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  1. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    Mitreisende: berniehh
    17.Tag:
    Heute ist endlich mal den ganzen Tag ein Traumwetter mit blauem Himmel und Sonne pur.

    Ich quere wieder zurück zur anderen Flussseite und folge für anderthalb Kilometer den ausgetretenen Hauptpfad talabwärts zu einer Talgabelung.




    grünes Weideland bei der Talgabelung (2300 m)


    in diesen Talzweig wander ich nun rein Richtung nächsten Pass

    Von der Talgabelung wander ich in den nach Süden führenden Talzweig rein, zunächst auf ausgetretenen und teils matschigen Viehtreiberpfad, der zum Talende hin immer schmaler wird.
    Ich passiere etliche bewohnte Hütten, aber insgesamt scheint dieses Tal wilder und dünner besiedelt zu sein, wie das gestrige.


    Blick zurück in das Tal aus dem ich gestern gekommen bin


    bewohnte Hütte


    es ist ein attraktives Tal mit felsige Berge, hohen Nadelwäldern, die immer wieder von Grasweidelichtungen unterbrochen werden




    irgendwann endet der Wald und es geht weiter durch offenes alpines Grasland


    bewohnte Hütte.




    Blick zurück talabwärts


    nochmal Blick zurück talabwärts


    irgendwann kommen die Schnee- und Gletscherbedeckten Berge am Talende in Sicht.


    die letzte bewohnte Hütte in diesem Tal (3100 m)


    Blick zurück zur letzten bewohnten Hütte.
    Der Pfad löst sich langsam auf und es geht weglos weiter durch Grasland.



    einer der Bewohner der letzten Hütte.


    Camp 17 (3254 m) in herrlicher Kulisse fast am Talende, etwa einen Kilometer hinter der letzten bewohnten Hütte.



    18.Tag:
    Heute ist der zweite Traumwettertag,........das ist natürlich perfekt für meine bevorstehende Passüberquerung.
    Allerdings muss ich erstmal einen möglichen Passübergang finden, was sich als viel schwieriger herausstellt als gedacht

    Weglos wander ich durch alpines Grasland sanft bergauf........










    als das Grasland endet geht´s über Steine, Geröll und anstrengendes Blockgelände.....




    die letzten ca. 200 Höhenmeter geht´s einen sehr steilen Fels- und Geröllhang hoch. Da meine Karte keine brauchbaren Höhenlinien hat, lasse ich meinen Rucksack hier liegen und steige ohne Gepäck hoch. Bevor ich mit meinem ganzen Krempel da hochsteige, will ich erstmal sehen ob ein Abstieg auf der anderen Seite überhaupt möglich ist.


    oben angekommen auf 3855 m. Von links bin ich hochgestiegen und nach rechts will ich eigentlich runter, stelle aber fest daß der Absteig unmöglich ist, weil es überall senkrecht abfällt


    die Aussicht ist aber super - hier blickt man runter zur anderen Seite, in das Tal in das ich eigentlich hinein will.


    Blick zurück in das Tal aus dem ich hochgestiegen bin

    Nach 1h45 bin ich wieder zurück beim Rucksack. Um einen neuen Passübergang zu suchen wander ich noch für 40 Minuten Richtung Nordosten, größtenteils durch nerviges Blockgelände, bis ich auf ein graues alpines Basin mit kleinem See komme.


    alpines Basin auf ca. 3620 m.

    Wieder lasse ich meinen Rucksack liegen um die letzten 300 Höhenmeter zum Auskundschaften erstmal hoch auf den Kamm zu steigen. Der Aufstieg ist genauso steil und unangenehm wie der von vorhin.
    Auf der anderen Seite ist glücklicherweise ein steiler Abstieg möglich, über einen Felsrücken zwischen zwei kleinen Gletschern. Auch den Abstieg kundschafte ich erstmal aus.


    erneuter Aufstieg hoch zum Kamm


    erneut auf der Kammhöhe (3925 m).
    Hier ist glücklicherweise ein sehr steiler Abstieg möglich, nach links runter. Auch das kundschafte ich erstmal aus, weil von oben nicht erkennbar war, ob man problemlos bis nach unten kommt.



    Aussicht runter zur anderen Seite.


    Mein Abstiegstal




    Blick zurück


    ich steige wieder runter zum Rucksack, wo ich um 18:40 ankomme und fühle mich körperlich nicht mehr fit genug um da mit schwerem Gepäck heute nochmal hochzusteigen.
    Ich suche mir eine Campstelle, was gar nicht so einfach ist hier im steinigem Gelände.
    Den Pass mache ich morgen.
    Viel habe ich heute also nicht geschafft.



    Camp 18 (3591 m)


    Blick vom Camp

    Geändert von berniehh (25.10.2018 um 22:13 Uhr)

  2. Erfahren

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    Erstmal vielen Dank auch von mir für den wieder sehr interessanten und schönen Bericht.

    Zweitens finde ich es bemerkenswert, wieviel Ruhe Du bewahrst zum Auskunftschaften und so Routen entdeckst, wo andere vielleicht schlicht gesagt hätten, dass man da nicht rüber kommt (viel zu steil).

  3. Dauerbesucher

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    vielen dank an bernie für deinen interessanten bericht mit all den schönen fotos von einer, die fast nie reiseberichte liest (hier ausnahme, weil klar, dass ich dort nie hinkommen können werde).
    eine anziehende landschaft, du schätzt dich zurecht glücklich sie erlebt zu haben.
    mich schaudert wenn ich daran denke, dass du auch glücklich bist sie überlebt zu haben - weniger wegen der durchaus vorhandenen alpinen gefahren (unbekannte gletscher, brr), als wegen der politischen aspekte. der anfangs verlinkte spiegel-artikel hat es ja schon vermutet, aber hier gibts sateliten-bilder davon, was die paar ausländer, die es in die nähe schaffen, auf keinen fall dokumentieren sollen - und bisher auch noch nicht konnten:
    https://www.bbc.co.uk/news/resources...a_hidden_camps
    logischerweise unscharf, aber mir reicht es leider, damit mir klar ist, wieviel leid dort hineinpasst.

    es ist gut, dass durch bernies wagemut und abenteuerlust als kontrapunkt dazu auch dokumentiert ist, wie schön dieses land dort ist.
    und als jemand, den schon die repressalien zur gez-zwangsabgabe recht wütend auf den dt. staat machen, finde ich es toll, wie bernie dem dortigen zwangsstaat in dessen heissesten hinterhof die lange nase macht.

    bernie: pass aber bloss weiterhin auf dich auf, evt. reicht es mal doch nicht, wie ein besonders netter und harmloser mensch auszusehen!

  4. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    Vielen Dank für die Kommentare

    Zitat Zitat von faule socke Beitrag anzeigen
    was die paar ausländer, die es in die nähe schaffen, auf keinen fall dokumentieren sollen - und bisher auch noch nicht konnten:
    https://www.bbc.co.uk/news/resources...a_hidden_camps
    logischerweise unscharf, aber mir reicht es leider, damit mir klar ist, wieviel leid dort hineinpasst.
    !
    Krass!!! Das ist wirklich eine erschreckende Dokumentation

  5. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    19.Tag:
    Zwei Tage vor dem Ende meines ersten Trekkingabschnittes hatte ich nicht mehr so einen schwierigen Pass erwartet
    Zum Glück hatte ich den Übergang gestern schon ausgekundschaftet, kenne also die Route und muss da heute nur noch rübersteigen Dazu ist das Wetter wieder Top,.....also was will man mehr


    Blick vom Camp (3591 m) Richtung Pass (3925 m)
    Nach 1h45 komme ich oben an.



    Blick von der Passhöhe runter zur anderen Seite. Dieses Tal wander ich abwärts.


    sehr steiler Abstieg, Felsgekraxel, dann kurzer Firnhang und zum Abschluss unangenehmes Blockgelände.


    super Rundblick




    Blick zurück - eine einfachere Route wie diese scheint es nicht zu geben. Man sollte hier schön langsam gehen damit man nicht abrutscht....






    Nach 1h45 von der Passhöhe erreiche ich die erste kleine grasige Senke auf 3481 m.
    Der schwierigste Teil liegt jetzt hinter mir. Nun folgt bis zum Ende der ersten Etappe entspanntes Wandern



    nochmal Blick zurück von der Senke


    weiter geht´s weglos durch hügeliges Fels- und Grasland an zwei Bergseen vorbei. Dies ist der erste See auf 3450 m


    Blick zurück zum Pass


    Hundert Meter tiefer liegt der zweite See (3359 m)


    der zweite See


    das Tal fällt weiter ab. Über schwieriges Felsbrockengelände geht´s sehr langsam da runter, aber unten auf der Grassenke beginnt ein sichtbarer Pfad.

    Und wie geht´s nun weiter? Bis zum Ende meines ersten Trekkingabschnittes liegt nur noch ein leichter Pass vor mir. Um dort hinzukommen fallen mir zwei Möglichkeiten ein:
    Entweder ich wander bis zur übernächsten Talgabelung abwärts, dann das von links einmündene Tal hoch zum Pass.
    Oder ich wander nur ein Stückchen talabwärts und quere zwischen der ersten und zweiten Talgabelung nach links über einen weiteren kleinen Pass und komme so auch in das Tal, das zu meinem Pass führt. Diese Route wäre ca. 15 km kürzer wie die Talroute, aber mit einer Passquerung dazwischen. Von weitem sieht der Übergang zwar ziemlich steil aus (siehe Foto, Pass Nr. 12), ist aber deutlich niedriger wie mein Pass von heute morgen und liegt noch innerhalb der alpinen Graszone. Also denke ich daß man da schon rüberkommt und entscheide mich für diese Route.


    auf dem grasigen Talboden weiden Yaks


    der Pfad wird hier besser und das Wandern ist einfach


    bei der ersten Talgabelung (2800 m)

    Bei der Talgabelung sehe ich auf der anderen Flussseite erste bewohnte Viehtreiberhütten. Der Pfad führt auch da rüber und dann auf der rechten Talseite weiter abwärts Richtung zweiter Talgabelung.
    Ich verlasse den Pfad und bleibe auf der linken Seite, weil ich dachte daß es eine Abkürzung wird. Es geht weglos, erst durch Grasland, dann einen Kilometer Unterholzgeplackere durch Nadelwald, bis ich in einen von links einmündenen kleinen Talzweig wieder auf einen guten Pfad stoße, der hoch zum Pass führt. Eine Abkürzung war es zwar schon, aber ob es auch schneller ging ist sehr fraglich
    Auf jeden Fall bin ich überrascht, daß über meinen Pass ein Pfad führt und der weitere Aufstieg einfach ist.


    Blick zurück zum letzten Pass.
    Auf gutem Pfad geht´s jetzt hoch zum nächsten Pass







    ich passiere eine bewohnte Viehtreiberhütte, die man hier am linken Bildrand sieht




    Der Passaufstieg ist viel weniger steil wie es von weitem aussah und auf dem guten Pfad auch noch einfach


    auf der Passhöhe (3160 m) - Blick zurück


    auf der anderen Seite sehe ich meinen letzten Pass, den ich morgen queren will.




    zunächst geht es runter in dieses Tal.
    Es wird langsam Zeit mein Zelt aufzuschlagen, aber der Talboden ist mir zu stark beweidet mit Schafen und Rindern und ausserdem stehen da unten mehrere bewohnte Hütten. Deshalb finde ich den Talboden zum campen wenig attraktiv und steige da heute nicht mehr runter. Im ersten Nadelwaldabschnitt etwa 100 m oberhalb des Talbodens finde ich eine perfekte Campstelle.



    Camp 19 (2847 m), perfekt gelegen 100 m oberhalb des Talbodens.

    20.Tag:
    Die letzte Passüberquerung steht mir heute bevor und vielleicht ist heute auch erstmal mein letzter Trekkingtag. Es sind noch über 20 Kilometer bis zur Straße.

    Das Wetter fängt wieder mit blauem Himmel an.
    Von meinem Camp brauche ich nur 15 min bis runter zum Fluss auf 2725 m. Dieses Tal ist gut bewohnt, mehrere Hütten stehen im nahen Umkreis. Ich furte den Fluss und auf der anderen Seite geht´s sanft wieder nach oben, zunächst weglos, bis ich weiter oben auf den gut ausgetretenen Viehtreiberpfad stoße, der über den Pass führt.


    Blick zurück zu meiner Campstelle und den Pass von gestern.






    nach 2h20 erreiche ich die Passhöhe auf 3220 m, wo ich diese drei Hirten treffe.




    auf der anderen Seite könnte ich eigentlich direkt hier runtersteigen und talabwärts wandern, folge aber den Pfad, der nach links über den Bergrücken in den nächsten Talzweig führt. Das ist zwar ein kleiner Umweg, aber gut, so komme ich auch ans Ziel


    der Pfad schlengelt sich kilometerweit den alpinen Hang entlang in den nächsten Talzweig rein.
    Über den Pass, den man hier am Horizont sieht, wäre ich wahrscheinlich gekommen, hätte ich am 8.Tag nicht meine Route geändert.
    Ab hier habe ich wieder gute topographische Kartenblätter und bin auf meiner ursprünglich geplanten Route.



    auch in diesem Hochtal weidet viel Vieh und wenn man sich das Bild auf Vergrößerung anschaut, entdeckt man da unten 7 oder 8 kleine bewohnte Hütten.

    Ich steige runter auf dem Talboden und wander orographisch rechts abwärts,.....aber das war ein Fehler. Der Pfad löst sich auf und ich ende in einer Schlucht. Es dauert eine Weile bis ich mich aus dieser Sackgasse wieder hinausmanövriert habe und auf der linken Talseite oberhalb der Schlucht auf den Pfad stoße.


    jetzt geht´s nur noch talabwärts und ich komme in den Wald


    zunächst geht es kilometerweit durch herrlichen Nadelwald. Dieses Tal ist phantastisch und wild, der Pfad schmal und nur relativ wenig begangen. Bis zum Trekende treffe ich niemanden mehr.


    großer Pilz


    im weiteren Verlauf folgt der Pfad den Fluss, der etliche Male gefurtet werden muss.


    aus dem Nadelwald wird ein Nadel-Laub-Mischwald, mit Birken und anderen Baumarten.


    Blick zurück talaufwärts


    diese Route gefällt mir sehr gut


    ich passiere einige verwachsenen Lichtungen mit Viehtreiberhütten, die alle verlassen sind. Dieser Bereich des Tales wird nicht (mehr) beweidet.


    verlassene Hütte


    der Wald ist dicht und urwüchsig


    es geht noch kilometerweit durch dieses enge schluchtige Waldtal. Ich bin hier schon unter 2000 m Höhe und somit auf der tiefsten Stelle seit dem Trekkingstart.



    Zwar würde ich es heute noch bis zum Talausgang schaffen, wo ich auf eine Piste stoßen werde. Dann wäre es aber spät. Ich würde vom Trekkingendpunkt heute nicht mehr wegkommen und müsste dort campen. Campen neben einer Piste ist erstens unromantisch und zweitens besteht dort durchaus ein Risiko entdeckt zu werden.

    Daher schlage ich drei bis vier Kilometer vor dem Talausgang mein Zelt auf, wo ich eine super Campstelle finde.
    Die letzten paar Kilometer wander ich also morgen früh und habe dann immer noch den ganzen Tag Zeit zurück nach Yining zu kommen.


    Camp 20 (1715 m) im dichten Wald.
    Geändert von berniehh (28.10.2018 um 08:46 Uhr)

  6. Liebt das Forum
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    Danke für den Reisebericht und die tollen Bilder. Wenn ich mir die Bilder in groß ansehe, wird mir einmal wieder deutlich, wie klein wir Menschen doch sind und wie verloren in einer unendlich scheinenden Natur. In einem dicht besiedelten Land fällt das nicht so auf, weil so viele Möglichkeiten der Ablenkung vorhanden sind. Aber hier in dem felsigen Nichts erinnert man sich noch einmal daran, dass wir eigentlich nur kleine Punkte in einer unendlich scheinenden Weite sind, nicht größer als ein Weidetier und von Ferne mit bloßem Auge nicht erkennbar. Wie schnell man da verloren gehen kann.

    Ach ja: Das Pferd steht Dir gut.
    "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

  7. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    Zitat Zitat von mitreisender Beitrag anzeigen
    Edit: by the way. Tolle Landschaftsbilder. Stellenweise dachte ich an die Alpen. Schade, dass das Problem immer wieder Politik ist.
    das hatte ich auch manchmal gedacht. Eine gewisse Ähnlichkeit zu den Alpen kann man den Tian Shan nicht absprechen. Nur daß der Tian Shan im Gegensatz zu den Alpen sehr dünn besiedelt und von Straßen noch weitgehend verschont geblieben ist.
    Eigentlich eine Top Gegend und absolutes Paradies für jeden Trekker, aber wahrscheinlich ist die Politik auch der Grund dafür daß das Gebiet auch noch komplett von ausländischen Wanderern gemieden wird

    Zitat Zitat von Torres Beitrag anzeigen
    Ach ja: Das Pferd steht Dir gut.
    danke!
    Ich wollte da eigentlich gar nicht rauf weil ich noch nie in meinem Leben auf ein Pferd gesessen habe, aber die Hirten hatten mich dazu genötigt

  8. AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    Zitat Zitat von mitreisender Beitrag anzeigen
    Was die Lobeshymnen und China betrifft. Einerseits kann man von Wagemut sprechen. Aber dicht dran ist auch eine gewisse Naivität.
    So wie du das sagst bekommt es so einen negativen Touch, in ein Land zu fahren, welches erstens nicht ganz den hiesigen PC-Kriterien entspricht, und sich der Reisende zum zweiten nicht allumfassend über alle möglichen Aspekte der KP-Herrschaft dort im Vorfeld informiert hat. Ich weiß nicht, aber was spricht denn gegen "eine gewisse Naivität"?

    Zitat Zitat von mitreisender Beitrag anzeigen
    Der Sinn in ein derartiges Gebiet zu reisen und verwundert über vermeintliche Gängelungen zu sein, den verstehe ich nicht.
    Den Sinn seiner Reise hat er zu Beginn und während der Tour immer wieder geschildert:
    - "Tian Shan Gebirge war ein absoluter Traum"
    - "Die Strecke ist landschaftlich super."
    - "Die sehr weitläufige grüne Berglandschaft ist mega attraktiv. "
    - "Ein unangenehmer Wind weht hier oben mit sibirischer Kälte, aber die Landschaft entschädigt für das unangenehme Wetter."
    - "schicke Landschaft - weit und menschenleer."
    .....

    BerniHH hat es nicht nur versäumt, sich vor der Reise politisch-gesellschaftlich in allen Facetten mit China auseinanderzusetzen, er hat ja nicht mal alle Landkarten mitgenommen für seine am Ende tatsächlich gegangene Strecke. Er investiert offensichtlich nicht übermäßig viel Zeit in die Vorbereitung, weil ihm das nicht ganz so wichtig ist (und angesichts der Vielzahl seiner spektakulären Reisen auch kaum möglich).
    Und ganz unbestreitbar ist der Abenteuerfaktor bei einer solchen Reise ohne allumfassende Information im Vorfeld beträchtlich höher als mit.

  9. AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    Zitat Zitat von Spartaner Beitrag anzeigen
    Ich weiß nicht, aber was spricht denn gegen "eine gewisse Naivität"?
    Der gesunde Menschenverstand. Der Blick aufs Große Ganze. Der gebührende Anstand, wie man sich als Gast in der Fremde verhält. Außenpolitisches Taktgefühl.

    Zitat Zitat von Spartaner Beitrag anzeigen
    Den Sinn seiner Reise hat er zu Beginn und während der Tour immer wieder geschildert:
    - "Tian Shan Gebirge war ein absoluter Traum"
    - "Die Strecke ist landschaftlich super."
    - "Die sehr weitläufige grüne Berglandschaft ist mega attraktiv. "
    - "Ein unangenehmer Wind weht hier oben mit sibirischer Kälte, aber die Landschaft entschädigt für das unangenehme Wetter."
    - "schicke Landschaft - weit und menschenleer."
    .....
    Fremde Länder bestehen allerdings nicht ausschließlich aus Landschaften und das Leben ist kein Ponyhof.

    Zitat Zitat von Spartaner Beitrag anzeigen
    Er investiert offensichtlich nicht übermäßig viel Zeit in die Vorbereitung
    Bis ois blärrt
    Wandern in Ísland?
    ICE-SAR: Ekki týnast!

  10. Freak Moderator
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge


    Editiert vom Moderator
    OT-Folgediskussion zu Post#103 über die GEZ () gelöscht.
    Bitte beim Thema bleiben.

    Bei Nachfragen bitte eine PN an den Moderator senden. Dein Team der
    Meine Reisen (Karte)

  11. Anfänger im Forum

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    Bernie
    Ich lese Deine Reiseberichte immer mit großer Freude.
    Vielen Dank für's Teilhaben lassen!

  12. Dauerbesucher
    Avatar von Fabian485
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    Ich bin sehr gespannt wie es weitergeht!

  13. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    21.Tag:
    Ich folge den Pfad talabwärts. Nach dreieinhalb Kilometern mündet das Tal in ein größeres Haupttal ein. Auf einer Brücke wird der Fluss gequert, wo ich auf die Piste stoße.


    die letzten paar Kilometer bringe ich schnell hinter mir.


    und ratet mal was das allererste Gebäude war, das ich gesehen habe, als ich nach 21 Tagen am Trekende auf eine Fahrpiste stoße?? In einem einsamen Gebirgstal wohlgemerkt!
    Richtig, ein Polizei-Checkpoint!!, den man dahinten auf der anderen Flussseite sieht.



    nach Überquerung der Fußgängerbrücke stoße ich auf die Piste. Hier endet meine erste Trekkingetappe.

    Rückreise nach Yining
    Es sind 65 Kilometer bis in die nächste Stadt, Tekes.
    Ich wander problemlos am Checkpoint vorbei und folge der Piste talabwärts, in der Hoffnung auf eine Mitfahrgelegenheit.


    es geht durch ein beeindruckenes Gebirgstal, landschaftlich ist diese Strecke nicht schlecht. Nach 35 Kilometern fängt die Asphaltstraße an, dann geht´s aus den Bergen raus.
    Das trampen klappt super, zu Fuß muss ich zum Glück nur wenige Kilometer laufen.......



    ......ich bekomme die erste Mitfahrgelegenheit für ca. 10 Kilometer mit diesem Fahrer.
    Es folgt eine weitere kurze Mitfahrgelegenheit und dann der endgültige Lift mit einem chinesichen Ehepaar bis kurz vor Tekes. Die letzten paar Kilometer dann mit dem Sammeltaxi.



    Busbahnhof von Tekes - ich nehme den Bus nach Yining, ca. 100 km entfernt.

    Auf der Strecke zwischen Tekes und Yining liegen zwei Polizeicheckpoints, wo ich mal wieder das volle Programm von Schikanen über mich ergehen lassen muss. Auf dieser Fahrt war es ganz besonders schlimm:

    Ein Polizeibeamter kommt in den Bus rein, schaut wer alles drinsitzt und befiehlt daß alle aussteigen müssen.
    Die chinesischen Passagiere müssen nur kurz ihren Ausweis scannen lassen und dürfen dann wieder zurück in den Bus, das geht schnell.
    Ich, als einzigster Ausländer, muss an einem Extra-Schalter. Der Beamte verlangt nach meinem Pass, blättert ihn gefühlte zehnmal von vorne bis hinten komplett durch, bevor er in absolutem Zeitlupentempo damit anfängt die Daten aufzuschreiben. Davor sucht er noch einige Minuten nach dem richtigen Ordner, in dem er alles reinschreibt und zwischendurch macht er immer mal wieder was anderes!! Das dauert und dauert und dauert.....

    Dann will er wissen (per Smartphone Übersetzungsprogramm) ob ich einen Guide oder Einheimische Begleitung dabei habe. Das habe ich natürlich nicht! Das ist gesetzlich auch nicht vorgeschrieben, trotzdem erwartet das die Polizei, zwar nicht überall, aber an vielen Checkpoints.
    Wenn keine Begleitung vorhanden ist, wird dafür der Busfahrer herangezogen. Er muss an den Schalter kommen und seine ID-Daten werden zusammen mit meinen Passdaten abfotografiert. Der Busfahrer ist dann für mich verantwortlich, was angeblich für meine eigene Sicherheit sein soll
    Zur Krönung wurde ich danach noch im Polizeiauto hundert Meter weiter zum nächsten Gebäude gefahren, wo meine Passdaten nochmal registriert wurden!!
    Die ganze Prozedur hat gefühlte 20 Minuten (vielleicht auch 30) gedauert, bevor die Fahrt endlich weitergehen konnte......
    Alle anderen Passagiere mussten solange auf mich warten und der Busfahrer sah aus als ob er stinksauer ist.
    Ich habe so einen Hals auf die Polizei hier.....


    In Yining gehe ich wieder zurück ins gleiche Hostel und bleibe vier Tage. Bin viel Essen gegangen und war ansonsten recht faul und träge. Wohl aufgrund der unerträglichen Hitze hier in der Stadt und ich habe nur langsam meine Besorgungen erledigt. Kaufe Essen für die nächsten 20 Tage ein, aber ich glaube meine nächste Etappe wird deutlich kürzer als 20 Tage.

    Im Hostel lerne ich eine deutsche Studendin kennen, die seit 6 Monaten in Shanghai studiert. Sie ist gestern aus Tekes zurückgekommen und erzählt mir daß sie an den Checkpoints genau das gleiche erlebt hat wie ich.

    Ausserdem lerne ich Mark aus den USA kennen. Er fliegt morgen nach Kashgar und will dann weiter über die Grenze nach Kirgistan. Abends fahren wir zusammen zum Sonnenuntergang zum Ili Fluss.


    der mächtige Ili Fluss fließt durch Yining. Aufgrund der niedrigen Höhe von nur 600 Metern ist es hier im Sommer tagsüber extrem heiss.


    das Flussufer ist ein beliebter Tummelplatz für Einheimische




    mit Mark zum Sonnenuntergang am Fluss








    der aufgegangene Mond


    abends mit Mark im Hostel am Biertrinken

    Einen Tag bevor ich wieder zurück in die Berge fahre lerne ich im Hostel noch einen Portugiesen kennen, der sich lautstark über den chinesischen Staat aufregt:
    Er hatte eine zweitägige gebuchte Gruppenreise von Yining aus unternommen. Der Hauptbestandteil der Tour sollte eine Campingübernachtung in einem Nationalpark sein, in der Nähe von Tekes.
    Bei der Ankunft im Nationalpark wurde ihm gesagt daß er nicht im Park campen darf und stattdessen für die Nacht in einem teuren Hotel in Tekes einchecken muss. Ein teures Hotel deshalb, weil es angeblich das einzigste Hotel sein soll daß Ausländer aufnehmen darf.
    Da es vom Parkeingang keinen öffentlichen Transport gab, musste er ein Taxi dorthin nehmen. Die Kosten für das Taxi und der Hotelübernachtung musste er selber tragen, zusätzlich zu den Kosten der gebuchten Tour. Somit hatte er viel Geld für die zweitägige Tour ausgegeben und fast nichts vom Nationalpark gesehen.
    Bei der Buchung der Tour wurde ihm nicht gesagt daß er dort nicht campen darf. Alle anderen aus der Reisegruppe, alles chinesische Touristen, durften dagegen für die Nacht bleiben und im Park campen.


    eine Dose chinesisches Vollmilchpulver, ein wichtiger Bestandteil meines Trekkingproviants.

    Selbst hier in der Stadt wurde ich mindestens einmal am Tag von der Polizei kontrolliert. Meistens auf der Straße nur kurz den Pass vorzeigen, aber ein oder zweimal musste ich mit aufs Revier und eine kurze Befragung über mich ergehen lassen. Einmal wurde sogar mein Smartphone durchstöbert!! Natürlich haben sie dabei auch mein VPN gefunden und paar böse Kommentare darüber gemacht, daß VPN hier verboten sei. Ihrem Gesichtsausdruck zu urteilen dachte ich sie löschen es gleich, haben sie aber zum Glück nicht.
    Bei Ausländern wird es wohl nicht so genau genommen. Ein Uigure würde dagegen sofort im Umerziehungslager landen.

    Die Zeit, die ich zwischen zwei Trekkingabschnitten in der Zivilisation verbringe, soll für mich eigentlich immer Erholung sein.
    In Xinjiang war diese Zeit dagegen oftmals Stress pur ....und ich konnte es kaum erwarten wieder zurück in den Bergen zu sein.
    Als Ausländer fühlt man sich in Xinjiang die ganze Zeit nur schikaniert und diskriminiert!! Natürlich nur von den Behörden, nicht von der Bevölkerung.


    Zurück in die Berge 28.Juli 2018
    Ich nehme den 15 Uhr Bus zurück nach Tekes. Über 3 Stunden Fahrt für 27 Yuan (=3,6 Euro).
    Durch die Checkpoints ging es diesmal recht zügig.
    Ich will für die Nacht in Tekes bleiben und morgen weiterreisen. Als ich mit meinem Rucksack den Busbahnhof verlasse, bietet mir ein Einheimischer seine Hilfe an. Ich zeige ihm meinen Zettel, wo auf chinesisch draufstand "ich suche eine günstige Unterkunft, bis 70 Yuan, ein Bett im Schlafsaal wäre kein Problem." Den Zettel hatte mir in Yining der Hostel-Rezeptionist geschrieben.
    Nach kurzer Zeit findet er eine Unterkunft für mich für 80 Yuan (=knapp über 10 Euro) in einem Dreibettzimmer eines Busbahnhofhotels. Später erfahre ich daß dieses Zimmer normalerweise nur komplett vermietet wird für 240 Yuan die Nacht und nicht nur einzelne Betten darin. Immerhin hat der Hotelbetreiber in er Nacht noch einen weiteren Gast ins Zimmer reinbekommen.


    Tekes ist eine moderne Kleinstadt mit schönen Landschaften im nahen Umkreis. Die Stadt selber ist zwar gut für die Durchreise, aber nicht so sehenswert.


    Tekes liegt in einem weiten Farmlandtal auf knapp 1200 m Höhe


    als Ausländer fällt man hier überall auf und ständig wollen Einheimische Selfies mit mir machen.

    Von Tekes sind es 65 Kilometer zurück zum Endpunkt meines ersten Trekkingabschnittes, wo eigentlich auch meine zweite Etappe starten soll. Wie ich vor fünf Tagen gesehen habe, liegt auf der Strecke nur ein Checkpoint, und der auch nur halben Kilometer vor meinem geplanten Trekkingstartpunkt.
    Vor fünf Tagen bin ich da zwar gut durchgekommen, aber nur weil ich rausgewandert bin. Beim Wiederreinwandern werden sie mich da niemals durchlassen, soviel ist klar!!
    Das hat mir auch ein Chinese in Yining bestätigt, der vor einem Jahr auch zum Trekking in dieses Tal wollte. Selbst ihm wurde der Zutritt verwehrt und als Ausländer hat man da überhaupt keine Chance.

    Ich könnte zwar versuchen den Checkpoint zu umwandern, was allerdings nur nachts geht. Tagsüber ist das Risiko entdeckt zu werden zu groß.
    Um mir den ganzen Stress zu ersparen fällt mir eine andere Möglichkeit ein: Ich starte einfach 10 Kilometer vorher und wander ein Nebental früher rein...... So werde ich letztendlich auch auf meine Route kommen.
    Mein Startpunkt liegt nun also nur noch 55 Kilometer von Tekes.


    Der Tekes Fluss fließt an der Stadt Tekes vorbei.

    Am nächsten Vormittag will ich zurück zum Busbahnhof um mir ein Transportmittel für die ersten 20 Kilometer zu suchen, bis zum letzten Dorf, hinter dem das Farmland endet und das leere Grasland beginnt.
    Aber der Hotelrezeptionist bietet mir an,.....nein er besteht quasi darauf daß er mich mit seinem Auto dorthinfahren will.
    Nach dem Mittag fahren wir los. Allerdings erinnere ich mich nicht mehr welche Straße genau zu "meinem" Tal führt Ich zeige ihm meinen Trekkingstartpunkt auf der Karte, aber meine ausgedruckten Kartenblätter versteht er nicht. Auf denen sind auch weder Ortsbezeichnungen noch Straßen mit eingezeichnet. Meinen Trekkingstartpunkt hatte ich zwar im GPS einprogrammiert, das zeigt allerdings nur die Luftlinienentfernung und Richtung an, nicht wie die Straßen verlaufen.
    Mein Fahrer hatte auf seinem Smartphone natürlich auch keine vernünftigen Straßenkarten.
    Nachdem wir uns mehrmals verfahren hatten und wieder umkehren mussten, finden wir schließlich doch noch die "richtige" Straße. Mein Fahrer fährt wieder zurück nach Tekes und ich versuche für die restlichen 35 Kilometer mein Glück per Anhalter.


    das Trampen klappt super. Mein Fahrer stoppt sogar für mich an dieser touristischen Aussichtsstelle.


    von der leeren Graslandschaft führt die Straße hier runter in mein Tal und dieses dann aufwärts.....


    auf dem Talboden endet der Asphalt und weiter geht´s auf einer Piste....


    für paar Kilometer geht´s hier nochmal durch Farmland


    diese netten chinesischen Touristen haben mich mitgenommen. Sie bieten mir sogar an hier an ihrem Ziel mit zu übernachten. Das lehne ich allerdings ab, weil ich heute noch meinen Startpunkt erreichen will.


    für einige Kilometer muss ich nun laufen bis das nächste Auto vorbeikommt. Diese Männer treffe ich zufällig am Wegrand.


    irgendwann kommt doch noch ein Auto vorbei, das mich die restlichen paar Kilometer mitnimmt. Hier an meinem Startpunkt steht ein bewohntes Haus.


    es ist schon 19 Uhr. Ich fackel nicht lange und wander gleich von der Piste runter in ein Nebental rein.


    Zweiter Trekkingabschnitt

    Länge: 163,5 Kilometer
    Dauer: 14 Tage


    1.Tag: (22) in Klammern der 22.Tag seit meinem Trekkingstart
    Da es schon spät ist schaffe ich heute natürlich nicht mehr viel. Es geht mir auch nur noch darum ein bis zwei Stunden zu wandern und eine vernünftige Wildcampstelle zu finden.


    ich verlasse die Piste und wander auf einem schmalen Pfad in dieses enge grüne Gebirgstal rein (1450 m).
    Das Tal ist recht wild und schön, der Gletscherfluss unfurtbar.



    nach zwei Kilometern komme ich über eine kurzgefressene Graslichtung mit einer bewohnten Hirtenhütte.


    einen Kilometer hinter der Hütte muss der Fluss auf diesem Baumstamm gequert werden.
    Da ich mich mit vollem Rucksack nicht rübertraue will ich hier campen um mein Gepäck morgen früh in zwei oder drei Gängen rüberzutragen. Allerdings kommt mir dieser Hirte zuvor und trägt meinen Rucksack heute abend noch rüber, was mir eine große Hilfe war....



    ....somit kann ich heute noch einen Kilometer wandern.
    Dann geht´s in den dichten Wald und das Tal wird spektakulärer und enger.



    ich finde eine traumhafte Campstelle.
    Camp 1 (1650 m)
    Geändert von berniehh (31.10.2018 um 21:22 Uhr)

  14. Erfahren

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    Also zunächst: natürlich ist das wieder eine beeindruckende, respekteinflößende Reiseunternehmung und ein toller Bericht.

    Wie andere auch komme ich dennoch nicht umhin, zu überlegen: „was hast Du denn gedacht?“. Ich kritisiere nicht das Vorhaben und die Abenteuerbereitschaft. Aber Du hast ja doch bereits beim Visum „Umgehungstaktiken“ genutzt, also bewusst und in verschiedener Weise die bekannten Regeln dort umschifft. Was ich verstehe, denn die Regeln dort SIND schlimm. Es ist dann aber klar, dass die Reise sehr schwierig und stellenweise unangenehm wird. Und zwar nicht nur für Dich. Du bemerkst ganz richtig, dass es für Einheimische teils drastische Folgen haben kann - da kann ich zum Beispiel absolut verstehen, dass der Busfahrer „sauer aussieht“. Da sind am Anfang des Threads auch identifizierbare Bilder eines Motorrades und seines Besitzers, der laut Text verpflichtet gewesen wäre, Dich als unabhängigen Wanderer zu melden und der es, jetzt öffentlich dokumentiert, nicht getan hat.

    Vermutlich ist eine gewisse Sturköpfigkeit zwingend nötig um die Dinge so durchzuziehen wie Du es tust, und meinen Respekt hast Du. Die Mischung aus selbst durchaus klar empfundener Schikane und einer gewissen Unbedarftheit gegenüber ungefragten (und ggf. viel existenzieller gefährdeten) Dritten ist aber nicht wirklich konsequent. Letztlich bist Du ein unfaires System halt konfrontativ angegangen, das sollte man dann aber nur für sich tun.

    Keine Kritik an der Reise oder dem tollen Bericht, nur Gedanken zu Deiner Bewertung des Geschehens.

  15. Dauerbesucher

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    Verlassen die Hirten in den Tälern nie ihre Oertlichkeit? Sie muessten ja dann auch ggf am Checkpoint vorbei.

  16. AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    Vielen Dank für diesen außergewöhnlichen Reisebericht!



    Ich freue mich schon sehr auf die Fortführung.
    Geändert von smeagolvomloh (03.11.2018 um 13:21 Uhr)
    "Das Leben leicht tragen und tief genießen ist ja doch die Summe aller Weisheit."
    Wilhelm von Humboldt, 1767-1835

  17. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    Zitat Zitat von Boreas Beitrag anzeigen
    Letztlich bist Du ein unfaires System halt konfrontativ angegangen, das sollte man dann aber nur für sich tun.
    das mache ich ja auch. Die Einheimischen können viel besser einschätzen wie ich in welchen Situationen sie Ärger bekommen könnten und in welchen nicht.
    Ich habe es im Übrigen auch so erlebt daß mir durchaus auch Grenzen gesetzt wurden. Wenn der betreffende Einheimische glaubte was verbotenes zu tun, teilte er mir mit, "bis hierher ja, aber nicht weiter, sonst könnte ich Ärger bekommen".

    Zitat Zitat von bluesaturn Beitrag anzeigen
    Verlassen die Hirten in den Tälern nie ihre Oertlichkeit? Sie muessten ja dann auch ggf am Checkpoint vorbei.
    die Einheimischen werden an den Checkpoints durchgelassen, sie wohnen ja schließlich auch dort.
    Geändert von berniehh (03.11.2018 um 14:03 Uhr)

  18. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    2.Tag (23):


    Am Morgen kommt der Hirte von gestern mit seiner Kuhherde an meinem Camp vorbei


    Blick von meinem Camp - phantastische Wildnis

    Ich folge weiter den schmalen Pfad dieses enge felsige Waldtal aufwärts. Der Pfad wird schnell undeutlicher, sieht wenig begangen aus und verliert sich im dichten Wald immer wieder.
    Die Landschaft ist genau nach meinem Geschmack.







    Nach nur anderthalb Kilometern löst sich der Pfad im gestrüppigen Unterholz komplett auf. Hundert Meter weiter kommt die Felswand bis ans Ufer ran. Hier geht´s nicht mehr weiter.
    Ich kundschafte erstmal für eine Weile aus und versuche den Fluss zu furten,.....aber ohne Erfolg

    Ich sehe nur folgende zwei Möglichkeiten: entweder den Fluss furten oder ganz weit hochsteigen. Der Hang ist hier unten aber ziemlich steil und das Unterholz dicht
    Ein Furten scheint mir zu riskant und auf das steile Hanggeplackere habe ich ebenfalls keine Lust, aber zum Glück liegt hier ein Baumstamm über den Fluss.


    Flussquerung auf diesen Baumstamm - Insgesamt quere ich viermal. Das erste Mal ohne Gepäck zum testen, danach packe ich meinen Rucksack aus und trage mein Gepäck in drei Gängen rüber, womit ich erstmal ne ganze Weile beschäftigt bin......

    Auf der anderen Seite löst sich der Pfad nach nur kurzer Zeit ebenfalls auf und auch hier kommt eine Felswand bis ans Ufer ran.
    Durch dieses schluchtige Waldtal geht´s also nicht mehr weiter


    Sackgasse!!
    Weil es keinen Weg gibt und der Fluss ständig gefurtet werden müsste, geht es in diesem Tal nicht mehr weiter


    Nun will ich versuchen Richtung Westen eine Route über den Kamm ins Paralleltal zu finden. Auf einer kleinen Waldsenke am Fluss mache ich erstmal Mittagspause und entscheide mich dann hier zu campen um den Aufstieg morgen in Angriff zu nehmen.
    Somit habe ich heute nichtmal zwei Kilometer geschafft und mache mir einen entspannten Nachmittag in diesem einsamen wilden Tal.


    ich finde eine schöne Campstelle


    Camp 2 (1740 m)


    Blick vom Camp


    später am Nachmittag schwillt der Fluss noch weiter an.

    3.Tag (24):
    Es wird ein harter Tag, 1240 Höhenmeter steil bergauf, teils weglos und teils auf verwachsene Schaf- und Wildpfade, kein Wasser. Ich habe auch keine Kartenausdrucke von dieser Route und weiss nicht was mich dort oben und auf der anderen Kammseite erwarten wird.


    Blick zurück zu meiner Campstelle, die dort unten im Wald lag


    weiter oben wird die Aussicht spektakulärer










    ein ganzes Stückchen weiter oben komme ich in ein intensiv beweidetes Gebiet mit kurzgefressenes Grasland, bewohnte Hütten und ausgetretene Pfade. Eine Stunde vor der Kammhöhe finde ich die erste kleine Wasserquelle.






    am Spätnachmittag erreiche ich die Kammhöhe.
    Pass Nr. 14 (2977 m).



    auf der anderen Seite blickt man über ein stark beweidetes Land und im Norden liegt die Ebene.


    oben stoße ich auf einen ausgetretenen Hauptpfad, der den Kamm Richtung Süden weiter aufwärts führt.

    Das nächste größere Haupttal, in das ich eigentlich runtersteigen will, scheint noch ein ganzes Stückchen entfernt zu liegen. Um dort hinzukommen muss man zunächst noch weiter durch ein sanft bergiges Land, wobei mehrere kleinere Talzweige gequert werden müssen, also viel rauf und runter.

    Ich könnte zwar jetzt auf dem Hauptpfad den Kammverlauf weiter aufwärts folgen und mich überraschen lassen wo ich dann enden werde. Das wäre sicherlich keine uninteressante Route.
    Allerdings wird es Zeit mein Camp aufzuschlagen und hier oben gibt es kein Wasser. Also bleibt mir nichts anderes übrig als erstmal runterzusteigen. Im nächsten Talzweig ist der Bachlauf ausgetrocknet, also gehe ich im leichten auf und ab noch einen Talzweig weiter, bis ich auf einen kleinen Fluss stoße.




    auf einer Anhöhe oberhalb dieses kleinen Flusses finde ich eine super Campstelle.


    Camp 3 (2657 m)

    4.Tag (25):


    Es geht hoch auf den nächsten Bergrücken, Pass Nr.15 (2813 m).
    Blick zurück von oben.





    der Pfad führt dann zunächst weiter am Hang entlang über den nächsten kleinen Rücken, dann runter und wieder hoch auf einen weiteren Rücken.


    weiter Blick über das Land - Für ein bis zwei Kilometer folge ich diesen Rücken auf gutem Viehtreiberpfad, dann nach links weglos steil runter in ein kleines Flusstal.

    Dieses Tal folge ich abwärts durch eine ziemlich abenteuerliche verbuschte Schlucht, teils weglos und teils auf vage erkennbarer Route. Es geht nur langsam vorwärts und manchmal muss ich die Hände zu Hilfe nehmen.

    Bald mündet die Schlucht in ein Haupttal ein, wo ich zu meiner unangenehmen Überraschung auf eine Fahrpiste stoße
    Da dies nicht meine ursprünglich geplante Route ist, hatte ich dieses Tal vor der Reise auch nicht auf Google Earth abgecheckt.


    Talboden auf 2075 m.
    Wenn ich von der Existenz dieser Piste gewüsst hätte, wäre ich hier nicht runtergestiegen und hätte eine Hochroute gewählt



    wenn ich aber schonmal hier unten bin, halte ich es zunächst für besser die Piste talaufwärts zu folgen.
    Weil ich keine Karten von diesem Tal habe und nicht weiss wann die Piste endlich endet, verlasse ich sie nach dreieinhalb Kilometern wieder und steige rechts hoch.



    weglos und auf ausgesetzte Viehpfade steige ich diesen kleinen Talzweig hoch.


    ich will den Kamm überqueren und Richtung Westen runter ins nächste Haupttal - eine Spontanentscheidung.




    oben komme ich durch ausgedehntes Weideland mit einige bewohnte Hütten. Auf der Kammhöhe (2712 m) stoße ich auf einen vielbegangenen Hauptpfad.


    Camp 4 (2667 m) mit winzigem Rinnsal kurz unterhalb der Kammhöhe.

    Noch ahne ich nicht was mir am nächsten Tag bevorstehen wird.
    Sowas habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht erlebt!!
    Geändert von berniehh (03.11.2018 um 18:18 Uhr)

  19. Gerne im Forum

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    Aaaahhh...
    ... was für ein Cliffhanger!

    Danke für den tollen Bericht über diese tolle (und leider fast unmöglich) zu erreichende Gegend.

  20. Fuchs

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    Spannung pur und liebliche Landschaft

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