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  1. Erfahren
    Avatar von QOM
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    [FR] Jakobsweg: Montbrison - Le Puy - Espallion

    #1
    Mitreisende: QOM
    Land: Frankreich
    Reisezeit: Herbst (2017)
    Wie? Mehrtages-Wandertour
    Route: Montbrison - Le Puy - Espallion

    Vorbereitung:
    Das Jahr war bislang ein recht turbulentes. Und so blieb nicht viel Zeit für die strukturierte Vorbereitung.
    Es gab während der letzten Wanderungen keine Defizite in der Ausrüstung, und so beschränke ich mich darauf, einen Reiseführer für die Strecke ab Le Puy en Velay zu kaufen und darin zu lesen.

    Dieses Mal den Rother Wanderführer für die via Podeniensis (ISBN: 978-3763343508).
    Dieser Reiseführer hat den Vorzug, dass im Buch ein Download-Link für die GPS-Tracks zur Strecke enthalten ist. Obwohl die GPS-Planung auf diesem Stück verzichtbar sein dürfte. Schließlich ist der Teil des Weges UNESCO-Kulturgut und entsprechend gut dokumentiert.
    Ansonsten - das ist zum Buch kritisch anzumerken - ist das Layout deutlich unübersichtlicher als das zwischenzeitlich gewohnte der Outdoor-Führer. Zum Inhaltlichen kommen später noch ein paar Anmerkungen.

    Die An- und Abreise wird dieses Mal etwas schwieriger. Denn egal, wie ich die Planung drehe und wende: Der Hinweg läßt sich nicht einfach nachmittags schaffen, auch nicht mit dem Flieger; der Rückweg schon gar nicht. Selbst wenn ich mich sputen würde und in diesem Abschnitt bis Conques kommen könnte, der Weg nach Hause wird schwierig. Wenn dann schon für An- und Abreise jeweils ein kompletter Tag draufgeht, kann ich es auch billiger und flexibler haben und Bahn fahren!

    Beim Grübeln über mögliche Varianten von An- und Abreise stoße ich auf eine knallermäßige Reise-Planungs-Webseite: Rome 2 Rio
    Die von dort aufgerufenen Kombinationen von Verkehrsmitteln verschiedener Anbieter sind teilweise völlig irre, und die genannten Verbindungen funktionieren so nicht immer weil der automatische Abgleich der Fahrpläne dann doch nicht hundertprozentig klappt. Aber die gefundenen Möglichkeiten und die Links zu den Webseiten der jeweiligen lokalen Anbieter erleichtern die Recherche enorm.

    Nach einigen Versuchen, mögliche Etappen zu planen und daraus einen Endpunkt abzuleiten, gebe ich auf. Die Reise wird irgendwo zwischen Espallion und Conques enden. Daraus ergibt sich meistens, dass ich irgendwie am Abend des letzten Wandertages nach Rodez kommen muß und von dort aus am nächsten Morgen nach Hause.

    Na, das ist doch im Grunde genauso viel Planung, wie ich brauche! Den Rest wird der Weg dann schon für mich richten!

    Der Rest der Vorbereitung ist einfach: Keine.
    Eine Woche vor der Abreise drucke ich meine Checkliste, mache fehlende Einkäufe und stürze die Sachen nach und nach in meinen Rucksack.

    Drei Tage vor der Reise buche ich das Hotel in Montbrison.

    Die Anreise ist lang, läuft aber pünktlich und reibungslos: ICE nach Strasbourg, TGV nach Lyon, Bimmelbahn nach St-Étienne (wo ich meine Begleiterin treffe, für die auch alles pünktlich lief), Bus nach Montbrison. Schön ist, gegen Ende der TGV-Fahrt kurz vor Macon ein paar bekannte Ausblicke auf die Weinberge in der Nähe von Vougeot zu haben.
    Das Hotel ist zweckmäßig. Das Abendessen gestaltet sich allerdings etwas schwierig, denn in Montbrison sind die Bürgersteige an dem Abend hochgeklappt. Nun gut, Pizza gibt es überall.

    Ab ins Bett, morgen wartet endlich wieder der Weg!
    Geändert von QOM (01.01.2018 um 20:05 Uhr)
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  2. Gerne im Forum
    Avatar von Matterhorn
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    AW: [FR] Jakobsweg: Montbrison - Le Puy - Espallion

    #2
    Ich bin jetzt über die erste Diskussion auf diesen Thread gestoßen und bedanke mich herzlichst für den bisherigen Reisebericht. Eine Freundin wird diesen französischen Teil des Jakobswegs gehen und ich werde ihr gerne einmal deinen Bericht verlinken. Jetzt bin ich schon auf den Nachschlag gespannt.

  3. AW: [FR] Jakobsweg: Montbrison - Le Puy - Espallion

    #3
    Auf Pilgerwegen ist das Schlagwort "Entschleunigung" oft ständiger Begleiter, doch wann wird daraus Stillstand?
    .

  4. Dauerbesucher
    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [FR] Jakobsweg: Montbrison - Le Puy - Espallion

    #4
    hm, ich stimme da Werner zu. Schon traurig, dass es hier nicht weiter geht? Zur Motivation: deine Fans warten schon.
    Two roads diverged in a wood, and I—
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  5. Erfahren
    Avatar von Griffon
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    AW: [FR] Jakobsweg: Montbrison - Le Puy - Espallion

    #5
    Zitat Zitat von QOM Beitrag anzeigen
    Land: Frankreich
    Reisezeit: Herbst (2017)
    Wie? Mehrtages-Wandertour
    Route: Montbrison - Le Puy - Espallion

    ... morgen wartet endlich wieder der Weg!
    Nicht nur der!
    Dieser Beitrag wurde maschinell erstellt und ist auch ohne Unterschrift gültig.

  6. Anfänger im Forum

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    AW: [FR] Jakobsweg: Montbrison - Le Puy - Espallion

    #6
    Ich bin gerade auf diesen thread gestossen und hab' gesehen, dass es eben nicht so recht weitergeht.
    Falls es Fragen gibt zur Strecken Bern-Genf-Le Puy en Velay (via gebennensis) - Saint Jean Pierre de Port (via podiensis) - Santiago de Compostella (camino frances) - Fisterra - Muxia kann ich sie vielleicht beantwortet. Für einen Bericht bin ich allerdings zu faul.
    Ich war September bis Dezember 2018 unterwegs

    Ein paar allgemeine Hinweise:
    • Mein Campingzeug hab' ich 1 Woche nach Genf nach hause geschickt und es kaum bereut; Campingplätze sind in Fr um 7 Euro, gites communal um 10 Euro. Klar, manchmal hat's auch nur private gites. Aber die sind selten mehr als 15 Euro. Wildzelten/-campen wär' möglich, wegen Trockenheit und teilweise flächendeckend Landwirtschaft nicht immer einfach gewesen.
    • Zwischen Genf und Le Puy en Velay hat's ausreichend Gites, aber man muss schon ein bisschen planen. Alternativ bieten sich Campingplätze an, die oft Caravans vermieten. Ich hab' bspw. mal für 10 Euro in einem alten Wohnwagen übernachtet.
    • Zwischen Le Puy und Conques hat es sehr viele Gites. Sofern sie nicht ausgebucht sind, kann man die Etappen so machen wie es einem passt. Nach Conques wird's wieder etwas weniger.
    • An Wochenenden, während Ferien etc. kann es sinnvoll sein, zu reservieren. Ich war September und Oktober in Frankreich unterwegs und habe es etwa zu 2/3 gemacht. Ich würd' sagen, dass es in etwa 1/3 der gites wirklich notwendig war. D.h. ich hätte sonst nicht an meinem Wunschort schlafen können.
    • Ab Mitte Oktober beginnen viele gites zu schliessen. Die Angaben der Reiseführer sind hier nicht immer zuverlässig.
    • Ich hab' in Frankreich die beiden gelben outdoor-Führer verwendet und kam damit gut zurecht. Der Rother scheint genau so brauchbar zu sein und ist event. als ebook erhältlich. Der französische Mjammjam dodo fand' ich vom Layout her am Überschaulichsten. Er wird jährlich aktualisiert und ist auch als app erhältlich. Wenn man die Sprache einigermassen beherrscht, würde ich den empfehlen.
    • Die gites waren eigentlich immer sauber und gut eingerichtet. Seidenschlafsack o.ä. reicht (ausser vielleicht im Hochwinter). Selten Doppelstockbetten. Zimmer meistens à 3-5 Betten. Oft um die 10 Betten/gite, also eher klein.
      Meisten hat's eine Küche und man kann sich selber kochen. Mit Halbpension kostet es oft um 40 Euro. Abendessen war bei mir immer mindestens gut. Aber ich hab' auch nur dort HP genommen, wo's nach gutem Essen ausgesehen hat Frühstück kann man sich sparen, meistens gibt's ein Croissant und Kaffee.
      Die Gastgeber fand' ich immer freundlich. In Spanien hatte ich schon den Eindruck, mehr zahlender Kunde als Gast zu sein. War aber auch dort allermeistens nett.
    • Essen unterwegs einkaufen: auch in den kleinen Dörfern hat's meistens einen Laden, der oft auch Gemüse und Obst aus dem Umland verkauft. In den grösseren Ortschaften hat's Supermärkte, die wochentags tagsüber geöffnet sind. Die kleinen Läden sind nämlich manchmal von 12:00-15:00 zu. Geschlossen ist ausserdem an Sonntagen und meistens auch Montags.
      Mit google maps kann man das recht gut auschecken.
      Ich hatte für den "Notfall" Nüsse& Schokolade für tagsüber und Nudeln& Suppe für abends dabei. Das hat mir gereicht.
    • Die Markierung ist immer mindestens ausreichend. Ich hatte neben dem Führer auch noch digitale opentopo Karten mit gpx-tracks. Papierkarten wären überflüssig gewesen. Das digitale Backup war neben der Markierung ab und zu angenehm, auch um sich "umzuschauen". Wirklich nötig war es nicht.

  7. Erfahren
    Avatar von QOM
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    AW: [FR] Jakobsweg: Montbrison - Le Puy - Espallion

    #7
    Zitat Zitat von Werner Hohn Beitrag anzeigen
    Auf Pilgerwegen ist das Schlagwort "Entschleunigung" oft ständiger Begleiter, doch wann wird daraus Stillstand?
    Moin Werner,
    Ich lebe noch, es gibt mich wirklich.
    Entschleunigung und Stillstand waren in den letzten beiden Jahren wirklich nicht meine Themen.
    Eher im Gegenteil.
    Ich durfte mich auch anderweitig mit Webdesign via Wordpress auseinandersetzen, und das macht mir Spaß.
    Jetzt finde ich endlich immer mal wieder ein wenig Zeit, die Geschichte auch hier weiter zu bringen.
    Denn schließlich hat sie auch hier angefangen...
    Ein Post von QOM = Quengelige Outdoor-Memme.
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  8. Erfahren
    Avatar von QOM
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    [FR] Jakobsweg: Montbrison - Montarcher

    #8
    1. / 35.Tag: Montbrison - Montarcher
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    Mittwoch, 4. Oktober 2017
    Strecke: 28,8km - Etappe: 28,8km - Gesamt: 1.095,4km
    Gehzeit: 9:15 brutto / 6:45 netto

    Der Morgen empfängt uns kalt, neblig und trüb. Dennoch kommen wir vergleichsweise gut aus dem Bett und vor die Tür. Die Kirche, die wir beim letzten Mal als Endpunkt definiert hatten, liegt direkt um die Ecke. Der Plan war, den Reisebericht auch wieder mit diesem Bild zu starten. Aber es ist einfach zu trübe für ein gutes Foto.

    Montbrison ist nich übermäßig geschäftig. Dennoch sind die ersten eineinhalb Kilometer entlang der Hauptverkerhsstraße kein allzu spektakulärer Einstieg. Beim Frühstück haben wir uns etwas zu Essen eingepackt, und das wird gemeinsam mit den Vorräten von zuhause erst mal reichen. Denn weil die Anreise dieses Mal mit der Bahn erfolgte, war der Inhalt des Gepäcks etwas einfacher zu gestalten. Dennoch muß es ja getragen werden, also sind keine überbordenden Vorräte drin. Und wir denken auch nicht daran, einzukaufen. Denn bislang hat uns der Weg ja immer versorgt.
    Also schauen wir, dass wir die laute und geschäftige Stadt möglichst schnell hinter uns bringen.
    Aber schon auf den ersten Metern packt der Jakobsweg ungefragt eine seiner kleinen Überraschungen für uns aus: Kurz bevor wir die Hauptstraße verlassen, hält vor uns ein Auto. Der Fahrer fragt uns (eher rhetorisch), ob wir auf dem Weg wären. Und erzählt uns in kurzen Worten die Geschichte seines Weges. Wir sollten doch bitte im nächsten Ort, Saint-Thomas-La-Garde einen Moment in die Kirche gehen, um dort an einem der unzählingen Splitter vom Kreuz Christi sowie einer der ersten Jakobsfiguren auf seinem Weg eine kleine Andachtspause zu machen...

    Wir sind zunächst mal froh, von der doch recht lauten Straße wegzukommen und lassen Montbrison bei etwa 2,5km durch die Felder hinter uns. Die Sonne hat noch etwas zu kämpfen, aber wir haben keine Zweifel, daß sie es heute noch schaffen wird.
    Sanft ansteigend erreichen wir bei etwa 5km Saint-Thomas-La-Garde und treten erwartungsvoll in die Kirche ein. Die empfängt uns unerwartet dunkel und etwas muffig. Wir finden unseren Jakob und den Splitter, aber beides versprüht für uns heute noch nicht allzu viel Geist - vielleicht jucken die Füße noch zu stark, denn jetzt kommt die Sonne endlich durch. Und so sind wir aus dem Ort so schnell wieder draussen wie wir reingekommen waren. Der Weg steigt weiter an und die Sicht öffnet sich merklich.


    Blick auf Saint Thomas La Garde


    Den ganzen Morgen in der Ebene zu sehen: Saint Romain


    Panorama mit Saint Romain

    Schon die ganze Zeit liegt der Kegel von Saint Romain schier unbeweglich in der Ebene und gibt uns das Gefühl, kaum voranzukommen. Der Weg steigt weiter leicht an und wir queren - nur mit Karte erkennbar ausgeschildert - ein kurzes Stück Felder und Furchen.

    Wir haben nicht mit den zahllosen wilden Tieren auf der anderen Seite gerechnet. Die mit uns auch nicht, aber sie freuen sich und lassen den ansonsten für nervige Wanderer zuständigen Hund irgendwo in der Sonne weiterdösen. Kurz drauf folgt die erste Furt dieser Etappe - immer wieder nett anzuschauen und für unser verstädtertes Automobilverständnis völlig unvorstellbar.


    Wildes Getier jagt uns unverhofft und möchte gestreichelt werden!


    Da würde ich doch gerne mal ein handelsübliches SUV drin sehen! (Die Fußgängerbrücke ist im Gebüsch versteckt.)

    Weiter geht es Richtung Süden, Richtung Sonne und so langsam wird es auch wärmer. Bei Kilometer 10 umrunden und erklimmen wir den Montsupt. Da gibt es wenig zu sehen (Kapelle abgeschlossen) aber eine Sitzgelegenheit für die Mittagspause genau dort, wo sie sein sollte - sind wir hier richtig?
    Die leicht erhobene Aussicht bringt einen Blick über die im Sommer sicher endlos heiße Ebene, und auch Saint Romain wird endlich etwas kleiner.


    Blick vom Montsupt in die Ebene


    Blick zurück: Saint Romain wird kleiner!

    Nach der Pause geht es langsam ansteigend weiter, mit vielen kleinen Abwechslungen am Wegesrand.


    Huch?!? Die Minions gibt's ja wirklich! Und sie wohnen in der Nähe von Solemieux


    Wegweiser in Le Pont


    Le Pont: Besonders nett ist der Balken über der Furt, damit man sich drüber schwingen kann (?!?)

    Der Weg steigt weiter an, nicht immer ganz sanft, aber doch angenehm zu gehen. Wie passieren die Häusergruppe "Le Pont", streifen Solemieux und erreichen - weiter ansteigend - bei Kilometer 17,5 St. Jean Solemieux. Ein Café wäre nett, hier ist aber allgemein zu.

    Die Kirche zeigt mit einem leicht abfallenden Innenraum am Hang eine ganz interessante Architektur, aber die Sonne draußen ist netter!

    Aus dem Ort heraus steigt der Weg langsam aber unaufhörlich weiter durch Felder und ein wenig Wald, in dem ein beruhigendes Bächlein plätschert. Bei etwa 20km erreichen wir Ronchevoux.


    Dorfplatz von St. Jean Solemieux in der Sonne: Ein Café wäre jetzt echt nett und kein Bißchen fehl am Platze!


    Im Wald schaut's erfrischend aus!

    Die Sonne fordert ihren Tribut und unser Wasservorräte gehen zur Neige. Doch schon bald erreichen wir Marols. Der Ort ist sich zwar seiner Lage am Jakobsweg durchaus bewußt und grüßt mit einer sehr schönen Skulptur, aber ansonsten zeigt er uns vorwiegend geschlossene Türen, auch an der dem heiligen Jakob geweihten Kapelle. Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass in Frankreich praktisch jeder Friedhof über einen Trinkwasseranschluß verfügt. Dieser nicht! Die Gräber sind samt und sonders mit Steinplatten und Kunstblumen bedeckt, da ist nix zu gießen! Also geht es trocken weiter. Na gut, das bedeutet andererseits auch weniger Gewicht zu tragen.


    Grüßt schon von Weitem: Jakobs-Skulptur in Marols


    OK, trotz juckender Füße...Zeit für ein Bild muß sein!


    Ach, das ist ja gleich um die Ecke!


    Marols: Jakob grüßt zum Abschied


    Wetterfest und etwas gelangweilt...


    Blick auf Marols

    Nach Marols steigt der Weg etwas entschlossener weiter, und so knacken wir um Kilometer 23 die 1.000 Meter Mereshöhe.


    Das letzte Stück fordert noch mal Konzentration!

    Weiter geht es durch recht dichten Wald, und der Weg wird nochmal etwas anspruchsvoller, bevor wir bei knapp 1.175 Metern Meereshöhe den heutigen Höhepunkt erreichen. Das reicht jetzt aber langsam auch für den ersten Tag! Das waren zwar nur knapp 800 Höhenmeter, die dann aber dafür beständig.

    Kurz drauf verlassen wir den ausgeschilderten Weg um uns Richtung La Chapelle en Lafaye zu wenden, wo wir in der Herberge reserviert haben. Es dauert trotz der Übersichtlichkeit des Ortes ein wenig, bis wir an der richtigen Tür klingeln. So können wir uns einen Überblick über die gastronomischen und infrastrukturellen Möglichkeiten verschaffen - das geht schnell und führt zu einem ernüchternden Ergebnis. Hier gibt's nix!
    Der Herbergsbetreiber verneint die Frage, ob er Abendessen anbietet. Aber er hätte ein paar Vorräte, von denen wir ihm etwas abkaufen könnten. Auch das ist im Wandschrank sehr übersichtlich, aber alternativlos. Der Wirt schlägt daraus kein Kapital, sondern verkauft extrem günstig - ich würde sagen zu Selbstkosten.
    Die einfachsten Entscheidungen sind die mit nicht allzu vielen Optionen!

    Die Herberge ist nett, wir sind die einzigen Gäste und haben Küche und Schlafgemach mit Etagenbetten für uns alleine. Die Architektur um Bad und Dusche ist etwas eigenwillig und bei Hochbetrieb sicher nicht ganz unproblematisch, aber das trifft uns nicht. Im Küchenschrank finden wir noch ein paar Reste an Gewürzen, und so gibt es das, was wir erstehen konnten: Suppennudeln mit Tomatensauce, in der etwas Mais schwimmt. Und eine Flasche Rotwein. Die Betten sind schnell bezogen, und wir denken nicht weiter über die gummiüberzogenen Matratzen nach. Vielmehr wird es mal wieder schnell Nacht..

    Fazit des Tages:

    Sehr schöne und überwiegend ruhige, sonnige Etappe, die uns wörtlich genommen auf die Höhe bringt. Panorama und landschaftlicher Reiz halten sich eher in Grenzen; Infrastruktur auch. Es ist schön, endlich wieder unterwegs zu sein!
    Es ist aber schon zu spüren, dass das mit dem bislang sehr einsamen Pilgern bald ein Ende haben könnte. Die Herberge ist offensichtlich für den regelmäßigen Betrieb ausgelegt.
    Geändert von QOM (03.02.2019 um 22:31 Uhr)
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  9. AW: [FR] Jakobsweg: Montbrison - Le Puy - Espallion

    #9
    Es gibt noch interessierte Leser, da ich im Mai von Puente la Reina nach SdC gehen will. Da lese ich alles, was mir über den Jakobsweg in die Finger, äh vor die Augen kommt

    LG,
    Babs

  10. Erfahren
    Avatar von Donik
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    AW: [FR] Jakobsweg: Montbrison - Le Puy - Espallion

    #10
    Gehts hier denn wirklich weiter? Yay, deine Berichte sind mir mit unter die Liebsten hier

  11. AW: [FR] Jakobsweg: Montbrison - Le Puy - Espallion

    #11
    Es geht weiter. Sehr schön. Ich bin gespannt, wie ihr nach den Hunderten einsamen Kilometern die Via Podiensis erlebt.
    .

  12. Erfahren
    Avatar von QOM
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    AW: [FR] Jakobsweg: Montbrison - Le Puy - Espallion

    #12
    Zitat Zitat von Werner Hohn Beitrag anzeigen
    Es geht weiter. Sehr schön. Ich bin gespannt, wie ihr nach den Hunderten einsamen Kilometern die Via Podiensis erlebt.
    Werner, da sagst Du was!
    Die Zweifel darüber trug ich bange seit Metz mit mir rum.
    Einen Teil kann ich vorweg nehmen: 2017 war das mit den anderen Menschen unterwegs eine völlig neue Erfahrung.
    Aber 2018 waren wir wieder unterwegs. Und es ist klar: Es geht auf jeden Fall bis über die Pyrenäen weiter.
    Dann müssen wir mal schauen, wie wir uns mit dem Mainstream arrangieren können.
    Glücklicherweise sind im Oktober ja teilweise die Bürgersteige schon hochgeklappt...

    Nachdem ich gesehen habe wie es mit den Bildern technisch geht, werde ich die nächsten Beiträge jetzt hoffentlich etwas zügiger hier ins Forum bringen...

    Ultreia!
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  13. Erfahren
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    [FR] Jakobsweg: Montarcher - St. Georges Lagricol

    #13
    2. / 36.Tag: Montarcher - St. Georges Lagricol
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    Donnerstag, 5. Oktober 2017
    Strecke: 28,7km – Etappe: 57,5km – Gesamt: 1.124,1km
    Gehzeit: 9:00 brutto / 6:30 netto

    Die absolute Ruhe und Dunkelheit der Nacht wird jäh durch den Wecker aufgebrochen. Wir reiben uns den Schlaf aus den Augen und erkämpfen uns unser Frühstück mit dem, was wir in der Herberge so finden können. Viel ist's nicht. Und wir brauchen eine Weile.


    Montarcher: Kreuz in der Sonne

    Um neun empfängt uns ein strahlend sonniger Tag - mit Reif im Schatten. Na klar, wir waren auf etwa 1.000 Meter Höhe und die Nacht war sternenklar.

    Der Weg steigt direkt hoch in den Ort nach Montarcher. Wir wissen nicht so recht, ob wir nun schwitzen oder frieren sollen; der Kreislauf kommt bergauf nur mühsam in Schwung. Aber schon nach einem Kilometer erreichen wir den Ort, der auch vom Panorama her ein Höhepunkt ist.


    Montarcher: Kunst für den durstigen Wandersmann.


    Montarcher: Blick zurück


    Montarcher: Blick nach vorne


    Montarcher: Grotte am unteren Ortsrand

    Von hier an geht es sonnig zunächst ein wenig bergab nach Le Crozet, dann durch den morgenfeuchten Wald nochmal ein kleines Stück bergauf, und von da an in der Sonne tendenziell bergab durch Felder und Wald. Wir versinken im Gedanken an das Laufen als solches, und so vergehen Strecke und Zeit sehr unbeschwert.
    Auch, dass unsere Startvorräte zwischenzeitlich deutlich dezimiert sind, macht uns nur wenig Sorgen. Denn bei etwa Kilometer 12 erwartet uns Usson-en-Forez als kleine Stadt der Region sicher mit einem umfangreichen infrastrukturellen Angebot.
    Wir erreichen die Stadt etwa um viertel nach zwölf. Der Empfang ist deutlich schlichter als erwartet. Die Karte und ein Schild sagen klar, wo ein Supermarkt zu erwarten sein könnte, und wir finden ihn auch problemlos auf direktem Weg. Gerade noch rechtzeitig, um der Jalousie beim Herunterfahren zuschauen zu können.
    Na gut, man kann ja auch mal einen Tag von Obst und Müsliriegeln leben. Vielleicht haben wir in der Unterkunft heute Abend etwas mehr Glück. Von den Orten auf dem Weg ist jedenfalls nicht viel zu erwarten.
    Auf dem Weg durch Usson-en-Forez machen wir noch einige kleine Schlenker und schauen um die eine oder andere Ecke, ob sich dahinter vielleicht noch eine geöffnete Bar oder ein kleines Geschäft versteckt haben könnten. Vergeblich.
    Weiter geht es aus Usson heraus Richtung Süden, wir überqueren eine stillgelegte oder - so steht es im Reiseführer - zu musealen Zwecken betriebene rostige Bahnlinie, die die Landschaft modelleisenbahngleich durchteilt.


    Sah auf der Landkarte so aus und nährte die Hoffnung nach städtischer Infrastruktur: Rückblick auf Usson-en-Forez


    Übersichtliche und klare Wegführung bei Kaiserwetter


    Entspanntes Landleben. Vielleicht gibt's heute Abend ja ein leckeres Steak?

    Die Wegweisung ist in Verbindung mit der GPX-Spur, die von der Webseite des Rother Reiseführers stammt, absolut eindeutig und unproblematisch, in der Sonne und tendenziell weiter bergab läuft es sich entspannt und vergleichsweise zügig. Bei Kilometer 17 durchqueren wir Jouanzeq, aber hier ist auch nichts zu holen.
    Kurz darauf geht es durch ein Tal etwa 125 Höhenmeter runter nach Pontempeyrat (...) und auf der anderen Seite wieder hoch, bei Kilometer 20 wieder über die Bahnlinie weiter nach Orcerolles.


    Stillgelegte (?) Bahnlinie in der Nähe von Orcerolles

    Etwa bei Kilometer 22 überqueren wir die Bahnlinie zum letzten Mal, dieses Mal jedoch ohne Brücke.
    Es geht weiter durch sonnige Felder und Weiden Richtung Süden, bis etwa bei Kilometer 25 der Weg in den Wald ansteigt. Nicht ernsthaft viel, aber doch merklich. In Verbindung mit der insgesamt eher zurückhaltenden Ernährung des Tages und des unerwartet kühlen Schattens zieht das kurz ein wenig an der Stimmung. Aber es kann nicht mehr so schrecklich weit sein bis zum Tagesziel.
    Das liegt zwar nicht direkt auf dem Weg, aber die Karte zeigt recht klar, wie es zu erreichen ist.
    An einem außenliegenden Hof, der schon aus der Ferne nach großen Hunden aussieht, fragen wir kurz nach dem Weg. Nicht den Hund, sondern seine Besitzerin. Die sagt "Weiß ich nix von, kann aber eigentlich nur mitten im Ort sein.". Na, das macht Mut.
    Wir erreichen den Ortskern von Saint-Georges-Lagricol und finden die Herberge. Die sieht aber tatsächlich nicht so aus als wäre sie bewirtschaftet. Der Zugang ist unklar. Abgeschlossen, keine Klingel.
    Wir tapern weiter, eine wirklich genaue Adresse gibt es nicht und die moderne Elektronik ist dabei auch nicht sonderlich hilfreich. Weiter entlang der Hauptstrasse, wieder ein wenig Richtung Norden, wo Tante Google das Etablissement verortet. Etwa einen halben Kilometer später, wir verlassen gerade kopfschüttelnd die Ortschaft um die Straßen außerhalb abzusuchen, klappert ein angejahrtes weißes Auto (eines, dieser französischen Raum- und Stabilitätswunder) an uns vorbei, bremst und kommt zurück.
    Es ist der Wirt, der sich schon fragte, ob wir uns verlaufen hätten. Wir steigen ein und fahren zurück, auf die Rückseite der Herberge.
    Da ist am Ende einer originellen Außentreppe tatsächlich noch etwas offen. Ein kleiner Raum mit bis zu vier Schlafplätzen. Einmal-Bettwäsche hier im Regal. Das Essen mögen wir uns bitte in der Mikrowelle selbst aufwärmen, im Kühlschrank ist Dessert, hier, bitteschön, ein Gutschein für das Baguette in der Bäckerei morgen früh, bitte Geschirr spülen und die Tür einfach nur zumachen. Stempel, Bar zahlen, Bon Camino! Und weg ist der Wirt.
    Das Geschirr spülen wir schon vor dem Essen, und wir vermeiden es, allzu intensiv in die Ecken zu schauen. Die Auswahl der Schlafplätze fällt leicht, denn die eine Matratze schaut von unten extrem fleckig aus; das andere Stockbett scheint in Ordnung.
    Kurz drauf stellt sich heraus, dass das auf der Matratze keine Flecken, sondern Fliegen sind. Viele. Wir kriegen sie trotzdem fast alle vor die Tür bevor wir vorsichtig Duschen und uns dem Essen nähern. Außer, dass es halt aus der Mikrowelle ist, ist es aber in Ordnung, in Frische und Portion. Der Wein ist nicht besonders, beruhigt aber den Blick auf die eher ungepflegte und überteuerte Unterkunft etwas. Beruhigen. Es gibt heute keine Alternative!
    Während ich den Herbergsschlafsack auf dem ganzen Weg bislang nie gebraucht hatte, bringt er mir auf diesem Abschnitt nun schon zum zweiten Mal ein Stück kuschelige Heimat.
    Die Beleuchtung des Zimmers gibt und macht nicht viel her.
    Und so wird es wieder mal schnell Nacht...

    Fazit des Tages:

    Sonnige Etappe durch eine Landschaft, durch die eine Modelleisenbahn fahren könnte. Gut zu laufen. Aber es deutet sich an, dass die Infrastruktur auf diesem Abschnitt des Weges doch etwas mehr Planung erfordert. Na, der Weg wird es schon für uns richten!
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  14. Erfahren
    Avatar von QOM
    Dabei seit
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    [FR] Jakobsweg: St. Georges Lagricol - St. Paulien

    #14
    3. / 37.Tag: St. Georges Lagricol - St. Paulien
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    Freitag, 6. Oktober 2017
    Strecke: 26,5km – Etappe: 84,0km – Gesamt: 1.150,6km
    Gehzeit: 7:45 brutto / 5:45 netto

    Entgegen aller Erwartungen werden wir nicht durch die Fliegen aufgeweckt, sondern durch den Wecker. Und kommen nur lagsam in die Gänge obwohl wir das Frühstück einfach halten. Den Baguette-Gutschein heben wir uns zum Auffüllen unserer Vorräte auf. Das Angebot der kleinen Epicerie ist nicht reichhaltig, aber völlig ausreichend.

    So kommen wir mit etwas Morgendunst wieder auf den Weg, vorbei an den Hofhunden, deren Revier wir vorsichtig respektieren.
    Der Anstieg auf den ersten zwei Kilometern bringt uns schnell auf Temperatur.


    Blick auf Mondoulioux

    Als wir das erste Mal aus dem Wald kommen, sieht es kurz so aus als könnte es heute feucht werden. Aber zunächst sind die dunklen Wolken erst Mal gut für den Kontrast.
    Die nächste Zeit geht es über lange gerade Stücke durch Wald und Felder etwas bergauf und bergab.
    Für heitere Abwechslung sorgt eine einheimische Begegnung als wir etwa bei Kilometer 5 die D1 queren. Schon aus der Ferne ist ein eher grobschlächtiger Herr zu beobachten, der etwas ziellos mit seinem angejahrten Kleinwagen auf dem Wirtschaftsweg hin und her rangiert. Ein Stück vor, ein Stück zurück, etwas rechts, etwas links. Gas und Schaltung sind weithin gut hörbar. Dann fasst er sich offensichtlich ein Herz - und setzt seine Karre rückwärts mit richtig viel Schwung in die tiefe Randfurche des Ackers. Der Wagen sinkt so tief ein, dass die Fahrertür nicht mehr aufgeht. Es heult, aber es bewegt sich kein Stück mehr. Der Unterboden liegt auf. Als wir vorbei kommen, fragen wir, ob wir irgendwie Hilfe rufen könnten, er säße so tief drin, dass schieben völlig aussichtslos wäre. Er kramt sein pröhistorisches Mobiltelefon aus der Brusttasche und meint völlig unaufgeregt, dann müsse er eben wohl seine Frau mit dem Traktor rufen. Er steigt nicht aus. Das wäre bei seiner Leibesfülle, der Schräglage und dem Raumangebot um den Schaltknüppel herum durch die Beifahrertür sicher auch nicht ganz einfach. Er weiß daher noch nicht, dass Teile der Frontschürze vor dem Auto liegen. Naja. Wird auch ohne gehen...
    Es geht in langen, geraden Stücken auf trockenen, sandigen Wegen weiter durch die Nutzflächen nach Les Sagnes. Der Weg ist derart gut ausgeschildert, dass wir der GPS-Navigation keine Beachtung schenken.
    Kurz nach dem Gehöft beschleicht mich doch hinsichtlich der Richtung ein etwas seltsames Gefühl. Die ganze Zeit ging es eher nach Südwesen, jetzt plötzlich nach Nordwesten - bei Sonne merkt man das schnell? Ein Blick auf die Karte zeigt, dass wir in Les Sagnes offensichtlich etwas übersehen haben. Also zurück - war ja nur ein Stück. Wir finden den Weg, der wirklich eher einer Hofeinfahrt gleicht und sind wieder in der Spur.
    Weiter geht es, lange durch den Wald, etwa 150 Höhenmeter bergauf, dann öffnet er sich etwa bei Kilometer 10 sehr romantisch.


    Ah! Endlich jemand, der uns unterhält!


    Hier bitte beachten: Das Pferd steht vor mir in einer knietiefen Senke!


    Ich weiß nicht, warum ich bei Pferden immer diese Perspektive suche...


    Das sagt uns, dass es in der Nähe bestimmt auch weider ein wenig Zivilisation geben wird.
    Gibt es aber kaum. Stattdessen wendet sich der Weg Richtung Süden und steigt bis Kilometer 14,5 gemächlich weiter an bis zum heutigen Höhepunkt bei etwa 1.000m.


    Echtes Hochgebirgs-Gefühl in Themeys


    Das kommt im Winter bestimmt gut!

    Von nun an geht's bergab und gen Süden, wesentlich angenehmer kann man kaum unterwegs sein.
    In der Nähe von Montredon können wir erstmals erahnen, dass wir uns dem populäreren Teil des Pilgerweges nähern. Wir treffen wieder mal niemanden und nähern uns dem Tagesziel.


    Hier ist wohl zur Hauptsaison öfters mal viel Betrieb!


    Vor dem letzten Abstieg gibt es eine schöne Aussicht: Irgendwo da hinten muß Le Puy liegen!


    Sieht zwar alt aus, ist aber noch nicht Le Puy!

    Bei bester Aussicht geht es teilweise kräftig bergab und wir erreichen unser Etappenziel Saint-Paulien. An der Kirche rufen wir unsere Gastleute der Nacht an, die uns dort auflesen wollen, weil wir es sonst nicht finden würden. Das Auf und Ab hat doch ein wenig geschlaucht, und so wird es im Schatten der Kirche schon ein wenig frisch.
    Wir werden aufgelesen und haben am Rande des Ortes ein sehr schönes kleines Ferienhaus für uns. Abendessen gibt's nicht. Aber wir sind auf einem im Sommer häufiger frequentierten Pilgerweg. Also gibt es in der Nähe der Kirche eine Pizzeria.
    Der kleine Spaziergang in leichten Schuhen lockert die Beine und die Füße, so dass es nach einer kleinen Runde Wäschewaschen wieder einmal sehr dunkel und sehr ruhig wird...

    Fazit des Tages:

    Hier ziehen sich die landwirtschaftlichen Flächen etwas. Es fühlt sich nicht an wie Gebirge, ist es aber mit einer Höhe zwischen 800 und 1.000m. Die Vegetation und die Menschen haben es etwas schwerer. So auch wir!
    Geändert von QOM (23.02.2019 um 10:21 Uhr)
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  15. Dauerbesucher
    Avatar von Sternenstaub
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    AW: [FR] Jakobsweg: Montbrison - Le Puy - Espallion

    #15
    und hier ist es wieder etwas weiter gegangen (im wahrsten Sinne des Wortes ;) )
    Ich mag deine Tierfotos (auch die von Pferden ) - die Viecher gucken immer so, als ob sie gerade eine lauschige Unterhaltung mit dir hätten.
    Wann geht es weiter? Nicht zu viel Zeit verstreiche lassen bitte.
    Two roads diverged in a wood, and I—
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  16. Erfahren
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    AW: [FR] Jakobsweg: Montbrison - Le Puy - Espallion

    #16
    Zitat Zitat von Sternenstaub Beitrag anzeigen
    Ich mag deine Tierfotos (auch die von Pferden ) - die Viecher gucken immer so, als ob sie gerade eine lauschige Unterhaltung mit dir hätten.
    Nun ja, sagen wir so...
    Es ist für mich einfach, die Tiere intellektuell nicht zu überfordern, sondern mich auf ihrem Niveau mit ihnen einzulassen...
    Ein Post von QOM = Quengelige Outdoor-Memme.
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  17. Erfahren
    Avatar von QOM
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    [FR] Jakobsweg: St. Paulien - Le Puy-en-Velay

    #17
    4. / 38.Tag: St. Paulien - Le Puy-en-Velay
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    Samstag, 7. Oktober 2017
    Strecke: 15,3km - Etappe: 99,3km - Gesamt: 1.165,9km
    Gehzeit: 4:45 brutto / 3:30 netto.

    Die Nacht war sehr ruhig und wir kommen mal wieder nur langsam in Schwung. Das macht nichts, denn das heutige Tagesziel ist ja schon fast um die Ecke. Der Instant-Kaffee läßt uns beim Frühstück nicht lange verweilen und treibt uns in einen herrlich sonnigen Tag.Trotzdem dauert es ein wenig, bis wir auf die Straße kommen. Denn wir haben gestern Abend noch einen kleinen Waschtag eingelegt.Auch Saint Paulien empfängt uns wie frisch gewaschen.Relativ eben und sehr ruhig geht es in der schon deutlich warmen Morgensonne Richtung Süden aus dem Ort. Wir machen lange Hälse, ob wir eventuell in der Ferne schon etwas von Le Puy erahnen können. Können wir aber nicht. Der Weg führt einfach durch Felder und an einem Steinbruch vorbei in den nächsten Ort. Es ist Samstagmorgen, also sind der Steinbruch und die Straße zwar staubig, aber ruhig. Hinter Nolhac wird es etwa bei Kilometer 5 noch angenehmer: Der Weg beginnt, etwas abzufallen.


    Kirchplatz von Saint Paulien


    Liegt Le Puy irgendwo da hinten?


    Oder vielleicht hinter diesem Hügel?

    Von Le Puy keine Spur. Auch die Silhouette der Burg von Polignac versteckt sich immer wieder.Doch plötzlich sind wir da. Dort findet heute eine Berglauf-Veranstaltung statt, gerade läuft wohl die Vorbereitung der Startunterlagen und der Test der Beschallung. So verschwinden wir ziemlich schnell wieder, ohne die Burg umfänglich zu erkunden. Na, ein wenig doch, denn im allgemeinen Trubel verpassen wir einen Wegweiser. Und es könnte schon einen Unterschied machen, auf welcher Seite wir den Hügel runter laufen.


    Mauer einer Scheune. Ich mag einfach diese Art von Muster...


    Burg von Polignac


    Aufstieg zum Dorf


    Unter der Burg zunächst die Sterblichen


    Die Burg thront über dem Ort


    Und der Ort thront über der Landschaft


    Genauso schnell geht es aus dem Dorf wieder raus!


    Burg von Polignac (Sonnenseite)

    Der Aufstieg in das Dorf ist ziemlich kurz und heftig, und plötzlich stehen wir mitten auf dem lauten Dorfplatz. Genauso schnell sind wir aber auch wieder draussen. Von Le Puy ist immer noch nichts zu sehen, nicht einmal Verkehr, obwohl es kaum noch mehr als 5 Kilometer sein können. Etwa bei Kilometer 12 steigt der Weg nochmal kurz deutlich an und entläßt uns an der Spitze des Hügels in einen Park. Der gehört der Karte nach schon zur Stadt. Aber von der vielgerühmten Silhouette der Altstadt ist immer noch nichts zu sehen. Erst als uns der Park am unteren Ende in ein etwas verwinkeltes, offensichtlich hochpreisiges Wohnebiet ausspuckt, können wir erstmals die Wahrzeichen der Stadt ausmachen. Tendenziell eher als Scherenschnitt, fast gegen die Sonne.

    Die Wahrzeichen von Pe Puy en Velay

    Durch die Betrachtungshöhe wirkt es zunächst nicht ganz so imposant wie im Reiseführer. Es geht weiter bergab durch das Wohngebiet und wir kommen in die Talsohle, durch die eine vielbefahrene Strasse führt. Unser Hotel sollte eigentlich gleich um die Ecke sein.

    Erinnert an die Meteora-Klöster...

    Aber vom Lärm etwas überfordert laufen wir zunächst ein Stück in die falsche Richtung. Das hat auch sein Gutes, denn wir können die Basaltnadel mit der Kirche auf der Spitze bestaunen. Von der Talsohle aus betrachtet sieht sie unmöglich hoch aus!Das Hotel ist schnell gefunden und das Zimmer in Beschlag genommen.Wir haben gelernt, dass Gott in französischen Sehenswürdigkeiten tendenziell pünktlich und hinsichtlich der Öffnungszeiten eher weniger fleissig ist, also machen wir uns ziemlich schnell auf den ersten Stadtrundgang. Den kann und will ich Euch natürlich nicht ersparen!In Le Puy ist nichts wirklich weit entfernt. Wir richten uns in der Reihenfolge der Besichtigung nach den mutmasslichen Öffnungszeiten - Gott ist pünktlich!Die Bilder fangen die Atmosphäre nur lückenhaft ein, und jeder Pilger erlebt die Orte etwas anders. Aber Eines läßt sich sicher sagen - die Kirche auf der Basalt-Nadel (Saint Michel d'Aiguilhe) ist etwas ganz Besonderes, und die Kathedrale von Le Puy ebenfalls. Der Rest atmet die Luft der Reisenden und leitet sie entlang ihres Weges. So auch die aus alten Kanonen gegossene Madonna, die über die Stadt wacht. OK, etwas Anderes darf man nicht verschweigen: Le Puy lebt vom Tourismus. Hier gibt es - außer in den Kirchen - teilweise recht saftige Eintrittsgelder. Da muß sich jeder selbst überlegen, wieviel Sightseeing das Budget hergibt...


    Die Madonna mit Kind wacht über Le Puy. Eine gute Verwendung für erbeutete Kanonen!


    Aus der Froschperspektive kaum zu erfassen: Fassade der Kathedrale von Le Puy


    Mit fotografischen Tricks nachgeholfen: Die Fassade ist unglaublich!


    Kathedrale von Le Puy: Schon unter den ersten Arkaden wartet Jakobus


    Ein schönes Bild: Sand, der auch nur für eine Zeit die Spur der Opferkerzen behält. Tempus fugit.


    Etwas eigenwillig präsentiert: Maria von Le Puy, wegen historischen Brandschadens züchitg verhüllt aber nicht minder wundertätig.



    Fieberstein: Ein ganz besonderer Ort mit sehr eigener, für mich deutlich spürbarer Kraft.


    Kathedrale von Le Puy: Die verzweifelte Mutter am Fieberstein


    Kathedrale von Le Puy: Blick ins Kirchenschiff


    Kreuzgang des Klosters in Le Puy: Einstmals eines der Zentren christlichen Denkens.


    Kreuzgang von Le Puy: Alles im Gleichgewicht!


    Kreuzgang von Le Puy: Hier wurde diskutiert, was an Glaubensfragen gerade so anstand.


    Nachbildung der Madonna von Le Puy, wie sie mutmaßlich vor dem Brand ausgesehen haben mag.


    Von der Altstadt aus auf Augenhöhe: Saint Michel.


    Saint Michel: Der Innenraum hat eine etwas eigenwillige Geometrie. Aber die Natur baut eben nicht rechtwinklig!


    Saint Michel: Licht und Schatten


    Saint Michel seinerselbst.


    Saint Michel: Fenster über dem Eingang.

    Hier gibt es viele Geschichten zu erkunden, viele Plätze zu besuchen, das muß für heute reichen. In der Stadt satt zu werden ist eher ein Problem der Auswahl - welch ein Luxus. Aber schon auf dem Weg zum Abendessen lässt sich erahnen, dass das mit dem alleine-Wandern möglicherweise bald ein Ende haben könnte. Hier sind ziemlich viele Leute in Outdoor-Klamotten unterwegs.Nun gut, die Eindrücke des Tages wollen noch einen Moment verarbeitet werden, außerdem klingelt morgen früh früh der Wecker. Denn wenn wir schon mal hier sind, wollen wir uns die tägliche Pilgermesse natürlich nicht entgehen lassen.Und so wird es mal wieder schnell dunkel...

    Fazit des Tages:
    Kurze, mäßig abwechslungsreiche Etappe in die erste "echte" Pilgerstadt. Le Puy bietet beliebig viel Zeit zum Sighseeing. Der lange Nachmittag, den wir dort hatten, reicht für das absolute Minimum!
    Ein Post von QOM = Quengelige Outdoor-Memme.
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  18. Fuchs
    Avatar von Wafer
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    AW: [FR] Jakobsweg: St. Paulien - Le Puy-en-Velay

    #18
    Zitat Zitat von QOM Beitrag anzeigen
    Aber schon auf dem Weg zum Abendessen lässt sich erahnen, dass das mit dem alleine-Wandern möglicherweise bald ein Ende haben könnte. Hier sind ziemlich viele Leute in Outdoor-Klamotten unterwegs.
    Hallo QOM.

    Ja, in dieser Stadt hat sich diesbezüglich auch auf meiner damaligen Tour einiges verändert. In Le Puy habe ich viele Pilger zu sehen bekommen. Aber auf dem Weg hat sich das ziemlich verlaufen. Da du ab jetzt auf dem gleichen Weg unterwegs bist wie ich seinerzeit wird es für mich ab hier erst richtig interessant. Bin mal gespannt wie du den Weg empfunden hast ... und auf die Fortsetzung natürlich auch! Lass uns bitte nicht zu lange warte!

    Gruß Wafer

  19. AW: [FR] Jakobsweg: Montbrison - Le Puy - Espallion

    #19
    Zumindest dem Namen nach kommt ihr ja jetzt wirklich in Pilgergebiete. Le Puy kenn ich nicht, es sieht aber durchaus einladend und sehenswert aus! Hihi, bei der brandgeschädigten Maria denkt man eher, dass sich das Jesuskind unter ihrem Rock versteckt hat, wie es da so hervorschaut. Ein ganz anderer Eindruck als bei der kleinen "Ersatzfigur"!

    Dieser Zertifikatsfehler hat mich eine Weile ausgebremst, aber jetzt freue ich mich auch aufs Weiterlesen!

    LG
    Babs

  20. Erfahren
    Avatar von QOM
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    [FR] Jakobsweg: Le Puy-en-Velay - Monistrol d'Allier

    #20
    5. / 39.Tag: Le Puy-en-Velay - Monistrol d'Allier
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    Sonntag, 8. Oktober 2017
    Strecke: 32,0km - Etappe: 131,3km - Gesamt: 1.197,9km
    Gehzeit: 9:15 brutto / 7:00 netto.

    Das Hotelzimmer war nicht übermäßig großzügig aber durch Innenhof-Lage sehr ruhig.
    Der Wecker leider nicht. Denn die tägliche Pilgermesse um 7 Uhr in der Kathedrale wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir haben es aber nicht ganz so eilig und packen unsere Sachen noch nicht, sondern planen nach der Messe noch ein gemütliches Frühstück.
    Die Stadt ist noch dunkel und leer, selbst als wir uns der Kathedrale nähern. Auch am frühen Morgen ist das Portal der Kathedrale in seiner Eigenwilligkeit beeindruckend.

    Die Fassade der Kathedrale im ersten Morgenlicht
    Uns irritiert, dass es menschenleer ist. Aber während ich mit meiner Kamera mein Glück versuche - immerhin habe ich jetzt das Taschenstativ mal dabei - schlurfen einige weitere Gestalten sichtlich müde in die Arkaden.
    Die Kathedrale ist offen, aber belebt. In den ersten Reihen kauern (sitzen kann man's nicht nennen, wie sie da hängen) etwa 30 Gestalten in Trekking-Klamotten, viele davon mit Rucksack. Einer hat einen Trolley dabei, wie wir ihn aus den Supermärkten von wehrhaften älteren Damen kennen - in knallrot.
    Wir setzen uns ans hintere Ende des ersten Reihenblocks, denn wir sind uns hinsichtlich der Liturgie und der Gebräuche nicht so ganz sicher und möchten lieber unauffällig bleiben. Kaum haben wir uns gesetzt, löst sich aus dem Schatten der nahen Säule eine Gestalt und fragt mich, ob ich denn Lust hätte, heute bei der Eucharistie zur Hand zu gehen. Lieber nicht, ich bin ausgetretener Protestant, ich war nie Messdiener, das kann nur schief gehen!
    Während der Messe verstehe ich vom Text nicht viel, denn ich bin zu abgelenkt. Die Gesangsstimme des Priesters füllt den Raum, und die Lieder, die er gewählt hat, sind für diese Kirche geschrieben. Ich lasse meinen Geist ganz einfach mit durch Zeit und Raum schweben. Natürlich empfange ich den individuellen Pilgersegen, wenn ich schon mal da bin, kann das nicht schaden, etwas von der Kraft dieses Ortes mit auf den Weg zu nehmen.

    Sieht seit Jahrhunderten täglich dutzende Pilger, blickt daher vielleicht ein wenig leer und kann (für meine Generation) eine gewisse Ähnlichkeit mit Davy Jones aus dem "Fluch der Karibik" nicht leugnen: Jakobsstatue im Innenraum der Kathedrale

    Nach der Messe bittet der Geistliche die Pilger, sich vor der Statue des Jakobus zu versammeln und noch eine kurze Vorstellungsrunde zu machen. Die ist sehr interessant, und er macht das routiniert und humorvoll.
    Dabei drückt er jedem einen kleinen Rosenkranz in die Hand - "aus ganz original billigem Plastik und weniger als 10 Gramm schwer, der belastet Euer Gepäck garantiert nicht! Und wenn Ihr nicht genau wisst, was Ihr damit machen sollt, ist hier noch ein kleines Heft über unsere Pilgertradition. Das ist wasserdicht verpackt, und wenn Ihr einen Pilgerpass von hier habt, paßt der in die andere Seite der Hülle. Wir denken hier an Euch!"
    Dann erklärt er einen sehr netten Brauch: Unter dem Jakobus steht eine große Holzkiste mit einem Briefschlitz, daneben ein Stapel Zettel und Stifte. Auf der Holzkiste sind Karteikästen mit fein säuberlich einsortieren Zetteln. In allen Sprachen, inklusive Koreanisch.
    "Schreibt Euer Herzensanliegen auf einen Zettel und werft ihn in den Schlitz. Dann nehmt Ihr einen Zettel in Eurer Sprache mit auf den Weg. Meditiert über das, was Ihr darauf geschrieben findet. Und wenn Ihr damit fertig seid, legt den Zettel am Wegrand ab. So, und jetzt raus mit Euch, der Weg wartet. Wir öffnen jetzt die Pilgerpforte!"

    Die Pilgertreppe in der Kathedrale von Le-Puy


    Blick zurück in die Kirche

    Das ist eine tolle Show: Mitten im Mittelgang der Kirche teilt sich ein vermeintliches Lüftungsgitter und faltet sich fast lautlos nach oben zu einem Geländer auf, das eine steile Treppe an den absturzgefährdeten Seiten umgibt. Diese Treppe ist nur ein Ausgang, und nur für die Pilger.
    Wir verlassen fasziniert die Kirche. Und gehen erst mal in Ruhe Frühstücken und packen. Wir wissen noch nicht so genau, wie weit wir heute wollen. Aber ab hier ist die Infrastruktur laut Reiseführer wesentlich besser. Um etwa 20 nach 9 starte ich die Elektrik und der Weg beginnt, zunächst wieder an der Kathedrale vorbei zum offiziellen Startpunkt der Via Podeniensis, wie sie ab hier Weltkulturerbe ist.
    Der Weg verlässt die Stadt zügig, der Flair weicht moderner Stadtrand-Bebauung, und schon einen kräftigen Anstieg später ist Le-Puy bei Kilometer 2 so plötzlich verschwunden wie es aufgetaucht war. Ein faszinierender Ort.


    Offizieller Startpunkt der Via Podeniensis


    Na, das ist ja gleich um die Ecke!


    Hier paßt Maria auf die Wäsche auf!


    Ein letzter Blick auf Le-Puy

    Die Stadt ist landschaftlich schnell vergessen, der Weg wird etwas rustikal, steigt weiter stetig ein wenig an. Etwa bei Kilometer 6 wird uns durch einen tiefen Einschnitt in der Landschaft bewußt, dass wir ja eigentlich schon eine gewisse Höhe haben und uns auf einer Hochebene gut 800 Meter über Meereshöhe bewegen.


    Der Weg wird kurz nach Le Puy etwas rustikaler


    Hochebene bemerkt man nur durch Täler...


    Le Puy? Wo?

    In dieser Gegend sehen wir am Rand im Gras auch den ersten Gedenkstein für einen Pilger, der sein Leben hier ließ. Hm...Wenn er in Le Puy gestartet war, hat er hoffentlich im Starten seinen Frieden gefunden. Noch am gleichen Tag, etwas später, hängt ein verwitterter leerer Rucksack an einem Busch, mit einem kleinen eingeschweißten Schildchen, dass er vor sechs Jahren als letzter Gruß an einen Pilger aufgehängt wurde, der genau hier seinen irdischen Weg beendete. Klar, ab Le Puy sind wir auf dem in Frankreich beliebtesten Stück des Jakobswegs. Und mit der Gesamtzahl der Pilger und der zugehörigen Geschichten erhöht sich praktisch zwangsläufig auch die Zahl der traurigen Geschichten.
    Obwohl wir jetzt auf einer wesentlich touristischeren Strecke unterwegs sind, sind wir weitgehend alleine. Denn die Anderen sind wesentlich früher aufgebrochen und demnach schon hinter dem sichtbaren Horizont. Zwar überholen wir ab und an einige Wanderer, die gerade Pause machen, aber der Betrieb auf der Strecke hält sich deutlich in Grenzen. Auffällig sind selbstverständlich auf weicheren Passagen zahlreiche Fußspuren. Und zwischendrin schmale Reifenspuren, ganz so, als hätte jemand einen Einkaufstrolley durch die Gegend gezogen...
    Der Weg bleibt weiter etwas wechselhaft, teilweise einfach eine Fahrspur, teilweise ordentlich asphaltiert, und er steigt weiter stetig an. Die Landschaft bietet nachdem wir den Einschnitt hinter uns gelassen haben nicht viel Abwechslung, landwirtschaftliche Nutzfläche.
    Um Kilometer 15 erreichen wir eine sehr schöne Kapelle am Wegesrand.

    Chapelle Saint Roch, kurz vor Montbonnet
    Aber wir haben gerade eine ziemlich laut schnatternde Gruppe Französinnen überholt und sind froh über die Ruhe. So erkunden wir den Ort nicht näher, denn unsere Verfolgerinnen schicken sich an, das zu tun. Das ist die Chance, den Abstand noch etwas zu vergößern.
    Menschen auf dem Weg überfordern uns noch sichtlich.
    Es geht noch gut drei Kilometer weiter bergauf, und im Wald wird es dann ziemlich rustikal. Das ist zu diesem Zeitpunkt, nach knapp 18 Kilometer kein Problem, denn der Blutzuckerspiegel stimmt, Laune und Konzentration sind bestens.
    Dann geht es etwa drei Kilometer durch den Wald bergab. Das fordert deutlich mehr Konzentration, zumal es sich etwas eintrübt und kurz ein wenig nieselt. Am Wegesrand bemerke ich die ersten Steinmännchen mit darin eingeklemmten Zetteln.
    Etwa bei Kilometer 23 erreichen wir Saint Privat d'Allier, das klassische erste Etappenziel ab Le Puy.


    Saint Privat d'Allier


    Im Wald kurz vor Saint Privat d'Allier

    Zwar sind hier zahlreiche Unterkünfte ausgeschildert, aber hier herrscht auch vergleichsweise reges Treiben. Wir sind mit der Menschenmasse immer noch überfordert, und es ist noch nicht so sehr spät. Der Blick auf die Karte verspricht in etwa 7 Kilometern den nächsten Ort, und dort sind ebenfalls mehrere Unterkünfte notiert. Also weiter.
    Wenn alle hier abgestiegen sind, kann das mit dem Bett im nächsten Ort ja sicher nicht so schwierig werden.
    Der auf den nächsten Kilometern folgende Abstieg in das Flußtal hat es in sich, auch bei Trockenheit.
    Zunächst läßt sich alles ganz gut an, nicht befahrene Nebenstrecke. Aber dann zweigt der Weg in einem kleinen Weiler einfach bergab ab. Wir sind froh, dass es trocken ist. Aber auch so müssen wir uns teilweise an den Bäumen festhalten um nicht abzurutschen. Die Bäume zeigen an ihrer Rinde ganz deutlich, dass wir nicht die ersten sind. Und die Steine berichten von vielen abgerutschten Walking-Stöcken.


    Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!


    Der Weg entsteht beim Gehen!

    Wir sind froh als wir endlich eine der Nebenstraßen nach Monistrol erreichen und uns die letzten Meter in den Ort noch ein wenig lockern können. Im Ort folgen wir dem Weg zu einer Bleibe, die im Reiseführer eigentlich sehr sympathisch aussah. Aber die hat heute Ruhetag, ebenso der Nachbar. Aber da, wo wir gerade in den Ort abgestiegen sind, hatte ich ein Hotel gesehen. Und da hat man ein Zimmer für uns. Und eine Dusche. Und ein Abendessen mit ganz netter Unterhaltung durch den irischen (?) Wirt.
    Der Abstieg hat uns echt geschafft, der Ort an sich ist legendär häßlich, und so wird es mal wieder schnell Nacht...

    Fazit des Tages:
    Die erste Etappe auf der als Weltkulturerbe geschützten Via Podeniensis. Perfekt ausgeschildert, aber eben schon durchaus frequentiert. Landschaftlich eigenartig, schwer zu beschreiben.
    Der Abstieg am Ende war wirklich knackig, und ich warne Karl, den ich damals kurz vor Dijon getroffen hatte und der uns nun wieder auf den Fersen ist, davor.
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