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  1. Erfahren

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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #21
    Mitreisende: Sylvie
    5. Juni: Karapulju – Luirojärvi


    Karapulju. Mein Traum von Finnland.

    Karapulju liegt so niedrig und feucht, dass man nicht mal bis aufs Klohäuschen kommt, ohne sich nasse Füße zu holen. Ich mache den Fehler und will schnell in Crocs rüber – schon sind sie nass. Nach dem Frühstück steck ich sie zurück in den Schlafsack, um sie irgendwie wieder warm zu kriegen, aber vergeblich. Heute nur eine kurze Tour. Wir warten die ersten 15 Schauer ab, ehe wir losgehen. Es ist ja völlig egal, wann wir losgehen, es ist immer hell, wir fallen hier oben komplett aus der Zeit. Also können wir ebenso gut starten, wenn die Sonne mal scheint. So für zwei Minuten.


    Bye bye Karapulju. Zum Abschied scheint sogar die Sonne.

    Der Weg ist einfach heute. Finnisch-lieblichst, wenig Steine, kaum Steigungen. Ich laufe ohne Stöcke und verstecke meine Hände lieber unter den Ärmeln von zwei Pullovern und zwei Jacken. Handschuhe haben wir zu Hause gelassen. Wir waren geblendet und euphorisiert von den Wetteraussichten, die uns das Netz letzte Woche versprach. Strafe der Technik. Hätten wir nicht die Möglichkeit gehabt, uns vorher zu erkundigen, hätten wir bestimmt prophylaktisch Handschuhe eingepackt – so wie sonst auch immer übrigens. Für Hanni haben wir in Kiilopää noch ein paar hässliche babyblaue Fäustlinge erstanden. Für 22 Euro. Wir fanden den Preis so unverschämt, dass wir uns selbst keine kauften. Der Nachwuchs wurde versorgt, das muss reichen. Es ist aber nicht unaushaltbar ohne Handschuhe, nur maximal ein bisschen unangenehm.


    Hier auf dem Bild sieht es vom Wetter her ganz nett aus. Aber es fühlte sich nicht so an.

    Es ist polarfuchsmäßig kalt. Das Wetter bringt uns heute, wie auch an den Tagen zuvor, an die Grenzen unserer Gutmütigkeit. Und guten Mut brauchen wir, sonst sind wir verloren im Jammertal. Obwohl…eigentlich ist die Stimmung erstaunlich gut bei diesen miesen Bedingungen. Wir rennen halt nur ein bisschen schneller durch Finnisch-Lieblich, immer dem grausamen Nordwind entgegen, immer wieder heimgesucht von Regen, Hagel und Schnee. Was für ein Wetter!


    Aufbruch in finsteres Wetter.

    Aber immerhin, es gibt keine Mücken. Man kann eben nimmermehr alles haben. Wir nutzen die raren Sonnenpausen, um selbst zu pausieren, dann hasten wir weiter durch Grausam-finnisch-lieblich und gucken nicht viel nach links und nach rechts. Eine Auerhenne, die gleich am Wegesrand brütet, fliegt zeternd aus ihrem Nest – wir sind genauso erschrocken wie sie. Ein Blick in ihr Wohnzimmer gibt uns Hoffnung: fünf Eier, der Sommer wird kommen!


    Feines Gelege am Wege.

    Erstaunlich schnell kommen wir an.


    Der Luirojoki, der in den Luirojärvi fließt.

    Am Luirojärvi erwartungsgemäß viele Leute, die alte Hütte ist schon besetzt, vor der großen neuen Hütte hängen wie immer einige Rucksäcke, aber hey, immerhin können wir saunieren, und das so ziemlich sofort. Ein sehr netter Finnenpapa, der hier mit seinen drei Kindern durch den Park wandert, ist gerade fertig im Saunahaus und also nutzen Stef und ich die Gunst der Stunde und übernehmen das Ruder auf dem Dampfschiff. Sauber und frisch sind wir wieder versöhnt mit der Unbill des Tages. Wir arrangieren das alte Schlafregiment: Hanni und ich übernachten in der Hütte, Stefan im Zelt.

    Während wir sitzen und essen, füllt sich das Haus. Die beiden Damen von Tuiskukuru trudeln ein. Sie haben blonde geflochtene Zöpfe, alle beide, sind sie vielleicht Geschwister? Ich ärger mich heute noch, dass ich das nicht gefragt habe. Es würde meine romantische Vorstellung von Schwestern befeuern. Aber egal, nehmen wir an, sie wären es. Eine von ihnen ist Lehrerin, die andere schminkt und frisiert im Theater. Beide nutzen die Sommerferien, die ab dem 1. Juni begannen, um sich hier im Park zu erfrischen. Na der Plan ging gut auf, nur dass es nicht unbedingt ne Sommerfrische ist. Die Lehrerin unterrichtet Mathematik und Nadelarbeit. Wir finden, das passt gut zusammen. In Finnland, erzählt uns die Lehrerin, werden noch wichtige Fertigkeiten vermittelt: Handarbeit, Holzbearbeitung, Kochen und Ernährungslehre. Die Fächer sind bis zur achten Klasse alle im Lehrplan, danach können die Schüler wählen, welche dieser Fähigkeiten sie weiter vertiefen wollen. Ich persönlich finde das sehr vernünftig. Vor allem Kochen und Ernährungslehre sollte man dringend auch in deutschen Schulen lehren, und zwar durchgängig, nicht nur in der Grundschule. Wir diskutieren eine Weile das finnische Bildungssystem, ehe wir neue Gäste begrüßen. Ein deutsches Pärchen gesellt sich zu uns. Sie sind seit sechs Wochen im Auto unterwegs und wollten mal eine Wandertour einschieben. Nach der Stippvisite im Park wollen sie weiter ans Nordkap fahren.

    Erwähnte ich die Steckdose schon? Es gibt eine Steckdose in der Hütte. Keine Ahnung, welche Witzkuller sie einst dort anbrachte. Sie ist natürlich ein Fake und es ist immer wieder erhellend zu beobachten, wie manche Leute drauf reinfallen und gleich erst mal ihre Handys anstöpseln. Das Gelächter ist jedes Mal groß. Die Steckdose hat demnach eine wichtige Funktion: sie dient den Besuchern als Eisbrecher. Aber wer weiß? Vielleicht ist hier irgendwann mehr geplant? Wir wollen uns das gar nicht vorstellen und machen uns lieber bettfertig.

    Der Finnenpapa hat sich schon längst schlafen gelegt. Seine drei Kinder, zwei Mädchen und ein Junge, vielleicht 6, 9 und 12 Jahre alt, liegen neben ihm wie die Orgelpfeifen. Auch sie haben Schlafbefehl bekommen, aber wer will schon schlafen? Es ist ja noch hell und das Hüttenleben ist spannend. Aber Schlafbefehl ist Schlafbefehl. Also liegen sie brav neben Papi und seufzen und verdrehen die Augen. Sobald der Alte kräftig schnarcht, stehen sie auf und rennen nach draußen. Herrlich. In Finnland hört man noch auf seine Eltern, zumindest solange sie wach sind. Das alles ist mir sehr sympathisch.
    Geändert von Sylvie (30.06.2018 um 22:31 Uhr)

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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #22
    hi silvie,

    na, du hast bei mir gestöbert und gesehen, dass ich auch an der qualität meiner bilder verzweifelt bin, fast zumindest. klar, bei meinen seh ich den unterschied zu was war, was möglich ist und was dann gepostet wird. dir gehts ähnlich. ich hab mich auch für denali und aconcagua mit bearbeitungsprogrammen gequält. richtig viel aufwand für wenig besserung. bei den anderen touren hab ich nur verkleinert was ich hatte an pics, keiner merkt den unterschied auf bildschirm.

    aber ganz ehrlich, deine pics sind absolut ok. es ist einfach schwierig strahlende farben im regen zu bekommen. und die lust zum fotografieren sinkt natürlich auch. das nimmt dem ganzen aber niemals die auflockerung im text. die qualität reicht absolut aus um uns hier alle glücklich zu machen. also ruhig her mit den bildern, trau dich.

    und jetzt kommt dann sowieso die sonne raus für euch!! ... oder?

    wenns zu kalt ist eignen sich auch die ersatzsocken gut als nothandschuhe. 22 eus für babyblaue handschuhe hätt ich auch nicht ausgegeben. für pink ja, aber babyblau... niemals nicht!
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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #23
    Zitat Zitat von danobaja Beitrag anzeigen
    hi silvie,

    na, du hast bei mir gestöbert
    Gestöbert? Ich habe atemlos Deinen ganzen Bericht gelesen, alles auf einmal, zwischendurch hatte ich mehrere Herzkasper... Ich habe so mit Dir mit gelitten... mit Deinem mineraliengefüllten Magen... Herre, was es alles gibt. Und Du hast das Zeug getrunken und getrunken und der Durst ist nicht weggegangen, weil nichts davon im Körper ankam. Ich werde bestimmt noch weitere Berichte von Dir lesen, kannst Du einen empfehlen? Das, was Ihr da macht, ist natürlich Gigantenliga, während wir eher in der Mikrobenliga wandern. Aber hey, Gottes Tierpark ist groß, und selbst die kleinste Mikrobe kann den größten Giganten zum Lachen bringen. Ich hoffe natürlich jetzt ein bisschen (aber nur weil Du mir so sympatisch bist), dass Du nicht allzusehr auf uns herabsiehst, auf uns Hüttenbewohner (es gibt natürlich Gründe, warum wir das tun) und trotzdem weiter an meinen Berichten Freude hast.

    und gesehen, dass ich auch an der qualität meiner bilder verzweifelt bin
    Deine Bilder waren wunderbar. Wahrscheinlich sieht man das selbst immer viel kritischer, weil man den Unterschied kennt. Aber die anderen wissen nicht, wie es wirklich aussah und also sollte man sich hier wirklich nicht zu sehr ne Platte machen.

    das nimmt dem ganzen aber niemals die auflockerung im text.
    Das sehe ich absolut wie Du. Ich denke dann aber auch oft, Herrgott, diese Hütte hast Du doch letztes Jahr schon gezeigt... aber eigentlich ist das auch Quatsch, weil niemand guckt die Berichte der letzten Jahre an und außerdem sieht es sowieso immer anders aus.

    wenns zu kalt ist eignen sich auch die ersatzsocken gut als nothandschuhe. 22 eus für babyblaue handschuhe hätt ich auch nicht ausgegeben. für pink ja, aber babyblau... niemals nicht!
    Ja, danke für den Tipp. Wir hatten die Idee auch irgendwann, aber da hatten wir uns schon akklimatisiert, Oder ist es vielleicht wärmer geworden????

    Und ja, HAHAHAH; man muss schon Prioritäten setzen, bei Pink wäre ich absolut schwach geworden, aber für babyblau war es einfach nicht kalt genug. Und unsere Hoffnung auf besseres Wetter war gewissermaßen gigantisch, die hat alles überlagert.

    Ich grüße Dich vielmals und wünsche noch ein feines Wochenende!

    Sylvie

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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #24
    OT: hi silvie,

    ja, und die kleinste mikrobe kann den grössten giganten zu fall bringen.... elefanten haben deswegen ja auch eine solche angst vor mäusen!

    und nein, ich seh auf gar niemanden herab. zum einen ist das nicht meine art, und zum anderen hat mir das leben schon sehr früh gezeigt, dass wertungen immer sch*** sind. andere leute sind anders, klar, aber niemals schlechter, dümmer, etc. eine ebene, verschiedene koordinaten. vielleicht auch nur eine gerade, weil sich unterschiedlich geneigte ebenen schneiden und dort ein, sehr oft zeitlich begrenztes, treffen stattfindet.

    ich hab in meinem bekanntenkreis einen jungen, inzwischen ist auch schon 23 oder 24, der das down syndrom hat. in vielen punkten langsamer als die meisten, manches, zb radfahren kann er gar nicht. aber ich kenn keinen der besser boogie woogie am klavier spielt wie der jonas. stundenlang und es wird nie langweilig. und ein ganz lieber kerl ist er obendrein. steh ich über ihm weil ich radeln kann? steh ich unter ihm weil ich nicht klavier kann? ich versuch neben ihm zu stehen wenn er da ist. wir haben gelernt uns mit unseren vorzügen zu ergänzen. uns so macht der umgang mit ihm (und ihm der umgang mit mir) richtig spass. und umarmungen kann der kerl geben, .... ein traum!

    auf dem at hab ich einen top-manager von einer grossen automobilfirma getroffen. der hat mir erzählt, dass er wandern geht um demut zu lernen. er lernt dort immer wieder, dass man leute nicht nach dem aussehen oder alter oder vermeintlichem wissen beurteilen darf. in seinem beruf hat er ständig mit fachidioten zu tun, soviel, dass er sich selbst auch dazu zählt. weil ein 15 jähriger, der in seinem real life nur der "dumme" lehrling ist, ihm beim kochen auf dem trail sehr wohl was vormachen kann. oder beim zeltaufbau, etc. alter, bildung, vermeintliche intelligenz,... schmeiss alles über bord und sieh den menschen an. jeder kann dir in irgendeinem punkt was vormachen. finde diesen punkt und du kannst von jedem etwas lernen. (scherz: und wenns klauen oder morden ist.)

    gottes tierpark ist gross. ist der tiger besser wie die ratte? oder sind sie nur unterschiedlich, jeder mit seinen ihm ganz eigenen vorzügen? klar, der tiger lebt wie ein tiger, aber "besser" macht ihn das nicht. nur anders. was entscheidend ist, das ist, dass beide hoffentlich glücklich sind so wie sie leben und gute vibes haben und ausstrahlen.

    ich fühl mich total wohl in deinen berichten, auch wenn ich zugeben muss, dass ich noch nicht alles gelesen und zum teil -bis jetzt- nur überflogen habe. also mach so weiter, das ist ganz prima so! und wenn du mal über billige pinkene handschuhe stolperst, kauf sie dir!

    meine schönste tour war denali (für mich). die war sooo intensiv. so grenzwertig an jedem einzelnen tag. so energiegeladen, einfach "unstoppable". ob das der beste bericht ist, das überlass ich dem auge des betrachters.


    und jetzt her mit den sonnenbildern von eurer tour!
    bitte!
    danobaja
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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #25
    Hallo Dan,
    hab Dank für Deine vielen guten Gedanken zu diesem Thema. Es war herzerwärmend.

    Zitat Zitat von danobaja Beitrag anzeigen

    und jetzt her mit den sonnenbildern von eurer tour!
    bitte!
    Na... schaun mer mal...

  6. Erfahren

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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #26
    6. Juni: Luirojärvi – Lankojärvi
    Heute haben wir viel vor. Etwa 25 Kilometer sind es vom Luirojärvi bis zum Lankojärvi. Den Weg sind wir noch nie gegangen und wir freuen uns drauf. Dennoch lassen wir den Tag sehr entspannt angehen und genießen erst mal unser Frühstück und das turbulente Hüttenleben. Die blondbezopften Schwestern finden sich ein, wir flaxen laut und lange miteinander. Sie wollen heute den Sokosti besteigen, den höchsten Berg im Park. Ich weiß nicht, bei dem Wetter triebe mich nur die Aussicht auf Sonne da hoch. Die aber ist rar.


    Etwas später sind wir schon unterwegs. Hinten sieht man den Sokosti mit weißem Zuckerhut.

    Das Thermometer vor der Hütte zeigt 1 Grad, es sieht trübe aus und Besserung scheint nicht in Sicht. Auch der Finnenpapa will mit seinen Zöglingen hoch auf den Berg. Zur Eile muss er sie nicht antreiben. Ich staune ziegelsteingroße Bauklötzer, als ich sehe, wie organisiert die drei Kinder sind. Sie wissen genau, wo ihre Sachen sind, sie machen selbständig ihr Essen, sie packen ruhig und besonnen alles zusammen und zack – sind sie startklar. Sie lieben das Wandern, erklärt uns der Papa. Ich zolle ihm meinen höchsten Respekt vor seiner Leistung. Mit Kindern wandern zu gehen ist nicht immer einfach. Das wissen wir selbst nur zu gut. Und wo ist die Mama?, will ich wissen. Die ist mit den Kleinen zu Hause. Es gibt noch drei weitere Sprösslinge im finnischen Wanderheldenclan. Bestimmt sind die Kleinen genauso zauberhaft wie seine Großen hier: blond, blauäugig, etwas schüchtern und mit wunderschönen, graden, klaren Gesichtern.

    Der Finnenpapa lächelt sein breites, offenes Finnenlächeln und ich bemerke, wie ich anfange, die Finnen in Schubladen stecken zu wollen. Mein Gehirn sortiert sie effizient in die Heiteren, Offenen, in Düstere und Melancholische, in blonde Recken oder Nerds mit Brille und Glatze. Bei den Damen im Park gibt es viele Bezopfte, die meisten von ihnen sind blond. Und wie das so ist mit den Schubladen: alles, was hineinpasst, nimmt man stärker wahr. Für alles, was nicht hineinpasst müsste man sich neue Schubladen ausdenken; es würden der Schubladen zu viele werden und das ganze Schubladensystem liefe irgendwann aus dem Ruder. Also nimmt man die anderen weniger stark wahr und vergisst sie vermutlich irgendwann, falls sie sich nicht durch Anderes stark hervortun. So entstehen dann Tendenzen, Eindrücke und letztlich auch Filterblasen.

    Während ich noch über Schubladen nachsinne, kommt die deutsche Wandersfrau zu mir und bittet um Hilfe: sie hat furchtbare Schmerzen im Knie. Ich gebe ihr drei Voltarentabletten mit auf den Weg. Auch sie startet mit ihrem Freund heute zum Lankojärvi, nur gehen die beiden viel früher los als wir. Wir wollen zunächst mal schauen, ob sich das Wetter nicht doch noch entschließt, etwas milder zu wettern. Aber das finnische Wetter ist ne schnippische Diva. Sie zeigt uns die kalte Schulter.


    Graue Regenkulisse allerorten.

    Also zieht es auch uns irgendwann auf den Weg, nachdem wir in aller Ruhe Hannis Einpack-Marathon abgewartet und uns von allen Hüttenbewohnern grandios verabschiedet haben. Es ist bereits Nachmittag, als wir endlich aufbrechen. Der kürzeste Weg auf der Karte sieht zunächst eine lange Strecke am Ufer des Luirojärvi vor, bevor es hinauf in die Berge geht. Diesen Weg lehnen wir gleich ab. Wir wissen, wie feucht und sumpfig das Ufer ist. Also steigen wir gleich hoch in die Obstbaumwiesenzone und folgen einem Pfad, der sich abwechslungsreich durch die Krüppelbirken schlängelt. Wir überwinden die erste Hügelkette und am zweiten Bach, der uns kreuzt, müssen wir scharf rechts abbiegen.


    Wenn wir im Tal unterwegs sind oder voraussichtlich schnell wieder runterkommen, schleppen wir wenig Wasser mit uns rum. Wir trinken direkt aus dem Fluss.

    Der Weg dazu ist allerdings nicht auffindbar, sodass wir uns erst mal ohne Weg in die Büsche schlagen. Nach einer Weile und zwei Etagen höher finden wir den Weg. Er führt uns schlängelnd durch ein Joch, das uns einen wunderbaren Blick in das angrenzende Tal freigibt.


    Und abwärts geht's wieder.

    Tag 5 ist der Tag, an dem wir uns an das arktische Klima gewöhnen. Die Akklimatisierung erfolgt dabei über die Laufgeschwindigkeit, wie ich verwundert feststelle. Wir laufen wie immer doppelhosig und auch sonst mit fast allem, was wir an Klamotten mithaben. Wenn der Wind nicht allzu scharf weht, ist es zu ertragen. Ab und zu schneit es in winzigen Flocken finnischen Nieselschnee.


    Action in der Wetterkiste.

    Irgendwann hören wir auf, an unseren Reißverschlüssen zu zuppeln, wir regeln die Temperatur nicht mehr durch Öffnen und Schließen der Kleidung, sondern durch die Bewegung. Wenn uns kalt ist, laufen wir etwas schneller. Aber nicht zu schnell, denn wenn der Schweiß nicht richtig abdampfen kann, kühlt er sich ab und wir frieren wieder. Also finden wir irgendwann genau jenes Tempo, bei dem uns angenehm warm ist. Genau so, stell ich mir vor, machen es Tiere auch, um sich in adäquater Wärme zu halten.

    Nach dem Joch steigen wir ab ins Tal in eine liebliche Flusslandschaft ein. Der Weg führt abwechslungsreich mal durch Finnisch-Lieblich, mal durch morastige Wiesen am Flussufer entlang. An der ersten Feuerstelle rasten wir lange. Wir kochen Kaffee und heiße Tassen. Auch hier liegt das Holz in Säcken bereit und harrt der Verbrennung.


    In den Pausen ziehen wir die dritte Jacke auch noch an.

    So ein Feuer nach langer Wanderung in eisiger Kälte hat immer etwas Tröstliches. Es frischt die Batterien wieder auf und die Energie brauchen wir jetzt, denn knapp die Hälfte des Weges liegt noch vor uns. Wir hatten beschlossen, hier eventuell unser Zelt aufzuschlagen, falls wir zu müde zum Weiterlaufen sind. Aber alle drei sind wir noch frisch und fit und also schultern wir bald unsere Rucksäcke, um fröhlich weiterzulaufen. Hanni meint, dass sie den Weg von Sam und Frodo erst dann richtig einzuschätzen wusste, als sie sich selbst auf den Weg machte. Genauso geht’s mir auch. Generell sollten die Menschen mehr wandern, um die epischen Ausmaße des Heldentums kleiner Leute auf großen Touren zu begreifen. Besonders bei diesem Wetter.

    Fortsetzung folgt.
    Geändert von Sylvie (02.07.2018 um 21:21 Uhr)

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    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #27
    Hallo Sylvie,
    da bin ich ja echt froh, dass du trotz Anfangsbedenken einen Bericht begonnen hast. Denn der ist mal wieder klasse!
    Da ich zurzeit eher nicht in nördliche Regionen komme, fiebere ich quasi, dass du weiter berichtest. Bitte!
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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #28
    Hi Sylvie

    Ich lese auch wieder gerne und angenehm erheitert mit. Deine Berichte gehören literarisch aus meiner Sicht zur Spitze der ODS-Reiseliteratur, wirklich top!

    Und dass es wieder der gleiche Nationalpark ist, macht gar nix. Finnland sieht eh überall gleich aus.

    Das Wetter war ja zeitweise eher mäßig, aber auch da kann man was draus machen und gerade mit Hüttenbackup.
    (Wir hatten ja letzten Jahr in Norwegen und im Frühjahr in Schottland so ein Wetterglück, dass ich schon arge Befürchtungen für dieses Jahr habe. Wir nehmen mal viel Essen mit zum Abwettern. In knapp 2 Wochen gehts los. )

    Nächstes Jahr dann vielleicht sogar Finnland.

    Ansonsten finde ich es irgendwo zwischen unkomfortabel mutig bis leichtsinnig, da oben ohne Handschuhe loszuziehen, aber bin da auch etwas old school.

    Den Stuhl dagegen finde ich immer sympathischer...wenn ich nicht schon genug Kram dabei hätte, um mich gewichtsmäßig lächerlich zu machen, würde ich glatt schwach werden. Andererseits...
    Geändert von Antracis (04.07.2018 um 10:00 Uhr)

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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #29
    Zitat Zitat von Sylvie Beitrag anzeigen
    ...
    Fortsetzung folgt.
    ich hab doch sonnenschein bestellt!

    ...das wär doch auch für euch schöner, oder?

    Zitat Zitat von Antracis Beitrag anzeigen
    ...
    Den Stuhl dagegen finde ich immer sympathischer...wenn ich nicht schon genug Kram dabei hätte, um mich gewichtsmäßig lächerlich zu machen, würde ich glatt schwach werden. Andererseits...
    da macht man sich überhaupt nicht lächerlich, aber du musst 2 stühle mitnehmen!

    sonst muss der, mit dem du dich unterhalten willst, immer stehen und bleibt nicht lang. hab aufm at "easy chair" getroffen, die hat das so gemacht. und auf einmal hat jeder zeit gehabt für ne pause mit ihr. wir auch.

    ich musste trotzdem stehen, weil den 2. stuhl meine frau bekommen hat.
    danobaja
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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #30
    Zitat Zitat von Sternenstaub Beitrag anzeigen
    Hallo Sylvie,
    da bin ich ja echt froh, dass du trotz Anfangsbedenken einen Bericht begonnen hast. Denn der ist mal wieder klasse!
    Da ich zurzeit eher nicht in nördliche Regionen komme, fiebere ich quasi, dass du weiter berichtest. Bitte!
    Vielen Dank Sternenstaub!
    Leider ist es grade etwas turbulent hier, sodass ich grade nicht weiterschreiben kann. Ich mach aber hinne, ich versprech's.

    Bis bald

  11. Erfahren

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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #31
    Zitat Zitat von Antracis Beitrag anzeigen
    Hi Sylvie

    Ich lese auch wieder gerne und angenehm erheitert mit. Deine Berichte gehören literarisch aus meiner Sicht zur Spitze der ODS-Reiseliteratur, wirklich top!

    Und dass es wieder der gleiche Nationalpark ist, macht gar nix. Finnland sieht eh überall gleich aus.

    Das Wetter war ja zeitweise eher mäßig, aber auch da kann man was draus machen und gerade mit Hüttenbackup.
    (Wir hatten ja letzten Jahr in Norwegen und im Frühjahr in Schottland so ein Wetterglück, dass ich schon arge Befürchtungen für dieses Jahr habe. Wir nehmen mal viel Essen mit zum Abwettern. In knapp 2 Wochen gehts los. )

    Nächstes Jahr dann vielleicht sogar Finnland.

    Ansonsten finde ich es irgendwo zwischen unkomfortabel mutig bis leichtsinnig, da oben ohne Handschuhe loszuziehen, aber bin da auch etwas old school.

    Den Stuhl dagegen finde ich immer sympathischer...wenn ich nicht schon genug Kram dabei hätte, um mich gewichtsmäßig lächerlich zu machen, würde ich glatt schwach werden. Andererseits...
    Hallo Antracis,
    ich danke Dir, ich bin erfreut und Dein Zuspruch ist mir heiliger Ansporn.

    Ich finde ja eher, dass Finnland sogar schon anders aussieht, wenn man nur zu ner anderen Jahreszeit hinfährt, an genau den gleichen Ort. aber so unterschiedlich sind halt die Wahrnehmungen.

    Vielleicht sehen wir uns einst hier oben? Wir fahren hier auch immer hin, weil es so leicht zu erreichen ist. Der Flieger geht bis vor die Haustür. Ein Tag Reisezeit für so viel Strecke ist einfach unschlagbar.

    Und wo fährst Du dieses Jahr hin? Lass mich das wissen, damit ich nachlesen kann.

    Und ja, Du hast Recht mit den Handschuhen, es war leichtsinnig, so waren wir dieses Jahr. Lernen durch Schmerzen. Aber wir hatten ja Glück und nochmal wird uns das nicht passieren.

    Der Stuhl wiegt 400 Gramm oder so. Einer schleppt Stühle mit, der andere E-Zigaretten und Powerbanks. Ein bisschen Komfort muss schon sein. :-)

    Bis denne
    Sylvie

  12. Erfahren

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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #32
    Zitat Zitat von danobaja Beitrag anzeigen
    ich hab doch sonnenschein bestellt!

    ...das wär doch auch für euch schöner, oder?
    Hey Dan,
    ich muss mich doch an die Fakten halten, Meiner!!! Das ist ein Bericht und keine Honigtorte.

    Wir hätten das auch gerne anders gehabt - aber da sind wir wieder bei der Demut. :-)

    Dennoch, das war eine sehr schöne, erfrischende, chillige und coole Tour. Alles im doppelten Wortsinn. Noch bin ich ja nicht am Ende.

    Bis bald also
    Sylvie

  13. Erfahren

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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #33
    6. Juni: Fortsetzung Luirojärvi - Lankojärvi
    Und weiter geht’s durch Finnisch-Lieblich. Wir laufen oberhalb des Flusses, der jetzt dramatisch durch tiefe Schluchten gurgelt.



    An der zweiten Feuerstelle gibt es laut Karte eine Brücke, die einen sicher rüber ans andere Ufer führen soll. Wir finden die Brücke. Sie erweist sich in echt als ein wackliger Steg, auf dem man lieber nicht so gerne lange verweilt. Tief unter uns donnert das Wasser ins Tal, während wir achtsam versuchen, möglichst schnell wieder an Land zu kommen.



    Auf der anderen Seite: Lieblichkeit pur (bis auf das Wetter!). Irgendwie scheint hier das Klima milder zu sein, denn plötzlich ist überall alles grün. Das Heidekraut ist hier schon weiter, aufgeregt flutet es sein Revier mit leuchtendem Chlorophyll. Was für ein Urwald tut sich uns auf! Wir sind erst mal begeistert, doch pausieren wir nicht, denn der Weg ruft uns weiter.



    Und der wird schon bald wieder ätzend. Es geht drunter und drüber mit ihm, über riesige Felsblöcke und durch nasskalte Senken, immer am Ufer des Flusses entlang. Es ist unser alter Bekannter, der Suomujoki, der die launige Landschaft hier formt und uns gnadenlos durchs Gelände scheucht. Langsam frage ich mich, ob es nur mein mentales Erschlaffen kurz vor dem Ziel ist, das mich die letzten Kilometer immer als besonders anstrengend empfinden lässt. Dabei können wir alle uns gar nicht beklagen, denn – wie seltsam und wunderbar – nichts tut uns wirklich weh dieses Jahr. Ich bin so dankbar für meine Schuhe. Nach 20 Jahren Meindl-Treue habe ich mich jetzt für Hanwag entschieden, die sitzen wie angegossen und sind ein wenig biegsamer als die Meindl. So kann ich die Füße auf Steinen und Wurzeln besser abknicken und sie tun am Ende des Tages nicht ganz so weh. Auch sonst gibt es wenig Schmerzen: keine Knie, keine Hüfte, kein Nacken, keine Schulter tut bisher übermäßig weh. Kein Muskelkater plagt uns, es fühlt sich alles fit und gesund an. Das einzige, was wirklich schmerzt, ist der permanente Eiswind auf unseren Gesichtern.

    Kurz vor der Hütte müssen wir noch mal rüber ans andere Ufer. Wir tun es mit Freuden und Dank der sexy Watstrümpfe ganz ohne kalte Füße.


    Nur Hanni vertraut den Strapsen nicht mehr nach ihrem Malheur in Karapulju. Sie läuft lieber oldschool nackig durchs Wasser.

    Die Strapse sind in der Tat die größte Innovation dieser Wanderung. Die zweitgrößte ist unser verbessertes Pausenmanagement. Wir pausieren häufiger jetzt und wenn es sein muss auch 500 Meter vor der Hütte. So zerlatschen wir uns die Füße gar nicht erst, sondern gönnen ihnen die Ruhe, die sie durch Schmerzen einfordern. Genau das hatte uns der Weihnachtsmann-Opi vor vier Jahren in Sarvioja geraten. Ich denke noch heute so dankbar an ihn zurück. Kurz vor dem Ziel meint Stef, wir wären auf dem falschen Weg. Wir müssten den anderen nehmen, der hier führt erst um den See drumrum und wäre noch länger. Na, das kann ich leiden. Unklarheiten auf der Zielgeraden, wo ich doch im Kopf schon am wärmenden Feuer sitze. Wir müssen jetzt also diesen netten Weg hier verlassen und uns querfeldein durch die Büsche schlagen, um einen Weg zu suchen, der vielleicht dann nicht da ist, man kann solche Dinge nie wissen hier oben – ich maule und mosere ne Weile vor mich hin, aber dann beschließe ich, Stef zu vertrauen. Und gucke: da ist unser Weg und gleich sind wir da.

    Wir erreichen die Hütte gegen zehn.



    Und endlich: Da ist er, der Lankojärvi, schön wie die Welt, und die Sonne scheint. Wie zum Geschenk beleuchtet sie unseren liebsten See. Wir sind froh und stolz und glücklich, dass wir jetzt doch noch angekommen sind.



    Drei Finnen sitzen bereits am Feuer, zwei Männer und ein kleiner Junge. Sie laden uns gleich in die wärmende Mitte ein. Wir kommen sofort, wir wollen nur schnell unsere Rucksäcke abwerfen. Oben in der Hütte treffen wir erst mal die Deutschen wieder. Die beiden brechen zunächst in großes Gewunder aus, wie schnell wir doch wären und sie wären auch grad erst gekommen, und jetzt fühlten sie sich, wie die letzten Looser. Häh? Wir waren doch gar nicht schnell, wir sind gemütlich gelaufen, haben viele Pausen gemacht. Wir verstehen das alles nicht. Und ein Unsinn das mit den Loosern, hört endlich auf, Euch zu vergleichen, wir sind hier im Wald und nicht auf der Autobahn. Da sie keine Ruhe lassen, gehen wir noch einmal die Strecke durch. Es stellt sich heraus: Die beiden sind den anderen Weg gegangen, den am Luirojärvi entlang. Der Weg war ätzend, weil moorig und total verschlammt. Sie haben für diese Strecke sehr lange gebraucht – das also ist der Grund für den Unterschied. Gottseidank, wir haben ihn gefunden. Die beiden sind wieder versöhnt mit sich selbst. Eigentlich wollten sie jetzt ins Bett, aber dann - wie schön - kommen sie doch noch zum Feuer mit uns.


    Und immer wieder der Lankojärvi. Ist er nicht wunderschön?

    Die Männer am Feuer sind Brüder. Einer von ihnen spricht hervorragend Deutsch. Es ist noch sein Schuldeutsch, wie er uns versichert, wir sind beeindruckt. Wir reden ne Weile Deutsch mit ihm, bevor wir ins Englische wechseln, damit auch der andere sich am Gespräch beteiligen kann. Der wiederum spricht ein auffallend exzellentes Englisch. Ich ärger mich jetzt ein bisschen, seit Jahren schon will ich Finnisch lernen. Aber dann schieb' ich es auf die lange Bank und hopp - ist das Jahr schon vorüber. Mit Deutsch und mit Englisch kommen wir schon recht weit hier oben, aber trotzdem, bis auf ein paar Zahlen und rudimentäre Phrasen kann ich in Finnisch gar nicht parlieren. Es wäre schon nett, wenn man mehr reden könnte. Allerdings hätte auch das, was ich nach vielen Jahren an Finnisch gelernt hätte, nicht ausgereicht, um in jene Sphären vorzudringen, in die uns der Quasi-Native-Speaker hier grade entführt. Der Typ gibt lauter kluge Sachen von sich (es geht um das Brandverhalten von Bäumen). Unsere Neugier ist geweckt. Wir fragen viel und er antwortet viel. Auf meine Frage, wie er diese speziellen Dinge alle wissen kann, wird er verlegen. Es stellt sich heraus: Er ist Professor für Geografie und lehrt an der Uni in Turku. Der Abend am Feuer wird lang. Mit Wohlgelüst verspeisen wir unseren Wandererfraß und bereden nur spannende Sachen mit unseren exquisiten Gesprächspartnern. Auch unsere deutschen Lagerfeuergefährten haben illustre Dinge und staunenswerte Anekdoten zu berichten von ihrer langen Reise durchs Baltikum, von ihren Studienplänen und Lebensentwürfen – das alles ist erfrischend und erhellend für uns. Und in der Tat sind wir irgendwie auch gar nicht müde.



    Erst nach Mitternacht besteigen wir unsere Pritschen. Aber im heimelnden Zwielicht des Mittsommers kann ich lange nicht schlafen. 26 Kilometer sind wir heute gelaufen – ich aber bin hellwach. Ist das zu fassen? Erst nach zwei langen Kapiteln Charles Dickens sinke ich langsam hinweg.
    Geändert von Sylvie (08.07.2018 um 02:22 Uhr)

  14. Erfahren

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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #34
    7. Juni: Schauriges am Lankojärvi
    Ab dem Luirojärvi, seit gestern also, haben wir die Tour nicht genau geplant. Wir wollen uns vielmehr treiben lassen und spontan entscheiden, wohin wir gerne gehen möchten. Dieses Sichtreibenlassen beginnt zunächst damit, dass wir heute beschließen nirgendwohin zu gehen und einen Tag hierzubleiben. Der Lankojärvi lockt uns mit Lieblichkeit, der können wir nicht widerstehen.Wir haben ja unseren Pausentag noch nicht genommen und bisher auch gar nicht gebraucht. Also wird es ein Lustpausentag, den wir verbringen, wie es uns beliebt.

    Das Wetter ist deutlich milder geworden. Die Sonne lugt öfter mal zaghaft aus ihrem fetten Wolkenbett.



    Wir verabschieden die Deutschen und dann auch die Finnen. Jetzt sind wir allein. Vorerst. Hanni und Stef verschwinden im Wald, um Vögel zu suchen, ich aber bleibe am heißen Ofen, mit dampfendem Kaffee und meinem Schreibblock bewaffnet. Hach… diese skandinavische Gemütlichkeit! Was kann es Schöneres geben? Ein solch vagabundierendes Schriftstellerleben ließ ich mir gerne länger gefallen.

    Am Nachmittag ziehen wir alle drei noch mal los. Wir wollen auf die Landzunge, die direkt gegenüber unserer Hütte weit in den See hineinragt. Ein verrückter Einsiedler soll hier auf der Insel gelebt haben, insgesamt 20 Jahre lang. Er kam, noch bevor es diesen Rastplatz hier gab und blieb einfach da. Dann wurde der Park gegründet und die ersten Wanderer kamen. Der Einsiedler fühlte sich durch die Touristen gestört, also begann er, sie zu erschrecken und zu vertreiben. Dafür (oder für Schlimmeres?) kam er dann ins Gefängnis. Fasziniert hatten wir gestern am Feuer dieser Geschichte gelauscht, die uns der alte Professor zum Abendbrot servierte. Sofort flammten meine Phantasien vom Axtmann wieder auf, die vor vier Jahren genau hier am Lankojärvi ihren Anfang nahmen, ohne dass wir damals wussten, dass tatsächlich ganz in der Nähe so ein creepy Typ hier gehaust hat. Also sehen wir heute mal nach. Die Finnen neigen ja manchmal zum Flunkern, vielleicht hat der Prof uns auch nur einen Bären aufgebunden?

    Wir müssen zunächst durch einen morastigen Sumpf, den wir eigentlich ganz leichtfüßig durchqueren wollen. Aber die Nähe zur Hütte macht uns eher leichtsinnig als leichtfüßig. Der Sumpf ist tiefer als vermutet. Erstmals hol ich mir nasse Schuhe auf der Tour. Die Insel ist unheimlich. Sobald wir sie betreten schlägt der Wind um und es beginnt zu regnen.



    Wir finden die Umrisse der alten Hütte. Dann noch eine Erdhöhle, die vermutlich als Schuppen oder Speisekammer diente



    und ein stark verrottetes altes Boot.



    Damit hat der Typ bestimmt nachts über den See gesetzt und die Leute erschreckt. Der Fährmann des Grauens. Ob er seine Axt mitgenommen hat?


    Drüben auf der anderen Seite sieht man unser Zelt. Es steht direkt in der Einflugschneise des grausigen Fährmannes.



    Wir stehen schaudernd vor den Resten dieses seltsamen Lebens und versuchen uns vorzustellen, wie der Mensch wohl ausgesehen hat. War er rothaarig? Oder eher dunkel? Hatte er glänzende Augen, die ganz starr alles beobachten und plötzlich ganz irre aufblitzen? Ihm – dem Fährmann des Grauens - zum Gedenken hat man eine Minihütte auf einem Pfahl errichtet. Ein Babajagahäuschen, das alt und verschlagen in die liebliche Landschaft linst.



    All diese Dinge kann man von der Hütte aus nicht sehen. Man findet sie nur, wenn man das gruslige Moor überwindet und auf die Landzunge geht. Das dritte Mal sind wir bereits am Lankojärvi, aber von dieser gräulichen Nachbarschaft erfahren wir erst jetzt. Wir verlassen die Insel und stapfen noch ein bisschen umher, fotografieren die ersten sich öffnenden Blüten und freuen uns des Lebens. Dann zündet Hanni ein Feuer an, um das sie beständig herumtanzt.



    Mich hingegen zieht es zurück in kuschlige Hütte. Es ist zwar etwas wärmer heute, aber immer noch kalt genug, um sich ohne Reue ins Haus zu verziehen.

    Meine Schuhe schmoren dampfend über dem Ofen und ich verkriech mich aufs Bettenlager und versinke in meiner Dickens-Geschichte. Martin Chuzzlewit, was für eine Story! Generell sind alle Dickens-Romane heiß zu empfehlen, aber der hier ist wieder mal großartig. Eigentlich ist ja John Irving mein Lieblingsautor, ich kenne alle seine Bücher, ich bewundere seine Erzählkunst, aber auf die Irving-Romane muss man immer vier bis fünf Jahre warten, ehe man wieder durch seine Welt schmökern kann.


    Zwischendurch schenk ich Euch ein paar Pflanzenfotos, damit Ihr Euch nicht durch endlose Textblöcke quälen müsst.

    Irving aber betont in allen seinen Büchern, dass Charles Dickens sein großes Vorbild ist. Also habe ich irgendwann angefangen, mir die Wartezeiten mit Dickens zu verkürzen. Was für eine Entdeckung! Was für ein grandioser Erzähler! Plastisch, opulent, extrem gut durchgeplottet, beschreibt Dickens 1001 Personen, Schurken wie Liebreizende, die sich auf 1001 Erzählsträngen durch ihr oft hartes Leben kämpfen und kurz vor Schluss fulminant zueinander finden und der Geschichte den wahren Sinn entlocken. Nach jedem Buch dachte ich: Wow. Noch nie las ich so etwas. Und jedes neue Buch zieht mich dann wieder ganz genauso in seinen Bann.


    Der wilde Rosmarin blüht. Das Zeug soll euphorisch machen und die Wirkung von Alkohol verstärken. Früher wurde es deshalb ins Bier gemischt.

    Dickens‘ Romane sind lang. Sie umfassen oft an die 1000 Seiten. Und er war sehr produktiv. Man braucht also mehrere Jahre, ehe man alle seine Werke gelesen hat. Nun aber habe ich sie mit Martin Chuzzlewit fast alle durch. Es fehlen vielleicht noch zwei oder drei. Schon jetzt macht sich Wehmut in mir breit. Was mache ich bloß, wenn ich Dickens nicht mehr habe? Wie und mit wem werde ich diese Lücke füllen? Auch Irving ist schon alt und hat nicht das ewige Leben. Niemand weiß, was von ihm noch kommen wird. Aber ich schweife ab. Noch bin ich mit Martin und Tom Pinch und Mark Tapley und den reizenden Pecksniff-Schwestern gut unterwegs.



    Gott lobe die Faulheit. Ich könnte den ganzen Tag hier auf meiner Matratze verbringen. Immer mal dämmer ich weg, dann lese ich weiter. Es ist mir ein Rätsel, wie man von einem Tag auf den anderen in so verschiedene Aktivitätsmodi verfallen kann. Gestern noch stapften wir den ganzen Tag durch grimmig kaltes Finnisch-Lieblich, heute jedoch schmachte ich stundenlang lethargisiert am Ofen rum. Hanni holt mich heraus aus meinem Dämmerzustand. Sie meint, ich brauche frische Luft und wir sollten am Feuer draußen essen. Da wäre es warm genug, um nicht zu erfrieren. Na gut. Missmutig koch ich am Herd unsere Käsenudeln, zieh mir drei Jacken an und stapfe hinaus ans Feuer. Kaum sitze ich, fängt es an zu regnen. Ich gucke pikiert, aber Hanni beschwichtigt mich mit dem Hinweis, dass das hier oben immer nur Schauer sind. Also bleibe ich sitzen und gönn ihr den Triumph des Rechthabens. Und in der Tat scheint kurz darauf schüchtern wieder die Sonne. Zur Belohnung für unsere Standorttreue kriegen wir sogar noch einen Regenbogen, der sich quer über den Lankojärvi spannt.



    Nach dem Essen gehe ich trotzdem wieder rein zu Martin Cuzzlewit.


    Stefan macht es sich derweil auf seinem Stuhl am See bequem.

    Später überkommt mich eine seltsame Unruhe. Ich bin sehr ausgeruht und würde am liebsten sofort weiterlaufen. Der Vorschlag wird abgelehnt. Also machen wir uns langsam bettfertig. Spät in der Nacht kriegen wir noch Besuch. Ein einsamer Wanderer kommt vom Sokosti herunter bis zu uns in die Hütte gewankt. Ein sehr langer Weg liegt hinter ihm. Er erzählt, dass er nicht den richtigen Weg zur Hütte gefunden hat und den längeren nahm um den See herum, deshalb ist es so spät geworden. Genau das wär uns gestern ja auch fast passiert, wenn Stef nicht besonders aufgepasst hätte. Und das Furten, meint der Finne (er ist Kategorie Nerd mit Glatze), war abenteuerlich, der Fluss war sehr tief. Jedenfalls freut er sich, dass hier in der Hütte Platz für ihn ist. Er klettert hinauf auf seine Matratze und fällt ziemlich schnell in ein ohrenbetäubendes Schnarchen. Trotz Ohrstöpsel liege ich lange wach. Es ist nicht sein Schnarchen, was mich vom Schlafen abhält, es ist der Lärm meiner eigenen Gedanken. Deshalb wollte ich heute noch weitergehen. Ich wollte ein bisschen vor mir selbst weglaufen. Und also erlebe ich staunend den Quasi-Sonnenunter- und -wiederaufgang. Die Wolken am Himmel werden kurzzeitig gelb, dann pfirsichfarben mit einem Hauch rosa drin, dann strahlen sie wieder weiß und frisch (oder grau, je nach Wetter).



    Es ist durchgängig so hell, dass man ohne Probleme lesen kann. Und genau das tue ich bis in die Morgenstunden.



    Mein Lankojärvi - Du lieblichster aller Seen. Heute heißt es schon wieder Abschiednehmen.

    Geändert von Sylvie (10.07.2018 um 16:13 Uhr)

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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #35
    Hallo Sylvie, du hast eine echt schöne Art zu schreiben, eigen, aber besonders.
    Gefällt mir!
    Manchmal sieht der Himmel nicht einladend aus.
    Bei dem Bild mit dem Stuhl muste ich doch schmunzeln.
    Klar die Wattstrümpfe können sich sehen lassen. Schöne Gegend.
    Weiter so.
    Auch das Foto mit der Mittagspause , kommt mir bekannt vor.
    Richtig wohl fühle ich mich nur draußen !

  16. AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #36
    Liebe Sylvie

    Nach langer langer Zeit melde ich mich hier auch mal wieder zu Worte. Ich verbringe gerade drei wunderschöne Tage auf einer einsamen Alphütte im Appenzeller Alpstein (ein Teil der Alpen in der Schweiz). Ich liege auf einem Liegestuhl und neben mir weiden die Kühe. Ruhe, einfach nur Ruhe! Es gäbe kaum einen besseren Ort, um mal wieder in deinen/euren Lappland-Geschichten zu schmökern.

    Deine Familie und Du, ihr seid mir immer in bester Erinnerung geblieben. Die Art und Weise, wie wir uns damals am Luirojärvi kennengelernt haben. Wie wir im Vorfeld den Bericht eurer 1. UKK-Tour gelesen hatten und Jarno euch dann am See erkannt hatte. Einfach fantastisch!

    Eure aktuelle Tour, im "Frühling/Sommer", ich habe deine Erzählungen mit grosser Freude gelesen und konnte mich mehr als einmal sowas von reinfühlen. Ich war in Gedanken mittendrin... ich glaube, dass man das nur versteht, wenn an es selbst erlebt hat. Stefs Stuhl, seine Vogel-App, der Axtmann am Lankojärvi, die Geschichte von den Recken und und und... traumhaft! Du schreibst sensationell und verstehst es, deine Leser in deinen Bann zu ziehen... mach weiter so!

    Immer mal wieder frage ich mich, wie es wäre, mal gemeinsam mit euch eine Tour zu machen.... und dann machen wir ein Gemeinschaftsprojekt... du schreibst, ich mache die Fotos... Damit will ich keinesfalls sagen, dass deine Fotos schlecht sind, im Gegenteil! Wie du ja weisst, bin ich Nordlicht-Jäger und schleppe jeweils mind. 6kg an Fotoausrüstung mit mir um meiner Leidenschaft zu frönen.... Ich hab neuerdings auch eine kleine Drohne.. etwas, was ja eigentlich nicht unbedingt in den UKK gehört, jedoch dezent eingesetzt auch fantastische Eindrücke ermöglichen würde...

    Ein Projekt mit euch... Jarno wäre sicher dabei... ihn kennst du ja noch bestens. Er war es ja, der euch erkannt hat.

    Wer weiss, 2020 oder 2021 vielleicht? .... schauen wir mal....

    Ich habe selbst diese ewig hellen Tage im Norden auch erleben dürfen, hat mir gefallen, aber ich bin Nordlicht-Jäger... und wenn ich eine UKK-Tour mache, dann kommt für mich eigentlich nur der September in Frage... du verstehst. )....

    Jetzt sende ich dir und deiner Familie ganz liebe Grüsse in eure Heimat! Werde eifrig deine Geschichten weiter verfolgen. Und wir bleiben in Kontakt!

    Ganz lieben Gruss, jan

  17. Erfahren
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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #37
    Hallo Sylvie,

    jetzt hab ich es auch endlich geschafft, deinen Bericht zu lesen. Um ehrlich zu sein, dachte ich anfangs auch: "Nein, nicht noch mal Urho-Kekkonen-Nationalpark", aber schon nach wenigen Sätzen hattest du mich überzeugt, ich war mitten drin und voll dabei. Danke also, dass du dir die Mühe gemacht hast!

    OT: Eine Frage, die sich mir beim Lesen geradezu aufgedrängt hat: Hast du mal mit dem Gedanken gespielt, einen Reisebericht ganz ohne Bilder zu machen? Du könntest das, davon bin ich überzeugt. Nicht, dass ich deine Fotos schlecht machen wollte, sie illustrieren ganz wunderbar die vorsommerliche Stimmung. Aber du kannst so gut und auf originelle Art erzählen, dass sie eigentlich nicht nötig wären, die Bilder entstehen von selbst.

    Viele Grüße,
    Bernd
    Geändert von Borgman (23.07.2018 um 18:32 Uhr) Grund: OT eingefügt

  18. Erfahren

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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #38
    Zitat Zitat von Dogmann Beitrag anzeigen
    Hallo Sylvie, du hast eine echt schöne Art zu schreiben, eigen, aber besonders.
    Gefällt mir!
    Manchmal sieht der Himmel nicht einladend aus.
    Bei dem Bild mit dem Stuhl muste ich doch schmunzeln.
    Klar die Wattstrümpfe können sich sehen lassen. Schöne Gegend.
    Weiter so.
    Auch das Foto mit der Mittagspause , kommt mir bekannt vor.
    Lieber Dogman und hallo in die Runde,
    ich danke Dir für Deine ermunternden Worte. Die helfen mir echt, meine Getanes im Vergleich zu verankern, Ihr seid gewissermaßen der Spiegel, in dem ich meine eigenen Worte erst erkennen kann. Ich zurre sie fest, oben wie unten, im Positiven wie im Negativen, ohne dieses Feedback taumel ich ständig zwischen Zweifeln und Selbstüberschätzung, wobei die Zweifel öfter da sind und überwiegen. So aber wird es für mich real und ich kann den Text anhand seiner Wirkung packen wie einen Krug aus Ton, den ich zuvor blind geformt habe, und aus dem jetzt alle trinken.

    Nun ist es inzwischen ne Weile her, dass ich weiterschrieb. Wir waren bereits ein zweites Mal im Urlaub, diesmal mit den Rädern, in einer Gegend, wo es so gut wie kein Netz gab, sodass ich meine fertigen Texte nicht hochladen konnte. Jetzt aber, ich verspreche es, will ich mich zeitnah dransetzen und alles zu Ende bringen. Es fehlen ja noch ein paar Tage.

    Und ja: der Himmel war nicht einladend. Der Stuhl wird vermutlich immer mitkommen. Auch im Nachhinein gilt: das Wetter war bekloppt und trotzdem war das eine der besten Touren. Wie seltsam das Leben manchmal spielt.

    Liebe Grüße
    Sylvie
    Geändert von Sylvie (22.07.2018 um 22:02 Uhr)

  19. Erfahren

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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #39
    Zitat Zitat von Aurorahunter Beitrag anzeigen
    Liebe Sylvie

    Nach langer langer Zeit melde ich mich hier auch mal wieder zu Worte. Ich verbringe gerade drei wunderschöne Tage auf einer einsamen Alphütte im Appenzeller Alpstein (ein Teil der Alpen in der Schweiz). Ich liege auf einem Liegestuhl und neben mir weiden die Kühe. Ruhe, einfach nur Ruhe! Es gäbe kaum einen besseren Ort, um mal wieder in deinen/euren Lappland-Geschichten zu schmökern.

    Deine Familie und Du, ihr seid mir immer in bester Erinnerung geblieben. Die Art und Weise, wie wir uns damals am Luirojärvi kennengelernt haben. Wie wir im Vorfeld den Bericht eurer 1. UKK-Tour gelesen hatten und Jarno euch dann am See erkannt hatte. Einfach fantastisch!

    Eure aktuelle Tour, im "Frühling/Sommer", ich habe deine Erzählungen mit grosser Freude gelesen und konnte mich mehr als einmal sowas von reinfühlen. Ich war in Gedanken mittendrin... ich glaube, dass man das nur versteht, wenn an es selbst erlebt hat. Stefs Stuhl, seine Vogel-App, der Axtmann am Lankojärvi, die Geschichte von den Recken und und und... traumhaft! Du schreibst sensationell und verstehst es, deine Leser in deinen Bann zu ziehen... mach weiter so!

    Immer mal wieder frage ich mich, wie es wäre, mal gemeinsam mit euch eine Tour zu machen.... und dann machen wir ein Gemeinschaftsprojekt... du schreibst, ich mache die Fotos... Damit will ich keinesfalls sagen, dass deine Fotos schlecht sind, im Gegenteil! Wie du ja weisst, bin ich Nordlicht-Jäger und schleppe jeweils mind. 6kg an Fotoausrüstung mit mir um meiner Leidenschaft zu frönen.... Ich hab neuerdings auch eine kleine Drohne.. etwas, was ja eigentlich nicht unbedingt in den UKK gehört, jedoch dezent eingesetzt auch fantastische Eindrücke ermöglichen würde...

    Ein Projekt mit euch... Jarno wäre sicher dabei... ihn kennst du ja noch bestens. Er war es ja, der euch erkannt hat.

    Wer weiss, 2020 oder 2021 vielleicht? .... schauen wir mal....

    Ich habe selbst diese ewig hellen Tage im Norden auch erleben dürfen, hat mir gefallen, aber ich bin Nordlicht-Jäger... und wenn ich eine UKK-Tour mache, dann kommt für mich eigentlich nur der September in Frage... du verstehst. )....

    Jetzt sende ich dir und deiner Familie ganz liebe Grüsse in eure Heimat! Werde eifrig deine Geschichten weiter verfolgen. Und wir bleiben in Kontakt!

    Ganz lieben Gruss, jan
    Lieber Jan,
    was habe ich mich gefreut über Deine Nachricht! Die Geschichte, wie wir uns persönlich trafen, wird für mich immer ein Highlight der Erlebnisse im hohen Norden bleiben. Was habe ich mich gewundert, wie Ihr mich anstarrt. Und dann die Auflösung! Herrlich!!!

    Dein Plan über eine gemeinsame Tour hat mich mit großer Freude erfüllt. Auch Stefan war von dieser Idee sehr angetan. Ja! Lass uns das angehen. Lass uns das jeweils Beste aus uns herausholen, aus Dir die Bilder, die wirklich unschlagbar sind und die mit sprachlichen Bildern zu umrahmen mir eine Ehre wäre und aus mir die Texte, die zu schreiben mir immer so viel Freude bereitet. Das könnte ein wirklich gutes Projekt werden. Auch die Ergänzung mit Filmen halte ich für reizvoll, mich zumindest würde es extrem reizen, ein solches Multimedia-Gemeinschaftsprojekt mal aus den Angeln zu heben und gemeinsam zu stemmen. Der Rest, die großartige Landschaft, die Stille, das Abenteuer und der Spaß - das alles kommt von allein, die Natur gibt uns die Vorgaben, wir verwandeln sie nur.

    Auch das Jahr 2020 oder 21 halte ich für optimal, denn nächstes Jahr will ich noch mal im Sommer dorthin, ich muss einfach die langen Tage noch mal haben, sonst fühle ich mich nur halb. Dann kann es also im Jahr darauf gerne wieder eine Herbsttour sein und einmal wollen wir auch im Winter noch mal hin, mal sehen, wann wir reif dafür sind. Auch das Ziel, der UKK ist absolut in Ordnung, wir selbst fahren da ja auch aus Bequemlichkeit immer wieder hin, weil der Park für uns so gut und schnell zu erreichen ist. Wir sind aber ansonsten auch offen für andere Ziele.

    So, heute noch nicht, aber morgen, werde ich dann auch diesen Bericht hier weiterschreiben. Ich freu mich schon drauf, das Projekt zu beenden, es hat ja dieses Jahr etwas länger gedauert mit dem Schreiben, war aber nicht anders zu lösen.

    Also, wir hören ansonsten ja auch auf anderen Plattformen immer mal wieder voneinander. Lass es Dir gut gehen und sei ganz lieb gegrüßt!
    Sylvie

  20. Erfahren

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    AW: [FI] Lappland im Sommer: Action in der Wetterkiste

    #40
    Zitat Zitat von Borgman Beitrag anzeigen
    Hallo Sylvie,

    jetzt hab ich es auch endlich geschafft, deinen Bericht zu Ende zu lesen. Um ehrlich zu sein, dachte ich anfangs auch: "Nein, nicht noch mal Urho-Kekkonen-Nationalpark", aber schon nach wenigen Sätzen hattest du mich überzeugt, ich war mitten drin und voll dabei. Danke also, dass du dir die Mühe gemacht hast!

    Eine Frage, die sich mir beim Lesen geradezu aufgedrängt hat: Hast du mal mit dem Gedanken gespielt, einen Reisebericht ganz ohne Bilder zu machen? Du könntest das, davon bin ich überzeugt. Nicht, dass ich deine Fotos schlecht machen wollte, sie illustrieren ganz wunderbar die vorsommerliche Stimmung. Aber du kannst so gut und auf originelle Art erzählen, dass sie eigentlich nicht nötig wären, die Bilder entstehen von selbst.

    Viele Grüße,
    Bernd
    Lieber Bernd, hallo,
    ohhhhhh, das ist wirklich ein schönes Kompliment, das Du mir machst. Dass ich Dich trotzdem gepackt habe, obgleich Du keine Lust auf nochmal UKK hattest. Was Schöneres kann man gar nicht sagen! Hab vielen Dank dafür!

    Und dann geht es gleich weiter: ein Text ohne Bilder. Hmm... ehrlich gesagt hatte ich die Idee nie. Ich finde das ja grade so toll an diesem Forum, dass man hier beides serviert bekommt. Bei der Beschreibung der Landschaften versagt die digitale Sprache, das in Worte fassen zu wollen, würde ihre Großartigkeit nur beleidigen und gerade die Bilder sind es ja auch, die einem Hunger auf mehr machen, die Sehnsüchte wecken. Ich hatte es bisher auch so gehalten, mit den Texten die Bilder zu umrahmen und die Leute nicht mit Endlos-Blöcken zu langweilen. Das ist mir dieses Jahr schlechter gelungen, weil wir in der Tat wenig gute Bilder hatten auf der Tour.

    Also, meinst Du, ich könnte das mal probieren? Einfach nur schreiben? Jetzt, wo Du die Idee in meinen Kopf gepflanzt hast, wirkt sie geradezu tyrannisch. Es würde mich zumindest reizen und herausfordern, so viel steht fest. Ich trage mich ja schon lange mit dem Gedanken, mal einen Thriller zu schreiben, der in dieser Gegend spielt... Vielleicht sollte ich das Projekt wirklich mal angehen. Das wäre dann aber nichts für dieses Forum hier. Es sei denn, man würde eine neue Kategorie aufmachen: Phantastische Nebenprodukte von wahren Wandertouren, oder so.

    Ich bin jetzt bisschen verwirrt und brauche dringend Papier. Du hast mich auf Gedanken gebracht und alles aufgewirbelt in mir. Das ist so toll, ich kann Dir gar nicht genug dafür danken.

    Sei ganz lieb gegrüßt!
    Sylvie

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