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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Skandinavien (Hardangervidda) Mitte Oktober?



louwzi
24.09.2016, 21:48
Hallo liebe Forumsgemeinde,

aufgrund verschiedener Umstände in diesem Jahr bleibt uns für unseren Trekkingurlaub leider diesmal nur der Zeitraum Mitte Oktober. Daher überlegen wir, in der Zeit vom 15.-22.10. (ggf. auch schon zwei Tage eher) irgendwo eine kleine Runde mit Zelt und Rucksack zu drehen. Außerdem reizt es uns sehr, im Spätherbst mit erstem Frost und Schnee auf Tour zu gehen. Ausgeguckt hatten wir uns die Hardangervidda, da wir dort zumindest nicht allzu hohe Berge haben und uns das Terrain noch einigermaßen zugänglich vorstellen (falls wir mit letzterem falsch liegen sollten, lassen wir uns gerne eines Besseren belehren).

In der Vidda selbst waren wir bislang noch nicht, allerdings schon ein paar Mal in Skandinavien und Schottland unterwegs – immer als Selbstversorger und ohne Proviantnachkauf in den Hütten. Der Plan jetzt wäre, bis ein paar Tage vor dem Urlaub zu warten und dann anhand des Wetterberichts spontan zu entscheiden, ob wir die Tour machen wollen oder nicht. Bei Sturm und andauerndem Regen/Schnee würden wir das Ganze natürlich sein lassen.

Jetzt unsere Frage: ist das Ganze machbar (nicht nur theoretisch, sondern auch unter Vernunftsgesichtspunkten)? Unser spätester Trekkingzeitraum war bislang Anfang bis Mitte September im Kebnekaise-Gebiet. Damals hatten wir tagsüber ab und zu Temperaturen um den Gefrierpunkt und nachts bis -5 °C. Außerdem hatten wir auch einmal ein wenig Schneegestöber, was jedoch kaum liegen geblieben ist. Damit sind wir damals gut klar gekommen.

Uns ist klar, dass wir auch in der Vidda nachts mit Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt und mit Schneefall rechnen müssen. Und auch, dass die Hütten geschlossen sind, die Sommerbrücken abgebaut und das Tageslicht begrenzt (ca. 9-10 Std.?).

Interessieren würde uns jedoch, mit welchen Mindesttemperaturen wir nachts zu rechnen haben? Wir haben als Schlafsäcke zwei TNF Blue Kazoo (-4, -11, -30), die wir zusätzlich haben etwas „aufpeppen“, d.h. mit ein paar Daunen auffüllen lassen, und dazu ein Microfaser-Inlett (Cocoon). Als Luftmatratzen haben wir zwei Exped Synmat Winterlite (R-Wert 6). Unser Zelt (Nordisk Sundback SI 2000 (Tunnel)) hat zwar keine Snowflaps, ist aber von Island und den Cairngorms sturmerprobt.

Und falls es schneien sollte: Lässt sich eine grobe Einschätzung geben, ob wir mit Wanderschuhen und Stöcken klarkommen sollten, oder ob wir zwingend Schneeschuhe einpacken müssen? Letztere müssten wir uns nämlich noch kaufen.

Eine Suche im Reiseberichtforum hat so gut wie keine Treffer für diesen Reisezeitraum ergeben, deswegen sind wir ein wenig unsicher, ob das ganze vernünftig machbar ist.

Und falls es nicht vernünftig machbar sein sollte: Habt ihr machbare Alternativvorschläge in Skandinavien für eine Tour in diesem Zeitraum?

Ich hoffe, ihr könnt uns da ein wenig weiterhelfen.

Viele Grüße und danke schonmal,
Jenny + Alex

damiman21
24.09.2016, 22:10
Um ehrlich zu sein: eine Tour durch die Vidda ohne Brücken ist nicht ohne.

Das Wetter in der Vidda ist zudem ziemlich unberechenbar. Daher lassen sich die Fragen nach den Tiefsttemperaturen und den Gebrauch von Schneeschuhen nicht so eindeutig sagen. Am besten ihr durchsucht mal auf yr.no (http://www.yr.no/sted/Norge/Hordaland/Odda/Hellevassbu/detaljert_statistikk.html) die Wetterstatistiken der letzten 12 Monate in der Vidda. Dann habt ihr ganz gute Anhaltspunkte.

Borgman
25.09.2016, 11:01
Um ehrlich zu sein: eine Tour durch die Vidda ohne Brücken ist nicht ohne.

Das ist schon mal ein wichtiges Stichwort. In der Hardangervidda gibt es Ganzjahresbrücken und Sommerbrücken. Erstere sind in meiner Turkart Hardangervidda mit H gekennzeichnet (Helårsbru), letztere mit S (Sommarbru). Die Sommernrücken werden nach der gröbsten Schneeschmelze ausgelegt, also irgendwann im Lauf des Juni, und in der Regel eingeholt, wenn die bewirtschafteten Hütten Mitte bis Ende September schließen. Könnte sein, dass Ihr dann lange nach einer passierbaren Furt suchen müsst.

Wie viel es im Oktober schneit kann man nie vorher wissen, da könnt Ihr nur auf yr.no den Wetterbericht verfolgen und müsst ggf. kurzfristig reagieren. Ist nicht ausgeschlossen, dass in den höhergelegenen Gebieten schon mehr Schnee liegt als Ihr mit Wanderstiefeln durchstapfen wollt. Und mit Schneeschuhen durch Pulverschnee ist auch kein Zuckerschlecken, besonders wenn Ihr es vorher noch nicht gemacht habt, falls ich das richtig verstanden habe.

Ein Bisschen Wetterstatistik gibt es hier:
http://www.yr.no/place/Norway/Hordaland/Ulvik/Finse/statistics.html
Danach war der Oktober 2015 mit 1,3°C etwas wärmer als der Durchschnitt (-0,6°C). Für Nachttemperaturen bis -12°C wäre ich an Eurer Stelle gerüstet, aber da hilft ja dann auch der aktuelle Wetterbericht.

Ich wollte vor zwei Jahren Ende Oktober im Gebiet Etne-Saudafjella wandern, nachdem in Hordaland aber sehr starke Regenfälle vorhergesagt waren (und in der Hardangervidda viel Schnee), bin ich kurzfristig mit dem Zug nach Flå gefahren und habe eine Tour östlich des Hallingdals gemacht. Das war auch sehr schön und man ist dort flexibler in welcher Höhe man sich bewegen will. Das wäre vielleicht eine Alternative für Euch und ist von Oslo wie von Bergen gut erreichbar. Nachttemperaturen hatte ich damals bis -8°C, Schnee nur max. 10 cm.

Gruß,
Bernd

Tie_Fish
25.09.2016, 11:17
Hmmm, wenn ihr nicht alles Material für Herbst- und/oder Wintertour mitschleppen wollt, würde ich zum gewünschten Termin anreisen, Wetter und aktuelle Lage inspizieren und wenn es nicht machbar/sinnvoll/lustig scheint, irgendwo anders hinreisen, z.B. Ryfylke (Lysefjord) im Süden. Ansonsten los.

Wir haben die Möglichkeit, von Badehose bis Pulka alles dabei haben zu können, also würde man auch bei Neuschnee etwas mehr/anderes Equipment auswählen und starten, solange es nicht zu schlimm wäre.

Das mit den Brücken ist stark vom Niederschlag abhängig, denke ich. Bei ordentlich Regen sucht man schon lange eine Furt oder muss mit Seilen rumeiern und so einen Mist - nicht empfehlenswert. Ich kann mich an Rinnsale erinnern, zu denen man sich runterbücken musste zum Wassertrinken, die nach zwei Wochen ohne Brücke unpassierbar gewesen wären (im August 2010 - erst extrem trockene 8 Wochen davor, dann 2 Wochen Dauerregen).

louwzi
26.09.2016, 14:53
Vielen Dank für die ausführlichen Rückmeldungen.

Wir hatten uns schon gedacht, dass die Reisezeit nicht optimal sein würde, hatten aber gehofft, dass es zwar ungemütlich ist, aber schon irgendwie geht. Wir haben auf yr.no jetzt noch einmal die Temperatur- und Niederschlagswerte für diesen Zeitraum in den letzten Jahren recherchiert. Die Gefahr, dass es eines der zwar eher seltenen, aber doch vorkommenden Jahre mit regelmäßigen Temperaturen im zweistelligen Minusbereich wird ist uns zu groß. Dafür sind auch unsere Schlafsäcke einfach nicht ausreichend. Vernünftig wäre es jedenfalls nicht. Auch die Aussicht, gefrustet durch Pulverschnee zu stapfen, ist nicht gerade rosig.

Wir schauen daher, ob es stattdessen vielleicht eine Tour im "milden" Süden Schwedens oder Norwegens wird oder ob wir uns wohl oder übel bis zum nächsten Jahr nach der Schneeschmelze gedulden.

Auf jeden Fall vielen Dank für die Ratschläge!

Zwimon
26.09.2016, 15:30
Ich denke, die Gefahr einen wettertechnischen Tritt in den Allerwertesten zu bekommen ist schon recht groß, wenn man dann aber Glück hat, kann es auch ganz wunderbar dort sein zu dieser Zeit (https://www.flickr.com/photos/martinhuelle/albums/72157659844719039). Wir hatten keine Schneeschuhe aber warme Klamotten und Schlafsäcke dabei. Nachts wurde es schon zapfig kalt. Mit der entsprechenden Erfahrung würde ich das auch immer wieder so machen, wir hatten ja mit Schietwetter extra gerechnet ;-)