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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Daunen-Quilt: Stoff kräuselt sich



n19to521
10.10.2013, 14:02
Hallo zusammen,

ich bin im Moment nach einigen anderen Projekten dabei, mir einen Daunenquilt zu nähen.

Der Stoff, den ich verwenden will, kräuselt sich leider ganz gewaltig. Es handelt sich um das daunendichte Nylon-Taft 38g/m² von Extremtextil (http://www.extremtextil.de/catalog/Nylon-Taffeta-daunendicht-soft-20den-38g-qm::1518.html).

Ich habe schon einiges probiert, besser geworden ists, leider aber nicht wirklich gut. Siehe Bild:
http://img443.imageshack.us/img443/6852/2tl9.jpg (http://imageshack.us/photo/my-images/443/2tl9.jpg/)

1: Standardeinstellung der Maschine, Madeira Aerofil 120, 60er R und 65 RS Nadel
2: Fadenspannung unten/oben auf's Minimum reduziert, gerade so noch keine Schlaufenbildung, Zeitung untergelegt -> besser geworden
3: Faden getausch, Gütermann Allesnäher 100, Nadel 65RS -> viel besser, aber nicht perfekt.

Ich nähe (bislang erfolgreich) auf einer Industriemaschine mit Nadeltransport, ausgelegt für leichte und mittlere Stoffe.

Was ich schon probiert habe:
- Fadenspannung unten soweit möglich gelöst, oben natürlich auch angepasst -> besser geworden
- Nadeln 60er R und 65 RS probiert -> kein Unterschied
- Füßchendruck von niedrig bis hoch durchgespielt -> kein Unterschied
- Garn getauscht gegen dickeres (!) (120 zu 100) -> besser
- Zeitung untergelegt -> besser geworden

Ich habe das Garn (Madeira Airofil 120) trotz Empfehlung durch den örtlichen Einzelhandel im Verdacht. Das dickere Gütermann 100 aus meiner Grabbelkiste ist optisch ein wenig glatter und näht trotz größerer Dicke einfach besser.

Viele Grüße

changes
10.10.2013, 15:45
Meine Erfahrung bezugs Kräuseln ist, das man tunlichst drauf achten muß absolut keinen Zug auf den Stoff auszuüben.
Er muß ganz einfach unter den haltenden fingern durchgleiten oder wenn du ihn halten möchtest/ muss,t etwas "durchhang " vor dem Transporter damit er ab da keine Spannung hat.
Schon ein minimaler wiederstand kann zu kräuseln führen.
Evtl kannst du noch mit dem Stichabstand ausprobieren. Meine Erfahrung dabei ist, Je kleiner desto kräusel
Ich nähe wo es geht auf 4

Noch eine Möglichkeit, Teste mal eine Kappnaht mit lockerem Stoff die ist stabiler und das Ergebnis könnte weniger kräuselig sein

NilsL
10.10.2013, 18:43
mein Tipp wäre auch erstmal eine längere Stichweite ausprobieren

Fisherman
10.10.2013, 20:42
Wenn Du Dir nicht eine neue Nähmaschine mit Differentialtransport leisten willst, wäre mein Tipp dünnes Seidenpapier unterzulegen. Das kannst Du nach dem Nähen einfach abreißen. Hat bei mir beim Nähen von 10 DEN Nylon bestens funktioniert.

baba
11.10.2013, 12:04
Gleicher Stoff mit

mit 80er Alterfil S
Schmetz Microtex 80er
3mm Stichweite
mittlere Oberfadenspannung
leichter bis mittlerer Nähfußdruck
ohne Probleme genäht.

Unterfadenspannung prüfen/einstellen, Spulenkorb/Spulengehäuse und drumherum reinigen, Spule richtig herum einlegen, Ober-Fadenspannung noch weiter lockern, Transporteur reinigen, neue Nadel verwenden, Maschine komplett neu einfädeln.
Vermeidung von Nahtkräuseln (http://www.amann.com/fileadmin/download/naehfaden/b_nahtkraeuseln_DE.pdf) oder hier Nähwissen von Fachleuten erfragt: Nahtkräuseln - Ursachen und Abhilfe (http://www.hobbyschneiderin.net/content.php?r=621-N%E4hwissen-von-Fachleuten-erfragt-Nahtkr%E4useln-Ursachen-und-Abhilfe)

Tritt das Problem NUR bei diesem Stoff auf? - wenn nicht und obiges ohne Erfolg beachtet - dann ab zum Maschinendocktor:(

FlachlandMyog
11.10.2013, 18:14
Mit einer Nadeltransportmaschine hast du natürlich schon einen guten Griff getan, so sie korrekt funktioniert. Bei derart dünnen Stoffen ist Nahtkräuseln leider nicht völlig zu vermeiden weil die Fadenspannung den Stoff immer zusammenzieht, man kann sie nicht so locker einstellen dass es verschwindet. Man stebt bei diesen Stoffen kein Kräuselfreies sondern ein möglichst gleichmäßiges und ruhiges Nahtbild an was bei Nahtprobe Nr. 3 schon recht gut funktioniert hat. Mein Vorredner hat da schon ein PDF von Amann gepostet was ich dir nahelegen möchte, z.B. die Fadenstärke und Art hat wie du schon gemerkt hast Einfluss auf das Nahtbild, aber auch Stichlänge, Fadenspannung, Nadelstärke und Art und normalerweise auch der Nähfußdruck. Allgemein und zwar bei jedem Stoff sollte Nadelstärke und Fadenstärke dem Stoff angepasst werden, man kann da grobe Angaben machen welche Stärken zu welchem Stoff passen aber die Feinabstimmung muss immer in der Praxis getestet werden. Das unterlegen von Papier verhindert das zusammenziehen des Stoffes während des Nähens, eindeutiges Zeichen dafür dass die Fadenspannung auch bei der lockersten Einstellung noch zu straff ist.

Wenn ich dieses Material vernähe unterlege ich wann immer möglich Papier, ist aufwendig aber sieht am besten aus. Es gibt auch auswaschbares Vlies zum unterlegen, ist nachher weniger Arbeit allerdings recht teuer.

n19to521
19.10.2013, 21:43
So, die Hülle ist fertig genäht.

Mit 220er Garn, 60er Nadeln, so wenig Fadenspannung wie möglich, 3,5mm Stichlänge und untergelegtem Zeitungspapier ist das Ergebnis ganz ansehnlich geworden.

Vielen Dank für euere Unterstützung und viele Grüße

FlachlandMyog
20.10.2013, 18:30
Glückwunsch zur fertigen Hülle.
Ist die Naht denn mit 220er Garn und 3,5mm Stichlänge Reißfest genaug? :o
Erst Qualitätskontrolle dann Daunen reinschaufeln :bg:

Wenn du das Material nochmal nähst kannst du ja bescheid geben, dein Problem muss noch irgendwo geblieben sein denn meine Maschine kann auch mit dickerem Garn (bis 80er getestet) und höherer Fadenspannung noch recht sauber nähen.

[IMG-L]http://img19.myimg.de/P1030141cad14.jpg[/IMG-L]
Links und Mitte: normale Fadenspannung, IDT aus, Stichlänge 2,5/3mm, Alterfil 100Nm Polyesterfaden
Rechts: Fadenspannung zu hoch, Nähfußdruck zu niedrig, Stichlänge zu kurz
Bei allen dreien war kein Papier unterlegt.

Gruß und viel Spaß mit dem Quilt

Schmusebaerchen
20.10.2013, 19:13
Und wie sieht das Ergebnis aus?


So sehr kenne ich mich mit den ganzen Maschinen und Einstellungen nicht aus. Ich habe bei Nylon Tafetta und Silnylon (beides Extex) den Stofftransport und die Fadenspannung einfach verarscht. Eine Hand Vorn, eine Hinten, straff ziehen und im gestrafften Zustand drüber nähen. Da kann keine Fadenspannung den Stoff kräuseln. Bei mir war es vorher so krass, dass es teilweise das ganze Nähobjekt zusammen gezogen hat.
Natürlich geht diese Methode auf die Arme, aber wer kein Geld für teure Maschinen ausgeben möchte und zu Faul ist ewig an der Fadenspannung zu drehen, der muss leiden :bg:
Jetzt sieht es bei mir so aus, wie bei dir das 3.

Quilt ist bei mir auch noch dran...

n19to521
07.01.2015, 22:22
Ich wärme mal meinen Gesprächsfaden von 2013 wieder auf, um euch endlich mal die Ergebnisse und ein paar Erfahrungen zu der Daunendecke zu präsentieren.

Hintergrund der Herstellung war, daß ich im Vergleich zu mein Daunen-Schlafsack weiter Gewicht und Volumen sparen wollte. Das Ding ist (für mich) bis ca. -10° komfortabel, obwohl der Komfortbereich Männer bei -3° angegeben ist. Bei gemäßigten Touren (= über dem Gefrierpunkt) ist er damit eigentlich viel zu warm und ich muß ihn öffnen, da er sonst zu warm wird.
Der Quilt sollte also so bei 5-20° einsetzbar sein und dabei mit 400 gramm das Gewicht mehr als halbieren. Ob mir das gelungen ist, siehe weiter unten.

Ich denke, der "Herstellungprozess" ist den meisten klar, hierfür gibts auch wesentlich bessere Beiträge hier im Forum oder auf bekannten schwedischen Selbermacher-Seiten. Ein Daunen-Quilt ist eigentlich nicht schwer zu nähen. Vielleicht nicht gleich als erstes Projekt, da kann man ja erst mal mit Tarp und Poncho üben, dannach dann den Biwaksack, bevor man sich dann an die ein bisschen anspruchsvolleren (und bei Mißerfolg teuren) Projekte wagt. Aber wer schon ein bisschen Erfahrung hat: nur zu!

Nach der Planung habe ich erst mal mit einem Versuchs-Kaninchen angefangen, einfach die in der Theorie überlegten Maße in der Praxis zu überprüfen.
Also ab zu Ikea, eine Myra Gräs Decke für 2,50€ besorgen, mit den geplanten Maßen mit Stecknadeln zusammen gesteckt und etwas probiert, bis es 100% gepasst hat. Orientiert habe ich mich im großen und ganzen am Dunquilt nr 1 von Anders Jonsson, nur 20cm vor den Schultern bin ich wieder je 15 cm schmaler geworden.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/1_1_mysa_graes.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=120975&title=diydaunendecke&cat=500)

Da ich bislang nur Schlafsäcke und keinerlei Erfahrungen mit einem Quilt hatte noch eine kleine Probetour gemacht, einfach um auszutesten ob das überhaupt funktionieren könnte oder man sich die Arbeit lieber gleich sparen kann und doch lieber einen (Leicht-) Schlafsack näht.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/1_2_Testen.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=120976&title=diydaunendecke&cat=500)
Im Bild ist nur der Tyvek-Biwaksack (ebenfalls andersj.se) zu sehen, der Myra-Gräs-Quilt steckt drin. Es war eine regnerische und ungemütlich kalte Nacht, doch ich habe geschlafen wie ein Baby.

Dann ging's ans Rechnen. Die Abmessungen und die Form waren bekannt, ebenso 250gr. 860cuin Daune. Erst den Abstand der Zwischenwände ausknobeln, irgendwas zwischen 10 und 15 cm ist ideal. Anschließend die Daune nach dem prozentualen Volumen gleichmäßig aufteilen, und die Zwischenwandhöhe sprich Kammerhöhe berechnen.
Daraus ergiebt sich dann auch das Füllgewicht für die einzelnen Kammern. Ich habe am Oberkörper eine leichte Überbefüllung, an den Füßen geringfügig weniger geplant.

38gr. Nylon Taft von Extremtextil in der gewünschten Länge und Breite ausschneiden, Aufteilung mit Kreppband markieren und aus ultraleichtem Moskitonetz gefertigte Zwischenwände an das Unterteil annähen.
https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/1_3_Quilt.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=120977&title=diydaunendecke&cat=500)

Das Oberteil habe ich noch 5 cm breiter geschnitten, um den größeren Radius auszugleichen. Dann kommen die beiden Teile zusammen, eine nach der anderen Zwischenwand an das Oberteil nähen, dabei nicht vergessen, nach jeder Naht die zugehörige Kreppbandmarkierung abzuziehen.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/1_4_Quilt.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=120978&title=diydaunendecke&cat=500)

Dabei ist wichtig, sich von davongetragenen Unterfadenspulen oder Gezeter von unter dem Tisch wegen fehlender Ansprache nicht aus der Ruhe bringen zu lassen...

Eine Längsseite muß zum füllen natürlich noch offen bleiben, aber nun drei Seiten zunähen und nach eigenen Vorlieben mit Schrägband oder Rollsaum säumen. Ich habe mich aus Gewichtsgründen für den Rollsaum entschieden, der gleich als Tunnel für den Zug am Kopf- und Fußende dient.
Züge einziehen und "Zubehör" wie die Haken (http://www.extremtextil.de/catalog/Kordelhaken-geschlossen::619.html) für die Fixierschnüre annähen.

Zum Befüllen habe ich die ferige Hülle mit Kreppband an eine Latte zwischen zwei Stühle geklebt. Das Zimmer ist weitgehend ausgeräumt, Staubsauger mit Moskitonetz, um herumfliegende Federn fangen zu können. Für den Daunen-GAU hatte ich noch eine gefüllte Wasser-Spritze parat. Jegliche Zugluft durch offene Fenster oder Türen ist natürlich zu vermeiden.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/1_5_Quilt.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=120979&title=diydaunendecke&cat=500)

Das alles ist letztendlich nur halb so wild abgelaufen, mit meiner Methode sind nur sehr wenige Federn entkommen. Ursprünglich war geplant, mit dem Staubsauger Daunen in ein Rohr zu saugen und nach dem Wiegen in den Quilt zu befördern. Das hat sich nicht bewährt, nach wenigen Gramm verstopfen die schon eingesaugten Daunen das Rohr und der Sauger bekommt keine Luft mehr hindurch.

Nachdem das Kind aus der Wanne ausgestiegen ist...

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/1_7_Quilt.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=120984&title=diydaunendecke&cat=500)

...habe ich diese in einen Müllsack gesteckt und stramm verklebt, so daß ich noch durch eine kleine Öffnung hineingreifen konnte. Die Daunen habe ich so von Hand in das Rohr gestopft, mit einer Feinwage auf 0,1 gr. gewogen und mit einem Kolben in den Schlafsack gedrückt.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/1_6_Quilt.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=120980&title=diydaunendecke&cat=500)

So lange man das nicht bewegt, bleibt der eingefüllte Daunen-Klumpen relativ kompakt, so daß man gemütlich alle Kammern befüllen kann. Anschließend vorsichtig abnehmen und die noch offene Seite zunähen und säumen.

Jetzt darf man den Quilt endlich aufschütteln, und den Loft resultierend aus der hoffentlich korrekten Berechnung bewundern...

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/1_8_Quilt.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=120982&title=diydaunendecke&cat=500)

Erfahrungsbericht kommt im nächsten Beitrag

n19to521
08.01.2015, 10:09
Der Quilt ist mittlerweile seit über einem Jahr im regen Einsatz und hat dementsprechend schon einige Touren hinter sich.

Der Schnitt hat sich bewährt. Die Fußbox wird mittels YKK-3C Reißverschluß und der eingezogenen Elastikkordel geschlossen. Wenn die eingezogenen Elastikkordel am Hals-Ende zugezogen wird, passt mir das Teil wie angegossen. Der Quilt liegt dann perfekt um meine Schultern, so daß da auch nichts rausrutscht.
Die angenähten Kordelhaken zur Fixierung sind einfach unnötig. Die muß ich mal abschneiden, spart auch wieder 15 Gramm.

Die 250gr. Daune haben sich als sehr warm erwiesen, bis ca -5°C ist's recht komfortabel, darunter muß man mit zusätzlicher Kleidung (lange Unterwäsche, Jacke) oder einem Biwak-Sack erweitern. In Anbetracht, daß ich ihn eigentlich als leichte 2,5 Jahreszeiten-Ergänzung zum Schlafsack geplant habe, eigentlich zu warm geworden, wohl nicht zuletzt durch den Schnitt, der mir wie angegossen passt. Da hätten wohl auch 150gr. Daune gereicht.

Den Schlafsack habe ich seither selbst im Winter nicht mehr benutzt. Der Quilt hat ihn für alle 4 Jahreszeiten vollständig ersetzt.

Als nächstes habe ich aus den Resten der Quilt-Hülle sowie 700cuin-Daune eine Weste gestrickt.
https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/stubai_2014_08_01_19_25_10_mf.jpg (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=120995&title=daunenweste&cat=500)

Diese dient zur Erweiterung des Temperaturbereichs des Quilts sowie als leichte Isolierung für kalte zugige Alpen-Gipfel. Herstellung sehr ähnlich, durch die kleinen Kammern aber viel frickeliger als der Quilt.

https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/IMG_09815.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=121004&title=daunenweste&cat=500)

Befüllt wurde wieder mit der gleichen Methode, als Rohr diente diesmal ein zusammengerollter Decker einer Kunststoff-Dokumentenmappe mit einem Röhrchen für Magnesiumtabletten als Kolben.
https://www.outdoorseiten.net/fotos/data/500/medium/IMG_09923.JPG (https://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=121005&title=daunenweste&cat=500)