PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Meine schönsten Outdoorerlebnisse als Kind



Mus
06.02.2014, 11:55
Ich eröffne mal diesen Thread,
da es nebenan (https://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/77912-Babys-im-Fahrradanhänger-gesundheitliche-Folgen?p=1266469&viewfull=1#post1266469) langsam schon wieder OT wird,
da es eigentlich die meisten Threads hier irgendwann auf diese Art ins OT abdriften,
da der zuständige Mod es hier besser aufgehoben findet als im Lagerfeuer (ich übrigens auch und zwar mit den gleichen Argumenten).

Was will ich mit diesem Thread?
Ein bisschen in Erinnerungen schwelgen. Ein bisschen lesen wie andere in Erinnerungen schwelgen. Ein bisschen den Blick dafür wecken (hoffe ich) das Kinder manchmal etwas ganz anderes superschön oder superschrecklich finden, als Eltern. Ein bisschen Eltern Mut machen, den Kindern etwas zuzutrauen und mit ihnen rausgehen. Ein bisschen die Erkenntnis teilen, dass mit Kindern auch völlig unspektakuläres Outdoor plötzlich wieder spannend und großartig werden kann.

Was soll hier rein?
Positive Outdoorerfahrungen aus Kindersicht. Also:
Erinnerungen an schöne/eindrucksvolle Outdoorerlebnisse aus eurer eigenen Kindheit. Seien es ganze Touren die ihr gut in Erinnerung habt oder einzelne kurze Momente. Wenn ihr ein Erlebnis von euren hier nicht schreibenden Partner oder Eltern oder Freunden habt, auch O.K. Wenn eure Kinder groß genug sind, dass sie hier (unter Aufsicht) selbst was schreiben wollen, auch super (ich hoffe das wäre Foren-Rechtlich in Ordnung, so von wegen dritten den Zugang ermöglichen). Ich lade Leute ohne Kinder ausdrücklich ein, hier zu posten.
Sollte es etwa noch Fotos davon geben oder gar eine Zeichnung oder einen alten Schulaufsatz/Urlaubskartentext wäre es natürlich noch genialer.

Was soll hier nicht rein?
*Berichte über schöne Erlebnisse mit Kindern. (Die verdienen sicher noch einmal einen Extrathread, aber ich will hier wirklich die Kinderperspektive und es fragt sich, ob man die als Eltern wirklich stringent einhalten kann.)
*Dinge die aus eurer heutigen Sicht saugefährlich waren und andere zur Nachahmung ermuntern könnten. Es sei denn ihr kommentiert das auch so. (Frei nach dem Motto: Wir fanden es genial, aber wenn ich heute daran denke wird mir schlecht.)
*Hobbypädagogische Kommentare zu den Berichten anderer. Auch nicht in der Art "Ich würde ja....." oder sonst wie als eigene Meinung getarnt. Das gibt es anderswo genug und ist hier ausdrücklich unerwünscht. Auch von professionellen Pädagogen und bewährten Müttern und Großvätern.
*Pädagogische Grundsatzdiskussionen jeder Art.

Ich bin gespannt auf eure, hoffentlich zahlreichen, Beiträge.

kletterling
06.02.2014, 12:28
Na dann schreib ich mal ein bischen was...

Ich habe sehr schöne Erinnerungen an unsere klassischen unspektakulären Wochenendspaziergänge im Schwarzwald. Dabei sind mein Bruder und ich immer gerne parallel in Sicht- oder Hörweite vom Weg durch den Wald gestrolcht und haben Stöcke gesucht oder Walderdbeeren oder was weiß ich was.

Allein schon die Tatsache, dass wir unseren Vater mal so richtig für uns hatten, er uns was geschnitzt hat oder Geschichten erfunden und erzählt hat, war für mich immer eine Sensation. Und wenn dan mal ein Hochsitz erobert werden konnte oder ein toller vom Blitz erschlagener Baum gefunden wurde, aus dessen zerborstenen Stamm dann die tollsten Behelfs-Schwerter gebaut werden konnten, mit denen man dem Brennnessel-Heer entgegentreten konnte, war der Sonntag-Nachmittag gerettet.

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass ich daher meine positiven Empfndungen allein schon beim Geruch von Wald und die ganze Begeisterung für das Draußen-Sein her habe. Und ich versuche, meinen Kindern das weiter zu geben. Mal schauen, ob es klappt.

Mus
06.02.2014, 12:32
Und ich mache auch mal gleich den Anfang:
Edit: Das dachte ich wohl:D Schön, das schon gleich ein erster Schreiber da ist.

Eines meiner schönsten Erinnerungen war ein einfacher Sonntagsnachmittagsspaziergang im Umkreis von 2 km von zu Hause. Aber da nur Papa und nicht Mama dabei war, wurde ein Abenteuer daraus.
Es war Winter und es hatte etwas geschneit und gefroren und es war neblig. Ich war mit Gummistiefeln und viel zu dünnen Stümpfen darin unterwegs und entsprechend kalt waren meine Zehen. Ich muss so vier/fünf Jahre alt gewesen sein und hatte meine geregelten Probleme hinter Papa und der großen Schwester her quer durch den Wald zu stapfen. Überhaupt quer durch den Wald, und dann kamen wir auch langsam auf den Tümpel zu, der sich dort am Fuß einer tiefen Grube gebildet hatte.

Am Rande der Grube bildete der Waldboden mit einigen Baumwurzeln einen Überhang und so eine kleine Grotte. Die war durch den Steilhang für die Kinder in meinem Alter normalerweise nicht erreichbar, aber meine Schwester und mein Papa bequatschen mich und so schafften wir es alle drei da rein.
Ich fror schon ziemlich und so machte mein Papa ein kleines Feuer aus Reisig, nicht ohne uns darauf hinzuweisen, dass das im Wald eigentlich verboten sei. Jetzt gruselte es mich also nicht nur vor den Räubern im Wald und der Hexe, die dort irgendwo wohnte und dem Blubberquax unten im Tümpel, sondern ich fürchtete mich auch noch, das wir wegen des Feuers erwischt würden. Aber irgendwie war das so in Gesellschaft und mit Feuer eigentlich mehr angenehm als schlimm. Vorallem, da mein Papa jetzt noch zwei Scheiben Trockenbrot aus der Tasche zog und uns auf Zweige spießte. Die hielten wir so lange übers Feuer, biss sie zum Teil verkokelt, zum Teil verqualmt und an manchen Stellen auch etwas geröstet und warm waren und aßen dann diese Delikatesse mit großem Genuss.
Irgendwann mussten wir aber dann doch weiter und so wurde das Feuer ordnungsgemäß ausgepinkelt bis nichts mehr qualmte und der Rand des Abgrundes mit viel Schieben und Ziehen wieder erklommen. Gestärkt durch das (mehr moralisch als physisch)wärmende Feuer und mit vollem Magen wurde ich etwas mutiger und äußerte micht über den Blubberquax, der dort unten unter der dünnen Eisfläche auf mich lauerte und mich wieder nicht bekommen hatte. Vielleicht hielt er ja auch Winterschlaf. Wir könnten es ja ausprobieren und ihn versuchen ihn zu wecken. So mit Papa dabei......
Mein Stein erreichte die Eisfläche nicht. Der meiner Schwester titscherte nur so dahin. Also musste Papa ran. Der erinnerte sich an seine Leistungen im Kugelstoßen in seiner Jugend und so beförderte er einen Stein, der in meiner Erinnerung größer als mein Kopf gewesen ist, Richtung Mitte des Eises. Bis heute sehe ich ihn in hohem Bogen fliegen und höre wie er mit lautem Krachen ein Loch in die Eisfläche schlägt. Das sofort folgende Glucksen habe ich noch besser in Erinnerung, war es doch der untrügliche Beweis, dass wir den Blubberquax geweckt hatten und der ziemlich sauer jetzt gleich aus dem Loch geschossen kommen würden um.......und schon gab ich Fersengeld.

So schnell wäre ich an diesem kalten unfreundlichen Tag mit meinen müden kurzen Beinchen sonst sicher nicht nach Hause gekommen. Dafür habe ich eine ganze Kindergartenwoche lang prahlen können, wie wir es dem Blubberquax aber gezeigt hätten. Die Bewunderung war mir gewiss.

Ich glaube ich müsste heute viel mehr Geld und Zeit in Ausrüstung, Vorbereitung und Anreise investieren als mir zur Verfügung steht, um noch einmal ein derartiges Abenteuer zu erleben.

syncronizer
06.02.2014, 12:41
Wunder-wunder-wunderschön!
Danke fuer die Idee zu solch einem faden und die schönen Beschreibungen.es hat mir Grad die Augen angefeuchtet...

Gesendet von meinem MK16i mit Tapatalk 2

Rattus
06.02.2014, 13:49
Meine Mutter (eigentlich Morgenmuffel) schaffte es ab und zu, sonntags um fünf Uhr mit mir aufzustehen und in den Wald zu gehen. Die Ruhe, der frische Morgen, die Gerüche, die Tiere… einfach nur schön. Auf einen Hochstand klettern, beobachten… Für mich zählte nicht nur das Naturerlebnis, sondern auch, was gemeinsam (ohne andere) mit meiner Mutter zu machen.

Der Wald an sich - er war immer Zuflucht für mich und Ruhepol, ob mit Familie (wir sind viel gewandert und ich habe das geliebt), mit Freunden zum Spielen oder allein. Mein Städtehass war schon sprichwörtlich :bg:

Philipp
06.02.2014, 14:11
Schönes Thema, Mus, und sehr erfrischend zu lesen, Deine Kindheitserinnerung.

Rein formal zu Deinen „Regeln“ die Frage: ab wann hört man(n) auf, Kind zu sein? Angesichts meiner abendlichen Hobobasteleien in einem Alter, in dem mein Papa schon den zweiten Hausbau hinter sich hatte, frage ich mich da manchmal…

Eine Erinnerung, die bei mir immer noch Schmunzeln hervorruft: durch gute persönliche Beziehungen zum Forstamtsleiter ergab sich für uns in drei aufeinanderfolgenden Jahren die Möglichkeit, gutes Geld mit dem Sammeln von Bucheckern für ein Aufforstungsprogramm zu verdienen (ich war schon einige Jahre freier Unternehmer und „machte in Kastanien“ für die Jäger, hatte also schon Marktkenntnis in puncto Waldfrüchte erlangt). An vom Förster ausgesuchten Stellen verbrachten unsere Familien sammelnd und klaubend so machen Sonntag, bis wir abends im Bett ebenfalls nur noch Bucheckern sahen. Die Bezahlung stieg von Jahr zu Jahr inflationär wie die Preise für Hinkelsteine in Obelix GmbH & Co. KG, was vielleicht mit dem zu der Zeit stark thematisierten Waldsterben zu tun hatte. Irgendwann war meinem Papa die Sache zu mühsam, und eines Tages er lud mich und meinen Bruder zu einem Bucheckersammelnachmittag ein. Im VW-Bus warteten ein Stromaggregat, ein Industriestaubsauger, Putzeimer und Laubrechen.

Ab ging’s an den Buchenwaldrand des ausgewählten Bestandes, und während einer von uns Jungs das Laub entfernte saugte mein Papa hinterher, Putzeimer nach Putzeimer mit Bucheckern füllend (bis das Aggregat zum Schluß seinen Geist aufgab). Glücklicherweise wurden die vorbeifahrenden Autofahrer, die angesichts der Putzkolonne am Straßenrand ihren Augen nicht trauten, nicht in Verkehrsunfälle verwickelt.
Dem Förster traten abends angesichts unserer Beute die Augen fast aus den Höhlen, und kurze Zeit später knisterten die vielen Scheine in unseren Händen.

Das Bucheckersammelprojekt war damit zunächst abgeschlossen.

Rattus
06.02.2014, 14:41
Mir fällt immer mehr ein :ignore:

Wesentliche Prägung neben dem Wald: Der Geruch von Kuhmist und Heu. Absolut positiv besetzt durch häufige Ferien bei meinem Großonkel, da gehörte der Kuhstall sozusagen zur Wohnung - links ging's in den Stall, geradeaus in die Küche.

kletterling
06.02.2014, 14:52
Meine Mutter (eigentlich Morgenmuffel) schaffte es ab und zu, sonntags um fünf Uhr mit mir aufzustehen und in den Wald zu gehen. Die Ruhe, der frische Morgen, die Gerüche, die Tiere… einfach nur schön. Auf einen Hochstand klettern, beobachten… Für mich zählte nicht nur das Naturerlebnis, sondern auch, was gemeinsam (ohne andere) mit meiner Mutter zu machen.

Der Wald an sich - er war immer Zuflucht für mich und Ruhepol, ob mit Familie (wir sind viel gewandert und ich habe das geliebt), mit Freunden zum Spielen oder allein. Mein Städtehass war schon sprichwörtlich :bg:

Oh, stimmt, jetzt erinnere ich mich: Mein Vater hat mich auch einmal mit der Idee überrascht, morgens im Sommer den Sonnenaufgang mal auf einem Hochsitz an einer Lichtung zu erleben. Allein schon beim Gedanken, was für tolle Abenteuer wir erleben und Tiere wir sehen würden hab ich nächtelang vor Aufregung kaum noch geschlafen. In meiner Erinnerung war es dann saukalt (bestimmt 10° ;-) ), neblig und gesehen haben wir natürlich kein einziges Tier. Aber alleine die Aufregung, mucksmäuschenstill am Waldrand zu sitzen und mit dem Feldstecher die Lichtung abzusuchen- eigentlich ein Wunder, dass ich nach dem 'Abenteuer' nicht das Waidwerk erlernt habe, wohl weil mir immer die armen Tierchen zu sehr leid getan haben. Und das frühe Aufstehen war dann doch nicht so meins. ;-)

lina
06.02.2014, 14:52
Die Bucheckerngeschichte ist klasse! :D

*

Meinerseits z.B. die Sonntagsspaziergänge mit Opa. Neulich bin ich da mal wieder langgestratzt und habe festgestellt: Wir sind damals ganz schön weit rumgelaufen. Und unter der Woche natürlich mit den anderen Kids raus, so oft wie irgend möglich. Auf den meisten Wiesen stehen inzwischen leider Häuser statt der Apfel- und Kletterbäume.

Echnathon
06.02.2014, 15:40
hehe, schöner Thread.

Bergtouren sind mir kaum in Erinnerung geblieben, außer ewig langer öder Forstwege (wenn ich mir das Tourenbuch anschaue müssen die hauptsächlich eigentlich nur den Rest des Abstiegs ausgemacht haben...)
Aber diese Forstwege haben es tatsächlich geschafft mir im Alter zwischen 14 und 16 jegliche Lust an den Bergen zu nehmen.
Vor allem der Abstieg vom Watzmann :ignore:

Die Hüttentour wo wir 2 Tage mit 3 anderen Familien auf der Hütte Latzfonser Kreuz wegen schlecht Wetter festsaßen.
Und nur Karten gespielt und Unsinn gemacht haben.
Oder die Hütte mit Haflingern die es auf meine damals noch strohblonden Haare abgesehen hatten :D

Meine erste Mehrseillängentour.
Man war ich stolz einen Freund meines Vates durch die "Opakante" im Donautal gesichert zu haben :ignore:

Aber am meisten Erinnerungen hab ich an die vielen Nachmittag im Wald auf der anderen Straßenseite.
Immer kurz nach der Schule mit meinem Nachbarn getroffen, festgestellt, dass er heim gehen musste, wenn ich heim musste, bei mir wars immer das gleiche: also bis es dunkel wird.
Und dann Baumhäuser gebaut, Burgen, Bunker, Staudämme, Fallgruben, Materialdepots, ...

Randonneur
06.02.2014, 16:25
Blaubeeren sammeln. Abends dann Blaubeerpfannkuchen und zum Nachtisch Blaubeeren mit Milch. Und spaeter Blaubeermarmelade.

Meer Berge
28.02.2014, 16:42
Hallo Mus und ihr anderen!
Natürlich erzähle ich hier auch gerne mit. So schnell sollten mir die Geschichten nicht ausgehen ...

In eueren Geschichten finde ich mich oft auch schon wieder.

Eine meiner lustigsten Erinnerungen ist diese:
Meine Mutter hätte als Kind furchtbar gerne Ballett gemacht, doch konnten sich ihre Eltern das nicht leisten. Also verwirklichte sich meine Mutter ihren Traum, indem sie mich mit vielleicht 5 oder 6 zum Ballett schickte. Mein jüngerer Bruder stand daneben und wollte zu gerne mittun, doch war es ein reines Mädchen-Theater. Ich maulte ziemlich viel rum, und irgendwann durfte ich mir einen "Ausgleichssport" aussuchen. Ich wählte Cross-Lauf. Das war damals bei uns im Sportverein eine ziemliche Außenseiter-Sportart.

Dann kam das erste Rennen für mich. Ich war 100% überzeugt, es beginnt um 10°° , meine Mutter war ebenso überzeugt, es beginnt um 10.30 Uhr. Da es auswärts stattfand, war ich auf ihren Fahrdienst angewiesen. Wir kamen um kurz nach 10°° an und hörten gerade den Startschuss. Boah, war ich sauer auf meine Mutter (ich konnte seeeehr sauer sein!). Doch ein Trainer schmiss mir schnell eine Startnummer über und schickte mich hinterher. Den letzten Läufer sah ich gerade hinter der Waldecke verschwinden. Vor lauter Wut bin ich gerannt wie angestochen. Durch den Wald, durch Bäche, durch Kuhfladen. Habe den letzten eingeholt. Habe ihn überholt. Habe auch die anderen eingeholt und überholt. Alles aus reiner Wut auf meine Mutter. Und die Kampfrichter staunten nicht schlecht, als ich als Zweiter ins Ziel gerast kam.

Lehre: -> Motivation ist alles!

Ich brauchte dann nicht mehr zum Ballett.
Ich bin nie wieder zu spät zu einem Wettkampf gekommen.

Das war mein Einstieg in die Welt des Outdoor-Sports. Nass und verdreckt fühlte ich mich immer viel wohler als im Tüllröckchen.

(Meine Mutter ist dann auch zu diversen Outdoor-Sportarten gekommen ... :cool:)


Ich bin gespannt auf eure weiteren Erinnerungen!

Viele Grüße,
Sylvia

Rattus
28.02.2014, 18:53
Ja, Wut kann Berge versetzen und auch noch kreativ machen :bg: So zum letzen Mal erlebt im nebenberuflichen Kunsstudium. Der Dozent meckerte rum, ich bekam nichts hin und dann so eine gewaltige Wut, dass ich drauf los gemalt habe, kopflos, genau was es (erst mal) braucht. Das Bild ist super geworden, so aus dem Handgelenk. Hätte der mich gleich mal ermutigt, wäre es wahrscheinlich ziemlich langweilig geworden ;-)

Womit ich nichts aber auch gar nichts generell gegen Ermutigung sagen will ;-)

Meer Berge
28.02.2014, 20:33
Da fällt mir gerade noch so eine Geschichte ein.

Ich war 9, wir waren gerade in unser neues Haus eingezogen. Um uns herum noch eine wilde Wildnis aus Brombeergestrüpp, alten Bunker-Resten, Schrott, Disteln, ... Ein alter Bunker jenseits der Kuhweide, halb unter der Erde, oben von Brombeeren überwuchert, den die Erwachsenen gar nicht kannten, war unser "Hauptquartier". Hier trafen wir uns mit einigen Kindern aus der Straße. (Unbeaufsichtigt, gibt es sowas heute noch?)

Wir züchteten hier Hummeln, die wir von den Disteln absammelten und in Flaschen mit Zuckerwasser fütterten, damit sie Honig geben.
Irgendwas war dabei noch nicht ganz richtig, denn wir waren dabei nicht sehr erfolgreich.

Eines Tages kam dann ein großes Abenteuer auf uns zu in Form von einer ganzen Herde Jungbullen. Es wurde dunkel, wir mussten nach Hause, aber auf dem Streifen Weide, den wir überqueren mussten, standen nun diese Viecher und schauten uns recht angriffslustig an.
Was nun?
Wir haben es mit warten versucht.
Wir haben es mit anschreien versucht.
Wir haben es mit Bullen-Verscheuch-Tänzen versucht.
Wir haben es mit Steinen versucht.

Seitdem weiß ich, wie man eine ganze Herde Jungbullen in die Flucht schlagen kann: Man muss nur ganz viel Sand und Dreck und Erde in die Luft schleudern, dann nehmen sie vor dieser riesigen dunklen Wolke Reißaus!
Wir sind blitzschnell über den Zaun geklettert, über die Weide gesprintet, auf der anderen Seite wieder über den Zaun rüber - gerettet!

Was für ein Abenteuer!



Einige Zeit später war das Neubaugebiet fertig. Die Distelwiese war zugepflastert, wir konnten unsere Imkerei nicht weiter optimieren. Die Brombeergebüsche und die Bunkerreste sind verschwunden.
Sehr schade.
Aber ich bin froh, dass ich diese Erinnerungen an eine spannende Kindheit habe!

Ihr könnt das verstehen.

Viele Grüße,
Sylvia

Mus
28.02.2014, 20:38
Danke Sylvia für die beiden bemerkenswerten Geschichten. Die gehen echt unter die Haut.
Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie ihr nach dem erfolgreichen Versuch des Bullenverscheuchens ausgesehen habt:bg:

Meer Berge
28.02.2014, 20:47
So wie meistens, wenn wir nach Hause kamen :p

Wenn wir nicht dreckig waren, fragte meine Mutter misstrauisch nach, wo wir denn gewesen seien :bg:

Mus
28.02.2014, 20:57
:bg:

Meine Mutter hat uns regelmäßig angedroht, uns mitsamt den Klamotten in die Waschmaschine zu stecken.
Aber dann mussten wir uns nur vor der Haustüre die Füße waschen und die Klamotten ausziehen und dann ab direkt in die Wanne.
Für meine Kinder wurde das Verfahren noch mal verbessert. Die bekommen ihr Bad im Sommer gleich in einer Plastikwanne im Garten. Warmwasseranschluss in der Garage macht's möglich.

Christian J.
01.03.2014, 13:18
wir waren gerade in unser neues Haus eingezogen. [...]
Einige Zeit später war das Neubaugebiet fertig. Die Distelwiese war zugepflastert, wir konnten unsere Imkerei nicht weiter optimieren. Die Brombeergebüsche und die Bunkerreste sind verschwunden.
Sehr schade.
(Hervorhebungen von mir)

:bg::bg::bg:

Meer Berge
01.03.2014, 15:38
Tja, Christian, so ist das immer.
Wir waren die ersten hier, alles gehörte uns! Es war unverdorben und wild (in Kinderaugen).
Dann kamen all die anderen und die Wildnis verschwand :motz: .
Von mir aus hätten wir die einzigen bleiben können :grins:

"Alles ist gut, solange du wild bist" Wilde Kerle gab es auch damals schon :cool:

Ist wie mit der Expedition und dem Massentourismus...



Unser Hausbau war übrigens auch so eine Art Outdoor-Erfahrung.
Meine Eltern haben fast alles selbst gemacht, vom Ausschachten bis zum Dachdecken. Mein Vater ist Handwerker.
Wir Kinder haben angepackt wo wir konnten und durften. Und es hat (mir zumindest) viel Spaß gemacht ordentlich zu schuften.
(Nie hätte jemand gesagt, ich soll den Eimer nicht tragen, der sei zu schwer. Das musste ich schon selbst wissen, was ich schaffte.)

Als wir im Januar eingezogen sind, hatte das Haus zwar schon ein Dach, aber weder Türen noch Fenster. Es war lausig kalt. Unser Mobilar bestand aus Styropor-Klötzen. Einer als Tisch, ein paar als Hocker. Geschlafen wurde auf Luftmatratzen auf dem Boden immer dort, wo gerade der Boden schon fertig genug war und es am wenigsten gezogen hat.

Abends gabs im Garten Lagerfeuer.
Die Fenster kamen dann bald, die Türe ließ noch ewig auf sich warten.

Ich habe mit meinen Eltern nie gezeltet, aber das war für mich so etwas ähnliches.

Viele Grüße,
Sylvia

Christian J.
01.03.2014, 15:50
Ich (vielleicht 8 Jahre alt) bin mal mit meinem Bruder (6) und einer Freundin (9) durch die Wälder gestreift. Da haben wir in der Nähe einer Straße einen Müllsack mit einer Leiche gefunden. Jedenfalls waren wir Jungs sofort davon überzeugt, als die Freundin schrie "iiieh, eine Leiche" und wegrannte. Außerdem waren ganz klar die weißen/grauen Haare des Totenschädels zu sehen. Nach 10 Minuten rennen kamen wir bei unseren Eltern an, die zum Glück nicht gleich die Polizei riefen sondern erst mal mit uns zum "Fundort" zurück gingen. Sie fanden es auch eine große Sauerei, dass da jemand einen Müllsack mit Klemptnermaterialien, aus dem einige Büschel Abdichthanf herauschauten, direkt an der Straße entsorgt hatte. :bg:

Das kommt davon, wenn man seine Kinder in dem Alter schon Sonntags den Tatort mitgucken lässt!