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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wandern in Norddeutschland?



sZabo
25.08.2014, 11:07
Hallo zusammen,

nun bin ich seit längerer Zeit endlich mal wieder hier im Forum unterwegs und habe gleich eine Frage an euch.
Aufgrund meiner Herkunft bin ich natürlich eher in den Dolomiten, oder allgemein in den Alpen unterwegs.
Schon lange reizt mich allerdings das Thema Norddeutschland, da ich mir auch Städte wie Hamburg, oder Bremen gerne einmal ansehen möchte, allerdings nur in Verbindung mit etwas Action. Jetzt meine Frage: Kann man in Norddeutschland richtig wandern? Ist das spannend? Oder vielleicht doch eher für Rentner geeignet?
Habe hier einen Artikel gefunden, in dem das Thema angesprochen wird: http://de.holidayinsider.com/journal/wandern-in-deutschland
Wanderurlaube an der Ostsee scheinen ja immer beliebter zu werden...

Hat jemand von euch vielleicht schon persönliche Erfahrungen gemacht? Oder selbst etwas zu diesem Thema gelesen?

Schonmal vielen Dank für jede Rückmeldung!:p

November
25.08.2014, 11:21
Also richtig spannend ist Norddeutschland sicher nicht. Man muss es schon innerlich lieben (so wie ich), um sich dort wohl zu fühlen.
Von einer Langstreckenwanderung an der Ostsee würde ich dir wohl abraten. So schön die Ostsee auch ist, dort sind auf den Wegen hauptsächlich Radfahrer unterwegs.

Ich habe mal eine Wanderung in Nordwestdeutschland (also eher in der Nähe der Nordsee) auf dem Hünenweg gemacht (Reisebericht (https://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/57873-DE-Von-Friesen-und-H%C3%BCnen)). Den fand ich recht abwechslungsreich. Ob ich jedoch meinen Sommerurlaub dafür aufwenden würde, glaube ich eher nicht.

ronaldo
25.08.2014, 11:21
Auweh, als Südtiroler bist du natürlich verwöhnt... :D

Auf die Gefahr hin, Prügel zu beziehen :bg:, hier meine subjektiven Eindrücke:
Nordsee: Stinklangweilig. Siehst du eine gerade Horizontlinie, ist das nicht das Meer (das generell nur in der Hälfte der Zeit überhaupt anwesend ist, sonst liegt da nur so Schlamm oder Dreck und man nennt es Watt) sondern schon wieder so ein doofer Deich. Alles platt. Kühe stehen rum, manchmal sogar Schafe. Viele Strandabschnitte sind kurtaxenpflichtig, soll heißen, du bezahlst zwar wie im Kino, siehst aber nur Landschaft mit wenig Handlung. Mit dem Fahrrad saust du durch, aber Wandern - och ne. (Ausnahme: Wattwandern. Das ist toll.)
Ostsee: Da wo der Wald oder die Weiden bis ans Meer stehen, fand ichs immer schön. Die am Strand herumliegenden bunten Feuersteinknollen interessieren mich beruflich, also wirds mir da nicht langweilig. Weiß nicht, ob man z.B. in Schleswig-Holstein an der Küste entlangwandern kann, aber das stell ich mir cool vor. Außerdem gibts da was zum Anschauen, Schloß Gottorf, Haithabu, Kiel usw...

Torres
25.08.2014, 11:37
Wenn Du Bremen und Hamburg besuchen möchtest, dann scheinst Du eher mit der Nordseeküste zu liebäugeln. Natürlich gibt es dort wanderbare Strecken, aber wie andere schon sagten, muss man a) die Landschaft mögen und b) ist die Küste wenig abwechslungsreich. Es gibt zwar durchaus interessante Wanderstrecken, z.B. quer durchs Land, aber da bist Du als Wanderer ewig unterwegs, ohne wirklich Einsamkeit zu finden. Hier findest Du den Reisebericht vom Nordseeküstenradweg ab Stade bei Hamburg Klick (https://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/63588-DE-Faszination-Nordsee-Die-North-Sea-Cycle-Route-und-Inseltouren?p=1294745&viewfull=1#post1294745), da siehst Du dann, dass es schöne Ecken gibt, die wanderbar sind, aber auch Ecken, die man wirklich besser mit dem Fahrrad absolviert, weil die Distanzen eben sehr groß sind und man stundenlang nur am Deich entlang läuft. Das muss man eben wirklich mögen.

Ich würde Dir entweder zu einer Radtour raten - Radwege gibt es hier genug und sie sind gut ausgeschildert oder eben zu Interrail. Dann kannst Du die Städte, aber auch die Inseln besuchen (ostfriesisch und nordfriesisch, z.B. Norderney, Amrum, Sylt). Dort ist dann auch Sandstrand, es gibt das offene Meer und die Wattlandschaft und da machen dann Tageswanderungen auch viel Spaß.

@ronaldo

:gosche:

:bg:

Prachttaucher
25.08.2014, 13:11
Also wenn mit Norddeutschland ausschließlich Küste gemeint ist.... da würde ich den anderen rechtgeben und eher ein Rad nehmen. Man kann natürlich auch Deichwanderungen machen oder am Strand an der Wasserkante längsgehen. Ich könnte mir das für mich allerdings eher für maximal ein Wochenende vorstellen.

Falsch ist aber, daß man sonst nicht wandern kann in Norddeutschland. Der (schöne) Hünenweg wurde schon genannt und dann gibt´s ja z.B. auch die Heide (Heidschnuckentrail, Freudenthalweg), das Wendland...Wenn´s etwas hügeliger werden soll dann z.B. in Richtung Weserbergland, Teutoburger Wald - :grins:sagen wir mal etwas südlicher im Norden.

Also z.B. von Bremen oder Hamburg aus in Richtung Heide wäre nur ein Katzensprung.

Leidwolf
25.08.2014, 13:21
Wenn Du Bremen und Hamburg besuchen möchtest, dann scheinst Du eher mit der Nordseeküste zu liebäugeln.

Warum? Wer Hamburg und Bremen auf seinem Plan hat ist sicherlich an der Geschichte der Hanse (immerhin der Anfang unserer heutigen, globalisierten Wirtschaftsordnung) interessiert und sollte auch unbedingt nach Lübeck und Flensburg reisen.
Von dort aus reise allerdings auch ich gerne mit dem Fahrrad weiter. Es gibt an der Ostsee sehr schöne wanderbare Abschnitte, die sind aber leider nicht zusammenhängend- die weniger spannenden Passagen bewältigt man lieber mi dem Rad.
Mein Tipp: beste Reisezeit ist Ende August/ September, wenn die Beeren in den Knicks reif sind und die Äcker umgepflügt (schöner Kontrast zu den grünen Knicks und dem hoffentlich blau-weißen Himmel). Dann sind auch weniger Sommerurlauber dort und es ist insgesamt ruhiger.

Smo
25.08.2014, 14:06
Wenn es nicht unbedingt Hamburg und Bremen sein muss, dann lege ich die Stralsund und Wismar ans Herz. Beides sind richtig schöne Städte. Auch das Meeresmuseum Stralsund ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Und direkt an Stralsund grenzt die wunderschöne Insel Rügen. Zum wandern an der See gibt’s wahrscheinlich kein schöneres Revier. Und September/Oktober ist Kranichzeit, die Touristenwelle ist weg, das Wetter meist gut, baden geht in der Regel auch noch. Jedenfalls im September :) Solltest du dich für Wismar interessieren, hier: http://www.trekking.magix.net/alle-alben/!/oa/6955478/mode/detail/ findest du einen Reisebericht von BernieHH, der mal wieder über Stock und Stein führt :)

Viele Grüße
Set"Ostsee ist eh viel schöner"ve

Edit meint: Nicht Meeresmuseum, sondern Ozeaneum.

Ditschi
25.08.2014, 17:14
Zitat Torres: Es gibt zwar durchaus interessante Wanderstrecken, z.B. quer durchs Land, aber da bist Du als Wanderer ewig unterwegs, ohne wirklich Einsamkeit zu finden.

Eigentlich ist alles gesagt, aber dem Zitat muß ich für Schleswig- Holstein eimal widersprechen. Gut, fertige, ausgeschilderte Wanderwege haben wir nicht. Aber man könnte Karten im Maßstab von 1:25 000 aneinanderlegen und den Mittelteil von SL-H auf Wirtschaftswegen durchwandern. Dann findet man Einsamkeit. Die Küsten sind belebt, aber auf der Geest ist SL-H leer.
Und man dürfte wild campen. Das tut nur keiner. Wahrscheinlich, weil es erlaubt ist.
Ich bin ja in meiner engeren Heimat oft an Wochenenden zu Tagestouren unterwegs, manchmal bis zu 30 KM. Ich begegne kaum einem Menschen.
Nun mache ich ja selbst kein Trekking, aber mir fällt schon auf, daß ich auf den Trekkingbildern aus aller Welt zumeist mehr Leute sehe als in unserem Dorf in einem Monat. Auf den Trails dieser Welt ballt es sich ganz schön zusammen. Deshalb verstehe ich nicht so recht, warum es immer ein ausgeschildeter und mit Namen versehener Wanderweg oder Trail sein muß ? Aber vielleicht möchte man ja andere treffen? Viele halten Einsamkeit garnicht aus.
Und was die Landschaft angeht: man muß sie mögen. Anpreisen möchte ich sie nicht. Ich fühle mich ja auch oft in Landschaften unwohl, von denen andere schwärmen.
Ditschi

Torres
25.08.2014, 17:31
Ich hatte mich jetzt eigentlich mehr auf Niedersachsen konzentriert und weniger auf S-H. Da gibt es in der Tat sogar einen ganzen Wanderweg quer durchs Land, der sehr interessant klingt. http://www.wanderkompass.de/Deutschland/schlei-eider-elbe.html

Die fehlende Einsamkeit habe ich übrigens nicht an menschlichen Begegnungen festgemacht. Menschen trifft man da tatsächlich kaum, aber als einsam empfinde ich nur wenige Ecken. Vielleicht, weil man doch recht weit sehen kann.

Fletcher
25.08.2014, 17:33
Wandern in S-H lässt sich uA auch gut in der Holsteinischen Schweiz. Dort gibt es, für S-H Verhältnisse, gut ausgebaute Wandererinfrastruktur mit immer mal wieder Ostsee. Dann gibt es gegerell an der Ostsee einige echte "Wanderperlen" wie zB Kiel nach Eckernförde, oder im Binnenland die Nordschleife der Schusteracht.
Ich weiß jetzt nicht wie weit das Projekt "Naturparkweg" ist, aber der wird dann wohl über 250Km lang.
Wenn`s dich ins nördliche S-H verschlägt, meld dich mal. Die Ostseeküste kenn ich hier ziemlich sehr gut. Ich bin hier 400Km Küstenlinie entlang gewandert.

Prachttaucher
25.08.2014, 17:34
...Deshalb verstehe ich nicht so recht, warum es immer ein ausgeschildeter und mit Namen versehener Wanderweg oder Trail sein muß ? Aber vielleicht möchte man ja andere treffen? Viele halten Einsamkeit garnicht aus.
Und was die Landschaft angeht: man muß sie mögen. Anpreisen möchte ich sie nicht. Ich fühle mich ja auch oft in Landschaften unwohl, von denen andere schwärmen.
Ditschi

Ich sag´s mal so : Es ist natürlich einfacher in der Vorbereitung, wenn es einen Track zum Gehen gibt. Man kann das ganze dann besser planen und vielleicht finden sich auch noch ein paar Infos dazu. Geht natürlich auch ohne. Mir persönlich fällt es schwerer durch Landschaft zu gehen, wo kein Wald vorkommt. Das zieht sich dann irgendwie und Rad fühlt sich besser an. Mischformen sind aber auch nett.

Das mit der Einsamkeit ist für mich gerade das Tolle an den Wanderungen bei uns : Wenn man auf spektakuläre Ecken verzichtet, wird es schnell überraschend einsam. Bei mir gibt es übrigens nach sehr vielen Mittelgebirgstouren auch einen Trend zum flachen Land.

Nachtrag : Ein Problem sehe ich allerdings auch in der Wegebeschaffenheit. Sobald das mehr in Richtung Asphalt geht, möchte ich da eher nicht zu Fuß unterwegs sein, mit dem Rad aber gerne.

Tarkowsky
25.08.2014, 18:17
Ich war von 2 Wochen an der Ostsee zwischen Rostock und Wismar. Meistens machten wir Tagestouren entlang der Küste. Ich lebe im Taunus und bin flaches Land nicht gewohnt. Bergig ist es bei uns zwar nicht wirklich aber schon ein Unterschied. Mit der Zeit entdeckte ich immer mehr die Reize dieser Landschaft und fand am Ende darin eine eigene Magie. Auch das Hinterland ist sehr schön mit Wäldern usw. Es ist nicht leicht, Vorschläge für Touren zu finden. Scheint noch nicht wirklich entdeckt worden zu sein.

Glenfiddich
25.08.2014, 18:38
Wenn Norddeutschland im weitesten Sinne auch Dänemark einschließt:ignore: dann schaue doch mal bei Fletcher in seinen Reisebericht über den Gendarmenpfad. Sehr empfehlenswert ! Im Anschluss ein bischen Flensburg, Hamburg ...usw.

Ditschi
25.08.2014, 20:08
Dann müßte es "Wandern in Dänemark" heißen. Wieder eine ganz andere Hausnummer. Da gibt es nicht nur den Gendarmstien.
http://www.fjaellwanderung.de/daenemark/nordsee/
Oder 450 KM nur über Sandstrand von Blåvand nach Skagen?
Ditschi

Flachlandtiroler
25.08.2014, 20:42
Die Festlandsküste der deutschen Nordsee ist sterbenslangweilig und zum Gehen mitunter suboptimal (die Deichwege sind oft geteert und geneigt --> total unangenehmes Gehen). Nordholland und Teile von Südholland sind sicher schöner; die westfriesische Küste kenne ich nicht, muss ich zu meiner Schande gestehen.
Die ostfriesischen Inseln sind dagegen toll zum Spazierengehen, allerdings kaum zu einer sinnvoll zusammenhängenden Wanderung kombinierbar.

An der Ostseeküste gibt es sehr schöne Wanderstrecken, IMHO auch anteilsmäßig soviel, das sich eine Streckenwanderung ausgeht. Hiddensee, Rügen, Darß/Zingst sind toll. Im SOmmer sicher suboptimal weil entweder heiss und voller Mücken, oder es regnet :bg:

Von Hamburg aus ist es jetzt nicht so ein Riesending, an die Ostsee zu kommen. Was die Orte an der Küste angeht, liegt die Ostsee mit ihrer Bäderarchitektur und den Hansestädten dann sowieso klar vorne.

E1HikingTours
25.08.2014, 21:19
Ich stimme dem Tenor der Vorredner zu: die Ostseeküste und ihr Hinterland sind toll, aber bitte zum Wandern nicht in der Hauptsaison hinfahren. Herbst wäre wohl optimal.

Ditschi
25.08.2014, 21:53
Zitat Flachlandtiroler:Die Festlandsküste der deutschen Nordsee ist sterbenslangweilig und zum Gehen mitunter suboptimal (die Deichwege sind oft geteert und geneigt --> total unangenehmes Gehen)

Die Meinung " sterbenslangweilig" darf man haben. Für andere hat die Landschaft ihren Reiz.

Auf den geteerten Deichwegen muß nicht laufen, wer das nicht nicht möchte. links neben den Steinen geht man zumindest schon grade. Und Teerstreifen gibt es beileibe nicht überall.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/0555.jpg


Man kann auch oben auf dem Deich gehen. Oder links unten, wo man meist Windschutz hat. Unterhalb der Deiche findet man meist Wehlen, also Teiche, die durch Aushub enstanden sind, mit einer reichhaltigen Vogelwelt.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/01322.jpg

Und sonst ist es einfach nur rauh und schön. Nicht jedermanns Sache, und das ist auch gut so.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/0277.jpg

Eine kleine Ehrenrettung meiner sterbenslangweiligen Heimat.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/02810.jpg

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/00421.jpg

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/01220.jpg

Ditschi

Pfad-Finder
25.08.2014, 23:18
@Szabo: Meinst Du "Norddeutschland" oder nur "Küste"? "Norddeutschland" geht mindestens runter bis zum Fuß der Mittelgebirge; wenn man Münchner fragt, sogar bis zur Mainlinie.:grins:

Torres
25.08.2014, 23:19
Pfft. Alles südlich von Hannover ist Süddeutschland.

Igelstroem
25.08.2014, 23:50
Auf den Trails dieser Welt ballt es sich ganz schön zusammen. Deshalb verstehe ich nicht so recht, warum es immer ein ausgeschildeter und mit Namen versehener Wanderweg oder Trail sein muß? Aber vielleicht möchte man ja andere treffen? Viele halten Einsamkeit garnicht aus.

Eigentlich ist doch die Wildnissehnsucht in diesem Forum ein Massenphänomen. Angst vor der Einsamkeit ist also nicht sehr wahrscheinlich. Dass man trotzdem gerne einem Trail folgt, liegt abgesehen von den praktischen Gründen, die Prachttaucher genannt hat, daran, dass sich der ganze Vorgang dann als ein wohldefiniertes Projekt mit Start- und Zielpunkten darstellt, das man ›angehen‹ und ›meistern‹ und nicht zuletzt auch in einem wohldefinierten Urlaubszeitraum unterbringen kann. Die bevorzugten Formen des Wanderns entsprechen jeweils den Arbeits- und Lebensformen der Epoche. Der Trail wird zu einem Element in einem Portfolio oder einer To-do-Liste (ein häufiges Wort im Forum).

Natürlich kann man auch anders vorgehen. Dünn besiedelte Kulturlandschaften wie Mecklenburg-Vorpommern bieten sich dafür an. Man kann sich einen Stapel topografischer Karten kaufen und irgendwo loslaufen, zum Beispiel von der innerdeutschen Grenze durch das mittlere Mecklenburg Richtung Stettin oder Greifswald oder Stralsund. Dass es unbedingt der Ostseeküstenweg E9 sein muss, ist ja schon wieder nur touristische Konvention. Die Küste ist touristisch erschlossen, ebenso im Süden Mecklenburgs der Müritz-Nationalpark und die Kleinseenplatte. Dazwischen ist viel Landschaft, die nie zuvor ein Mensch zu Fuß durchquert hat.

Aber der Verzicht auf den Trail hat seinen Preis: ständiges Navigieren mit der Karte (die ja zunächst einmal im Plural gekauft und getragen sein will), Entscheidungen für diesen oder jenen Weg, Laufen auf Asphaltstrecken (wenn auch wahrscheinlich weniger als in Westdeutschland), Unplanbarkeit der Übernachtung. Vielleicht kann man auf www.komoot.de eine Route planen und sie in die topografischen Karten einzeichnen, vielleicht liefert die Seite auch einen GPS-Track, da kenne ich mich nicht aus. Jedenfalls ist aber die Frage, wann man wo ankommt, womöglich schwerer zu beantworten als bei der Planung einer Hardangervidda-Durchquerung. Das wäre die Schwierigkeit und zugleich der Reiz.

Muss ich noch sagen, was das für die Übernachtungsfrage bedeutet? Man kann im Vorfeld versuchen, Campingplätze und andere Übernachtungsmöglichkeiten zu recherchieren und in die Karte einzutragen. In manchen Gegenden des Landes ist man damit schnell fertig. Wenn man feste Übernachtungen buchen will, muss man zudem auch die Etappen entsprechend genau planen. Dann ist man letztlich wieder beim Trail-Modell, das heißt das Wandern wird dann wieder zur Abwicklung eines Projekts. Wenn man das nicht will, muss man sich auf gelegentliches Schlafen in der Landschaft einstellen. Das ist sozusagen eine Nebenpointe in der Darstellung dieses Modells.

Die Hauptpointe ist die, dass der Verzicht auf den definierten Trail eine sozusagen ›spirituelle‹ Entscheidung für ein weniger durchgeplantes Wandern, für ein weniger berechenbares Hineinlaufen in die Landschaft erfordert. Vielleicht ist es sogar so, dass die norddeutsche Landschaft sich dafür anbietet und ihr Charakter gerade unter solchen Voraussetzungen am ehesten erfahren werden kann.


Edit: Amen. :roll:

Torres
26.08.2014, 08:00
Ich kenne Schleswig-Holstein relativ gut. Nicht als Wanderer, ich gestehe, sondern vor allem als Motorradwanderer, viel später dann als Radwanderer. Immer auf der Suche nach Nebenstrecken und kleinen Straßen oder Feldwegen. Was Fletcher, Ditschi und die anderen geschrieben haben, stimmt. Es gibt gut wanderbare Gegenden, z.B. in der Holsteinischen Schweiz, bei Eckernförde und auch in der Umgebung von Ditschi ist eine schöne Ecke. Bei Itzehoe ebenso, gibt noch ein paar andere. Die Ostseeküste mit ihren Steilküsten und Waldabschnitten ist reizvoll. Eigentlich alles, was ein wenig hügelig oder bewaldet ist. Klövensteen-Blankenese. In den anderen Bundesländern Wingst, Lüneburger Heide, die Inseln, Teile Mecklenburg-Vorpommerns. Aber es gibt eben auch das Flachland und damit auch lange Strecken, an denen man zwar niemanden trifft, aber wo man Teil eines sehr intensiv landwirtschaftlich genutzten Landstriches ist, der einen zwingt, Straßen zu folgen, an unendlich langen Zäunen vorbeizulaufen und zunehmend aus Windkrafträderanblicken Einsamkeitsgefühle zu entwickeln. Auch die Küstenregionen an der Nordsee verändern sich, kaum noch Ausblicke ohne Windräder, und auch die Deiche werden immer höher. Da tue ich mich mittlerweile schwerer, ich gebe es zu. Die Landschaft hat sich sehr verändert, und hätte ich keine Erinnerungen oder wäre nicht das Spiel der Farben und die Geräusche von Wind und Meer unverändert, würde es mich vielleicht nicht mehr dahin ziehen.

Ich bin lange Jahre niemals Trails gefolgt, wusste nicht, dass es das gibt (der Nordseeküstenradweg ist mein erster Trail). Wenn etwas schön aussah, bin ich abgebogen. Mit dem Motorrad hat man einen Radius von ca. 300 km Nebenstrecke pro Tag und ich habe mich dennoch teils, u.a. in einem System von Plattenwegen in Dithmarschen, so verirrt, dass ich ein paar Mal sogar richtig Angst hatte, nicht mehr zur Straße zu finden. Topographische Karten kannte ich noch nicht, ein Navi hatte ich nicht. Eine Übernachtung wäre zu kalt gewesen. Ja, man kann Einsamkeit im Norden spüren. Ja, ich liebe diese Landschaft. Aber würde ich dort eine Langstreckenwanderung machen? Heute noch?
Wenn ich mehrere Monate Zeit hätte, würde ich es tun und einfach der Nase nach laufen. Hätte ich nur zwei Wochen Urlaub, würde ich mir wohl die Perlen heraussuchen. Und die werden durch Wanderwegmarkierungen zunehmend touristisch erschlossen.

Ditschi
26.08.2014, 08:23
Nochmals ein kleiner Widerspruch: Schleswig- Holstein ist derart von Wirtschaftswegen durchzogen, daß man es durchwandern kann, ohne auf Asphalt gehen zu müssen. Man wird viel Straßen queren, aber man muß nicht auf ihnen gehen.
Jedes Feld ist mit den Traktor erreichbar. Mit guten Karten könnte man dieses Geflecht von Wirtschaftswegen nutzen, das in allen Verästerungen endlos scheint. Meist handelt es sich heute um Plattenwege, aber auch Sand- und Graswege sind dabei.

Das von Igelstroem aufgeworfene Problem des Übernachtens könnte man durch erlaubtes Wildcampen lösen. Die wirklich nicht schönen Windräder finden sich zu hauf in der Marsch und am Geestrand. Im Mittelrücken sind sie kaum noch zu finden.
Im östlichen Hügelland befindet sich viel Wald. Darin ist Wildcampen schon wieder verboten, und man muß auf Campingplätze.
Die einsame Geest ist eher eine Knicklandschaft mit viel kultivierter Fläche, aber auch viel Ödland dazwischen. Jetzt, wo alle Beeren reifen, eine keinesfalls unattraktive Landschaft.
Mecklenburg-Vorpommern kenne ich nicht besonders gut, aber ich muß nur einmal mit dem Zug von Hamburg nach Berlin fahren, um den Blick zu werfen auf unendliche unberührte Weiten, die in der Tat wohl kaum je durchwandert wurden.
Und Wildcampen geht auch dort. Gleiche Regelung wie in SL-H. Die beiden Bundesländer könnte man kombiniert durchwandern. Einsamer als jeder Trail, wenn man denn möchte.
Ditschi

Torres
26.08.2014, 08:52
Wieso Widerspruch? Ich habe doch nichts anderes gesagt?

Flachlandtiroler
26.08.2014, 09:20
Die Meinung " sterbenslangweilig" darf man haben. Für andere hat die Landschaft ihren Reiz.
[snip]
Und sonst ist es einfach nur rauh und schön. Nicht jedermanns Sache, und das ist auch gut so.

Gebe ich Dir recht -- interessante Bilder, weniger "schön" aber jedenfalls nicht langweilig. Nehme also das "sterbenslangweilig" zurück. Andere wollen ja bekanntlich bei uns "nicht mal tot über'm Zaun hängen", ich weiss also wie das ist wenn man so Sprüche anhören muss. :ill:

Allerdings: Wenn man nach Bildern der Nordseeküste sucht, zeigen einem Google und Co. im wesentlichen die Inseln und kaum mal das Festland.
Mein subjektiver Eindruck von zahlreichen Winterurlauben und Frühjahrs-Radtouren: Holländische Nordseeküste schön, McPomm sehr schön, ostfriesische Inseln schön. Ostfriesisches Festland... Platz vier. :roll:
SH kenne bzw. erinnere ich nur wenig, das schiebt sich eventuell auch noch dazwischen.

ronaldo
26.08.2014, 09:42
[OT]Eigentlich ist doch die Wildnissehnsucht in diesem Forum ein Massenphänomen...

Deinen brillanten Beitrag möchte ich dahingehend ergänzen: Man kann auch nur mit grober Übersichtskarte und KOMPASS loslaufen, auf Etappenziele verzichten und einfach mal sehen, wo es einen hinverschlägt. Reiseberichte dieser Art würde ich gern mehr lesen...

Prachttaucher
26.08.2014, 11:40
...Die beiden Bundesländer könnte man kombiniert durchwandern. Einsamer als jeder Trail, wenn man denn möchte.
Ditschi

:p Das wäre z.B. ein schönes Projekt für die Pensionierung.


...Ostfriesisches Festland... Platz vier. :roll:
...

Stimmt, ich denke da wo es viele Badeorte gibt und neben dem Deich eine befahrene Straße wird das Laufen schnell unangenehm. Mit dem Rad fand ich damals allerdings den Störtebekerweg ganz nett. Offensichtlich wird der auch als Wanderweg verkauft (http://www.outdooractive.com/de/fernwanderweg/ostfriesland/stoertebekerweg/3379240/).

Anderswo kann eine Deichwanderung schon nett sein. Vorteil : Man sieht mehr, wenn man oben läuft, im Vergleich zum Radler, der oft nur auf der Inneseite fahren kann.

Torres
26.08.2014, 11:55
Das ostfriesische Festland habe mich an der Küste auch nicht so unbedingt beeindruckt. Da fehlen teils die Salzwiesen oder es häufen sich Badeorte oder Campingplätze.

Leidwolf
26.08.2014, 13:28
Das ostfriesische Festland habe mich an der Küste auch nicht so unbedingt beeindruckt. Da fehlen teils die Salzwiesen oder es häufen sich Badeorte oder Campingplätze.

Und es fehlt Schatten, weil es auf den Deichen keine Bäume gibt. Nie habe ich mir übler die rechte Hälfte verbrannt als auf meiner Radtour entlang der Küste von Leer nach Dangast. Die strenge Geometrie der Deiche hat sicherlich ihren Reiz, sieht aber nie natürlich aus- man merkt immer, das man sich in einer Kulturlandschaft bewegt.

slarti
26.08.2014, 20:01
Ein empfehlenswerter Küstentrek ist von Wismar nach Lübeck (https://picasaweb.google.com/113822472349439122078/OSTSEEWismarLubeck062014). Besonders der Bereich von Boltenhagen nach Lübeck-Priwall ist ein nahezu unberührter 30 km langer Küstenabschnitt.

en dråpe
28.08.2014, 08:08
http://www.viabaltica.org/wp-content/uploads/2012/06/via-baltica.jpg
Via Baltica

Den Anfang dieses Pilgerweges - 4 Etappen- bin ich vor knapp 2 Wochen gegangen und ich kann versichern, dass es sehr abwechslungsreich gewesen ist. Dieser Weg stand/steht schon lange auf meiner Wunschliste und ich kann ihn wohl die nächsten Jahre immer wieder mal an verlängerten WE gehen, da er so schön praktisch vor meiner Haustür liegt.:D Es ist ein sehr gut ausgeschilderter Pilgerweg und nur wenig begangen. Lektüre gibt es auch zu diesem Weg. In den 4 Tagen die wir unterwegs waren haben wir nur 2 Wanderer getroffen. Es hielt sich die Waage von Sandwegen und Asphaltwegen, durch Natur und Orte. Die Etappenlänge kann man persönlich variieren und bei einer Strecke von 25km bin ich mir unsicher ob das was für Rentner ist. Selbstverständlich ist es flach bei uns im Norden, aber ich fand es spannend da es ja auch links und rechts des Weges viel zusehen gibt.
Vielleicht stellt das ja eine Option für Dich dar.

Prachttaucher
28.08.2014, 12:05
Ein empfehlenswerter Küstentrek ist von Wismar nach Lübeck (https://picasaweb.google.com/113822472349439122078/OSTSEEWismarLubeck062014). Besonders der Bereich von Boltenhagen nach Lübeck-Priwall ist ein nahezu unberührter 30 km langer Küstenabschnitt.

Auf jeden Fall eine schöne Ecke. Kenne ich von von früher von unzähligen Spaziergängen. Vor Boltenhagen gibt´s leckeren Fisch !

Wie ist das eigentlich so mit Rucksack am Strand ? Ggf. schon etwas schwieriger zu gehen oder ?

Pfad-Finder
28.08.2014, 22:23
Wie ist das eigentlich so mit Rucksack am Strand ? Ggf. schon etwas schwieriger zu gehen oder ?

Saudoof. Ich spreche aus Erfahrung.:roll:

Lockerer Sand macht die Beine mürbe, direkt am Wasser steigt man durch die Sandburgen der Kinder und angeguckt wird man wie ein Ufo.

Meer Berge
28.08.2014, 22:40
Bei Städtereisen würde ich ebenfalls die alten Hansestädte der Ostsee ins Rennen werfen.
Wandern kann man in HH schön in den Harburger "Bergen" (höchster Berg Hamburgs: Der Hasselbrack mit 116m ;-) ; die Schwierigkeit ist nicht ihn zu erklimmen, sondern ihn zu finden; Belohnung: Gipfelbuch!).

Wenn "mit action" nicht nur wandern einschließt, empfehle ich hier oben ins Kajak zu steigen. Es ist wunderschön auf der Alster und ihren Seitenarmen mitten durch HH zu paddeln, und es gibt viele hübsche Kleinflüsse, die durch unser Land plätschern.
Sonst - wie schon mehrfach gesagt - eher Radtouren als Wanderungen. Wobei es für Tagestouren herrliche Wanderwinkel gibt. Z.B. der Wald hinter meinem Haus oder rund um den Westensee bei Kiel. Die Ecken muss man aber kennen, sie sind nirgendwo beschrieben.

Für mich die schönste Zeit hier oben: Mai und Ende September/Oktober.

Prachttaucher
29.08.2014, 07:51
Saudoof. Ich spreche aus Erfahrung.:roll:

Lockerer Sand macht die Beine mürbe, direkt am Wasser steigt man durch die Sandburgen der Kinder und angeguckt wird man wie ein Ufo.

:bg:

Ist allerdings ein langjähriger Wunsch bei mir. Werde mir es also zumindest einmal antun. Früher mit Rad war das auch nicht so lustig. Der Versuch einer Fehmarn-Umrundung führte am Schluß zu einer kilometerlangen Schlepperei am Strand - Rad + Satteltaschen. Manchmal ist man zu Fuß doch besser dran.

berniehh
30.08.2014, 09:39
Saudoof. Ich spreche aus Erfahrung.:roll:

Lockerer Sand macht die Beine mürbe, direkt am Wasser steigt man durch die Sandburgen der Kinder und angeguckt wird man wie ein Ufo.

dann schau dir mal die Fotos und Route von slarti genau an. Da siehst du keine Sandburgen von Kindern, ausser vielleicht direkt in Boltenhagen:bg::bg:
Klar laeuft man auf Sand-, Geroell-, und Steinstraende nicht wie auf einen ausgebauten Fernwanderweg, dafuer bietet dieser Kuestenabschnitt unberuehrte Naturstraende, bin die Strecke selber schonmal gelaufen, war sehr lohnend:cool:

Wafer
30.08.2014, 10:59
Hallo.

Ich kann die Diskussion ob Norddeutschland nun zum Wandern interessant ist oder nicht, nicht wirklich nachvollziehen. Jede Landschaft hat seine Reize und jeder sieht sie anders. Jemand der in den Bergen aufgewachsen ist seht sich vielleicht nach der Weite und der Flachländer findet nur die Berge richtig schick.
Ich war auf Sylt (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?63989) recht viel unterwegs und fand es nie langweilig!
Mit dem E1 gibt es einen Wanderweg, der einmal von Nord nach Süd (oder umgekehrt!) durch Deutschland führt und damit auch durch die Gegend im Norden führt. Ich selber bin auf dem E1 auch unterwegs (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php?54011) bin aber noch nicht so weit oben. Es gibt aber andere Berichte, die einen ganz guten Eindruck von dort oben vermitteln. Z.B. dieser (https://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/31815).

Viel Spaß in Norddeutschland wünscht

Wafer