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  1. Erfahren

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    [FR] - Paris - Kehl am Rhein, 01.-08. Mai 2018 - Radreise

    #1
    Mitreisende: Hebi19
    Prolog:

    bereits hier: https://www.outdoorseiten.net/forum/...=1#post1650901 hatte ich die Idee von Paris nach Hause zu fahren diskutiert. Ich wollte wieder mal eine längere Radtour unternehmen. Am 01. Mai bin ich dann wie geplant in Paris gestartet. Da ich keine Ahnung hatte, welches Tagespensum bei meinem Alter und meinem Trainingszustand realistisch ist habe ich keine genauere Planung von Etappen gemacht. Als einziges festes Etappenziel war die Adresse von Jeffrey und Lisie von den "warm-showers" für den zweiten Abend festgelegt.

    Was mich etwas überrascht hat waren die Höhenmeter auch in den Landschaften, die ich eher als "flach" eingeschätzt hätte. Die Hoffnung, in der Richtung Paris-Deutschland mehr Rückenwind zu haben hat sich nahezu gar nicht erfüllt und ich hatte etliche Tage Wind von "gefühlt frontal vorn"....

    Am Himmelfahrtstag gab es ab frühen Vormittag in Kehl teilweise wolkenbruchartige Regenfälle. Dabei hat sich gezeigt, dass mein aktuelles "Rad-Equipment" (noch) nicht richtig Regen-geeignet ist. Es war sowieso ausgemacht, dass meine Frau mir zu Himmelfahrt mit unserem WoMo entgegen kommt und meine Fahrt begleitet, so dass ich die letzten Etappen ohne Gepäck fahren könnte. ch war trotz Ruhetag am Mittwoch inzwischen doch ziemlich fertig. Dann war für mich die Versuchung doch zu groß und ich habe die Tour in Kehl als Rad-Tour beendet. Wir hatten noch 2 sehr schöne gemeinsame Tage in der Gegend und sind heute wieder nach Hause gefahren.
    So ist es also eine Tour "Paris - Kehl am Rhein" geworden, auf welche ich Euch gerne mit einer kleinen Reisebeschreibung mitnehme. Ein klein wenig Geduld aber bitte noch - ich muß noch die vom Garmin etrex mitgeschriebenen Tracks auswerten, die Bilder sortieren, und ab Montag hat schon wieder der Brötchenerwerb Vorrang. Insgesamt waren es an 7 "Fahrtagen" wohl um die 550 km (inzwischen ausgewertet: 568 km).

    - Fortsetzung folgt -
    Geändert von Hebi19 (12.05.2018 um 21:20 Uhr)

  2. Erfahren

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    AW: [FR] - Paris - Kehl am Rhein, 01.-08. Mai 2018 - Radreise

    #2
    Anreise Paris - 1. Etappe Paris -> Faremoutiers
    69,9 km - 4:51 im Sattel (ohne die Pausen)

    Ich hatte die Anreise nach Paris mit dem Flugzeug vorgesehen. Die Versuche mit Bahn waren äußerst kompliziert und führten zu deutlich höheren Preisen. Air France flog für unter 75 € und verlangte für den Transport des verpackten Fahrrads 55 €.
    Einen Karton zum Verpacken bekam ich in einem Zweiradladen und gab dafür 4 € in die Kaffee-Kasse.
    Ich wählte aus Stabilitätsgründen mit dem Gepäck mein MTB - das Rennrad erschien mir zu filigran. Mit herausgenommenen Laufrädern und abgebauten Pedalen passte alles ohne Problem in den Karton. Das Rad habe ich als Sperrgepäck bei der Telefon-Hotline bereits 4 Wochen vor Abflug angemeldet. Die 55 Euro dann beim Abflug gezahlt. Die beiden großen Gepäcktaschen gab ich in einen Karton und sicherte sie mit Panzertape, so dass sie 1 Gepäckstück bildeten. Lenkertasche und kleine Gepäckträgertasche nahm ich als Handgepäck.

    Mit etwas Verspätung hob mein Flieger um ca 10:40 Uhr in Nürnberg ab. Um 12:20 stand ich am Gepäckförderband in Paris CDG.
    Dort kamen recht schnell meine beiden Gepäcktaschen. Direkt neben dem "normalen Kofferband" kan aus der Wand ein Förderband für das Sperrgepäck. Dort tauchte nach wenigen Minuten mein Fahrradkarton auf. Ich stellte alles zunächst auf einen Koffer-Kuli. Am Ausgang der Gepäckausgabe standen zwei uniformierte Flughafenbedienstete. Ich fragte, wo ich den meinen Karton entsorgen könnte. Einer guckte zuerst etwas kritisch und sagte dann auf Englisch, dass ich ihm den gleich mitgeben könnte. Schnell holte ich das Rad raus und baute es mit wenigen Handgriffen zusammen. Nahm noch den Karton der Gepäcktaschen und stopfte in in den jetzt leeren Fahrradkarton und schon nahm der freundlich Beamte meinen Karton mit durch eine Sicherheitsschleuse. Ich schraubte noch schnell die Pedale fest, hing alle Taschen ein und machte mich mit meinem fertigen Rad auf den Weg Richtung RER. Dazu war zunächst eine Fahrt mit dem shuttle notwendig. Dies war mit dem Rad kein Problem. Als ich den Abfahrtsbahnhof gefunden und eine Fahrkarte (10,40 €) gekauft hatte fand ich auch einen Weg durch eine Schleuse mit dem Fahrrad auf den Bahnsteig zu kommen. Also fuhren mein Rad und ich wenig später mit der RER Richtung Innenstadt.



    Im Zug habe ich mich anhand der Übersichtpläne versucht zu orientieren, wo ich den am besten Aussteigen wollte. Champs Ellysee und Arc de Triomphe wollte ich mir ja gönnen. Ich stieg dann aus bei "Les Halles". Irgendwie kam ich auch hier durch eine Schleuse vom Bahnsteig runter und zunächst in ein für mich nicht überblickbares Labyrinth von Tunnels. Ich lief hier mehrere 100 m ohne einen Ausgang zu finden. Schließlich nutzte ich mit Fahrrad einige Male eine Rolltreppe und kam endlich tatsächlich ans Tageslicht. 1. Mai in Paris heißt jede Menge Polizei und Soldaten. Einer davon zeigt mir auf Anfrage freundlich die Richtung zu Champs Ellysee und dem Triumpf-Bogen. Ich war lustigerweise nur knapp 80m von der Prachtstraße entfernt und traf auf sie am bekannten Riesenrad. Und so radelte ich die ersten Kilometer also wirklich zur Umrundung des Arc de Triomphe. Für einige Bilder vor seiner Westseite als "westlichster Punkt meiner Tour" drückte ich meinen Fotoapparat einem der reichlich vorhandenen Touristen in die Hand.



    Wie in meinem schon verlinkten "Beratungsfaden" beschrieben hatte ich mir für die Fahrt nach Straßbourg einen Track eines Pariser Fahrradclubs auf mein Garmin Etrex geladen. Dieser Track war ein echter Glücksgriff - doch dazu später mehr. Der Einfachkeit halber hier der link zur Beschreibung:
    http://www.audax-club-parisien.com/download/04_FF_iti_Paris-Strasbourg.pdf
    und zums Trail auf der Karte:
    https://www.openrunner.com/r/8556173

    Jetzt navigierte ich zu dem Startpunkt diese Tracks - 5 km vom Arc entfernt mit Navi problemlos zu finden. Die Champs Elysee hatte allerdings bis Straßburg wirklich mit Abstand den schlechtesten Zustand aller Fahrbahnbeläge. Ob die die nur für die Abschlußetappe der Tour so schlecht lassen??



    Am "offiziellen" Startpunkt des Club-Tracks -Pied de Cochon- grüßte ein Cafe mit gleichem Namen - ich nahm das als Hinweis, parkte mein Rad und bestellte den ersten französischen Kaffee.



    Und dann musste ich "einfach der grauen Linie auf dem etrex nachfahren"....das war schon ein geiles Gefühl ohne irgendwelche Navigations- oder Orientierungs-Anspannung durch Paris am 1. Mai zu fahren. Das Wetter war erstklassig. Ich kam an etlichen politischen Kundgebungen, von Polizei und Militär gut bewacht, vorbei. Langsam kam ich in Außenbezirke mit viel Grün. Das Rad schnurrte, der Martin genoß und die Zahl der gafahrenen Kilometer wuchs. Ein Stück vor Euro-Disney hatte ich einen Campingplatz ausgemacht. Da die Uhr aber noch mehr als eine halbe Stunde vor 5 zeigte fuhr ich weiter. In gut ca 50 km Entfernung, bei Faremoutiers hatte ich auch einen Campingplatz identifiziert. Irgendwann fuhr ein Rennradler neben mir und begann ein Gespräch. Da ich im Französischem nicht so richtig gewandt bin (ich kanns nur rudimentär) wechselten wir auf Englisch. Da war er nicht so gewandt, aber die Verständigung lief ganz gut. Also das woher und das wohin waren schließlich geklärt und der sagte, er werde mich bis kurz vor Faremoutiers begleiten. Das tat er auch. Wenn eich wegen einer Steigung mit meinem Gepäck nicht ganz so schnell hinterherkam drehte er beim nächsten Kreisverkehr ein paar Runden bis ich wieder aufgeholt hatte. War echt toll und motivierend. Irgendwann sagte er, ich hätte noch ungefähr 3 km und er fahre jetzt heim. Mit einem Winken drehte er um.

    Ich war dann wirklich wenige Minuten später in Faremoutiers und folgte den Wegweisern zum Campingplatz. Es war inzwischen nach 7 Uhr. Die Campingplatz-Rezeption zeigte sich verschlossen. Durch die Glasfront waren aber noch mehrere Personen zu erkennen. Ich klopfte an die Tür und hört zweimal "ferme". Da ich nicht aufgab öffnete schließlich doch eine Dame, aber nur um mir mitzuteilen, dass der Platz "absolut complet" sei - also voll belegt. Nein auch nicht für ein "petite tent" hat man Platz. Nein sie können mir auch nicht weiterhelfen - ein Hotel gibt es im Ort nicht, aber in 28 km Entfernung, da braucht man mit dem Fahrrad wohl 2 Stunden. Mit dem Auto wohl nur 20 Minuten. Nein, weiteres könne sie nicht für mich tun. Und schon schloß sie die Tür wieder zu und ließ mich allein. Ich fuhr also den Weg wieder zurück in die Innenstadt - oder besser "Innen-Ort" und kam dort an eine große "take-away-Pizzeria". Mein Entschluß, unter diesen Bedingungen mit "gutem Gewissen" wild zu campen war gefasst. Also gönnte ich mir eine Pizza Frutti di Mare, ließ meine beiden Flaschen mit Wasser auffüllen und machte mich mit einsetzender Dämmerung weiter auf den Weg. 2km hinter dem Ort bog ich in einen Feldweg, nach 200m in einen weiteren Feldweg, dieser wurde allmählich zum Wiesenweg und dann kam ein kleines Buschwerk. Hier beschloß ich die Nacht zu verbringen. Ein Bauer zum fragen war nicht in Sicht und so baute ich mein Zelt zum ersten Mal in Frankreich auf:



    Gesättigt von der guten Pizza, ein wenig erschöpft von den ersten 70 km, aber vor allem befreit von der ganzen Anspannung, ob den alles so klappen wird wie ich das geplant habe schlief ich ein und verbrachte eine erstaunlich erholsame erste Nacht im Zelt.

    - Fortsetzung folgt -
    Geändert von Hebi19 (13.05.2018 um 10:16 Uhr)

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    [FR] - Paris - Kehl am Rhein, 01.-08. Mai 2018 - Radreise - 2. Etappe

    #3
    2. Etappe: Faremoutiers -> Romilly sur Seine
    75,6 km - 5:11 im Sattel (ohne die Pausen)

    Ich wachte wirklich ausgeruht auf und hatte Vollkornbrot mit Käse und Räucherwürstchen als Frühstück.
    Mein Zelt von Nature-hike war zwar recht günstig und ist vor allem leicht, aber es hat deutliche Kondensbildung auf der Innenseite des Außenzelts. So hing ich dieses Teil zum Trocknen in Sonne und Wind und packte einstweilen meine Sachen.
    Als letztes eben noch das Zelt in die rechte Gepäcktasche und kurz nach 9 bin ich zur zweiten Etappe aufgebrochen. Kurz spürte man die Druckstellen am Sattel, aber bereits nach einem Kilometer hatte sich der Po wieder daran gewohnt.
    Auch auf der zweiten Etappe begleiteten mich Sonne und schönes Wetter.

    Al erstes lebendes Wesen begegnete mir ein Esel - nee, ein "richtiger" Equus asinus, nicht so ein übertragener, wie sie einem allzu häufig über den Weg laufen. Er kam gleich freudig an den Zaun und wartete auf durchgereichtes frisches Grün.



    Relativ bald kam ich auch an einem alt-ehrwürdigen Gemäuer und Turm vorbei - die alte Abtei Le moulin de Niveté, wie eine Hinweißtafel erklärte.



    Jetzt doch mal etwas zu den vom Track des Pariser Clubs benutzten Nebenstraßen: die waren WRIKLICH "NEBEN der Welt". Ich bin einmal über eine Stunde gefahren, ohne dass mir ein Auto entgegenkam oder mich überholte. Trotzdem waren es alle gut asphaltierte Straßen ohne Schlaglöcher....wenn ich wieder mal einen Track in Frankreich suche werde ich bestimmt die Seite des Clubs aufsuchen.

    Gegen Mittag kam ich wieder einmal in ein Dörfchen, welches meinen Vornamen trug.



    Die Landschaft wurde immer malerischer und es grüßten alte französische Kirchen.



    Und am späten Nachmittag erreichte ich (wieder) das Tal der Seine. Die Seine ist sehr naturbelassen wie viele Flüsse, die ich in den nächsten Tagen noch überquerte.



    Wie bereits im Eingang geschrieben hatte ich für diese zweite Etappe als einziges gebuchtes Quartier eine Übernachtung bei einem Gastgeber von warm-showers angemeldet. Jeffrey und Lise wohnten in Romilly-sur-Seine und ich wich einige Kilometer vom nachgefahrenen Trail dorthin ab. Ihre Adresse/Position hatte ich bereits zu Hause in mein Navi übertragen und so war die Ankunft am frühen Abend gegen 5 Uhr kein Problem.

    Jeffrey und Lise haben sich vor 51 Jahren bei einem Deutschkurs des Göthe-Instituts in Lüneburg kennen- und lieben gelernt. Jeffrey kam aus Süd-Kalifornien und Lise aus Romilly. Jeffrey kann tatsächlich noch einiges an Deutsch. Die Konversation lief aber zur Hauptsache auf Englisch, also auch für mich kein Problem. Im Keller konnte ich Jeffreys Liegerad bewundern - ein echtes High-Tech-Teil mit ungewöhnlichem Frontantrieb. Das Essen war französisch gut und ausführlich - Neben Aperetiv und Starter gabe es "barberque"-Lammkottelets, Käse und einen Schokoladenkuchen als Dessert. Den angebotenen Armagnac lehnte ich dankend ab, da ich bei Hochprozentigem zu der späten Stunde zu Sodbrennen neige...es war inzwischen nach 10. Ich hatte ein eigenes Zimmer mit Bett und kam so wieder zu einer sehr erholsamen Nacht.

    - Fortsetzung folgt -
    Geändert von Hebi19 (13.05.2018 um 14:04 Uhr)

  4. Erfahren

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    AW: [F] - Paris - Kehl am Rhein, 01.-08. Mai 2018 - Radreise

    #4
    Jetzt wirds aber allerhöchste Zeit für die fortsetzung des Berichts.
    Bin ja schon wieder bei der Planung einer diesjährigen Tour.....
    Glücklicherweise bin ich unterwegs Tagebuchschreiber und kann so auf meine Notizen zurückgreifen - aus Erinnerung wärs inzwischen schwierig. Also:

    3. Etappe: Romilly sur Seine -> Lac du Der-Chantecoq
    95,1 km - 6:13 im Sattel (ohne die Pausen)

    Zunächst mal etwas zu meinem heutigen Ziel. Der Lac du Der-Chantecoq liegt ein paar wenige Kilometer neben der Route des Pariser Fahrrad-Clubs. Bei meiner aller ersten längeren Fahrradtour mit Freunden in Frankreich im Sommer 1981 haben wir an seinem Ufer aber schon mal gezeltet. Da war es den "nostalgischen Erinnerungen" geschuldet, dass ich die kleine Abweichung in Kauf nahm und den Campingplatz am südwestlichen Freizeitzeitzentrums ansteuerte. Aber der Reihe nach.

    Bei Jeffrey habe ich ein gutes und für französische ausergewöhnlich reichhaltiges Frühstück genossen. Man merkte deutlich den "kalifornischen Einschlag". Beim Aufbruch hat er mir noch sein high-tech-Liegerad gezeigt. Mit dem ist er schon Paris-Brest gefahren und entliche andere Klassiker. Seit einigen Jahren geht ein normales Rad wegen seines Rückens nicht mehr.

    Um viertel vor neun bin ich dann aufgebrochen. Der Tag lief sehr gut, Es war weiterhin trocken und trotzdem nicht zu heiß.
    Die Etappen waren flach, so dass es eigentlich ganz gut voran ging. Hier konnte man aber gut erkennen, dass in Frankreich Straßen GERADE gebaut werden. Man kann nach vorme schauen und sieht, wo man in einer viertel Stunde fahren wird.

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