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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [US] Alaska 2013



bienenhund
02.09.2013, 22:46
Seit einiger Zeit lese ich hier im Forum mit und ich freue mich täglich darauf, nach der Arbeit bei einer Tasse Kaffee, im Forum zu blättern, mich zu entspannen, Neues zu lernen, Anregungen zu bekommen und manchmal auch Spaß zu haben. Von all dem möchte ich durch einen kurzen Bericht über meine diesjährige Reise etwas zurückgeben.
Seit einigen Jahren verbringe ich meinen Urlaub oft in Nordamerika. Dabei hat sich Alaska, genauer Nordalaska, zu meinem bevorzugten Ziel entwickelt. Meist lasse ich mich an einem Fluss oberhalb oder nahe der Baumgrenze von einem Buschflieger absetzen und fahre dann mit einem Faltboot den Fluss hinunter. Dabei ist meist mein Sohn oder meine ständige Begleiterin Biene. Auch in diesem Jahr starteten wir Anfang August. Das Einchecken in Frankfurt verlief diesmal reibungslos, dabei mussten 2x23 kg Gepäck, 30 kg Boot, 1 Doppelflinte und ein Hund bewältigt werden. In Anchorage hatte ich schon einen Mietwagen reserviert und so konnte ich nach 10 Stunden Flug bald losfahren, um außerhalb der Stadt, Biene den lang ersehnten Auslauf zu verschaffen. Anschließend ging es in die Stadt zum einkaufen der fehlenden Lebensmittel und Patronen.
Da ich seit 20 Stunden nichts ordentliches gegessen hatte, lohnte sich der Besuch im Steakhaus mit seinem reichhaltigem Buffet. Was sich nicht gelohnt hätte, wären 90$ für eine Übernachtung im Motel, also verbrachte ich die kurze Nacht auf einer Flughafenbank. Um 8 Uhr war ich schon wieder mit der Alaska Airline unterwegs nach Kotzebue. Der 1,5 Stunden kurze Flug ging schnell vorüber und beim Landeanflug bekam ich wieder einen beeindruckenden Blick auf das Delta des Kobuk River.

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Morgen geht es weiter.

tjelrik
03.09.2013, 06:37
Das startet ja schon mal fein! Ich freue mich auf die Fortsetzung - bei einer Tasse Kaffee nach der Arbeit :)

bienenhund
03.09.2013, 18:38
Bis ich mein Gepäck in der Hand hatte, war auch schon Jim Kincade da und brachte alles zu seinem Hangar. Hier konnte ich alle, für die Flussfahrt überflüssigen, Teile deponieren.

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Zwei Stunden später landeten wir auf einer Kiesbank am Oberlauf des Squirrel River. Wobei das mit der Landung nicht so einfach war. Jim brauchte 12 Anflüge um einen geeigneten Streifen zu finden und auch dieser war nicht optimal, noch im ausrollen musste er den Sträuchern ausweichen, ich habe mich dabei gut festgehalten und genau hingesehen, für den Fall das es die letzte Landung ist, die ich erlebe. Mit Sicherheit war es die schwierigste Landung, die ich je erlebt habe.

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bienenhund
03.09.2013, 20:49
Der weitere Tag war, unterbrochen von zwei Regenschauern, ausgefüllt mit Zelt aufstellen, Boot aufbauen, verstauen der Ausrüstung, kochen, ausruhen und kurze Ausflüge in die Umgebung.

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Gegen 21.30 war dann für mich der Tag zu Ende und ich bemühte mich soviel wie möglich vom entgangenen Schlaf nachzuholen, eigentlich musste ich mich nicht bemühen, ich schlief einfach 11 Stunden durch.
Für die nächsten Tage waren einige Wanderungen geplant, nach dem ich die vielen Bärenfährten, am Ufer rauf und runter, gesehen hatte, hielt ich das nicht mehr für eine gute Idee. Vor einigen Jahren sah ich einmal ein Alukanu mit dem sich ein Bär beschäftigt hatte, mein Faltboot möchte ich mir dann gar nicht erst vorstellen. Der Fluss war voller Lachse und somit der Anziehungspunkt für die Bären der ganzen Gegend.

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tjelrik
03.09.2013, 20:56
5sterne

Grizzly
03.09.2013, 20:57
Genial! Über den Squirrel habe ich auch schon Info's gesucht, konnte in Netz aber nichts finden, was meine Neugier befriedigt. Auch in Karen Jettmars Buch nicht....und jetzt kommst Du...ich freue mich auf die nächsten Bilder!
Sieht aber weniger bergig aus, als ich mir erhofft hatte,
Grizzly

Robiwahn
03.09.2013, 21:27
Schöner Anfang, ich hoffe, es geht so weiter ;-)

bienenhund
03.09.2013, 22:19
Am nächsten Tag gegen Mittag war es dann soweit, bei schönstem Paddelwetter, kein Wind und kein Regen, geht es los. Der Fluss ist hier am Oberlauf noch recht flach und ich muss sehr aufpassen, um eine Rinne, mit ausreichend Wasser, zu finden. Einige Grundberührungen sind dabei nicht zu vermeiden, die runden, abgeschliffenen Steine machen aber der Haut meines Kolibri 3 erfahrungsgemäß nichts aus, die steckt so was locker weg.

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Ja die kleinen runden schon, aber die großen eckigen? Nun, nach wenigen Kilometern erwischt mich so ein Brocken, vielleicht war es ja auch ein Nordlandtroll, die können ja verschiedene Gestalten annehmen. Jedenfalls hatte ich nach einem kräftigen Stoß plötzlich ein 6 cm langes Loch in der Haut und das Wasser sprudelt herein als hätte jemand einen Wasserhahn aufgedreht. Nebenan ist eine Kiesbank und so bleiben Füße und Hintern gerade noch trocken. Nur Biene liegt im Wasser, aber da ist sie ja so wie so ständig.

Chaot
04.09.2013, 13:49
Fängt ja schon gut an bei deiner Tour.
Bin schon ganz gespannt auf die Fortsetzung.

Lawdog
04.09.2013, 16:54
:popcorn:5sterne

Danke fürs Schreiben, ich freue mich auf die Fortsetzung.

Gruß

Hendrik

bienenhund
04.09.2013, 20:32
Danke für die ermunternden Worte und Zeichen.
@Grizzly Die North Fork des Squirrel River ist deutlich näher an den Bergen und zum Wandern auch besser geeignet. Der Fluss hat aber auch weniger Wasser, jedenfalls im August. 2010 musste ich etwa 10-12 km treideln, um fahrbares Wasser zu erreichen, ich hätte auch noch einen Tag wandern können, über Nacht war der Fluss um 30 cm gestiegen. Aber das ist eine andere Geschichte.

@ Hendrick ? Hendrick L. aus Fairbanks ?

Ein paar Bilder von anderen Reisen findet ihr hier. http://www.wh-messer.de/

So, jetzt geht es weiter.

Ich baue nun zügig das Lager auf, denn am Horizont drohen dicke Regenwolken. Als Alles unter der Plane verstaut ist, geht es an die Reparatur, die auch bald erledigt ist. Für heute ist die Reise aber zu Ende. Ich will die Reparatur bis morgen nicht mehr belasten und sichere sie auch zusätzlich mit Ductape.

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Der Lagerplatz ist eigentlich ganz nett, doch leider sind auch zwei Möwen der selben Meinung, sie haben in der Nähe zwei Junge und versuchen, mich mit Sturzflügen und Geschrei zu vertreiben. Nach etwa zwei Stunden können sie ihren eigenen Lärm nicht mehr hören und geben auf. Wie schön Stille sein kann, nur der Fluss murmelt vor sich hin. Irgendwann, ich bereite gerade das Abendessen vor, geht das Gekreische wieder los. Ziel ihrer Tieffliegerangriffe ist das Weidengestrüpp am gegenüberliegenden Ufer. Da die Vögel ja keine sinnlosen Attacken fliegen, beobachte ich die Szene genau und sehe, dass auch ich beobachtet werde. Verdeckt vom Weidengestrüpp steht ein Wolf. Seit fast zwanzig Jahren warte ich auf diesen Augenblick, der erste freie Wolf.

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Und er benimmt sich auch noch so. Nun, da er weis das er entdeckt ist, überquert er in aller Ruhe einen Seitenarm, sieht sich noch einmal um und verschwindet in der Wildnis.

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tjelrik
04.09.2013, 20:38
He, das ist gemein, uns immer nur kleine Bröckchen hinzuwerfen :bg:

chriscross
04.09.2013, 22:45
5sterne!

Lawdog
05.09.2013, 15:57
Hendrik F. aus Hessen. Fairbanks - so weit im Norden war ich noch nicht.
Nord Ontario war das nördlichste auf dem Nordamerikanischen Kontinent.

bienenhund
05.09.2013, 22:18
Biene hat von alldem nichts mitbekommen, sicher hat sie sich schlafend gestellt, um die Verwandtschaft nicht begrüßen zu müssen. Kluger Hund. Nun, da der Wolf sich davon gemacht hat, beruhigen sich die Möwen auch wieder, aber nur kurz.
Ich bin noch beim Abendessen, da melden sich die weißen Krakeeler schon wieder. Diesmal ca.200m stromaufwärts, während ich meine Nudeln wegstelle und nach der Kamera suche, kommt er auch schon um die Ecke getrottet.

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So ein Bär ist auch auf 100m eine imposante Erscheinung, und so mache ich mich rechtzeitig bemerkbar, zum Glück ist er so gescheit und schlägt sich in die Büsche.

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Das hat nun auch Biene mitbekommen, sie folgt ihm mit ihrem tiefsten Bass, aber nur soweit, dass jeder erkennt, sie ist nicht nur mutig sondern auch klug.

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Jetzt besinnt sie sich auch auf ihren Nebenjob, sie umrundet das Lager und hält eifrig Ausschau nach weiteren Störenfrieden.


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Der lässt nicht lange auf sich warten, gerade bin ich beim Küche aufräumen, da kommt Meister Petz von unten am Ufer entlang geschlendert, dieser Bursche ist deutlich größer als der Erste. Biene liegt schon wieder auf ihrer Decke und schläft. Ich stelle mich also an das Ufer und winke dem Bären zu, der sich darauf hin zu seiner vollen Größe aufrichtet, um die Lage besser überblicken zu können. Zwei Schläge mit dem Löffel auf den Topf genügten und auch er verschwindet, lautstark von meinem Hundchen verabschiedet. Bei dieser Szene war mir die Flinte deutlich näher als die Kamera, der war mir deutlich zu nah. Für diesen Tag wars das erst mal, mir hat es jedenfalls gereicht. Pünktlich mit dem Sonnenuntergang, gegen 23.30 verkriechen wir uns in das Zelt. Hin und wieder höre ich im Schlaf die Möwen schreien und einmal überquert ein großes Tier den Fluss aber das ist alles so weit weg.

bienenhund
06.09.2013, 17:23
Am nächsten Tag kann ich die Fahrt wieder fortsetzen, der Fluss ist voller Lachse und auch am Ufer liegen immer wieder angefressene Lachse herum. So lassen auch die nächsten Begegnungen mit den Dicken nicht lange auf sich warten.

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Ich fahre nun immer langsam um die Biegungen, um die Bären rechtzeitig zu sehen. Der Fluss ist ja immer noch recht schmal und flach, ich möchte keinen von den Fischern überraschen. Ich staune immer wieder, wie flink sie sich beim Fischen bewegen. Auch wenn man glaubt, sie schlendern gemütlich am Ufer entlang, sieht das nur auf den ersten Blick so aus, in Wirklichkeit machen sie große Schritte und kommen so schnell vorwärts. Eigentlich bin ich meist vorgewarnt, die Möwen und Kolkraben warten auf die Reste der Bärenmahlzeit und so werden die fischenden Bären laut umkreist, so sind sie schon von weitem zu hören und zu sehen. Ich lege dann immer rechtzeitig an und mache mich bemerkbar, er verschwindet dann meist zügig im Busch. In den nächsten Tagen wird der Fluss zusehends breiter und tiefer, die Bären haben hier keine Möglichkeit mehr, einen Lachs zu erwischen und die Begegnungen werden weniger und hören bald ganz auf. Fährten im Sand und Schlamm und zertretenes Gras am höheren Ufer zeigen aber immer noch, wo sie entlang gezogen sind.
Das Wetter ist immer noch ideal, leichte bis keine Bewölkung und ein wenig Rückenwind. Es ist kaum zu glauben, aber vor drei Jahren habe ich hier zwei Wochen lang mit starkem Gegenwind und Wellen, teils mit Schaumkronen, gekämpft.
Morgens habe ich hier in der feuchteren Gegend oft sehr dichten Nebel, der sich aber bis zur Abfahrt auflöst.

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Die nächsten Tage gehen beim entspannten, gemütlichen Paddeln vorüber. Ich freue mich besonders über Begegnungen mit Kranichen, Tundraschwänen und Kingfisher. Beobachte Fischadler beim Fischen und am Nest, Seeadler beim Versuch, junge Merganser zu fangen. Auch Elche sind mehrmals am Ufer zu sehen.


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Kilometerfresser
07.09.2013, 11:47
Super Reisebericht bitte unbedingt weiterschreiten !

paddel
07.09.2013, 12:04
Klasse!!! Freue mich auch schon auf die Fortsetzung.

Rattus
07.09.2013, 12:10
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Klasse!!! Freue mich auch schon auf die Fortsetzung.

Ich mich auch. Schön geschrieben und tolle Fotos!

bienenhund
07.09.2013, 20:36
Danke für euer Lob. Fragen sind genauso willkommen.

Bei meinen Begegnungen mit den Tieren war auch wieder ein Besonderer dabei. Als ich von weitem den dunklen Fleck, der mir am Ufer entgegen kam, sah, war mein erster Gedanke, "nein nicht schon wieder". Eine sehr unangenehme Begegnung der letzten Tage war mir noch zu gut in Erinnerung. Doch ein Blick durch mein Fernglas zauberte ein Lächeln auf mein Gesicht. Sofort legte ich das Paddel beiseite und lies mich treiben. Leider bekam der Wolf bald Wind von mir und verschwand über das steile Ufer. Blöder Rückenwind!

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Kiana macht schon bald nach dem Ablegen mit dem Lärm der Kleinflugzeuge auf sich aufmerksam, es dauert aber noch drei Stunden bis ich am Ufer anlege.
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Am Ufer werde ich gleich von einem Einheimischen angesprochen. Das übliche "woher" und "wohin". Nach dem ich ihm erklärt habe, dass meine Frau auf ein Lebenszeichen von mir wartet, fordert er mich gleich auf, mit zu kommen. Biene auf die Ladefläche und ich auf den Beifahrer Sitz, gelaufen wird ja hier nicht, und nach zweihundert Metern sind wir bei seinem Haus. Während Biene die drei Enkelkinder belustigt und umgekehrt, kann ich meine E-Mail loswerden. Noch ein paar Sätze über mein weiteres Vorhaben und einer kurzen und fruchtlosen Lektion in Inupat, frage ich so nebenbei nach dem Wetter der nächsten Tage. Also wieder rein, Computer an und ... schon ist der schöne Tag vorbei.
Die Wettererklärer sagen für die nächsten zwei bis drei Tage noch ruhiges Wetter voraus, mit nur leichtem Wind. Aber danach gibt es eine Wetteränderung mit stärkerem Wind und Regen. Nein nicht der Regen macht mir Sorgen.

Mika Hautamaeki
08.09.2013, 11:51
Ich kann die Fortsetzung kaum erwarten.... bitte unbedingt weiter schreiben!

s1ndbad
09.09.2013, 12:23
Ohhh ja...Toller Bericht, super Bilder...Bitte bitte mehr!

bienenhund
09.09.2013, 22:36
Von Kiana bis zum Sund hatte ich vier gemütliche Tage eingeplant, einen weiteren Tag für die etwa zwölf Kilometer weite Überfahrt zur Baldwinhalbinsel mit anschließender Belohnung in Form von Bannocks, Speck und Marmelade. Danach waren noch drei Tage, entlang der Küste bis Kotzebue, geplant. Also bis zu meinem Ziel Kotzebue, noch sieben oder acht Tage. Das passte nicht gut mit dem Wetterbericht zusammen. Vom Jahre 2010 wusste ich, dass schon ein leichter Wind recht hohe und was noch schlechter ist, kurze Wellen aufbauen kann. Hoch heißt für mich und mein Faltboot etwa ab 60-70 cm. Nach kurzem Überlegen, ein paar Tage später wusste ich, dass ich beim nächsten mal länger überlegen würde, entschloss ich mich, noch mal ein kleines Abenteuer zu wagen.
Ich verabschiedete mich und begleitet von Wünschen für eine gut Fahrt und der Mahnung, über den Sund nichts zu riskieren, ging es zügig weiter. Aber nicht all zu lange, als ob jemand den Wetterbericht bestätigen wollte, kam mir nach wenigen Minuten ein kräftiger Wind entgegen, der erste Gegenwind auf dieser Reise. Er machte mir für eine Stunde das Paddeln schwer, danach war es wieder ruhig wie zuvor.
Bei Kiana mündet der Squirrel in den Kobuk und der ist nun ein breiter, träger Strom. Nach wenigen Kilometern teilt er sich wieder in viele kleine und große Kanäle.

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Ab dem späten Nachmittag hielt ich Ausschau nach einem geeigneten Lagerplatz, was wie erwartet, hier im Delta sehr schwierig wurde. Auf einer Seite nur Schlamm, so tief und weich, das ein Aussteigen nicht möglich ist und auf der anderen Seite nur steile Ufer und oben Gestrüpp und Bäume, nicht mal zwei Meter Sicht. Gegen 21.30 entschied ich mich für einen der schlechtesten Plätze, die ich je hatte. Zu alldem ging wenige Meter hinter dem Zelt ein Bärenpfad, mit frischen Spuren, vorbei, das Gras sah aus als ob hier jeden Tag ein Angelverein ausschwärmt. Damit die Bären wissen, wer gerade zu Besuch ist, habe ich fünfzig Meter in beide Richtungen auf den Pfad gepinkelt und nach diesem langen und anstrengenden Tag ungestört durchgeschlafen. Pünktlich mit Sonnenaufgang war ich schon wieder auf den Beinen und eine Stunde später im Boot.

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bienenhund
10.09.2013, 23:04
An diesem Tag wollte ich ohne große Pausen zügig durchfahren, um der Mündung so nahe wie möglich zu kommen. Gegen Mittag befürchtete ich, vor Müdigkeit aus dem Boot zu fallen, an einem nicht zu steilen Ufer legte ich an und schlief eine halbe Stunde. Noch ein Stück Müsli und ich war wieder fit für die nächste Runde.
Am späten Nachmittag standen einige Stellnetze vom Ufer bis zu fünfundzwanzig Meter in den Fluss. Bald traf ich auch die Besitzerin, die, unterstützt von ihrer Tochter und Enkeltochter, mit dem Motorboot unterwegs war, um den Fang zu bergen. Sie schenkte mir einen Lachs, auf meinen Wunsch den Kleinsten.

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Um diesen Tag perfekt zu machen fand ich nach der nächsten Kurve ein Fischlager der Einheimischen, der ideale Platz, um mal wieder das Zelt gerade aufzustellen. Auch so ein Tisch ist für die Küchenarbeit sehr nützlich
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Nur ein Problem hatte ich an diesem Abend, ich konnte nur drei Pfannen von dem Lachs essen, noch ein Bissen mehr und ich hätte nicht mehr in meinen Schlafsack gepasst. Das Risiko war mir einfach zu groß. Die vierte Pfanne wurde den Flusstrollen
geopfert. Ich hielt das für notwendig, da einer von der Sippschaft vor drei Tagen meine Kamera in das Wasser geworfen hatte.
Das Opfer kam aber wohl zu spät, schon am nächsten Tag war auch die Ersatzkamera hinüber, jemand hat das Objektiv mit Sand blockiert.
Am nächsten Morgen fiel mir das Aufstehen wirklich schwer, aber ich hatte ja einiges vor und so waren wir gegen neun Uhr startbereit. Die fünfzehn Kilometer bis zur Mündung lagen bald hinter mir. Noch einmal fünf Minuten Pause und nach der Kurve konnte ich das offene Wasser sehen und einen ordentlichen Wind spüren, nicht nur das Wasser, auch die kurzen Wellen mit den weißen Kämmen waren zu sehen. Biene schüttelt sich heute noch wenn ich ihr das vorlese. Wie immer kamen jetzt Wind und Wellen aus der falschen Richtung, genau quer zu meinem Kurs. Um zum Nimiuk Point zu kommen, musste ich nun etwa zwei Stunden gegen den Wind nach Norden paddeln, dann wenden und mit dem Wind schräg von hinten in Richtung Südwest. Ab hier wurden auch die Wellen länger und dafür aber auch deutlich höher. Nun, ich will mich nicht mit Jammern aufhalten, ich wollte ja Abenteuer. Nach weiteren zwei Stunden warfen mich die Wellen bei Nimiuk Point an das Ufer.

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bienenhund
11.09.2013, 22:29
Am Nimiuk Point, ein Unternehmen das Kies abbaut, die drei Arbeiter wohnen in Containern und wechseln alle vierzehn Tage. Versorgt wird alles vom Buschflieger oder Kiesfrachter. Eine Straße hierher gibt es nicht.
Mein Plan, von hier aus an der Küste entlang zu fahren, erschien mir nun zu riskant, schon bei diesem Wind war es nicht möglich, einigermaßen trocken in das Boot zu kommen und abzulegen. Da der Wind ja noch an Stärke zulegen sollte, entschied ich mich, Jim in Kotzebue anzurufen, um mich abholen zu lassen. Bei Jim im Hangar konnte ich meine Ausrüstung trocknen und für den Flug nach Anchorage verpacken, das Büro stand mit einem Feldbett für die Nacht zur Verfügung.
Anchorage empfing mich mit Dauerregen, der sich auch in den nächsten Tagen nicht ändert. Einen Mietwagen konnte ich erst am nächsten Tag bekommen, aber wofür gibt es nette Flugbegleiterinnen, Melanie brachte mich mit Biene und all dem Gepäck zu Wilben Dahl, wo wir uns nach all den Jahren schon fast wie zu hause fühlen.

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Eigentlich wollte ich in den Chugac Mountains eine mehrtägige Wanderung unternehmen, doch die Berge waren komplett in Wolken gehüllt und der Regen wusch mir die Gedanken an die Wanderung weg. Am folgenden Tag kaufte ich erst mal im Pawn Shop einen Ersatz für meine Ersatzkamera, für 35,-$ macht sie ganz nette Bilder und im nächsten Jahr kann ich sie den Trollen als Köder hinlegen, damit sie die Bessere übersehen.
Die nächsten zwei Tage verbrachte ich in der Stadt, dort kam im neuen Museum keine Langeweile auf.

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Auch die Buchhandlung, der Ausrüster und der Jagd- und Angelladen, jeder fast so groß wie ein Fußballfeld, waren für mich ein interessantes Ziel.

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Am letzten Tag, ich hatte den Rückflug umgebucht, hörte der Regen gegen 8 Uhr auf und um 10 Uhr waren wir in den Bergen.

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Der Twin Peak Trail brachte mich ordentlich zum Schwitzen, doch Biene war glücklich, endlich wieder aus der Stadt zu kommen, sie hält Buchläden für unendlich langweilig.

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Der Lohn für den Aufstieg bestand in einem wunderbaren Blick auf den Eklutnalake und die ihm umgebenden Berge, eingerahmt von Sonnenschein und Nebelfetzen.

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Für den nicht weniger anstrengenden Abstieg belohnte ich mich im IHOP (Intern. House of Pancake)

s1ndbad
12.09.2013, 09:14
Danke für die Fortsetzung, wirklich ein toller Bericht ! 5sterne5sterne

Mika Hautamaeki
12.09.2013, 09:18
Tolle Reise! Ist es schwierig mit dem Hund in die USA einzureisen, (Impfungen usw sind logisch, aber gibt es sonstige Hindernisse?)

bienenhund
12.09.2013, 15:49
Hundeerfahrung habe ich nur für Alaska. Bis Anchorage genügt die Tollwutschutzimpfung, für Kotzebue ist unbedingt eine Parviroseschutzimpfung erforderlich. Wolfgang

Mika Hautamaeki
13.09.2013, 08:14
vielen Dank, ich befürchtete daß dort mehr Papierkram nötig ist.

Siggi
13.09.2013, 15:42
Klasse! Danke für den tollen Reisebericht und die schönen Bilder! Weiter so!

Savannah
13.09.2013, 16:43
Auch ich finde den Bericht sehr schön und habe ihn mit großem Vergnügen gelesen. Wunderschöne Fotos!

Eigentlich heißt es doch immer, daß man in Bärengebiet weitab vom Schlafzelt kochen und dementsprechend auch alle Kochutensilien etc. in sicherer Entfernung aufbewahren soll - das hast du aber nicht gemacht, oder? Hattest du keine Angst vor einem Überraschungsbesuch?

bienenhund
13.09.2013, 21:35
Ja, von dieser seltsamen Empfehlung habe ich auch schon gehört. Wahrscheinlich hat sich das ein Spaßvogel mal ausgedacht und alle Andern schreiben es ab. Wenn ich am ersten Tag weit ab vom Zelt die Bären füttere, was esse ich in den nächsten 14 Tagen ? Wenn die Bären lernen, wo sie leicht zu erreichende Nahrung finden, werden sie direkt danach suchen. Also passe ich doch lieber auf meine Lebensmittel auf. Ich bin auch meist außerhalb der Nationalparks unterwegs, hier werden die Bären, je nach dem, wie abgelegen die Gegend ist, bejagt und verhalten sich deshalb meist auch anders als im Nationalpark.

bienenhund
13.09.2013, 22:00
.

Savannah
13.09.2013, 22:16
Hmm, ich verstehe. Aber warst du dir denn sicher, rechtzeitig zu erwachen, wenn sich deinem Zelt tatsächlich nachts ein Bär genähert hätte? Und Biene hat ja offenbar einen sehr gesunden Schlaf, sodaß du nicht unbedingt davon ausgehen konntest, daß sie dich rechtzeitig warnen würde. ;-)

Sector
13.09.2013, 23:22
Hallo

Schonmal was von Bärenkanister, Elektrozaun oder Bewegungsmeldern gehört?

Überall wo man mit Bären rechnen muss wir nicht im Zelt gekocht und die Lebensmittel werden vom Lager entfernt (Bärensicher) gelagert. Die ganzen Verhaltensregeln kennst du bestimmt....bist ja nicht das erstemal dort oben.
Das wird in ganz Nordamerika so gehandhabt und auch von diversen Schulen wie NOLS/IWLS so gelernt. Jeder Outfitter und alle (ja auch die Riverguides mit ihren Touris im Schlepptau) halten sich daran!
Jetzt kommst Du und hältst alle für blöd?

Ansonsten weiter im Text. Gefällt mir sehr. Ein Wolf hät ich auchmal gern vor der Linse!

Gesendet von meinem A200 mit Tapatalk 4

oo0OooO0oo
14.09.2013, 10:37
Selbst wenn man alles richtig macht, kann es fatal enden, falls man einen bösartigen Bären trifft: http://www.nationalgeographic.com/adventure/0510/whats_new/anwr_grizzly_attacks.html

Ich glaube, dass das Flusspaddeln besonders gefährlich ist, da es hier erstens viele Fische gibt und man sich zweitens nie sicher sein kann, welche Nahrung Bären bereits von früheren Paddlern ergattern konnten. Wenn die einmal Nahrung bekommen haben, kann die natürliche Scheu ja schon für immer dahin sein. Und kommt erstmal ein Bär in der Nacht ins Zelt, ist es trotz Spray, Waffen usw. in aller Regel zu spät.

Savannah
14.09.2013, 11:08
Selbst wenn man alles richtig macht, kann es fatal enden, falls man einen bösartigen Bären trifft: http://www.nationalgeographic.com/adventure/0510/whats_new/anwr_grizzly_attacks.html

Ich glaube, dass das Flusspaddeln besonders gefährlich ist, da es hier erstens viele Fische gibt und man sich zweitens nie sicher sein kann, welche Nahrung Bären bereits von früheren Paddlern ergattern konnten. Wenn die einmal Nahrung bekommen haben, kann die natürliche Scheu ja schon für immer dahin sein. Und kommt erstmal ein Bär in der Nacht ins Zelt, ist es trotz Spray, Waffen usw. in aller Regel zu spät.

Gruselige stories. Die von dem Ehepaar kannte ich schon, nicht aber die von dem raft, das von einem wild entschlossenen Grizzly so lange verfolgt wurde. Ich wäre sicher durchgedreht vor Angst...

Ich staune jedenfalls über Bienenhunds Mut - oder ist auch ein bißchen Leichtsinn dabei? Egal, sein Reisebericht war wirklich sehr schön und schon etwas Besonderes.

BigKahuna
19.09.2013, 10:09
Hallo

Schonmal was von Bärenkanister, Elektrozaun oder Bewegungsmeldern gehört?

Überall wo man mit Bären rechnen muss wir nicht im Zelt gekocht und die Lebensmittel werden vom Lager entfernt (Bärensicher) gelagert. Die ganzen Verhaltensregeln kennst du bestimmt....bist ja nicht das erstemal dort oben.
Das wird in ganz Nordamerika so gehandhabt und auch von diversen Schulen wie NOLS/IWLS so gelernt. Jeder Outfitter und alle (ja auch die Riverguides mit ihren Touris im Schlepptau) halten sich daran!
Jetzt kommst Du und hältst alle für blöd?

Ansonsten weiter im Text. Gefällt mir sehr. Ein Wolf hät ich auchmal gern vor der Linse!

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Also ein wenig differenzierter wird die Sache in Alaska durchaus betrachtet. Der einzige Grund, warum man sein Essen, Waschzeug, etc. 100m vom Zelt entfernt lagern soll, ist doch der, dass Baeren einen solchen Fund nicht mit dem Menschen in Verbindung bringen und entsprechend konditioniert werden. Wenn ich also in der Lage bin, den Baeren daran zu hindern, an meine Vorraete zu gelangen, ihm also ein Erfolgserlebnis verweigern kann, kann man die Sache durchaus anders handhaben. Zumindest gibt es bei den Locals durchaus verschiedene Loesungsansaetze zu diesem Thema. Auf den Campingplaetzen darf man ja auch direkt neben den baerensicheren Containern zelten.

@Bienenhund: Wie hast Du dass mit der Waffe gemacht? Hast Du einen deutschen Jagdschein und die Waffe dann nach Alaska eingefuehrt? Ich bin gerade das erste Mal in Alaska unterwegs und muss gestehen, dass ich hier lieber, wie die meisten Einheimischen, sinvoll bewaffnet unterwegs waere. Ich habe gleich in der ersten Woche ein Wolfsrudel und einen fetten Grizzly getroffen. Beim Bushwhacking bin ich auch ueber den Moose-Kill eines Baeren gestolpert. Irgendwelche Sicherheitsabstaende konnte man da gar nicht einhalten. Passiert ist zwar nix aber trotzdem habe ich DEUTLICHEN Puls gehabt :-?

Sector
19.09.2013, 18:36
Also ein wenig differenzierter wird die Sache in Alaska durchaus betrachtet. Der einzige Grund, warum man sein Essen, Waschzeug, etc. 100m vom Zelt entfernt lagern soll, ist doch der, dass Baeren einen solchen Fund nicht mit dem Menschen in Verbindung bringen und entsprechend konditioniert werden. Wenn ich also in der Lage bin, den Baeren daran zu hindern, an meine Vorraete zu gelangen, ihm also ein Erfolgserlebnis verweigern kann, kann man die Sache durchaus anders handhaben. Zumindest gibt es bei den Locals durchaus verschiedene Loesungsansaetze zu diesem Thema. Auf den Campingplaetzen darf man ja auch direkt neben den baerensicheren Containern zelten.


Richtig! Aber der Bär bringt dann natürlich den menschlichen Geruch mit Essen in Verbindung und geht immer wieder dahin zurück bzw. probierts beim nächsten Menschengeruch. Und welche Massnahmen wurden hier getroffem um den Bären vom Essen fern zu halten? Für mich zählt nichtmal eine Schusswaffe dazu. Wenn das Essen vom Zelt weg gelagert ist hat man wenigstens Zeit gewonnen um die Waffe zu manipulieren und trifft dann evtl. auch. Wenn das Essen 3m neben dem Zelt steht dann gute Nacht.

Wenn man Bärenzäune und/oder Bewegunssensoren benützt campt man auch nie direkt daneben sondern auf Sichtdistanz davon entfernt bzw. teilweise im Bärenzaun drin.

Makku01
25.09.2013, 13:11
Sector, meinst Du nicht, dass Bienenhund nicht zum ersten Mal dort oben ist und weiß was er tut? Für mich hört es sich nicht nach einem Anfänger an, der blauäugig dort hin fährt und meint alles besser zu wissen. Echt jetzt mal! Ich meine auch nicht gelesen zu haben, dass er irgendwen nach Ratschlägen gefragt hat...:bang:

Sector
25.09.2013, 19:39
Makku01 du darfst gerne mitdiskutieren dazu gehören allerdings Argumente dennen ich mich dann natürlich stellen werde (auch per PN)
So geht das doch in einem Forum oder?

bienenhund hat sein Verhalten geschildert und ein paar offizielle Meinungen sind der Meinung das das Verhalten falsch ist. Mit Tipps geben hat das nichts zutun.

Libertist
29.09.2013, 22:20
Sector, meinst Du nicht, dass Bienenhund nicht zum ersten Mal dort oben ist und weiß was er tut? Für mich hört es sich nicht nach einem Anfänger an, der blauäugig dort hin fährt und meint alles besser zu wissen. Echt jetzt mal! Ich meine auch nicht gelesen zu haben, dass er irgendwen nach Ratschlägen gefragt hat...:bang:

Hab nur mal kurz durch die Bilder und die Kommentare geschaut, weiß also gar nicht so richtig, worum es eigentlich geht. Aber nach über 400 Nächten, die ich inzwischen in Alaska zugebracht habe (über 90% davon im Zelt), lasse ich mein Verhalten auch noch in Frage stellen. Man lernt nie aus - und gerade wenn es um Sicherheit geht, ist es nie verkehrt, verschiedene Erfahrungen und Standpunkte zu diskutieren. In diesem Jahr waren für mich auch wieder ein paar spannende Momente dabei ;-) ... Die Berichte kommen bald. Grüße aus Alaska.

elcom
30.09.2013, 08:25
Klasse Reisebericht! Wenn man sowas liest, wird man selbst an einem Montagmorgen wieder munter.
Die Sache mit der Waffe würde mich auch mal interessieren. Da du die Flinte aus Deutschland mitgenommen hast, gehe ich mal davon aus, dass du einen Waffenschein besitzt. Was muss man denn da bei der Einfuhr in die Staaten alles beachten?


In diesem Jahr waren für mich auch wieder ein paar spannende Momente dabei ;-) ... Die Berichte kommen bald. Grüße aus Alaska.

Und darauf freue ich mich schon seit Monaten! Deine Reiseberichte (besonders die aus Alaska) sind immer die Besten! Kann's kaum erwarten bis der diesjährige Bericht online ist ;-)

Makku01
23.10.2013, 21:17
Hallo

Schonmal was von Bärenkanister, Elektrozaun oder Bewegungsmeldern gehört?

Überall wo man mit Bären rechnen muss wir nicht im Zelt gekocht und die Lebensmittel werden vom Lager entfernt (Bärensicher) gelagert. Die ganzen Verhaltensregeln kennst du bestimmt....bist ja nicht das erstemal dort oben.
Das wird in ganz Nordamerika so gehandhabt und auch von diversen Schulen wie NOLS/IWLS so gelernt. Jeder Outfitter und alle (ja auch die Riverguides mit ihren Touris im Schlepptau) halten sich daran!
Jetzt kommst Du und hältst alle für blöd?

Ansonsten weiter im Text. Gefällt mir sehr. Ein Wolf hät ich auchmal gern vor der Linse!

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Lieber Sector,

danke erstmal für Deine höfliche Erlaubnis mitzudiskutieren. Also, welche "offiziellen Meinungen" sind denn das? Der Einzige der sich anmaßt, das Verhalten falsch zu nennen bist Du. An welchen Maßsstäben Du Dich da orientierst, weiß ich nicht. Ich war leider nur auf einer normalen Schule und von "NOLS/IWLS" hab ich noch nie was gehört.

Du sagst: "Überall wo man mit Bären rechnen muss wir [sic] nicht im Zelt gekocht" - hmm ich glaube nicht dass Bienenhund erwähnt hat im Zelt gekocht zu haben. Aber ich denke das macht er eigentlich eher selten, da ein Lagerfeuer im 2 Mann Iglu eher nicht so gut ist.

Bärensicher lagern geht nur, wenn man die Nahrung in Bärenkanister verpackt. Nahrung für 14 Tage nimmt (in Bärenkanister verpackt) enorm viel Platz weg. Im Kanu noch machbar, im Faltboot ein Graus.

Gut, dann lagern wir halt die Nahrung im Kanister - dann kommt der Bär und versucht die Kanister zu öffnen. Geht nicht. Und dann? Geht er frustiert nach Hause und schnauzt seine Alte an? Eher wird er schauen ob denn sonst noch was zu holen ist... Und wo schaut er dann? Im Zelt, im Boot beim restlichen Gepäck... Ist ja nicht so, dass nur die Nahrung an sich nach Essen riecht. Kochgeschirr? Zahnpasta? Du selbst, weil Du beim Essen kochen wieder nicht die Dunstabzugshaube angestellt hast...?

Da wir nun alles vorschriftsmäßig 1000m vom Zelt entfernt gelagert haben, kann der Bär in Ruhe Boot inkl. Gepäck, Kochgeschirr und so weiter durchsuchen. Dabei bleibt natürlich nichts ganz. Wir erlauben also dem Bären in aller Ruhe unsere Lebensgrundlage für die nächsten ca 14 Tage zu zerstören. Klasse, dann haben wir also ca 500km Fußweg mit 10 bärensicheren Kanistern unterm Arm vor uns? Soweit ist es manchmal bis zur nächsten Siedlung. Das Boot ist ja nun hin, war ja nicht bärensicher verpackt.

Bewegungsmelder hab ich schon mal gehört, haben wir an der Haustür - da geht dann das Licht an wenn wer kommt. Weißt Du was ein guter Bewegungsmelder ist? Das Kochgeschirr auf den Nahrungsmitteln gestapelt. Das Ganze nicht zu weit entfernt vom Zelt, so dass man wach wird wenn das umfällt. Dazu die Flinte neben Dir im Zelt. Mal ehrlich, wenn ich mich nur noch mit Bewegungsmeldern und Elektrozäunen in die Wildnis traue, sollte ich mal überlegen ob ich nicht besser zu Hause bleibe. Wäre auch für die Wildnis am besten!

Sicher gibt es Verhaltensregeln die Ihren Sinn haben, mann muss es aber nicht übertreiben. Vor 20 Jahren waren die Bären die selben, aber kein Mensch hat was von Elektrozäunen und Bewegungsmeldern erzählt. Die Einheimischen dort oben haben auch eher selten dieses Zeug dabei. Dann kommst Du als Europäer (vermute ich mal) und erzählst erstmal allen an was für Verhaltensregeln sie sich zu halten haben. Und das in einem Ton der mir schon ein wenig rotzig daherkommt. Das fand ich ein wenig schade.

Disclaimer: Ich kenn Bienenhund ganz gut, habe dies aber aus eigenem Antrieb geschrieben.

Makku01
23.10.2013, 21:29
Klasse Reisebericht! Wenn man sowas liest, wird man selbst an einem Montagmorgen wieder munter.
Die Sache mit der Waffe würde mich auch mal interessieren. Da du die Flinte aus Deutschland mitgenommen hast, gehe ich mal davon aus, dass du einen Waffenschein besitzt. Was muss man denn da bei der Einfuhr in die Staaten alles beachten?



Und darauf freue ich mich schon seit Monaten! Deine Reiseberichte (besonders die aus Alaska) sind immer die Besten! Kann's kaum erwarten bis der diesjährige Bericht online ist ;-)

Orr.... "Waffenschein"??? Einen Waffenschein bekommt man nur in absoluten Ausnahmefällen. Was Du meinst ist eventuell die Waffenbesitzkarte, vielleicht auch den Jagdschein. Den Amerikanern ist egal, was für ein Dokument Dich hier in D zum Besitzen einer Waffe berechtigt. Du musst lediglich (u.a.) dessen Nummer auf einem Formular des ATF angeben. Zusammen mit ein paar anderen Daten zu Waffe und Munition. Ebenso braucht man einen Grund, die Waffe mitzuführen. Das kann zum Beispiel die Jagd oder die Teilnahme an einem (Schieß-)Wettbewerb sein. Die Einfuhr war eigentlich nie ein Problem. Man muss es nur vorher rechtzeitig anmelden.

tjelrik
23.10.2013, 21:45
Was für Munition war denn dabei?

Sector
24.10.2013, 22:11
danke erstmal für Deine höfliche Erlaubnis mitzudiskutieren. Also, welche "offiziellen Meinungen" sind denn das? Der Einzige der sich anmaßt, das Verhalten falsch zu nennen bist Du. An welchen Maßsstäben Du Dich da orientierst, weiß ich nicht. Ich war leider nur auf einer normalen Schule und von "NOLS/IWLS" hab ich noch nie was gehört.

http://www.adfg.alaska.gov/index.cfm?adfg=livingwithbears.main oder
http://www.env.gov.yk.ca/publications-maps/documents/howyoucanstaysafe.pdf
Offiziel genug? Sag bescheid wenn ich dir was in Deutsch verlinken soll.
Mit den Stichworten: bear safety alaska findet man im Internet doch so manches.
Auch zu NOLS/IWLS findet man ziemlich schnell etwas heraus wenn man denn will.


Bärensicher lagern geht nur, wenn man die Nahrung in Bärenkanister verpackt. Nahrung für 14 Tage nimmt (in Bärenkanister verpackt) enorm viel Platz weg. Im Kanu noch machbar, im Faltboot ein Graus.
Man kann alles riechbare auch zwischen Bäume hängen oder über eine Klippe...findest du alles in den obigen Links.
Erübrigt sich allerdings in Bienehunds Fall da keine Klippen vorhanden und mit den Bäumchen viel zu umständlich.
Riechbares für 14Tage in einen Bärenkanister zu bekommen schein wohl allerdings nicht wirklich ein Problem zu sein oder? Was spricht dagegen 2 oder 3 Kanister aufs Boot zuschnallen? Wanderer tragen doch sowas in Nationalparks auch rum? Viele auch für länger als 14Tage
Hab schon Guides getroffen die haben in bestimmten Fällen ihr Zeugs in die Strömung gehängt (also mitten in den Fluss) DAS ist wirklich umständlich...aber möglich


Gut, dann lagern wir halt die Nahrung im Kanister - dann kommt der Bär und versucht die Kanister zu öffnen. Geht nicht. Und dann? Geht er frustiert nach Hause und schnauzt seine Alte an? Eher wird er schauen ob denn sonst noch was zu holen ist... Und wo schaut er dann? Im Zelt, im Boot beim restlichen Gepäck... Ist ja nicht so, dass nur die Nahrung an sich nach Essen riecht. Kochgeschirr? Zahnpasta? Du selbst, weil Du beim Essen kochen wieder nicht die Dunstabzugshaube angestellt hast...?
Das zeigt wohl das du dich nicht wirklich mit der Materie beschäftigt hast...Kochgeschirr und Zahnpasta im Zelt? Zahnpasta o.ä gehört in den Bärenkanister oder aufgehängt...Geschirr sauber abgewaschen daneben. Ist die Kleidung vom Essen verschmutzt gehört sie ebenfalls nicht ins Zelt. Bei normalem Umgang ist der Schweiss/Menschengeruch an der Kleidung allerdings stärker als der von den Nudeln. Menschengeruch mag der Bär überhaupt nicht. Um Gerüche (z.b vom Fischen zu neutralisieren eignet sich Rauch,Kaffeesatz oder Tannennadeln.


Da wir nun alles vorschriftsmäßig 1000m vom Zelt entfernt gelagert haben, kann der Bär in Ruhe Boot inkl. Gepäck, Kochgeschirr und so weiter durchsuchen. Dabei bleibt natürlich nichts ganz. Wir erlauben also dem Bären in aller Ruhe unsere Lebensgrundlage für die nächsten ca 14 Tage zu zerstören. Klasse, dann haben wir also ca 500km Fußweg mit 10 bärensicheren Kanistern unterm Arm vor uns? Soweit ist es manchmal bis zur nächsten Siedlung. Das Boot ist ja nun hin, war ja nicht bärensicher verpackt.
150m und vom Zelt aus sichtbar reicht auch.
Aus was für einem Grund soll den der Bär dein Boot oder Zelt zerfleddern? Zugegeben das ist schon vorgekommen aber dann hat man es mit einem "gestörten Bären" zutun. Da hilft dann wohl nichts mehr. Die Chance das dir ein Ast auf den Kopf fällt ist x mal grösser. Für solche Fälle empfehle ich ein PLB.


Bewegungsmelder hab ich schon mal gehört, haben wir an der Haustür - da geht dann das Licht an wenn wer kommt. Weißt Du was ein guter Bewegungsmelder ist?
Ich empfehle diese https://www.kodiakcanada.com/product.php?product_id=CG-001
gibts allerdings in allen Qualitäts und Preis Regionen. Das Stichwort hier: infrared motion sensor bear


Sicher gibt es Verhaltensregeln die Ihren Sinn haben, mann muss es aber nicht übertreiben. Vor 20 Jahren waren die Bären die selben, aber kein Mensch hat was von Elektrozäunen und Bewegungsmeldern erzählt. Die Einheimischen dort oben haben auch eher selten dieses Zeug dabei. Dann kommst Du als Europäer (vermute ich mal) und erzählst erstmal allen an was für Verhaltensregeln sie sich zu halten haben. Und das in einem Ton der mir schon ein wenig rotzig daherkommt. Das fand ich ein wenig schade.

Vor 20 Jahren? Also früher? Früher war die Erde angeblich flach und noch früher haben wir auf Bäumen gelebt.
Leute die sich falsch Verhalten (Ich hoffe du hast bis hierhin gemerkt das, dieses Verhalten nicht nur in meinen Augen falsch war) schaden nicht nur sich selber sonder noch viel mehr dennen die folgen werden. Nur weil man auf dem Fluss niemandem begegent heisst das noch lange nicht das sonst niemand da draussen unterwegs ist.
Es gilt der Grundsatz: A fed bear is a dead bear! Priorität A ist zu verhindern das ein Bär an Essbares von einem Menschen kommt. Damit ich dir hier nicht alles präsentiere...recherchier doch mal was im Yosemite Nationalpark so abgeht weil sich einige wenige falsch Verhalten haben.

Das finde ich schade :(