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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Outdoor ohne Kunststoff?



Gamba
17.06.2014, 15:32
Hallo zusammen,

vor einiger Zeit habe ich eine Reportage gesehen, in der eine Familie vier Wochen lang auf Kunststoff verzichten mußte.
Anfangs wurde die Wohnung von allen Kunststoffen befreit und wo möglich durch andere Materialien ersetzt (Holzzahnbürste statt Kunststoff, Glas/Metallschüssel statt Plastikdose, Shampoo aus Glasflaschen usw.). Wärend des Versuchs wurde die das Blut der Familie auf Weichmacher etc. untersucht. Das Ergebnis war, daß die Konzentration der untersuchten Stoffe deutlich abgenommen hat.

Nun ist es ja so, daß die Kunststoffe ansich ja nicht gerade gut für die Umwelt sind. Zum einen verrotten sie nicht, zum anderen wird zur Herstellung ordentlich Chemie eingesetzt. Auch wenn z.B. Kleidung "umweltfreundlich" aus alten PET-Flaschen hergestellt wird, heißt das lange noch nicht, daß sie auch frei von Schadstoffen ist.
Wenn man so liest, was an giftigen Chemikalien allein aus Gore-Tex, über die Waschmaschine ins Meer und damit in die Nahrungskette gelangt, sollte man ins grübeln kommen.

Wenn man sich die Angebote der Outdoorindustrie mal anschaut, gibt es ja anscheinend kaum Alternativen.
Kunststoff ist leicht, billig, leicht zu verarbeiten; Kunststofffasern trocknen schnell, leiten den Schweiß nach außen usw.
Die Vorteile sind enorm und darum kauft man es auch.

Nun zu meiner Frage, ist Outdoor ohne Kunststoff heutzutage überhapt noch möglich?
Wenn man mit dem Kanu unterwegs ist, könnte man sich den Luxus leisten ein Baumwollzelt mitzunehmen.
Wie sieht das beim Trecking aus? Ein nasses Baumwollzelt sollte ja ordentlich auf die Schultern drücken, vor allem mit dem ganzen anderen schweren Kram.

Was mich interessiert, was gibt es für Alternativen?
z.B. Omas selbsgestrickte Socken statt super Hightech Syntetik Wandersocken oder Schaffell statt Therm-a-Rest.

Wie sind die Leute vor Hundert Jahren, als Kunststoffe noch nicht verbreitet waren, in die Natur gegangen? Haben die sich totgeschleppt und dann gefroren weil die vollgeschwitzten Wollsachen nicht mehr getrocknet sind?

Hat jemand Ideen für Kunststofffreie Ausrüstungsteile (insbesondere: Zelt, Schlafsack/Decke, Isomatte, Regenschutz, Schuhe) und weiß wo man sie kaufen kann?
Vielleicht kann man hier mal eine Packliste zusammenstellen, um zu sehen was möglich ist und was es wiegt.

Gruß Gamba

cebewee
17.06.2014, 15:55
Als Wandersocken bieten sich Wollsocken an; das ist noch nicht einmal sonderlich exotisch. Wanderschuhe gibt es auch größtenteils aus Leder; bei den Sohlen wirst du aber nichts anderes finden (Ledersohlen sind wohl einfach zu rutschig). Als Regenschutz sind auch Wollstoffe eine Möglichkeit, allerdings zum Preis eines deutlich höheren Gewichts (such mal hier nach "Loden").

Wie (unter anderem) die Verwendung von Kunststoffen und anderen modernen Materialien die Möglichkeiten erweitert, sieht man ganz gut an der Entwicklung der Kletter- und Sicherungstechnik in den letzten Jahrzehnten...

iwoasnix
17.06.2014, 16:00
Mein Tipp, Kunststoff dort reduzieren wo es sinnvoll und praktikabel ist.

Ich bin auch kein Freund von Kunststoff, aber er hat nun mal auch ein paar positive Eigenschaften!

Philipp
17.06.2014, 16:02
Eine moderne Welt ist ohne Kunststoffe nicht denkbar, weshalb ich die von Dir erwähnten Versuche der Fernsehfamilie für etwas pubertär halte.
Zielt man nur auf den okölogischen Aspekt ab, ist meiner Meinung nach der halbwegs richtige Weg (einen wirklich richtigen gibt es ohnehin nicht) die Nutzungsdauervon Gebrauchsgegenständen soweit es geht zu verlängern wenn nötig durch häufige Reparatur) - egal aus welchem Material sie gefertigt sind.
Die Problematik wird erst eine solche durch den verschwenderischen und geistlosen Umgang mit Bedarfsgegenständen, ob vor oder hinter der Tür.

Philipp

P.S.: wie heißt's so schön bei Werkstofflern: "Wer Kunststoff kennt, nimmt Stahl." :bg:

Rattus
17.06.2014, 16:08
Eine moderne Welt ist ohne Kunststoffe nicht denkbar, weshalb ich die von Dir erwähnten Versuche der Fernsehfamilie für etwas pubertär halte.
Zielt man nur auf den okölogischen Aspekt ab, ist meiner Meinung nach der halbwegs richtige Weg (einen wirklich richtigen gibt es ohnehin nicht) die Nutzungsdauervon Gebrauchsgegenständen soweit es geht zu verlängern wenn nötig durch häufige Reparatur) - egal aus welchem Material sie gefertigt sind.
Die Problematik wird erst eine solche durch den verschwenderischen und geistlosen Umgang mit Bedarfsgegenständen, ob vor oder hinter der Tür.


Weiß der Henker, wie man hier 5 Sterne hinkriegt. Ok: *****

Torres
17.06.2014, 16:15
Man kann viele Dinge aus Naturmaterialien herstellen oder sogar bestellen. Holzschuhe, Wolle, Leder, Daune. Frag Deine Großeltern, was sie damals hatten. Manches muss man eben selbst herstellen. Sieht dann halt nur nicht besonders attraktiv aus ;-) Wobei wir wieder bei der modernen Welt wären.......

Dominik
17.06.2014, 16:39
Wir haben vor 11 Jahren genau so eine Outdoortour durchgeführt (Nordschweden, Trekking, 3 Wochen). Ziel war an möglichst vielen Stellen Plastik zu ersetzen. Heute würde ich die Tour unter diesem Aspekt als naiv bewerten (ausserdem sind 40 Kilo Rucksackgewicht keine wirkliche Altenrative :ignore:) Trotzdem war es eine interessante Auseinandersetzung mit der Thematik und hat mich letztlich sensibilisiert.

Für mich haben sich bis heute folgende Dinge als Alternative bewährt.

- Rucksack vs. Lastenkraxe aus Holz (gab einen Hersteller in Schweden)

http://files.homepagemodules.de/b61606/f17t7439p9986628n2.jpeg

- Sturmzelt vs. Kohte aus Baumwolle (8 Kilo...nur auf Kanutouren)

- Lebensmittel möglichst beim Einkauf schon ohne Plastik (heute leichter möglich als damals: www.freikost.de)

- entstehenden Plastikmüll wieder mit nach Hause nehmen (v.a. wegen oft fehlender Infrastruktur zur vertretbaren Müllbeseitigung vor Ort)

Ich denke jedoch ebenfalls, dass die Problematik viel mehr im Alltag und dem verschwenderischen Gebrauch von Bedarfsgegenständen steckt. Kunststoff ansich ist kein Teufelszeug.

Grüße
Dom

tiwaz
17.06.2014, 17:53
Ich denke eine logistisch so einfache Tour wie heute möglich ist kannst du nicht ohne Kunststoffe machen. Damals war alles sehr schwer und deshalb brauchte man Packtiere und Träger für Touren wo es keine Herbergen gab. Ich denke Teilweise war auch der Verschleiß der Sachen viel höher.
Wachsmäntel sind super schwer, Wassersäcke aus purem Leder brauchen sicher viel Pflege, Schuhsohlen aus Leder halten sicher nicht lange bei Stock und Stein, eine Taschenlampe geht nicht, Kanu ohne Kunststoff? sehr schwierig, ebenso eine Sonnenbrille wo kein Kunststoff dran ist, keine Kamera, wahrscheinlich keine Reißverschlüsse (da ist mindestens der der Trägerstoff für die Zähne aus Kunststofffäden gewebt), keine Tütensuppen/Tütenessen (das sind Kunststofffolien mit Alu bedampft), keine Isomatten, die steril eingeschweißten Sachen aus dem Verbandskasten, ....
Da ist schon vieles Bequemes und überaus nützliches dazugekommen :-)

lg, Max

macroshooter
17.06.2014, 17:53
Um einen weiteren Aspekt in die Diskussion zu bringen ...
Es gibt Biokunststoffe. :bg::ignore:
Also scheint Kunststoff AN SICH doch nicht böse zu sein.

Igelstroem
17.06.2014, 17:53
Wie sind die Leute vor Hundert Jahren, als Kunststoffe noch nicht verbreitet waren, in die Natur gegangen? Haben die sich totgeschleppt und dann gefroren weil die vollgeschwitzten Wollsachen nicht mehr getrocknet sind?

Hat jemand Ideen für Kunststofffreie Ausrüstungsteile (insbesondere: Zelt, Schlafsack/Decke, Isomatte, Regenschutz, Schuhe) und weiß wo man sie kaufen kann?


Die Frage des TO ist ja eigentlich technisch-logistisch gemeint, so dass der Einwand, es sei aber irgendwie nicht sinnvoll, heute auf Kunststoffe generell zu verzichten, letztlich OT ist.

Ein paar teils historische, teils spekulative Feststellungen kann man ja mal treffen (nur der Ordnung halber nummeriert):

(1) Vor 1800 ist man normalerweise nicht auf Berggipfel gestiegen, jedenfalls nicht in sportlicher Absicht. Man hat auch nicht unten gestanden und gedacht: Ich muss da rauf, weil der Berg da ist.
(2) Wenn man im frühen 20. Jahrhundert längere Wanderungen gemacht hat, hat man in den meisten Fällen nicht gezeltet, sondern im Heu geschlafen oder in einer Jugendherberge. Wenn man in größeren Gruppen unterwegs war, hat vielleicht jeder eine Baumwoll-Zeltbahn getragen, das gibt es ja bei der Bundeswehr immer noch.
(3) Woraus sich die Expeditionsausrüstung der Nordlandfreaks um 1900 zusammensetzte, kann man ungefähr in Nansens Reisebericht »In Nacht und Eis« nachlesen. Da war es aber auch selbstverständlich, dass man Hundeschlitten und Boote brauchte und vom Jagderfolg abhängig war; es ist also keine reine Trekking-Tour.
(4) Seume war als einer der ersten Fernwanderer um 1800 sozusagen ultralight unterwegs, aber eben auch unter der Voraussetzung, dass er nicht im Freien schlafen musste. Deshalb reichte ein kleiner oder mittelgroßer Rucksack aus Seehundsfell.
(5) Die ansonsten verwendeten Materialien waren natürlich schwerer als heute, d.h. das Übernachtungskonzept musste sich letztlich danach richten, was man tragen konnte; die Unterkunft beim Bauern war eben beim Wandern in Kulturlandschaften eher Standard als die Mitnahme eines Solo-Zeltes. Die dann noch nötige Ausrüstung dürfte in der Summe auch nicht schwerer gewesen sein als die Trekking-Ausrüstung heute, also vielleicht 10-15 kg. Die Rucksäcke waren sicher meistens schlechter als heute (Säcke oder Tornister eben), aber das hat man eben ausgehalten.
(6) Vermutlich ist man gelegentlich nass geworden, war aber daran gewöhnt, das eine Weile auszuhalten bzw. hat halt was zum Wechseln mit sich herumgetragen und das Nasse dann in der Scheune halbwegs getrocknet. Man stirbt doch nicht, wenn man Wolle irgendwie vollschwitzt, und das Zwiebelprinzip gab es damals auch schon, das ist ja nicht materialabhängig.
(7) Wenn der Regenumhang aus Naturgummi ist und folglich nicht atmungsaktiv (oder aus einem z.B. gewachsten Naturgewebe, das eventuell schwer ist und etwas Wasser aufnimmt), muss man eben bei schlechtem Wetter mal das Tempo und das Tagesziel anpassen. Dazu gehört in einem weitläufigen Sinne, dass man sich etwas mehr Zeit genommen hat und nicht unbedingt den Ehrgeiz hatte, zwischen zwei gebuchten Flügen bestimmte Strecken- und Höhenkilometer zu schaffen. Technische Funktionsausrüstung im heutigen Sinne braucht man dann, wenn man sportliche Effizienzanforderungen zu erfüllen hat.

Gamba
17.06.2014, 18:18
Für mich haben sich bis heute folgende Dinge als Alternative bewährt.

- Rucksack vs. Lastenkraxe aus Holz (gab einen Hersteller in Schweden)

- Sturmzelt vs. Kohte aus Baumwolle (8 Kilo...nur auf Kanutouren)

- Lebensmittel möglichst beim Einkauf schon ohne Plastik (heute leichter möglich als damals: www.freikost.de)

- entstehenden Plastikmüll wieder mit nach Hause nehmen (v.a. wegen oft fehlender Infrastruktur zur vertretbaren Müllbeseitigung vor Ort)

Ich denke jedoch ebenfalls, dass die Problematik viel mehr im Alltag und dem verschwenderischen Gebrauch von Bedarfsgegenständen steckt. Kunststoff ansich ist kein Teufelszeug.

Grüße
Dom

Auf sowas wollte ich hinaus.

Ich will Kunststoff auch nicht verteufeln, aber mir ist aufgefallen, daß gerade im Outdoorbereich nichts mehr ohne zu gehen scheint.
Dabei gehts mir nicht nur um die Nachhaltigkeit, sondern auch um das Material selber.

Ein Baumwollzelt hat mit Sicherheit mehr Nachteile gegenüber einem Kunststoffzelt, aber auch Vorteile:
Es flattert nicht so laut im Wind, ist besser gegen Feuer/Funkenflug geschützt, Atmungsaktiv, UV-beständig, robuster, etc.
Leider scheint es die nur als Gruppenzelte in klassischer First- oder Tipi-Bauform zu geben.

Ein Rentierfell hat den Vorteil, daß es anders als eine Luftmatte keine Luft verliert und kuscheliger ist als eine Evazote-Matte;-)

Wo ich drauf hinaus will, man geht raus um die Natur zu genießen und hat nur Erdöl und Chemie an und dabei.
Dabei gibt es doch ungeschlagen gute Naturmaterialien (z.B. Daune und Seide).
Die Frage ist nur, was kann man mitnehmen ohne 40kg schleppen zu müssen?
Und nein Nudismus ist keine Alternative für mich;-)

Chouchen
17.06.2014, 18:58
Wir hatten schon einmal einen ähnlichen Faden. Vielleicht sind da noch Anregungen für Dich dabei: https://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/43387-back-to-the-roots-keine-Elektronik-%28keine-Kunststoffe%29

Torres
17.06.2014, 18:59
Stell Dir die Frage, ob Du den richtigen Ort für unterwegs gewählt hast. Im. Wald geht viel mehr als im Fjell, z.B. Imprägnieren geht mit Fett, z.B. Bei Wolle. Baumwolltarp ist tragbar. Ein nasses Fell ist nicht so angenehm, also brauchst. Du. Feuerstellen. Fehen tut vieles. Angenehm ist es nur bedingt, wie ich aus Erfahrung weiß.

Chouchen
17.06.2014, 19:05
Stell Dir die Frage, ob Du den richtigen Ort für unterwegs gewählt hast. Im. Wald geht viel mehr als im Fjell, z.B. Imprägnieren geht mit Fett, z.B. Bei Wolle.

Das will ich gerne mal sehen, wie Du einen Wollpulli oder Socken mit Fett imprägnierst. :grins:

Loden wurde ja schon weiter oben genannt.

Torres
17.06.2014, 19:55
http://finkhof.de/schafwolle/zubehoer/wollfett-100-ml.html

Da ich damals die Wolle selbst verarbeitet habe (Kämmen, spinnen, weben oder stricken), war das natürliche Fett noch dran. Den Pulli durfte man nicht waschen, damit das Wollfett nicht rausgeht und entsprechend fein roch man halt :grins:

cast
17.06.2014, 20:06
Es würde sicher gehen, nur nicht so komfortabel, Kunststoff spart Gewicht.

Wenn man mal darüber nachdenkt, daß bspw. die ersten Trapper in Nordamerika im 17. Jahrhundert monatelang in den Wäldern der späteren USA unterwegs waren und nur das dabei hatten was sie tragen konnten.

Nur, die Jungs wurden im allgemeinen nicht so alt. Rheuma und kaputte Bandscheiben sind nicht lustig.


bei den Sohlen wirst du aber nichts anderes finden (Ledersohlen sind wohl einfach zu rutschig)

Ledersohlen kann man nageln, so wie das schon die alten Römer gemacht haben

wilbert
17.06.2014, 20:45
eine tour ohne ausrüstungsgegenstände aus kunststoffen wäre durchaus möglich, ist aber in letzter konsequenz schwer zu realisieren.
das fängt bei den schuhsohlen an und hört beim feuer machen auf.
die ganze angelegenheit ist extrem an die fähigkeiten und erfahrungen des reisenden gebunden.
... halt sehr skill-lastig, und jenseits der komfortzone, würden die ultra-leichtler sagen…

reisende der damaligen zeit, besonders die die in extremen klimazonen unterwegs waren, hatten eine ganz andere einstellung zum eigenen körper, sowie eine härte gegen sich selbst, die man heute eher selten findet.
einige beispiele von nutzung "natürlicher materialien" findet man im reisebericht von friedjof nansen, "auf schneeschuhen durch grönland". darin wird kurz auf die verwendete kleidung, die schlafsäcke und das schuhwerk eingegangen.

das trocknen der kleidung auf der haut, ist mit textilien aus wolle kein so großer akt wie es sich anhört. wenn die schichten im zwiebelsystem dünner sind, trocknen die schneller und sind angenehmer zu tragen.

schau mal in die bushcraftecke da gibt es einiges interessantes zu entdecken.
zb. schlafen nur in einer wolldecke:
https://www.youtube.com/watch?v=vOkDlFzrYSE
der kanal von wildernessoutfitters ist eine ergiebige ressource an informationen.

viel spaß im wald,
-wilbert-





@Torres
http://finkhof.de/schafwolle/zubehoe...tt-100-ml.html
klasse link, wollfett hatte ich gar nicht auf dem schirm...

eike123
17.06.2014, 20:47
Man könnte dünne Lederschuhe auch mit Holzsandalen als Überschuhe kombinieren. Die Illustration im Wikipedia Artikel zum Schnabelschuh zeigt Beispiele.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schnabelschuh

faule socke
17.06.2014, 21:04
gehen ohne kunststoff geht:

http://www.wandermagazin.de/page.asp?pageID=2918
http://blog.ottonenzeit.de/archives/189
outdoorkleidung mittelalter

http://am-jakobsweg.blogspot.de/
pilgerkleidung mittelalter

wahnsinns aufwand den die da tw. treiben, z.b. nicht nur per hand all die gewänder nähen, sondern auch die stoffe handweben.
ich finds bewundernswert, bleib aber lieber bei powerstretch und co.

Vegareve
17.06.2014, 21:05
Klar geht das, wenn man wie im 18-19 Jh. unterwegs sein will. Die Nachteile sind wohl ersichtlich, zB viel mehr Bergsteiger überleben jetzt ihre Touren, weil sie (unter anderem) eine bessere Ausrüstung haben. Dazu kommt die Tatsache, dass man nicht mehr so geübt wäre wie die damals. Ich frage mich auch, wie ein Heckmair die Eigerwand mit seinen Stiefeln und Hanfseilen überlebt hat, aber nur weil er es geschafft hat, heisst nicht dass ein Hans Müller von heute es auch kann.

faule socke
17.06.2014, 21:59
hier beschreibt der pilger seine ausrüstung, viel hat er selbst angefertigt, möglichst originalgetreu 14. Jahrhundert:
http://am-jakobsweg.blogspot.de/search/label/Ausr%C3%BCstung?updated-max=2012-02-08T23:02:00%2B01:00&max-results=20&start=20&by-date=false

Chouchen
17.06.2014, 23:23
http://finkhof.de/schafwolle/zubehoer/wollfett-100-ml.html

Da ich damals die Wolle selbst verarbeitet habe (Kämmen, spinnen, weben oder stricken), war das natürliche Fett noch dran. Den Pulli durfte man nicht waschen, damit das Wollfett nicht rausgeht und entsprechend fein roch man halt :grins:

Lanolin wird zwar Wollfett genannt, aber es ist kein echtes Fett im chemischen Sinn. Mit dem verlinkten Wollfett kann man Strickwaren aus Wolle mit hohem, natürlichen Wollfettanteil pflegen, aber man fettet sie nicht im herkömmlichen Sinne.
Mit Lanolin bekommst Du Wollwaren nicht wasserdicht. (Es sei denn, Du schmierst es mindestens 1 cm dick auf.;-))

Dennoch schützen z.B. Pullis aus möglichst naturbelassener Wolle, die am besten noch einen mohairartigen, flauschigen Charakter haben (echte Islandwolle ist da ein tolles Beispiel für) gut für feuchter Witterung, weil sich die feinen Tröpfchen erst einmal aussen festsetzen und nicht nach innen an den Körper kommen. Aber wasserdicht ist anders: Nach einem richtigen Platzregen mit fetten Tropfen ist man auch in einem Wollpulli mit hohen Lanolinanteil in kurzer Zeit klatschnass. Aber dafür wird man dann danach erst einmal nicht mehr trocken.:bg:

faule socke
17.06.2014, 23:49
winterkleidung:

http://albrechts.se/coping-with-winter/

Torres
17.06.2014, 23:50
Lanolin wird zwar Wollfett genannt, aber es ist kein echtes Fett im chemischen Sinn. Mit dem verlinkten Wollfett kann man Strickwaren aus Wolle mit hohem, natürlichen Wollfettanteil pflegen, aber man fettet sie nicht im herkömmlichen Sinne.
Mit Lanolin bekommst Du Wollwaren nicht wasserdicht. (Es sei denn, Du schmierst es mindestens 1 cm dick auf.;-))

Dennoch schützen z.B. Pullis aus möglichst naturbelassener Wolle, die am besten noch einen mohairartigen, flauschigen Charakter haben (echte Islandwolle ist da ein tolles Beispiel für) gut für feuchter Witterung, weil sich die feinen Tröpfchen erst einmal aussen festsetzen und nicht nach innen an den Körper kommen. Aber wasserdicht ist anders: Nach einem richtigen Platzregen mit fetten Tropfen ist man auch in einem Wollpulli mit hohen Lanolinanteil in kurzer Zeit klatschnass. Aber dafür wird man dann danach erst einmal nicht mehr trocken.:bg:

Ne. Wasserdicht nicht. Hatte ich das geschrieben? Ich meinte genau das, was Du beschreibst: Die Tröpfchen bei Feuchtigkeit. Für den üblichen feuchtklammen Niesel reicht das und bei Platzregen stellt man sich unter (in dem Fall ist Wald wieder sehr praktisch...). Gerade beim Reiten waren die Pullis klasse.
Im Grunde macht man es ja heute bei den modernen EventundhastdunichtJacken auch nicht anders :grins: Der Unterschied: Die trocknen schneller. ;-)

cast
18.06.2014, 08:36
Lodengamaschen bspw können gefetttet werden.

Sawyer
18.06.2014, 08:44
...

Ich denke jedoch ebenfalls, dass die Problematik viel mehr im Alltag und dem verschwenderischen Gebrauch von Bedarfsgegenständen steckt. Kunststoff ansich ist kein Teufelszeug.
...

Nicht nur im Alltag. Ich bin kürzlich über einen Artikel einer Ultralight-Hiking-Website gestolpert wo der LNT-Gedanke beim Benutzen des UL-Hobo-Kochers gepredigt und im nächsten Abschnitt Freezer Bag Cooking (FBC) empfohlen wurde; und zwar getreu dem Motto: "Jede Mahlzeit in einer eigenen Tüte, sodass man nur noch heißes Wasser dazu kippt und sich das Spülmittel sparen kann".:roll:

blitz-schlag-mann
18.06.2014, 09:21
Schrecklich so was. Wobei in jedem Joghurtbecher mehr Plaste steckt, als in einem FB.

Viele Grüße
Ingmar

steliflo
18.06.2014, 10:16
Hallo zusammen,

vor einiger Zeit habe ich eine Reportage gesehen, in der eine Familie vier Wochen lang auf Kunststoff verzichten mußte.
Anfangs wurde die Wohnung von allen Kunststoffen befreit und wo möglich durch andere Materialien ersetzt (Holzzahnbürste statt Kunststoff, Glas/Metallschüssel statt Plastikdose, Shampoo aus Glasflaschen usw.).

Gruß Gamba

Ich muss sagen ich finde es immer ziemlich dreist, wenn Menschen behaupten, dass sie ohne Kunststoff leben. Der Höhepunkt aus meiner Sicht war eine Doku wo die Dame, die stolz erklärte keinen Kunststoff mehr im Haus zu haben munter auf ihrer Kunststoff-Tastatur Blogeinträge schrieb. Ich glaub auch nicht, dass die Leute dort die Isolierungen von ihren Elektroleitungen geschält haben, auf einen Herd, den Kühlschrank, den Computer, das Handy oder sonst was verzichtet haben. Die Menschen die es in unseren Breiten schaffen völlig ohne Kunststoff zu leben kann man vermutlich an einer Hand abzählen und die sind dann vermutlich nicht mehr in der Lage einem "normalen" Leben nachzugehen. Ohne Kunststoff gibts keine Steckdosen, keine Leitungen, kein Internet, kein Telefon und und und.

Ich mag Kunststoff als Werkstoff auch nicht sonderlich und versuche ihn zu vermeiden wo ich kann, gerade bei Trinkflaschen etc. aber die Anforderungen der heutigen westlichen Welt machen ihn nunmal unentbehrlich. Ich denke es bringt mehr zu vermeiden wo man kann. Das Einzige das der Umwelt wirklich hilft ist Verzicht, aber das will dann wieder keiner hören...

Mus
18.06.2014, 11:02
Zunächst mal: Die Story mit der Familie hört sich doch sehr nach billiger Fernseh-Reality-Show-Effekthascherei an.


Anfangs wurde die Wohnung von allen Kunststoffen befreit Auch die Lichtschalter, die Dämmstoffe in Wand und Decken, die Türfugen, die Leitungsisolationen,.....?:o

Zu der Frage nach Outdoor ohne Kunststoff kann ich dir konkrete Beispiele aus den letzten 100 Jahren liefern. Da muss ich nicht bis ins 18 Jhd oder gar ins Mittelalter zurückgehen:
Mein Papa war begeisterter Pfadfinder und wie viele andere aus seinem Stamm im Sommer ständig auf Achse. Mit der Ausrüstung die ich beschreibe war er bis zum Nordkap und bis Süditalien und auf der Zugspitze.

Klamotten: ganz normal, damals normal nämlich: kurze Hose (wahrscheinlich Baumwolle), kariertes Hemd (auch Baumwolle), handgestrickter Wollpulli, Segeltuchjacke, "Gewitterverteiler" aus Filz, billige Segeltuchschuhe (nix Wanderschuhe, Lederstiefel,...), handgestrickte Socken. Ob er damals schon in den Genuss von Unterwäsche aus Baumwolljersey gekommen war, oder das noch die Zeit der handgestrickten Wollwäsche war, weiß ich nicht genau.

Ausrüstung: Ein sackschwerer Baumwoll-Armee-Rucksack (den ich noch lange getragen habe) mit Metall und Lederbeschlägen und Verschlüssen, ein ausgemussterte Armee-Baumwoll-Zeltbahn, Tüddelschnur, eine Wolldecke und gaaaaaanz wichtig: das Pfadfindermesser! Streichhölzer und eine Kerze. Später gab es vereinzelt welche mit Taschenlampe, wow! Alukochgeschirr und Feldflasche (ebenfalls Begleiter meiner eigenen ersten Outdoorversuche, das Zeug schmeckt widerlich!)

Verpflegung: Ein großer Laib Schwarzbrot und eine Salami für die weiteren Einzeltouren. Verpflegungs- und Fahrtkostenbudget pro Tag: eine Mark.
Auf gemeinsammer Fahrt: Zucker, Mehl, Haferflocken, Kakao.


Tiefhängende Äste ersetzen die Zeltstangen, trockenes Reisig und Laub die Isomatte und die fehlende Schlafsackisolierung. Jugendliche Toleranz die fehlende Wechselwäsche und Kosmetikartikel. Ein gesunder Magen und das Nichtwissen um die diversen Krankheitserreger das Schleppen von Wasservorräten oder eines Filters. Das kleine Feuer den Kocher. Forellen, Kartoffeln, Himbeeren, Pflaumen,....halt so längs des Weges zu finden war und auch mal das eine oder andere Butterbrot und Milch von einem großzügigen Bauern die aufwändig verpackten Outdoorvorräte.
Sie waren jung, gesund und anspruchslos, sie hatten kein Geld und wollten die Welt sehen. Das konnten die meisten Bauern und Förster offensichtlich verstehen, so lang sich das Ganze in Grenzen hielt. Und sie waren sehr leidensfähig, was Kälte, Hunger, Blasen, schwere Rucksäcke,... anging. Und es war eine tolle Zeit, die auch heute noch die Augen zum Leuchten bringt.
Der einzige Kunststoff? Der Deckel der Feldflasche.
Aaaaaber: Wer würde das heute in dieser Form noch tollerieren? Wo wären die Jugendlichen, die bereit wären mit so wenig Komfort klar zu kommen? Wo die, die den Grenzgang wirklich verantwortungsbewusst hinbekommen? Und auch damals hat das eigentlich kein Erwachsener so gemacht, die sind halt in eine Günstige Pension oder ein günstiges Wirtshaus gegangen oder haben notfalls beim Bauern geklopft und gekauft was sie brauchen. Und so wie wir, mit Familie unterwegs, war es undenkbar.

Von daher bin ich ganz froh, dass ich meinem Papa, wenn er mal wieder verständnislos fragt: "Warum tut ihr euch das an, mit den Kindern? Ihr habt doch das Geld für eine Ferienwohnung!" unsere ganze (Kunstoff-)Ausrüstung zeige, worauf hin er sie versonnen betrachte und etwas sehnsüchtig meint: "Na das ganze Zeug hatten wir damals natürlich nicht. Wenn wir das gehabt hätten......."

Also: Es ging auch ohne Kunststoff und ohne Expeditionsequipage zumindest bis vor einige Jahrzehnte. Ich bezweifele, das es heute noch geht vor Allem für jemanden der nicht mehr jung genug ist um unbekümmert seine Gesundheit zu strapazieren.

Torres
18.06.2014, 11:09
Winter finde ich übrigens ziemlich einfach. Man wird nicht nass, so dass man Naturmaterialien nutzen kann, z. B. Wolle oder Baumwolle. Kunststoffe sind teilweise nicht Kältefest und man braucht sie auch nicht unbedingt, da die Lebensmittel sowieso einfrieren.

Katun
18.06.2014, 11:12
unsere ganze (Kunstoff-)Ausrüstung zeige, worauf hin er sie versonnen betrachte und etwas sehnsüchtig meint: "Na das ganze Zeug hatten wir damals natürlich nicht. Wenn wir das gehabt hätten......."


Mein Opa hat mich ausgelacht, als er das Hilleberg im Garten sah. Was das für ein mickriges Zelt sei und was für unmögliches Material, Baumwolle hat das zu sein, Cotton eben.

Torres
18.06.2014, 11:40
Und wenn man mit deWaard-Besitzern spricht, deren Zelt schlappe 32 Jahre alt ist und wie neu aussieht (oder man einen fragt, ob das Zelt neu sei und er sagt: "Ja, erst 15 Jahre"), kommt man ins Grübeln....;-)

Scrat79
18.06.2014, 12:10
Und wenn man mit deWaard-Besitzern spricht, deren Zelt schlappe 32 Jahre alt ist und wie neu aussieht (oder man einen fragt, ob das Zelt neu sei und er sagt: "Ja, erst 15 Jahre"), kommt man ins Grübeln....;-)

Klar, dass das länger hällt. Da muss die Natur auch das zehn- bis zwanzigfache an Masse "verdauen". :bg:

Gamba
18.06.2014, 14:21
Da ist ja schon ganz schön was zusammen gekommen, danke. Werde mich da mal durcharbeiten.

Anscheinend sind die Leute früher viel Leidensfähiger gewesen, wahrscheinlich auch weil sie keine andere Wahl hatten.
Heute sind die Leute ja schon am jammern, wenn die Temperatur mehr als 5°C von der Wohlfühltemperatur von 20°C abweicht.
Bei einem Regenschauer einfach unterstellen und warten ist auch nicht mehr drin, es muß ja immer weiter gehen und zwar sofort... Wir haben doch keine Zeit:roll:

Also möglich scheint es zu sein, aber nur mit Abstrichen bei Komfort. Ultraleicht ist auch definitiv nicht drin;-)
Hat vielleicht noch einer einen Tipp für ein Baumwollzelt für 1-3 Leute, die scheint es ja nur in Gruppengröße zu geben.





Auch die Lichtschalter, die Dämmstoffe in Wand und Decken, die Türfugen, die Leitungsisolationen,.....?:o



Ne, natürlich nicht. Es wurde nur da entfernt wo es möglich ist, selbst den Kühlschrank durften die behalten.
Ich hab den Film mal rausgesucht:

http://www.ardmediathek.de/tv/Reportage-Dokumentation/Das-Experiment-Leben-ohne-Plastik/Das-Erste/Video?documentId=15938762&bcastId=799280

Ich hatte damals eigentlich gedacht den gleichnamigen Film mit Moritz Bleibtreu sehen zu können:bg:

cast
18.06.2014, 15:09
Anscheinend sind die Leute früher viel Leidensfähiger gewesen,

Ja, und sind nicht so alt geworden.

Ich möchte bei einigermaßen gesunden Knochen wenigstens das Durchschnittsalter erreichen, mit kaputten Bandscheiben, Rheuma und dergl. wird das nicht so viel Spaß machen.

Die heutige Campausrüstung ist einzig dem Gewicht und einem gewissen Komfort geschuldet, sonst gibts es kaum einen Grund Kunststoff dabei einzusetzen.

Man könnte es natürlich auch wie die ersten Expeditionen machen, Träger oder Tragtiere engagieren....

Torres
18.06.2014, 15:14
Zum einen hatte man keine andere Wahl, das ist richtig. Zum anderen war das Lebenskonzept ein anderes. Es gab weniger Freizeit als heute. Meine Oma ging einmal im Jahr in die Stadt und da wurde gekauft, was gebraucht wurde. Einkaufen war Zeitvergeudung. Also mussten die Sachen halten. Joghurtbecher, als es sie dann gab (vorher hat man das selbsts gemacht) waren wertvoll und wurden aufgehoben. Zu den Kindheitserfahrungen gehörte Langeweile. Elende, furchbare, zähe Langeweile, in der man nichts anderes machen konnte, als sich bewegen: Kicken, Klettern, Buddeln, Handstand, Klimmzüge und was sonst noch. Dann Holzöfen oder Kirschkerne im Bett statt einer Heizung. Klar wächst man da anders auf.
Edit: Und da hat cast dann auch Recht: Man wurde eben nicht so alt wie heute, vor allem, wenn man körperlich arbeiten musste.

Ich denke dennoch, dass der heutige Mensch das genauso kann, sofern er körperlich/motorisch fit ist. Die Frage ist, ob es Spaß macht, wenn man weiß, dass es viel einfacher gehen würde. Da bedarf es eben einer besonderen Motivation.

Fritsche
18.06.2014, 15:37
Ich denke dennoch, dass der heutige Mensch das genauso kann, sofern er körperlich/motorisch fit ist. Die Frage ist, ob es Spaß macht, wenn man weiß, dass es viel einfacher gehen würde. Da bedarf es eben einer besonderen Motivation.



Ich möchte das nicht nur auf der körperlichen Ebene angesiedelt sehen. Vieles, viel mehr als man gemeinhin glaubt, hat mit Disziplin zu tun. (Angebliches) Körperliche(s) Unvermögen (und dazu gehört auch die Angst vor Versehrtheit) erscheint mir zu oft als willkommene Ausrede.

An Disziplin mangelt es allenthalben. Jetzt zu dozieren, dass das früher anders war, wäre käsig, also lass ich das mal. Sicherlich gab es Unterschiede in der Motivation. Wo heute Selbstverwirklichung und "Fun" fast ausschließlich regieren, gaben früher noch andere Punkte den Ton an. Du sprichst die Langeweile an, mag sein (Outdoor als Vermeidungsstrategie von Hospitalismus?). Aber auch aus heutiger Sicht weniger ehrenwerte Gedanken wir Erhaltung der Wehrhaftigkeit etwa.




Edit: Und da hat cast dann auch Recht

natürlich, cast hat immer recht :bg:

cast
18.06.2014, 15:57
Das ist paragraph 1 der Forenregeln und §2, wenn er mal nicht Recht hat tritt automatisch § 1 in Kraft.:baetsch:

Chouchen
18.06.2014, 15:59
Kurzer Zwischenruf: Rheuma zu bekommen hat überhaupt nichts mit einem Zuviel an kalt, nass oder körperlicher Anstrengung zu tun.

Fritsche
18.06.2014, 16:20
Kurzer Zwischenruf: Rheuma zu bekommen hat überhaupt nichts mit einem Zuviel an kalt, nass oder körperlicher Anstrengung zu tun.

Genau! genau sowas läuft bei mir unter



(Angebliches) Körperliche(s) Unvermögen (und dazu gehört auch die Angst vor Versehrtheit) erscheint mir zu oft als willkommene Ausrede.


Die Liste geht auch länger: von Zugluft wird man krank, vom Sitzen auf nassem Boden bekommt man Hämorrhoiden, von Kälte bekommt man Erkältung usw....

Sicherlich sind einige der heutigen "gesicherten" medizinischen Erkenntnisse irgendwann in dieser Liste zu finden...

Trapper
18.06.2014, 16:25
Hierzulande ist es dem "Zeitgeist" geschuldet sich möglichst "UL" und mit Hightech in die "schrecklich feindliche" Natur zu begeben und dann Berichte über die "Heldentaten" im Netz zu verbreiten. In den skandinavischen Länder(aber auch in D) ist eine etwas andere Bewegung entstanden, die versucht wieder näher an das Naturverstehen anzuknüpfen. "Friluftsliv" versucht nicht zuletzt auch wieder alte Gewerke zu vermitteln und so ein Teil der nötigen Ausrüstung selber mit einfachen Mitteln und natürlichen Materialien möglichst schonend herzustellen. Das diese schlechter funktionieren kann ich wirklich nicht feststellen. Durch das "Selbermachen" beginnt die Reise aber schon viel früher und intensiver. Es ist halt eine andere Lebenseinstellung...
Beispiel zb. hier:http://naturligt-ute.se/pdf/sovsacksbygge.pdf

cast
18.06.2014, 16:43
Kurzer Zwischenruf: Rheuma zu bekommen hat überhaupt nichts mit einem Zuviel an kalt, nass oder körperlicher Anstrengung zu tun.

Okay, kein Rheuma sondern erhöhter Verschleiß in Knien und Bandscheiben. Deformation von Knochen usw.

Die Damen und Herren in former times hatten auch gern mal eine Lungenentzündung auf Grund von Überanstrengung und Nässe/Kälte.
Was gibts z.B. vom sitzen auf nassen, kalten Untergründen? richtig Blasenentzündungen, Nierenbecken Entzündungen und andere hübsche Sachen.

Torres
18.06.2014, 17:10
Die Damen und Herren in former times hatten auch gern mal eine Lungenentzündung auf Grund von Überanstrengung und Nässe/Kälte.

Ich, zum Beispiel. Insofern gibt es durchaus neuartige Materialien, die ich als sehr hilfreich und sinnvoll empfinde. Es gibt aber auch bewährte Materialien, die zu Unrecht in Ungnade gefallen sind, z.B. aufgrund modischer oder weltanschaulicher Aspekte. Da zähle ich zum Beispiel Loden oder Lederhosen dazu, Pelz ebenfalls.

Edit: Wobei ich mich nicht den former times angehörig fühle, sondern eine mit Dominiks Schilderung vergleichbare Phase des naturnahen Lebens hatte ;-)

qwertzui
18.06.2014, 17:54
Einige der Naturmaterialien sind definitiv zu unrecht in Verruf geraten. Das von Torres erwähnte Loden gehört auf jeden Fall dazu. Als ich während einem Ausflug zu einem Gletscher in Kaschmir nach stundenlangem Nieselregen in meiner Schrottplastikjacke (vor Goretex und co.) mit den Zähnen klapperte, legte mir der einheimische Bergführer seinen Zauberumhang um: unvergesslich! Winddicht, wasserdicht, atmungsaktiv, warm. Da der Lodenwollfilz sehr dünn war, wog das ganze Teil nicht mal 1 Kilo. Da er als Bett, Schlafsack, Bivaksack, Pferdedecke, Regenmantel, Wintermantel, Sonnenschutz und was weiß ich nicht alles diente und der Mann für seine Touren kein weiteres Ausrüstungsstück benötigte, würde ich sagen: ganz klar UL oder ist von Euch jemand im Himalaja mit weniger als einem Kilo Ausrüstung unterwegs.

Ach ja einen Haken hat die Sache: Als die gute Fee den Mantel verzauberte, sagte sie: "niemals waschen, sonst ist der Zauber vorbei!"

Fritsche
18.06.2014, 18:06
Ach ja einen Haken hat die Sache: Als die gute Fee den Mantel verzauberte, sagte sie: "niemals waschen, sonst ist der Zauber vorbei!"

Oh ja, als Jugendlicher hat mir mal jemand von ner Ökogemeinde Socken gestrickt. Die haben noch nach Schaf gerochen, recht heftig und waren fettig. Diese Socken habe ich in Skandinavien als Watschuhe benutzt: recht steif waren die, beim Waten kam zwar Wasser durch, aber der Fuß war so fettig, dass er nach dem Waten trocken war.

Ich habe diese Socken 2 Jahre genutzt, natürlich eher in der kalten Jahreszeit oder kalten Gegend, nur in kaltem Wasser ohne Seife gewaschen und auch das nur wenige Male. Gestunken haben sie nie.

Dann kam meine Mutter auf die Idee, sie in die Waschmaschine zu stecken…..es wurden Kindersocken in Supermarktqualität daraus.

cast
18.06.2014, 18:43
Ach ja einen Haken hat die Sache: Als die gute Fee den Mantel verzauberte, sagte sie: "niemals waschen, sonst ist der Zauber vorbei!"

Google mal nach Kotze.

cebewee
18.06.2014, 18:51
Google mal nach Kotze.

Das Hinzufügen des Wortes "Loden" verbessert die Ergebnisse (insbesonder der Bildersuche) erheblich. ;-)

cast
18.06.2014, 20:59
oder einfach Wetterfleck.

Die besten gibts bei Loden Friedl, Hubertus und Jagdhund

Avuton
18.06.2014, 22:39
Nun wo man so zeug bekommt ist Mittelalterliche Märkte / shops, z.b http://www.sued-west.com/Zeltlager/639/
Militärzeug ist immer noch oft aus Baumwolle ect, und Jagdausrüster die habe stark den Loden ect im Sortiment.

Kunststoff ist ja nicht gleich Kunststoff, ich sage nur das aus Kautschuk.

Wenn man wissen möchte wie es früher gemacht würde muss man sich entweder Pilger oder Armeen ansehen. Darüber gibt es die meisten Information. den Reisen war Luxus oder man war so ein Wandergeselle (die haben auch die Info was man dabei haben soll).
Ergo geschlafen würde wo es ging und trocken war Von der Gaststätte oder Kirche (Pilger) bis zu irgendwelchen Höhlen. Zelt hatte in der Regel kaum einer dabei. Zu schwer, zu teuer und wenn waren so dackelhütten ala die der BW..die kenne ich noch angenehm schlafen sieht anders aus :).
Und bis ins 19jhr ist keiner aus so aus der freund durch die Gegend gewandert, das hatte immer ein Ziel, bzw Grund (mal wieder ein Krieg z.b ). Ja erst durch die Industrialisierung /Verstädterung der Bevölkerung trat das Phänomen auf. Man muss nur sehen wann die Wandervögel ect entstanden sind, da ging es auch den Kindern noch mal ein Stück Natur und mal frische Luft zu zeigen. Unsere Städte heute sind ja reinste grüne Dschungel gegenüber der Städte früher.

Und Schuhe hatten auch viele oft auch keine...kann man sich auch angewöhnen barfuß zu laufen ging ja gut paar 100k Jahre :). Aber klassische gute Lederschuhe sind immer auch genagelt. Damit kann recht gut auch über Stein und Asphalt gehen.

Was man aber früher auch mehr hatte war eine andere Art der Gastfreundschaft, verschlossen Heuschober ect gab es kaum oder gar nicht. War nee andere Zeit und für Kinder oft auch einfacher.

blitz-schlag-mann
19.06.2014, 07:25
Hierzulande ist es dem "Zeitgeist" geschuldet sich möglichst "UL" und mit Hightech in die "schrecklich feindliche" Natur zu begeben und dann Berichte über die "Heldentaten" im Netz zu verbreiten. In den skandinavischen Länder(aber auch in D) ist eine etwas andere Bewegung entstanden, die versucht wieder näher an das Naturverstehen anzuknüpfen. "Friluftsliv" versucht nicht zuletzt auch wieder alte Gewerke zu vermitteln und so ein Teil der nötigen Ausrüstung selber mit einfachen Mitteln und natürlichen Materialien möglichst schonend herzustellen. Das diese schlechter funktionieren kann ich wirklich nicht feststellen. Durch das "Selbermachen" beginnt die Reise aber schon viel früher und intensiver. Es ist halt eine andere Lebenseinstellung...
Beispiel zb. hier:http://naturligt-ute.se/pdf/sovsacksbygge.pdf
Die skandinavischen UL-Blogs hast du sicherlich noch nicht gesehen, oder? Ich für meinen Teil bin froh über meine Plasteklamotten.

Viele Grüße
Ingmar

Tornado
19.06.2014, 09:14
Mich stört, neben den problematischen Eigenschaften von KuSto wie z.B. den Gehalt an BPA, vor allem die vermtl. gewollte Obsoleszenz vieler Produkte. Sei es nun im Outdoorbreich oder anderswo. Dies betrifft sehr häufig auch KuSto.
Weichmacher raus, knack, kaputt.
Natürlich gibt es viele Anwendungsbereiche wo KuSto nicht ohne weiteres zuersetzen ist.
Wo dies aber sinnvoll möglich ist, habe ich viele Produkte aus KuSto, gegen langlebige, stabile Produkte ersetzt.
Sei es nun im Bereich der Bekleidung, Wolle statt Plastik. Oder im Bereich Küche (drinnen und draussen), habe ich so gut wie alle Kusto ersetzt.
Allerdings habe ich zu modernen Zelten und Regenjacken noch keine vernünftige Alternative gefunden. Mit steifem, echtem Ölzeug möchte ich nun nicht herumlaufen.

cast
19.06.2014, 15:22
Mit steifem, echtem Ölzeug möchte ich nun nicht herumlaufen.

Schau dir mal die Filson Produkte an. Wolle, Baumwolle, zum Teil wasserdicht geölt. Wenn es einen nicht stört, daß man durchs schwitzen innen nass wird, halten die 100 Jahre und tragen sich doch recht angenehm und bekommen sogar noch einen schöne Patina. Zum Thema Obsoleszenz. Plastik wird nur alt und häßlich.
Oder Rucksäcke/Taschen von Frost River.
Muß es ein geschlossenes Zelt sein?, je nach Umgebung tut es auch ein Baumwoll Tarp.

Bei Loden sollte man aufpassen, da wird auch gerne mal Plastik reingemischt und das hat nichts mit dem Verkaufspreis zu tun.

Trapper
19.06.2014, 15:29
Die skandinavischen UL-Blogs hast du sicherlich noch nicht gesehen, oder?
Ja, kenne ich einige! Auch in Schweden gibt es halt wie überall verschiedene Menschentypen!

Ich für meinen Teil bin froh über meine Plasteklamotten.
Da freue ich mich für dich, wenn du zufrieden bist und hoffe das du sie umweltverträglich entsorgst.:grins:

blue0711
19.06.2014, 16:01
Zielt man nur auf den okölogischen Aspekt ab, ist meiner Meinung nach der halbwegs richtige Weg (einen wirklich richtigen gibt es ohnehin nicht) die Nutzungsdauervon Gebrauchsgegenständen soweit es geht zu verlängern wenn nötig durch häufige Reparatur) - egal aus welchem Material sie gefertigt sind.
Die Problematik wird erst eine solche durch den verschwenderischen und geistlosen Umgang mit Bedarfsgegenständen, ob vor oder hinter der Tür.Im Endeffekt entscheidet die gesamte Ökobilanz, nicht das kurzsichtige Image.


wie heißt's so schön bei Werkstofflern: "Wer Kunststoff kennt, nimmt Stahl." :bg:
Da täusch Dich mal nicht.
Kunststoffe im Bauwesen ist ein Forschungsbereich bei einem meiner Kunden.
Stahl ist dagegen ökologisch völlig daneben.


Nun ist es ja so, daß die Kunststoffe ansich ja nicht gerade gut für die Umwelt sind. Zum einen verrotten sie nicht, zum anderen wird zur Herstellung ordentlich Chemie eingesetzt. Auch wenn z.B. Kleidung "umweltfreundlich" aus alten PET-Flaschen hergestellt wird, heißt das lange noch nicht, daß sie auch frei von Schadstoffen ist.
Wenn man so liest, was an giftigen Chemikalien allein aus Gore-Tex, über die Waschmaschine ins Meer und damit in die Nahrungskette gelangt, sollte man ins grübeln kommen.Das kann man so nur glauben, wenn man allen Ernstes dem falschen Image aufsitzt, Naturstoffe seien per se ungefährlich und unbedenklich.
Da gibt es zwei Fehler:
a) Die Natur kennt Gifte schon länger als es den Menschen gibt
b) Wo bekommt man überhaupt noch wirklich naturbelassene Materialien

Und eigentlich noch ein dritter Fehler:
Was ist ein Kunststoff?
Gehören Seife, Alkohol, und Joghurt auch dazu? Sind auch nur verfahrenstechnisch hergestellte Kunstprodukte.


Dabei gehts mir nicht nur um die Nachhaltigkeit, sondern auch um das Material selber.Nachhaltigkeit ist aber letztlich die entscheidendere Größe.


Wo ich drauf hinaus will, man geht raus um die Natur zu genießen und hat nur Erdöl und Chemie an und dabei.a) Kunststoffe sind mitnichten alle aus Erdöl. Das ist nur EIN Rohstoff und das ist nicht zwingend.
b) Chemie ist viel mehr als nur Kunststoff (wie gesagt: Seife usw.)


Und nein Nudismus ist keine Alternative für mich;-)Der wird aber die einzige konsequente Lösung sein. Zusammen mit Umstieg auf Sammler-Ernährung.
Du wirst dann allerdings höchstwahrscheinlich mit einer extrem verkürzten Lebenserwartung leben müssen.

Alles andere ist immer ein Kompromiss.

Meiner sieht derzeit einen vollständigen Verzicht auf Naturprodukte bei der Ausstattung vor.

cast
19.06.2014, 16:22
Das wirkliche Problem bei den modernen Produkten ist das Thema Obsoleszenz.

Die meisten Kunststoffe halten nun mal nicht so lang und hinzu kommt das Marketing, daß den Leuten einredet, daß Omo diese Jahr noch weißer wäscht.

Robuste Baumwoll- oder Wollbekleidung, traditionell gefertigt hält nun mal länger und auch Reparaturen sind einfacher und werden deswegen gemacht.
Genau da gibts ja auch eine Bewegung, die bewußt Bekleidung sucht, die fern ab des Mainstream auf Tradition setzt und dadurch die Umwelt schont. Beispiel Jeans und der Unsinn der künstlichen Zerstörung. Dazu gehört aber auch, daß Baumwolle nicht von den Feldern stammt, die die Umwelt mehr gefährden als eine ordentliche Kufa Produktion.

Im Outdoorbereich nicht so einfach zu verwriklichen da dort Gewicht eine Rolle spielt.

blue0711
19.06.2014, 17:22
Das wirkliche Problem bei den modernen Produkten ist das Thema Obsoleszenz.Welche meinst Du?

Kompatibilitätsprobleme gibt's ja eher nicht. Mode ist indviduell ignorierbar. Auch KuFa-Klamotten sind reparierbar, bei der Haltbarkeit bin ich bislang auch überzeugt bzgl. meiner Nutzungszyklen.
Und geplante Obsoleszenz halte ich zum großen Teil für eine Verschwörungstheorie.

cast
19.06.2014, 17:59
Welche meinst Du?

Schau dir doch mal an was der Markt ständig an Neuheiten bietet, irgendwer wird es doch auch kaufen und das sind sicher nicht nur newbies die das erste mal kaufen und diejenigen die Ersatz schaffen müssen.

Natürlich gibts geplante Obsoleszenz, die Glühbirne ist das ewige Beispiel, eingebaute Akkus in Elektronik, die nicht wechselbar sind ein anderes und ich bin zutiefst überzeugt, daß künstlich verschlissene Jeans auch dazu gehören und es gibt sicher noch andere, von denen wir kaum was ahnen.

blue0711
19.06.2014, 18:12
Nicht wechselbare Akkus hat der Markt aber zB sehr schlecht angenommen, also kann der Kunde da doch anders (Ich hab nur ein Gerät damit: Einen uralten IPod).

Wechselnde Produktlinien funktionieren nur, wenn Mode funktioniert und Mode ist per se mit Ökologie nicht vereinbar (Der Zustand eines Kleidungsstücks muss über seine Tragbarkeit entscheiden, nicht die gegenwärtigen Styleregeln - bewusst nicht Stil). Was die allerdings in Outdoor verloren hat, konnte mir noch niemand erklären, also warum gehen die Leute so verschwenderisch mit den Klamotten um?
Nur, dass es im Laden neues zu kaufen gibt, kann ja nicht der Grund sein ;-)

Ich hab meine Outdoorklamotten, bis sie vollständig kaputt sind und das dauert (Übrigens mit KuFa deutlich länger als vorher mit BW).

cast
19.06.2014, 19:31
Nicht wechselbare Akkus hat der Markt aber zB sehr schlecht angenommen

:hahaa:


Ja klar zeigt sich deutlich an den Verkaufszahlen des Eierphones.

Neukauf hat bei vielen nichts mit Mode zu tun. Die wollen einfach das neueste.

und wenn Kufa längert hält als BW hat das was mit der Baumwolle zu tun, oder mit der Kufa, je nachdem.

und ehrlich gesagt, Regenzeug und Kufa okay, alles andere kann vom Komfort nicht mit Naturfaser mithalten.

blue0711
19.06.2014, 19:41
Ja klar zeigt sich deutlich an den Verkaufszahlen des Eierphones.Apple ist ein schlechtes Beispiel. Die ganze Firma funktioniert zu >95% über Style.
Andere haben das auch versucht und es wurde dort eben nicht so akzeptiert. neuere Modelle haben wieder tauschbare Akkus.


Neukauf hat bei vielen nichts mit Mode zu tun. Die wollen einfach das neueste.Naja, was ist denn Mode anderes als immer das neueste haben zu wollen? Ich meine Mode, nicht Stil.


alles andere kann vom Komfort nicht mit Naturfaser mithalten.Sehe ich genau andersrum, ich fühle mich in KuFa wesentlich wohler, ist also individuell und Geschmackssache.

lina
19.06.2014, 19:44
Naja, was ist denn Mode anderes als immer das neueste haben zu wollen? Ich meine Mode, nicht Stil.

Mode ist ein Vorschlag, Stil das, was der Träger daraus macht?

Geräte passen hier nicht so rein, manchmal muss man die auch erneuern, weil die alte Software nicht mehr supported wird.

cast
19.06.2014, 20:00
Es geht bei den Geräten um die Idee der Hersteller. Geplante Obsoleszenz, Software ist ein Teil davon.

Mode ist ein weiter Begriff, Klamotten um dazuzugehören ein anderer.

Wenn du dich in Kufa wohler als in Naturfasern fühlst bist du ein seltenes Exemplar.

Materialhersteller investieren Riesensummen in die ständige Entwicklung von Kufa hin zu Eigenschaften die Naturfasern schon können.

blue0711
19.06.2014, 20:04
Naja, bei Geräten liegt der Support aber meistens im Bereich der Lebensdauer.
Ich tausche auch meine Geräte idR erst, wenn sie nicht mehr funktionieren, übrigens auch meine Smartphones (und ich war bei den ersten dabei, die so ein Ding genutzt haben) Fehlender Support war für mich noch nie ein Grund.

Und für Stil braucht man nix neues, für Mode schon.

Das Material ist bei den Modeorgien ja letztlich auch völlig egal, solange es der Hersteller schafft, mit dem Material die nötige Umsetzung von Preis-Gewinn-Verhältnis zu schaffen.
Welche besonderen neuen Funktionen sollen denn die jährlichen Neuschöpfungen der Outdoorklamotten haben?
Ich seh da nix.

Es ist nicht das Material, es sind nicht die Hersteller, es ist IMHO der Umgang mit den Ressourcen durch den Endverbraucher.

Ob ich nun Öko-Baumwolle aus fairem, kontrolliert-biologischem Anbau und europäischer Verarbeitung jedes Jahr in den Ausschuss gebe oder Kunstfasern - Ökologisch ist das beides ne Katastrophe.

Fletcher
19.06.2014, 20:19
Ich habe die Erfahrung gemacht das Klamotten mittlerweile auch eine geringere Lebensdauer haben. Jahrelang das gleiche Produkt verwendet und doch ist es seit einiger Zeit nur noch miese Qualität.

Zu Kunststoffe im Outdoorbereich lässt sich mMn. eigl nur bei Klamotten gleichwertig oder besser ersetzen. Denn Naturprodukte, oder das was man allgemein dafür hält, sind einfach schwerer bei gleichwertiger physikalischer Eigenschaft.
Und daher: Alles ist machbar und sicherlich auch praktikabel... mit Packpferd zum Beispiel.

blue0711
19.06.2014, 20:20
hin zu Eigenschaften die Naturfasern schon können.Welche Eigenschaften können denn Naturfasern OHNE massive chemische und mechanische Bearbeitung?
Das ist doch immer der Trugschluss.

IMHO hat kaum jemand, der Baumwolle oder Wolle trägt, WIRKLICH eine Naturfaser im eigentlichen Sinne auf der Haut. Das Zeug ist doch alles stark weiterbearbeitet. Insgesamt ist der Ressourcenverbrauch bei den "Naturfasern" dadurch oft höher.

Selbst im Alltag: Wolle kratzt bei mir, egal welche Qualität, und Baumwolle wird nach kurzer Tragezeit brüchig (neben den ekelhaften Eigenschaften bei Hitze). Beides mag meine Haut gar nicht (ich bin KEIN Allergiker).
Bei Alltagsklamotten ist es zwar weitaus schwieriger, KuFa einzusetzen und die Teile sind deutlich teurer (vor allem ansehnliche Hemden und Hosen), aber es geht.
Wenns nicht auf die Haut geht, ist es mir egal, aber Jacken und Co überleben bei mir Jahrzehnte.

Auf die Art und Weise glaube ich, einen besseren Effekt auf die Ökobilanz meiner Ausrüstung zu erreichen als durch die Auswahl nach imagebedingt vermuteter besserer gesundheitlicher Verträglichkeit des Materials.

Fletcher
19.06.2014, 20:26
...
Wenns nicht auf die Haut geht, ist es mir egal, aber Jacken und Co überleben bei mir Jahrzehnte.

...

Ich hab Wollshirts im tägl. Gebrauch die mittlerweile 5 Jahre+ alt sind, okay ich wasch die meist von Hand...

cast
19.06.2014, 21:11
Das Zeug ist doch alles stark weiterbearbeitet.

Nö, nicht alles, ist aber leider eine Frage des Preises.

Wolle kratzt, Merinowolle nicht.


Im übrigen habe ich den Eindruck, daß du manches ausblendest.

Bis der Liter Rohöl in die Produktion geht und irgendwann Kufa draus geworden ist, ist schon eine derartig schlechte Umweltbilanz entstanden, daß Naturfasern da deutlich weniger Probleme machen.


und Baumwolle wird nach kurzer Tragezeit brüchig

Vielleicht mal das Waschmittel wechseln, ODER vernünftige Qualität kaufen und ja das ist i.d.R. teurer.

Jeans für 200€ tun beim ersten Mal weh.:grins:

blue0711
19.06.2014, 21:40
Wolle kratzt, Merinowolle nicht.Da gibt's bei mir keinen entscheidenden Unterschied.
Ich hab einen Merinopullover. Den ertrage ich auf der Haut maximal 1h. Da darf ich dann aber nicht schwitzen.


Im übrigen habe ich den Eindruck, daß du manches ausblendest.Ich blende schon mal nicht aus, dass in den meisten Naturprodukten ganz schön viel Chemie und auch Kunststoff steckt.


Handwäsche? Hmm, da geht aber für denselben Wascherfolg eine Menge mehr Wasser und Waschmittel den Bach runter. Ob da dann noch die Ökobilanz der tollen Wolle stimmt?

Ich weiß nicht, ich hab eigentlich den Eindruck, dass ich nicht so arg viel ausblende, wenn ich das Ausgangspostulat der guten Naturfaser und der schlechten Kunstfaser nicht so stehen lassen kann.
Soweit mein Kenntnisstand ist, überholt Polyester nach wie vor selbst die beste Bio-Baumwolle in der Ökobilanz.

cast
19.06.2014, 21:53
Ich kenne Ökobilanzen da steht ein Hummer H2 besser da als ein Toyota Prius, es kommt immer drauf an WER gerade rechnet.
Nichts destotrotz wirst du jetzt den Hummer hoffentlich nicht als die ideale Ökolösung ansehen.


Ich blende schon mal nicht aus, dass in den meisten Naturprodukten ganz schön viel Chemie und auch Kunststoff steckt.

Das liegt am jeweiligen Produkt.
Du generalisierst zu sehr wenn es um Naturfasern geht und redest Kufa schön.
Ich werde das Gefühl nicht los, daß deine Vorstellungen auf einer Veganerseite entstanden sind.

blue0711
19.06.2014, 22:00
Ich werde das Gefühl nicht los, daß deine Vorstellungen auf einer Veganerseite entstanden sind.:hahaa: Der war gut.
Zwischen mir und Veganern liegen unüberwindbare Weiten.

Torres
19.06.2014, 22:03
Ich fand es eigentlich netter, einfach mal zusammenzutragen, welche Kleidung oder Fasern nicht aus Erdöl bestehen und mal zu schauen, was man machen kann und wo die Probleme liegen. Dass der eine dann mit Wolle nicht klar kommt, der andere mit Kunstfaser nicht klar kommt, mag sein. Ich habe noch uralte Bettwäsche von meiner Großmutter und ich muss sagen, dass die sich immer noch toll waschen lässt und anfühlt. Es gab auch mal eine Zeit, da hat man die Nachthemden als Hemd getragen, die sich in alten Bauernhäusern auf dem Speicher fanden. Das war auch ein tolles Material. Ganz steif und fest. War das Leinen? Da gab es Antiquitätenhändler, die sind extra deswegen herumgereist.

Bei einigen Sachen finde ich natürlich auch die Kufabeigabe gut. Ein Elasthan Anteil bei Baumwolle ist immer ganz angenehm für den Tragekomfort. Dass wir uns natürlich von einer chemischen Umwelt nie komplett frei machen können, ist klar, aber deshalb kann man ja mal weiter denken, was es so alles noch gibt.

blue0711
19.06.2014, 22:16
Man könnte auch Naturrohstoff-Kunstfasern aufzählen, wie zB. Viskose und im Outdoorbereich nutzbar, weil recht robust: Lyocell (nebenbei auch noch recht umweltfreundlich in der Herstellung).

cast
19.06.2014, 22:25
, aber deshalb kann man ja mal weiter denken, was es so alles noch gibt.

Das ist meistens leider ein Preisproblem weswegen es nicht massentauglich ist.
Trotzdem ist es mir rätselhaft wieso man gerne Kufa auf der Haut trägt. Ich habe das Zeug, aber gern?, gern nicht.



War das Leinen?

Meistens.

Wer auf so was steht sollte auf Sterbhus Auktionen bzw Dödsbo Auktionen im Sommer in Schweden achten.
Dort werden komplette Haushalte aufgelöst und in einigen ist die zum Teil bis zu 100 jährige Aussteuer noch vorhanden, handgewebte Wäsche, bestickt und mit handgeklöppelter Spitze. Alte Flickenteppiche usw Diese Auktionen sind ein riesen Spaß.

DNZ
07.07.2014, 11:48
Da gibt's bei mir keinen entscheidenden Unterschied.
Handwäsche? Hmm, da geht aber für denselben Wascherfolg eine Menge mehr Wasser und Waschmittel den Bach runter. Ob da dann noch die Ökobilanz der tollen Wolle stimmt?


ok, aber bedenke, die meisten der User hier wohnen und waschen nicht wirklich in trockenen Gebieten ;)
Natürlich sollte man bei der Produktion vieler Materialien die Problematik nicht ausser Acht lassen. Und auf manchen Berghütten auch nicht.. aber ich vermute, dass die meisten User sich eher Gedanken über den Strom für die Waschmaschine (Kohlekraftwerke?) als über den Wasserverbrauch machen sollten!

Fletcher
07.07.2014, 16:53
OT: Was den Wascherfolg angeht, um Schweiß aus nem Wollshirt zu waschen brauch ich mit Sicherheit weniger Wasser und Waschmittel als ne Waschmaschine. Generell benutze ich ne Waschmaschine nur bei stark verschmutzter Wäsche, aber nicht aus ökologischen Gründen, sondern weil ich keine habe :baetsch:. (Dieses neumodische Zeugs ist alles Teufelswerk :ignore:)
Als meine Alte kaputt ging, hab ich gemerkt, das ich auch gut ohne auskomme.
Die zehn Maschinen im Jahr kann ich auch woanders waschen.

blue0711
07.07.2014, 16:59
Naja, mancher hat dafür weder Zeit noch den nötigen Abstand zur Zivilisation.
2x die Woche läuft das Ding hier mindestens.
Alles andere wäre geschäfts- und sozialschädlich.




Als meine Alte kaputt ging, hab ich gemerkt, das ich auch gut ohne auskomme. Pfrrhuahahahaha :hahaa: YMMD

cast
09.07.2014, 10:45
OT: Was den Wascherfolg angeht, um Schweiß aus nem Wollshirt zu waschen brauch ich mit Sicherheit weniger Wasser und Waschmittel als ne Waschmaschine. Generell benutze ich ne Waschmaschine nur bei stark verschmutzter Wäsche, aber nicht aus ökologischen Gründen, sondern weil ich keine habe . (Dieses neumodische Zeugs ist alles Teufelswerk )
Als meine Alte kaputt ging, hab ich gemerkt, das ich auch gut ohne auskomme.
Die zehn Maschinen im Jahr kann ich auch woanders waschen.

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, daß eine moderne Waschmaschinen mehr Wasser, Waschmittel und Energie verbraucht als eine Handwäsche.

Fritsche
09.07.2014, 11:00
OT: Was den Wascherfolg angeht, um Schweiß aus nem Wollshirt zu waschen brauch ich mit Sicherheit weniger Wasser und Waschmittel als ne Waschmaschine. Generell benutze ich ne Waschmaschine nur bei stark verschmutzter Wäsche, aber nicht aus ökologischen Gründen, sondern weil ich keine habe :baetsch:. (Dieses neumodische Zeugs ist alles Teufelswerk :ignore:)
Als meine Alte kaputt ging, hab ich gemerkt, das ich auch gut ohne auskomme.
Die zehn Maschinen im Jahr kann ich auch woanders waschen.


Als mittlerweile Hausmann und ehemaliger Handwäscher :oldman: bin ich vom Gegenteil überzeugt. Gerade im Wollprogramm wird derart wenig Wasser verwendet, dass ich mich wundere, ob die Wollwäsche überhaupt gänzlich befeuchtet wird.

Problematisch ist dagegen ein Trockner (nicht wirklich überraschend). Und Billigwaschmaschinen, die nach 2 Jahren kaputt gehen und nicht repariert werden können.

Leg dir mal Frau, Kinder und Bürojob zu, dann läuft (muss laufen) die Waschmaschine 5 Mal die Woche.....

Tobby
13.07.2014, 18:40
Problematisch ist dagegen ein Trockner (nicht wirklich überraschend).



Die Sache mit dem Trocker sollte man etwas differenzierter betrachen. Im Sommer kann man seine Wäsche natürlich nach draußen hängen, aber was machs du im Winter ohne Trockenraum?

Wenn ich Wäsche im Winter drinnen trockne, dauert es einige Zeit, bis alles trocken ist. Die Luft riecht dann irgendwann leicht muffig, ich muss ewig und zu viel heizen, um die ganze Feuchtigkeit aus der Wohnung zu bringen. Auch nicht unbedingt ökologisch.

Ingwer
13.07.2014, 18:50
Naja, im Winter muß man sowieso öfter lüften um Schimmel zu vermeiden. Auch ohne Wäsche.
Ansonsten kann eine Waschmaschine mit hoher Schleuderzahl helfen. Bei 1400U/min bleibt nicht mehr viel Wasser übrig in den Klamotten.
Und die genialen Kufa-Klamotten kommen fast schon getrocknet aus der Waschmaschine.

blue0711
14.07.2014, 00:56
Naja, im Winter muß man sowieso öfter lüften um Schimmel zu vermeiden.Der Spruch ist nun fast so super wie "Im Sommer muss man den Keller lüften, damit er trocken wird" :roll:

Beides ist physikalischer Unsinn. Vom Lüften wird es innen feuchter, wenn's innen kälter ist und innen trockener, wenn's innen wärmer ist.

Im Winter hat man daher sowieso eher zu trockene Luft in der Wohnung. Jedes Lüften macht das schlimmer.
Wenn trotzdem Schimmel kommt, hast Du Wärmebrücken, sprich die Wand ist zu kalt (Kondensat), da hilft allerdings lüften gar nix.
Zu häufiges Lüften in kühlen Räumen verstärkt das sogar noch (der typische Schlafzimmer-Gammel).

Sanne74
14.07.2014, 09:26
Die Sache mit dem Trocker sollte man etwas differenzierter betrachen. Im Sommer kann man seine Wäsche natürlich nach draußen hängen, aber was machs du im Winter ohne Trockenraum?


OT: Selbstverständlich kann man seine Wäsche auch im Winter nach draußen hängen, wenn es nicht regnet. Dauert dann eben länger.

blue0711
14.07.2014, 10:01
Ab etwa -1-2° dauert es aber bis zur nächsten Erwärmung.
Und in der Sonne bleichen Naturfasern aus.
Man muss also ganz schön viel Kleidung kaufen, um durch den Winter zu kommen, sofern es einer ist.
Da ist dann die Ökobilanz auch wieder für die Tonne.

Mondieu
15.07.2014, 22:12
Dann gibt es noch den Öztalmann. Er war ein UL-Trekker zu seiner Zeit, und das mit natürlichen Materialien. Kennt jemand die Ökobilanz von Birkenpech ? ;-)

Im Ernst muss man sagen, dass unsere Vorfahren bzw. Naturvölker, die in extremen klimatischen Bedingungen leben, einen großteil ihres Tageswerkes der Pflege, Reparatur und Herstellung ihrer, unter Umständen, sehr hochwertigen Ausrüstung und Kleidung widmeten. Mit Trocknen, Einfetten und ab in den Keller ist es da nicht getan. Da muss schon mehr Zeit investiert werden. Wer überleben wollte musste hochqualitative Werkzeuge zu Hand haben. Der Menschen liebstes Hobby zu jenen Zeiten, war die Ausrüstung zu verbessern, was sich bei heutigen Menschen wenig verändert hat :bg:. Nur damals hat man seine Werktätigkeit immer im Kreis seiner nächsten Verwandten ausgeführt und konnte Mythen und Sagen lauschen.

Letztendlich sollte man sich schon Kleidung aus Naturmaterialien selbst herstellen und Stellen mit besonders hohem Verschleiß mit Plaste oder sonstigem ausbessern...dies sei mein Credo (von dem der sich gerade Plasteschuhe gekauft hat :ignore:, weil ohne Muh drin) .

Der Foerster
16.07.2014, 07:27
Ab etwa -1-2° dauert es aber bis zur nächsten Erwärmung.
Und in der Sonne bleichen Naturfasern aus.
Man muss also ganz schön viel Kleidung kaufen, um durch den Winter zu kommen, sofern es einer ist.
Da ist dann die Ökobilanz auch wieder für die Tonne.

Ich habe noch nie einen Trockner besessen und auch noch nie einen vermisst. Also so zu tun, als ob man zumindest im Winter nicht ohne leben kann, halte ich für etwas übertrieben;-) Nur was hat diese ganze Diskussion mit "Outdoor ohne Plaste zu tun"? :grins:

Kauft euch ne Lederhose, die hat wahrscheinlich die beste Ökobilanz. :bg:

blue0711
16.07.2014, 07:46
Im Prinzip dreht sich das alles um das Eingangs-Postulat:

Nun ist es ja so, daß die Kunststoffe ansich ja nicht gerade gut für die Umwelt sind.
Das in dieser Vereinfachung schlicht falsch ist.

Und der Bezug zum Tragen zuhause ist halt, dass nicht unbedingt jeder (oder eher so gut wie keiner) eine kategorisch nach Outdoor und restliches Leben getrennte Garderobe hat.

Leder? Es ist zwar von der Ökobilanz reichlich egal, ob da Öko draufsteht oder Chromgerbung verwendet wurde, aber schlechter als Faserbekleidung bleibt es aufgrund der Herstellungsprozesse allemale.

Nordman
16.07.2014, 08:34
......
Leder? Es ist zwar von der Ökobilanz reichlich egal, ob da Öko draufsteht oder Chromgerbung verwendet wurde, aber schlechter als Faserbekleidung bleibt es aufgrund der Herstellungsprozesse allemale.

da wäre ich mir nicht so sicher.
die entsorgung von kunststoff-bekleidung hat man ja noch nahezu "im griff" und könnte es sicherlich recyceln,
allerdings verlieren diese beim tragen und waschen unkontrolliert Mikroplastik (http://de.wikipedia.org/wiki/Mikroplastik), welches zunehmend zum problem wird.

Der Foerster
16.07.2014, 13:41
Zumal wenn man die Folgebelastung mit einbezieht. Eine Lederhose aus Hirschleder in Deutschland geschossen, gegerbt in Deutschland nach sämischer Art, geschneidert in Deutschland und dann 10 - 30 Jahre ohne waschen getragen ist sicherlich ziemlich gut von der Ökobilanz. Wenn man dann noch die 2 -6 Stoffhosen mit einbezieht die man deswegen nicht kauft... :grins:
Die Lederjeans mit dem Kunstseidefutter, gegerbt in China und genäht in Pakistan und nach drei Jahren verschlissen sieht da sicherlich anders aus.

Kunststoff ist in der Entsorgung halt meist problematisch. Allerdings mache ich mir da keinen Kopf, viel relevanter sind die Unmengen Plaste die wir täglich verbrauchen. Da fällt die Jacke die 5 Jahre getragen wird nicht wirklich ins Gewicht. Vernünftige Sachen kaufen und die tragen bis sie auseinander fallen, dann ist man nicht so schlecht von der Ökobilanz. Die Jeans aus Bangladesh die nur 6 Monate getragen wird, die ist relevant.

blue0711
16.07.2014, 14:26
Die Lederjeans mit dem Kunstseidefutter, gegerbt in China und genäht in Pakistan und nach drei Jahren verschlissen sieht da sicherlich anders aus.Das ja.

Ich war allerdings echt überrascht, wie wenig die Art der Gerbung (bei gleichen Prodktionsstandards) auf die Ökobilanz Einfluss hat - praktisch gar nicht.

Der Foerster
16.07.2014, 15:03
Wobei in so einer Auswahl wahrscheinlich nicht "Spezialfälle" betrachtet wurden. Dies hier ist die Website der Gerberei Kolesch. Eine der letzten Altsämischgerbereien. Die haben ein Wasserrad wodurch die Energie erzeugt wird. Allerdings kommen die meisten Rotwilddecken aus Neuseeland. Hier in D wird man nicht die ausreichende Menge in ausreichender Qualität bekommen, nehme ich an.
Das Video muss man zwar runterladen, es ist marketingtechnisch verbesserungsfähig und vll auch nichts für schwache Gemüter für die Mittagspause, es ist aber ausgesprochen sehenswert. Hier wird nachhaltig ein langlebiges Material produziert: http://www.gerberei-kolesch.de/VideoDownload/videodownload.html

Ich weiß nun, dass Gerber nicht mein Traumberuf ist, man da schnell mal Finger und Arme verlieren kann (erstaunlich, dass am Gerbermeister noch alles dran ist) und warum einem "die Felle wegschwimmen":grins:

Der Foerster
16.07.2014, 16:40
Hier das selbe Video noch mal (in nicht ganz so guter Quali) bei YT: http://www.youtube.com/watch?v=ycp0n9r32C0

DrDownhill
16.07.2014, 22:06
Hier mal Loden in optisch ansprechender Form und ohne Kunstfaseranteil:

http://www.raffstaff.de

Dominik
16.07.2014, 22:28
Thx für den Link! Gerne mehr davon.

cast
19.07.2014, 11:11
raffstaff ist silikonisierter Loden, und Plastikreissverschlüsse.

So richtig Kunststofffrei stelle ich mir anders vor.

Hanuman
22.07.2014, 17:59
Gut, dann bleiben noch Hirschhornknöpfe. Metall RV halte ich persönlich für Schrott. Die Zähne verbiegen sich und dann läuft's kacke.

blue0711
22.07.2014, 19:03
Und Metall friert an und zusammen.

JonasB
22.07.2014, 19:53
Komplett Plastikfrei macht in der heutigen Welt keinen Sinn. (Oder wollen die Kletterer wieder mit Hanfseilen los?)
Die Idee ist gut und ich verfolge sie für eine Schweden-Wintertour auch, aber ich finde es macht keinen Sinn z.B. bei den Skischuhen auf Gummisohlen verzichten zu wollen.
Eine Jacke oder Hose hingegen kann je nach Ausführung auch ohne Plastik funktionell sein. Bei Reißverschlüssen oder Nähgarn würde ich aber nicht auf Kunststoff verzichten wollen. Wenn ich mir meine Wollwalk Jacken anschaue, ist dort inzwischen auch eben bis auf diese beidem Komponenten kein Kunststoff mehr drin.

wegener
25.07.2014, 11:40
Wenn man meint, dass Kunststoff irgend etwas schlechtes wäre sehe ich es so:

Outdoor ohne Kunststoff wäre so wie wenn ein Alkoholiker sagt: An jedem 15. eines Monates trinke ich zwischn 17 und 20 Uhr keinen Alkohol mehr.

Zuhause ohne Kunststoff, darüber wäre zu reden, wenn Kunststoff böse ist!

Ich mache als Singlehaushalt jede Woche einen gelben Sack voll. Gestern habe ich mir die Schachteln und Objekte angeschaut und mich auch gefragt ob das eigentlich normal ist, was da für die Ernährung einer Person zirkuliert.

blue0711
25.07.2014, 16:43
Ich mache als Singlehaushalt jede Woche einen gelben Sack voll.Hey, dann bin ich ja richtig gut. Wir bekommen zu zweit einen/Woche nicht ganz voll.

Dann kann ich mir ja vom Rest KuFa-Klamotten kaufen :baetsch:

Tornado
28.07.2014, 12:46
@ wegener

Vielleicht mal das Kaufverhalten?
Ich mach den Beutel in 4 Wochen 1/2 - 3/4 voll.
Ich kaufe auf dem Wochenmarkt, bzw. unverpackte Ware, und wenig bis gar kein Fertigfutter, sondern mach viele Dinge inzischen selbst, auch wenn es deutlich aufwändiger ist. Das liegt aber vor allem an den Inhaltsstoffen vieler Lebensmittel, die Namen gar nicht verdienen. Z.B. ist im Essen immer mehr Zucker enthalten. Aromastoffe, Konservierungsmittel wie Natrimnitrit , usw. sind Dinge, die ich nach Möglichkeit vermeide.

veloziped
15.02.2016, 23:45
Dass Kunststoffe nicht per se schlecht sind und Naturfasern um die halbe Welt gekarrt werden, von Dünger und Giften ganz zu schweigen, um anschließend noch "veredelt" zu werden ... ist ja nicht wirklich neu.

Dennoch will ich ein paar kleine Beispiele für Naturfasern nennen (leider kann ich mit Ökobilanzen nicht dienen):

Etaproof, hier habe ich Kleinmengen aus einem Sonderverkauf bei et verarbeitet
Hipbag

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/P1000227.JPG

faltbarer Regenhut

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/P10509362.JPG

Nach einem Test bei leichtem Regen fotografiert. Leider zu klein geworden und wird deshalb nochmal genäht.
Beide Schnittmuster stammen von Funfabric.
Bei Etaproof ist der Hautkontakt im Trockenzustand sehr angenehm, aber durch Nähte oder anliegende Stoffschichten zieht es dann doch Wasser. Es gibt auch eine teurere Variante ohne FCs.

Mein Handschuhsystem fürs das tägliche und tourenmäßige Radfahren im Winter. Die warme Variante sind ein Paar Alpakka-Fingerhandschuhe als Innnenhandschuh aus dem Weltladen. Durch den Überhandschuh halten die auch Jahre, da ja Wolle leider so gar nicht abriebfest ist.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/P1010442.JPG

Die Außenhandschuhe sind natürlich der Petrochemie entsprungen, aber schon 15+ Jahre in Benutzung.

Ahoj sagt veloziped (mit seinem ersten Post ;-))

JonasB
16.02.2016, 09:14
Herzlich willkommen im Forum!



Etaproof.... Es gibt auch eine teurere Variante ohne FCs.

Ich finde nur die FC freie Variante macht Sinn. Normale Baumwolle mit ihrem hohen Wasserverbrauch eingepackt in schädlicher(!) Chemie ist keine Alternative zu z.B. recyceltem Polyester mit einer Paraffin Imprägnierung

cast
16.02.2016, 09:57
Ich verstehe den Faden nicht, was will uns der TO sagen?

veloziped
16.02.2016, 21:48
Was mir neulich wieder einfiel: in den 90ern habe ich auch diverse Versuche unternommen, ohne *tex draussen zu sein.

Klamotten

Versuch #1: eine Regenjacke aus gewachster Baumwolle von Driza-Bone

Diese Jacke bestand aus recht dünnem Material, hatte einen leicht öligen Griff und war zunächst ausreichend wasserfest. Sogar das Packmaß ging in Ordnung (war ja auch kein Innenfutter drin), Platzbedarf war mit einer durchschnittlichen Bergjacke vergleichbar. Jedoch erwies sich das Material auf Dauer als nicht rucksackfest, da hat es den Stoff trocken gerieben. Neben dem fettig-öligem Griff hat sich das ständige Nachwachsen dann als nicht alltagstauglich erwiesen.

Versuch #2: Schlupfanorak aus dickerer gewachster Baumwolle

Okay, da hab ich es nochmal versucht, diesmal mit einem deutlich schwererem Material, ausgerüstet mit einem leichtem Innenfutter. Die Regenfestigkeit ging in Ordnung, ebenso der Tragekomfort bei Trockenheit. Der Griff war weniger ölig. Auch war die Rucksackfestigkeit besser als bei der ersten Jacke aus dem dünnen Material. Zwei Dinge haben sich aber als ungünstig erwiesen: Der Schlupfanorak war hufschwer und wenn die Sonne dann rauskam, kaum in den Daypack zu kriegen. Bei Wanderungen mit andauerndem Niederschlag hat sich die Baumwolle mit der Zeit übelst vollgesogen. Das hat zwar immer noch dichtgehalten, aber in der Kneipe mussten mir zwei Leute die brettsteife Jacke an den Ärmeln vom Körper ziehen :o

Fazit der Aktion "Outdoorjacke aus Naturfaser": Die Waxed Cotton Sachen sind sicher toll zum Gassi gehen mit dem Hund, aber haben sich bei mir nicht für den echten Outdooreinsatz bewährt.
Zu meinem derzeitigem System aus Windjacke und dünnem Fleecepullover habe ich noch nicht wirklich eine Alternative aus Natufasern gefunden, vor allem bei bewegungsintensiven Sportarten. Etaproof bzw. Ventile kannte ich damals noch nicht.

Einige Zeit hatte ich auch einen Wollpullover aus einer Art kurzflorigem Fleece der Schäfereigenossenschaft Finkhof. Den habe ich immerhin getragen, bis er dann an Ärmelbündchen usw. abgewetzt war und Löcher bekam.
Wenn ich mal im Lotto gewinne, kaufe ich mir Mengen flauschiges Wollfleece und nähe mir einen kuscheligen Hoodie draus. Aber für den lfd. Meter über 30 Tacken sind momentan einfach nicht drin :(

Mit einem gewissen Wollanteil habe ich es kürzlich probiert, da gab es bei et mal "Tecnowool". Der Wollanteil soll laut Hersteller zu 100% aus recycelter Wolle bestehen. Das Material leiert schnell aus, muss also mit festen Bündchen oder Einfaßbändern verarbeitet werden. Für leichte Outdooraktivitäten finde ich das Material in Ordnung, bei Mehrtagestouren hat die Waage dagegen entschieden ;-)

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/thumbs/tecnowool-hoodie.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=144669&title=hoodie-aus-tecnowool&cat=500)

Rucksäcke / Taschen

Die Schweizer Armee hat mal alte Rucksäcke (http://de.academic.ru/pictures/dewiki/82/Rucksack_Schweizer_Armee_1960er_b.jpg) aus einem mega derben Stoff mit einem dicken Lederboden rausgehauen. Der wog fast soviel wie jetzt meine gesamte Light-Ausrüstung fürs Bikepacking. Aber unkaputtbar!
Nachem ich mir damit auf dem Rad vollbeladen mit Kletterzeug empfindlich den Rücken versaut hatte, und das kurz vor einem heftigem Radmarathon, bin ich dann zur um Längen komfortableren, modernen KuFa-Version umgestiegen.

Zumindest mit einem Naturfaseranteil arbeitet ja MacPac (http://www.macpac-europe.eu/fabrics.html)schon seit längerem. So einen Rucksack aus dem Material hatte ich viele Jahre, und vermutlich aus dem gleichen Zeug gabs mal Packtaschen von Bach. Auch da ist ein leichtes Aufquellen bei Nässe zu beobachten. Die Abriebfestigkeit geht auch in Ordnung.

Soviel zu meiner Naturfaser-Historie.
“Light, strong, cheap – pick any two!” - Keith Bontragers Mantra gilt nicht nur für Fahrradkomponeten ...

Im Moment finde ich aus meiner Sicht den Einsatz folgender Naturfasern rein von den Eigenschaften her für machbar:

Baselayer aus Merinowolle
Etaproof für Jacken oder diverses Zubehör (s. mein obiger Post; mit speziellen Einsatzgrenzen)
Wollfleece statt KuFa-Fleece (Preis!)
nicht zu vergessen: gestrickte Fingerhandschuhe aus Alpakka (s. oben) als Innenhandschuh

Mehr Einsatzbereiche für Naturfasern wären schon möglich, aber da sind früher verbreitete Stoffe inzwischen schwer oder nur extrem preisintensiv zu bekommen. Ich denke da an echtes Segeltuch, was auch eine Menge Nässe abhält.

Ansonsten finde ich die Diskussion spannend, auch wenn Naturfasern nicht ohne weiteres umweltfreundlicher sein müssen. Aber wer hätte zum Beispiel an das Comeback von Merinowolle gedacht, nachdem uns jahrelang der Vorteil von Kunstfasern eingehämmert wurde? Von der Problematik Brandschutz / Lagerfeuer & Kocher ganz zu schweigen ...

Ahoj sagt veloziped

JonasB
18.02.2016, 14:44
Wollfleece... für den lfd. Meter über 30 Tacken
Wo gibt es Wollfleece für nur 30,-€?? Ich kenne da eher Preise zwischen 60 und 120,-€

veloziped
18.02.2016, 15:16
Wo gibt es Wollfleece für nur 30,-€?? Ich kenne da eher Preise zwischen 60 und 120,-€

Da habe ich im Weltnetz nur mal quergelesen ... wohl nichts dabei, was du verarbeiten würdest :kapituliere:

Teils ist da Kunststoff oder BW beigemengt, etwa hier (http://funfabric.de/halli.php?013700_16890__Stoffe-Wolle--Filz-und-Fleece--gekochte-Wolle) oder hier (http://de.dawanda.com/product/54432455-bio-woll-fleece-mit-bio-bw-petrol-blau-3-044).

Ich meinte ja auch mindestens 30 Euro (Restmengen, Angebote, reduzierte Farbwahl, ...). Bei et gab mal was für deutlich unter 60 €, wirst du evtl. besser als ich wissen. Bei mir hats ja auch nur für Tecnowool gereicht, selbst das war offensichtlich nur eine Restmenge (gibts zur Zeit nicht).

Wollte hier nicht die Hühner verrückt machen, sorry :sorry:

Ahoj sagt der vom kuscheligen Wollfleecepullover träumende veloziped

squirrelino
28.02.2016, 07:09
Hey,

Wenn ich auch mal ein Beispiel dazu bringen darf.
Ich finde es macht einen enormen Unterschied, ob wir nun Plastik und/oder Chemikalien verzehren, im unmittelbaren und permanenten Kontakt dazu stehen oder es einfach nur ob und zu anfassen.
Nehmen wir hierfür mal das Beispiel einer Bierkiste.
Ich finde es grundsätzlich erstmal schlecht, dass im Bier Konservierungsstoffe drin sind, weil wir diese mit trinken und mit verdauen und somit direkt in den Körper gelangen.
Ich finde es macht auch einen größeren Unterschied ob das Bier in Plastikflaschen oder in Glasflaschen abgefüllt wurde. Denn dann könnte es wieder im Kontakt zum Plastik stehen, das trinken wir dann wieder und das finde ich dann auch wieder nicht so gut.
Also lieber das Bier in Glasflaschen kaufen.
Ich finde es macht aber keinen Unterschied ob die Bierkiste aus Holz oder aus Plastik ist, da weder ich noch das Bier im ständigen Kontakt zu dem Plastik stehen würden. Das Bier gar nicht und ich nur wenn ich sie kurz mal herumtrage.

Warum sollte man also keine Kanus aus Kunststoffen nutzen? Ich trage keinen Schaden davon und das Gewässer auch nicht.
Ich finde das selbe gilt auch für Rucksäcke Schuhsohlen, etc.
Ich denke, da sollten dann vor allem die Unternehmen, die solche Produkte herstellen vor allem auf Umweltaspekte achten
Ganz anders ist das wieder bei Unterwäsche und Nahrungsmittel/-Verpackungen. Da würde ich sehr wohl auf Naturfasern zurückgreifen.

Und ein zweiter Punkt ist noch..
Was genau hat man vor und wo kann man ganz speziell am Kunststoff sparen.
Wenn ich eine Wochenendtour mache, dann brauche ich nun wirklich nicht auf UL zu achten, da schleppe ich gerne zeug zum frisch kochen mit, etc.

Wenn man ne lange Tour plant, da würde ich einfach schauen wo man gezielt Kunststoffe weglassen kann und wo nicht. Das würde ich jeweils am Beispiel machen, miteinander vergleichen und nach dem Ausschlussprinzip entscheiden oder was weiß ich.

Welche Materialien man dann genau verwendet sei jetz mal dahin gestellt.
Das ist erstmal nur ein grober Denkansatz.

Liebe Grüße;
Thomas

Tie_Fish
28.02.2016, 10:04
Wieso kommt die Plaste der Bierflasche ins Bier, aber die Plaste vom Kanu nicht ins Wasser? Nicht schlüssig.

PhileasFogg
28.02.2016, 11:00
"Das Plastik" kommt nicht ins Bier, vielmehr werden die chemischen "Zutaten" - hormonaktive Weichmacher, Farbstoffe, UV-Absorber usw. ins Lebensmittel abgegeben. Beim Kajak wird das schon deswegen nicht passieren, weil eine Lackschicht über dem Kunststoff (oder Karbon, oder Kevlar usw.) ist. Hier ists dann eher der Lack selbst, der schädlich sein kann. Wobei es natürlich auch unlackierte Kajaks gibt (die recycelten von Islander z.B. - aber hier ist anzunehmen, dass ein Teil der Chemikalien bereits abgegeben wurde).

Gerechnet auf die jeweilige Lebensdauer des Produkts ist das Kajak vermutlich auch weniger im Kontakt mit der Flüssigkeit als die Bierflasche.

windriver
28.02.2016, 11:25
Hi , PE-Boote , Schlauchboote , Faltboote sind nicht lackiert und geben Weichmacher etc. ins Gewässer ab. Ein befreundeter Kanu/Kajakhändler hat mal über Nacht ein neues Schlauchi in seinem Gartenteich liegen gehabt . Am nächsten Morgen übten sich die Goldfische im Rückenschwimmen . Ob das ein Einzelfall war , lässt sich nicht sagen . Er hat den Versuch verständlicherweise nicht wiederholt , nachdenklich macht es trotzdem .

MfG, windriver

PhileasFogg
28.02.2016, 11:49
Wobei natürlich die Frage ist, ob das repräsentativ ist und auf alle Kunststoffboote zu übertragen ist.

Mit Kunststoffen gehen wir aber allzunaiv um. Wenn sich im Lebensmittelbereich ein Weichmacher als krebserregend heruasstellt, wird er eben durch einen neuen Weichmacher ersetzt. Langzeittest o.ä. sind da nicht vorgeschrieben, man testet halt gleich am Kunden. Zugleich wird nur ein Bruchteil der Kunststoffe recycelt.

Schmusebaerchen
28.02.2016, 11:52
@Squirrellino: Eine Bierflasche hat vielleicht 4-8 Wochen Kontakt mit dem Bier. Ein Kajak hat ca pro Jahr 2 Wochen lang je Tag 8h Kontakt mit dem Gewässer. Und das über 20 Jahre.

Mal abgesehen davon, dass du das so nicht rechnen kannst, da es verschiedene Kunststoffe gibt mit verschiedenen Zusätzen und diese nicht linear abgegeben werden.

Was soll an Lack jetzt besser sein, als Kunststoff?

Es klingt eher so, wie wenn es dir darum geht, dass du es nicht essen möchtest. Im Gewässer ist es dir jedoch egal.

PhileasFogg
28.02.2016, 11:57
Was soll an Lack jetzt besser sein, als Kunststoff?

Ich behaupte nicht, dass Lack besser ist.


Es klingt eher so, wie wenn es dir darum geht, dass du es nicht essen möchtest. Im Gewässer ist es dir jedoch egal.

Hast du solchen suggestiven Quatsch wirklich nötig?

Tie_Fish
28.02.2016, 11:58
Schmusi hat Recht: Wir entkoppeln einfach Prozesse und dadurch werden die schlimmer oder weniger schlimm.

Beispiel: Du sitzt am Bach und trinkst Wasser, fünf Meter oberhalb steht den Kumpel und pinkelt eine Bogenlampe in den Bach. Iiiiiiiih! Was machen wir aber täglich? Wir schei**en in bestes Trinkwasser, schicken es zur Aufbereitung und saufen es wieder. Vollkommen dasselbe, nur sehen wir nicht, wer uns ins Wasser pinkelt.

Analog hier.

Schmusebaerchen
28.02.2016, 11:59
War nicht an dich adressiert. Sorry.

PhileasFogg
28.02.2016, 12:10
War nicht an dich adressiert. Sorry.

Kein Problem ;)

PhileasFogg
28.02.2016, 12:22
Schmusi hat Recht: Wir entkoppeln einfach Prozesse und dadurch werden die schlimmer oder weniger schlimm.

Beispiel: Du sitzt am Bach und trinkst Wasser, fünf Meter oberhalb steht den Kumpel und pinkelt eine Bogenlampe in den Bach. Iiiiiiiih! Was machen wir aber täglich? Wir schei**en in bestes Trinkwasser, schicken es zur Aufbereitung und saufen es wieder. Vollkommen dasselbe, nur sehen wir nicht, wer uns ins Wasser pinkelt.

Analog hier.

Dein Bild funktioniert so nicht. Aus der Kläranlage kommt nämlich kein Trinkwasser. Das geklärte Wasser wird nicht direkt wieder in den Trinkwasserkreislauf eingeschleust, sondern geht zurück in die Umwelt. Da kann es dann z. B. über Verdunstung und Regen wieder in Trinkwasserreservoirs einfließen. Wenn man so will, gibts hier einen doppelten Reinigungsprozess und bei Deinem Bach-Bild gibts keinen. Von daher ist bei letzterem auch das Iih gerechtfertigt.

Wenn wir etwas entkoppeln, dann ist es das Problem, dass einige Wenige durch ihre technischen Verfahren privatisierte Gewinne erwirtschaften und die kostenträchtigen Risiken auf die Allgemeinheit abschieben. Wenn man so will, ist das ein Grundprinzip des kapitalistischen Systems. Wenn man Verursacher für Schäden auch in Regress nehmen würden, sähe die Welt vermutlich anders aus.

Tie_Fish
28.02.2016, 12:45
Dein Bild funktioniert so nicht. Aus der Kläranlage kommt nämlich kein Trinkwasser. Das geklärte Wasser wird nicht direkt wieder in den Trinkwasserkreislauf eingeschleust, sondern geht zurück in die Umwelt. Da kann es dann z. B. über Verdunstung und Regen wieder in Trinkwasserreservoirs einfließen. Wenn man so will, gibts hier einen doppelten Reinigungsprozess und bei Deinem Bach-Bild gibts keinen. Von daher ist bei letzterem auch das Iih gerechtfertigt.


Genau da liegt der Denkfehler, du zählst nur ein paar mehr Stufen der Entkopplung auf und schon ist alles wieder ok. Klar weiß jedes Kind, dass der Auspuff der Kläranlage nicht im Trinkwasserbrunnen hängt. Mittlerweile wissen wir aber, dass die natürlichen Filter nicht mehr ausreichen.

Es ist einfach müßig. Ich denke, die heutige Welt funktioniert nicht ohne Kunststoffe, man sollte nur drauf achten, welchen Kreislauf sie gehen. Ein 20kg-PE-Boot sehe ich da gelassener aufgrund der langen Nutzungsdauer als eine Bierflasche, de nach 14 Tagen Lebenszeit "thermisch entsorgt" wird.

Gute Idee, heute abend gehe ich in der Brauerei mein Bier trinken - keine Plastikflasche, kein Plastikkasten, kein Herstellungs- und Transportprozess, kein Auto zum Bierholen, kein Benzin und sportlich outdoors hin und zurück - naja jedenfalls hin ;-)

PhileasFogg
28.02.2016, 12:52
heute abend gehe ich in der Brauerei mein Bier trinken - keine Plastikflasche, kein Plastikkasten, kein Herstellungs- und Transportprozess, kein Auto zum Bierholen, kein Benzin und sportlich outdoors hin und zurück - naja jedenfalls hin ;-)

Und woher kommen das Wasser, Gerste, Malz und Hopfen? Und das Glas, in den das Bier gefüllt wird? Und die Energie fürs Bierbrauen, das Kupfer für die Kessel? Die Reinigungsmittel für die Kessel, der Lack auf dem Tisch? ;)

Du wirfst anderen vor, falsch zu denken, denkst letztenendes aber selbst nicht anders.

birkenhain
28.02.2016, 13:03
.

Schmusebaerchen
28.02.2016, 13:13
Ich denke, die heutige Welt funktioniert nicht ohne Kunststoffe, man sollte nur drauf achten, welchen Kreislauf sie gehen. Ein 20kg-PE-Boot sehe ich da gelassener aufgrund der langen Nutzungsdauer als eine Bierflasche, de nach 14 Tagen Lebenszeit "thermisch entsorgt" wird.

Kabelisolationen. Damit hast du alles erschlagen. Gibt keine Alternative und ohne geht es nicht mehr. Sollte ja auch jeder hier merken, wenn er sich mit seinem PC bei ODS einloggt ;-)

Sehe es genauso. Ohne Kunststoffe geht es nicht mehr und ist auch nicht so schlimm, wenn man richtig damit umgeht. Der Rohstoff ist nicht entscheidend, sondern der Umgang damit. Wer Öko heizen möchte und dafür alle Wälder abholzt hat auch nix gekonnt.

Problematischer ist eher der ganze Spiddel aus Plastik und der unnötige Müll durch Produkte, die gezielt mit geringer Lebensdauer produziert werden. Um auf Outdoor zurückzukommen, lieber 10% mehr tragen, robusteres Zeug nehmen und dafür länger dran Freude haben. Spart auch den Zeitaufwand wenn man das Ersatzprodukt recherchieren und kaufen muss.

Tie_Fish
28.02.2016, 13:26
Und woher kommen das Wasser, Gerste, Malz und Hopfen? Und das Glas, in den das Bier gefüllt wird? Und die Energie fürs Bierbrauen, das Kupfer für die Kessel? Die Reinigungsmittel für die Kessel, der Lack auf dem Tisch? ;)

Du wirfst anderen vor, falsch zu denken, denkst letztenendes aber selbst nicht anders.

Wenn die Plastikgläser haben, trinke ich da natürlich kein Bier :grins:

Das war kein persönlicher Vorwurf, sondern eine allgemeine Feststellung. Ich nehme mich da nicht aus, kann ich ja auch nicht, tippe ja grad auf Plastiktasten rum. Die Menschen haben jede Stufe der Entkopplung (Geld, Industrie, Monokultur usw.) schon immer als Fortschritt und große Errungenschaft der Menschheit angesehen, letztendlich hat es die Sache aber wohl nicht wirklich verbessert.

squirrelino
28.02.2016, 19:25
Hallo zusammen,

Ich bin ein ganz normaler Mensch und habe absolut keine Ahnung wie alles ganz genau produziert und entsorgt wird, bzw. welche Stoffe wie schlecht sind.
Ich verstehe nur die Ansichten nicht zu sagen, es geht ohne Plastik eh nicht und deswegen ist mir das alles egal und umgekehrt genauso. Plastik ist böse und deswegen lebe ich jetzt für immer ohne egal wie.
Es geht doch viel mehr darum selber für sich Kompromisse zu finden und auch die kleinen Schritte am Anfang zu machen. Also eben auf den Plastikbecher und Plastikbesteck verzichten, etc. Viele verzweifeln innerlich und sagen die Welt ist scheiße und wird Zugrunde gehen und wollen dann diesen großen Bogen spannen von einem perfekten Leben ohne Plastik, sind aber nicht mal bereit diese kleinen Schritte am Anfang zu gehen und zu sagen, das das und das lass ich weg oder ersetze es. Versteht ihr was ich meine.
Und da denke ich, dass mein Bild mit dem Bier immernoch recht gut funktioniert.
Das darf aber auch gern durch ein besseres ersetzt werden.. gerne

Liebe Grüße
Thomas

veloziped
04.03.2016, 21:54
Mein derzeitiger Arbeitsweg ist ein guter Test für diverse Sachenkombinationen: teils hochprozentige 120 Höhenmeter :o

Merinowoll-Unterwäsche: mein Set ist vom Discounter, welcher D in zwei Teile teilt ;-) Die Long John hats wohl auf dem Rad zerlegt ... Löcher im Stoff. Zunächst dachte ich an Motten :shock: doch die Mottenfalle ist leer geblieben und es war auch kein typisches Fraßbild.
Oberteil: schlägt sich wacker, aber nach dem Berg ist es doch gerade am Rücken (Rucksack) eine zeitlang recht naß.

Also werde ich die Merinowolle eher nachts als Schlafwäsche nutzen und für schweißintensive Anwendungen muss wohl oder übel die Kunstfaser als Baselayer ran :roll: Zu Fuß bei knackiger Kälte geht auch in Ordnung, da kann ich Tempo und damit Schwitzen besser regulieren als am steilen Berg per Rad, wo ich ja irgendwann umfallen würde.

Von Technowool bin ich positiv überrascht: die KuFa-Schicht innen schafft die Nässe schnell vom Körper weg, wo dann die Wollschicht als Zwischenpuffer dient. Auch wenn das nur z. T. Naturfaser ist, aber ein kleiner Schritt immerhin. Drüber hatte ich eine Art Windjacke, welche leider kaum wasserdampfdurchlässig ist, die war innen klitzschnaß, während sich mein Technowoolhoodie kaum feucht anfühlte. Leider ist der Stoff bei et gerade ausverkauft, wird aber von diversen Labels konfektioniert. Wie ich bereits schrieb: leichtes Pilling und etwas Ausleiern ist leider auch zu beobachten.

Ahoj sagt veloziped