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    [IS] Laugavegur August/September 2018

    #1
    Mitreisende: IniiiS
    So, ich werde mal mit meinem Reisebericht aus Island beginnen. Dort waren wir vom 25.8-8.9.2018 und sind den Laugavegur in der ersten Woche gewandert.

    Allgemeines vorweg:

    Nach Island wollten wir unbedingt mal und letztes Jahr dachten wir uns, dass es jetzt endlich mal sein muss. Dass wir wandern wollten war auch eigentlich direkt klar, ohne dass wir es noch einmal ansprechen mussten, allerdings hatte ich auch Lust außerdem mit einem Auto durch Island zu fahren, um nicht nur die Landschaft auf der Wanderung sehen zu können. Wir entschieden uns dann dafür also für die zweite Woche eine Hütte und ein Auto zu mieten. Da das zu Zweit dann doch teuer würde, fragten wir noch 2 gute Freunde von uns. Mit dem einen waren wir außerdem vor 5 Jahren in Norwegen schon wandern.
    Wir fingen dann so Anfang des Jahres mit der genaueren Planung an: Flüge suchen, Hütte suchen, Auto suchen, überlegen welche Wanderung wir machen etc. . Wir entschieden uns für den Laugavegur, wenn wir auch wussten, dass es der überlaufenste Wanderweg sein sollte. Wir wollten allerdings die Variante von Süden nach Norden und beginnend in Skógar machen. Dafür wurden dann noch Karten und auch ein Buch, in dem die Wanderung beschrieben war gekauft. Da noch Winter war, deckten zumindest Justin und ich uns noch mit Daunenweste, Merinounterhosen etc. ein, um für alles gewappnet zu sein. Dann hieß es warten, dass endlich August wird, bevor es endlich los gehen konnte.

    Tag 1: 25.08.2018: Anreise Island - Skógar

    Am 25.08.18 klinglte unser Wecker um 7:30 Uhr. Da wir gestern schon alle in Frankfurt eingetrudelt waren, hatten wir keinen Stress. Nach und nach gingen alle noch einmal duschen und fingen dann an unsere Rucksäcke wieder zu packen. Wir aßen noch etwas und machten uns dann fertig, um zur S-Bahn zu marschieren, die uns zum Flughafen bringen sollte. Dort mussten wir ziemlich weit zu unserem Terminal laufen und dort dann relativ lange warten, um das Gepäck aufzugeben. Dann stand natürlich irgendwo ein einsamer Koffer im Flughafen und genau neben uns wurde alles abgesperrt. Wir mussten also einmal außen rum gehen, um endlich zur Sicherheitskontrolle zu gelangen. Als wir am Gate ankamen waren es nur noch knapp 10 Minuten bis zum Boarding. Dann ging aber alles auch ziemlich flott und schon bald saßen wir im Flieger, der pünktlich abhob.
    Der Flug zog sich ziemlich, aber irgendwann setzte der Pilot dann doch endlich zu Landung an. Ich saß leider auf der "Meer"-Seite, wo nicht so viel zu sehen war, aber das bisschen was ich sehen konnte, war sehr karg und erstaunlich flach und braun-fleckig. Es erinnerte mich an einen Pfannkuchen. Wir flogen über die blaue Lagune und waren nur kurze Minuten später auf dem Boden. Am Kofferband hatten Arthur, Justin und ich unsere Rucksäcke schnell beisammen, nur Christians war nicht dabei. Er war zum Glück aber nur beim Sperrgepäck gelandet und wir konnten ihn dort dann abholen. Wir gingen alle noch auf Toilette und suchten dann einen Bus, der uns nach Reykjavík bringen sollte. Dieser fuhr dann leider ewig nicht los und wir wurden schon etwas unruhig, da wir in Reykjavík nicht so viel Zeit hatten und auch noch etwas essen wollten. Während der Fahrt kam dann der zweite Schock. Unser Bus, der uns heute noch nach Skógar bringen sollte, wurde im Internet nicht mehr angezeigt und wir wurden schon etwas panisch. Der nächste sollte erst morgen früh fahren...
    Mit anderen Einstellungen auf der Seite, wurde er dann komischerweise doch wieder angezeigt, schon etwas merkwürdig. Wir hofften, dass er wirklich fahren würde. An der BSÍ Busstation stiegen wir aus und hatten nur noch knapp 30 Min Zeit bis der nächste Bus uns nach Mjodd fahren musste, von wo aus es 6 Minuten später nach Skógar gehen sollte. Wir mussten aber wirklich auch endlich mal etwas Essen, da es im Flieger rein gar nichts gab und das Frühstück nun doch schon länger her war. Viel wichtiger war aber noch, dass wir noch Benzin für unseren Kocher besorgen mussten.
    Wir teilten uns also auf, Justin und Arthur gingen los zu einer Tankstelle nicht weit entfernt, wo auch ein Subway nebenan sein sollte und Christian und ich fragten nach von wo genau der Bus nach Mjodd fahren würde. Uns wurde gesagt, wir sollten zur Straße gehen und dort würde "almost every bus" nach Mjodd fahren. Letztendlich war es allerdings nur eine Linie. Christian ging los, um Justin und Arthur zu sagen, dass der Bus von der Srtaße und nicht direk am BSÍ fahren würde und ich wartete solange dort bei den Rucksäcken. Der Bus kam pünktlich, nervig war allerdings, dass man im Bus bar und passend bezahlen muss, da dort nicht gewechselt wurde. Natürlich hatten wir es nicht passend. Er gab uns allerdings eine Quittung, die wir im nächsten Bus zeigen sollten, damit es dort dann etwas günstiger würde. Der Busfahrer sagte uns er würde alles geben, damit wir pünktlich in Mjodd ankommen und tat das auch.
    In Mjodd stand der Bus nach Selfoss (dort mussten wir umsteigen) schon bereit und wir konnten direkt einsteigen. In Selfoss wechselten wir wirklich nur schnell den Bus und dann ging es nach Skógar. Von der Landschaft waren wir jetzt schon begeistert. Die Sonne schien herrlich und wir klebten alle am Fenster. Ich war dennoch schon jetzt überrascht wie wenig Bäume es gab. Nur mit Moos, hatte ich eigentlich eher in höheren Lagen und nicht schon so weit "unten" gerechnet. Trotzdem sah es einfach toll aus. Wir sahen schon viele Wasserfälle und fragten uns bei vielen, ob wir jetzt gleich wohl auch ankommen würden.
    Gegen 19 Uhr kamen wir dann in Skógar an, zahlten 6000 Kronen, um dort zu zelten und suchen uns einen Platz neben den anderen Zelten in der Nähe des Wasserfalls. Nachdem die Zelte standen, sahen wir uns ein wenig um und bestaunten den riesigen lauten und spritzenden Skógafoss. Da uns aber schnell kalt war, gingen wir zurück, kochten Spaghetti und machten uns dann auch bettfertig. Morgen sollte es dann endlich richtig losgehen.




    Endlich angekommen am Skógafoss








    Abendessen zubereiten



    Tag 2: Skógar - Þórsmörk - "Scheiße, warum muss das jetzt alle 2 Minuten so geil aussehen"

    Nach einem guten, aber kalten Frühstück packten wir alles zusammen und machten uns gegen viertel nach 9 und somit später als erst gehofft auf den Weg. Zuerst musste man neben dem Wasserfall die Stufen nach oben erklimmen. Ich hatte schon viele Reiseberichte gelesen und wusste was auf uns zukommen sollte. Die gute Laune war spätestens nach der 10. Stufe verloren, da es so anstrengend war dort hoch zu kommen. Ich rechnete mit einem nahen Herzinfarkt, so schnell klopfte mein Herz. Kurz erheiterte uns der Blick auf einen Regenbogen, der am Wasserfall zu sehen war, dann ging es weiter. Zum Glück war das Wetter super und als Ausrede für Pausen konnte man immer stehen bleiben um Fotos zu machen. Es sah aber auch zu toll aus!
    Endlich oben angekommen, wurden wir erneut von einem grandiosen Ausblick belohnt.


    Zunächst mussten wir die Stufen hoch





    Die Skógá hatte alle paar Meter Wasserfälle zu bieten, kleine wie große und der Fluss hatte sich tief ins Land gefressen. Der Weg ging meist angenehm am Fluss entlang und die Landschaft erinnerte mich an Schottland (nicht, dass ich dort schon einmal war). Alles war herrlich grün und die Sonne schien immer noch. Zwischendurch wurde es etwas steiler, aber meist ging es immer nur wenig aber stetig bergauf.





























    Es dauerte relativ lange und mehrere Blicke in unser Buch, wann endlich die Fußgängerbrücke erreicht war, da wir dann etwas mehr als die Hälfte erreicht hatten. Arthurs Oberschenkel schmerzte ihn bei jedem Anstieg und wir hofften, dass er keine Zerrung hatte. Nachdem endlich die Fußgängerbrücke passiert war, ging es steinig und ungemütlich weiter. Es gab einen blau- und einen rotmarkierten Weg. Der blaue führte direkt zur Hütte in Fimmvörðuháls, der rote zu der "neuen" Hütte. Wir wählten den roten Weg, da langsam Erschöpfung eintrat. Die Sonne war mittlerweile hinter Wolken verschwunden und hinter uns sahen wir dicke dunkle Regenwolken und wie sie irgendwo anders regneten. Es wurde windiger und kälter.


    Ach da geht es her!




    Die fuhren ehrlich Mountainbike durch das Geröll

    Der Weg machte zumindest mir nicht mehr viel Spaß, die Finger froren langsam ein und die Landschaft war wirklich nur steinig und karg. Nur der Blick linkerhand auf den Eyjafjallajökull sah beeindruckend aus. Es ging nun fast ausschließlich bergauf und die letzte gute Laune verstrich. Wir wollten einfach nur ankommen. Nach einer gefühlten Ewigkeit sahen wir die Hütte und machten uns auf die letzten Meter, die nochmal richtig anstrengend waren.


    Erschöpfung macht sich breit


    Die Hütte ist endlich zu sehen

    Neben der Hütte sahen wir ein Zelt stehen (wir hatten vorher gelesen, man könne dort nicht zelten). Der Wind war so eisig, dass wir unsere Handschuhe anziehen mussten. Christian und Justin gingen vor und unterhielten sich an der Hütte bereits mit anderen Leuten, die meinten, dass es morgen einen Schneesturm geben soll und wir auf keinen Fall morgen weiter wandern sollten. Als Arthur und ich an der Hütte ankamen, schmissen wir die Rucksäcke weg und wollten uns nicht mehr bewegen. Doch dann erreichte auch uns die Nachricht von dem Schneesturm. Scheiße. Was tun? Wir waren wirklich alle so erledigt von diesem Anstieg den ganzen Tag, dass weitergehen für uns undenkbar schien. Die Vernunft siegte nach einigem Überlegen dann doch und für uns hieß es heute noch weitere 12,5 km nach Básar laufen. Wir aßen noch Brot und machten eine längere Pause, um wieder zu Kräften zu kommen. Dann machten wir uns um 17 Uhr bibbernd vor Kälte auf nach Básar.

    Die Pause hatte gut getan und da es endlch auch einmal bergab ging und die Tour auch versprach größtenteils bergab (wir mussten ja wieder vom Gletscher runter) zu gehen, stieg auch die Laune wieder ein wenig an.
    Von nun an hieß es auch über Schneefelder zu wandern. Nach den Schneefeldern ging es jedes Mal auf Aschesand wieder bergauf und da der Sand so unter unseren Füßen nachgab, raubte es uns die letzte Kraft. Nach jedem weiteren Anstieg hofften wir, dass endlich der Abstieg beginnen würde. Trotzdem hielt die gute Laune an. Durch die Anstiege wurde uns wieder warm und das stetige bergauf - bergab war besser zu bewältigen als das durchgehenede bergauf bei der ersten Etappe.
    Wir gingen zwischen den Vulkankegeln Modi und Magni hindurch und sahen immer wieder den beeindruckenden Eyjafjallajökull und auf der anderen Seite den Mýrdalsjökull. Nicht viel später ging es dann wirklich nur noch bergab und vor uns lag plötzlich ein herrliches Panorama. Wir waren überwältigt. "Scheiße, warum muss das jetzt alle 2 Minuten so geil aussehen?", fragte Arthur.
    Aber es sah wirklich beeindruckend und unbeschreibilich aus. Wir konnten schon jetzt den Großteil der weiteren Tour sehen (was wir aber nicht wussten). Es sah wirklich toll aus, schade nur, dass es so wolkig war.






















    Man sieht schon den weiteren Verlauf der Tour











    Es ging weiter bergab und wir kamen zu der mit Kette gesicherten Stelle, von der wir bereits in unserem Buch gelesen hatten. Etwas Respekt hatten wir vor den Pflöcken, die teilweise gar nicht im Boden steckten, sondern frei lagen. Es ging noch ein kleines und sehr schmales Stück an der Kette entlang, dann bot sich auch hier ein wunderschönes Panorama vor uns. Leider mussten wir schnell weiter, da es ein Wettlauf gegen die Zeit war. Der Weg danach war zunächst eben, so dass wir schnell voran kamen. Nur noch 6,2km zeigte uns ein Schild an.









    Nach einer Kurve ging es dann steil bergab, wo wir ziemlich aufpassen mussten, wo wir hintraten. So ging es dann lange weiter und die Aussicht blieb so schön wie sie war. Allerdings waren wir gezwungen weiterzukommen, da wir endlich ankommen wollten und es bereits spät war. Langsam begann es auch zu dämmern.
    Bei einer Pause, überholte uns ein Mädchen und fragte, ob wir wissen wo und wie teuer der Campingplatz in Básar sei. Das wussten wir allerdings auch noch nicht und sie ging nach einer kleinen Pause vor uns wieder los. Auch wir setzten bald unsere Rucksäcke auf unseren schmerzenden Rücken und es ging weiter. Wir kamen einfach nicht an und es schien als sei kein Ende in Sicht. Es wurde bald so dunkel, dass Christian seine Stirnlampe rausholte, da wir die Markierungen beinahe nicht mehr sehen konnten. Unter einem Felsvorsprung trafen wir etwas später das Mädchen wieder, das sich dort einen Schlafplatz eingerichtet hatte und uns fragte, ob wir noch Wasser hätten. Da es unterwegs kein Wasser zum auffüllen gab, hatten wir allerdings auch nicht mehr viel.



    Es war dann komplett dunkel und wir sahen fast nichts mehr als Justin endlich sagte, dass wir gleich unten seien. Dann war auch schon ein Schild nach Básar zu sehen. Wir mussten über eine Brücke und dort konnten wir den weiteren Weg nur noch mit Taschenlampe finden. Die Laune war absolut im Keller, doch endlich sahen wir Zelte und es roch nach Essen. Kurz drauf sahen wir dann die Hütte und wir konnten unser Glück kaum fassen. Es war 22 Uhr und dunkel. Christian und ich gingen auf die Suche nach dem Hüttenwirt, der aber schon schlafen war. Ein Mann sagte uns auch, dass Sturm angesagt sei und somit suchten wir einen einigermaßen windgeschützten Platz für unsere Zelte. Nachdem wir unsere Schlafplätze gerichtet hatten, gingen wir in die Hütte (ohne Strom) und kochten Reis mit Curry. Dann fielen wir um 12 totmüde in den Schlafsack. Morgen stand erstmal ein Tag Pause an.
    Geändert von IniiiS (18.11.2018 um 17:11 Uhr)

  2. Erfahren
    Avatar von Dieter
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    AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #2
    Bin gespannt wie es weitergeht.

    Savetravel.is hat für den Zeitraum eurer Tour zweimal eine Wetterwarnung für das Hochland und speziell für die Hochlagen des Laugavegur herausgegeben: "No Travel conditions on Fimmvörðuháls und Hrafntinnusker"

    Die Vernunft siegte nach einigem Überlegen dann doch und für uns hieß es heute noch weitere 12,5 km nach Básar laufen. Wir aßen noch Brot und machten eine längere Pause, um wieder zu Kräften zu kommen. Dann machten wir uns um 17 Uhr bibbernd vor Kälte auf nach Básar
    Ob da die Vernunft siegte, bin ich mir nicht ganz im Klaren, wenn ihr schon so auf dem Zahnfleisch wart. An welcher Hütte wart ihr eigentlich? Die Bilder zeigen die Baldvinskáli, oben am Grat wäre die Fimmvörðuháls Hütte (mit Hüttenwart). Der hätte euch sicher verlässlichere Auskunft über die Wetteraussichten geben können. Vor allem, hätte er euch wahrscheinlich von dem Abstieg nach Básar abgeraten.

    Wenn ich dann noch, von dem Mädchen lese die auf dem Abstieg bivakiert und kein Wasser mehr, aber mehr Sorgen vor dem Übernachtungspreis von dem Zeltplatz bei Básar, als vor einem "angesageten Schneesturm" hat.

    Na, ging ja, scheint es, alles gut. Immerhin habt ihr eine(?) Stirnlampe dabei gehabt.

    Auf zur nächsten Etappe!

    Dieter

  3. Anfänger im Forum

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    AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #3
    Zitat Zitat von Dieter Beitrag anzeigen
    Bin gespannt wie es weitergeht.

    Savetravel.is hat für den Zeitraum eurer Tour zweimal eine Wetterwarnung für das Hochland und speziell für die Hochlagen des Laugavegur herausgegeben: "No Travel conditions on Fimmvörðuháls und Hrafntinnusker"
    Ja, der 2. Sturm war am Ende unserer Tour, dazu komme ich noch ;). Von dem wussten wir dann zum Glück auch eher.

    Zitat Zitat von Dieter Beitrag anzeigen
    Ob da die Vernunft siegte, bin ich mir nicht ganz im Klaren, wenn ihr schon so auf dem Zahnfleisch wart. An welcher Hütte wart ihr eigentlich? Die Bilder zeigen die Baldvinskáli, oben am Grat wäre die Fimmvörðuháls Hütte (mit Hüttenwart). Der hätte euch sicher verlässlichere Auskunft über die Wetteraussichten geben können. Vor allem, hätte er euch wahrscheinlich von dem Abstieg nach Básar abgeraten.
    Genau, wir waren an der Baldvinskáli. Das Problem war auch, dass wir ja für den kommenden Tag komplett dort oben fest gesessen und nicht weiter gekonnt hätten... . Außerdem sagte man uns, dass wir nicht in die Hütte könnten und hätten Zelten müssen (ein anderes Zelt war auch schon aufgebaut) und das wollten wir ungern. Es waren auch Leute von der Fimmvörðuháls Hütte da alle rieten uns weiter zu gehen, weil es ja noch "früh" war.
    Nach der Pause ging es auch wieder einigermaßen und wir sind gut voran gekommen... . Klar, kann man drüber streiten, ob es klug war, aber zumindest während der 2.Etappe ging es echt vom körperlichen wieder. Nur am Ende war die Erschöpfung dann natürlich doppelt so groß.

    Zitat Zitat von Dieter Beitrag anzeigen
    Wenn ich dann noch, von dem Mädchen lese die auf dem Abstieg bivakiert und kein Wasser mehr, aber mehr Sorgen vor dem Übernachtungspreis von dem Zeltplatz bei Básar, als vor einem "angesageten Schneesturm" hat.

    Na, ging ja, scheint es, alles gut. Immerhin habt ihr eine(?) Stirnlampe dabei gehabt.

    Auf zur nächsten Etappe!

    Dieter
    Ja, dass das Mädchen dort übernachtet hatte fanden wir auch ziemlich übel, aber die ließ auch nicht mit sich reden...

    Und wir hatten natürlich mehr als eine Stirnlampe dabei ;) einer von uns hatte sie nur eher rausgeholt als der Rest. Ich wollte noch solange warten wie man noch ein wenig sehen konnte, da man sonst nur den Spot der Lampe und nicht mehr die Umgebung wahrnimmt. Als es richtig dunkel war, waren wir zum Glück fast unten bzw. dann unten.

  4. Erfahren

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    AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #4
    Sehr schön, wieder mal ein Island-Reisebericht. Ich setz mich mal dazu
    www.lustwandler.at
    Trekking in Schweden, Norwegen und Island
    Letzte Tour: Gränsleden – Nordkalottleden – Narvikfjell (Ritsem – Riksgränsen)

  5. Anfänger im Forum

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    AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #5
    Tag 3: Básar

    Gegen 5 Uhr wachte ich auf, weil ich aufs Klo musste. Es war kalt, aber für mein Empfinden nicht so kalt wie der erste Morgen in Skógar. Ich legte mich erneut schlafen, da uns ja sowieso ein Tag Pause bevor stand und war das nächste Mal gegen 8 Uhr wach. Ich redete ein bisschen mit Justin, aber dann schliefen wir beide noch einmal bis ca. 11 Uhr ein. Wir hatten ja eh nix vor und draußen regnete es. Vom Sturm merkten wir bisher noch nicht viel. Wir schälten uns dann doch irgendwann aus dem Schlafsack und setzten uns in die Hütte, in der man kochen konnte. Christian war morgens schon zum Hüttenwirt gegangen und hatte für uns bezahlt, da wir diesen ja gestern Abend nicht mehr antreffen konnten. Auch dieser sagte uns, dass wir auf keinen Fall Richtung Laugavegur starten sollten. Somit aßen wir recht spät, ich schrieb ein wenig Reisetagebuch und die Jungs erkundeten etwas den Platz. Gegen Nachmittag kamen vereinzelt klitschnasse Leute rein, die offenbar auch bei diesem Wetter die Tour gemacht hatten. Es windete zwar ab und zu, war ziemlich am Schütten, aber im Tal und vorallem ja in der Hütte haben wir nicht soo viel davon mitbekommen.
    Den restlichen Nachmittag und Abend haben wir eigentlich nur Skat gespielt, noch was gegessen und sind dann schlafen gegangen. Trotzdem tat der freie Tag gut und wir waren gespannt darauf wie es weitergehen sollte.

    Tag 4: Básar - Emstrur

    Bis auf Christian, schliefen wir anderen alle schlecht. Gegen 7 Uhr standen wir auf und machen uns frierend ans Frühstück. Dabei kämpfte sich allerdings die Sonne langsam ihren Weg durch die Wolken zurück und es wurde etwas wärmer. Nach abspülen, waschen, packen etc. gingen wir dann los zum richtigen Laugavegur. Wir erkundigten uns beim Hüttenwirt nach der Position der Brücke (hatte ich im Buch gelesen) und folgten dann dem Weg Richtung Þórsmörk. Die Brücke war schnell erreicht und dann ging es auf Steinen auf die Hütten zu. Erst jetzt konnten wir richtig die Natur sehen, die wir neulich im dunkeln kaum noch ausmachen konnten, wirklich schade, der Abstieg muss bei gutem Wetter herrlich sein.





    Nun gab es auch bald Schilder für den eigentlichen 54km langen Laugavegur. Wir gingen über einen Trampelpfad in ständigem auf und ab zwischen Birkenbäumen her und da die Sonne schien, wurde uns schnell warm.




    Erstmal die letzten Bäume







    Bald waren wir schon fast 2h unterwegs, was uns gar nicht so lang vorkam, als wir kurz drauf an unsere erste Furt kamen. Als wir näher kamen, saßen am Ufer auf jeweils beiden Seiten schon andere Wanderer. Wir unterhielten uns mit 2 Männern darüber wo eine gute Stelle sei, wie kalt es war, wie tief man rein musste etc. und dann zogen auch wir unsere Schuhe aus. Davor hatte ich vor der Reise eigentlich am meisten Schiss gehabt. Die einzige Furt, die ich bisher machen musste war in Norwegen gewesen. Die war wirklich nicht tief, aber ich dachte mir fallen gleich die Füße ab. Die Erinnerungen daran waren furchtbar.


    Die Furt ist da (natürlich weiter hinten ;) )



    Justin machte den Anfang und tastete sich langsam vorwärts, ich sollte folgen. Es war wirklich unbeschreiblich kalt und die Strömung war auch nicht ohne. Es ging in der Mitte auf Steinen ein wenig aus dem Wasser raus, dort rettete ich mich und schaute dann wie ich weiter gehen konnte, da im zweiten Abschnitt wesentlich mehr Strömung war. Justin war schon auf der anderen Seite angekommen und zeigte mir, wo er her gegangen war. Allerdings hatte ich gesehen, dass er schon bis zu den Knien drin gestanden hatte und da er 1,87m und 1,56m groß bin, bekam ich es plötzlich mit der Angst zu tun. Ich hatte keine Ahnung, wie ich jetzt weiter gehen sollte und meine Füße schmerzten so sehr. Ich war kurz vorm losheulen, riss mich dann aber zusammen und ging los. Und habe es natürlich auch ohne weitere Probleme geschafft, ging allerdings nicht ganz daher, wo Justin vorher war. Die Trekkingstöcke waren dabei wirklich hilfreich!



    Nachdem alle drüben waren, alle Füße getrocknet und die Schuhe wieder angezogen waren, gingen wir weiter. Bald waren wir auf einem riesigen Aschesandfeld mit herrlichem Panorama. Vorallem faszinierte uns aber immer wieder der Eyjafjallajökull hinter uns, den man nun beinah in seiner gesamten Breite sah, da nur wenige Wolken am Himmel waren. Der weitere Weg war sehr schön, zog sich aber ziemlich und unser Trinkwasser wurde immer knapper.








    Mittagspause




    Immer wieder der Eyjafjallajökull

















    Als wir endlich an einen Fluss kamen, in dem wir unsere Flaschen auffüllen wollten, erwischte uns dann leider noch ein Regenschauer (es hatte sich gegen Nachmittag zugezogen). Leider war der Regenschauer wirklich nicht ohne, sodass wir uns erstmal unsere Regenklamotten drüber schmeißen mussten. Dann marschierten wir weiter. Ich habe war nicht auf die Uhr geguckt, würde aber schätzen, dass es so ca. eine Stunde geregnet hat.


    Der weitere Verlauf der Tour im Regen

    Immer wieder überholten wir auf dieser Tour ein Pärchen und wenn wir Pause machten, überholten sie uns usw. Bei unserer Pause, in der wir die Regensachen drüber schmeißen mussten, hatten sie uns überholt und seitdem haben wir sie dann auch nicht mehr gesehen.
    Nachdem es aufgehört hatte zu regnen, kam schnell die Sonne wieder raus. Der Ausblick, vorallem aber zurück, war herrlich und auch vor uns erstreckte sich erneut ein Gletscher (dessen Namen ich nicht kenne). Allerdings wurden wir langsam müde, waren aber auch schon am letzten Ansteig angekommen.









    Da er schon von unten unglaublich steil aussah, machten wir es ein paar Männern gleich, die kurz vor uns liefen und zogen unten erstmal die Regenjacken und -hosen wieder aus. Dann hieß es: bergauf kraxeln. Es war wirklich verdammt steil, die Aussicht dafür leider wieder zu schön.



    Mit viel Fluchen kamen wir letzendlich oben an und konnten von dort aus auch direkt unser Endziel, die Hütten in Emstrur erkennen. Das letzte Stück war flach und ging vergleichsweise schnell.


    Die Hütten sind zu sehen

    An den Hütten (7000 Kronen) suchten wir uns schnell einen Platz für unser Zelt und gingen dann zum Kochen in eines der aufgebauten Pavillon/Zelte. Dort setzten wir uns an einen Tisch mit zwei netten Niederländern mit denen wir viel redeten, die die Tour in die andere Richtung liefen, aber auch noch bis Skógar wollten. Sie erzählten uns auch von ihren Erlebnissen bei dem Sturm und das für kommenden Freitag (es war Dienstag) erneut ein Sturm angesagt sei. Wir spielten anschließend noch ein paar Runden Skat, lösten aber bald die Runde auf und gingen schlafen.



    Tag 5: Emstrur - Alftavatn: "Is this the way? Are you sure?"

    Die Nacht war ganz ok, der Morgen dafür wirklich sehr sehr kalt, da es nachts unter 0 Grad gewesen war. Gegen 6 Uhr war ich schon wach, wärmte mich aber noch etwas im Schlafsack auf, zog mich aber doch irgendwann an und packte schon mal zusammen. Die anderen waren auch mittlerweile wach und Justin und ich gingen vor, um Frühstück zu machen. Dabei fiel dummerweise die Flasche mit dem Benzin hin und es brach leider ein kleines entscheidenes Stück ab. Das Benzin konnten wir von nun an nicht mehr benutzen. Im Zelt saßen bereits die beiden Holländer vom Vorabend und wir setzten uns zu ihnen. Sie waren so nett uns unser Wasser auf ihrem Gaskocher zu kochen. Justin schaute, ob man beim Hüttenwirt Gaskartuschen kaufen konnte und kam zumindest mit einer angebrochenen Kartusche zurück, sonst gab es nämlich keine zu kaufen (wir konnten nur kein Benzin mehr nutzen, Gaskartuschen konnten wir noch am Kocher anschließen).
    Wir frühstückten als Christian und Arthur dazu kamen und machten uns dann fertig und marschierten los. Nach einem kleinen Anstieg, sahen wir den Abzweig zum Canyon, den uns der Holländer empfohlen hatte. Wir ließen die Rucksäcke stehen (dort stand auch schon einer) und gingen ohne Rucksack zum Canyon. Der Umweg hatte sich auf jeden Fall gelohnt! Es sah wieder mal zu schön, um wahr zu sein aus und dazu schien die Sonne wieder herrlich auf uns herab.





    Wir kehrten dann aber um, da wir ja noch nicht einmal richtig gestartet hatten und es nach dem Abstecher bereits 11 Uhr war. Es ging Aschesand bergauf und bergab und von da an sehr lange über eine Aschewüste gerade aus über die wir weit hinweg sehen konnten. Es sah so fantastisch anders aus als was wir bisher gesehen hatten.

















    Ohne die Steigung, kamen wir außerdem schnell voran. Als wir an eine Brücke über einen Fluss kamen, entschieden wir uns dazu Mittagspause zu machen.
    Ein Blick auf die Karte verriet, dass wir bei circa der Hälfte der Tour angekommen waren und gleich die erste Furt kommen musste. Uns kamen mehr Leute entgegen als die bisherigen Tage, vorallem Rentnergruppen.





    Nach nicht langer Zeit, kam dann der rauschende Fluss und wir sahen schon von weitem wie andere ihn überquerten. Auch wir machten uns bereit und es ging rüber. Der Fluss kam mir noch kälter vor, aber es war nicht mehr so schlimm wie bei der ersten Furt. Als wir drüben waren war außerdem der Kreislauf wieder schön in Schwung und es ging auf einem ähnlichen Weg wie vorher weiter, wurde irgendwann dann aber wieder grüner.







    Nach ein wenig auf und ab, erblickten wir die ersten Hütten in Hvanngil, die wirklich sehr schön gelegen waren. Wir kauften dort auch eine Gaskartusche, um wenigstens noch weiter kochen zu können und es ging wieder ein ordentliches Stück in herrlicher Nachmittagsonne bergauf. Hinter uns bot sich wieder ein herrliches Bild, welches wir oben angekommen (verschnaufend) erstmal bestaunten. Doch auch vor uns sah es grandios aus. Die Landschaft hatte sich total gewandelt und die Berge sahen schon so anders und wie gemalt aus. Es machte Vorfreude auf Landmannalaugar.


    Die Hütten in Hvanngil


    Der zweite Sturm naht










    Das Moos war wirklich so grün...











    Nicht viel später kamen wir dann zu der zweiten Furt heute. Diese war sogar gar nicht so kalt und tief wie die bisherigen. Glück gehabt.









    Auf der anderen Seite angekommen, kamen 4 junge Männer auf uns zu und fragten "Is this the way?", wir bejahten und sie fragten "are you sure?". Sie hatten keine Furt-Ausrüstung dabei. Wir beobachteten sie von etwas weiter oben. Einer von ihnen pinkelte erstmal in den Fluss... . Wir folgten dann lieber dem Weg und nach kurzer Zeit erblickten wir dann schon die Hütten, die Zelte und den See im Sonnenschein. Auch der See lag richtig schön.





    Wir meldeten uns beim Hüttenwirt und trafen dort auf ein Mädchen mit dem wir morgens in Emstrur gesprochen hatten. Dann suchten wir einen Platz für die Zelte und fingen an unser Abendessen zu kochen. Es war leider richtig richtig kalt und es gab kein Zelt, in das man sich zum Kochen setzen konnte. Sonst wäre es dort perfekt gewesen.
    Da wir von dem kommenden Sturm ja schon gehört hatten, und auch ein Schild unterwegs gesehen hatten, beschlossen wir in der Hütte in Landmannalaugar anzurufen, um uns 4 Plätze in der Hütte zu reservieren, da morgen bestimmt viele dort übernachten wollten. Für uns hieß es dann morgen wieder 2 Etappen an einem Tag zu laufen. Aber immerhin wussten wir es jetzt und konnten dementsprechend früh los und außerdem war es nicht mehr unser erster Tag. Wir gingen schlafen und waren gespannt auf morgen.









    Geändert von IniiiS (18.11.2018 um 17:16 Uhr)

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    AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #6
    Island-Berichte werden nie langewilig, sehr schön . Ich fürchte, ich muss den Laugavegur doch irgendwann noch komplett laufen...

    Auf den Fotos scheint ja gar nicht so viel los zu sein und auch im Bericht konnt ich jetzt nichts von Menschenmassen lesen... Ihr wart ja auch eher spät unterwegs, ging es dann vom "Überlaufen sein" her?

  7. Anfänger im Forum

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    AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #7
    Zitat Zitat von blackteah Beitrag anzeigen
    Island-Berichte werden nie langewilig, sehr schön . Ich fürchte, ich muss den Laugavegur doch irgendwann noch komplett laufen...

    Auf den Fotos scheint ja gar nicht so viel los zu sein und auch im Bericht konnt ich jetzt nichts von Menschenmassen lesen... Ihr wart ja auch eher spät unterwegs, ging es dann vom "Überlaufen sein" her?

    Nee, das ging wirklich. An den Zeltplätzen fand ichs halt voll, aber wahrscheinlich ist das kein Vergleich dazu wies da im Juli oder so aussieht. Und auf dem Weg gings total, das habe ich mir auch schlimmer vorgestellt.

  8. Anfänger im Forum

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    AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #8
    Tag 6: Alftavatn - Landmannalaugar

    Der Wecker ging für uns um 6 Uhr und kurz drauf schien auch schon die Sonne herrlich über die Berge auf unseren Platz. Es war arschkalt, da es nachts gefroren hatte, aber wir mussten nun einmal raus. Wir zogen uns an, frühstückten aber im Zelt, da es so kalt war und gingen um 8 Uhr los.











    Nach ein paar Metern stoppten wir bereits, da wir keine Pflöcke mehr sahen, die den Weg markierten. Außerdem gabelte der Weg sich und wir wussten nicht genau auf welchem wir weiter mussten. Wir entschieden uns für den rechten, der auf der Karte richtig aussah (und sich dann auch als richtig erwies). Es folgte bald darauf eine Brücke und viele kleine Bachläufe über die wir auf Steinen balancieren mussten. Wieder schien die Sonne und es waren kaum Wolken am Himmel zu sehen. Schon bald kam auch die heutige Furt näher, doch wir fanden einen Weg über die Steine, bei dem wir die Schuhe gar nicht erst ausziehen mussten und somit gut Zeit einsparten.







    Fast direkt dahinter begann der Anstieg, den wir im Höhenprofil unserer Tour sehr gefürchtet hatten, wir mussten 300 Höhenmeter bewältigen. "Langsam, aber stetig" war unser Motto und nach jedem noch so kleinen Abschnitt blieben wir stehen, um zu verschnaufen. Dabei sahen wir das wunderbare Panorama hinter uns, was immer und immer schöner wurde je höher wir kamen. Auch der Wind wurde immer kälter je weiter wir hoch kamen, so dass die kurzen Verschnaufpausen wirklich nur kurz blieben, da wir schnell foren. Wir zogen bald Mützen und Handschuhe an, obwohl wir so sehr am schwitzen waren.
    Oben angekommen war der Blick zurück gigantisch, für mich persönlich eines der Highlights der Tour. Wir sahen immer noch den Eyjafjallajökull bei dem unsere Tour begann, wir sahen den See in Alftavatn, wo wir heute Morgen gestartet hatten und so viele Berge, dessen Namen wir nicht kannten. Es sah unglaublich aus.










    Kleine Pause

    Da es wirklich sehr kalt war gingen wir weiter. Das Bild änderte sich von jetzt auf gleich und vor uns lagen plötzlich die Rhyolithberge und hinter uns immer noch das schöne Panorama.


    Ein Blick zurück



    Der schwefelige Geruch kitzelte bald unsere Nasen und es rauchte und dampfte bereits überall. Der Weg ging matschig und rutschig weiter und wir mussten aufpassen nicht auszurutschen. Oben trafen wrir ein paar Leute, die uns fragten wie weit es noch nach Alftavatn sei und wir im Gegenzug wie lange es zu der ersten Hütte in Hrafntinnusker. Sie meinten so circa 2 h, aber dass wir sie gleich schon sehen würden.




    Die Landschaft ändert sich






    Hinter uns















    So war es dann auch, wir mussten aber noch über das gesamte Feld bis zur Hütte, bei dem es stetig bergauf, bergab im Wechsel ging. Immer wieder über kleinere Schneefelder. Die Sonne war mittlerweile weg, es war wirklich saukalt und begann langsam zu schneien und wurde immer windiger. Der Weg machte die Situation nicht angenehmer, so zog sich das auf und ab total und da man die Hütte immzu im Blick hatte, hatte man nicht das Gefühl überhaupt näher zu kommen. Es war wirklich sehr kräftezehrend. Wir machten doch noch einmal eine kleine Pause an einer einigermaßen windgeschützen Stelle und nahmen uns dann vor an der Hütte eine größere Mittagspause zu machen, um wieder Kräfte zu sammeln, um dann in die 2. Etappe für heute zu starten. Wir lagen auf jeden Fall gut in der Zeit und uns tröstete der Gedanke, dass wir uns auch bestimmt in der Hütte etwas aufwärmen dürften.


    Am Ende des Feldes lag die Hütte





















    Um 10 nach 1 kamen wir endlich an der Hütte an, durften aber nicht rein. Angeblich sei diese voll, wir konnten aber durch die Fenster sehen, dass niemand drin war. Naja, wir suchten uns einen windstillen Platz, aber da wir einfach nur komplett durchgefroren waren, brachte das nicht unbedingt viel. Nicht viel später kam noch ein anderes Pärchen zu uns und sie teilten sich den Tisch mit uns. Wir ließen uns zwar Zeit, aber sind doch relativ schnell wieder aufgebrochen, da es wirklich viel viel zu kalt war und der Schnee stärker geworden war. Es machte gerade nicht viel Spaß. Wir besuchten also alle das Plumpsklo, aßen Brote, füllten die Flaschen auf und marschierten um 14 Uhr weiter. Die 2. Etappe stand auf dem Programm und dann hätten wir heute Abend den Laugavegur gemeistert.

    Mittlerweile war es sehr nebelig geworden und es stürmte schon regelrecht. Wir mussten jetzt über den Pass, konnten aber nur jeweils die folgende Markierung sehen, da es so nebelig war. Wir blieben nah beieinander, um uns nicht aus den Augen zu verlieren. So ging es über sehr viele lange Schneefelder bis es irgendwann ein wenig bergab ging. Ab und zu kamen uns vereinzelte Leute entgegen, mit denen wir uns aber nicht unterhielten, da jeder einfach weiter und ankommen wollte. Es war wirklich total ungemütlich und der Sturm, der ja erst nachts kommen sollte, war leider nun gegenwärtig. Von der Landschaft sahen wir leider nur eine graue Suppe und ich ärgerte mich, da ich mich so sehr auf den Abstieg nach Landmannalaugar gefreut hatte und man nun nichts erkennen konnte. Das gute an der Sache war allerdings, dass wir kaum Pausen machten und somit sehr zügig vorankamen.









    Der Wind wurde immer schlimmer und durch die Rucksäcke hatten wir ja noch mehr Angriffsfläche für den seitlich kommenden Wind, der mich meist regelrecht vom Pfad pustete. Auch die Jungs hatten ihre Schwierigkeiten und taumelten über den Weg. ich musste manchmal stehen bleiben und mich mit dem Rücken zum Wind stellen und mit meinen Trekkingstöcken dagegen stützen. Da einige Stellen wikrlich schmal waren, war es wirklich gefährlich und ich bekam es manchmal mit der Angst zu tun. Nebeneinander laufen konnten wir nicht, da man durch den Windschatten total aus der Bahn geworfen wurde, wenn der andere einen Schritt eher gemacht hat als man selber. Uns kam eine Gruppe entgegen und man sagte uns in einer halben Stünde wären wir beim Abstieg und der Sturm würde schwächer werden. Auf diesen Moment warteten wir sehnlichst. Es blieb unverändert und es fehlte wirklich nicht mehr viel und ich wäre weggeflogen. Als es dann irgendwann doch endlich bergab ging, wurde es zwar besser, aber war immernoch enorm windig und kalt.













    Dabei kam uns plötzlich ein koreanisches Pärchen in Turnschuhen, ohne Mütze oder Handschuhen entgegen und fragten uns, ob es weiter oben gefährlich wäre. Wir sagten, dass der Wind dort noch stärker wäre und es regnete und sie lieber umdrehen sollten, was sie zum Glück auch machten. Wir fragten uns wieso sie überhaupt soweit schon aufgestiegen waren... unglaublich. Justin konnte nicht mit ansehen wie die beiden die steilen Passagen runter kraxelten und sich dabei fast die Haxen brachen und gab dem Mädchen seine Trekkingstöcke. Christian und ich rutschten auch beide aus, taten uns aber zum Glück nicht weh. Es machte einfach überhaupt keinen Spaß mehr. Es dauerte ewig bis der Wind weniger wurde (ca. dort, wo die Tour auf den Brennisteinsalda geht, das wussten wir aber nicht, da wir wirklich fast nichts sehen konnten). Wir konnten zwar erkennen, dass wir bereits in Landmannalaugar waren und waren uns auch bewusst, dass es bei besserem Wetter unglaublich aussehen musste, aber wir konnten uns leider nur wenig an der Landschaft erfreuen. Wir machten an einer etwas geschützten Stelle noch eine kleine Pause, da wir wirklich erledigt waren. Die Koreaner gaben uns die Stöcke wieder und stiefelten zurück. Wir gingen auch weiter, um den letzten Abschnitt zu meistern.







    Es ging steil bergab und dann sahen wir endlich ein Schild: nur noch 2,4 km. Der Weg ging dann leichter weiter und wir kamen sehr schnell zu dem Schild, dass es nur noch 1,5km seien. Von da an ging es schlängelnd durch Lavasteine. Der Wind hatte sehr stark nachgelassen, aber auch hier unten war es immer noch windig (aber kein Vergleich). Auch der Regen hatte zum Glück aufgehört. Nach einer (für mch) gefühlten Ewigkeit sahen wir irgendwann die Hütte. Es war 18 Uhr und wir fanden, dass wir einen super Job hingelegt hatten.






    Die Koreaner...












    Die Hütte ist endlich zu sehen



    Wir bezahlten und waren froh, dass wir Plätze reserviert hatten, da andere Wanderer weg geschickt wurden. Es durften auch keine Zelte mehr aufgebaut werden, auf Grund des Sturms und die Leute wurden zu den Bussen geschickt, um wegzufahren.


    Es standen nur noch wenige Zelte

    Wir gingen in die herrlich aufgeheizte Hütte, wo es angenehm nach Füßen roch . Wir holten unsere Schlafsäcke raus, sicherten uns Betten und lagen uns erstmal für mindestens eine Stunde drauf ohne uns groß zu bewegen. Ich entschied mich irgendwann dazu duschen zu gehen, was ich mir allerdings auch hätte sparen können. Die Duschen waren wie auch die Toiletten in einer Art "windgeschütztem" Zelt. Die Tür stand allerdings weit auf und es war eisig kalt. Neben den 72€, die wir eh schon für die Hütte gezahlt hatten, musste ich nochmal 500 Kronen drauf bezahlen. Das warme Wasser ließ lange auf sich Warten und ich fror mir regelrecht den Arsch ab. Der Wasserstrahl mit dem wamen Wasser ließ auch zu wünschen übrig, es kamen gefühlte 10 Wasserstrahlen mit warmem Wasser raus. Als das Wasser ausging, war ich schon wieder halb erfroren bis ich überhaupt wieder angezogen war. Ein voller Erfolg. Ich fror mehr als davor. Naja dafür hatte ich sauberes Haar....
    Ich ging zurück zu den anderen und wir lagen weiterhin im Bett rum. Die Küche war die ganze Zeit voll besetzt, deswegen konnen wir erst gegen 21 Uhr Sitzplätze ergattern und fingen an zu kochen. Ich war ein bisschen genervt von den anderen Leuten dort, die sehr egoistisch und überhaupt nicht rücksichtsvoll waren(generell bei unserem kompletten Aufenthalt in der Hütte). Unser Highlight war ein Mädchen, dass uns vorher schon negativ aufgefallen war, dass nun an den Schrank ging, wo Essensreste von Leuten waren, die für alle waren. Dort war eine Packung mit Cornflakes. Sie griff mit der Hand rein, aß was, griff nochmal rein, aß das auch und stellte sie zurück in den Schrank. Unmöglich. Dann ging sie an einen Tisch, wo vorher jemand einen Kuchen geschnitten hatte, und fegte die Krümel mit der Hand zusammen und aß diese... . Wir spülten dann bald ab und gingen müde schlafen. Wahnsinn, wir hatten den Laugavegur wirklich in 4 Tagen geschafft.
    Ein bisschen traurig waren wir, dass es schon vorbei war, aber gegen das Wetter konnte man nunmal nicihts machen....

    Die 2. Woche hatten wir eine Hütte und einen Mietwagen gemietet und machten verschiedene Ausflüge. Ich habe dort aber nicht weiter an dem Reisebericht geschrieben, zeige aber gern trotzdem ein paar der Bilder, da auch diese Woche zwar anders, aber auch wirkich abenteuerlich und interessant war. Außerdem sind wir noch einmal nach Landmannalaugar gefahren, um die bunten Berge noch mal richtig zu sehen und nicht nur in Nebel.
    Geändert von IniiiS (18.11.2018 um 17:36 Uhr)

  9. Anfänger im Forum

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    AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #9
    Eines unserer Highlights war auf jeden Fall die Gletscherlagune Jökulsárlón. Die gigantische Gletscherzunge mündet in den See und überall schwimmen große weiß, blauschimmernd, braune Eisberge rum. Es sieht faszinierend aus. Der See mündet dann ins Meer und man kann an dem schwarzen Strand überall kristallklare Eisklumpen finden. Ein toller Ort!










    Die Gletscherzunge

















    Dann haben wir die Lavahöhle Surtshellir besichtigt. Eigentlich ist es ein ganzes Tunnelsystem. Man konnte ohne Guide und ungesichert dort rein und umherklettern. Drinnen konnte man nichts sehen außer den Schein der Kopflampen (die ein MUSS sind). Die Steine waren teilweise so groß wie ich und man musste mit allen vieren drüber klettern.


    Hier drunter verbirgt sich ein rieseiges Tunnelsystem von Lavahöhlen















    Da wir von Landammalaugar nicht allzuviel gesehen haben, sind wir an einem sonnigeren Tag noch einmal hingefahren und sind dort auf den Brennisteinsalda gewandert:
















    Der Hotpot war uns etwas zu voll







    Die Aussicht von unserer Hütte im Hochland


    Unsere Hütte


    Der Bruarfoss war in der Nähe unserer Hütte. Es ging einen abenteuerlichen Weg entlang


    Natürlich Hallgrímskirkja




    den Namen kenne ich leider nicht


    Die Geysire


    Der Strokkur, der alle paar Minuten ausbricht










    Þingvellir, einer der bedeutensten Orte Islands. Hier wurde früher das Thing abgehalten und außerdem treffen hier die Nordamerikanische und die Europäische Platte aufeinander


    Þingvellir


    Þingvellir


    Þingvellir


    Kerið


    Kerið




    Gullfoss


    Gullfoss


    Gullfoss


    Unendliche Weiten...


    Ich hoffe, dass euch der Reisebericht gefallen hat.
    Island hat uns auf jedenfall begeistert und wir hatten eine tolle Zeit dort. Etwas schade war es, dass die Wanderung schneller vorbei war, vorallem da man sich gerade erst richtig an den Rucksack gewöhnt hatte. Aber das Wetter bestimmt nun mal. Vorallem in einem Land wie Island.
    Geändert von IniiiS (18.11.2018 um 17:40 Uhr)

  10. Dauerbesucher
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    AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #10
    Wow, das ist sehr beeindruckend, irgendwann fahr ich da vll auch mal hin. Vielen Dank für den Bericht und die sehr beindruckenden Fotos




    Grüße Maik
    "Freiheit bedeutet, dass man nicht alles so machen muss wie andere"

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    AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #11
    Irgendwie hab ich das Gefühl, dass es zu einer Island-Tour dazugehört, dass man einem Sturm davonläuft
    www.lustwandler.at
    Trekking in Schweden, Norwegen und Island
    Letzte Tour: Gränsleden – Nordkalottleden – Narvikfjell (Ritsem – Riksgränsen)

  12. Dauerbesucher
    Avatar von danobaja
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    AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #12
    ! und vielen dank für den schönen bericht!
    danobaja
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    resist much, obey little!

  13. Erfahren
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    AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #13
    Zitat Zitat von IniiiS Beitrag anzeigen

    den Namen kenne ich leider nicht
    Habe gerade den Bericht entdeckt und mir deucht, den hier kenne ich. Ist das der Hjálparfoss?

  14. Anfänger im Forum

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    AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #14
    Zitat Zitat von jiba Beitrag anzeigen
    Habe gerade den Bericht entdeckt und mir deucht, den hier kenne ich. Ist das der Hjálparfoss?
    Já, so ist es.

    Uwe

  15. AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #15
    Erstmal Danke für den Bericht und die tollen Eindrücke =).

    Da wir im Juli 2019 auch einen Teil vom Laugavegur gehen wollen, wir gehen Richtung Langisjór, Eldgja Trail, Struttstigur und dann auf den Laugavegur, frage ich mich gerade, was reizvoller ist: Richtung Skogar oder Landmannalaugar? Ich weiss, wahrscheinlich dämliche Frage, aber vllt. kann ja jemand dazu was schreiben ...

    Leeven Jroos & Danke,
    Westi

  16. Fuchs
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    AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #16
    Island und der wunderbare Laugarvegur ist immer eine Reise wert. Sehr gut und vielen Dank für
    den schönen Reisebericht.
    Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Ergo: Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.

  17. Gerne im Forum

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    AW: [IS] Laugavegur August/September 2018

    #17
    Immer wieder schön! Das war unser erster Weitwanderweg-danach hat es uns einfach nicht mehr los gelassen. Auf alle Fälle auch die spektakulärste Strecke die ich je gesehen habe.
    Die Richtung Landmannalaugar nach Skogar finde ich empfehlenswerter, weil man bei schlechter Witterung in Pörsmörk Schluss machen kann und die Wanderung vom kargen Hochland in die grünen"Wälder des Thor" fand ich sehr beeindruckend.
    Danke für den schönen Bericht!

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