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  1. Moderator
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    [SE] Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #1
    Mitreisende: Buck Mod.93, Jaerven
    Was an dieser Reise ist es wert, darüber zu erzählen?
    Warum noch einen Reisebericht über den Sarek schreiben? Sind es die Geschehnisse vor Ort, die ich in den Vordergrund rücken sollte? Die Bekanntschaften, die wir unterwegs gemacht haben, und deren Geschichten? Oder vielleicht den spirituellen Aspekt der Reise? Was macht diese "Einsamkeit light" mit dem Verstand? Warum nimmt man sie in Kauf und warum weigert sich die Erinnerung so ergebenst, einem die Strapazen der vergangenen Reisen wieder präsent zu machen?
    Welche Entscheidung habe ich also getroffen? Gar keine! Ich werde der Methode eines Schriftstellers, der diese selbst aus der Psychologie entlehnt hat, Tribut zollen und einfach beginnen. "Écriture automatique"

    Prolog:

    "Es hat sich so ergeben."
    Eine irgendwie halbseidene Aussage, mit der ich noch nie so recht einverstanden war.
    Und doch muss ich sagen, dass es mir der Zufall dies mal sehr leicht gemacht hat. Ich hatte unvorhergesehen Ferien und Pjotr erzählte mir bei Facebook vielleicht unmotiviert, vielleicht mit edlen Absichten, von seiner anstehenden Sarekreise im März.
    Ich hörte da etwas von "Freunde besuchen", "Rapadalen", "Willst du mitkommen?". Und auf diese Art und Weise hat es sich dann tatsächlich so ergeben.
    Und um auch dem Leser diese etwas naive Frage mit auf den Weg zu geben, die mir im Vorfeld gestellt wurde: "Was ist denn das schönste an einer solchen Reise?" Hm...

    1. Tag-Ritsem

    Du bist "Buck Mod.93", oder? Mit diesen Worten begrüßt mich ein stattlicher junger Mann an der Bushaltestelle in Gällivare.
    Willkommen in der Zukunft. Pjotr wird auch gleich mit seinem Usernamen identifiziert.
    Der junge Mann entpuppt sich als Ardunaut und hat seinen Reisepartner ebenfalls auf ODS gefunden.
    Durch die mittlerweile ungünstige Busanbindung hat Länstrafiken es leider geschafft, dass man so spät in Ritsem ankommt, dass man wahrscheinlich nach Einbruch der Dämmerung am andern Ufer des Akkajaure ankommen würde.
    Wir finden schnell eine sehr männliche Art und Weise, die Zeit in Ritsem herum zu bringen. Es werden Messer, Schneesägen und Kameras gezeigt und Ardunaut führt uns vor der Fjellstation seine Drohne vor. Auch Whisky ist im Spiel.
    Auch er kennt einige Leute von ODS, wie z.B Jackknife und Torres und so bietet sich für den Abend einiges an Gesprächsstoff.





    Geändert von Buck Mod.93 (08.08.2018 um 01:00 Uhr)

  2. Gerne im Forum
    Avatar von Ardunaut
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    AW: Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #2
    Noch einen Bericht über den Sarek? Auf jeden Fall! So ein paar Details von eurer Tour habe ich ja schon mitbekommen. Die Vorfreude für den Bericht ist also schon groß.
    Du hast vergessen die tollen Polarlichter zu erwähnen, welche man an dem Abend IN der Hütte sehen konnte.

    Hier die kleine Luftaufnahme aus Ritsem. Im Hintergrund sieht man die Berge des Sareks:


    Liebe Grüße
    Arne
    Geändert von Buck Mod.93 (23.04.2018 um 01:54 Uhr)

  3. Anfänger im Forum

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    AW: Sarek 2018 - A Film Noir Fjellstory

    #3
    Zitat Zitat von Buck Mod.93 Beitrag anzeigen

    Haha, deine Tour hat begonnen wie sie geendet hat

    Sehr schön, freue mich schon auf den Bericht!

    Viele Grüße,
    Mathias

  4. Erfahren
    Avatar von Ljungdalen
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    AW: Sarek 2018 - A Film Noir Fjellstory

    #4
    Zitat Zitat von Ardunaut Beitrag anzeigen
    Im Hintergrund sieht man die Berge des Sareks
    <krümelkack>Das Akka-Massiv (bzw. Áhkká) liegt aber nicht im Sarek-NP, sondern noch im Stora-Sjöfallets-NP...</>

    Freue mich aber auch auf den * eigentlichen * Bericht.

    PS Mein Avatar-Bild - das ist übrigens auch am Rand des Sarek. Erkennt jemand, wo?

  5. Moderator
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    Avatar von Buck Mod.93
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    AW: Sarek 2018 - A Film Noir Fjellstory

    #5
    Zitat Zitat von Ardunaut Beitrag anzeigen
    Noch einen Bericht über den Sarek? Auf jeden Fall! So ein paar Details von eurer Tour habe ich ja schon mitbekommen. Die Vorfreude für den Bericht ist also schon groß.
    Du hast vergessen die tollen Polarlichter zu erwähnen, welche man an dem Abend IN der Hütte sehen konnte.

    Hier die kleine Luftaufnahme aus Ritsem. Im Hintergrund sieht man die Berge des Sareks:


    Liebe Grüße
    Arne
    Wie ist dein Urteil zur Mitnahme der Drohne? Hat es sich gelohnt? Und noch wichtiger: Wird es auch von euch einen Reisebericht geben?

    Zitat Zitat von mawi Beitrag anzeigen
    Haha, deine Tour hat begonnen wie sie geendet hat

    Sehr schön, freue mich schon auf den Bericht!

    Viele Grüße,
    Mathias
    Ja, ich fülle diese Stunden gerne mit Schlaf! Schön übrigens, dass du auch hier bist.

  6. Moderator
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    Avatar von Buck Mod.93
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    AW: Sarek 2018 - A Film Noir Fjellstory

    #6
    2. Tag-Einlaufen in Richtung Akkastugan

    Der Morgen in Ritsem beginnt mit einem üppigen Frühstück und wir plaudern noch eine Weile mit Arne und seinem Begleiter über unsere Tourpläne.
    Nachdem alles sortiert ist, verabschieden wir uns vor der Fjellstation voneinander und wundern uns noch ein letztes mal darüber, wie klein die (Trekking-) Welt doch ist.







    Der Pegel des Stausees wurde offenbar nachdem sich die Eisdecke geschlossen hatte um einige Meter gesenkt, was zu eindrucksvollen Aufwerfungen und armdicken Rissen im Eis führt.







    Die erste Tagesetappe ist gewohnt unspektakulär. Ich nutze die Zeit, um in mich hinein zu horchen, meine Gelenke zu befragen, ob sie mit der Belastung zurecht kommen und mich darüber zu wundern, dass ich nach fast genau zwei Jahren wieder Skier an den Füßen habe.





    An vielen Stellen treffen wir blankes Eis an, was das Gehen mit Skiern zunehmend schwieriger macht und so laufen wir mehr, als die Hälfte der Strecke, mit den Tourenstiefeln.





    Die Thermosflaschen waren auf der letzten Tour für mich ein großes Thema, weil das Wasser in meinem Primusfabrikat schon nach wenigen Stunden nur noch lauwarm war. Was ich im Nachhinein sagen kann: Ja, Thermos scheint hier immer noch der Marktführer zu sein. Lediglich die Flaschen der Firma Stanley würden mich noch reizen.



    Wegen des schönen Wetters gehen wir verschwenderisch mit unserer Zeit um und ich nutze die Gelegenheit, einige der "Eisberge" zu erklimmen. Immer wieder geben die sich gegeneinander verschiebenden Eisplatten laute Klagelaut von sich.











    Gegen 16:00 kommen wir an der Akkastugan an und ich bin wider meiner Erwartung noch recht fidel.

    Einige Zeit vor dieser Reise habe ich mir ein Video mit dem Titel "Making a Custom Knife for the Antarctic Research Mission" angesehen und der Wunsch nach einem Messer dieser Art kam auch bei mir auf.
    Die Vorstellung der sog. "One Tool Option", also eines Messers, mit dem man alle draußen anfallenden Arbeiten, von Holz hacken bis hin zur Nahrungszubereitung, erledigen kann, faszinierte mich.
    Ich nutzte also die Zeit bis zum Sonnenuntergang, um mein neues Allzweckwerkzeug zu testen.
    Armdicke Birken stellten für das Messer überhaupt keine Herausforderung dar und so war schnell eine kleine Menge Feuerholz für den Ofen der Hütte gespalten.









    Wir verbringen einen gemütlichen Abend in der Hütte und ich lese die letzten Seiten von Rocko Schamonis "Sternstunden der Bedeutungslosigkeit".
    Geändert von Buck Mod.93 (23.04.2018 um 20:43 Uhr)

  7. Moderator
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    AW: Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #7
    3. Tag-Nächtliche Rettungsaktion

    Ich rechne an diesem Morgen mit einem zwar körperlich anstrengenden aber ansonsten angenehm gleichförmigen Tag.
    Die Muskeln brennen bereits beim Aufstehen ein wenig und ich mache mich mürrisch ans Packen.
    Eine Gruppe von Finnen veranstaltet vor der Hütte ein ziemliches Durcheinander und so genehmigen Pjotr und ich uns einen weiteren Kaffee, während wir auf deren Abreise warten.
    Pjotr scharrt bereits mit den Hufen, als ich meine Pulka noch nicht fertig gepackt habe und so startet er einige Minuten vor mir Richtung Kutjaure.



    Ein Blick auf die Karte verrät mir: Für unseren "üblichen" Einstieg in den Sarek ist Kutjaure ein Umweg.
    Stimmt, wir wollen ja Pjotrs Freundin Ingrid dort besuchen.
    Als ich losgehe, fällt meine Isomatte von der Pulka und weil ich bereits das Zuggeschirr trage, bitte ich Gunnar, einen älteren, drahtigen Mann vor der Hütte des Stugvards, sie wieder auf meine Pulka zu schnallen.
    An dieses Gesicht werde ich mich noch lange erinnern, denn dieser Mann wird keine 8 Stunden später als verschollen gelten.
    Sowohl am Ufer, als auch auf dem Vuojatädno selbst liegt, wie auf dem Akkajaure, kaum Schnee, also laufe ich bis kurz vor den Kutjaure ohne Skier.





















    Das Wetter zeigt sich an diesem Tag nicht von seiner besten Seite. Es hat nur knappe -10 Grad, die Farben wirken alle etwas fad und es kommt immer mehr Wind auf, der uns bald Schnee bescheren sollte.





    Nachdem wir den Kutjaure überquert und die Samisiedlung an dessen Ufer passiert haben, beginnen wir unseren letzten kleinen Aufstieg.
    Auch, wenn es nur 16 Kilometer waren, fühle ich mich ein wenig gerädert, als wir an der Hütte ankommen.
    Gegen 16:00 ist Kutjaure endlich in Sicht.





    Als wir die Hütte betreten, werden wir herzlich von Ingrid in Empfang genommen.
    Pjotr und ich trinken einen warmen Erdbeersaft und später soll es Kassler und Bohnen geben.
    Der Tisch allerdings ist für vier Personen gedeckt, weil Ingrid auf Gunnar wartet, der ein Freund ihrer Familie zu sein scheint.
    Mit Einbruch der Dämmerung wird Ingrid immer unruhiger.
    "Wenn die Gäste nicht an meiner Hütte ankommen, fühlt es sich an, als würden meine eigenen Kinder nachts nicht heim kehren."
    Ingrid versucht den Stugvard in Akka zu erreichen, der aber nicht ans Telefon geht. Kurz darauf wählt sie die Nummer der Polizei.
    Als es gegen 18:15 endgültig dunkel ist, packe ich wortlos meinen Rucksack. Heißer Tee, Stirnlampe mit Ersatzakkus, GPS mit Ersatzakkus, Erste Hilfe Set, Daunenjacke, einige Paar warme Handschuhe und Sturmhaube.
    Ich spreche mich kurz mit Pjotr ab und um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, gehen wir ohne Skier auf dem überfrorenen Pfad Richtung Kutjaure zurück.
    Immer wieder schalten wir die Stirnlampen aus und stehen in völliger Stille in der Nacht, um gegebenenfalls Gunnars Hilferufe hören zu können.
    Als wir wieder unten am See ankommen, ist weit und breit keine Spur von ihm und auch die 2300 Lumen unserer Stirnlampen können auf dem Kutjaure keine Person ausmachen. Es ist bereits über eine Stunde vergangen, seit wir los gegangen sind.
    Wir gehen einige hundert Meter in Richtung der Häuser am Allakjagasj, weil ich glaube, dort Licht zu sehen. Später wird sich heraus stellen, dass es sich nur um solarbetriebene Außenleuchten handelt und die Siedlung gottverlassen ist.
    Abseits des Pfades ist der Schnee tief und Pjotr und ich müssen nun abwägen, ob wir uns noch weiter in Gefahr bringen wollen.
    Wir stehen noch eine halbe Stunde am Ufer des Sees, dann entscheiden wir uns, zurück zur Kutjaure Hütte zu gehen.
    Die einzige Alternative wäre es gewesen, den ganzen Weg zurück zur Akkastugan zu laufen und auch, wenn ich mich wegen des Adrenalins wieder ziemlich fit fühlte, hätte ich mir das nach dieser Tagesetappe nicht mehr zugetraut.
    Als wir wieder an der Kutjaure Hütte ankommen, kommt Ingrid uns entgegen gelaufen.
    "Er ist hier!", sagt sie. Als sie in der Küche der Hütte saß und versuchte, die Polizei zu erreichen, hat sie draußen Gunnars Hilferufe vernommen. "Hilfe, ich sterbe!", muss er gerufen haben. "Bitte helft mir!"
    Als sie ihn auffindet, befindet er sich keine 50 Meter von der Hütte entfernt aber nur noch sein Kopf schaut aus dem Schnee heraus.
    Er war scheinbar den falschen Markierungen gefolgt und fand sich dann vor dem steilen Geröllfeld am Fuße der Hütte wieder, als es bereits dämmerte. Mit Skiern hat man dort keine Chance und wahrscheinlich wäre es sogar mit Schneeschuhen eine Tortur dort hinauf zu klettern.
    Gunnar bedankt sich bei uns, als wir in die Hütte eintreten.
    Er gibt sich gelassen, zittert aber noch Stunden später, als endlich das Abendessen serviert wird.

  8. Fuchs

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    AW: Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #8
    Heilige... das nenn ich mal einen tollen Bericht!
    Ich würde mich über eine sehr baldige Fortsetzung freuen.
    bear shit - sounds like bells & smells like pepper

  9. Erfahren
    Avatar von Jogi
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    AW: Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #9
    Zitat Zitat von tjelrik Beitrag anzeigen
    Heilige... das nenn ich mal einen tollen Bericht!
    Ich würde mich über eine sehr baldige Fortsetzung freuen.
    Jo, finde ich auch. Sehr unterhaltsam geschrieben und die Suche nach Gunnar hat für "Film Noir" ganz schon "Action" und "Thrill". Ich bin gespannt, vielleicht wird's ja noch "finster".
    JAG HAR KOMPISAR I SKOGEN!

  10. Moderator
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    Avatar von Buck Mod.93
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    AW: Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #10
    Schön, dass es euch gefällt!
    Im Moment habe ich viele Prüfungen aber ich versuche heute oder morgen weiter zu schreiben.

  11. Alter Hase
    Avatar von Tie_Fish
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    AW: [SE] Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #11
    Schreib! Zackzack! Sonst petze ich, dass man keine gesunden Birken fällen darf
    Grüße, Tie
    "Wir sind so gern in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat." (Nietzsche)

  12. Anfänger im Forum

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    AW: Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #12
    Zitat Zitat von Buck Mod.93 Beitrag anzeigen
    Schön, dass es euch gefällt!
    Und wie!!!! Da möchte ich am liebsten gleich wieder losziehen. Wie kann man denn hier die Beiträge "liken"?

    Wenn ich gewusst hätte, dass du mit solch einer riesigen Machete rumläufst, dann hätte ich keine Witze über eure schweren Pulkas gemacht

  13. Moderator
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    Avatar von Buck Mod.93
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    AW: [SE] Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #13
    Hi Matthias,

    Eine "Likefunktion" gibt es nicht. Ich freue mich aber sehr darüber, dass du mitliest. Ich Moment hat die Uni aber Vorrang. Es wird spätesten am Dienstag weiter gehen.

    Liebe Grüße

    Ferdinand

  14. Gerne im Forum

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    AW: [SE] Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #14
    Zitat Zitat von Buck Mod.93 Beitrag anzeigen
    Hi Matthias,

    Eine "Likefunktion" gibt es nicht. Ich freue mich aber sehr darüber, dass du mitliest. Ich Moment hat die Uni aber Vorrang. Es wird spätesten am Dienstag weiter gehen.

    Liebe Grüße

    Ferdinand

    Sehr schöner Bericht bisher. Bin ja eigentlich nicht so der aktive User hier aber deine Bericht veranlasst mich dazu das Forum jeden Abend stündlich nach neuen Posts von dir zu scannen

    Bin sehr gespannt wie es weitergeht und was ihr noch so erlebt habt.

    Viele Grüße

    Martin (aus Ritsem)
    Geändert von rabe123 (28.04.2018 um 00:07 Uhr)

  15. Moderator
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    Avatar von Buck Mod.93
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    AW: [SE] Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #15
    4./5. Tag-Two Days Off

    Weil es über diese beiden Tage deutlich weniger zu berichten gibt, als über die anderen Tourtage, habe ich mich entschieden, doch noch eine kleine Nachtschicht einzulegen.

    Ingrid hatte zum Frühstück wieder fürstlich aufgetischt und ein bisschen machte ich mir Sorgen, dass meine Brigitte Fjelldiät vielleicht doch nicht zum Erfolg führen könnte.



    Die nächtliche Suche nach Gunnar steckte uns noch in den Knochen und so lud Ingrid uns ein, noch einen weiteren Tag in Kutjaure zu verweilen.



    Ich bin sehr gerührt von ihrer Wärme und Herzlichkeit und wir können diese Einladung einfach nicht zurückweisen.
    Sie hatte die 10 Tage zuvor keine Menschenseele gesehen, wahrscheinlich weil Kutjaure zu weit am Rand des Nationalparks liegt und ich spüre, dass sie unsere Gesellschaft genießt.
    Zudem klagt sie darüber, dass der Abstieg zum Wasserloch für sie und die Gäste zu steil sei und es zufriere, sobald die Temperatur unter -20 Grad fällt.
    Ich schlage also eine Treppe in den überfrorenen Schnee, der auf dem Geröll liegt, das zum Fluss hinunter führt, während Pjotr einen isolierten Deckel für das Wasserloch zusammen zimmert.





    Obwohl die Reise erst begonnen hat, beschließe ich, eine kleine Inventur zu machen und inspiziere dabei vor allem die Trockenmahlzeiten, die ich wegen des sonst zu hohen Gepäckgewichts an Pjotr habe schicken lassen und bisher nicht auspacken konnte. Das klingt erst mal alles sehr lecker und um es vorweg zu nehmen; das war es auch!
    Ich habe ein mal das komplette Sortiment als Doppelpackungen bestellt und werde, wie hier gewünscht noch einen kleinen Testbericht zu den Mahlzeiten am Ende des Reiseberichts schreiben.






    Gunnar überrascht uns auch an diesem Tag wieder mit neuen Schelmenstreichen.
    Als er aus dem Holzschuppen zurück kommt, hat er einen 15x15 cm großen Winkel in seine Hose geschnitten.
    "Ich habe mir ins Knie gehackt!" Ja, das können wir klar und deutlich sehen.
    Ich krame Desinfektionsmittel aus meinem Gepäck und Pjotr Antibiotikum.
    Als die Wundbeschau beginnt, sind wir alle ein wenig erleichtert, weil Gunnar sich - wie er selbst sagt - "nur" in die Patella gehackt hat und die ja (Gunnar ist Chirurg) "einiges aushält".
    Als alles desinfiziert und verbunden ist, fällt er rückwärts über die Kiste, in der sich der schicksalhafte Scheit befindet. Ich schweige und flaniere noch ein wenig vor der Hütte.




    Kurz vor Einbruch der Dämmerung bekommen wir drei doch noch Gesellschaft.
    Ein älterer Tscheche, der ziemlich genau aussieht, wie John Hurt in Midnight Express, gesellt sich an diesem Abend zu uns.
    Er raucht noch bevor er die Hütte überhaupt betritt fünf rote Winstonzigaretten und berichtet mir dabei in gebrochenem Deutsch von seiner abenteuerlichen Anreise.















    Wir verbringen alle zusammen einen gemütlichen Abend in der Hütte, den wir bei Whisky, Rum und Schmerztabletten ausklingen lassen.



    Geändert von Buck Mod.93 (22.05.2018 um 00:56 Uhr)

  16. Moderator
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    AW: [SE] Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #16
    Zitat Zitat von rabe123 Beitrag anzeigen
    Sehr schöner Bericht bisher. Bin ja eigentlich nicht so der aktive User hier aber deine Bericht veranlasst mich dazu das Forum jeden Abend stündlich nach neuen Posts von dir zu scannen

    Bin sehr gespannt wie es weitergeht und was ihr noch so erlebt habt.

    Viele Grüße

    Martin (aus Ritsem)
    Schön, dass du dich auch zu Wort meldest!

  17. Alter Hase
    Avatar von Tie_Fish
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    AW: [SE] Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #17
    Jungejunge, da war ja was los! Sehr schön geschrieben und bebildert!

    (Klingt, als müsste ich mal wieder im Winter da hoch (letztes Mal haben wir nur im Auto gesessen ). )

    Grüße, Tie
    "Wir sind so gern in der freien Natur, weil diese keine Meinung über uns hat." (Nietzsche)

  18. Moderator
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    AW: [SE] Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #18
    6. Tag-Brückentag

    Durch unseren kleinen Ausflug zur Kutjaure Hütte hat es sich ergeben, dass es an diesem Tag nur eine kurze Etappe bis zur Gisuris Hütte geben wird. Wir frühstücken noch ein letztes mal mit Ingrid und Gunnar und brechen dann gegen 11:00 Uhr auf.
    Auch der Schlittenhundeführer reist an diesem Tag ab.



    Beim Weg zurück hinunter zum See erinnern wir uns an unsere nächtliche Suche nach Gunnar. Wäre das Wetter in dieser Nacht nicht verhältnismäßig gut gewesen, hätte es wahrscheinlich sein Ende bedeutet. Bei starkem Wind hätten wir keine Chance gehabt, seine Hilferufe zu hören und der Suchtrupp hätte wohl überall gesucht aber nicht direkt neben der Hütte.





    Morgen wollen wir durch das Sierkavagge in den Sarek einsteigen und wir sind froh, dass die Temperatur ein wenig gefallen und der Himmel klar ist.





    Wir passieren die Samisiedlung an Ufer des Kutjaure.





    Von hier aus schlagen wir den Weg Richtung Gisuris ein.



    Obwohl dieser Tag sich eher als ein letzter gemütlicher Spaziergang angekündigt hatte, wurde es doch noch interessant.
    Pjotr, der vor mir geht, hält plötzlich inne. Er hat irgendwas den Hang hinauf huschen gesehen und nun sehe auch ich zu meinen Füßen, um welches Tier es sich gehandelt haben könnte.



    Ich bin getrieben von dem Gedanken, endlich einen Vielfraß zu sehen und versuche auf dem letzten Kilometer zur Hütte möglichst keinen Lärm zu machen.



    Als wir ankommen, ist es noch hell und so schnitze ich noch ein wenig an meiner Holzfigur und halte die Kamera griffbereit, falls sich der Vielfraß doch noch zeigen sollte. Vergebens.



    Im Innern der Gisuris Hütte hat es bei unserer Ankunft -15 Grad und selbst nach zwei Stunden Heizen hat es die Gasheizung nicht geschafft, die Hütte auf über 0 Grad zu bringen. Wir hüllen uns in die klammen Decken und schlafen fröstelnd ein.

    Geändert von Buck Mod.93 (22.05.2018 um 01:00 Uhr)

  19. Erfahren
    Avatar von Voronwe
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    AW: [SE] Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #19
    Wow, was für ein grandiose Landschaft.
    Und Gunnar hat tatsächlich enormes Glück gehabt.

    Warte gespannt auf den weiteren Verlauf

  20. Moderator
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    Avatar von Buck Mod.93
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    AW: [SE] Sarek im Winter - A Film Noir Fjellstory

    #20
    7. Tag-Minus 27,7 Grad

    In der Nacht wachen wir mit trockenen Kehlen und völlig überhitzt auf. Die lausige Gasheizung hatte es nun doch geschafft, die Hütte auf Temperatur zu bringen. Wir sind - wie bereits bei unserer letzten Tour - nicht traurig, dass wir die Gisuris Hütte hinter uns lassen.



    Gegen 8:00 brechen wir in Richtung Sierggavagge auf. In dem kleinen Birkenwald, den wir passieren, sind scheinbar bei einem Sturm einige Birken umgefallen, was mir zum Verhängnis werden soll.



    Ich versuche vorsichtig unter einer umgeknickten Birke hindurch zu gehen, die plötzlich umstürzt, mich zuerst am Kopf trifft, dann an der Schulter und schlussendlich voll in meine Pulka kracht. Ich bin für einen Moment benommen und auch das Pulkenverdeck hat ein paar Schrammen abbekommen. Wie ich das immer mache, wenn ich dem Tod von der Schippe springe, denke ich einige Zeit darüber nach, ob das ein würdiger Abgang für mich gewesen wäre.
    Ich erinnere mich noch gut an den letzten Aufstieg ins Siergavagge. Diese fette gelbe Raupe, die ich da hinter mir her ziehe muss die Strafe für die Sünden der Vergangenheit sein. Ich muss unwillkürlich an die Sisyphos Legende denken.









    Ja, es ist steil! Und wie man sieht, liegt hier oben sehr wenig Schnee. Das ist vor allem auf dem Sierggajahka ein wenig hinderlich.
    Wir haben uns an diesem Tag eine recht lange Etappe vorgenommen. Der Plan ist, bis an die Einmündung des Sierggavagge ins Ruohtesvagge zu laufen und dort zu zelten. Ich bin froh über die Oatsnacks, die ich eingepackt habe, obwohl ein Blick in die Zutatenliste einen schon schaudern lässt. Auf halber Höhe legen wir eine kurze Pause ein.



    Oben angekommen schieben wir uns vorsichtig über das blanke Eis.





    Das Thermometer bleibt zwar tagsüber im Rucksack aber es fühlt sich schon mal verflucht kalt an.



    Im Sierggavagge kommen wir dann deutlich besser voran.





    Die Filsontasche, die ich eigentlich meinem Vater schenken wollte, die er aber abgelehnt hatte, weil sie ihm zu klein war, entpuppte sich durch ihre Breite als die perfekte Pulkentasche.



    Bevor wir ins Ruohtesvagge einbiegen machen wir noch eine Pause mit Wurst, Nüssen und heißem Tee.







    Heute kommt Pjotrs Schneesäge zum Einsatz. Genau wie große Messer ein sehr sinnvolles Werkzeug für Sarektouren.



    Wir verbringen noch einige Zeit damit, um das Zelt herum zu schleichen, zu fotografieren und die letzten Sonnenstrahlen zu genießen.











    Das Kochsetup funktioniert hinreissend und es ist im Zelt doch deutlich gemütlicher, als in einer schlecht geheizten Hütte.







    Wir wundern uns am Abend noch mal kurz über Leute, die freiwillig bei 0 Grad in einem VBL schlafen, und gehen dann zu Bett.

    Geändert von Buck Mod.93 (22.05.2018 um 01:17 Uhr)

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