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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : outdoor plastikfrei



Miraculix
07.09.2017, 23:16
Hallo,

habe in den Medien wahrgenommen, dass das Thema Mikroplastik uns in der kommenden Zeit beschäftigen wird. In einigen Ländern findet es sogar schon seinen Weg über das Leitungswasser in die direkte Nahrungsaufnahme des Menschen. Wie es gesundheitlich einzustufen ist? Darüber gibt es noch keine abschließenden Untersuchungen, zumindest, was die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus betrifft.
Bei Tierversuchen hat sich herausgestellt, dass u. a. Krebs verursacht werden kann.

Als jemand, der sich gerne outdoor aufhält und auch gerne handelsübliche outdoor-Artikel nutzt, stehe ich nun vor der Herausforderung, mir ernsthafte Gedanken zu dem Thema zu machen. Panik ist nicht meine Art. Das hat selten geholfen. Ich möchte vielmehr mit Gelassenheit und zielstrebig in diesem Thema weiterkommen. Ich möchte kein 'outdoor-Gesetz' schreiben und anderen vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben, sondern für mich einen Lösungsweg finden, wie man Plastik weitgehend in outdoor-Aktivitäten vermeiden kann.

Hier freue ich mich über Antworten von Menschen, die ähnlich denken. Ich möchte keine pro- und contra-Diskussion entfachen, da mir bekannt ist, dass Nachweise, in welchem Grade gesundheitsgefährdend Mikroplastik denn nun für den Menschen wirklich ist, wissenschaftlich noch nicht erbracht sind. Ich freue mich vielmehr über konstruktive Meldungen, Ideen, spinnen im positiven Sinne zu dem Thema: Wie kann ich outdoor-Aktivitäten möglichst plastikfrei realisieren? Möglicherweise gibt's ja konkrete Anregungen?

LihofDirk
08.09.2017, 05:01
Das Problem von Mikroplastik ist meines erachtens eher ein Problem der Entsorgung. Einfach in die Landschaft geworfen (auch auf Müllkippe und da weggeweht) und dann kleingemahlen durch Wind, Strömung und Sonnenstrahlung entsteht das Mikroplastik.
Also eher auf geschlossene Kreisläufe (Recycling) oder thermische Verwertung (mit Energierückgewinnung und Filtersystemen) setzen.

Ansonsten wird "Plastik" Vermeidung schwierig, vorausgesetzt, Du meinst nicht nur thermo- (und ggf. duro) plastische Werkstoffe. Polymere in Outdoor Artikeln findest Du auch

-als Lack auf Metall und Holz
-Schuhsohlen
-Binder in "Kork"Griffen
-Beschichtung von Baumwoll- und Wollfasern und Geweben
-in Sonnencreme (und anderer Kosmetik)
-in Klebstoffen (von Lederschuhen, Ausrüstungsgegenständen aus Holz oder Metall, ...)
-in Lebensmitteln (oder bei der Lebensmittelherstellung) als Verkapselung von Vitaminen, Stabilisatoren oder Filtrationshilfsmitteln (Bier, Wein, Tee, ...)

Wird also sehr schwierig. Und den Umwelteinfluss der Massenherstellung "natürlicher" Produkte solltest Du auch bedenken.

Funner
08.09.2017, 08:39
Ich möchte kein 'outdoor-Gesetz' schreiben und anderen vorschreiben, was sie zu tun und zu lassen haben, sondern für mich einen Lösungsweg finden, wie man Plastik weitgehend in outdoor-Aktivitäten vermeiden kann.

Solange du verantwortlich mit deinen Ausrüstungsgegenständen und der Verpackung deiner Nahrungsmittel umgehst, gibt es keinen Grund auf Plastik zu verzichten. Es macht wesentlich mehr Sinn im Alltag bestimmte Regeln einzuhalten, wo man relativ einfach auf vieles verzichten kann als dort wo du nur minimale Ausrüstung dabei hast, die dich trocken und sicher ans Ziel bringt.

Philipp
08.09.2017, 10:20
Das sind echte Qualitätsmedien, die Dich da über Trivialitäten aufgeklärt haben. :roll:

Wenn Du - aus welchem Grund auch immer - versuchen willst, Deinen persänlichen Bedarf an Kunststoff (wie auch immer man den definiert) zu senken, warum willst Du dann gerade bei Deinem Freizeitverhalten im Freien anfangen? Ist da Dein Umsatz an Kunststoff besoders hoch? Benutzt Du größtenteils Einwegausrüstung? Oder würdest Du Dich nur besser fühlen, Dich mit weniger Kunststoff in der Natur zu bewegen, auch wenn die Relevanz davon Null ist (hierzulande ist das Sichbesserwähnen ja meist wichtiger als verantwortungsvolles Handeln).

Der persönliche Verbrauch an Kunststoff ist doch an ganz anderer Stelle leichter und sinnvoller zu reduzieren, z.B. wenn Du versuchst, auf den Kauf von besonders aufwendig verpackten Artikeln zu verzichten.

Ansonsten hat Lihof'Dirk Recht mit seiner Analyse, daß nicht Kunststoffe an sich, sondern der Umgang mit ihnen zu der eingangs erwähnten Problematik geführt hat. Der besonders hohe Eintrag an Kunststoff und jedwedem anderen Müll in die Ökosysteme kommt aus gescheiterten Ländern, auf deren Verhalten Dein Einfluss abermals Null ist. Dein Verzicht auf die Polyesterjacke oder den Joghurtbecher wird nichts daran ändern, dass andere Länder ganz weit weg von hier die Weltmeere mit Müll fluten.

Wenn immer wieder die angeblichen Gefahren von irgendetwas heraufbeschworen werden, lohnt sich ein kritisches Nachdenken (statt ahnen und fühlen) und der Vergleich mit dem Nutzen, der von der besprochenen Sache ausgeht. Beides lässt sich naturgemäß kaum beziffern, auch wenn der angebliche Schaden immer wieder lautstark und zumeist interessengeleitet propagiert wird.
So müsste der angebliche oder tatsächliche Schaden, der beispielsweise von Kunststofflebensmittelverpackung ausgeht (Müll, Kunststoff in der Nahrungskette), mit ihrem Nutzen (Vermeidung von Gesundsheitsgefahren durch massiv verbesserte Hygiene) verglichen werden. Ein eindeutiges Ergebnis ist hier aber m.E. nicht zu erwarten.
Und auch hier hat Lihof'Dirk recht, wenn er zu Bedenken gibt:
den Umwelteinfluss der Massenherstellung "natürlicher" Produkte solltest Du auch bedenken

Bulli53
08.09.2017, 10:51
Als Ergänzung zum Thema.
Gestern auf Mare TV, NDR, Thema die Schleife, Unterthema Internat Louisenlund, Chemieunterricht.
Es wurde folgender Versuch gezeigt:
In Wasser gelöster Rohrreiniger (vermutlich Danklorix) zerlegt alle Materialen bis auf Plastik. Die Flüssigkeit wurde gefiltert. Über das Ergebnis, d. h. die Menge der im Wasser befindlichen Plastikteile war ich nicht nur erstaunt sondern schlicht erschrocken.
Simpler Versuch den man nur mit Handschuhen und Schutzbrille machen sollte. Danklorix macht 1 a Flecken auf G 1000.

Ditschi
08.09.2017, 11:09
OT: Mare TV zeigte die schöne Schlei.

http://www.ardmediathek.de/tv/mareTV/Die-Schlei-Deutschlands-malerischer-Me/NDR-Fernsehen/Video?bcastId=14049152&documentId=45717626

Ditschi

LihofDirk
08.09.2017, 11:20
Ansonsten hat Lihof'Dirk Recht mit seiner Analyse, daß nicht Kunststoffe an sich, sondern der Umgang mit ihnen zu der eingangs erwähnten Problematik geführt hat. Der besonders hohe Eintrag an Kunststoff und jedwedem anderen Müll in die Ökosysteme kommt aus gescheiterten Ländern, auf deren Verhalten Dein Einfluss abermals Null ist. Dein Verzicht auf die Polyesterjacke oder den Joghurtbecher wird nichts daran ändern, dass andere Länder ganz weit weg von hier die Weltmeere mit Müll fluten.

Der Müll kommt nicht nur aus "gescheiterten" Ländern. Man muss nur mal nach den Frühjahrshochwässern einen deutschen Fluss paddeln und schaun, was dort alles in den Sträuchern auf ehemaliger Wasserhöhe hängt.
Selbst die in der Stadt weggeworfene Zigarettenkippe (mit Filter) kann wenn Regen und Brauchwasser getrennt kanalisiert ist direkt im Fluss und damit im Meer landen.

Und hier in Australien ist Müll unbehandelt zu deponieren noch der Standard, mit allen Begleiterscheinungen, wie Möwen, die Müllbeutel aufreissen, so dass beim nächsten Wind die Fetzen in weite Ferne fliegen. Und die hiesige Müllkippe ist von der Küste gerade mal 4 km entfernt.

Übrigens kann gerade der Polyester Fleece Pulli zur Vermeidung von Microplastik beitragen, weil er ein gelungenes Beispiel für wertstoffliche Verwertung darstellt. Und damit aus Abfall ein Wertprodukt macht, das entsprechend gesammelt wird.

http://www.dw.com/de/ich-war-eine-flasche-china-produziert-pullis-aus-plastikabfall/a-2270578

HaegarHH
08.09.2017, 11:55
Übrigens kann gerade der Polyester Fleece Pulli zur Vermeidung von Microplastik beitragen, weil er ein gelungenes Beispiel für wertstoffliche Verwertung darstellt. Und damit aus Abfall ein Wertprodukt macht, das entsprechend gesammelt wird.
In der Richtung gesehen schon ;-) ansonsten eher auch ein klarer Beitrag ZUM Microplastik-Problem.

Je nach Qualität des Materials lösen sich beim Waschen, letztendlich auch beim Tragen, immer Microplastik-Partikel, die Frage ist halt nur wie viel. Klar wird man bei einer Fahrt mit dem Auto um den Block mehr Microplastik verursachen, wohlgemerkt durch Reifenabrieb, Bremstaub usw. und selbst mit den Tevas auf dem Pflaster verliert man vermutlich mit jedem Schritt ein paar.

Aber zurück zum Polyester Fleece Pulli wenn da nicht gerade irgendein Wikinger auf der Front pappt, oder ein Drachenskelett oder so, dann ist der erst mal eins - billig. Also zumindest deutlich billiger als noch vor 20 oder 30 Jahren der gute Schurrwollpulli war und jetzt heute so wie so.

Regt zum Konsum an, zum deutlichen Mehrkonsum. Die vormals "normale" Jeans wurde zur Super-Skinny mit jährlich 4-8x wechselnden angesagten Optiken, dabei ist der Baumwollanteil im Material drastisch gesunken, der Polyesteranteil ebenso gestiegen. Das gleiche gilt für das T-Shirt, einfach mal bei Takko und Co. sich modische Shirts anschauen und den Polyesteranteil. Vorteil das Shirt gibt es für 2,99 die Jeggins für 7,99 dazu, kann man zu jeder Party ein neues kaufen und danach gleich wegwerfen, ist eh schon wieder unmodern. Mit den richtigen Tags bei Instagram und Youtube-Channels suchen und man findet (überwiegend) Mädels mit Wagenladungen voll Klamotten jeden Monat neu, wenn nicht gar jede Woche neu vor TKMax etc. stehend.

Auch wenn wir mal kurz die erheblichen Probleme der Baumwollproduktion und Verarbeitung und insbesondere "Veredelung" für die Umwelt außen vor lassen, die menschenverachtenden Produktionsbedingungen etc. …das gleiche in anderem Maße z. B. auch für Wolle / Merino, dann bleibt zumindest, wo früher vielleicht 2-3 Jeans pro Jahr gekauft wurden, sind es heute vermutlich eher 20 als 10. Was davon zu einem neuen Fleecepulli recyclet werden kann? Vermutlich eher wenig, da werden z. B. eher PET-Flaschen mit schön gefärbt und ökogewaschen, weil sortenrein und leicht aufzubereiten, im Gegensatz zu den chemieverseuchten Billigbekleidungssachen. Mit Glück(????) landen die dann 4 Monate später als Kleiderspende losgeschickt auf irgendeinem afrikanischen Basar und verrotten 2 Jahre später irgendwo im Busch, ansonsten landen sie bei uns vermutlich / hoffentlich in der Müllverbrennung.

Aber damit nicht genug, i. d. R. kommen die Shirts, Jeans, …EINZELN in Platiktüten verpackt beim Handel an und landen erst dort auf dem Bügel im Ständer mit "Heute für nur 1,99" …jedes Shirt eine Plastiktüte :ignore:

DAS genau DAS ist das Problem und der riesige Beitrag von "Polyester" zur Microplastik-Problematik. Immer billiger, immer mehr, immer schneller.

Btw. mal zurück zum Fleece-Pulli und zwar dem mit ohne Wikinger, aber H auf der Brust. Haglöfs hat ja schon recht früh versucht div. Standards einzuhalten und natürlich auch damit zu werben. Seit Neuestem sind sie auch bei Mikroplastik mit dabei und bieten gegen geringe(?) Gebühr spezielle Wäschebeutel (http://www.haglofs.com/se/en/sustainability-microplastic) an, damit das sich bei der Wäsche lösende Mikroplastik nicht mehr ins Wasser gelangt …so viel zum Beitrag von Fleece-Pullis zur Vermeidung von Mikroplastik ;-)

LihofDirk
08.09.2017, 12:55
Nur ist der Abrieb, den ein Fleece Pulli erzeugt vom Gewicht deutlich geringer als z.B. eine Plastiktüte.

Ansonsten versuch doch mal die Begriffe zu sortieren und nicht alles in einen Topf zu rühren.

Elastan ist z.B. kein Polyester sondern ein Urethan-ether Copolymer.
Plastik ist ein Werkstoff
Polymer ist der Oberbegriff

Nebenbei sind Polyester gerade durch die Estergruppe –[–CO–O–]– die am leichtesten Biologisch abbaubaren Kunststoffe, da dort Mikroorganismen einen Angriffspunkt haben

es gibt übrigens auch natürliche Polyester ...

HaegarHH
08.09.2017, 13:11
Nur ist der Abrieb, den ein Fleece Pulli erzeugt vom Gewicht deutlich geringer als z.B. eine Plastiktüte.
Ohne jede Frage, vor allen Dingen wenn sie vom Wind zerbröselnd vor hin getrieben wird :(


Ansonsten versuch doch mal die Begriffe zu sortieren und nicht alles in einen Topf zu rühren
Ich wüsste nicht, WO ich das getan habe? Ich habe bewusst von Bekleidung mit Polyester-Anteil oder ausschliesslich aus Polyester geschrieben, auf den Elasthan-Anteil etc. bin ich gar nicht darauf eingegangen.




Elastan ist z.B. kein Polyester sondern ein Urethan-ether Copolymer.
Plastik ist ein Werkstoff
Polymer ist der Oberbegriff

Nebenbei sind Polyester gerade durch die Estergruppe –[–CO–O–]– die am leichtesten Biologisch abbaubaren Kunststoffe, da dort Mikroorganismen einen Angriffspunkt haben
Nochmal ich habe in keinster Weise auf das Elasthan Bezug genommen, und es wird halt auch bei Polyester-Bekleidung von Mikroplastik-Eintrag gesprochen, oder? Also nicht nur von mir, sondern auch ansonsten?



es gibt übrigens auch natürliche Polyester ...
DAS war mir tatsächlich neu

blackteah
08.09.2017, 16:39
Der besonders hohe Eintrag an Kunststoff und jedwedem anderen Müll in die Ökosysteme kommt aus gescheiterten Ländern, auf deren Verhalten Dein Einfluss abermals Null ist. Dein Verzicht auf die Polyesterjacke oder den Joghurtbecher wird nichts daran ändern, dass andere Länder ganz weit weg von hier die Weltmeere mit Müll fluten.


Meinst du das echt ernst? Dass wir hier keinen Einfluss auf das Plastikproblem haben?
Ich wusste gar nicht, dass z.B. der ganze Elektorschrott (der ja oft von Plastik ummantelt ist) in Afrika von den horden afrikanischer Bürger stammt, die schon seit 50 Jahren mit der neues Elektronik ausgestattet sind und jedes Jahr ein neues Handy kaufen. Und ich dachte auch immer, dass die Konzerne ihren Müll selbst „entsorgen“ (in Ländern, wo das billig ohne große Vorgaben möglich ist).
Oder dass z.B. das beschriebene Verhalten, jedes Jahr 20 neue Hosen und 30 neue Shirts zu kaufen, keinerlei Einfluss auf den Müll hat.
Man lernt nie aus... :roll:


Ich denke, dass das Beste zur Vermeidung von Mikroplastik ein sinnvoller Umgang mit Plastikprodukten ist. Sprich, keine umständlich und mehrfach verpackten Artikel kaufen, überlegen ob man das neue XY (Hemd, Hose, Auto, Computer, Handy, Spielzeug etc) wirklich braucht…
Weniger bzw bewussterer Konsum sollte da schon gut helfen. Z.B. löst sich Plastik ja auch von Wasserflaschen oder der Zahnpasta, von Peelings etc. Das landet zwar dann nicht in den Weltmeeren, aber im Körper oder im Abwasser. Weiß nicht ob das so viel besser ist.

Dass natürlich andere (soweit ich weiß hauptsächlich asiatische) Länder mit ungemein höherem Plastikkonsum einen deutlich stärkeren Einfluss haben, stimmt natürlich. Aber ich finde, dass eine „der Basti verprügelt viel mehr Leute als ich, also muss ich mir keine Gedanken machen“ Einstellung nicht wirklich dazu beiträgt, einer Problemlösung näher zu kommen…

Der Rest wurde ja eigentlich schon gesagt ;-)

Funner
08.09.2017, 16:57
Dass natürlich andere (soweit ich weiß hauptsächlich asiatische) Länder mit ungemein höherem Plastikkonsum einen deutlich stärkeren Einfluss haben, stimmt natürlich. Aber ich finde, dass eine „der Basti verprügelt viel mehr Leute als ich, also muss ich mir keine Gedanken machen“ Einstellung nicht wirklich dazu beiträgt, einer Problemlösung näher zu kommen…

Gedanken kannst du dir ja machen. In sehr vielen Ländern wird der Plastikmüll jeden Abend neben den Straßen verbrannt oder landet direkt im Meer. Was bringt es da auf eine Regenjacke, die man mehrere Jahre mit auf Tour nimmt und die danach noch recycelt wird, zu verzichten? Das bringt dich der Problemlösung kein Stück näher.
Jedes Prozent Umweltschonung kostet uns Unmengen Geld. In anderen Teilen der Welt kannst du für den gleichen Betrag 30 mal so viel erreichen.

blackteah
08.09.2017, 17:04
Gedanken kannst du dir ja machen. In sehr vielen Ländern wird der Plastikmüll jeden Abend neben den Straßen verbrannt oder landet direkt im Meer. Was bringt es da auf eine Regenjacke, die man mehrere Jahre mit auf Tour nimmt und die danach noch recycelt wird, zu verzichten? Das bringt dich der Problemlösung kein Stück näher.
Jedes Prozent Umweltschonung kostet uns Unmengen Geld. In anderen Teilen der Welt kannst du für den gleichen Betrag 30 mal so viel erreichen.

Wieso kostet es Geld, etwas nicht zu kaufen?
Ich habe nur angemerkt, dass unser Verhalten hier Einfluss auf andere Länder hat, die weit weit weg sind. Das was da verbrannt wird ist ja nicht nur der ihr Müll, er stammt auch aus Fabriken usw (die auch für "den Westen" produzieren). Ein rein lokales Denken ist da halt meiner Meinung nach keine Lösung.

Natürlich stimmt alles was du schreibst. Und eine Veränderung dort wird bestimmt mehr bringen. Aber Kleinvieh macht auch Mist und irgendwo muss man anfangen.

Z.B. in dem Link, der hier gepostet wurde steht, dass die chinesischern Händler die deutschen PET Flaschen kaufen. Stattdessen könnten sie aber auch den Müll, der auf ihrem Kontinent produziert wird, nutzen. Machen sie aber nicht. Warum? Ich vermute, dass es billiger ist, unsere PET Flaschen zu kaufen, als das Müllsystem dort zu ändern. Wozu sie vielleicht ohne unsere PET Flaschen gezwungen wären.
Das ist aber jetzt nur reine Spekulation.

PS: es bringt natürlich nicht so viel, auf eine Regenjacke zu verzichten, die man mehrere Jahre nutzt und dann dem Recyclingkreislauf zuführt. Ach ja, das macht ja jeder Outdoorer so, ganz vorbildlich weil die Natur ihm so am Herzen liegt. Schau dir doch nur mal die Kaufberatungsfäden hier an, in jedem wird etwas von Decathlon oä vorgeschlagen. Z.B. die 8€ Regenjacke, und wenn die nicht gut ist oder schnell kaputt geht ist doch auch egal, hat ja fast nix gekostet.

LihofDirk
08.09.2017, 17:15
Ich wüsste nicht, WO ich das getan habe? Ich habe bewusst von Bekleidung mit Polyester-Anteil oder ausschliesslich aus Polyester geschrieben, auf den Elasthan-Anteil etc. bin ich gar nicht darauf eingegangen.



Nochmal ich habe in keinster Weise auf das Elasthan Bezug genommen, und es wird halt auch bei Polyester-Bekleidung von Mikroplastik-Eintrag gesprochen, oder? Also nicht nur von mir, sondern auch ansonsten?

Dein Beispiel mit den Skinny Jeans bezieht sich halt auf Baumwoll Elasthan Mischgewebe ...

HaegarHH
08.09.2017, 17:31
Dein Beispiel mit den Skinny Jeans bezieht sich halt auf Baumwoll Elasthan Mischgewebe ...
NEIN, zumindest nicht im Kontext dieses Beitrages ... ich hatte letztens das zweifelhafte Vergnügen eine Einkaufsrunde durch diverse Billig- (H&M) und Billigst-Anbieter (Takko, Kik, was auch immer noch) und auf Grund der sehr spezifischen Anforderungen der Einkaufenden (Hautkrankheit) insbesondere darauf mit zu achten, dass es so weit wie möglich nur Baumwolle ggf. Lyocell oder Viskose war.

Das erschreckende Ergebnis :o ist gibt zahllose Skinny-Jeans mit 60, 70 und noch mehr %-Anteil Polyester und es gibt vermeintliche "Baumwoll"shirts mit 90-100% Polyester, der Rest dann ggf. Elasthan.

Darauf bezog sich ja genau der längere OT-Abschnitt von mir, genau wie es dazu AFAIR einiges an Material z. B. von Greenpeace gibt. Durch den permanent steigenden Anteil von Polyester an vermeintlicher Baumwollbekleidung wird diese immer billiger und damit in immer schnelleren Zyklen konsumierbar, dass halt mittlerweile zu 6 - 8++ neuen "Kollektionen" pro Jahr geführt hat und nicht mehr die klassischen 4-Jahreszeiten.

Für MICH wäre sowas keine Jeans mehr, da würde ich eher 100% Denim erwarten, aber das zählt nix mehr.


Und demnächst in diesem Kino "Die neue Kashmir-Kollektion ist da!" …und dann stellt man fest, das ist Billigst-Fusel-Kram auf Wollfaden "gepustet" und hat 70% Polyester :ignore:

Dominik
08.09.2017, 17:54
Hey,

mit drei Usern hier aus dem Forum haben wir 2003 (:o) eine plastikfreie dreiwöchige Wanderung in Nordschweden durchgeführt.
U.a. Leinenzelt, Sonderanfertigung eines Schlafsacks mit Baumwollhülle, Sonderanfertigung einer Holzkraxe, Feuerbohren etc.
Lebesnmittel größtenteils Gemüse (Kartoffeln, Möhren etc.), Angeln
Rucksackgewicht pro Nase: 40 kg...
GPS, Kompass udn Notfallsender waren die wenigen Ausnahmen für Plastik.

Ich möchte jetzt nicht auf den Sinn der Tour und die einzelnen Elemente eingehen, sondern einfach darauf hinweisen, wie extrem schwer unserer Rucksäcke waren.:roll: Ein Tourenpartner hatte aufgrund des Gewichts einen Zusammenbruch mit Langzeitschäden.

Wenn - dann nur noch mit Esel oder Pferd. Beim Trekking ist man schnell an den Grenzen des Machbaren.
Damals war es für uns ein Projekt. Wir waren sehr jung und sicherlich auch in einigen Punkten unschlagbar naiv. Trotzdem war es eine unvergessliche Erfahrung und ich weiß, warum ich heute leichte Ausrüstung bevorzuge.

Grüße
Dom

Akelei
08.09.2017, 18:13
Um zum Thema zurückzukommen.
Ich habe doch meist mehr Plastik auf Tour dabei, als zu Hause. Zu Hause habe ich meine Dosen, die sich ganz einfach plastiklos im Unverpackt-Laden füllen lassen. Die Dosen sind aber auf Tour etwas unhandlich und vor allem immer noch Gewicht, auch wenn sie bereits leer gegessen sind.
Erstmal unkomplizierter stellt sich auf der Tour da der einzeln verpackte Müsliriegel dar. Verpackung auf, Müsliriegel gegessen, Müll in den Eimer entsorgt. Uns so ergibt sich für mich unterwegs schon ein größeres Müllvolumen.

Hier kann man aber einfach Verpackungsparen auch auf unterwegs übertragen. Wenn man z. B. seine Müsliriegel eben selber macht und nicht dreimal verpackt mitnimmt. Aber für mich ist es da egal, ob ich das fertige Sandwich eingepackt im Büro habe oder unterwegs. Verpackungsparen und damit Plastik im Meer sparen, fängt zu Hause an. Und wenn ich's dort verstanden habe, dann ist es ein kurzer Weg, überflüssiges Plastik auch unterwegs zu sparen.

Buchtipps zum Verpackungsparen:
Statt Plastik von Jutta Grimm, Pala Verlag
Noch besser Leben ohne Plastik von Nadine Schubert, oekom
Besser Leben ohne Plastik von Anneliese Bunk und Nadine Schubert, oekom

Kunststoff in Kleidung ist weit weniger harmlos, da der besagte Pulli hoffentlich mehrere Jahre angezogen wird.

Uns ganz konkrete Plastikvermeidungstipps:
Mehrwegverpackungen
Mehrwegflaschen
Obst, Gemüse, Eier etc. im eigenen Behälter einkaufen
Joghurt, Quark, Tomatensugo etc. im Glas einkaufen
... und mal beim örtlichen "Unverpackt-Laden" vorbeischauen. ;)

Meer Berge
08.09.2017, 18:28
Ich denke auch:
- so wenig wie möglich kaufen/wegwerfen.
- sich im Laden keine Plastiktüte für den Einkauf geben lassen sondern selbst eine Tasche/Rucksack/... mitbringen.

Ich traue sowieso nichts und niemandem mehr.
Da kauft man statt Fleece eine Wolljacke und erfährt gleich, dass die Tiere nicht richtig behandelt wurden oder die mit ihnen arbeitenden Menschen oder dass die Wolle irgendwie eklig chemikalisiert wurde, dass der Chef der Firma politisch nicht korrekt ist, dass für die Haltung all der Wollschafe -zig m² Regenwald abgeholzt wurden und der Boden nun unter Auslaugung, Erosion und Schafgetrampel leidet und gleich noch eine Assel-Art gefährdet wird, ...
Kaufst du dir einen Kunstfaserschlafsack, heißt es: Kunstfaser ist böse.
Kaufst du dir einen Daunenschlafsack, heißt es: Daune ist böse.

"Richtig" kann man es heute gar nicht mehr machen.

Zurück zur Ausgangsfrage: Outdoor ohne Plastik. Ich glaube, OHNE geht heute gar nicht mehr. In jedem Kleidungsstück, auch Wolle oder Baumwolle, ist irgendwie Plastik drin. Dazu kommt, dass ich keinen Spaß hätte an einer Trekkingtour mit einem Baumwoll-Rucksack, evtl. gewachst oder geölt, einem Baumwollzelt, einer Wolldecke oder einem Tierfell als Schlafsack etc.

Vielleicht kann man in einigen Bereichen Plastik reduzieren? Einen Holzbecher mitnehmen? Metallbesteck?

Wobei - meinen Hartplastik-Löffel benutze ich seit 1989. Meinen Plastikbecher seit sicher auch 20 Jahren.
Da habe ich jetzt nicht so viel schlechtes Gewissen, die weiterhin zu benutzen.
Meine Gore-Jacken muss ich häufiger ersetzen, aber für die sehe ich für mich auf Trekkingtouren auch keine sinnvolle Alternative.

Akelei
08.09.2017, 18:47
Wobei - meinen Hartplastik-Löffel benutze ich seit 1989. Meinen Plastikbecher seit sicher auch 20 Jahren.
Da habe ich jetzt nicht so viel schlechtes Gewissen, die weiterhin zu benutzen.
Meine Gore-Jacken muss ich häufiger ersetzen, aber für die sehe ich für mich auf Trekkingtouren auch keine sinnvolle Alternative.
Und das Beste: Dinge länger benutzen. Es macht ja keinen Sinn, wenn du deinen Hartplastik-Löffel jetzt wegwirfst um einen aus Metall zu kaufen ... :roll:

Byrnisson
08.09.2017, 18:51
Microplastik, das bereits als solches, z.B. aus Zahnpasta, Kosmetik usw, ins Abwasser gelangt, kann bis jetzt noch von fast keiner deutschen Kläranlage zurückgehalten werden. Es gelangt also ebenfalls ins Meer.

Katun
08.09.2017, 20:19
Ich weiß nicht, woher die Zahlen so stammen, fünfter google-Treffer oder so, aber ich bin immer wieder verblüfft, wie unschuldig man doch die westliche Welt hält im Vergleich zu diesen ganzen Katastrophenstaaten, ach, wahrscheinlich der gesamten Südhalbkugel.
https://www.careelite.de/plastik-muell-fakten

Oder nebenbei so allgemein zum Müll
http://www.focus.de/finanzen/experten/iwkoeln/abfall-nur-ein-land-in-der-eu-produziert-noch-mehr-muell-als-deutschland_id_6239128.html

So ein Glück, die EU ist nur mittel
http://www.stern.de/panorama/wissen/natur/plastik-im-meer--wer-ist-schuld-an-den-vermuellten-ozeanen--3971376.html

Miraculix
08.09.2017, 21:59
Danke allen, die bisher mitgedacht haben. Mich freut, dass es auch einige mutmachende Reaktionen gibt.

...

Miraculix
08.09.2017, 22:01
... Haglöfs hat ja schon recht früh versucht div. Standards einzuhalten und natürlich auch damit zu werben. Seit Neuestem sind sie auch bei Mikroplastik mit dabei und bieten gegen geringe(?) Gebühr spezielle Wäschebeutel (http://www.haglofs.com/se/en/sustainability-microplastic) an, damit das sich bei der Wäsche lösende Mikroplastik nicht mehr ins Wasser gelangt …


...na das nenn ich konstruktiv. Da denkt ein Hersteller mit. Danke für den Hinweis HaegarHH!

Miraculix
08.09.2017, 22:11
Ich denke, dass das Beste zur Vermeidung von Mikroplastik ein sinnvoller Umgang mit Plastikprodukten ist. Sprich, keine umständlich und mehrfach verpackten Artikel kaufen, überlegen ob man das neue XY (Hemd, Hose, Auto, Computer, Handy, Spielzeug etc) wirklich braucht…
Weniger bzw bewussterer Konsum sollte da schon gut helfen. Z.B. löst sich Plastik ja auch von Wasserflaschen oder der Zahnpasta, von Peelings etc. Das landet zwar dann nicht in den Weltmeeren, aber im Körper oder im Abwasser.

Danke blackteah! Bewussterer Konsum scheint mir ein Ansatzpunkt zu sein. Brauche ich wirklich drei annähernd identische outdoor-Produkte aus Kunststoff? Oder könnte ich auch was davon weitergeben, sodass an anderer Stelle - für den Empfänger - eine Neuanschaffung sich ggf. erübrigt. Den Produktberg vermindern und mit dem, was mir bleibt, was sich für mich als sinnvoll bewährt hat, Freude an outdoor-Aktivitäten haben.

lina
08.09.2017, 22:19
Neulich hörte ich eine interessante Sendung zu diesem Thema (u.a. über eine Sammelmethode), mal schauen, ob ich den wiederfinde ... bis dahin fand ich schon mal das: http://www.deutschlandfunk.de/teilchenfaenger-ideen-gegen-mikroplastik-im-meer.740.de.html?dram:article_id=387271%C2%A0

Miraculix
08.09.2017, 22:22
...
mit drei Usern hier aus dem Forum haben wir 2003 (:o) eine plastikfreie dreiwöchige Wanderung in Nordschweden durchgeführt. ...

Wenn - dann nur noch mit Esel oder Pferd. ...

...auch 'ne interessante Variante. Das wäre noch mal 'ne ganz andere Art von outdoor-Aktivität. Und Eure Erfahrungen sind sicher nicht ganz unwichtig. Danke für Euren Versuch, Dominik!

Miraculix
08.09.2017, 22:30
...
Hier kann man aber einfach Verpackungsparen auch auf unterwegs übertragen. Wenn man z. B. seine Müsliriegel eben selber macht und nicht dreimal verpackt mitnimmt. Aber für mich ist es da egal, ob ich das fertige Sandwich eingepackt im Büro habe oder unterwegs. Verpackungsparen und damit Plastik im Meer sparen, fängt zu Hause an. Und wenn ich's dort verstanden habe, dann ist es ein kurzer Weg, überflüssiges Plastik auch unterwegs zu sparen.

Ja, das leuchtet ein. und es dürfte doch eigentlich kein allzu großer Akt sein, das mal zu Hause zu probieren. Danke Akelei.



Buchtipps zum Verpackungsparen:
Statt Plastik von Jutta Grimm, Pala Verlag
Noch besser Leben ohne Plastik von Nadine Schubert, oekom
Besser Leben ohne Plastik von Anneliese Bunk und Nadine Schubert, oekom


...jetzt, wo die Abende länger werden... ein interessanter Gedanke...




Und ganz konkrete Plastikvermeidungstipps:
Mehrwegverpackungen
Mehrwegflaschen
Obst, Gemüse, Eier etc. im eigenen Behälter einkaufen
Joghurt, Quark, Tomatensugo etc. im Glas einkaufen
... und mal beim örtlichen "Unverpackt-Laden" vorbeischauen. ;)

ja, genau. Tante Olga in Köln hab ich schon 'nen Besuch abgestattet. Wenn's nur nicht so weit wär. Aber nochmal danke!

Miraculix
08.09.2017, 22:39
Ich denke auch:
- so wenig wie möglich kaufen/wegwerfen.
- sich im Laden keine Plastiktüte für den Einkauf geben lassen sondern selbst eine Tasche/Rucksack/... mitbringen.


Das scheint ein gutes Trainingsprogramm für zu Haus zu sein. Wie oben schon mal gelesen. Danke aber nochmal für's Unterstreichen, Meer Berge.



Zurück zur Ausgangsfrage: Outdoor ohne Plastik. Ich glaube, OHNE geht heute gar nicht mehr. ...

Vielleicht kann man in einigen Bereichen Plastik reduzieren? Einen Holzbecher mitnehmen? Metallbesteck? ...

Ja, ich denke tatsächlich ähnlich, es geht nicht darum, die absolute Lösung zu finden, also komplett OHNE. Aber ich denke drüber nach, und vielleicht sind es ja tatsächlich die kleinen Entscheidungen, die mir auch Freude machen (Holzbecher, Metallbesteck, vielleicht sogar Holzbesteck, u. v. a. m.)


Wobei - meinen Hartplastik-Löffel benutze ich seit 1989. Meinen Plastikbecher seit sicher auch 20 Jahren.
Da habe ich jetzt nicht so viel schlechtes Gewissen, die weiterhin zu benutzen.
Meine Gore-Jacken muss ich häufiger ersetzen, aber für die sehe ich für mich auf Trekkingtouren auch keine sinnvolle Alternative.

Merci für die Offenheit.

Miraculix
08.09.2017, 22:43
Ich weiß nicht, woher die Zahlen so stammen, fünfter google-Treffer oder so, aber ich bin immer wieder verblüfft, wie unschuldig man doch die westliche Welt hält im Vergleich zu diesen ganzen Katastrophenstaaten, ach, wahrscheinlich der gesamten Südhalbkugel.
https://www.careelite.de/plastik-muell-fakten


Ja, die Seite macht echt Lust zum Weiterlesen. Besten Dank Katun.

Miraculix
08.09.2017, 22:47
Neulich hörte ich eine interessante Sendung zu diesem Thema (u.a. über eine Sammelmethode), mal schauen, ob ich den wiederfinde ... bis dahin fand ich schon mal das: http://www.deutschlandfunk.de/teilchenfaenger-ideen-gegen-mikroplastik-im-meer.740.de.html?dram:article_id=387271%C2%A0

Lina, der DLF-Beitrag regt an zum Weiterdenken. ;-)

Miraculix
08.09.2017, 22:51
...also, ich muss sagen, nach all dem, was ich bisher hier so gelesen habe, ich bin echt von den Socken. Bis hierhin erstmal ein ganz großes Danke allen!!!! Stelle fest, dass outdoor-Aktivitäten, eben sich in der Natur aufhalten irgendwas Verbindendes bei den Leuten hat, die damit zu tun haben. Mit anderen Worten: Da scheint irgendwo ein gemeinsamer Nenner zu sein, der mit Respekt zu tun hat, mit Respekt vor der Welt, die einen umgibt.

LihofDirk
09.09.2017, 05:19
Ich halte es für gefährlich, aus einem Problem, und Mikroplastik ist ein Problem, ein Pauschalurteil "dies oder das vermeiden und es ist gelöst" zu ziehen. Leider ist unser Lebensraum so komplex, dass der Verzicht auf ein Hausgemachtes Problem meist nur andere Probleme fördert.
Beispiel Verpackungen: ja "dekorative" Verpackungen nehmen überhand, aber deshalb nur unterpackt? Dann gibt es mehr verdorbene Lebensmittel, mit mehr Auswirkungen auf die Umwelt bei deren Herstellung. Mein Ansatz ist da saisonal-regional wo möglich. Und halt keine Erdbeeren im November. Aber ganz auf Verpackung verzichten? Ist nicht die Lösung.
Ich hatte die Diskussion mit einer Grundschullehrerin, die meinte in der Schule nur Nachfülltinte zuzulassen, weil Patronen so viel Müll machen. Der Hinweis, dass die netten Glasflaschen für Tinte mehr Wiegen, als die Tinte selber und weit transportiert werden müssen, verbunden mit Energieverbrauch und Emissionen und ich nicht wisse, was schlimmer sei hat sie. Achdenmlich gestimmt. So ist das bei vielen.
Ein Ansatz ist konsequentes Anwenden von Ökoeffizienz Beurteilungen für Produkte. Da wird schon einiges getan, aber nie verpflichtend.
Und der Konsument bekommt kaum etwas mit, kann also nur auf Grund von Preis, Design und Werbeversprechen entscheiden. Warum nicht ein Nachhaltigkeitskabel? Ähnlich den Energieeffizienzklassen, aber eben "cradle to grave" oder noch besser, bis zur Wiederverwendung der Materialien,also "cradle to cradle".

Einstieg in die Thematik:

https://www.oeko.de/das-institut/institutsbereiche/produkte-stoffstroeme/

Und hier Schleichwerbung von meinem Arbeitgeber:

https://www.basf.com/de/company/sustainability/management-and-instruments/quantifying-sustainability/eco-efficiency-analysis.html

Meer Berge
09.09.2017, 08:58
Ich finde es heute extrem schwierig, wenn man versucht, etwas "ökologisch korrekt" zu kaufen.
Das ist, wie schon gesagt, alles unglaublich komplex.
Im Studium hier in Norddeutschland haben wir über "regionale Produkte" gesprochen.
Z.B. Joghurt aus der Nachbarschaft. Steht auch so auf der Verpackung. Von Milch von der Kuh nebenan. Das war soweit auch nicht gelogen. ABER die Milch wurde ich großen LKWs nach Italien gekarrt, dort in Plastikbecher gefüllt, die aus - ich weiß nicht mehr, anderes Ende der Welt - kamen, mit Aludeckeln wieder aus einem weit entfernten Staat versiegelt, und so verpackt wieder nach Norddeutschland gebracht ...
Unsere Krabben werden in Polen oder Marokko gepult, bevor sie hier "frisch vom Kutter" verkauft werden.

Ich hatte einmal eine Gemüsekiste bestellt, regional vom Bauernhof im Nachbardorf. Da fand ich dann auch Bananen drin ...

Also, wenn ich nicht dabei bin, wenn das Huhn das Ei legt, glaub ich gar nichts mehr. Und wer weiß, wo das Huhn und sein Futter herkommen ...

Als ich Kind war, lebte ich lange Zeit bei meinem Onkel auf einem österreichischen Bergbauernhof mit Jausenbetrieb. Da schien mir die Welt noch in Ordnung. Die Hühner liefen ums Haus, wir sammelten die Eier, die Hühner fraßen Körner aus eigenem Anbau. Die Schweine lebten von den Resten der Gastwirtschaft und wir von den Schweinen. Die Kühe wurden um 6 morgens von Hand gemolken, gesiebt, und eine Viertelstunde später bekamen wir sie noch euterwarm zum Frühstück.
Da war ein Wollpullover noch ein echter Wollpullover. Das Feuerholz war aus dem eigenen Wald, das Gras wurde per Handsense gemäht und (Kinderarbeit!) per Rechen gewendet, mit dem Schlitten eingefahren, ... gedüngt nur mit eigenem Kuhmist.
Das war alles rund und nachvollziehbar.

Was ist denn heute ein "echter" Wollpullover?
Wo kommt unser Kaminholz her, welcher Wald musste dafür gefällt werden? Ich kaufe Holz statt Plastik und fühle mich für das Waldsterben verantwortlich ...

Ich finde die Idee nach wie vor gut, ökologisch "besser" leben zu wollen. Aber es gibt kaum noch Produkte, bei denen ich ihre Herkunft tatsächlich nachvollziehen kann. Und bei denen ich mir sicher sein kann, dass durch deren Produktion nicht wieder ein anderes Problem losgetreten wird.
Stell dir vor, alle Menschen würden jetzt nur noch "echte" Schafschurwollpullover kaufen wollen. Massentierhaltung bei den Schafen, Wollschafzucht von degenerierten Nur-Woll-Schafen, Waldrodungen zur Vergrößerung von Weideflächen, Futtermittel und Chemie für schnelleres Wollwachstum, ... Auch wieder doof.

Ich versuche auf Qualität und Zeitlosigkeit (Farbe, Design) der Dinge zu achten, die ich kaufe, damit sie lange genutzt werden können und für mich so wenig wie möglich produziert werden muss und ich so wenig Müll wie möglich produziere.

Leider finde ich die Produkte heute nicht mehr so hochwertig in Material und Verarbeitung, wie sie früher hergestellt wurden.
Mein Trekking-Rucksack ist 25 Jahre alt und hat einen großen Teil der Welt gesehen, zum Teil in mehrwöchigen Reisen. Die Farbe ist ein wenig verblasst, sonst ist er so gut wie am Anfang.
Ganz oft sehe ich bei anderen Leuten, wie bei neuen Rucksäcken Nähte aufplatzen, wie neue Trekkingschuhe von namhafte Herstellern die Sohle verlieren, bei meiner neuen (millet) Gore-Jacke waren die Nähte undicht, bei meinem neuen (Exped) Zelt durchstieß die Alustange nach 2 Wochen den Gestängekanal, der von der Sonne schon total marode war. Mein altes JackWolfskin-Tunnelzelt von Anfang der 1980 Jahre (damals konnten die noch richtig gute Sachen produzieren!) hat mich 20 Jahre lang durch die Welt begleitet - und wog auch nur 200g mehr. Der Stoff ist immer noch gut, die Reißverschlüsse sind hin. Auch mein Hilleberg-Zelt musste ich auf der letzten Tour nachnähen, weil sich der Gestängekanal vom restlichen Zelt zu verabschieden drohte.

Ich wäre bereit, deutlich mehr Geld auszugeben für ein wirklich gutes, langlebiges, funktionierendes Produkt. Aber ich finde diese Produkte nicht mehr. Auch auf die "High End" Marken kann man sich nicht mehr verlassen.

Das zwingt zu häufigeren Neukäufen als ich eigentlich möchte.

blackteah
11.09.2017, 11:25
Was ihr schreibt stimmt alles. Natürlich kann man bei dem komplexen Problem (eigentlich jedem?) nicht einfach sagen "konsumiere weniger, das ist die Lösung". Aber das weniger und bewusstere Konsumieren kann ein Teil der Lösung sein.

Weniger hilft auch bei der Problematik der Herkunft. Wie schon geschrieben wurde, ist es ja quasi unmöglich "ökologisch korrekt" zu konsumieren. Aber wenn man einfach weniger kauft reduziert sich auch der "Schaden".
Deswegen sollte man nicht einfach jede Verpackung verteufeln, das ist richtig.
Aber gerade bei Obst, Gemüse und Brot ist das Plastik nicht gerade förderlich was die Haltbarkeit angeht. Im Gegenteil, in der Plastiktüte schimmelt es nach wenigen Tagen, während es im Papier viel länger hält. Die verpacken das nicht in Plastik wegen der Haltbarkeit, sondern weil sie es dann zu viel größeren Mengen transportieren können. Außerdem kann man es dann etikettieren und in gleiche Mengen einfach und günstig einpacken, was es im Ladensystem und an der Kasse einfacher & schneller macht. Der in Plastik verpackte Käse kann aus dem Kühlregal entnommen werden, während man für die Käsetheke noch Personal braucht (ok, da ist im Papier auch Plastik drin... Aber halt weniger).


Das Beispiel mit der Alm in Österreich fand ich gut: Wie oft ist denn der Onkel in Urlaub gefahren? Was hatte er für "Luxusgüter"? Damals, als alles noch schön regional und überschaubar war, haben die 30 Kühe und paar Schweine halt auch ausgereicht. Aber so ein Leben ist anstrengend. Da kann man nicht mal schnell überes Wochenende wegfahren. Jeden Tag um 6 melken, auch am Wochenende – da muss man wahrscheinlich schon nen Antrag beim Amt stellen, ob man denn überhaupt 7 Tage die Woche arbeiten darf :lol:

Ist halt alles mit viel Arbeit, Recherche und auch Selbstdisziplin verbunden. (Die neue Jacke ist aber viel schöner. Das Zelt hat viel mehr Raumausnutzung. Ich will aber jeden Tag zum Frühstück einen Joghurt in einer anderen Geschmacksrichtung im praktischen kleinen Becher. Wieso sollte ich weniger Schokolade oder Bananen essen, ich muss ja nicht abnehmen. Chiasamen sind viel cooler als Leinsamen.)

ronaldo
11.09.2017, 11:44
Ich finde es heute extrem schwierig, wenn man versucht, etwas "ökologisch korrekt" zu kaufen.
Das ist, wie schon gesagt, alles unglaublich komplex...

Das stimmt schon, es ist unglaublich schwierig und aufwändig. Aber was ist die Alternative? Soll heißen, wir können ja nicht im Umkehrschluss dazu übergehen, einfach nicht auf Nachhaltigkeit usw. zu achten, wie das hier auch schon angeklungen ist.

Und das Recherchieren ist ja viel einfacher als früher, man muss sich halt ein wenig Zeit nehmen.

derMac
11.09.2017, 12:02
Und das Recherchieren ist ja viel einfacher als früher, man muss sich halt ein wenig Zeit nehmen.
Ja, das Recherchieren ist viel einfacher als früher, trotzdem ist das Recherchieren von Gesamtökobilanzen für ein bestimmtes Produkt und alle möglichen Alternativprodukte nahezu unmöglich, solche Ökobilanzen sind selbst mit viel Aufwand in Zeit und Geld sehr schwierig. Damit will ich jetzt nicht sagen, dass man sich gar keinen Kopf machen soll, aber wer für ein einziges "Outdoorprodukt" absolut sicher sagen kann, dass er unter den möglichen Alternativen die mit der besten Ökobilanz gewählt hat, der möge den 1. Stein werfen.

Was allerdings praktisch immer gilt: So wenig Sachen wie möglich nutzen und diese solange wie möglich nutzen. Das ist der sinnvollste Ansatzpunkt des einzelnen Konsumenten. Das hat allerdings wieder das Problem, dass es komplett unserem Wirtschaftsystem widerspricht.

Mac

Pfad-Finder
11.09.2017, 13:14
Nur so ein paar Anmerkungen aus der Transportschiene:
Einzelne Gemüsekiste vom Bauernhof vor die Haustür, angeliefert mit dem Dieselsprinter über 10-15km, ist sicherlich ineffizienter als Einkauf im Handel.
Mehrwegglasflasche aus Gerolstein/Selters/Warstein/... in Berlin ist wegen des Leergut-Rücktransports vermutlich ineffizienter als Granulat aus Einweg-PET-Flaschen, das in der Region wieder zu Flaschenrohlingen verarbeitet und in Baruth/Bad Liebenwalde neu befüllt wird. Gilt auch für Bier. Die Standard-Mehrwegflaschen sterben ja leider gerade aus.

Langhals
11.09.2017, 13:53
Nur so ein paar Anmerkungen aus der Transportschiene:
Einzelne Gemüsekiste vom Bauernhof vor die Haustür, angeliefert mit dem Dieselsprinter über 10-15km, ist sicherlich ineffizienter als Einkauf im Handel.
Mehrwegglasflasche aus Gerolstein/Selters/Warstein/... in Berlin ist wegen des Leergut-Rücktransports vermutlich ineffizienter als Granulat aus Einweg-PET-Flaschen, das in der Region wieder zu Flaschenrohlingen verarbeitet und in Baruth/Bad Liebenwalde neu befüllt wird. Gilt auch für Bier. Die Standard-Mehrwegflaschen sterben ja leider gerade aus.

In der Regel ist es aber so, dass der Bauer nicht mit einer einzelnen Gemüsekiste losfährt, um die auszuliefern, sondern auf einer Tour mehrere Kunden beliefert.
Der Leergut Rücktransport ist (bis auf das Gewicht) doch der gleiche, egal ob PET oder Glasflasche, oder?

blackteah
11.09.2017, 13:58
Nur so ein paar Anmerkungen aus der Transportschiene:
Einzelne Gemüsekiste vom Bauernhof vor die Haustür, angeliefert mit dem Dieselsprinter über 10-15km, ist sicherlich ineffizienter als Einkauf im Handel.
Mehrwegglasflasche aus Gerolstein/Selters/Warstein/... in Berlin ist wegen des Leergut-Rücktransports vermutlich ineffizienter als Granulat aus Einweg-PET-Flaschen, das in der Region wieder zu Flaschenrohlingen verarbeitet und in Baruth/Bad Liebenwalde neu befüllt wird. Gilt auch für Bier. Die Standard-Mehrwegflaschen sterben ja leider gerade aus.

Gute Beispiele für die komplexität...

Bzgl. Gemüsekiste: Ist es nicht egal, ob ich mit dem Auto in den Supermarkt oder zu nem Bauernhof fahre?
Ich weiß nicht ob die Energiebilanz vom Supermarkt (Gemüse aus Italien/Spanien mit dem LKW in die Zentrale [vermute ich mal], von da aus in den Einzelhandel) oder vom Einkauf auf dem Markt (Transport vom Anbaugebiet in Deutschland, meist "in der Nähe" zum Händler und von da aus auf den Markt). Ich tippe aber auf das regionale, das man ja auch meist mit dem Fahrrad einkauft ;-) (Markt, Fußgängerzone, Autos... nene)

Bzgl PET-Flaschen/Glasflaschen: Ich kann das nicht so ganz nachvollziehen, was du meinst. Das Ganze hänge doch auch davon ab, wo das Getränk abgefüllt wird und nicht nur davon, wo die Flaschen verarbeitet werden? Oder ging es nur um die Herstellung der Flasche? Kann man das auf andere Gebiete ebenso erweitern oder ist das unterschiedlich? (z.B. wenige Fabriken, die Leergut-Flaschen wiederverarbeiten im Gegensatz zu den Fabriken, die PET-Flaschen herstellen)

Homer
11.09.2017, 14:01
BTT please
es geht hier um outdoor, nicht um eine bessere welt

derMac
11.09.2017, 14:05
Der Leergut Rücktransport ist (bis auf das Gewicht) doch der gleiche, egal ob PET oder Glasflasche, oder?
Einweg-PET-Flaschen werden zerknautscht, brauchen also weniger Volumen - mehr Flaschen pro Fahrt. Ein geringeres Gewicht spart auch spürbar Kraftstoff. Da sie im allgemeinen Zentral recyclet werden, kann man das Gesamtsystem effizienter gestalten als bei Flaschen die direkt zum Erzeuger zurück müssen. Das gilt aber auch (bis auf das Gewicht und Volumen) für erzeugerunabhängige Standard-Mehrweg-Glasflaschen. Andersum werden Mehrweg-PET-Flaschen wie Mehrweg-Glasflaschen behandelt, die können nur ihren Gewichtsvorteil ausspielen. Ob recyclen oder waschen umweltfreundlicher ist kann auch nicht so ganz einfach beantwortet werden (gab da aber schon Studien zu, bin ich jetzt zu faul zum suchen).

Mac

derMac
11.09.2017, 14:07
BTT please
es geht hier um outdoor, nicht um eine bessere welt

:o, keine bessere Welt? :cry: Pet-Flaschen werden übrigens auch extrem häufig "outdoor" verwendet. Ist halt alles vernetzt. ;-)

Mac

Homer
11.09.2017, 14:20
:o, keine bessere Welt? :cry:

hier nur outdoor
draussen nur kännchen

bessere welt gibts anderswo (http://www.bibel.com/jesus-forum/) :roll:

derMac
11.09.2017, 14:29
bessere welt gibts anderswo (http://www.bibel.com/jesus-forum/) :roll:
Wenn ich dort nach "Plaste" suche kommen 0 Beiträge, bei "Plastik" eine Fehlermeldung. Sorry, bin schon weg. :ignore:

Mac

Homer
11.09.2017, 14:36
du musst oblaten, ääääh, cookies zulassen :ignore:

BlackCascade
14.09.2017, 11:36
Um mal - zu dem eigentlich sinnvollen - Thema zurück zu kommen:

Ich denke, dass Outdoor plastikfrei (zumindest, wenn man nicht ultraheavy unterwegs sein will) leider sehr schwierig ist. Dennoch versuchen wir Plastik...

...zu vermeiden, wo es geht:

-Merino/Wolle statt Microfaser. Ist nicht schwerer und trocknet auch sehr schnell.

-Essgeschirr etc. aus Titan. Die längere Haltbarkeit rechtfertigt den höreren Anschaffungspreis.

-Selber kochen, bzw trocknen und keine/weniger fertig verpackte Suppen und Riegel.

-Zahnbürsten aus Bambus. Ebenfalls sehr leicht.

-Seife statt Duschgel mit Microplastik. Es gibt aber auch Duschgel ohne Microplastik;)

-Natronpulver, Kokosöl und Minzöl als "universal" Reinigungsmittel. Mit Natronpulver kann man unterwegs auch mal Haare, Kleidung, Körper waschen. Kokosöl eignet sich auf Grund seiner antibakteriellen Eigenschaften zur Zahnpflege und als "Notfall"-Creme. Und auch Minzöl vernichtet Schweißbakterien effizient :D

- (...)

...wiederzuverwenden, wo es geht:

-Die schönen PET-Flaschen. Nutze ich eigentlich nur wenn ich unterwegs bin, weil das Wasser gerade wenn es warm ist daraus ekelhaft schmeckt. Unterwegs sind die leider ziemlich praktisch, können dann aber auch mal locker zwei Wochen lang immer wieder aufgefüllt werden.

-Zip-Lock-Beutel (heißen die so? Wiederverschließbare Beutel). Ebenfalls leider sehr praktisch. Die kann man auch mehrfach verwenden, wenn man sie nach der Tour auswäscht und zum Trocknen aufhängt! Gleiches gilt für Tüten.

-(Plastik-)Festivalbecher sind unterwegs auch ganz praktisch, wenn man sich noch keine Titan/Bio-Plastik/...Tasse geleistet hat. Und natürlich besser als der Neukauf einer billigen Plastik-Tasse.

- (...)

...einzusammeln, wenn es geht:

Es ist einfach UNFASSBAR wie viel Müll zum Beispiel im Wald zu finden ist. Das kann man natürlich mitnehmen, wenn es sich nicht gerade um eine Waschmaschine handelt.;)

Mus
18.09.2017, 10:28
-Merino/Wolle statt Microfaser. Ist nicht schwerer und trocknet auch sehr schnell.Tut sie definitiv nicht. Ist dafür auch leicht feucht angenehmer zu tragen wärmt auch noch besser als andere feuchte Materialien.


-Zahnbürsten aus Bambus. Ebenfalls sehr leicht.Für unterwegs kann ich nur davon abraten, denn die schimmelt innerhalb von Rekordzeit, wenn sie nicht vollständig getrocknet aufbewahrt wird, und dass ist unterwegs nicht so ohne weiteres zu gewährleisten.

LihofDirk
22.09.2017, 10:09
Wenn schon immer Wolle als Plastikfrei genannt wird, bitte mit der Einschränkung, dass keine "suparwash" "anti-pilling" oder "filzfrei"Qualitäten verwendet werden.

LihofDirk
22.09.2017, 16:31
Gerade über einen Artikel gestolpert, der mal die Herkunft des Plastikmülls aufhellt:

Was vorher schon geschrieben wurde scheint bestätigt: Verpackung und Entsorgung der Verpackungen ist der Haupthebel um das Problem zu lösen

http://www.n-tv.de/panorama/Konzerne-Hauptquelle-fuer-Plastikmuell-im-Meer-article20047556.html

BlackCascade
23.09.2017, 15:06
Tut sie definitiv nicht. Ist dafür auch leicht feucht angenehmer zu tragen wärmt auch noch besser als andere feuchte Materialien.

Hmmm, ich finde feuchte Merinoshirts wärmen besser als feuchte Microfasershirts. Generell sind ja wärmer, was im Sommer natürlich durchaus auch Nachteil sein kann.


Für unterwegs kann ich nur davon abraten, denn die schimmelt innerhalb von Rekordzeit, wenn sie nicht vollständig getrocknet aufbewahrt wird, und dass ist unterwegs nicht so ohne weiteres zu gewährleisten.

Was machst du denn damit? Ich wickel die immer in mein Handtuch, und selbst wenn das feucht war ist da bisher nie was passiert. Vielleicht, weil es ein böses Microfaserhandtuch war:ignore:

Rostocker
25.09.2017, 18:33
Hmmm, ich finde feuchte Merinoshirts wärmen besser als feuchte Microfasershirts. Generell sind ja wärmer, was im Sommer natürlich durchaus auch Nachteil sein kann.
Wolle egal welcher Art ist immer besser als Kunststofffasern. Bei Merino habe ich die Erfahrung gemacht, dass es gute Anbieter gibt, deren Textilien auch im Sommer verwendbar sind.

Lobo
26.09.2017, 16:40
Wolle egal welcher Art ist immer besser als Kunststofffasern.
:hahaa: Freilich....

Weniger ist mehr, oder wie war das? :bg:

Ich möchte dich gerne mal auf einer Tour (oder auch nur Tageswanderung sehen) auf der du ausschließlich Wollkleidung trägst. :grins:

Sorry aber solche pauschalen Aussagen sind doch Quatsch. :roll:

Linseed
23.11.2018, 16:25
Moin,

der Thread ist alt - das Thema nicht.

Wie fast jeder mache ich mir ständig Gedanken über Müll- und CO2-Vermeidung. Genau deshalb möchte man das ja wenigstens draußen mal vergessen. Und wiederum genau deshalb stört mich die eigene (Plastik-)Ausrüstung umso mehr. Ich suche mir ein unberührtes Stück Natur und stelle dann erstmal das Nylon-Zelt darauf und verbringe die Nacht auf aufgeschäumtem PU und stecke in Plastikfasern, die zwischen zwei Polyester-Schichten eingenäht sind. Solche Gedanken fangen an, mir den Urlaub zu versauen.

Geht das anders? Dominik hat es ja ausprobiert (erste Seite von diesem Thread) - finde ich großartig!! Ein Esel ist wirklich die Lösung! Aber nicht immer zur Hand (und wenn zur Hand, dann mutmaßlich unwillig).

Ich schleppe sowieso nicht gern und bin daher lieber auf dem Wasser unterwegs. Ich habe mir vor ein paar Monaten ein Grönlandkajak gebaut und habe versucht, es kompostierbar zu halten. Also Baumwolle statt Nylon, Leinöl statt PU zum abdichten, Jute statt "künstliche Sehne" zum laschen. Die Spritzdecke ist aus leinölimprägnierter Baumwolle (Musste nur sechs Wochen durchhärten. Danach aber absolut genial und druckwasserdicht!). Schwer? Klar. Rational? Nein. Aber eine tolle Art, draußen zu sein.

Nachhaltig selbst basteln ist manchmal wahnsinnig aufwändig, nachhaltig kaufen ist oft irre teuer. Schwer wird es immer. Und da genau ist der Vorteil von Plastik-Sachen. Günstig, leicht und massentauglich herstellbar. Es ist sehr schwer (im wahrsten Sinne) oder unmöglich, daran vorbeizukommen. Das ist eine Erkenntnis, die ich gewonnen habe, während ich wochenlang darauf gewartet habe, dass meine Spritzdecke nicht mehr klebt.

ronaldo
23.11.2018, 21:07
Stell dein Boot doch mal vor, hört sich interessant an. :D

Akelei
23.11.2018, 23:21
Ein Esel ist wirklich die Lösung! Aber nicht immer zur Hand (und wenn zur Hand, dann mutmaßlich unwillig).
Wie oft warst du denn schon mit unwilligen Eseln unterwegs.
Hört sich eher an, als hättest du das Eselvergnügen noch nicht gehabt. Die wenigsten Esel sind unwillig. :D

mitreisender
24.11.2018, 12:24
Plastikfrei heisst ja nicht unbedingt Resourcen schonen bzw umweltverträglicher. Klar kannst Du zB in Wolle rumlaufen, aber die ganze Kette die dahinter steckt und dann noch die irrsinnig vielen Schafe, die rumfurzen und Futter sonstwoher bekommen, wenn die Grasflächen nicht reichen - dazu das Färben der Wolle mit vermutlich meist Natur und Mensch belastenden Farbstoffen - da kann ne chenisch korrekte Plaste schon mal besser sein.

Auch Bambus ist nicht so ökologisch, wie man glauben mag.

Ziz
24.11.2018, 12:28
Stell dein Boot doch mal vor, hört sich interessant an. :D

Dem schließe ich mich an! :D

Intihuitana
24.11.2018, 13:30
Wie oft warst du denn schon mit unwilligen Eseln unterwegs.
Hört sich eher an, als hättest du das Eselvergnügen noch nicht gehabt. Die wenigsten Esel sind unwillig. :D

Das sind eher die Maultiere...:ignore:

Linseed
25.11.2018, 11:17
Wie oft warst du denn schon mit unwilligen Eseln unterwegs.
Hört sich eher an, als hättest du das Eselvergnügen noch nicht gehabt. Die wenigsten Esel sind unwillig. :D

Das stimmt leider. Bisher war ich auf Touren der einzige Esel - und nur gelegentlich unwillig ;-)

@mitreisender:
Einen Pulli aus pflanzengefärbter Wolle namentlich bekannter Schafe, die nur lokales glyphosatfreies Grünzeug futtern, kriegt man schon. Den kann man aber nicht bezahlen. Zumindest nicht, wenn man von weniger als 20 Jahren Nutzungsdauer ausgeht.
Der Punkt ist wahrscheinlich, dass man alles Zeug wertschätzen muss, egal ob aus Plastik oder Naturmaterial. In jedem Produkt stecken (Arbeits-)Resourcen. Zehnmal reparieren und irgendwann in gutem Zustand weitergeben. Es ist auch wahrscheinlich nicht resourcenschonender, aus Naturmaterialien ein Boot zu bauen, als einen 20 Jahre alten Polyester-Dampfer für kleines Geld zu kaufen (sowas habe ich auch bei meinen Eltern an der Ostsee). Es ist halt alles nicht so einfach. Rational ist nur, drinnen zu bleiben. Und das ist ja keine Option. ;-)

Goettergatte
25.11.2018, 16:15
... während ich wochenlang darauf gewartet habe, dass meine Spritzdecke nicht mehr klebt.

Ein Tipp fürs nächste Mal,
oder für Nachahmer:

Leinöl härtet oxidativ, daher muß man schichtweise auftragen, immer so, daß die Fasern und Poren das Material aufnehmen und nur sehr wenig ungebundenes Öl vorhanden ist, überschüssiges Material abtragen oder einreiben.
Sonst geschieht Folgendes:
Die zu stark aufgetragene Ölschicht trocknet hautbildend und das darunter befindliche Material ist vom Sauerstoff abgeschlossen und kann nicht, bzw. nur sehr langsam oxidieren.

Vorsicht mit ölgetränkten Lappen und Pinseln, diese sind immer luftig, am besten draußen und nicht zusammengeknüllt, sondern glatt ausgebreitet zu trocknen, sonst können sie sich selbst entzünden - neben Kabelbrand die Hauptursache für Tischlereibrände :oldman:

Chouchen
25.11.2018, 16:23
@mitreisender:
Einen Pulli aus pflanzengefärbter Wolle namentlich bekannter Schafe, die nur lokales glyphosatfreies Grünzeug futtern, kriegt man schon. Den kann man aber nicht bezahlen.

Doch. (https://finkhof.de/bekleidung/herren/oberbekleidung/pullover-und-jacken/?p=2) ;-)

Lobo
26.11.2018, 08:45
Oder hier. (https://www.manomama.de/shop/herren/longsleeves-und-sweater/) ;-)

Linseed
26.11.2018, 10:28
Ein Tipp fürs nächste Mal,
oder für Nachahmer:

Leinöl härtet oxidativ, daher muß man schichtweise auftragen, immer so, daß die Fasern und Poren das Material aufnehmen und nur sehr wenig ungebundenes Öl vorhanden ist, überschüssiges Material abtragen oder einreiben.
Sonst geschieht Folgendes:
Die zu stark aufgetragene Ölschicht trocknet hautbildend und das darunter befindliche Material ist vom Sauerstoff abgeschlossen und kann nicht, bzw. nur sehr langsam oxidieren.

Vorsicht mit ölgetränkten Lappen und Pinseln, diese sind immer luftig, am besten draußen und nicht zusammengeknüllt, sondern glatt ausgebreitet zu trocknen, sonst können sie sich selbst entzünden - neben Kabelbrand die Hauptursache für Tischlereibrände :oldman:

Du sprichst von Leinölfirnis. Das ist mit Sikkativen versetzt, damit das Zeug überhaupt in endlicher Zeit polymerisiert. Das waren früher Bleisalze, heute meistens irgendwelche Chrom-Verbindungen. Ich wollte darauf verzichten (wenn schon, denn schon ;-) ) und habe reines Leinöl (kaltgepresst und entschleimt - für die Futtermittelindustrie) genommen, wohlwissend, dass man dann mindestens Geduld (und Sauerstoff sowieso) braucht. Man kann versuchen, das ein bisschen zu beschleunigen, indem man das unbehandelte Leinöl (vorsichtig!) erhitzt. Die Arbeit hat aber am Ende die UV-Strahlung der Sonne gemacht, zu erkennen an manchen Schattenstrukturen auf dem Tuch. Geigenbauer kennen noch die Leinöl-Magie - die bauen sich eigens Kästen mit UV-Lampen für ihre Schätzchen. Das wollte ich für ein paar Quadratmeter Lappen aber nicht anfangen.

In kurz: Leinölfirnis dauert ein, zwei Tage, reines Leinöl ewig. (Licht und) Luft braucht alles.

Bulli53
26.11.2018, 11:07
Leinöl und Leinölfiornis sind doch sehr unterschiedlich. Wie schon beschreiben ist Leinölfirnis ein technisches Produkt zum Konservieren von Holz oder Metall. Firnis kann u. a. aus Leinöl hergestellt werden das nicht mehr für den menschlichen Genuss taugt. Selbst wenn das verwendete Leinöl als Tierfutter deklariert wird, so ist es, genau wie Rapsöl, ein hochwertiges und gesundes Lebensmittel. Das muss man im heute nicht zum Basteln verbrauchen. Eskimos bauen Ihre kunststofffreien Boote ohne Leinölfirnis und ohne importierte Jutefasern aus Holz, Knochen, Sehnen und Leder und Därmen.

Du schreibst, das Du die Laschungen mit Jute gemacht hast? Gutes Tauwerk etc. besteht aus möglichst langfaserigem Manila, d. h. aus Hanf. Jutestricke wurden z. B. zum Anbinden von Vieh, in der Landwirtschaft und auf dem Bau verwendet. Manial taditionell in der See- und Schifffahrt und in sicherheitsrelevanten Bereichen. Bei der Verarbeitung von Jute, werden, so weit ich mich erinnern kann, Mineralölhaltige Hilfsstoffe eingesetzt.

Ansonsten ist dein Plan Outdoor ohne Plastik ein guter Vorsatz. Noch in den 70ern des Letzten Jahrtausend war ein grosser Teil der Ausrüstung nicht aus Kunststoffen, aber aus auch sackschwer. Es gab zu dem Thema In einem der letzten Panorama Magazinen des DAV einen Artikel.

LihofDirk
26.11.2018, 11:20
Du sprichst von Leinölfirnis. Das ist mit Sikkativen versetzt, damit das Zeug überhaupt in endlicher Zeit polymerisiert.

Auch Leinöl häörtet oxidativ, nur langsamer und tränkt etwas schlechter da unverdünnt.

Sowohl die Vorgehensweise beim Auftrag (ausser der Zeitkomponente, bei Leinöl macht das dünn Auftragen und Abwischen noch mehr Sinn, da langsamer) als auch das Entsorgungsproblem sich selbst entzündender Lappen (Bei Firniss kann noch mehr Lösungsmittel abdampfen, es bleibt weniger Brandlast im Tuch/ Pinsel etc) bleiben identisch.