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  1. Anfänger im Forum

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    [DE][AT] 03.06 – 09.06.18: Hüttentour Wettersteingebirge & Mieminger Kette

    #1
    Mitreisende: Boundless
    Da ich es endlich mal geschafft habe für ein paar Tage in die Berge zu kommen, folgt an dieser Stelle auch ein kurzer Tourbericht. Die Entscheidung eine Tour in der Region um die Zugspitze zu machen fiel ganz banal aus dem Grund, dass diese Ecke mit dem Auto in der kürzesten Zeit von uns aus zu erreichen ist und zudem ein relativ gutes Netzwerk aus Hütten vorhanden ist. Auch wenn sich die grobe Tourplanung als gar nicht so einfach herausgestellt hat, haben wir (ein Freund und ich) doch letztendlich eine sehr schöne Runde gedreht und viele Erfahrungen gesammelt und unglaublich viele positive Eindrücke gewonnen.

    Die Tourplanung war sehr kurzfristig, da lange Zeit nicht feststand, ob wir es überhaupt schaffen zusammen aufzubrechen. Als es dann ein paar Tage vorher endlich klar war, dass es klappte wurde kurzerhand eine ungefähre Route zusammengebastelt und für einigermaßen tauglich befunden. Ausrüstung war alles vorhanden, von daher musste nur noch überlegt werden, welche Klamotten mit sollten. Auch wenn wir eine Hüttentour geplant haben, wollten wir uns dennoch unabhängig bewegen und hatten uns überlegt so viel Essen mitzunehmen, so dass wir uns komplett selbst versorgen können. Das schraubte natürlich das Rucksackgewicht deutlich nach oben, machte aber dagegen unsere Tagesgestaltung deutlich flexibler. Letztendlich waren wir beide mit round about 15kg auf dem Rücken unterwegs.

    Als Start- und Zielort haben wir uns für Ehrwald entschieden und unser Auto auf dem Parkplatz der Almbahn abgestellt. Einmal vor Ort abgesprochen, Zeitraum, ungefähren Tourverlauf, Tel-Nr. und Kennzeichen angegeben. Der Parkplatz kostet keinen Cent.



    Tag 1, 03.06.18: Da wir erst ziemlich spät angekommen sind, hatten wir uns bereits im Vorfeld dazu entschieden nur einen kleinen Aufstieg zu machen. Wir sind dann ganz gemütlich die ersten 600hm zur Hochfeldern Alm aufgestiegen und haben dort unsere erste Nacht verbracht. Da wir die einzigen Gäste waren hatten wir freie Bettenwahl und eine verdammt ruhige Nacht.






    Tag 2: An diesem Tag, wie auch an allen anderen, haben wir morgens unsere Sachen zusammengepackt, sind ein paar Minuten gelaufen und haben uns dann ein schönes Plätzchen für das Frühstück gesucht. Nach ordentlich Kaffee (sehr wichtig!) und etwas Essen ging es dann weiter bergauf. Nach etwas hoch und runter überquerten wir beim Gatterl die Grenze und liefen weiter bis zur Knorrhütte. Dort machten wir oberhalb noch mal eine kurze Pause und haben noch einen kleinen Snack zu uns genommen, was allerdings deutlich zu wenig war, wie sich schon bald herausstellen sollte. Es ging dann auch zügig weiter Richtung Sonnalpin. Auf dem Weg dorthin war noch diverse Schneefelder zu überqueren, was aber völlig problemlos war.






    Das Wetter wurde etwas trüber, es nieselte leicht und meine Kräfte neigten sich abrupt dem Ende entgegen. Irgendwo zwischen zwei Schneefeldern musste ich eine kleine Zwangspause einlegen, da mein Akku leer war, was darauf zurückzuführen war, dass ich für meine Verhältnisse viel, viel, viel zu wenig gegessen habe. Ich war völlig unterzuckert. Also fix zwei Riegel gegessen, noch etwas ausgeruht und dann ging es weiter und wir kamen alsbald beim Sonnalpin an. Hier erfuhr dann unsere Route gleich das erste Mal eine Änderung. Nein, den Aufstieg zur Zugspitze wollten wir eh nicht machen. Die Motivation mit Hunderten Seilbahntouristen im Wolkenmeer zu stehen (es wäre zu dem Zeitpunkt tatsächlich so gewesen) erschien uns von Anfang an als keinesfalls verlockend. Der eigentlich Plan war es mit der Zahnradbahn eine Station bis zur Haltestelle Riffelriss zu fahren, um dann über die Riffelscharte weiter zur Höllentalangerhütte zu gelangen. Da mein Energiepegel allerdings noch nicht wieder auf Hochtouren lief, entschieden wir uns dagegen, diesen doch nicht ganz einfachen Weg in diesem Zustand zu laufen. Deshalb fuhren wir mit der Bahn nach Hammersbach. Unterwegs hätte ich mir gewünscht ich hätte den Waggon mit diesen furchtbar lauten englisch sprechenden Kindern abhängen zu können. Diese zu ertragen war definitiv die größte Strapaze des Tages. Unten angekommen, machten wir uns gleich wieder an den Aufstieg. Wir liefen fix den Wald hinauf und kamen bald am Eingang der Höllentalklamm an.








    Der Hunger wurde nun aber immer größer und deshalb sollte schon bald viel Essen sollte in unsere Mägen gefüllt werden. Eine kleine Nische erschien uns perfekt für dieses Projekt. Da es in der Klamm doch sehr zugig und natürlich feucht ist zogen wir uns mehr an und kochten eine riesige Portion Nudeln mit einer feinen würzigen Tomatensauce. Das war lecker und bitter nötig. Nach erfolgreicher Stärkung ging es dann noch die letzten Aufstiegsmeter bis zur Höllentalangerhütte. Sachen abgeladen, noch ein Helles getrunken und dann mehr oder weniger komatös ins Bett gefallen. Nach fast 1600hm bergauf und 12 Stunden auf den Beinen waren die Lampen nun endgültig aus.

    Fazit des Tages:

    - Höhenmeter am Computer sind was anderes als wenn man sie laufen muss!

    - Vor langen Aufstiegen mehr Essen! Das hat in den nächsten Tagen deutlich besser geklappt.

    - Laute Touristen sind eigentlich fast immer unerträglich, aber in müdem und hungrigem (!) Zustand steigern sich bösartige Fantasien fast ins Unermessliche.


    Tag 3: Die Nacht war ganz gut, da wir das Lager nur mit zwei weiteren Personen teilen mussten und somit störende Geräuschquellen in der Nacht nur in geringer Anzahl vorhanden waren. Der Körper war allerdings nach dem gestrigen langen Tag doch noch etwas müde. Zum Glück war für heute ehe nur ein kurzer Weg angesetzt. Die Höllentalklamm hatte wir durch gestrige Routenänderung schon gesehen und somit war der Weg noch kürzer geworden. Das war mir aber auch ganz recht. Beim Frühstück in der Sonne konnten wir dann auch gleich unseren ersten Rettungseinsatz beobachten. Ein Hubschrauber flog ewig hin und her und schien nach Menschen zu suchen. Der ganze Einsatz dauerte bestimmt fast eine Stunde und spielte sich in etwa auf Höhe des Zugspitzgletschers ab. Im Nachhinein hörte ich, dass dort vier Personen eingesammelt wurden. Passiert ist zum Glück nichts schlimmes. Nach diesem Programm machten wir uns dann entspannt auf den Weg. Wir gingen heute nur bis zum Kreuzeckhaus und hatten somit einen sehr erholsamen und kurzen Tag auf den Beinen.






    Tag 4: Same procedure as every day. Sachen gepackt, sonniges Plätzchen gesucht, gefrühstückt, Rucksack aufgesetzt und weiter gehts. Wir hatten ursprünglich die Überlegung die Alpspitze mit in unsere Tour einzubeziehen, hatten uns aber, da wir heute gemütlich weiter kommen wollten und Gipfel nicht auf unserer Prioritätenliste ganz oben standen, dagegen entschieden. Wir sind dann über den Bernadeinsteig ins Reintal abgestiegen und haben dann in der Nähe der Bockhütte die Füße ins Wasser gehalten und ein kleines Päuschen eingelegt.




    Da wir dem Plan nach in der Reintalangerhütte nächtigen wollten war der Weg nicht mehr allzu weit und auch nicht allzu anstrengend. Gegen vier dort angekommen erschien uns allerdings der Tag noch zu viel Zeit zu bieten und wir überlegten, ob wir noch weitergehen. Da eh was zu Essen her musste und dies ja auch vor möglichen weiteren Aufstiegen als Energiezufuhr durchaus sinnvoll ist (siehe Fazit Tag 2), haben wir den Kocher angeschmissen. Die Bäuche waren voll, das Wetter zeigte sich von seiner unentschlossenen Seite und irgendwelche Gedankengänge brachten uns dann dazu weiterzulaufen. Also auf zur Knorrhütte, sind ja nur mal eben 700hm nach oben. Wir waren dann tatsächlich ziemlich fix in 1,75 Stunden oben angekommen und hatten unterwegs erstmals so richtig Regen. Dieser war allerdings nicht allzu lang und bescherte uns einen wunderschönen Regenbogen über dem Tal. Als wir oben angekommen waren, lag eben diesen unter düsteren Wolken, während wir oben auf der Terrasse der Knorrhütte ein vorzügliches Helles genossen. Die Entscheidung für den Aufstieg war definitiv goldrichtig und ließ uns den nächsten Tag entspannter angehen.










    Tag 5: Heute ging es wieder zurück nach Tirol und auf in die Mieminger Kette. Der Weg über das Gatterl war uns ja bereits bekannt und wurde ohne besondere Vorkommnisse abgespult. Abgestiegen sind wir dann bis zum Igelsee. Dort was zu Essen gekocht und leider die falsche Entscheidung getroffen. Auf jeden Fall was Strapazen und Zeit anbelangt. Wir wollten zur Breitenkopfhütte, einer kleinen Selbstversorgerhütte aufsteigen, haben aber leider nicht den kurzen Bergwerksweg genommen, sondern sind schön ins Brendlkar aufgestiegen, haben das steilste (!) Geröllfeld des Planeten bezwungen, um dann über ein letztes kleines steiles Schneefeld die Hütte zu erreichen.












    Eine Person war bereits vor uns da und hatte schon den Ofen angeheizt, so dass es in der Hütte bereits mollig warm war. Am Abend wurde noch vor der Hütte auf dem Schneefeld gesessen und ein kleines Gläschen vom mitgebrachten Rum verköstigt. Dieser Ort strahlt ein fantastische Ruhe aus. Die Hütte ist großartig unter einem Felsvorsprung gebaut worden, direkt am Eingang eines alten Bergwerkstollens. Fantastisch!






    Fazit des Tages:

    - Man kommt sich ziemlich doof vor wenn man sich ein Geröllfeld hochquält, eine oben stehende Gemse dabei uns komische Menschen beobachtet und man zusätzlich am nächsten Tag feststellt, dass es bei diesem Geröllfeld auch einen einfachen Weg gegeben hätte.

    - Als kleine Entschädigung gab es dafür haufenweise Murmeltiere zu sehen, welche durch die Gegend tobten und skurrilerweise noch einiges an altem Flugzeugschrott.


    Tag 6: Nach gemütlichem Frühstück haben wir uns dann mit einer Person mehr auf den Weg gemacht, da diese das gleiche Ziel hatte wie wir. Über das Igelskar und Brendlkar machten wir uns in traumhafter Landschaft auf den Weg Richtung Coburger Hütte.






    Auf dem Tajatörl angekommen, entschlossen wir uns dann spontan noch den Hinteren Tajakopf zu besteigen. Hierfür haben wir aber unsere Rucksäcke vorsichtshalber in die Regenhülle eingepackt und weiter unten stehen lassen. Endlich mal ohne Gepäck. Wasserflasche und ein paar Riegel eingesteckt und auf ging es noch mal 150hm nach oben. Ein steiler Weg und ein paar versicherte Stellen später, ließen wir dann oben entspannt die Füße über der Kante baumeln und blickten auf den wunderbar gelegenen Drachensee hinab.





    Nach einer ausgiebigen und genussvollen Pause machten wir uns auf zur Hütte und ließen es uns nicht nehmen ein mal für ein paar Sekunden in den Drachensee einzutauchen. Am letzten Abend gönnten wir uns dann auch mal ordentlich was zu Essen auf der Hütte und tranken dazu das eine oder andere Helle.


    Tag 7: Der letzte Tag war angebrochen und sollte uns nur noch einen kurzen Abstieg zurück zum Auto bescheren. Der Kopf war auf Grund des Konsums einiger Kaltgetränke am Vorabend etwas schwerer als sonst und auch der Körper zeigte sich eher von seiner erschöpften Seite. Vorbei am Seebensee und über den Immensteig hinab, kamen wir dann am frühen Mittag am Auto an.









    Schluss, Ende, Aus, Vorbei!

    In Etwa 70km sind gelaufen worden, dabei ungefähr 5000hm bergauf und 3000hm bergab.


    PS: Großartige Tour, perfektes Wetter, sehr wenige Leute unterwegs, leere Hütten, kleine Ärgernisse werden meistens dennoch belohnt … Die nächste Tour kommt bestimmt, die Frage ist nur wann!

  2. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [DE][AT] 03.06 – 09.06.18: Hüttentour Wettersteingebirge & Mieminger Kette

    #2
    Vielen Dank fürs mitnehmen auf diese schöne Tour!

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

  3. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [DE][AT] 03.06 – 09.06.18: Hüttentour Wettersteingebirge & Mieminger Kette

    #3
    Sehr schön! Tolle Tour und sehr schöne Bilder! Danke!

  4. Anfänger im Forum

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    AW: [DE][AT] 03.06 – 09.06.18: Hüttentour Wettersteingebirge & Mieminger Kette

    #4
    Wow..... toller Bericht, super Reise und fantastische Bilder!!
    Ich freue mich schon auf einen Bericht, wenn Du eines Tages wieder auf Tour sein wirst!

  5. Erfahren
    Avatar von geige284
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    AW: [DE][AT] 03.06 – 09.06.18: Hüttentour Wettersteingebirge & Mieminger Kette

    #5
    Ein schöner kurzweiliger Bericht - danke! :-)

  6. Erfahren
    Avatar von Wandermaedel
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    AW: [DE][AT] 03.06 – 09.06.18: Hüttentour Wettersteingebirge & Mieminger Kette

    #6
    Schöner Bericht, tolle Bilder. Danke fürs Mitnehmen.

  7. Erfahren

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    Heimat iss mehr so n Gefühl...
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    AW: [DE][AT] 03.06 – 09.06.18: Hüttentour Wettersteingebirge & Mieminger Kette

    #7
    Sehr cool!
    Irgendwann und irgendwo begegnest eh dem Sensenmann. Und in dem Moment denkst gewiss nedd "Schitt, ich hätt viel öfter ins Büro g'sollt!"

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