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  1. AW: [DE][AT][IT] Solo-Transalp Füssen-Gardasee auf eigener Route

    #21
    Mitreisende: Thardan
    "warum brauche ich morgens immer eine Stunde länger als geplant"

    Meine Theorie ist, dass diese Stunde in Wirklichkeit gar nicht existiert. Es kann doch nicht sein, dass jeden Tag eine Stunde spurlos und unbemerkt an mir vorüber geht.

    Einfach eine eigene Tour auf der Karte zusammen stellen und dann auf die Ratschläge anderer Wanderer hören und spontan anders gehen finde ich eine Superherangehensweise an eine Alpenüberquerung.

    Jedenfalls sinnvoller als die Herangehensweise "Ich möchte im August den E5 gehen, aber bitte allein!"

    Wunderschöne Fotos, ich freue mich auf die Fortsetzung!

  2. Administrator Dauerbesucher
    Avatar von sudobringbeer
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    AW: [DE][AT][IT] Solo-Transalp Füssen-Gardasee auf eigener Route

    #22
    Sehr schöner Bericht! abonniert.

  3. AW: [DE][AT][IT] Solo-Transalp Füssen-Gardasee auf eigener Route

    #23
    Morgen allerseits!

    Erstmal danke für die Blumen und euer Feedback!

    Zitat Zitat von danobaja Beitrag anzeigen
    wenn du wolfgang heissen würdest würd ich wetten dass wir uns kennen, du siehst mir so bekannt aus.
    Ist ja lustig - haste mal irgendwo ein Bild von dem Wolfgang? Und was das Kennen angeht: können wir ja noch ändern!

    Zitat Zitat von agricolina Beitrag anzeigen
    Deine gerade Linienführung finde ich super. Magst du ein bisschen was zu deinem Rucksack und Setup sagen?
    Zu Setup und Ausrüstung schreib ich definitiv noch einen eigenen Beitrag. Allein schon deshalb, weil mich viele Leute hier im Forum bei der Zusammenstellung unterstützt haben. Aber erst mal berichte ich noch über ein paar mehr Etappen - gibt ja noch so viele!

    Was die Linienführung angeht: ich hatte für jeden Abschnitt mehrere Alternativen zur Auswahl, teilweise auch mit deutlichen Schlenkern. Letztendlich habe ich mich aber immer die "Diretissima" gewählt - vor allem, weil das meistens die weniger begangenen Wege waren. Zuletzt aber auch, weil ich in Zeitnot war. Genaue Erklärung folgt im Bericht. Zum Thema Routenplanung gibts auch noch einen eigenen Beitrag.

    Zitat Zitat von qwertzui Beitrag anzeigen
    Meine Theorie ist, dass diese Stunde in Wirklichkeit gar nicht existiert.
    Das ist die Lösung, das erklärt alles! Der Tag hat tatsächlich nur 23h! Dann brauch ich mich in Zukunft ja morgens gar nicht mehr beeilen!

    Zitat Zitat von qwertzui Beitrag anzeigen
    Einfach eine eigene Tour auf der Karte zusammen stellen und dann auf die Ratschläge anderer Wanderer hören und spontan anders gehen finde ich eine Superherangehensweise an eine Alpenüberquerung.
    Danke Dir, wo bei "einfach zusammenstellen" es nicht ganz trifft: ich habe recht viele Quellen (ODS, deine-berge.de, Karten 4 verschiedener Verlage, hikr.org, ODS, direkte Anfragen bei Hütten und Alpenvereins-Sektionen, mein Vater mit 40J Bergerfahrung) ziemlich lange beackert, bis die Route (oder vielmehr ein Satz von passenden Routen-Alternativen) stand. Aber wie gesagt, Thema Tourplanung kommt noch.

    Zitat Zitat von qwertzui Beitrag anzeigen
    Jedenfalls sinnvoller als die Herangehensweise "Ich möchte im August den E5 gehen, aber bitte allein!"
    Hehe. Den E5 habe ich einen Tag gekreuzt - das war lustig (wie planlos mache Leute in die Berge gehen!), hat dann aber auch gereicht. Auch wenn ich den Begriff "Alpenüberquerung" (was damals für mich sehr spannend klang) zum ersten mal von einer E5-Wanderin gehört habe.

    Zitat Zitat von derSammy Beitrag anzeigen
    OT:
    Fahr ich nach London schau ich auf den Tower, in Paris auf den Turm in Rom aufs Colusseum ... freilich bin ich da nicht der Einzige...aber dran vorbeigehen und die Augen zukneifen um ja nicht als "Tourist" erkannt zu werden... wär schon schön blöd..
    Sehe ich auch so. Allerdings reicht mir dann eine Sehenswürdigkeit per Urlaub, und die auch nur kurz. So stand ich auf dieser Tour auch nur 20min vor Neuschwanstein und hab n Päuschen gemacht. Lust reinzugehen hatte ich keine - was allerdings nur an den Menschenmassen lag. Das Schloss ist schon verdammt beeindruckend. Egal, ich verzichte gerne drauf und suche mir meine eigenen Sehenswürdigkeiten, und das meist erfolgreich.

    Mit Gipfeln sehe ich es übrigens genauso: obwohl ich durchaus die Möglichkeit hatte, habe ich viele "Prestige-Gipfel" nahe meiner Tour (Wildspitze, Similaun, Monte Cevedale, ...) gar nicht erst eingeplant. Ich habe es nie bereut: der Vorteil der unbekannten Gipfel ist ja, dass man auf die bekannten und schönen Gipfel schauen kann. Und das meist allein ;)

    So, jetzt mache ich mich aber an die Berichte über die nächsten Etappen!

  4. Tag 4: Rinnen - Berwang - Kögelehütte (Ruhetag)

    #24
    Tag 4: Rinnen - Berwang - Kögelehütte (Ruhetag)
    Dienstag, 09.08.2016

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    Für heute habe ich einen Ruhetag eingeplant. Das passt, denn die angekündigte Kaltfront ist eingetroffen. Beim Frühstück um 8:00 schüttet es in Strömen, selbst hier unten weht ein ordentlicher Wind, und 50m über den Häusern verschwindet alles in dichten Wolken. Immerhin habe ich fast keinen Muskelkater, das hatte ich an Tag 3 deutlich schlimmer erwartet.


    Aber ist bei diesen Bedingungen die für morgen geplante Grattour machbar? Ich bezweifle es. Der Hausherr - erfahrener Bergretter - bestätigt meine Einschätzung: sowohl die Grattour über die Suwaldspitzen und den Roten Stein zur Loreahütte, wie auch die Alternativroute direkt über den Roten Stein zur Loreahütte wären jetzt zu gefährlich.

    Mist! Ich bin wirklich enttäuscht. Ich hatte mich so auf diesen ersten halbwegs ernsthaft alpinen, weglosen Abschnitt gefreut. Fast einen kompletten Tourtag nur "obenlang" mit toller Sicht und "anregender" Kletterei, wie es der AV-Führer immer so schön nennt. Bei nassem Untergrund, starkem Wind und wenig Sicht ist das aber sicher kein Spaß, sondern eher lebensgefährlich. Ich sehs ja ein. Na immerhin hab ich was aus dem ersten Tag gelernt, und entscheide mich gegen meine ersten Drang und für das kleinere Risiko.


    Als gegen Mittag der Regen nachlässt spaziere rüber nach Berwang und verproviantiere mich für zwei Tage Selbstverpflegung. In der Touristeninfo nimmt sich Nina (sympathischerweise sind hier alle sofort per Du!) über eine Stunde Zeit, um mit mir alternative Routen durchzusprechen. Mich interessieren dabei vor allem die wenig begangenen Wege. Als sie irgendwann überfragt, empfiehlt mich weiter zum Bergwanderführer Peter, der die Straße runter sein Sportgeschäft hat. Der packt dort seine Karten auf dem Verkaufstresen aus und knobelt mit mir eine halbe Stunde eine schöne Route aus: Rotlechtal - Loreggtal - Loreascharte - Loreahütte. Ich bin begeistert von der Hilfsbereitschaft der Leute. Die wiederum scheint es zu freuen, dass jemand daran interessiert ist, auch die versteckten und wenigen begangenen Ecken ihrer Heimat zu erkunden. Morgen also doch Selbstverpflegung in der Loreahütte, und das wahrscheinlich alleine. Cool, auf darauf hatte mich mich gefreut! Deutlich besser gelaunt stapfe ich in meinen Regensachen hinauf zur Kögelehütte.


    Dort werde ich sehr herzlich empfangen von Wirtin Kerstin und ihrer Tochter. Ich bin der einzige Übernachtungsgast und so essen und quatschen wir den ganzen Abend gemeinsam am Stammtisch.


    Super sympathisch die beiden! Dazu ist das Essen ziemlich lecker, alles ist selbst gemacht. Wir tauschen viele lustige Anekdoten aus über das Hüttenleben und die Hüttenpolitik. Über dem Stammtisch hängt ein Foto der Hochstubaihütte - die leitet nämlich ihr Mann. Ein Ehepaar, zwei Hütten, und dazu eine schulpflichtige Tochter: ich bin beeindruckt, wie sie das alles organisiert bekommem und dabei die gute Laune nicht verlieren! Immerhin muss einer der beiden 1200m auf- und absteigen, wenn sie sich sehen!

    Keine große Touren heute (und wohl auch morgen), aber großartige Bekanntschaften. Ich schlafe zufrieden und entspannt ein.
    Geändert von Thardan (13.01.2018 um 14:18 Uhr) Grund: Bilder korrigiert

  5. Tag 5: Kögelehüttele - Loreascharte - Loreahütte

    #25
    Tag 5: Kögelehüttele - Rotlechtal - Loreggtal - Loreascharte - Loreahütte
    Mittwoch, 10.08.2016

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    Bereits um 5:30 frühstücke ich. Die heutige Etappe ist lang, wurde teilweise lange nicht begangen und der Wetterbericht verspricht Kälte und Dauerregen, ab 2000m sogar Schnee. Daher ist nicht sicher, ob ein Übergang über die Lorea-Scharte möglich ist. Um 7:40 breche ich auf und frage mich warum ich heute morgen schon wieder eine Stunde länger gebraucht habe als als geplant.

    Draußen ist es weniger schlimm als erwartet, sogar etwas blauer Himmel ist zu sehen.


    Ich wandere bei gelegentlichem Sprühregen ins das nebelverhangene Rotlechtal hinein.


    Nach dem Weiler Mitteregg, angekündigt als das "Ende der Welt", wird es dann wirklich einsam.


    Auf dem schmalen, selten begangenen Weg durch den feuchten, dampfenden Wald treffe ich einen Berwanger. Er will zur Tarrentonalpe, Graukas (Tiroler Graukäse) holen. Das muss ein verdammt leckerer Käse sein, denke ich mir, wenn für ihn mehrere Stunden Fußmarsch bei dem Wetter in Kauf nimmt!


    Unser Gespräch plätschert eine Weile dahin, bis ich mich um 8:30 an der Weggabelung ins Loreggtal verabschiede. Der AV-Führer verspricht "das gesamte Gebiet östlich des Loregg-Tal ist heute noch absolut unzugängliches Urland." Na, das klingt doch vielversprechend! Der Steig wird nochmal schmaler und ist dicht von Gras überwachsen. Ohne Regenhose wäre ich schon klatschnass. Der Zustand der Brücke verdeutlicht nochmal, das hier selten jemand vorbei kommt. Mir gefällt das.


    Das Tal ist steil, dicht bewachsen, feucht und dunkel. Der Nebel lässt kaum Fernsicht zu, dafür schärfen sich meine Sinne für Kleinigkeiten, wie für den kleinen Alpensalamender, der sich von meiner Kamera nicht verschrecken lässt.


    Weiter oben muss ich mehrere tiefe Erosionsrinnen überwinden, die Wassermassen in die Bergflanke gegraben haben. Für unerfahrene Wanderer wäre hier wohl Schluss. Aber mit etwas Gekraxel kann ich sie überwinden.


    Aus den vereinzelten Tropfen des Vormittags ist inzwischen ein stetiger Regenstrom geworden, dazu hat es sich nochmal deutlich abgekühlt. Um 11:00 erreicht ich die private, verschlossene Loregg-Hütte. Mein Mittagessen gibt's notgedrunden in einem unverschlossenen Lagerraum nebenan, der so vollgestellt ist, dass ich mich kaum auf der Stelle drehen kann. Aber zumindest wird mein Essen nicht nass.

    Um 11:30 folge ich dem steiler werdenden Weg, bis ich gegen 12:00 den Sattel "Am Kragen" erreiche. Inzwischen hat es weniger als 50m Sicht. Vorhin noch war meine Stimmung wegen des Wetter gedämpft, aber die unwirkliche Stimmung jetzt durch den Nebel finde ich klasse. Zum Glück ist der Weg deutlich erkennbar.


    Ich bin froh, jetzt nicht auf der Grattour über die Suwaldspitzen zu sein. Aber halt, ich muss ja auch jetzt noch weiter hoch, über die Lorea-Scharte, fällt mir ein. Das kann ja spaßig werden.

    Ich biege links ab und beginne mit dem Aufstieg über den glücklicherweise gut erkennbaren Steig. Nach einer halben Stunde schälen sich drei dunkle Gestalten aus dem Nebel vor mir. Hätte nicht erwartet noch auf andere Verrückte zu treffen, die bei dem Wetter hier unterwegs sind! Es sind drei Briten auf dem Adlerweg, im Abstieg von der Scharte. Dick eingepackt, aber trotz kaltem Regen ohne Mützen und mit klatschnassen Haaren. Brrr... "Its snowing up there!" stellt einer davon ungläubig fest. "Welcome to the Alps", antworte ich - sowas passiert hier halt, auch im August. Trotzdem fühlt es sich etwas unwirklich an, als die ersten Flocken auf meine Haut fallen, die von vorgestern noch einen leichten Sonnenbrand hat.

    Um 13:00 erreiche ich die Loreascharte (2348m). Sicht weiterhin Null und Schneefall.


    Aber mir ist warm, und ich habe weiterhin gute Laune. Durch Wind, Wetter und die Nähe der Natur fühle ich mich unglaublich lebendig und voller Energie. Ich freue mich, dass ich das erleben darf und muss lächeln: dieses Gefühl kann wohl niemand nachvollziehen, der bei Regen immer zu Hause auf der Couch sitzen bleibt.


    Die Vorfreude auf eine warme Hütte für mich allein (wer würde bei so einem Wetter schon dort sein) lässt mich schnell absteigen, um 13:30 stehe ich bereits davor. Nervös fingere ich mit kalten Fingern den AV-Schlüssel aus meinem Rucksack: hoffentlich passt er auch! Falls nicht, müsste ich wohl wieder 1000m absteigen und eine Unterkunft direkt an der Straße beim überlaufenen Fernpass suche. Das wäre ziemlich genau das Gegenteil von dem, was ich eigentlich suche. Doch der Schlüssel passt, und die Tür der großen Hütte öffnet sich!


    Drinnen ist es erstaunlich warm, offenbar war am Vortag jemand da. Ich öffne ein paar Fensterläden und beginne mich einzurichten. Während ich gerade (erfolglos - daran muss ich arbeiten!) versuche den Holzherd anzufeuern tönt es hinter mir: "Ja servus, grias di, I bin der Max!" Ich mache mir fast in die Hosen vor Schreck! Nachdem ich mich gefangen habe stellen wir uns vor: Max ist die Vorhut einer größeren Gruppe der DAV Sektion Isartal, die auf dem Weg hierher ist. "Hmm, schade." denke ich mir erst "doch nix mit Hütte für mich alleine." Aber der Gedanke bleibt nicht lange. "Moagst a Schnapserl trinken?" fragt Max michgleich. Ich nicke und zücke meine 0,1l-Flasche Obstler (mehr war aus Gewichtsgründen nicht drin). Als das kleine Ding erkennt lacht er laut reicht mir eine große 1-Flasche Obstler. "Prost!"

    Als kurze Zeit später die Anderen eintreffen kommt dann richtig Leben in die Bude. Der Ofen wird angefeuert, alle Läden geöffnet und das gemütliche Sektionszimmer wird geöffnet. Vor allem aber werden riesige Rucksäcke im Expeditionsformat (ich dachte, die bleiben nur zwei Tage?) ausgepackt. Inhalt: Helles, Weißbier, Obstler, Weißwein, Bolognesesauce, Schinken, Eier, Brot, Speck... Jeder hat gefühlt Essen und Trinken für drei dabei. Die Bayern sind gastfreundlich ohne Ende und laden mich dorekt zum Essen, Trinken und Mitfeiern ein.


    Um halb fünf habe ich schon ein Bier und drei Schnäpse intus und ausgesprochen gute Laune. Wie das wohl erst heute nacht wird? Zum Glück hab ich morgen nix Großes vor. Sepp, dee einzige ernsthaftere Alpinist der Gruppe hat beim Aufsteig frische Pfifferlinge geerntet, die ich mit Freuden (Wer kann kochen?) zubereite. Beim Essen steigt die Stimmung dann sehr schnell... Zu Anfang kann ich noch mit der richtigen Aussprache von "Oachkatzlschwoaf" (Eichhörnchenschwanz) punkten. Später am Abend kann ich den Gesprächen dann allerdings kaum noch folgen, was sowohl an meinem Pegel wie auch am Bayerischen Dialekt hängt, den nun alle mit mir sprechen. Egal, zum mitlachen reicht's.


    Besonders mit Sepp und Petra (vielleicht lest ihr hier ja mit?) gibt's viel zu lachen. Ein alkoholresistenter Rest Vernunft bringt mich dazu, die Gruppe um 23:00 zu verlassen und ins Lager zu torkeln. Dank Ohrstöpsel schlafe ich wie ein Stein, obwohl unten bis in die Morgenstunden gefeiert wird.

    Das war definitiv der lustigste Abend meiner Tour. Zumindest bist zum Aufwachen. Die Offenheit der Bayern hat mich wirklich beeindruckt.
    Geändert von Thardan (13.01.2018 um 17:33 Uhr)

  6. Tag 6: Loreahütte - Loreakopf - Haimbachtal - Heiterwandhütte

    #26
    Tag 6: Loreahütte - Loreakopf - Haimbachtal - Heiterwandhütte
    Donnerstag, 11.08.2016

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    Entgegen meiner ursprünglichen Pläne stehe ich nicht um 6:00, sondern um 8:00 auf und habe trotzdem noch einen ziemlich dicken Schädel. Max dagegen ist meintwegen sogar schon seit 7:00 auf und nun etwas angesäuert: "Do bin I um sibn ausm Bett no das I Dir noch a Frühstück mochn ko, und Du schlofsch no!" Als Wiedergutmachung helfe ich bei der Frühstücksvorbereitung. Dabei schreibe ich mir im Geiste "Biertrinken" auf den Trainingsplan für die nächste Tour. Mein Kopf brummt.


    Die Bayern dagegen haben fast nicht geschlafen, deutlich mehr getrunken und sich trotzdem erstaunlich fit. Nach einem reichhaltigen und geselligen Frühstück breche ich um 10:00 Richtung Loreascharte auf, begleitet von Anita und Sergio, die gestern abend noch spät auf die Hütte gekommen sind.


    Der Wind der langsam abziehenden Schlechtwetterfront zaubert fantastische Bilder aus Nebel, Sonne und Wolken.


    Um 11:00 stehen wir wieder an der Lorea-Scharte. Weiter unter ist diesmal auch der Fernpass und der Fernsteinsee zu sehen. Spontan beschließe ich einen Abstecher auf den Lorea-Kopf zu machen, die beiden kommen mit. Beim Aufstieg erhasche ich kurz einen Blick durch die Wolkenfetzen auf Karleskopf (Gipfel vorne links) und Aserlspitze (Gipfel mitte hinten), die ich heute eigentlich (weglos) zur Arserlscharte überschreiten will.


    Aufstieg und Grat erscheinen machbar, weniger Neuschnee als erwartet. Ich hätte schon verdammte Lust, da heute noch drüberzukraxeln. Aber ich bin nicht überzeugt: meine Informationen über die weitere Route von der Arserlscharte zum Schweinsteinjoch (ich liebe diesen Namen!) sind widersprüchlich, und ich will nicht den Fehler vom zweiten Tag wiederholen. Oben auf dem Loreakopf (2471m) um 11:45 versperrt uns dann dichter Nebel die Aussicht, so dass wir schnell wieder umdrehen.


    Einzig Anita bringt etwas Farbe in die Welt hier oben.


    Auf dem Rückweg vom Gipfel kommen uns einige der Sektion Isartal entgegen, die es trotz allgemeiner Verkaterung auf den Gipfel treibt. Respekt.


    Um 13:00 sind wir zurück an der Scharte. Im weiteren Abstieg zum "Kragen" unterhalte ich mich mit einer jungen Hirtin, die ich auf dem Weg treffe. Sie beneidet mich um meine Tour, will so etwas selbst schon seit Langem machen. Da wird mir noch einmal klar, was für ein Luxus es ist, so lange unterwegs zu sein. Gefragt nach der Aserlscharte rät sie mir stark ab, der Abstieg durch die dichten Latschen sei sehr schwer zu finden. Selbst sie, die hier den ganzen Sommer unterwegs ist, kennt ihn nicht. Die Option Aserlscharte ist damit gestorben. Ich bin froh, so eine verlässliche Warnung bekommen zu haben und gleichzeitig enttäuscht, nun auch die zweiten alpinistischere weglose Etappe in den Lechtalern zu verpassen. Die bisherigen Wanderwege lasten mich nicht wirklich aus, ich habe große Lust auf mehr Herausforderung.

    Also folge ich grummelnd dem markierten Weg durch das leuchtend grüne Haimbachtal das hinunter ins Tegestal führt.


    Wir sprechen nicht sehr viel, jeder scheint seinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Nach einiger Zeit verabschiede ich mich und eile davon - ich habe einen etwas schnelleren Schritt drauf als die beiden. Den nächsten Menschen werde ich erst wieder in zwei Tagen sehen.

    Nach einer weiteren Stunde habe ich die Sohle des Tegestals erreicht und beginne auf der anderen Seite mit dem Aufstieg zur Heiterwandhütte. Ich genieße es, alleine zu sein. Der Weg folgt einem Bächlein, das im Licht der Sonne glitzert, sie inzwischen zwischen den Wolkenfetzen hindurchscheint. Langsam aber sicher setzt sich die Sonne durch, und im gleichen Tempo verbessert sich meine Laune wieder.


    Nach einiger Zeit erhebt sich vor mir dunkel die Heiterwand, die längste Wand der nördlichen Kalkalpen. Auf ihrer gesamten Länge von 7,5km unterschreitet sie nirgendwo die 2400m.


    Ohne Gesprächspartner und ohne Zeitdruck nehme ich immer mehr kleine schöne Dinge auf meinem Weg wahr.


    In der Nähe des Abzweigs zum Heiterwand-Nordweg ist eine blumenübersähte Lichtung mit einem kleinen Bächlein, umgeben von dichten Latschen. Das wäre ein perfekter Ort für ein Biwak (den genauen Ort behalte ich für mich . Aber die Aussicht auf weiteren Regen, angesagt für heute Nacht, lässt mich zur Hütte weiterziehen.


    Diese erreiche ich um 16:45. Wieder Spannung, ob der AV-Schlüssel passt - jepp. Kein Mensch da. Leider auch kein Frischwasser, nur Kanister von einer 5min entfernten Quelle.


    Ich verzweifle das zweite Mal in zwei Tage an dem Holzofen. Ohne dünnes Holz oder einen Grillanzünder gebe ich nach einiger Zeit entnervt auf. Verdammt. Mit dem Sonnenuntergang wird es schnell sehr kalt. Dick eingepackt lege ich mich nach dem Abendessen unter vier Decken und lese im Licht meiner Stirnlampe Hemingway, bis mir um halb zehn glücklich die Augen zufallen.
    Geändert von Thardan (13.01.2018 um 18:31 Uhr) Grund: GPX ergänzt

  7. Tag 7: Heiterwandhütte - Reissenschuhjoch - Tarrenz - Karres

    #27
    Tag 7: Heiterwandhütte - Reissenschuhjoch - Tarrenz - Karres
    Freitag, 12.08.2016

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    Als ich um sechs Uhr aufstehe, ist die angekündigte Warmfront bereits eingetroffen. Zwar bringt sie auch dichte Wolken und Nieselregen, aber das stört mich nicht weiter. Bald ist Traumwetter angesagt. Und eine Traumfrau: heute abend treffe ich Anna wieder, da freue mich riesig drauf.

    Da mir der direkte Abstieg durchs Alpeiltal zu langweilig ist, marschiere ich gegen 8:00 los Richtung Reissenschuhjoch, das ist ein schöner kleiner Schlenker.


    Eine Stunde später stehe ich keuchend oben. Verdammt steiler Anstieg die letzten 100m, und das durch loses Geröll. Für jeden Schritt nach oben rutscht man einen halben wieder zurück. Ich bin gleichermaßen Nass vom Schweiß und vom Nieselregen. Nebel steigt auf, vermischt sich mit den Wolken und lässt für einige Zeit eine unwirkliche Stimmung aufkommen.


    Ein Stück weiter unten lese ich, dass der Weg hinter mir wegen Sprengarbeiten gesperrt ist. Lebensgefahr! Waaas? Das schreibt ihr hier? Ich muss (leicht hysterisch) lachen. Da entdecke ich, dass das Schild wohl veraltet ist. Uff.


    Mittags in Tarrenz im Gurgltal ist es schon sehr warm. In bester Laune marschiere ich am Fuß des Tschirgant weiter nach Karres. Letztes Jahr führte mich eine Vorbereitungstour hier vorbei, gleichzeitig Annas erste Alpentour. Der Tschirgant war ihr erster ernstzunehmender Gipfel, und der Gasthof Traube in Karres war unsere Rettung nach dieser 12h-Tour. Wir schwärmen noch heute von der deftigen Knödelsuppe, der zarten Schweinelende und der Gastfreundlichkeit. Letztes Jahr trennten sich dort unsere Wege (bei mir ging es hochalpin weiter), dieses Jahr machen wir an dieser Stelle gemeinsam weiter. Ich freue mich drauf und gebe Gas.


    "Da wollen sie nicht lang!", reißt mich eine krächzende Stimme auf meinen Gedanken. Irritiert blicke ich mich zu der alten Dame um, die mir das aus dem Garten des einzeln stehenden Gehöfts zugerufen hast. Reflexartig antworte ich mit unbestechlicher Logik: "Wie können sie da so sicher sein? Sie wissen doch gar nicht, wo ich hin möchte!" Ich schaue ziemlich belämmert, als ich die Antwort "Na, das ist eine Sackgasse, da geht's nicht weiter" höre. Ich bedanke mich und nehme den richtige Weg.

    Um 13:45 erreiche ich die "Traube" in Karres. Nach einer ausgiebigen Duschen - die erste nach drei Tagen - schlafe ich ein, bis Anna eintrifft. Ich habe das Alleinsein genossen, aber sie wiederzusehen macht mich mindestens genauso glücklich.


    Der erste Abschnitt ist geschafft und ich habe ihn genossen, auch wenn er weit weniger alpinistisch ausfiel als geplant. Nur laufen, schauen und genießen macht mich glücklich und ausgeglichen, und das Alleinsein stört mich garnicht. Ich habe gemerkt, dass gut vorbereitet bin: Routenplanung, Ausrüstung und körperliche Fähigkeiten passen, was mich weiter entspannt. Dazu konnte ich eine Menge Tourideen für die einsame Gebiete in den Lechtalern sammeln.

    Mit Vorfreude auf zwei Wochen gemeinsames Abenteuer schlafe ich neben Anna ein.

  8. AW: [DE][AT][IT] Solo-Transalp Füssen-Gardasee auf eigener Route

    #28
    Sehr schöner Bericht, die Fortsetzung wird mit Spannung erwartet
    Wer für alles Offen ist, kann nicht ganz Dicht sein.
    Christian Wallner

  9. AW: [DE][AT][IT] Solo-Transalp Füssen-Gardasee auf eigener Route

    #29
    Zitat Zitat von Thardan Beitrag anzeigen
    ....

    Ist ja lustig - haste mal irgendwo ein Bild von dem Wolfgang? Und was das Kennen angeht: können wir ja noch ändern!


    ....
    hi chris,
    ich hab alle in frage kommenden pics durchforstet, aber ich finde keines vom wolfi. nimm einfach, das auf dem du so strahlst weil es in die berge geht. das ist soo ähnlich. nur ist mir aufgefallen, dass die zeit fliegt. der wolfi hat vor 15 jahren so ausgesehen. genauso gut wie du mein ich natürlich! damit.

    ich freu mich auf den rest vom bericht!
    danobaja
    __________________
    resist much, obey little!

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