserschutzpolizei für den Brandenburger Elbabschnitt. Ich höre mich schon beim Abendbrot stöhnen: "Meine Vorgesetzten kommen auch immer wieder auf neue Ideen, angeblich soll es außer Fähren noch andere Wasserfahrzeuge geben. Morgen muss ich zur Schulung nach Potsdam und soll mir sogenannte Motorboote im Original ansehen, wozu eigentlich dieser Stress?" (Natürlich tragen die geringen Wasserstände dazu bei, dass man auf dem Fluss so gut wie allein ist.)


    7.Tag


    Schade, ab Lauenburg muss ich auf die schöne Elbströmung verzichten.


    An der Schleuse in den Elbe-Lübeck-Kanal zunächst rätselraten, wie komme ich dort durch? Nach mindestens einer halben Stunde undifferenziertem Hin und Her fällt mir ein eigentlich kaum zu übersehendes Hinweisschild mit einer Telefonnummer für den Schleusenwärter ins Auge. Der berichtet mir dann auch am Telefon, dass er aus seinem Türmchen recht verwundert mein Umherirren beobachtet hatte. An der nächsten Schleuse suche ich dann gezielt nach der Telefonnummer und alles fügt sich problemlos.

    Übernachtung heute im Zelt direkt am Radweg.

    Keine Angst, ich habe das Fortbewegungsmittel nicht gewechselt, der Radweg liegt am Lübeck-Elbe-Kanal. Leider ist man am ursprünglich angepeilten Campingplatz Güster nicht auf Wasserwanderer mit Kleinbooten eingerichtet, so bin ich weitergefahren, um irgendwo einen schönen Platz zum Wildcampen in Anspruch zu nehmen. Was ich unterschätzt habe, die doch recht steilen Kanalufer bieten nur wenig Gelegenheit, das schwer beladene Boot die Böschung heraufzuziehen und an dieser Stelle muss sich dann ein geeigneter Stellplatz befinden. Da muss man auch schon mal mit der zweiten Wahl zufrieden sein.


    8.Tag
    Heute war ich mit ca. 57km die bislang längste Strecke ohne Strömungsunterstützung unterwegs. Bis kurz vor Lübeck halt Kanal mit Schleusen, bei einer der Schleusungen merkte man, dass der Schleusenwärter die Wichtigkeit der Personen nach der Größe des Bootes bemaß, mir wurde das Schleusentor quasi vor der Nase zugeschlagen, ich musste dann ca. 40min warten, bis das nächste Motorboot eintrudelte.

    Bei einer anderen Schleusung kam ich ins Gespräch mit einer Motorbootbesatzung auf dem Weg nach Travemünde, bei gutem Wetter sollte es später auch auf die Ostsee gehen. Da hatten wir ja ähnliche Ziele, wobei ich mir nicht sicher bin, ob mir alle Besatzungsmitglieder hinsichtlich meines Ziels Glauben schenkten. Dafür schenkten sie mir ein Bier, wir leerten gemeinsam je eine Flasche auf eine erfolgreiche Fahrt und ich bekam am Ende eine weitere Flasche als Wegzehrung.


    Gegen 18Uhr dann erst Ankunft in Lübeck, eigentlich ein angenehmer Ort für eine Übernachtung. Die Ruderer haben zwar einen schönen Steg, aber Übernachtungen sind nur nach Voranmeldung möglich. Für den Versuch, bei einem der beiden Kanuvereine unterzukommen, hätte ich ein Stück mit dem Bootswagen durch Lübeck rollern müssen - dann lieber an der DKV-Station Priwall angerufen: Ja, bis 22Uhr ist jemand dort, aber das schaffst du bis dahin nicht. ... Nach 3 Stunden war ich angekommen, hatte aber die Schönheiten der letzten 10 Trave-km nur am Rande registriert. Vorbei an den riesigen Fähren und im Prinzip mit Sonnenuntergang Ankunft.

    Nur noch Zelt aufbauen und schmuddelig in die Heia.


    9.Tag
    Heute ist Ruhetag!
    Und wie es sich für einen Ruhetag gehört - bestes Wetter. Also: Drei Plünnen durchspülen (das bisher benutzte Baumwollhemd wird aber entsorgt, für die Ostsee taugt es nicht), Grundreinigung unter der Dusche und Einkehr beim Döner. Schließlich verpacke ich die nur auf den Binnengewässern benötigten Dinge in einer Pappe, in einem Anflug geistiger Umnachtung auch das Rasierzeug. (Muss ich später nachkaufen, die Ostsee beeinflusst das Wachstum der Gesichtsbehaarung nur unwesentlich.)

    Am Nachmittag geht es 'rüber nach Travemünde, bummeln entlang der Promenade, Abendbrot beim Griechen und natürlich ein respektvoller Blick in Richtung der nächsten Ziele, über die Ostsee.
    Geändert von Paddolf (11.11.2018 um 20:09 Uhr)

  9. Dauerbesucher
    Avatar von Spartaner
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    AW: [DE, DK, SE, FI] Hauptstadtpaddeln ... von Berlin nach Helsinki

    #9
    Zitat Zitat von Paddolf Beitrag anzeigen
    Ihr wollt das also wirklich lesen ...
    Dann müsst Ihr mein Gejammer ertragen. Es wird sich viel drehen um die Widrigkeiten des Wetters, insbesondere um den prinzipiell von vorn wehenden Wind, weiterhin hört Ihr von den Problemen mit der ausgewogenen Ernährung und natürlich werdet Ihr von den Zipperlein erfahren, die einen alten Mann so plagen.
    Ich bin froh, wenn du noch dieses altmodische Wort verwendest, und lese das viel lieber als von bescheuerten "Herausforderungen".

    Bullshit Neusprech

  10. Dauerbesucher
    Avatar von atlinblau
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    AW: [DE, DK, SE, FI] Hauptstadtpaddeln ... von Berlin nach Helsinki

    #10
    Zitat Zitat von Paddolf Beitrag anzeigen
    ...
    - Tourlänge aus eigener Kraft: 2115km; Tourdauer: 55 Tage, davon 8 Ruhetage
    Das macht neugierig...

    Thomas

  11. Alter Hase
    Avatar von LihofDirk
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    AW: [DE, DK, SE, FI] Hauptstadtpaddeln ... von Berlin nach Helsinki

    #11
    Und das bischen Handgelenk, Blasen und Sitzfleisch ist Altersunabhängig. Das geht mir Jungspund unter 50 auch jeden Saispnbeginn wieder so.

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