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  1. Fuchs
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    [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver.

    #1
    Mitreisende: evernorth




    Prolog

    Ich will in den Fjallabak - nach Hattver. Die Fotos und die Berichte, die ich auch hier auf ODS gesehen / gelesen habe, sprechen Bände, dicke Bände. Da ist der Weg dahin schon fast zweitrangig - mir geht es um das Erleben, die Atmosphäre und die besondere Magie dieses einmaligen Ortes. Das müsste doch irgendwie einzufangen sein - sinnbildlich und fotografisch?
    Deshalb wohl in erster Linie ein Foto - Trip. Mir ist sofort klar, dass ich vor allem wettertechnisch viel Glück brauche. Es ist das Rhyolith - Gestein, das die Gegend um Landmannalaugar überall prägt und - bei entsprechender ( Sonnen ) Licht - Einstrahlung - alles zum Leuchten bringt. Fehlt das Licht - na, dann
    ( fast schon ) gute Nacht.
    Ich bin da - wie eigentlich immer - optimistisch. Ein paar schöne Sonnenstunden, mehr verlange ich doch gar nicht. Das sollte doch möglich sein?
    Toffee - Mountains - kein Begriff von mir. Ich habe ihn in einem Reisebericht gelesen und ich finde ihn soo lecker, äh….zutreffend: Eine Landschaft, die an geschmolzenes Toffee erinnert……hmm….lecker.
    Also lecker Landschaft und lecker Bilder….so wird ein Schuh draus.
    Ein bisschen „ unterwegs ” sein möchte ich auch noch. Aber Strútsstígur? Schon wieder? Da war ich doch erst im letzten Jahr…..
    Der Strútsstígur ist eigentlich sogar die ( naheliegende und ) logische Verbindung nach Hattver, jedenfalls, wenn man von Hólaskól startet. Leider ist mir dieser Weg ( vorerst noch? ) über den Torfajökull, verborgen geblieben. Vielleicht später einmal?
    Ich freute mich jedenfalls wieder riesig auf ein Bad in Islands schönster, heißer Quelle: Strútslaug.

    Eigentlich hatte ich auch einen anderen Titel gewählt: Hattver - mein Shangri La, oder so.
    Shangri La, ein paradiesischer, fiktiver Ort, meist irgendwo in den Himalaja verlegt. Himalaja? Paradies? Hmm…..das Land, wo Milch und Honig fließt? Das schien mir dann doch etwas zu dick aufgetragen zu sein, aber, was soll ich sagen: Es lebt, mitten in mir, wie eine paradiesische, warme Sonne.
    Voller Sehnsucht denke ich auch heute noch an diesen, für mich, außerordentlich beglückenden Ort, zurück. Es verfolgt mich; bis in meine geheimsten Träume. Das geschieht mir nicht oft und ist deshalb so erwähnenswert.
    Also dann: Auf nach Shangri La……äh…..Hattver. Scusi.
    Geändert von evernorth (06.01.2018 um 20:47 Uhr) Grund: geändert
    In einer Welt wie dieser kann man womöglich nur noch (nach) innen reisen. Dort findet man alles, was man braucht, wenigstens theoretisch. Was braucht man denn?

  2. Fuchs
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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #2
    Es beginnt.......s.o.
    In einer Welt wie dieser kann man womöglich nur noch (nach) innen reisen. Dort findet man alles, was man braucht, wenigstens theoretisch. Was braucht man denn?

  3. AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #3
    so schreibe er weiter, schnell...
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
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  4. Fuchs
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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #4
    02.08.17

    Der Bus ist pünktlich. Um 9 Uhr geht es von Kirkjubæjarklaustur los und nach etwa 105 Minuten Fahrt steige ich in Hólaskól bereits wieder aus. An der Hütte lerne ich Tim und Anna aus Potsdam kennen. Sie schultern gleich ihre Rucksäcke und wollen heute noch nach Álftavötn. Wir werden uns noch öfter begegnen.
    Da der Weg nur kurz ist, hole ich hier erst einmal mein ausgefallenes Frühstück nach. Gegen 13.30 Uhr mache ich mich auf den Weg.




    Hólaskól


    Obwohl ich den Weg ja schon aus dem Vorjahr kenne, mache ich doch den einen, oder anderen Foto - Stop. Das Wetter ist Island - typisch: Bedeckt, Grau in Grau. Ich komme gut und rasch voran.








    Gut sichtbarer Pfad



    Entlang der Syðri Ófæra


    Etwa 90 Minuten später stehe ich an der Furt über die Syðri Ófæra. Gleich erkenne ich, dass da schon ordentlich Wasser im Fluss ist - deutlich mehr, als ein Jahr zuvor. Das Wasser reicht schon mehr als eine Handbreit über dem Knie, doch alles geht gut und auch schneller, als gedacht.
    Gegen 16 Uhr erreiche ich die Útivist - Hütte am Álftavötn. Tim und Anna sind gerade erst eingetroffen. Die haben sich wohl etwas Zeit gelassen? Sie zelten - windgeschützt - hinter der Hütte, während ich mich nahe am See niederlasse. Rasch errichte ich das Zelt, während die Sonne immer mal wieder durch die Wolken schaut. Dann folgt in einem nahen Bach das Reinigung - Ritual, wie ich es eigentlich immer am Ende eines Tour - Tages praktiziere: Schön mit kaltem Wasser und einem Waschlappen abschrubben, wenn auch meist nur den Oberkörper. Die Kälte weckt nicht nur die Lebensgeister, der Geruch der Minze aus der Waschlotion vermittelt einen überzeugenden „ Frische - Status ”. Möchte ich nicht mehr darauf verzichten. Anschließend gehe ich noch etwas zu Anna und Tim hinüber und plausche ein wenig mit den beiden.




    Útivist - Hütte am Álftavötn





    Camp 1










    Vor dem Abendessen mache ich mich noch auf den Weg und erkunde ein wenig die nähere Umgebung. Die schöne, satt - grüne Landschaft gefällt mir - auch, wenn es bereits mein zweiter Besuch hier ist. Für eine Erkundung der Umgebung hatte ich mir im letzten Jahr keine Zeit genommen. Nun, es ist toll hier und ich liebe es, durch das fette Grün zu pirschen.




    Mäh?



    Kleiner Wasserfall nearby








    Zufrieden kehre ich zum Zelt zurück. Heute war ein kurzer Tag. Dann noch Abendessen und frühes Schlafen - Gehen.


    03.08.17

    Gegen 6.30 Uhr wache ich spontan auf. Geht also auch ohne Wecker. Etwas vor Neun Uhr verlasse ich meinen Platz. Als ich bei Anna und Tim vorbeikomme, sind sie noch am Packen. Mir ist das ganz recht, denn so kann ich schauen, ob ich mich nach einem Jahr noch an den Weg erinnern kann. Das ist einer von vielen Vorteilen des „ alleine Gehens ”: Ich bin dann meist viel fokussierter. Anna und Tim haben gestern Abend auch noch etwas die Gegend erkundet. Eine Brücke haben sie nicht gesehen. Ich erinnere mich aber noch recht genau an eine Brücke. Schon nach 15 Minuten stehe ich davor: Eine natürliche Basalt - Brücke, unter der das Wasser der Syðri Ófæra vorbei rauscht. Auch diesmal mache ich wieder den gleichen Fehler und quere den Fluß, da auf der anderen Fluß - Seite ein deutlicher Pfad sichtbar ist. Auf der Karte verläuft der Weg jedoch auf der orographisch - östlichen, linken, Seite. Später muss ich dann den Fluß wieder zurück queren - keine große Sache.
    Das Wetter sieht nicht besonders gut aus. Ich nehme an, dass es später noch Regen gibt. Bisher ist es stark bewölkt, aber trocken.
    Die heutige Etappe gefällt mir - wie schon im letzten Jahr. Eine anschließende Furt fällt heute etwas tiefer vom Wasserstand aus, als ich das vom letzten Jahr in Erinnerung hatte. Ich stoße immer wieder auf einen Jeep - Track und - wie schon im letzten Jahr - versuche ich ihm immer wieder auszuweichen, indem ich weglos abkürze. Ich werde ihn aber auf dem letzten Stück bis zum Hólmsárbotnar nicht mehr los.




    Syðri Ófæra und....Nebel. Nichts Besonderes.



    Gefälliges auf und....ab.




    Gegen Mittag mache ich eine Lunch - Pause an einem schon von weitem sichtbaren, großen Felsen, der hier einfach mal so in die Landschaft „ gelegt ” wurde. Vermutlich so ein „ Spiel ” unter Riesen: Findlings - Weitwurf. Er bietet ganz guten Windschutz. Hier ist es auch, wo der Regen „ losgeht ”. Weil das so urplötzlich und unerwartet geschieht, komme ich beim Anziehen der Regen - Klamotten etwas in Hektik und gerade in diesem Augenblick kommen Anna und Tim vorbei. Sie staunen nicht schlecht, was ich da gerade für einen „ Bewegung - Tanz ” vollführe: Abwechselnd - hüpfend von einem Bein auf das andere, einen Riegel quer im Mund und dabei unflätige Sprüche durch die Zähne zischend. Ich brauche noch etwas Zeit und die beiden übernehmen erst einmal die Führung und gehen voraus. Eine halbe Stunde später habe ich sie schon wieder eingeholt.




    Lunch - Pause. Markanter Felsen in der Bildmitte.


    Es regnet sich richtig ein und 45 Minuten Regen haben ausgereicht, um festzustellen, das sowohl die Jacke, wie auch die Regenhose nicht mehr dicht sind. Ich muss meine Membran - Jacken schon nach vier oder fünf Jahren austauschen, dann sind sie nicht mehr dicht. Die Hose ist etwas jünger als die Jacke, aber eben auch schon undicht. Schade.
    Gegen 15 Uhr erreiche ich die Ebene des Hólmsárbotnar. Etwa 40 Minuten später habe ich die letzte Furt vor der heißen Quelle Strútslaug hinter mir. Ich musste für die richtige Stelle etwas suchen, aber dann ging es leichter, als es zunächst aussah.
    Kaum habe ich mein Zelt errichtet, haben auch Anna und Tim die Furt erfolgreich absolviert.
    Inzwischen hat es aufgehört zu regnen und ich hänge die nassen Sachen zum Trocknen raus. Hin und wieder kommt die Sonne zum Vorschein, was den Trocknung - Vorgang deutlich beschleunigt. Es dauert dennoch seine Zeit, denn die Jacke ist bis zum T - Shirt durch und auch die Hose ist komplett nass.
    Wir teilen uns den Platz mit einer 3 - köpfigen, isländischen Familie. Der Mann ist schon im heißen Pool; Frau und Tochter machen ein Schläfchen im Zelt.
    Ich steige ein Stück den Weg in Richtung Torfajökull hoch. Von hier oben habe ich einen tollen Blick hinunter auf die Zelte, die ganz klein erscheinen.
    Am Abend sind wir alle noch ganz lange im Hot Pot, reden und philosophieren, als es stärker zu regnen beginnt. Für alle ist es mehr oder weniger ( dem Isländer macht der Regen wenig aus - er bleibt noch mindestens für weitere 30 Minuten im Pool ) das Signal, das Bad zu beenden.
    Das Abendessen nehme ich im Zelt ein, während die Regentropfen auf das Zeltdach prasseln.
    Im Schlafsack fühle ich mich herrlich durchgewärmt.
    Der Regen hört irgendwann in der Nacht wieder auf und die dann folgende Stille registriere ich im Halbschlaf überaus wohlwollend, und ich schlafe danach, wie das berühmte Murmeltier.




    Camp 2 an der Strútslaug







    Fotostativ kann auch Wäscheständer



    Bei Sonne, wenn sie denn mal da ist.



    Geothermale Attraktionen





    Strútslaug und Hólmsárbotnar


    - to be continued -
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  5. AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #5
    geniale Fotos, ich mag, Grün-Schwarz-Grau
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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #6
    04.08.17

    Als ich am anderen Morgen einen Blick aus dem Zelt nach draußen werfe, ist es trocken, aber stark bewölkt. Eigentlich sieht es aus, wie ( fast ) immer. Dem Wetter zum Trotz fälle ich die Entscheidung, noch einen Tag länger an der Strútslaug zu bleiben. Ich möchte ein Stück hoch, in Richtung Torfajökull, steigen, und die nähere Umgebung kennenlernen. Anna und Tim haben den gleichen Gedanken gehabt. Sie wollen morgen zum Laugarvegur und von dort noch weiter zum Hellismannaleið. Sie beabsichtigen auch, hinauf zum Torfajökull zu steigen, brechen aber bereits 10 Minuten vor mir auf. Wir werden uns dort oben wieder treffen. Ich kann sie, hoch oben auf dem langgezogenen Grad, gerade noch entdecken, als ich aufbreche. Recht schnell gewinne ich an Höhe. Das Lager ist anfangs noch gut zu sehen, wird dann aber immer kleiner und verschwindet dann nahezu in einem winzigen Punkt.







    Ganz oben angelangt, reicht es für einen Blick auf den Torfajökull. Von hier aus gibt es auch eine direkte Möglichkeit, nach Hattver zu gelangen. Das ist aber nur absolut weglos und recht zeitaufwendig möglich. Etwa 5-6 Stunden sollten dafür von der Strútslaug veranschlagt werden.
    Der Weg dahin ist recht abenteuerlich: Im ständigen auf- und ab müssen viele, kleine Canyons und zahlreiche Höhen gequert werden. Etliche Bäche sind zu queren und einige sicher auch zu furten. Kurz: Eine zeitaufwendige, schwierige Tour für nur wenige Kilometer Entfernung.
    Ich habe mich diesmal für die längere, aber deutlich leichtere Variante entschieden. Vielleicht ein anderes Mal?
    Da das Wetter langsam in Richtung Regen umzuschlagen droht, will ich noch einen Blick von dem 945m hohen Laugarháls werfen. Hier treffe ich auch auf Anna und Tim und wir bestaunen den großartigen Blick über das Flußgewirr des Hólmsárbotnar, den angrenzenden Hólmsárlón, und dem markanten Strútur.




    Hólmsárbotnar und Hólmsárlón



    Strútur












    Dann machen wir uns rasch auf den Weg nach unten zum Camp, denn schließlich wollen wir noch trockenen Hauptes dort ankommen. Es sollte uns gelingen. Weniger Glück haben die drei Isländer, die uns auf dem Abstieg entgegen kommen. 30 Minuten später kommen sie nass - geregnet zurück zum Camp. Ich liege zu der Zeit schon bequem auf meinem Schlafsack und lese ein wenig in meinem Buch.
    Am späten Nachmittag treffen wir uns - bei nachlassendem Regen - alle wieder in der Strútslaug und üben gemeinsam die korrekte Aussprache etlicher, isländischer Wörter. Da sind reichlich Zungenbrecher dabei, und schließlich fühlt sich meine Zunge im Mund an, als hätte sie sich mehrfach verknotet. Wir haben Spaß zusammen.
    Bevor ich in der Lauge der Strútslaug ganz aufweiche, unterbreche ich das Bad für mein Abendessen, nur, um dann noch ein weiteres Mal vor dem Schlafengehen in den Hotpot zu steigen - 2017 ist eben ein Badeurlaub - sehr schön.
    Die Nacht schlafe ich ganz wunderbar.

    05.08.17


    Am nächsten Morgen breche ich recht früh gegen 9 Uhr auf. Anna und Tim sind diesmal etwas schneller gewesen. Ich kann sie aber ein gutes Stück voraus am Hang erkennen. Ich komme sehr zügig voran und bleibe auch nicht so häufig für ein Foto stehen, da ich die Gegend ja schon vom Vorjahr kenne.
    Kurz nach dem Aufstieg, der hinter der Hütte Strútsskali folgt, habe ich die zwei wieder eingeholt.
    Sie wollen allerdings einen etwas anderen Weg über den nahen Jeeptrack gehen und so wird es bis Hrafntinnusker dauern, bis wir uns wieder begegnen werden.
    Auf schon bekannten Terrain gehe ich viel entspannter. Bei nur mäßigem und meist bedecktem Wetter komme ich schnell und gut voran. Nachdem ich die zahlreichen Bäche gequert habe, wird zum Nachmittag hin das Wetter deutlich besser. Nach und nach kommt die Sonne zum Vorschein.




    Hütte Strútsskali





    Unterwegs - in Hintergrund: Myrdalsjökull



    Mællifellssandur










    Gegen 16 Uhr erreiche ich punktgenau die Stelle, an der ich im letzten Jahr mein Camp errichtet hatte. Hier, etwa 1 Kilometer vor Hvanngil, will ich erneut die Nacht verbringen. Ich habe keine Lust, in Alftavatn zu campieren. Da ist es mir viel zu voll. Also errichte ich mein Zelt - mittlerweile im schönsten Sonnenschein.




    Camp 4










    Nach den obligatorischen Fotos bereite ich mir schon recht früh das Abendessen. Dann lese ich noch lange in meinem Buch, bei weit geöffneter Zelttür. Als die Sonne längst hinter dem Bergrücken verschwunden ist und eine empfindliche Kälte langsam in das Zelt - Innere dringt, erkläre ich den Tag für beendet. Das hat heute richtig gutgetan.
    Schön, wieder unterwegs zu sein.




    Camp 4 am Morgen


    06.08.17


    Heute bin ich noch etwas früher auf den Beinen, denn ich habe vor, in einem durch bis nach Landmannalaugar zu gehen. Gegen 9 Uhr schwenke ich auf den Laugarvegur. Etwa 40 Minuten später passiere ich Alftavatn, wo um diese Zeit noch viele Zelte auf dem CP stehen.
    Es folgt nun der lange und steile Aufstieg über die Jökulltungur hinauf zum Kaldaklofsfjöll.
    Kann mich gar nicht mehr erinnern, dass sich das so „ zieht ”. Richtig anstrengend, doch irgendwann bin ich oben. Natürlich gibt es auch diesmal hier oben ein paar Fotomotive. Ich gehe jedoch rasch weiter.




    Auf dem Laugarvegur










    Es folgt eine Snack - Pause, als ich mein Zwischenziel - Hrafntinnusker - bereits sehen kann. Vom letzten Mal weiß ich, dass sich der Weg allerdings noch sehr „ hinausziehen ” wird.
    Dann wird es überraschend ungemütlich. Etwa 30 Minuten vor dem Eintreffen in Hrafntinnusker beginnt es zu regnen. Zunächst nur zaghaft, dann wird es stärker, so dass ich die komplette Regenmontur anziehen muss. Ich bin „ ungehalten ”, denn das dauert ( mir zu lange ).
    Schon etwas durchgeweicht erreiche ich die Hütte. Hier stelle ich mich unter das etwas überhängende Dach und gedenke, den Regen abzuwarten. Die Idee haben auch noch andere, so dass es schon gut voll hier ist. Ich warte und warte und…….der Regen will nicht aufhören. Schon länger als eine Stunde stehe ich hier im kreisenden Wind herum. Langsam läuft mir die Zeit davon, denn ich möchte ungern in der Dämmerung nach Landmannalaugar kommen. Nebel kommt auf und macht die Fernsicht unmöglich. Der Wind wird auch stärker - na, prima.
    So langsam dräut mir, dass ich heute nicht mehr nach Landmannalaugar komme. Da könnte es mit der Restzeit noch knapp werden.
    Ich entdecke Anna und Tim, die sich im Wind mühen, ihr Zelt zu errichten. Das fällt beiden nicht leicht, zumal ihnen an der Strútslaug bereits eine Zeltstange beim Aufrichten gebrochen ist. Die Stange wird nun mit einer Hülse „ geschient ”.
    Ich will auf keinen Fall hier oben in dieser Trostlosigkeit mein Zelt errichten. Messerscharfes Obsidian - Lava - Gestein - da habe ich keine Lust drauf.
    Ich frage in der Hütte nach einem Übernachtungsplatz. Andere stehen auch bereits Schlange. Da es noch früher Nachmittag ist, habe ich Glück. Der Vorraum der Haupthütte ist brechend voll. Das kann ja heiter werden. Ich beginne schon, meine Entscheidung zu bereuen. 8000 Iskr. habe ich dafür als non - member bezahlt - das sind gut 65 €! Puh! Es handelt sich um eine pures Matratzenlager, ohne Frühstück. Ich belege im 1. Stock eine Matratze und versuche, einen Teil meiner Sachen zum Trocknen aufzuhängen. Das geht ganz gut, da es noch ziemlich leer im Raum ist. Am frühen Abend mache ich unten in der Küche mein Abendessen. Das wird nun langsam zum Geduldspiel, da inzwischen mehrere Gruppen angerückt sind. Die brauchen viele Töpfe und noch mehr Platz, so dass ich froh bin, mir irgendwann etwas Wasser heiß machen zu können. Puh, geschafft!
    Nach dem Essen und etwas lesen gehe ich wieder hinauf zu meinem Matratzenlager, wo mich fast der Schlag trifft: Ein unbeschreibliches Gewusel überfällt mich völlig unvorbereitet: Lärm in den verschiedendsten Landessprachen, Auspacken von Kleidung mit dem unvermeidlichen Ausbreiten, das ganze dann noch eingepackt in den Gerüchen der unterschiedlichsten Körperausdünstungen. Halleluja! Panik steigt in mir auf. Gibt es für mich Situationen, die Kontenance zu verlieren? Gewiß! Ich stehe jedenfalls kurz davor.
    Ich rede heimlich und leise auf mich ein: „ Du musst jetzt ganz ruhig bleiben. Alles wird gut. ” Die ständigen Wiederholungen kommen einem Mantra gleich, ähneln einer suggestiven „ Selbstbeschwörung ”, doch es dauert lange, bis ich mich wieder
    „ einkriege ”. Dieses Ereignis hat bis zum heutigen Tag mein Leben beeinflusst - never again.
    Allen Dingen zum Trotz habe ich noch einen netten Plausch mit einem Franzosen, der auch etwas entgeistert in die Runde starrt.
    Es gibt nur wenig Lüftungsmöglichkeiten, da einige Fenster / Dachklappen dauerhaft verriegelt sind. Nur zwei kleine Fenster lassen sich überhaupt öffnen. Zu meiner Erleichterung und in Gedanken an die folgende Nacht sind diese geöffnet.
    Dann folgt, was folgen muss. Eine Spanierin friert und möchte, dass das Fenster, das alle Fenster geschlossen werden. Es ist warm und stickig im Raum, sehr warm und sehr stickig.
    Super, das ganze entwickelt sich also zu einem kleinen „ Alptraum ”. Sie hat bereits alle verfügbaren Kleidungsstücke angezogen. Ihr Schlafsack ist allerdings extrem dünn, da kann ich hindurchschauen. Hier ist also noch viel „ Verbesserungspotential ”.
    Eine Stimme in mir wird lauter: „ Ich will hier weg ”.
    Mein Verstand kann sich gerade noch durchsetzen. Ich bleibe…..und werde jetzt ganz ruhig……und ruhiger….immer ruhiger. Irgendwann schlafe ich ein ( hätte ich nicht gedacht ) und wache später für einen kurzen Moment auf: Luft und Temperatur sind ein wenig besser im Raum. Irgend jemand hat wieder beide Fenster weit geöffnet.
    Thanks god…..I´m alive.

    - to be continued -
    Geändert von evernorth (21.01.2018 um 00:00 Uhr) Grund: Ergänzt
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  7. Dauerbesucher
    Avatar von Fabian485
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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #7
    Tolle Bilder
    Wie schaut es dort oben aktuell mit anderen Wanderern aus?
    Ist es sehr überlaufen oder hält sich das noch in Grenzen?
    Man hört ja leider immer Horrorgeschichten

  8. Fuchs
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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #8
    Hallo Fabian,

    der Strútsstígur ist ( noch? ) kein Mainstream und deshalb sind nur wenige Wanderer unterwegs.
    Ich habe in 2016 nur eine Gruppe in Alftavötn in der Hütte getroffen. Die übrigen Tage
    bis zum Laugarvegur war ich allein. In 2017 traf ich 5 Menschen auf der gleichen Strecke,
    also noch weniger, als ein Jahr vorher.
    Dafür geht es dann auf dem Laugarvegur richtig zur Sache, aber du kannst in
    Hvanngil mit einem Bus die Region direkt verlassen, wenn du dich nicht in
    den Strom der Massen begeben möchtest.

    Grüße
    Tom
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  9. Fuchs
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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #9
    07.08.17

    Es ist noch recht früh, als ich mein Frühstück im Erdgeschoß der Hütte zu mir nehme. Hier unten bin ich fast allein - die meisten schlafen noch. Die Welt draußen liegt ein wenig im trüben. Etwas Nebel umzieht die Berghänge, aber trocken ist es, immerhin.
    Gegen 9 Uhr verlasse ich die Hütte am Hrafntinnusker. Der Weg bis Landmannalaugar ist nicht mehr so weit. Ich rechne mit etwa 3 Stunden.
    Da es bergauf geht, steige ich also hinauf und bin umgeben von den Resten der morgendlichen Nebelschwaden. Die haben sich aber schnell verflüchtigt.
    Nach etwa 30 Minuten treffe ich auf Anna und Tim, die auch schon früh aufgebrochen sind und gerade einen Fotostop eingelegt haben. Nicht weit von hier zweigt ein Weg bei den heißen Quellen von Stórihver nach Landmannahellir ab. Das ist ihr weiterer Weg für heute und morgen. Wir verabreden, dass wir uns am 09.08. in Landmannalaugar am Bus treffen ( es ist unser letzter Kontakt, denn ich warte am 09.08. vergeblich auf die beiden ).
    Ich passiere irgendwann den Stórihver und die Landschaft beginnt sich allmählich zu zu verändern. Die Farbe Braun gewinnt langsam die Oberhand: Alle Abstufungen in Richtung Hellbraun, Gelb und Orange - ein Vorgeschmack auf die folgenden Tage.
    Ryolith - Gestein, das zuweilen aussieht, wie geschmolzenes Karamell - hmm….das trifft es eigentlich immer noch am besten.
    Nach 2 Stunden erreiche ich die Brennsteinsalda. Von nun an kommen mir Menschen in großen und kleinen Gruppen entgegen. Viele sind auch nur für einen Tagesausflug unterwegs, manche wollen noch bis in die Þórsmörk ( oder Thorsmörk, auch Wald des Thor genannt ) und weiter nach Skogar.




    Wonderland Laugarvegur



    Unfassbares Grün - Türkis



    Immer wieder ein erhebender Anblick: Brennisteinsalda



    Auf nach Mordor



    Karamell??




    Gegen 13 Uhr erreiche ich die Hütten von Landmannalaugar. Hier ist aber richtig was los: Unbeschreiblich. Jemand hat es als eine bizarre Mischung aus Everest Basecamp und Flüchtlingslager bezeichnet. Das trifft es ganz gut.
    Ich mache hier nur einen recht kurzen Zwischenstop, mehr ertrage ich nicht. Eine Essenpause an einem der freien Tische ( doch, den gab es schon ). Hier kann ich auch etwas Müll entsorgen und den ausgehängten Wetterbericht studieren.
    Zunächst ist Regen angesagt, aber gegen Abend soll es noch mal schön werden. Das würde ja prima passen, ganz so, als wären meine Gebete bzgl. des Wetters auf meinem Weg nach Hattver
    erhört worden. So darf es gerne kommen.
    Kaum bin ich mit dem Essen fertig kommt er auch schon: Der Regen - heftig und ergiebig. Ich flüchte in den Coffee - Shop - Bus. Nach 40 Minuten ist alles vorbei und gegen 14 Uhr 30 verlasse ich den umtriebigen Ort.
    Ich bin überrascht, wie schnell dieser Zirkus hinter mich fällt. Der Weg zum Skalli, einem beliebten Ausflugsberg, ist ausgeschildert. Es geht durch das Bett des Jökulgilskvisl nach Südosten. An dem Abzweig zum Bláhnúkur, dem Aussichtsberg von Landmannalaugar, begegne ich einer letzten Wandergruppe.
    Nach 15 Minuten lasse ich die letzten Vorposten der Zivilisation hinter mich.
    Ein Pfad ist gut auszumachen und führt von nun an zunächst einmal strikt aufwärts. Er folgt einem kleinen Grad. So etwas in der Art kannte ich noch nicht. Sehr charmanter Beginn und eine Weg - Art, die mir später noch in Perfektion begegnen sollte.




    Mulder und......Skalli....hier geht´s lang



    Letzter Blick nach Landmannalaugar.....bye, bye refugees.



    Back again...


    Je höher ich komme, desto wundersamer öffnet sich die Landschaft, ermöglicht sandfarbene, erhabene und zunehmend schönere Weit- bzw. Tiefblicke, ohne spektakulär zu sein. Ich treffe ein amerikanisches Paar, wo sie ganz versunken und fasziniert mit ihrer DSLR hantiert, dabei mehr schaut, als fotografiert.
    Vor 15 Minuten hat das nervtötende Rotieren eines Helikopters die sanfte und friedliche Stille jäh zerrissen. Es schien so, als wäre der Heli auf dem Skalli gelandet.
    Dann sehen wir sie: Drei Mountain - Biker, wie sie die steile Flanke des Skalli herunterjagen. Wir drei staunen nicht schlecht, als sie wenige Augenblicke später an uns vorbeidüsen.
    Ihre Gesichter strahlen, aber ich fühle mich verunsichert, ja, regelrecht gestört. Obwohl ich selbst super - gerne mit meinem eigenen Mountain Bike fahre, irritiert mich dieser Auftritt. Ich schwelge hier gerade in meiner Langsamkeit und gebe mich mehr und mehr in den Zauber dieser so ganz andersartigen Welt der Brauntöne hinein - da trifft mich dieser Ego - Ritt wie ein unbarmherziger Vorschlaghammer.
    Sie sind allerdings beruhigend - schnell verschwunden und so setze ich meinen Weg zunehmend
    „ andächtig ” fort. Ich steige nun weglos in die Höhe, hinauf in die Flanke des Skalli. Da ich nicht genau weiss, wie lange es dauert, bis ich in Hattver bin, habe ich auch nicht vor, den sicher schönen Blick vom Gipfel des Skalli zu genießen. Vielleicht ein anderes Mal.
    Die Verwandlung der Landschaft erfolgt unmerklich, sozusagen in kleinen Schritten. Das Wetter wird jetzt, zum späten Nachmittag hin, zunehmend sonniger und schöner, ganz wie der Wetterbericht es angekündigt hatte.
    Es sind noch keine drei Stunden vergangen, seit ich von Landmannalaugar aufgebrochen bin, und schon stehe ich inmitten einer unfassbaren Welt unbeschreiblicher, landschaftlicher Schönheit. Island hat unglaublich viele, tolle und schöne Landschaften zu bieten, doch was ich in den nächsten, gut 60 Minuten mit meinen eigenen Augen schauen darf, gehört mit zum Schönsten, ja, ist vielleicht das Schönste.
    Ich stehe am Rand einer Abbruchkante und schaue tief hinunter in das Tal von Hattver. Ich bin auf diesen Anblick ein wenig vorbereitet - dachte ich. Ich habe schon vor meiner Reise Bilder gesehen, die mich ein wenig den Atem anhalten ließen. Was ich jetzt allerdings sehe, verschlägt mir definitiv die Sprache. Ich habe Mühe, all die Eindrücke zu verarbeiten.
    Mehr und mehr erstrahlt die Landschaft im zunehmenden Sonnenlicht und explodiert geradezu in einem Rausch der Farben. So habe ich mir das in meinen kühnsten Träumen vorgestellt…..wenn Träume wahr werden.




    Noch mehr Wonderland.....















    Hinunter nach Hattver


    Doch wie komme ich da hinunter? Nun, ich weiß, es geht über einen atemberaubenden Grat, gewissermaßen „ on the edge ”.




    Wow! Dieser Grat!




    Ich stoße auf einen Holzpflock, und kann schon den nächsten sehen. Ihm folge ich, und schon nach kurzer Zeit befinde ich mich auf dem wohl atemberaubendsten Grat meines Lebens.
    Klingt alles etwas pathetisch, aber hey…..was für eine wahnsinnig schöne Landschaft - herzzerreißend - schön.
    Auch hier auf dem Grat fallen mir frische Mountain Bike - Spuren auf, die sich - Gott sei Dank - nur im oberen Teil in den Untergrund gegraben haben.
    Hier geht es, in einem weiteren Rausch der Farben, tief hinunter, auf den sandigen Talgrund, nach Hattver.




    Hattver





















    Down, down, down....







    Blick zurück



















    Unfassbare Eindrücke





    Fast unten.....


    Die Kamera klickt unablässig. Schließlich setzt sie sogar kurzzeitig aus. Wohl ein kleines, vorübergehendes Energie - Problem? Stück für Stück geht es auf dem Grat nach unten, und jedesmal mache ich wieder zahlreiche Fotos. Zeitweilig schaue ich nur noch durch den Sucher, um dann doch wieder die Kamera vom Auge zu nehmen und die unglaubliche Weite und Tiefe des Raumes in Gänze auf mich wirken zu lassen.

    Schließlich erreiche ich den Talgrund. Ich gehe über viele, meist sandige, steinige Rinnen hinaus. Durch einige fließen kleine Bäche, die aber problemlos zu queren sind.
    Ich suche die beschriebene Zeltwiese, gehe ein wenig umher. Dann noch um zwei Ecken, und schon stehe ich davor: Traumhaft schön, inmitten von flauschigem Wollgras.
    Die Sonne kommt schon nicht mehr ganz hinein ins Tal, und so muss ich mich beeilen bei der Platzwahl des Camps. Als das Zelt dann steht, sind nur noch die gegenüberliegenden Felswände von der Sonne angestrahlt. Das sieht dafür um so schöner aus.
    Es zischt leise und thermale Wasserdämpfe kommen direkt aus dem Boden, keine 10 Meter vom Zelt entfernt.




    Camp 5





    Aus dem Zelt heraus...












    Später, nach dem Abendessen, und nach einem kurzen Erkundungsgang, liege ich noch eine ganze Zeit hellwach im Schlafsack. Meine Sinne müssen sich erst einmal beruhigen, denn sie hatten so viel zu verarbeiten, wie schon lange nicht mehr. Logisch, daß ich diesen Tag mit einem guten Schluck schottischen Single Malt ausklingen lasse.
    Dann fallen mir aber buchstäblich irgendwann die Augen zu. Vielleicht ist das hier doch ein Stück „ Shangri - La ”? Ich fühle mich glücklich in diesem Moment und selten zuvor bin ich so „ beseelt ” eingeschlafen.

    - to be continued -
    Geändert von evernorth (01.02.2018 um 01:24 Uhr) Grund: Ergänzt
    In einer Welt wie dieser kann man womöglich nur noch (nach) innen reisen. Dort findet man alles, was man braucht, wenigstens theoretisch. Was braucht man denn?

  10. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #10
    08.08.17

    Typisch Island - am nächsten Morgen ist das schöne Wetter auch schon wieder vorbei. Es ist stark bedeckt, aber es bleibt immerhin den ganzen Tag trocken.
    Ich lasse mir Zeit, denn den heutigen Tag ( und die folgende Nacht ) möchte ich hier in Hattver verbringen. Ich bin hier ganz allein, sehe aber immer wieder zahlreiche Fußspuren. Ich bin mir sicher, dass hier zuweilen auch gecampt wird. Selbst Reisegruppen sollen hier von der Parkverwaltung durchaus toleriert werden. Wohlgemerkt - ich befinde mich hier im Fjallabak Naturreservat, und da ist zelten eigentlich verboten. „ Leave no trace ” ist schon lange für mich selbstverständlich.
    Ich möchte mir heute das Tal einmal in Ruhe anschauen. Nach dem Frühstück ziehe ich los: Ohne Rucksack und Stöcke - nur meine Kamera begleitet mich. Was die Fotos betrifft, die ich hier zu machen gedenke, halten sich meine Erwartung in Grenzen. Das Licht fehlt, jedenfalls das Sonnenlicht. Das stört mich aber nicht im Geringsten.
    Am Ende habe ich doch wieder Glück gehabt und ein paar unerwartete Impressionen eingefangen.




    Camp in Hattver

















    Bester Camp - ground






















    Da ich erst gegen Mittag los gegangen bin, merke ich gar nicht, wie die Zeit vergeht, nämlich sprichwörtlich „ wie im Fluge ”. Ich bin wieder ganz „ der Sucher in meiner Kamera ” - schaue aus seiner Perspektive und bin dabei ganz fokussiert. Auge und Sucher sind wieder eins. Solche „ Streifzüge ” sind ganz nach meinem Geschmack.
    Nach einigen Stunden bin ich dann am Nachmittag wieder zurück bei meinem Zelt.
    Nach dem Auffüllen meiner Wasservorräte bereite ich mir schon bald mein Abendessen zu.
    Was für ein erfüllter Tag, nicht spektakulär, nur erfüllt.
    Gegen Abend besuchen mich noch drei Schafe. Ich glaube, die sind immer zu dritt. Isländische Schafs - Familienplanung: Vater, Mutter und ein Jungtier - so sieht `s aus.




    Zurück beim Camp







    09.08.17

    Ich bin heute früh auf den Beinen, denn ich möchte um 13 Uhr den Bus in Landmannalaugar zurück nach Hella bekommen. Deshalb lasse ich auch erneut den Skalli aus. Das wird mir zu knapp.
    Recht zügig gelange ich zum Aufstiegs - Grat. Zu meiner Freude wird das Wetter besser. Das gibt somit noch ein paar tolle Fotos.




    Blick zurück nach Hattver















    Letzter Blick zurück


    Oben angekommen stoße ich auf das Abzweig - Schild nach Hattver:









    Da es noch recht früh am Vormittag ist, bin ich ganz allein auf meinem Weg. Erst, als ich bereits die Zeltstadt von Landmannalaugar das erste Mal wieder vor Augen habe, begegnet mir ein äußerst wortkarger Japaner.




    Landmannalaugar


    Nun ist es nicht mehr weit und nach ingesamt 3 Stunden und 10 Minuten - hoppla, das ist recht schnell gegangen - hat mich der Trubel wieder.
    Ich habe noch Zeit und so kann ich in aller Ruhe noch etwas essen und einen Kaffee trinken.
    Anschließend bringt mich der Bus planmäßig zurück zur Ringstraße.
    In Hella verbringe ich meine letzte, isländische Nacht auf dem dortigen CP.


    Epilog

    Wie ich es auch drehe und wende: Das Fjallabak - und hier im ganz besonderen das Tal von Hattver - wird immer einen Platz in meinem Herzen haben. Es ist ein ganz besonderer Ort auf Island, ein Ort, der einfach Laune macht, Freude schenkt, das Herz höher schlagen läßt und am Ende einfach nur glücklich macht.
    So ist es mir ergangen; so ist es vermutlich auch schon anderen ergangen und so wird es auch noch vielen in der Zukunft ergehen.
    Das Hattver dem Isländer, den wir an der Strútslaug kennenlernten, unbekannt war, kann ich bis heute kaum glauben ( Verständigungsschwierigkeiten?? ).
    Wenn ich heute an den Ort zurück denke, möchte ich umgehend dorthin zurück.

    Als ich Island im August 2017 verließ, tat ich das mit der absoluten Überzeugung, das dies das letzte Mal gewesen ist, jedenfalls bis auf weiteres. Monate später kam meine Entscheidung schon ins Wanken und heute weiß ich einmal mehr, daß ich diesem magischen Land wohl doch ein Stück verfallen bin. Tief im Hochland finde ich nach wie vor alles was es braucht, mein Outdoor - Herz hoch und höher schlagen zu lassen.
    Eine Tour ist noch immer unvollendet. Einmal möchte ich es noch angehen und es damit dann bewenden lassen.
    Am meisten sehne ich mich jedoch danach, in dieser einzigartigen Landschaft und Natur ganz schlicht
    „ unterwegs ” zu sein. Island, wo alle Elemente - Feuer, Wasser, Luft und Erde - auf außergewöhnliche Weise zusammenkommen.

    Dann komme ich auch zurück in die Toffee - Mountains, in das Tal aus geschmolzenem Karamell.




    Sonnenaufgang - aus dem Flieger, kurz vor Hamburg
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  11. Erfahren
    Avatar von Borgman
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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #11
    Zitat Zitat von evernorth Beitrag anzeigen
    Wenn ich heute an den Ort zurück denke, möchte ich umgehend dorthin zurück.
    Das kann ich nach dem Lesen deines Berichts sehr gut verstehen. Hattver sieht schon sehr faszinierend aus! Da würde ich auch gerne mal wandern, deine Begeisterung ist ansteckend.

    Ich plane zwar dieses Jahr auch eine Tour in Island, aber Ende Juni / Anfang Juli ist wahrscheinlich noch zu früh für Fjallabak, oder? (Die Wanderkarte hätte ich schon...)

  12. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #12
    Moin Borgman,

    so lange die Busse fahren......kommst du ja schon mal ins Hochland und nach Landmannalaugar ( das ist immer die erste Route, die sie sich bemühen, zu öffnen ).
    Es könnte noch die Menge X an Schnee liegen, was den Zugang zum Tal etwas erschweren könnte.
    Im Prinzip sollte es kein Problem sein.
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  13. Erfahren
    Avatar von geige284
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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #13
    Toller Bericht.
    Die Fotos strahlen eine richtige "Plastizität" aus, schönes Licht- und Schattenspiel!


  14. Erfahren
    Avatar von Blahake
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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #14
    Danke für den schönen Bericht und die fantastischen Bilder!

  15. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #15
    Zitat Zitat von geige284 Beitrag anzeigen
    Toller Bericht.
    Die Fotos strahlen eine richtige "Plastizität" aus, schönes Licht- und Schattenspiel!

    Zitat Zitat von Blahake Beitrag anzeigen
    Danke für den schönen Bericht und die fantastischen Bilder!
    Vielen Dank an euch beiden für die freundlichen Worte. Ich freue mich ebenfalls immer, wenn die Fotos
    gefallen.

    Blahake, ich bin schon gespannt, wie dein Bericht weitergeht.
    In einer Welt wie dieser kann man womöglich nur noch (nach) innen reisen. Dort findet man alles, was man braucht, wenigstens theoretisch. Was braucht man denn?

  16. Gesperrt Anfänger im Forum

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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #16
    Zitat Zitat von Mika Hautamaeki Beitrag anzeigen
    geniale Fotos, ich mag, Grün-Schwarz-Grau
    Sind die Fotos denn echt oder nachher manipuliert?

  17. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #17
    Zitat Zitat von oldschool Beitrag anzeigen
    Sind die Fotos denn echt oder nachher manipuliert?
    Hallo oldschool,

    vorweg: Ich habe darüber nachgedacht, ob ich deine Frage überhaupt beantworten möchte, legt sie mir,
    dem Reisebericht - Ersteller, doch nahe, der Manipulation zugeneigt zu sein.

    Worum geht es dir wirklich? Eine ( erneute ) Grundsatz - Diskussion? Was ist für dich " echt "?

    Ich mache echte Fotos, die ich nachher bearbeite - so wenig wie möglich.
    In einer Welt wie dieser kann man womöglich nur noch (nach) innen reisen. Dort findet man alles, was man braucht, wenigstens theoretisch. Was braucht man denn?

  18. AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #18
    Nochmals vielen Dank!!!!!!!!!
    So möchtig ist die krankhafte Neigung des Menschen, unbekümmert um das widersprechende Zeugnis wohlbegründeter Thatsachen oder allgemein anerkannter Naturgesetze, ungesehene Räume mit Wundergestalten zu füllen.
    A. v. Humboldt.

  19. Fuchs
    Avatar von evernorth
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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #19
    Zitat Zitat von Mika Hautamaeki Beitrag anzeigen
    Nochmals vielen Dank!!!!!!!!!
    Gerne!
    In einer Welt wie dieser kann man womöglich nur noch (nach) innen reisen. Dort findet man alles, was man braucht, wenigstens theoretisch. Was braucht man denn?

  20. Fuchs
    Avatar von berniehh
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    AW: [IS] In den Toffee - Mountains. Über Strútsstígur ins Fjallabak nach Hattver

    #20
    Von mir auch vielen Dank für den Bericht.
    Auf vielen deiner Fotos von den Toffee Mountains, habe ich die Landschaft von meiner eigenen Tour wiedererkannt.
    Wirklich eine sehr spektakuläre Gegend ist das

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