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  1. Gerne im Forum
    Avatar von jiba
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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #41
    Mitreisende: jiba
    Zitat Zitat von danobaja Beitrag anzeigen

    Zitat Zitat von Donik Beitrag anzeigen
    Sehr nett geschrieben. Immer her, auch den 12000405850sten Reisebericht aus Schottland (aber eigentlich aus jeder Gegend) lese ich gerne
    WORD! bin gespannt wies weitergeht!
    Danke ihr zwei!

    Im Moment kommt mir leider die lästige Arbeit ein bisschen in die Quere.

  2. Gerne im Forum
    Avatar von jiba
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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #42
    16. April – Tag 6 – Tyndrum > Inveroran – 15 km

    Ich habe meinen Snack- und Lunch-Vorrat so geplant, dass ich in Tyndrum nachkaufen muss und zudem hat sich doch noch eine kleine Blase eingeschlichen und ich muss mein Compeed aufstocken.
    Ehrlich mal, 6 £ für eine Packung Compeed?!

    So bin ich auch heute wahrscheinlich wieder die Letzte, die sich auf den Weg macht. Zumindest ist weit und breit niemand zu sehen, als ich um halb elf endlich von der Hauptstraße auf den WHW abbiege. Heute ist der späte Start aber nicht so schlimm, da ich sowieso nur eine kurze Etappe geplant habe.
    Von Tyndrum aus habe ich nicht viele Optionen. Entweder ich ende heute vor oder hinter Rannoch Moor. Auf dem Moor zelten kommt für mich nicht in Frage, vor allem, weil ich nach Loch Lomond bisher extrem wenig gute Plätze für’s Wildzelten gesehen habe und nicht glaube, dass sich das schlagartig ändert. Die ganze Strecke von Tyndrum bis Glencoe an einem Stück (ca. 28 km) traue ich mir allerdings nicht zu. Und da für heute Nacht der nächste Weltuntergang vorhergesagt wurde, den ich nicht im Zelt abwettern will, bleibt mir nur, bis ins Bunkhouse in Bridge of Orchy zu laufen.

    Der erste Teil der Strecke verläuft direkt neben der Hauptstraße. Nicht so schön. Das Wetter hat sich von letzter Nacht auch noch nicht ganz erholt und es gibt immer wieder kurze Schauer, die aber immer weniger werden und bald ganz verschwinden. Jetzt öffnet sich auch das kleine Tal und der Blick kann weit schweifen. Mit dem Wechsel aus Wolken und Sonne bietet sich wieder ein unglaubliches Naturschauspiel. Die einzigen Lebewesen die mir hier begegnen sind Schafe, begleitet vom Ruf der Fasane unten am Fluss (gibt es einen Vogel, der sich noch empörter anhört? ) .




    Beinn Odhar versteckt sich in den Wolken


    Noch ein Sheep Creep, aber nicht so niedrig. Puh!


    Blick zurück


    Bei dem Setup für die Mittagspause von dem Kollegen hier bin ich ganz neidisch geworden. Hat sich natürlich kein Stückchen gerührt, als ich vorbeigegangen bin. Da hätte ich mich ehrlich gesagt aber auch nicht wegbewegt.



    Insgesamt scheint die schottische Tierwelt genauso entspannt zu sein, wie die schottischen Einheimischen. Als ich an dieser Brücke erstmal meinen Rucksack für eine Snack-Pause ablege und abwäge, ob ich da mit Rucksack überhaupt drübergehen darf , kommt sofort ein Buchfink angeflogen und landet direkt neben mir. Er piepst mir ununterbrochen zu „Komm, teil mal! Gemeinsam essen macht weniger dick!“ Überzeugt; ich teile meine Mandeln gerne.





    Schon um 13 Uhr bin ich in Bridge of Orchy. Das muss ein Geschwindigkeitsrekord gewesen sein! Ich fühle mich noch topfit, die Sonne scheint und mir ist wirklich noch nicht danach, heute den Wandertag zu beenden. Als ich gerade für eine Mittagspause ins Bridge of Orchy Hotel gehen will, kommen mir in der Tür Alison und Ian entgegen. Die beiden haben ihre Mittagspause schon beendet und wollen noch weiter nach Inveroran, wo sie ein Zimmer in dem winzigen Hotel gebucht haben. Hm, das wäre ja auch was…. dann könnte ich heute noch weiterlaufen. Aber wie sind die Chancen, heute noch ein Zimmer für den gleichen Tag in einem Hotel mit 9 Zimmern zu bekommen? Und dann eines, das ich auch bezahlen kann?

    Nach Kaffee und Karottenkuchen begebe ich mich auf die Suche nach Empfang. Die Telefonzelle direkt neben dem Hotel wurde anscheinend schon vor Monaten abgeschaltet, weil sie einfach niemand benutzt hat. Und siehe da, ich habe riesiges Glück! Der Urlaubsgott ist mir wohlgesonnen und ich bekomme noch ein Zimmer, das im Verhältnis zum Bunkhouse nicht wesentlich teurer ist.

    Ich darf weiterlaufen! Juchuu!
    (Moment, bin ich das hier gerade? Was passiert mit mir? )


    Hinter dem Hotel geht es einen Hügel hinauf durch ein Wäldchen, das wieder wie verzaubert aussieht. Dann biege ich um eine Ecke und wumms!, bin ich ohne Übergang wieder auf der typischen Gras-Heide-Landschaft der schottischen Hügel.





    Oben auf dem Màm Carraigh bietet sich eine unglaubliche Aussicht auf das einsame Rannoch Moor, Loch Tulla und die westlichen Berge. Ich weiß, ich werfe hier mit Superlativen um mich, aber dieser Ausblick, der hat mich echt umgehauen. Und ich bin so froh, dass ich dieses Stückchen heute noch machen kann, denn einen Tag später sind die Bergspitzen in dicken Wolken verschwunden.



    Am „Gipfel“ treffe ich auf eine Gruppe von vier Deutschen, die mich bitten, ein Foto von ihnen zu machen. Auf die Frage, wo sie denn heute noch hinwollen, erzählen sie mir, dass sie ja eigentlich am Loch Tulla was angeln und da auch zelten wollen. Die vier Jungs sahen aber auch ziemlich kernig und Outdoor-erfahren aus; würde mich nicht wundern, wenn man sie hier im Forum treffen kann!

    Ich begebe mich in mein Hotelzimmer, von dem bald jeder Quadratzentimeter Boden mit meiner trocknenden Ausrüstung bedeckt ist. Gut, dass das keiner der Hotelangestellten gesehen hat.
    Draußen ist es mittlerweile richtig kalt und extrem windig geworden. Dem Hotel fliegen fast die Stühle von der – eigentlich schon ziemlich windgeschützten – Terasse. Dann kommt noch strömender Regen dazu, der stundenlang nicht aufhören will. Da wäre ich draußen echt nicht glücklich geworden. Ich denke an die vier Jungs und hoffe, dass sie nicht weggeschwemmt werden.

    Außerdem schweifen die Gedanken natürlich auch zum morgigen Tag. Regen wünscht man sich im Urlaub wahrscheinlich selten, aber der einzige Tag an dem es nicht regnen darf ist der Tag an dem es über's Rannoch Moor geht. Wenn der Sturm bleibt, dann wird das morgen ein extrem ungemütlicher Tag!

  3. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #43
    Zitat Zitat von jiba Beitrag anzeigen
    Mit dem Fahrrad?? Alle Achtung! Da sind so einige Teile dabei, die fand ich zu Fuß schon nicht ganz ohne, aber auf dem Fahrrad? Und dann rollt man ja auch bei jeder Trampelpause wieder zurück.
    Unser Vorteil war, dass wir keinen blasen Schimmer hatten, was uns erwartet. WHW kannten wir buchstäblich nur als gestrichelte Linie in der Karte. Die Warnungen der entgegenkommenden Wanderer haben wir in jugendlichem Leichtsinn als übertriebene Vorsicht abgetan. War dann auch gar nicht so schlimm, nur an machen Stellen mussten wir Fahrräder und Gepäck separat tragen, also dreimal laufen ... das nennt man heute Entschleunigung oder so

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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #44
    Hey,

    toller Reisebericht.

    Für mich geht es kommende Woche auch auf den West Highland Way, mal schauen was ich da erlebe. Dein Bericht ist auf jeden Fall schonmal eine tolle Einstimmung.

  5. Gerne im Forum
    Avatar von jiba
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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #45
    Zitat Zitat von Borgman Beitrag anzeigen
    Unser Vorteil war, dass wir keinen blasen Schimmer hatten, was uns erwartet. WHW kannten wir buchstäblich nur als gestrichelte Linie in der Karte. Die Warnungen der entgegenkommenden Wanderer haben wir in jugendlichem Leichtsinn als übertriebene Vorsicht abgetan. War dann auch gar nicht so schlimm, nur an machen Stellen mussten wir Fahrräder und Gepäck separat tragen, also dreimal laufen ... das nennt man heute Entschleunigung oder so
    Oh mein Gott! Da müssen ein paar richtig gute "Oh shit"-Momente dabei gewesen sein.

  6. Gerne im Forum
    Avatar von jiba
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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #46
    Zitat Zitat von Wuehli85 Beitrag anzeigen
    Hey,

    toller Reisebericht.

    Für mich geht es kommende Woche auch auf den West Highland Way, mal schauen was ich da erlebe. Dein Bericht ist auf jeden Fall schonmal eine tolle Einstimmung.
    Vielen Dank und vor allem viel Spaß! Wird bestimmt richtig gut.

  7. Gerne im Forum
    Avatar von jiba
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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #47
    Mittlerweile hat mich das Arbeitsleben wieder völlig im Griff und Schreiben kommt definitiv zu kurz.

    Also, sorry! Ich gelobe Besserung.



    17. April – Tag 7 – Inveroran > Glencoe Mountain Resort – 13 km

    Der Blick aus dem Fenster beim Aufstehen verheißt nichts Gutes. Es ist immer noch grau und regnerisch und ein ordentlicher Wind scheint auch noch dabei zu sein.
    Ich frühstücke und sammle meine Ausrüstung wieder ein (erstaunlich wie gut alles in den Rucksack passt, wenn man den von Grund auf neu packt ) und schaue immer wieder nach draußen. Immer noch Regen. Hm.

    Heute werden zum ersten Mal alle Regensachen, inklusive Gamaschen, angezogen. Ich bin wieder mit Ian und Alison unterwegs und es scheint, als ob alle anderen Hotelgäste schon weg sind. (Irgendwie scheint sich hier ein Muster herauszukristallisieren. )

    Da es heute nur bis zum Glencoe Mountain Resort gehen soll, ist ein später Start kein Problem. Was ich bis vor ein paar Tagen nicht wusste: Kingshouse Hotel und das angeschlossene Bunkhouse sind gerade wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten geschlossen. Nach allem was man so hört, soll daraus eine luxuriöse Hunter’s Lodge, mit Zimmerpreisen so um die 200-300 Pfund werden. Völlig verrückt! Kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Wanderer auf dem WHW solche Preise zahlen wird….

    Abby, die in Tyndrum und hier in Inveroran die gleiche Unterkunft wie ich hatte, ist schon um 7 Uhr losgelaufen, weil sie deshalb heute bis Kinlochleven durchlaufen will. Wow! Aber sie hatte ja auch eigentlich für Nepal und nicht für die schottischen Highlands trainiert, da dürfte das für sie kein Problem sein!
    In Schottland ist sie nur gelandet, weil sie auf dem Weg zum Flughafen ihren Pass verloren hat. Heilige Sch*%$§, da wäre ich sicher nicht so gut gelaunt unterwegs, wie sie!

    Ich habe mich an Alison und Ian’s Plan orientiert und eine Unterkunft in Ballachulish gebucht, die wir mit dem Bus vom Mountain Ressort erreichen können. Der Bus kommt hier nur 4-mal am Tag, und wir müssen bis ca. 17 Uhr an der Haltestelle sein. Sollte kein Problem sein, aber wir wollen auch kein Risiko eingehen.

    Ja, ich fühle mich auch irgendwie wieder schlecht, weil ich die ganze Zeit mein Zelt mitschleppe und dann nicht benutze. Gedanklich fallen die Worte Weichei und Luxus-Tourist, aber ich komme immer noch nicht über die erste Nacht des Schreckens hinweg. Das Mountain Resort liegt ziemlich hoch und die Schneegrenze ist nicht allzuweit weg. Ich habe ehrlich so gar keine Lust, mir wieder den Hintern abzufrieren... Ich halte mir wieder selbst eine kleine Standpauke: Mein Urlaub, meine Regeln!

    Als wir heute loslaufen und direkt in den Wind einbiegen, weht es mir fast die Kapuze vom Kopf. Geht ja gut los!
    Dann biegen wir um die erste Ecke und der Regen hört auf. Huh. Okaaay… Hinter der nächsten Biegung sieht man schon blaue Flecken am Himmel. Wahnsinn, was ist hier los?



    Wir sind kaum ein paar hundert Meter weit gekommen, da läuft uns ein Mann mit einer Kamera hinterher. Ob wir den WHW laufen würden? Und ob es uns was ausmachen würde, wenn er uns fotografiert? Er würde ja gerne mal Leute beim Wandern fotografieren. Natürlich würde er uns die Bilder dann zuschicken. Gesagt, getan! So haben wir noch einen kleinen Modeleinsatz gehabt und der nette Mann hat uns die Bilder tatsächlich geschickt! Das sind halt die Schotten. 
    Am Anfang der Etappe kommen wir noch an ein paar richtig süßen, kleinen Gebäuden vorbei. Wenn das nicht mitten im Nirgendwo wäre, dann würde ich da wohl auch wohnen wollen!



    Mittlerweile haben wir den größten Teil der Regenkleidung wieder abgelegt. Das schottische Wetter zeigt dem Wetterbericht mal wieder die lange Nase – zum Glück zu unseren Gunsten!



    Rannoch Moor an sich ist genauso karg wie es immer beschrieben wird. Auf der riesigen Fläche können sich nur eine Handvoll kümmerlicher Bäume behaupten und anderen Schutz gibt es nirgendwo. Nur bei Bà Bridge klammern sich ein paar mehr Birken aneinander. Unvorstellbar, dass im nahegelegenen Bà Cottage noch bis Anfang/Mitte des letzten Jahrhunderts Menschen gelebt haben.






    Bà River


    Einmal kommt unvermittelt lautes Gelächter wie aus einem Horrorfilm direkt neben uns aus dem Gebüsch! Aber das ist zum Glück nur mein Kopf, der in diese unheimliche Landschaft irgendwelche Fabeltiere dichten will. Das dem Geräusch zugehörige Moorhuhn sehen wir dann kurz darauf auffliegen und direkt wieder verschwinden. Ich könnte schwören, der hat uns ausgelacht….

    Viel mehr kann ich zu diesem Abschnitt gar nicht sagen, denn diese Landschaft und Einsamkeit, die muss man einfach erlebt haben. Ich fühle mich hier ganz klein und weit weg von allem. Und das ist überraschenderweise ein richtig gutes Gefühl.




    Hinter dem Hügel ist White Corries Lodge, rechts schon das kleine Wäldchen um Kingshouse Hotel

    Ebenfalls überraschend für uns ist, dass wir bereits um kurz nach 13 Uhr in Glencoe ankommen. Damit hat von uns keiner gerechnet. Ich sag ja, Kartenkunde: sechs, setzen….
    Die vier Stunden bis unser Bus kommt harren wir in der ziemlich leeren Skihütte bei Kaffee, Kuchen und wackeligem WLAN aus.

  8. Gerne im Forum
    Avatar von jiba
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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #48
    18. April – Tag 8 – Glencoe Mountain Resort > Kinlochleven – 17 km

    Nach einem wahnsinnig guten schottischen Frühstück geht es schon vor acht zur Bushaltestelle, wo ich hoffentlich einen Platz im Bus bekomme.
    Der erste Bus der hält hat kein Schild für die Linie oder die Endstation. Als ich frage, wo der Bus denn hinfährt, sagt der nette Mann am Steuer „Kinlochleven!“. Leider muss ich dem Busfahrer eine Absage erteilen und in den nächsten Bus steigen, um den ganzen Tag lang nach Kinlochleven zu laufen.
    Das klappt auch super und ich bin, mit Ian und Alison die ich im Bus treffe, schon vor neun auf dem Weg. Wir starten an der Abzweigung zum Glencoe Mountain Resort und erreichen schon nach ein paar hundert Metern Kingshouse Hotel.
    Da wurde ziemlich fleißig gebaut und es ist klar, warum man dort nicht übernachten konnte. Mit einem Zelt hätte man sich sicher irgendwo zwischen den Tannen ein nettes Plätzchen suchen können. Und obwohl das Bunkhouse offiziell auch geschlossen ist, waren die Toiletten und Duschen geöffnet. War alles sehr neu, sauber und schick! Ein paar der berühmten Rehe (Hirsche?) waren trotz der Baustelle auch noch in der Nähe.
    Auf dem Weg haben wir einige Wanderer getroffen, die offensichtlich auch nicht wussten, dass das Hotel geschlossen ist. Keine Ahnung, wieso die Info über so eine wichtige Änderung nicht besser bekannt ist/gemacht wird.

    Von Kingshouse Hotel zieht sich der Weg nach Alltnafeadh ein bisschen und ist direkt an der Straße nicht gerade malerisch. Die Ausblicke nach gegenüber auf den Buachaille Etive Mòr und ins Glen Etive sind allerdings der Wahnsinn!


    Kurz hinter Kingshouse


    Bei Alltnafeadh

    Wie auch schon viele vor mir bemerkt haben, ist die Devil’s Staircase gar nicht so teuflisch wie sie klingt. Klar ist’s anstrengend, aber nicht so viel mehr als was ich vorher schon durchwandert habe. Bin trotzdem froh, als ich endlich oben bin!


    Da sind wir schon fast oben


    Geschafft!

    Auf dem Weg nach oben wird es allerdings merklich kühler und auch windiger. Als wir den Pass erreichen, fängt es auch noch an zu regnen. Daher fällt die Mittagspause sehr kurz aus, auch, weil wir nicht wirklich ein windgeschütztes Plätzchen finden. Um uns herum gibt es zahlreiche Schneefelder, die immer noch nicht weggeschmolzen sind. Ein paar entgegenkommende Wanderer hatten mir in Balmaha erzählt, sie hätten sogar noch durch Schnee gehen müssen. In den zweifelhaften Genuss scheinen wir nicht mehr zu kommen. Oder?! Tatsächlich, da liegt ein Schneefeld genau über dem Weg! Zu Hause in Deutschland sind es gerade 26°C und Sonne (wie mir die Screenshots und T-Shirt-Fotos meiner Freunde unter die Nase reiben) und ich stapfe durch Schnee. Surreal!


    Schneefeld auf dem Weg

    Auf dieser Seite vom Pass sieht man nun so gar nichts mehr von Zivilisation, keine Straßen, keine Gebäude, nichts. Dafür das riesige Blackwater Reservoir zu Rechten und die Mamores in Marschrichtung. Einfach beeindruckend!


    Mamores voraus!


    Blackwater Reservoir

    Da passiert es, dass uns zwei Fighter Jets auf Trainingsflug überholen (falls die Beschreibung jetzt zu ungenau ist, sorry! Ich hab keine Ahnung was die da genau fliegen ). Zuerst sind sie nur zu hören, dann tauchen sie direkt aus dem Nachbartal auf und verschwinden über dem Reservoir. Ziemlich cool, weil die zum Training hier oft sehr tief fliegen und gut vom Boden aus zu verfolgen sind!

    So, Kingshouse Hotel passiert, check, Devil’s Staircase bezwungen, check! Jetzt geht’s ja “nur noch” bergab nach Kinlochleven. Aber der Abschnitt hat’s echt in sich und meine Wanderstöcke rentieren sich hier total. Obwohl man den Ort schon von recht weit oben sehen kann, dauert es noch gefühlte Ewigkeiten bis wir wirklich in der Nähe sind. Zwischendurch laufen wir durch eine ziemliche Baustelle, komplett mit Baggern, Abgasen und Bauarbeitern. Auf der einen Seite cool, dass der Weg hier wieder in Schuss gebracht wird, auf der anderen war es nicht so nett zu laufen.

    Eeeendlich in Kinlochleven angekommen liegt direkt der Blackwater Campingplatz. Der sieht im ersten Moment nicht so einladend aus, denn auch hier wird gerade genau auf der anderen Flussseite gewerkelt, während im Rücken des schmalen Streifens direkt an der Straße eine Fabrikhalle steht. Deshalb laufe ich treudoof meiner Karte folgend weiter am Fluss entlang, in der Hoffnung den zweiten Campingplatz im Ort zu finden. Nachdem der einfach nicht auftauchen will und meine Füße so langsam zum Protest anheben, bleibe ich doch beim Blackwater Camping. Super Entscheidung, denn das waren absolut die besten Duschen der ganzen Reise, inklusive des BnBs vom Vortag. Daher zwar auch der teuerste Campingplatz, aber das war’s wert, auch, weil WiFi im Preis ist und mal wieder eine Nachricht nach Hause geschickt werden kann.


    Abendessen am Flussufer. Schick!

    Nun geht’s wieder zum Zeltaufbau. Man sollte meinen, damit hätte ich nun ein bisschen Übung, aber heute weht ein ganz ordentlicher Wind, da sollte das schon gut stehen. Also, Heringe raus und rein in den Bo…. Moment mal… Warum will der denn nicht mehr als 4-5 cm tief rein? Das ist ja, als hätte jemand eine Betonplatte gegossen, 5 cm Erde drauf geschüttet und Rasen gesät. Ich schiebe es auf meine Erschöpfung, dass mir erst ein Mitwanderer den Tipp geben muss, die Heringe sehr schräg einzuschlagen. Eieieiei…. Zur Sicherheit werden noch ein paar dicke Steine vom Flussufer draufgehäuft.

    Anscheinend war meine Vorsicht auch nicht ganz unangebracht, denn als ich in der Nacht vom WC zurückkomme, finde ich einen armen Kerl in einem Haufen Zeltstangen und -plane wieder, der verzweifelt versucht alles zu sortieren. Er war den Abend mit Bekannten im Pub und vermutet erst, jemand hätte seine Sachen gestohlen und das Zelt verwüstet. Nach einer Weile stellt er allerdings fest, dass alles noch da ist und es wirklich der Wind gewesen sein muss. Der ist zum Glück mittlerweile wieder abgeflacht und der Rest der Nacht ist ruhig und gemütlich.

  9. Erfahren

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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #49
    Ein kleines bisschen fehlt da doch noch
    Ich würde mich freuen den Rest auch noch zu lesen!
    “Perfektion ist nicht dann erreicht, wenn man nichts mehr hinzufügen, sondern wenn man nichts mehr weglassen kann.”

    (Antoine de Saint-Exupéry, französischer Schriftsteller, 1900 – 1944

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    Avatar von Hunter9000
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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #50
    Bin auch gespannt auf die letzte Etappe. Die kommt ja oft nicht so gut weg (vor allem, wenn man den Weg bis hinein in die Einkaufsstraße von Fort William geht).

  11. Gerne im Forum
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    #51
    Zitat Zitat von gargantula Beitrag anzeigen
    Ein kleines bisschen fehlt da doch noch
    Ich würde mich freuen den Rest auch noch zu lesen!
    Zitat Zitat von Hunter9000 Beitrag anzeigen
    Bin auch gespannt auf die letzte Etappe. Die kommt ja oft nicht so gut weg (vor allem, wenn man den Weg bis hinein in die Einkaufsstraße von Fort William geht).
    Kommt noch, ist versprochen! Vom Sommerloch ist nur bei mir auf der Arbeit gerade nix zu merken.
    Ist aber in Arbeit.

  12. Gerne im Forum
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    #52
    19. April – Tag 9 – Kinlochleven > Glen Nevis Campsite – 20 km

    Ich wache zur Abwechslung mal richtig gut erholt auf! Scheints, so langsam gewöhnt sich mein Körper an diese Zeltgeschichte. Leider kann ich es schon im Schlafsack auf mein Zeltdach klopfen hören: Regen! Nicht so dolle, aber doch so, dass ich mein Frühstück im Zelt einnehme, noch schön in den Schlafsack gewickelt. Der Campingplatz hat anscheinend einen überdachten Gemeinschaftsbereich, aber der ist gerade – wohl für Renovierungsarbeiten – abgesperrt.
    Ich packe mein Zeug im Regen zusammen – auch ne Erfahrung, die ich mal machen muss. Gar nicht so schlimm, denn mittlerweile habe ich langsam Übung darin, alles wieder Tetris-mäßig in meinen Rucksack zu stopfen.

    Heute ist schon der letzte Tag und – ich hätte es am Anfang der Reise nicht glauben wollen – ich will nicht, dass es vorbei ist. Ich will weiter laufen und gar nicht aufhören. Für mich ist es einfach großartig entspannt, morgens aufzustehen und genau eine Aufgabe und ein Ziel zu haben. Und ich muss nicht mehr und nicht weniger tun, als meinen Körper da hin zu bewegen. Mein Geist hat frei, den brauche ich nicht wirklich (wobei, das erklärt vielleicht, warum ich das mit dem Kartenlesen nicht hinkriege ). Das ist für mich echt die Definition von „Abschalten“.

    Laut Karte geht es ein kleines Stück den Berghang hinauf und dann immer an der Flanke durch mehrere Täler rüber ins Glen Nevis. Wie gesagt, Kartenkunde ist anscheinend so gar nicht meine Stärke, denn „ein Stückchen den Berghang hinauf“ entpuppt sich (zumindest gefühlt) als doppelt so schlimm wie gestern die Devil’s Staircase! (Ich hab’s gerade mal nachgeguckt, der Anstieg ist an beiden Stellen ca. 200 hm, wenn ich mich nicht total vertue). Warum dann alle so ein Bohei um die Staircase machen, keine Ahnung…. Ich finde dieses Stück hier viel fieser!


    Kinlochleven unter den Wolken

    Kinlochleven verschwindet dabei recht schnell unter den tief hängenden Wolken, während der Weg langsam in ein langes Tal einbiegt. Jetzt rentiert sich zum ersten Mal richtig die Regenkleidung, weil es die nächsten paar Stunden ununterbrochen regnet. Macht aber auch für eine ziemlich gute Atmosphäre!



    Ziemlich bald treffe ich wieder auf Alison und Ian und wenig später sammeln wir noch Jane und Peter aus Nottingham ein, die wir das erste Mal in Inveroran getroffen haben (und die schlechter zu verstehen sind, als jeder Schotte den ich hier getroffen habe! ). Heute geht es also in einer ziemlich großen Gruppe weiter, was auch richtig gut ist. Die Strecke zieht sich unglaublich, vielleicht auch wegen des anfangs schlechten Wetters.
    Hier merkt man sehr schnell, wie abgelegen Kinlochleven eigentlich ist, auch wenn es die erste Stadt mit Elektrizitätsanschluss in Schottland war. Sobald wir in dem höher gelegenen Tal sind, sieht man wieder fast nichts mehr von Zivilisation. Wobei, ich habe das deutliche Gefühl, dass auf den letzten Abschnitten ab Bridge of Orchy deutlich mehr Wanderer unterwegs waren, als am Anfang. Haben die sich dann einfach die ersten Abschnitte gespart?


    Hier nur ein Schaf als Gesellschaft

    Am Ende des ersten Tals angekommen macht der Weg eine Rechtskurve und der Regen anscheinend eine Linkskurve. Ab und an sieht man schon wieder blauen Himmel. In alle Blickrichtungen sieht man nur Berge, Schafe, Felsen und ein paar versprengte Bäume. Einzig im Tal unter mir werkeln ein paar Arbeiter daran, die Zäune zu erneuern. Das muss echt ein seltsamer Job sein, so mitten im Nirgendwo.

    Ich nutze die Gelegenheit für meine Mittagspause, da ich meine Gruppe schon vor einiger Zeit bei einer „comfort break“ verloren habe. Als ich meinen Rucksack absetze und in der Netztasche vorne nach meinem Sandwich greife finde ich …. Nichts. Huh. Aber das hab ich doch extra da rein gepackt um es schnell griffbereit zu haben. Oh Gott, ich hoffe, ich hab das nicht einfach irgendwo verloren! Hm… eine Option gibt es noch, denn mir ist schonmal was aus dem Rucksack ins Raincover gefallen. Et voilà! Da ist ja mein Sandwich, ganz unten drin. Nun leider auf Platz sparende 2mm Dicke komprimiert, weil ich den Rucksack in der Zwischenzeit mindestens 5-mal drauf abgesetzt habe, aber das tut dem Geschmack ja nichts. Überhaupt bin ich einfach froh, was zwischen den Zähnen zu haben. Wandern ist ein guter Check für die Prioritäten im Leben.

    Kurz darauf endet der Weg überraschenderweise vor einem Schafpferch. Mitten drauf! Mit Schafen drin, und kleinen Lämmern. Voll zum Knuddeln, die Viecher!
    Als ich drumherum gestapft bin, finde ich den Rest meiner Truppe und zusammen geht es wieder zusammen weiter. Die Landschaft ändert sich hier wieder. Um uns herum sind riesige Flächen abgeholzten Waldes zu sehen, extra mit Schildern versehen, dass das Totholz absichtlich liegen gelassen wurde um die natürliche Flora und Fauna zu unterstützen. Es dauert nur anscheinend Ewigkeiten, bis sich der natürliche Wald das Gebiet wieder zurückholt.


    Es wird wieder hügelig


    Blick von oben zurück - wir kommen von links, rechts Lochan Lùnn Dà-Bhrà

    Es wird auch wieder hügeliger und um ehrlich zu sein, bin ich echt ziemlich durch heute (auch ein Grund für die wenigen Fotos, sorry!). Vielleicht liegt es daran, dass die anderen nicht wirklich oft Pause machen und ich dann auch einfach mitlaufe, obwohl eine kurze 10-Minuten-Pause gut für mich wäre. So in der Gruppe ist es anscheinend schwierig für mich, mein eigenes Tempo zu finden. Wenn mich jemand heute danach fragt, könnte ich mich nicht wirklich an den Weg erinnern.
    Als wir an einer Wegkreuzung einen Wegweiser finden, traue ich mich kaum darauf zu gucken: Wir haben erst die Hälfte der heutigen Strecke geschafft.
    Es hilft nichts, es muss weitergehen. Oder besser, ich muss weitergehen! Ein bisschen hilft, dass sich langsam der Ben Nevis ins Blickfeld schiebt. Auch wenn der Wehmut über die letzten Kilometer groß ist, die Vorfreude es tatsächlich geschafft zu haben treibt mich an.


    Da isser! Ben Nevis

    Es ist mittlerweile schon fast 17 Uhr und wir sind alle netto bereits 7 Stunden auf den Wanderbeinen, als wir endlich an der Straße durch das Glen Nevis ankommen. Meine Mitwanderer haben eine Unterkunft in Fort William gebucht, während ich auf dem Campingplatz bleiben will. Meine Beine sind gerade echt schwer und der Rucksack schwerer, so dass ich nicht mit dem Rucksack in die Stadt und dann wieder hochlaufen will. So biege ich jetzt schon auf den Campingplatz ab und verabrede mich für den Abend mit den anderen auf ein Pint in der Stadt.

    Glen Nevis Campsite überfordert mich ein bisschen mit seiner schieren Größe. Es gibt eine kleine Papierkarte, damit ich überhaupt das richtige Feld für mein kleines Mini-Zelt finde. Es ist auch fast nichts los. Auf den riesigen Wiesen sind nur eine Handvoll Zelte verteilt. Kaum vorzustellen, wie das in der Hochsaison aussehen muss.
    Mit der letzten Nacht noch im Kopf, versuche ich einen etwas windgeschützten Platz zu finden und folge deutschen Stimmen hinter eine Hecke. Da sind die vier Jungs vom Loch Tulla! Anscheinend hat es sie nicht weggespült, im Gegenteil, die vier waren schon einen Tag eher hier und waren daher heute schon auf dem Ben Nevis. Chapeau!

    Ich stelle mein Zelt – schön auf die Windrichtung ausgerichtet – auf und gehe meine Klamotten waschen, nur um festzustellen, dass ich rein gar nichts Sauberes mehr habe. Ich sitze also in meinen Regensachen ohne Socken, ohne alles und gucke zu, wie sich meine Wäsche dreht. Sauber und trocken zu sein, weiß ich seit dieser Reise definitiv mehr zu schätzen als vorher! Die Waschräume und Duschen sind nicht unbedingt neu, aber gepflegt. Und unglaublich groß, für die Horden an Menschen im Sommer anscheinend.


    Mein kleines Reich mit Ben Nevis im Hintergrund

    Den Abend laufe ich noch runter bis in die Stadt entlang des offiziellen Weges, aber eben nicht ganz bis zum Ende. Ohne den Rucksack auf dem Rücken fliege ich geradezu! Zu Hause wäre ich jetzt schon völlig außer Atem gewesen, aber jetzt gerade? Kein Problem.
    Nach zwei Pint hat keiner von uns mehr Lust, bis zum Ende des WHW in der Fußgängerzone zu laufen, so geht es mit dem Taxi zurück zur Campsite.
    Wo ich prompt feststelle, dass mein Zelt zwar exakt mit der Windrichtung ausgerichtet ist, aber dafür leider das Fußende nach oben zeigt…. Kopfunter zu schlafen geht gar nicht, Zelt umstellen kommt auch nicht in Frage, also falschrum rein! Bin müde genug, dass ich sowieso nach zwei Minuten eingeschlafen bin.

  13. AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #53
    Vielen Dank für den Bericht! Es hat Spaß gemacht, dich sozusagen nachträglich auf dem WHW zu begleiten.

  14. Gerne im Forum
    Avatar von jiba
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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #54
    Zitat Zitat von Borderli Beitrag anzeigen
    Vielen Dank für den Bericht! Es hat Spaß gemacht, dich sozusagen nachträglich auf dem WHW zu begleiten.
    Danke! Ist ein großes Lob von jemandem der so Schottland-erfahren ist.

  15. Moderator
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    Avatar von Ziz
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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #55
    Ich finde es Klasse, wie alle, die den WHW laufen, die selben Gedanken haben – wie, dass alles von den Devil's Staircases etwas enttäuscht sind.
    Wo kämen wir hin, wenn jeder sagen würde
    „Wo kämen wir hin?“
    aber niemand ginge, um zu schauen, wohin wir kämen, wenn wir gingen?

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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #56
    Zitat Zitat von Ziz Beitrag anzeigen
    Ich finde es Klasse, wie alle, die den WHW laufen, die selben Gedanken haben – wie, dass alles von den Devil's Staircases etwas enttäuscht sind.
    Naja, ich hat's ja vorher auch gelesen, aber der Name! Der Name! Und vielleicht der (vergebliche) Wunsch, dass es danach dann vorbei mit den fiesen Anstiegen ist....

  17. AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #57
    Danke! Ist ein großes Lob von jemandem der so Schottland-erfahren ist.
    Achtung: Der WHW war für mich die "Einstiegsdroge". Von dieser Sucht konnte mich bisher nicht einmal ein kaputtes Knie heilen...

  18. Gerne im Forum
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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #58
    Soo, bevor ich wieder unter einem Haufen Arbeit verschwinde, mache ich mal schnell weiter.
    Bist zum offiziellen Ende des WHW habe ich es tatsächlich - mit einem klitzekleinen Umweg - auch noch geschafft.


    20. April – Tag 10 – Glen Nevis Campsite > Fort William (via Jacobite Steam Train) – 3 km


    Heute ist ein Tag „zur freien Verfügung“, wie es so schön heißt. Ich muss erst morgen Mittag einen Bus nach Skye erwischen und kann daher heute theoretisch ausschlafen. Wenn da nicht ein ganzer Schwarm Möwen die Nachbarwiese für den morgendlichen Frühstücksschnack ausgewählt hätte… (Die Jungs in dem Zelt nebenan haben übrigens weitergeschlafen, wie auch immer die das geschafft haben!)
    Einziger fester Programmpunkt heute ist, bis zum offiziellen Ende des West Highland Way zu gehen.


    Das Weck-Kommando....

    Da ich nun aber so früh wach bin und den ganzen Tag Zeit habe, versuche ich mein Glück auf dem Weg beim Jacobite Steam Train. Obwohl auf Schildern darauf hingewiesen wird, dass man unbedingt vorher buchen soll, habe ich gar keine Probleme noch ein Ticket zu bekommen. Ich kann mich ganz gemütlich alleine auf einem Vierer-Platz breitmachen. Das ganze Erlebnis ist voll auf Harry Potter getrimmt, aber da ich selbst ein Fan bin *hust* ist es ganz lustig.
    Auch wenn man mit der Figur nichts am Hut hat, lohnt sich die Fahrt, finde ich. Man kommt an der Neptune’s Staircase vorbei, fährt über das Glenfinnan Viaduct und hat super Aussichten auf Glen Shiel. Überhaupt ist der ganze Weg bis nach Mallaig nicht umsonst eine „Scenic Route“. Mallaig ist recht klein und voll auf den Steam Train getrimmt, welcher sich schlagartig in die Stadt und alle Restaurants entleert. Alleine ist es aber wieder kein Problem, noch einen Platz an der Bar zum Lunch zu bekommen. Nach ca. 2 Stunden fährt der Zug auch schon wieder zurück.




    Glenfinnan Viaduct im Regen


    Dampf und Dumbledore's letzte Ruhestätte vorm Fenster

    Wieder angekommen mache ich mich dann endgültig auf den Weg zum offiziellen, neuen Ende des West Highland Way. Es hat gerade geregnet und an diesem Ende der Fußgängerzone sind nicht wirklich viele Leute unterwegs. Ich habe Glück, dass ich überhaupt eine Familie finde, die ein Foto von mir machen kann.


    Der allerletzte Meter


    Geschafft!

    Das ist es dann also. Ein komisches Gefühl ist es schon. Vielleicht auch, weil ich hier am Ende genauso alleine stehe, wie am Anfang. Das Zwischendrin war voll von Eindrücken, Erkenntnissen und vielen unglaublich netten Leuten. Aber am Ende geht man doch immer für sich selbst. Und das „alleine machen“ war unglaublich wertvoll für mich. Bin froh, dass ich es einfach gemacht habe!

    P.S.: Auf dem Rückweg zur Campsite kommen mir zwei ziemlich fertige, bepackte Gestalten in Regen-Ponchos entgegen. Das Verhältnis von sehr großem Mann mit sehr kleiner Frau kommt mir doch bekannt vor…. das sind Rick und Yvonne, die ich in der Bothy getroffen habe! Die beiden haben es mit viel Schweiß und Tränen ebenfalls geschafft. Wir tauschen Nummern aus und verabreden uns zum Frühstück am nächsten Tag. Dann machen die beiden sich auf die letzten Meter und ich mich wieder in mein Zelt. Morgen geht es nach Skye auf eine Kajak-Tour.


    Sechs Wochen danach….

    Bin schon ein bisschen stolz auf mich, denn ich selbst war auch nicht so ganz überzeugt davon, dass ich das hier wirklich durchziehen würde. Am Anfang der Reise dachte ich, ich versuche mich einfach mal am WHW, aber das echte Highlight der Tour würde der dreitägige Kajak-Trip werden. Am Ende war es genau andersrum.

    Ich bin jetzt schon (oder erst?) sechs Wochen wieder in meiner warmen Wohnung zu Hause und es überkommt mich immer noch die Sehnsucht nach dem draußen sein, dem unterwegs sein und dem für mich selbst sein. Schlafen tue ich seitdem nur noch mit weit geöffnetem Fenster, um ein bisschen das „Draußen-Gefühl“ zu erhalten.

    Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass die Anschaffung der ganzen Ausrüstung sicher nicht „für die Katz“ war und dass ich da in Zukunft noch ordentlich Kilometer mit machen werde. An dieser Stelle nochmal und vorab einen riesigen Dank an alle, die hier ihre Reiseberichte teilen. Das bietet so viele Inspirationen für die nächsten Reisen und war für mich unheimlich lehrreich (und führt zu einer unglaublich langen Löffel-Liste…. :-p ).


    FAZIT

    - Ich würde immer wieder von Milngavie aus starten, gerade als Anfänger. Der Körper bekommt ein paar einfache Etappen zum Eingewöhnen und der Kontrast des ganzen West Highland Way kommt viel mehr heraus. Es geht von absoluter Kulturlandschaft langsam immer merklicher ins Ländliche und irgendwann wirklich in die Abgeschiedenheit der Highlands. Diesen Kontrast zu verfolgen war für mich ein Highlight der Tour.

    - Ich würde auch immer wieder 8-9 Tage laufen, obwohl man es – auch relativ untrainiert – schneller schaffen kann. Bei mir ist der Weg das Ziel, und den kann ich besser genießen, wenn ich zwischendrin auch Zeit zum „Verdauen“ der ganzen Eindrücke habe.

    - Das allerletzte Stückchen vom ehemaligen Ende bis zum neuen Ende hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht. Klar, das ehemalige Ende ist ein bisschen abgelegen, aber nachdem man von einer Woche Wald, Wiese, Einsamkeit kommt, sind die ganzen Autos, die Abgase und die Menschen auf dem allerletzten Stück eher verstörend.

    - Ich habe irgendwo gelesen, dass der WHW wohl eher für etwas „erfahrenere Anfänger“ wäre, aber das würde ich jetzt so nicht unterschreiben. Es gibt so viele Ausstiegsmöglichkeiten, mindestens am Ende jeder Etappe einen, dass das hier – imho – eine ideale Einsteigertour ist.

    - Vom Aspekt „Frau, allein“ war das hier sowas von kein Problem; ich habe mich nie unsicher gefühlt, auch nicht auf den einsameren Abschnitten (wenn ich denn tatsächlich mal alleine unterwegs war)

    Camping / Bothies

    - Die Beinn Glass Campsite in Inverarnan, die Blackwater Campsite in Kinlochleven und die Glen Nevis Campsite bei Fort William kann ich absolut weiterempfehlen. Super Facilities, sehr gepflegt. Drumquhassle Farm würde ich nicht nochmal nutzen, dann lieber weiter bis zum Garadhban Forest und ein wildes Plätzchen suchen.

    - Falls (wenn) ich den West Highland Way nochmal laufen sollte, würde ich auf jeden Fall eine Übernachtung am Loch Lomond auf einem der Campingplätze einplanen. Es gibt auch einfach nur „camping spots“ die nicht bewirtschaftet werden, aber wo man trotzdem direkt am Seeufer wie wild campen kann.


    Ausrüstung
    - Ich habe – wie wahrscheinlich alle Anfänger – zu viel mitgenommen, vor allem an Essen. Entlang der Route gibt es so viele Möglichkeiten einzukehren und einzukaufen, dass ich locker mit 2x Abendessen, 4x Frühstück und Snacks für 2 Tage ausgekommen wäre (Ich hatte doppelt so viel dabei….)

    - Beste Investition überhaupt war die Wasserblase mit Trinksystem, so dass ich den Rucksack zum Trinken nicht absetzen musste. Ich hatte ein Source Widepac 3l, das mir besonders wegen des genialen Schiebe-Verschlusssystems gefallen hat. 3 Liter hätte es jetzt nicht unbedingt gebraucht, 2 Liter wären auch völlig ausreichend gewesen, wenn man darauf achtet bei (fast) jeder Gelegenheit nachzufüllen. Daher habe ich meinen

    - Wasserfilter nicht gebraucht.

    - Mein Schlaf-Setup (HiLite Spring & Thermarest ProLite) war offensichtlich nicht optimal und das wäre mir vielleicht aufgefallen, wenn ich es vorher getestet hätte…. Da ist definitiv Verbesserungspotential!

    - Vermisst habe ich ein Footprint für mein Zelt, und das, obwohl ich gar nicht auf so super nassen Stellen gezeltet habe. War noch okay ohne, aber bei mehr Feuchtigkeit wäre es so langsam haarig geworden, hatte ich das Gefühl.
    Geändert von jiba (13.06.2018 um 16:16 Uhr) Grund: Fazit hinzugefügt

  19. Anfänger im Forum

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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #59
    Das "erste Mal", das süchtig macht. Toll geschrieben und beschrieben.

    Seit dem "ersten Mal" war jeder Urlaub ohne Tour bei mir auch irgendwie kein richtiger Urlaub mehr.

  20. Fuchs
    Avatar von Rainer Duesmann
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    AW: [GB] Du machst das alleine?! - Ein Newbie auf dem WHW

    #60
    Klasse Bericht in dem wir uns alle wiederfinden.
    Tja, Pech gehabt. Jetzt bist du eine von uns!
    Willkommen im Team. :-)

    LG
    Rainer

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