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  1. Dauerbesucher
    Avatar von elbspitze
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    [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #1
    Mitreisende: elbspitze
    Wer von Euch das existierende Bild der Mongolei behalten möchte, der sollte hier nicht weiterlesen. Wer aber wissen möchte, wie die Mongolei auch aussehen kann, was sie so abwechslungsreich macht und warum wir nach diesem Urlaub meinen, dass die Monglei das bisher schönste Trekkingziel war, der sollte gespannt bleiben und Bild und Text auf sich wirken lassen.

    Bei keinem anderem Reiseziel ist es uns schwerer gefallen, die Heimreise anzutreten, obwohl es wohl unsere härteste Tour war. Das sagt doch viel aus, dass es alle Strapazen nicht geschafft haben, dieses unbekannte Fleckchen Erde zu verfluchen.


    So stellt man sich die Mongolei vor: endlose Weiten ohne Bäume, ab und an Jurten, steppenähnliche Weiden, hier und da kleinere verträumte Ortschaften


    So haben wir es kennengelernt: bergig bis 3000m, dann wieder eben, später nur noch hügelig, abwechslungsreich, grün, bewaldet, pflanzenreich, einsam


    seenreich und doch wasserarm, heiß und doch eiskalt, viel Aussicht in die Ferne, wenig Tourismus, gastfreundliche Leute


    Wir müssen uns noch sortieren, doch wir wussten bereits vor Ort, dass die Mongolei uns mehr zu bieten hatte als Kirgistan. Wer hier aber spektakulärere Artisten als Pommé und Pony in Kirgistan erwartet, der wird enttäuscht. Mit Maximus hatten wir dieses Mal ein durch und durch geländetaugliches Pferd. Es gab keine Situation, die er nicht meisterte. Nichtdestotrotz lief der Urlaub nicht nach Plan A ab. Es gab viel brenzlige Situationen, Fehlentscheidungen und -tritte, Aufgabemomente, aber auch Glücksmomente und diese tollen wiederkehrenden Phasen des Innehaltens und des puren Genusses des Jetzt und Hier.
    Geändert von elbspitze (16.09.2018 um 00:02 Uhr)

  2. Fuchs

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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #2
    Holy.
    Das fängt ja schon mal gut an.
    Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen...
    bear shit - sounds like bells & smells like pepper

  3. Erfahren

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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #3
    :-) - da sind wir uns ja fast begegnet....
    Bin gespannt auf deinen Bericht.

  4. Dauerbesucher
    Avatar von elbspitze
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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #4
    Zitat Zitat von Bambus Beitrag anzeigen
    :-) - da sind wir uns ja fast begegnet....
    Bin gespannt auf deinen Bericht.
    Wieso? Wo und wann warst du denn?

  5. Erfahren

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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #5
    Mongolischer Altai, 5 Wochen zu Pferd
    Khovsgol (nur kurzer "Besuch" im Rahmen einer Rundreise Zentralmongolei) --> wird mein nächstes oder übernächstes Ziel in der Mongolei!
    Kenti-Gebirge - wandern

    Bericht kommt noch, ich muß erst noch sortieren

  6. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #6
    Ich werde wie immer gespannt und interessiert mitlesen!

    Zitat Zitat von elbspitze Beitrag anzeigen
    .... was sie so abwechslungsreich macht und warum wir nach diesem Urlaub meinen, dass die Monglei das bisher schönste Trekkingziel war....
    Und das aus eurem Mund, wo ihr mit Täve schon echt tolle Sachen gemacht habt

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

  7. Anfänger im Forum
    Avatar von bikevagabond
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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #7
    Das muss eine sehr schöne Ecke sein, ähnlich dem sibirischen Sajan.. Bin gespannt auf eure Fotos und Reiseerlebnisse!

  8. Dauerbesucher
    Avatar von elbspitze
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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #8
    Einleitung | Warum gerade die Mongolei und dann auch noch der Khovsgol See?

    Wie haben ziemlich lange den Fehler gemacht, Traumziele von Anderen zu bereisen. Diese waren dann nie eine völlige Verfehlung, aber sie waren auch kein Traum, jedenfalls nicht für uns. Irgendwann entschieden wir uns, nach unseren eigenen Traumzielen zu suchen und Kirgistan war irgendwie der Anfang. Wie kamen wir aber nun auf die Mongolei und diesen doch unbekannten See?

    Im Jahre 2015 wurde dieser See vom Global Nature Fund zum "bedrohtesten See des Jahres" gewählt. Da ich beruflich für GNF die Reisen organisiere, wunderte ich mich auf einmal, warum soviele Leute nach Ulan Bator flogen. Bald erfuhr ich das Geheimnis und die Existenz dieses Sees in der Nordmongolei. Nun beschäftigte ich mich damit und war angetan von der Idee, dorthin zu reisen.

    Dieses Jahr war es dann soweit. Immer wieder hatten wir an Kirgistan zurück gedacht, wie schön es doch war, am Stück ohne lästige Transfers unterwegs zu sein. Ankommen, wandern wandern, nochmals wandern und wieder heimreisen. Da kam dieser See und die Mongolei doch wie gerufen. Ankommen, See umwandern, heimreisen. Uns bestärkte der Fakt, dass mit 2 Ew/qkm die Mongolei die kleinste Bevölkerungsdichte aufweist, obwohl es auf Platz 19 der flächengrößten Staaten liegt. Das sollte uns Einsamkeit und Wildnis zugleich versprechen.

    Fakten zur Reise und zur Destination

    Reisedauer........................28 Tage | 14.August bis 11.September
    An-/Abreise......................ab Frankfurt mit MIAT direkt nach Ulan Bator, weiter mit Hunnu Air nach
    ......................................Murun, von dort 100km Transfer zum Südufer des Sees, Rückreise auf
    ......................................dem gleichen Weg, nur noch flugbedingt eine Nacht in Ulan Bator nötig,
    ......................................mit Turkish Airlines via Istanbul wieder nach Frankfurt
    Einreise............................bis 30 Tage reicht Reisepass aus, der aber noch 6 Monate gültig sein muss
    Klima...............................extrem kontinentales Klima, heiße Tage bis 30 Grad, Nächte bis -10 Grad,
    ......................................Nachtfrost, erster Schnee ab 2000m ab Anfang September, tendenziell
    ......................................Schönwettergebiet und trocken
    Reiseart...........................Wandern / Trekking, als Unterstützung Packpferd für Proviant und Sohn
    Unterkunft........................22 Tage im Zelt, am ersten und letzten Tag in einer Ger (mongolische Jurte)
    ......................................in Khankh 2 Nächte in einer rudimentären Holzhütte
    Reiseroute........................Khatgal (Südufer) - Khoridol Saridag Gebirge - Renchinlkthumbe - Westufer
    ......................................Khovsgol See - Khankh (Nordufer) - Ostufer Khovsgol See - Khatgal
    Permits.............................Nationalparkgebühr 3000 MNT (Tugrik) = 1 Euro je Person, für die jeweiligen
    ......................................Bezirke (Sums) und die Grenzregion zu Russland sind Permits nötig, die man
    ......................................entweder in Murun bekommt oder aber von dem lokalen Veranstalter/ Camp
    ......................................oder Guide. Diese Permits sind kostenlos, doch verlangt der Eine oder
    ......................................Andere vor Ort für die Beschaffung einen Obolus
    Tourismus.........................ab und an kreuzten Reitgruppen unseren Weg, gesamt vielleicht 5x, jedoch
    ......................................sahen wir keinen einzigen Wanderer | in den kleinen Örtchen gibt es
    ......................................Lebensmittel, Benzin und einen Bankautomaten | Wegweiser gibt es keine,
    ......................................ab und an enden Wanderpfade im nichts oder es taucht einfach ein Weg auf
    ......................................kein Handyempfang, keine Schutzhütten, wildzelten ist erlaubt, auch offenes
    ......................................Feuer, aber mit Abstand zu den Wäldern | die Einheimischen sind hilfsbereit
    ......................................Russisch Kenntnisse bringen nichts, Englisch wird selten gesprochen
    Sicherheit / Gefahren.........ab und an trifft man auf betrunkene Einheimische, denen man aus dem Weg
    ......................................gehen sollte | in der Natur kommen Wölfe und Bären vor | Sumpflandschaft
    ......................................und Flüsse sind ab und sehr tückisch

    Tour im Überblick



    Planung

    Nach der Enttäuschung in Kirgistan und den positiven Erzählungen von zuverlässigen Packpferden, wollten wir dieses Mal unser Vertrauen in ein Pferd setzen. Da diese bis 90kg tragen können, war ein Pferd völlig ausreichend um Proviant und unseren Sohn zu tragen. Kleidung, Schlafsäcke, Zelt und sonstige Ausrüstung sollte von uns selbst geschultert werden. Wir wollten das Pferd weder von der Distanz noch vom Gewicht her maximal belasten. Tagesetappen sollten bei 20 Kilometern liegen, eine Umrundung des Sees also realistisch und sogar noch Puffer um das Hinterland zu erkunden.

    Die Theorie stand, war aber sehr weit von der Praxis entfernt, denn es fehlte an Kartenmaterial, an Routenvorschlägen und vor allem an Angeboten von Pferden. Nein, Pferde haben die vor Ort genug und auch Reittouren werden für jeden Geschmack angeboten. Doch wir wollten ja nur ein Pferd ohne Guide und das bot wirklich Niemand an. Ich schrieb also viele lokale Ger Camps in Khatgal an, wovon es wirklich viel dort gibt. Manche antworteten nie, manche am Ankunftstag und nur ein Ger Camp antwortete ziemlich schnell und kompetent. Mongol Ujin Camp bot mir an, das Pferd zu kaufen oder zu mieten. Bei einem Kauf hätten wir einen Teil des Geldes zurückbekommen, hätten aber am Ende ein wenig Stress gehabt. Bei der Miete wäre das ganze Geld fort, jedoch wäre der Verkaufsstress weg gefallen. Wir entschieden uns für eine Miete. Wir kamen uns bald wie Pauschaltouristen vor, denn wir buchten bei dem Camp auch gleich noch Transfer, Vor- und Nachübernachtung und die Permits mit. Letzteres bekamen wir sogar kostenlos. Anscheinend hatten sie genug Geld an uns verdient.

    Wir besorgten uns nun wieder die alten, russischen Militärkarten aus den 80iger Jahren, dazu eine OSM Karte für das Garmin. Außerdem habe ich noch eine Vektorkarte der alten russischen Karten installiert, aber auch die ausgedruckten Karten mitgeführt. So war nun eine Planung der Route möglich, bei der ich sehr viele Optionen einbaute. Notfallpläne, Abkürzungen, Wunschrouten, Rennstrecken oder Alternativen. Bei den Wegzuständen wusste ich nie, ob es den Weg nach über 30 Jahren noch geben würde, wie der Zustand sei und wie begangen er wäre. Bei der Wasserversorgung machte ich mir keine Sorgen, fälschlicherweise dachte ich, dass es davon vor Ort genug geben würde. Mögliche Camps plante ich dieses Mal auf den Karten nicht ein und auch bestimmte Kilometer an bestimmten Tagen plante ich nicht. Wir hatten 25 Tage Zeit und bei 20 Kilometer am Tag kam man auf 500 Kilometer, genug Puffer also für kürzere Etappen oder Pausentage. Letztere sollten für Pferd und Mensch nötig werden, um Motivation und Proviant aufzufüllen.

    weitere Infos auch hier: http://www.taeve-supertramp.de/mongolei-2018/

    So und nun genug mit den Informationen....
    Geändert von elbspitze (16.09.2018 um 11:32 Uhr)

  9. Dauerbesucher
    Avatar von elbspitze
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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #9
    1.Abschnitt Khatgal - Renchinlkthumbe 6 Tage 122 Kilometer

    Die Nacht zuvor hatten wir das letzte Mal warm geduscht, ein leckeres Abendmahl vorgesetzt bekommen und in einem zivilisiertem Bett geschlafen. Das alles tauschten wir nun gegen ein Pferd ein. Ob der Tausch ein gutes Geschäft war, würde sich nun Tag für Tag herausstellen. Dava, die Chefin des Camps, gab uns letzte Anweisungen. Der Schimmel stand abmarschbereit und voll beladen in den Startlöchern. Dava's Mann wollte auch noch unsere Rucksäcke dem Pferd aufbürden, aber im Gegensatz zu Kirgistan war das nicht notwendig um das Pferd zu motivieren. Wir trugen sie also dieses Mal selbst. Auf dem Pferd lasteten nun fortan Täve mit 20 kg und ca. 30 bis 40 kg Proviant und Ausrüstung.


    Ortsausgang der 4500 Seelengemeinde Khatgal

    Schon vor dem Urlaub stand fest, wir würden das Pferd Maximus nennen, aus dem Trickfilm Rapunzel, ohne zu wissen, dass auch wir einen Schimmel bekommen würden. Dava versicherte uns, dass er sehr einfach in der Handhabung sei, keine Macken hat und für Anfänger wie uns ideal sei. Wir gingen trotzdem nicht locker und fahrlässig an die Sache heran, sondern tasteten uns an ihn und er sich an uns heran. Daher planten wir heute keine Mördertour, sondern einfach nur raus aus Khatgal, ein wenig einlaufen, schauen wie es läuft und zur richtigen Zeit das Camp aufbauen.

    Für die richtige Platzwahl des Nachtcamps musste nun neben Wasser und eventuell noch Holz eine saftige grüne Wiese mit Delikatessen vorhanden sein. Außerdem musste am Nachmittag und am Morgen eine halbe Stunde mehr Zeit fürs Pferd eingeplant werden. An-/abpflocken, An-/absatteln, Gepäck ent-/beladen und Streicheleinheiten sowie bevorzugte Gräser servieren. Von Anfang an versuchten wir uns bei Maximus einzuschleimen. Die grünen Gaben nahm er immer wohlwollend an.


    Erste Keks-Pause zwischen Kühen, im Hintergrund das ausgetrocknete Flussbett und die Hauptpiste

    In meiner Karte war die Beschaffenheit des Weges als Pfad deklariert. Doch bald stellte ich fest, dass hier alles in der Karte als Pfad bezeichnet wurde, ob nun 30cm oder 5m breit, ob nur ein Trampelpfad oder eine schlammig schottrige Autopiste. Leider entpuppte sich der erste Teil des Weges aus Khatgal heraus als große Piste, die mit Umwegen über die Berge wieder an den See führen sollte. Also hofften wir nun darauf, dass der morgige Tag die Erkenntnis bringen würde, dass es ruhiger werden würde, weil wir ja weiter in die Berge wollten und sich die Wege trennen würden. Wir folgten also heute der Richtung der großen Piste, jedoch mit weitem Abstand auf einem Pferdetrail. Bald würden wir aber wieder die Hauptpiste erreichen und da kam ein kleines Wasserloch doch wie gerufen. Alles da, was Mensch und Tier braucht.

    Vermutlich noch ein wenig beeinflusst von den schlechten Erlebnissen in Kirgistan, vertrauten wir erst einmal Niemanden so richtig und versteckten uns samt Pferd und Keron 4 GT im Unterholz. Leichter gesagt als getan, zumal das Zelt mit seinem knalligen rot förmlich herausschreit "Hallo, hier bin ich!" und dem Pferd schwer zu erklären war, dass es doch hinter den Bäumen geduckt fressen soll. Wir hatten doch irgendwie eher davor Angst, dass Jemand uns das Pferd stehlen würde als das uns was passieren könnte. Jedoch sollten wir bald diese Gedanken verlieren und dem entspannter entgegen sehen.


    Frostcamp im Dickicht

    Der erste Tag lief super, Täve errichtete wieder seinen Einkaufsladen, noch war genügend vorhanden um diesen Laden zu füllen. Wir genossen die Abendsonne, die zwischen den Lärchen hindurch schien und freuten uns auf die erste Zeltnacht in mongolischer Umgebung. Wir tauften am kommenden Morgen den Platz auf Frostcamp. Der Name war die ganze Nacht Programm gewesen und wir waren noch nicht einmal direkt im Gebirge auf 2000 Meter gewesen. Ich machte mir so meine Gedanken, wie wir uns nun arrangieren sollten. Wir hatten zwei Daunensäcke bis -15 Grad dabei und einen Kunstfasersack bis 0 Grad plus Fleeceinlet. Geschätzt hatten wir die Nachttemperaturen auf -5 Grad, das Zelt und die Wiese waren gefroren.


    Täve's Shop, mit WC (Loch vorne links)

    Der flexible Zeitplan sah so aus, dass wir lieber am Morgen ausschlafen und uns Zeit lassen und dafür am Nachmittag nicht so viel Zeit am Camp verbringen. Also gegen 7/8 Uhr aufstehen, entspannt frühstücken am Lagerfeuer, zusammenpacken und nach 2.5 Stunden Abmarsch. Dann in regelmäßigen Abständen kleine Pausen von 5-10 Minuten. Wir entschieden immer nach Aussicht, Lust und Wetter. Meist aber immer 6-7 Kilometer laufen. Nach 60- 70% der Tageskilometer planten wir die Mittagspause ein. Anfangs haben wir kalt gegessen, dann kam ich dem Wunsch meiner Mitreisenden nach, mittags doch bitte warm aufzutischen. Zeit hatten wir dafür genug. Gegen 16/17 Uhr bezogen wir meist einen geeigneten Platz, es gab aber auch Tage, wo wir später loskamen und dann auch 18 Uhr ankamen. Die Sonne ging 20 Uhr unter, Zeit war also nie wirklich ein Druckmittel.

    Heute war Tag der Wahrheit. Würde unsere Wegeverlauf etwa weiterhin so eine Riesenpiste sein, die zudem auch sehr gut befahren war, also für mongolische Verhältnisse bedeutet das ca. 3 Autos in der Stunde. Ich hatte noch ein Ass im Ärmel, was ich dann gern gezogen hätte. Es wäre eine 30 Kilometer längere Option durch das unwegsame Gebirge gewesen, ohne jedoch zu wissen, wieviel Gras wir dort noch Maximus hätten bieten können. Es wäre baumloser und alpiner geworden und hätte länger gedauert.

    Gegen Mittag dann der entspannte Blick nach links, wo nur noch ein Pfad und eine wenig benutzte Autopiste lang führte. Dort gingen wir nun lang und ließen die große Hauptpiste hinter uns. Nun wurde es auch für uns ruhiger. Die ansteigenden Täler verengten sich nun zunehmend und der Baumbestand sollte auch noch abnehmen. Heute würden wir aber den ersten Pass dieses Abschnittes auf 2310m nicht mehr bewältigen. Doch wir hatten da ein aufkommendes Problem, mit dem wir hier in den Bergen nicht gerechnet hatten. Seit Start, also 30 Kilometern, hatten wir keinen Bach, kein See oder andere natürliche Wasserquelle gesehen. Dreckige Pfützen gab es genug und das Wasserloch am Frostcamp hatten wir auch nur durch Zufall gefunden.


    Der Eingang zum Khoridol Saridag, nun sollte es ruhiger werden


    Links ist der Weg zu sehen, dem wir nun folgen würden

    Wir standen also an dem Punkt, auf 2000 Meter Höhe nach einer Wasserquelle zu suchen, was Zeit gekostet hätte oder weiter höher Richtung Pass zu laufen, wo jedoch die Chancen nach Wasser sicher abnehmen würden. Wir entschieden uns also, eine Pause an einer Flussbettgabelung einzulegen, wo sich drei Flüsse trafen. Ich ging im ausgetrockneten Flussbett entlang, entschied mich für den kleineren und schattigsten von ihnen. Um jede Kurve hoffte ich auf kühles Nass. Meine ausgetrockneten Lippen hofften mit, mir lief das Wasser im Mund zusammen. Doch immer wieder die nächste Enttäuschung. Trockene Steine, trockener Kies und kein Wasserloch. Ich war 5 Minuten gelaufen und auf einmal blendete mich die Sonne, die sich im Wasser wieder spiegelte. Meinen Glücksschrei konnten Yvonne und Täve hören.


    Die Wälder wurden kleiner, die saftigen Wiesen nahmen zu, ganz zur Freude Maximus'

    Wir suchten uns nahe der am Ende drei vorhandenen Wasserlöcher ein tolles Camp raus. Das Wasserproblem schien auch den örtlichen Guides bekannt zu sein, die Wasserlöcher aber auch. Bald gesellte sich eine Reitergruppe dazu, die unweit von uns Stellung bezogen. Wasser war für alle genug da und Maximus hatte so ein paar Freunde in seiner Nähe. Dieses Mal konnte alles nicht schnell genug gehen. Nach dem Zeltaufbau musste sofort ein Feuer gemacht werden, obwohl die Sonne noch ordentlich einheizte. Die Mücken waren unerträglich, das Camp bekam ohne Widerspruch den Namen Mückencamp.


    Das Mückencamp, hinter der Baumreihe waren die Wasserlöcher

    Warum wir den Camps Namen geben? Um später diese besser in Erinnerung rufen zu können und sich auch besser unterhalten zu können. Das Camp wird immer nach irgendwas signifikanten benannt. Das hat sich bei uns bewährt und wir können so besser und schneller zuordnen.

    Was würde nun diese Nacht für Temperaturen bringen? Wir zogen uns vorsorglich wärmer an, aber man merkte schon am Lagerfeuer, dass es heute milder war. Während Maximus noch aufgeregt im Kreise herumschlich, weil in seiner Nähe Stuten grasten, spielten wir im Zelt noch ein wenig Karten und dezimierten die Süßkramvorräte.
    Geändert von elbspitze (19.09.2018 um 18:10 Uhr)

  10. Dauerbesucher
    Avatar von elbspitze
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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #10
    Ich war erleichtert, die Nacht war schon besser verlaufen, kein Frost mehr. Man müsste nun von Abend zu Abend entscheiden, welche Schichten man anzieht oder weg lässt. Wir starteten eher als die Reitergruppe Richtung Ulkhenii Pass, jedoch hatten sie uns knapp vor der Passhöhe wieder ein. Unterwegs trafen wir dann zum ersten Mal auf einen größeren Bach, wir hätten also gestern ohne Probleme hier oben Wasser gefunden. Nachher ist man immer schlauer. Dafür gab es hier oben kein Holz mehr für Feuer. Eine tschechische Touristin zu Pferd sprach uns just im einzigen Steilstück des Passes an und stellte jede Menge offene Fragen, die leider nicht mit einem kurzen Ja oder Nein beantwortet waren. Während sie das Gespräch vertiefen wollte, wollten wir nur noch den Pass hoch ohne große Worte zu wechseln. Wir schnieften die Antworten kurz dahin, ernteten Bewunderung und bald war die Gruppe nicht mehr gesehen.


    Unspektakuläre Passhöhe, grandiose Aussichten


    Bei der Aussicht zogen sich die Pausen immer länger hin

    Die Passhöhe war offen, windig und nur ein Steinhaufen gab ein wenig Windschatten, trotzdem pausierten wir um kurz den weiteren Verlauf der Route in der Ferne analysieren zu können. Während bei uns noch heiter Sonnenschein war, zogen an den Westflanken der Range dunkle Wolken auf, die nichts gutes verkündeten. In diese Richtung mussten wir aber. Für heute hatten sich Anstiege erledigt, es ging vorerst nur noch bergab bis ins geplante Camp am Talboden.


    Der Weg vom Pass war offen und der Blick weit

    Immer wieder trafen wir auf den einen oder anderen Motorradfahrer oder Reiter und diese hielten auch immer bei uns an und wollten wissen, was wir hier draußen alleine ohne Guide machten. Noch ungewöhnlicher war es aber für die Meisten, dass wir uns zu Fuß fortbewegten. Gegen 13 Uhr machten wir Mittagspause, es lief gut. Heute war der Plan, mal die anvisierte 20 Kilometer Marke zu knacken um zu wissen, wie Pferd und wir uns danach fühlen würden und ob es zeitlich passen würde. Langsam aber sicher mussten wir auch an diese Hausmarke herankommen, sonst wäre eine Umrundung des Sees illusorisch geworden.

    Motiviert ging es zwischen endlosen Wiesen und Sümpfen und fortwährend Flüsse überquerend ins Tal hinab. Ein Abzweig auf 2100 Meter Höhe konnten wir bereits in der Ferne ausmachen, ein breites ausgetrocknetes Flussbett, was uns auf den zweiten und letzten Pass des Abschnitt hochführen würde. Ob wir noch bis dorthin kommen würden, war fraglich, denn während wir in Richtung Unwetter liefen, lief das Unwetter in Richtung uns. Der Treffpunkt war am Ende unser notgedrungenes Notlager. Die 20 Kilometer wieder nicht geschafft, dafür ein großer Fels der nach Nord und Süd Windschatten für Maximus bot. Im einsetzenden Regen bauten wir das noch klamme Zelt auf. Alle Abspannleinen und 22 Heringe wurden in die Erde gerammt, denn nun setzte auch noch Wind ein. Wir dachten nun, mit dem zunehmenden Starkregen hatten wir das All Inclusive Paket gebucht, aber nein. Ultra All inclusive mit Blitzen und Donner. Während wir nun trocken im Zelt saßen, bedauerten wir Maximus, der draußen dem Unwetter sein breites Hinterteil entgegenstellte und fraß. Ihn schien es nicht wirklich zu stören und "wegfliegen konnte er nicht, er war ja angepflockt", meinte Täve.


    Das Regencamp machte seinem Namen volle Ehre, später gab es eine halbe Portion Sonne als Belohnung

    Komischerweise war die herannahende Wetterfront nicht wirklich auszumachen. Der Wind kam aus Norden, die Wolken aus Westen und dann mal wieder anders herum. Nach 2 Stunden hatte der Himmel sich ausgekotzt und auch Maximus kam nun wieder aus dem Schutz des Felsens hervor, weil es ihm zuviel geworden war. Es klarte über uns wieder auf, während eine Front an den großen Gipfeln hängen blieb. Dies würden uns sicher noch die Nacht über heimsuchen. Wir badeten nun im nahe gelegenen Fluss und dann verzogen wir uns nach den letzten Sonnenstrahlen ins Zelt und kochten unser Abendessen. Der Abend war noch jung, wir genossen ein Gläschen mongolischen Wodka und auch so einige Genussmittel überlebten den Abend mal wieder nicht. Es war irgendwie schon jetzt wieder absehbar, dass wir gegen Ende des Abschnittes wieder nichts mehr hätten und das Gejammer zunehmen würde. Aber Keiner wollte wieder mal auf mich hören, selbst ich nicht.

    Die Nacht war ruhiger als gedacht verlaufen, kein Wind mehr, nur noch Regen. Bei starker Bewölkung und leichtem Niesel fiel es uns sehr schwer aufzustehen. Ich musste im militärischen Jargon Täve und Yvonne rausbrüllen, es gab Frühstück im Zelt. Es war kein Lichtblick am Himmel zu sehen und es sah heute wirklich nach einem durch und durch beschissenem Tag aus, aber Schönwetterwanderer sind wir nicht und zogen trotzdem, wenn auch unmotiviert, in Richtung Khor Dalin Pass los. Bei ordentlich Wind kam immer wieder feiner Sprühniesel auf. Diese mongolische Waschstraße hatte aber bald sein Ende, denn Yvonne erspähte unerreichbar für uns in der Ferne einen blauen Fleck Himmel und fortan trug uns die Hoffnung weiter, dass es doch noch aufreißen würde.


    Einer der wenigen Mistwettertage, aber mit Tendenz zur Besserung

    In der Mittagspause wurde dann Zwiebelbrühe mit Brot gekocht und als wir 2 Stunden später eine letzte Pause machten, wärmte uns zum ersten Mal die Sonne. Die Pause wurde verlängert, der Ausblick und die Einsamkeit genossen. Der Aufstieg zum Pass war dieses Mal homogen, es wurde steiniger und wir hofften weiter oben noch Nahrung für Maximus zu finden. Ein großer Fluss rauschte ins Tal hinab, Wassermangel war heute kein Thema.


    Letzte Pause vorm Pass, die Sonne wurde ausgedehnt genossen

    Da wir heute später los gekommen waren, erreichten wir erst gegen 17.30 Uhr die Passhöhe auf 2240 Meter und wollten eigentlich von dieser auch noch wieder runter. Bloß gut, dass die Passhöhe so einladend war und wir das Angebot annahmen, denn wir sollten morgen im steilen Abstieg bemerken, dass es auf 5 Kilometer kein brauchbares Camp geben sollte. Kurz bevor wir Stellung bezogen, kreuzte noch eine 8-köpfige Reitgruppe unseren Weg. Wir rissen sie kurzzeitig aus ihrem scheinbar gelangweilten Reitrhythmus um uns zu fotografieren und ins Gespräch zu kommen. Sie wollten dorthin, wo wir herkamen, wir wollten dorthin, wo sie herkamen. Sie waren nur zu Pferd aber sichtlich schneller unterwegs, schafften pro Tag so sicher zwischen 30 bis 40 Kilometer.


    Maximus, unser Wachpferd | Er gab uns Sicherheit

    Das Passcamp war für Keinen sichtbar, aber trotzdem exponiert platziert. Ab und an kam die Sonne noch einmal heraus, aber bald war es so kalt, dass bereits gegen 21 Uhr die Zeltdecke gefroren war. Langsam klarte auch der Himmel auf und eine sternenklare Nacht steuerte ihr übriges bei. Wo wir anfangs noch den HoBo nutzten, griffen wir nun auf ein richtiges Lagerfeuer zurück. Das wärmte mehr und Holz gab es auch genug. So konnten wir noch ein wenig draußen am Feuer sitzen und den fantastischen Ausblick bei zunehmenden Mond genießen. Die Kartoffeln wurden im harten Kampf eher zugeteilt. An ein freiwilliges Teilen war nicht zu denken. Der übliche Urlaubsfutterneid steigerte sich in ein Maximum, es ging nicht mehr nur darum, den Hunger, sondern auch vollends den Appetit zu stillen. Täve ging bald zeitiger ins Zelt, während wir noch die Kälte der Nacht genossen.


    Das Passcamp | Hier mussten wir bleiben
    Geändert von elbspitze (16.09.2018 um 11:49 Uhr)

  11. Moderator
    Lebt im Forum
    Avatar von ronaldo
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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #11
    Stark, tolle Landschaft, danke (wie immer) fürs Mitnehmen...
    (Täve ist groß geworden.)

  12. Dauerbesucher
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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #12
    Boar, es war schon schmerzhaft, sich heute überhaupt bei der Kälte aus dem Schlafsack zu quälen, doch die Ladung Schneereif, die an der Außenzeltdecke hing und mir beim Dranstoßen dann alsbald in den Nacken flog, die war zuviel. Ich bot der Kälte draußen Paroli und entfachte ein Signalfeuer um mich warm zu kriegen und später ein Kaffee zu kochen. Lange sollte es nicht mehr dauern und auch die Sonne würde endlich hinter den Gipfeln emporsteigen. Keine Ahnung wie kalt es war, aber gefühlt sicher bereits zweistellig. Das nächtliche Leid jedoch schwand mehr und mehr beim Anblick des nur mit Schleierwolken bedeckten Himmels. Das lockte auch bald Yvonne und Täve aus dem Zelt. Der Morgennebel wurde von den Sonnenstrahlen verscheucht und wir genossen nun in wolliger Wärme, Sonne im Rücken und Feuer von vorn, das Frühstück. Täve bekam seinen Grießbrei, wir aßen Müsli und Brot und schlürften den heißen Kaffee mit Hochgenuss.


    Bald sollte die Sonne das Zelt vollkommen getrocknet haben

    Die heutige Tour sollte wohl keinen einzigen Aufstiegsmeter mehr aufweisen. Wir hatten die westlichste Kante der Range erreicht und mussten nun in das flache Darkhad Depression Valley absteigen. Vorbei an Opferstätten, die mit blauen Gebetsfahnen, Pferdeschädeln und Geldscheinen bestückt waren, ging es nun sehr steil ins Tal. Wir merkten langsam, was Maximus gefiel und was er mied. Steiniger Untergrund war nicht so sein Ding. So versuchte er lieber abseits der Piste im Grad zu laufen. Täve entlastete das Pferd in den steilen An- und Abstiegen, indem er dann immer selbst lief, forderte aber bald bei Maximus eine Gegenleistung ein.


    Steiler Abstieg voraus


    Solche Opferstätten fanden wir häufig auf exponierten Plätzen

    Es dauerte nicht lange und auf dem Weg lagen auf einmal Motorräder herum und Menschen schliefen am Wegesrand. Eine Gruppe von ca. 15 Personen, darunter nur eine Frau, saßen zusammen, kochten Etwas und waren auch gut dabei, sich die Birne zu zulöten. Sie kamen gleich zu fünft auf uns zu und begrüßten herzlich, aber doch torkelnd besoffen. Nur Einer, scheinbar der Anführer dieser krassen Herde, schien nüchtern zu sein und stieß dazu. Es gab ein wenig Tumult und der Anführer schubste dabei einen Trunkenbold zur Seite, der fast auf einen Stein fiel. Die Entwicklung gefiel mir nicht. Ich nahm das angebotene Essen im Stehen an, bedankte mich und forderte Yvonne auf, selbiges zu tun. Hinsetzen kam nicht in Frage. Irgendwie konnten wir uns von den immer aufdringlich werdenden Tsaatanern befreien und weitergehen. Dieses kleine Völkchen, was weit abgeschottet im äußersten Westen lebt, war uns bis jetzt so freundlich entgegen getreten. Wir wussten nun, dass wir fortan alkoholisierte Menschen meiden sollten, vor allem in solchen großen Gruppen, die wirklich Seltenheit waren.

    Immer wieder drehten wir uns nach der Gruppe um und vermutlich ein wenig getrieben durch unsere Sorge waren wir unverhofft schnell am Talboden angekommen. Es erwartete uns hier ein 50 bis 100 Meter breites ausgetrocknetes Flussbett. Für Mensch und Maschine war der einfachste Weg, direkt in diesem festgefahrenen Steinbett voranzukommen, wir aber wollten Maximus dies nicht antun. So wurde aus dem direkten Flussweg eine Zick-Zack-Tour von dem einen Ufer zum anderen, immer auf der Suche nach einem grasigem Wanderabschnitt am Ufer. Zum Glück war es heute nicht so heiß, den es befand sich kein Tröpfchen Wasser zwischen den Steinen. Bald schon sollte aber noch kurz vor der Pause wieder ein Fluss auftauchen. Ich freute mich und meinte nur "Lass uns noch ein wenig laufen, wir füllen bei der Pause die Trinkblase auf". Wir liefen und liefen, quatschten und lachten und ich verlor dabei ein wenig den Blick für das Wasser. Als dann die Pause ran war, war aber kein Fluss mehr da. Hallo? Das Teil war 10 Meter breit, man hätte zum furten die Schuhe ausziehen müssen und keine 3-4 Kilometer weiter ist davon nichts mehr zu sehen und zu hören?


    Das Tal zog sich in die Länge, war aber immer wieder schön für einen Rundumblick

    Mit so einer Situation mussten wir uns zukünftig des Öfteren abfinden. Es erschienen Bäche, Flüsse und reißende Ströme genau so schnell wie sie wieder verschwanden. Bewegte sich ein Bach talwärts, war das kein Garant, dass man weiter oben Wasser hatte. Die steinigen Wasserläufe sind scheinbar so tief, dass das Wasser zwischenzeitlich unterirdisch fließt und das für weite Strecken. Es war uns eine Lehre. Nach der Pause erschien dann dieser "Hasch-mich-Fluss" und von jetzt an nutzten wir jede Wasserquelle sofort und ohne ein "später".

    Der Fluss wurde immer unbezwingbarer, je weiter wir bergab gingen, immer mehr Zuläufe machten ihm zu einen reißenden Strom. Bis jetzt konnten wir den Fluss immer in Wanderschuhen queren, doch am Ende des Gebirgsmassives, direkt im Übergang zur Ebene wartete sicher noch eine große Herausforderung, dachten wir jedenfalls. Nun kam uns dieses Sickerproblem mal entgegen und urplötzlich wurde aus dem reißenden Strom ein Flüsschen, wir mussten nur die Crocs anziehen, die 30cm Wasserpegel überstehen und waren nun am rettenden rechten Ufer, wo es nun auch wieder entspannter für Maximus voranging.


    Täve bewies einmal mehr, dass er schneller einen Draht zu Tieren findet


    Hier endet das Gebirge und die Darkhad Depression folgt

    Wasser schien uns immer ein Problem zu sein. Entweder war zuviel oder gar nichts vorhanden. Manchmal gaben sich diese Wechsel sehr kurzfristig die Klinke in die Hand. Wir wollten noch ein wenig Kilometer machen, damit morgen auf jeden Fall der Ort Rechninlkthumbe erreicht werden könnte. Nun hatten wir es endlich geschafft, nach 5 Versuchen war die 20 Kilometer Grenze gefallen, aber wir mussten noch weiter. Um uns war zwar überall sumpfige Landschaft, ein Friedhof an Bäumen umgab uns, aber trotzdem alles furz-trocken. Weitere 2 Kilometer konnte ich Yvonne noch zumuten, aber sie war am Ende, weil sie die vorletzte Flussquerung nicht trocken überstanden hatte. Sie watschelte neben mir mit schmatzigem Geräusch her und ich wusste, eine Lösung musste her. Mit jedem Meter würde ihre Stimmung sinken, den Nullpunkt sollte sich nicht erreichen. Immer noch ohne Wasser, erspähte ich ein Camp am Wegesrand, etwas abseits am Sumpfrand. Während Täve und Yvonne dort pausierten, suchte ich in der Umgebung nach Wasser, fand aber einzig dreckig, braune Brühe in der Autospur. Der Filter hätte es sicher irgendwie hinbekommen, aber es war nicht genug für waschen und essen vorhanden. Zurück am Camp verkündete ich meine nicht gerade positiven Nachrichten, stockte aber in meinen Ausführungen, als ich einen kleinen Trampelpfad sah, der vom Camp in den Sumpf führte. "Wartet mal" und schon war ich verschwunden. Es gab nur zwei Möglichkeiten: Entweder führte der Pfad zu einem Klo, was sprichwörtlich scheiße gewesen wäre oder zu einem Wasserloch. Genial, es befanden sich am Ende des Pfades sogar drei große Löcher, die zum Waschen und fürs Essen locker reichten.


    Unser Sumpfcamp, fast schon ein Glückscamp


    Täve malt die Verhaltensregeln im Wald auf einen Holzblock

    Wir bezogen also unser "Sumpfcamp", entfachten auch gleich Feuer und gingen auch gleich baden. Die Sonne hatte zum Nachmittag noch einmal gezeigt, dass sie auch einheizen kann. So war dann das Bad mal eine gelungene Abkühlung und keine Mutprobe wie sonst immer. Täve war den ganzen Abend damit beschäftigt, die Heidelbeersträuche mit eine gefundenen Kralle abzupflücken, nachdem er ein Verhaltensschild für andere Wanderer gemalt hatte. Heute gab es zur Abwechslung mal Kartoffeln mit viel Zwiebeln und wenig Dosenfleisch. Alle wurden so satt, dass am Ende sogar noch was übrig blieb. Ich nutzte die Gunst der Stunde und überspannte meine Bauchdecke mit den letzten Happen. Wer weiß, wann ich wieder mal so satt werden würde? Die Reserven waren schon gut aufgebraucht, Genussmittel fast alle, nur noch letzte Notreserven füllten die Provianttaschen aus. Es war ein schöner Abend, mit spärlicher Aussicht durch einen Totholzwald und er schien sehr mild zu werden.


    Es gibt gleich Essen, Alle sitzen bereit

  13. Erfahren

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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #13
    Ist ja super!

  14. Dauerbesucher
    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #14
    Zitat Zitat von elbspitze Beitrag anzeigen
    Einleitung | Warum gerade die Mongolei und dann auch noch der Khovsgol See?

    Wie haben ziemlich lange den Fehler gemacht, Traumziele von Anderen zu bereisen. Diese waren dann nie eine völlige Verfehlung, aber sie waren auch kein Traum, jedenfalls nicht für uns. Irgendwann entschieden wir uns, nach unseren eigenen Traumzielen zu suchen und Kirgistan war irgendwie der Anfang. Wie kamen wir aber nun auf die Mongolei und diesen doch unbekannten See?
    Alleine schon diese Einleitung hat mich gefesselt, echt nur klasse. Und gut, dass ihr euren eigenen Weg offensichtlich gefunden habt.
    Ein Bericht, den ich mit jedem neuen Beitrag begierig gelesen habe. Danke! Freue mich auf mehr.
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  15. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #15
    Du schreibst von Hobo und Lagerfeuern. Habt ihr auch noch zusätzlich einen Benziner mit gehabt, oder nur mit Holz gekocht?

    zum Thema Mücken(Camp), wie stark war die Mückenplage am genannten Camp und generell? Habt ihr mechanisch abgewehrt oder mit irgendwas Deetigem?

    Ansonsten ein zwischendurch Dankeschön für die Stimmungsvollen Bilder! Und da es auch immer mal wieder in unseren Reiseberichten lobend erwähnt wird, finde ich es auch hier bei euch (wie immer) klasse, dass ihr Camp- sowie Menschenfotos online stellt. Dadurch wird das ganze doch deutlich persönlicher und man weiß wenigstens von wem hier die Rede ist.

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

  16. Erfahren

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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #16
    Schöner Bericht, schöne Bilder, gute Stimmung.
    Umrundung des Khovsgol Sees in 4 Wochen zu Fuß ist ein durchaus sportlicher Ansatz , Respekt!

    Wann wart ihr dort unterwegs, denn diese Kälte (<<0°C) hatte ich weder dort noch im Altai im Juni/Juli nicht erlebt? Und 2000m Höhe ist ja nicht sooo viel dort, der See liegt ja schon auf 1650.

    Ein Guide, der dort diese Runde zu Pferd gemacht hat, sagte das er im Oktober schon Schnee erlebt hatte, aber eher nicht im Sommer.

    PS. sprecht ihr Mongolisch? oder wie habt ihr euch verständigt?

  17. Dauerbesucher
    Avatar von elbspitze
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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #17
    Danke erst einmal an Alle für Euer positives Feedback.

    Zitat Zitat von codenascher Beitrag anzeigen
    Du schreibst von Hobo und Lagerfeuern. Habt ihr auch noch zusätzlich einen Benziner mit gehabt, oder nur mit Holz gekocht? zum Thema Mücken(Camp), wie stark war die Mückenplage am genannten Camp und generell? Habt ihr mechanisch abgewehrt oder mit irgendwas Deetigem?
    Also wir hatten auf Empfehlungen vom ODS User BigKahuna den HoBo mitgenommen, den wir anfangs und zwischendurch dann noch einmal selten genutzt hatten. Anfangs zum kochen, dann zum wärmen, aber am Ende wurde nur noch Lagerfeuer gemacht. Entweder waren Feuerstellen vorhanden oder wir haben die Grasdecke ausgehoben (wenn eine vorhanden) und später wieder zugeklappt. Wir hatten aber auch einen Benziner mit dabei. Der war nützlich in den Pausen oder an den Schlechtwettertagen.

    Mücken? Die Menge der Mücken hatte ein was Gutes. Man konnte mit einem Schlag eine ganze Großfamilie auslöschen. Autan diente nur als Deostick, den haben die Mücken eher noch gemocht. Das Nordic Summer Teer brachte zeitweise was und das ähnlich riechende Dschungelöl auch, aber die Mücken kamen trotzdem. Nur das große Feuer half dann wirklich effektiv. Einmal war es so schlimm, dass ich mich sogar mit kalter Asche eingeschmiert hatte. Es waren aber nur 3 Tage, an die ich mich erinnern kann, die so schlimm waren. Am Ende waren es nur 1-2 Stunden am Morgen und am Nachmittag. Die Mücken sind extrem auf die Sonne und Wärme fixiert. Während sie in der Sonne meine Freundin jagten, saß ich genüsslich im Schatten und behielt meine Erkenntnis erst einmal für mich War die Sonne weg, wurde es schlagartig kalt und die Mücken waren auch fort.

    Zitat Zitat von Bambus
    Wann wart ihr dort unterwegs, denn diese Kälte (<<0°C) hatte ich weder dort noch im Altai im Juni/Juli nicht erlebt? Und 2000m Höhe ist ja nicht sooo viel dort, der See liegt ja schon auf 1650. Ein Guide, der dort diese Runde zu Pferd gemacht hat, sagte das er im Oktober schon Schnee erlebt hatte, aber eher nicht im Sommer. PS. sprecht ihr Mongolisch? oder wie habt ihr euch verständigt?
    Wir waren von Mitte August bis Mitte September! Es war aber ein anscheinend komischer Sommer mit wenig Regen und Wasser und mit erstem Schnee ab September in 2000m Höhe und komplett in der West Range. Dazu noch später Fotos. Vielleicht waren es auch kein -10 Grad, aber der Wassersack war gefroren, die Wiese auch und die klammen Handtücher sowieso. Die Daunensäcke mussten auch komplett geschlossen sein, also wird es schon sehr kalt gewesen sein. Komischerweise war es in der Höhe meist milder als in tieferen Lagen. Naja und wenn sternklar war, dann war es so richtig kalt, logisch. Nein, wir konnten aus den Floskeln nicht mongolisch und meine rudimentären Russisch Kenntnisse haben auch nicht viel gebracht. Aber mit Händen, Füßen und entgleisenden Gesichtszügen kamen wir immer zu einem Ergebnis
    Geändert von elbspitze (18.09.2018 um 19:25 Uhr)

  18. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #18
    Interessanter Bericht und danke, dass ihr mein Bild von der Mongolei berichtigt. So abwechslungreich habe ich sie mir nicht vorgestellt.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  19. Erfahren

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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #19
    Krasses Wetter. Wir hatten im Altai auf 3000m und höher im Juli in der Nacht deutlich über 0°C (einmal im Freien über Nacht -0,5°) , aber verh. viel Regen und Wind mit weggeschwemmten Straßen und Gers/Yurten.

    Und auch sonst bis Ende August im Osten mehr Regen als üblich. Am Khovsgol hatte es Anfang August eher mittelprächtiges Wetter (ein blöder Regentag) und durchschnittliche Temperaturen.

    Freut mich für euch, das ihr eine so tolle Reise hattet.
    Hobo - hatten wir auch dabei, am besten geeignet zum Mückenvertreiben

  20. Dauerbesucher
    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [MN] Nordmongolei | Khovsgol See 450 km zu Fuß mit Packpferd in 3.5 Wochen

    #20
    @ Bambus - bekommen wir da auch noch einen Reisebericht zu lesen? Bitte!

    @ Elbspitze - boah, bist du gemein, deiner Freundin nicht das Geheimnis des Schattens zu verraten.
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