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  1. Erfahren
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    [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #1
    Mitreisende: Borgman
    Reiseziel: Schottland, Highland Region

    Reisezeit: 28. März bis 07. April 2018


    Braucht die Welt wirklich einen weiteren Reisebericht über eine Wandertour im Westen der schottischen Highlands? Doch wohl eher nicht. Alle Pfade sind hundertfach beschrieben, von jedem Berg gibt es tausende Fotos im Netz. Da erscheint es kaum sinnvoll, sich hinzusetzen und einen weiteren Beitrag zu erstellen, oder?

    Oder ... ? Wenn ich mich andererseits jetzt frage, ob ich gerne noch einen neuen Bericht über diese schöne und sonderbare Ecke Europas lesen möchte, dann ist meine Antwort ganz klar: Na sicher möchte ich! Und mich interessiert auch was andere so für Touren machen, vielleicht als Anregung, oder einfach nur zum Träumen. Bestimmt geht es einigen von Euch genau so. Da setze ich mich wohl doch mal dran und schreibe ein paar Eindrücke auf. Sicherlich nicht jede Wegbeschreibung, davon gibt es wirklich reichlich.

    Sonst bin ich ja mit Wanderstiefeln häufiger in Norwegen anzutreffen als irgendwo anders, aber erstens wollte ich schon länger mal über Ostern nach Schottland, und zweitens begann mein Interesse an Outdoor-Urlaub vor 25 Jahren genau hier. Zwei Wochen Fahrradtour mit Freundin und Zelt, aber ohne den blassesten Schimmer einer Ahnung, wie man das am besten anstellt. Immerhin wussten wir, dass es ratsam ist, neben dem Zelt Schlafsäcke und einen Gaskocher dabeizuhaben. Um es kurz zu machen: wir hatten viel Spaß, nette Begegnungen und eine steile Lernkurve.

    Ein Vierteljahrhundert später geht es also wieder nach Schottland, in der Zeit dazwischen war ich nur ein einziges Mal dort, im Januar 2014. Das war die bisher nasseste Erfahrung meines Lebens. Worauf ich also vor allem eingestellt bin, ist Nässe in jeglicher Form, von oben, von unten und von der Seite. Die Wettervorhersage verspricht so ziemlich alles, was das schottische Wetter zu bieten hat: Sonne, Regen, Schnee und Wind, bleibt aber sehr vage, wann und in welchem Ausmaß mit welchem Wetterphänomen zu rechnen ist.

    Leider gelingt es mir zur Zeit nicht, meine Fotos auf direkt auf ODS hochzuladen, deshalb ausnahmsweise der Umweg über Flickr. Ich probiere es bei Gelegenheit noch mal.

    Los geht's am 28. März mit einer angenehm unspektakulären Anreise nach Inverness. Alles klappt wie am Schnürchen, und ich bekomme den denkbar frühesten Bus vom Flughafen in die Stadt. Spiritus bekomme ich gleich im ersten Outdoorladen am Busbahnhof, und zwar nicht den unangenehm riechenden pink eingefärbten den ich kenne, sondern "Vango Bio-Ethanol Spirit Fuel", farblos und praktisch geruchsneutral. Danach direkt zu Morrisons für die Lebensmittel. Mit leckeren Oatcakes und einem Klotz Cheddar komme ich schon sehr weit, dazu süße Haferkekse, Müsli und ein paar Extras. Jetzt ein kleiner Stadtbummel und einen Kaffee in der milden Frühlingssonne.

    Inverness by Borgman, auf Flickr

    Um 17:20 Uhr fährt mein Westerbus Richtung Gairloch ab, allerdings muss ich dem Fahrer vorher auf der Karte zeigen, wo ich hin will, denn Little Gruinard kennt er nicht. Kein Wunder, es ist wirklich sehr klein, besteht nur aus einem Haus und dem Strand. Heute will ich nur ankommen und bei Helligkeit einen Platz für die Nacht suchen, deshalb bin ich sehr entspannt und träume während der Fahrt vor mich hin. Kurz nach 19:00 Uhr sind wir da, ich sauge die frische Meeresluft tief in meine Lungen.

    Little Gruinard Beach by Borgman, auf Flickr

    Im Hinterland sieht es nach guten Zeltmöglichkeiten aus, aber bei näherem Hinsehen ist das Gelände überall sehr nass. Das Wasser schmatzt hämisch bei jedem Schritt: "Willst du wirklich hier Zelten? Ganz sicher?? Dann viel Spaß!" Nun ja, daran werde ich mich jetzt gewöhnen müssen. Nach einiger Sucherei steht das Zelt im letzten Dämmerlicht. Genüsslich bereite ich ein kaltes Abendessen zu und lasse die Eindrücke der Reise, die vielen Menschen, Fahrpläne, festgelegte Zeiten noch einmal durch die Gedanken und dann aus dem Kopf heraus ziehen, komme im Urlaub an.


    29. März: Little Gruinard bis Loch na Sealga (Ostseite)

    Eine klare, kalte Nacht wie ich sie liebe. Um 07:00 Uhr zeigt das Thermometer -4°C, eine dicke Schicht Raureif bedeckt das Außenzelt von innen. Bei der Feuchtigkeit hier kein Wunder. Nach einem kurzen Frühstück breche ich sofort auf. Noch zeigt sich die Sonne nicht, aber der Himmel ist wolkenlos, perfekter Beginn für den ersten Wandertag.

    Das bis in die Zehenspitzen vibrierende Gefühl von Freiheit und Lebendigkeit. Kaum etwas ist für mich so schön wie eine Wandertour zu beginnen, besonders bei diesem herrlichen Wetter. Nach einem kurzen Stück auf der Straße biege ich auf einen angelegten Weg ab, der am Gruinard River entlang führt. Der kalte Ostwind weht mir jetzt entgegen, aber in gleichem Maße wärmt die Sonne. Für den Anfang ist so ein guter Weg schon eine angenehme Sache, ich kann mich entspannt einlaufen, ohne zu viel auf die Füße achten zu müssen.

    Gruinard River by Borgman, auf Flickr

    Gruinard River by Borgman, auf Flickr

    Gruinard River by Borgman, auf Flickr

    Kurze Verschnaufpause nach zwei Stunden. Obwohl die Vegetation sich noch winterlich braun in braun zeigt, fühlt es sich schon ein bisschen wie Frühling an. Die Sonne wärmt im Windschatten. Nach einer weiteren Stunde erreiche ich Loch na Sealga und läute die Mittagspause ein. Erstaunlich, das Zelt im Packsack ist noch gefroren! Jetzt darf es auftauen und trocknen, denn ich brauche es sowieso als Schutz gegen den Wind, der kräftig über den See weht.

    Loch na Sealga by Borgman, auf Flickr

    Loch na Sealga by Borgman, auf Flickr

    Schön ist es hier! Die höheren Berge tragen alle noch Schneekronen und wirken damit sehr majestätisch. An Teallach zur linken, Beinn Dearg Bheag und Beinn Dearg Mor zur rechten. Am rechten, südwestlichen Seeufer entlang geht es jetzt pfadlos weiter. Das Gelände ist einfach, aber sehr nass. Hier bin ich froh über meine Lundhags, die sich auf dieser Tour zum ersten Mal bewähren müssen. Habe sie erst vor zwei Monaten angeschafft. An die 10-Meter-Höhenlinien der Landranger Map muss ich mich allerdings noch gewöhnen, der Hang ist tatsächlich viel flacher als ich nach dem Kartenbild geschätzt hätte. Na, besser so als umgekehrt.

    Loch na Sealga by Borgman, auf Flickr

    Loch na Sealga by Borgman, auf Flickr

    Immer wieder ziehen Wolken durch, aber es bleibt trocken, jedenfalls von oben. Auffällig sind hier die vielen frischen Brandstellen. Da war es im vergangenen Jahr offenbar sehr trocken hier. Nach zweieinhalb Stunden habe ich das Ostende des Sees erreicht und finde auf Anhieb einen passenden Platz für die Nacht. Der Wind ist immer noch kräftig und eiskalt. Kurz am Fluss waschen und Wasser holen ist noch drin, aber dann freue ich mich auch über den heißen Kaffee zum Aufwärmen. Letzte Sonnenstrahlen lassen die Wolken aufglühen, ich bin sehr zufrieden mit dem Tag.

    Loch na Sealga by Borgman, auf Flickr



    Fortsetzung folgt ...

  2. AW: [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #2


    Suchtfaktor: bei mir sehr hoch. Ich trage mich mit dem Gedanken, ein Stück des "Western Ross Trails" inkl. Variationen unter die Pfoten zu nehmen.

    Du bist ja an herrlichen Stränden vorbeigetapert. Bei Dauerregen ist das allerdings nix.

  3. AW: [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #3
    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung deines Berichts. Und ob wir oder die Welt wirklich einen weiteren Reisebericht über eine Wandertour im Westen der schottischen Highlands braucht? Na klar!!!!

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

  4. Erfahren
    Avatar von Glenfiddich
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    AW: [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #4
    Welch Frage: natürlich ist ein Reisebericht aus meinem Land der Sehnsucht immer willkommen. Letztes Jahr war ich selbst noch dort unterwegs und freue mich über jedes Bild aus der Ecke. Wenn ich mehr Talent zum schreiben hätte würde ich auch mehr Erlebnisberichte einstellen.

    Dein Start bei gutem Wetter war ja schonmal supi. Also, gerne viele Bilder, gerne schöne Texte, gerne weiter so! Verkürzt mir zudem die Wartezeit bis ich in gut einer Woche auch wieder zum Fiebersenken dort unterwegs sein werde.

  5. Erfahren

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    AW: [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #5
    Zitat Zitat von Borgman Beitrag anzeigen
    Reiseziel: Schottland, Highland Region

    Reisezeit: 28. März bis 07. April 2018


    Braucht die Welt wirklich einen weiteren Reisebericht über eine Wandertour im Westen der schottischen Highlands?
    Was is'n das für eine komische Frage? Eigentlich müsste man Dich dafür in die Ecke stellen. Ist mir aber lieber Du schreibst an der Fortsetzung.

  6. AW: [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #6
    Hm, ich verstehe den Sinn dieser Frage auch nicht.

    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

  7. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #7
    Danke an alle für Euer Interesse! An dem verregneten Vormittag habe ich auch schon ein bisschen weitergeschrieben.

    Zitat Zitat von Munzelchen Beitrag anzeigen
    Suchtfaktor: bei mir sehr hoch. Ich trage mich mit dem Gedanken, ein Stück des "Western Ross Trails" inkl. Variationen unter die Pfoten zu nehmen.
    Viel Spaß dabei! Wann soll es denn losgehen?

    Zitat Zitat von codenascher Beitrag anzeigen
    Ich freue mich schon auf die Fortsetzung deines Berichts.
    Ist mir ein Ansporn. Deinen Bericht von 2013 aus der Ecke habe ich zu Einstimmung auch noch mal gelesen.

    Zitat Zitat von Glenfiddich Beitrag anzeigen
    Wenn ich mehr Talent zum schreiben hätte würde ich auch mehr Erlebnisberichte einstellen.

    Dein Start bei gutem Wetter war ja schonmal supi. Also, gerne viele Bilder, gerne schöne Texte, gerne weiter so! Verkürzt mir zudem die Wartezeit bis ich in gut einer Woche auch wieder zum Fiebersenken dort unterwegs sein werde.
    Also, ich fand deinen Bericht sehr gut geschrieben (leider fehlen die Bilder), solltest du öfter machen. Bis in einer Woche werde ich wohl nicht fertig, wünsche Dir aber schon mal eine tolle Tour und gutes Wetter!

    Zitat Zitat von DasBushbaby Beitrag anzeigen
    Was is'n das für eine komische Frage? Eigentlich müsste man Dich dafür in die Ecke stellen. Ist mir aber lieber Du schreibst an der Fortsetzung.
    Ich hab mal gelernt, man darf jede Frage stellen, ohne sich dafür schämen zu müssen, also nix mit Ecke!

    Zitat Zitat von Borderli Beitrag anzeigen
    Hm, ich verstehe den Sinn dieser Frage auch nicht.
    War irgendwie klar, schließlich stammt grob geschätzt ein Viertel aller Schottland-Reiseberichte von dir...
    Einige davon hab ich über den Winter ebenfalls zur Vorbereitung gelesen und sehr genossen

  8. Gerne im Forum

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    AW: [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #8
    [QUOTE=Borgman;1665840]


    Braucht die Welt wirklich einen weiteren Reisebericht über eine Wandertour im Westen der schottischen Highlands? [QUOTE]

    Ran an die Tasten!

  9. AW: [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #9
    War irgendwie klar, schließlich stammt grob geschätzt ein Viertel aller Schottland-Reiseberichte von dir.
    Da fällt mir ein, dass ich seit Frühjahr 2015 keine Tour mehr unternommen habe, von der ich berichten könnte. Ich bin zwar derzeit wieder in Schottland, aber eher bequem mit Auto und festen Unterkünften. Die nächste Tour ist für Mai 2019 geplant - ich hoffe, dass bis dahin alle Gesundheits-Baustellen erledigt sind.

  10. AW: [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #10
    Von Schottland kann man nie genug bekommen.
    Ich warte geduldig auf die Fortsetzung.

  11. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #11
    Zitat Zitat von Fjellfex Beitrag anzeigen
    Ran an die Tasten!
    Hetz ... mich ... nicht! Muss noch eben die Bilder einfügen, dann geht's weiter.

    Zitat Zitat von Borderli Beitrag anzeigen
    Die nächste Tour ist für Mai 2019 geplant - ich hoffe, dass bis dahin alle Gesundheits-Baustellen erledigt sind.
    Da drücke ich Dir die Daumen!

    Zitat Zitat von littlefoot Beitrag anzeigen
    Von Schottland kann man nie genug bekommen.
    Okay, okay, ich habs verstanden...

  12. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #12
    30. März: Loch na Sealga - Loch an Nid

    Zum Glück ist das Zelt bombensicher abgespannt. Nach einer unruhigen, windigen Nacht mit wenig Schlaf ist es heute früh extrem gemütlich, mich noch ein Weilchen in den warmen Schlafsack zu kuscheln, während der Schneeregen auf das Außenzelt fällt. Nicht so trügerisch samtig wie Schnee, nicht so klopfend wie Regen, eher ein sattes, nasses Klatschen. In der Hoffnung auf Wetterbesserung frühstücke ich spät und warte danach noch eine Stunde. Als ich mich schon fast damit abgefunden habe im Regen aufzubrechen, wird es plötzlich heller. Auf das schottische Wetter ist eben Verlass!

    Loch na Sealga by Borgman, auf Flickr

    Zuerst muss ich den Fluss queren, der an der Mündung träge und tief aussieht. Schon ein paar Hundert Meter flussaufwärts geht es ganz einfach, dank der Lundhags sogar in Stiefeln. Quer durch die wassergesättigten Wiesen halte ich direkt Kurs zur Bothy Shenavall. Im Sommer muss es hier traumhaft schön sein, wenn das satte Grün mit den flechtenüberwachsenen Resten alter Steinmauern kontrastiert. Davon bekomme ich jetzt nur eine blasse Ahnung, aber die Jahreszeit hat auch ihre Vorteile: es gibt noch keine Mücken. Dafür jede Menge Rehe, die durch das weite Tal Strath na Sealga ziehen.

    Beinn Dearg Mor by Borgman, auf Flickr

    Strath na Sealga by Borgman, auf Flickr

    Strath na Sealga (Ausschnitt) by Borgman, auf Flickr
    Hier ein Ausschnitt, da sieht man die Rehe etwas besser. (Ich hatte absichtlich nur ein Weitwinkelobjektiv mit Festbrennweite dabei, aus Gewichtsgründen. Wollte auch mal testen, wie ich damit klarkomme.)

    Strath na Sealga by Borgman, auf Flickr
    Bothy Shenavall, gut getarnt

    Ab hier geht es auf angelegtem Weg talaufwärts, dabei wechseln sich sonnige Abschnitte mit kurzen (Schnee-)Nieselschauern ab. Mit Mütze und Handschuhen gegen den eiskalten Wind. Hinter Achneigie (einsturzgefährdet, Betreten verboten) findet sich ein guter Platz für die Mittagspause, ein heißer Kaffee ist jetzt sehr willkommen. Gestärkt und ausgeruht laufe ich den Weg weiter, bis ein Pfad nach Süden abzweigt. In den Wiesen am Fluss ist er undeutlich, später am Hang aber gut zu verfolgen. Spätwinterlich graubraun sieht es hier aus, dafür habe ich den Wind ausnahmsweise mal von hinten und werde von ihm angetrieben.

    Abhainn Loch an Nid by Borgman, auf Flickr

    Loch an Nid by Borgman, auf Flickr

    Am Loch an Nid sieht es dagegen sehr viel freundlicher aus, und gute Zeltmöglichkeiten gibt es noch dazu. Auch wenn es noch nicht spät ist, wäre ich ziemlich bescheuert, daran vorbeizulaufen. Anders als früher zähle ich heute keine Kilometer mehr, lasse mir lieber alle Zeit der Welt. Wichtig ist nur das Draußensein. Am Südufer ist schnell ein ebener und fast trockener Platz gefunden. Bald rauscht wieder mein geliebter Spirituskocher und verbreitet zaghaft ein bisschen Wärme im Zelt. Das Thermometer draußen meldet 0°C.


    31. März: Loch an Nid bis Heights of Kinlochewe

    Heute früh immer noch 0°C, Schneeregen und kräftiger Wind wie gestern. Während ich auf Besserung warte, sehe ich in einiger Entfernung einen Wanderer, der tougher ist als ich. Der erste Mensch hier, leider zu weit weg um sich zu unterhalten. Hätte gern gewusst, was er vorhat, er (oder sie) muss ja auch hier irgendwo übernachtet haben. Heute setzt sich die Sonne schon durch während ich frühstücke, also sofortiger Aufbruch.

    Loch an Nid by Borgman, auf Flickr

    Ein paar Hundert Meter bin ich schon fröhlich der Sonne entgegengelaufen, da sehe ich plötzlich ein halb abgenagtes Rehskelett auf dem Pfad liegen. Zumindest denke ich, es war mal ein Reh. Grausiger Anblick, aber auch das gehört natürlich zur Natur, genauso wie grüne Wiesen und Vogelgezwitscher.

    Loch an Nid by Borgman, auf Flickr

    Den Pfad lasse ich bald hinter mir, denn ich will über den Pass Bealach na Croise zum Lochan Fada. Das sollte nicht schwierig sein, denke ich und stapfe drauflos. Na, schwierig ist es in der Tat nicht, aber mühsamer als gedacht. Torfgräben, kleine Hügel, Steine und wassergefüllte Vertiefungen sorgen für mehr Abwechslung als mir lieb ist. Über den Pass und für ein kurzes Stück danach läuft es sich dann wieder angenehm flott über Wiesen und wenige kleine Schneefelder. Hier ein Blick zurück:

    Bealach na Croise by Borgman, auf Flickr

    Inzwischen hat sich der Himmel ganz zugezogen. Nur noch zwei Kilometer Krähenflug und ein flacher Bergausläufer trennen mich vom Lochan Fada, wo ich Pause machen möchte. Das Gelände wird hier wieder uneben, einige Gräben, in denen der Morast gedeiht, müssen durchquert oder umgangen werden. Schließlich öffnet sich der Blick zum prächtigen Slioch und kurz danach Lochan Fada an dessen Fuß. Etwas oberhalb vom Pfad finde ich in den nassen Hangwiesen einen kleinen Buckel, auf dem ich gegen den kalten Wind und gelegentliche Nieselschauer das Zelt für die Mittagspause aufstellen kann.

    Slioch und Lochan Fada by Borgman, auf Flickr

    Okay, soweit hat schon mal alles gut geklappt, aber auf welchem Weg soll ich jetzt weiter nach Kinlochewe gehen? Viele von Euch wissen natürlich, dass es einen landschaftlich schöneren zum Loch Maree und einen einfacheren über Heights of Kinlochewe gibt. Eilig habe ich es nun wirklich nicht, aber der Vormittagsspaziergang hat mich mehr angestrengt als erwartet. Wie so oft am dritten Wandertag macht sich der erste kleine Durchhänger bemerkbar. Keine Ahnung, wie schön die landschaftlich schönere Variante gewesen wäre, ich entscheide mich jedenfalls für Heights of Kinlochewe. Zur Abwechslung geht es mal richtig flott auf dem guten Wanderweg talabwärts, dabei begegnen mir sogar mehrmals Tageswanderer, die ich nach den Wetteraussichten befrage (es bleibt erst mal wechselhaft und kalt, bisschen Schnee morgen).

    Heights of Kinlochewe by Borgman, auf Flickr

    Es reicht, wenn ich morgen nach Kinlochewe komme, also passiere ich noch die wenigen Häuser und suche mir am nächsten größeren Bach einen Platz. Besonders schön ist es hier ja nicht, am Loch an Nid hatte ich jedenfalls eine nettere Aussicht. Zumindest gibt es hier wieder Mobilnetz, so kann ich mich mal bei meiner Frau melden.

  13. AW: [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #13
    Ha, bei Achneigie war ich letzte Woche erst, als ich die "Shenavall-Runde" von der A832 aus gelaufen bin. Schön ist es dort im Strath na Sealga, das ist richtig!

  14. Gerne im Forum

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    AW: [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #14
    Zitat Zitat von Borgman Beitrag anzeigen


    Okay, okay, ich habs verstanden...
    Na also.... geht doch!

  15. Erfahren
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    AW: [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #15
    01. April: Heights of Kinlochewe - Pass am Meall a' Ghiuthais

    In der Nacht habe ich anfangs etwas gefroren, später ging es ganz gut. Nur hat mich gewundert, dass in der Plastikflasche schon Eis war als ich mal rausmusste und einen Schluck trinken wollte. Am frühen Morgen ist das Innenzelt sauber mit Raureif beschichtet, das Thermometer zeigt -9°C. So kalt kam es mir dann doch nicht vor. Blauer Himmel, ein strahlender Morgen!

    Schon um 8:00 Uhr baue ich mit gefühllos gefrorenen Fingern mein raureifbedecktes Zelt auseinander und mache mich gut gelaunt auf den Weg nach Kinlochewe. Während ich in der Sonne auftaue, melden sich die Gedanken an die süßen Verlockungen der Zivilisation. Wäre doch nett, wenn ich mir dort irgendwas Leckeres kaufen könnte. Nicht, dass mit etwas fehlte, nur als kleines Extra. Heute ist allerdings Ostersonntag, wenn überhaupt, hat wohl nur die Tankstelle geöffnet. Um Neun erreiche ich das friedliche Dörfchen, entsorge meinen Müll an den geschlossenen Toiletten, laufe weiter zur Tankstelle. Und heute ist wirklich mein Glückstag, da herrscht schon reger Betrieb.

    An diesem Morgen zeigt sich wieder: man soll nicht vor dem Frühstück einkaufen! Süße Brötchen, Schokoladenkekse und Schokoriegel, das ist nun wirklich des Guten zu viel. Na, der Tag ist jedenfalls gerettet, egal was kommt. Mir fällt auf, dass ich überhaupt kein Foto in Kinlochewe gemacht habe, erst wieder, als ich schon aus dem Ort raus bin.

    Wald bei Kinlochewe by Borgman, auf Flickr

    Ab hier will ich nördlich der Bergmassive Beinn Eighe und Liathach nach Torridon laufen. Als ich den Pfad erreiche, überholt mich eine Gruppe hochmotivierter Tageswanderer. Eispickel baumeln von ihren Rucksäcken, sie haben wohl was größeres vor. Soll das Wetter also doch stabil bleiben? Ich bin gespannt, suche mir aber erst mal einen Platz für die Frühstückspause, Zelt und Schlafsack sollen auch trocknen. Nur wo? Hier gibt es ja kilometerweit nur Heidekraut und gefrorenen Matsch. Egal, ich will jetzt frühstücken. Sofort und viel!

    Weiter geht es am Vormittag sehr angenehm auf dem angelegten Pfad Richtung Pass. Selbst in meinem langsamen Bergauf-Trott gewinne ich zusehends an Höhe und freue mich an der Aussicht. Über den Pass am Meall a' Ghiuthais schieben allerdings schon dunkle Wolken.

    Meall a' Ghiuthais by Borgman, auf Flickr

    Kurze Zeit später beschließe ich, dass es langsam an der Zeit wäre, das Regenzeug herauszukramen und setze den Rucksack ab. Da beginnt es such schon kräftig zu schneien. Ich überlege einen Moment. Vielleicht einen Moment zu lange, denn schon meldet sich mein Schweinehund mit einer grandiosen Idee. Wenn ich hier eine verfrühte Mittagspause einlegte, müsste ich nicht gegen Wind und Schnee ankämpfen, sondern könnte am Nachmittag ganz entspannt über den Pass gehen. Das klingt irgendwie einleuchtend und wird in die Tat umgesetzt.

    Vergnügt betrachte ich das Schneetreiben aus dem Zelteingang. Manchmal ist fast gar nichts von der Landschaft zu sehen, dann heben sich die Wolken, und ich blicke durch einen Vorhang aus Schneeflocken auf die gegenüberliegenden Berge, die in der Sonne baden. Verrückt, es schneit und schneit, stundenlang, aber nur hier.

    Blick aus dem Zelt by Borgman, auf Flickr

    Als der Schnee gegen 17:00 Uhr aufhört, habe ich den Gedanke ans Weitergehen schon begraben. Da müsste ich ja den einzigen schneefreien Fleck der ganzen Gegend aufgeben, kommt gar nicht in Frage. Lieber mache ich noch einen Spaziergang. Bei der Temperatur um 0°C wird wohl nicht allzu viel liegen bleiben.

    Beinn Eighe by Borgman, auf Flickr



    02. April: Pass am Meall a' Ghiuthais - Abhainn Coire Mhic Nòbuil

    Hilfe, das Zelt ist undicht! Im Halbschlaf träume ich von einem windschiefen, zerrissenen Zelt, die Hälfte der Ausrüstung ist unbrauchbar oder zu Hause vergessen, der Rest nass. Aber der Wind rüttelt nur am Zelt und lässt dicke Kondenswassertropfen vom Innenzelt auf mein Gesicht und auch sonst überall hin platschen. Der weht wohl noch nicht lange, sonst wäre nicht so viel kondensiert, hat auch gedreht und trifft jetzt genau auf den Eingang. Nass, kalt und ungemütlich ist es, draußen -5°C.

    Da ich nun schon mal so unsanft geweckt wurde, kann ich genauso gut aufstehen und einen Kaffee kochen. So rechte Lust habe ich heute nicht, aber in der Regel wird die Motivation besser, wenn ich mal unterwegs bin. Packe also das gefrorene Zelt zusammen und bin wie gestern um 08:00 Uhr auf dem Pfad.

    Meall a' Ghiuthais by Borgman, auf Flickr

    Gelegentlich schafft es die Sonne sogar, ein paar Strahlen durch die Wolkendecke zu schicken, doch es bleibt grau und sehr windig. Bis zur Passhöhe kann ich immerhin noch dem Pfad folgen. Bei Eis und Schnee sehen die Berge des Beinn Eighe-Massivs sehr eindrucksvoll und abweisend aus. Habe aber keine rechte Ruhe zum Fotografieren, die Kälte treibt mich weiter.

    Beinn Eighe by Borgman, auf Flickr

    Beinn Eighe by Borgman, auf Flickr

    Beinn Eighe by Borgman, auf Flickr

    Danach geht es pfadlos durch Schnee und Heidekraut hinunter ins Tal, das wohl Toll a' Ghiuthais heißt. So ganz komme ich mit den gälischen Bezeichnungen noch nicht klar, also eigentlich überhaupt nicht. Ich wüsste schon gerne, was die Namen bedeuten und wie man sie ausspricht. Muss ich mich mal mit beschäftigen, wenn ich Zeit habe. Jedenfalls geht der erste Kilometer unter der Nordflanke des Ruadh-stac Beag noch ganz gut. Mühsam wird es erst, als ich dessen Nordwestausläufer zum Coire Ruadh-staca quere. Hügel hoch und runter, Felsbrocken, überwachsenes Geröll. Das ist wirklich anstrengend, zumal ich mich heute nicht so fit fühle. Die Nase läuft auch ununterbrochen, hoffentlich kein Schnupfen.

    Toll a' Ghiubhais by Borgman, auf Flickr

    Toll a' Ghiubhais by Borgman, auf Flickr

    Als ich den Bach aus dem Coire Ruadh-staca erreiche, bin ich reif für eine längere Pause. Der eisige Wind treibt Schneeflocken vor sich her. Wo ich stehe, baue ich auf dem unebenen Boden das Zelt auf und verkrieche mich noch vor dem Frühstück für eine Stunde im Schlafsack. Jetzt geht es besser, und nach dem leckeren Müsli werde ich langsam wieder unternehmungslustig. Meine Befürchtung, dass es jetzt für Kilometer so weitergeht mit dem unangenehmen Gelände, bewahrheitet sich nicht. Nach ein paar hundert Metern wird es besser. Weniger Geröll, mehr Heidekraut, dafür wieder mehr überfrorene nasse Stellen. Die Eisschicht bricht unter meinem Gewicht, da passe ich lieber gut auf.

    Coire Ruadh-staca by Borgman, auf Flickr

    Carn na Feòla by Borgman, auf Flickr

    Die schroffe Ostflanke des Carn na Feòla ist jetzt für eine gute Stunde mein Bezugspunkt, vor diesem Berg muss ich nach Süden abbiegen. Eigentlich hatte ich geplant, von hier zum Loch Coire Mhic Fhearchair hochzugehen, von dem es so viele eindrucksvolle Bilder gibt, aber der Abstecher muss ausfallen. Wichtiger ist mir, heute noch aus dem Schnee herauszukommen. Das Wetter ist eigentlich gar nicht so schlecht, der Wind hat etwas nachgelassen, und die Sicht ist hervorragend. Nur wirken alle Fotos vom Nachmittag wie Schwarzweißbilder. Hat auch seinen Reiz.

    Sàil Mhor by Borgman, auf Flickr

    Carn na Feòla by Borgman, auf Flickr

    Sobald ich Sàil Mhor umrundet habe, taucht im Süden das großartige Liathach-Massiv mit seinen spitzen Berggipfeln auf. Jetzt muss ich nur noch am Loch nan Cabar vorbei, dann geht es hinunter ins Tal. Mittlerweile bin ich auch gut im Tritt und fühle mich besser als vor der Pause.

    Liathach by Borgman, auf Flickr

    Schon am Loch Grobaig, nur wenig tiefer als die Hochebene, liegt kaum noch Schnee, da treffe ich auf den Pfad nach Torridon. Ein Stück könnte ich schon noch laufen, aber schon nach einem guten Kilometer talabwärts sehe ich den perfekten Platz in einer Bachbiegung des Abhainn Coire Mhic Nòbuil. Vollkommen ebene, moosbewachsene Kiesfläche, da will ich unbedingt zelten. Beeilung jetzt, der Wind hat wieder aufgefrischt und bringt neuen Schnee. Was für ein herrliches Gefühl, bei diesem ungemütlichen Wetter im trockenen Zelt zu sitzen, einen Kaffee zu schlürfen und alle Zeit der Welt zu haben!

  16. AW: [SCO] Ostern in Wester Ross - von Gruinard Bay nach Strathcarron

    #16
    Sehr stimmungsvolle Bilder! Gefallen mir sehr gut!

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