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  1. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #1
    Mitreisende: berniehh
    Reisezeitraum: vom 26.Juni bis 21.September 2018


    Einleitung

    Meine Trekkingroute durchs Tian Shan Gebirge war ein absoluter Traum!
    Aber vieles andere in Xinjiang, Chinas größten Provinz, u.a. das Reisen allgemein, ist dagegen ein Alptraum!!!

    Noch in keinem anderen Land habe ich mich als Ausländer so unwohl gefühlt, jedenfalls solange ich mich noch in der Zivilisation befand.
    Was ich dort erlebt habe klingt alles so absurd und unglaubwürdig, wenn ich nicht selber dort gewesen wäre, sondern es in einem Reisebericht von jemand anderen gelesen hätte, würde ich es nicht glauben!
    Aber das ist halt China!!

    Erst wenn man es irgendwie geschafft hat zum Trekkingstartpunkt zu gelangen, ohne von der Polizei aufgehalten zu werden, von der Straße runter in die unwegsame Gebirgswildnis reinwandert, hat man seine Ruhe. Meistens jedenfalls.
    Dann wandert man durch die faszinierende Landschaft eines der großartigsten Gebirge der Erde und absolutes Trekkingneuland.
    Weder hier bei ODS, noch sonstwo im Internet habe ich Trekkingberichte aus dem chinesischen Tian Shan gefunden.
    Auf meinen gesamten 700 Kilometern habe ich keine anderen Trekker gesehen.

    Im Laufe des Berichts werde ich immer wieder mal paar allgemeine Infos mit einbauen, für diejenigen, die da selber gerne mal hin möchten und ähnliches vorhaben.
    Wenn die Leute meinen Bericht gelesen haben, wird da vermutlich aber keiner mehr hin wollen.

    Wobei die Sprachbarriere, wenn man mal davon ausgeht daß ein Erstbesucher kein Wort Chinesisch spricht, keine chinesische Schrift lesen kann, bei fast völligem Fehlen englischer Beschriftung, geschweige denn Leute, die englisch sprechen können, ………… man also quasi gezwungen ist als taubstummer Analphabet durch die Gegend zu reisen, noch das allerkleinste der Probleme ist, die einem in Xinjiang erwarten!


    Inhaltsverzeichnis


    das Tian Shan Gebirge & Xinjiang


    Problemland China

    90 Tage China Visum

    die Anreise

    Urumqi

    Anreise zum Trekkingstartpunkt

    Erster Trekkingabschnitt

    1. bis 4.Tag

    5. & 6.Tag

    7. bis 9.Tag

    10. & 11.Tag

    12.Tag

    13. & 14.Tag

    15. & 16.Tag

    17. & 18.Tag

    19. & 20.Tag

    Zweiter Trekkingabschnitt

    Provianteinkaufsabstecher nach Yining und 1.Tag

    2. bis 4.Tag

    5. und 6.Tag - unfreiwilliger Zivilisationsabstecher

    7.Tag

    8.Tag


    9.Tag

    10. und 11.Tag

    12.Tag

    13.Tag

    14.Tag & zurück nach Yining

    Dritter Trekkingabschnitt

    Anreise mit Hindernissen sowie 1. und 2. Trekkingtag


    3. und 4.Tag

    5.Tag

    6.Tag

    7. und 8.Tag


    9.Tag

    10. und 11.Tag

    12.Tag

    13.Tag

    14. und 15.Tag

    Abschlusstrek zum Bogda Feng

    Urumqi

    1. und 2.Tag


    3. und 4.Tag

    5.Tag:

    6. und 7.Tag

    8. und 9.Tag

    Urumqi
    Geändert von berniehh (12.01.2019 um 17:42 Uhr)

  2. Fuchs
    Avatar von Meer Berge
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #2
    Moin Bernie!
    Ich bin seeeeeehr gespannt!!
    Ich war selbst bisher nur auf der kirgisischen Seite und konnte die Grenze zu China sehen ...
    Ein Freund von mir hat auch Pläne für die chinesische Seite.

    Grüße,
    Sylvia
    Kalender *Papageitaucher 2019*
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #3
    Eine spannende Einleitung...der Rest dürfte " wie gewohnt" aufregend ausfallen. Ich bin gespannt...
    ministry of silly hikes

  4. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #4
    Zitat Zitat von Meer Berge Beitrag anzeigen
    Ein Freund von mir hat auch Pläne für die chinesische Seite.
    Dann wünsche ich ihn viel Spass
    Er wird sich dann noch wundern, was er dort erleben wird

  5. Fuchs

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #5
    Was ein Appetizer. Verdammt.
    bear shit - sounds like bells & smells like pepper

  6. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #6
    Ah, du bist zurück und ( hoffentlich ) nicht in einem chin. Gefängnis gelandet.
    Ich bin sehr gespannt, wie es dir dort ergangen ist.
    Klingt schon mal recht dramatisch. Finde ich aber wenig erstaunlich und ist von mir so erwartet worden.
    Nun denn......
    Ausgetretene Pfade sind die sichersten, aber es herrscht viel Verkehr. Ergo: Wer neue Wege gehen will, muss alte Pfade verlassen.

  7. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #7
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Ah, du bist zurück und ( hoffentlich ) nicht in einem chin. Gefängnis gelandet.
    nein, hahaha
    dafür aber dreimal verhaftet worden .....und auf etlichen Polizeistationen aktenkundig
    Hoffentlich stehe ich noch nicht auf der schwarzen Liste von Personen, die künftig kein China-Visum mehr bekommen.

  8. Erfahren

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #8
    .. bei dieser Einleitung bin ich auch ziemlich gespannt...
    Geändert von Galadriel (23.09.2018 um 14:55 Uhr)
    Wandern & Flanieren
    Neues entdecken durch Langsamkeit

  9. Gerne im Forum

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #9
    Dann gib mal Gas. Bin ganz Ohr!
    Bockwürste? Wokbürste!

  10. Alter Hase

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #10
    Man darf eben nicht mit europäischer Haltung durch China reisen. Klar tickt das Land anders. Den Chinesen geht es mit Europa nicht anders.

  11. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #11
    Bevor es losgeht gebe ich Euch hier erstmal einen kurzen geographischen Einblick dieser Reiseregion:

    das Tian Shan Gebirge & mein Trekkinggebiet

    Der Tian Shan (zu deutsch: Himmelsgebirge) ist ein 2450 km langes Hochgebirge in Zentralasien. Der westliche Teil erstreckt sich über die Staaten Kirgistan, Kasachstan, Tadschikistan und Usbekistan und der östliche Teil liegt in der chinesischen Provinz Xinjiang.
    Mehrere Siebentausender liegen im Tian Shan, alle im Grenzgebiet Kirgistan, Kasachstan und China, der höchste 7439 m hoch.
    Der Tian Shan gehört daher mit zu den höchsten Gebirgen der Erde, nach dem Himalaya, Karakorum, Hindukusch und Pamir.


    Auf der Suche nach der perfekten Trekkinggegend habe ich mir das Gebirge auf Google Earth angeschaut.
    Der kirgisische Teil sah mir zu erschlossen aus. Egal wo ich reingezoomt habe, in fast jedem Tal sieht man irgendeine Art von Fahrweg, Piste oder sei es nur eine Geländewagenfahrspur.

    Der chinesische Teil machte dagegen einen deutlich besseren und unerschlosseneren Eindruck. Dort gibt es zwar auch viele Pisten, aber man kann auch noch wirklich lange, mehrwöchige Routen gehen, ohne eine einzige Fahrspur zu kreuzen, nur durch Gebiete, die von Autos/Geländewagen wirklich unerreichbar sind.
    Das hat mich natürlich gereizt und mein Entschluss stand schnell fest daß es durch den chinesischen Teil des Tian Shan gehen soll.

    Mein Trekkingstartpunkt soll an der Straße G217 zwischen Bayanbulak und Kuqa liegen. Von dort will ich bis an die kasachische Grenze wandern, über 600 Kilometer komplett ohne Fahrwegquerung. Da ich die Strecke in drei Etappen (von jeweils ca. 20 Tagen) gehen will, muss ich zweimal einen großen Schlenker wieder aus dem Gebirge raus machen, für Provianteinkaufsabstecher.
    Soweit der Plan….


    Xinjiang ist die chinesische Provinz (bzw. autonome Region), in der der östliche Teil des Tian Shan liegt, also wo man i.d.Regel hinfliegt, will man diesen Teil des Gebirges besuchen.
    Es ist die flächenmäßig größte Provinz Chinas, mehr als doppelt so groß wie Schweden und Norwegen zusammen und somit größer wie so mancher Staat.

    Mehr als die Hälfte der Provinzfläche wird vom Tarim Becken eingenommen, eine große abflusslose Ebene, die von der Taklamakan Wüste bedeckt wird.
    Im Norden der Provinz gibt es noch einige weitere größere Ebenen, wie das Dsungarische Becken oder die Turpan-Senke.

    Diese Ebenen werden von hohen Gebirgsketten beflankt, die meisten über 6000 und 7000 m hoch, das höchste sogar bis weit über 8000 m: da wären das Kunlun-Gebirge, Altun sowie Karakoum-Gebirge im Süden mit dem zweithöchsten Berg der Erde, das Pamirgebirge im Westen, in der Mitte (bzw. Norden) der Tian Shan und ganz im Norden ein Stück vom Altai.

    Von allen Gebirgen nimmt der Tian Shan die größte Fläche ein, zieht sich von West nach Ost und teilt Xinjiang quasi in einem Nord- und Südteil.

    Der Süden ist sehr trocken und besteht überwiegend aus Wüste. Der Norden ist teilweise auch trocken, hat aber im Gegensatz weite Flächen, die sehr grün sind: mongolische Graslandschaften, Birken- und alpine Nadelwälder.
    Mein Trekkinggebiet im Tian Shan gehört mit zu den grünen Gebieten.

    Aufgrund der hohen Einwohnerzahl Chinas, von fast 1,4 Milliarden Menschen, könnte man denken daß Xinjiang ziemlich dicht besiedelt sein muss. Das stimmt aber nicht, denn 94 Prozent der Gesamtbevölkerung Chinas lebt im Osten.

    Die Bevölkerungsdichte von Xinjiang gleicht der von Norwegen.

    Der Großteil der Bevölkerung konzentriert sich von der Hauptstadt Urumqi in einen breiten Streifen entlang der Hauptrouten Urumqi-Kashgar und Urumqi-Yiling sowie noch paar weiteren Gegenden.
    Abseits davon findet man noch wirklich großflächig menschenleere Gebiete.

    Landschaftlich zählt Xinjiang mit zu den spektakulärsten Zielen Chinas!!

    Abseits von Landschaften hat Xinjiang auch noch viel Kultur und geschichtsträchtiges zu bieten, entlang der historischen Seidenstraße,…...aber das wird nicht das Thema dieses Reiseberichts.
    Geändert von berniehh (23.09.2018 um 19:40 Uhr)

  12. Fuchs

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #12
    deluxe
    bear shit - sounds like bells & smells like pepper

  13. Erfahren
    Avatar von aachenbenne
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #13
    Das hört sich nach einem spannenden Start an! Gerne schnell weiter schreiben
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  14. AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #14
    Das fängt ja sehr gut an
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  15. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #15
    Problemland China!

    Eigentlich soll China ja ein ganz entspanntes Reiseland sein. Jedenfalls solange man nichts ungewöhnliches vorhat, ausserhalb des Normaltourismus,……...und man nicht in eines der beiden Problemprovinzen fährt.
    Xinjiang ist eine davon!

    Aber was genau ist denn so problematisch an Xinjiang?

    Im Prinzip kann man sagen daß die chinesischen Behörden nicht gerne sehen wenn Ausländer nach Xinjiang kommen. Denen ist anscheinend bewusst daß sie den Uiguren und anderen Minderheiten massives Unrecht antun und sie befürchten daß Ausländer zuviel davon mitbekommen und das dann in die Welt hinausposaunen.

    Neben brutaler Unterdrückung und massiver Menschenrechtsverletzungen werden in Xinjiang die Menschen in Massen ohne triftigen Grund und ohne Gerichtsurteil für bis zu drei Jahren in sogenannte Umerziehungslager gesperrt. Die Chinesen nennen es „Lern-Camps“, aber in Wirklichkeit wird dort massive Gehirnwäsche betrieben mit dem Ziel die Kultur, Religion und sonstige Gedanken aus den Köpfen der Insassen hinauszubekommen um sie parteitreu und zu richtigen Han-Chinesen zu machen.
    In Nacht und Nebel Aktionen werden die Menschen aus ihren Dörfern und Familien rausgeholt. Ihre Angehörigen wisssen dann weder wohin sie gebracht werden, noch wann sie wiederkommen und haben während der Gefangenschaft auch keinen Kontakt zu ihnen!
    Der Kontakt zu Westlern, Whatsapp auf dem Telefon, oder der bloße Verdacht nicht parteitreu zu sein kann schon als Grund ausreichen um in diese Lager zu kommen.
    Niemand weiss genau wieviele Menschen insgesamt festgehalten werden. Schätzungen gehen von Hunderttausende bis zu einer Million aus.

    Seit den letzten Unruhen von 2014 ist es zwar politisch ruhig in Xinjiang, aber auch nur weil das enorme Polizei- und Militäraufgebot sowie der absolute Kontroll- und Überwachungswahn inzwischen Ausmaße angenommen hat, die man sich nicht mehr vorstellen kann.

    Das alles kostet natürlich Unsummen. Nur um die angebliche politische Stabilität in Xinjiang aufrechtzuerhalten, zahlt die chinesische Regierung den mehrfachen Betrag, den der gesamte Militärhaushalt Rest Chinas verschlingt.


    Die Restriktionen für ausländische Touristen wurden ebenfalls drastisch verschärft.
    Vieles was vorher noch möglich war, geht jetzt nicht mehr.

    Für Normaltouristen und Rucksackreisende, die nur die Standardrouten abgrasen und nur die im Lonely Planet beschriebenen Hauptsehenswürdigkeiten besichtigen, hat das keine allzu großen Auswirkungen. Für Leute, die in abgelegenere Gebiete wollen oder gar eine Trekkingtour planen, dagegen schon.

    Es fängt schon damit an daß Ausländer in Xinjiang keine freie Unterkunfswahl haben, sondern nur in für Ausländer zugelassenen Hotels/Hostels übernachten müssen.
    Das gilt zwar prinzipiell für ganz China, aber überall sonst (mit Ausnahme vielleicht Tibet) scheint dieses alte Gesetz aus der Mode gekommen zu sein. Wenn sich nicht daran gehalten wird, kümmert´s niemanden. So haben es mir jedenfalls Reisende erzählt, die aus anderen Provinzen gekommen sind.

    Nicht so in Xinjiang. Dort wird dieses Gesetz noch konsequent von der Polizei durchgesetzt.
    Betriebe, die Ausländer aufnehmen, obwohl sie nicht die Lizenz dafür besitzen, zahlen eine hohe Strafe wenn sie erwischt werden. Aus diesem Grund wird man als Ausländer in den allermeisten Fällen auch tatsächlich abgewiesen.

    Das Problem dabei ist, daß für Ausländer zugelassene Unterkünfte i.d.Regel nur entlang der Hauptouristenrouten existieren, paar wenige auch etwa abseits davon.

    Im großen Rest der Provinz, wo praktisch fast alle landschaftlich spektakulären und dünn besiedelten Gebiete liegen sowie fast alle potenzielle Trekkingstartpunkte, gibt es keine für Ausländer zugelassenen Unterkünfte.
    Unter normalen Voraussetzungen hat man als Ausländer auch keine Chance in diese Gebiete überhaupt reinzukommen.

    Pro 100 Kilometer Fahrt entlang der Straßen von Xinjiang (prinzipiell egal wo) kommen im Schnitt mindestens zwei Checkpoints, wo alle Durchreisende kontrolliert werden (in sensitiven Regionen auch deutlich über zwei Checkpoints pro 100 Kilometer!!).

    Für Chinesen geht die Kontrolle schnell, nur ID vorzeigen oder scannen lassen und fertig! Auf den absoluten Standardrouten geht’s i.d.Regel auch für Ausländer schnell.
    Aber etwas etwas abseits davon (aber noch innerhalb der Bereiche wo es für Ausländer zugelassene Hotels gibt), werden Ausländer genauer unter die Lupe genommen. Mit Glück dauert die Kontrolle da nur etwas länger, mit Pech muss man massive zeitraubende Schikanen über sich ergehen lassen.

    Verlässt man auch diese Bereiche, wird man an den Checkpoints gar nicht mehr durchgelassen!! Selbst mit schon bezahltem Busticket darf man nicht mehr weiterreisen!
    „Das Gebiet ist für Ausländer verboten“, heisst es dann!
    Die Polizei organisiert dann ein Fahrzeug, das dich wieder zurück in die letzte Stadt bringen soll, wo du hergekommen bist. Unter Umständen (z.B. in sensitiven Gebieten oder Restricted Areas) wird man auch mal etwas länger festgehalten, bis man von der Ausländerpolizei abgeholt wird.

    Als Ausländer muss man jeden Tag an einer festen Adresse polizeilich gemeldet sein, was i.d.Regel das Hotel übernimmt.
    Trekkingtouren sind für Ausländer, auch mit Guide oder als organisierte Tour, prinzipiell verboten!!! Auch das wird konsequent von der Polizei durchgesetzt!
    Man darf zwar in die Berge fahren, aber nur als Tagesausflug im Rahmen einer gebuchten Tour oder mit Privatfahrer. Abends muss man wieder zurück im Hotel sein!

    An den Checkpoints werden dann deine Reisepassdaten, zusammen mit den ID-Daten deines Fahrers, abfotografiert und registriert. Dein Fahrer ist ab dann für dich verantwortlich, muss ggf ein hohes Pfand hinterlegen und man bekommt die Anweisung bis zu einer bestimmten Uhrzeit wieder zurück zu sein.
    Ist man dann nicht zurück, oder der Fahrer kommt alleine zurück, ohne den Touristen, dann kommt der Fahrer in Teufels Küche!!

    Hat man es trotzdem irgendwie geschafft die Checkpoints illegal zu überwinden, ist man lange noch nicht sicher. Meistens ist dann noch eine Strecke zu fahren bis zum Trekkingstartpunkt. Die Polizei ist hier wirklich an jeder Ecke und als Ausländer fällt man überall sofort auf!
    In abgelegenen Gebieten, ohne für Ausländer zugelassenen Hotels, wird man es nur schwer schaffen zu Fuß mit Rucksack durch eine Ortschaft zu marschieren, ohne von der Polizei aufgegriffen zu werden.

    Dann kommt da auch noch die Denunzierung. Alle Bürger sind gesetzlich verpflichtet die Polizei anzurufen wenn sie jemanden Verdächtigen sehen. Ein Ausländischer Wanderer mit Rucksack scheint verdächtig genug auszusehen. Die meisten Menschen sind zwar sehr freundlich und würden dafür niemals die Polizei rufen, aber es gibt immer auch welche, die das doch tun.
    Das heisst wenn man die Straße verlässt und am ersten Trekkingtag noch durch bewohntes Hirtengebiet mit Handyempfang kommt, oder noch nicht ganz den Trekkingstartpunkt erreicht hat oder vom Trekkingendpunkt zurück in eine Stadt will, es besteht immer die Gefahr daß irgendjemand aufgrund deiner Anwesendheit die Polizei ruft,…..wie bei mir mehrmals vorgekommen. Und die kommt dann mit einer Staffel angerückt um dich zu holen!
    Man kann also niemanden trauen, den man nicht schon genauer kennt.

    Das Trekking- und Campverbot für Ausländer gilt auch für vielbesuchte Touristenziele und Nationalparks. Z.B. am Tian Chi, ein See in den Bergen und eines der meistbesuchten Ziele im Norden Xinjiangs. Steht auch im Lonely Planet. Chinesische Touristen fallen dort in Massen ein und gelegentlich kommen auch mal Ausländer.
    Neuerdings dürfen Ausländer aber nicht mehr am See übernachten. Campen schon gar nicht (auch wenn campen für Chinesen dort generell überall erlaubt ist), und man darf ebenfalls nicht in eines der am Seeufer stehenden Hotels oder Jurten übernachten. Ausländer müssen mit ihrer gebuchten Tour noch am gleichen Tag zurück nach Urumqi.
    Der Parkeingang gleicht dem Eingang eines Hochsicherheitstrakts, wo alle Besucher mit Metalldetektoren und Durchleuchtungsapparaten stärker kontrolliert werden wie auf jedem Flughafen! Natürlich alles im Namen der nationalen Sicherheit!
    Vom Parkeingang sind es noch knapp 30 km zum See, die mit Shuttlebussen zurückgelegt werden müssen. Auf dem Weg liegen noch mehrere Polizei-Checkpoints und an jedem davon werden alle Besucher nochmals kontrolliert.
    Ausländer, die mit Trekkingrucksack und Campingausrüstung anreisen, werden gar nicht erst in den Parks reingelassen.


    Wer als Ausländer in Xinjiang eine Trekkingtour machen will, sollte ziemlich abgebrüht und mit allen Wassern gewaschen sein und auch mal bereit sein was zu riskieren!


    Alle Leute behaupten in allen anderen chinesichen Provinzen ausserhalb Xinjiangs soll alles ganz entspannt sein. Ich kenne aber nicht alle anderen Provinzen, sondern nur Xinjiang,
    Alles was ich hier berichten werde, stellt die momentane Situation in Xinjiang dar.
    Geändert von berniehh (26.09.2018 um 21:12 Uhr)

  16. Fuchs

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #16
    Holy...
    Ich kann jetzt schon sagen: mein diesjähriger Trekking Highlight Bericht!
    bear shit - sounds like bells & smells like pepper

  17. Gerne im Forum

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #17
    Eben noch im Himalaya mit anschließendem Abstecher in Schottland und jetzt schon wieder in China unterwegs. Sach mal, was bist denn von Beruf? Trekker? So viel Urlaub ist ja unerhört! Nein, nein, da spricht nur der pure Neid über deine tollen Touren.

    Bin schon gespannt wie du dich, vorbei an den Checkpoints, in die Berge gemogelt hast und vor allem von den Impressionen im Tian Shan selbst.

    Soweit schon mal 5 Spannungssterne

  18. Erfahren
    Avatar von SouthWest
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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #18
    Abgebrüht und mit allen Wassern gewaschen bist du ja Gott sei Dank, Bernd. Freue mich auf den Bericht!!

  19. AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #19
    Ich bin gespannt. Magst du noch was zum Visum schreiben? Das interessiert vermutlich den ein oder anderen. Geschäftsvisum ist deutlich weniger Aufwand als ein Touristenvisum..

  20. Erfahren

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    AW: [CN] 700 Kilometer durchs Tian Shan Gebirge

    #20
    Berni, Berni,
    wo treibst du dich denn bloß herum, wenn man dich mal kurz aus den Augen lässt

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