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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [Testbericht] Outad Faltstuhl vs. Tomshoo Campingstuhl (China-Helinox-Clone)



bkx
17.08.2017, 15:01
Ich mag es beim Zelten gerne bequem, vor allem, was die Sitzgelegenheit angeht. Der Helinox Chair One bzw. Chair Zero, die ich gestern getestet (https://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/98970-Helinox-Chair-One-vs-Chair-Zero) hatte, sind zwar schön klein und leicht, aber die kurze Rückenlehne lässt bei längerem Sitzen doch zu wünschen übrig. Und so habe ich mir für Radtouren zusätzlich Stühle mit höherer Rückenlehne gekauft, von denen ich zwei Stück hier ausführlich vorstelle. Es handelt sich um ein Modell von Outad und eines von Tomshoo, wobei der Outad manchmal auch als Tomshoo verkauft wird, optisch und technisch sind diese Stühle aber deutlich unterschiedlich, deshalb der Test hier.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/47/medium/Outad_vs_Tomshoo_aufgebaut_front.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=176851&title=outad-vstomshoo-camping-chair&cat=47)

Es handelt sich bei diesen Stühlen um China-Clone des Helinox Sunset Chair (https://www.helinox.eu/chairs/sunset-chair.html), d. h. sie haben eine sehr hohe Lehne, gut einen Meter über dem Boden. Die Höhe ist für mich mit meinen 185 cm und langem Rücken trotzdem recht knapp bemessen, die Kopfkissen liegen bei mir eher am Hals an. Geht trotzdem. Der original Helinox wiegt knapp 1,5 kg ist kostet gut 150 Euro. Vor allem aufgrund letzterem habe ich zu den billigeren Clonen gegriffen, zumal ich zwei Stühle brauchte, einen für mich und einen für meinen Sohn.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/47/medium/Outad_vs_Tomshoo_aufgebaut_side.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=176852&title=outad-vstomshoo-camping-chair&cat=47)

Zuerst gekauft hatte ich den etwas günstigeren Outad (https://www.amazon.de/dp/B01GZMEZ9S/) (Kostenpunkt knapp über 50 Euro). Dieser wiegt insgesamt nur 1175 Gramm, er ist also deutlich leichter als das Original. Das hat allerdings auch seinen Grund. Das schicke, orange eloxierte Gestänge ist unterschiedlich dick/dünn, es wiegt 792 Gramm. Die Beine haben 15 mm Durchmesser, die Querstange 17 mm, die Rückenlehnenstangen 11 mm und die Sitzstangen, die nach vorne gehen, 12 mm. Der 287 Gramm leichte, schwarze Bezugsstoff ist robust, hat aber vor allem am Rücken im Gegensatz zum Original von Helinox keinerlei Belüftung.

Der Aufbau gestaltet sich etwas schwierig, da der Stoff sehr stramm gespannt ist. Man findet Rezensionen, wonach der Aufbau überhaupt nicht möglich war. Man sollte auf zwei Dinge achten: Erstens sollten die Stangen wirklich richtig zusammengesteckt sein und zweitens sollte man sie wirklich bis ganz zum Ende ins Rückenteil einschieben. Ganz am Ende ist der Gestängekanal nämlich nochmal verstärkt und hier rutscht die Stange, gerade beim neuen Stuhl, nicht so leicht bis zum Ende rein. Die beiden vorderen Ecken muss man mit viel Kraft einhängen, für mich als Mann zwar eine kleine Herausforderung, aber doch letztlich kein Problem. Das könnte für ein Kind oder eine Frau schon ganz anders aussehen.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/47/medium/Outad.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=176850&title=outad-vstomshoo-camping-chair&cat=47)

In der mitgelieferten, 96 Gramm leichten Tasche eingepackt misst das Paket 42 cm in der Länge und rund 14 cm im Durchmesser. Die Tasche ist mit zwei Schlaufen zum Befestigen versehen, daran kann man sie im aufgebauten Zustand auch am Stuhl aufhängen und etwas hineinpacken, wenn man möchte. Der große Reißverschluss erlaubt ein einfaches Entnehmen des Inhalts.

Man sitzt in dem Stuhl mit einer Sitzhöhe von gut 40 cm recht bequem. Angegeben ist er mit einer Maximallast von 150 kg. Das halte ich für ein Märchen. Bei meinen gut 95 kg fühlt sich der Stuhl schon recht weich an, vor allem seitlich hat er viel Spiel. Dies könnte man etwas mindern, indem man die Querstange, die viel Spiel hat, mit einem Loch versieht und mit einem Bolzen an den Kunststoff-Knotenpunkten verschraubt, denn die Stange ist einfach nur eingesteckt und wird nur von einem Gummiseil gehalten. In einer Produktbeschreibung in einem der Amazon-Angebote habe ich eine angegebene dauerhafte Maximallast von 80 kg gefunden, die ich für deutlich realistischer halte. Zusammengebrochen ist der Stuhl unter mir aber auch bei mehrstündigem Sitzen nicht.

Der Stuhl hat noch ein weiteres konstruktives Manko bzw. einen Unterschied zum Original von Helinox. Der Helinox hat oben im Stoff eine feste Querstange eingearbeitet, die dem Outad-Stuhl fehlt. Das Resultat: Die Rückenlehne biegt sich beim Anlehnen durch, die seitlichen Stangen rücken zusammen. So fällt bei mir der Kopf viel zu weit nach hinten und die Schultern werden etwas eingequetscht. Ich finde das nicht sonderlich bequem, jedenfalls nicht, wenn ich mich für ein Nickerchen so richtig in den Stuhl fläze. Mein zwölfjäriger Sohn, 1,55 groß und schlank, findet den Stuhl hingegen sehr bequem.

Da ich zwei von diesen Stühlen gekauft hatte, habe ich versucht, einen etwas zu modifizieren. Aus Rundholzholz habe ich mir eine Querstange zurechtgesägt und an den Enden mit runden Einkerbungen versehen. Die Gestängekanäle habe ich rechts und links an je einer Stelle etwas aufgetrennt und die Enden vernäht, damit die Naht nicht weiter aufrappelt. Da mein Kopf sehr weit oben anlehnt, habe ich die Querstange etwas weiter unten angebracht, etwa auf Halshöhe, der ja nicht anlehnt. Mit dieser Querstange ist der Stuhl für mich deutlich bequemer, da der Rücken nun nicht mehr so durchhängt und die Lehne ihre Breite behält.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/47/medium/Outad_Modifikation2.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=176870&title=outad-modifikation&cat=47)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/47/medium/Outad_Modifikation1.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=176869&title=outad-modifikation&cat=47)

Da ich mit dem Stuhl nicht so recht glücklich war, schaute ich weiter und entdeckte den Tomshoo (https://www.amazon.de/TOMSHOO-Campingstuhl-Klappst%C3%BChle-Tragetasche-Sporting/dp/B073S1NZXC/), bei dem es sich um ein etwas anderes Modell zu handeln schien. Allein das Design unterschied sich schon und in einem Aufbauvideo vom Hersteller meinte ich zu erkennen, dass der Stuhl eine Querstange im Rückenbereich hat wie das Original von Helinox. Zudem ist wesentlich mehr Mesh im Bezug verbaut, was den Stuhl dem Helinox wesentlich ähnlicher macht.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/47/medium/Tomshoo.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=176857&title=outad-vstomshoo-camping-chair&cat=47)

Auf die Lieferung musste ich etwas warten (siehe letzten Absatz), aber heute war es endlich soweit. Ich hatte mich für das Modell mit grünem Bezug entschieden, das gefiel mit besser als das Rot und Blau, die noch zur Auswahl standen. Grün passt auch super zum meinem grünen Zelt (Vaude Chapel 3P, von dem ich vielleicht nach meinem Urlaub einen Test poste). Man findet manchmal auch noch eine schwarze Variante, die stand mir in dem Shop, wo ich bestellt hatte, aber nicht zur Auswahl.

Das Gestänge wiegt genau 1 kg und kommt in langweiligem Silber daher. Praktischerweise ist ein Klettgurt verbaut, um das zusammengeklkappte Gestänge zu fixieren. Die Maximallast des Stuhls ist ebenfalls mit 150 kg angegeben. Das Gestänge ist jedoch deutlich dicker als beim Outad: Die Beine und die Querstange haben fette 17 mm, die Rückenlehnenstangen und die Sitzstangen knapp 15 mm. Der Bezug wiegt ein halbes Kilogramm, die im Bezug eingenähte Querstange ist keine 10 mm dick (Schätzwert). Wie der Outad ist ein Kopfpolster im Bezug eingenäht. Zusätzlich befindet sich beim Tomshoo dünnes Polstermaterial in den seitlichen Verstärkungen, wodurch hier die Arme bequemer aufliegen.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/47/medium/Outad_vs_Tomshoo_aufgebaut_top.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=176853&title=outad-vstomshoo-camping-chair&cat=47)

Der Aufbau gestaltet sich etwas weniger kraftaufwändig als beim Outad. Man (zumindest ich) sitzt im Tomshoo jedoch wesentlich besser! Der Stuhl "schwimmt" seitlich deutlich weniger als der Outad (die Querstange hat bspw. weniger Spiel), auch die Rückenlehne hängt dank der stabilisierenden oberen Querstange nicht durch. Die hat für mich jedoch auch einen kleinen Nachteil: Genau hier lehnt nämlich mein Kopf an! Rutsche ich im Stuhl etwas runter, ist es besser. In der Summe ist der Tomshoo der deutlich hochwertigere, stabilere und bequemere Stuhl, dafür wiegt er jedoch auch etwas mehr. In der Summe, also eingepackt in der 130 Gramm schweren Tasche, bringt es der Tomshoo auf insgesamt 1.630 Gramm, also 455 Gramm mehr als der Outad und sogar etwas mehr, als das Original von Helinox. Die 44 x 16 cm große Tasche hat ebenfalls zwei Aufhänger und einen großen Reißverschluss. Die Hälfte der Tasche besteht aus Mesh, der Rest aus festem Stoff. Es sind dieselben Materialien wie beim Bezugsstoff. Vorteil: Der Stuhl kann in der Tasche trocknen. Nachteil: Er wird bei Regen auch schneller nass.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/47/medium/Outad_vs_Tomshoo_verpackt.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=176856&title=outad-vstomshoo-camping-chair&cat=47)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/47/medium/Outad_vs_Tomshoo_poles_packed.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=176855&title=outad-vstomshoo-camping-chair&cat=47)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/47/medium/Outad_vs_Tomshoo_poles.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=176854&title=outad-vstomshoo-camping-chair&cat=47)

Da die Stühle so ähnlich sind, habe ich wie beim Helinox Chair One und Chair Zero noch einen Kreuztausch-Versuch gemacht: Ich habe die Bezüge auf das jeweils andere Gestell gespannt. Das ist überhaupt kein Problem. Es macht allerdings weniger Sinn, da der schwerere Bezug mit der eingenähten Querstange und dem Mesh der bequemere, luftigere ist und das schwerere Gestänge das dickere und robustere. Ich behalte einen der beiden Outad-Stühle (den modifizierten für meinen Sohn) und den Tomshoo für mich. Der andere, unmodifizierte und nur einmal verwendete Outad wird wieder verkauft.

Noch ein Wort zur Bestellung: Es gibt diese Stühle bei Amazon, eBay und auch Händlern (meine habe ich von Tomtop.com) oder Handelsplattformen wie Aliexpress. Man sollte darauf achten, woher die Stühle geliefert werden. Mein Outad kam aus einem Deutschlandlager, wodurch die Lieferung schnell ging. Der Tomshoo kam aus China, was insgesamt gut drei Wochen gedauert hat. Hauptgrund dafür war der Zoll, alleine die Abfertigung innerhalb Deutschlands hat fast zwei Wochen gedauert. Zwar fällt kein Zoll an, wohl aber Mehrwertsteuer. Bezahlt habe ich gut 42 Euro (der Versand war kostenlos) plus knapp 8 Euro Märchensteuer. Wenn man also die Wahl hat, woher der Stuhl kommt, hat ein Lager in Deutschland oder zumindest in der EU den Vorteil, dass es trotz höheren Kaufpreises in der Summe billiger werden kann, schneller geht es sowieso.

Noch ein Größenvergleich von Helinox Chair Zero, Chair One, Outad und Tomshoo Campingstuhl:
https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/47/medium/Stuhlvergleich.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=176871&title=stuhlvergleich&cat=47)

lutz-berlin
17.08.2017, 15:11
kann ich auch empfehlen: outLife (https://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/93111-Helinox-Klon-bei-Lidl-erste-Eindr%C3%BCcke-uns-%C3%84nderungen?p=1517040&viewfull=1#post1517040)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/DSC017741.JPG

bkx
19.08.2017, 19:42
Ich habe bei Decathlon eine billige Lösung gegen das Einsinken gefunden. Dort gibt es Gummi-Bälle für 1,49 € pro Stück:
https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/47/medium/F_e1.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=176885&title=f-e1&cat=47)
Einfach ein Loch in der Größe des Beindurchmessers rein schneiden und seitlich noch etwas aufschlitzen, damit der Ball über die Standardfüße rutscht. Bei dem Versuch oben war das Loch noch zu groß. Auf die Idee mit dem kleineren Loch und den Schlitzen kam ich erst, nachdem ich diesen Fehlversuch fertig hatte.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/47/medium/F_e2.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=176886&title=f-e2&cat=47)
Der so modifizierte Ball sitzt fest und schlabbert nicht so rum wie der erste Versuch.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/47/medium/F_e3.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=176887&title=f-e3&cat=47)
So sinkt der Stuhl nicht mehr so ein. Durch die größere Auflagefläche kann man ihn auch auf den Floorprotector eines Zelts stellen. Die Bälle sind mit einem Durchmesser von 55 Millimetern kleiner als Tennisbälle und können einfach montiert bleiben, sie passen beim Zusammenlegen mit in die Tasche des Campingstuhls. Die Bälle wiegen gut 40 Gramm pro Stück.