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    Artgerechte Grautierdiät (Ausgelagert aus Reisebericht Cevennen)

    #1
    Akelei, aus jedem deiner Sätze spricht sehr wohl der Wunsch und die feste Absicht, es alles gut und richtig zu machen, trotzdem komme ich nicht umhin, den Enthousiasmus ein wenig zu dämpfen. Das "größte Problem" ist natürlich nicht der Abschied, sondern der Umstand, dass die kleine ânesse fortwährend für längere Zeit immer anderen Touristen anvertraut wird und kaum jemand genügend instruiert ist, um sie dann auch tiergerecht während dieser Tage zu behandeln.

    Aus den Worten, die du ihr so charmant in den Mund legst, springen sofort diverse fatale Kardinalfehler hervor, die immer passieren, wenn Menschen es besonders gut machen wollen, oder wenn ein Tierhalter seinen Kunden zu wenig Erklärungen mit auf den Weg gibt.

    Esel sind Grautiere, die ursprünglich Wüstenregionen bewohnten, sie sind folgedessen außerordentlich gute "Futterverwerter", viel bessere als Pferde, sie brauchen insbesondere trockene Nahrung, die überwiegend Rohfasern enthält. Ein Sakrileg ist es, Eseln Brot zu verfüttern, ein anderes ist es, Esel mehr als 2 bis 3 Stunden pro Tag "weiden" zu lassen. Die ganze Nacht auf einer "Weide" und dann tagsüber immer mal wieder ein "paar Gräser" und das im Frühsommer in den Cevennen, das Gras ist viel zu gehaltvoll, trockenes Heu oder eben etwas Hafer sind genug. Übergewicht, Koliken, Verdauungsstörungen etc, sind die Folge, das Wohlbefinden und damit die Moral des Tieres sind deutlich eingeschränkt.

    Die kleine Stute dürfte gerne etwas weniger wiegen, ich schätze sie auf 250 bis 280 Kilos, angesichts ihrer Größe hat sie gut 20 kg Übergewicht. Man sollte ein Siebtel des natürlichen Körpergewichts als Beladung nicht überschreiten, das Übergewicht eines Tieres ist davon noch abzuziehen. Du schreibst so nett, dass Julian und Papa bei Regen einen Poncho bekommen, Esel sind sehr kälteunempfindlich und sehr hitzeresistent (eben typisch Wüstenbewohner) , aber ihr Fell bietet ihnen kaum Schutz bei Regen, deshalb sollte man - bei Anstrengung insbesondere - ihnen ebenfalls einen Regenschutz zukommen lassen.

    Esel haben im Vergleich beispielsweise zu Pferden deutlich längere Rücken, damit kommt es leichter zu Wirbelsäulenschäden, wenn Tiere langjährig transportieren sollen. Trottinette ist zudem leicht kuhessig an Vorder- und Hinterbeinen (die Beine haben eine angedeutete X-Stellung), dies wurde früher gerne angezüchtet, damit der Gang auf steilem Gelände sicherer ist, hat aber Nachteile für einfaches "trotten" (daher kommt natürlich ihr Name, die kleine "Trotterin" nicht etwa vom Roller, das Verb heißt "trottiner" = trippeln und stellt im Französisch eine typische Gangart für Esel dar) auf guten Wegen (Hufspreizung, Gelenkbelastung et.).

    Esel haben zwar weniger intensive Sozialbindungen wie beispielsweise Pferde, aber gerade Eselinnen sind sehr "grégaire", sie fügen sich leicht in Gruppenhierarchien ein, aber das soziale Umfeld ist natürlicherweiser stets konstant, unveränderlich. Ständig wechselnde Sozialpartner kommen da nicht vor. In meiner Gegend sind auf den zahlreichen "sentiers muletiers" oder den alten "sentiers de transhumance" seit Urzeiten Esel mit ihren Herren unterwegs gewesen - aber es war immer der gleiche Mensch, der mit ihnen zog. Das Zusammensein mit ständig wechselnden Touristen, die ein Tier auch stets etwas anders behandeln, ist eigentlich gegen die Natur des Tieres, destabilisert es.

    Übrigens waren Menschen noch vor zwei Jahrhunderten ähnlich fokalisiert auf wenige aber beständige, gut bekannte Sozialpartner. Erst durch die Möglichkeiten des Transports und Handels änderte sich diese Sozialkompetenz - heute gar jettet man munter um den Planeten und hat keine Mühe dabei mit der sozialen Situation klar zu kommen. Das Eselchen hat diese Veränderung so nicht mitgemacht.

    Deshalb dies bitte nicht als Kritik verstehen, sondern als Ressource , es künftig so gut wie möglich zu machen (ganz richtig machen, hieße ja, es zu lassen) , gerade auch, weil ja sofort einige hier mit ihren "geliebten" Eseln losziehen möchten.
    Geändert von rhw59 (24.01.2018 um 18:38 Uhr)
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    AW: [FR] Unterwegs mit "Tretroller" in den Cevennen

    #2
    Hallo allerseits,
    Erstmal herzlichen Dank an Akelei für den ansprechenden Bericht! Ich bin der Vermieter von Trottinette und es freut mich natürlich, dass unser Esel ein so ehrenhaftes Andenken erhalten hat.
    Allerdings fühle ich mich verpflichtet, den Beitrag von rhw59 zu kommentieren. Wie ist dieser zu verstehen? Ganz einfach: rhw59 will nur das Beste für die Tiere erreichen. Aber das wollen wir hier bei Gentiâne ja auch! Bestimmt gibt es unter den Eselvermietern auch "schwarze Schafe", aber es gibt auch viele fachkundige Spezialisten, die sich seit Jahren mit dem Wesen Esel auseinandergesetzt haben und die ganz genau wissen was zu tun ist, wie die Esel "ticken" und wie sie zu halten sind. Um den Spreu vom Weizen zu trennen, ist es eine gute Idee, sich über die Label des Betriebs zu informieren. Besonders wichtig: Ist der Vermieter Mitglied in der FNAR (Fédération Nationale Âne et Randonnée)? Auch schadet es nichts zu prüfen, ob ein Label wie Qualit'équidé o.ä. vorhanden ist. Auch kann man sich direkt beim Vermieter über die Haltungsbedingungen etc. erkundigen und wird dann ganz schnell merken, woran man ist.
    Auch wenn ich den Grundgedanken von rhw59 durchaus nachvollziehen kann, möchte ich gerne ein paar Worte zu den einzelnen Zitaten anbringen, denn nicht alles was er schreibt, ist richtig. Die Aussagen scheinen einem Lehrbuch für die Eselhaltung (in Deutschlad) entnommen und zeugen nicht unbedingt von besonderer Eselkenntnis, auch wenn es auf den ersten Blick danach aussieht.
    Esel sind Grautiere, die ursprünglich Wüstenregionen bewohnten, sie sind folgedessen außerordentlich gute "Futterverwerter", viel bessere als Pferde, sie brauchen insbesondere trockene Nahrung, die überwiegend Rohfasern enthält. Ein Sakrileg ist es, Eseln Brot zu verfüttern, ein anderes ist es, Esel mehr als 2 bis 3 Stunden pro Tag "weiden" zu lassen. Die ganze Nacht auf einer "Weide" und dann tagsüber immer mal wieder ein "paar Gräser" und das im Frühsommer in den Cevennen, das Gras ist viel zu gehaltvoll, trockenes Heu oder eben etwas Hafer sind genug. Übergewicht, Koliken, Verdauungsstörungen etc, sind die Folge, das Wohlbefinden und damit die Moral des Tieres sind deutlich eingeschränkt.
    Der erste Teil stimmt, der zweite nicht. Das Gras in den Cevennen ist sehr nährstoffarm. Die Schiefer- und Granitböden geben nicht viel her, auch ist das Gras oft bereits im Mai verdorrt. Trockenes Gras ist die ideale Ernährung für den Esel und entspricht seiner Natur am ehesten. Wilde Esel wandern fressend und knabbernd an dürren Pflanzen durch die Lande. Esel, die arbeiten, brauchen jedoch mehr Nahrung. Deshalb erhalten sie an den Etappen entweder Heu soviel Sie wollen oder eben eine Wiese mit Gras über Nacht. Zusatzfutter hingegen benötigen Esel nur, um zuzunehmen oder wenn sie schwer arbeiten. Es ist nicht Hafer, sondern Gerste, die sie bekommen (interessant: Weizen ist absolut gefährlich und kann zum Tod des Esels führen! Der Weizenkleber bildet einen Klumpen im Bauch, der nicht verdaut werden kann). Die genannten Probleme kommen hier (im Gegensatz zu den Eseln, die in nördlicheren Ländern wohnen) praktisch nicht vor.
    Die kleine Stute dürfte gerne etwas weniger wiegen, ich schätze sie auf 250 bis 280 Kilos, angesichts ihrer Größe hat sie gut 20 kg Übergewicht. Man sollte ein Siebtel des natürlichen Körpergewichts als Beladung nicht überschreiten, das Übergewicht eines Tieres ist davon noch abzuziehen. Du schreibst so nett, dass Julian und Papa bei Regen einen Poncho bekommen, Esel sind sehr kälteunempfindlich und sehr hitzeresistent (eben typisch Wüstenbewohner) , aber ihr Fell bietet ihnen kaum Schutz bei Regen, deshalb sollte man - bei Anstrengung insbesondere - ihnen ebenfalls einen Regenschutz zukommen lassen.
    Auch diese Aussage ist sicher gut gemeint, aber: Bezgl. Gewicht des Esels: es ist Frühling. Das heisst, Trottinette wird im nächsten halben Jahr noch etwa 60 Tage unterwegs sein. Dabei wird sie sehr viel Gewicht verlieren. Dies muss über das Winterhalbjahr wieder aufgefüttert werden, ansonsten hält das Tier die Saison nicht durch. Bezgl. Ladung: Hier irrt rhw59. Es ist nicht ein Siebtel, sondern ein Fünftel (nachzulesen in der Eselbibel "Esel halten" von Marisa Hafner). Maximal 40kg ist auch der Grenzwert der strengen Charta der FNAR. Bezgl. Fell: Das ist richtig. Das Fell des Esels ist wasserdurchlässig und ein Esel verträgt Regen nicht immer gut. Jedoch ist er mit einer Satteldecke ausgestattet. Darunter produziert er trocknende Wärme. Dazu gehört auch bei der Ausrüstung eine Plane als Regenschutz, die man ihm überlegen kann.
    Esel haben im Vergleich beispielsweise zu Pferden deutlich längere Rücken, damit kommt es leichter zu Wirbelsäulenschäden, wenn Tiere langjährig transportieren sollen. Trottinette ist zudem leicht kuhessig an Vorder- und Hinterbeinen (die Beine haben eine angedeutete X-Stellung), dies wurde früher gerne angezüchtet, damit der Gang auf steilem Gelände sicherer ist, hat aber Nachteile für einfaches "trotten" (daher kommt natürlich ihr Name, die kleine "Trotterin" nicht etwa vom Roller, das Verb heißt "trottiner" = trippeln und stellt im Französisch eine typische Gangart für Esel dar) auf guten Wegen (Hufspreizung, Gelenkbelastung et.).
    Das ist so, deshalb achten wir auch peinlich genau auf die Beladung. Unsere Esel gehen mit 28 Jahren in Rente. Es ist also durchaus in unserem Interesse, die Rücken zu schonen. Ob die X-Beine ursprünglich angezüchtet wurden, kann ich nicht sagen. In unserer eigenen Zucht sind die Beine gerade. Aber viele unserer über 60 Esel kommen aus vernachlässigter Haltung und wir ermöglichen ihnen hier ein neues Leben mit einer sinnvollen Beschäftigung. Dies entspricht dem domestizierten Esel sehr gut. Esel sind lernfähig, wissbegierig und extrem intelligent. Sie brauchen Beschäftigung und Herausforderung.
    Esel haben zwar weniger intensive Sozialbindungen wie beispielsweise Pferde, aber gerade Eselinnen sind sehr "grégaire", sie fügen sich leicht in Gruppenhierarchien ein, aber das soziale Umfeld ist natürlicherweiser stets konstant, unveränderlich. Ständig wechselnde Sozialpartner kommen da nicht vor. In meiner Gegend sind auf den zahlreichen "sentiers muletiers" oder den alten "sentiers de transhumance" seit Urzeiten Esel mit ihren Herren unterwegs gewesen - aber es war immer der gleiche Mensch, der mit ihnen zog. Das Zusammensein mit ständig wechselnden Touristen, die ein Tier auch stets etwas anders behandeln, ist eigentlich gegen die Natur des Tieres, destabilisert es.
    Esel leben im Gegensatz zu Pferden nicht in hierarchischen Gefügen, sondern tun sich in lockeren Gruppen zusammen. Es gibt keine "Leittiere". Wilde Esel leben in riesigen Herden und haben dauernd wechselnde Kontakte, da sie immer wieder Tieren begegnen, die sie "nur vom sehen" kennen. Esel befreunden sich mit einzelnen anderen Tieren. Die langjährige Freundin von Trottinette z.B. ist Bouscasse. Oft finden sie sich interessanterweise auch nach Farbschlag zusammen. Die Freunde können aber auch wechseln, manche Esel sind jedes Jahr mit einem anderen Freund unterwegs.
    Für unsere Esel ist es ganz normal, mit verschiedenen Menschen unterwegs zu sein. Das lernen sie von jung auf. Für sie sind es einfach "Menschen" und die wechseln eben. Manche davon finden sie nicht so toll wie andere, aber sie wissen: es geht vorbei! Interessant zu beobachten ist, dass die Esel Kunden nach Jahren wieder erkennen, wenn diese nochmals auf Wanderung kommen! Die Kunden erhalten eine fundierte Einführung 1,5 Stunden minimum, und lernen alle dieselbe Art, mit dem Tier umzugehen. Ich kann betonen, dass die Esel sich freuen, auf Wanderung zu gehen. Gerade jetzt im Winter ist es ihnen sehr langweilig und kaum kommt jemand zu Besuch, stürmen sie ans Tor und wollen los!

    Ich hoffe, dass ich mit diesem Beitrag helfen konnte, die Esel ein wenig zu verstehen und die Kritik zu entkräften, die in ähnlicher Art immer wieder geäussert wird und gut gemeint ist, die aber oft nicht gerechtfertigt und letztendlich nicht nur uns, sondern unserem ganzen Berufsstand nicht sehr dienlich ist.

  3. Erfahren
    Avatar von Akelei
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    AW: [FR] Unterwegs mit "Tretroller" in den Cevennen

    #3
    Lange habe ich überlegt, wie ich auf die Anmerkungen rhw59 reagiere und ob überhaupt. Auch war mir unsicher, wie ich weiterschreibe, um Mißverständnisse zu vermeiden.

    Danke dir, Gentiane, für die Richtigstellung, denn wir sind wirklich keine Eselkenner, haben aber eine 2stündige Einführung bekommen und alle Übernachtungen fanden in eselkundigen Unterkünften statt, teilweise bei den Herbergen mit anderen Eseln oder auf den ausgewiesenen "Weiden" der Ortschaften oder Campingplätze am Stevensonweg. Und überall gab es Sand, damit sich Trotinette darin wälzen konnte.

    Das Buch ist für unseren 2jähringen Sohn entstanden, damit er jederzeit die Bilder des "iahh" anschauen konnte - ohne irgendeinen Anspruch auf Korrektheit. Btw, selbst die Reihenfolge der Bilder stimmt nicht.
    Auf dem Bild mit dem Brot hatten Franzosen vor Ort dieses dabei und wollten es dem Esel geben, als sie unseren Sohn sahen, gaben sie es ihm, damit er es verfüttern konnte. Es war pupstrocken. Wir haben nie dem Esel Brot von uns aus gegeben und es wurde uns auch bei der Einweisung gesagt, dass der Esel nur morgends eine kleine Portion Getreide bekommt. Der "Eimer voll Hafer" war diese kleine Portion, welche auch auf dem Bild zu sehen ist und anscheinend kein Hafer, wie ich gerade gelernt habe. ;)
    Die "vielen leckeren Karotten" zum Abschied waren 3 Stück, die wir eigentlich für den beschwerlichen Aufstieg gedacht hatten. Wir mussten unsere Tour zwei Tage früher als geplant abbrechen, da Julian krank wurde, somit gab es die Karotten alle auf einmal.
    Trotinette hatte bei Regen auch ihre "Regenjacke", also die Satteldecke (samt Taschen) und die Plane.
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  4. Gerne im Forum

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    AW: [FR] Unterwegs mit "Tretroller" in den Cevennen

    #4
    Gentiane, ich kann verstehen, dass Du als "professionnel du tourisme" eine andere Sichtweise der Dinge hast und ich schicke gerne voraus, dass ich aus dem von Dir geschriebenen durchaus ersehe, dass Du dein Metier verantwortungsvoll betreibst.
    So wie ich Deinen Beitrag lese, stelle ich fest, dass Du mir ja in den allermeisten Punkten recht gibst -auf die anderen werde ich gleich noch kurz eingehen. Warum bringst Du es also auf die persönliche Ebene und behauptest ich würde nur aus einem Lehrbuch zitieren und wüßte nicht viel über Esel ?
    Ich lebe seit 35 Jahren etwas südlich von Dir in einer Gegend, wo traditionnell viele Esel gehalten werden, in meiner Gegend lebt sogar noch eine bedeutende Population wilder Esel - ich hatte in den 90er-Jahren selbst drei Esel, die ich in meiner Ferienanlage mit angeschlossenem Natursportzentrum touristisch habe "arbeiten" lassen. Jedoch habe ich dies nach der zweiten Saison beendet, da ich es nicht mehr für vertretbar hielt.
    Ich kann mich nur auf die Beschreibung und die Bilder stützen, und da sah ich eine Eselin, die durchaus ein paar Kilo zuviel hatte, Du bestreitest dies ja nicht und begründest es damit: "ansonsten hält das Tier die Saison nicht durch" (deine Worte) -womit du die Belastung schon mal selbst richtig einschätzt. Über das Gewicht, das eine Eselin tragen kann/soll, kann man nicht "irren" (wie du mir bescheinigst) und auch nicht Recht haben (wie Du für dich beanspruchst), solche Richtwerte kann man festlegen oder auch nicht, ein fünftel ist nicht etwa Standard, sondern Obergrenze (das weißt Du sicher selbst) und du übersiehst dabei die von mir angemerkte Einschränkung bei Übergewicht des Tieres. Ein Esel, der bei gleichem Körperbau mehr wiegt, wie ein anderer, dürfte deinerRegel nach auch mehr tragen, dass Gegenteil ist jedoch der Fall - Du wirst mir da sicherlich nicht widersprechen. Dass eine "fédération" von Anbietern hohe Richtwerte zuläßt liegt ja auf der Hand.

    Du sagst, das Gras der Cevennen ist nährstoffarm und im Mai oft schon verdorrt, auf den Bildern ist das Grün "pleine de sève", es blüht und ist saftig - als "professionnel du tourisme" wirst Du mir nicht ernsthaft sagen wollen, dass dies gesundes Futter ist zu dieser Jahreszeit. Brot kann nur verfüttert werden, wenn es hart wie Stein ist -auf den Bildern sieht das gar nicht so aus. Und soll man nicht auch davon absehen, das Tier mit Futter zu belohnen, sondern vielmehr durch Zuwendung und Zärtlichkeit - steht das nicht in deiner "Bibel" ?

    Dass Du schlecht versorgte Esel aufnimmst ist lobenswert, "Trottinette" ist jedoch kein solcher Esel - wie du ja sicherlich selbst erlebt hast, sind ältere Esel, die zuvor nicht diesen Kontakt zu Menschen hatten, nur noch schwer daran zu gewöhnen, solche Arbeit zu leisten. Du schreibst ja selber, dass deine Esel dies "von jung auf lernen" (also sind es keine armen Tiere, die bei dir "refuge" finden). Die "tiersoziale" Verantwortung" wird in der Branche ja gerne als Argument für die intensive touristische Nutzung hergenommen - wir wir aber gerade sehen, hat das eine nicht unbedingt etwas mit dem anderen zu tun.

    Die Tatsache, dass du gleich ein "Dogma" witterst (obwohl ich mich noch nie irgendwo irgendwie über Esel geäußert habe), zeugt auch davon, dass Du mit Argumenten wie den meinen eben sehr oft konfrontiert wirst.

    Wie auch immer, du hast hier nichts "richtiggestellt", sondern deine Sichtweise genannt, mir geht es darum, dass jeder, der sich für diese Art von "Naturlaub mit Tieren" interessiert, sich über die Problematiken bewußt werden kann und dazu braucht es mehrere Perspektiven, auch die meine. Gerade outdoorbegeisterte Menschen sollten doch auf besonders sanfte Umgehensweise mit Umwelt und Umfeld achten (finde ich zumindest) und dazu gehört, die Schattenseiten einer Aktivität nicht wegzuwischen und nicht zu beschönigen -damit ist dieses Thema für mich auch abgehakt und ich schreibe nichts weiter dazu.
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  5. Erfahren
    Avatar von Akelei
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    AW: [FR] Unterwegs mit "Tretroller" in den Cevennen

    #5
    Ich freue mich über Rückmeldungen zu meinem Reisebericht.
    Und auch jeder darf seine Sicht der Dinge schreiben. Aber einmal reicht doch, oder?
    Vielleicht könnt ihr eine Diskussion in einem extra Thread führen und nicht in meinem Reisebericht?
    Danke!
    Geändert von Akelei (05.03.2018 um 23:34 Uhr)
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  6. Alter Hase

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    AW: [FR] Unterwegs mit "Tretroller" in den Cevennen

    #6
    Tatsächlich werden die Fragen zur Eselhaltung durchaus unterschiedlich beantwortet. Der Deutsche Tierschutzbund

    https://www.tierschutzbund.de/filead...selhaltung.pdf

    empfiehlt, Möhren zu füttern und ab und zu trockenes Brot. Wikipedia meint, dass Eselsstuten einzeln im Gebirge leben, während der Tierschutzbund meint, dass sie das in großen Herden tun.

    Sicherlich durchaus spannend, sich damit zu beschäftigen, aber hier habe ich den Eindruck, dass es den Reisebericht abwürgt. Und das fände ich schade. Vielleicht sollte man die Eselsfragen auslagern? Zum Beispiel Richtung "Outdoor Basiswissen"?

    Normalerweise würde ich mich zumindest innerhalb der EU drauf verlassen, dass der Reiseveranstalter die Sache im Griff hat. Auf dem Jakobsweg habe ich viele Wanderer mit Eseln getroffen. Die kann man dort mieten. Nachts wurden sie irgendwo draußen angepflockt. Zusätzlich gefüttert wurden die nicht.

  7. Dauerbesucher
    Avatar von Smo
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    AW: [FR] Unterwegs mit "Tretroller" in den Cevennen

    #7
    Zitat Zitat von Enja Beitrag anzeigen
    Normalerweise würde ich mich zumindest innerhalb der EU drauf verlassen, dass der Reiseveranstalter die Sache im Griff hat. .
    Klar. Man kann sich generell drauf verlassen dass es in der EU keine Probleme mit der Tierhaltung gibt.

    Viele Grüsse
    Steve
    --
    Nur der Einsame findet den Wald: wo ihn mehrere suchen,
    da flieht er, und nur die Bäume bleiben zurück. (Rosegger)

  8. Alter Hase

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    AW: Artgerechte Grautierdiät (Ausgelagert aus Reisebericht Cevennen)

    #8
    Oder man lehnt Reisen mit Tieren generell ab. Im Falle der Esel wäre es für die dann vermutlich nicht mehr wichtig, wer sie führt und was man ihnen füttert.

    https://www.abendzeitung-muenchen.de...d8b56be0d.html

    Die Veranstalter der Cevennenreise schicken ihre Esel mit 30 Jahren in Rente. Was wollen wir denn noch? Irgendwann ist es völlig unverantwortlich, irgendein Tier zu halten. Dann gibt es aber auch keine mehr.

    In Hessen wird gerade das Landgestüt aufgelöst, weil die Hengste dort nicht artgerecht gehalten werden. Weil Pferde nämlich von Natur aus in Herden leben. Deshalb sollen die Hengste fortgerückten Alters das nun auch. Da niemand meint, dass das funktionieren könnte, werden sie jetzt an andere Gestüte "verschenkt", außerhalb Hessens. Oder landen sicher auch teilweise beim Schlachter.

  9. Dauerbesucher
    Avatar von blackteah
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    AW: Artgerechte Grautierdiät (Ausgelagert aus Reisebericht Cevennen)

    #9
    Zitat Zitat von Enja Beitrag anzeigen
    Oder man lehnt Reisen mit Tieren generell ab. Im Falle der Esel wäre es für die dann vermutlich nicht mehr wichtig, wer sie führt und was man ihnen füttert.

    https://www.abendzeitung-muenchen.de...d8b56be0d.html
    Sorry, aber über solche Artikel kann ich nur den Kopf schütteln .
    Wenn das Eselchen in Italien geschlachtet wird geht das gar nicht, aber bei nem Schwein wärs ok?

    Im Prinzip ist es doch egal, ob das Tier vorm Schlachter im Streichelzoo gelebt hat oder in der Fleischzüchterei, solange es gut behandelt wurde und möglichst artgerecht gehalten. Aber normales Supermarktfleisch zu essen und sich gleichzeitig zu beschweren, dass vielleicht ein Esel (weil ja so süß und flauschig) dann unter fragwürdigen Bedingungen (die man ansonsten in Kauf nimmt) zu ebenjenem Fleisch verarbeitet wird, ist doch irgendwie skurril.

    Ansonsten sehe ich es auch so, dass man hierzulande Nutztieren zur Arterhaltung irgendeinen "Nutzen" geben muss. Sonst würde es sie auf kurz oder lang nicht mehr geben, wie Enya ja schon geschrieben hat.

  10. Alter Hase

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    AW: Artgerechte Grautierdiät (Ausgelagert aus Reisebericht Cevennen)

    #10
    Nein, natürlich macht das keinen Unterschied. Ein natürlicher Tod ist bei Großtieren sowieso nicht besonders üblich. Und Pferde zwecks Fleischproduktion zu halten, ist nicht besonders ungewöhnlich. Warum also keine Esel.

    Die niedlichen, niedlichen Islandsponys werden, bis auf Zucht- und Reittiere, auch nicht älter als ein Jahr, wenn ich es richtig verstanden habe. Bei den Haflingern ist es wohl auch so.

    Die Esel im Bericht werden nun also über 30 Jahre alt. Und arbeiten. Auswildern wäre wohl keine realistische Möglichkeit.

    Aber ich finde auch, dass man irgendwo Grenzen ziehen muss. Zum Beispiel habe ich einen Wüstenritt um die ägyptischen Pyramiden verweigert, obwohl ich eine leidenschaftliche Reiterin bin. Aber nicht, wenn die Pferde völlig abgemagert sind, überall Wunden haben, brutalstmögliches Sattelzeug tragen und überdies lahmen.

  11. Lebt im Forum
    Avatar von Chouchen
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    AW: Artgerechte Grautierdiät (Ausgelagert aus Reisebericht Cevennen)

    #11
    Gerade auf Arte:
    Dem Esel auf der Spur
    Woher kommt der Esel? Warum wird dieses intelligente Tier, das den Menschen seit 6 000 Jahren treu begleitet, immer noch verkannt? Warum steht es in dem schlechten Ruf, einfach nur dickköpfig und dumm zu sein? Der Film begibt auf die Spur des Esels und reist dabei einmal rund um die Welt. Wissenschaftlich fundiert erzählt er die verblüffende Geschichte dieses Tieres.
    Ist auch noch bis zum 26.3. in der Mediathek zu finden.
    "I pity snails and all that carry their homes on their backs." Frodo Baggins

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