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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : (warum) können Kinder (nicht) "rollen"?



Mus
25.07.2013, 14:55
Was mich ja wirklich mal noch genauer interessieren würde ist das folgende, von mir ebenfalls immer wieder beobachtete Phänomen:


(ja selbst das quängeligste Kind ist in der Lage bein Fangenspielen in der Mittagspause mehr Strecke zurückzulegen als am ganzen Tag)
Gruß
Zwerg

Es spricht dafür, dass es zumindest bei 3+ weniger eine Frage von Kraft und Ausdauer (und Schrittlänge:baetsch:) ist sondern, neben der ganz wesentlichen Motivationslage, ein weiteres physiologisches (?) Phänomen die entscheidende Rolle spielt.
In einem langen Wanderurlaub mit langen (und ich gestehe auch z.T. langweiligen) Etappen hab ich das mit meinem Großen ausführlich erörtert und die Quintessenz scheint für mich folgende:

Bei Erwachsenen stellt sich nach einer Weile gleichmäßigen Gehens / Laufens / Radfahrens / Schwimmens das Gefühl des "Rollens" ein. Kennt ihr das? Es scheint, als hätten die Füße (Arme) die gleichförmigen Bewegungen programmiert und würden jetzt von alleine und losgekoppelt vom Kopf, weitergehen. Dadurch sind lange Strecken kein Problem mehr.

Bei Kindern fehlt diese Möglichkeit oder ist nur sehr schwach ausgeprägt. (Mir fehlt sie beim Joggen.)
Dadurch müssen sie viel mehr Motivation aufbringen, da sie sich ja gewissermaßen bei jedem Schritt neu entscheiden müssen. (Mir geht das beim Joggen so.)
Dafür haben sie deutlich mehr Ausdauer bei Stop-and-go Bewegungen und bei solchen mit Richtungswechsel.

Irgendwie entspricht das ja auch sonst dem typisch kindlichen Verhalten, dass wesentlich kurzfristiger motiviert und spielerischer ist im Gegensatz zu Erwachsenen die mehr mit langfristigem anfangen können.

Kennt ihr das "Rollen" von euch?
Habt ihr das bei allen Ausdauersportarten oder gibt's (wie bei mir beim Joggen) "schwarze Flecken"?
Kennen eure Kinder das (falls sie alt genug sind, über sowas nachzudenken und zu reden)?
Woran mag das wohl liegen, welche physiologische / neurologische Besonderheit mag da dahinter stehen?
(Am ehesten würde mir der Vergleich zum Unterschied zwischen Buchstabieren und automatischem Lesen so wie wir es tun einfallen.)
Ab welchem Alter ändert sich das und kann man was dafür tun? (Beim Lesen könnte ich es ja z.B. nicht beschleunigen, indem ich mit meinem 2-jährigen regelmäßig übe, das wäre ehr kontraproduktiv.)

lina
25.07.2013, 15:04
Probier mal Musik hören beim Joggen.

TanteElfriede
25.07.2013, 15:11
...ich rolle am besten, wenn ich denke...an dies, das, etwas anderes und vielleicht sogar noch da und dort...und psychologisch ist bei den Kiddies auch so...rede ich mit denen über spannende Dinge, dann gehen wir, machen km und sind irgedwann irgendwo wo wir nie wären, hätten die Kinder sich auf das gehen konzentrieren müssen...Ich glaube wir großen können das besser, dieses ablenkdenken...die Zwerge haben einen anderen Fokus, also lenke ich Sie extern ab...

Ach ja, Muke beim Joggen ist der Tod für mich... Geht bei mir voll nach hinten los. Ich brauche die Geräusche der Welt um mich herum...

blende8
25.07.2013, 15:20
...ich rolle am besten, wenn ich denke...an dies, das, etwas anderes und vielleicht sogar noch da und dort...und psychologisch ist bei den Kiddies auch so...rede ich mit denen über spannende Dinge, dann gehen wir, machen km und sind irgedwann irgendwo wo wir nie wären, hätten die Kinder sich auf das gehen konzentrieren müssen...Ich glaube wir großen können das besser, dieses ablenkdenken...die Zwerge haben einen anderen Fokus, also lenke ich Sie extern ab...
Genau so ist es.
Unterschreib.

lina
25.07.2013, 15:20
Ok, dann singen ;-)

Aber im Prinzip ist’s die Konzentration auf etwas fortlaufendes Zusätzliches. Wenn ich nach Fotomotiven schaue, schaffe ich z.B. auch mehr Strecke.

Mus
25.07.2013, 15:50
Ach ja, Muke beim Joggen ist der Tod für mich... Geht bei mir voll nach hinten los. Ich brauche die Geräusche der Welt um mich herum...
Mit Musik geht bei mir auch gleich garnix mehr. Schon ausprobiert.


...ich rolle am besten, wenn ich denke...an dies, das, etwas anderes und vielleicht sogar noch da und dort...und psychologisch ist bei den Kiddies auch so...rede ich mit denen über spannende Dinge, dann gehen wir, machen km und sind irgedwann irgendwo wo wir nie wären, hätten die Kinder sich auf das gehen konzentrieren müssen...Ich glaube wir großen können das besser, dieses ablenkdenken...die Zwerge haben einen anderen Fokus, also lenke ich Sie extern ab...


Das Ablenkung auf jeden Fall weiterhilft haben wir im Nachbarthread ja ziemlich einstimmig festgestellt.
Mir ging es eben genau um den Rolleffekt, den ich nochmal als etwas zusätzliches und mehr körperliches wahrnehme.

Ich habe anfänglich auch gedacht, dass die Richtung so ist: erst ablenken / denken / ... dann stellt sich der Rolleffekt ein.
Als ich begonnen habe, das Phänomen genauer zu betrachten, habe ich festgestellt, dass es andersherum ist:
erst wenn die Füße rollen, läuft auch das Denken rund und ich kann Gespräche / Landschaften / .... intensiver genießen.
Ich war zum Schluss soweit, dass ich es durch bewusstes darauf Einstellen geschafft habe bereits nach 300 Meter und auch für kurze Wege in der Stadt, zu "rollen".

Ich laufe dabei übrigens ein ganzes Stück schneller als normal.
Beim den Kindern beobachte dich das Gegenteil: wenn ich sie durch ein Gespräch / Geschichte / ... von der Geherei ablenke werden sie ein ganzes Stück langsamer.

Ein weiterer beobachteter Unterschied zwischen Gehen nur mit Ablenkung und Rolleffekt: wenn die Ablenkung aufhört, bleibt das Kind im Zweifelsfall stehen. Wenn ich wirklich rolle, dann läuft es auch beim wegfallen der Ablenkung weiter bis ich ganz gezielt das Kommando "Stehen bleiben!" an die Füße sende, das muss um so deutlicher sein, je länger ich "gerollt" bin.

DocBrown
25.07.2013, 16:02
@mus: http://www.youtube.com/watch?v=R0Y_4WqZg7o:ignore: :grins:

Leitwolf
25.07.2013, 18:48
Ok, dann singen ;-)

Aber im Prinzip ist’s die Konzentration auf etwas fortlaufendes Zusätzliches. Wenn ich nach Fotomotiven schaue, schaffe ich z.B. auch mehr Strecke.

Das mit dem Singen stimmt (wenn man genug Luft hat).
Wir haben auch schon so Spielchen wie "Wer hat denn die Kekse aus der Dose geklaut" gemacht, klar das Funktioniert erst ab 5 Leuten So richtig.

Faszinierend fand ich auch das ich öfter erlebt habe das sich die kids (12-14)
mit so Sachen wie Laurentia oder dem Dackel Waldemar selber motivieren können- und das noch mit Rucksack:o:nixda:. Leider konnte ich die Videos davon nicht in die Reisebericht bauen (Gesichter in Video schlecht unkenntlich zu machen).

Wichtig ist möglichst nicht in stoppen zu kommen- sonst stoppt es ständig, was noch mehr kraft Kostet. (besichtigen Käfer suchen etc fällt da eher nicht drunter (nur bei dem Erwachsen Kostet es kraft.- weil die ja nur daneben stehen).
Aber Wenn man bei jeder Bank oder Lichtung stehen beliebt und über Pausen diskutiert wird das ganze nur anstrengender. Klare ansagen zu Pausen helfen auch (wenn das gemurre schon begonnen hat). Im zweifel laufe ich dann auch mal Rückwärts weiter um die Stehengebliebenen weiter beobachten zu können- die kommen dann von allein :-)
Wobei meine Erfahrung eher auf ältere Kinder zutrifft - die auch nicht meine eigenen sind :-)

changes
25.07.2013, 18:52
Könnte das mit der "multitaskingfähigkeit" zusammenhängen?

Wenn ich so an meine Kinder denke als sie noch klein waren haben sie immer nur eins zur Zeit gemacht also nicht multi...

Ich bins auch nicht, bei mir ist dieses "rollen" eher eine art Mechanismus um irgendwie anzukommen(also das "automatisch vorankommen".
Sobald ich mich durch/mit Gedanken, Musik, Landschaftbeobachten oder Gespräch ablenke fällt mir das vorwärtskommen zwar leichter, ich werde aber automatisch langsamer.
Wenn ich ein bestimmtes Tempo beibehalten möchte muß ich mich auf den Takt der Schritte oder Trittfrequenz konzentrieren.
Sobald die Gedanken davon weg abschweifen werde ich wieder langsamer, komme aus dem Takt.

Serienchiller
25.07.2013, 22:36
Das ist jetzt furchtbar vereinfacht und wahrscheinlich auch nicht ganz richtig, aber so habe ich es aus den Neuro-Vorlesungen behalten:

Das Bewusstsein sitzt in der Großhirnrinde. Von da kommt der (bewusste) Befehl: "Linker Fuß nach vorne". Das wird dann (unter anderem) vom Kleinhirn ausgeführt. Was sich im Kleinhirn abspielt, entzieht sich unserem Bewusstsein. Wir denken nicht bewusst daran, Muskel XY um 4 cm, Muskel Z um 2 cm zu verkürzen und gleichzeitig die Gegenspieler A, B und C zu entspannen. Die genaue Steuerung übernimmt also das Kleinhirn.
Wenn jetzt immer wieder die selbe Abfolge von Befehlen aus der Großhirnrinde kommt, dann merkt sich das Kleinhirn irgendwann diese Abfolge. Es weiß dann, dass nach dem linken Fuß wieder der rechte nach vorne gesetzt werden muss. Von da an reicht es, wenn das Großhirn den Befehl gibt, dieses Programm abzuspielen. Das Programm wird mit der Zeit natürlich immer weiter verfeinert. Irgendwann muss man auch nicht mehr bewusst steuern, wie groß oder wie schnell die Schritte sind, sondern es reicht, wenn vom Großhirn der Befehl kommt: "Folge dem da vorne" oder "Laufe so dass es angenehm ist". Und wenn man sehr oft die selbe Strecke geht, muss man nicht einmal die Richtung bewusst vorgeben - da reicht dann der Befehl "nach Hause". Funktioniert auch beim Autofahren - wer jeden Tag den selben Weg zur Arbeit fährt, macht das ganz automatisch ohne sich bei jeder Kreuzung bewusst für eine Richtung zu entscheiden. Ob das dann noch vom Kleinhirn gesteuert wird, weiß ich nicht - wahrscheinlich nicht. Aber es passiert auf jeden Fall unterbewusst.

Der Punkt ist: Bei den Kindern ist das Programm "laufen" einfach noch nicht so weit entwickelt und es braucht noch viele bewusste Eingriffe von der Großhirnrinde. Sie können nicht einfach sagen "folge dem da vorne" und sich in Gedanken anderen Dingen widmen, sondern müssen sich noch bewusst damit beschäftigen, wie groß ihre Schritte sind, wie sie Steine und Pfützen umgehen, u.s.w. Das ist natürlich auf Dauer nicht nur körperlich, sondern auch geistig anstrengend.

Mus
26.07.2013, 14:47
Vielen Dank @ Serienchiller.
Das hört sich für mich nach einer außerordentlich plausiblen Erklärung an, da damit alle beobachteten Details erklärt werden können. (Wenn ich das richtig verstanden habe ist das quasi wie beim Klavierspielen, wo nach einer gewissen Übung und ab einem gewissen Alter bestimmte Cluster einfach zur Verfügung stehen und nicht mehr Töne einzeln zusammengesucht werden müssen.)
Der größte Teil meines Wissendurstes ist somit gestillt. Allerdings bleiben ein paar Fragen:
Was bedeutet es dann als praktische Folge?
1. Es funktioniert erst ab einem bestimmten Alter? (Wenn ja ab wann den ungefähr?)
2. Es funktioniert außerdem auch erst ab einer gewissen Erfahrung / Übung? (Lässt sich durch Training verbessern?)
3. Lässt sich das übers Bewusstsein "triggern"?

Simon
26.07.2013, 22:56
Habe mir noch eine andere Erklärung zugelegt, wobei ich Serienchillers Erklärung super finde.

Ist das von dir beschriebene "Rollen" nicht einfach Ausdauerleistung? Ich konnte am Anfang auch nicht laufen und Mountainbiken, einfach weil mir alles immer viel zu langsam vorkam und ich so nicht in einen ruhigen Rythmus kam. Zumindest beim laufen habe ich mir das jetzt angewöhnt und kann nachdem ich ein paar mal 1,5 Stunden ganz langsam gelaufen bin langsam (nach ca. 2 Jahren) über eine Erhöhung meines Tempos nachdenken.
Bei meinem 3 jährigen Sohn ist es so, dass er so 15 min. super mit Erwachsenen Schritt hält, wenn es ihm taugt ;-). Danach kommt aber ein Einbruch und er braucht eine längere Pause. Mein Sportarzt sagt: Erst ab einer Belastung von länger als 15min ist es eine Ausdauerbelastung. Also dürfte meinem Sohn einfach noch die Ausdauer fehlen. Herumtollen ist ja auch nie länger als 15 min gleichmäßige Belastung.
Nur so eine Idee, vielleicht kann sich ja ein Sportmediziner näher dazu auslassen.

Gruaß
Simon

derSammy
27.07.2013, 08:54
Der Punkt ist: Bei den Kindern ist das Programm "laufen" einfach noch nicht so weit entwickelt und es braucht noch viele bewusste Eingriffe von der Großhirnrinde. Sie können nicht einfach sagen "folge dem da vorne" und sich in Gedanken anderen Dingen widmen, sondern müssen sich noch bewusst damit beschäftigen, wie groß ihre Schritte sind, wie sie Steine und Pfützen umgehen, u.s.w. Das ist natürlich auf Dauer nicht nur körperlich, sondern auch geistig anstrengend.

so 1/2 Topic...

Ich denke dass ist nicht nur bei Kindern so, sondern das kann man als Erwachsener Outdoorer auch die diversen "Spielarten" draussen so anwenden.

Sobald ich nicht mehr "Nachdenken" muss, fällt einem die Gleiche Leistung (Höhe, Strecke, technische Schwierigkeiten) um ein vieles Leichter weil eben der "geistige" Faktor wegfällt.

Enja
27.07.2013, 10:01
Da spielen viele Faktoren mit.

Das Automatisieren des Bewegungsablaufs ist durchaus zu trainieren.

Dazu kommt die kurze Konzentrationsspanne der Kinder. Wie lang die, je nach Alter, ist, kann man leicht nachschlagen (bei 5-7jährigen ca. 15 Minuten). Und wenn sie abgelaufen ist, müsste eigentlich ein neuer Reiz her.

Die Erwachsenen haben die Wanderung gewollt und geplant. Die Kinder müssen mit. Da kann man nicht erwarten, dass sie genauso motiviert sind.

Mus
27.07.2013, 10:16
Da spielen viele Faktoren mit.

Das Automatisieren des Bewegungsablaufs ist durchaus zu trainieren.

Das habe ich ja an mir gemerkt. Nur gibt es da - wie bei allem - eine untere Altersgrenze (weshalb ja auch viele Frühförderprogramme Quatsch bis Kontraproduktiv sind) und die würde mich interessieren.



Dazu kommt die kurze Konzentrationsspanne der Kinder. Wie lang die, je nach Alter, ist, kann man leicht nachschlagen (bei 5-7jährigen ca. 15 Minuten). Und wenn sie abgelaufen ist, müsste eigentlich ein neuer Reiz her.
im "nachschlagen" liegt der Hund begraben (es gibt übrigens auch Quellen, die von viel kürzeren Spannen sprechen). Es ist halt nur ein ungefährer Mittelwert.
Die beobachteten Werte liegen bei unter 10 sec bis hin zu 2,5 h.
Aber es geht ja gerade um ein automatisiertes Laufen, das eben kaum noch Reize als Motivation benötigt.



Die Erwachsenen haben die Wanderung gewollt und geplant. Die Kinder müssen mit. Da kann man nicht erwarten, dass sie genauso motiviert sind.
Das ist nicht automatisch so. Manchmal haben sich auch die Kinder die Wanderung und deren Ziel gewünscht und der Partner würde lieber auf dem Sofa sitzen.
Aber wie gesagt, mir geht's hier ja auch nicht um die Frage der Motivation. Die ist zwar maßgeblich wichtig, wird aber in anderen Threads schon ausführlich erörtert.

Enja
27.07.2013, 11:12
Wenn die Kinder die Wanderung "gewollt" haben, aber dann feststellen, dass ihnen zehn Minuten eigentlich gereicht hätten, finde ich das bei Kleinkindern eher auch nicht verwunderlich. Vermutlich sind sie sich nicht wirklich drüber klar, was sie wollen.

Die Konzentrationsspanne ist natürlich von Kind zu Kind und von Situation zu Situation variabel. Im Groben und Ganzen ist sie bei der Einschulung lang genug, um die 45 Minuten der Unterrichtsstunde durchzuhalten. Bei den meisten. Da das dann täglich geübt wird, löst es meist auch eine Entwicklung in der Richtung aus.

Du kannst und sollst das als Elter positiv beeinflussen. Aber kannst es natürlich nicht verdoppeln oder vervielfachen.

Das "Rollen" wie du es beschreibst, hat bei Erwachsenen sicher auch eine Erholungskomponente. Kinder brauchen das nicht. Sie regenerieren sich mit Affenzacken. Und sind normalerweise auch nicht so belastet wie Erwachsene. Und stundenlanges Grübeln während entspannten Gehens? Was grübelt dein Dreijähriger da wohl? Sprich doch mal mit ihm drüber. Sowas kannst du in Maßen in Gang setzen. Im Prinzip ist das das, was man unterwegs auch tut. "Guck mal. Eine Eichel. Die wächst an einer Eiche. Wann tut die das wohl? Und im Winter verliert der Baum das Laub. Da können die Wildschweine die Eicheln fressen."

Ich habe Alltagswege früher nicht gerne zu Fuß zurückgelegt. Fand ich langweilig. Weil ich nicht gerollt bin, sondern von A nach B wollte. Jetzt ist das anders. Ich gehe einfach. Und genieße das. Alle Wege bis zu etwa 8 km laufe ich inzwischen. Weil ich finde, dass es sich nicht lohnt, dafür das Rad aus der Garage zu holen.

Mus
27.07.2013, 12:41
Enja, wie ich schon mehrfach betont habe, geht es nicht um Motivation und nicht um Konzentrationsspannen und Unterhalteung/Ablenkung (nebenbei: in Grundschulen hat sich aus gutem Grund überwiegend längst die 90 Minuten Stunde durchgesetzt, die flexibel in mehrere Phasen untergliedert wird),
sondern um einen darüber hinausgehenden Effekt den ich und offensichtlich auch andere schon erlebt haben: das "Rollen", das die Füße unabhängig von Motivation, Kondition, Ablenkung,.....quasi von "alleine" gehen lässt und bewusst gestoppt werden muss!!! Dafür reichen, wenn man den Dreh erstmal raushat, auch kurze Alltagswege. Ich habe viele meiner Beobachtungen übrigens beim täglichen Gang vom und wieder zum Kindergarten (dem meiner Kinder) gemacht. Es ist natürlich schwierig zu unterscheiden, wenn der eigentliche "Rolleffekt" noch nie selbst bewusst erlebt wurde, ich konnte beim Joggen da auch nie mitreden.

Serienchiller hat ihn, wie ich finde, sehr anschaulich und nachvollziehbar neurologisch begründet.
Das Training hilft aber nicht ab jedem Alter und mit oben offenen Ergebnisen wurde auch schon das eine oder andere mal genannt.
Die offene Frage ist also nur:
Ab wann geht es den überhaupt?
Warum geht es bei manchen Betätigungen bei manchen Leuten nicht oder schlecht?
Wie ist es bei euch / euren Kindern.


Von Grübeln war hier sowieso nicht die Rede sondern im Gegenteil davon das Gedanken und Gespräche besser fließen. Und das ich mit meinen Kindern darüber altersgemäß rede kann man auch dem einen oder anderen Post entnehmen.

Enja
27.07.2013, 13:08
Dann entschuldige ich mich bei dir für meine Beiträge.

Die 45 Minuten wurden abgeschafft, weil die Konzentrationsspanne der Kinder allgemein zurückgeht und die 90 Minuten (die in meinem Bundesland zum Beispiel verboten sind) die Möglichkeit bieten, mehrere kürzere Phasen nach Gusto einzubauen. Auf dem Gebiet bin ich übrigens Fachfrau.

In der Tat verstehe ich dein Anliegen nicht, obwohl ich drei Kinder outdoors großgezogen habe. Bei Kleinkindern muss man doch ohnehin immer Alternativen zum "Selbstlaufen" bereitstellen oder in der Lage sein, kurzfristigst umzudisponieren. Du kannst aus ihne keine kleinen Erwachsenen machen.

Mus
27.07.2013, 16:36
Bei Kleinkindern muss man doch ohnehin immer Alternativen zum "Selbstlaufen" bereitstellen oder in der Lage sein, kurzfristigst umzudisponieren. Du kannst aus ihne keine kleinen Erwachsenen machen.
Noch einmal: Darum geht es in diesem Thread doch überhaupt nicht. Dafür existieren eine Menge andere Threads. Ein kurzer Blick dort genügt um festzustellen, dass du Eulen nach Athen trägst.




In der Tat verstehe ich dein Anliegen nicht, obwohl ich drei Kinder outdoors großgezogen habe.

Nun denn versuch ich meine Motivation mal ausführlicher darzustellen:

Ich liebe es diesen Momenten beiwohnen oder sie sogar angeregt zu haben, in denen Kinder nach aller Anstrengung plötzlich etwas neues können, einfach weil es jetzt "gerade dran ist". Diese Freude bei allen Beteiligten ist durch fast nichts aufzuwiegen.
Ich hasse es miterleben zu müssen, wie ein Kind sich quält und quält (alternativ: gequält und gequält wird) um etwas zu erlernen, was bei ihm einfach noch nicht dran ist. Dieser Frust und dieses Gefühl der Minderwertigkeit ist die Hölle für (fast) alle Beteiligten (Fachleuten hilft hier manchmal ihre professionelle Distanz).
Ich mache mir Sorgen immer öfter zu sehen, wie Kinder in ihrer Mühe etwas zu erlernen so lange aufgehalten werden, bis die Sache für sie schon wieder den Reiz verloren hat und sie in der Wüste der Langeweile verkümmern.

Nun ja, und wie du schon sagst: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Sie in psychologischer, physiologischer und neurologischer Hinsicht anders als wir Erwachsene.
Der Unterschied zwischen den drei Szenarien ist eben sehr häufig das Wissen über den Richtigen Zeitpunkt! Je nach dem kann ich motivieren oder mich zurück halten und gegebenenfalls mäßigend einschreiten.

Wie komme ich also an das Wissen über den Richtigen Zeitpunkt heran? Wie an alles andere Wissen halt auch. Jede einzelne Methode hat ihre Nachteile aber in Summe ist es gar nicht schlecht:

Ich schau mal so "wie man das halt so macht".
Ich unterhalte mich mit andern Eltern welches Gefühl die haben.
Ich versuche mich bei Experten (Buch oder persönlich) schlau zu machen.
Und immer wieder: ich beobachte mein Kind genau!!!!
Ich versuche mich zu erinnern wie sich das bei mir angefühlt hat und frage auch andere.

Und wenn's dabei um spezielles Wissen geht, dass in meinem persönlichen Umfeld nicht so Thema ist, dann frag ich das halt in Kreisen, wo es das ist. Zum Beispiel im Outdoorforum, wenn es darum geht "Können Kinder "rollen"".

Und es ist dann immer sehr bereichernd, wenn jemand den Eröffnugnsthread wirklich liest und wenn er was dazu zu sagen hat so präzise antwortet, wie Serienchiller das hier getan hat.
Und es ist immer frustrieren Antworten zu bekommen, die an der genauen Fragestellung vorbei gehen, schon mehrfach ausgeschlossen wurden oder derartige Allgemeinplätze sind, dass ich dazu auch irgendwo über den Gartenzaun oder im Linienbus hätte fragen können. Besonders ärgerlich , wenn sie sich dann irgendwie verselbständigen, so dass die eigentliche Fragestellung darunter erstickt wird. Aber das ist natürlich ein altes Forumsproblem.....

Ansonsten finde ich macht es auch einfach Spaß solchen genaueren Fragestellungen einfach so nachzuforschen. Ich finde es immer spannend zu verstehen wie die Welt funktioniert en Gros und en Detail. Meine Kinder übrigens auch.
Sollte man vielleicht mal einen Lagerfeurethread aufmachen, ob das wohl erblich oder durch Prägung bedingt ist.........;-)