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  1. Fuchs
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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #61
    Mitreisende: Wafer
    25. Tag: Gailingen am Hochrhein - Rheinau
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    Donnerstag, 25. Juli 2019
    Strecke: 26 Km
    Höhenmeter: ↑ 250 m, ↓ 350 m
    Gehzeit: 7 h

    Gesamtstrecke: 558 Km
    Gesamthöhenmeter: ↑ 24.475 m, ↓ 24.250 m
    Gesamtgehzeit: 171 h 30

    Man, war das heute Nacht heiß! Das nächste Mal bei diesem Wetter vielleicht doch ein Zimmer mit Klimaanlage? (Ich merke schon, ich entferne mich immer mehr vom Outdoordasein ) Der Blick aus dem Fenster zeugt von einem Tag, der sicher nicht viel Kühler wird als gestern: keine gute Fernsicht, keine Wolke am Himmel und schon wieder – oder immernoch? – recht warm.
    Das Frühstück hält mich nicht lange auf. Je früher ich loskomme desto kühler ist es noch. Der Weg hinunter an den Rhein ist jetzt nicht so wirklich prickelnd. Am Rhein werde ich dann mit hoch moderner Architektur begrüßt: Einer Brücke aus Holz und einem Brunnen aus Stein. Heutzutage findet man das meist andersrum vor.


    Am Rhein bei Diessenhofen

    Und damit ich mich schon mal auf den Tag einstellen kann geht es auf der Südseite des Rheins gen Westen. Damit ich auch am frühen Morgen schon die Sonne abkriege.


    Landesgrenze Rhein: Links Schweiz, rechts Deutschland

    Das mit der Landesgrenze soll heute aber nicht ewig so bleiben. Mal sehen.
    Am Wasser entlang nehme ich die Witterung des E5 wieder auf: ordentlich markiert geht es zwischen Wasser und dem Ehemaligen Kloster Sankt Katharinental dahin. Hier wäre ein Blick lohnend aber hier ist noch keiner und so ganz für Besucher freigegeben sieht das hier auch noch nicht aus. Sieht irgendwie nach Klinik aus. Ein paar Meter weiter noch einen erfrischenden Anblick: die Badi.


    Der Nichtschwimmerrhein von Diessenhofen

    Die Häuser auf der nördlichen Seite gehörten gerade mal eben kurz zu Schweiz. 300 Meter weiter liegt aber schon wieder Baden-Württemberg am Rhein. Der Weg dorthin ist mal richtig schick: durch den Wald führt ein sehr schöner Weg teilweise auf Holzbohlen dahin.


    Der Weg Richtung Büsingen

    Noch ist es nicht zu heiß und hier im Wald eh sehr angenehm. So komme ich zügig voran. Mit Büsingen liegt eine Enklave Deutschlands auf der anderen Rheinseite: Ganz von der Schweiz umschlossen fristet das Dorf ein recht einsames deutsches Landleben dahin.


    Büsingen am Hochrhein

    Richtig schön hier! Es wundert mich mal wieder, dass ich hier alleine unterwegs bin. Aber das kann sich im Laufe des Tages ja noch ändern. Der Eine oder Andere drückt sich hier aber schon herum.


    Grenzgänger am Rhein bei Büsingen

    Sehr abwechslungsreiche Gegend hier! Die Alpen sind zwar wieder etwas weiter weg aber das Land ist leicht gewellt und das bietet schöne Ausblicke.


    E5-Wandern an der Deutsch-Schweizer Grenze

    Kurz nach 10 Uhr komme ich im Paradies an. Also so gut wie zu mindestens. Am Kloster Paradies hat sich eine Wirtschaft angesiedelt. Die haben noch gar nicht offen. Die machen erst auf, wenn die Fähre fährt. Aber geputzt wird schon. So kriege ich schon mal was zu trinken. Bei der Gelegenheit kann ich dann auch darüber sinnieren, wie ich da jetzt nach drüben komme. 1,5 h Pause wollte ich hier jetzt nicht machen. Das Problem löst sich als mich ein Bootsbesitzer anspricht ob ich ihm helfen könne sein Boot zu Wasser zu lassen. Das mache ich natürlich und er erklärt sich gerne bereit mich nach drüben ans andere Ufer zu bringen.


    Ankunft im Paradies

    Zurück in Deutschland währt die Freude aber nicht lange. Keine 300 Meter wandere ich am Rhein entlang und bin schon wieder in der Schweiz. Alles sehr kleinräumig hier. Dank dem kleinen Ort Schengen in Luxemburg bleibe ich aber von lästigen Kontrollen verschont.
    Die Bebauung von Schaffhausen geht hier bis an die Grenze. Der E5 wird aber nicht an oder gar auf der Strasse geführt sondern ganz lauschig wieder direkt am Wasser.


    Der E5 am Rhein bei Schaffhausen

    Es dauert auch nicht lange und ich erhasche einen ersten Blick auf die Festung Munot, eines der großen Wahrzeichen von Schaffhausen.


    Schaffhausen ist an seinem Wahrzeichen gut zu erkennen

    Das Wandern in die Innenstadt mit bewegter Geschichte geht dann auch ganz fix. In der Altstadt ist noch recht wenig los. Es ist ja auch gerade mal erst 11 Uhr. So schlage ich mich wieder zum Rhein hinunter durch und überquere ihn. Damit habe ich den Kanton Schaffhausen schon verlassen und bin im Kanton Zürich. Auch diese Kleinräumigkeit deutet auf die bewegte Geschichte der Region hin.


    Schönes Schaffhausen

    Am Ufer führt ein schöner Weg, erstaunlich grün für eine so große Stadt, auf der zweite große Wahrzeichen der Stadt zu: Den Rheinfall. Und wo sich dem Wanderweg ein Hindernis in den Weg stellt, da bohrt er eben einen Tunnel durch. Da fackelt der Schweizer nicht lange rum.


    Tunnelwege durch die Stadt

    Wie alt die Tunnel sind und zu welchem Zweck sie gebaut wurden kann ich allerdings nirgends ersehen.
    Ein wenig kreuz und quer geht es durch Flurlingen hindurch. Ein improvisierter Biergarten lädt in einer Grünanlage zum Mittagstisch. Ich nehme die Einladung mal an.
    Eigentlich wollte ich ja südlich des Rheins im Wald entlang wandern. Der Teil des Weges ist aber gerade wegen Bergrutsch gesperrt. Auch Einheimische raten ab. Also geht es auf behindertengerechtem Teerweg am Nordufer entlang. Das Wasser vom Rhein wird immer kabbeliger. Es geht auch auf den Rheinfall zu.


    Schloss Laufen am Rheinfall

    Und ab der Brücke wird es dann schlagartig voll. Nicht umsonst haben die hier am Rheinfall 2 S-Bahnhöfe: Irgendwie müssen die Massen Mensch ja hin- und wieder weggebracht werden. Ich muss hier aber irgendwie durch. Dahinter geht der Wanderweg weiter. Aber hier irgendwie durch zu kommen ohne für irgendwas Eintritt zu zahlen, gestaltet sich aufwendiger als gedacht. Vom Schloss oben hat man einen recht netten Blick auf das Gewühl da unten. Teilweise verursacht durch das tobende Wasser aber teilweise auch durch die Menschenmassen, die sich hier rumdrücken.


    Wogende Massen am Rheinfall

    Die Boote der Rheinrundfahrt fahren von unten möglichst nah an den Rheinfall heran und drehen dann ab und lassen sich durch die Kraft des Wassers treiben. Die Touristen sind begeistert.
    Ich überlasse dieses Schauspiel denjenigen, die bereit sind dafür einen Haufen Geld zu bezahlen und bin erstaunlich schnell wieder auf einem recht ruhigen Waldwanderweg direkt am Fluss entlang.


    Der E5 kurz hinter dem Rheinfall

    Etwas verwunderlich sind allerdings die vielen Wanderer in Badekleidung. Aber dieses Rätsel löst sich später noch. Sie tauchen erst vereinzelt auf und dann schon fasst in Massen.


    Viel Betrieb auf dem E5 bei Dachsen

    Auch auf dem Rhein sind viele Badende unterwegs. Die meisten allerdings lassen sich nur treiben und sind damit schneller als ich. Der Rhein hat hier wieder ein ganz schönes Tempo drauf!
    Am Infanteriebunker Dachsen Nord A 5467 ist dann richtig was los! Der alte Bunker steht so dicht am Wasser, dass er als Sprungturm genutzt wird. Aber wo kommen all diese Leute in Badesachen her? Die Lösung liegt um die nächste Ecke: Dort liegt die Badi Dachsen an einer Bachdelle.


    Die Badi in Dachsen

    Für diejenigen, die nicht im Rhein baden wollen wurden hier Schwimmbecken gebaut. Und der Wanderweg führt mitten durch. Ein Imbissstand macht einen guten Eindruck. Da kann ich gut nochmal kurz was nachlegen. Und der Erwerb einer Eintrittskarte ist ebenfalls möglich – aber wohl nicht verpflichtend. Was hier auch verkauft wird sind Tickets für die Touristenboote am Rheinfall. Die fahren bis hierher und mit Badekleidung bekommt man einen Sondertarif. Am Rheinfall steigen die Badenden dann einfach nicht an Land sondern ist Wasser aus dem Boot und lassen sich zur Badi zurücktreiben.
    Nach dem Imbiss und einer Erfrischung im Rhein starte ich wieder und wandere am Rhein entlang nach Süden. Auf der anderen Rheinseite grüßt schon wiedermal Deutschland zu mir herüber. Und das wird auch der Grund sein, warum ich hier an einigen Bunkeranlagen vorbei komme.


    Wandergenuss am E5 mit Bunkerblick

    Mal näher am Wasser, mal weiter weg bleibt der E5 immer in Blickweite zum Rhein. Der Rhein mäandert hier ein wenig durch die Landschaft und der E5 folgt ihm auf dem Fuss - oder eher direkt am Ufer.


    Der E5 zwischen Dachsen und Rheinau

    Schön und abwechslungsreich zu gehen! Von oben komme ich an das Wehr bei Rheinau heran. Hier ist Baden verboten. Hier wird das Wasser für das Kraftwerk entnommen, das unter dem Ort hindurch zu dem Rhein auf der anderen Ortsseite hindurchgeführt wird. Unterhalb von dem Wehr kann man aber sehr angenehm pausieren.


    Rheinau mit Kloster Rheinau und Bergkirche St. Nikolaus

    Hier macht der Rhein eine Schleife um den kompletten Ort herum auf einer Insel liegt das Kloster Rheinau. Davor fließt der Rhein in den auslaufenden Kehren nicht so schnell wie oben am Rheinfall. Eine ideale Stelle um zu baden. Ich beschließe für heute hier im Ort zu bleiben und den Rest des Tages entsprechend zu vertrödeln. So lasse ich mich hier nochmal zu Wasser.


    Eine Badestelle mit Blick auf das Koster Rheinau

    Gut erfrischt begebe ich mich ins Kloster. Ich drehe eine Runde und lasse mich im Schatten der Bäume nieder.


    Die Klosterkirche Rheinau

    Hier am Wasser wird es zunehmend voller. Die Jugend kommt wohl aus der Schule oder dem Job zurück und treibt sich bei der Hitze an und auf dem Wasser herum.


    Spaß am Rhein in Rheinau

    Ich suche nach einer Unterkunft am Ort. Weiter unten am Rhein werde ich fündig. Bleibt die Frage offen: Gehe ich lieber oben durch den Ort oder bleibe ich am Rhein? Ich entscheide mich für ersteres. Und steige in den Ort hinauf.
    Der Gasthof meiner Wahl liegt direkt an der alten Zollbrücke am Rhein. Nach dem Check-In begebe ich mich an die Liegewiese direkt vor dem Haus. Hier ist schon einiges los. Die Stelle ist aber ideal zum Baden!


    Mein Gasthof direkt am Rhein

    Ich schwimme auch mal eben nach Deutschland rüber. Die Grenze liegt hier wiedermal in der Mitte des Rheins. Aber da drüben ist deutlich mehr Strömung. So bleibe ich bei den Eidgenossen und chille noch ein wenig am Wasser in der Sonne. Die Schweizer haben schließlich auch gutes Bier!
    So darf es gerne auch morgen weiter gehen: 3 Mal baden. Das braucht man, wenn man bei diesen Temperaturen wandert! Dann bis morgen also! Tschau ...

  2. AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #62
    Oh, wie schön! Ein Stück Rhein, dass ich kenne. Die Boote am Rheinfall hab ich schon mehrmals benutzt, aber auch ein Stück E5 und das ohne es zu wissen. Es gibt da so einen Rundwanderweg, den wir mal gemacht haben. Damals war es fast ähnlich heiß wie bei dir. Du hast da dieses Jahr aber auch wirklich die heißeste Woche erwischt!

    LG,
    Babs

  3. Fuchs
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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #63
    26. Tag: Rheinau nach Eglisau
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    Freitag, 26. Juli 2019
    Strecke: 19 Km
    Höhenmeter: ↑ 275 m, ↓ 250 m
    Gehzeit: 5 h

    Gesamtstrecke: 577 Km
    Gesamthöhenmeter: ↑ 24.750 m, ↓ 24.500 m
    Gesamtgehzeit: 176 h 30

    Und wieder weckt mich der Morgen mit Sonnenschein auf dem Bett. Das lobe ich mir! Da steht man doch gerne auf! – Naja, also gut: Zumindest steht man fast gerne auf! Das Frühstück ist gut und ich komme recht früh weg. Auch heute soll es wieder gehörig warm werden. Was hatte ich am Anfang der Tour nur für Probleme mit kühleren Temperaturen?
    An der Strasse geht es zunächst hinauf ins Dorf. Die Schweizer sind recht fantasiereich wenn es um die Gartengestaltung geht!


    Kunstvoller Abflug in einem Garten in Rheinau

    Oben in Dorf angekommen führt mich der E5 am Ortsrand entlang. Unten im Tal fließt der Rhein so ruhig dahin, also könnte er kein Wässerchen trüben.


    Ruhig zieht heute der Rhein dahin

    Gar so weit muss man aber gar nicht schauen. Die Gärten hier in der Gegend sind wirklich gut gepflegt. Da blüht einiges und bietet einen schönen Anblick.


    Auch in der Nähe gibt es reichlich zu sehen

    Ein paar Meter weiter, ungefähr bei den Wasserleitungen des Kraftwerks, geht es wieder zum Rhein hinunter. So wirklich prickelnd ist es da aber nicht. Der Rhein wird sehr unruhig und die Weg entlang des Wassers ist eher langweilig und hart. Das ändert sich zum Glück wieder als ich den Bereich des Dorfes verlasse. Da geht es wieder auf natürlichen Wegen auf und ab.


    Der Rhein ist hinter Rheinau zum Schwimmen eher weniger geeignet

    Das direkte Ufer ist teilweise etwas Felsig und der Weg wird oberhalb geführt. Auf schönen Wanderwegen geht es auf Elikon zu.


    Elikon kommt in Sicht

    So groß ist dieser Flecken aber nicht. In einem Bereich, den ich für den Hafen halte liegen nur ein paar Kähne.


    Nur wenige Boote liegen in Elikon

    Ein Zelt zeugt davon, dass hier demnächst ein Fest steigen soll. Wiedermal bin ich wohl zu früh. Elikon selber ist recht klein. Es gibt ein Restaurant und ein paar Häuser. Alles ist hier noch verschlafen und geschlossen. Die Hochwasserverbauungen zeugen davon, dass es hier wohl manchmal recht feucht zugeht.
    Auf den Wiesen hinter dem Ort toben einige Hunde. Das Herumtoben der Hunde findet aber sehr gesittet statt!


    So friedliche sollten Hunde immer miteinander spielen

    Die Hochwasserschutzbauten ziehen sich vom Rhein zurück und es wird eher feucht. Damit nehmen aber auch die Mücken zu. Man merkt meist wenig davon, bis es kurz pickt und dann juckt. Das Mündungsgebiet der Thur ist eines der größten Feuchtbiotope der Schweiz. Das lese ich leider jetzt erst – das ist eindeutig zu spät! Aber mein etwas ungeplantes Wandervorgehen beschert mir dann eben manchmal solche Überraschungen. Da muss ich jetzt eben durch. Auf meist recht schönen Wegen geht es mal näher und mal etwas weiter weg vom Rhein durch die Wälder.


    Auf Waldwegen führt der E5 ins Mündungsgebiet der Thur

    Da es nicht sehr viele Brücken und Strassen hier gibt muss ich ein paar Meter am der Thur hinauf um auf der nächsten Brücke diese zu überqueren.


    Die Thur

    Die Vegetation der Wiesen zeugt hier schon von der recht hohen Feuchte der Boden.


    Buchberg kommt erstmals in Sicht

    Eine angeschriebene Aussichtsplattform ist leider nicht begehbar. Im Wald ist es teilweise recht sumpfig. Wie ist das hier erst, wenn es die letzten Tage mal geregnet hat? So wie der Weg angelegt ist, könnte das manchmal schon recht matschig werden.


    Tolle Waldwege im Thurdelta – wenn es trocken genug ist!

    Der E5 führt mich zurück an den Rhein und an ihm entlang. Es folgen einige badefähige Stellen, die auch zunehmend besucht sind. Wo die Badegäste herkommen wir auch klar: Ich muss einen Campingplatz durchwandern. Und der ist recht gut besucht. Mit Pools und Rhein und Restaurants gehört er wohl zu den beliebteren. Ich werde mit meinem Rucksack angestarrt, als wäre ich ein Alien. Sehr viele Zelte sehe ich aber auch nicht. Das meiste sind Wohnmobile und Campinganhänger.
    Der Spuk ist aber recht schnell wieder vorbei. Über die Strassenbrücke geht es wieder auf die Nordseite des Rheins hinüber.


    Rüdlingen liegt auf der Nordseite des Rheins

    Mit dem nächsten Ort kommt aber auch die nächste Herausforderung in Sicht: Der Weg führt mich hinauf zu der Kirche von Buchberg. Und das bei ca. 35°C! Das muss ich langsam angehen. Vielleicht hätte ich auf dem Campingplatz doch nochmal die Flaschen nachfüllen sollen? Na, so schlimm wird es wohl nicht werden. Sind ja nur 200 Höhenmeter.
    Die haben es aber in sich! In der prallen Mittagssonne steige ich auf. Aber die Aussicht belohnt mich für die Mühen!


    Rüdlingen liegt unter mir

    Endlich kommt der Gipfel dieses Hügels näher.


    Die Kirche von Buchberg ist erreicht

    Leider ist hier alles verschlossen und die Wasserhähne sind abgedreht. So nehme ich mir nicht viel Zeit um die Aussicht zu genießen.


    Das Thur-Mündungsgebiet

    Die Temperaturen treiben mich bald weiter. Meine Flaschen sind leer und ich habe hier herauf ganz gut geschwitzt. Ein paar Meter weiter gibt es einen recht guten Mittagstisch im Schatten – mit gekühlten Getränken.
    Hier wird mir empfohlen nicht unbedingt der Markierung des E5 zu folgen sondern lieber im Wald an den Rhein zurück zu kehren und dort im Schatten nach Eglisau zu wandern. Das hört sich nach einem guten Plan an!
    Also nehme ich die nächsten Feldwege zurück zum Rhein.


    Es geht zurück an den Rhein

    Dort geht es wie angekündigt in den schattigen Wald. Gute Idee! Mehr ab als auf geht es durch den Wald tendenziell abwärts.


    Abstieg nach Eglisau

    An einzelnen Gehöften vorbei geht es immer näher an den Rhein heran. Aber damit wird auch der Wald wieder etwas lichter.


    Eglisau ist erreicht

    Wie als Zeichen komme ich zuerst an der Flussbadi Eglisau vorbei. Leider muss ich heute noch heimfahren. Aber die Zuganbindung von Eglisau ist gut und da fährt in einer Stunde sicher auch noch ein Zug! Also nehme ich mir die Zeit und wechsle die Wanderklamotten gegen die Badehose. Und ab ins Wasser.


    Ein Bad im Rhein in Eglisau

    Die Badi ist richtig gut besucht. An einem Freitagnachmittag nicht wirklich ungewöhnlich. Viel zu schnell vergeht die Zeit. Gerne würde ich hier noch ein paar Stunden chillen. Aber ich sollte heute Abend noch zuhause sein. Also steige ich aus dem Wasser und mache mich auf den Weg zum Bahnhof.


    Auf dem Weg zum Bahnhof von Eglisau

    Die Badi liegt nicht weit von der Kirche weg. Ich muss nur kurz über die Brücke und etwas den Hang rauf und schon stehe ich am Bahnhof. Hier besteht guter Zuganschluss nach Schaffhausen und damit auch Singen. Auf der Fahrt nach Schaffhausen komme ich nochmal am Rheinfall vorbei.


    Zurück am Rheinfall

    Mit 5 Mal Umsteigen und Schienenersatzverkehr von Singen bis Tuttlingen komme ich ‚nur‘ mit einer Stunde Verspätung zuhause an. Weit ist das von uns eigentlich nicht weg. So hoffe ich, dass ich bald mal wieder in dieser schönen Gegend unterwegs sein kann!

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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #64
    Und noch ein Wiedererkennen – in Rüdlingen unterhalb der Weinberge hatte ich auf der WAI-Tour mein Zelt zum Trocknen aufgebaut und war anschließend mit SwissFlint per Boot unterwegs Das wusste ich noch gar nicht, dass da der E5 durch führt.
    Geändert von lina (17.12.2019 um 23:31 Uhr)

  5. Fuchs
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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #65
    Hallo Lina.

    Zitat Zitat von lina Beitrag anzeigen
    Das wusste ich noch gar nicht, dass da der E5 durch führt.
    Genau das fasziniert mich auch ein Stück weit am E5: Fast jeder hat ein Bild vom E5 vor Augen und die Realität sieht eigentlich ganz anders aus! Durch die überregionale Bekanntheit des - relative kurzen - Teils von Oberstdorf bis Meran/Bozen ist das Bild recht einseitig aber der Weg selber bietet sehr viel Abwechslung und unterschiedliche Teilstrecken und Regionen. Für mich neben den Vorteilen des Wegs selber auch ein Grund diesen Weg zu gehen und kennen zu lernen. Aber wem sage ich das? Einer 'alten' E1-Fachfrau muss man das ja nicht erzählen!

    Gruß Wafer

  6. Fuchs
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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #66
    Epilog 3. Etappe
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    Diese Etappe würde ich in 3 Bereiche einteilen:
    • Die eher alpine Region im Bregenzer Wald
    • Die Wanderung am See
    • Die Etappe entlang des Rheins
    Alle drei Teiletappen hatten ihren Reiz. Ich mag die Berge sehr gerne. Die im Bereich des Bregenzer Waldes sind sehr grün und fordern wenig alpine Erfahrungen. Der Bereich war abwechslungsreich und hat mich sehr angesprochen. Mit dem Brüggelekopf als höchstem Punkt waren die Höhenanforderungen eher überschaubar. Trotzdem war der Etappenteil sehr schön und abwechslungsreich.
    Der Teil am Bodensee entlang hat mir von den drei Teilen am wenigsten gefallen. Der Untergrund war nach meinem Geschmack zu teerlastig und die Abwechslung hat gefehlt. Es gab ein paar Highlights aber das war es dann auch.
    Der Teil ab Stein am Rhein hat mir dann wieder sehr gut gefallen. Der Weg war in der Regel sehr naturnah, dicht am Rhein geführt aber trotzdem abwechslungsreich.
    Unterwegs war ich diesmal mit der Kompasskarte „Bregenzerwald Westallgäu“ – Kartenummer 2 - im Maßstab 1:50.000 (ISBN 978-3-8549-1003-9) und der Topografischen Wanderkarte „Lindau – Oberstaufen und Umgebung“ (ISBN: 3-86038-504-6) im Maßstab von 1:50.000 vom Bayerischen Landesvermessungsamt sowie natürlich wieder mit der Kompasskarte „Europäischer Fernwanderweg E5“ Teil Nord – Kartennummer 120 – im Maßstab 1:50.000 (ISBN: 978-3-85491-412-9). Die Karten hörten aber spätestens im Bereich Konstanz auf. Ab dort war ich rein elektronisch mit Locus und Onlinekarten unterwegs. Das war anfangs für mich eine Umstellung aber ging dann ganz gut. Die Schweiz hat ein sehr gut bezeichnetes und durchdachtes Wanderwegenetz.
    Der E5 ist in der Schweiz sehr selten als eigener Weg markiert. Hier muss man wissen auf welche Wege man achten muss. In der Schweiz bin ich zunächst dem Rheintaler Höhenweg 86 von Rheineck nach Rorschach gefolgt. Bis Romanshorn gab es dann zwar durchgängig Markierungen am See entlang aber nicht durch einen einzelnen Weg. Ab Romanshorn ging es dann auf dem 919 Bodensee-Uferweg bis Kreuzlingen entlang. Ab der Grenze hinter Konstanz ging es entlang der Markierung der ViaRhenana, die von Kreuzlingen nach Basel führt. Hier muss man der Nummer 60 folgen, mit der der Weg markiert ist. Die Internet-Seite www.Wanderland.ch ist für die Schweiz eine gute Informationsquelle zur Routenplanung.
    Generell habe ich bisher recht wenig Information zum E5 jenseits von Konstanz gefunden. Weder in schriftlicher Form wie Büchern, Wanderführern oder Karten noch in digitaler Form. Der E5 endet (oder beginnt) in den meisten Fällen bei der Dokumentation in Konstanz. Das finde ich sehr schade. Die Wikis von Wikipedia oder Outdoorseiten.net sind sich einig, dass es in Summe ca. 3.200 lohnende Kilometer sind, von denen der Teil von Konstanz nach Verona mit knappen 500 Km ein eher kleinerer Teil der Gesamtstrecke sind. Sehr viele kennen nur den Teil von Oberstdorf ins Schnallstal (Meran) (ca. 150 Km) oder bis Bozen (ca. 170 Km) von denen meist etliche Km noch mit einem Bus (Bregenz – Hitisau, Wenns – Mittelberg sowie vom Schnallstal nach Meran) zurückgelegt werden. Schade eigentlich! Denn der Weg ist weder überlaufen noch hässlich.

  7. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #67
    4. Etappe: Von Eglisau nach Rekingen
    Wir haben noch ein paar Tage Zeit aber nicht genug um unser Loch im Hochgebirge zu stopfen. Also planen wir auf dem E5 weiter zu gehen. Die Richtung ist klar: Von Eglisau weiter nach Westen. Und wir wollen bis in die Vogesen hinein kommen. So der Plan ...
    Wir packen also mal wieder unsere 7 Sachen, stellen das Auto an einem Dienstag in Singen an den Bahnhof und fahren am Nachmittag gemütlich mit der Bahn nach Eglisau zurück.
    Das Finden einer Übernachtungsmöglichkeit stellt sich als erstaunlich schwierig heraus. Am Ende wird es ein kleines Hotel mit Frühstück, das uns mit einer automatischen Rezeption erwartet: Ein Automat, der draußen vor der Tür hängt. Der Check-In funktioniert aber gut und wir bekommen eine Zimmerkarte.

    27. Tag: Von Eglisau nach Rekingen
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    Mittwoch, 4. September 2019
    Strecke: 19 Km
    Höhenmeter: ↑ 200 m, ↓ 250 m
    Gehzeit: 5 h 30

    Gesamtstrecke: 596 Km
    Gesamthöhenmeter: ↑ 24.950 m, ↓ 24.750 m
    Gesamtgehzeit: 182 h

    Der Tag beginnt mit Nebel und Frühstück. Als wir das Haus verlassen ziehen noch ein paar Nebelschwaden vorbei. Durch die Straßen von Eglisau gehen wir durch die etwas neueren Siedlungen nach Westen. Nach wenigen Metern wird es schon wieder grün. Oben am Wald geht es entlang.


    Das Eisenbahnviadukt von Eglisau

    Wir unterschreiten die Bahnlinie und wandern über Feldwege weiter. Der Rhein liegt nicht weit von uns weg – ein paar Meter rechts unter uns – und seine Feuchtigkeit zieht hier noch um die Bäume.


    Die Rheinauen hinter Eglisau

    Aber auch über dem Wasser liegen noch ein paar Nebelschwaden. Die Sicht ist aber zwischenzeitlich schon recht gut. Es verspricht ein guter Tag zu werden.


    Die Nebel von Eglisau

    Der E5 wird meist direkt am Ufer geführt. Auf der anderen Rheinseite liegt jetzt schon wieder Deutschland. Viel ist hier heute Morgen noch nicht los. Weder auf dem Wanderweg noch auf dem Wasserweg.


    Der E5 am Rhein bei Zweidlen

    Überhaupt hat die Zahl der Wanderer hier auf diesem Teil des E5 extrem nachgelassen. Dafür ist die Wegqualität deutlich besser geworden. Hier hat die Teerlastigkeit deutlich nachgelassen.


    Schöne Wanderwege am Rhein

    Im Zick-Zack geht es um ein Wasserkraftwerk der Schweizer herum. Durch die Uferböschungen fällt es kaum auf, dass wenige Meter südlich von uns eine Bahnlinie und meist auch eine Straße geführt wird. Was verkehrstechnisch deutlich mehr auffällt sind die Flugzeuge über uns, die sich alle im Anflug auf Zürich befinden. Die sind hier meist knapp auf der Grenze unterwegs und lassen über uns schon die Fahrwerke heraus. Weit kann Kloten also nicht mehr sein.


    Herdern am Rhein

    Abwechslungsreich geht es an der Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland weiter: Mal wird der Weg etwas weiter oben geführt, so dass man einen schönen Blick über den Rhein hat. Mal etwas weiter unten direkt am Wasser.


    Der E5 bei Hohentengen am Hochrhein

    Wir sind langsam recht warm und kommen gut voran.


    Es geht auf Kaiserstuhl zu

    Als wir an Rhein durch Kaiserstuhl kommen grüßt von der deutschen Seite eine Burg herüber.


    Burg Rotwasserstelz bei Hohentengen am Hochrhein

    Das scheint hier schon länger ein Grenzübergang zu sein. Man stand sich hier an der Grenze wohl nicht immer so wohlwollend gegenüber, wie es im Augenblick der Fall ist. Die Burg sieht recht wehrhaft aus. Und ein paar Meter weiter haben die Schweizer das noch effektiver gemacht!


    Schweizer Bunkeranlage mitten im Rhein

    Die Bunker hier entlang des Rheins verdichten sich wieder. Viel wurde hier auf Schweizer Seite nicht abgebaut. Manche sind aber nicht mehr ganz so gut in Schuss: Nicht überall weht noch eine Schweizer Flagge. Bei einigen hat die Natur schon ganz gut zu verdecken versucht, was der Mensch so hässlich hin gebaut hat.


    Die Natur holt sich ihr Territorium zurück

    Der Rhein schlängelt sich hier gemütlich durch die Landschaft. Und der E5 folgt seinem etwas kurvigen Verlauf. Die Bunker sind gerade wieder allgegenwärtig, dafür haben wir einen römischen Wachturm, der hier mal gestanden haben soll, gar nicht erst gefunden. Auf dem Dach eines der Bunker machen wir Pause. Wenn da kein Zaun stünde, könnte man von hier aus wieder direkt ins Wasser springen.


    Rauchzeichen über Leibstadt

    Der Ort Rümikon liegt nicht direkt am Rhein. Die Ortsumgehung wurde zwischen Ort und Rhein gequetscht. Der Wanderweg hat zwischen Straße und Rhein kaum noch Platz. Als sich die Straße etwas zurückzieht liegen ein paar Bootsschuppen direkt am Wasser. Die Wasserstraße, die durch den seichten Rhein hier ins tiefere Fahrwasser führt ist ähnlich markiert wie hier die Landstraßen.


    Ein Straße mitten im Rhein?

    Ein paar Meter weiter kriege ich einen heftigen Schlag in die Wade. So fühlt es sich zumindest an. Ich kann kaum noch laufen. Zuerst schaue ich, was mich da angesprungen hat, finde aber nichts. Da ich kaum voran komme schleppe ich mich zu der nächsten Bank und wir machen Pause.


    Pilze

    Nach einer halben Stunde ist es nicht wesentlich besser. Zum Glück gibt es nicht weit von hier eine Wirtschaft. Da verlegen wir nun die Pause hin und wollen dann entscheiden wie es weiter geht.
    Nach einer Stunde Mittagspause hat der akute Schmerz zwar nachgelassen aber an entspanntes Weiterwandern ist nicht zu denken. Wir beschließen erstmal weiter zu humpeln um zu schauen, ob sich das irgendwie einläuft.


    Beschaulich geht es am Rhein entlang

    Wir passen uns quasi dem Tempo der Enten an. So wird das nichts! So kommen wir nicht voran und richtig Spaß macht es auch nicht. So beschließen wir, diese Etappe hier schon enden zu lassen. Irgendwie sind wir kein sehr erfolgreiches Team!


    Leider sind die Bunker alle verschlossen

    Als wir in Mellikon gerade am Bahnhof ankommen sehen wir, wie der Zug, den wir nehmen wollten, ihn gerade verlässt. Damit wir hier nicht über eine Stunde auf dem Bahnhof sitzen müssen tiegern wir in unserem Ententempo weiter bis zum nächsten Haltepunkt in Rekingen.


    Pause am Rhein hinter Mellikon

    Hier staut sich der Rhein ein wenig, weil hier ein Kraftwerk, diesmal mehr auf deutscher Seite, liegt. Das Kraftwerk ist ebenso wenig eine Schönheit, wie das letzte.


    Das Kraftwerk bei Küssaberg-Reckingen

    Da meine Wade keine Anstalten macht besser zu werden steigen wir in Rekingen in den nächsten Zug und kommen mit einmal umsteigen in Waldshut-Tiengen recht zügig nach Singen zurück.

    Schade, dass diese Etappe so schnell zu Ende war. Eigentlich hatte ich geplant, dafür zu sorgen, dass das 'FR' in der Überschrift seine Berechtigung bekommt. Jetzt wird das wohl auf ein andermal warten müssen.
    Nachträglich hat sich herausgestellt, dass es irgendetwas muskuläres sein muss. Ich hatte neue Socken an und die erscheinen mir etwas zu eng. Vielleicht ist des Rätsels Lösung wirklich so banal. Manchmal haben eben kleine Ursachen großen Auswirkungen.
    Geändert von Wafer (18.07.2020 um 16:06 Uhr)

  8. Fuchs
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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #68
    Hallo Wafer,
    jetzt habe ich mir mal Zeit genommen und deinen Bericht weiter gelesen. Durch ein Projekt komme ich fast nicht mehr zum Reiseberichte lesen.
    Wieder mal eine schöne und interessante Gegend die du uns zeigst. Diese kenne ich nur von Kurzbesuchen, wie den Rheinfall und Konstanz.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  9. Fuchs
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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #69
    5. Etappe

    Eigentlich ist für dieses Jahr das Füllen der Lücke zwischen Sölden und Oberstdorf geplant. Aber irgendwie steht diese Tour wohl unter keinem guten Stern: Beim Fitnesstraining für diese Tour hat sich mein Freund vom Fahrrad gestürzt und 10 Rippen gebrochen. So war es mal wieder an mir die Tour um zu planen und alleine los zu ziehen. Alleine aber konnte ich die Lücke natürlich nicht schließen. Das wollen wir zusammen machen. Also setze ich den E5 dort fort, wo ich ihn als letztes verlassen habe: in Rekingen.

    28. Tag: Von Rekingen nach Luttingen
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    Mittwoch, 8. Juli 2020
    Strecke: 35 Km
    Höhenmeter: ↑ 150 m, ↓ 175 m
    Gehzeit: 8 h

    Etappe: 35 Km
    Etappenhöhenmeter: ↑ 150 m, ↓ 175 m
    Etappengehzeit: 8 h

    Gesamtstrecke: 631 Km
    Gesamthöhenmeter: ↑ 25.100 m, ↓ 24.925 m
    Gesamtgehzeit: 190 h

    Meinem Freund geht es eigentlich recht gut: er hat zwar Schmerzen aber die Ärzte meinen, es wird in ein paar Wochen nichts zurückbleiben. So kann ich unbeschwert an einem sonnigen Mittwoch nach Waldshut fahren. Die Bahnfahrerei ist mit viel Zeit und zu viel Umsteigen verbunden. Dass ich einen Teil der gewonnen Zeit durch Parkplatzsuche verbrauche war nicht ab zu sehen. Aber Waldshut ist das etwas schwierig. So muss ich auch ein paar Meter zum Bahnhof laufen.


    Ankunft am Bahnhof in Waldshut

    Vom Waldshuter Bahnhof führt die einzige elektrifizierte Linie in die Schweiz hinüber. Ohne Umsteigen bringt mich die S-Bahn nach Rekingen, den Ort, an dem wir das letzte Mal die Tour abgebrochen haben. Es ist schon später Vormittag und auch richtig warm! Die Hoffnung, dass der Wanderweg meist im schattigen Wald verläuft, erfüllt sich nicht: Solange der Weg in Ortsnähe verläuft gibt es keinen Schatten. Hinter dem Ort zieht sich aber zum Glück wieder ein Baumstreifen am Rhein entlang.


    Schöne Wanderwege am Rhein bei Rekingen

    Der E5 ist hier wieder auf der Via Rhenana geführt. Der Schweizer Wanderweg führt von Kreuzlingen nach Basel am Rhein entlang. Und eines muss man den Schweizern ja lassen: Wenn sie etwas können, dann ist es Wanderwege bauen!


    Der E5 am Rhein bei Bad Zurzach

    Fast immer direkt am Wasser geht es Rheinabwärts. An Bad Zurzach geht es vorbei und auf der anderen Rheinseite liegt Deutschland.


    Die Barzmühle mit Küssaberg - Kadelburg im Hintergrund

    An der alten Barzmühle kann man gut sehen, wie schon seit Jahrhunderten die Kraft des Wasser genutzt wird. Der Aufbau ist zwar nicht mehr ganz original aber die Mühle gilt als einzige intakte Getreidemühle am freifließenden Rhein.
    Es folgt ein sonniger Abschnitt, der mich zum Naturschutzgebiet ‚Rheinaue Rietheim‘ führt. In diesem Gebiet darf die diesseitige Rheinaue noch so sein, wie sie sein will.


    Naturbelassene Landzunge im Rhein in der Rheinaue bei Rietheim

    Ein Sandhaufen wurde aufgeschüttet, der von Uferschwalben bevölkert wird. Vor den Sandhöhlen herrscht reger Flugverkehr.


    Von Uferschwalben durchlöcherte Sandwand

    Auf dem Bild kann man den Verkehrt kaum richtig erkennen.
    Ein paar Meter weiter steht ein Beobachtungsturm. Klar, dass ich die 24 Stufen rauf muss!


    Aussichtsturm im Naturschutzgebiet bei Rietheim

    Der Turm steht auf einer kleinen Landzunge im teilweise recht sumpfigen Bereich. Man kommt dort entweder über einen Steg oder über einen Damm hin. Am Damm vertreibe ich jede Menge Frösche, Unken und sonstiges Wassergetier, das sich dort in der Sonne tummelt. Die sind aber so gut getarnt, dass sie immer schon weg sind, bis ich sie entdecke und die Kamera am Start habe.


    Auf dem Aussichtsturm

    Am weiteren Weg stehen ganz nette Holzschnitzereien, die verdeutlichen sollen, was hier so alles lebt.


    Hölzerne Rheinauenbewohner

    Dass hier Biber leben, ist unschwer an etlichen gefällten Bäumen erkennbar. Das sorgt auch dafür, dass die Rheinarme teilweise recht unpassierbar sind.


    Rheinauen

    Der Weg wird wieder schmaler und schlängelt sich durch den Schilfgürtel.


    Der Ettikoner Hof auf deutscher Rheinseite

    An der nächsten Badestelle ist nix los. Wundert mich eigentlich, bei dem Wetter! Also runter mit den Klamotten und rein ins Wasser. Die Strömung ist hier aber nicht ohne. Deshalb ist hier so wenig los.


    Meine Badestelle am Rhein

    Teilweise hat man das Gefühl in unberührter Natur unterwegs zu sein. So unberührt ist die aber nicht. Denn auch in diesem Bereich stehen wieder einige Bunker aus dem letzten Weltkrieg am Rheinufer. Leider sind auch diese geschlossen. Aber einige wurden in der Nutzung etwas abgeändert.


    Bunkernutzung als Aussichtsturm

    Eine Wendeltreppe führt mich 20 Stufen hinauf auf das Dach mit einer tollen Aussicht auf den Rhein.


    Bunkerblick auf den Rhein

    Erstaunlich, dass in einer so dicht besiedelten Region wie hier am Rhein kaum Siedlungen erkennbar sind!


    Pausenplatz kurz vor Koblenz

    Eigentlich bin ich noch nicht so lange unterwegs aber hier mache ich trotzdem schon Pause. Ich will es heute, am ersten Wandertag, ja nicht gleich übertreiben!
    Schön schattig geht es weiter. Meist mit Blick auf das deutsche Ufer.


    Hier ist der Rhein nicht schiffbar

    Nicht nur die Schweizer haben hier am Rhein kriegerische Bauwerke hinterlassen. Auch die Römer haben hier ihre Spuren hinterlassen. Unspektakuläre Mauerreste zeugen von der römischen Besiedelung kurz nach Beginn unserer Zeitrechnung. Diese Reste gehören wohl zu den bedeutendsten römischen Hinterlassenschaften der heutigen Schweiz.
    Pünktlich um 14 Uhr komme ich in Koblenz an und darf zusehen, wie ein Gasthof direkt vor meiner Nase geschlossen wird. Eigentlich wollte ich hier Mittag essen. Dazu bin ich aber deutlich zu spät dran. Eine Dönerbude kann es aber richten.
    Durch einen Wald komme ich zum Bahnhof Koblenz, durch den ich vorhin schon mit der Bahn gefahren bin. Eigentlich sollte der E5 jetzt auf der alten Eisenbahnbrücke die Aare überqueren. Der Fußweg über die Eisenbahnbrücke ist aber gesperrt. So muss ich wieder vor an den Rhein um auf der Straßenbrücke die Aare zu überqueren.


    Die Aare mündet direkt hinter mir in den Rhein

    Dass hier die Nutzung der Straße erlaubt ist, bekomme ich sogar schriftlich:


    Hier darf ich wohl nach Jüppen (Full)

    In diesem Bereich scheint es wohl öfter mal Probleme mit Hochwasser zu geben. Denn am Ufer des Rheins verläuft der Wanderweg jetzt auf einem Damm. Nun, die Aare bringt auch einiges an Wasser mit. Wenn beide, Rhein und Aare, Hochwasser haben, dann kann es hier wohl recht feucht werden.


    Wanderwege auf dem Rheindeich bei Full

    Auf der anderen Rheinseite liegt Waldshut. Da bin ich heute Vormittag mit der Bahn gestartet.
    An einem Industriegebiet geht es entlang auf eines der schweizer Kernkraftwerke zu.


    AKW Leibstadt

    Mir war nie bewusst, dass das so dicht bei Waldshut liegt. Ein anderes schweizer Kernkraftwerk, das AKW Bezau, liegt auch nicht weit weg: Nur sehr wenige Kilometer die Aare hinauf. Eigentlich noch fast in Sichtweite von der Brücke, auf der ich vorhin stand. Und ein drittes Schweizer AKW, das AKW Gösgen, liegt auch an der Aare.
    Eigentlich mag ich solche Teile gar nicht. Aber dieses ist gerade wegen der Revision abgeschaltet.
    Direkt dahinter liegt wieder ein Sandstrand direkt am Rhein, der regen Badebetrieb angelockt hat. So direkt hinter so einem Kraftwerk habe ich jetzt aber keine Lust zum Planschen. So ziehe ich weiter.
    Im nächsten Wäldchen habe ich für heute eigentlich genug. Ich mache Pause und suche mal so langsam nach einer Unterkunft. Und hier in der Gegend ist es wie schon bisher direkt an der Schweiz-Deutschen Grenze: Alle Restaurants und Gasthöfe auf Schweizer Seite haben dicht gemacht. Aber auf deutscher Seite werde ich fündig: In Luttingen finde ich eine Pension mit einem freien Bett. Das sind aber noch ein paar Meter. Was Näheres ist nicht frei. Das liegt daran, dass die Revision des AKW in der Region etliche Betten belegt, wie ich später noch erfahren werde.
    Am nächsten Steg will ich über den Rhein auf die deutsche Seite. Der ist aber gerade wegen Renovierung gesperrt. Na prima! Also muss ich ca. 5 Km wieder zurück bis zum AKW um dort an dem Wehr den Rhein zu überqueren. Und das gleiche muss ich dann natürlich wieder auf deutscher Seite wieder am Rhein runter. 10 völlig ungeplante Kilometer. Und ich wollte den heuten Tag eigentlich im Bereich von 20 bis maximal 25 Kilometer halten.
    Auf der anderen Seite des gesperrten Steges, in Albbruck, lasse ich mich dann erstmal in einem Biergarten nieder. Die hätten sogar noch ein freies Bett für mich. Aber diesen Gasthof hatte ich nicht gefunden. Jetzt habe ich im nächsten Ort reserviert und das will ich jetzt nicht mehr absagen.
    Schon recht spät mache ich mich wieder auf den Weg.


    Die hochsommerliche Abendsonne auf den Wiesen der Schweiz

    Leider finde ich keinen so schönen Weg direkt am Rhein wie auf der Schweizer Seite. So tigere ich durch ein paar zusammengewachsene Ortschaften, bis ich nach Luttingen komme.


    Luttingen kommt endlich in Sicht

    An dem Gasthof angekommen, bei dem ich reserviert habe, bin ich dann entsprechend fertig. Das war ein richtig langer Tag! Ich dusche und wasche die Wäsche und muss dann aber noch zum Abendessen zum nächsten Gasthof. Das Restaurant in diesem ist wegen Corona noch geschlossen.
    Müde falle ich recht spät an diesem Abend ins Bett. Das war für den ersten Tag eindeutig wiedermal zu viel! Aber schön war es! Mir gefällt es am Rhein! Vor allem, dass man einfach ins Wasser springen kann, wenn einem danach ist. Die Wassertemperatur ist genau richtig: Nicht so kalt wie Bergseen und nicht so warm wie die Adria. Das wird mir fehlen, wenn ich den Rhein verlasse!
    Geändert von Wafer (24.07.2020 um 19:50 Uhr)

  10. Fuchs
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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #70
    29. Tag: Von Luttingen nach Schwörstadt
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    Donnerstag, 9. Juli 2020
    Strecke: 25 Km
    Höhenmeter: ↑ 150 m, ↓ 175 m
    Gehzeit: 5 h 30

    Etappe: 60 Km
    Etappenhöhenmeter: ↑ 300 m, ↓ 350 m
    Etappengehzeit: 13 h 30

    Gesamtstrecke: 656 Km
    Gesamthöhenmeter: ↑ 25.250 m, ↓ 25.100 m
    Gesamtgehzeit: 195 h 30

    Der Tag beginnt mit Sonnenschein auf der Bettdecke. Super! Also raus aus den Federn. Und schon muss ich auf das Frühstück warten weil es noch nicht 7 Uhr ist. So täuscht das im Hochsommer, wenn man nicht auf die Uhr schaut!
    So bin ich aber kurz nach 8 Uhr auf dem Weg.
    Ich ziehe zunächst an der Straße entlang zur Kirche, wo ich gestern gegenüber gegessen habe.


    Geistliche Unterstützung beim Start in den Morgen von Luttingen

    Gleich hinter der Metzgerei gehe ich dann an den Rhein hinunter. Hier ist wieder ein Streifen Wald direkt am Wasser und der Weg ist schattig. Nicht weit weg vom Wasser führt ein schöner Weg am Rhein entlang zu einer Straußenfarm.


    Die Hochrhein Straußenfarm

    Einige Gehege haben keinerlei Schatten. Das wird hart, heute! Und die armen Tiere können ihren Federmantel nicht mal kurz ablegen. Interessiert werde ich beäugt – und ich äuge zurück. Sowas sieht man ja auch nicht alle Tage!
    Der Weg folgt dem Rhein in seinem Bogen und führt mich nach Stadenhausen. Ein Weiler mit 3 Straßen. Hier ist noch gar nix los. So schnell wie ich reingekommen bin, so schnell bin ich auf der anderen Seite auch schon wieder draußen.
    An einem der letzten Zäune stehen mannshohe Disteln. Sieht toll aus! Aber ob die jeder so toll findet?


    Mannshohe Disteln am Weg

    Am Rand des dünnen Waldstreifens führt mich der Weg weiter. Ein kleines Marterl wird liebevoll gepflegt. Zumindest liebevoller, als der Wald. Hier ist ein Baum komplett mit Boden in den Rhein gekippt.


    Opfer menschlichen Wirkens

    Der Weg ist mit einem Band abgesperrt. Nur weil da der Baum umgekippt ist, wurde der ganze Weg gesperrt. Prima! Ich mogle mich daran vorbei und bleibe auf dem schönen Weg am Rhein.
    Durch die Bäume und Büsche kann ich einen ersten Blick auf das Schweizer Laufenburg werfen.


    Das Schweizer Laufenburg kommt in Sicht

    Ist gar nicht mehr weit weg. Und irgendwo da drüben an dem anderen Rheinufer verläuft der offizielle E5. Zu dem will ich wieder zurück. Aber nicht gleich über die erste Brücke. Der Wirt von letzter Nacht hat mir geraten erst bei der zweiten Brücke in die Schweiz zu wechseln. So unterquere ich die Straße mitsamt seinem Zollposten und wandere weiter auf Laufenburg zu.


    Der Feldgraben bei Laufenburg (Baden)

    Mir kommen die ersten Jogger entgegen. Weit wird es also nicht mehr sein. Ich sehe auch schon beide Ortsteile vor mir: Den Deutschen als auch den Schweizer Teil von Laufenburg.


    Laufenburg international

    Die Grenze liegt genau in der Mitte des Rheins. Ziemlich genau bei dem mittleren Brückenpfeiler. Der Weg ist jetzt zwar etwas breiter aber schön zu gehen. Ich komme an ersten Gärten vorbei, die bunt bepflanzt sind. Schön hier! Auch ein Blick zurück lohnt sich!


    Der Rhein vor Laufenburg

    Auf einem Promenadenweg geht es zwischen Rhein und der ersten Häuserreihe weiter, am Freibad vorbei und durch eine kleine Grünanlage. Die Häuser werden immer älter und rücken immer weiter an den Rhein heran. Aber der Weg bleibt immer direkt am Wasser.


    Die deutsche Rheinpromenade von Laufenburg

    Das war ein guter Tipp von meinem Wirt! Die Promenade geht auf deutscher Seite dann nicht mehr sehr weit weiter. Also wechsle ich hier mal die Seiten und ziehe mich wieder auf den E5 zurück. Die Brücke, die die beiden Altstadtkerne miteinander verbindet ist nur noch für Fußgänger freigegeben.


    Es geht in Laufenburg wieder auf Schweizer Boden

    Laufenburg ist ein richtig netter Ort! Er hat zwar alles doppelt aber alles recht dicht am Rhein. Und durch die Fußgängerbrücke sind die Ortsteile verbunden. Hat was!


    Die Laufenburger Art von Grenzkontrollen an einer EU-Außengrenze

    Der Umgang mit den Grenzkontrollen ist so glaube ich nicht in dem Schengenabkommen vorgesehen. Von der Schweizer Seite bekomme ich dann einen schönen Ausblick auf den deutschen Stadtteil geboten.


    Laufenburg (Baden)

    Heute Vormittag ist hier noch gar nix los. Schade eigentlich! Ich hatte auf ein zweites Frühstück gehofft. Aber kein Bäcker, kein Cafe, nix hat offen. So ziehe ich auf der Schweizer Seite durch die Laufenburger Altstadt.


    Der Laufenbrunnen im Schweizer Laufenburg

    An der Marktgasse ist der Durchgang zum Rhein, an dem der E5 weiterführt, dann recht gut versteckt. Darauf hat mich mein Wirt aber schon vorbereitet. So finde ich den Durchgang durch ein Tor und bin gleich wieder am Rhein.
    Das Deutsche Ufer ist jetzt sehr steil und Häuser stehen nur noch weit oben. Auch an der Schweizer Seite geht es auf und ab. Ich umgehe den Tennislatz und das Kraftwerk und bin schnell wieder im Grünen.
    Der E5 bietet hier 2 Varianten: Den Uferweg und den Böschungsweg. Der Uferweg führt direkt an der Wasserlinie entlang. Der Böschungsweg führt auf halber Höhe der Uferböschung entlang. Eher mal auf und ab. Beide sind eher schmale Wanderwege und gut zu gehen.


    Rheinwanderwege hinter Laufenburg (AG)

    An Flussläufen, die hier in den Rhein münden oder an Bunkern treffen sich die Wege und man kann mal den anderen Weg ausprobieren. So geht es sehr entspannt auf Sisseln zu.


    E5 Wanderweg am Rhein gegenüber von Murg

    Hier am Wasser plätschert es ab und zu, wenn ich auf dem Weg entlang laufe. Da flüchten irgendwelche Tiere, wenn ich komme. Ich bin recht erstaunt, als ich sehe, dass da Wasserschildkröten dabei sind. Aber bis ich immer die Kamera am Start habe sind die meist schon abgetaucht. Auch das Ufergrass ist voller grüner Libellen.


    Getier am Wegesrand

    Sisseln ist wenig spektakulär. Wieder kein Cafe an der Promenade. Aber wenn schon Laufenburg keines hatte, warum sollte dann Sisseln eines haben? Ein paar Stand-Up-Paddler quälen sich mehr oder weniger von ambitioniert bis professionell den Rhein hinauf. Hier kurz vor dem Wehr von Bad Säckingen ist er recht ruhig und schön breit.


    Der Rhein kurz vor Bad Säckingen

    Das Wehr ist dann wiedermal nicht so der Bringer. Aber etwas weiter wird es dann richtig schick! Man sieht schon einige Zeit das Münster von Bad Säckingen liegen. Ein toller Bau!
    Von der Schweizer Seite hat man einen tollen Blick auf die alte Holzbrücke nach Deutschland hinüber. Die gab es sogar schon mal auf einer Briefmarke!


    Bad Säckingen mit Holzbrücke und Münster

    Klar, dass ich mir das aus der Nähe anschaue! Also gehe ich über die Brücke. Und da sieht man dann sehr deutlich, dass die schon ein paar Jahre auf dem Buckel hat!


    Die alte Holzbrücke ist nicht ganz gerade

    Und auf halber Strecke liegt die Grenze zwischen der Schweiz und Deutschland. Ordentlich, wie wir deutschen sind, wird das natürlich angeschrieben!


    Bad Säckinger Grenzerfahrung

    In der Schweiz gab es kein Restaurant sondern nur am Rhein sitzende Studenten, Arbeiter und Rentner, die ihr mitgebrachtes Vesper genießen. Auf der deutschen Seite liegt dann ein Restaurant am anderen und alle sind sie voll. Der schweizer Dialekt ist nicht gerade selten zu hören!
    Auch ich lasse mich bei einem Italiener nieder und lasse mir das Tagesmenü mit Rindercarpaccio und einer Dorade schmecken. Ein Tiramisu und ein Getränk ist sogar auch noch im Preis dabei. Sehr lecker!
    Aus der Erfahrung von Gestern mache ich mich auf Quartiersuche. Auf der Schweizer Seite gibt es die nächsten 20 Kilometer nix. Und so weit wollte ich heute gar nicht mehr. Auf der deutschen Seite finde ich fast in jedem Ort etwas. Da die nächsten 20 Km aber auch keine Brücke mehr kommt werde ich wohl gleich auf der deutschen Seite bleiben müssen.
    Nach dem Essen bin ich immer etwas träge und rolle noch ein wenig durch die Altstadt. Sehr lohnenswert!


    Das Fridolinsmünster in Bad Säckingen

    Die Platte ist voller Bilder. Aber das schaut ihr euch besser alles selber an! Ein Besuch im Schlosspark darf natürlich nicht fehlen. Am Diebsturm kehre ich an den Rhein zurück.


    Am Diebsturm bekommt man Corona Extra

    Ob diese Bestuhlung dem Wirt wirklich über diese beschwerliche Zeit hilft war nicht zu erfahren.
    Am Rhein entlang mache ich mich wieder auf den Weg in Richtung Rheinabwärts. Und leider, wie in Deutschland zu erwarten war, gibt es keinen Wanderweg sondern einen Radweg. Mal geschottert und mal geteert. So geht es am Rhein entlang nach Wallbach. Auch diesen Ort gibt es mit gleichem Namen auf der Schweizer Seite.
    Ab Wallbach wird der Weg dann aber richtig schön!


    Rheinwandern bei Wallbach (Baden)

    Viel Gegenverkehr darf hier nicht kommen! Aber es gibt auch Ausweichstellen. So wie meine nächste, und für heute letzte, Pausenstelle.


    Meine letzte Pause vor Schwörstadt

    Hier entscheide ich mich heute in Schwörstadt Schluss zu machen. Es ist heute so erbärmlich heiß und ich habe heute noch nicht im Rhein gebadet. Das kann ich aber am nächsten Campingplatz an der Wehramündung nachholen. Da bade ich dann aber wenigstens nicht alleine!


    Nachmittägliche Erholung von dem heißen Tag

    Frisch gebadet wandere ich die letzten Meter nach Schwörstadt hinein. Durch meinen frühen Start und die heute etwas moderatere Kilometerleistung komme ich an meiner Unterkunft an, da hat die noch gar nicht geöffnet. Trotzdem kriege ich ein Zimmer. So kann ich in Ruhe noch etwas chillen, bevor ich zum Abendessen gehe. So wird der heutige Abend nicht ganz so stressig wie gestern. Ich erfahre auch, dass ich am nächsten Wehr, das gleich hinter Schwörstadt kommt, wieder auf die Schweizer Seite wechseln kann. Das ist mir sehr recht. Denn die Rheinwanderwege in der Schweiz sind für Wanderer deutlich besser geeignet, als die in Deutschland.
    Dann gute Nacht – Bis Morgen!!!

  11. Fuchs
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    #71
    30. Tag: Von Schwörstadt nach Basel
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    Freitag, 10. Juli 2020
    Strecke: 34 Km
    Höhenmeter: ↑ 325 m, ↓ 350 m
    Gehzeit: 8 h

    Etappe: 94 Km
    Etappenhöhenmeter: ↑ 625 m, ↓ 700 m
    Etappengehzeit: 21 h 30

    Gesamtstrecke: 690 Km
    Gesamthöhenmeter: ↑ 25.575 m, ↓ 25.450 m
    Gesamtgehzeit: 203 h 30

    Der Morgen weckt mich mit meinem Lieblingsprogramm: Sonne im Zimmer! Ich packe meine Sachen und gehe frühstücken. So komme ich auch recht zügig los. Aber erstmal durch Schwörstadt. Viel Teer! Aber morgens sind die Füße noch nicht durchgelaufen. Aber auch hinter dem Ort wird es nicht besser. Auf einem schon recht warmen Radweg geht es in der prallen Sonne zwischen Bahnlinie und Rhein gen Westen. Und auf der anderen Rheinseite kann ich den Wald sehen. Da wäre ich schon gerne drüben! Das lässt sich an dem Wehr zwischen Schwörstadt und Riedmatt bewerkstelligen.


    Die Fischtreppe am Rheinwehr bei Schwörstadt

    Und schon wird es besser: Schatten, schöne Waldwege, ... Der Schweizer E5 eben!


    Schweizer Rheinwanderwege

    Da kommt man gleich wieder etwas schneller voran. Recht abwechslungsreich schwenkt der Weg auf Richtung Süd. Auf der anderen Rheinseite wird mir mit dem Schloss Beuggen ein echter Leckerbissen geboten.


    Schloss Beuggen

    Über das anschließende Aluminiumwerk auf der anderen Rheinseite reden wir dann lieber nicht. Man merkt halt, dass der Rhein bis Rheinfelden Schiffbar ist. Da wird sowas demnächst häufiger so aussehen. Wir werden sehen.
    Aber vorher gibt es noch einen kleinen Zeitsprung in die Römerzeit.


    Römischer Wachturm Rheinfelden-Pferrichgraben

    Liegt fast direkt am Weg – ist aber in OSM noch nicht eingezeichnet. Werde ich wohl mal nachholen.
    Das Hinterland macht noch keinen stark besiedelten Eindruck.


    Südöstlich vom Rhein geht es ländlich zu

    Es geht um das Wasserkraftwerk Rheinfelden, das letzte ohne Schleuse, herum. Und ein paar Meter weiter komme ich dann schon zu den ersten Häusern von Rheinfelden. So richtig nach Harz-4-Siedlung sieht mir das nicht gerade aus!


    Sozialer Wohnungsbau in Rheinfelden (CH)?

    Ich nähere mich der Altstadt wieder über einen Promenadenweg. Gefällt mir, was ich da so sehe! Das Industriegebiet auf deutscher Seite versteckt sich etwas hinter Bäumen.


    Rheinfelden

    Ich komme durch den Stadtpark …


    Gottesackerkapelle im Stadtpark

    … und komme auf eines der Wahrzeichen der Stadt zu: Den Storchentorturm. Nur echt mit einem Storchennest auf dem Dach. Leider gerade ohne Störche. Die weiße Farbe zeigt aber deutlich, dass das Nest üblicherweise bewohnt ist.


    Storchentorturm am Osteingang der Rheinfelder Altstadt

    Es folgt eine schöne Altstadt mit Fußgängerzone und Gelegenheit für ein zweites Frühstück. Ich habe heute ja auch schon 10 Km auf der Uhr.


    Rheinfelder Altstadt mit Rathausturm

    Ich schaue noch, was es hier so gibt, was sich anzusehen lohnt. So mache ich erstmal noch einen kleinen Schlenker und besuche das Inseli – Wie man am Namen schon erkennt gehört das gerade so eben noch zur Schweiz.


    Auf dem Rheinfelder Inseli

    Der E5 führt mich dann wieder direkt am Rhein entlang aus der Stadt hinaus.


    Das Rheinfelder Inseli

    Um die Badi muss ich einen Bogen machen. Solange keine Badesaison ist kann man wohl direkt über die Liegewiesen wandern. So aber geht es eben ein wenig außen herum. So wird es aber auch leider nix mit baden. Aber das wird heute schon noch – hoffe ich!
    Erstaunlich grün geht es weiter. Das hatte ich mit den Industrieanlagen auch diesseits des Rheins gar nicht so erwartet. Auf der anderen Rheinseite kann ich gut erkennen, wo ich letztes Jahr mit meinem Freund auf der Ostvariante des Westweges unterwegs war.


    Warmbach mit dem Rührberg dahinter

    Dadurch merke ich, dass ich mich jetzt in Schlagdistanz zu Basel befinde.
    Neben der Bahnlinie entlang geht es weiter. Und ich wusste doch, dass Wandern was Therapeutisches hat!


    Therapeutisches Wandern am Rhein

    Es geht wieder näher an den Rhein heran und nach Kaiseraugst hinein. An der Anlegestelle liegen die Schweizer in Scharen auf den Wiesen und baden. Es dauert nicht lange und ich bin auch im Rhein. Na also: geht doch!


    Badestelle in Kaiseraugst

    So wird es Mittag und ich verbringe die Zeit der senkrechten Sonne unter einem Sonnenschirm beim Mittagessen.
    Schöne Wege führen mich zum Hafen von Augst.


    Der Bootsclub von Augst

    Und wieder staune ich, dass ich von nun folgenden Industrieanlagen direkt am Rhein so gut wie nichts merke. Die Schweizer haben den Firmen wohl verboten bis ans Wasser zu bauen. Eigentlich eine sehr gute Idee!


    Schöne Wege auch in Urbanen Regionen vor Basel

    Irgendwann klappt das dann aber wohl nicht mehr. Ein paar Kilometer weiter kann ich dann wählen, ob ich am Rhein bleibe und mich durch die Industrielände schlage oder den Rhein verlasse und über eine Brücke die Gleise überschreite und auf einen Wald zuhalte. Ich entscheide mich bei dem Wetter für die zweite Variante.


    Industrie am Rhein bei Schweizerhalle

    Schon nach ein wenigen 100 Metern bin ich im Wald und merke nichts mehr von der wirtschaftlichen Nutzung des Rheinufers. Und im Wald ist es jetzt deutlich angenehmer als auf dem vermutlich durchgeteerten Industieweg.


    Grenzach auf der anderen Rheinseite

    Das Waldhaus bietet sich für einen kleine Pause an. Bevor ich nach Birsfelden komme muss ich aber ca. 1 Kilometer mitten durch ein Industriegebiet. Öl- und Chemie-Industrie – Schön geht anders!
    Direkt dahinter komme ich aber in den Stadtpark. Die Wiesen sind gut belegt und die Leute baden auch wieder am Rhein.
    Die Schwarzwaldbrücke ist erreicht. Hier stand ich vor einem Jahr auf der anderen Seite, auf dem Westweg unterwegs. So bin ich jetzt quasi im Kreis gewandert: Von Basel über die Ostvariante zum Titisee, über den Querweg nach Konstanz und den E5 am Rhein entlang hierher. Sehr abwechslungsreiche Wege!


    Die Altstadt von Basel kommt in Sicht

    Man merkt den Freitagnachmittag: Der Rhein ist voller Schwimmer und Booten. Viele lassen sich wieder von der Strömung treiben und sind damit genauso schnell wie ich. Meist schattig geht es immer weiter auf die Altstadt von Basel zu.
    Hier wird der Rhein verlassen und der E5 führt mich in die tolle Altstadt von Grossbasel.


    Wandern durch Basel

    Eigentlich wollte ich zuerst nach einer Unterkunft suchen aber jetzt stehe ich schon mitten in der Altstadt. Also drehe ich die touristisch obligatorische Runde mit dem Rucksack.


    Auch Basel will hoch hinaus

    Das Basler Münster hat einen Kreuzgang. Ein Radfenster der Kirche hat einen integrierten Davidstern. Ich brauche ein wenig bis ich mitkriege, dass der Stern ein Zeichen der Steinmetz-Bruderschaft ist. Da stutzt man schon mal kurz!


    Am Baseler Münster

    Ein toller Bau!
    Der Platz vor dem Münster ist mit alten Bäumen bepflanzt. Da bleibt es schön schattig und kühl.


    Der Baseler Münsterplatz

    Ich schlendere durch die Altstadt. So langsam würde ich jetzt gerne mal den Rucksack loswerden. Aber hier in der Altstadt will ich eigentlich nicht übernachten. Da ist heute sicher Halli-Galli bis weit nach Mitternacht.


    Basler Altstadtimpressionen

    An der Leonhardskirche ärgere ich mich dann, dass ich das Gepäck noch nicht losgeworden bin: Hier beginnt gerade ein klassisches Konzert in der Kirche. Ich will meinen Nebensitzern aber nicht den Duft des E5 zumuten. So bleibe ich nicht lange und mache mich nach dem ersten Stück auf die Suche nach einem Bett für die Nacht.
    Wie die weniger musikalisch begeisterte Jugend den späten Nachmittag verbringt, wird mir auch noch gezeigt.


    Ein gechillter Nachmittag an einem Basler Brunnen

    Nicht weit weg von der Altstadt werde ich fündig. Aber bis ich geduscht bin ist das Konzert vorbei. Schade! So schlage ich mich nochmal durch die Gassen der Altstadt und suche mir was zum Abendessen.
    Basel hat was! Die Stadt gefällt mir richtig gut! Auch das Essen ist wirklich klasse!


    Mahlzeit

    Beim Essen schaue ich mir an, was morgen geboten wird. Der E5 verlässt hier den Rhein und führt mich nach Frankreich hinein. Das wird spannend! Verspricht es doch wieder einen radikalen Wechsel bei Kultur, Sprache, Weg und Landschaft. Ich werde den Rhein aber vermissen! Vor allem die Möglichkeit bei diesen Temperaturen jederzeit eine Abkühlung zu genießen.
    Nach einer letzten Runde durch die Altstadt bin ich gegen Mitternacht im Bett. Also: Wir lesen uns Morgen wieder!
    Geändert von Wafer (17.08.2020 um 17:51 Uhr)

  12. Anfänger im Forum

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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #72
    Oh schön, dass es jetzt hier weitergeht, nachdem es im Wo bin ich-Thread immer schon die Previews gibt Ich fand deine Strecke entlang des Rheins zwischen D und CH sehr spannend, da ich die Gegend nur durch Bahn- und Busfenster kenne - und das, obwohl ich lange in Freiburg gewohnt habe und oft in Basel war! Aber es gibt halt viele schöne Ecken da unten, da hat es mich zu Fuß noch nie an den Rhein verschlagen. Freue mich auf die nächsten Etappen deines Berichts!

    Viele Grüße
    Elly

  13. Fuchs
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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #73
    Zitat Zitat von WanderElly Beitrag anzeigen
    Oh schön, dass es jetzt hier weitergeht, nachdem es im Wo bin ich-Thread immer schon die Previews gibt Ich fand deine Strecke entlang des Rheins zwischen D und CH sehr spannend, da ich die Gegend nur durch Bahn- und Busfenster kenne - und das, obwohl ich lange in Freiburg gewohnt habe und oft in Basel war! Aber es gibt halt viele schöne Ecken da unten, da hat es mich zu Fuß noch nie an den Rhein verschlagen. Freue mich auf die nächsten Etappen deines Berichts!

    Viele Grüße
    Elly
    Hallo Elly.

    Es freut mich, dass der Bericht gelesen wird und gefällt! Eines ist ein Vorteil von so einem echten Fernwanderweg durch viele Regionen: er ist sehr abwechslungsreich! Da ja jeder andere Vorlieben hat, hält er in meinen Augen für jeden etwas bereit!
    Das mit dem Wo-bin-ich-Faden ist so eine Sache, wenn man gerne Reiseberichte schreibt: Die Bilder sind öffentlich zugänglich und damit auch für Googel & Co im Zugriff. Damit kann man Bilder, die man schon mal in einem Reisebericht verwendet hat, in dem Faden kaum noch einsetzen weil die Bildersuche diese sofort findet. Also kann man die Bilder eigentlich nur vor der Veröffentlichung eines Reiseberichtes verwenden.
    So, jetzt war ich über das Wochende schon wieder unterwegs und dabei ist der letzte Bericht noch gar nicht fertig. Die Woche sollte einfach noch ein paar freie Tage mehr haben!

    Gruß Wafer

  14. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #74
    31. Tag: Von Basel nach Ferrette
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    Samstag, 11. Juli 2020
    Strecke: 31 Km
    Höhenmeter: ↑ 800 m, ↓ 525 m
    Gehzeit: 7 h

    Etappe: 125 Km
    Etappenhöhenmeter: ↑ 1.425 m, ↓ 1.225 m
    Etappengehzeit: 28 h 30

    Gesamtstrecke: 721 Km
    Gesamthöhenmeter: ↑ 26.375 m, ↓ 25.975 m
    Gesamtgehzeit: 210 h 30

    Der Morgen empfängt mich mit Wolken und einem guten Frühstück. Um kurz nach 8 Uhr komme ich los. Die Stadt schläft noch: Es ist nicht viel los in den Straßen. So begebe ich mich auf die Suche nach Wanderzeichen des E5. Mir ist noch nicht ganz klar welchem Schweizer Wanderweg der E5 nun bis zur Grenze folgt. Aber irgendeiner wird da schon markiert sein.
    So tigere ich ein paar Straßen entlang. Die Synagoge gibt von außen nicht viel her und hat leider geschlossen. Die nächste Kirche macht da schon mehr her: Die Pauluskirche.


    Die Pauluskirche in Basel

    Am Dorenbach verlasse ich die Gehwege entlang der Straßen und komme auf einen Wanderweg. Vorher bin ich schon an Parks vorbei gekommen, aber ab hier wird es vollends grün.


    Gut erkennbare Wege führen durch Basel

    Der Weg führt direkt an der Kantonsgrenze von Basel und Basel-Landschaft entlang. Bis ich Basel dann am Allschwiler Weiher endgültig verlasse.


    Am Allschwiler Weiher

    Der Wanderweg ist gewohnt gut markiert. Ich bin mal gespannt, ob das in Frankreich so bleibt!


    Der Jakobsweg geht fast unter

    Am Dorenbach entlang kommen mir einige Jogger entgegen. Das scheint eine beliebte Gegend für den Frühsport zu sein. Und noch ist es kühl genug. Aber so sonnig wie die letzten Tage scheint es heute nicht zu werden. Auf Wald- und Wiesen-Wegen wandere ich auf Frankreich zu. Mir ist gar nicht klar, dass ich ein Stück direkt auf der Grenze entlangwandere: Auf der Schweizer Seite gibt es noch Wald mit einem kleinen Pfad, auf der Französischen Maisfelder.


    Die Schweiz-Französische Grenze

    Als ich Abbiegen muss komme ich mit einer Schweizerin ins Gespräch. Sie berichtet mir, dass hier an der Grenze zu Corona-Hochzeiten das Militär die Grenze gesperrt hat. Da durfte man auf diesem Weg gar nicht gehen.
    In Frankreich wird der Weg dann etwas unordentlicher. Das stört aber wenig! In der Schweiz war alles wie geleckt. Hier ist alles noch etwas natürlicher.


    Neuwiller in Frankreich

    Ich komme damit in den Sundgau. Den Namen lerne ich zwar erst später kennen, aber das ist eine Region in Frankreich, die nicht zum Elsass gehört aber in der deutsch gesprochen wird. Man erkennt es z.B. auch an Inschriften von Denkmälern und dergleichen.
    Aber dass ich in Frankreich bin, kann ich im Ort dann kaum noch übersehen!


    Frankreich lässt sich nicht mehr verleugnen

    Neuwiller wird durchquert und ich ersteige einen Höhenzug.


    Vom Horizont grüßt der Schwarzwald herüber

    Irgendwie erkenne ich auch an der Architektur von Wassertürmen und Kirchen, dass ich in Frankreich bin. Die Form der Wassertürme sieht in Frankreich überall fast gleich aus. Und auch die Kirchen unterscheiden sich irgendwie von denen auf der Schweizer Seite.


    Die Kirche in Hagenthal-le-Bas

    Hagenthal-le-Bas und Hagenthal-le-Haut sind zwischenzeitlich ziemlich zusammengewachsen. An einer Kneipe mache ich Pause. Am Nachbartisch wird ein Kauderwelsch aus Deutsch und Französisch gesprochen. Erstaunlicherweise spricht hier auch die Jugend wieder Deutsch. Im Elsass war das vor einiger Zeit noch nicht der Fall! Die Menschen hier fühlen sich der deutschen Sprache sehr verbunden, wobei sie sich allerdings eher zur Schweiz hingezogen fühlen als zu Deutschland.
    Hinter Hagenthal-le-Haut geht es in den Wald. Und dort bleibt der E5 auch eine Weile.


    Tolle Wanderwege durch die Wälder

    Es ist erstaunlich, wie schnell ich aus der Großstadt in sehr ländliche Gebiete gekommen bin!
    Der E5 führt mich zu der Kapelle Saint-Brice, eine kleine Kirche mitten im Wald.


    Die Chapelle Saint-Brice

    Eine richtig nette, kleine Kapelle! Und offen ist sie auch. Also nichts wie rein. So gefällt mir das – schade, dass das nicht mehr überall üblich ist!


    In der Kapelle von Saint-Brice

    Als ich vor dem Kirchlein meine Vesperpause genieße kommt ein Schweizer vorbei. Nach einigen Irritationen einigen wir uns auf eine Kommunikation auf Deutsch. Von ihm erfahre ich einiges über die Geschichte der kleinen Kirche, die auch recht viel von Schweizern besucht wird. Die Auberge, die direkt daneben liegt wurde zwar renoviert aber kein neuer Pächter gefunden. Schade!
    Auf dem Weiterweg bin ich dann noch gedanklich so abgelenkt, dass ich den falschen Weg erwische. Ich merke es zwar recht schnell, will aber nicht umkehren. So steuere ich mithilfe der Locus-Karte und dem Handy den nächsten Ort Oltingue direkt an. Auch auf sehr schönen Wegen!


    Auf dem Weg nach Oltingue

    Oltingue ist ein netter kleiner Ort, der schon fast schwäbisch ordentlich herausgeputzt daher kommt.


    Oltingue

    Eigentlich wollte ich den Schlenker, den der E5 nach dem Ort macht, abkürzen. Davon hat mir der Schweizer aber zu Recht abgeraten. Denn der Weg führt mich zu der Kirche Saint-Martin-des-Champs aus dem 14. Jahrhundert. Ein Schlenker, der sich lohnt!


    Die Eglise Saint-Martin-Des-Champs

    Auch hier steht die Tür dem interessierten Besucher offen.


    Der Altarbereich der Eglise Saint-Martin-Des-Champs

    Auf dem Friedhof neben der Kirche sind so gut wie ausschließlich rein deutsche Namen auf den Grabsteinen zu finden. Auch die Bänke, die in der Gegend stehen, verraten, dass die Region deutschsprachig ist.


    Nette Einladung zur Pause - Auf Deutsch

    Da steht: „BISCH DU A MOLA BETZI FREI – SO SITZ UF DA BANK UN – LUAG DAS SCHEENA LAND“. Also: Rucksack runter und hingesessen und Pause gemacht.
    Ich habe mir hier im nächsten Ort Lutter ein Bett reserviert. Der Schweizer von der kleinen Kapelle hat mir aber den nächsten Ort am E5, Ferrette, als Übernachtungsort ans Herz gelegt. Dort sei sicher auch kurzfristig etwas zu kriegen. Und ich habe eh noch keine Lust für heute schon Schluss zu machen. Also sage ich in Lutter ab und ziehe weiter.


    Rückblick auf Oltingue

    Im Wald überholen mich 2 Biker. Kurz drauf 2 Hunde mit joggender Begleitung. Irgendwie haben die Hunde schnell raus, dass ich noch Leckerli von meinem Hund in der Tasche habe. Die sind vom Reh, das mein Schwager geschossen hat und selber getrocknet hat. Da sind die ganz wild drauf. Dann ziehen sie, angetrieben durch den Jogger, weiter. Nach kurzer Zeit kommen sie wieder zurück. Trotz mehrmaligen Anweisungen bleiben die Hunde bei mir wieder stehen und tun ihre Wünsche kund – kaum miss zu verstehen!


    Ankunft in Ferrette

    Bei Ferrette komme ich wieder aus dem Wald. Von oben nähere ich mich dem Ort. Im Internet habe ich 5 Übernachtungsmöglichkeiten gefunden. 3 haben geschlossen oder stehen zum Verkauf. Die anderen 2 sind im neuen Ortsteil weiter unten. Ich frage eine Frau, die gerade ihre Wäsche aufhängt, wo ich übernachten könne. Und wie es immer so ist: Sie betreibt seit neuestem ein Chambre d’Hotes – also eine B&B-Pension. Und was für eine tolle! Ich bin der einzige Gast und kann mir das Zimmer aussuchen. In einem toll renovierten Altbau – So gefällt mir Frankreich!
    Ich erkundige mich auch gleich wo man hier gut essen kann und bekomme eine Empfehlung. Nach einer ersten Wasch- und Ruhe-Pause ziehe ich los um was zu essen. Irgendwie ist es für Frankreich zum Essen aber noch zu früh. Also entscheide ich mich kurzfristig noch eine Runde über die Ruine Hohenpfirt zu drehen.


    Der Eingang zum Chateau de Ferrette

    Und das war eine gute Entscheidung! Das alte Gemäuer liegt direkt über dem Dorf auf einem alten Felsen.


    Auf der Ruine Hohenpfirt

    Die Burgherren wussten schon, wo ihre bescheidenen Behausungen am besten raus kommen!


    Mäuerliche Reste des Chateau de Ferrette

    Hoch über dem Ort hat man eine großartige Aussicht auf den französischen Jura.


    Der französische Jura

    Aber nicht nur auf den. Die Rundumsicht hier oben ist grandios!


    Die Vogesen

    Aber auch die Sicht auf das alte Ferrette ist nicht von schlechten Eltern!


    Ferrette

    In einem dieser alten Häuser bin ich untergekommen. Blöderweise habe ich die Wanderstiefel nicht angezogen sondern bin mit den Turnschuhen unterwegs. So muss ich auf dem Weg zu den Löchlesfelsen irgendwann umdrehen, weil es einfach zu wild für diese Schuhe wird. So ziehe ich noch eine Runde über die Wiesen.


    Das Sundgau mit Vogesen und Schwarzwald als Hintergrund

    Hier wird mir ein toller Überblick über das Sundgau geboten. In der Gite hing schon eine gezeichnete Reliefkarte davon an der Wand. Eine tolle Gegend!
    Jetzt müsste das Lokal eigentlich zwischenzeitlich geöffnet sein. Ich ziehe weiter zum Ortskern von Vieux-Ferrette und finde das Restaurant auch sofort. Und was da schon wieder alles auf der Karte steht! Ein Traum! Die französische Küche hat schon was zu bieten! Ich erspare euch jetzt lieber die Bilder von meinem Menü. Nur so viel: Es ist großartig!


    Die Kirche von Ferrette

    Heimwärts muss ich dann den schweren Bauch vor mir her den Berg hinaufbugsieren. Anstrengend! Gegen Mitternacht habe ich es dann geschafft und liege im Bett. Frankreich ist einfach großartig! Schön, dass ich endlich mal wieder hier bin! Und endlich stimmt auch der Titel dieses Reiseberichts: Ich bin im letzten Land meiner E5-Wanderung angekommen!
    Geändert von Wafer (01.09.2020 um 23:48 Uhr)

  15. Gerne im Forum

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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #75
    Wunderbarer Bericht!
    Wafer, ich lese deine Schilderungen plus Fotos immer mit großem Genuss!
    Im mehrdeutigen Sinne; denn bei dem Essen wäre ich gerne dabei gewesen.

  16. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #76
    Zitat Zitat von MLO Beitrag anzeigen
    Wunderbarer Bericht!
    Wafer, ich lese deine Schilderungen plus Fotos immer mit großem Genuss!
    Sowas liest man immer wieder gerne! Danke!

    Zitat Zitat von MLO Beitrag anzeigen
    Im mehrdeutigen Sinne; denn bei dem Essen wäre ich gerne dabei gewesen.
    Tu dir keinen Zwang an! Das Kulinarische gehört für mich genauso zum Reisen und Erleben wie das Wandern selber oder der Kontakt zur Bevölkerung. Aber: Alleine essen ist ja ganz nett - aber nicht alleine ist netter! So meditativ das Wandern alleine ist - Abends im Restaurant ist es etwas eintönig! Und so gut, dass ich im Restaurant Anschluss an Einheimische finde, ist mein Französisch dann auch wieder nicht.

  17. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #77
    OT: So, das "Allgemeines Outdoor-Fotorätsel" ist gelöst und ich kann hier weiter schreiben.


    32. Tag: Von Ferrette nach Joncherey
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    Sonntag, 12. Juli 2020
    Strecke: 32 Km
    Höhenmeter: ↑ 575 m, ↓ 775 m
    Gehzeit: 7 h 20

    Etappe: 157 Km
    Etappenhöhenmeter: ↑ 2.000 m, ↓ 2.000 m
    Etappengehzeit: 36 h

    Gesamtstrecke: 754 Km
    Gesamthöhenmeter: ↑ 26.950 m, ↓ 26.750 m
    Gesamtgehzeit: 218 h

    Der Morgen begrüßt mich wieder mit blauem Himmel. So muss es gewesen sein: Das Leben von Gott in Frankreich! Ich mache mich reisefertig und schon klappert die Dame des Hauses in der Küche. Nach einem einfachen aber guten Frühstück gehe ich los. Hier hat es mir richtig gut gefallen! Es fällt mir schon fast schwer hier los zu laufen.


    Der untere Teil von Vieux Ferrette

    Die Sonne steht schon am Himmel. Zum Glück geht es gleich in den Wald. Hinter den Häusern geht es wieder aufwärts. Schöne Wanderwege führen mich auf den Rossberg.


    Schöne Wanderwege im Wald

    Ab und zu hat man trotz des recht dichten Waldes mal einen Ausblick auf das Dorf.


    Morgendliches Vieux Ferrette mit dem Chateau

    Oben auf dem Rossberg erwartet mich dann ein Turm: Der Rossbergturm. Genau so heißt auch ein Turm bei mir zuhause an der Albkante.


    Der Rossbergturm

    Ich bin heute noch recht frisch. Also hinauf! Die Stufen gehen recht steil aufwärts. Von Oben kommt mir ein Wanderer entgegen. Der letzte Teil ist dann eine senkrechte Leiter. Da macht es Sinn den Rucksack unten zu lassen.
    Oben ist die Aussicht dann einfach toll: Die Vogens im Nord-Westen, der Schwarzwald im Nord-Osten, der Jura im Süden und die Ausläufer des Sundgaus im Westen.


    Rossbergturmpanoramen

    Gefällt mir hier oben! Hätte ich den Rucksack mit hoch gebracht würde ich hier Pause machen. So steige ich aber doch recht schnell wieder hinunter. Dabei fällt auf, dass der Turm nichts für Leute mit Höhenangst ist!


    Luftige Konstruktion des Rossbergturms

    Der E5 führt mich durch den Wald auf Durlinsdorf zu. Alles sehr ordentlich hier: Gepflegte Waldwege und neue Unterstandshütten. Und der Weg ist hier noch sehr hügelig. Völlig unerwartet muss ich kurz vor dem Ort nochmal anständig rauf.


    Durlinsdorf - Ein typisch französischer Ortsname

    Am Ortsrand empfängt mich eine kleine Kapelle. Auch hier ist ganz vorbildlich alles offen.


    Die kleine Kapelle am Ortsrand von Dulinsdorf

    Etwas fantasielos geht es direkt an der Landstraße entlang zum nächsten Ort. So kann ich aber in die sprachlichen Grabenkämpfe der Region Einblick nehmen, die sich auch auf den Orts- und Straßenschildern niederschlagen.


    Bunte sprachliche Mischung auf Beschilderungen

    Liebsdorf hat sogar ein Hotel mit einem Restaurant. Das hatte ich bisher gar nicht auf dem Schirm. Hier wird aber gerade ein Familienfest vorbereitet. So fülle ich nur rasch etwas Schorle nach und mache mich wieder auf den Weg. Direkt gegenüber liegt die Kirche. Die heilige Messe läuft gerade bzw. liegt in den letzten Zügen. Kein Wunder, der Ort wirkt wie ausgestorben.


    Gläubiges Liebsdorf

    Am Ende der nächsten Querstraße geht es aus dem kleinen Weiler schon wieder hinaus. Und dann sehe ich ein Seltenheit bisher auf dem Weg: Der E5 ist direkt ausgewiesen.


    Was jetzt - Kilometer 0 oder Kilometer 2,3?

    Es geht an einen Bachlauf, an dem sich ein kleiner See an den anderen reiht. An manchen stehen kleine, gepflegte Wochenendhäuschen.


    Auf dem Weg zum Kilometer Null

    Ein paar Meter weiter wird der Weg dann kleiner und mutiert zum Trampelpfad. Das dürfte daran liegen, dass ich nochmal direkt an der Grenze zur Schweiz entlang wandere. Der kleine Bach ist hier für wenige hundert Meter Grenzfluss. Ein alter Betonbunker auf französischer Seite erzählt davon, dass es hier nicht immer so friedlich war.


    Deutscher und Schweizer Bunker aus dem Ersten Weltkrieg

    Das mit den Bunkern kenne ich ja schon ganz gut. Allerdings waren die am Rhein entlang jüngeren Datums: Die waren aus dem Zweiten Weltkrieg, diese hier aus dem Ersten.
    Über eine kleine Brücke betrete ich mal wieder die Schweiz.


    Grenze zur Schweiz

    Auf der Schweizer Seite steht dann der nächste Bunker. Und ich werde auf einen Schweizer Wanderweg aufmerksam, der mit ein paar Hinweisschildern auf die Bedeutung dieser Region im Ersten Weltkrieg aufmerksam macht. Hier, am „Kilometer Null“ begann die Kriegsfront im ersten Weltkrieg und reichte bis an die Nordsee. Die Spur des Ersten Weltkrieges hatte ich am Beginn der Tour ja auch schon mal aufgenommen.


    Verschiedene Versionen des Grenzstein 111 - Km Null der Westfront

    Hier stehen mehrere Grenzsteine 111 aus verschiedenen Epochen. Und auch heute noch direkt auf der Grenze.


    Kilometer Null

    Direkt dahinter führt ein kleiner Pfad mich wieder nach Frankreich hinüber. Wieder ein kleiner See, eine Mühle, ... – in heutigen Zeiten zum Glück eine sehr friedliche Gegend. Hoffentlich bleibt das noch ein paar Jahre so!


    Die Obere Mühle

    Im weiteren Verlauf wird der E5 auf einer ehemaligen Bahntrasse geführt. Auch wieder genau auf der Grenze. So überschreite ich heute ungezählte Male Landesgrenzen. Auch hier hat ein Alter Eisenbahnwagon eine Rolle gespielt. Erinnert mich irgendwie an den Wald von Compiegne.
    Teilweise im Wald und teilweise am Waldrand führt der kleine Wanderweg auf Pfetterhouse, ehemals Pfetterhausen, zu.


    Grenzwege

    Direkt an der Grenze zwischen den Schweizer Gemeinden Bonfol und Bournevesin liegen ein paar Findlinge, an denen dieser Sachverhalt festgehalten wurde.


    Grenzdörfer

    Der weitere Weg kreuzt direkt am alten Zollhaus die Straße zwischen Pfetterhouse (F) und Beurnevesin(CH). Ich mache einen kleinen Abstecher nach Pfetterhouse weil es direkt am Ortseingang eine Pizzaria gibt. Dort will ich Mittagessen und die Übernachtung planen.
    Ich habe gestern beim Abendessen eine Nummer eines Chambre D’Hotes in Rechesy bekommen. Zudem soll es in Suarce eine Pension geben. Dann habe ich noch 2 Nummern von B&B’s in Delle. Die telefoniere ich alle ab. Und nirgends ist was zu kriegen. Entweder machen die Leute gerade selber Urlaub, weil während Corona eh keiner kommt, oder die haben deswegen ganz zu. Oder ich erreiche niemand. Unbefriedigend! Aber es gibt ja noch eine Pension mit Restaurant in Rechesy.
    Mit etwas Bauchweh mache ich mich aber erstmal auf den Weg. Am Sportplatz vorbei geht es über die Wasserscheide zurück auf den Weg.


    Landesgrenze an der Wasserscheide

    Meist direkt auf der Grenze geht es nach Westen. Ich verlasse hier übrigens auch die Region Grand Est und betrete Bourgogne-Franche-Comte. Hier steht eine Schutzhütte mit dem Kilometerstein 146 davor: Der „Borne des Trois Puissances“. Fairerweise muss ich zugeben, dass ich das aber erst später im Rahmen eines „Allgemeines Outdoor-Fotorätsel“ festgestellt habe. Da war ich gedanklich wohl zu sehr mit der Quartiersuche beschäftigt!
    In Rechesy hat die Pension dann zu. In Suarce erreiche ich endlich jemanden aber die haben keinen Platz mehr für mich. Das wäre der offizielle Verlauf des E5 gewesen. Also halte ich auf Delle zu. Dort gibt es eine Bahnlinie. An Bahnlinien gibt es meistens auch kleine Hotels.


    Rechesy oder Röschlitz

    Ab Rechesy versuche ich dem Bachtal der La Vendeline zu folgen. Klappt aber nicht immer! Der Weg am Bach hört unvermittelt auf. Also halte ich mich an die Straße. Das zieht sich etwas. Über Courtelevant komme ich nach Florimont.


    Abflug

    Ab Faverois versuche ich es noch nebenher mit trampen. Ist aber leider erfolglos. Schon recht fertig komme ich nach Joncherey. Hier gibt es einen Bahnhof. Aber kein Hotel und keine Pension. Und keinen Zug mehr vor 23 Uhr 43. Also stelle ich mich an die Straße in Richtung Belfort. Das nächste Auto nimmt mich gleich mit. In den nächsten Dörfern entlang der Bahnlinie gibt es auch nichts zum Übernachten. Am TGV-Bahnhof von Belfort-Montbeliard gibt es dann endlich ein Hotel. Und einen Halt des Regionalzuges, mit dem ich morgen nach Joncherey zurück kann. Passt doch! Zumindest einigermaßen. An der Rezeption wird mir dann beschieden, dass das Hotel voll sei. Nun ist meine Geduld aber so langsam zu Ende. Zumal morgen eine ähnlich schlechte Unterkunftslage zu erwarten ist. Danach wird es wieder besser. Da bleibt mir nicht mehr viel übrig: In die Stadt Belfort will ich eigentlich nicht noch weiter fahren. Wer weiß ob es da besser wird? Ich denke diesen Teil der Tour muss ich zuhause mal besser vorplanen oder nicht zu Corona-Zeiten wandern. Der nächste TGV, der einfährt nimmt mir die Entscheidung fast ab: Er fährt nach Basel! Also schieße ich mir schnell ein Ticket mit dem Handy und steige ein.
    Damit endet meine E5-Tour hier leider etwas sehr ungeplant. Aber das ist der E5 von mir nun ja schon gewöhnt! Ich hoffe, dass ich das in nächster Zeit nochmal mit einer etwas optimierten Planung wieder aufnehmen kann.
    Geändert von Wafer (22.09.2020 um 15:20 Uhr)

  18. Gerne im Forum

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    AW: [IT, AT, DE, CH, FR] Unterwegs auf dem E5: Verona - Bozen - Bodensee - ?

    #78
    "complications" - o je! Aber schöne Eindrücke unterwegs!

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