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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #21
    Mitreisende: Becks, Vegareve
    Zitat Zitat von Becks Beitrag anzeigen

    Auf knapp 4250m, kurz vor unserer Abzweigung
    Einziger Wermutstropfen dieser wunderschönen Tage: ich trage 18-19 Kg. auf dem Rücken (im Hostel nachgewogen, mit Essen für mehrere Tage, zwei Eisgeräte, zwei Schneeanker etc), Becks noch viel mehr, da er allein Zelt und Seil schleppt . Entsprechend viel Zeit lässt man sich unterwegs, bei der Szenerie kann man es gut aushalten .
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #22
    28.7.
    Nach einer ruhigen Nacht warten wir gemütlich im Zelt ab, bis die Sonne uns erreicht und den Tau bzw. Rauhreif im Zelt trocknet. Ab 9 Uhr Tee kochen, um kurz nach 10 Uhr gehen wir los. als Zwischenbeschäftigung müssen wir Kühe vertreiben. Die sind nicht nur neugierig sondern fressen sogar den Müllsack an, den wir am Zelt deponiert haben


    Sonnenaufgang am Huandoy


    Frühstück mit Kuh


    Ebenso neugierig, aber scheu - der Nachwuchs


    Die Kühe bleiben, wir gehen. Unsere Laguna mit Chacraraju.


    Nicht immer einfach sichtbar, aber es hat einen Pfad


    Chacraraju mit Wasserfall, gespeist aus der Laguna 69


    Yannapaccha. Das Camp 1 liegt am rechten Rand hinter einer Kuppe, grob in Falllinie unterhalb des Felssporns am rechten Rand.


    Linker Rand Yannapaccha. Camp 2 soll sich unterhalb des grossen Felsriegels bzw. der Felsrippe befinden, die im rechten Bildteil den Gletscher teilt. Der Zugang erfolgt irgendwie von links, aber da quasi exklusiv alle Camp 1 nutzen haben wir dazu keine weiteren Infos

    Einen Pfad finden wir ebenso schnell wie wir ihn wenig später in einer steilen, mit Büschen bewachsenen Wiese verlieren. Allerdings ist der weitere Weg auch ohne Pfad logisch. In den Kessel nach links rein ist Unsinn, da sich über uns ein Felsriegel befindet, der nicht ganz einfach durchquerbar ist. Also nach rechts raus auf eine Kante im Gras etwas steiler aufwärts. Nach etwa 50Hm weglos treffen wir dann wieder auf den Weg und folgen ab hier ohne weitere Verluste bis hoch auf etwa 4650m, wo wir gegen 12 Uhr auf die Spur treffen, die von der Passstrasse aus herüber kommt und ebenfalls zum Camp führt.
    Neben einigen Leuten, die in Richtung Berg gehen treffen wir auf einen Besteiger (deutlich erkennbar an der vielen Sonnencreme im Gesicht), der auf die frage zur Steilheit im Eis nur meint "65 Grad".



    Auf dem oberen Pfad auf etwa 4650m.


    Camp 1 auf auf 4900m


    Das sieht dann doch einmal alpin aus. Im Hintergrund schon die Felswand, unter der man nach links zum Gletscher quert.


    Home sweet home. Sieht doch schick aus, ist eben, trocken und keine 5m nebenan kommt ein Rinnsal mit Wasser den Hang runter.

    Etwa gegen 14 Uhr erreichen wir dann den in der Literatur beschriebenen Zeltplatz bei einem kleinen See auf rund 4900m, und der Platz bekommt sofort das Prädikat "bester Platz bis jetzt". Hochalpin, kein Gras mehr, keine Kühe, und rings herum nur Fels und Eis. Wir finden recht schnell einen guten Stellplatz und kommen sofort mit den Guides und Gästen nebenan ins Gespräch. Als einer der Jungs meint, man müsse "vertical" das Eis hoch, um auf den Gletscher überhaupt rauf zu kommen, bekomme ich erst einmal einen dicken Hals. In den Büchern ist etwas von steilerem Zugang erwähnt, aber auf senkrechtes Eis zum Frühstück habe ich recht wenig Lust. Beim letzten Ausflug im vertikalen Eis geb es bei mir einen Grounder aus 8m Höhe, kaputte Sehnen im linken Fussgelenk und 2 Monate Bergverzicht. Ausreichend Lehrgeld um so etwas nicht hier fernab der Rega zu wiederholen. Die 65° (in der Literatur steht auch etwas von 60°) könnten eh schon spannend genug werden, der Yannapaccha ist je nach Quelle mit PD+ bis ZS bewertet und vom Grat aus muss man sich wohl in die Flanke abseilen. Eine eingerichtete Stelle im Eis sei da (Info Afrikaner) und weiter unten hätte es eine breite Spalte, wo man von oben kommend auch mal einen Schneeanker zur Sicherung nutzen könnte.



    Blick rüber auf den Weg von morgen. Auf die Kuppe rechts geht es rauf.



    Da stehen also morgen viele interessante Details an, die den Weg etwas spannender machen werden, und da der Gletscher nur 25 Minuten von den Zelten entfernt sein soll, beschliessen wir, uns den ersten Abschnitt einmal anzusehen. Der Weg rüber ist schnell gefunden. Einfach in Richtung Berg und dabei sich möglichst dicht an einem kleinen Felsriegel vorbeimogeln. Dann in etwas Schutt/Geröll 20 Höhenmeter runter und der Rand vom Eis ist erreicht. Gehzeit: unter 10 Minuten, eher in der Ecke 5 Minuten, und wieder frage ich mich beim Blick aufs Eis: "was rauchen die Jungs?".



    "Vertical", so so. Der Gletscherrand mit der Zweierseilschaft, die sich da langsam herunter arbeitet.


    Immerhin geben sie ein schönes Motiv ab (hier bei der Vorbereitung des Schneeankers für die letzten Meter)


    Vom Rand aus führen drei oder vier Spuren auf den Gletscher rauf. Die einfachste Variante hat maximal 40°, wenn man es derbe treiben will kann man daneben noch eine Nase hoch, aber die hat eventuell auf 2 oder 3 Höhenmeter vielleicht 70° und flacht dann sofort wieder ab. Entwarnung für den Blutdruck und so können wir noch zusehen, wie eine Zweierseilschaft sich am Rand im wahrsten Sinne des Wortes das Eis herunter arbeitet. Erst gibt es viel Aufwand bis die zwei über eine quasi geschlossene Spalte drüber sind, dann wird ein Schneeanker gesetzt und per HMS die paar Meter im Eis zum Rand herunter gesichert. Ich wäre die 50° eben so mal runter, ohne Sicherung. Wenns schief geht rutscht man eben 3m im Schnee runter und landet dann unten, aber alles ohne Verletzungesgefahr. Scheint ein Eiskurs oder so etwas zu sein, strange.

    Im Lager zurück dürfen wir dann zusammen mit anderen Doktor spielen. Im Zelt nebenan sitzt ein Amerikaner mit Bergführer, und der Kollege hat Reizhusten und zeigt auch sonst Anzeichen von Höhenproblemen. Er bekommt mein japanisches Minzöl (der Guide ist hin und weg von dem Zeug, weil es Nase und Lunge frei macht, und sackt sich die Flasche ein ) sowie aus der 200er(!) Dose eines anderen US Kollegen Diamox. Die beiden wollen nämlich morgen auch rauf auf den Berg, und dazu muss der Gast fit sein.

    Die Frage nach der Abmarschzeit wird je nach Gruppe mit 2 Uhr beantwortet. Wir halten 2 Uhr für zu früh. Immerhin sind es dann 4.5 Stunden bis Sonnenaufgang und wir haben nur etwa 600 Hm vor uns. Wir tendieren so auf 3 Uhr als Startzeitpunkt. Nach Sonnenuntergang wird es wieder wie üblich schnell frisch und somit sind wir kurz nach 19 Uhr wieder im Bett.



    Sonnenuntergang am Camp
    Geändert von Becks (15.08.2018 um 10:41 Uhr)
    After much research, consideration, and experimentation, I have decided that adulthood is nothing for me. Thank you for the opportunity.

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    Avatar von macroshooter
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #23
    Ungeduldig erwartet und da ist er nun, der Bericht!
    Habe ihn sogleich verschlungen.
    War lecker! Nachschlag bitte.
    Und es sind wohl doch mehr als nur ein paar Schuttberge geworden.


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    Avatar von sudobringbeer
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #24
    Zitat Zitat von Becks Beitrag anzeigen

    Home sweet home. Sieht doch schick aus, ist eben, trocken und keine 5m nebenan kommt ein Rinnsal mit Wasser den Hang runter.
    bestes Bild! Mein Neid ist Euch sicher


    "Vertical", so so. Der Gletscherrand mit der Zweierseilschaft, die sich da langsam herunter arbeitet.
    Äh wat? Ich hoffe die haben alle nur geübt und nicht die "Umgehung" 10m weiter rechts übersehen. Das zeigt einfach, dass man mit Bewertungen anderer wirklich vorsichtig sein muss wenn man die Leute nicht kennt.

  5. Erfahren
    Avatar von Fjellfex
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #25
    Großartig!

    Also der wegen vermuteter fader Schutthaufen daheimgebliebene #3 dürfte sich jetzt ziemlich ärgern...


  6. Administrator
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    Avatar von sudobringbeer
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #26
    Zitat Zitat von Fjellfex Beitrag anzeigen
    Großartig!

    Also der wegen vermuteter fader Schutthaufen daheimgebliebene #3 dürfte sich jetzt ziemlich ärgern...
    Ich wüsste auch kaum etwas, ausser Zeitmangel, was mich von so einem Panorama abhalten könnte. Sage ja immer wieso in die Ferne schweifen die Schweiz und Europa ist doch schön genug, aber mit sowas würde man mich auch in den Flieger bekommen. Da ist es mir auch Wurscht wie schwer/leicht das ist, da zählt dann doch eher das Gesamterlebnis. Ein bisschen viele Leute für meinen Geschmack, aber ich glaube da draussen wäre ich auch recht dankbar nicht völlig alleine rumzustiefeln.

  7. Moderator
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #27
    29.7.
    Die Nacht ist ruhig und windstill, aber um 1 Uhr geht der Rummel bei den Gruppen nebenan los. Da Schlaf eh nicht mehr drin ist kochen wir ab 1:30 Uhr Tee und gehen um 2:30 Uhr los. Gurt legen wir schon am Zelt an, das Seil am Gletscher und als Premiere kommen heute zwei Eisgeräte in die Halter.

    Im Dunkeln folgen wir der Spur aufwärts und holen kurz vor dem Bereich, wo es steiler wird, die vor uns gehenden geführten Gruppen ein. Da es sinnlos ist, zwei oder drei Seilschaften mit je 4-6 Leute überholt zu bekommen, watscheln wir eben hinter her, und ich kann zusehen wie der Anfänger vor mir sich im Schnee bzw. Eis abmüht (deutlich erkennbar an den Problemen, die besten Tritte zu finden, zudem ist die Akklimatisierung dem Gekeuche nach zu urteilen). Dennoch geht es recht gut die 40-45° Flanke rauf. Nach einer kurzen Pause in einem kleinen Kessel geht es über eine breitere Spalte drüber, was dank guter Schneebrücke kein Problem darstellt. Dann steilt es langsam weiter und in der folgenden Querung wird die Schneeauflage dann auf ein paar Meter auch mal etwas dünner und der Untergrund härter. Keine 30 Höhenmeter aufwärts später sind wir dann bei etwas mehr als 50° und letztendlich bei der Schlüsselstelle: dem Ausstieg auf den Grat bzw. den Sattel nördlich vom Gipfel.
    Hier ist dann doch etwas Gewürge angesagt, da besagte Stelle aus einem 2m Kamin besteht, wo man sich nach oben auf den Grat herausarbeiten muss. 65° ist da ebenso möglich als Angabe wie 90° oder überhängend, denn der Schnee ist rings herum ausgetreten und man muss einen bauchigen Wulst am Rand überwinden.
    Vegareve sichere ich kurz mit HMS nach, dann folgen wir wie der Rest auch dem finalen Gratanstieg zum Gipfel. Um 5:25 Uhr sind wir oben, keine 3h haben wir für den Aufstieg benötigt. Und so bleibt eben nur Daunenjacken anziehen und im Windschatten auf den Sonnenaufgang warten. Die Warterei ist etwas erfrischend, aber zum Ausgleich gibt es dann eine Aussicht, die ihresgleichen sucht.


    5:30 Uhr auf dem Gipfel, 5460 M


    5:55 Uhr, es wird langsam hell


    ...und man sieht so langsam was


    6:10 Uhr, Huandoy mit Mond


    11 Minuten später


    Chacraraju


    Sonne


    Chopi, Huascaran


    Na los, es ist kalt




    Yup, kalt




    Der erste Sonnenstrahl an unserem Gipfel


    Und Feuerwerk am Gipfelgrat runter zum Sattel


    Beim Abstieg, unten wird schon die Abseilstelle eingerichtet


    Da das sich ganze Spektaktel mit Sonnenauf- und -untergang tropentypisch in kurzer Zeit abpielt, sind wir 5 Minuten später schon wieder auf dem Rückweg. Am Gratrand dann hat es den erwarteten Stau, denn die Guides richten 2x 50m Fixseil bis unter die Spalte runter ein und helfen dann jedem Gast mit dem Einbinden des Tubers ins Seil. Ich helfe etwas mit, da es eh sonst nix zu tun gibt (wird akzeptiert und nicht wie in den Alpen mit Gemaule seitens Bergführer beantwortet), und netterweise dürfen wir dann auch noch kurz am Seil runter. Vegareve bekommt noch Lob für das seidenweiche Abseilen (die Gäste gehen da schon eher etwas holprig zur Sache), wir klinken uns nach den ersten 50m aus und gehen den Rest kurz runter.



    Warten am Grat, Blick den Gipfelgrat rauf


    Kurz unterhalb der Ausklinkstelle mit Blick rauf zur Schlüsselstelle


    Wir überholen eine Gruppe


    Blick nach rechts aus der Flanke heraus


    Spalte


    Blick nach links in die flanke, unten noch eine geführte Gruppe


    Blick zurück in den steileren Bereich


    Ganz schön zerrissener Gletscher


    Bruch


    Einmal drum herum


    Nach der Schneebrücke ist der restliche Weg einfach. Den Gletscher runter, ein paar Bruchstellen umkurvt, am Gletscherranbd die Eisen runter und zusammen mit der Sonne treffen wir um 8:30 Uhr am Zelt ein. Macht 3h für den Aufstieg und grob 1.5h für den Abstieg. Unterwegs treffen wir leider nicht auf den Pflegefall von gestern und bei Ankunft im Camp ist dessen Zelt weg. Scheint also Probleme gegeben zu haben.


    Die Sonne erreicht das Camp


    Wir kochen Tee, packen dann unseren Kram ein und gehen den Höhenweg zur Passstrasse (grob 2h ab Camp). Mal sehen wie wir heim kommen. Eventuell müssen wir den Pass runter (grob im vorraus veranschlagt 2h ab Erreichen der Strasse) bis zum Startplatz der Laguna-Touristen und dann dort einen Bus mit freien Plätzen nach Huaraz organisieren. Zeit haben wir zum Glück genügend. Die Busse starten so gegen 15:30 Uhr, was unseren spätesten Starttermin im Camp auf etwa 11 Uhr terminiert.


    Ein Mulitransport trifft ein


    Unser Pfad




    Aussicht vom Pfad - Hunadoy mit der Zufahrtssrasse und den Seen


    und gleich gegenüber Huascaran


    An der Strasse dann treffen wir wieder auf den Amerikaner, und dem geht es echt dreckig. Er ist zwar klar bei Verstand und redet normal, aber sobald er aufsteht torkelt er nur noch herum. Laut ihm hat er in der Nacht für einen Rundgang aufs Klo 40 Minuten benötigt, was dann beide zum Abbruch bewogen hat. Der Guide hat einen dicken Jeep organisiert, der kurz danach eintrifft. Leider bleibt die Frage aus, ob wir mitfahren wollen (im Zweifel ist alles mit Räder in Peru ein Taxi), aber während noch das Gepäck verladen wird kommt von oben ein Collectivo angerumpelt und wir haben unsere Fahrgelegenheit. Im Bus sitzen zwei Kanadier mit Ziel Laguna 69. Passt also ganz gut, wir fragen uns nur, wo der Bus danach hin will, denn ins Tal fährt er nicht weiter. Die Kanadier erzählen uns, sie kämen gerade vom Santa Cruz Trek, wo man ihnen aus den versteckten Rucksäcken während eines Abstechers in ein Seitental Socken und eine teure Jacke aus dem Gepäck geklaut hat.



    Das zu Fuss runter macht keine Laune - die Passstrasse runter R. Laguna 69


    Der Fahrer bringt uns netterweise aber zu einem grossen Zeltplatz (mit Hütte), etwa 10 Minuten unterhalb der Kurve zur Laguna, und das für spottbillige(?) 20S. Das Geld ist aber in Anbetracht der staubigen Piste und der enormen Anzahl an Serpentinen wirklich gut angelegtes Geld, und bei Ankunft am Platz müssen wir nicht einmal herumfragen, sondern bekommen sofort ein Taxi ins Tal nach Yungay. Wir handeln den Preis noch eben von 80S auf 70S runter und sind dann unterwegs auf der nächsten Etappe.
    Dass Sonntag ist, die Gegend auch bei Einheimischen sehr beliebt ist und somit lebhafter Verkehr auf der staubigen Piste herrscht, stört den Fahrer ebenso wenig wie Felsbrocken, dichter Staub oder Kühe. Gnadenlos wird alles überholt und so sind wir auch recht rasch und gut durchgeschüttelt 1000Hm weiter unten beim Beginn der Hauptstrasse. Das Taxi hält am Busbahnhof von Yungay und das Gepäck ist noch nicht ausgeladen bevor wir bereits einen Platz im Collectivo nach Huaraz aufgedrängt bekommen haben. Umstiegszeit 1 Minute, Wartezeit Null, ab geht es.


    Gegenverkehr im Staub


    Gegenverkehr durch bedeutet zum Überholen ansetzen


    ...egal, was dann ein paar meter später einem entgegen kommt.


    Die Fahrzeit vergeht recht rasch damit, dem Treiben der Betreiber zuzusehen. Neben dem Fahrer hat es eine zweite Person an Bord, die unterwegs ständig nach möglichen Kunden Ausschau hält, das Ziel abklärt, bevor der bus zum Halten kommt, und in voller Fahrt bzw. beim Abbremsen und Beschleunigen die Seitentür öffnet und schliesst. Stoppzeit für solch einen Passagierwechsel: 5 bis 10 Sekunden, gehalten wird überall, gehupt und gebrüllt auch. So sind wir dann auch rasch (2h Fahrzeit Yungay - Huaraz) für den Gringopreis von 6S pro Person in Huaraz und im Hostel. Irre wie effektiv das abläuft.


    Beifahrer(in) bei der Arbeit. Der Bus beschleunigt schon durch eine Linkskurve während der zweite Mitarbeiter noch die Tür zuwuchten muss. Rausgefallen ist bei uns zumindest keiner.
    Geändert von Vegareve (15.08.2018 um 15:28 Uhr)
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #28
    30.7.
    Pausentag in Huaraz. Wäsche waschen lassen (1kg 10S, in 3 Stunden gewaschen und gefaltet wieder abgeliefert, Service im Hostel) und mit den Afrikanern gehen wir zum Frühstück (Hamburger 2S, 1 Liter frisch gepresster Saft 6-8S) und verabreden uns noch zum BBQ bei ihnen für den Abend.


    Afrikaner, und alle weiss

    Nach einer Runde Supermarkt, Gemüse, Fleisch und Bier für den Abend besorgen legen wir uns für die nächsten Tage fest. Das Wetter kippt, eine Störung wandert durch (war uns schon vor Pisco grob bekannt), nix is mit hohen Bergen in den nächsten Tagen. Ausserdem ist der Akku nach den wenigen Ruhetagen zwischen den Touren etwas leer. Wir beschliessen daher, den Santa Cruz Trek zu gehen. Der soll in 3-4 Tagen machbar sein, angeblich einer der schönsten Treks Perus sein und passt uns zeitlich ganz gut ins Schema. Chopi ist somit gestorben, aber wir haben ja zumindest einen technisch mininalst anspruchsvolleren 5000er sowie zwei weitere Gipfel in der Tasche. Eine Karte für den Weg brauchen wir nicht, der Pfad ist in Openstreetmap drin und dank einer Reisebeschreibung aus dem Netz wissen wir auch, wo gezeltet wird bzw. wie der Trek sich auf die jeweiligen Etappen aufteilt.

    Mittagessen gibt es spontan bei einem Inder in Hostelnähe. Die Einrichtung sieht eher nüchtern aus, ein Menü oder eine Karte für Getränke hat es nicht. Kratzt nicht, der Inhaber (der perfekt Englisch spricht), erklärt uns, es gäbe nur vegan und nur "all you can eat" für 20S. Wir bekommen literweise Traubensaft (frisch gepresst) und dazu mehrere Portionen Curry mit Kichererbsen und Reis sowie frisches Brot. Alles frisch, das Gemüse wird erst geschnitten nachdem wir bestellt haben. Sehr lecker


    Indisch

    Abends gegen 17 Uhr trudeln wir dann im Hostel der Afrkaner ein, wo später der wohl überwiegende Teil der südfarikanischen Touristen sich ebenfalls einfinden, und verbringen zusammen mit grob zehn anderen Trekkern und Fernreisenden den Abend. Highlight ist ein Pärchen, welches seit zig Monaten im Bus durch Südamerika kurvt und gerade ohne Fachwissen zwei Lamas als Lasttiere für die kommende Zeit gekauft haben.


    BBQ in Peru

    Um 22 Uhr verabschieden wir uns, nehmen auf dem Rückweg dann noch spontan eines der Minitaxis (dreirädrige Mopeds mit Alukasten/Stoff drum herum), um auch das einmal angetestet zu haben. Fazit: lohnenswert und mindestens ebenso spannend wie die Taxis, bei denen man sich fragt, ob das Ding nun noch die nächste Bodenwelle überlegt oder ob einem dabei die Hinterachse um die Ohren fliegt.
    Geändert von Becks (15.08.2018 um 12:56 Uhr)
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #29
    Sehr spannend bis jetzt. Da kann einen wirklich so eine Art Gipfelfieber packen... Und die Bilder sind auch top! Nur mit unzuverlässigen Eseltreibern würd ich's in den Nerven kriegen

  10. Fuchs
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #30
    Traumhafte Bilder und wie schon üblich ein Informationsgehalt, der jeden Reiseführer toppen dürfte. Da bekommt man auch als Nichtbergsteiger Lust auf die Gegend. Ich würde im Zelt auch leise sein.

  11. Moderator
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #31
    Nachtrag Yanapaccha
    die Steilflanke unterhalb des Grates, 40°-55° (mit Hangneigungsmesser gemessen), super Schnee, nur ab und zu schimmerte Eis hervor, aber zum Glück nicht der halbe Meter unsicheren Pulver, den wir in dieser Gegend befürchtet hatten (der hätte auf den höheren Bergen auf uns gewartet, die leider auch aufgrund vom Wetter dieses Mal nicht drin gewesen sind). Schneemässig sieht es auch hier in anderen Jahren anders aus und macht den Berg schwer möglich, wir hatten super Bedingungen.





    Die Steilstelle zum Grat ist praktisch ein Schnitt in der Wechte. Leider die einzige Stelle, wo wir zwei Eisgeräte benutzen durften, ein paar steile Tritte und ein beherztes hochziehen in den Armen. Als Abseilstelle schon mit einem Fixseil eingerichtet (nicht klar, genau wie, da hingen nur zwei Steilstücken raus. ziemlich sicher an einer Schneeanker befestigt). Die Guides vor uns haben diese aber nicht benutzt, da sie zu tief angesetzt sind und einen kleinen Sprung ins Seil bedeuten würden, wie sie haben wir auch vor, eine Firnanker zu opfern und in den Grat einzugraben. Netterweise ist es nicht mehr dazu gekommen, da wir ihre Verankerung benutzen durften.




    Die tükische Spaltenbrücke unterhalb der Steilflanke, in manchen Jahren fehlt diese auch, was den Berg etwas spannender macht




    Geändert von Vegareve (15.08.2018 um 15:32 Uhr)
    "Niemand hört den Ruf des Meeres oder der Berge, nur derjenige, der dem Meer oder den Bergen wesensverwandt ist" (O. Chambers)

  12. Moderator
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #32
    31.7.
    Auf den Tipp von Zarela hin haben wir als Startpunkt Vaqueria ausgewählt. Der Ort liegt zwar auf der anderen Seite der CB und es ist eine längere Anfahrt als zur Alternative Cashapampa am westlichen Trekende, aber Cashapampa ist eine Ortschaft und es fahren wohl dauernd Collectivos, während die Rückreise ab Vaqueria eher schlecht möglich sein soll.

    Um 4:30 Uhr geht der Wecker, wir machen den üblichen Check out (Rucksack schnappen, Restgepäck und Schlüssel im Zimmer zurück lassen und los) und gehen zum Ort, wo die Collectivos in Richtung Yungay starten. Wir sind noch nicht da, da kommt schon der erste Bus ums Eck und wir sind unterwegs. Dummerweise haben wir uns Plätze hinten ausgesucht, und während uns der Fahrer mit urgrausiger Billig Perupopmusik volldröhnt geht uns recht schnell die Luft im Bus aus. Da es aber auch noch Winter ist, weigern sich alle anderen Mitfahrer (in dicke Westen und Kappen gehüllt), ein Schiebefenster aufzumachen. Zum Glück löst sich das Problem kurz nach Huaraz, nachdem wenigstens ein Teil der 24 Passagiere aussteigt und mehr platz für Luft da ist. Wenigstens zahlen wir heute den Einhemischenpreis von 5S pro Person (kein 1S Gringoaufschlag).



    Unser Collectivo ab Yungay


    Busbahnhof Yungay


    Fliegender Händler mit Kuchen


    Um 6:30 Uhr trudeln wir in Yungay ein, werden sofort als Trekker am Rucksack erkannt und vom Bus 1 hin zu Bus 2 nach Vaqueria geleitet und das gepäck verstaut. Bis zur Abfahrt um 7 Uhr bleibt noch Zeit, vergeblich nach Kaffee zu suchen. Wenigstens gibt es Kuchen und Süssgbäck beim fliegenden bzw. gehenden Händler (1S pro Stück, sehr lecker), und zusammen mit französischen Tagestouris mit Ziel Laguna 69 sowie einem englichsprechenden Kollegen, der auch Santa Cruz Trek begehen will, geht es dann die mittlerweile bekannte Strasse rauf. Da wir im Collectivo unterwegs sind gibt es aber weder einen Boxenstopp bei den Restaurants noch eine Fotosession am See, und heute steigen wir auch nicht an der Kurve auf 3800m aus sondern bleiben sitzen. Nach der Laguna und den Serpentinen hält der Fahrer dann netterweise oben auf Passhöhe für eine Fotopause an. Alle Passagiere ausser wir sind aber nach kurzer Zeit bereits deutlich ausser Atem. Kein Wunder, liegt der Scheitelpunkt doch auf 4700m.



    Das dritte Mal, dass wir die Strasse rauf fahren - der Weg raus aus Yungay in Richtung Laguna 69


    Pistenimpression (mit gutem Strassenabschnitt)


    Auch den kennen wir, der beeindruckende Huandoy, hier aus dem Bus heraus geknipst


    Und wieder, drei Serpentinen weiter oben.


    Gratulation an die Strassenbauer, der Weg ist spannend


    Fotostopp auf 4700m


    Ab hier geht es dann abwärts, und könnte man weit genug sehen könnte man fast bis ins Amazonasbecken runter schauen. Auch sonst wechselt recht deutlich die Umgebung. Es hat viel mehr Gras, die ganze Gegend ist grün und weniger staubig als westlich des Passes. Um 10 Uhr dann sind wir in Vaqueria, einem Ort bestehend aus ein paar Häusern und Verkaufsständen für Getränke für Trekker und Touristen. Es herrscht reges Treiben, Mulitrupps kommen und gehen und eine geführte Gruppe erreicht zeitgleich mit uns ihr Trekende.



    Und es geht wieder runter - Pass auf der anderen Seite


    Hinten im Dunst ist irgendwo das Amazonasgebiet


    Vaqueria


    Wir ordern Kaffee und ich freunde mich mit der hiesigen Fauna in Form einer Katze an. Der Bursche ist sofort handzahm, lässt sich streicheln und macht es sich auf mir leiegend gemütlich, nachdem er eine Wurst aus meinem Vorrat verspreist hat. Leider ist Tierimport in die EU nicht so einfach möglich, sonst hätte ich den Burschen (leider mit Wunde am Hals) gleich eingepackt und mitgenommen.



    Den hätte ich am liebsten gleich eingepackt


    Reges Treiben im Dorf


    So aber geht es eben ohne Kater im Gepäck auf den Santa Cruz Trek, nachdem uns ein Parkwächter abgefangen und die übliche Prozedur durchlaufen hat lassen (Name, Alter, Passnummer, Herkunft....). Von der Strasse weg und 50Hm runter, durch das neben dem Dorf liegende Tal durch, dann um einen Hang herum und letztendlich er in westlih bis nordliche Richtung ein breites Tal aufwärts. Unterwegs kommen wir durch eine verstreute Siedlung durch, drücken ein paar Kindern noch unsere Bonbonvorräte in die Hand und gehen letztendlich die gleiche Prozedur wie schon zu Beginn (Alter, Passnummer,....) an einem Parkwächterhaus durch.



    Zum auftakt hier runter und weiter vorne nach links um den Hang runter


    Deutlich anderer Bewuchs als auf der Westseite


    Stacheliger Kollege am Wegesrand


    Langgezogene Siedlung am oberen Talende


    So langsam ist Ende mit bewohntem Gebiet


    Name, Alter, Passnummer....


    Viel Verkehr herrscht nicht unterwegs, ein paar wenige Eseltreiber mit Lasttieren kommen uns entgegen, während wir in unsere Richtung nur einen einzelnen Wanderer antreffen. Nach einem kleinen schattigen Waldstück kommen wir gegen 15 Uhr zum ersten offiziellen Zeltplatz (mit eingerichteter Toilette, die aber den Spuren in der Umgebung nach voil ist) und schlagen dort einsam am Bach unser Zelt auf.



    der weitere Weg, der Zeltplatz liegt vor dem Aufschwung in der Bildmitte auf dem Talboden. Hinten der Rinrihirca


    Zur Abwechslung mal keine Felsen, dafür Wasser, Bäume, Gras


    und Orchideen


    Blick zurück


    Waldstück


    Ich sag nie wieder: "jetzt kommt keiner mehr"


    Gerade als ich meine: "es ist 17 Uhr, so langsam dürfte keiner mehr kommen" ist plötzlich Rush hour. Esel, Treiber, zig davon. Es macht "plöpp" "plöpp" "plöpp" und plötzlich stehen zwei(!) Mannschaftszelte und fast zehn kleinere Zweimannzelte auf dem Rasen neben uns. Ich sag nie wieder etwas, was Esel anlocken könnte.
    Glücklicherweise ist die Gruppe zwar gross, aber entweder gesittet oder einfach nur von der Wanderung erledigt, denn der Krach hält sich wirklich gut in Grenzen, und ab 20 Uhr ist drüben Ruhe.

    [Vegareve] War wirklich schön, auch mal das Dorfleben am vorbei gehen beobachten zu können, altes Handwerk, alte Häuser, nur das allgegenwärtige Smartphone erinnerte einem, dass man sich im Jahr 2018 befindet .












    Am Zeltplatz geniessen wir die vorläufige Ruhe und beobachten die hiesige Fauna, kaum Tiere haben wir in diesem Urlaub gesehen, dafür aber Vögel. Hier stolzierte zuerst eine Art Fasan über die Wiese, dann kam dieser hier, laut, beschäftigt und in tiefen Kreisen über uns kreischend, ich bin verblüfft. Eine Möwe in den Bergen?? Google sagt zuhause, ja, die Anden Möwe .



    Geändert von Vegareve (15.08.2018 um 20:24 Uhr) Grund: Ergänzung
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #33
    1.8.
    Heute steht die Könisgetappe an, es geht über die Punta Union, einen Pass mit 4750m Höhe. Da eh nebenan bereits reges Treiben herrscht, kochen wir um 7 Uhr Tee und fangen um 8 Uhr mit Packen an. 10 Minuten später ist alles verstaut und wenige Minuten später bereits die Grossgruppe von nebenan eingeholt und überholt.



    Wo kommen die denn alle her?


    Blick nach Osten. Hinten im grat bzw. hinter dr kante links ist er Yannapaccha


    Der weitere Weg


    Auch im Nebel, die 5000er in der Ecke


    Es wird langsam alpiner, die Büsche und Bäume sind weit unter uns


    Taulliraju, zur Abwechslung mal aus den Wolken draussen


    Trekker mit Höhenproblemen


    Der Pass liegt in einer Scharte ganz ganz links am Bildrand


    Gedränge am Pass und in der Mitte der Eselhintern, den ich auch angeschoben habe


    Das Wetter lässt heute etwas zu wünschen über, aber das haben wir ja eh erwartet. Die hohen Gipfel bleiben in den Wolken und die Sonne versteckt sich. Gemütlich traben wir in einer weiten Schleife in Richtung Pass hoch und bestaunen dabei die Wandertechnik anderer. Keuchend am Wegesrand nach Luft schnappen, dann mit Vollgas los und uns fast wieder einholen, nur um nach 100Hm wieder mit Husten und Keuchatem umzukippen. Wem es Spass macht...
    Auch andere Leute haben so ihre liebe Mühe mit dem Pass und ein paar Esel weigern sich recht stur, weiter zu gehen. Zwischendurch helfe ich daher einem Guide, einen seiner Esel eine Serpentine hochzuschieben, der einfach nicht mehr will. Dabei ist die Scharte gar nicht weit weg, der Weg gut und dank flacher Felsplatten auch weitgehend schuttfrei und an einigen Stellen sogar künstlich mit Steinen unterlegt und aufgeschichtet.



    Punta Union mit Laguna, leider bei mauem Wetter

    Oben an der Scharte, die wir trotz Pausen nach 3.5h erreichen, treffen wir auf eine Truppe, die gerade in Gegenrichtung hoch kommt und nun Pause und Fotosession einlegt. Auch der weitere Weg wird sichtbar: runter ins flache Talbecken und dann bis zumindest kurz vor dem ersten Quertal in Richtung Nord. Hier sind die ersten Plätze und hier übernachten die Gruppen, die in vier Tagen den Trek begehen. 2h benötigen wir für das Stück, und obwohl wir unterwegs bereits ein paar Mal Wasser von oben abbekommen und das Wetter nicht nach Besserung aussieht, gehen wir weiter.



    Der weitere Talverlauf. Ab hier gehen wir nur noch abwärts bis zum Trekende. Camp 1 liegt dort, wo nach rechts ein Seitental abzweigt, unser Platz ist am See dahinetr.


    Rinrihirca


    Nur undeutlich sichtbar - es fängt an zu graupeln


    Camp 1


    Nach dem Camp könnte man nach rechts hoch, den Alpamayo bestaunen, aber der und das ganze Tal oben stecken in den Wolken und so verzichten wir drauf. Es geht weiter runter bis in eine Schwemmebene, wo ich erkenne, dass ich Eimer, Schaufel und Förmchen vergessen habe. Wäre hier passend, es geht geschlagene 2 Kilometer über feinen Sand weiter bis zum ersten See. Erst dort verlässt man die Sandpiste, umrundet eine Erhebung und landet dann kurz nach einem Bach, der von einem schicken Wasserfall gespeist wir, an einer weiteren in der Karte eingezeichneten Campingstelle. Hier schieben wir das Zelt gerade noch so rechtzeitig zwischen zwei Büsche, füllen die Wasserflaschen und verkriechen uns ins Zelt, bevor intensiver Regen einsetzt (und der eine oder andere Tropfen mal wieder durch die Nähte dringt). Eine Stunde später ist der Spuk mit Regen zu Ende, wir kochen und gehen dann wie immer so gegen 19-20 Uhr ins Bett.


    Was für ein Strand. So viel Platz für Liegestühle



    Hinten macht es zu


    Und das Wetter folgt uns


    Sandende. Den Kuhmist weg, den Weg etwa unbenutzter aussehen lassen und das Teil könnte man als Hintergrund in einem Horrorfilm nutzen


    Wasserfall und Zeichen für unseren Campingplatz.
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #34
    2.8.
    Der Tag ist eigentlich recht schnell beschrieben. Zelt gegen 8 Uhr abbauen und das Tal raus nach Cashapampa und dann nach Huaraz. Der Weg geht zunächst am See entlang und folgt dann dem Bachverlauf bis ans untere Talende. Faszinierend ist hier nicht besonder die Streckenführung sondern die Fauna im Tal. Direkt in Bachnähe siedeln Bäume und Orchideen und es sieht etwas tropisch aus, keine 5 Meter weg vom Bach ist dürre Wüste und nur Kakteen und einige andere zähe Pflanzen überleben in der Hitze. So wandert man dann aus dem Alpinen rein in einen Tropen/Wüstenmix, der alle paar Meter anders aussieht und zusammen mit den umliegenden Felsriegeln den ganzen Weg runter bis in das erste Dorf Fotomotiv um Fotomotiv bietet, sofern man dafür ein Auge hat.



    Ausblick am Morgen - gutes Wetter


    Zelt mit Pumapampa im Hintergrund


    Wolkenspiele in der Sonne


    Unterwegs am See


    Im Tal danach


    Ein zweiter, kleinerer See mit rot/grünem Bewuchs


    Hinten am Pass ist das Wetter noch schlecht


    Kiosk unterwegs



    Und weitere Impressionen




















































    Auf dem knipsenden Weg runter kommen wir an einem weiteren Zeltplatz vorbei (wahrscheinlich schlagen hier die Leute das Zelt auf, wenn sie in vier Tagen den Trek begehen). Wir genehmigen uns eine Cola und schlendern dann weiter. Die ersten Wanderer kommen uns erst kurz vor Cashapampa entgegen, wo wir gegen 13 Uhr eintreffen und in das wie bestellte Collectivo nach Caraz einsteigen (15S/Person), ohne eine Chance auf ein Bier vor Ort (und das trotz sengender Hitze).


    Einpacken bzw. für die Fahrt umpacken unter strenger Aufsicht der hiesigen Hunde.

    Auch in Caraz ist kein Bier drin. Wir werden in einem Innenhof abgesetzt und bekommen eine unsinnige Kurzbeschreibung für den Weg zum nächsten Bus. OSMAnd weiss aber auch hier weiter, ein paar Querstrassen und 500m weiter biegen zum Bus ab und werden prompt vom uns entgegenkommenden Collectivo abgefangen und in den Bus verfrachtet. Es folgt das Spielchen mit Tür auf und zu bei Beschleunigung und in der Fahrt, Leute springen auf und ab und nach etwa 2.5h sind wir wohlbehalten für 5S/Person in Huaraz und im Hostel.

    Da jetzt endgülltig die Energiespeicher leer sind gibt es spezialessen im Cafe Andino. Als erstes es Steak mit Pfeffersosse und Pommes als Beilage als Vorspeise und dann noch eine weitere grosse Portion Pommes als Nachtisch oben druff.
    Geändert von Becks (15.08.2018 um 18:11 Uhr)
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #35
    3.8.
    Pausentag, Einkäufe tätigen (z.B. eine Flasche Pisco aber auch diverser Körnerkram, den es in Europa nur für viel Geld gibt), und schlendern noch etwas im Grossmarkt in den engen Gängen herum. Es ist Freitag, am Sonntag abend um 23 Uhr fährt unser Bus nach Lima und das Wetter sieht für Sa/So gut. Also was tun? Klare Antwort: wir gehen auf einen 5000er. Über das hostel organisieren wir einen Fahrer für den kommenden Tag, packen einmal mehr den Bergkram um und den Rest in die Taschen, die hier bleiben, gehen zudem ins Cafe Trivio und sonnen uns auf der Terasse im Hostel.


    Mittagessen im Cafe Trivio
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #36
    4.8. Vallunaraju
    Frühstück im Hostel mit Spiegeleier, Brot, Käse, Kaffee und Orangensaft, dann holt uns um 8 Uhr unser Taxifahrer ab und karrt uns zum Startpunkt kurz vor der Laguna Llaca bzw. der dort sich befindenden Hütte. Sind Luftlinie ab Hostel eventuell 12km, dauert aber trotzdem geschlagene 1.5 Stunden, denn die Strasse ist sogar für Peruverhältnisse übel. Nach dem Geschaukel zahlen wir die hart verdienten 100S und vereinbaren für morgen 14 Uhr einen Abholtermin. Dann starten wir in Richtung oberes Moränencamp, welches etwa 500Hm bzw. 2 Gehstunden oberhalb der Strasse auf 4950m liegt. Von Anfang an geht es steil zur Sache und dank der Schlechtwettertage davor haben wir auch noch Restschnee unterwegs, der den ganzen Pfad matschig und rutschig macht. Knackstelle ist eine kurze (laut hikr "exponierte") Rinne, grob II im Fels. Bei trockenem wetter kein Problem, aber mit Schnee, Matsch und unter Schnee verdeckten wenigen Griffen dcoh ein echtes Gewürge, um da mit dem schweren Gepäck rauf zu kommen. Vegareve hat es da einfacher, sie bekommt einfach zwei Bandschlingen von oben zugeworfen, die ich an einer am oberen Ende der Stell befindlichen Sicherungsstange einhänge. Dann ist der lästige Tritt auf Reibung auch kein Problem mehr und wir sind drüber und nach einigen Serpentinen auch schon im Lager.


    Einmal mehr Rumpelpiste


    In das Tal geht es rein


    Perupiste extra on the rocks


    Fast da, der Oshapalca kommt in Sicht


    Fahrtende


    Ganz schön massiver Brocken


    Schlüsselstelle für heute und mit Schnee macht Reibung und Riss wenig Spass, wenn man Bollertreter an hat und Bergausrüstung schleppen muss.

    Und Becks auf der Platte




    Hier nach oben und links raus




    Willkommen im Moränencamp auf 4950m


    Da wir so gegen 12 Uhr oben sind, sind wir so ziemlich die ersten und müssen lediglich einer geführten Gruppe Platz machen, die ein paar Plätze (auch einen sehr guten) beansprucht. Kratzt nicht, wir dürfen als Nachmittagsunterhaltung zusehen, wie die Guides den beiden Mädels bzw. Gästen elementare Dinge wie Seilhandling, Abseilen und ein paar Knoten erklären. Gegen später kommen noch weitere kleinere Gruppen und verteilen sich im Gelände.



    Unser Zeltplatz mit Frischwasser gleich daneben


    Weitere Gruppen, im Hintergrudn die Cordillera Negra


    Leider haben wir einmal mehr Glück beim Wahl der Zeltnachbarn. Heute sind es Peruaner, die direkt unerhalb von uns zwei Zweimannzelte hinstellen und dann in einem geschützten Platz daneben abends Party veranstalten. Nach Intervention unsererseit drehen sie wenigstens die Musik leiser (jup, neuester Trend), aber ein besonder nerviges weibliches Duo muss unbedingt noch recht lautstark bis 22 Uhr irgendeinen Quatsch mit einem Guide bereden. Kurz bevor ich mit einer Eisaxt als Argumentationsverstärker rüber gehe ist es zum Glück ruhig.
    Geändert von Vegareve (15.08.2018 um 19:55 Uhr)
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #37
    5.8.
    Einmal mehr klingelt der Wecker um 2 Uhr und um 3 Uhr verlassen wir das Camp. Laut Hikr benötigt man um die 5 Stunden bis zum Gipfel, was uns locker ausreicht. Wir müssen ja nur wieder in ca. 3h zurück, Zelt packen und sind in 1h am Taxi unten.
    Rings herum ist alles ruhig, keiner unterwegs. Es geht ab Camp wenige Meter daneben über Felsen und ein Rinnensystem direkr aufwärts (davon stand nix in den Berichten, aber es hat Steinmännchen und kann nicht falsch sein). Nach 30 Minuten sind wir am Gletscher und sehen gerade noch so ein Lämpchen über die Kante oben verschwinden, aber von einer ausgetretenen Spur ist nix zu sehen. Lediglich eine verblasste breite Trasse, welche aber theoretisch auch eine Sonnenausaperung oder vom Wind geformt sein könnte (in einer Bodenwelle hat es im Schatten ähnliche Strukturen), führt über die flache Ebene hinüber zu einem breiten Aufschwung. Dort finde ich dann eine alte Trasse, die in Falllinie den 40° Hang runter kommt, und der folgen wir eben aufwärts. Danach wird es etwas konfus. Die Spur ist weg, dafür haben wir eine fette Bruchzone, durch die wir über einige schöne Löcher hinweg müssen, u.a. eins, bei dem die Spalte oben nur 50cm breit ist, aber beim Ausleuchten des Bereichs darunter sich herausstellt, dass diese sich schnell auf etwa 10m Breite weitet und so tief ist, dass man nach unten nur schwarz sieht. Mit Hilfe der Lampen (1100 Lumen rockt einfach) finde ich unterwegs immer mal wieder eine alte Trasse, und irgendwann flacht das Ding dann auch ab und wir können in einem weiten Bogen nach rechts in Richtung ersten Vorgipfel gehen. Ab hier hat es dann auch irgendwann wieder eine gute Spur und ich sehe auch immer mal wieder die Lampen der Leute vor uns aufblitzen. Im Taschenlampenlicht geht es so weiter, immer mal wieder über Rampen und Kurven, Bruchzonen umgehend, aufwärts. Zwischendrin müssen wir die Akkus der Lampen wechseln, meinen habe ich komplett im Bruch verbrutzelt.


    Es wird hell, der Gipfel ist nah.


    Auch nebenan wird es hell


    Vallunaraju, wir kommen


    Als sich der Grat verschmälert und der Gipfel in Sicht kommt, wird es dann langsam hell. Pünktlich zum Sonnenaufgang erreichen wir den Gipfel, nachdem wir als Schlüsselstelle eben kurz mal noch eine kurze 45° Rampe im Firn hochgewandert sind und treffen dort auf einen Guide mit Gast. Es gibt Gipfelfotots und Gratulationen. Auf die Frage, wo ich denn hoch sei sowie den Kommentar "direkte Linie rauf", macht der Guide nur grosse Augen und meint "Oh".



    Die Kette der Cordillera Blanca in Richtung Norden im ersten Sonnenlicht


    Ein Guide, ein Gast und wir, 5686 M, Vallunaraju Norte


    Auch mal eins von uns


    Die Sonne lässt auf sich warten


    Dafür wird es in der Ebene hell


    Den Rückweg, auf dem wir nur noch vier Leute im Aufstieg antreffen, geniessen wir mit Bildern hier und da. Wir haben genügend Zeit und können endlich ablichten, wo wir nachts durchgewandert sind. Ganz schön zerrissen das Ding hier oben aber dank Schnee unproblematisch. Auch die Frage zum Weg klärt sich. Anstelle direkt durch den Bruch muss man nur in einem weiten Schlenker links herum um die Zone und hat bis oben einen völlig unkomplizierten Weg. Und auf die Steinmännchen ist gepfiffen, denn die ganze Zone zwischen Eis und Zelten ist auf 100 bis 200m Breite damit vollgestellt. K.A. welcher Kasper das gebaut hat, aber eine Erkundungstour am Tag davor könnte nicht schlecht sein. Ging aber auch so, ebenso wie der Abstieg, denn nach 2 Stunden (inkl. 15 min Pause am Gletscherende) sind wir wieder am Zelt. Kurz davor treffen wir noch auf die Partydamen von der Vornacht, die nun endlich ausgeschlafen haben und mit dem Guide in voller Montur und mit zwei Eisäxten bewaffnet Richtung Eis stolpern. Anfänger auf Eiskurs mal wieder, endlich wach und um 9 Uhr schon in der Lage, den Hintern hoch zu bekommen. Klar, danke.



    Unser Weg runter


    Vallunaraju Sur


    Zwischen den beiden Gipfeln geht es rechts in die Flanke


    Man wandert etwa 1000Hm oberhalb der wüstenartigen Cordillera Nero im Eis herum, faszinierend und ein irrer Weitblick


    Rückblick zum Gipfel


    Unterhalb des Vallunaraju Sur


    Hier rechts unterhalb des Vorgipfels durch, danach komm ein flacher Rücken


    Eine der üblichen Schlängeleien durch den Bruch


    Hier mit Vorgipfel


    Und darunter gleich ums Eck und weiter


    So umgeht man solche Eisflanken


    wieder eine Rampe runter


    Tjo, da geht es durch


    Einmal bitte Bruch queren


    Die weite breite Trasse runter, ein Schlenker und ein guter Pfad später und wir stehen am Gletscherende, und ich frage mich...


    ...wenn der Weg links am Bildrand hoch geht....


    ...wo zur Hölle sind wir da heute Nacht rauf? Irgendwo durch die Bruchzone oben durch, so viel ist klar. Aber ich finde weder vor Ort noch mit Vergrösserung des Bilds am Rechner irgendwelche Spuren. Faszinierend.


    Wir brechen unsere Hütte ab, nachdem wir eine Runde in der Sonne gepennt haben, und gehen gemütlich einen alternativen Pfad runter, der etwa 500m weiter vorne als ausgemacht an der Strasse endet und wo man nicht die Platte runter muss.



    Aufbruchstimmung, ab hier geht es direkt nach Lima am Meer.


    Der Ranrapalca


    Wie gedacht sind wir in unter einer Stunde an der Strasse und lediglich eine schmierig rutschige Sektion im Fels unter einem Überhang bremst etwas. Unten wartet ein Taxifahrer, der fragt ob ich "Sir Alex" sei, was ich bestätige, aber da wir um 12:30 Uhr hier sind, erwähnen wir, wir hätten ein Taxi auf 14 uhr bestellt und bräuchten keins.


    Kurz oberhalb der Strasse.


    Eventuell ist das ein Fehler, denn wie uns die Hostelbesitzerin später erklärt würden die Taxifahrer wohl recht früh hoch fahren und warten. Wie dem auch sei, wir warten, und warten, und um 14 Uhr ist kein Taxi da. Um 14:20 Uhr beschliessen wir: "Taxi kommt nicht" und brechen zu Fuss in Richtung Huaraz auf. Laut Openstreetmap ist die nächste Möglichkeit einer Fahrgelegenheit in Llupa, schlappe 3 Stunden zu Fuss nach OSMAndberechnung entfernt. Macht fast nix, der Bus fährt ja erst um 23 Uhr. Gut, wir haben kaum Wasser eingepackt und es ist sengend heiss, aber es hilft nix. Und so brechen wir dann zum Rückweg auf, in der nicht erfüllten Hoffnung, es käme doch noch irgend ein Fahrzeug des Weges.


    I am walking... - noch im Tal


    Es wird flach und der Weg ist noch weit. Die Socken in den steigeisenfesten Bergtretern qualmen und eigentlich wäre UL nun fast so gut wie ein kühles bier im Schatten


    Ab hier sind es laut OSMANd nur noch schlappe 4 Kilometer....


    ...und aus dem Riss da links kamen wir raus.

    Immerhin ist auf Openstreetmap In Punkto Wege Verlass. Der kleinste Trampelpfad im Busch ist eingezeichnet, kein Verlaufen, nix. Um kurz vor nach 17 Uhr sind wir auf der Strasse zwischen Pitek und gerade als wir in den Ort einlaufen kommen zwei bekannte Umrisse die Staubpiste runter: Collectivos. 2S, etwas Gerumpel und weitere 700m später sind wir am hostel. Dort können wir unser Restgepäck in Empfang nehmen, zahlen das Zimmer vom Freitag und dürfen auch noch eben kostenlos unter die Dusche. Danach geht es noch einmal ins Cafe Trivio, zurück zum Hostel und per Taxi um 22 Uhr zum Bustermianl von Movil Tours.

    Hier herrscht Trubel und Hochstimmung. Der ganze Bau ist voller Leute, die allesamt demnächst los wollen. Trotz Trubel funktioniert die Gepäckabgabe (heute ohne Strafgebühr) ebenso problemlos wie das Abholen unser Tickets, die an einer Kasse schon bereit liegen. Leider hat Movil Tours wohl eine vierte Kategorie eingeführt, denn obwohl ich ich Präsidentenplätze gebucht habe und mich schon auf ein Bett im Bus freue landen wir wieder in 160°-liegesitzen. Ok, wir haben heute Video, aber das interessiert uns über Nacht herzlich wenig, und obendrein haben wir schon wieder Glück und zwei Frauen mit Kleinkinder/Babys belegen die Sitzreihe vor uns. Kann man nicht ändern, immerhin haben wir den Bus....


    [Vegareve]
    Sonnenaufgänge auf 5500 M sind schon was besonderes



    Bye-bye Huascaran und co., ich hoffe wir kommen wieder..




    Platten im Abstieg vom Gletscher zum Zelt


    the long way home

    (ab hier nur noch 15 000 Km bis nach Hause)
    Geändert von Vegareve (15.08.2018 um 20:45 Uhr)
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #38
    6.8.
    Die geplante Ankunft ist 7 Uhr, um 5:30 Uhr zeigt mir Openstreetmap, dass wir nur noch ein paar hundert Meter vom Busbahnhof entfernt sind. Eine Runde um den Block herum, der Bus hält, eine Frau steckt den Kopf rein und redet etwas, niemand rührt sich. Schlagartig fällt mir ein, dass es neben dem termianl Nord auch noch ein Terminal Süd gibt und die Leute alle wohl zum Endterminal wollen, wir aber hier raus müssen. Fluchartig ziehen wir die Schuhe an und verlassen gerade noch rechtzeitig den Bus. Unser Gepäck wird gegen den Gepäckschein auch noch schnell ausgeladen, und nun stehen wir um 5:30 uhr in Lima.

    Wie gewohnt kommt aber schon ein Taxifahrer ums Eck und fährt uns dann auch für die üblichen 50S zum Flughafen. Dort finden wir recht schnell die Gepäckaufbewahrung, schlucken einmal in Anbetracht des Preises (36S pro Gepäckstück und Tag), aber da wir die folgende Zeit bis zum Abflug unseres Fliegers um 19 Uhr keine 70kg in einem oberen vierstelligen Eurobetrag Wert herumtragen wollen, geben wir die Taschen dort ab und gehen erst einmal einen Stock höher, Kaffee trinken (8S). Danach suchen wir die Touriinfo auf und erkundigen uns nach Fahrgelegenheiten ins Stadtzentrum. Ja, Collectivos gäbe es, aber da gäbe es keinen Plan und man müsse 3x unterwegs umsteigen. Ansonsten Taxi (80S) oder den Shuttlebus, aber der gehe nur in den Süden der Stadt und von hier wäre es ein weiter Weg zu Fuss. Die letzte Möglichkeit seien Busse der Linie 9 und C, die ausserhalb vom Flughafen vorbei fahren.

    Also Buslinien, wird schon gehen. Wir verlassen das gelände, wimmeln noch einen hartnäckigen Taxifahrer ab und lernen nun Collectivos im Drogenrausch kennen. Die Dinger sind hier wie auf Speed. Im sekundentakt kommt einer von der Strasse aus herein geschossen, in voller Fahrt reisst der Beifahrer die Tür auf und gibt einen Blick frei auf etwas was eher nach 30 Leute als 24 Mann im Kleinbus aussieht. Würde man hier Stoppschilder aufstellen bekäme bei der quasi nicht existierenden Haltezeit jeder Fahrer einen Strafzettel in Europa wegen Überfahren des Schildes. Um das Ganze zu steigern kommen die Busse auch mal im Büschel von 2-4 Autos an und das Geschrei vermischt sich mit dem Geblöke eines typen, der mit einem Zettel in der Hand von Bus zu Bus rennt und irgendwas verticken will. Fazit: Absolut Null Chance, hier den richtigen Bus zu erwischen, ausgeschlossen.


    Da geht noch etwas rein, jawoll.

    Nach 10 Minuten haben wir Glück. Ein Bus mit der Nummer 9 im Schild rollt herein, und es ist ein alter US-Schulbus mit grob 40 Plätzen. Und er hält so lange, dass wir fragen können, ob er auch ins Zentrum fährt. Dann sind wir an Bord und geniessen die Fahrt. Die Fahrt, ach ja, hach, die zieht sich. Erst durch den Stadtverkehr nach Süden, dann durch irgendwelche Strassenzügen, um Kurven, Ecken und immer dicht am Blechschaden vorbei, denn auch mit dem Bus kann man drängeln. Nach 2 Stunden (vom Flughafen ins Zentrum sind es 8km Luftlinie) und nachdem wir sogar den Süden der Stadt bereits gesehen haben, geben wir dem Fahrer seine 2S und sind am Ziel.
    So schelndern wir dann quer durch die Innenstadt mit seinen älteren Bauten und legen auch noch eine ausgiebige Runde in der Kathedrale von Lima ein. Für hiesigen Verhältnisse ein Riesenbau, aber in Anbetracht dessen, dass es das katholische Machtzentrum von halb Südamerika war doch angemessen.



    Nach der Kirche suchen wir ein Restaurant und geniessen Paella zum Frühstück und dürfen auf dem Rückweg zur Buslinie einen Umweg einlegen. Der platz vor der Kathedrale ist abgeriegelt, irgendeine Blasmusik spielt und überall stehen Polizisten mit Schutzschilder und AK47 herum. Auf Trubel warte ich vergebens, die Wachleute wollen nur aus Langeweile wissen, woher wir kommen.

    Also zurück zur Strasse wo der Bus lang kommen muss, und zufällig finden wir auch die passende Linie. 2 Stunden sowie diverse Strassenverkäufer später (geschätzt: ein Dutzend), die zwischendurch aufspringen, Waren anpreisen, Süsswaren oder Eis verkaufen und dann wieder den Bus verlassen sind wir am Flughafen. Laut Homepage soll man 3 Stunden vor dem Abflug da sein und ich habe noch Santiagoi de Chile in Erinnerung, wo die Warteschlange am Schalter etwa 100m lang war und wir eher um die 4-5h gewartet haben. Hier dagegen ist Ruhe, nix los. Nach etwas Sucherei wegen des richtigen Schalters ist das Gepäck abgegegen. Auch die Passkontrolle geht schnell und unser Flieger düst pünktlich um 19 Uhr in Richtung Europa los.
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #39
    7.8.
    Morgens Lokalzeit kommen wir in Madrid an, und da wir auch hier 5 Stunde Zeit haben - guess what - gehen wir los. Per Zug in die Innenstadt (45 Minuten Fahrzeit), wobei wir unseren Umsteigebahnhof verpassen und etwa 1km vom eigentlichen Ziel entfernt aussteigen, dann in der Mittagshitze bei 36°C im Schatten Sightseeing in der Stadt, Mittagessen in einer kleinen Kneipe


    Rathausplatz Madrid.

    Dann das Ganze retour, rein in den Flughafen und um kurz vor 20 uhr geht unser Flieger nach Zürich. Dort verpassen wir dank Verspätung des Fliegers den letzten unkomplizierten Zug, müssen mit dem ganzen Gepäck in Wintertur und Wil noch einmal umsteigen und ein Taxi später sind wir tatsächlich um grob 1 Uhr am 8.8. in St. Gallen

    8.8.
    Während ich um 8 Uhr morgens bereits wieder in der erste Telefonkonferenz sitze ist Vegareve bereits um 7 Uhr schon los, mit dem Flieger in den Urlaub nach Rumänien.


    Ende Urlaub, jetzt kann ich mich davon erholen.



    Fazit
    An-/Abreise sowie die notwendigen Akklimatisierungstage abgezogen 4 Ruhetage auf 3 Wochen. Vier 5000er bestiegen (ohne gringo Gut wären es fpnf geworden), einen Trek abgewandert, In Huaraz zum Grillen unterwegs gewesen und auch sonst viel Neues kennengelernt. Ziemlich gut genutzten Zeit und lohnenswert.
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    AW: [PE] Cordillera Blanca

    #40
    Und nu zu den Fragen:

    Zitat Zitat von danobaja Beitrag anzeigen
    aber wo kommen denn all die leute her??? ist ja wahnsinn.... na vielleicht find ichs raus beim lesen.

    auf jeden fall danke für den bericht an euch beide!
    Das mit den Leuten täuscht. Klar geht es in den Städten und den Tagesausflugsorten (Laguna 69) hoch her, da auch Einheimische als Touristen unterwegs sind. An den Bergen ist es aber trotzdem noch recht ruhig, obwohl wir mit Pisco und Ishinca zwei Klassiker bestiegen haben. Auf den Pisco gingen bei uns so grob 10 Leute pro Tag, auf den Ishinca etwa 10-30, je nach Wetterlage. Kein Vergleich mit dem, was man bei uns an den Modebergen sieht, aber da alle in etwa gleichzeitig starten und ähnlich schnell oben sind sieht es nach viel aus. Im Endeffekt waren wir aber nur am Ishinca "im Pulk" (ake mit vier anderen Leuten) unterwegs, an allen anderen Buckeln waren wir stundenlang solo auf Wanderschaft.

    Hier mal eine Nachtaufnahme vom Tacul....

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