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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [KG] Džergalan - Ečkili-Taš - At-Džajloo: Wanderung über den schwarzen Gletscher



Snuffy
21.08.2013, 22:22
Land: Kirgistan
Reisezeit: Juli 2013
Region/Kontinent: Zentralasien

Tian Shan - hohe Blumenwiesen, wilde Flüsse und schwarze Gletscher

Anreise:
Die Rucksäcke stehen seit gestern mehr oder weniger vollständig gepackt in unserer Wohnung. Ich fülle in die Nalgene noch etwas Wasser - schließlich ist bis zum Abflug noch ein bisl Zeit und es ist warm. Da es bei dem Vorsatz die Russischkenntnisse aufzufrischen geblieben und das Heft mit den russischen Reisevokabeln nicht zu finden ist, lade ich schnell noch ein paar russisch Apps runter - die sich alle als nicht hilfreich herausstellen sollen ;-). Oli geht schon mal runter und wenig später steht auch der Airportliner schon vor der Tür. In jedes Zimmer werfe ich noch mal ein Auge und dann nehme ich meinen Rucksack und sperre die Tür für die nächsten 3 Wochen zu. Auf dem Weg zum Münchner Flughafen dann erste Zweifel, habe ich alles eingepackt. Die Kamera hat Oli noch in unser Handgepäck gesteckt, aber wo ist eigentlich die Nalgene? Noch in Regensburg :-/ Aber sonst müsste alles dabei sein. Als wir am Flughafen eintreffen steht schon eine lange Schlange am Schalter. So hat Oli Zeit uns noch etwas zu trinken zu besorgen. Nach ca. einer halben Stunde sind wir dann endlich an der Reihe. Zuerst findet Olis Rucksack den Weg auf die Waage - 19,8...19,9...20,00 - Punktlandung, zumal auf unseren Tickets nix von unseren 10kg Übergepäck vermerkt ist. Als ich meinen Rucksack auf der Waage ablege schwankt die Anzeige auch zwischen 19,8 und 20,0kg. Passt. Die Rucksäcke müssen allerdings als Sperrgepäck aufgegeben werden - wegen der Bänder und Schnallen. So warten wir noch bis unserer Rucksäcke gescannt wurden - sogar den Kocheraufsatz im Topf haben sie erkannt und die Oatsnacks müssen nicht mit Verdacht auf Sprengstoff ausgepackt werden ;-) Pünktlich um 13:30Uhr startet unser Flieger Richtung Istanbul. Nach ca. 2h Aufenthalt auf dem Flughafen Istanbul geht es wieder in die Lüfte. Beim Start fällt es mir dann wie Schuppen von den Augen - meine frisch gewaschene Regenjacke hängt noch im Arbeitszimmer - so ein Mist. Der Flug ist unerträglich warm und die trockene Luft im Flieger tut schon fast weh in der Nase beim atmen "wahrscheinlich will Pegasus nur ganz viele Getränke verkaufen" frotzelt Oli. Aber nach nicht ganz 5h haben wir es geschafft und wir müssen unsere Sitznachbarin nicht mehr beim schlafen stören, weil wir uns unterhalten - wir sind in Bishkek. Ohne Probleme bekommen wir die Einreisestempel und hier ist unser Gepäck auch nix besonderes und kommt auf dem Gepäckband angefahren. Dann wird der erste Geldautomat erstmal um etwas Geld erleichtert und dann hilft uns Almadaj, die wir bereits am Münchner Flughafen kennengelernt haben, ein Taxi nach Karakol zu besorgen. Wir bedanken uns für ihre Hilfe und verabschieden uns von ihr. Dann laden wir unsere 7 Sachen ins Auto und fahren los. Unsere Reise geht allerdings erstmal nur bis zur Busstation in Bishkek, bzw. vorher wollen wir noch etwas zu trinken und halten an einem Supermarkt, der sogar gegen 6Uhr schon geöffnet hat. An der zentralen Busstation steigen wir dann in ein anderes Auto um - zu einem Ehepaar. Die beiden versuchen sich mit uns zu unterhalten, aber mit unseren mageren Russischkenntnissen gestaltet sich das echt schwierig, deshalb wird kurzerhand die Tochter telefonisch dazugerufen, da sie englisch spricht. Und so unterhalten wir uns über sie miteinander. Wenig später treffen wir sie auch noch persönlich und wir können mit ihr ausmachen, dass ihr Vater uns auch am nächsten Tag von Karakol nach Džergalan fahren kann und dass er uns heute noch zu einer heißen Quelle fährt - auch wenn wir dass mit dem heiß nicht verstanden oder mitbekommen haben. Als wir dann nicht in die warmen Fluten springen, sind unser Fahrer, seine Frau und seine 2 kleinen Kinder, die wir unterwegs noch eingesammelt haben etwas enttäuscht - aber wir sind nicht auf das baden in heißen Quellen vorbereitet und wollen dafür nicht unser Tourhandtuch benutzen. Wir ziehen eine Erfrischung unserer müden Gesichter im eiskalten Bach vor - Oli hat die ganze Fahrt eisern durchgehalten, während ich ständig wegen Schlafentzug eingeschlafen bin. Als wir endlich in Karakol sind fragt sich unser Fahrer zum Hotel Amir durch - was sensationell gut funktioniert. Dort angekommen ordern wir erst einmal ein Mittagessen und schauen 4 Österreichern beim packen ihrer Rucksäcke zu, bevor wir uns auf dem Weg zu Ecotrek machen um unser Borderpermit für die Wanderung abzuholen, im Sportgeschäft Gaskartuschen zu kaufen und Ausschau nach einer neuen Regenjacke für mich zu halten - leider nix in meiner Größe, alles viel zu groß. Nachdem alles in der Stadt erledigt ist, sitzen wir noch eine Weile auf der Hotelterrasse und essen dort zu Abend. Wir stellen den Wecker auf 6Uhr und schlafen total übermüdet sofort ein.

1. Tag:
Der Wecker holt uns aus unseren Träumen und dann nutzen wir noch ein letztes Mal die Dusche und beginnen die Rucksäcke endgültig zu packen. Leider sind wir noch nicht um 7Uhr beim Frühstück, sondern erst halb 8 - alle Plätze im Frühstücksraum sind von einer dänischen Reisegruppe belegt und wir verziehen uns auf die Terrasse, allerdings ist es hier noch ziemlich frisch und wir ziehen sofort als sich die Gelegenheit ergibt nach drinnen um. Danach befragen wir das Internet noch schnell, ob es Geocaches auf unserer Strecke gibt und siehe da - ein Tradi und ein Earthcache. Wir speichern die Koordinaten im GPS und fotografieren die Cachebeschreibungen. Danach geht es noch mal in die Stadt, schließlich brauch ich immer noch eine Regenjacke. Aber so früh haben die Sportgeschäfte in Karakol noch nicht auf. Auch als wir später mit unserem Fahrer wieder dort vorbeifahren ist noch alles geschlossen. Deshalb leihen wir mir bei Ecotrek eine Jacke aus, die auch viel zu groß ist und schon deutlich ihre besten Tage hinter sich hat - spätestens seit jemand mit seinen Steigeisen darauf gestiegen ist. Sau schwer ist sie außerdem! Aber jetzt sind wir endlich startklar und so fahren wir nach Džergalan. Der Weg dorthin scheint kein Ende zu nehmen, immer wenn ich denke wir sind bestimmt bald da biegt unser Fahrer in eine völlig andere Richtung ab als ich erwarte. Nach ca. 2 Stunden haben wir es dann aber geschafft. Kurzfristig entscheiden wir uns an einer Wegkreuzung in Džergalan unsere Tour in einem anderen Tal zu beginnen - laut Karte kann man so etwas Strecke sparen, aber dass die Karte nicht immer ganz verlässlich ist, wird sich noch des Öfteren im Verlauf der Wanderung zeigen. Wir beginnen unsere Wanderung gleich mit einer kleinen Bachquerung - wer kippt vom Stein und tritt voll ins Wasser? Die Caro. Aber der Schuh bleibt trocken. Anders Olis Schuhe und Socken als er ein paar hundert Meter weiter im Sumpf einsinkt - bis zum Knie. Wir kämpfen uns durch Gestrüpp, bis wir auf Trampelpfade von Kühen und Schafen treffen und diesen folgen.

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Dann der nächste etwas "wildere" Bach - ich bekomm Schiss, weil das mit dem Gleichgewicht und dem 20kg Rucksack irgendwie noch nicht so gut klappt und dann ist es passiert, voll ins Wasser - natürlich gleich mit beiden Schuhen, weil ein trockener ja auch doof ist :hahaa:

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Wir nutzen diesen Anlass für die erste Pause ich trockne meine Schuhe und Socken und wir genießen die Sonne. Nachdem alles einigermaßen trocken ist gehen wir weiter mitten durch eine Herde Kühe, die sich von uns nicht beeindrucken lässt, bevor es zum nächsten Anstieg geht, der sich als wir oben angekommen sind als nicht notwendig erweist - wir hätten doch den Hang auf der anderen Talseite hinauf gemusst. Immerhin sehen wir von unserem erklommenen Hügel wie zwei Schafherden ins Tal getrieben werden. Bevor wir den richtigen Anstieg angehen treffen wir auf ein paar Pferde und gönnen uns noch eine Pause. Wir stärken uns mit einem Oatsnack für die kommenden Strapazen und machen ein kurzes Nickerchen - der Schlafentzug und die Zeitumstellung scheinen uns noch ein wenig nachzuhängen. Dann geht es lang und steil nach oben - der Blick ins nächste Tal zeigt nicht was wir sehen wollen. Wir müssen noch ein Tal weiter - verdammt.

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Also geht es wieder bergauf, bevor wir einen steilen nicht enden wollenden Abstieg durch kniehohe nasse Blumenwiese hinter uns bringen. Als wir unten sind beginnt es schon langsam zu dämmern und so wirklich schöne Zeltplätze hat es hier nicht. Nach ein wenig suchen finden wir aber eine einigermaßen gute Fläche für das Zelt - ein paar Kühe haben diese scheinbar auch schon für gut befunden, zumindest finden wir ein paar Beweise dafür :o Während ich das Zelt aufbaue, startet Oli den Kocher - so können wir gemütlich im Zelt essen, weil wir zeitgleich fertig werden. Wir gehen nur noch mal raus um unsere Zähne zu putzen und dann versuchen wir zu schlafen, aber es ist viel zu warm um im Schlafsack zu liegen. So verpassen wir auch nicht das stundenlange Gewitter und den Dauerregen, der zumindest für etwas Abkühlung sorgt, so dass wir doch ab und zu ein Auge zu bekommen - aber wirklich erholsam ist die Nacht nicht.

Tag 2:
Wir werden unfreiwillig um 6Uhr von Olis Handy geweckt. Als wir es endlich gefunden und zum schweigen gebracht haben, machen wir die Augen noch mal zu bis es uns im Zelt zu warm wird, weil die Sonne voll darauf scheint. Bevor wir alles zusammenpacken stärken wir uns mit einem Müsli für die heutige Etappe. Gerade als wir anfangen das Zelt zusammen zu legen fängt es an zu regnen - super Auftakt in den Tag :( Zum Glück haben wir die Gamaschen an, denn es geht wieder durch kniehohes, nasses Gras langsam aber stetig bergab bis unter die Baumgrenze - hier ist zwar das Gras nicht mehr so hoch, dafür wird der Hang immer steiler. Wir freuen uns, als sich vor uns eine weite Wiese mit einer Kuhherde auftut. Als wir auf Höhe der Kühe sind, entdecken wir neben dem Fluss Tjup eine Holzhütte - erinnert an eine Bergalm in den Alpen *soll auch die einzige in dieser Art auf unser weiteren Tour bleiben*. Im Schatten einiger Bäume machen wir Pause. Hätten wir da schon geahnt, dass wir ca. 500m weiter nach einer geeigneten Stelle für eine Flussquerung suchen müssen, hätten wir diese sicher noch verschoben. An dieser Stelle hat der Fluss den Berg so unterspült, dass ein senkrechter Felshang den Fluss auf unserer Seite begrenzt. So suchen wir dann noch einmal fast eine Stunde nach einer guten Furtstelle - die wir aber nicht finden, weil der Fluss entweder viel zu tief oder die Strömung zu reißend ist. Somit haben wir eine ungeplante Bergetappe gewonnen. Es ist sehr steil und mit dem 20kg Rucksack alles andere als ein Vergnügen. Einfach nicht nach unten schauen und weiter hoch kraxeln. Ab und zu rutscht man einfach weg und es ist schwer voran zu kommen, aber irgendwann sind wir dann oben und haben zumindest eine schöne Aussicht, auch wenn wir nahezu keine Strecke gemacht haben. Beim Abstieg ins Tal können wir dafür auch einiges an Weg hinter uns lassen.


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Oli entdeckt dabei eine weitere mögliche Problemstelle - die sich zurück am Fluss auch tatsächlich bestätigt. Wir haben für heute genug von Kraxelei und weil wir nicht wissen, was uns danach erwartet entscheiden wir uns diese auf morgen zu verschieben und suchen uns einen schönen Zeltplatz. Wer die Wahl hat, hat die Qual - wir stellen das Zelt etwas weiter vom Fluss entfernt, weil es am Flussufer ziemlich laut ist.

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Nachdem unser Lager errichtet ist, steht noch kurz Körperpflege auf dem Programm und dann gibt es Abendessen. Just in time werden wir fertig, bevor der Regen und das Gewitter einsetzen.

Tag 3:
Heute ist kein guter Tag. Viel Umweg mit vielen Höhenmetern, wenig Strecke und vielen Verlusten :( Beim zusammenpacken am Morgen fehlen Olis Gamaschen - sie sind nicht dort wo sie sein sollten und auch sonst nirgends zu finden. Stattdessen hängen sie wahrscheinlich irgendwo im Gestrüpp von unserer gestrigen ungeplanten Bergetappe :-? Also trampele ich im kniehohen Gras mit meinen Gamaschen voran und Oli hinterher, damit er nicht allzu nass wird. Tagesstart gleich mit dem gestern verschobenen steilen Anstieg.



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Aber als ob das nicht genug ist, erschweren auch noch mannshohe Büsche unser Weiterkommen. Ständig bleibt man irgendwo hängen. Um die Büsche zu umgehen, kann man einen noch steileren Hang wählen, was wir auch tun. Beim Abstieg rutschen wir mehrere Male aus und irgendwann ist es passiert - einer von Olis Stöcken ist am untersten Element verbogen und wenig später ist das unterste Element eines meiner Stöcke abgebrochen - so eine Scheiße. Oli nutzt seinen krummen Stock weiter, auch wenn der keine Belastung mehr zulässt und ich zieh mit dem restlichen Stummel von meinem rechten Stock weiter - was den Abstieg nicht einfacher macht. Am Fluss angekommen geht es welch Wunder mal wieder nicht weiter & wir müssen mal wieder kraxeln - diesmal kann man allerdings die Gefahrstelle nicht so gut umgehen und wir müssen direkt über dem Fluss entlang. Ein falscher Schritt kann Dank den schweren Rucksäcken der letzte sein - da kommt mir auch schon das GPS entgegen gefallen, aber ich bekomm es noch gegriffen und steck es in die Hosentasche. Der Abstieg ist nicht viel einfacher & endet erneut im Gestrüpp. Man ist das nervig - weil rutschig & weil ständig die Äste wieder hoch oder zur Seite schnippen und man andauernd daran hängen bleibt. Als das überstanden ist waten wir weiter durch eine kurzes Stück Wiese - kniehoch, bis wir sehen, dass es wieder nur mit Kraxelei weiter geht. Dann fängt es auch noch an zu regnen und wir finden zum Glück Unterschlupf unter ein paar Tannen. Wir haben beide die Nase voll von Steigeinlagen, zudem sind unsere Füße und Schuhe völlig nass. Als die Rucksäcke abgestellt sind stelle ich fest, dass meine Wasserschuhe nicht mehr am Rucksack sind - jetzt ist bei mir der absolute Nullpunkt erreicht - überall Kratzer von dem Gestrüpp, nervenaufreibende gefährliche Klettereinlagen & jetzt sind auch noch die Schuhe weg, die noch für einige Flussquerungen notwendig sind. Als der Regen kurz aussetzt laufe ich noch mal durch die nasse Wiese, das widerspenstige Gestrüpp und ein Stück des letztes Abstieges wieder nach oben, da sehe ich den Stummel von meinem abgebrochenen Stock & dann ein paar Meter weiter die roten Sohlen meiner Schuhe – noch mal Glück gehabt. Als ich wieder zurück bin, stellen wir das Zelt in der Nähe unseres Unterschlupfes auf und ruhen uns erstmal aus. Gegen halb 7 essen wir Abendbrot und schauen danach noch einmal auf die Karten, bevor die Nacht kommt.

Tag 4:
Wir schlafen bis 9 Uhr - da getraut sich auch langsam die Sonne heraus. Deshalb häng ich unsere nassen Sachen über die am Vorabend installierte Wäscheleine zum Trocknen und auch die Schuhe werden zur Sonne ausgerichtet. Bis alles einigermaßen trocken ist, verkrümeln wir uns noch mal in die Daunen bis im Zelt Saunatemperaturen herrschen. Gegen 12Uhr sind wir startklar - mit trockenen Socken und Schuhen bereit für den Anstieg. Vor 60 Jahren, wo die russischen Karten von der Gegend entstanden sind, ging der Weg vielleicht tatsächlich noch wie eingezeichnet direkt am Fluss entlang - aber die Karten brauchen eindeutig mal ein Update, so kann man sich zumindest auf diese Bergetappen einstellen und muss sich nicht wie wir um eine Problemstelle nach der anderen manövrieren. Beim Aufstieg versuchen wir die Büsche möglichst zu meiden.


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Fast ganz oben entdecken wir dann einen Trampelpfad direkt durch das Gebüsch, dem wir einfach folgen.

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Beim Abstieg fast nur Gestrüpp, welches wir jedoch ganz gut umgehen können. Danach geht es erstmal über relativ kurze Wiese bis wir erneut ins Gestrüpp abbiegen und uns viele neue Kratzer einhandeln. Bevor es noch schlimmer wird, weil das Gewächs immer dichter wird, steigen wir weiter hinauf und umgehen somit das Schlimmste. Beim Abstieg folgen wir wieder Spuren von Kühen und in der Ferne donnert es schon. Als es regnet suchen wir uns einen Unterstand zwischen 2 Tannen. Beim Warten, dass der Regen aufhört bemerken wir eine Straße oberhalb von uns. Da hätten wir vermutlich locker entlang spazieren können, wenn wir nicht kurzfristig den Startpunkt unserer Tour geändert hätten - nie wieder wird der ursprüngliche Plan so überstürzt über den Haufen geworfen, soviel ist klar. Wir hätten und 3 Tage Gestrüpp und Steilhänge sparen können. :roll: In der Ferne sehen wir Pferde weiden. Als wir uns nach dem Regen nach einem geeigneten Zeltplatz umsehen wird unsere Wanderung weiter als geplant, da die Wiesen entweder extrem feucht oder schief sind. Neben uns taucht irgendwann ein von drei kläffenden Hunden bewachtes Zelt auf. Etwas später reitet der Besitzer mit einem Fohlen im Schlepptau in der Ferne vorüber uns grüßt uns winkend. Noch ein Stück weiter sehen wir Hütten und Zelte am anderen Flussufer, unsere Anwesenheit sorgt scheinbar für Aufsehen in der Siedlung und wenig später statten uns zwei kleine Jungs mit einem Pferd einen Besuch ab und begrüßen uns.

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Wir plündern kurzerhand unseren Süßigkeitenbeutel und geben jedem ein paar Bonbons und einen Pickup Riegel, weil wir sonst nur Müsliriegel haben. Ein paar hundert Meter weiter tauschen wir die Stiefel gegen unsere Watschuhe und queren einen Wasserlauf, bevor wir ein nettes Plätzchen zum Übernachten finden.

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Beim Erkunden der näheren Umgebung finden wir die Reste einer Hütte. Das verrostete Blech eines Ofens nehmen wir als Windschutz zum Kochen mit zu unserem Lager - es funktioniert wunderbar.

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Gerade als wir mit dem Zähneputzen fertig sind interessiert sich eine kleine Gruppe Stiere für unser Zelt & kommt immer näher - aber Oli hat sie durch seine bloße Anwesenheit erfolgreich vertrieben und wir können beruhigt einschlafen.

Tag 5:
Die Sonne weckt uns. So haben wir Gelegenheit unsere Schuhe noch mal zum Trocknen aufzustellen. Bis das Zelt trocken ist gönnt sich Oli noch eine Mütze Schlaf, während ich die Wolken beobachte. Gerade als wir das Zelt abbauen kommt noch einmal der größere der beiden Jungs angeritten und schaut uns interessiert zu wie wir packen.


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Dann starten wir unsere heutige Etappe über leichte Hügel mit nassem Gras bis wir auf die Straße stoßen. Von da an geht es richtig zügig voran und wir schwören uns erneut nie wieder die Route bzw. den Startpunkt so kurzfristig zu ändern :ignore: Wir sind noch keine 2h unterwegs, da treffen wir auf die nächsten Zelte & Hütten von Hirten und bestaunen deren Zaun aus Schnur und Plastiktüten und was sich sonst so gefunden hat, z.B. alte Thermoskannen und Krüge. Dort queren wir endlich den Fluss Tjup und biegen dann in das Tal zum ersten geplanten Pass, dem Ašuu-Tёr, ab.

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Nun geht es langsam aber stetig bergauf bis wir die 600Hm bis auf 3649m geschafft haben. Auf dem Weg hinauf stolpern wir über einen Schädel - wir vermuten von einem Steinbock und hier wächst jede Menge Edelweiß.


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Kurz vor dem höchsten Punkt sehen wir zu unserer Rechten eine große Schafherde. Oben angekommen, genießen wir die grandiose Weitsicht und halten diese auch fest und dann begleitet uns parallel eine andere Schafherde, die von einem Reiter ins Tal getrieben wird. Auf unserem Weg hinunter ins nächste Tal laufen wir durch eine Wiese mit ganz viel verblühtem Schnittlauch - der Geruch ist unverwechselbar ;-) Außerdem beäugt uns aus der Ferne eine Herde Pferde und wir finden 2 weitere Schädel von Steinböcken - aber keine sonstigen Knochen von den Tieren. Im Tal angekommen Zelten wir auf einer großen Wiese direkt am Ufer des Baches, den wir am nächsten morgen queren wollen. Heute haben wir richtig viel Strecke gemacht - laut Karte 19km - und die Füße melden auch Pause an. Als wir gegessen und unsere Zähne geputzt haben, taucht die Schafherde mit dem Reiter wieder auf - der hat ganz schön zu tun allein die ganze Herde beisammen zu halten und muss ständig wieder zurück reiten um ein paar Nachzügler einzufangen. Danach kommt aus einem anderen Tal auch noch eine Herde Kühe angerannt. Ziemlich viel Betrieb hier. Als alle an uns vorbei sind, kriechen wir in unsere Schlafsäcke.

Tag 6:
Oli macht die Augen auf und sieht ganz viele Schatten von Kühen auf der Zeltwand. Er sondiert die Lage. Die Kühe sind neugierig und dazu noch tollpatschig, deshalb stolpern sie ab und zu über unserer Abspannleinen oder treten auf einen der Heringe. Das ganze Zelt ist umstellt von Kühen und manche sind so von unserem Zelt angetan, dass sie beginnen zu kopulieren. Klingt lustiger als es ist, schließlich sind wir noch im Zelt und so ne Kuh ist ziemlich schwer. Muss nur eines der Tiere so stolpern, dass es auf dem Zelt landet. Deshalb packt Oli in einer Hauruck-Aktion seinen Rucksack und schafft diesen auf die andere Zeltseite, weil sich die Kühe von unseren Rufen nicht beeindrucken lassen. Ich packe weiter im Zelt, bis erneut eine Kuh über die Abspannleinen stolpert, da wird es mir auch zu heiß im Zelt. Ich nehme einen großen Beutel mit Klamotten und schleudere ihn in der Luft und rufe "Weg mit euch" und die Kühe ziehen Leine. Als Oli zurück ist fuchtelt er noch mit seinen Stöcken rum und vertreibt so den Rest. Jetzt können wir es auch etwas entspannter angehen lassen. Wir packen in Ruhe und während wir das Zelt in der Sonne trocknen lassen essen wir erst mal Frühstück. Das trockene Zelt packen wir danach ein und dann geht es gemeinsam durch den eiskalten Bach. Am anderen Ufer lassen wir unsere eisigen Füße von der Sonne trocknen und wärmen, während wir unsere Rucksäcke in aller Ruhe richtig einräumen. So früh waren wir in den letzten Tagen noch nie auf den Beinen und gerade heute hätte ich gern noch etwas länger geschlafen, aber was soll’s, schließlich haben wir heute gleich zwei Pässe vor uns, da kann man auch mal zeitig los. Der erste Pass will Gar nicht aufhören und irgendwie finden wir auch den breiten Feldweg, den unsere Karte ankündigt nicht - hier ist gar nix nicht mal ein Pfad *soviel zur Verlässlichkeit der Angaben in der Karte*

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Als wir endlich oben sind sehen wir in der Ferne die schneebedeckten Gipfel der Vier- und Fünftausender. Dort entscheiden wir auch unsere erarbeiteten Höhenmeter nicht gleich wieder hinunter zu laufen, sondern wir bewegen uns relativ niveauneutral entlang des Hanges parallel zum Tal. Bis wir sehen, dass wir so leider nicht ganz durchkommen. Bei ein paar Felsen beschließen wir eine ausgiebige Pause einzulegen, welche durch ein Murmeltier recht kurzweilig ist.

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Wir schauen dem scheuen Tier zu wie es Erde und Steine aus seinen Gängen schafft. Leider ist unser Pausenplatz ziemlich windig und die Sonne versteckt sich leider auch immer hinter den Wolken, so dass es nicht wirklich gemütlich ist. Also packen wir nach ca. 1h Pause unsere 7 Sachen wieder zusammen und bringen einen spektakulären Abstieg hinter uns - weil ziemlich steil und mit einigen Felspassagen, die wir aber Größtenteils ganz gut umgehen können. Unten angekommen füllen wir unsere Wasserspeicher für den anstehenden Pass auf. Wir laufen wieder über blumige Wiesen und da bekommt Oli einen Heuschnupfenanfall & fühlt sich dadurch so richtig krank. Vermutlich weil hier das Gras so hoch ist - die Schafe und Kühe haben hier scheinbar noch nicht so ausgiebig "gemäht" wie in den anderen Tälern. Als der Pass endlich erklommen ist, sind die Schneegipfel noch ein Stück näher und wesentlich imposanter. Der Abstieg hätte allerdings schöner sein können. Zunächst stapfen wir ca. 1km durch Sumpf - voll eklig. Als wir das endlich hinter uns haben und nach einem Zeltplatz Ausschau halten ist der Fluss, einer der Zuflüsse des Éčkili-Taš, trocken. Bis im Fluss außer Steinen auch wieder Wasser ist und wir ein passendes Plätzchen gefunden haben ist es fast 19Uhr und wir sind deutlich weiter ins Tal hinab gestiegen als geplant - aber wir haben ja auch einiges aufzuholen ;-)

Tag 7:
Stahlblauer Himmel und strahlender Sonnenschein - so werden wir heute morgen geweckt. Unser Zelt steht mal wieder so, dass die Sonne voll drauf scheint - lang halten wir es also nicht darin aus. Und so begeben wir uns nach einem Haferbreifrühstück talabwärts nach Ečkili-Taš. Irgendwann scheint das Tal nur noch aus Steinen und schroffen Felsen zu bestehen.

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Wir laufen oft über wackelige Steine im Fluss und irgendwann taucht Oli ab. Trocknungspause! Aber lange halten wir es nicht mitten in der Sonne aus uns gehen weiter. In Ečkili-Taš angekommen treffen wir auf 4 Tschechen, Eva & Martin sowie Karolina & David, welche fast den gleichen Weg vor sich haben - allerdings sind diese nur 5 Tage unterwegs und verzichten deshalb auf den Abstecher zum Merzbacher See, der leider schon seit einigen Wochen vollkommen leer ist, wie wir später von zwei älteren Engländern erfahren, die von weitem aussehen wie Zwillinge, weil sie ähnliche Klamotten anhaben. Aber bevor wir die beiden treffen, gehen wir erst einmal über die Brücke in Ečkili-Taš und laufen einige Kilometer entlang des Tjup *tja, heißt genauso wie der Fluss im Tal der tausenden Höhenmeter :ignore:* talaufwärts.

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Dabei begegnen wir vielen aufgeregt schreienden Murmeltieren. Bei einer Rast sehen wir auf der anderen Talseite ein großes braunes Tier, was sich träge bewegt - der Zoom der Kamera bringt keine Erleuchtung, aber wir sind uns sicher, dass es ein Bär ist. Wir warten auf die tschechische Gruppe, die ein besseres Objektiv auffahren und dann werden Hörner an dem Bär identifiziert - irgendwie unplausibel - das Tier ist ein Yak und kein Bär - ein einsamer Yak.

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Die anderen ziehen weiter, aber wir gönnen unseren Füßen noch etwas Pause. Da tauchen auf einmal zwei weiße Punkte in den Hügeln vor uns auf und bewegen sich auch uns zu. Kurz vor unserer Raststelle setzen sie sich in die Wiese und machen auch Pause, also ziehen wir unsere Schuhe wieder an und setzen unsere Rucksäcke auf um zu ihnen zu laufen. Rob & sein Kumpel wissen schon, dass wir Deutsche sind, weil sie schon kurz mit den 4 Tschechen geschwatzt haben. Wir erzählen von unserer weiteren Route und als sie erzählen, dass sie weiter nach Džergalan wollen, erzählen wir auch vom Beginn unserer Route und raten ihnen den Feldweg entlang des anderen Tjup nicht zu verlassen *ihr wisst ja schon wieso ;-)* Sie geben uns noch ein paar Tipps für unsere weitere Strecke und etwas Sonnencreme im Gegenzug. Oli freut sich mal wieder englisch sprechen zu können. Danach wandern wir noch ein paar Kilometer weiter bis wir eine gute Zeltmöglichkeit finden und dort unser Lager aufschlagen.

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Weil unsere Sonnencreme vor dem Treffen mit den Engländern heute nahezu leer war, habe ich darauf verzichtet mein Gesicht einzucremen, aber die Sonne ist echt unbarmherzig - Resultat: fetter Sonnenbrand auf der Nase. Außerdem habe ich seit heute richtig viel Hunger - zum Glück waren wir die letzten Tage so sparsam mit unseren Riegeln - so bin ich zumindest auch satt geworden :grins:

Snuffy
21.08.2013, 22:49
Tag 8:
Es ist leicht bewölkt als wir munter werden, d.h. die Sonne brennt nicht auf unser Zelt und wir können noch etwas liegen bleiben bevor wir uns in die Spur machen hinauf zum Tjuz Pass. Wir folgen den Pfaden talaufwärts. Wolken begleiten unseren Weg, so dass es genau die richtige Temperatur hat und wir keine Gefahr laufen wieder von der Sonne verbrannt zu werden.

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Nachdem wir eine Weile über sumpfige Wiese gestapft sind, legen wir am steinigen Flussufer eine Pause ein. Genug zu trinken, ein schöner Stein zum sitzen und dann plündern wir unseren Riegelbeutel. Nach einigen Regentropfen setzen wir unsere Marschroute fort. Immer weiter entlang des Flusses, den wir queren müssen um ins Tal zum Tjuz Pass einbiegen zu können.

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Die Querung ist nicht ganz ohne, aber mit Olis Hilfe komme auch ich durch die schwierigste Passage mit viel Strömung. Zum Queren habe ich vorsichtshalber meine kurze Hose ausgezogen - das führt zu begeistertem Gekicher bei Oli, weil mein schwarzes Tanktop und mein schwarzer Slip aussehen wie ein Badeanzug. Caro beim Strandurlaub!

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Danach wird es wieder etwas steiler. Oli kann es gar nicht erwarten den Aufstieg hinter sich zu bringen und steigt deshalb schon auf der falschen Talseite in die Höhe. Ich tue es ihm gleich und dann ist er auf einmal verschwunden und er hört auch meine Rufe nicht *oder will sie nicht hören* Ich hätte ihn schon längst auf dem Plateau erwartet - nach einiger Wartezeit taucht er dann aber auf. Er hat noch einen Schmetterling für mich fotografiert. Wir laufen ungefähr auf gleicher Höhe weiter entlang des Hanges talaufwärts, bis wir auf den Fluss stoßen und sich eine günstige Stelle zum Furten auftut. Da winken uns die Tschechen zu. Wir steigen zu ihnen hinauf und suchen uns nach einem kurzen Plausch einen Zeltplatz in der Nähe. Als wir einen aufgetan haben, holen wir Olis Rucksack und geben den vieren eine Runde Riegel aus. Diese revanchieren sich mit kirgisischen Süßigkeiten, den Sliwowitz verweigern wir so früh am Nachmittag. Als die 4 zu einer kleinen Erkundungstour aufbrechen, beginnen wir unser Zelt aufzubauen und mit Steinen windfest zu machen, da es hier ziemlich zugig ist und die Heringe in dem steinigen Boden nicht wirklich gut halten. Ich hole Wasser von einem kleinen Rinnsal, damit uns der Abstieg zum und der anschließende Aufstieg vom Fluss erspart bleibt. Wir planen im Sonnenschein und mit schöner Aussicht unsere nächsten Tage auf der Karte, bevor es etwas warmes zu essen gibt und wir schlafen gehen.

Tag 9:
Die 4 Tschechen laufen los als wir beginnen unser Frühstück zuzubereiten. Als wir dann auch losgehen ist noch überall blauer Himmel mit Schäfchenwolken und nix zu sehen von der schwarzen Regenwolke, die uns beim Queren des ersten Geröllfeldes erwischt.

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Wir steigen weiter über große und kleine Steine und gelangen wieder auf einen Pfad, der weiter bergauf führt. Als ich uns schon oben am Pass wähne fängt dieser erstmal an - zu früh gefreut.

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Wir sind auf dem in der Karte verzeichneten Zeltplatz, die Wiese mit dem kleinen See und Bachlauf sieht wirklich sehr idyllisch aus und wir ärgern uns schon gestern nicht noch die 2km weiter gelaufen zu sein. Sobald man jedoch das Gras betritt macht es fatsch, fatsch, fatsch... In der Ferne sehen wir 4 Leute sich den Pass hinaufkämpfen - das werden sicher die Tschechen sein. Nachdem auch wir die Geröllhölle hinaufgestiegen sind, warten die 4 schon auf uns. Oli geht mit ihnen noch hinauf zum Gipfel des Tjuz, während ich mich zwischen die Steine bette und versuche etwas Schlaf nachzuholen. Letzte Nacht hatten wir etwas zu viel Hanglage und ich bin immer von meiner Isomatte gerutscht.

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Oli kommt allein vom Berg herunter geflitzt und meint, dass von überall schlechtes Wetter im Anmarsch ist und wir jetzt los müssen. Gesagt getan. Zuerst geht es über kleine Kieselsteine, dann über eine kurze Sandpiste und danach über Grashügel hinunter zum Ènilček. Gerade als wir auf den Grashügeln ankommen fängt es richtig an zu schütten. Oli zieht seine Regensachen an und will weitergehen. Ich laufe eine Weile im Regen, werfe dann den Rucksack auf den Boden, ziehe die Regenhülle drüber, ziehe meine schwere und kaputte Regenjacke an und sitze die Sache auf meinem Rucksack aus. Danach ist schlagartig wieder Sonnenschein und wir gehen weiter. Die Grashügel wollen kein Ende nehmen immer zieht der Weg noch eine Schleife - von rechts nach links und wieder nach rechts... Als wir es endlich geschafft haben rahmen stachelige Büsche einen dreckigen Flusslauf ein, der gefurtet werden muss. Die Trinkblase ist schon eine Weile leer und weit und breit kein sauberes Wasser in Sicht. Also kraxle ich den Hang zum Ènilček hinunter - auch da nur Dreckbrühe, aber ein kleiner abgetrennter Seitenarm bringt Rettung. Zwar auch nicht glasklar, aber immerhin kann man noch durchs Wasser hindurch schauen. Nachdem die Getränkereserven aufgefüllt sind, geht es weiter und wieder haben wir schwarze Wolken im Rücken. Wir sehen einen großen überhängenden Stein bei dem wir Unterschlupf suchen - das funktioniert super, so entfliehen wir dem Gewitter.

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Auf dem Weg zu unserem ersten kirgisischen Geocache sehen und fotografieren wir dann einen Regenbogen - auch wenn bei uns schon wieder die Sonne lacht, wütet das Gewitter talaufwärts weiter. Nachdem der Geocache erfolgreich geloggt ist, machen wir uns auf die Suche nach einem geeigneten Zeltplatz. Wir sehen viele schöne Stellen, bloß leider kein Wasser. Gerade als wir einen Wasserarm überqueren wollen um den in der Karte eingezeichneten Weg zum Gletscher zu folgen, treffen wir ein holländisches Pärchen. Er erklärt uns wo wir frisches Wasser und einen Zeltplatz finden und dann unterhalten wir uns noch ein wenig über unsere und deren bereits gelaufene Strecke und so stellen wir fest, dass sie uns an dem Tag wo die kleinen Jungs uns begrüßt haben gesehen haben, als wir gerade unter den 2 Tannen den Regen ausgesessen haben. Sie bestätigen uns, dass unsere ursprüngliche Route ein Kinderspiel war und dass wir mindestens 2 Tage gespart hätten, wenn wir den Startpunkt nicht geändert hätten – sei’s drum, ändern können wir es jetzt eh nicht mehr. Als wir uns verabschieden wollen, kommen noch 2 Deutsche aus Rosenheim dazu. Wir laufen eine Weile zusammen und dabei erzählen sie von ihrem Vorhaben den Khan Tengri zu besteigen. Dazu müssen sie aber bis morgen Abend Majda-Adyr erreichen, weil sie sonst ihren Helikopter am 30.07. zum Base Camp verpassen. Wir füllen unsere Wasserblase an der Stelle auf, die uns der Holländer verraten hat und dann bauen wir unser Zelt kurz vor der Endmoräne des Gletschers auf. Die beiden anderen wollen heute noch den Gletscher queren, obwohl es schon ziemlich spät ist und bald dunkel wird. Als das nächste Gewitter immer näher kommt und es schon beginnt leicht zu stürmen, tauchen sie doch wieder auf und stellen ihr Zelt in unserer Nähe auf. Bevor das Gewitter losgeht, sitzen wir in unserem Zelt. Heute verlegen wir auch das Kochen ins Zelt, weil es draußen eindeutig zu ungemütlich ist. Nach dem Essen und dem Gewitter gehen wir noch einmal zur Wasserstelle zurück und machen die Wasserblase noch mal voll. Danach trinken wir noch einen ganzen Topf Tee, bevor wir selig einschlafen.

Tag 10:
Heute geht es über den Gletscher. Die Sonne brennt und keine Wolke in Sicht. Gerade als wir fertig mit packen sind tauchen die 4 Tschechen bei unserem Nachtlager auf. Während des Tages werden sich unsere Wege trennen, weil die vier morgen Abend schon in At-Džajloo sein wollen, um ihr bereits gebuchtes Taxi zu erreichen. Wir laufen ein Stück zusammen, dann kommt eine Flussquerung. Oli & ich suchen uns eine nicht so breite Stelle mit ein paar Steinen zum Überqueren und machen einen großen Satz um ans andere Ufer zu kommen. Die Tschechen zögern und versuchen zusätzliche Steine zum Überqueren zu platzieren - uns dauert das Ganze zu lang und wir gehen schonmal weiter und suchen den Einstieg zum Gletscher - aber wir finden ihn nicht. Zumindest nicht den, den uns der Holländer gestern erklärt hat. Aber egal, wir finden auch so unseren Weg. Auch wenn Gletscherspalten des öfteren unseren Weg durchkreuzen und wir so gezwungen sind einen großen Bogen um diese zu machen.

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Hoch und runter über schwarzen Schutt, nur ab und zu beginnt speziell an Schrägen der Schutt herunter zu rutschen und das Eis des Gletschers wird freigelegt, dann ist es schon echt schwierig halt zu finden. Deshalb versuchen wir diese Passagen kurz zu halten und umgehen diese Größtenteils. Die sengende Hitze in diesem schwarzen Schutt macht es richtig anstrengend und nirgendwo auch nur die Aussicht auf Schatten. Entsprechend froh sind wir endlich von dem Gletscher runter zu kommen. Dann stand nach kurzer Pause ohne Wasser das nächste Abenteuer an, Fluss- oder besser gesagt Wasserfallquerung - ziemlich reißend, dreckig und kalt und an manchen Stellen recht tief.


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Oli geht einmal ohne Gepäck rüber um mir zu zeigen, dass es irgendwie geht drüber zu kommen - aber die Füsse werden dabei eiskalt. Danach sind wir mit Gepäck zusammen drüber, Oli stützt mich bei der Einstiegsstelle und der Rest ist ein Klacks. Ist schon doof, wenn man total durst hat und dann durch Wasser läuft, was man aber nicht trinken kann :-( Wir wandern weiter auf einem mit Steinmännchen markierten Pfad entlang des Gletschers.

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Nach scheinbar endloser Zeit stoßen wir auf einen kleinen trinkbaren Wasserlauf - hier machen wir ausgiebig Pause und trinken viel. Ich nutze die Gelegenheit gleich mal meine Haare zu waschen - die haben es echt nötig. Das war schon fast eine Tortur so lange ohne Wasser in dieser unglaublichen Hitze. Aber das schlimmste Stück kommt erst noch. Als nächstes müssen wir einen weiteren Gletscher überqueren, der aus einem Nebental in den Ènilček mündet.


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Zum Glück stehen auch hier die Steinmännchen und so müssen wir nur den Markierungen folgen. Trotzdem geht es wieder bergauf und bergab und zum Schluss müssen wir wieder eine kleine Klettereinlage meistern, weil der Aufstieg unheimlich steil ist und der Untergrund nicht unbedingt trittsicher, aber hier und da gibt es ein paar feste Steine, die man nutzen kann. Nach ca. 1km kommt dann eine echte Nervenprobe für mich. Ich bekomm schon immer etwas Panik, wenn es ausgesetzt wird und hier ist einfach ein steiler Hang aus Schieferbruch, der ab und zu einen halben Meter runter rutscht und weit und breit ist nix zum festhalten. Aber ich konzentriere mich nicht den Abhang hinuter zu schauen und dann steht auf einmal an einem großen Stein vor mir "Camp 15min" und ich kann wieder lächeln. Wir haben schon nicht mehr damit gerechnet, dass wir bald einen Platz finden, wo man das Zelt aufbauen kann. Bisher war es entweder ausgesetzt und steil oder es war viel zu steinig oder felsig. Oli spekuliert, dass das "Camp" sicher ohne Markierung nicht als Zeltplatz zu erkennen ist und man sonst einfach daran vorbeilaufen würde. Aber als wir dort ankommen, verstehen wir was mit Camp gemeint ist. Hier ist ein Zeltlager von Ak-Sai Travel mit einem großen gelben Speisezelt und 5 relativ großen Schlafzelten. Außerdem erkenne ich von weitem eine Toilette und eine Dusche.

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Dort angekommen treffen wir nur auf 2 Hunde, aber wenig später kriecht auch der Campwart aus seinem Zelt. Wir fragen uns wie er es bei dieser Hitze im Zelt aushalten kann, aber scheinbar hat er sich dran gewöhnt. Schließlich ist er schon fast 2 Monate hier. Er bietet uns Kaffee, Tee und Süßigkeiten an und wir fragen ihn ein wenig über den seinen Tagesablauf aus, wenn Reisegruppen hier sind und erkundigen uns wann die nächste hier übernachten wird. Er kann gut englisch und so sitzen wir eine Weile und plaudern mit ihm. Er bietet uns auch eines der Schlafzelte an, aber wir ziehen es vor in unserem Zelt zu übernachten. Nachdem das Zelt steht, gehen wir ins Küchenzelt und kochen unser Abendessen und schwatzen noch ein wenig mit dem Campwart. Danach setzen wir uns noch ein wenig raus und beobachten wie Steine in die Gletscherspalten stürzen. Da geht auf einmal der Generator an und der Campwart dreht seine Anlage voll auf. Es ist ein wenig wie Zeitreise, als Haddaway "What is love" aus den Boxen brüllt, aber schon ein wenig amüsant. Auch russischer Hiphop wird gespielt. Wir liegen in unserem Zelt und lauschen der musikalischen Unterhaltung und bekommen deshalb auch ab und zu einen Lachanfall. Irgendwann kehrt Ruhe ein und wir finden unseren Schlaf :-)

Tag 11:
Wir stehen freiwillig zeitig auf, weil wir der brütenden Hitze etwas entgehen wollen. Aber auch die Morgensonne ist schon extrem heiß und unbarmherzig. Wieder keine einzige Wolke am Himmel und wir haben 2 vierbeinige Begleiter - der "Kuhhund" und der "Wolfhund" aus dem Camp. Die beiden machen keine Anstalten zurück zum Camp zu gehen. Unterwegs geht uns der "Kuhhund" verloren, weil er lieber mit einem Schmetterling spielt. Der andere Hund rückt nicht von unserer Seite. Inzwischen haben wir es aufgegeben ihn dazu zu bewegen umzudrehen.

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Der Weg ist weiter markiert und lässt sich angenehm laufen. 2 Flüsse müssen wir queren und einen Gletscher und nach ca. 2,5h sind wir schon auf der Merzbacher Wiese.

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Auch hier ist wieder ein Ak-Sai Travel Camp, neben den Containern der geologischen Institute. Es gibt einen Tisch mit 2 Bänken, allerdings mitten in der Sonne. Wir stellen unsere Rucksäcke ab und dann tun wir es dem Hund gleich und legen uns ein wenig in den Schatten. Dann wird es auf einmal laut - ein Helikopter landet und läd einige Sachen und Lebensmittel für die Camps ab und bringt 2 Mitarbeiter von einem der geologischen Institute mit. Danach schauen wir uns die Aufgaben für den Earthcache an und sammeln alle notwendigen Informationen.

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Von der Moräne aus haben wir auch einen guten Blick auf den Merzbacher See, bzw. dass wo der Merzbacher See sonst ist. Weil wir nicht noch eine Nacht in einem Camp bleiben wollen und heute ja auch noch nicht wirklich viel gelaufen sind, planen wir am Nachmittag zurück zu gehen und kurz vor dem Camp von letzter Nacht bei einem riesigen Stein mit sandigem Boden zu übernachten. Wir entspannen uns auf der Merzbacher Wiese, da kommt gegen 15Uhr ein Franzose über die Moräne gelaufen und setzt sich zu uns. Er erzählt, dass er die letzten Tage auf dem Gletscher unterwegs war und bis ins erste Höhenlager des Khan Tengri gelaufen ist und jetzt total froh ist mal wieder Wiese zu sehen. Sebastian ist eine rechte Plaudertasche und ein echter Weltenbummler. Wir verabreden mit ihm, dass wir uns in 2 Tagen in At-Džajloo evtl. ein Taxi nach Karakol teilen können und dass wir deshalb noch vor dem Mittag dort eintreffen wollen. Und dann gehen wir zurück zu unserem auf dem Hinweg ausgewählten Zeltplatz, aber der Hund hat keine Lust mit uns zurück zu gehen. Wir treffen wenig später sein Herrchen auf dem Weg zur Merzbacher Wiese, weil er dor ein paar Sachen für das Camp abholen muss. Bei der Gelegenheit kann er gleich seinen Hund wieder mitnehmen. Das Zelt steht schnell, mittlerweile ist es fast ein Automatismus.

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Gerade als wir zum Schlafen ins Zelt gehen wollen, werden wir von einer Eule umkreist. Oli macht sich einen Spaß daraus sie mit seiner Kopflampe zu blenden.

Tag 12:
Extra zeitig stehen wir auf und laufen los, weil die Hitzewelle anhält und wir nicht in der brütenden Mittagshitze laufen wollen. Als wir am Camp vorbei gehen sind die beiden Hunde schon wieder auf der Lauer und begrüßen uns, machen diesmal aber zum Glück keine Anstalten uns zu folgen - gut so.

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Wir laufen wieder über den fiesen Schieferschutthang und dann machen wir wieder Pause an dem kleinen Bachlauf, der uns vor zwei Tagen vorm Verdursten gerettet hat ;-) Auch der anschließende Abstieg zum Gletscher hat es in sich, aber wir finden sogar eine bessere Route als beim letzten Mal und sparen uns so ein paar Höhenmeter. Der Wasserfallfluss kann diesmal mit ein paar weiten Sprüngen überquert werden und dann beginnt unbekanntes Gelände für uns. Der Weg führt zuerst noch auf der Moräne und später entlang der Hänge hinter der Moräne.

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Und dann scheint er einfach aufzuhören, dass was ich vor mir sehe ist absolut nicht begehbar. Doch da sehen wir wieder Markierungen, wir sind in unserem Eifer daran vorbei gelaufen. Und dann geht es bergab. An einer Stelle bringe ich mich in eine unmögliche Situation und ich komme weder runter noch hoch - zu steil und zu wenig Möglichkeiten sich festzuhalten, da muss mir Oli helfen und den Rucksack ein wenig festhalten, damit ich nicht den Hang hinunter stürze. Ich verfluche solche Stellen und bin froh dass wir fast unten sind. Da poltert es vor uns und wir sehen eine große Staubwolke, weiter talabwärts sind ein paar Steine an einem Steilhang abgebrochen und ins Tal gesaust. Sehr vertrauenerweckend - da müssen wir gleich unten vorbei laufen.

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Als wir an der Stelle ankommen, schaue ich immer wieder etwas unsicher nach oben, aber alles bleibt wo es hingehört - am Berg. Die Moräne mündet in ein ausgetrocknetes Flussbett welches wir durchqueren und dem wir noch eine Weile folgen, bevor wir einen Ausstieg finden. Dann erinnert die Landschaft sehr stark an Steppe, teilweise ist der Boden auch sandig und wieder weit und breit keine Trinkwasserquelle in Sicht. Wir kommen gegen Mittag in ein weiteres Camp von Ak-Sai Travel und dort kühlen wir unsere Füße im Wasser ab und verziehen uns ins Verpflegungszelt um ein wenig aus der Sonne heraus zu kommen. Wir trinken einen Tee und essen ein paar Kekse und dann erreicht ein Russe und sein Guide das Camp, die beiden sind auf dem Weg zum Gipfel des Khan Tengri. Dann gehen wir weiter, wir wollen heute noch ein paar Kilometer schaffen um es morgen nicht mehr so weit bis nach At-Džajloo zu haben, damit wir spätestens um die Mittagszeit dort ankommen. Also laufen wir weiter über sandigen Boden, durch Kakteen ähnliche Büsche und queren einige Flüsse.

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Wir treffen eine Schar Träger und eine Reisegruppe aus Singapur, bevor wir an einem Felsen einen kleinen Wasserfall sehen und uns dazu entscheiden hier unser Zelt aufzubauen. Wir sind nicht die ersten, die hier zelten, was wir an den Unmengen an Müll erkennen. Wir suchen uns ein schönes Fleckchen Wiese aus, dazu noch im Schatten und frisches Wasser haben wir auch. Dieses läd dazu ein, den Sand und Schweiß von unserem heutigen Weg loszuwerden - vielleicht ganz gut, wenn wir morgen wieder unter Leute kommen ;-) Morgen noch eine letzte Etappe - hoffentlich - und dann heißt es Daumen drücken, dass wir einen Transport nach Karakol organisiert bekommen.

Tag 13:
Der Tag beginnt wieder früh, damit wir möglichst zeitig in At-Džajloo ankommen. Ein paar hundert Meter hinter unserem Zeltplatz von letzter Nacht frieren wir uns bei der Querung eines Seitenarms des Ènilček fast die Füße ab und weil einmal nicht genug ist, waten wir zweimal durch die eiskalten Fluten.

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Am Ufer spürt man nur noch Schmerzen, da wo man seine Füße sieht. Der Himmel ist wolkenbedeckt und ich wünsche mir tatsächlich ein paar Sonnenstrahlen, obwohl ich die Tage davor deutlich genug davon bekommen hab. Die Sonne zeigt sich allerdings nicht und so zieh ich mir meine Primaloft drüber und gehe weiter. Vorbei an Formationen aus Sand bis zum nächsten und letzten Fluss, dem At-Džajloo, bin ich wieder einigermaßen aufgewärmt. Ich hatte so gehofft, dass hier der Typ mit dem Pferd irgendwo steht und ich einfach nur hinten aufsteigen muss und nur das Pferd nasse Füße bekommt. Aber irgendwie geht heute keiner meiner Wünsche auch nur im Ansatz in Erfüllung. Diesmal wollen wir den eisigen und schmerzenden Füssen entgehen und ziehen deshalb Socken und Plastikbeutel in unsere Watschuhe und dann geht es los. Oli sucht einen Weg durch die reißende Strömung und ich schau ihm zu. Dann ist er drüben und ich folge ihm. Der erste Teil des Flusses ist ein Klacks, dann kommt eine etwas flachere Stelle zum Durchschnaufen und dann geht es ins Tiefe Wasser. Oli kommt mir entgegen, als ob er schon ahnt was gleich passiert. Dass Wasser steht mir fast bis zum Bauchnabel und dann... blubb ... die Caro wird von der Strömung umgerissen und ein paar Meter mitgespült. Zum Glück bekommt mich Oli am Rucksack zu fassen und zieht mich an den Rand, wo es nicht mehr so tief und nicht mehr ganz so wild ist, aber ich komme trotzdem nicht hoch. Einer meiner Stöcke hat sich zwischen meinen Beinen verheddert - erst als ich die Schlaufe vom Handgelenk löse und der Stock in den Ènilček getrieben wird komm ich irgendwie auf die Beine. Das linke Bein blutet aus diversen Platz- und Schürfwunden.

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Bei der Aktion gehen neben meinem kaputten Wanderstock auch noch meine Gamaschen im Fluss verloren. Aber besser, als wenn ich darin verloren gegangen wäre :-P Wir tauschen unsere nassen Klamotten und trocknen den Inhalt meines Rucksackes mit meinem Handtuch etwas ab, bevor wir die letzten Kilometer unserer Tour zurücklegen. Mein Rucksack tropft, den Hüftgurt schnalle ich gar nicht zu. Gegen halb 11 erreichen wir At-Džajloo.

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Dort werden wir von 4 Männern und ihren Pferden begrüßt. Einer erzählt etwas von einem Auto um 12. Also setzen wir uns auf die Terrasse der Wodkabar und warten. Kurz vor 12Uhr schlägt auch Sebastian auf - klitschnass von oben bis unten. Er erzählt uns, dass er gerade unfreiwillig im Fluss baden gegangen ist und wir erzählen von meiner Tauchaktion. Er erzählt uns, dass der Fluss zu beginn seiner Tour vor ungefähr 1 Woche nur ca. 1/3 des Wasser geführt hat und die Querung total easy war, weil das Wasser nur bis zum Knie stand. Und dann warten wir zu dritt auf ein Mitfahrgelegenheit nach Karakol. Die Besitzerin der Wodkabar möchte scheinbar so viel Gewinn wie möglich aus uns herausschlagen und fragt ob sie uns für 9500Som ein Taxi rufen soll. Wir vertrösten sie und warten lieber, ob nicht sowieso eine Reisegruppe hier ankommt. Als wir kaum noch dran glauben taucht tatsächlich ein Transporter mit einer Reisegruppe auf. Wir verabreden mit dem Fahrer, dass jeder von uns 2000Som für die Fahrt bezahlt und er und wir sind zufrieden mit dem Preis. Dann geht die abenteuerliche Fahrt nach Karakol los. Der Fahrer heizt über Wege, über die wir in den letzten Tagen gewandert sind, über Geröllfelder und durch Schlaglöcher, die den Namen Straße nicht verdienen, so dass wir auf unseren Sitzen abheben und durchgeschüttelt werden. Und dann ist es endlich soweit. In Majda-Adyr werden zum ersten Mal auf unserer Tour unsere Pässe und unser Permit kontrolliert. Und weil es so schön ist und die Soldaten eh nix besseres zu tun haben, wird es gleich ca. 20km weiter in Ènilček noch mal überprüft - doppelt hält besser ;-) Als ungefähr die Hälfte der Strecke geschafft ist, bleibt unser Transporter stehen - der Motor ist total überhitzt.

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Jeder spendet sein letztes Wasser in der Hoffnung, dass es dadurch schnell weitergeht. Das Problem ist allerdings ein lockerer Ventilator, der sich nicht mehr mit der Welle dreht. Nach ca. 1h Reparatur geht es endlich weiter. Wir halten noch einmal um an einer Quelle frisches Wasser aufzufüllen und dann noch zweimal zum irgendetwas richtig festzuziehen. Mir gelingt es bei dem Geschaukel und Gehüpfe sogar einzuschlafen und als ich wieder aufwache, sind wir schon in Karakol. Der Franzose bleibt im Turgistan Camp und wir lassen uns zum Hotel Amir fahren. Es ist kurz vor Mitternacht als wir dort aufschlagen. Die Rezeption ist nicht mehr besetzt, aber wir bekommen dennoch einen Schlüssel von dem Sicherheitsdienst des Hotels, der uns nur sagt, dass wir alles weitere morgen früh mit den Hotelangestellten klären sollen. Wir genießen jeder eine ausgiebige Dusche, schauen russisches Fernsehen und schlafen dann selig in einem großen Bett ein.

Tag 14 bis zur Abreise:
Wir sind spät beim Frühstück und dann treffen wir ganz unverhofft auf Kati, Kathrin, Susi und Sven. Sie laden uns ein sie heute Abend zum Essen zu begleiten und dann tauschen wir ein paar Reiseeindrücke & -erlebnisse aus. Im Anschluss schaffen wir meine ausgeliehene Jacke zu Ecotrek zurück und schwatzen auch dort wieder eine Weile über unsere Wanderung. Anschließend schlendern wir durch das Kaufhaus, gehen ein paar Sachen einkaufen und surfen in einem Internetcafé bevor wir unsere Einkäufe zurück zum Hotel schaffen und dort noch einmal kurz einschlafen. Bevor wir mit den vier anderen zum Abendessen gehen, gibt es erst noch Wassermelone und wir kommen in den kulturellen Genuss traditioneller kirgisischer Musik. Der Abend ist sehr unterhaltsam und das Essen ist gut, auch wenn die Bedienung etwas überfordert ist.
Die nächsten Tage machen wir einen kurzen Abstecher nach Cholpon-Ata, bevor wir noch 2 Tage in der Hauptstadt Bishkek verbringen. Dann sind wir aber auch froh wieder nach Hause zu kommen...

Kirgistan ist zum Wandern wirklich wunderschön, aber kein Land für Pauschalurlaub. Ob wir wiederkommen? Keine Ahnung. Vielleicht zu einer anderen Jahreszeit - mal sehen.

smeagolvomloh
21.08.2013, 23:01
5sterne

Vielen Dank für das Einstellen dieses sehr interessanten Reiseberichtes aus einer nicht so häufig vorgestellten Region.

wait
21.08.2013, 23:08
Ein echt starker Bericht und tolle Bilder - danke dafür.

Und schön, dass Dir nicht mehr passiert ist im Fluß!

codenascher
22.08.2013, 00:38
Oha, der dritte Kirgistan Reisebericht diesen Sommer.
Meine Fresse, so schlimm wie es sich hier teilweise liest, habe ich eure Schilderungen gar nicht in Erinnerung :o

Danke fürs teilen eurer Reise, Nachahmer werdet ihr zwar wahrscheinlich keine finden, dennoch spannend und unterhaltsam zu lesen :ignore: :bg:

:hahaa:
Das ganze Zelt ist umstellt von Kühen und manche sind so von unserem Zelt angetan, dass sie beginnen zu kopulieren.

grenzenlos
22.08.2013, 07:08
Danke für den schönen Bericht!:p

Wildschwein
22.08.2013, 21:55
Wow! Euer Reisebericht ist einsame Spitze, aber die Bilder!! Hammer! vielen Dank!!

Dominik
22.08.2013, 22:13
Traumhaft! Was für ne fette Region!!

chriscross
22.08.2013, 23:54
Hammer!!!

Mr.Sunrise
23.08.2013, 15:09
Echt witzig, das halbe Forum war in Kirgistan diesen Sommer!

Schöner Bericht und tolle Bilder!

Eine schöne Tour habt ihr da gemacht. Wir haben auf unserer Rückreise aus Kirgistan für unseren nächsten Urlaub dort über eine ähnliche Route gesprochen wie ihr sie gemacht habt.

RockingKatja
24.08.2013, 14:54
Wow! Gerade nur kurz überflogen und gleich beschlossen, dass ich mir für den Bericht ganz viel Zeit nehmen muss und ihn in Ruhe lesen will. Allein die Bilder sind der Wahnsinn. 5sterne

Snuffy
26.08.2013, 01:27
Dann kommt jetzt noch eine kleine Zugabe. Leider sieht die Quikmapbox bei mir nicht so richtig toll aus, aber zumindest bekommen die meisten so einen besseren Überblick wo das überhaupt ist. Der Track hat ein paar Fehler, ich denke man kann aber den groben Tourenverlauf gut erkennen.


250149

Hier der Höhenverlauf (wie im Track haben sich auch hier ein paar Fehler eingeschlichen):

http://abload.de/img/hhenprofil7buvi.png

Weil wir ursprünglich 17 Tage für unsere Tour geplant hatten, war diesmal nur Trockenessen dabei, um die 20kg für den Flieger nicht zu überschreiten. Abends nach dem Essen haben wir uns einen Spaß draus gemacht das Essen zu bewerten.
Unser persönliches Raking, bewertet wurde Geschmack und Verpackung - vielleicht hilft es jemanden. Auch wenn Geschmack bekanntlich Geschmackssache ist :bg::

http://abload.de/img/outdooressenbewertungt6uhw.jpg

Mr.Sunrise
26.08.2013, 09:48
Die Essensbewertung ist witzig!

Wir hatten ja auch nur Trockenessen dabei und haben auch jeden Abend beim Essen über sämtliche Sorten disskutiert welche gut ist und was nicht.
Interressant finde ich bei Blick auf Eure Liste, dass ihr genau die Sachen gut bewertet, die bei uns durchgefallen sind und andersherum!

Gruß,
Daniel

Snuffy
26.08.2013, 10:09
Hmm, das würde ja bedeuten Trek'n'Eat und Travellunch sind eure Favoriten. Lyo, Expedition Food und Turmat würde euch gar nicht munden?!.

Das ist in der Tat seltsam.

In erster Linie haben wir das für uns gemacht, das wir einfach wissen was man das nächste mal nicht mehr mitnehmen braucht.
Solch eine Liste haben wir auf der vorletzten Wintertour auch schon gemacht.


Snuffy

Mr.Sunrise
26.08.2013, 10:30
Von Real Turmat und Lyo hatten wir nichts dabei, da fehlen mir also die Vergleichsmöglichkeiten.
Da werde ich bei der nächsten Tour ein paar Sachen von testen.

Wir hatten vor allem Trek'n'Eat und Travellunch und Adventure Food dabei. Zwei Sachen von Mountain House - die hätte ich am liebsten weggeschüttet.

Mika Hautamaeki
26.08.2013, 14:47
Vielen Dank für den Bericht, die Bilder sind genial und die Schilderung schön kurzweilig. Ihr habt mir gerade meinen Urlaubstag versüßt!

aivery
29.08.2013, 13:24
Genial! Vielen Dank für den Bericht und die tollen Fotos!
Eine Bitte, in deinem Post seh ich nicht mehr das höhenprofil und die Essensbewertung..... Kannst du da mal bitte nachschauen?

Jetzt so nach dem Urlaub - würdest ihr / du den Urlaub nochmal machen?
Von wann bis wann wart ihr unterwegs?
Hattet ihr die einzelnen Etappen schon im Voraus exakt geplant?

Braucht man echt ein Permit zum Wandern bzw für die Region?

Gruß
Alex

Snuffy
29.08.2013, 17:22
Hallo. Also bei mir wird es angezeigt. Probier einfach nochmal. Ggf. Strg+F5 zum kompletten neuladen.

Na den gleichen Urlaub würden wir nicht noch einmal machen, da wir das ja jetzt schon kennen. ; ) Wenn aber wissen möchtest, ob es empfehlenswert war, dann kann ich dies nur bejahen. Ich denke aber nicht, dass wir kommendes Jahr wieder ins Tian Shan fahren. Später aber vielleicht schon. Kirgistan ist einfach sehr einfach zu bereisen im Vergleich zu anderen Ländern der Gegend. Aber dennoch braucht man für diese Ecke ein Permit. Hat uns 40€ p.P. gekostet.
Tag 1 ist der 20.7. und wir waren 12 Tage unterwegs.
Geplant war zunächst eine andere Route, aber weil wir am Anfang Zeit verloren haben, haben wir umdisponiert. Gepennt haben wir da wo es sich ergibt. Das planen wir nicht im Detail vorher. Das ist einfach zu sehr Tagesform, Wetter, Gelände etc. abhängig.

Ein Hinweis noch. Wir hatten die Karten vom DAV. Sehen schön aus, aber wirklich gut sind die nicht. Manche Eintragungen sich schlicht falsch und auch die Abschätzung wie anstrengend gewisse Passagen sein werden lassen sich nicht, bzw. gar nicht erkennen. Man ist quasi darauf angewiesen einfach zu sehen wie man voran kommt und muss rechtzeitig nach einem Übernachtungsplatz ausschau halten. Gerade beim Enilchekgletscher ist man fast auf die bereits vorhanden Camps angewiesen. Aber nicht zwingend!.



Snuffyle

wulxc
01.09.2013, 21:45
Euer Zelt sieht bei ein paar Details nicht nach Mainstream aus (RV bis in Spitze), ist das ein Eigenbau noch aus Material der Großbestellung?
grüße, wulxc (der zweimal in Norwegen mit seinen Eigenbau sehr zufrieden war)