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    [AU] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #1
    Mitreisende: littlefoot
    Vor vielen Jahren habe ich schon mal eine Reisebeschreibung über den South Coast Track in Tasmaniens wildem Süden gelesen und beschlossen, da müssen wir mal hin, sobald wir genug Outdoor-Erfahrung gesammelt haben. Einige Jahre und viel Erfahrung später, führte unser Reiseziel nach Tasmanien und wir fühlten uns nun sicher und erfahren genug, um den South Coast Track anzugehen.

    Bevor es mit dem Reisebericht losgeht, möchten wir aber zuerst ein paar allgemeine Hinweise dazu geben, wenn jemand durch unseren Bericht inspiriert, ebenfalls den South Coast Track laufen möchte.

    Dieser Track ist körperlich und mental streckenweise sehr anstrengend, daher bitte nur in guter bis sehr guter körperlicher Verfassung laufen. Während unserer Zeit auf dem Track mussten zwei Personen mit dem Helikopter ausgeflogen/gerettet werden. Daher ist es sehr ratsam, einen Notfallsender dabei zu haben (kann man in Hobart bei Service Tasmania) leihen. Auch gibt es unterwegs keine Ausstiegsmöglichkeiten.

    Es gibt zwischendrin Matschpassagen, die wir uns so zuvor in unseren wildesten Träumen nicht vorstellen konnten. Es sind nicht nur einfach ein paar Matschpfützen, wir sprechen hier von stundenlangem durch den Matsch kämpfen. Die Matschlöcher sind teilweise Hüft- oder auch mal Schulter-tief, ohne Ausweichmöglichkeiten. Geröll und querliegende Bäume und Äste machen das Vorankommen zum Geduldsspiel. Unverzichtbar waren daher für uns Wanderstöcke und Gamaschen.
    Die Gamaschen sind außerdem ein guter Schutz gegen Blutegel, die man an nassen/regnerischen Tagen in Massen vom Unterholz abstreift. Angeblich sollen sie auch etwas gegen Schlangenbisse schützen, das kann ich aber nicht beurteilen und würde mich auch nicht darauf verlassen. Und wenn wir gerade bei Schlangen sind: in Tasmanien leben drei Schlangenarten, alle sind giftig. Es wird geraten, bei einem Schlangenbiss den Notfallsender auszulösen.

    Es gibt ein englischsprachiges Buch von John Chapman und eine Beschreibung im Rother Wanderführer „Tasmanien“ über den South Coast Track. In beiden Beschreibungen sind die Wegzeiten in unseren Augen viel zu kurz angegeben. Man kann gut und gerne meistens ein bis zwei Stunden reine Gehzeit pro Tag hinzu addieren. Ebenfalls stimmen die Angaben zu Süßwasservorkommen auch nicht immer. Daher immer die Trinkwasservorräte auffüllen, wenn es möglich ist.

    Wild campen ist zwar theoretisch möglich, aber praktisch recht schwierig. Der Urwald ist zu dicht, die Knopfgrassebenen zu naß, man findet kaum gute Zeltgelegenheiten außerhalb der angelegten campsites.

    Es empfiehlt sich die Karte „South West Coast“ mitzunehmen und sich anhand dieser selbst ein Bild zu machen. Die Karte kann vor Ort in fast jedem Outdoor-Laden oder bei Service Tasmania erworben werden.

    Nun geht es aber los (mein allererster Reisebericht hier, ich bin ein bisschen aufgeregt…)


    1. Tag: Melaleuca – Cox Bight

    Wir, das sind mein Mann und ich, planen, den Track in 7 Tagen zu laufen plus ein Ruhetag, den wir je nach Wetter, körperlicher Verfassung und/oder schöner Umgebung unterwegs nehmen wollen. In Tasmanien angekommen, haben wir ein Zeitfenster von zwei Wochen, um den Track zu laufen, den wir wollen auf hoffentlich gutes Wetter warten. Nach zwei Tagen tut sich ein Schön-Wetter-Fenster auf und wir buchen unsere Flüge nach Melaleuca. Den Rücktransport haben wir vom Endpunkt Cockle Creek ebenfalls organisiert. Um 9 Uhr morgens soll unser Flug starten, so dass wir in aller Ruhe die erste Etappe laufen können. Leider verhindert dies sinnflutartiger Regen, so dass wir erst um halb 3 in Hobart abheben, und eine Stunde später bei Nieselregen in Melaleuca landen. Par Avion fliegt drei Mal am Tag nach Melaleuca, diese drei Flüge wurden dann alle innerhalb einer Stunde durchgeführt. So sind wir etwas erschrocken, als wir etwa 20 Flugpassagiere im Wartebereich sehen. Wir hatten von Einsamkeit geträumt, so sieht das hier nicht aus…



    Der Flug ist etwas wackelig, es hält sich aber in Grenzen. In Melaleuca (spricht sich übrigens Melaluka mit Betonung auf dem u) werden wir von Freiwilligen der Rangerstation begrüßt: wir müssen unsere Schuhe desinfizieren, uns im Logbuch eintragen, dann können wir das vorbestellte Gas in Empfang nehmen und unsere Trinkflaschen auffüllen. Los geht’s!



    Mit uns machen sich gleichzeitig noch eine 8-Personen-Kombo und eine testosteron-geschwängerte 4-Mann-Kombo auf den Weg. Die 8-Personen-Gruppe biegt aber bald vom South Coast Track nach Westen auf den South West Cape Track ab. Die 4-Mann-Kombo beginnt hier schon mit ihrem Gruppen-internen Wettbewerb und sprintet los. Etwas amüsiert und kopfschüttelnd schauen wir ihnen hinterher und lassen sie ziehen. Die nach uns landenden Passagiere verbringen mangels Zeit alle die Nacht in Melaleuca und laufen erst am nächsten Tag los, wie sich später heraus stellt.



    So erreichen wir nach etwa 3 Stunden überwiegend leicht zu laufendem Terrain mit vielen Bohlenwegen über sehr matschige Wiesen den Strand und unseren ersten Zeltplatz an der Cox Bight. Hier treffen wir auf zwei Männer und eine Frau aus Brisbane, die den Track zusammen laufen. Die 4-Mann-Kombo ist scheinbar noch einen Zeltplatz weiter gelaufen bis zum Ende des Strandes. Jeder bleibt hier noch für sich selbst, das wird sich erst in den nächsten Tagen ändern. In dieser Nacht stelle ich fest, dass meine Isomatte langsam ihre Luft verliert. Einmal aufgeblasen ist sie nach ca 1,5 Stunden wieder leer. Super, geht ja gut los. Ein Loch findet sich nicht, wir verdächtigen das Ventil, können es aber nicht reparieren. Glücklicherweise wird es nachts nicht so kalt und mein Schlafsack ist eine Monster-Tüte. Und so wechseln wir uns in den nächsten Tagen mit der heilen und der kaputten Isomatte ab, so dass jeder Mal in den Genuss von harter Erde kommt…


    2. Tag: Cox Bight – Louisa River

    Nachts hat es entweder leicht geregnet oder die Gischt des Meeres ist über unseren Zeltplatz geweht, aber der Wind hat das Zelt gut getrocknet, so dass wir früh starten können. Heute soll die erste „kleinere Steigung“ kommen, die Red Point Hills. Ein Vorgeschmack auf die berüchtigte Ironbound Range, wie der Reiseführer es nennt, die an Tag 3 auf uns wartet.



    Zunächst geht es aber gemütlich am Strand entlang, bevor wir die Küste verlassen und über eine Knopfgrassebene auf unsere erste Steigung zulaufen. Hier werden wir von den drei Australiern überholt.



    Von weitem sehen wir nun eine besondere Eigenart des South Coast Track: Steigungen werden immer auf dem kürzest möglichen Weg überwunden: d.h. immer senkrecht den Berg hinauf oder hinunter. Von Serpentinen o. ä. hat hier scheinbar noch keiner was gehört. Und so türmt sich vor uns eine 200 m hohe Steigung auf: der Weg führt geradewegs nach oben. Die müssen verrückt sein, die Tassies. Die drei Australier erklimmen den Berg, als wäre es nichts. Und so bekommen sie von uns den Spitznamen „die drei Gämsen“ verliehen. Aber auch wir überwinden die Steigung ganz gut, was uns Hoffnung für den nächsten Tag gibt. Danach passiert nicht mehr viel Nennenswertes. Es geht auf der anderen Seite flacher wieder hinab in eine endlose Knopfgrassebene. Dazwischen müssen wir noch zwei Flüsse furten. Zur Sicherung sind hier Seile über die Flüsse gespannt. Der Wasserstand geht nur bis ca. 10 cm unterhalb der Knie. Die Strömung ist nicht sehr stark, also stellt das Furten kein Problem dar.



    Nach einer der Furten legen wir eine kurze Mittagspause ein und kochen uns Nudeln mit Pilzen. An dieser Stelle treffen wir noch einen Mitwanderer, der einen Tag vor uns los gelaufen ist und den South Coast Track nun schon zum dritten Mal läuft. Ein bisschen wundern wir uns schon, seine körperliche Konstitution scheint augenscheinlich nicht die Beste.



    Schließlich nähern wir uns dem Lager am Louisa River am Fuße der Ironbound Range und sehen mit Schrecken, dass auch hier der Weg für den nächsten Tag wieder senkrecht den Berg hinauf führt. Das kann ja heiter werden. Die 4-Mann-Kombo und die drei Gämsen sind schon vor uns da. Die 4-Mann-Kombo erzählt lautstark Jägerlatein, wir verziehen uns in eine hintere Ecke des Zeltplatzes, um eine ruhige Nacht zu haben und morgen früh aufstehen zu können. Zum Abendessen gibt es Pfannkuchen mit Nutella: Energie für morgen.

    Geändert von littlefoot (05.04.2018 um 15:08 Uhr)

  2. Gerne im Forum

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    AW: [AUS] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #2
    3. Tag: Louisa River - Little Deadman's Bay

    Lt. allen Wegbeschreibungen liegt heute der härteste Abschnitt vor uns. 920 Höhenmeter hinauf und 940 Höhenmeter wieder hinab. Also stehen wir vor Sonnenaufgang auf und laufen bei Sonnenaufgang als erste los. Keine Wolke ist am Himmel, der Tag verspricht strahlenden Sonnenschein. Da erweist sich das frühe Aufstehen als Glücksfall, da wir so das erste Drittel des Aufstieges noch im Schatten absolvieren können. Wir sind die ersten, die sich auf den Weg machen. Der Aufstieg entpuppt sich als lang, steil und schweißtreibend. Wer hat auch diesen Weg einfach senkrecht den Berg hinauf angelegt? Drei etwas längere Verschnaufpausen gönnen wir uns im steilsten Stück.



    Danach wird es etwas flacher, bevor es dann noch einmal relativ steil das letzte Stück zur Passhöhe hinauf geht. Um kurz vor 12 erreichen wir die Passhöhe. Oben angekommen pfeift uns der Wind um die Ohren, aber die Aussicht ist atemberaubend schön.


    Blick Richtung Western Arthur Range


    Blicks nach Osten die Küste entlang

    In diesem Moment kann ich sie aber leider noch nicht genießen, da meine Beine dringend nach einer Pause verlangen. Wir suchen uns ein halbwegs windgeschütztes Plätzchen, da es hier oben ziemlich pfeift und ziehen zusätzlich noch die winddichten Regenjacken an. Das tut gut, denn sobald ich sitze, fangen meine Beine an zu zittern. Ob es die Anstrengung des kräftezehrenden Aufstiegs war oder die Kälte durch den Wind? Ich glaube beides. Unser Mittagssnack besteht daher aus allem, was schnell Energie liefert: Nüsse, getrocknete Mango, Beef Jerky, Schokolade und Müsliriegel. Während der Pause kommen wir mit den drei australischen Gämsen ins Gespräch, die uns unterwegs überholt und kurz vor uns die Passhöhe erreicht hatten. Sie heißen übrigens K (weiblich)A und B (beide männlich) und sind alte Schul- bzw. Studienfreunde. (Da ich nicht sicher bin, ob sie ihre Namen hier erwähnt haben möchten, habe ich einfach nur die Anfangsbuchstaben genommen.) Sie laufen etwa eine viertel Stunde vor uns wieder los, während ich noch darauf warte, dass meine Beine aufhören zu zittern. Schließlich machen auch wir uns auf den Weg, denn von nun an geht es ja nur noch bergab. Das wird ein Kinderspiel, denken wir… Was soll schon sein, außer dass die Knie jammern werden, denken wir…

    Anfänglich geht es auf gut ausgebauten Wegen langsam bergab. Wir finden noch eine Stelle, um unsere Wasservorräte aufzufüllen. Eine gute Entscheidung, wie sich noch herausstellen sollte. Gemächlich geht es bergab, bis das Gestrüpp um uns herum immer mehr zum Urwald wird und uns schließlich komplett verschluckt: Willkommen in der grünen Hölle! Von nun an geht es nur noch über Stock und Stein: Felsen, umgestürzte Bäume, abgebrochene Äste, riesige und hüfttiefe Schlammlöcher wechseln sich permanent ab. Wir klettern über und unter den Ästen oder Bäumen hindurch, hangeln uns über Schlammlöcher hinweg und klettern über Felsen hinab. Der Weg ist nichts anderes, als eine schmale in den Urwald geschlagene Schneise. Was am Anfang noch Spaß macht und ein bisschen Abenteuerlust weckt, mutiert schnell zu einem nervenaufreibenden Kraftakt.


    Hier sah der Weg fast noch gut aus.

    Es gibt kein ebenes kurzes Wegstück, auf dem man entspannen könnte und selten sieht man weiter als die nächsten 5 Meter. Nach etwa einer Stunde, frage ich mich, welcher Vollidiot diesen Weg angelegt hat, nach zwei Stunden hege ich Mordgedanken und nach drei Stunden will ich mich nur noch wie ein Kleinkind schreiend und heulend auf den Boden werfen. Danach setzt stumpfe Gleichgültigkeit ein. Als wenn das alles nicht genug wäre, entdeckt mein Mann, dass sich an meinen Trekkingstiefeln die Sohlen ablösen. Ich schaue meine Schuhe an und verleugne die offensichtliche Tatsache einfach: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Und außerdem nicht ausgerechnet hier! Aber die Realität holt mich ein, wir müssen die Sohlen notdürftig am Schuh festbinden. So stapfen wir schließlich vor uns hin, wechseln kaum ein Wort. Fotos gibt es vom Abstieg daher auch fast keine.

    Nach etwas mehr als endlosen fünf Stunden erreichen wir schließlich gegen halb sechs das Camp an der Little Deadman’s Bay. Als wir das Lager betreten brandet plötzlich Jubel auf und wir werden mit Beifall und Jubel von einer Gruppe, die schon am Zeltplatz ist, empfangen: „You made it!“, „Congratulations, we know, what you’ve been through!“ usw. Es handelt sich um eine geführte Gruppe, die am Vortag über die Ironbound kam und hier einen Ruhetag eingelegt hat. Dieser Empfang entschädigt uns etwas für die Torturen des Tages.

    K, A und B sind etwa eine halbe Stunde vor uns angekommen und haben sich schon häuslich eingerichtet. Schnell Zelt aufbauen, Essen kochen und dann nur noch hinlegen! Wir überlegen, ob wir hier morgen unseren Ruhetag einlegen sollen, verschieben die Entscheidung aber auf morgen. A trifft den Nagel auf den Kopf, als er über den Abstieg sagt: „It tells you a lot, if the way down takes a lot longer than the way up.“

    Das Fazit des Tages kommt übrigens von K: „You can tell how much fun we had by the lack of photos.“

    Nicht alle schaffen es an diesem Tag über die Ironbound bis ins Camp: Die letzten kommen um 11 Uhr nachts im Camp an, und einer übernachtet im Wald und kommt erst am nächsten Vormittag an.


    4. Tag: Little Deadman's Bay - New River Lagoon

    Erstmal ein ausgiebiges Frühstück und danach noch ein bisschen Körperpflege. Unsere drei Australier und die geführte Gruppe sind schon aufgebrochen. Der Rest inkl. der Vier-Mann-Kombo beschließt, hier einen Ruhetag einzulegen. Wir sollten sie nicht wiedersehen.


    Little Deadman's Bay

    Nach kurzer Beratschlagung beschließen wir, gegen Mittag doch aufzubrechen, da heute ein kürzeres Wegstück auf uns wartet und wir uns ausgeruht genug fühlen. Außerdem sollen noch weitere anstrengende Wegpassagen kommen, so dass wir den Ruhetag vielleicht noch gut gebrauchen können. Das sollte sich als die beste Entscheidung des ganzen Tracks entpuppen. So flicken wir meine Schuhe notdürftig, am Abend wollen wir sie richtig reparieren.



    Der Weg führt anfänglich über Stege durch eine sumpfige Knopfgraswiese, dann wechseln sich Wald und wunderschöner Sandstrand ab. Kein Regen in Sicht. Perfekte Bedingungen.



    Wir laufen gerade durch einen schönen Eukalyptuswald, die Sonne scheint hier und da durch die Baumkronen, als mein Mann vor mir, plötzlich abrupt stehen bleibt und zur Salzsäule erstarrt. „Schlange!“ presst er hervor. Vorsichtig schaue ich an ihm vorbei. Heilige Sch…! Tatsache, etwa 7 Meter vor uns nimmt eine Schlange mitten auf dem Weg ein Sonnenbad, eine große Schlange! Sie hebt kurz den Kopf und legt sich wieder hin.



    Okay, was nun? Zunächst einmal machen wir ein Beweisfoto, dann erinnere ich mich an den Tipp, dass man fest aufstampfen soll, also stampfen wir fest auf der Stelle herum. Die Schlange nimmt keine Notiz von uns. Umgehen ist an dieser Stelle auch schlecht, da müssten wir mitten durchs Dickicht. Zusätzlich schlagen wir jetzt mit unseren Wanderstöcken gegen Äste und Bäume. Nach einer gefühlten Ewigkeit (was wahrscheinlich höchstens eine Minute war) schießt die Schlange plötzlich ins Unterholz. Wir warten vorsichtshalber noch etwas und laufen dann zügig an der Stelle vorbei, an der die Schlange im Unterholz verschwunden ist. Puh, es dauert etwas, bis das Adrenalin in unserem Blut wieder abgebaut ist. Schnell sind wir uns einig, dass unsere Gore-Tex-Gamaschen gegen solch eine Schlange sicherlich kein geeigneter Beißschutz darstellt. Also in Zukunft noch genauer auf den Boden vor uns achten.



    Schließlich erreichen wir den vier Kilometer langen Prion Beach. Zu Beginn des Strandes fließt ein Bach ins Meer, hier holen wir uns nochmals Wasser. Wir genießen den ebenen Strandspaziergang und beschließen, am Ende des Strandes unser Abendessen zu kochen, bevor wir mit den Booten über die New River Lagoon übersetzen. Der Campplatz ist von dieser Seite aus nicht zu sehen, aber das Boot auf der anderen Seite ist gut erkennbar. Nach einem ausgiebigen Mahl, bei dem wir unsere letzten Wasservorräte aufgebraucht haben, beginnen wir mit dem Übersetzen.



    Die Boote sehen zwar leicht aus, sind aber ziemlich schwer zu bewegen, wir müssen sie einige Meter (es ist gerade Ebbe) über den Sand schieben und zerren. Für uns beide ist das ziemlich anstrengend. Alleine hätte ich keines der Boote ins Wasser bekommen. So beginnen wir schließlich zu rudern. Es ist fast windstill, so dass die Überfahrt nicht schwierig werden sollte. Anfangs rudern wir gemeinsam, was sich aber aufgrund unserer unterschiedlichen Kräfteverhältnisse schnell als unmöglich herausstellt und so übernimmt mein Mann das rudern und ich die Navigation. Auf der anderen Seite laden wir die Rucksäcke ab, zerren das zweite Boot ins Wasser, binden es an das erste Boot und so geht es mit dem zweiten Boot im Schlepptau wieder zurück um das erste Boot für den nächsten Wanderer wieder ans andere Ufer zu bringen. Schließlich geht es mit dem zweiten Boot zurück in Richtung Campplatz. Wir wundern uns, dass wir nichts vom Zeltplatz hören, eigentlich sollte die geführte Gruppe und die drei Australier schon da sein, aber das Camp ist verlassen. Nun gut, dann sind wir eben alleine hier. Es ist sowieso zu spät, um noch weiterzulaufen und wir müssen noch meine Schuhe reparieren. Wir beschließen, nicht am Camp zu zelten, sondern ein Stück die Lagune hinauf: ein wunderschönes Plätzchen am Rand der Lagune mit Papageien, Kakadus, schwarzen Schwänen und Wallabies oder Pademelons direkt vor der Zelttür.





    Nachdem das Zelt steht, wollen wir Wasser holen. Laut Wegbeschreibung soll es nicht weit Lagunen-aufwärts Wasser geben. Das Lagunenwasser selbst ist brackig uns salzig, das können wir nicht verwenden. Aber wir finden kein Frischwasser. Auch Lagunen-abwärts finden wir nichts. Jetzt wissen wir auch, warum sonst keiner hier übernachtet. So stehen wir vor einem Dilemma: laufen wir doch weiter und kommen womöglich in die Dunkelheit bis zum nächsten Camp (ca. 4 km entfernt) oder bleiben wir hier, reparieren meine Schuhe und laufen morgen gleich früh los. Wir entscheiden uns für Letzteres.
    Mein Mann säubert meine Schuhe gründlichst, verbraucht die komplette Tube Sohlenkleber, und verschnürt das Ganze wie ein Postpaket, damit die Sohlen über Nacht gut ankleben.



    Wir gehen früh ins Bett, während wir draußen die Wallabies oder Pademelons (wir können sie nicht unterscheiden, K nannte sie einfach „something hopping“) umher hüpfen hören. Dann höre ich, wie es leicht beginnt zu regnen. Schnell stelle ich unsere Töpfe vors Zelt in der Hoffnung, etwas Wasser auffangen zu können. Durstig einzuschlafen ist ein unangenehmes Gefühl.

  3. Fuchs
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    AW: [AUS] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #3
    Oh, super spannend. Bitte schnell weiterschreiben
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  4. Optimist Lebt im Forum
    Avatar von boehm22
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    AW: [AUS] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #4
    Toller Reisebericht - ich will mehr.
    Viele Grüße
    Rosi

    ---
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  5. Gerne im Forum

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    AW: [AUS] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #5
    Danke für's positive Feedback! Freut mich, dass es gefällt. Dann mache ich mal weiter:

    5. Tag: New River Lagoon - Granite Beach

    Leider war der Regen nicht ergiebig und so haben sich kaum mehr als zwei Schluck Wasser in den Töpfen gesammelt. Wir brechen früh auf, um möglichst schnell Frischwasser zu finden. Mittlerweile sind wir über 14 Stunden ohne Frischwasser. Meine Schuhe sehen gut aus. die Sohlen sitzen wieder fest. Zunächst geht es wieder durch Wald, nach etwa einer Stunde erreichen wir einen Fluß, das Wasser darin ist aber ebenfalls salzig, wahrscheinlich hat die Flut Seewasser herein gedrückt. Wir laufen weiter. Irgendwann halte ich es nicht mehr aus und sehe einen Busch, bei dem die Blattränder der Blätter leicht nach oben gebogen sind, so dass sich darin das Regenwasser gesammelt hat. Wir schlürfen das Wasser von den Blättern und können gar nicht glauben, dass wir so etwas wirklich machen und wie gut das tut.


    Wir nennen ihn den Berg von King Kong.

    Weiter geht es durch eine matschige Knopfgrassebene, leider sind wir innerhalb von 10 Metern einmal von oben bis unten nass, da die Büsche so weit in den Weg hinein ragen, dass der komplette Tau an unserer Kleidung klebt. Na toll, kein Trinkwasser aber patschnass…

    Schließlich erreichen wir das Camp am Osmiridium Beach. Hier soll es Trinkwasser geben. Und tatsächlich, es ist zwar auch etwas „abgestanden“ aber trinkbar. Vorsichtshalber kochen wir es ab und nehmen hier schließlich endlich unser Frühstück zu uns. Jeder von uns trinkt auf einmal über einen Liter Wasser weg. Wir waren 17 Stunden ohne Trinkwasser. Von nun an füllen wir bei jeder Gelegenheit unser Trinkwasser auf. Wir ziehen außerdem noch unsere tratsch nassen Sachen aus und die Regenhosen und neue Oberteile an. Gestärkt machen wir uns auf den Weg.
    Es geht recht angenehm durch Wald und an Stränden entlang. In diesem Waldabschnitt können wir wahre Baumriesen bewundern. Wenn diese Bäume nur aus ihrer langen Geschichte erzählen könnten, das wäre sicherlich spannend.



    Hier lesen wir auch die ersten Blutegel auf, die durch das feuchte Wetter in Scharen an die frische Luft kommen. Ekelhafte Viecher. Glücklicherweise werden wir nicht gebissen.
    An einem Strand findet sich so etwas wie eine große Höhle. Hier nehmen wir geschützt vor einem kurzen Regenschauer unser Mittagessen ein. Am Ende des Strandes müssen wir nochmals einen kleinen Fluss furten, was nicht weiter schwierig ist.



    Und dann geht es wieder in den Wald und wieder einmal senkrecht den Berg hinauf. Typisch Tassie-Style!


    Kurze Verschnaufspause zum Luft holen...

    Endlich oben angekommen, geht es etwas sanfter langsam wieder den Berg hinab. Wir müssen nur noch bis zum Strand, dort am Ende ist das nächste Camp am Granite Beach. Wir hören entferntes Donnergrollen, das muss die Brandung des Meeres sein. Wir müssen also bald da sein. Leider falsch gedacht. Mit einem heftigen Donnerschlag öffnen sich die Schleusentore. Wir schaffen es gerade noch, die Regenjacken überzuziehen, bevor ein sinnflutartiger Regen hernieder geht. Wir bleiben wirklich von nichts verschont. Und so stapfen wir weiter durch den Wald bergab. Was sollen wir auch anderes tun! Schließlich erreichen wir den Strand und stellen fest, dass wir die letzten Höhenmeter mit einer Strickleiter mit Holztrittleisten zurücklegen müssen, ziemlich nassen und rutschigen Holztritten. Wir überlegen, ob wir noch etwas warten, bevor wir uns bei Gewitter ins offene Gelände wagen. Hinter uns wird es aber schon langsam wieder heller und so klettern wir vorsichtig die Strickleiter hinab. Glücklicherweise rutscht niemand von uns aus. Ich beglückwünsche meinen Mann, denn meine Schuhsohlen halten immer noch. Wir laufen/stolpern über große Kieselsteine am Strand entlang zur Wegmarkierung am anderen Ende. Dabei stelle ich fest, dass ich einen Wassereinbruch im rechten Schuh und am Rücken am Überganz zur Regenhose habe. Scheinbar ist meine Regenjacke unter dem Rucksack hoch gerutscht und jetzt läuft mir die ganze Soße (der Regen ist immer noch sehr stark) hinten in die Hose. Aber so kurz vor dem Ziel, ist es mir jetzt auch egal. Wir nähern uns den Wegmarkierungen und erkennen schließlich den beschriebenen Wasserfall, an dem man über Felsen nach oben wieder auf den Weg kommt. Dahinter soll das Camp sein. Leider ist der Felsen durch den Regen sehr nass und glitschig. Und der Weg entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als kleine Kletterpartie. Guter Rat ist teuer. Wir kraxeln daher nur die ersten zwei Meter hinauf, die uns unter den gegebenen Umständen machbar erscheinen und schlagen uns dann nach links ins Gebüsch, um dann einen Rechtsbogen zu machen und so schließlich den restlichen Felsen umgehen zu können. Schließlich erreichen wir den Weg Richtung Camp. Es regnet immer noch in Strömen.

    Wo ist nur dieses Camp? Nach einigen weiteren Metern stehen wir urplötzlich mittendrin und werden freudestrahlend und lautstark von K, A und B begrüßt, die unter ihrem mitgebrachten Tarp den Regen aussitzen, das sie über einer Sitzgelegenheit aus Baumstämmen aufgespannt haben. Sie machen uns netterweise Platz, so dass wir etwas Schutz vor dem Regen finden. Aufgeregt tauschen wir unsere Erlebnisse der letzten zwei Tage aus. Es fühlt sich an, als hätte man gute alte Freunde wieder getroffen.

    Als schließlich der Regen aufhört, suchen wir uns einen Platz für unser Zelt, denn ich bin mittlerweile durch die Wassereinbrüche durchgefroren und muss mich dringend im Schlafsack im Trockenen aufwärmen. Wir finden noch ein Plätzchen, das zwar abschüssig ist, aber ansonsten wenigstens nicht nass. Auch unsere drei australischen Freunde müssen mit ihrem Zelt noch mal umziehen, da sich unter ihrem Zelt mittlerweile eine stattliche Pfütze gebildet hat. Die besten Plätze oben am Hang sind leider alle schon von der geführten Truppe belegt. Diese Truppe besteht übrigens nur noch aus zwei Touristen und drei Guides. Ein Tourist musste schon mit dem Helikopter ausgeflogen werden, da er gestürzt war und sich am Knie verletzt hatte.

    Endlich kann ich mich ins Zelt legen. Leider hatte ich bei dem heftigen Regen auch einen Wassereinbruch im Rucksack und so ist der Fußbereich meines Schlafsacks auch nass. Heldenhaft gibt mir mein Mann seinen im Fußbereich nur klammen Schlafsack und übernimmt meine Schlaftüte. Dafür bin ich ihm noch immer dankbar. Nachdem wir uns endlich aufgewärmt haben, setzen wir uns mit K, A und B zum Abendessen zusammen. Wir kommen ins Erzählen und fangen an, uns gegenseitig unsere Wander-Geschichten und Erlebnisse zu erzählen. K, A und As Bruder sind zusammen auch schon die Runde um die Western Arthur Range gelaufen/geklettert. Ich ziehe meinen Hut! Jetzt wissen wir auch, warum sie so fit am Berg sind. Um zehn Uhr schließlich beschließen wir endlich ins Bett zu gehen. Morgen soll ein ähnlich schwerer Tag wie über die Ironbound Range vor uns liegen. Es geht über die South Cape Range. Nicht ganz so hoch wie die Ironbound, aber insgesamt auch über 700 Höhenmeter.

    Wir haben die Guides der geführten Gruppe über den morgigen Tag befragt: Zunächst mal wieder steil auf geradem Wege den Berg hoch (ca. 400 Höhenmeter), dann über eine Ebene, die Rocky Plains, dann wieder in den Wald und ab da nur noch Matsch, „unavoidable mud“ (Zitat eines Guides). Danach geht es über eine Wiese mit Bohlenwegen und dann wird es besser. Die Guides wollen mir Ihrer Gruppe schon vor Sonnenaufgang loslaufen, damit sie den morgigen Abschnitt schaffen.
    Nicht gerade ermutigt gehen wir ins Bett.

  6. Gerne im Forum

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    AW: [AUS] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #6
    6. Tag: Granite Beach - Soutch Cape Rivulet

    In der Nacht hat es immer wieder geregnet, so dass wir am nächsten Morgen ein noch nasses Zelt abbauen müssen. Das Wetter ist ungemütlich, aber wenigstens regnet es nicht mehr. Die geführte Gruppe startet doch erst um 8 Uhr. Vor Sonnenaufgang hat nicht ganz geklappt. Wir starten gegen neun Uhr. Kurz nach uns K, A und B, die uns aber (wie immer) am Berg schon überholen. Unsere Beine haben wir heute mit Repellent eingecremt. Wir erwarten viele Blutegel.

    Wie angekündigt geht es zu Beginn wieder steil den Berg hinauf. Und es fühlt sich immer noch genauso schlimm an, wie am Anfang. Als es endlich flacher wird und wir die erwähnte Ebene betreten, stehen wir mitten in den Wolken. Dazu pfeift ein eisiger Wind. Endzeitstimmung macht sich breit. Und dann beginnt er: der Matsch, unausweichlich und in riesigen Mengen. Hangelnd, hüpfend, balancierend kommen wir nur langsam voran. Aber immerhin schaffen wir es, nicht mehr als Gamaschen-tief in den Matsch einzutauchen und so bleiben wenigstens die Füße trocken.

    Man möge es uns nachsehen, dass wir hier keine Fotos gemacht haben, aber wir hatten einfach keine Lust, die Kamera aus dem Rucksack zu holen und sie vielleicht noch in einem Matschloch zu versenken.

    Was wirklich nervt sind die vielen Blutegel, die wir unterwegs auflesen. In regelmäßigen Abständen kontrollieren wir uns gegenseitig unsere Beine, später auch die Arme und den Körper und zupfen uns die Egel herunter. Glücklicherweise wird keiner gebissen. An einem Fluss treffen wir dann K, A und B, die hier gerade Mittagspause einlegen. K wurde leider von einem Blutegel am Hals gebissen. Es ist eine unschöne dicke rote Schwellung entstanden. Ob wir mit Desinfektionsmittel und Pflaster aushelfen können, fragen wir, aber die Drei sind glücklicherweise bestens versorgt. Sie laufen weiter, während wir nun unsererseits unsere Mittagspause einlegen und (ganz wichtig!) unserer Wasservorräte auffüllen. Schließlich schultern wir wieder unsere Rucksäcke und kämpfen uns weiter voran. Irgendwann kurz darauf bricht schließlich der Wanderstock meines Mannes, als er beim Abstützen wegrutscht. Der Track fordert seine Material-Opfer.

    Nach einiger Zeit, mein Zeitgefühl ist leider abhandengekommen, treffen wir auf die geführte Gruppe, die eine Snackpause mitten auf dem Weg einlegt, so dass man kaum an Ihnen vorbei kommt. Den Grund dafür sehen wir wenige Meter später: ein großer Baum ist umgefallen, hat andere Bäume mit sich gerissen und blockiert den Weg. Zu allem Überfluss ist dies auch noch an einem Steilhang geschehen, so dass der dicke Baumstamm eine schöne Rutsche ins Nirgendwo ergibt. Oh je, wie soll ich eher kleine Person da hinüber kommen. Wir beratschlagen kurz und entschließen uns dann, dass mein Mann zuerst ohne Rucksack hinüber klettert, ich ihm unsere Rucksäcke hinüber reiche und schließlich mit seiner Hilfe folge. Soweit die Theorie. Mein Mann schwingt sich bäuchlings auf den Baumstamm, der durch den Regen extrem glitschig ist und klammert sich dabei an kleinsten Erhebungen fest. Langsam lässt er sich auf der anderen Seite wieder hinab gleiten. Ich hebe die Rucksäcke hinüber, nun bin ich dran. Ein mulmiges Gefühl beschleicht mich, als ich den Baumstamm hinab schaue. Der Baumstamm scheint unendlich lang zu sein und ich bin zu klein, um einfach mein Bein hinüber zu schwingen. Also klettere ich erst über diverse Äste, bei denen ich mir nicht sicher bin, ob sie halten, bis ich endlich hoch genug bin, um mich vorsichtig auf den Baumstamm zu setzen. Krampfhaft halte ich mich an der helfenden Hand meines Mannes fest und schwinge ein Bein hinüber. Verdammt, dass Ding ist wirklich extrem glitschig, ich finde kaum Halt. Schnell lasse ich mich mit der Hilfe meines Mannes an der anderen Seite des Baumstammes hinunter gleiten. Geschafft! Jetzt sieht meine Hose zwar aus, als hätte ich Durchfall gehabt, aber Hauptsache, gesund und munter auf der anderen Seite angekommen und keine Talfahrt ins Nirgendwo.
    Langsam reicht es mir, ich möchte endlich aus dieser Matschhölle raus. Mein Wunsch wird bald darauf erfüllt und wir erreichen endlich die Knopfgrassebene, mit komfortablen Holzbohlenwegen! Wir trauen unseren Augen kaum! Zudem reißt der Himmel auf und die Sonne kommt hervor.



    Es eröffnet sich ein wunderschöner Blick über grüne Hügel bis hin zum türkisfarbenen Meer. Dieser Track weiß wirklich mit seinen Extremen zu überraschen! Ein einsamer junger Wanderer kommt uns entgegen. Der Arme hat heute noch einen langen matschigen Weg vor sich. Schließlich laufen wir durch lichten Eukalyptuswald immer wieder hoch und runter, die Geräusche der Meeresbrandung immer in der Nähe, bis uns der Urwald an einem wunderschönen Sandstrand am South Cape Rivulet regelrecht ausspuckt.



    Kurz saugen wir die Atmosphäre in uns auf, aber wir müssen noch über den Fluss direkt zu unseren Füßen. K hat uns von der anderen Seite aus schon entdeckt und gibt uns ein Zeichen, am besten in der Mündungsnähe direkt am Meer zu furten. Die Strömung des Flusses ist durch den Starkregen am Tag zuvor ziemlich stark und so erweist sich die Querung an der Mündung als die beste Möglichkeit. Trotz allem muss ich mich gegen die Strömung stemmen, das Wasser reicht mir bis kurz unter die Knie und ich komme nur in kleinen Schritten voran. Es klappt aber doch besser als gedacht und so erreichen wir kurz darauf den schönsten Zeltplatz des ganzen Tracks bei strahlendem Sonnenschein.
    Meine Schuhsohlen haben sich in dem ganzen Matsch wieder abgelöst, aber angeblich kann man die letzte Etappe notfalls auch in Tevas laufen, also schnüren wir die Sohlen nur wieder an den Schuhen fest. Das muss jetzt halten.
    K, A, und B zeigen uns einen schönen Platz am Rand des Camps direkt neben ihrem Zelt. Gerne nehmen wir den angebotenen Platz an. Es ist paradiesisch schön hier: goldgelber Strand, türkisblaues Wasser, dunkelgrüner Urwald und direkt vor der Zelttüre eine kleine Lagune. Zunächst trocknen wir alle unsere Sachen, bevor wir uns häuslich einrichten. Die Entscheidung ist gefallen: wir alle machen hier am nächsten Tag unseren Ruhetag.


    Alles ausräumen und trocknen.

    Zum Abendessen laden wir K, A und B auf Pfannkuchen ein, verquatschen schließlich den Abend und beobachten die wenig scheuen Wallabies/Pademelons, eines sogar mit Baby im Beutel, bevor wir irgendwann ziemlich müde in die Schlafsäcke gehen.

  7. Gerne im Forum

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    AW: [AUS] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #7
    7. Tag: South Cape Rivulet

    Heute lassen wir es gaaaaanz langsam angehen. Die geführte Gruppe verlässt früh das Camp um heute den South Coast Track zu beenden und somit haben wir 5 den ganzen Strand für uns alleine. Als ich aufwache, ist die Sonne gerade über den Horizont gewandert und so schnappe ich mir die Kamera und genieße die Ruhe und Einsamkeit an diesem Stückchen vom Paradies.


    Früh morgens und Abends sieht man sie häufig: "something hopping"

    Langsam kriechen auch alle anderen aus ihren Schlafsäcken und werden munter. Zunächst einmal frühstücken mein Mann und ich ausgiebig: Rühreier aus veganem Eipulver (grenzwertige Geschmackserfahrung) und dazu selbst gebackenes Fladenbrot. Wir hatten noch genug Gas übrig und so haben wir ausführlich gekocht.



    Danach waschen wir noch unsere Sachen und überlassen sie Sonne und Wind zum Trocknen um uns schließlich dem angenehmen Teil zu widmen: dem Nichtstun. Und so verbringen wir diesen wunderschönen Tag am Strand.











    Am späten Nachmittag spuckt dann der Urwald auf der anderen Flussseite die Wanderer, die einen Tag hinter uns waren, aus. Von einem jungen Solo-Wanderer erfahren wir, dass der älteste Teilnehmer aus der Testosteron-Gruppe mit dem Helikopter ausgeflogen werden musste. Er hatte einen körperlichen Zusammenbruch und hat scheinbar auch nicht mehr auf seine Umwelt reagiert, da hat die Gruppe das Notsignal ausgelöst. Ob der Rest der Gruppe dann noch den Track zu Ende gelaufen ist, wusste aber niemand.

    Nach und nach füllt sich der Zeltplatz. Schließlich kommt aus der anderen Richtung am Abend noch ein junges Pärchen mit Surfbrett, um das Wochenende hier zu verbringen. Also dann kann die letzte Etappe nicht so schwer sein.

    Am Abend sitzen wir wieder in gewohnter Konstellation zusammen. A packt einen Flachmann mit Whiskey aus und wir trinken auf uns, den South Coast Track, die Zivilisation und die heiße Dusche, die uns morgen erwartet. Und schließlich wirft doch noch jemand die Frage aller Fragen in die Runde: Würdet Ihr es nochmal machen? Jeder druckst ein bisschen rum, bis wir uns schließlich alle auf „Nein“ einigen. „Been there, done that“ ist das Motto des Abends.


    8. Tag: South Cape Rivulet - Cockle Creek

    Diesmal stehen wir wieder früh auf. Unser Abholservice soll um 12.30 Uhr in Cockle Creek sein und wir wollen am letzten Tag nicht hetzen. Wir verabschieden uns vorsichtshalber schon mal von K, A und B und tauschen noch e-mail-Adressen aus.

    Der Weg ist diesmal tatsächlich eher wie „a walk on the beach“. Zwei drei kleine Matschlöcher streifen wir im Wald, über die wir nur noch müde lächeln können.





    Dann geht es nochmals an einem wunderschönen Stand entlang, bevor wir das blowhole Valley betreten. Hier geht es auf einem gut ausgebauten Weg leicht voran. Unterwegs begegnen uns viele Tageswanderer, die uns beglückwünschen und uns applaudieren, als sie hören, dass wir den ganzen South Coast Track gelaufen sind. So macht Ankommen doch Spaß. Leider gibt es hiervon keine Fotos mehr, da die Batterie unserer Kamera den Dienst quittiert.

    Um ca. 12 Uhr verlassen wir lt. Logbuch als erste an diesem Tag den South Coast Track und erreichen schließlich Cockle Creek. Etwa eine halbe Stunde später erreichen auch K, A und B, die von As Schwager abgeholt werden, Cockle Creek. Wir beglückwünschen uns, K macht noch ein paar Fotos von uns und wir verabschieden uns schließlich als unser Abholservice kommt. Wir fahren bis in die nächste Stadt und nehmen von dort aus den Bus nach Hobart. Zivilisation fühlt sich nach diesem Track merkwürdig an, aber glücklich und zufrieden und auch ein bisschen stolz auf uns selbst genießen wir am Abend den Rotwein auf der Hotelterrasse.

  8. Gerne im Forum

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    AW: [AUS] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #8
    So, das war's gewesen. Ich hoffe, das Lesen hat ein bisschen Spaß gemacht.

    Wenn jemand Fragen hat, beantworte ich die natürlich noch gerne.

  9. Erfahren
    Avatar von HO
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    AW: [AUS] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #9
    Danke für den schönen Bericht!

  10. Fuchs
    Avatar von Rattus
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    AW: [AUS] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #10
    Zitat Zitat von littlefoot Beitrag anzeigen
    So, das war's gewesen. Ich hoffe, das Lesen hat ein bisschen Spaß gemacht.
    Stark untertrieben Ein schöner Bericht, man konnte gut nachempfinden, wie es euch ergangen ist mit den Ups and Downs. Und diese Wildnis - faszinierend. Hut ab vor eurer Tour!
    Das Leben ist schön. Von einfach war nie die Rede.

  11. AW: [AUS] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #11
    Das liest sich sehr gut, bitte schnell weitermachen
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  12. Optimist Lebt im Forum
    Avatar von boehm22
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    AW: [AUS] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #12
    Respekt, da habt ihr echt ne tolle aber anstrengende Tour gemacht.

    Was war denn das für eine Schlange auf dem Bild am zweiten Tag?
    Viele Grüße
    Rosi

    ---
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  13. Dauerbesucher
    Avatar von Hunter9000
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    AW: [AUS] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #13
    Toller Bericht. Klingt nach einem spannenden Trip!

  14. Gerne im Forum

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    AW: [AU] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #14
    Vielen Dank für die netten lobenden Worte. Da bin ich ja schon ein bisschen verlegen jetzt.

    @Mika
    im Rest des Urlaubs haben wir nichts mehr gemacht, was Outdoor-Enthusiasten interessieren dürfte, da ja wichtige Ausrüstungsgegenstände kaputt waren. Deshalb haben wir uns dann eher auf gutes Essen und Trinken verlegt.
    Aber der nächste Urlaub kommt bestimmt.

    @boehm22
    Uns wurde gesagt, das wäre eine Tigerotter gewesen. Ich kenne mich da aber überhaupt nicht aus. Wir hatten mal versucht, das Foto mit Bildern im Internet abzugleichen, sind aber zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis gekommen. Wenn jemand hier schlauer ist und die Schlangenart erkennt, wäre das super.

    Vielleicht noch als Info für eventuelle Nachahmungstäter:
    Es sollen wesentliche Wegverbesserungen am South Coast Track vorgenommen werden. D.h. mehr Bohlen- und Gitterrost-Wege, mehr Treppenstufen etc. Einerseits ist das vielleicht nicht verkehrt, um die Natur zu schonen, andererseits werden dadurch die Besucherzahlen sicherlich zunehmen.

  15. Erfahren
    Avatar von SouthWest
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    AW: [AUS] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #15
    Ich bin dort 2010 entlanggestiefelt. Ich hatte wohl aussergewoehnlich gutes Wetter. Matsch gab es, aber nicht so schlimm wie hier beschrieben. Von Schultertiefen Schlammloechern durch die man sich durchwuehlen muss hatte ich damals auch gehoert, aber nichts davon gesehen. Das Wetter war halt wohl in dem Jahr recht trocken. Blutegel hatte ich nur einen gesehen.

    Vielen Dank fuer den gut geschriebenen Bericht. Hat mir Spass gemacht das zu lesen und die Orte wiederzuerkennen. Den deftigen Abstieg von der Ironbound Range hatte ich schon fast vergessen, jetzt ist alles wieder in meinem Kopf.

  16. Gerne im Forum

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    AW: [AUS] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #16
    @SouthWest
    Wir sind glücklicherweise in keinem dieser tiefen Schlammlöcher gelandet, da wir immer bei zweifelhaft aussehenden Matschstellen mit den Stöcken die Tiefe geprüft haben. Sonst hätten wir sicherlich das ein oder andere unfreiwillige Schlammbad genommen. Soll ja gut für die Haut sein...
    Der Ironbound-Abstieg ist bei mir inzwischen auch etwas verklärt. Und manchmal ertappe ich mich dann doch bei dem Gedanken: nochmal laufen? Warum nicht...

  17. AW: [AU] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #17
    Zitat Zitat von littlefoot Beitrag anzeigen
    Vielen Dank für die netten lobenden Worte. Da bin ich ja schon ein bisschen verlegen jetzt.

    @Mika
    im Rest des Urlaubs haben wir nichts mehr gemacht, was Outdoor-Enthusiasten interessieren dürfte, da ja wichtige Ausrüstungsgegenstände kaputt waren. Deshalb haben wir uns dann eher auf gutes Essen und Trinken verlegt.
    Aber der nächste Urlaub kommt bestimmt.
    Schade für uns Leser, aber ich hätte mich auch den lokalen Spezialitäten zugewandt.
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  18. Erfahren
    Avatar von SouthWest
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    AW: [AU] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #18
    Zitat Zitat von Mika Hautamaeki Beitrag anzeigen
    ... lokale Spezialitäten...
    https://en.m.wikipedia.org/wiki/Tasmanian_beer


  19. Gerne im Forum

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    AW: [AU] Tasmanien – South Coast Track, Februar 2018

    #19
    Zitat Zitat von Mika Hautamaeki Beitrag anzeigen
    Schade für uns Leser, aber ich hätte mich auch den lokalen Spezialitäten zugewandt.
    Das Bier war sehr lecker, da muss ich meinem Vorschreiber zustimmen. Dann gibt es noch leckeren Whisky, super Wein und eigentlich alles was aus dem Meer kommt. Nur guten Käse haben wir leider nicht gefunden. Aber ansonsten kann man sich super durch Tasmanien durchschlemmen.

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