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  1. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #61
    Mitreisende: natureride
    Tolle Schreibe hast du und deine Intermezzo-Geschichten lesen sich gut.
    Ich hoffe du beschreibst deine Fahrt weiterhin in diesem Stil und dass sie noch lange dauert.

    Allerdings hast du ein Bild falsch einsortiert. In dem Textteil wo du den Campingplatz von Passau beschreibst steht dein Rad oberhalb von Wasserburg am Inn und nicht bei Passau, wie man meinen könnte.
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  2. Anfänger im Forum

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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #62
    Die Donau. Dieser mächtige Fluss. Schon jetzt ist er eine imposante Erscheinung.Es muss schon ein tolles Erlebnis sein, von der Quelle bis zum weit verästeltem Delta dem Fluss beim Wachsen zuzuschauen.

    Ich bin nicht der einzige der diese Gedanken hat. Der Donauradweg ist der Meistbefahrene Radweg in ganz Europa. Besonders die Strecke Passau-Wien. Ich könnte mich jetzt leicht an weitschweifigen Beschreibungen von Radwegen unter malerischen Baumalleen direkt neben der Donau auslassen. Aber ich möchte anderen auch noch den Spaß lassen.
    Aus Radfahrersicht begegnet man hier allen tollen Fahrrädern, von denen man normalerweise nur im Internet liest. Velotraum, Patria und was weiß ich noch für Edelgefährte. Titanrahmen, Stahlrahmen mir edelst verschliffenen Schweißnähten. Speedhub´s wohin man nur schaut. War da gerade ein Pinion Getriebeantrieb?
    Radklamotten von Gore-Bikewear und Assos umschmeicheln die Fahrer der Highendräder.
    Der Donauradweg ist die Tour de France des Radreisens. Zumindest aus technischer Hinsicht. Nur das beste wird hier aufgefahren.
    Hinzu kommt die beste Infrastruktur, die man sich nur wünschen kann. Radstop, Bikepause, Radlerjause werden in unendlicher Zahl mit hoher Taktung dem pausebedürftigem angeboten. Gefühlt an jedem Haus, an dem man vorbeikommt, hängt ein Schild: Bikefreundliche Pension - Zimmer frei.
    Hat man außerhalb dieses Radrefugiums bei entgegenkommenden Radlern mit Packtaschen freudig angehalten, um sich über die jeweils vor einem liegenden Wege auszutauschen. So stellt sich auf dem Donauradweg nach einiger Zeit sogar das gegenseitige Grüßen vollständig ein. Ein Nicken ist alles was bei den Massen an entgegenkommenden Reisenden übrigbleibt.
    Während der nächsten Pausengelegenheit erfahren ich von der Gruppe, die mit mir die Bierbank teilt, das es sogar Angebote von Reiseveranstaltern gibt, die jede Etappe vor buchen, den Gepäcktransport übernehmen, E-bikes zur Verfügung stellen, einen Guide an die Seite stellen und bei Schlechtwetter die Tagesetappe mit dem Bus zurücklegen. Der nächste Schritt besteht dann wahrscheinlich darin, sich die gesamte Reise bequem vom heimischen Sofa im TV anzuschauen.
    Vielleicht ist das ja eine Marktlücke. Ausgestattet mit einer Kamera in Ego-Perspektive biete ich Lets Bike`s an. Ähnlich wie die Jugend heute anderen beim kommentierten Computerspielen zuschaut, können die Leute sich live meine Reisen anschauen. Mit Kommentar aus dem Off. Ich glaub da lohnt es sich dranzubleiben.

    Ich überspringe jetzt einfach mal die Wegbeschreibung nach Wien. Ich könnte ohne Probleme nochmal 1000 Wörter Geschwafel von mir geben, aber jetzt nehme ich mal Rücksicht auf den Leser. Nur eine Kleinigkeit noch, wer sich mit dem Radreisen unsicher ist, und nicht direkt ins kalte Wasser springen möchte. Der Donauabschnitt von Passau nach Wien ist ganz klar zu empfehlen. Landschaftlich wunderbar, flach, und die am besten auf Radreisende abgestimmte Infrastruktur die man sich vorstellen kann. Ganz klarer Daumen hoch von mir. Reiseberichte in denen jeder Baum beschrieben ist, gibt es bestimmt wie Sand am Meer.

    Also Sprung nach Wien. Nach dem letzten Campingplatzerfolg will ich es noch einmal mit diesen versuchen. Vielleicht kann ich meine verurteile aus der Welt schaffen.
    Leider nein, leider garnicht. Der Campingplatz ist zwar zentral in Wien gelegen, aber direkt an einer Autobahn. Schon tagsüber herrscht hier eine Grundlautstärke, die nicht erholungsfördernd ist. Wie wird das nur Nachts werden?
    Wenn meine angepeilte Unterkunft nicht den Eindruck macht, total überfüllt zu sein, habe ich mir angewöhnt, nur für eine Nacht zu buchen. Gefällt es mir dann, kann ich ohne Probleme nach buchen, oder ich ziehe weiter und suche mir etwas anderes. Und das habe ich nachdem ich mein Zelt aufgebaut, und den Platz genauer unter die Lupe genommen habe, auch vor.

    Das Buch das ich zur Zeit lese, ist Garp von John Irving. Ein Teil des Buchs spielt in Wien und zufällig habe ich den Abschnitt letzte Woche gelesen. In dem Buch wird kein gutes Wort an dem Dichter Franz Grillparzer gelassen. Als ich an einem Straßenschild “Grillparzerstraße” vorbeikomme, beginne ich mit einer Schnitzeljagd. Ich entdecke ein Grillparzerdenkmal, eine Grillparzerbüste, das Grillparzer Geburtzhaus. Grillparzer überall. Die Phonetik des Wortes ist wunderschön. Grillparzer, Grillparzer, Grillparzer. Das könnte ein prägender Satzbaustein in einem Gedicht der Vogonen sein. Ich mag das Wort. Einmal noch. Grillparzer, Grillparzer. Sag noch irgendwer, die deutsche Sprache ist nicht lyrisch.
    Grillparzer.

    Den Umstand in einer großen Stadt zu sein möchte ich ausnutzen. Mehr als einen Monat bin ich jetzt unterwegs. Ausschließlich in der Natur unterwegs. Mehrheitlich alleine. Und so entscheide ich mich gegen ein Kulturprogramm und prüfe was Wien an Partys zu bieten hat. Zu meiner Freude findet Donnerstags eine Partyreihe im Weberknecht statt, die mir sehr zusagt. Und wir haben heute Donnerstag.
    Nach einem ausgiebigen Erholungsschläfchen, mache ich mich gegen halb zwölf auf den Weg. Die Straße in der sich der Laden befinden soll ist voll mit Bars und Kneipen. Es ist schon irgendwie seltsam alleine abends weg zu gehen. Aber das ist mir jetzt egal.
    Zwischen all den besoffenen Hipstern, die alle gleich aussehen, erspähe ich eine kleine Gruppe von Punks und Leuten mit Dreadloks. Und Bingo, genau da will ich hin. Für einen Donnerstag war der Laden erstaunlich gut gefüllt, und auch die Musik besser als ich das erwartet habe. Was mich sehr freut ist, das ich eine Gruppe treffe die auch auf das selbe Festival möchte, für das ich meinen Weg geändert habe. Wir tauschen die Kontaktdaten aus und versprechen uns dort wieder zusammenzutreffen. Viel zu schnell ist es sechs Uhr morgens, der Club schließt und ich lehne das Angebot noch mit auf die nächste Party zu kommen, die an anderer Location weitergeht, dankend ab.
    Alleine weggehen war ein voller Erfolg, und ein nettes Kontrastprogramm zu der Einsamkeit in der Natur.
    Der Rückweg führt mich über die Insel in der Mitte von Wien. Die Sonne ist mittlerweile aufgegangen, und ein paar Stunden habe ich noch, bis ich auf dem Campingplatz aus-checken muss. Warum soll ich mich in ein zum Backofen gewordenes Zelt legen? Da lege ich mich doch lieber in den Schatten an die Donau und schlafe hier ein wenig.
    Gegen halb zehn weckt mich mein Handy. Ich setze mich auf und sehe einen splitterfasernackten Mann im gesetzteren alter, nicht weit von mir in der Sonne liegen. 20 Meter weiter rechts liegt noch einer. Ich bin wohl morgens im Nudistenbereich eingeschlafen. Ich hab jetzt kein Problem mit nackten. Schließlich wurden wir alle ohne Kleidung geboren. Aber nach einer durchfeierten Nacht aufzuwachen und von den Penissen alter Männer umgeben zu sein, ist einfach befremdlich.

    Das war es von mir auch schon von der Kulturstadt Wien.
    Mir ist absolut bewusst das das die erbärmlichste Streckenbeschreibung für einen der schönsten Donauradweg abschnitte ist.
    Geändert von natureride (07.03.2018 um 21:19 Uhr)

  3. Anfänger im Forum

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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #63
    Ich lese deinen Bericht seit Beginn mit großem Vergnügen, danke! Freue mich auf die Fortsetzung.
    Falls du noch in Wien bist - es gibt leider wirklich keine netten Campingplätze, aber dafür ein wunderschön gelegenes Hostel - die "Schoßherberge" - oben am Wilhelminenberg mitten im Wienerwald neben dem imposanten Schloß mit einem traumhaften Blick auf Wien! (http://www.hostel.at)
    Auch die Verkehrsanbindung mit Öffis ist gegeben!
    Gute Fahrt noch weiterhin!
    LG Meerlie

  4. Dauerbesucher
    Avatar von grenzenlos
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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #64
    Wann geht es weiter?
    Behalte deinen Schreibstil bei, denn der gefällt mir sehr gut
    Also, hau rein
    Unsere Webseite: http://www.grenzenlosabenteuer.de

    Gruß, Wi grenzenlos

  5. Anfänger im Forum

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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #65
    Hallo!

    Ich lach mich schlapp! Das geilste: die Frau mit dem Bier, dieses Foto ist der Inbegriff deiner Beschreibungen, genauso nämlich sehe ich das alles auch. Köstlich die Nummer mit den guten Bürgern, die alles wissen, wer man ist und was man nicht alles wohl auf dem Kerbholz hat, ihre richterliche Kompetenz, hammmer, ich lach mich kringelig, wenns nicht so gräßlich wär...

    Deine Tierfotos: absolut geil!!! Kein Tierfilm, kein niemand hat solche Entencharaktere fotografiert, mach es jut, wir hätten uns treffen sollen, das wäre die ober Gaudi... Grumpi

  6. Erfahren
    Avatar von Wandermaedel
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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #66
    Klasse Bericht. Spannend zu lesen.

  7. Anfänger im Forum

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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #67


    Da ist es wieder. Ich verlagere mein Gewicht nach rechts. Nichts. Ich verlagere mein Gewicht nach links. Nichts.
    Das ist doch zum Verrückt werden.
    Ka-nack Ka-nack.
    Fünf Tage habe ich jetzt kein Geräusch gehört. Jetzt ist es wieder da. Es trifft ganz sporadisch auf.
    Und aus einem leisen Knack Knack Knack ist ein lauteres Ka-nack Ka-nack geworden. Im Stand kann ich das Geräusch nicht herbeiführen. Stelle ich das Rad auf den Kopf und drehe die Pedale höre ich nichts.
    Beim fahren führe ich regelrechte Turnübungen auf, um das Geräusch akustisch einzugrenzen.
    In Bratislava muss ich wohl oder übel einen Radladen aufsuchen. Werkzeug um das Tretlager auseinanderzunehmen oder den Freilauf habe ich nicht mit.
    Bratislava ist ein gutes Stichwort, eigentlich ist die Slowakische Hautstadt nur 65km entfernt. Durch meinen Schlafdefizit der vergangenen Nacht, teile ich den Weg allerdings in zwei Etappen auf.

    Die Hautroute folgt rechtsseitig an der Donau entlang. An einer Fährstelle entscheide ich mich dazu auf die anderer Seite zu wechseln. Aus einer Laune heraus, nur um mal mit einer Fähre zu fahren.
    An der Fährstelle treffe ich ein Ehepaar, auch mit dem Rad unterwegs. Ihr Roadbook gibt ihnen vor an dieser Stelle überzusetzen. Da die linke Seite schöner zu fahren ist. Ein weiterer Vorteil des Planens.
    Wir fahren die nächsten Kilometer gemeinsam. Von der Donauquelle bis nach Budapest sind sie unterwegs.
    Wohin führt dich deine Karte, werde ich gefragt. Ich zeige auf die Donau. Abwärts. Dann nach Baku.
    Unglaube wird mir entgegnet. Aber welcher Weg denn genau? Welche Straßen werde ich fahren?. Was ist meine Routenplanung?
    Ich zeige auf meinen Kompass. Nach Süden, und ab Istanbul nach Osten.
    Inge, die Frau, sagt “siehst du”.
    Ob ich meinen Job gekündigt habe.
    “Ne, nur eine Auszeit von sechs Monaten”
    “Wie bekommt man denn sechs Monate Urlaub?”
    “Ich hab einfach gefragt.”
    “Ja aber. Man kann doch nicht… man muss doch…”

    So unhöflich wie sich das jetzt ließ, war die ganze Konversation natürlich nicht. Im Gegenteil, ich habe mich prächtig mit Gerd und Inge unterhalten und die beiden waren mir sehr sympathisch.
    An der nächsten Raststätte laden die beiden mich zum Mittagessen ein. Vor allem Inge will alles über meine Planung, bzw. meine nicht Planung wissen.
    Wo ich denn übernachte? Wildcamping.
    Ob das nicht gefährlich sei? Nö.
    Ob das Verboten ist? Wo kein Kläger, da kein Richter.
    Ich erzähle ihnen von meinen Erlebnissen mit Bären in Rumänien, Bauern in Spanien, der gruselige Hütte in Portugal und -natürlich- Norwegen. Gerade Skandinavien lässt die beiden Redseleg werden. Sie würden da auch so gerne mit dem Rad hin, hätten aber keine passende Tour gefunden, die man dort Buchen kann. Bevor sie losgefahren sind ist ihnen gar nicht in den Sinn gekommen, einfach so loszufahren.

    Als wir uns verabschieden, freue ich mich sehr darüber, anderen eine Inspiration der Einfachheit zu geben. Einfach machen. Mit dem Dartpfeil auf den Globus werfen und dann losfahren. Es wird sich schon alles richtig ergeben. Und wenn nicht steckt da auch ein großer Plan hinter. Everything happens for a reason.


    Ich kann mich noch gut an das letzte mal erinnern als ich Bratislava erreichte. Der südlichen Donauseite über die Autobahn fuhren wir durch ein Wohngebiet. Graue viereckige Betonklötze soweit das Auge reicht. Ein Klischee kommunistischer Ostblockarchitektur. Lebensfreude aussaugende Trostlosigkeit. Eine Gegend, in der möchte man nicht tot über den Betonzaun hängen. Dieselmal folge ich dem Radweg auf der nördlichen Donauseite. Ich möchte Bratislava eine zweite Chance geben. Wird die graue Stadt Farbe zeigen?. Wir werden sehen.






    Bratislava. Die Perle an der Donau.
    Als Kind von Dorf mag ich Städte generell weniger. Nach ein paar Tagen ist es mir zu laut, zu hektisch und ich sehnen mich nach der Ruhe der Natur zurück.
    Durch Straßen, vollgestopft mit Autos, schlängle ich mich durch den Verkehr. Eingebucht bin ich für eine Nacht im Blues Hostel. Ich denke an die Zeit zurück, als man sich noch mit Stadtplänen, Kompass und Karte herumschlagen musste. Heutzutage haben wir alle Offline Navis auf dem Handy und Powerbanks zur Stromversorgung. Technik kann schon etwas feines sein.
    Im Hostel angekommen, kann ich mein Rad im Keller unterbringen.
    Ach, vielleicht sollte ich das erwähnen, der nachfolgende Teil, handelt nur von Stadterfahrungen, es gibt noch weniger “Outdoor” als in den anderen Teilen der Berichte. Dies kann ohne etwas zu verpassen übersprungen werden.
    Das Hostel ist wie man sich ein durchschnittliches Hostel vorstellt. Mehrbettzimmer, vollgepackt mit Backpackern. Es gibt eine Bar an der man Kaffee und Dosenbier bekommt. Gitarren stehen zum vergewaltigen bereit. Die Sanitäranlagen sind gerade so sauber, das man sich nicht vollendends Ekelt.
    Es gibt einen Grund warum ich Hostels ganz gerne mag, und der liegt an folgender Konversation:
    “Hey, Wherer are you from?
    “Germany”
    “Wow. Cool. Which City”
    “Near Dortmund? And you.”
    “Dortmund? Awesome. I´m from Canada.”

    Eine Wortfolge, die ich hunderte male genau so abgespult habe. Mit Leuten von der ganzen Welt. Wahrscheinlich habe ich außer der Antarktis und Nordkorea von überall Menschen kennengelernt. Der einfachste und natürlichste Gesprächseinstieg den es gibt. Man kann direkt auf jeden zugehen und ein Gespräch anfangen. Natürlich muss man nicht. Da ich aber die letzten Wochen alleine im Wald verbracht habe, ist das Hostel/Backpacker leben eine willkommene Abwechslung. Zumindest für ein paar Tage. Vollzeit Backpacking wäre mir definitiv zu anstrengend. Und auch gesundheitlich für meine Leber arg bedenklich. Die Mischung aus Einsamkeit und Reflektion, zu extrovertiertem Sensationserlebnis bringen ein Gleichgewicht in das Reiseleben.

    Während ich einchecke mache ich Bekanntschaft mit Steve. Er kommt aus Irland. Cork. Awesome.
    Er hat schon ein paar Bier an der Bar getrunken und sucht noch leute die mit auf eine Reggae Party kommen. Da muss man mich nicht lange bitte. Yeaah maan! Drop da beat.



    Dreimal muss ich das Treppenhaus hoch, um alle meine Taschen in den zweiten Stock zu bringen. Ich betrete das Zimmer und ein älterer Herr begrüßt mich mit ausgestreckten Armen und breitem Osteuropäischen Akzent.
    “ ´ello myh frieendh. Wehlcome.”
    Er ist nackt. Komplett nackt und hat eine halb lehre Vodkaflasche auf der Fensterbank stehen.
    Ich belege eines der Betten und stelle zu meiner Erleichterung fest das der Mann weniger verrückt ist, als es auf den ersten Blick scheint. Ich benutze das Badezimmer. Bei der Rückkehr ins Zimmer hat Professor Dainis Gudovskis -so sein Name- wieder eine Hose an. Steve, von der Bar unten, ist auch in diesem Zimmer untergekommen und bei geöffnetem Fenster rauchen die beiden einen Spliff. Oh man. Wo bin ich hier gelandet.
    Der Professor ist in Bratislava um seine Glaskunst auf einem symposium im Museum auszustellen. Ob das wirklich stimmt, bezweifeln wir stark. Allerdings sind seine Ausschweifungen, zur Kunst und dem Leben allgemein, unglaublich unterhaltsam. Wir bringen es nicht den alten Mann, der nur in Unterhose vor uns sitzt, als verrückt zu erklären. Ich würde gerne etwas seiner grandiosen Erzählungen wiedergeben. Nur hat der Wodka, den er großzügig mit uns teilt, mein Kurzzeitgedächtnis aussetzen lassen.
    Am nächsten Tag googlen wir seinen Namen und trauen unseren Augen nicht, das die Geschichte mit der Ausstellung im Museum Hand und Fuß hat. Und der nackte alte Mann tatsächlich Glaskünstler ist.

    Wir machen uns auf den Weg die Stadt zu erkunden. Ohne den Professor.
    Wird sich zeigen ob die Stadt Farbe hat? Was werde ich wohl noch für Menschen treffen. Und hoffentlich sind sie dieses mal angezogen.

  8. Dauerbesucher
    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #68
    ja, Menschen sind neben dem in der Natur sein, etwas ganz wichtiges beim Reisen, das geht mir auch so. Ich staune immer wieder, was für skurrile, liebenswerte, lustige, interessante Menschen es überall gibt und auch darüber, wie selten ich auf unangenehme Menschen getroffen bin. Das finde ich immer sehr erfreulich.
    Two roads diverged in a wood, and I—
    I took the one less traveled by,
    And that has made all the difference (Robert Frost)

  9. Erfahren

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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #69
    Ein bißchen traurig bin ich, dass Wien- unsere allseits beliebte Bundeshauptstadt- so kurz weggekommen ist

  10. Neu im Forum
    Avatar von MonsieurX
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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #70
    Führe deinen Bericht doch bitte fort! Gut geschrieben und eine hoffentlich spannende Reise, ich lese ihn sehr gerne.

  11. AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #71
    Es scheint Dein Schicksal zu sein, von nackten Männern umgeben zu sein. Superbericht, danke. Bin gespannt, wie es weiter geht.
    Es ist immer zu früh, um aufzugeben.

  12. Neu im Forum

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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #72
    Ich würde mich auch total freuen, wenn der Bericht weiter ginge.
    Aber es ist auch klar, dass einiges an Arbeit investiert werden muss,
    um so einen Super-Text zu produzieren. Also ist noch Geduld gefragt

  13. Neu im Forum

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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #73
    Große Klasse dieser Reisebericht

    Danke schon mal bis hier hin.

    Kann es kaum erwarten das es weitergeht.

  14. AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #74
    Ich schließe mich meinen Vorrednern an: Sehr unterhaltsamer Reisebericht - vielleicht kannst du dich ja Hape Kerkeling als Ghostreisender anbieten

    P.S. Falls du doch nochmal über die Alpen radeln willst - vom Höhenprofil noch bequemer als der Via Claudia Augusto ist der Alpe Adria Radweg von Salzburg nach Grado. Bin den mit Frau und Freunden 2012 geradelt. Grado hatten wir links, d.h. im Süden, liegen gelassen und haben dann noch 5 Tage in/bei Venedig verbracht.

    Grüße aus Nordhessen

  15. Fuchs
    Avatar von wilbert
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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #75
    sehr erfrischend!

  16. Erfahren
    Avatar von Glenfiddich
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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #76
    Nu aber weiter schreiben bitte. Du hast eine große Gemeinde,- die scharren mit den Hufen

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