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  1. Anfänger im Forum

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    [AR] 100 km durch Nordpatagonien (Huella Andina / Die Andenfährte)

    #1
    Mitreisende: 13aumi
    Vor vielen Jahren war ich in Nordpatagonien und wanderte auf dem Huella Andina-Weg durch das Grüne. Es gibt leider nicht besonders viele deutschsprachige Informationen über diesen Weg und nach meinem Kenntnisstand wird der Weg aktuell (2018) auch gar nicht mehr offiziell beworben. Aus diesem Grund möchte ich hier meinen Reisebericht vorstellen. Vielleicht hilft er ja jemandem bei der Vorbereitung.


    Huella Andina
    Huella Andina (span. „Andenfährte“) ist ein Fernwandertrail in Patagonien, Argentinien. Unser Plan war es, im Januar 2013, einige Etappen in der Nähe von San Martín de los Andes zu laufen.

    Anreise nach Patagonien
    Mit einem der typischen, argentinischen Fernbusse fuhren wir über Nacht nach San Martin de los Andes und mit einem lokalen Bus weiter über Junín de los Andes zum Start unserer Trekkingtour nach Puerto Canoa. Unterwegs hielt der Bus am Nationalparkeingang und wir registrierten uns bei der Parkverwaltung. In Puerto Canoa befanden sich nur ein paar einfache Campingplätze mit wenigen Besuchern und wir hatten gleich das Gefühl draußen in der Wildnis zu sein.

    Tagestour zum Vulkan Lanín
    Am ersten Tag stand eine Tagestour zur Südseite des Vulkans Lanín auf dem Plan. Mit leichtem Gepäck starteten wir die Tour und ließen Zelt und unnötige Ausrüstung am Campingplatz. Die Tour führte durch Wiesen und lichte Wälder bis knapp über die Baumgrenze zum Südhang des Vulkans Lanín. Unterwegs standen viele Araukarien-Bäume und verliehen der Landschaft einen Hauch von Jurassic Park. Auf einer großen Wiesenfläche endete unser Weg nach oben. Wir tauchten unsere glühenden Füße in einen kalten Bach und entspannten uns bei einem Picknick mit herrlicher Aussicht ins Tal. Auf dem gleichen Weg stiegen wir wieder ab und kamen abends erschöpft im Camp an. Mit etwa 20 km Strecke und über 800 Höhenmetern (bergauf) hatte es der erste Tag schon in sich.

    Von Puerto Canoa nach Aila
    Eine Bootsfahrt über den Lago Huechulafquen bildete den Auftakt zur zweiten Etappe. Am Ufer gab es eine Glocke, um das Boot zu bestellen. Der weitere Weg führte durch Wälder bis hin zu einem schönen Zeltplatz (Aila) neben dem Lago Paimún.


    Vulkan LanínDer Vulkan Lanín vom Zeltplatz in Aila aus gesehen.

    Das Wasser war zwar sehr kalt aber nach einem langen Wandertag gibt es eben nichts besseres, um die müden Geister wieder zu beleben. Direkt vom Ufer aus hatten wir einen herrlichen Blick auf den Vulkan Lanín.

    Die schwarze --g-r-ü-n-e-- Lagune
    Von Aila bis zu den Termas de Epulafquen durchquerten wir am dritten Tag häufig dichte Bambuswälder in denen unzähliche Moskitos auf uns lauerten. Gegen Nachmittag erreichten wir dann die heißen Quellen Termas de Epulafquen. Neben einigen Informationstafeln gab es auch einen Kiosk bei den heißen Quellen. Eine Schotterpiste führte an den Quellen vorbei und es sah so aus als sollte der Ort für Touristen ausgebaut werden. Allerdings war weit und breit fast keine Menschenseele zu sehen. Die Termas waren nicht der Ort, wo wir die Nacht verbringen wollten und so entschieden wir uns gleich die nächste Etappe zur Laguna Verde zu laufen. Zu Fuß wären wir wohl sehr spät angekommen aber ein zufällig vorbeifahrendes Auto nahm uns freundlicherweise ein Stück mit. Wir freuten uns umso mehr als wir merkten, dass der restliche Weg auf der Schotterpiste entlang führte und landschaftlich nicht so reizvoll war.


    Die Laguna Verde mit ihrem schwarzen Vulkangestein in der Abendsonne. Das Foto wurde nicht bearbeitet und ist kein Schwarz/Weiß-Foto.

    Die Laguna Verde („grüne Lagune“) war tatsächlich gar nicht so grün wie es der Name vermuten lässt. Viel mehr war es ein See mit klarem Wasser und dunklem Vulkangestein als Untergrund. Auch der Strand bestand aus schwarzem, vulkanischem Gestein. Eine etwas düstere und geheimnisvolle Atmosphäre aber definitiv sehr schön!

    Tabanos ohne Ende
    Früh, gegen 5 Uhr, standen wir auf, um den kommenden Anstieg nicht in der Mittagshitze machen zu müssen. Zunächst ging es am See (Laguna Verde) entlang durch Wald und Pflanzendickicht. Nach einiger Zeit schwenke der Pfad nach links und es begann der Anstieg durch die schwarze Vulkangeröllhalde hoch zum Pass.


    Kurz nach Sonnenaufgang vor Erreichen der Passhöhe inmitten von erloschenen Vulkanen.

    Kurz vor Erreichen der Passhöhe ging die Sonne auf und zauberte eine fantastische Atmosphäre in die Berge. Die Sonnenstrahlen weckten offensichtlich aber auch die Tabanos. Das sind dicke, blutsaugende Fliegen (sog. Bremsen), die sich nicht wirklich vertreiben lassen. Wildes Herumfuchteln half nur wenig und jede vertriebene Bremse sauste nach wenigen Augenblicken wieder um unsere Köpfe. Über lange Strecken verfolgten uns die garstigen Biester und versuchen sogar durch die Kleidung an unser Blut zu kommen.

    Relativ früh erreichten wir unser Etappenziel Rincón de los Pinos und erholten uns vom Fußmarsch. Rincón de los Pinos ist ein hübscher Platz zwischen Bäumen und mit einem etwas größeren Bach direkt nebenan. Später gesellte sich noch eine größere Gruppe hinzu, die den Weg in entgegengesetzter Richtung wanderte, und schlug ebenfalls ihr Lager auf.

    Im Unterzucker-Delirium
    Abends lagen wir schon früh im Zelt, um am Folgetag wieder früh aufstehen zu können. Allerdings machte uns die Gruppe einen Strich durch die Rechnung. Bis spät nachts spielten sie lautstark Spiele und erzählten sich Geschichten. Das schlimmste für uns war allerdings, dass die Leute regelmäßig über ihren mitgebrachten Süßkram redeten. Nach nun schon einigen Tagen nur mit dem nötigsten und nicht gerade den größten Essensportionen, wünschten wir uns sowieso schon einen Nachtisch oder etwas Schokolade für zwischendurch. Still lagen wir in unseren Schlafsäcken und versuchten zu Gesprächen über Schokokekse und Cola einzuschlafen. Der Guide der Gruppe verkündete regelmäßig welche Süßigkeiten er noch mitgebracht hatte. Einzeln zählte er die Sachen auf und fragte ständig, wer noch etwas davon wolle. Irgendwann schafften wir es dann aber doch und fielen ins Schokoladenentzugs-Koma.

    Vom Rincón de los Pinos zum Refugio Auquinco
    Noch vor allen anderen standen wir auf und zogen im Morgennebel los. Die Strecke zum Refugio Auquinco führte durch weniger Wälder als die vorherigen Etappen. Stattdessen ging es durch niedriges Gestrüpp, verbrannte Wälder und flache Graslandschaften.


    Typische Graslandschaft in Patagonien.

    Einige Male mussten wir furten aber die Bäche stellten keine großen Probleme dar. Leider fiel mir beim Überqueren eines Flusses meine Kamera ins Wasser und war nicht mehr zu gebrauchen – herzlichen Glückwunsch! Einige Tage später sollte ich zuhause dann feststellen, dass die bisher gespeicherten Fotos zum Glück noch vorhanden waren. Da Silvia auch ihre Digicam dabei hatte konnten wir noch weitere Fotos schießen.


    Silvia beim Furten eines Baches

    Das Refugio Auquinco befand sich neben einem See (Lago Lolog) und war von einem kleinen Wäldchen umgeben. Wir bevorzugten allerdings unser Zelt und ließen die Hütte links liegen.


    Sonnenuntergang am Lago Lolog beim Refugio Auquinco

    Die letzte Etappe
    An unserem letzten Tag wanderten wir im Wesentlichen am Ufer des Lago Lolog entlang bis nach Puerto Arturo. Wie immer am letzten Tag einer längeren Wanderung mischte sich die Vorfreude auf gutes Essen, eine warme Dusche und ein richtiges Bett mit dem faden Beigeschmack, dass die schöne Wanderung zu Ende ist. In Puerto Arturo wurden wir von einem Kiosk-Besitzer ein Stück im Auto mitgenommen bis zur nächsten Bushaltestelle. Mit einem lokalen Bus fuhren wir dann weiter nach San Martín des los Andes.

    In San Martín deckten wir uns in einem Supermarkt mit Essen ein und starteten unsere Essensorgie in einem hübschen Stadtpark. Nach mehreren Tagen mit exakt abgewogenen Nudeln und abgezählten Trockenfrüchten kannten wir kein Halten mehr und schlugen uns unsere Bäuche voll.

    Das war nun also unser Einstieg in die patagonische Wildnis. Wir können den Weg absolut weiter empfehlen. Die Landschaft ist wirklich beeindruckend und abwechslungsreich. Auf unserer Tour begegneten wir dem ein oder anderen Wanderer und auch auf den Campingplätzen (Puerto Canoa, Laguna Verde) trafen wir einige Urlauber. Allerdings waren das nur sehr wenige Leute, so dass wir auf jeden Fall das Gefühl hatten draußen in der Wildnis zu sein. Für uns wird es definitiv nicht die letzte Tour in Patagonien gewesen sein.

    Unsere Etappen (ungefähre Angaben)

    Tag 1: (Puerto Canoa – Base de Lanín – Puerto Canoa) 20 km, 800 hm

    Tag 2: (Puerto Canoa – Aila) 8 km, 300 hm

    Tag 3: (Aila – Termas de Epulafquen – Laguna Verde) 15 km, 400 hm und 13 km, 200 hm

    Tag 4: (Laguna Verde – Rincón de los Pinos) 16 km, 400 hm

    Tag 5: (Rincón de los Pinos – Refugio Auquinco) 12 km, 150 hm

    Tag 6: (Refugio Auquinco – Puerto Arturo) 13 km, 200 hm


    Der Artikel ist auch in meinem Blog zu finden.
    Geändert von 13aumi (16.05.2018 um 22:59 Uhr)
    Mein Blog zu den Themen Reisen, Sport und Trekking: https://sierratangoblog.wordpress.com/

  2. Erfahren

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    AW: [AR] 100 km durch Nordpatagonien (Huella Andina / Die Andenfährte)

    #2
    Da hat's dich nach einer Weile doch mal wieder hier ins Forum verschlagen.
    Schoener Reisebericht. Gibt's das jetzt bald auch fuer all die vergangenen Reisen?

  3. Anfänger im Forum
    Avatar von Mali
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    AW: [AR] 100 km durch Nordpatagonien (Huella Andina / Die Andenfährte)

    #3
    Ein schöner Bericht mit toller Landschaft!
    Es gab bis 2016 eine offizielle Webseite der huella andina von der Touristeninfo

    Jetzt kann man hier Infos einholen: https://lahuellaandina.com.ar/

    Da ist auch noch die ausführliche Etappenbeschreibung mit Karten & Co als pdf abrufbar. Den Track gibts als .kmz
    Allerdings alles auf spanisch...

  4. Anfänger im Forum

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    AW: [AR] 100 km durch Nordpatagonien (Huella Andina / Die Andenfährte)

    #4
    Danke für das Lob! Tatsächlich möchte ich noch die ein oder andere Reise aus der Vergangenheit aufarbeiten und dann ins Netz stellen. Aber ich lasse mir da Zeit und mache mir keinen Stress. Weitere Berichte gibt es ja schon in meinem Blog aber noch verhältnismäßig unsortiert und ohne Übersicht. Kommt alles noch

    Zum Wanderweg selbst gibt es wirklich gute Infos auf der Seite https://lahuellaandina.com.ar/. Falls wer nähere Infos zu diesem Weg benötigt, kann er mir gerne eine Nachricht schreiben. Ich kann ggf auch unterstützen wenn es Probleme mit der spanischen Sprache gibt ;)
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  5. Anfänger im Forum

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    AW: [AR] 100 km durch Nordpatagonien (Huella Andina / Die Andenfährte)

    #5
    Schöner Bericht. Sieht nach einer wirklich schönen Gegend aus.

    Wenn es den Weg "offiziell" nicht mehr gibt, kann man dann davon ausgehen, dass entsprechend wenig los ist?

  6. Anfänger im Forum

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    AW: [AR] 100 km durch Nordpatagonien (Huella Andina / Die Andenfährte)

    #6
    Zitat Zitat von littlefoot Beitrag anzeigen
    Schöner Bericht. Sieht nach einer wirklich schönen Gegend aus.

    Wenn es den Weg "offiziell" nicht mehr gibt, kann man dann davon ausgehen, dass entsprechend wenig los ist?

    Das ist schwierig zu sagen aber ich glaube fast, dass das gar keinen so großen Einfluss hat. Unter den Argentiniern ist Trekking nicht so eine Mode wie hier in Deutschland und der Unterschied wird nicht so groß sein. Die Leute die da in der Gegen wandern wollen finden die Information zum Weg auch ohne offizielle "Werbung"/Unterstützung.
    Europäer hatten wir damals im Januar 2013 keinen einzigen getroffen und ich vermute der Weg ist nun genauso viel oder wenig bekannt wie früher.
    Lange Rede kurzer Sinn: Ich denke nicht, dass die offizielle Werbung einen großen Unterschied bei der Besucherzahl macht.

    Die Wege werden meines Wissens aber noch gepflegt. Ich müsste aber nachforschen, um das genauer in Erfahrung zu bringen.
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  7. Anfänger im Forum

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    AW: [AR] 100 km durch Nordpatagonien (Huella Andina / Die Andenfährte)

    #7
    Danke für die Info!

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