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    [MEX], [US] im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #1
    Mitreisende: danobaja
    juni 1985.

    vorsicht! alles aus dem gedächtnis. erwartet nicht genaueste angaben. wer fehler findet, bitte nicht behalten, sondern mir geben. ich besser das dann aus.

    los gehts!

    nach 4 monaten arbeiten in austin, tx brauchte ich ne kurze pause. also die termine und aufträge entsprechend gelegt, und den chef wahnsinnig gemacht. der hüpfte auf und ab wie rumpelstilzchen, aber da er wollte, dass ich nach der tour wieder zurück komme, blieb ihm keine wahl. hire&fire, und das ganze angstgebilde um den möglichen verlust des arbeitsplatzes waren mir schon immer völlig egal. wenn der chef pleite geht steh ich auf der strasse ohne gefragt zu werden. wenn ich mental pleite bin, dann dreh ich den spiess um. wenn wir keine zufriedenstellende lösung für die zukunft finden, dann steht der chef ohne mich da. gleiches recht für alle!

    ich hatte mir auf dem schrottplatz ein altes rad für 5$ geholt und für weitere 10$ in schuss gebracht. am schluss hab ichs mattschwarz lackiert, der einzige fehler bei der ganzen sache. 2x hab ich mir später den oberschenkel verbrannt als ich an den rahmen kam. zur entschuldigung kann ich nur anführen, dass es damals meine erste reise in richtig warme gefilde war. (nur so nebenbei, jetzt hab ich wieder ein mattschwarz lackiertes rad, aber der preis war einfach zu gut. der depp lernt halt nix dazu... doch, ich werde ausschliesslich nach norden fahren damit!)

    ich opferte noch einen tag um eine dringende sache fertig zu machen, dafür wurde ich nach san antonio mit dem auto gebracht. so gings halt ab da los, nicht ab austin. wohin? wurscht, nach süden erstmal. später dann eine grosse kurve nach westen und vermutlich über big bend nationalpark wieder zurück. weil ich nur fahren wollte nahm ich auch keine karte mit. das wird heutzutage völlig überwertet. man könnte sich ja ohne smartfon verlaufen wenn man zum pinkeln geht und die strasse für 5 meter verlässt ....ausserdem musste ich meine aufenthaltserlaubnis verlängern, da bot sich ein grenzübertritt an. mexico calling! immer der sonne entgegen, dann wird die grenze schon mal kommen.

    wir starteten in der nacht und machten noch einen kurzen schlenker am texanischen regierungsgebäude vorbei. !natürlich! ist es höher als das weisse haus in washington, dc. wir sind hier in texas, da ist alles besser, schöner, und vor allem grösser. als bayer fühlte ich mich sofort sehr wohl dort.

    das weisse haus, in austin


    startklar


    san antonio ist eine sehr angenehme stadt mit richtiger wohlfühlatmosphäre. am riverwalk ist die luft kühl, und wenns nicht reicht, dann rein in eines der klimatisierten gebäude. hank spendierte mir eine letzte mahlzeit und bat mich eindringlich zum vereinbarten zeitpunkt wiederzukommen.

    riverwalk in san antonio




    natürlich musste ich mir ansehen wo die mexicaner den texanern das letzte mal den hintern versohlt hatten. alle 190 verteidiger kamen am alamo ums leben, john wayne stab hier seinen heldentod als davy crocket verkleidet. die texaner werten das trotzdem als sieg, denn die mexicanische armee unter general santa anna war viele hunderttausend mann stark. nicht vergessen, wir sind in texas! wenn man die mexicaner fragt, waren es wohl 3000 unbewaffnete, die den 190 schwerbewaffneten verteidigern mit den fingernägeln die augen ausgekratzt haben. ich war nicht auf wahrheitsfindung aus und fand beide stories klasse.

    alamo


    dorf auf der stecke


    gewitterstimmung, den regenguss sass ich unter dem dach einer tankstelle aus


    zeltplatz mit kaktus


    zeltplatz am lauwarmen bach


    (heu)schreck am morgen, als ich nach dem rucksack griff sprang er mir entgegen



    der strassenverlauf drängte mich schon früh nach westen ab. aber auch da gings zur grenze. ich wollte schnellstmöglich aus den usa und bevorzugte schon immer kleinere grenzübergänge. im süden lag laredo, das war mir zu gross. also war ich mit meiner westlichen richtung ganz zufrieden für den moment. am nächsten tag holte ich mir einen fetten sonnenstich und rettete mich zum lake amistad. der stausee war ideal. ich konnte an einem der rastplätze mit bank und tisch für ein paar tage bleiben bis es wieder ging. es gab wasser und schatten, essen hatte ich genug. in den 4 tagen zum auskurieren kamen genau 4 leute vorbei. autotouristen die eine kurze pause machten und schnell wieder in der klimatisierten sardinenbüchse verschwanden. ich durfte die karte von einem studieren und entschied mich in grossem bogen erst nach süden, dann nach westen und norden richtung big bend np zu fahren. das waren die kleinsten geteerten strassen, schotter mochte mein rennrad überhaupt nicht. mir wurde langweilig und ich nutzte die gelgenheit für ein paar fotos von tieren die ich in echt noch nie gesehen hatte.

    wie kann sowas fliegen? brrrrrrrrr, von weit weg schon zu hören...


    der übt noch den farbwechsel


    libelle


    weberknechte?


    bohne mit beinen


    der laufende stock



    als mir nicht mehr schlecht war, und das kopfweh weg, machte ich wieder mich auf den weg. in der nähe von del rio verliess ich die usa. raus aus den usa gehts wirklich leicht- einfach durchgewunken. die mexicaner waren auch sehr nett und in nullkommanix war ich in mexico. ein grosser markt mit vielen verkaufsständen erwartete mich. ich machte stopp an einem obststand. der nette besitzer spendierte mir einen liter frisch gepressten orangensaft und nötigte mir eine karte auf. er konnte überhaupt nicht begreifen, dass ich weder wusste wo ich war und noch wo ich hin wollte. auf der karte waren houston und mexico stadt mit einer linie verbunden, dazwischen war nix ausser der genzlinie. ich entsorgte sie unauffällig bei erster gelegenheit. eines fand ich schon beim ersten gespräch heraus: dass "vengo de austin" (ich komme aus austin) ein extrem schlechter einstand ist. der saftmann bekam den "oh shit ein gringo"-blick. aber ich hatte die lösung schnell gefunden: "pero soy aleman!" (aber ich bin deutscher!) zauberte sofort wieder ein lächeln in sein gesicht. "hola, de alemania. con la biciletta?" (hey, aus deutschland? mit dem rad?) schon gewonnen! frisch gestärkt ging es bald weiter. ich erreichte einen warmen bach mit ein paar flachen stellen für meine schaummatte und es gab ein t-bone steak mit zimt gewürzt zum abendessen. als die sonne weg war kamen die moskitos. ich baute mein innenzelt auf und erstickte fast in der hitze des winddichten (wintertauglichen) innenzeltes ohne lüftungmöglichkeit. draussen schrien die esel und mulis die halbe nacht vor schmerzen. da blieb ich lieber drinnen.

    büsche, moskitos, ein kleiner bach nicht weit weg


    2x bis zum horizont an einem tag


    pause in der schneise beim anstieg auf das nächste plateau, der einzige schatten weit und breit


    den ganzen tag fuhr ich mit heissem gegenwind. sowas hatte ich mir gar nicht vorstellen können, es war brutal. mitten auf der strecke, weit und breit kein haus, kein weg, und erst recht kein ort!, stand eine holzbude. ein ungefähr 6-7 jahre alter junge stand davor und winkte mich heran. eigentlich wollte ich nicht stoppen, dann fehlte der fahrtwind und es war noch heisser. aber einfach an einem kind vorbeifahren das eindeutig versucht einen zum anhalten zu bewegen??? das ging nicht! und whow, ich konnte es nicht glauben. der junge hatte eine grosse kühltruhe gefüllt mit eiswürfeln und coke in seiner bude. bei einem eiskalten cola redeten wir ein bischen. schule? nein, das war nix für ihn. er war geschäftsmann! er ernährte seine mutter und seine 2 schwestern mit dem kiosk. sowas hatte ich noch nie (und seitdem auch nie mehr wieder!) gesehen. aber er wusste wohl was er tat und er machte es gut. als ich mein coke bezahlen wollte wehrte er ab. das war ein geschenk für seinen amigo aus alemania! vielen dank. mit einem stolzen mexicaner diskutiert über sowas nie. ich nahm das geschenk mit freude an. als ich wieder aufs rad stieg holte ich mir eine brandblase am rechten oberschenkel.

    nachmittags kam ich in nueva rosita bei strömendem regen, in einem unglaublichen wolkenbruch, an. es war der erste regen seit fast einem jahr. das wasser stand 15 cm auf der strasse und ich fuhr in ein unsichtbares schlagloch und stieg über den lenker ab. ich wusste noch gar nicht so recht was los war in der dreckigen brühe, als aus einem haus 5 oder 6 männer gestürmt kamen, mein fahrrad an sich rissen, die abgerissene lenkertasche mit kamera und kleinzeug packten und im haus verschwanden damit. ich rappelte mich auf und wollte natürlich sofort hinterher. da kamen 2 von ihnen wieder, hackten mich unter und verschleppten mich auch ins haus. gegenwehr sinnlos. im dunklen raum stand ich erstmal und konnte nichts erkennen. die brille sass noch auf der nase, aber völlig verdreckt und nass. ich ballte die fäuste. ich wollte mein zeug zurück, wenn sie stärker waren wollte ich mindstens einen von ihnen mit in hölle nehmen. kampflos gab ich nicht auf! von überall prasselten unverständliche spanische wortfetzen auf mich ein. bevor ich auf einen von ihnen losgehen konnte wurde mir ein eiskaltes corona in die hand gedrückt. erstmal die brille runter nehmen, ich war in einer bar gelandet. mein rad stand an die wand gelehnt in der ecke, meine lenkertasche lag auf dem tisch vor mir. das wasser lief über den rand und tropfte auf den boden. ich machte auch eine grosse pfütze, aber das schien niemanden zu stören. als ich meine agressive haltung aufgab bekam ich heftiges geklopfe auf die schultern und wurde an die theke gezerrt. ein tequilla wartete auf mich. alle wollten anstossen mit mir. ich hatte den regen gebracht! ich wurde sowas wie ein volksheld. der retter des dorfes! ich sollte die bar nicht verlassen bis 3 uhr in der früh. sobald das bier alle war wurde ein neues gebracht, immer spendierte einer. das ganze beruhigte sich und nachdem wir alle wussten wer wer war wurde ich dem alcalde, dem bürgermeister, vorgestellt. abends gab es essen, das eine der frauen im topf in die kneipe brachte. saugut, was immer es war. in tortillas eingerollte fleischfüllung, das ganze im rohr gebacken. als ich satt war fragte mich rafael, der bürgermeister, ob ich schach spielen kann. ich bejahte und fragte ob er spielen wollte. nein, nicht er. der lehrer des ortes. den hatten alle dick, schien es, denn keiner konnte gewinnen gegen ihn. vielleicht gab auch noch andere gründe, ich weiss es nicht. auf jeden fall wurde kurz darauf der lehrer angeschleppt und ein schachbrett gebracht. ich war zu der zeit ein sehr guter spieler und es dauerte nicht lange, da hatte ich ihn 5x besiegt. sie versprachen mir, ich würde der neue bürgermeister werden wenn ich blieb. ich war schon froh, dass es mir der lehrer nicht krumm nahm. die mexicanische seele ist empfindlich und ein ego schnell angekratzt. rafael besorgte mir ein hotelzimmer für 5$ ( ich bekam lehrerbesiegerrabatt) und ich sollte am nächsten tag zu ihm kommen. mein gepäckträger war gebrochen und musste geschweisst oder ersetzt werden.

    rafaels familie


    als ich hinkam war rafael in geschäften unterwegs. seine frau wusste bescheid und schickte mich mit dem grösseren sohn (ja, der kleine grosse mann auf dem foto) zum schmied des dorfes. wir nahmen dazu den grossen ford pickup von rafael. und, nein, ich durfte nicht fahren! der kleine fuhr im stehen. meinen einwand bezüglich der polizei wischte er mit einem "mi papa es el alcalde!" (aber mein papa ist doch der bürgermeister!) vom tisch. er brachte mich sicher hin und zurück, im 3. laden hatten wir einen passenden gepäcktrager gefunden der später gleich montiert wurde. ich hing noch einen tag ab und führ dann in der früh weiter.
    Geändert von Sandmanfive (20.01.2018 um 16:19 Uhr) Grund: Geotag gesetzt
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    AW: im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #2
    Noch ein Bericht von Dir! Und dazu auch noch aus Gegend, die ich ein wenig kenne. Freue mich schon auf den ganzen Bericht. Btw...einige der Bilderlinks funktionieren nicht.
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    AW: im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #3
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    AW: im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #4
    es war zeit mehr oder weniger nach westen abzubiegen. ich folgte der strasse #53. sie würde mich direkt nach big bend np bringen. den ganzen tag ging es von der ebene, plano, in kurzen steilstufen hoch zum nächsten plano.

    tagebucheintrag am 29.6.85, la rosita:

    ...bis mosquiz sehr einfach zufahren. lief gut trotz der anstiege. in m. 2 colas und kurz darauf pause bei einem wassersprüher, herrlich das wasser. dann immer plano und anstieg. nach 35 km pause bei einer viehkontrollstation, frisches wasser. bis la rosita durch herrrliche landschaft, links blaue berge und viel auf und ab. siesta (pause) mit aquacate (avocado) und bananen auf dem pass. die kurzen bananen sind süss, die fingerlangen noch mehr, super! reis zum abendessen. herrlich kühl jetzt. super sonnenuntergang, fast vollmond, daher ist es relativ hell. die landschaft ist einfach super! berge, ebenen, kakteen, fast keine bäume, kaum büsche. die blühenden agaven riecht man meilenweit, unheimlich süss. habe heute geschätzt 100 km geschafft der neue gepäckträger funzt super, ist stabiler wie der alte, auch beim fahren. ...


    blaue berge links


    dusche umsonst!


    scheinbar endlos


    sonnenuntergang


    tags darauf war, völlig überraschend die teerstrasse zu ende. als ich den blick in eine karte geworfen hatte sah es aus wie wenn sie geteert bis zum rio grande und der grenze zu den usa weitergehen würde. sie wurde nirgends schmaler, es war auch nichts vermerkt. also ging es weiter auf schotter. bald löste sich der hintere teil meiner schaltung auf. dummerweise ignorierte ich das geklappere eine ganze weile und erkannte erst den ernst der lage, als die einzelteile im schotter lagen und nichts mehr ging. ich sammelte ein was ich finden konnte und kürzte die kette so dass ich wenigstens in der ebene fahren konnte. bald bekam ich einen ride mit 2 jungen männern im pickup. sie brachten mich bis 40 km vor ende der strasse. dort wartete ich ein weilchen und weiter ging es mit einem 1949er ford pickup. vorne sassen 4 personen auf 2 sitzen, hinten waren 3 weitere. 2 schafe, ein paar hühner in käfigen, 1 hund, kartoffelsäcke, ein grosses fass mit benzin, eines mit diesel, und noch ein paar kleinigkeiten. wir wuchteten das rad oben drauf, ich kletterte hinterher und fand einen sitzplatz auf einem sack. der hund fand mich ganz entzückend und ging nicht mehr weg. macht ja nix, ich mag hunde. der fahrer fuhr sehr langsam, kaum schneller wie ich mit einem funktionierenden rad gefahren wäre. wir schafften ungefähr 25 km bis wir direkt oben an einem pass liegen blieben. alle raus und mal schauen was los ist. unter dem auto war alles mit draht angebunden. dieser war offensichtlich schon mehrfach gebrochen und immer wieder wurde neu mit draht umwickelt. man sah kaum was anderes. ich sah keine hoffnung auf ein baldiges weiterkommen und verabschiedete mich dankend. ich schob mein rad über den pass und konnte dann die restliche strecke bis boquillas de camen rollen. auch gut. unterwegs übernachtete ich nochmal. keine moskiots, kein zelt, nur die schaummatte und ich und mutter natur. nach kurzer fahrt war ich am nächsten tag an der grenze angelangt.

    der ride auf dem 1949er ford


    felsen am pass


    sierra del carmen


    vollmond und die piste für morgen


    der erste blick hinüber in die usa, chisos mountains


    die grenze, der rio grande


    ich kam in der mittagshitze an. alles machte siesta. das war eine szene wie aus spiel mir das lied vom tod. 10 leute hingen ab im schatten vor dem haus. auf dem holz"bürgersteig" sassen sie mit ihren sombreros an die wand gelehnt und liessen den herrgott einen guten mann sein. ich setzte mich dazu als ich erfuhr dass der fährmann nicht da war. kurz darauf wurden 2 jungs laut im gespräch. ich verstand kein wort, aber der ton war scharf. das ging ne weile so weiter, dann standen sie. gingen aufeinander zu und kurz bevor sich die ränder der sombreros berührten gab es noch ein paar eindeutige handzeichen. dann drehten sie beide ab und verschwanden jeder in einem haus. ich hätte schon mal die kamera herrichten sollen. die hatte den sturz ins wasser in nueva rosita mit einem zerbrochenem polfilter nahezu unbeschadet überstanden. die zip-lock-tüte hatte dicht gehalten!

    kurz darauf kamen die jungs wieder, hatten revolvergürtel umgeschnallt. so richtig wie im western, mit silbernen verzierungen und gepunztem leder. ein paar worte wurden gewechselt, im schatten rührte sich keiner, ich blieb auch sitzen. die anderen hatten da mehr erfahrung wie ich, also besser nachmachen. auf einmal zogen beide ihre colts und jeder feuerte ein paar schüsse auf den anderen ab. bumm bumm bumm.... keine der kugeln traf. aus einem der häuser kam eine winzig kleine, ältere frau in schwarzen gewändern, ein schwarzes kopftuch auf dem kopf, gestürmt, liess einen schrei los und einer der beiden schützen verkrümelte sich schnell. der andre stand dumm da und wurde unter lautem gezeter am ohr ins haus gezogen. schallendes gelächter aus dem schatten überflutete die bizarre szene. ich hätte ein vermögen für eine laufende kamera gegeben. gegen 4 so hiess es könne ich den fährmann am fluss treffen. ich schob mein rad hin. nach kurzen verhandlung waren wir uns einig. ich wollte keine 10$ zahlen, und er wollte mich sowieso nicht übersetzen, weil er der meinung war, ich hätte drogen dabei. er hatte wohl zuviel easy rider gesehen.

    naja, wenn du in mexico bist, dann mach es wie die mexicaner. ich wurde zum wetback. das erste mal hatte ich nur das rad dabei, ich wusste ja nicht wie tief der fluss war. kaum bis zur hüfte. also den rucksack nachgeholt und über den kopf gehalten. völlig problemlos. ich wunderte mich warum mexico nicht längst entvölkert war. wenn das sooo einfach ging! ich war in die usa eingereist. auf der anderen seite war eine schotterpiste die mich tiefer in den big bend np hineinführte. am nächsten morgen bekam ich einen ride und wurde von den 2 jungs aus colorado in die chisos mountains zur nächsten ranger station gebracht. ich erntete erstaunte blicke als ich erzählte wo ich herkam und dass ich eine aufenthaltsgenehmigung brauchte. meinen pass in der hand verschwand der ranger zum telefonieren....

    15 minuten später kam er zurück und gab mir meinen pass. alles ok, ein halbes jahr genehmigt mit option auf weitere 6 monate verlängerung. ich buchte einen platz auf dem campsite, ging shoppen, fand einen netten platz und kochte bohnen mit speck für abends. dort traf ich einen vater mit sohn, wir verstanden uns gut, und als er am nächsten tag abreiste versprach er ins fahradgeschäft zu gehen und meine ersatzteile zu besorgen. ich konnte ja problemlos auf die post warten, ich wollte die gelegenheit nutzen und ein bischen in der wüste spielen. zu fuss. meine koflach ultra hatte ich eingepackt. was anderes hatte ich ja nicht, und wieder redete ich mir ein, dass man doch mit einem grossen auto auch langsam fahren kann. dass ich darin so schwitzen würde, dass das wasser oben rauslief wusste ich noch nicht. in den nächsten tagen erkundete ich die umgebung, die chisos mts. das kann man sich vorstellen wie einen tisch mit einem aschenbecher in der mitte. der tisch ist die wüste aus der sich die berge erheben. im süden fliesst der rio grande. die 4 einschnitte für die kippen sind die 4 ein/ausgänge durch die man ins basin, das hochtal, das von den bergen umschlossen wird gelangen kann. einer davon, the window ist nicht passierbar. schon pancho villa kannte dieses versteck und nutze es zur flucht vor verfolgern. ich entschied mich für eine runde um das basin. den rim-hike. er geht um das basin im süden herum und bietet tolle ausblicke nach "draussen". aber zuerst machte ich mich am nächsten tag auf um erstmal das gelände ums basin herum kennen zu lernen. ich besuchte casa grande und noch einige andere landmarks. besteigungen waren leider wegen brütender falken nicht möglich. ich akzeptierte das verbot, wegen der falken, nicht wegen der ranger. abends ging ich zur window, die einen guten blick nach westen erlaubt.

    die tierwelt kümmert sich nicht um die camper. deer


    javelina, kleines wildschwein


    casa grande, das grosse haus


    da wär ich so gerne hochgekraxelt...


    der weg zur window


    blick aus der window, abends immer eindrucksvoll
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    AW: im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #5
    Zitat Zitat von MaxD Beitrag anzeigen
    Noch ein Bericht von Dir! Und dazu auch noch aus Gegend, die ich ein wenig kenne. Freue mich schon auf den ganzen Bericht. Btw...einige der Bilderlinks funktionieren nicht.
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    AW: im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #6
    OT:
    Zitat Zitat von Torres Beitrag anzeigen
    Bei mir sind die Bilder sichtbar
    jepp, funzt
    "Then it doesn't matter which way you go", said the Cat.

  7. AW: im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #7
    OT: Das ist auch in einigen anderen Threads so. Das liegt vermutlich am Browser und dem fehlenden Zertifikat. Mit Firefox (Einstellung: Ausnahme zulassen) sind alle Fotos da, mit Chrome fehlen die meisten.
    .

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    AW: im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #8
    am campingplatz lernt man jede menge leute kennen, besonders wenn man ein rad neben dem zelt geparkt hat. jeden tag unternahm ich mit jemand anderem eine kleine tour. so kam ich 2x zum rim hike, 2x auf emory peak. mit den 4 houstonians, pat und kathy, und pat und caroline, entwickelte sich eine freundschaft. ich besuchte sie noch oft in houston, einfach nur übers wochenende zum party machen. der bus austin-houston kostete damals 5$ für die fast 5 stündige fahrt. da hab ich leider keine pics, aber das wär auch einen eigenen beitrag wert! ständig traf ich leute die mir bier brachten oder was zum rauchen. wenn ich mir ein schild "party animal in need" (partyviech in not) umgehängt hätte, die versorgung wäre nicht besser gewesen. im tagebuch steht, dass es jeden tag bohnen gab wenn ich nicht von jemandem eingeladen wurde.

    ich machte den rim hike erstmal alleine. dann emory peak, und beides nochmal in gesellschaft. die beiden pats kamen mit zur rim, und 2x ging mit neuen bekanntschaften zum emory peak. da ich die bilder nicht mehr eindeutig zuordnen kann schmeiss ich die jetzt mal so in die runde. geniesst schon mal den blick von oben auf meine tour ausserhalb des rim walk.

    blick ins basin. hinten rechts kann man den campsite sehen


    blick nach mexico


    leicht rechts von der mitte die mule ears. dort ist eine verlassene mine


    blick zum rio grande, den sieht man aber nicht


    wasser am rim trail


    the boot


    kaktus


    trocken da draussen


    prickly pear blüte


    ich hatte meinen plan gefasst. im osten durch den boot canyon raus, um die south-rim draussen im flachland rum und im nordwesten hinter der window wieder rein. ich wollte mir ein permit holen und wurde belehrt, dass es da draussen um diese jahreszeit kein wasser gibt und damit auch kein permit. irgendwie hab ich es dann doch geschafft eines zu bekommen, die ranger haben lange darüber diskutiert. auch darüber dass ich sowieso die gegend unsicher mache mit meinen täglichen, z.t. auch langen hikes. es gab auch fürsprecher, unter den jüngeren, die mich schon ein wenig kannten. ich glaube mein hinweis, dass da früher farmen draussen waren und es auch im sommer wasser geben muss, hat sie dazu gebracht mir ein permit auszustellen. vielleicht wollten sie auch nur wissen ob ichs hinbekomme und haben wetten abgeschlossen. egal. meine teile fürs rad waren eh nicht da bis jetzt, ich konnte also auch nicht weiter. am 6. juli gings los. rauf auf die rim und rein in den boot canyon. dort hab ich an der quelle hinter dem grossen boulder meine flaschen aufgefüllt. 8l in faltkanistern, 2l in ziplock-tüten. ich lief noch bis ins flache und machte camp. es gab bohnen und hernach ein wenig von dem teufelszeug das mir terry und sunny in die hand gedrückt hatten. sie kamen mir auf der rim entgegen und wir kamen kurz ins gespräch. sie meinten ich hätte das nötig da draussen, und sie würden abreisen und es sowieso nicht mit ins auto nehmen. ich sag euch, wie wenn ich ein schild umgehabt hätte... die nacht war super, sternenklar, warm, keine moskitos und dann kam die klassische musik. einfach nur geil, nur um mitternacht war sie immer noch nicht aus und ich wollte doch irgendwann mal schlafen. um 1 immer noch musik. was war das nur für zeug??? um halb 2 reichte es mir, ich machte mir luft und schrie ein lautes: "shut the fuckin´musik up!" (schalt die verdammte musik aus!) in die menschenleere landschaft. zupp eine sekunde später war es still. whow! teufelszeug! 13 jahre später endeckte ich den parkplatz dort in der gegend. es war wohl doch nicht so menschenleer gewesen wie gedacht hatte. hätte ich blos schon früher meinem frust luft gemacht. der mensch war sich sicher auch sicher, dass keine menschenseele da draussen war.

    im boot canyon


    quelle hinter dem steinbrocken


    manchmal ein weg, meist nur ein trockenes bachbett


    sonnenuntergang mit klassischer musik


    am weg


    im hintergrund der elephant tusk



    trotzdem stand ich beim ersten licht auf und machte gut strecke bis mittag. dann ruhte ich 4 stunden und füllte meine fast leeren flaschen an einer tropfenden quelle am knochentrockenen fresno river auf. danach ging ich weiter bis es dunkel wurde. ich kochte auf dem offenen feuer reis und prickly pears. die erste hab so ich gegessen. ich hatte überall die feinsten stacheln in den händen stecken, obwohl ich sehr aufgepasst habe beim schälen. beim versuch die stacheln mit den zähnen rauszuziehen hab ich mir 3 oder 4 in der zunge versenkt. keine so gute idee! am nächsten tag fand ich wasser in der nähe vom blue camp ranchhouse. eine pfütze unter einem felsen versteckt, ich musste lange suchen bis sie fand. einmal noch musste ich morgen wasser finden bis ich wieder ins basin zurückkehren konnte. ich trank 6-8 l am tag, und zum kochen benötigte auch noch ein wenig. wie immer ging es beim ersten tageslicht los. gegen mittag kam ich an eine pfütze auf einem felsen. eigenartiges, halb durchsichtiges, getier schwamm darin. ich filterte mit meinem kopftuch und füllte meine faltkanister auf.

    die wüste lebt und blüht!


    trocken und heiss


    mal ein bischen trail, hinten fliesst der rio grande, ist aber nicht zu sehen


    ein zweiter toller sonnenuntergang


    käfer, flugtauglich



    der weg stieg an, es wurde grüner, sogar bäume gab is in den canyons weiter oben wieder. trotz der hitze war es schön durch die grasslandschaft, die in einem der täler war, zu wandern. die landschaft veränderte sich stark je höher ich kam.
    nach einem blick auf die window von aussen, ein vergnügen das nur wenige leute haben, ging es abends wieder zurück ins basin. ich wollte eigentlich unter dem wasserfall, der sich aus der window ergiesst, duschen und mein wasser austauschen, aber die kletterei war zu schwierig, zurück mit vollem kanister unmöglich, und so kam ich nicht ans wasser. nicht so wichtig, ich war ja eh in kürze wieder im basin mit wasser aus der leitung. und mit nachbarn, die mir sicher ein bier spendieren würden, um die geschichte meines trips da draussen zu hören. so war es auch. abendessen gabs auch dazu. die ranger waren heilfroh, dass ich wieder da und bedanken sich fürs zurückmelden.

    erste bäume höher oben


    immer mehr grün


    wiesen, da wär ich gerne noch für eine nacht geblieben


    der wasserfall aus der window, den blick kennt kaum jemand


    spät abends ging ich noch mit lisa, die mit einer katholischen gruppe unterwegs war, zur window. wir unterhielten uns prima, leider war sie mit der von billy joel im lied "only the good die young" (nur die guten sterben jung) besungenen virginia verwandt.
    "come out, virginia, don't let me wait, you catholic girls start much too late..."
    (auf gehts virginia, lass mich nicht warten, ihr katholischen mädchen beginnt viel zu spät...)

    über ein paar küsse kam ich nicht hinaus. als wir gegen 2 zurückkamen war die ganze gruppe noch auf und die erwachsene, junge frau bekam den anschiss ihres lebens. ich setzte mich auch noch in die nesseln, als ich erklärte sie sollen sich um ihren eigenen scheiss kümmern und nicht anderen erwachsenen menschen vorschreiben wie sie zu leben haben. am nächsten morgen wurde ich vom halben campingplatz geschnitten. macht nix, das war es wert gewesen.
    Geändert von danobaja (07.01.2018 um 20:33 Uhr)
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    AW: im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #9
    am nächsten tag waren meine ersatzteile in der post. ich reparierte meine schaltung. ein bischen musste ich improvisieren weil nicht alle beilagscheiben dabei waren. zum testen fuhr ich an den rio grande. ich wollte mal die heissen quellen ausprobieren. wenns kalt gewesen wär wären die toll gewesen. aber heisse quellen in der hitze, das verfehlt den sinn in meinen augen. in mexico braute sich ein gewitter zusammen. ein riesiger wolkenturm baute sich auf, es blitzte ununterbrochen. ein sogenannter electrical storm. dort drüben würde kein regen fallen, so wie fast immer.

    die heissen quellen


    palmen am picknickplatz beim fluss


    kein regen



    am rückweg ins basin bewährte sich die schaltung und so plante ich einen ausflug zum santa elena canyon für den nächsten tag. es wurde zeit die zelte hier abzubrechen und weiter zu ziehen. ich musste auch so langsam wieder nach austin zurück. abends ging ich nochmal zur window und genoss den unglaublichen blick den man bei sonnenuntergang dort hat. am rückweg im dunkeln traf ich eine klapperschlange, die mich wütend anrasselte. das blut gefror mir in den adern, wie immer bei dem geräusch. ich gab ihr 5 minuten, dann setzte ich meinen weg fort. die katholische gruppe war unter tags abgereist, so kam ich unbeschadet im camp an.

    sonnenuntergang von der window aus



    ich war noch keine 5 meter gefahren, da war der vorderreifen platt. während der reparatur löste sich ein kabelzug auf. ich bastelte den halben tag an notlösungen rum. die neuen nachbarn am campsite versprachen mit eine freifahrt zum canyon in ihrem pickup. so ging ich mit ihnen zum emory peak. leider waren sie ein wenig langsamer als ich, und es war stockdunkel bis wir zurück waren. auf der fahrt zum canyon hab ich nichts gesehen ausser dem teerstreifen der strasse. in rabenschwarzer nacht suchte ich mir einen platz, vor den moskitos flüchtete ich wieder mal ins zelt. es war herrlich ruhig, völlig geräuschlos. nichts war zu hören, es tat fast weh in den ohren. mitten in der nacht wurde ich geweckt. draussen stritten sich 2. es klang nach javelina und puma. und das dunkel verstärkt bekanntlich alle geräusche. sie hörten sich an wie wenn sie direkt vor dem zelt waren. ich bekam das gefühl sie stritten sich um mich. mit gezücktem messer und puls bis zum hals sass ich noch lange nachdem sie weg waren im zelt und konnte nicht mehr einschlafen. bei tageslicht suchte ich spuren, fand aber keine. es war wohl doch weiter weg gewesen wie ich gedacht hatte. ich machte einen kurzen ausflug in den canyon, leider werden nach kurzer strecke die wände senkrecht und der fluss füllte den zwischenraum vollkommen aus. da ging nichts mehr zu fuss. kurz dachte ich daran mir einen autoreifen zu besorgen und den canyon zu damit herunter zu treiben. leider liess sich das nicht mehr realisieren, ich stellte entsetzt fest dass ich hinter meinem zeitplan mindestens 2 tage zurücklag. ich musste pushen um nach austin halbwegs in der zeit zurückzukommen.

    vor dem canyon ist es noch flach


    hinten links sieht man den elephant tusk und das rückgrat des elefanten


    im canyon


    am späten morgen gings dann mit dem rad los. 18 meilen bergauf, und wie. von den 18 meilen schob ich bestimmt die hälfte. es wurde der heisseste tag meiner gesamten tour. ich trank insgesamt mehr als 9 liter, und gegen mittag rastete ich im einzigen schatten weit und breit, unter einen felsbrocken gequetscht, neben der strasse. ein pickup hielt und fragte ob alles ok sei. ich nahm den angebotenen ride bis panther junction dankend an. der fahrer schrieb einen führer für big bend, ich konnte ihm informationen geben über die quellen südlich der rim. so war allen geholfen, wir hatten spass während der fahrt.

    meine faltkanister waren inzwischen alle undicht. einen entsorgte ich, der andere durfte auf dem gepäckträger rumsauen. knappe 500 meilen hatte ich bis austin noch zu fahren. kaum möglich in 2 tagen, dazu kam noch, dass sich an der hinterachse die schraube ständig löste und der erste gang sich nicht mehr schalten liess. im sehr minimalistisch geführten tagebuch steht auch noch der zusatz: "...sonst läufts rad prima". aus big bend raus gings bergab, ich fuhr den ganzen restlichen tag mit einer langen mittagspause. im dunkeln kurvte ich, natürlich ohne licht am rad, um die vielen schwarzen flecken auf der strasse herum, bis mich einer davon anrasselte. heiliges kanonrohr, das waren klapperschlangen! ich stoppte sofort, und verzog mich fürs nachtlager 100m neben der strasse auf eine sandige stelle. am nächsten tag kam ich bei leichtem gegenwind bis marathon, tags darauf kam die rettung in form von frances. ich hatte die starke alkoholikerin schon im basin getroffen. sie bot mir einen ride an. lieber schlecht gefahren, als gut gelaufen, dachte ich mir. meine nerven waren am ende als wir in san antonio ankamen. bei jedem auto das entgegenkam bekam sie eine panikattacke, fahren lassen wollte sie mich wegen ihrer angstzustände auch nicht. die gespräche waren auch nicht gerade erfüllend. ich habs überlebt, und 3 tage mit dem rad eingespart. abends fuhr ich noch bis new braunfels. dort ist ein statepark, den ich schon kannte. man konnte damals dort umsonst übernachten, eintritt kostete es auch keinen. es war herrlich kühl am fluss und ich lag lange unter einem kleinen wasserfall im wasser. ich blieb einen tag und erkundete zu fuss den park. was für ein kontrast zu big bend. hier gab es wasser, und genug davon. bäume, es war deutlich kühler. am nächsten tag, dem 18. juli, ging meine tour dann in austin völlig unspektakulär zu ende.

    info schild


    1000füssler?


    raus aus big bend np


    nicht nur im np ist es trocken


    die chisos mtns von der us-seite


    auf der tour hatte ich "grapes of wrath" (früchte des zorns) von john steinbeck gelesen. passend zum vorfall mit lisas gruppe las ich wenige tage nachher folgende zeilen:

    “i know this- a man got to do what he got to do. i can´t tell you. I don't think they's luck or bad luck. On'y one thing in this worl' I'm sure of, an' that's I'm sure nobody got a right to mess with a fella's life. He got to do it all hisself. Help him, maybe, but not tell him what to do.”

    "ich weiss es genau- ein mann muss tun was er tun muss. ich kann es dir nicht sagen. ich glaube nicht dass es glück oder unglück gibt. nur bei einem in dieser welt bin ich mir sicher, und das ist, dass ich mir sicher bin, keiner hat das recht sich in das leben eines andern einzumischen. der muss das ganz alleine machen. ihm helfen, vielleicht, aber niemals ihm sagen was er tun muss."
    danobaja
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  10. AW: im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #10
    Geile Story!

  11. Erfahren
    Avatar von Lynness
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    AW: im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #11
    Danke fürs Teilen!

    Macht Lust auf Entdeckung und Rausgehen!

    Gruß Lynness

  12. Moderator
    Lebt im Forum
    Avatar von ronaldo
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    AW: im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #12
    Grosses Kino, vielen Dank!

  13. AW: im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #13
    genial!!!! Vielen Dank!
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  14. Fuchs
    Avatar von blauloke
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    AW: im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #14
    Wie alle deine Berichte ist auch dieser einfach Klasse!
    Du kannst reisen so weit du willst, dich selber nimmst du immer mit.

  15. Erfahren
    Avatar von Blahake
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    AW: im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #15
    So olle Kamellen! Aber so großartig!
    Danke!

  16. AW: [MEX], [US] im norden mexicos und süden von texas mit dem rad, 1985

    #16
    Packender Bericht aus einer längst vergangenen Zeit, ein Dokument!

    So vollkommen anders, als heute normal. Was meinst du, was jetzt hier wieder für Sicherheits- und Benimm-Diskussionen aufgekommen wären, wenn das alles nicht so ewig lange zurückläge.

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