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  1. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #21
    Mitreisende: Meer Berge
    Mi., 18.7.2018 (10. Tag)
    Lescun -> nahe Cabana Grossa, 6 km hinter Refuge d´Arlet
    26 km, /1800 Hm \1050 Hm
    ca. 10 Std. unterwegs


    Mein Wecker summt um 6. Der Typ über mir schläft immer noch.
    Ich will früh los, es soll hier im Tal heute über 30°C werden.
    Also stopfe ich so leise wie möglich all mein Habe in den Rucksack, ziehe mein Bett ab, klemme mir das Paket unter den Arm und steige die Treppe runter in den Küchen- und Wohnbereich.
    Hier koche ich einen Tee und beginne meinen Kram zu sortieren.
    Denise und John sind die einzigen, die ebenfalls schon wach sind und frühstücken.
    Wir unterhalten uns weiter und tauschen am Ende unsere E-Mail-Adressen aus. Super nett, die beiden!
    Ich öffne das Paket, das neben Essen auch Handschuhe und MicroSpikes für die kommenden Abschnitte im Gebirge enthält.
    Nun wiegt mein Rucksack wieder gut 5 kg mehr.
    Ich esse davon gleich mal 200g Müsli auf.

    Um 7:00 bin ich tatsächlich startklar und ziehe meine Schuhe an.
    Im Hotel werden gerade die ersten Fensterläden geöffnet. Der Ort ist jetzt ganz still, ich treffe niemanden.
    Es ist noch ziemlich frisch.

    Erst einmal muss ich dem GR10 folgend hinunter ins Tal laufen, auf der anderen Seite bieten steile Pfade Abkürzungen für die Serpentinen der Straße. Am Weg nasche ich Himbeeren.
    Schließlich folge ich einem Sträßchen, das in einen Forstweg übergeht, der immer schmaler wird.
    Es gibt herrliche Ausblicke in die Berge des Cirque de Lescun.




    Bald bin ich im Parc National angekommen. Es ist wunderschön hier!
    Der Weg geht stetig hinauf, ist aber so gut zu laufen, dass das fast nicht auffällt.




    Ich komme an einer Quelle vorbei und lege eine kurze Trinkpause ein.
    Dieses Bachtal wäre auch herrlich zum Zelten gewesen!




    Bunte Blumenwiesen säumen meinen Weg.




    Schafe kommen morgens zum Melken zusammen.




    Nach ein paar Serpentinen komme ich um 11:00 an den Col de Pau.
    Das Wandern fällt mir heute wirklich leicht, obwohl der Rucksack deutlich schwerer ist. Aber der Weg ist bestens, die Aussicht auch, die Temperaturen hier oben sehr angenehm. Hier am Col ist es durch kräftigen Wind sogar ziemlich frisch.
    Der Blick zur Spanischen Seite auf eine Gebirgskette ist auch sehr verlockend!




    Weiter geht es am Hang unter dem Grat entlang.




    Hübsche Blumen blühen hier, die ich aus den Alpen nicht kenne.







    Das erste Mal sehe ich den markanten Pic du Midi d´Ossau. Zu ihm und um ihn herum werde ich in den nächsten Tagen noch wandern.




    Unter mir entspringen Bäche.




    Es geht immer höher hinaus.




    Bei dieser Pferdeherde, die, wie alle Tiere hier in den Pyrenäen, frei herumlaufen, mache ich Picknick.




    Noch ein letzter Aufstieg über Serpentinen und ich erreiche um 14:00 die Refuge d´Arlet.




    Gleichzeitig mit mir erreichen von der anderen Seite her dicke, schwarze Wolken die Refuge.
    Gerade will ich mich am See unterhalb der Hütte niederlassen und noch etwas trinken, als dicke Tropfen fallen und der Wind noch einmal feste auffrischt.
    Ich habe zwei Möglichkeiten. Ich kann hier in der Hütte bleiben, die laut guide book das Tagesziel ist.
    Ich kann aber auch weiter laufen und hoffen, dem Regen davon laufen zu können.
    Das ist natürlich etwas naiv, aber ich habe noch keine Lust Feierabend zu machen.

    Schnell ziehe ich meine Regensachen über, werfe den Rucksack auf und steige auf den nächsten Pass rauf.
    Von hier kann ich weiter blicken und besser abschätzen, wie die Wetterlage sich entwickelt.




    Zwischen schwarzen Wolken mit kräftigen Schauern drunter sehe ich auch blaue Löcher.
    Ich laufe weiter. Von hier aus geht es immer bergab. Ich bin noch voller Energie. Eine Weile Jacke auf - Jacke zu, dann ziehe ich die Regensachen wieder aus. Natürlich beginnt es sofort zu tröpfeln, aber das ist nur ein kleiner Schauer.
    Fröhlich laufe ich den Berg hinunter.
    Irgendwann gelange ich zur Cabana Grossa, einer Bergerie/Sennerei, wo der Bergpfad auf eine Schotterstraße trifft.
    Mittlerweile ist es wieder ziemlich zugezogen.
    Die nächste Zeltmöglichkeit nach dem folgenden Wald ist eigentlich keine, da ich im Nationalpark nur von 19-9 Uhr zelten darf und mindestens 1 h von einer befestigten Straße entfernt. Da unten gibt es eine Straße.
    Hier ist es zwar noch keine 19:00, aber ich steige dennoch oberhalb der Cabana ein enges Bachtal hinauf und finde wie erhofft in einer Biegung eine wunderbare, ebene Stelle außerhalb der Sicht der Farm.
    Hier bleibe ich.




    Kaum ist alles eingerichtet, der Wasserspeicher gefüllt, ..., als es mit dicken Tropfen zu regnen beginnt.
    Das hat ja perfekt gepasst, gratuliere ich mir selbst!
    Ich bin froh, wieder draußen in meinem Zelt zu schlafen.
    Geändert von Meer Berge (29.09.2018 um 21:03 Uhr)
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  2. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #22
    Danke euch beiden!

    Zitat Zitat von danobaja Beitrag anzeigen
    das ist der punkt wo es anfängt richtig spass zu machen: wenn in der früh das erste mal nicht alle knochen weh tun.
    ich freu mich schon auf den rest! das erste mal 100km, 24 std non-stop, ....
    Bis auf die Sache mit dem Zeh zu Anfang hatte ich eigentlich kaum Beschwerden. Einmal habe ich mir einen Zelthering in die Hand gerammt, weil ich mit dem Stein, mit dem ich gedrückt habe, abgerutscht bin. Diese Zinksalbe war auch hier prima.
    Und ganz am Ende hatte ich etwas Probleme mit einem Oberschenkel-Muskel, der etwas verkrampfte. Das hat mich 2 Tage ziemlich ausgebremst. Aber sonst ging es mir eigentlich prächtig die ganze Zeit.

    Nee, son Dauerlauf, das ist nichts für mich. Nicht geplant. Wenn es passiert und nicht anders geht, vielleicht.



    Zitat Zitat von berniehh Beitrag anzeigen
    Vor etlichen Jahren bin ich da auch mal gewandert. Habe allerdings nur den zentralen Teil gemacht, von Lescun bis Andorra.
    Bin schon gespannt auf den alpinen Abschnitt. Das ist eine sehr schöne Gegend.
    In den zentralen Teil muss ich unbedingt noch einmal. Die Schneelage dieses Jahr hat mich auf ein paar Umwege geschickt ...

    Viele Grüße,
    Sylvia
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  3. Fuchs

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    AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #23
    Pic d' Ory-
    Der ganze Hang war dick bedeckt mit Kuhfladen und Schafsmist, vom Regen durchweicht und von den Tieren zu einer glitschigen Masse auf dem lehmigen Boden zertrampelt
    Das war bei mir auch so.....nur Köttel und Fladen. Wird wohl immer so sein.
    Ich/Wir sind damals am Beginn des Grates umgekehrt. Ordentlich Wind,Nebel - Mist Wtter. War uns dann zu unsicher. Dort gibt es Unfälle, auch schon Tote.
    www.mitrucksack.de
    Ganz viel Pyrenäen ( HRP- Haute Randonnée Pyrénéenne - komplett) und ein bisschen La Gomera

  4. Erfahren

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    AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #24
    Vielen Dank für den sehr schön geschriebenen Bericht.

  5. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #25
    Do., 19.7.2018 (11.Tag)
    Cabana Grossa -> Lac Gentau
    gut 10 Std. unterwegs
    24 km /2200 \1900


    Der Tag beginnt phantastisch! Sonne, das feuchte Gras glitzert.
    Um 7:30 bin ich unterwegs.
    Ich komme nur bis zur Cabana Grossa.
    Hier werden gerade die Schafe gemolken.
    Da muss ich ein bisschen zuschauen. Ich mag Schafe




    Ob die Schafe wissen, wann sie kommen müssen oder ob sie von Hirtenhunden (hier Patou) hergetrieben werden, weiß ich nicht.
    Sie kommen alle in einen großen Pferch. Eines nach dem anderen wird vor den Melkschemel geholt. Die meisten Schafe treten von alleine vor, sie kennen die Prozedur, manche werden ein wenig gezogen. Sie stellen sich vor den Melker. Das Melken selbst geht mit ein paar Handgriffen recht schnell, viel schneller als bei Kühen. Dann zieht der Melker an einem Strick mit einem Stück Holz als Handgriff, der das Tor vor dem Schaf öffnet. Das geht raus, das nächste ist dran.

    Zwei Melker sind hier beschäftigt, ich vermute Mutter und der etwa 16-jährige Sohn. Der Junge sitzt auf meiner Seite. Ich frage ihn durch Zeigen auf meine Kamera, ob ich ein Foto machen dürfe. Er nickt. Leider hat er immer die Stangen des Zaunes vor dem Gesicht.




    Auf dem ersten Bild kann man schätzen, wie viele Schafe hier zu melken sind. Im Hintergrund ist eine weitere Herde zu erkennen.
    Ich schaue eine ganze Weile zu. Für mich ist das sehr idyllisch. Für die Bauern hier ist es sicher viel anstrengende Arbeit von früh bis spät.
    Am liebsten würde ich bleiben und mitmachen.

    Ich ziehe dann aber weiter. Ich habe mir für heute einiges vorgenommen.
    Die HRP des guide books geht in das Skiresort Candanchu hinunter, folgt dann ein paar km der Straße zum Col de Somport in ein weiteres Skigebiet, bevor es wieder in die Berge geht.
    Ich brauche nichts einkaufen, brauche auch kein Bett. Daher versuche ich die hässlichen Skigebiete zu vermeiden und auch die Straße.
    Auf meiner Karte finde ich einen Weg, der nordwestlich davon durch andere Täler und über andere Berge verläuft. Außerdem möchte ich unbedingt am Lac Gentau mit Blick auf den Pic du Midi d´Ossau zelten, an dem die vorgeschlagene Route nicht entlang kommt (allerdings gibt es im Buch einen Hinweis auf einen lohnenden Abstecher hierher). Ich habe Bilder von diesem Platz gesehen und freue mich riesig drauf!

    Ich wandere bester Laune ein noch schattiges Tal hinunter.




    Dann geht es in die Sonne. Herrliche Aussichten!




    Bald tauche ich in einen größeren Wald ein. Hier treffe ich Alex aus London, der ebenfalls die HRP läuft. Während wir im Laufen Trail-Anekdoten und Erfahrungen austauschen, verpassen wir den richtigen Weg zum Pla d´Espelungere. Mich stört das nicht weiter, ein Blick auf die Karte zeigt mir, dass ich hier auch langlaufen kann. Wir trennen uns wieder, Alex will die Hauptroute laufen. Ich suche mir anhand der Karte einen Weg über ein Sträßchen und biege dann auf ein paar steile Waldpfade ab, die offensichtlich sehr selten begangen werden. Eine wunderschöne Strecke!
    Am Sträßchen habe ich noch eine sehr nette Begegnung mit zwei sehr hübschen Eseln. Mit einem unterhalte ich mich eine Weile.




    Esel mag ich genauso gerne wie Schafe!

    Am Ende des Waldes komme ich an eine größere Straße. Die muss ich ein Stück bergauf laufen, da gibt es keine Alternative.
    Augen zu und durch. Sie zieht sich gefühlt ewig. Einiges an Verkehr. Endlich komme ich an eine Kehre, von der aus mein Pfad abzweigt. Ich bin schon 3,5 Std. unterwegs, etwas platt, erhöhte Schwerkraft heute, und hier geht mein Weg erst richtig los ...

    Eigentlich will ich ja zum Lac Gentau. Aber wenn ich´s heute nicht schaffe, dann gibt es unterwegs auch noch ein, zwei Möglichkeiten zu übernachten. Ich laufe erstmal los.
    Der Weg zieht sich gleichmäßig den Hang hinauf. Ich komme in meinen Rhythmus.







    So erreiche ich schließlich das Plateau de Gentianes, die Ebene der Enziane. Erst bemerke ich sie gar nicht, da ich mir irgendwie blauen Enzian vorgestellt hatte. Aber dann ist tatsächlich der ganze Hang mit großem Gelbem Enzian bewachsen. Toll!




    Die Quelle und die Bäche, die auf meiner Karte verzeichnet sind, finde ich jedoch nicht. Ich muss also noch etwas dürsten bis zur nächsten Gelegenheit.
    Es geht über den Bergrücken auf die andere Seite und ich habe nun einen Blick ins nächste Tal. Dort hinunter muss ich. Und zum Lac Gentau geht es drüben die Berge wieder hinauf.




    Ich steige zügig hinunter in der Hoffnung auf Wasser, ich habe mittlerweile echt Durst.
    Fast im Tal angekommen finde ich eine Quelle im Hang. Hier mache ich ausgiebig Pause. Herrliches Wasser, schöne Aussicht, ein bisschen essen.
    Ich könnte hier im Tal zelten. Aber mittlerweile bin ich ganz gut im Trott. Die nächste Gelegenheit wäre am Refuge Larry, auf halber Höhe des nächsten Berges.

    Ich mache mich auf den Weg. Wieder zieht sich der Pfad ganz angenehm hinauf, Wiese, etwas Wald, wieder Wiese. Schritt vor Schritt, und dann bin ich am nächsten Pass. Ich merke meine Beine und stelle fest, dass ich dummerweise zu den Hütten um die Ref. Larry erst einmal 150 Hm runter in das Tal steigen muss. Höhe, die ich anschließend zusätzlich drüben wieder erarbeiten muss. Egal. Die 400 Hm zu dem Pass da drüben (etwa Bildmitte), die schaffe ich jetzt auch noch! Und dahinter geht es runter zum See!




    Ich lege noch eine Pause ein und mache mich auf den Weg.
    Die Hütten sind herrlich gelegen.
    Drüben finde ich erst den Pfad hinauf nicht, steige steil die Wiese hoch, treffe dann auf den Pfad und folge ihm.
    Auf halber Höhe liegt eine schöne Schafweide, die nicht so eben ist, wie sie aussieht.




    Dann geht es einige Serpentinen hinauf und ich erreiche den Pass. Ich bin erstmal enttäuscht. Ich sehe den Pic du Midi gar nicht. Meine Karte sagt dazu, dass ich erst auf dem Col de Larry bin und noch 100 Hm am Grat entlang hinauf zum Col d´Ayous steigen muss. Puh. Na gut. Schaff ich jetzt auch noch.

    Und dann - der Ausblick!




    Wow! Sofort sind die Strapazen des Tages vergessen.
    Ich bin begeistert!

    Meine Beine fühlen sich beim folgenden Abstieg etwas weich an, aber dann bin ich froh, es tatsächlich bis hierher geschafft zu haben!
    Um 18:00 komme ich an der Ref. Ayous oberhalb des Sees an. Was für ein Blick!
    Ich frage nach einem Zeltplatz und darf mein Zelt hinstellen, wo es mir gefällt.
    Das mache ich auch sofort. Ich habe diese Dinge gerne erledigt, bevor ich mir hier anschließend ein Bier gönne.
    Ich schaue auf der Wiese ein wenig herum. Schwierig. So viel Platz! Ich suche mir das Inselchen zwischen zwei Bächen aus, die in den See münden. Am Rand finde ich einen trockenen Flecken. Vor meiner Türe schwimmen viele kleine Fischlein im Bach.




    Ein Bier trinke ich an der Refuge. Als hier die Sonne hinter dem Berg verschwindet und es kühl wird, nehme ich eine zweite Flasche mit hinunter zum Zelt. Auch hier sitze ich bald im Schatten. Nur der Berg wird noch herrlich angeleuchtet.
    Kühe flanieren am Seeufer. Wolken steigen aus den Tälern und bedecken schon die niedrigeren Berge, wehen aber bald auch um die Spitze des Pic du Midi.







    Einer meiner absoluten Lieblingsplätze in den Pyrenäen!
    Ich bin so froh hier zu sein!
    Ich kann mich gar nicht satt sehen ...
    Geändert von Meer Berge (30.09.2018 um 18:34 Uhr)
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  6. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #26
    Vielen Dank euch beiden!

    Zitat Zitat von Nicki Beitrag anzeigen
    Pic d' Ory-

    Das war bei mir auch so.....nur Köttel und Fladen. Wird wohl immer so sein.
    Ich/Wir sind damals am Beginn des Grates umgekehrt. Ordentlich Wind,Nebel - Mist Wtter. War uns dann zu unsicher. Dort gibt es Unfälle, auch schon Tote.
    Echt!? Das ist immer so glitschig?!
    Dass es da gerade bei weniger prächtigem Wetter Unfälle gibt, glaube ich sofort!
    Nach der Rutschbahn wird es stellenweise schon auch ganz hübsch ausgesetzt. Wenn es hier pustet oder nass ist ...
    Ich hatte beste Bedingungen!

    Viele Grüße,
    Sylvia
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  7. AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #27
    wow, was für ein Zeltplatz!
    Es ist immer zu früh, um aufzugeben.

  8. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #28
    Großartige Bilder! Und toll geschriebener Bericht! List sich richtig gut!

    Darauf habe ich gewartet! Jetzt bist du im Berich meiner Wanderwoche von 1996. Ich habe damals noch Dias gemacht und die habe ich schon lange nicht mehr gesichtet. Muss ich wohl mal wieder tun! Ich bin seinerzeit von Etsaut (588 m) zu diesen grandiosen Seen aufgestiegen, an denen du hier übernachtet hast. Aber ich habe auf der Refuge Pombie übernachtet. Die weitere Tour war dann der Pic du Midi D'Ossau (2.884 m) und weiter zum Lac d'Artouste. Auf spanischer Seite an den Seen entlang zum Refuge Wallon und auf die kleine Vignemale (3.032 m). Dann war die Zeit leider schon wieder vorbei und es ging über den Lac d'Estom nach Cautarets. Nach einem Besuch in Lourdes bin ich dann heim. Ich erinnere mich an eine großartige Tour.
    Ich habe das gerade mal mit dem HRP abgeglichen. Da dürfte hier in den nächsten Tagen noch einiges kommen, was mir vielleicht bekannt vorkommt. Bin gespannt wie ein Flitzebogen! Ich reise mit dir und deinen Bildern mit und hoffe noch einiges wieder zu erkennen. Ich wünsche Dir, dass du mindestens so viel Spaß an der Tour hattest, wie ich damals!
    Vielen Dank fürs mitnehmen!

    Gruß Wafer
    Geändert von Wafer (30.09.2018 um 17:17 Uhr)

  9. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #29
    Schöner Bericht der Lust macht auf die Pyrenäen.
    Freue mich auf die Fortsetzung.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  10. Dauerbesucher
    Avatar von blackteah
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    AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #30
    Schöner Bericht, tolle Fotos und jetzt am Schluss den schönsten Schlafplatz, den ich seit langem geseshen habe

    Ich finde es immer wieder spannend, wenn man so wie du in die Berge reinwandert. Zuerst ist alles noch lieblich, weich und rund und dann wird es immer schroffer und spitzer...

    Konntest du in deinem Zelt eigentlich sitzen ohne oben anzustoßen? Ich hatte diesen Sommer eines gleicher Bauart von Trekkertent und irgendwann hat mich die Enge so genervt, dass ich meistens einfach ohne Zelt gecampt habe. Wie ging es dir damit?

  11. AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #31
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    ...Der Wald von Iraty, der einer der größten Buchenwälder sein soll, ist ganz schön. Die Forstwege darin sind von einer sehr unschönen Sorte. Tief ausgewaschene Erosionsrinnen aus dicken Steinen und Schotter aller Art. Steil rauf, runter, rauf, runter....
    Hallo Sylvia,

    bei meiner HRP-Tour im September 2018 musste ich auch diese Strecke gehen und habe die Ursache erlebt: Jährlich findet hier auf diesem Weg eine Autorennen-Spektakel statt, für das die Wege vorab von Maschinen "präpariert" und dann von den Rennfahrzeugen zerschunden werden. Lärm, Staub und Wirtschaftswachstum.


    Auch die Wege werden dafür gesperrt, so dass ich in Konkurrenz mit Motorquads diese Schotterpisten benutzen musste.


    War nicht so prickelnd ...
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  12. AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #32
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Hübsche Blumen blühen hier, die ich aus den Alpen nicht kenne.
    Hab' mal nachgeschaut, war neugierig: Pyrenäen-Akelei,
    - gibt es auch in den Alpen, dort heißt sie dann, naah? - richtig! Alpen-Akelei !
    „Wie komm ich am besten den Berg hinan? Steig nur hinauf und denk nicht dran!“ – Friedrich Nietzsche


  13. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #33
    Vielen Dank für den tollen Bericht , ich freue mich auf die Fortsetzung.
    Welcher Rucksack ist es denn geworden bei dir?

  14. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #34
    Hola und Bonjour, ihr Lieben!

    Gestern bin ich aus den Pyrenäen II wieder nach Hause gekommen - einige Abenteuer reicher ... - aber, soweit nehme ich es schon einmal vorweg, ich bin am Mittelmeer angekommen! Trotz Einschneien, Rauswaschen, Loch im Bein, ...
    Es wird hier also bald weiter gehen.

    Vielen Dank für eure Kommentare!

    Zitat Zitat von blackteah Beitrag anzeigen
    Konntest du in deinem Zelt eigentlich sitzen ohne oben anzustoßen? Ich hatte diesen Sommer eines gleicher Bauart von Trekkertent und irgendwann hat mich die Enge so genervt, dass ich meistens einfach ohne Zelt gecampt habe. Wie ging es dir damit?
    Ja, konnte ich. Natürlich nur vorne, aber es hat mir gut gereicht.
    Dazu muss ich allerdings sagen, ich bin nur 1,58m "groß". Das hilft bestimmt :-)
    Außerdem finde ich, man kann die Höhe des Zeltes durch die Länge des Trekkingstockes am Eingang ganz gut regulieren. Fahre ich den Stock länger aus, habe ich vorne deutlich mehr Kopffreiheit. Allerdings dadurch natürlich auch, gewollt oder ungewollt, mehr Durchzug im Zelt, da mehr Luft/Wind unter den Seiten durchzieht.



    Zitat Zitat von ticipico Beitrag anzeigen
    Hab' mal nachgeschaut, war neugierig: Pyrenäen-Akelei,
    - gibt es auch in den Alpen, dort heißt sie dann, naah? - richtig! Alpen-Akelei !
    Vielen Dank für deine Infos!
    Aha, Akelei. Sehr hübsches Blümchen! Ich habe sie nicht häufig gesehen, aber mich jedes Mal über sie gefreut.

    Das mit den Autorennen ist ja - naja. Und du hast das Pech gehabt rein zu geraten. Stelle ich mir sehr unangenehm vor. Lärm, Dreck, Staub, Gestank, ...


    Zitat Zitat von agricolina Beitrag anzeigen
    Welcher Rucksack ist es denn geworden bei dir?
    Ich hatte verschiedene Rucksäcke aus dem (U)Leicht-Bereich anprobiert, ist ja ein bisschen wie Schuhe kaufen. Dann habe ich mich für den Granit Gear Crown2 (60L) entschieden. Und bin nun nach 2 Wochen englische Südwestküste im Frühling und 5+2 Wochen Pyrenäen sehr glücklich mit der Entscheidung! Ob ich ihn empfehlen kann? Naja, er muss halt passen. Von der Haltbarkeit her, von den Features her etc. finde ich ihn auf jeden Fall klasse! Es gibt ihn in verschiedenen Größen mit unterschiedlichen Bauchgurt-Längen. Hier ist bei mir der kürzeste Gurt allerdings schon am Anschlag.


    Geht bald weiter!
    Grüße,
    Sylvia
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  15. Gerne im Forum
    Avatar von FatmaG
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    AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #35
    Hallo Sylvia,

    Ich war nun schon längere Zeit nicht mehr auf den Outdoorseiten (zu viel "um die Ohren") und habe jetzt mit Freude Deinen Bericht gesehen und gelesen. Naja, eher verschlungen!

    Wunderbar geschrieben!
    So richtig zum Mitfiebern wie in der Gewitternacht, bzw zum Platz räumen für die "30 nassen Kinder" (da habe ich echt fast unterm Tisch gelegen).

    Zudem diese wunderschönen Fotos!
    Welche Kamera hattest Du denn dabei und wieviel wiegt die?

    Da wo HRP und GR10 sich kreuzen, gab es auch ein paar alte Bekannte. Was mich auch immer sehr erfreut...

    Das macht Lust auf mehr!
    Ich freue mich schon auf die folgenden Etappen; und darauf, das Mittelmeer mit Dir zu erreichen.

    Saludos, salut,

    FatmaG


    PS und Deine Vorliebe für Kühe und Schafe teile ich absolut ;)

  16. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #36
    Zitat Zitat von FatmaG Beitrag anzeigen
    Welche Kamera hattest Du denn dabei und wieviel wiegt die?
    Hallo Fatma!

    Vielen Dank und schön, dass es dir gefällt!
    Ich habe versucht bei meinem Gepäck gegenüber den Vorjahren einiges abzuspecken. Erfolgreich.
    Nur bei der Kamera habe ich noch keine Alternative gefunden, die mich glücklich macht.
    Ich laufe also weiterhin mit meiner Nikon D7100 + 18-105er Objektiv herum.
    Das gesamte Set incl. Ersatzakku (im Sommer für die 4-5 Wochen auch Ladegerät) und bei Niesel eine Neoprenhülle wiegt ca. 1400 g.
    Das ist natürlich mehr als z.B. Zelt und Küche zusammen, aber fotografieren ist für mich schon auch ein Teil des Urlaubsspaßes, da mag ich nicht gerne Abstriche machen
    Ich bin aber immer noch auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau, die im Hosentaschenformat super Bilder macht, per USB aufladbar ist, mit einem Akku 1000 Bilder schafft, wasserdicht ist, im High ISO klasse ist, diesen Zoombereich abdeckt, einen optischen Sucher hat, Blitz, RAW-Format, gutes Gegenlicht-Verhalten, ... , am besten für unter 500€

    Solange schlepp ich den Trumm mit mir herum.

    Viele Grüße,
    Sylvia
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  17. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    #37
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Ich bin aber immer noch auf der Suche nach der eierlegenden Wollmilchsau, die im Hosentaschenformat super Bilder macht, per USB aufladbar ist, mit einem Akku 1000 Bilder schafft, wasserdicht ist, im High ISO klasse ist, diesen Zoombereich abdeckt, einen optischen Sucher hat, Blitz, RAW-Format, gutes Gegenlicht-Verhalten, ... , am besten für unter 500€
    genau sowas suche ich auch noch!!
    Falls du da was findest sag mir mal Bescheid welches Model es ist

  18. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #38
    Freitag, 20.7.2018
    am Lac Gentau
    ca. 1 km
    geschätzte 200 Hm (immer dieselben)


    Ja, der Zeltplatz war traumhaft. Zumindest gestern.
    Heute ist die beste Aussicht, die ich erwische, diese:




    Von DEM BERG ist den ganzen Tag nichts zu sehen.

    Das ist aber nicht der Grund, weshalb ich heute hier verweile.
    Meine Innereien krempeln heute ihr Innerstes nach außen.
    Glücklicherweise nur abwärts des Magens.
    Dennoch ein wildes Rumoren.
    Der gelaufene Kilometer ist ein Hin und Her zwischen Zelt und Toilette, die Höhenmeter resultieren daraus, dass sich eben diese Toilette oben an der Hütte befindet.
    Ich fühle mich total schlapp und bleibe sonst einfach im Schlafsack liegen und mache einfach gar nichts.
    Da es heute zum Nebel auch immer wieder regnet, gratuliere ich mir dazu, mir für diese Unpässlichkeit den perfekten Tag ausgesucht zu haben.
    Ich hoffe, dass das nichts mit dem verwurmten Hund zu tun hat, der mich einige Tage zuvor penetrant begleitet hat.

    Mir tun die Leute leid, die heute hier herauf kommen, um die tolle Aussicht zu genießen, die ich gestern hatte.
    Heute ist nichts zu sehen.

    Eigentlich darf ich hier nur zwischen 19 und 9 Uhr zelten, da es aber so neblig ist, kann man mich von der Refuge aus nicht sehen.



    Samstag, 21.7.2018 (12.Wandertag)
    25 km
    /2400 Hm \2000 Hm
    10 1/2 Std. unterwegs


    Um 6°° will ich eigentlich aufstehen. Es ist aber noch sehr neblig. Ich drehe mich noch einmal um. Immerhin regnet es gerade nicht.
    Bis ich nach dem Frühstück endlich ablege, ist es schon wieder 8:30.
    Wolken wabern immer hin und her, mal bin ich drin, mal habe ich ein wenig Sicht.




    Ich steige etwas auf und ab und erreiche am Lac Casterau schließlich wieder die HRP.
    Dieser folge ich erst bergab, dann wieder hinauf Richtung Col de Peyregret.




    Ich durchquere Wiesen voller gelbem Enzian.







    Als ich schließlich recht gemütlich am Pass ankomme, steht auf dem Pfosten nicht Peyregret sondern Soum.
    Öh, Mist, ich bin zum falschen Pass gestiegen. Habe mich schon fast gewundert, denn der Peyregret wird als steiler und weniger bequem beschrieben.
    Von hier aus kann ich zwar auch zur Refuge de Pombie gelangen, meinem Zwischenziel für heute, aber ich will eigentlich schon über den wilden Peyregret.

    Immerhin habe ich von hier aus einen besonders schönen Blick auf den Pic du Midi d´Ossau. Und das Glück, dass sich genau jetzt hier die Nebel verziehen.




    Da ich aber auch nicht wieder ganz zum Lac de Peyregret absteigen will, versuche ich weglos einfach so um den Berg herumzugehen. Durch einige steile Felswände werde ich am Ende doch gezwungen, ziemlich weit wieder abzuklettern, bis ich schließlich auf den Geröllpfad zum richtigen Pass treffe. Bis hier habe ich pitschnasse Füße, da einiges meiner "Direktroute" durch nasse Wiesen führte.
    Egal, jetzt kommt die Sonne raus.

    Auf der anderen Passseite jedoch bleibt dichter Nebel.
    In einiger Nähe höre ich ein Pfeiftier, das ich kurz darauf sogar sehe, bevor es im Geröll verschwindet.




    Schließlich gelange ich zur Refuge Pombie, dem Etappenziel der HRP.




    Mit Zelt und Küche bin ich nicht auf Hütten angewiesen, es ist erst früher Nachmittag, ich ziehe weiter und wandere ins Tal hinunter.
    Eine ganze Weile geht es durch schönen, hellgrünen Wald.
    Ich genieße die Abwechslung von hochgebirgigen Felslandschaften, Blumenwiesen und Wäldern.




    Unten wollte ich mir eigentlich einen Zeltplatz suchen.
    Aber ich fühle mich noch fit, trotz oder wegen der gestrigen Entleerung, und beschließe, dass ich die folgenden knapp 1000 Hm noch heute aufsteige.
    Oben habe ich auf der Karte einen kleinen See gesehen, an dem hoffe ich zelten zu können.

    Durch Wald, Wiese, Nebel und dann Geröll geht es wieder hinauf. Das Tal ist meist recht eng und steil, hier wäre wenig Möglichkeit zum Zelten.
    Wenn der Nebel mal eine Lücke lässt, erhasche ich hin und wieder einen tollen Blick!










    Schließlich erreiche ich den Lac d´Arrious auf 2300 m Höhe. Oh, noch ein wenig winterlich hier ...
    Das verspricht eine kalte, feuchte Nacht zu werden. Aber wunderschön!
    Ich finde ein halbwegs ebenes Grasfleckchen, das so gerade mein Zelt aufnimmt.




    Das ist noch ein richtig toller Tag geworden heute!
    Sehr zufrieden koche ich Abendessen und verkrümel mich dann bald in den warmen Schlafsack.
    *Kalender: Papageitaucher 2017*
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  19. Fuchs
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    #39
    Sonntag, 22.7.2018 (13. Tag)
    Lac d´Arrious -> Campo Plano jenseits der Ref. Respomuso
    ~ 11,5 km /950 \1050
    8,5 Std. unterwegs mit reichlich Stillstand


    Während meines Frühstücks habe ich eine herrliche Aussicht!




    Es ist allerdings noch lausig kalt.
    Um 8:30 mache ich mich auf den Weg. Sehr gespannt!
    Denn gleich an dem großen Bergzapfen da vorne beginnt die berüchtigte Passage d´Orteig.
    Eine durch Drahtseile gesicherte Passage mitten durch eine steile Felswand.
    Ich habe im Vorfeld einiges darüber gelesen, von haarsträubend bis halbsowild.
    Jetzt bin ich also neugierig, was mich da erwartet.
    Schön, dass die Sonne langsam in die Wand scheint, denn oft ist es nass gleich deutlich anspruchsvoller als trocken - und sonnig sieht es auch nicht so gefährlich aus.

    Ich habe noch einen schönen Rückblick auf meinen See und dann stehe ich am Einstieg.
    Mein erster Eindruck: Ameisenstraße.
    Denn entgegen kommen mir nacheinander mindestens 2 größere Gruppen und ein paar Paare, die wohl alle gleichzeitig in der Ref. Arremoulit auf der anderen Seite aufgebrochen sein müssen.







    Die Passage sieht für mich jetzt aber eher nach Spaß aus als nach Herzrasen.
    (Zur Not könnte man diese Stelle umgehen, man müsste aber ein paar hundert Meter zu einem See absteigen und jenseits wieder aufsteigen - eine harmlose Alternative für Leute mit Höhenangst.)
    Eine Gruppe ist jedoch behelfsmäßig gesichert: Eine Bandschlinge um den Bauch, daran angebracht eine zweite Bandschlinge mit 2 Karabinern, um sich damit in das Sicherungsseil einzuhängen. Ein improvisiertes Klettersteigset also. Hauptsächlich wahrscheinlich für die Psyche, aber es verhindert natürlich auch den Totalabsturz.
    Auf diese Art brauchen die ungeübten Leute allerdings enorm viel Zeit, sich mit 100 mal ein- und aushängen über den vielleicht 100m langen Abschnitt zu bewegen.
    Da es dort kaum Ausweichmöglichkeiten gibt, warte ich einfach am Einstieg, bis der Letzte von ihnen hier angekommen ist. Sicher eine halbe Stunde.
    Was solls, der Tag ist schön, die Sonne scheint, die Aussicht ist prima.




    Aussicht auf den See mit dem Umgehungsweg



    Rückblick von der anderen Seite



    Als der Letzte bei mir angekommen ist, steige ich also los.
    Mir macht es wirklich Spaß, könnte gerne auch länger sein, ich finde es nicht schwierig, aber Höhenangst sollte man besser nicht haben, denn schön steil runter geht es schon.

    Auf der anderen Seite ist es nicht weit bis zur Refuge Arremoulit.
    Nun kommen die beiden Pässe, deretwegen diese Etappe die erste im Guide von Ton Joosten ist, die mit einem E für Extrem anstrengend/schwierig bewertet ist.

    Sieht noch etwas winterlich aus am See vor der Hütte.



    Ich hatte von anderen Wanderern schon gehört, dass es im vergangenen Frühling noch sehr spät sehr viel geschneit hat. Und dass die Verhältnisse jetzt im Juli eher denen im durchschnittlichen späten Mai ähneln.
    Ich frage in der Refuge (2250m) nach den Verhältnissen an den Pässen.
    Sehr viel Schnee, sehr steil, ob ich Steigeisen und Pickel habe.
    Naja, ich habe Microspikes und Trekkingstöcke ...
    Ich solle seeehr vorsichtig sein.
    Einige Leute wären wieder umgedreht und zurück gekommen.

    Ah. Hm.

    Ich mache mich auf den Weg zum ersten, noch harmlosen Pass, Col du Palas (2500m).

    Rückblick auf den See.


    Schon kurz nach Verlassen des Sees und der Hütte sehe ich jedoch vor mir nur noch Schnee. Ein riesiges Schneefeld zieht sich hoch bis zum Pass. Das ist so nicht vorgesehen. Der im Guide beschriebene Weg ist hier natürlich nicht mehr zu sehen. Es soll durch ein langes Geröllfeld gehen. Da ist Schnee nicht unbedingt die schlechtere Alternative. Per GPS finde ich die Route, wo es etwa entlang gehen müsste. Durch den immer steiler werdenden Schnee muss ich mir natürlich meinen Weg selbst bahnen. Ich habe hier nicht so besonders viel Erfahrung, denke aber, ich kann erkennen, wo der Schnee nicht gut aussieht, evtl. ein Bach drunter entlang fließt. Der Schnee ist ziemlich soft, selbst mit den angelegten Spikes sinke ich ein und die Zacken haben wenig Griff, rutschen sogar durch den weichen Schnee weg. Der Schnee stollt heftig unter den Spikes. Bald jedoch habe ich die beste Art der Fortbewegung heraus und komme ganz gut hoch. Mich wundert, dass vor mir hier niemand Spuren hinterlassen hat. Meine ist die Einzige.
    So gelange ich am Ende ohne ernsthafte Schwierigkeiten zum Pass. Als ich zurück blicke, denke ich mir, ein Abstieg in dem hier oben doch recht steilen Gelände in dem weichen, rutschigen Schnee wäre weniger lustig.

    Nach den ersten 100 Hm.



    Genau das würde mich jedoch beim Abstieg vom 2. Pass, der Port de Lavedan (2600m), zu der ich von hier hinüber queren soll, erwarten. Bis hier herauf sollte laut Guide eigentlich noch gar kein Schnee liegen und es sollte nicht allzu steil sein. Die Crux käme erst hinter dem nächsten Pass, wo es sehr steil hinunter ginge und wo oft noch Schneefelder lägen.

    Vollbremsung. Wenn das hier schon so aussieht, dann will ich das da drüben gar nicht sehen, geschweige denn runter müssen.
    Meine Microspikes sind halt doch keine Steigeisen, meine Trekkingstöcke keine Pickel.
    Was jetzt?
    Ich sitze lange oben am Pass und überlege meine Möglichkeiten. Soll ich es versuchen? Soll ich meine Route ändern? Deshalb ist hier im Schnee wohl noch keine Spur - es geht da halt niemand lang zur Zeit ...
    Ich konsultiere meine Karten. Jetzt bin ich froh, doch auch die 1:100.000 Übersichtskarte mitgenommen zu haben, auf der dennoch ziemlich alle Wege abgebildet sind, zumindest die für mich relevanten.
    Schließlich entscheide ich mich schweren Herzens dafür, nicht zur Port de Lavedan zu queren und dort den Abstieg zu versuchen, sondern von hier ein paar hundert Meter durch grobes Blockgelände irgendwie abzusteigen, um dann an einen See zu gelangen, an dessen fernem Ufer ich auf eine Variante der HRP treffe und schließlich auf den GR11, der, ähnlich wie der GR10, auf spanischer Seite von Meer zu Meer führt.
    Dabei soll es über den Col de la Fache gehen, der als problemlos beschrieben wird, obwohl auch er 2600m hoch ist.

    Schon fast unten am Embalse d´Arriel Alto



    Da oben links komme ich her.



    Wo der Schnee gerade weggetaut ist, wachsen arktische Blümchen.



    Durch wilde, wunderschöne Landschaft suche ich mir den Weg zum Weg.



    Hier ist der GR11 toll ausgebaut, aber das Schneefeld gibt ihn gerade erst frei.



    Landschaftlich ist es wunderschön hier!



    Schließlich erreiche ich die Respomuso-Hütte.




    Ich versuche mich nach den Verhältnissen am Col de la Fache zu erkundigen. Es ist schon erstaunlich, dass hier auf diesen doch international besuchten Berghütten kein Englisch gesprochen wird. Mein Spanisch geht gegen Null. Und wieder merke ich sofort, dass ich in Spanien bin, denn im Gegensatz zu den französischen Hütten werde ich hier wieder ziemlich unfreundlich empfangen, fühle mich lästig und nicht willkommen. Keine Ahnung, ob ich was falsch mache.
    Dennoch erfahre ich, dass die Verhältnisse am Col de la Fache sehr winterlich seien und ohne Hochtouren-Ausrüstung dort nichts zu machen sei.

    Ebenso am Col de Combales, an dem ich wieder auf meine Hauptroute käme.
    Mist, hier auch! Und jetzt!?
    Jetzt geht es gerade los, so richtig mit Gebirge, und ich komme nicht weiter.
    Tour abbrechen, es im nächsten Jahr von hier aus erneut versuchen.
    Statt dessen irgendwo auf halber Höhe niederlassen und dort Tagestouren unternehmen.
    Oder vielleicht statt dessen auf den GR10 ausweichen und auf dem Weg weiter das Ziel Mittelmeer ansteuern?
    Ich bin mächtig frustriert, meine Moral ist im Keller, ich hatte mich so auf diesen Teil gefreut, und jetzt stecke ich in einer Sackgasse.
    Ich laufe noch ein Stückchen weiter in eine große Ebene, durch die ein paar Bäche mäandern, Campo Plano passend genannt. Hier will ich meine Situation und meine Möglichkeiten erst einmal überschlafen.
    Auf dem Weg dorthin kommen mir einige Wanderer entgegen, es ist Wochenende. Sie waren am Col oder gar auf dem nahen Gipfel. Ich frage alle nach den Verhältnissen. Alle sind mit Steigeisen und Pickel, Seil und Helm unterwegs. Alle raten dringend davon ab, die Strecke ohne entsprechende Ausrüstung zu machen. So vielen Stimmen glaube ich dann doch noch mehr als einem Hüttenwirt, der vielleicht auch nur auf der sicheren Seite bleiben will mir seinen Empfehlungen.

    Blick vom Zelt auf dem Campo Plano Richtung Col de la Fache. Es ginge links in das Tal mit dem Schnee rein.



    Campo Plano. Schön ist es hier, aber ich kann es nicht genießen.



    Trotz Murmeltier und Gämsen (hier Isard) rundherum bin ich ziemlich unglücklich. Hätte ich nicht doch versuchen sollen ...?
    Die erste Schwierigkeit, und ich kneife. Das mag mein Ego gar nicht!
    Meine Vernunft dagegen ist überzeugt, dass die Entscheidung richtig war. Und ich sitze dazwischen.
    Ich breite meine Übersichtskarte aus und vergleiche mit der OSM im Navi.
    In wenigen Tagen bin ich mit einem Freund in Gavarnie auf der französischen Seite verabredet. Gerade hier ist ein wirklich einfacher, niedriger Pass nach Frankreich hinüber. Ich beschließe, erst einmal auf die französische Seite zu wechseln, weil es hier geht.
    Dann bis zum GR10 hinunter zu steigen und dem bis Gavarnie zu folgen.
    Und dann mal sehen, wie es weitergeht.
    Geändert von Meer Berge (24.10.2018 um 23:03 Uhr)
    *Kalender: Papageitaucher 2017*
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

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    AW: [FR] [ES] [AND] Pyrenäen - HRP "light"

    #40
    Sehr schöner Bericht! Ich bin ab Ende August von Hendaye nach Banyuls gelaufen und habe auch lange überlegt, welchen Weg ich denn gehen soll. Ich habe schlussendlich "gekniffen" und GR10 statt HRP gewählt, nicht ganz ohne Reue - insbesondere weil mir ein kurzer Abstecher auf den HRP (zwischen Iraty und Lescun) supergut gefallen hat. Inzwischen denke ich, dem HRP (mit Ausweichrouten für die "E"-Etappen) gewachsen gewesen zu sein, aber gerade solche Denk-/Angstprozesse wie zuletzt von dir beschrieben wollte ich vermeiden. Der GR10 war auch schön, aber trotzdem hab ich jetzt noch eine Rechnung offen Vielleicht einfach ein ein paar Jahren mit etwas mehr alpiner Erfahrung...

    Anyway, toller Bericht, ich freu mich aufs Weiterlesen!

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