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  1. Fuchs
    Avatar von Waldhexe
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    AW: [SE] 40 Jahre seit Anaris-Unglück

    #21
    Ich denke, wenn sie Mittags (im Februar) erst ein Drittel der Strecke geschafft hatten und eine Teilnehmerin bereits Schwierigkeiten hatte, war es wohl falsch, weiterzugehen. Ich nehme an, die Gruppe war aus Skiern unterwegs?
    Warum sie nicht nach einem besseren Platz für ein Biwak gesucht haben, wissen wir nicht, aber möglicherweise hatten sie dafür keine Kraft mehr.
    Dass noch eine Dreiergruppe kam, war Pech.

    Gruß,

    Claudia
    Mein Blog zum Draußensein mit allen Sinnen: www.wanderluchs.de

  2. Vorstand
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    Avatar von Torres
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    AW: [SE] 40 Jahre seit Anaris-Unglück

    #22
    Man unterschätzt als Außenstehender gerne, wie eingeschränkt die Urteilsfähigkeit bei tiefen Temperaturen sein kann. Da ist man manchmal nur noch zu unmittelbaren Reaktionen in der Lage, wie z.B. den Hügel zu nehmen anstatt weiterzusuchen (wie man das im Sommer machen würde). Ich denke auch, dass die drei zusätzlichen Wanderer die Situation haben kippen lassen, man wollte womöglich helfen und gefährdet sich selbst, weil sich die Steuerungsfähigkeit völlig verändert hat. Unter diesen Bedingungen gräbt man auch ohne Handschuhe nach den andern.

    Wirklich tragisch und auch von mir ein Dank für die Übersetzung.
    "Oft habe ich die Welt durchwandert, und habe immer gesehen, wie das Grosse am Kleinlichen scheitert, und das Edle von dem ätzenden Gift des Alltäglichen zerfressen wird."... Hg. B. Tauchnitz: E. v. Arnim, The Princess Priscilla´s Fortnight, 1906, archive.org.

  3. Lebt im Forum
    Avatar von Sarekmaniac
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    AW: [SE] 40 Jahre seit Anaris-Unglück

    #23
    Zitat Zitat von Taffinaff Beitrag anzeigen
    Oder dass sie nicht daran gedacht haben, die nähere Umgebung nach einer besseren Stelle (hohe Schneewehe, Leeseite von Felsen) abzusuchen.

    Klar, dass da etliche unglueckliche Umstände und Fehlentscheidungen zusammankamen. Ob ein einzelner Faktor letztlich lebensrettend gewesen wäre ist nachträglich unmöglich zu sagen, aber fuer mich liest sich das so, als wäre ein besserer Windschutz die letzte Ueberlebenschance gewesen.
    Vielleicht konnten sie aber auch gar nicht mehr an einer anderen Stelle suchen, oder das wäre zu riskant gewesen. Wie weit die geeignete Stelle weg gewesen wäre, wurde nicht gesagt. Es heißt ja, sie hätten zuerst Windsäcke benutzt. Das impliziert: Ski abmachen, Stöcke ablegen, Rucksäcke ablegen und öffnen, Windsäcke herausholen, reinsetzen. Kommunikation ist danach stark erschwert.

    Dann hat irgendwer einzeln oder mehrere (Kommunikation ist erschwert, alle sitzen in Windsäcken!) eine neue Entscheidung getroffen: Schneegrube graben. Je nach Sicht ist es äußerst riskant, wenn nur einer oder zwei losgehen, um einen geeigneten Platz zu suchen. Das Risiko ist, nicht mehr zu Gruppe zurückzufinden (und schlimmstenfalls ohne Ausrüstung dazustehen), oder wenn man zurückfindet, nicht wieder zu der Stelle für die Schneegrube zurückzufinden. Auch bei besserer Sicht nützt es nicht, wenn man so eine Stelle findet, wenn nicht mehr alle Gruppenmitglieder in der Lage sind, sich, idealerweise mitsamt ihrer Ausrüstung, selbständig dahin zu begeben. Wenn alle völlig erschöpft sind und jemand getragen werden muss, können 30 oder 50 m unüberwindbar sein. Dann ist es die bessere Entscheidung, zusammen da zu bleiben, wo man ist.

    Das Suchen nach einer Stelle zum Eingraben funktioniert unter solchen Bedingungen eigentlich nur, wenn alle zusammenbleiben und mit allem Gepäck suchend weitergehen, dazu hätten sie in diesem Falle alle wieder aus den Windsäcken rausgemusst, Ski anschnallen, Rucksack aufsetzen, Stöcke nehmen losgehen. Es hätte eigentlich nur funktioniert, wenn sie sich sofort fürs Eingraben entschieden hätten. Trotzdem würde ich nicht sagen, dass man die Entscheidung mit den Windsäcken als Fehler bezeichnen sollte. Die Überlegung dahinter dürfte ebenfalls sehr sinnvoll gewesen sein: Schnell aus dem Wind kommen, Kräfte sammeln.

    Den Fehler der kleinen Gruppe (Weitergehen bis zu Erschöpfung im Dunkeln ist definitiv ein Fehler) finde ich viel gravierender. Und dieser Fehler war nicht nur fatal für die kleine Gruppe, sondern auch ein großes Pech für die große Gruppe. Der Biwak ist zum Teil kaputt gegangen, vielleicht wäre das sonst nicht passiert, und der Windschutz wäre ausreichend gewesen.
    Geändert von Sarekmaniac (23.03.2018 um 17:06 Uhr)
    Wir sind alle ein wenig beim Leben zu Gast
    Das Leben ist reine Gewohnheit
    (Anna Achmatowa)

  4. Erfahren

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    AW: [SE] 40 Jahre seit Anaris-Unglück

    #24
    Zitat Zitat von Waldhexe Beitrag anzeigen
    ... riskantere Entscheidungen treffen und an getroffenen Fehlentscheidungen länger festhalten.

    Mich interessiert, ob das bei Outdoorgruppen auch auftritt (was zu vermuten ist) und ob es dazu Erfahrungen gibt.
    ...
    Nach meiner Erfahrung finden sich wenig kompetente Gleichgesinnte gerne in solchen Gruppen zusammen. Wer dort etwas kompetenter ist, hat das Sagen (solange alles glatt läuft). Wenn es nicht mehr glatt läuft ist alles möglich, es kann dann gutgehen oder nicht oder wie meistens gerade noch.

    Wer das ein oder mehrfach miterelbt hat wird nur noch alleine/zu zweit/oder max zu dritt oder viert mit als zuverlässig bekannten Partnern losziehen. Einfach aus dem Grund weil er keine Lust hat sich mit Unfähigen Leuten auseinander zu setzen.

    Es ist dann naheliegend daß "Kompetente" die sich in einer sehr kleinen Gruppe zusammenfinden Risiken besser abschätzen oder vermeiden können als ein bunt zusammengewürfelter Haufen von "Nichtkompetenten"

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