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  1. Anfänger im Forum

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    [DE] [AT] [SK] [HU] [BA] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #1
    Mitreisende: natureride
    Hallo miteinander,


    hier folgt in den nächsten Tagen mein Bericht über meine 6 Monatige Radreise von Deutschland nach Baku.

    Die Reise fand letzten Sommer statt und ich schreibe alles aus dem Gedächtnis auf. Der Bericht ist eigentlich nur für mich selbst gedacht, aber durch die Veröffentlichung hier zwinge ich mich selber einwenig mehr auf Formatierungen zu achten und am Ball zu bleiben.

    Ich freue mich wenn der Bericht jemanden gefällt. Wenn nicht, auch egal. Davon wird meine Reise nicht weniger wertvoll für mich.


    Viel spass
    Geändert von natureride (21.02.2018 um 21:10 Uhr)

  2. Anfänger im Forum

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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #2
    Packen

    Sonnencreme?
    Check!
    Unterbuchsen?
    Drei Stück?
    Check!
    Ultraleichtes Microfaser Reisehandtuch?
    Che….
    Mist! Das blaue Handtuch fehlt noch. Irgendwo hinten im Schrank bei den Sportklamotten muss das sein. Hab ich schon ewig nicht mehr benutzt. Wer trocknet sich den auch bitteschön freiwillig mit einem Microfaserhandtuch ab? Aber hier geht es nicht um Komfort und Annehmlichkeiten. Gewichtssparen ist die Devise.
    Die nächsten 6 Monate stehen nämlich unter dem Zeichen einer Mission. Dem größten Abenteuer das ich bis jetzt angegangen bin.
    Mit dem Fahrrad von Deutschland nach Baku. Das ist in Aserbaidschan. Geschätzte 10.000 bis 12.000 km entfernt.
    Warum mache ich das? Gute Frage.
    Keine Ahnung warum.
    Reinhold Messner hat mal geantwortet warum er die ganzen 8000der besteigt: „Ja, weil sie da sind. Dumme Frage“
    Genau so geht’s mir auch. Ich muss das einfach machen. 6 Monate körperliche Herausforderung, keine Ahnung wo ich Übernachten werde, eine Fahrt ins ungewisse.
    Ungewiss ist ein gutes Stichwort. Den meine einzige Planung hab ich schon beschrieben. Deutschland – Baku. Ich weiß das ich im Schengengebiet erstmal keine Visa benötige. Den Rest organisiere ich unterwegs. An der ersten Tankstelle kaufe ich mir eine Strassenkarte für Deutschland und irgendwie werde ich schon ankommen.
    Aber ich schweife ab. Das blaue Handtuch fehlt immer noch. Das letzte mal hab ich das benutzt als ich mit dem Rad nach Oslo gefahren bin. Weil sooo Blauäugig wie es sich anhört bin ich dann doch nicht. Das ist jetzt meine dritte längere Radreise, die beiden davor waren einmal in sechs Wochen nach Portugal und danach ging es in zwei Monaten nach Norwegen. Also ich weiß worauf ich mich einlasse, und die Technik sowie Ausrüstung habe ich auch nach und nach meinen Bedürfnissen angepasst.
    Ah, da ist es ja. Im Hosenbein einer Regenhose die ich schon ewig nicht mehr angezogen habe. Mhhh. Müffelt auch ein wenig, das Handtuch. Vorher waschen wäre ganz gut. Aber da habe ich jetzt keine Zeit mehr für. Morgen früh am 27.05 geht es nämlich los.

    Ziemlich groß ist das Handtuch. Vielleicht kann ich das in der Mitte durchschneiden. So wiegt es nur halb so viel.
    Wo ist den mein Klappmesser? Ganz Unten in meiner Ortlieb Packtasche? Aber in welcher.
    Aus Erfahrung weiß ich das sich Unterwegs eine natürliche Organisation in meinen Taschen bilden wird. Unterwegs muss man immer genau wissen wo was zu finden ist. Aber das kommt von ganz alleine.
    Eine halbe Stunde später ist es dann geschafft. 4 Wasserdichte Packtaschen, ein Wasserdichter Packsack und eine Lenkertasche- nicht Wasserdicht- stehen bereit.
    Alles in den Fahrradkeller geschleppt und an meinem 15 Jahre alten Mountainbike befestigt.
    Die Probefahrt auf dem Hof ist ernüchternd. Scheiße ist das Bike schwer. Und ich will über die Alpen. Na wird schon irgendwie gehen.
    Geändert von natureride (20.02.2018 um 20:01 Uhr)

  3. Moderator
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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #3
    Zitat Zitat von natureride Beitrag anzeigen
    Mit dem Fahrrad von Deutschland nach Baku. Das ist in Georgien.
    Ist das ein Test, ob auch jemand deinen Bericht liest?
    Klar ist überhaupt nichts - aber das dafür umso deutlicher.

  4. Anfänger im Forum

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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #4
    Danke für den Hinweis.
    Ich hätte es mal lieber selber lesen sollen.

    Ist gar nicht so einfach, über das Erlebte konzentriert zu schreiben ohne in mit dem Geist ununterbrochen die Ereignisse Revue passieren zu lassen.

  5. Anfänger im Forum

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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #5
    Tag 1

    Yeah!
    Ich glaubs nicht. Ca. drei Jahren nach der ersten Idee, sitze ich jetzt tatsächlich auf dem Rad und fahre ins ungewisse.
    Noch ist mir die Landschaft gut bekannt. Hunderte male bin ich schon diese Strecke gefahren. Von meinem Heimatdorf, ein kleines 3000 Leute Nest, fahre ich südlich den Radweg Richtung Neuenrade.
    Es ist ende Mai, und ich habe Glück, die Sonne scheint mir ins Gesicht.
    Ein Unbeschreibliches Gefühl. Ich mag diese Einfachheit.
    Tür auf, aufs Rad setzen, und losfahren.
    Viele Leute haben mir natürlich gesagt: Junge, du musst dich Vorbereiten. Die Etappen müssen geplant sein.
    Aber was soll ich darauf antworten?
    Einen scheiß muss ich halt.

    Jeden Baum, jedem Strauch kenne ich hier.
    Den Weg den ich jetzt fahre, ist mein Arbeitsweg. Links am „Industriebegiet“ rein, über den Bahnübergang (noch ohne Schranke), rechts auf den Feldweg.
    Irgendwie nehme ich jetzt alles intensiver war als sonst, das Grass ist grüner, der Himmel blauer.
    Vom Klärwerk weht mir leicht gammliger Geruch in die Nase.

    Und ich hab einfach nur ein Grinsen im Gesicht während ich , noch leicht wackelig vom vielen Gewicht, den ersten Berg rauftrete.

    In Neuenrade, dem Nachbardorf, registriere ich wie mir eine ältere Dame – auch, was schreibe ich da, ich komm aus m Sauerland - wie mir ne Omma verwundert nachschaut.
    Hier fällt alles auf was nicht der Norm entspricht.
    Freundlich nicke ich ihr zu.
    Sie guckt mich reglos an als wäre ich ein Alien.
    Eine Reaktion, das kann ich schon mal vorwegnehmen, die mir unzählige male widerfahren wird.
    Ich freue mich dann einfach das ich den Leuten eine kleine Abwechslung bieten kann.

    Oben auf der ersten Anhöhung angekommen, geht es jetzt eine längere Bergabstrecke durch typisch Sauerländer Tannenwald. Einen Radweg gibt es hier nicht, und so fahre ich auf der eher schmalen Straße zwischen den Autos entlang. Mache Fahrer bleiben lange Zeit hinter mir und warten auf eine länger gerade Strecke, auf der sie mich mit etwas Platz Überholen können.
    Andere sind einfach Arschlöcher.
    Besonders mit 40kg am Rad verteilt, ist es unangenehm, wenn man ein Auto mit wenigen Zentimetern Abstand spüren kann.
    Ein weiteres Detail fällt mir auch wieder ein.
    Meine Bremsen sind nicht für diese Gewichtsbelastung ausgelegt. Auch wenn sie 2001 mal hochwertige State if the Art Felgenbremsen waren, muss ich jetzt ganz schon reinlangen um mein Rad vor den engen Serpentinenkurven herunterzubrennen.
    Wird schon alles irgendwie schiefgehen

    Aber geil ist es trotzdem, fast wie fliegen. Und mit jedem Meter entfernen ich mich mehr von Zuhause. Mein Herz pocht und ein Glücksgefühl steigt von meiner Magengegend in meinen Kopf.
    Es geht nicht anders:
    YUPPPPIE!!!
    Ein lauter Schrei entfährt mir.

    Meine Freude wird aber schlagartig durch Schlaglöcher gebremst, als ich in Werdohl einfahre.
    Keine Federung und 6bar Luftdruck um den Rollwiederstand zu minimieren, da gilt es jeder Unebenheit auszuweichen.
    Die ersten 20km sind geschafft, und hier kenne ich mich zwar noch aus, aber nicht jede Nebenstraße ist bekannt.
    Grob habe ich mir Überlegt, dass ich erst mal der Lenne folge.
    Eine Karte habe ich noch nicht, die will ich mir noch an der nächsten Tanke zulegen, oder wo ich halt eine bekomme.

    Aber mal grob nachgedacht. Wasser fließt nach unten.
    Also wird ein großer Fluss nicht oben auf dem Berg sein, sondern im Tal. Demzufolge biege ich jetzt rechts ab, dann hier geht’s steiles nach unten. Danach links, noch ein bekacktes Schlagloch mitgenommen, einer gerade aufgehenden Autotür in letzter Sekunde ausgewichen und schon bin ich am Lenneufer.
    Die Lenne fließt in die Ruhr, also muss ich dem Lenneradweg flussaufwärts folgen.
    BÄM!
    Landkarten sind nur was für Anfänger.

    Es ist kurz nach Mittag, und nach dem ich mich im Lidl mit Brot und Schmierkäse versorgt habe, mache ich erst mal am Fluss auf einer Bank Vesperpause. Mir wird klar das ich gestern das letzte Mal in einem richtigen Bett geschlafen habe.

    Ca 15km geht es noch weiter an der Lenne entlang. Auf einem perfekt Asphaltiertem Radweg gleite ich bei Sonnenschein absolut eben an einer Traum Flusslandschaft dahin. Schöner könnte der Start nicht sein.

    Als es so langsam dunkel wird, suche ich mir direkt am Fluss einen Schlafplatz. Lange muss ich nicht suchen und ich finde eine Perfekte Stelle.
    Mein altes Zelt ist schnell aufgebaut, Holz fürs Lagerfeuer gesucht und angezündet.



    Die erste Nacht im Zelt, nach langer Zeit. Was hab ich das vermisst.

  6. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #6
    Sehr schön! Der Anfang liest sich schon mal vielversprechend! Und der Titel auch! Bin gespannt auf mehr!

  7. Erfahren

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    #7
    Sehr schön

  8. Gerne im Forum
    Avatar von bogus
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    #8
    das hört sich schon mal sehr gut an. ich bin gespannt wie du am ende nach tokelau kommst

  9. Alter Hase
    Avatar von codenascher
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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #9
    nun vergrault ihn bloß nicht mit eurer Genauigkeit

    natureride, ich freue mich auf deinen Bericht, hoffe du hälst bis zum Ende durch! Und bitte schön viele Fotos einbinden.

    Bin im Wald, kann sein das ich mich verspäte

    meine Weltkarte

  10. Anfänger im Forum

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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #10
    Danke schonmal für eure Resonanz.

    Nur nicht von so kleinen geografischen Details unterkriegen lassen. Ich schreibe alles aus dem Gedächtnis aus und es wird noch reichlich Ungenauigkeiten geben. An die verschiedenen Stimmungen kann ich mich besser erinnern als am jede kleine Ortschaft.
    Genauso ist der Weg wichtiger als das Ziel.

    Fotos gibt es in den ersten Wochen aufgrund technischer Probleme leider nur bruchstückhaft, dafür danach umso mehr.

  11. Anfänger im Forum

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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #11
    Tag 2




    Die aufgehende Sonne weckt mich. Ein kurzer Blick aufs Handy sagt, kurz nach 6.
    Ich ziehe mir die Schlafsackkaputze über den Kopf und versuche eine bequeme Position auf dem unebenen Boden zu finden.
    Geschlafen habe ich eher schlecht als recht. Als Unterlage dient mir eine extraleichte, und dementsprechend auch dünne Unterlage.
    Die Nacht bestand nur aus einem nicht erholungsförderndem Halbschlaf.
    Das ständige Flussrauschen tut sein übriges. Ich muss Pipi.
    Beim kurzen Lüften der Kapuze strömt kalte Luft in den Schlafsack, und ich entscheide mich für liegenbleiben.
    10 Minuten später siegt der Harndrang. Total übermüdet klettere ich aus dem Zelt und krieche auf die taunasse Wiese.
    Barfuß, mit den Zehen im Lennestrand schaue ich in die vom Sonnenaufgang noch leicht Lila Wolken, während ein Strahl der Erleichterung in die Lenne giesst.

    Mein Zelt ist noch mit reichlich Tau bedeckt.
    Die ersten Sonnenstrahlen trocken die Aussenhülle
    Der Fluß ist von Nebelschwaden bedeckt. Mystisch wandern hellgraue Ballen wie Trockeneis über das Wasser. Vögel zirpen leise.
    Ich bin nur in dem Moment und konzentriere mich auf das jetzt, auf diesen Augenblick.
    Als meine Füße kalt und kälter werden, registriere ich dies nur als einen starken Moment der Lebendigkeit.

    Sonnenaufgang übertrifft Sonnenuntergang fast immer. Auch wenn es physikalisch dasselbe ist und die Farben gleich.
    Ein Sonnenaufgang hat oft deutlich mehr Epic.
    Der Tag erwacht, der Boden und die Luft ist kühl, alles ist von Nebel und Tau bedeckt.
    Man muss aus ich halt aus dem Bett quälen. Und oft verpasst man den besten Moment des Tages.

    Während der letzten Minuten des Naturschauspiels sammel ich Feuerholz für den Morgenkaffee. Einen Trangia hab ich zwar auch, aber am richtigen Feuer gekocht schmeckt Kaffee deutlich besser. (Würde mich nicht wundern wenn es Studien darüber gibt, die belegen, das heißes Wasser, an offener Flamme erwärmt, sich molekularen anders verhält).
    Und schon kommt die erste Ernüchterung. Tasse vergessen!
    Meine schöne verbeulte Blechtasse, die mir dem eingebrannten Rand. Die mich schon seit Jahren begleitet.
    Tolle Wurst!

    Aus dem Topf trinken funktioniert aber auch.
    Während die Sonne mein Zelt trocknet, sortiere ich den Inhalt meiner Packtaschen neu. Regenzeug nach ganz unten, Küchenzeug nach oben. Was ich als nächstes benötige, soll direkt erreichbar sein.

    Eine halbe Stunde später ist dann alles am Rad verstaut. Es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis das zusammenpacken mit Leichtigkeit von der Hand geht.



    Weiter geht's, Richtung Süden.
    Der Sonnenschein von gestern wird von mehr und mehr Wolken beschattet.
    Und schon bald ist der schuldige dafür gefunden




    Eine Wolkenmaschine. Wer hätte das gedacht. Na ja, solange es Arbeitsplätze schafft.


    … Teil zwei… Morgen…

  12. Dauerbesucher
    Avatar von Smo
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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #12
    "Ein Sonnenaufgang hat oft deutlich mehr Epic."

    Yeah Klasse Bericht bis jetzt. Bin wirklich gespannt.

    Viele Grüsse
    Steve
    --
    Nur der Einsame findet den Wald: wo ihn mehrere suchen,
    da flieht er, und nur die Bäume bleiben zurück. (Rosegger)

  13. Fuchs
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    #13
    Liest sich super bisher, dein Bericht!
    Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht ...
    Ich bin dabei!
    Kalender *Papageitaucher 2019*
    Das Wetter, das man jeden Morgen in sich selber macht, ist viel wichtiger als das Wetter draußen. Fynn

  14. Moderator
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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #14
    Gefaellt mir sehr gut, nur weiter...

  15. Dauerbesucher
    Avatar von danobaja
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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #15
    Zitat Zitat von natureride Beitrag anzeigen
    Tag 1

    ...
    Ein Unbeschreibliches Gefühl. Ich mag diese Einfachheit.
    Tür auf, aufs Rad setzen, und losfahren.
    ...
    Einen scheiß muss ich halt.

    ...
    BÄM!
    Landkarten sind nur was für Anfänger.

    ....
    Zitat Zitat von natureride Beitrag anzeigen
    Tag 2 ...

    Sonnenaufgang übertrifft Sonnenuntergang fast immer. Auch wenn es physikalisch dasselbe ist und die Farben gleich.
    Ein Sonnenaufgang hat oft deutlich mehr Epic.
    [/I]
    ganz nach meinem geschmack. brüder im herzen!
    ich freu mich auf den rest.
    danobaja
    __________________
    resist much, obey little!

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    #16
    Wirklich sehr schön geschrieben, da freu ich mich schon auf die weiteren Berichte

  17. Erfahren
    Avatar von Glenfiddich
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    #17
    Wow. Eine sehr lebendige lebensnahe Schreibe. Werde mit dir fahren und freue mich auf deinen Bericht.

    Für mich der gerne alles plant sind Menschen wie du bewundernswert. Einfach drauflos, einfach machen, keine Haarspalterischen Fragen in irgendwelchen Foren stellen. Ach könn´t ich das doch auch. Hoffe das du mir die ein oder andere Mittagspause versüßt.

  18. Anfänger im Forum

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    AW: [DE] [AT] [HU] [RS] [BG] [TK] Von einem der auszog die Welt zu sehen

    #18
    Es wird Zeit der Lenne, meinem gestrigen Begleiter, ade zu sagen.




    Generell versuche ich Flüssen zu folgen. Meist ist es flach, Verfahren quasi umnöglich, es gibt gute Übernachtungsplätze und man kann sich sowie seine Klamotten waschen.

    Radfahren in Deutschland ist im allgemeinen super einfach. Überall gibt es gut ausgeschilderte Radwege und die Supermarkt Infrastruktur ist ausgezeichnet. Hinzukommt das ich fließend deutsch spreche.
    Wer hätte das gedacht.

    So folge ich den weiß roten Schildern durchs wellig Mittelgebirge gen Süden.
    Mittlerweile mit einer groben 1:200000 Karte ausgestattet, ist mein wichtigstes Utensil mein Offline Navi. Sprich eine Klingel in die ein Kompass integriert ist. Mein nächstes Ziel ist Donauwörth. Von hier werde ich dem Via Claudia Augusta nach Venedig über die Alpen folgen.
    An unklaren Kreuzungen dient es mir meist als Ratgeber, und ich wähle einfach den Weg der mehr Richtung Süden geht. Oder bergab.



    Auf meiner letzten Reise traf ich Matt und Gabi, zwei verrückte Engländer, die das Motto hatten: Niemals eine Straße zurückfahren wenn man sich verfährt. Immer weiter nach vorne.
    Das gefällt mir gut, ich ich beschließe dies auch aufzunehmen.

    Langsam wird es Zeit Nahrung zu besorgen. Also den nächsten Supermarkt angefahren. Und die erste Grundsatzfrage: Rad abschließen oder nicht?
    Ich hab eh nur ein dünnes Drahtschloss (mit Zahlencode - hier hab ich aus Erfahrung gelernt, und ein Schlüssel wird unweigerlich irgendwann verloren gehen.)
    Ich vertraue hier auf mein Bauchgefühl und in größeren Städten schließe ich ab, auf dem Land vertraue ich den Leuten.

    Zu Mittag gibt es wie gestern Brot und Schmierkäse. Und Schokolade. Keine Ahnung warum, aber wenn ich unterwegs bin hab ich immer einen Heißhunger auf Schokolade. Bergeweisen könnte ich diese Kalorientafeln des Hochgenuss verdrücken. Zwei bis drei Tafeln pro Tag sind locker drin.

    Aber jetzt erstmal ne Wegbeschreibung. Dafür ist das ganze hier ja da.
    Also.
    Weizenfeld links.
    Wald rechts.
    Dann ein kleines Dorf.
    Grosses Dorf.
    Viele Strassenschilder.

    Deutschland halt.
    Es gibt hier sicherlich schon reichlich Beschreibungen von Mitteldeutschland, die dies ausführlicher getan haben als ich es könnte.



    An diese Etappen kann ich mich auch nicht mehr wirklich erinnern.Deshalb ist hier mehr Zusammengefasst, etwas ich in ein paar tagen erlebt habe. Es ist nichts spannendes passiert, keine Pannen, keine tollen Ereignisse und leider habe ich nur noch wenige Fotos. (An der Donau habe ich meine Kamera, unfreiwillig, dem Fluss geopfert.)
    Die spannenden Erlebnisse und interessanten Leute kamen erst etwas später.
    Aber auch dieser Abschnitt ist für mich wichtig. Es ist eine Art eingrooven in das Nomadenleben

    Dieser Abschnitt, der Reise, dient zum Kopf freikriegen. Alleine in der Natur. Städte meiden. Wildcampen. Stundenlanges Radfahren. Den Gedanken freien Lauf lassen.
    Höre ich in mich hinein, höre ich das Geräusch eines Fernseh Standbildes.
    Meine Sinne sind in irgendeiner Weise von einem Schleier bedeckt. Wie angegraute weiße Wäsche. Im Alltag fällt es gar nicht auf. Aber im direkten Vergleich schon.

    Hier muss ich auch gleich mal den grossen Nachteil des ungeplanten Reisens darstellen. Man verpasst einfach unheimlich viel an Sehenswürdigkeiten. Es kann durchaus vorkommen, das man nur ein paar kilometer an einem herrlichen Schloss vorbeifährt, da man nichts davon weiss.
    Aber wenn man dann mal ungeplant auf etwas stößt, ist die Freude doch um so grösser über die Entdeckung


    So langsam wird es nach einem langen Radtag aber wieder Zeit, einen Übernachtungsplatz zu finden. Mittlerweile habe ich ein wenig Übung darin, und ich schaue gerne nach Möglichkeiten, einen Platz am Wasser zu ergattern.
    Google Maps (mein Handy wird über einen Nabendymano geladen) verrät mir, das in ein paar kilometern ein kleiner See in einem Waldgebiet ist. Das lohnt sich auf jeden Fall zu überprüfen.
    Und tatsächlich hab ich Glück,es findet sich ein kleines Gewässer in einem Waldchen. An der Ostseite von einem Wanderweg erreichbar, schlage ich mich ein wenig weiter durch und finde eine Lichtung auf der ich ungesehen mein Zelt aufbauen kann.
    Zum Abendbrot gibt es Nudeln mit roter Sauce. Diesmal óhne Lagerfeuer, da ich lieber unentdeckt bleiben möchte.



    Etwas später, ich hab mir noch ein Bierchen am Seeufer gegönnt, wird es merklich kühler. Der Wind schwillt an und lässt die Baumwipfel rascheln. Es ist Bettzeit.


    In der Nacht werde ich wach. Irgendwer ist da draussen. Es ist bereits stockdunkel.
    Ich liege absolut steif und reglos im Schlafsack.
    Da.
    Da war es wieder. Ein tiefgezogenes grunzen.
    Wildschweine?
    Das wäre neben Menschen das, das mir am gefährlichsten werden könnte.

    Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen, ziehen langsam meinen Schlafsack auf. Greife nach meiner Taschenlampe,und ziehe mit möglichst wenig Geräuschen meine Zelttür auf.
    Absolute Stille. Ich halte den Atem an.
    Im Schein meiner Lampe erkenne ich nichts, nur Blätter der Laubbäume.

    Stille.

    Ich verkrieche mich wieder ins Zelt.
    Angespannt lausche ich noch.

    Und da. Da ist es wieder. Lautes Grunzen. Diesmal nicht weit vom Zelt.
    Fuck.
    Jetzt überrasche ich, was auch immer da draussen auf mich lauert
    .
    Wie war das nochmal? Keine Lebensmittel im Zelt lassen.
    Aber das war ja nur bei Bären. Oder auch bei Wildschweinen?

    Ich reiße das Zelt auf und leuchte sofort an die Stelle, an der ich das unheimliche Geräusch gehört habe.
    Nichts. Stille.

    Als ich draussen stehen bücke ich mich nach einem fausdicken Knüppel, ohne die Stelle mit dem Tier aus den Augen zu lassen.

    Soll ich lieber auf einen Baum klettern. Oder ganz flüchten?

    Da ist es wieder. Rascheln, Grunzen.
    Ganz nah.
    In Fusshöhe.

    Und ich sehe es.
    Igel.
    Zwei Stück.

    Puh.

    Ich muss ein wenig über mich selber lachen. Bin schon ein toller Held, der sich bei zwei Igeln fast ins Hemd macht.
    Zu meiner Verteidigung muss ich erwähnen:
    Es waren schon ausgesprochen grosse Igel.
    Mit besonders spitzen Stacheln.
    Geändert von natureride (23.02.2018 um 09:36 Uhr)

  19. Anfänger im Forum

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    #19
    a

  20. Anfänger im Forum

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    #20






    Der Weg Richtung Süden führt mich am Main entlang. Es ist Pfingstwochenende bei herlichstem Sonnenschein, und reichlich Radler sind unterwegs. Allerdings scheine ich der einzige unter 50 zu sein. (Das ist nur eine Feststellung und hat keinerlei Bewertung). Man hat endlich mal Leute um sich beim Radfahren ein wenig zu unterhalten. Ein paar Wochenend-Tourer sind auch darunter. Anscheinend gilt, je kürzer die Tour, umso hochwertiger die Ausrüstung. Ein wenig neidisch bin ich schon auf diese stabilen und laufruhigen Velotraum und Konsorten Fahrräder. Wenn ich nur jetzt schon wüsste was ich alles für Gefährte, in abgelegenen Gegenden mit dem Plan, noch nach China zu fahren, treffen werde. Würde ich schon über meinen jetzigen Neid schmunzeln.



    Ich suche mir einen Platz zum übernachten, und werde in der Nacht von einem prasseln auf meine Zelthülle geweckt.


    Der Buff ist bis über die Nase hochgezogen.
    Der Regenhut sitz tief im Gesicht.
    Eiskalte Regentropfen schlagen in den schmalen Spalt im Gesicht, der als einzigstes Körperteil dem Unwetter ausgesetzt ist.
    Graue Tannenwälder ziehen an mir vorbei, als ich langsam gegen den peitschenden Wind antrete.
    Das schöne Wetter ist leider wieder vorbei und hat nur ein paar Tage angehalten. Jetzt wird die Witterungslage der Jahreszeit gerecht.
    Immer stärker gießt der Regen. Ich bin, trotz Regenkleidung, bis auf die Haut durchnässt.
    Als der Regen kurz vor Mittag einsetzte, war ich spontan von einer Kampfansage gegen die Natur übermannt. Jetzt suche ich nur noch nach einer Unterstellmöglichkeit.
    Schwusch. Ein Auto überholt mich, und ich bekomme einen riesen schwall Wasser von einer tiefen Pfütze ab. Jetzt reichts.
    Ich flüchte unter ein nahegelegenes Carport. Lehne mein Rad an einen Pfosten und setze mich erschöpft und durchgefroren auf den Boden.
    Mit steifen Finger friermel ich eine halbe Tafel Vollmilchschokolade aus meiner durchweichten Lenkertasche.
    “Warum mache ich das eigentlich” geht mir durch den Kopf.
    Jetzt wär mal ein guter Moment für diese magischen Erlebnisse von denen man von anderen Reisenden immer hört. Warum werde ich nicht von einer alten Oma, die Mitleid mit mir hat, ins Haus eingeladen und bekomme eine heiße Suppe vorgesetzt.
    Aber nichts passiert. Es regnet einfach weiter und ich esse fröstelnd meine Schokolade. So ist zumindest nicht alles schlecht.

    Der Regen fing heute Morgen genau in dem Moment an, in dem Ich mein Zelt abgebaut habe. Erst waren es nur vereinzelte kleine Tropfen, aber die bedrohlich schwarze Wolkendecke ließ mich vorsorglich meine Regensachen oben in die Taschen legen. Nach einer Fahrt von einer Dreiviertelstunde war es dann auch notwendig mich umzuziehen.

    Mein nächster Urlaub wird so wie ihn normale Leute auch machen. Hotel buchen, mit Vollpension den Magen vollschlagen, am Pool liegen.
    Ne, nur ein Spaß.
    Mir kommt die Erinnerung an meine Schweden Radtour in den Sinn.
    Zehn Tage hat es am Stück durchgeregnet. Alles war komplett durchnässt. Mein Zelt, mein Schlafsack, sämtliche Klamotten die ich dabei hatte. Es bedurfte einer großen Mentalen Anstrengung, sich zu überwinden morgens aus dem Zelt zu klettern, dieses nass und schwer einzupacken, und dann einen weiteren Tag durch nasskalten Regen zu fahren.
    An besagtem zehnten Abend, als meine Motivation so richtig am Boden war, da entdecke ich doch, eingewickelt in eine Plastiktüte, ein paar Pupstrockene warme Wandersocken.
    Nie habe ich mich in meinem Leben reicher beschenkt gefühlt. Nie werde ich vergessen wie ich feierlich diese warmen dicken Socken überzog. Dazu wärmte mein kleiner Brenner das Zelt vom Nudeln kochen auf.
    Ein knisternder Kamin an einem Schneebedeckten Winterabend kommt nicht an dieses Erlebnis dran.
    Und mit einem Grinsen kommt mir der Gedanke, das ich ein paar Monate später in meiner warmen Wohnung sitzen werde, und ich mit einem Tee neben mir diesen Moment Revue passieren lassen werde, und ich doch gerne die warme Gemütlichkeit gegen das jetzige Abenteuer mit allen Entbehrungen tauschen würde.

    Nach einer weiteren halben Stunde klart es dann auch etwas auf. Meine Schokolade ist gänzlich weggeputzt. Und der Endspurt des Tages steht an.
    Die letzten Stunden habe ich dann auch tatsächlich ein wenig Glück und ich kann bei fast Sonnenschein an den Weinbergen entlanggleiten.

    Als es so langsam Dunkel wird, habe ich heute weniger Glück mit dem finden eines Schlafplatzes.
    Je später es wird umso anspruchsloser wird man bedarf an den Übernachtungsort.
    Heißt es anfänglich noch:
    Eben,
    Am Wasser,
    Nicht einsehbar,
    Mit leicht zu erreichenden Feuerholz,
    Mückenfrei.

    Ist der Anspruch den ich nach der Dämmerung habe, auf “Eben” beschränkt.

    Ca. drei Kilometer muss ich, nachdem es anfängt dunkel zu werden, noch fahren. Aber dann finde ich einen brauchbaren Platz, indem ich in einen Feldweg abbiege.

    Der Weiße Stein auf dem Pfosten lässt mich schon etwas verwundert dastehen. Ich habe allerdings eine Vermutung um was es sich handelt.
    Das ist bestimmt ein Leckstein für Tiere.



    Am nächsten morgen mache ich den Test. Er schmeckt Salzig.

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