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  1. [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys

    #1
    Mitreisende: Waldlaeuferin
    Vorbereitungen
    Ich muss raus! Das erste Halbjahr 2018 war von häuslichen Problemen geprägt. Aus Kummer fraß ich Chips und Schokolade in mich herein, was zu einer Gewichtszunahme führte. So fett war ich noch nie. Jetzt aber hat sich die Lage zuhause beruhigt, ich nutze den Feiertag am 3. Oktober für eine Tour durch die Eifel. Der Ahrsteig soll es sein, denn HIER habe ich gelesen, dass es ausreichend Campingplätze in Tagestour-Abständen gibt.
    Karte bestellt. Die Karte ist halb mit Reklame bedruckt, hat eine schlechte Druckqualität und zeigt gerade nur den schmalen Streifen der Eifel, der aus dem Ahrsteig besteht. Normalerweise beschwere ich mich nicht, aber hier schreibe ich dem Anbieter zurück, dass die Karte ihr Geld nicht wert ist.
    Ausrüstung zusammen gepackt, eine Mischung aus Altbewährtem und Neuem.
    Zelt Luxeoutdoor Hexa, ein Mini-Tipi bzw. Pyramidenzelt. Hier im Forum gebraucht erstanden.
    Dazu den Boden „Bathtub-Floor“ gekauft. Beides bisher nur 2 Mal zur Probe aufgebaut.
    Dazu Isomatte Wechsel Nuboair, 800 g schwer, aber ich bin von dem Teil begeistert. Bequem ohne Ende.
    Nun stehen Entscheidungen an:
    Mein Yeti-Daunenschlafsack, ca. 15 Jahre alt, noch nie drin gefroren, aber 1,8 Kilo. Großes Packmaß. Oder das neue Daunen-Quilt. Packmaß halb so groß wie Schlafsack, halb so schwer. Nur in diesem Sommer ein Mal benutzt, keine Wintererfahrung,
    Dann: Die dünne Yeti-Daunenjacke (bewährt) oder ein neues, sehr dünnes Fleeceteil zum Unterziehen.
    Ich schaue in den Wetterbericht: In Frankfurt soll es nachts auf 6 Grad abkühlen, dann wird es in der Eifel 3 Grad kalt, das ist doch fast 0 Grad und damit Nachtfrost, und überhaupt ist es in der Eifel immer kalt: Das Altbewährte muss mit, der Yeti-Schlafsack und die Yeti-Daunenjacke. Nichts hasse ich so sehr wie durchfrorene Nächte.
    Nun zur Kleidung: Wegen aktuellem Übergewicht geht die Treckkinghose nicht zu! Arrrg! Den Sommer über habe ich in Kleidern den Overfill kaschiert, aber nun zeigt sich, dass überhaupt keine Hose mehr passt. Die Lösung: Da der Trend ja zu solchen hautengen Leggings geht, greife ich zur Jogginghose, enganliegend aber dehnbar, wasserabweisend, wird nicht dreckig. Dazu packe ich eine ausgeleierte Baumwoll-Jogginghose, die aber nie zum Joggen diente, sondern zum Sofa-Liegen. Ein Merino-Shirt, ein uraltes Patagonia-Kunstfaser-Shirt und ein Baumwoll-T-Shirt. Dieses zeigt einen Aufdruck mit zwei Gehirnhälften mit den Gehirnwindungen sowie den Text „User“.
    Und weiteres Altbewährtes: Den Lodenpulli von Hubertus und einen Damen-Jagdhut aus Filz. Der Pulli dient als Oberbekleidung und deckt von 0 Grad bis 18 Grad alles ab, außerdem hält er auch Nieselregen aus. Man schwitzt und friert nicht. Der Jagdhut hält warm, schützt vor Sonne und Regen und kann auch mal zum Draufsitzen dienen, wenn ein Sitzplatz nass ist. Wie man später sieht, wird er mir auch einen Kaffee besorgen. Für den Fall von schwerem Regen packe ich einen Deckathlon-Rad-Poncho ein, klein und leicht. Dieser wird nur dazu genutzt werden, den ganzen anderen Krempel trocken abzulegen.
    Sowie neue Schuhe: Hanwag, gute Lederschuhe. Überdimensioniert fürs Mittelgebirge, aber mir gefallen sie. Bisher hatte ich immer Lowamodelle, hatte aber schnell Blasen bekommen. Die Hanwag sind vorne breiter. Außerdem habe ich meine Füße vorbereitend schon wochenlang mit Hirschtalg eingerieben, wodurch die Haut „dicker“ wird.
    Außerdem meine geliebten Fivefinger-Barfußschuhe.
    Dann schmeiße ich noch 2 Packungen Erdnüsse, gesalzen, in den Rucksack. Ach so, der ist auch neu: Sawotta Jäger, kleines Modell. In die Seitentaschen kommen eine nierenförmige US-Army-Tasse und eine nierenförmige Nalgene-Wasserflasche 1 Liter, die genau in die Tasse passt und zusammen genau in die Seitentasche des Rucksacks. Auf die andere Seite ein Picogrill-Hobo.
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    Die letzten Tage vor der Abreise steht beruflicher Stress an und ich werfe noch schnell eine Tafel Schokolade und eine Packung selbstgetrocknetes Obst ins Auto, dann geht es los.
    Der Plan besteht darin, auf dem Hobokocher Tee zu machen, Brötchen auf den Campingplätzen zu kaufen, zwischendrin Snacks einzuwerfen und abends lecker essen zu gehen. Soweit der Plan.
    Der Hund braucht auch sein Futter, dann noch Kontaktlinsenlösung, Kulturtasche, Slips, Kleinkram – der Rucksack wiegt 12 Kilo. UL geht anders.
    Geändert von Waldlaeuferin (15.10.2018 um 12:21 Uhr)
    Es ist immer zu früh, um aufzugeben.

  2. AW: [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys Etappe 1

    #2
    1. Etappe Blankenheim – Freilinger See.
    Ich fahre mit dem Auto nach Ahrweiler und parke in der Nähe des Bahnhofs. In der Eile vergesse ich meine Trockenfrüchte und die Schokolade im Auto. Mein Proviant reduziert sich auf die Erdnüsse.
    Die ÖPNV-Verbindung habe ich vorher rausgesucht. Von Ahrweiler mit dem Bus nach Remagen, von dort mit dem Zug nach Köln-Süd und dann umsteigen in den Eifel-Express, der mich nach Blankenheim (Wald) bringt. 3 Stunden. Wenn sich NRW und Rheinland-Pfalz mal einigen könnten, gäbe es sicher attraktivere Verbindungen.
    Der Hund ist schon ganz genervt, als wir in Blankenheim (Wald) ankommen. Blankenheim (Wald) ist aber nicht Blankenheim. Bis zum Start des Ahrsteigs sind es 8 km Gelatsche, die ich schon kenne vom Eifelsteig. Nieselregen, Wind. Der nächste Bus in Blankenheim (Wald) kommt erst in einer Stunde. Allerdings lerne ich jetzt von einer anderen Frau, die auch entnervt auf den Busfahrplan starrt, dass man einen Taxibus anrufen kann. Diesen muss man aber eine Stunde im voraus anrufen. Das wäre eine Möglichkeit gewesen, doch wusste ich nichts davon.
    Ich rufe ein Taxi und kann tatsächlich in 10 Minuten eine Fahrt bekommen, auch das in der Eifel keine Selbstverständlichkeit. Manchmal muss man eine Stunde warten, bis ein Taxi kommt. Der Taxifahrer hat ein Alkohol-Fahne, fährt mich aber unbeirrt nach Blankenheim und kassiert 18 Euro.
    Die Ahrquelle liegt unter einem Haus und ist außerdem vergittert. Schade, dass sie nicht schöner aufbereitet ist. Man kann hier auch kein Wasser abfüllen. Der Hund aber trinkt weiter unten aus einem Brunnen. Inzwischen ist es mittag und ich kehre ins Museumscafé ein. Hier bekomme ich eine riesige Bauernpfanne. So liebe ich die Eifel: Die Portionen sind großzügig, die Preise klein. Zwar laufe ich ungern mit vollem Magen los, aber wer weiß, wann es wieder was gibt. Diese Kalkulation stellt sich als gut heraus.
    Ich folge nun dem bestens ausgeschilderten Ahrsteig bis Freilinger See, 11 km. Der Rucksack drückt, aber es geht beschwingt voran. Der Hund ist froh, endlich laufen zu können. Der erste Teil der Strecke durch das Ahrtal wird vom Lärm der Autos und Motorräder begleitet. Dann biegt der Weg ab und es wird still. Der Freilinger See ist ein kleiner Stausee, nicht besonders spektakulär. Um diese Jahreszeit verlassen, der Kiosk geschlossen. Bauarbeiten an der Zufahrtsstraße. Der Campingplatz gleich daneben, aber hinter einem Hügel, nicht direkt am Seeufer. Er wirbt mit 5 Sternen, ist auch entsprechend teuer. Der Mann an der Rezeption kopiert meinen Perso und fragt nach meiner Handynummer. „Falls mal was ist.“ Ich frage nicht, was sein sollte und fange auch keine Diskussion über Datenschutz an.

    Die Gaststätte auf dem Gelände? „Hat Mo und Di Ruhetag“. Heute ist Dienstag. Ich kann aber Brötchen bestellen für morgen früh.

    Ich habe die Auswahl zwischen 3 Zeltwiesen. Kein anderes Zelt da. Mein Zelt ist schnell aufgebaut, das Lager eingerichtet. Später stellt sich ein PKW mit Wohnwagen auf die Zeltwiese. Muss das sein? Es sind doch noch Parzellen für Camper frei.
    Ich esse ein paar Erdnüsse und gehe hungrig ins Bett. Gut, dass ich die Bauernpfanne in Blankenheim hatte. Später kann ich nicht schlafen. Die erste Nacht im Zelt ist immer ungewohnt, aber hier scheint auch eine Flugschneise rüber zu führen. Die ganze Nacht dröhnen Flugzeuge über mir. Das Zelt beschlägt innen mit Kondenswasser. Nachts ca. 3 Grad.

    - - - Aktualisiert - - -

    Etappe 2 Freilinger See – Antweiler
    Ich wache auf und das Wetter hat sich gebessert. Wolken und Sonne wechseln sich ab, bestes Wanderwetter. Ich hole meine Brötchen am Camping-Kiosk (Brötchen der Bäckerei Bell in Blankenheimerdorf, die besten seit langem!) sowie O-Saft und Frischkäse. Auf der Zeltwiese steht eine Grillhütte, die aber verschlossen ist, jedoch außen eine Bank hat. Dort frühstücke ich. Das Zelt ist innen nass, ich packe es so zusammen. Die Bodenplane falte ich derart, dass die trockene Seite innen liegt.
    Los geht’s, leider meist über Forstwege, geschotterte Feldwege etc. Es geht nach Frielingen und Lommersdorf. Die beiden Orte sind fast zusammen gewachsen. Zwei Mal halten Autofahrer und fragen mich nach dem Weg Richtung Köln. Anscheinend ist eine Verbindungsstraße gesperrt und die Navis geben nur Unsinn aus. Leider kann ich nicht weiter helfen. Mir fallen noch zwei weitere Autos mit Kölner Nummern auf, die in Schleichtempo durch den Ort fahren.
    Nach einer Weile führt der Weg als Pfad durch einen Wald, hier ziehe ich meine Schuhe aus und laufe barfuß, ein Genuss. Dadurch komme ich natürlich langsamer voran, weil ich drauf achten muss, nicht auf Steine zu treten. Doch schon kommen wieder Schotterwege und ich steige wieder in die Hanwags.
    An der Kreuzung des Ahrsteigs mit der Landstr. K41 steht eine Schutzhütte. Hütten habe ich auf dem Weg wenige gesehen und diese wenigen sind nicht in meiner Karte eingezeichnet. Ziemlich ärgerlich. Man fragt sich aber, wieso eine Hütte direkt an der Landstraße platziert wird.
    Im Wald sind Pilzsammler unterwegs und so in ihr Tun vertieft, dass sie mich nicht bemerken. Jetzt geht es auf den Aremberg zu (ein inaktiver Vulkan), der Weg steigt stetig an.
    Mitten im Wald höre ich einen Trecker hinter mir. Vor der Steigung nimmt er betont Gas zurück, schaltet hörbar in einen niedrigeren Gang und stottert dann den Berg hoch. Nanu, ein älteres Modell? Und mitten im Wald? Schließlich überholt mich der Trecker: Ein Junge, nicht älter als acht, am Steuer. Er umklammert das Lenkrad, die Lippen entschlossen zusammen gepresst, starrt angespannt auf den Weg. Auf dem Sitz über dem Rad sein Opa, der mich freudig anstrahlt. Ich lache zurück. Eifel: Jedes Kind muss Trecker fahren können.
    Ich erinnere mich, dass ich als Kind im Urlaub beim Bauern mal den Trecker bewegen sollte, aber prompt den Anhänger beim Zurücksetzen verkantete. Besser, man übt erst mal im Wald.

    Schließlich erreiche ich den Ort Aremberg. Hier steht am Ortseingang eine Kapelle und ein Schild erklärt, dass hier einmal im Jahr Brote gesegnet werden. „Das Brot schimmelt nicht.“ Ja, wie? Wird es sofort gegessen? Vertrocknet es? Das lässt mir keine Ruhe. Einmal im Jahr eine Wundersegnung, die das Brot vor Schimmel schützt? Muss ich mal hingehen, wenn es soweit ist.

    In Aremberg kehre ich in die Burgschänke ein. An der Tür das Schild „Hunde verboten“. Ich frage, ob ich auf der Terrasse essen kann. „Aber es ist doch kalt!“
    „Ich habe einen Hund.“
    „Passt der durch die Tür?“
    Ich darf mit Hund in die Gaststube und bekomme ein fürstliches Essen. Von hier oben hat man einen wunderbaren Ausblick über die Eifel. Es ist dunstig, aber die Hohe Acht und die Nürburg sind gut zu erkennen.
    Heute will ich bei meinem Bekannten J. in der Nähe des Arembergs übernachten. Doch zu meinem Schrecken bemerke ich, dass mit meinem Handy was nicht stimmt. „Nur Notrufe“. Obwohl es drei Balken für Empfang anzeigt, weigert es sich, zu telefonieren. Von der Burgschänke bekomme ich den WLAN-Code für Hotelgäste und sende eine Whatsapp-Nachricht an J., dass ich in einer Stunde da bin. Ob er sie wohl bekommt? J. ist kein Freund der elektronischen Medien. Ich beschließe, das Universum will mir zeigen, dass ich kein Handy brauche auf dieser Wanderung. Ich soll entspannen und mich nicht um Whatsapp-Nachrichten kümmern.
    Bisher habe ich J. immer mit dem Auto besucht, und zwar von Antweiler kommend. Ich starre auf die Karte. Leider zeigt sie außer dem Ahrsteig keine anderen Markierungen für Wanderwege an, obwohl hier dauernd Wege des Eifelvereins kreuzen oder streckenweise den Ahrsteig begleiten. Immer mit dem Finger auf der Karte beginne ich den Abstieg über Feldwege und finde auch ziemlich schnell das Haus von J., der mitten im Wald wohnt. Ob er meine Nachricht bekommen hat? Am Hoftor hängt ein Zettel mit meinem Namen! Ich falte ihn auf: J. musste zu seinen Eltern und kommt später. Ich soll reingehen, die Tür ist offen. In der Küche steht Kuchen, ich soll mir einen Kaffee machen. Super! Solche Freunde muss man haben.
    Die Hunde von J. begrüßen mich, mein Hund knurrt sie grimmig an. Ich werfe den Rucksack ab, mache mir einen Tee und lass es mir gut gehen. Im Haus tummeln sich einige Katzen und ich habe eine Katzenallergie, daher warte ich auf der Terrasse. Rundum im Wald fallen immer wieder Eicheln zu Boden, mit deutlichem Knall.
    Schließlich kommt J., wir unterhalten uns, essen Abendbrot und beschließen, dass ich in seinem Wanderwagen übernachte – dort sind keine Katzenhaare. Außerdem kommen sich die Hunde nicht in die Haare, meiner ist weiterhin grantig. Ich richte mein Lager in dem kleinen Wagen ein. J. hat ihn aufgebaut, um mit seinen Pferden umherziehen zu können. Jedenfalls schlafe ich dort sehr gut, wache jedoch nachts auf, weil ein Hirsch röhrt. Etwa eine halbe Stunde lang liege ich wach und lausche fasziniert der Hirschbrunft. Das war etwas, was ich schon immer erleben wollte. Der Hirsch variiert seinen Ruf immer wieder. Außerdem fallen bei jedem Windhauch weitere Eicheln runter. Schließlich schlafe ich wieder ein. Es ist kalt, J. meinte, es habe schon Nachtfrost gegeben (640 m ü. NN). Die Kombi aus Schlafsack, Isomatte und Daunenjacke hält mich warm, außerdem ist der Hund eine gute Wärmequelle.
    Geändert von Waldlaeuferin (15.10.2018 um 12:26 Uhr)
    Es ist immer zu früh, um aufzugeben.

  3. AW: [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys Etappe 3

    #3
    Etappe 3 Antweiler – Schuld
    J. muss früh raus, zur Arbeit. Ich breche auf, gehe ein Stück und frühstücke später an einem schönen Platz im Wald. Schräg am Aremberg vorbei gehe ich nach Eichenbach, einem hübschen kleinen Ort mit vielen Fachwerkhäuschen. Danach geht es bergauf, der Weg wird felsiger. Ein Teil der Strecke ziehe ich die Barfußschuhe an. Aber mit dem schweren Rucksack, der jetzt auch noch die Hanwag-Stiefel drauf bekommt, ist das nicht so angenehm. Nach einer Weile wechsle ich die Schuhe wieder. Bisher keine Blasen! Auf dem Eifelsteig hatte ich immer riesige Blasen bekommen, bin sehr froh, dass ich jetzt verschont bleibe. Hatte keine Zeit gehabt, die Hanwags über lange Strecken einzulaufen, aber sie sind sehr bequem und angenehm. Gut eingefettet, halten sie meine Füße trocken, auch wenn es durch nasses Gras geht.

    Ich erreiche gegen Mittag den Campingplatz Schuld, direkt an der Ahr. Der Empfang ist geschlossen, es sind keine Öffnungszeiten vermerkt. Die Gaststätte ist geschlossen. Es gibt einen Getränkeautomat, dem ich eine Cola entlocke.
    Ich mache es mir auf einer Bank bequem, hole das nasse Zelt raus und breite es auf einer Tischtennisplatte zum Trocknen aus. Die Sonne scheint, es sind fast 20 Grad. Der Campingplatz ist voller Dauercamper-Wohnwagen und Blockhütten, doch scheinen nur sehr wenige belegt. Schließlich radelt ein Mann vorbei. Ich frage, wann die Rezeption öffnet. „Die kommen um zehn nach vier.“
    10 nach 4? Ich nehme an, es soll heißen, sie kommen um 4, aber nicht pünktlich. Ich begutachte den Platz. Unten zur Ahr hin ist anscheinend die Zeltwiese, hier stehen auch ein paar Campermobile. Ich stelle das Zelt auf, es ist inzwischen getrocknet.
    Schließlich wird es 4 h und die Platzbetreiber öffnen die Rezeption. Hier muss man keinen Pass vorzeigen und auch keinen Zettel ausfüllen, einfach nur bezahlen (eine geringe Summe). Die Frau am Empfang ist ausgesprochen unfreundlich, erlaubt mir aber einen Telefonanruf. Ich sage zuhause Bescheid, dass mein Handy kaputt ist. Heutzutage macht sich ja jeder Sorgen, wenn man keine Whatsapp-Nachrichten absetzt. Nicht, dass noch eine Rettungsstaffel in Aktion gesetzt wird.

    Brötchenservice gibt es nicht. Im Camping-Kiosk erstehe ich eine Fleischwurst und frage nach einem Restaurant. Es gebe einen Kebap-Schnitzel-Pasta-Pizza-Laden in Schuld. Dafür muss ich aber ca. 1 km an der Landstraße langlaufen, die an einer Seite durch eine Felswand begrenzt ist. Ganz schön gefährlich. Selbst der Hund ist entnervt. Ich schaffe es aber bis zu dem Imbiss, der anscheinend von Iranern betrieben wird, die auf Italiener machen. Das Essen ist okay. Am Nebentisch sitzen sechs Frauen im Alter von 75 plus und unterhalten sich in tiefstem Eifler Platt.
    Der Campingplatz in Schuld hat einen ausgeprägten 50er Jahre Charme. Die Duschen (mit 1 Euro Münzen zu betreiben) sind sehr gut. Der Lärm von der Landstraße ist mäßig, nachts wenig Verkehr. Man kann Lagerfeuer machen, aber nur an einem weit entfernten Ende des Platzes. Ich verzichte darauf, den Hobo dort anzuwerfen.
    Diese Nacht beschlägt das Zelt innen von Kondenswasser und außen von Tau. Ob ich es höher aufspannen muss, damit unten mehr Luft reinkommt, um Kondenswasser zu vermeiden? Keine Ahnung. Ich schlafe sehr gut. Nachts höre ich wieder einen Hirsch, ein Käuzchen und natürlich das Plätschern der Ahr. Alles in allem: Mein Campingplatz-Favorit auf dieser Tour! Leider wird er Ende Okt. bis Ostern geschlossen.

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    Etappe 4 Schuld-Kreuzberg
    Heute liegt die längste Etappe vor mir. Ich habe den Handywecker gestellt (das Handy funktioniert an sich, man kann fotografieren etc., nur nicht telefonieren) und stehe früh auf. Das Zelt ist klatschnass, aber ich packe wie bereits bewährt den Zeltboden so ein, dass er trocken bleibt. Er hat einen Extra-Sack für sich.
    Wieder an der Landstraße entlang nach Schuld. Ich treffe zwei Leute, jeder sagt was über „dat schöne Hündchen“. Noch nie hat jemand was über „dat schöne Frauchen“ gesagt!
    In Schuld hole ich Brötchen und Kakao beim Bäcker, frühstücke dort auf einer Bank. Dann stelle ich fest, dass es in Schuld mehrere Gaststätten gibt. Es hätte eine bodenständige Alternative zu dem Schnitzel-Pasta-Döner-Pizza-Laden gegeben. Außerdem gibt es einen Tante-Emma-Laden.
    Von Schuld geht es nach Insul immer direkt an der Ahr lang. Ich treffe Fliegenfischer und rede ein bisschen mit einem von ihnen. Die Forelle sei wegen des geringen Wasserstandes „weg“, aber Döbel und Äsche seien zu fangen. „Ein Tag hier an der Ahr ist wie eine Woche Urlaub“, sagt der Mann. Die Stelle ist wirklich idyllisch.

    Ich beschließe, den Umweg über Sierscheid auszulassen und direkt nach Liers zu gehen. Es ist mir unklar, wieso die Strecke über Sierscheid geführt wird. Vielleicht ist dort eine Ferienwohnung, die an Wanderer vermietet werden soll? Auf der Karte, die ich wieder mal verfluche wegen der schlechten Zeichnung, suche ich einen Weg nach Liers. Dieser entpuppt sich als sehr schöner Weg, mit Gras überwachsen, der auf halber Höhe des Hangs langführt. Ich sehe zwei Hirschkühe, die sich durch mich und den Hund kaum stören lassen. Krüppeleichen. Grillen zirpen. Mediterrane Stimmung. Mir wird warm.

    Ich ziehe den Lodenpulli aus und packe ihn in den Rucksack. Im Merino-Shirt komme ich mir nun ein wenig nackt vor, aber der Pulli war einfach zu heiß.
    Der Sawotta-Rucksack ist ein Raumwunder. Man kann den Deckel sozusagen anheben und den Sack oben überpacken. Den Sawotta habe ich gekauft, weil er robust ist und nicht so viele Seitentaschen hat. Diese kann man bei Bedarf extra kaufen und über das Molle-System anschnüren. Inzwischen habe ich auch alle Einstellungen gut angepasst und der Rucksack sitzt perfekt.
    Ich esse Fallobst. Bisher hatte ich nur Wildäpfel gefunden, zu herbe zum Essen. Jetzt aber passiere ich Birnen- und Apfelbäume mit herrlichem Obst. Wann war ein Apfel je so lecker?
    Ich treffe einige andere Wanderer, vier Holländer. Sie sind in der gleichen Richtung unterwegs wie ich, aber schneller. Sie bieten mir Kaffee an, direkt aus der Feldflasche. Wie nett! Ich trinke einige Schlucke.
    Dann kommt ein langer und harter Anstieg bis zum Dorf Lind. Es ist heiß. Ich habe nicht genug Wasser dabei. Das Wasser muss für mich und den Hund ausreichen. Normalerweise trinkt der Hund aus kleinen Bächen, aber die sind nach diesem Sommer ausgetrocknet.
    Ich schleppe mich im Schneckentempo nach Lind hoch. Ich bin untrainiert, übergewichtig und der Rucksack ist zu schwer. Wieso hatte ich diese Schnapsidee, Wandern zu gehen?
    Ich trinke den letzten Schluck Wasser und beschließe, in Lind an einem Haus um Wasser zu bitten. Wie peinlich. Ich werden den ersten Menschen ansprechen, den ich sehe. Keine Ausrede!
    Als ich schließlich schwitzend und ächzend in Lind ankomme, ist es später Freitag nachmittag. Was macht der Eifler? Er werkelt herum. Der erste Mann, den ich sehe, spaltet in seinem Garten Holz. Der nächste besteigt gerade seinen Trecker, nickt mir freundlich zu und startet den Motor. Dann sehe ich einen Mann mit griesgrämigem Gesichtsausdruck, der gerade seine Mülltonne vollstopft. Ich spreche ihn an und bitte um Wasser, zeige meine Wasserflasche.
    „Kranenburger?“
    Ich nicke. Es dauert eine Weile, dann bringt er mir meine Flasche gefüllt zurück. Jetzt ist er etwas freundlicher, ringt sich ein Lächeln ab. Danke!
    Ich biege um die Ecke. Am Gemeindehaus des Dorfes steht ein Laster voller Getränkekisten. Gerolsteiner. Bitburger. Fanta. Cola. Hier hätte ich bestimmt beim Fahrer was erwerben können. Aber mein Hund trinkt nur „Kranenburger“, er hasst Mineralwasser. An der nächsten Bank raste ich, trinke gierig, auch der Hund bekommt seinen Teil.
    Schließlich mache ich mich auf für das letzte Stück Wegs. Weit vor mir sehe ich noch mal die vier Holländer einen Hang hochgehen. Schließlich tauche ich in einen Wald. Es geht steil abwärts Richtung Kreuzberg. MTB-Fahrer haben den Weg ausgelutscht. Meine Hanwags geben zuverlässig Halt, ich rutsche nicht, aber meine Knie schmerzen beim Abstieg. Die Sonne ist schon hinter dem nächsten Hügel versunken. Eine geheimnisvolle, mysteriöse Stimmung im Wald.
    Ich verfluche wieder mal die Karte. Sie hat sich an den Kanten aufgelöst. Gerade hier müsste der Weg sein zum Campingplatz. Ich frage mich durch. Es sind sicher 20 Grad, die Leute sitzen auf ihren Balkons. Der Campingplatz heißt „Victoria-Station“. Sind „Stations“ nicht die Ranches in Australien? Oder ist „Bahnhof“ gemeint? Der Mann am Empfang träg ein Onkelz-T-Shirt.
    Das Empfangs- und Sanitärgebäude ist ganz neu, alles vom Feinsten. Es gibt einen Brötchenservice und Kaffee, aber kein warmes Essen. Das nächste und einzige Restaurant sei der „Wurstkessel“.
    Der Campingplatz ist riesig, aber es sind keine Parzellen zu erkennen. Es gibt auch keine Zeltwiese. Ich suche mir einen Platz neben einer Blockhütte (mit Jägerzaun, Geranien etc.). Kaum habe ich mein Zelt aufgebaut, stellt sich eine Gruppe aus Westfalen neben mich, und zwar mit einem uralten Bulli, mattschwarz lackiert, einem modernen Caravan und einem Saab-Cabrio mit Faltdach, schickes Teil.
    Mein tarngrünes Zelt ist kaum zu sehen. Ich habe Angst, dass ein später Ankommer schwungvoll mit seinem Monstercamper in „meine“ vermeintlich leere Parzelle einschwenkt und mein Zelt platt macht. Daher stecke ich einen Ast einige Meter entfernt vor meinem Zelt in den Boden. Das muss als Warnung reichen.
    Ich bin hundemüde, aber auch hungrig. Schleppe mich also Richtung „Wurstkessel“. Ein Ehepaar macht nette Bemerkungen über meinen Hund, ich frage nach dem Restaurant. „Wir gehen auch dort hin. Haben Sie reserviert?“ Natürlich nicht. Das Ehepaar bietet mir an, bei ihnen am Tisch zu sitzen. Ohne Reservierung laufe dort nämlich nichts. Unter „Wurstkessel“ hatte ich mir eine Currywurstbude vorgestellt, es entpuppt sich aber als gehobenes Restaurant mit weißen Stofftischdecken etc. Ich habe auch meine beste Kleidung angezogen, nämlich das „Brain-User“-T-Shirt und die Baumwoll-Jogginghose.
    Die Wirtin ist irritiert, dass statt 2 nun 3 Leute für den reservierten Tisch kommen, macht es aber möglich, dass ich dort essen kann. Topp! Das Essen ist hervorragend und ich unterhalte mich mit dem freundlichen Ehepaar, passionierte Wohnwagenurlauber.
    Später im Zelt schlafe ich schnell ein, weil k.o. Es ist aber laut: Straße auf der einen Seite, Bahntrasse auf der anderen. Die Nacht ist lau verglichen mit den vorherigen.
    Nachts weckt mich ein Geräusch. Wieder ein Hirsch? Nein, diesmal ist es das Schnarchen aus dem Camper nebenan.
    Geändert von Waldlaeuferin (15.10.2018 um 12:29 Uhr)
    Es ist immer zu früh, um aufzugeben.

  4. AW: [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys Etappe 5

    #4
    Etappe 5 Kreuzberg - Dernau
    Heute lasse ich es ruhig angehen. Die nächste Etappe ist ja nicht so lang, denke ich mir. Ich frühstücke auf der Terrasse der Rezeption, Milchkaffee, wie herrlich. Dazu frische Brötchen mit dem Rest Fleischwurst aus Schuld.
    Das Zelt wird nass eingepackt, das kenne ich ja schon. Es trocknet nicht so schnell – seltsam, meine früheren Zelte waren immer schnell trocken. Oder lag das daran, dass ich meist in Spanien war? Bis ich gepackt habe und los komme, ist es 12 Uhr. Macht ja nichts, heute sind es nur wenige Kilometer.
    Die beginnen mit einem knackigen Aufstieg. Heute trage ich das blaue Patagonia-Shirt, das nicht so sehr nach Unterhemd aussieht, aber dafür schon nach kurzer Zeit vollgeschwitzt ist und stinkt. Ich laufe den ersten Teil der Strecke auf dem Rotwein-Wanderweg auf der südlichen Ahrseite. Es ist Samstag, die Sonne scheint, der Wald färbt sich herbstlich und es sind massenweise Leute unterwegs. Anfangs grüße ich, bekomme aber kaum Antwort und gebe das schnell auf. Je weiter ich gehe, desto mehr Leute kommen mir entgegen. Dazu führt der Pfad steil bergauf und über Felsen. Damit hatte ich nicht gerechnet! Wenn ich Felsen will, gehe ich in die Alpen, aber doch nicht in die Eifel. Immer wieder muss ich mit dem Hund den entgegen kommenden Leuten ausweichen. Eine ganze Schulklasse kommt mir entgegen. Viele sind sichtlich überfordert. Die Bezeichnung „Wanderweg“ lässt ja auch nicht ahnen, dass man kraxeln muss. Schließlich erklimme ich die Höhe über Altenahr, das „Schwarze Kreuz“, ein Aussichtspunkt. Mit Glück bekomme ich noch einen Platz auf einer Bank und verschnaufe. Meine Knie schmerzen.
    In Altenahr ist Weinfest und eine Blaskapelle marschiert auf. Von oben ist die Prozession gut zu sehen. Durch Blasmusik beschwingt mache ich mich an den Abstieg. Humtata! Humtata! Bei jedem Schritt bergab tun meine Knie weh. Ungeübte Muskulatur, Übergewicht plus Rucksack – der schnelle Weg zur Knieprothese.
    Schließlich bin ich wieder auf dem Niveau der Ahr. Hier muss man in einer Kurve die Landstraße überqueren – total unübersichtlich. Ich flitze in einer Lücke zwischen den vielen Motorradfahrern hinüber. Dann durch einen kurzen Tunnel. Ich beschließe, jetzt dem „grünen“ Ahrsteig zu folgen, der immer an der Ahr entlang führt.
    Zu meiner Überraschung ist dieser in natura aber nicht als „grüner Ahrsteig“ ausgeschildert, sondern als Weg des Eifelvereins. Immer wieder starre ich auf die Karte, um an Abzweigungen richtig zu laufen.
    Der Weg an der Ahr entlang ist teils als Radweg ausgebaut, teils ein idyllischer Pfad. Vor allem zwischen Rech und Steinbergsmühle ist eine sehr schöne Strecke. Hier stehen Walnussbäume und mehrere Leute sammeln Walnüsse, haben Tüten mitgebracht.
    In Rech kehre ich bei „Johannes Stautert“ ein, esse Zwiebelkuchen und trinke einen Federweißen. Der Winzer erzählt einem Bekannten, dass er jetzt die gesamte Ernte eingebracht habe. Sie sei überdurchschnittlich gut. Er klingt zufrieden und stolz.
    Wieder hat sich die Landschaft gewandelt, von den Höhen der Vulkaneifel über das mediterrane Ahrtal und seine Felsen bin ich nun in einer typischen Flussaue gelandet. Die Ahr ist hier schon recht breit. Gegenüber der Hang ist komplett terrassiert für die Weinreben, dort führt der nördliche Zweig des Rotweinwanderwegs lang. Heute in der Sonne bestimmt anstrengend zu gehen, auch wenig abwechslungsreich. Jedes Stückchen Erde ist mit Rebstöcken bepflanzt. Der südliche Weg geht immer auf und ab über die Hänge oberhalb der Ahr.
    Gegen Abend treffe ich in Dernau ein, hier ist ein winziger Campingplatz. Etwa 30 Camper haben Platz. Am Eingang hängt ein Schild „belegt“. Eine kleine Hütte bildet den Empfang, dort soll man klingeln, wenn niemand da ist. Ich klingele. Frage andere Camper, ob das funktioniert: Ja, die Dame wohne gegenüber. Tatsächlich kommt sie auch sofort. Platz für ein Zelt sei schon noch. Sie weist mir einen Platz unter einem Walnussbaum zu.
    Schnell ist das Zelt aufgestellt, unter den kritischen Blicken der Caravanbesitzer. Wanderer mit Zelt, die Parias der Campingplätze …
    Dusche und WC sind in dem Wohnhaus der Campingplatzbetreiberin auf der anderen Straßenseite, die Tür lässt sich mit einem Zahlencode öffnen. Einen Brötchenservice gibt es nicht, aber bei der Tankstelle im Ort gebe es Brötchen und Kaffee, sagt die Frau.
    Sie empfiehlt mir fürs Abendessen den Kölner Hof, einfach über die Brücke und wieder rechts. Dort esse ich einen exzellenten Hirschbraten, begleitet von Dernauer Ahrwein. An einem Nachbartisch sitzen fröhliche Zecher, einer stimmt immer wieder ein Lied an, in dem es um einen „Schwengel vom Kettenkaroussel“ geht.
    Auch diese Nacht ist wieder recht warm, ebenfalls laut durch Straße und Bahnstrecke. Außerdem fallen bei jedem Windstoß Walnüsse runter und knallen auf die Campingwagen. Das hallt. Oder auf mein Zelt. Auch störend.
    Später wache ich auf. Blitze zucken, in der Ferne grollen Donner. Natürlich befürchte ich, dass ein Blitz in mein Zelt einschlägt und ich verschmore. Doch das Gewitter ist weit entfernt, mir fallen wieder die Augen zu.

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    Etappe 6: Dernau - Walporzheim
    Ich packe das Zelt zusammen, finde frische Walnüsse und esse sie. Lecker! Es ist dunstig und kühl, das Gewitter nachts hat einen Wetterwechsel eingeleitet. Ich trage wieder Lodenpulli und Filzhut. Ein Mann kommt vorbei: „Where you from?“ „Germany“. „Want a coffee?“ Ohne nachzudenken sage ich ja.
    Keith lädt mich in seinen Camper ein, stellt mich seinem Freund Jeff vor. Die beiden Holländer sehen etwas verlottert aus und haben gerötete Gesichter. Ich bin mir nicht sicher, ob von der Sonne oder dem Ahrwein.
    Keith macht Nescafe, dazu gibt es Kaffeeweißer. Ich bin sehr zufrieden. Es ist warm im Camper, dazu ein Kaffee und nette Unterhaltung. Viel besser als die Tankstelle. Keith erzählt, dass er schon den Jakobsweg auf der klassischen Route gegangen sei. Jetzt plane er die südliche Route von Portugal aus. Jeff soll mit. Zur Übung geht er mit Jeff jetzt den Rotweinwanderweg. Gestern waren sie in Altenahr. Wir lachen über die Blasmusik.
    In der Dusche des Campers sind Weinkartons gestapelt. Keit tseht auf, um mir einen besonderen Wein zu zeigen. Mein Blick fällt auf seine Füße. Er trägt Cowboystiefel. Ich schiele nach unten. Auch Jeff hat Cowboystiefel an, allerdings modisch bunt bedruckt.
    Vielleicht hat Keith mich angesprochen wegen meinem Jagdhut? Der sieht ein bisschen nach Stetson aus. Der Stil vereint.

    Schließlich verabschiede ich mich und ziehe gut gestimmt weiter. Zwar schmerzt mein ganzer Körper, aber der Rucksack ist etwas leichter, das ganze Hundefutter ist verfüttert. Meine Vorräte sind auch alle.
    Der Hund, der die ganze Zeit tapfer mitgelaufen ist, hat heute keine Lust mehr. Immer wieder dreht er um und will zum Campingplatz zurück. Erst als ich ihm erkläre, dass unser Zelt abgebaut ist, willigt er ein, weiter zu gehen.
    Nach einem Blick auf die Karte beschließe ich, bis zum Bahnhof Walporzheim zu gehen und dort die Bahn nach Ahrweiler zu gehen. Ansonsten müsste ich durch Ahrweiler latschen. Das bestimmt an einem Sonntag mit Nieselregen die Bürgersteige hoch geklappt hat.
    Der Weg nach Walporzheim führt wieder direkt an der Ahr lang, der Einstieg ist etwas oberhalb vom Campingplatz. Ich genieße es, jetzt wieder alleine durch den dunstigen Wald zu laufen, mit Blick auf die Ahr. Ein wunderschöner Abschluss.

    In Walporzheim am Bahnhof kostet das Ticket für 10 Minuten Fahrt 1,90 Euro. Ich werfe zwei Euro ein und bekomme 1,10 Euro Wechselgeld. Eine Unterstützung für die Reisekasse!
    Ich muss eine halbe Stunde warten, fahre mit dem Zug nach Ahrweiler und finde dort mein Auto wohlbehalten wieder. Als ich an der Altstadt vorbei fahre, sind dort sehr viele Leute unterwegs. Von wegen, Bürgersteige hochgeklappt. Es ist Weinsaison. Da wäre ich jetzt nicht gerne mit Rucksack und Hund durchgelaufen.
    Alles ist gut. Ich bin glücklich und stolz, den Weg geschafft zu haben.

    - - - Aktualisiert - - -

    Top:
    Hanwag-Stiefel
    Rucksack Sawotta
    Zelt Luxeoutdoor Hexa. Bietet unheimlich viel Platz bei wenig Gewicht.
    Filzhut und Lodenpulli
    Merinoshirt
    Daunenjacke
    Isomatte Wechsel Nuboair
    Die enge Jogginghose war überraschend angenehm zu tragen und praktisch. Vielleicht haben diese neumodischen Wander-Tights ja doch was für sich?

    Überflüssig:
    Kompass (Weg gut ausgeschildert, zusammen mit Karte ausreichend)
    Hobokocher (Wald zu trocken, zu wenig Lagerfeuerplätze)
    Topf für Hobokocher
    Patagonia-Kunstfasershirt

    Austauschen:
    Schafsack gegen neueres, leichteres Modell tauschen, würde ca. ein Kilo sparen
    Schweizer Messer gegen leichteres Opinel
    Statt Hobokocher Alkoholbrenner?
    Gesalzene Erdnüsse gegen ungesalzene Nüsse oder Studentenfutter

    Gesamt-km: ca. 77
    Gesamt-Ausgaben: ca. 200 Euro inklusive Essen und ÖPNV
    Geändert von Waldlaeuferin (15.10.2018 um 12:35 Uhr)
    Es ist immer zu früh, um aufzugeben.

  5. Moderator
    Alter Hase
    Avatar von MaxD
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    AW: [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys

    #5
    Ein Reisebericht kann auch ohne Bilder fesseln. Danke für Deinen Bericht!
    ministry of silly hikes

  6. AW: [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys

    #6
    Schöner Bericht!
    Das Essen scheint ja sehr gut gewesen zu sein. Die Campingplätze eher mittel, aber für eine Nacht OK.
    Was ist denn dein Fazit zum Weg? Zumindest Streckenweise scheint der ja nicht soooo prickelnd gewesen zu sein und eigentlich an keinem Stück auch nur Steig ähnlich.
    Lohnt sich der Wanderweg?

  7. AW: [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys

    #7
    Die Bilder sind auf dem kaputten Handy und ich muss erst mal wieder drankommen.
    Es ist immer zu früh, um aufzugeben.

  8. Fuchs
    Avatar von Rattus
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    AW: [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys

    #8
    Zitat Zitat von Waldlaeuferin Beitrag anzeigen
    Die Bilder sind auf dem kaputten Handy und ich muss erst mal wieder drankommen.
    Ja bitte. Allein das Outfit hört sich irgendwie spannend an
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  9. Erfahren
    Avatar von rockhopper
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    AW: [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys

    #9
    Spannend geschriebener Bericht ! Danke!
    VG rockhopper

  10. Erfahren
    Avatar von Voronwe
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    AW: [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys

    #10
    Danke für den schönen Bericht.
    Und es zeigt sich wieder mal, daß es einfach wichtig ist, den "Arsch hoch zu bekommen", den Mehrtageswanderungen sind gar nicht so schwierig und man muß auch nocht top trainiert sein, das kommt schon beim Wandern.

  11. AW: [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys

    #11
    Was ist denn dein Fazit zum Weg? Zumindest Streckenweise scheint der ja nicht soooo prickelnd gewesen zu sein und eigentlich an keinem Stück auch nur Steig ähnlich.
    Nein, ich würde ihn nicht wieder laufen. Der Eifelsteig war deutlich spannender in der Streckenführung. Hier auf dem Ahrsteig waren Pfade die Ausnahme, eher fand man sie als Verbindung zwischen den Forststraßen. Wie aber bei der Diskussion zum Hexenstieg schon gesagt wurde: Was will man erwarten in einem Land wie Deutschland, das komplett erschlossen ist.
    Die Streckenführung bei den Wegen des Eifelvereins scheint interessanter. Die haben nur nicht so griffige Namen.
    Außerdem ist mir klar geworden, dass mir v.a. die Vulkaneifel oder die höheren Lagen der Eifel landschaftlich besser gefallen als das Ahrtal.
    Steigähnlich ist der Rotweinwanderweg südlich der Ahr. Wer gerne auf- und abklettert.

    Die Fotos haben sich inzwischen retten lassen, reiche ich nach.
    Es ist immer zu früh, um aufzugeben.

  12. Dauerbesucher
    Avatar von Dogmann
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    AW: [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys

    #12
    Schöner Bericht, irgend etwas hat mich zu Anfang neugierig gemacht..........bin einfach gefolgt!
    Du hast schön was erlebt, hat Spass gemacht, dabei zu sein.

    Danke
    Richtig wohl fühle ich mich nur draußen !

  13. Anfänger im Forum

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    AW: [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys

    #13
    Schöner Bericht, ABER:
    Das untere Ahrtal - fast vor meiner Haustür und nicht nur deswegen mein persönliches Lieblingswandergebiet in NRW - kommt in Deinem Bericht meiner Meinung nach zu schlecht weg!
    Wenn ich Dich richtig verstanden habe, bist Du ab Altenahr bis Walporzheim "unten" im Flusstal gelaufen!? Dann hast Du die zwar die leichteste (weil flache) Route gewählt, aber ausgerechnet die besten Abschnitte der Ahrwanderwege leider verpasst!
    1. Der bekannte Rotweinwanderweg ist zwar an Wochenenden v.a. in der Hauptsaison völlig überlaufen, ansonsten aber ein echtes Highlight mit spektakulären Fernblicken auf Schritt und Tritt. Er führt durch eine uralte (Wein-)Kulturlandschaft mit Terassen, die z.T. nur wenige Quadratmeter groß sind und auf denen der wahrscheinlich beste Rotwein Deutschlands wächst, durch romatische Weindörfer, vorbei an zwei durchaus beeindruckenden Burgruinen, einer römischen Villa, dem ehemaligen Atombunker der Bundesregierung usw. usw.
    2. Auf der anderen Seite der Ahr führt der Ahrsteig meist durch lichte Eichen-/Buchenwälder, vorbei an schroffen Felsen, z.T. auf schmalen Pfaden mit einigen durchaus anspruchsvolleren "alpinen" Abschnitten und tollen Aussichtspunkten. Angst vor Höhenmetern sollte man da allerdings besser nicht haben:-).
    Auch schöne versteckte Wildzeltplätze ganz ohne schnarchende Nachbarn lassen sich hier übrigens durchaus finden ...
    Geändert von Roldi (11.10.2018 um 23:00 Uhr)

  14. Dauerbesucher
    Avatar von Dogmann
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    AW: [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys

    #14
    OT- wie du bereits selber sagst, dein persönliches.......
    klar das du dort bestens bescheid weist!
    Aber jeder erlebt das alles nun mal anders.
    Richtig wohl fühle ich mich nur draußen !

  15. Erfahren
    Avatar von Wandermaedel
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    AW: [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys

    #15
    Sehr schöner Bericht, spannend zu lesen.
    Das mit zu wenig Wasser für Mensch und Hund kenne ich. Hatte ich am Rheinburgenweg häufiger.
    Und das nicht schlafen können wegen Bahn, Auto oder Zuggeräuschen habe ich sowohl am Rheinsteig als auch am Rheinburgenweg erlebt. Nicht schön. Danke fürs Mitnehmen auf die Wanderung. Bin auf die Bilder gespannt.

    Grüße
    Gabriele

  16. AW: [DE] Ahrsteig mit Hund, Von Winzern, Fliegenfischern und Cowboys

    #16
    Bilder nachgereicht.

    @Roldi, die Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Klar kann man auch im Ahrtal tolle Sachen erleben. Und beim Wein stimme ich Dir zu.

    @Gabriele: Ja, das kam ja in Deinem Bericht auch raus, das aus dem Tal der Lärm hoch schallt.
    Es ist immer zu früh, um aufzugeben.

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