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  1. Fuchs
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    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    #21
    Mitreisende: Voronwe
    Danke für den prima Bericht!
    Er rückt den Schwarzwald auf meiner Wander-Wunschliste wieder einmal ein paar Plätze nach oben.
    Kalender *Papageitaucher 2021* Familienplaner
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  2. Erfahren
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    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    #22
    Tja, vor zwei Jahren habe ich diese Wanderung gemacht, aber es fehlten ja noch ein paar Teilstücke: Das kleine Stück zwischen Dornstetten und Freudenstadt und das etwas größere Stück zwischen Schapbach und Gutach.


    Und das nagte doch an mir, denn so hatte die Tour hässliche Löcher und ich hatte immer das Gefühl, daß da noch was fehlen würde und ich das Ganze nicht richtig abgeschlossen hätte. 



    Und so begab es sich im Jahr 2020, daß es an der Zeit war und sich Gelegenheiten ergaben, die Lücken zu schließen. 



Denn das Jahr 2020 war das Jahr der Corona-Pandemie, und es hieß:
    "Bleibet zu Hause und gehet nicht unter Leute, denn um die Ansteckung zu minimieren, müssen wir ab März alles schließen."

    Und als sich die Anstekkungszahlen besserten, da hieß es, ihr könnt wieder reisen, aber nicht so weit fort und auch nur mit Maske im Gesicht. Aber bewegt Euch an der frischen Luft, denn das Virus liebt die Innenräume und die Menschenansammlungen.

    Also geht wandern, denn da trefft ihr nur wenig andere Leute.

    So sei es und so tat ich wie geheißen.

    8.6.2020

    Zwieselberg nach Schiltach - 23km

    Zwieselberg? Da waren wir doch schon mal? Wieso kommt das noch einmal vor?
    Ja, es fehlte ja noch ein Teilstück, nachdem wir die Wanderung im Mai 2018 in Schapbach abgebrochen hatten und ich sie im August 2018 in Gutach wieder aufgenommen hatte. Und dieses Teilstück sollte jetzt teilweise geschlossen werden, und zwar mit der ganzen Familie.
    In den Pfingstferien mussten wir einfach mal raus und praktischerweise besitzen unsere Nachbarn ein Ferienhaus im Schwarzwald, in dem wir ein paar Tage wohnen durften - praktischerweise ganz in der Nähe von Freudenstadt.

    Der ursprüngliche Plan war folgender: Das Auto wird in Schiltach stehengelassen, dann würden wir mit dem Zug nach Freudenstadt fahren, und von dort mit dem Taxi nach Zwieselberg (eine Busfahrt scheiterte an dem doch sehr übersichtlichen Fahrplan). Nun ja, erzähl Buddha von Deinen Plänen, dann hat er auch was zu lachen …
    Also stehen wir morgens frohgemut auf, der Wetterbericht hatte trockenes Wetter versprochen (die Woche um Fronleichnam präsentierte sich ansonsten sehr wechselhaft), die Rucksäcke waren schon gut gepackt – mit viel Wasser, da die Versorgung mit selbigem auf der Strecke knapp sein sollte, packen das Auto und fahren los, nur um nach kurzer Zeit festzustellen, daß Tochter_1 ihre Regenjacke vergessen hat – nun gut, noch mal umkehren, wir haben ja einen guten Zeitpuffer eingeplant und die Bahnfahrkarten haben wir auch schon.

    In Schramberg stellen wir allerdings fest, daß der direkte Weg nach Schiltach gesperrt ist. Eine Umleitung ist ausgeschildert, der wir auch folgen, sie führt uns aber irgendwie immer weiter weg vom eigentlichen Ziel. Und bald ist der Zeitpunkt erreicht, wo wir den Zug in Schiltach nicht mehr kriegen würden.
    Was also tun? Spontane Planänderung: Wir fahren nach Freudenstadt, lassen das Auto dort stehen und fahren dann abends mit dem Zug. Nachteil dieses Plans: Unsere Wanderung ist nun von Fahrplänen abhängig, etwas, was ich eigentlich vermeiden wollte. Aber was soll man machen?
    Nach einem kurzen Zwischenstopp, bei dem wir uns noch mit Brezeln eindecken, erreichen wir um 10:00 Uhr schließlich Freudenstadt. Das Taxi wartet schon auf uns. In Zeiten von Corona war es doch geschickter, eins vorzubestellen, bei 4 Personen ist dann doch ein Bus nötig. Wir sind vom Fahrer durch Folie getrennt, brauchen also keine Masken zu tragen, und erreichen so auf kurviger Strecke Zwieselberg. Erinnerungen werden wach, hier sind wir ja vor zwei Jahren auch gestartet.



    Das Wetter ist angenehm zum Wandern, trocken, aber nur 15°.
    Am südlichen Ortsende stoßen wir auf den ersten Wegweiser. Wir halten uns Richtung Schiltach, auf dem Mittelweg, der heute unser Leitweg sein soll. Ein kurzes Stück gehen wir noch auf der Forststraße entlang wechseln dann – wie vor zwei Jahren – auf den kleinen Grenzweg und tauchen in den Wald ein.





    Hier empfängt uns wieder die Waldesstille, das einzige Geräusch ist das Zwitschern der Vögel (Stille ist also relativ). »Waldbaden« heißt das wohl im Wellness-Sprech. Der Weg ist immer noch schmal, waldig und von Blaubeersträuchern gesäumt. In regelmäßigen Abständen stehen die alten Grenzsteine, welche die Grenze zwischen Württemberg und Baden markieren – Waldbaden also nur auf der westlichen Seite, auf der östlichen Seite ist Waldwürttemberg.





    Der Orkan Sabine scheint hier im Februar ordentlich gewütet zu haben, überall liegen Baumstämme wie ein Riesenmikado herum. Der Weg ist aber freigeräumt, und dafür wurde auch schweres Gerät benutzt: An einigen Stellen ist der Weg doch ziemlich zerfurcht und das Gehen hier gleicht mehr einem Balancieren zwischen großen Pfützen.





    Aber das sind glücklicherweise nur kurze Teilstücke, die meiste Zeit ist es ein angenehmer Wanderweg mit kaum merklichen Steigungen.









    Wer schneidet hier denn mitten im Wald Bäume unten ab?



    Die Kinder sind vom Weg begeistert – Tochter_1 kannte ihn ja schon, aber auch Tochter_2 macht gut mit. Während wir so wandern erzählt sie uns alles über Stocktiere, die hier im Wald leben. Die wichtigsten Eigenschaften dieser faszinierenden Lebewesen:

    Stocktiere sehen aus wie normale Stöcke, sind aber lebendig und können fliegen. Ihre Lebensräume sind der Schwarzwald und Spanien (warum sie nicht auch in Frankreich vorkommen ist wissenschaftlich noch nicht geklärt); Im Sommer ziehen sie nach Norwegen. Ihre Ernährung ist pflanzlich, besonders gerne mögen sie junge Tannentriebe. Hauptfeinde sind Fuchs und Blindschleiche. Im Herbst schmückt sich das Männchen mit bunten Blättern und führt dann für das Weibchen einen Balztanz auf. Sie sind Säugetiere und ziehen ihre Jungen in verlassenen Spechthöhlen groß. Nach 3 Jahren sind die Jungen flügge (vorher werden sie von ihren Eltern nach Norwegen getragen).





    Und trinken müssen Stocktiere auch:




    Mit diesen Informationen vergeht die Zeit auf dem Weg wie im Flug und nach 2 ½ Stunden verlassen wir den schönen Weg und erreichen den Schmiedsberger Platz, der erste Ort mit Sitzgelegenheiten. Denn so schön der Weg auch ist, Rastplätze sind immer noch rar gesäht. Interessanterweise fängt mein Rucksack ungefähr am selben Ort wie 2018 an den Schultern zu drücken, obwohl ich deutlich weniger dabei habe – er scheint wir wohl sagen zu wollen, das zwei Stunden am Stück doch genug wären.
    Kurz vor dem Platz überholt uns noch ein Wanderer mit den Worten »Mal sehen, wie weit ich noch komme, bevor ich vor Hunger anhalten muss.« Nun ja, anscheinend doch noch weiter, denn wir werden ihn nicht mehr wiedersehen.
    Unser Hunger sagt uns aber: Mittagsrast mit Brötchen und Landjägern. Nebenbei beobachten wir in einer Pfütze zwei Erdkröten bei der Paarung. Man scheint es in Krötenkreisen eher gemütlich zu mögen, jedenfalls haben sich die Tiere während unserer Anwesenheit nicht groß bewegt, nur eine Laichspur zeugt von ihren Wanderungen in der Pfütze.






    Während der Rast haben wir auch weitere Begegnung mit einem anderen Wanderer. Er hat aber einen Hund dabei und hält sich auf Abstand.
    Nach der Pause betreten wir unbekanntes Terrain, denn mit Tocher_1 bin ich hier ja abgestiegen. Diesmal folgen wir aber weiter den Mittelweg. Und er ist auch einzige schmale Weg, der hier vom Schmiedsberger Platz wegführt – Glück gehabt. Also geht es weiter an der ehemaligen Grenze entlang, durch den finsteren Forst. Stocktiere begleiten uns.





    Sturmschäden:






    Nach einiger Zeit geht es steil bergab und wir kommen auf eine Forststraße, der wir ein relativ kurzes Stück folgen müssen. Ob es am plötzlich nicht mehr so interessanten Weg liegt oder an der Mittagszeit: Müdigkeit macht sich in der Truppe breit und wir Eltern müssen Motivationsarbeit leisten.








    Der Weg wird dann zwar wieder unforststraßiger, dafür geht es nun aber steil bergauf, und auch dieser Anstieg sieht so aus, als ob hier mit schweren Gerät gefahren wurde. Aber langsam und mit dem Versprechen, daß es am Ende der Steigung einen Müsliriegel gäbe, schaffen wir auch dieses Stück.





    In einer tiefen Pfütze, die sich in den Reifenspuren der Monsterforstmaschinen gebildet hat, finden die Kinder Molche und Kaulquappen. Und dann ist endlich ist der Gipfel erreicht, und der versprochene Müsliriegel wird verzehrt – Mmmh, Schoko-Banane.

    An einem alten Wegzeichen vorbei geht es wieder abwärts und wir erreichen eine schöne Hütte – Die Emilhütte. Der Weg ist ab hier leider nicht mehr schön: Forststraße! Und wir versuchen etwas schneller zu sein, wir wollen doch noch einen Zug in Schiltach erreichen. Aber das kommt nur so mittelgut an.



    An der Salzlecke denken wir, daß der Weg wieder besser wird, aber hier sind wir auf die irreführende Beschilderung reingefallen. Oder war es etwa der Bohnet? Da gab es doch eine Warnung an der Salzlecke:
    Auf der Höhe zwischen dem Witticher- und dem Heubachtal geht der »Bohnet« um. Der »Bohnet« ist der Geist eines Hofbauern, dem bei einem Holzdiebstahl das Ochsengespann verunglückte, und der sich auch Gram darüber erhängte. Der »Bohnet« erschreckt die Holzhauer, die ihre Arbeitszeit überschreiten und führt die Wanderer in die Irre. (…) Salzhaltige Absonderungen im Gestein zogen die Rehe zum Lecken an. Deshalb der Name »Salzlecke«.
    Jedenfalls stelle ich nach einiger Zeit fest, daß wir auf einem Parallelweg zum Mittelweg sind. Nun gut, laut Karte sollen sie wieder zusammenführen, aber unser Weg endet auf einmal im Gebüsch. Als Retter erweist sich hier das GPS, welches uns 100 m quer durch den Wald zum Mittelweg zurückführt. Der entpuppt sich hier allerdings wieder als Forstautobahn. Das hebt die Stimmung nicht gerade, besonders weil sich inzwischen doch einige Müdigkeitserscheinungen einschleichen. Und es sind noch 6 Kilometer nach Schiltach. Was tun?



    Meine Frau hat die geniale Idee, Tocher_2 ihre Pulsuhr zu geben und sie damit zum Pacemaker zu befördern. Sie kontrolliert somit unsere Geschwindigkeit und vermeldet immer wieder, wie unser Tempo ist: so 15 min/km.
    Leider wird der Weg nicht wirklich besser, es bleibt eine Forststraße, die auch noch langsam bergauf geht – nach den Versprechungen vom Anfang ist dies doch eine deutliche Verschlechterung, aber stoisch wird das Schicksal ertragen. Und leider müssen wir ein gewisses Tempo halten, um den Zug zu erreichen. Verflucht seien die Straßenbauarbeiten und die damit einhergehenden Umleitungen; stünde das Auto in Schiltach, wäre alles entspannter. Immerhin gibt es an einigen Stellen einen Ausblick auf die umliegenden Berge.



    Und wir betrachten noch Schnitztiere





    Und Riesenameisen



    Endlich führt der Weg weg von der Forststraße und nach kurzer Zeit erreichen wir den Abzweig zum Teisenkopfturm. Ist nicht weit, also gehen wir dort hin. Und wir werden nicht enttäuscht. Der Turm ist eigentlich eine Wanderhütte, innen schön mit Tisch und Bank ausgestattet, und eine Etage höher könnte man wunderbar biwakieren. Nur Wasser muss man selber mitbringen, und das aus größerer Entfernung, denn wir sind bis jetzt an keiner Wasserstelle vorbeigekommen.





    Wir machen draußen Rast und essen mit Blick auf die Schwarzwald unsere Brezeln. Hier sehen wir auch die ersten schon fast reifen Blaubeeren, nur geschmacklich sind sie noch sauer.
    Mit neuen Kräften geht es nun an den Abstieg nach Schiltach, und der hat es in sich. Es geht erst einmal steil hinunter zum Teisenhof, nicht wirklich schön für unsere schon müden Knochen.



    Eine Wichtelwohnung



    Ab dem Teisenhof verläuft der Weg für ein kurzes Stück auf Asphalt, und dann geht es wieder in den Wald. Und jetzt wird es richtig steil und es zeigt sich, wie anstrengend auch ein Abstieg sein kann. Die Kinder ertragen es mit wachsender Unlust, gleichzeitig aber auch mit beeindruckendem Durchhaltevermögen, Aufgeben ist halt keine Option, und der Weg wird ja auch wieder flacher. Und dort fließt auch noch ein Bach, dem wir jetzt bis Schiltach folgen, immer noch abwärts, aber wesentlich einfacher zu gehen. Allerdings zieht sich der Weg dann doch noch, aber das haben Endstücke einer Wanderung ja generell an sich.



    Schließlich ist aber Schiltach erreicht, wir folgen den Schienen zum Bahnhof und lassen uns auf die Bank fallen. Geschafft! Müde, aber stolz ob der Leistung warten wir auf den Zug. Als er kommt, humpeln wir langsam hinein – unglaublich, wie langsam man nach einer Pause wieder auf die Beine kommt. Masken auf, einsteigen, es ist viel Platz im Zug, Sitzplätze besetzen, entspannen. Die Kinder schlafen schnell ein, glücklicherweise ist Freudenstadt Endstation (nicht die Entstation, die wäre ja mitten im Wald).
    Die erfolgreiche Wanderung wollen wir noch in Freudenstadt beim Burger King feiern, aber hier heißt es: Wegen Corona nur Drive-In. Also verzehren wir unsere Burger im Auto auf dem Parkplatz, immerhin mit Blick auf die schwäbische Alb.

    Fazit: Die Kinder fanden die Wanderung zwar anstrengend, aber toll, obwohl der Weg doch zum Ende hin an Attraktivität deutlich nachließ. Und am nächsten Tag haben wir zwar etwas Schmerzen beim Aufstehen, die aber schnell nachlassen.
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  3. Erfahren
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    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    #23
    11.7.2020( Teil 1)
    Dornstetten – Freudenstadt (10 km)



    Jetzt fehlten also immer noch ein paar kleine Stücke, um die Route komplett zu machen. Man könnte sagen, »Na ja, ist gut, man muß es ja nicht vollständig machen«, aber irgendwie wurmt das schon, und auf der Karte sieht es auch komisch aus. Und außerdem hat es etwas von einer »Unvollendeten« und es würde immer im Hinterkopf nagen. Nein, ich wollte mit dieser Tour komplett abschließen, um mich dann neuen Zielen zuzuwenden – wo immer diese auch sein werden.
    Also bestimmte ich kurzfristig ein Wochenende im Juli für die Resttour. Eigentlich wollte meine Frau auch mitkommen, aber mit den freien Samstagen wurde es schwierig, und somit beschloss ich schließlich, die Tour alleine zu machen. Ursprünglicher Plan war Schiltach – Gutach an einem Tag, aber da wäre die Anreise aufwändig gewesen. Praktischerweise fand ich bei der Suche nach einer Unterkunft in Schiltach den Gasthof »Adler« auf Mitte der Strecke. Und da die Anreise eh über Freudenstadt erfolgen würde, könnte ich auch noch Dornstetten – Freudenstadt einfügen und somit alles komplett machen.

    So gehe ich also am Samstagmorgen um kurz nach sieben mit Rucksack zum Bahnhof. Und beim Heruntergehen der Treppe zu Gleis 2 meldet sich schon mein Knie, als wollte es mir sagen: »Alter, was hast Du denn vor? Lass es lieber!«
    Aber ich lasse mich nicht abschrecken: Die Bahn ist pünktlich, Maske auf und ab mit den Zug nach Tübingen. Dort im Hauptbahnhof kaufe ich noch ein zweites Frühstück und begebe mich in den Zug nach Entringen. Eigentlich sollte der Zug bis Herrenberg fahren, aber es gibt einen Schienenersatzverkehr.

    Auch dies klappt problemlos, und so warte ich in Herrenberg auf die Bahn nach Freudenstadt, die auch pünktlich kommt. Was ist denn mit der Bahn los? Kurze Irritation, welcher Zugteil der richtige ist, und dann geht es auch schon weiter, sogar mit Wifi (im Nahverkehr!). Die Maske macht etwas schläfrig, aber das ist keine so gute Idee, denn sonst würde ich ja meinen Austiegspunkt Dornstetten verfehlen. Also bleibe ich tapfer wach und steige an der richtigen Station aus.
    Dieser Bahnhof befindet sich an anderer Stelle als von mir gedacht – anscheinend gibt es hier zwei. Nun gut, so bin ich näher an der Stadt und begebe mich in dieselbige – vorbei am Busbahnhof, womit ich an die Wanderung von Horb nach Dornstetten anschließe.
    Dornstetten hat eine ziemlich hübsche, auf einem Bergrücken gelegene Altstadt, die ich nun durchschreite, um am südlichen Ende ins Tal abzusteigen.

























    Zuerst geht es noch auf Asphalt, aber dann in einer Kleingartensiedlung auf Schotter weiter.




    Der Weg ist hier nicht markiert und daher auch etwas schwer zu finden. Er verliert sich dann in einer Wiese und ist nur noch als Trampelpfad im hohen Gras erkennbar – wie gut, daß ich noch die langen Hosenbeine anhabe.








    Aber hübsch ist es hier, überall blüht es und Schmetterlinge flattern herum – die schwarz-weißen sind allerdings sehr unstet und setzen sich nicht einmal zum fotografieren auf eine Blume – Diven halt.








    Laut Karte soll es jetzt in den Wald hineingehen, man kann so eine Art von Weg erkennen, mit viel Phantasie kann man ihn als Hohlweg bezeichnen.



    Er endet dann allerdings an einer Wiese, die eingezäunt ist. Ich versuche, parallel zur Wiese durch den Wald zu gehen, aber das Unterholz wird hier immer dichter, sodaß ich schließlich aufgeben und zurückgehen muß – gegen die Brennesseln hier helfen die langen Hosen auch nur bedingt. Also wieder weiter durch die Wiese. Immerhin ist es hier sehr angenehm zu gehen und so beobachte ich noch ein bisschen länger die Schmetterlinge.







    Schließlich mündet der Weg auf einen Feldweg, der – wie der Name schon sagt – über die Felder führt, leider nach kurzer Zeit asphaltiert.











    Aber immerhin schweift der Blick Richtung Freudenstadt. Es liegt so nah, aber leider muß ich noch durch ein Tal.





    In diesem Tal liegt Aach, daß ich durch ein Neubaugebiet betrete. Es geht durch den Wald, vorbei an einer Grillstelle mit Blick auf die Eisenbahnbrücke und schließlich auf einem Wanderstöcke tötendem Fußweg (die Stöcke verhaken sich gerne im Pflaster) in den Ort.








    Hier steht zwar ein Ortsplan, aber leider ohne »Sie sind hier«-Angabe, sodaß er mir nicht wirklich weiterhilft. Es sind zwar Wegweiser vorhanden, aber auch die schwächeln an den entscheidenen Stellen. Wohl dem der – wie ich – eine Karte dabei hat, auch wenn man ihr nicht immer trauen sollte. Am Flößerdenkmal (von hier wurden Baumstämme über Neckar und Rhein nach Holland geflößt) muß ich mich daher erst einmal kurz orientieren, und gehe dann erst einmal an der Glatt entlang, vorbei an einem Sportplatz, an dessen Seite die Sportjugend »Buffta-Buffta«-Musik spielt, jedoch ohne die dazu passenden Leibesübungen. Die Bässe machen aggressiv, also schnell weiter.





    An einer Brücke, an der ich die Glatt verlasse, ist ein kleiner Flohmarkt aufgebaut. Aber ich verkneife mir die große, kupferne Weltkarte und auch alle anderen Kleinigkeiten.
    Es geht jetzt steil bergauf und der Weg ist mit Ziegelbruch belegt, was dazu führt, das die Füße immer wieder zurückrutschen – Geröllfeldfeeling im Schwarzwald. Aber schließlich ist der Hügel erklommen und es geht auf einer Wiese weiter. Dann leider ein Stück Straße, bis ich an einem Rinderhof abbiege. Den Hofverkauf verkneife ich mir ebenfalls, Rinderhälften tragen sich doch etwas unpraktisch.
    Jetzt geht es noch ein kurzes Stück bergauf und dann auf einer Forststraße durch den Wald über einen Höhenrücken. Der Weg mündet in eine Kreisstraße, an der es ca. 200m entlang geht, bis ich sie glücklicherweise wieder verlassen kann. Hier findet sich auch eine Bank für die Rast. Vor mir ein Blick Richtung Alb (der Plettenberg ist an seinem Fernsehturm erkennbar), hinter mir das Ploppen der Bälle vom Tennisplatz.








    Frisch gestärkt geht es weiter. Ich liege gut in der Zeit, schließlich will ich ja heute noch nach Schiltach und der Zug geht stündlich von Freudenstadt. Der Weg führt wieder über die Felder, leider auch hier asphaltiert.










    Ich biege nach rechts in den »Arbeitsdienstweg« ein und finde dort tatsächlich einen Gedenkstein, auf dem behauptet wird, das dieser Weg von »Freiwilligen« des »Lagers Dietersweiler« angelegt wurde. Ja, nee, ist klar. Die Spuren über die Inschrift deuten darauf hin, daß hier zumindestens das nach 1945 nicht mehr wirklich gern gesehene Symbol entfernt wurde. Nun gut, auf diesem Weg findet man sich auch ohne Führer zurecht, er läuft einfach auf Freudenstadt zu.








    Freudenstadt empfängt mich etwas abweisend, mit Mehrfamilienhäusern mit wenig Fenstern an der Seitenwand und Garagen.




    Aber immerhin wird ein Pfad zum Bahnhof ausgewiesen, der auch noch kurzer als der Weg durch das Wohngebiet ist. So erreiche ich schließlich den Bahnhof von Freudenstadt, nicht ohne zuvor den Versuchungen des Konsums am örtlichen Flohmarkt widerstanden zu haben.







    Mein Konsum äußert sich in einer Flasche »Mountain Dew«, die ich mehr oder minder exe, und einer Butterbrezel, die aber nicht zu den Highlights ihrer Gattung zählt.
    So warte ich schließlich auf den Zug nach Schiltach, froh und befriedigt, diese Zwischenetappe abgeschlossen zu haben. Es war damals eine gute Entscheidung, die Tour in Dornstetten enden zu lassen, das hier wäre dann doch noch sehr zäh geworden.
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  4. Erfahren
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    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    #24
    11.7.2020( Teil 2)
    Schiltach – Fohrenbühl (12 km)




    In Schiltach sollte nun also die zweite Etappe des heutigen Tages starten. Als ich am Bahnhof (Haltepunkt trifft es eher) aus dem Zug steige, schlägt mir erst einmal eine warme Faust ins Gesicht: Es ist doch ein Unterschied, ob man sich in Freudenstadt auf 700m oder hier auf 300m befindet – noch dazu in einem Tal, in dem sich gerne die Hitze staut.

    Auch hier fange ich genau dort an, wo wir im Juni aufgehört haben und begebe mich erst einmal in den Ort. Nebenbei beobachte ich noch einen Spatz, der sich ein großes Heupferd gefangen hat – da hat die ganze Familie was von.



    Mir ist aber etwas Süßes lieber und so kann ich der großen Eiswaffel am Straßenrand nicht widerstehen. Mit dem Eis in der Hand schlendere ich wieder aus dem Ort hinaus; vorbei an der ziemlich mächtigen Kirche, die leider nicht zu besichtigen ist.
















    Der Weg führt nun bergauf, als kleiner Pfad. Hier befinde ich mich nun wieder auf dem Mittelweg, der hier auch von einem Bibelpfad vereinnahmt wird. Nun ja, vielleicht kann geistlicher Beistand auf diesem Weg nicht schaden.

















    Leider mündet der Weg viel zu schnell in einen Forstweg, auf dem es – immerhin im Schatten – weiter bergauf geht. Hier stimmt die Beschilderung nicht immer mit der der Karte überein, an einigen Stellen muß ich doch ganz schön suchen, bis ich wieder die Mittelwegsraute finde.
    Bei einer Rast mit Kartenstudium fliegt mir ein Schmalbock auf die Karte. Ob er mir wohl bei der Wegfindung helfen will? Jedenfalls entscheide ich mich, dem Mittelweg weiter zu folgen, obwohl er anscheinend einen Umweg macht. Aber es wird schon alles seine Richtigkeit haben, der Raute zu folgen ist im Schwarzwald nie verkehrt.




    Als ich einen schönen Ausblick mit Liegebank erreiche, ist diese leider schon von Radfahrern besetzt. Aber vielleicht ganz gut so, wer weiß, ob ich hier wieder hochgekommen wäre.










    Der Weg wird leider nicht flacher, dafür verändert er sich immer mehr zur Forststraße: Hier wurde eine Straße richtiggehend in den Berghang gefräst. Schönes Wandern geht anders, besonders weil auf diesem Abschnitt natürlich keinerlei Rastmöglichkeit vorhanden ist – nicht einmal Baumstämme am Wegesrand. Stumpfes Marschieren ist angesagt.










    Ich fluche schon innerlich über diese Wegführung; denke noch, das es ja noch schlimmer kommen könnte, es könnte ja Asphalt sein. Und meine Flüche werden erhört: Der Weg mündet in eine Asphaltstraße, die sich für 1km den Berg hinaufzieht.




    Jetzt fluche ich nicht mehr nur innerlich, insbesondere der Verantwortliche für die Wegführung kriegt hier sein Fett weg. Premiumweg? Am Arsch! Dazu klingen aus dem Wald noch die klassischen Brunftschreie der Motorsägen: sie scheinen Futter gefunden zu haben. In der traditionellen Brunft der Motorsägen kommt es ja vor allem auf die Lautstärke und die Blattlänge an, damit soll gezeigt werden, daß für ordentlich Holz vor der Hütte gesorgt werden kann.
    Da diese Tiere nicht unter Naturschutz stehen, träume ich doch eher vom Blattschuß und versuche, sie mit Flüchen zu vertreiben – leider vergebens. Auch der Weg lässt sich von Flüchen nur mäßig beeindrucken, jedenfalls bleibt er hart.




    Aber auch dieses Teilstück hat mal ein Ende und dort winkt immerhin mit der Heuwiese eine Lokalität, auf die mich schon vorher diverse Schilder aufmerksam gemacht haben (Wahrscheinlich stehen die da, damit man überhaupt weitergeht). Kaffee, Kuchen und Apfelschorle wecken wieder die Lebensgeister, die sehr zutrauliche Katze bekommt aber nichts ab.






    So gestärkt geht es weiter und glücklicherweise wird der Weg auch besser, d.h. schmaler und waldiger.



    Wobei man sich schon fragen kann, ob es eine gute Idee ist, einen Wanderweg auf einem Downhill-Pfad entlang zu führen. Aber ist ja nur ein kurzes Stück.




    Es geht durch Heidelbeerbüsche und an einem Forellenteich vorbei,




    und auch über einen Bohlenweg.







    Eigentlich sehr schön zum Wandern, aber der Anstieg hat Tribut gefordert und meine Füße sind schon etwas müde. Daher kommt die Bank am Kapfhäusle sehr recht, obwohl ich kurz zurückschrecke, habe ich doch erst »Kopfläusebank« gelesen.











    Bei ein paar Erdnüssen in Honig-Salz-Kruste (idealer Snack, nur zu empfehlen – enthält alles, wonach der Körper verlangt) genieße ich die Aussicht und mache mich dann weiter auf den Weg. Nebenbei versuche ich im Hotel anzurufen, um zu sagen, daß ich unterwegs bin, aber obwohl mit das Handy 4G vorgauckelt, bricht die Verbindung beim Versuch zu telefonieren jedes Mal ab. Na ja, wer telefoniert auch heute noch mit dem Handy? Wahrscheinlich nur so alte Midlifesäcke wie ich.





    Also geht es weiter, immer schön am Wald entlang, vorbei am »Bienenhäusle« welches den müden Wanderer zu einer Übernachtung einlädt.





    Die Quelle nebenan ist leider versiegt oder zumindest abgestellt. Nur ein einsamer Becher zeugt noch von vergangenen Zechereien.





    Und es geht immer noch weiter, jetzt eine Hohlweg hinauf, der Sonne entgegen, und dann wieder durch den Wald.






    Ja, der Weg ist schön, aber noch schöner wäre es, wenn endlich der Fohrenbühlturm auftauchen würde, denn von da ist es nicht mehr weit bis zum Ziel.
    Aber mein GPS frustriert mich zuverlässig bei jedem Blick: »Wie, so weit ist es noch? Habe ich mich denn seit dem letzten Mal gar nicht fortbewegt?«
    Schließlich ist er aber doch erreicht, der Turm mit dem Gedächnishaus auf dem Fohrenbühl. Warum denn Gedächnishaus? Aha, zum Gedächnis der Gefallenen des ersten Weltkriegs. Und es liegt auch noch auf der Grenze zwischen Baden und Württemberg – die habe ich ja auf dieser Tour öfters überquert.




    Ich habe allerdings keine Lust mehr, den Turm zu besteigen, mache nur eine kurze Trinkpause auf einer Bank und gehe dann steil bergab, meinem heutigen Ziel entgegen. Wieder führt der Weg durch Heidelbeeren, und hier treffe ich auch zwei Familien bei der Ernte.



    Kurz nach 18 Uhr erreiche ich das Gasthaus »Adler« und beziehe mein Zimmer.



    Erst mal auf dem Bett ausstrecken, dann duschen und danach ein Abendessen (Schnecken und Kartoffel-Nuß-Rösti) mit diversen Bieren. Es fällt mir auf, daß ich eine lange Jacke vergessen habe, hier oben wird es abends doch noch empfindlich kalt.








    Ich setze mich noch nach drinnen zum Tagebuch schreiben. Sehr seltsame Situation, wenn die Tische coronabedingt so weit auseinanderstehen. Irgendwie fühlt man sich wie bei einer Party, bei der man viel zu früh angekommen ist und somit etwas verloren in einer großen, leeren Halle steht.
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    Geändert von Voronwe (20.09.2020 um 16:04 Uhr)
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  5. Erfahren
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    AW: [DE] Von Tübingen nach Freiburg

    #25
    12.7.2020
    Fohrenbühl - Gutach (12 km)



    Dadurch, das das Bett ein Fußende hat, stoße ich in der Nacht manchmal dagegen und wache dadurch auf. Jedesmal gehe ich auf den Balkon und schaue in den Nachthimmel, aber den Kometen Neowise kann ich nicht erblicken. Nur Venus und Aldebaran strahlen um die Wette. Also lege ich mich wieder hin.
    An Morgen gibt es erst einmal Frühstück. Schon komisch, so mit Maske am Buffet. In den Rechauds befindet sich Wurst, Käse und Obst (und leider nicht, wie erwartet, Ei und Würstchen). Die Greifwerkzeuge werden auch nur einmal benutzt. Aber es schmeckt gut und ein Ei wird am Tisch serviert.
    Nun geht es weiter, auf die letzte Etappe. »Völker hört die Signale, auf zum letzten Gefecht« summe ich, als ich Fohrenbühl verlasse und in den Wald eintauche.







    Leider währt die Freude über den Weg nur kurz, denn schon bald führt er auf eine Hochebene und ist vor allem wieder asphaltiert.




    Eine alte Mühle







    Gruß an den Wanderer.




    Aber es nicht so schlimm wie gestern, es weht ein angenehm kühler Wind und die Steigungen halten sich auch in Grenzen. Man könnte meinen, man wäre in Schleswig-Holstein und gleich käme der Deich.










    Das einzig Lästige sind die Autos, die ab und an an mir vorbeifahren – Einmal sogar ein LKW. An einem Sonntag? Ach so, der Milchlaster, der »die Ernte einfährt«.








    Daß hier oben auf der Höhe doch ein regelmäßiger Wind weht, hat wohl auch dazu geführt, daß hier einige Windräder stehen. Sie sind doch verdammt groß, wenn man direkt unter ihnen steht und machen doch ein Geräusch, als ob ein Flugzeug über einem fliegen würde (Aber ein Düsenflugzeug, nicht so eine nervige Propellermaschine).









    Neubau.







    Es geht jedenfalls weiter auf breiten Forststraßen durch den Wald und ich bin doch ganz froh, daß die Kinder nicht mitgekommen sind: Auf diesen Wegen wäre die Motivation doch echt schwer. Und Sitzgelegenheiten sind auch wieder rar.










    Aber schließlich finde ich doch eine, sogar mit Bank. Eine Bank in der Steueroase »Fürstenum Rappenstein« – Wo könnte man hier sein Geld anlegen? Vielleicht in Holz? – Die Fürsten der Nutzholzgewinnung.



    Ein Wegweiser zeigt zum Rappenstein, der zwar nicht direkt am Weg liegt, aber der Umweg ist erträglich und so schaue ich mir das einmal an. Er entpuppt sich als Felsformation mit dazugehöriger Sage.



    Der Rappenstein
    Granitfelsen im Gewann Pilfer, zwischen dem Kirnbachtal und dem Gutachtal, im Eigentum des Landes Baden-Württemberg.
    Vermutlich vorchristliche Kultstätte. Nach der Sage ein zerfallenes Bergschloß, von dem in den Adventsnächten eine von 20 Geißböcken gezogene Geisterkutsche in das Kirnbachtal hinunterfährt.


    Jetzt wird der Weg auf wieder pfadiger. Die Entscheidung, welchen Weg ich nehmen soll, wird wieder durch die Raute des Schwarzwaldvereins erleichtert. Die Raute: Wenn man sie sieht, fühlt man sich sicher, irgendwie mütterlich beschützt. »Schau, die Raute weist Dir den Weg, er mag zwar manchmal etwas beschwerlich sein, und Du wirst manchmal über die Führung der Raute fluchen, aber am Ende wird sie Dich sicher zu Deinem Ziel geleiten. Wir schaffen das.«













    Es geht nun steil bergab, irgendwie muß ich ja wieder ins Tal. Kurz nachdem ich das steilste Stück überwunden habe, kommt mir ein Pärchen mit Kinderkraxe entgegen. Es sind Franzosen, und sie fragen mich, ob es am Ende des Weges denn eine Aussicht gäbe, was ich leider verneinen muß. Sie gehen noch ein Stück weiter, kehren dann aber um. Der Weg ist die Mühe eigentlich auch nicht wert.
    Ich befinde mich jetzt auf dem Gutacher Tälesteig, der immerhin auf schmalen Pfaden in Serpentinen den Berg hinunterführt. Am Weg ist auch eine Aussichtshütte.





    Und hier befinden sich weitere Bänke in der direkten Umgebung. Habe ich 2018 im Gutach-Tal noch vermutet, daß dies so angelegt wäre, um zerstrittene Wandergruppen zu trennen, so erkenne ich auf einmal die Weitsicht der Planer: Hier wurde die Corona-Pandemie schon erahnt und daher Sitzgelegenheiten in ausreichendem Sicherheitsabstand angelegt.




    An einer Wegkreuzung bin ich unsicher: Auf einmal ist die Raute weg und ich bin bei der Wegwahl auf mich alleine gestellt. Ich komme von einem schmalen, schönen Pfad: Vor mir die Wahl zwischen einem breiten Forstweg und einem schmalen, aber steilen Pfad. Der Wegweiser ist nicht eindeutig. Ich entscheide mich für den schmalen Weg. Die falsche Wahl, wie sich herausstellen soll, aber als ich das merke, bin ich schon zu weit abgestiegen und habe ich keine Lust mehr zurückzugehen. Der Weg ist steil und hat einen leicht sandigen Untergrund, was das ganze ziemlich rutschig macht. Langsam taste ich mich mit den Füßen bergab. Puh, geschafft. »Raute, warum hast Du mich verlassen?«




    Das letzte Stück ist jetzt wieder Asphalt, unter der Schwarzwaldbahn hindurch und auf einem Apfellehrpfad nach Gutach hinein.



    Hier werde ich von einem Bollenhutmädchen auf einer Bank begrüßt – wie schon gesagt, Gutach ist Bollenhutland.






    Ich erreiche die Bushaltestelle an der lauten Bundesstraße. Hier habe ich vor zwei Jahren das Stück nach Freiburg begonnen. Ich habe es geschafft, die komplette Strecke von Stuttgart nach Freiburg zu Fuß zu gehen. Ich erwarte Applaus und Jubel, aber der einzige Lärm ist eine Gruppe mittelalter Mopedfahrer, die vorbeiknattert. Nun gut, man nimmt was man kriegt.


    Kurze Zeit späte kommen meine Frau und die Kinder, um mich abzuholen. Wir besichtigen noch das Freilichtmuseum in Gutach und erfahren allerlei über das Leben im Schwarzwald. Auf dem Heimweg halten wir noch einmal beim »Adler« zum Abendessen.
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    Geändert von Voronwe (20.09.2020 um 16:10 Uhr)
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