PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Wieviel Höhenmeter mit 4 jährigen Kindern



Wugler
16.07.2013, 20:08
Hallo, wir möchten in großer Gruppe mit unseren Kindern (die jüngsten sind 4) eine erste Hüttenwanderung machen. Ziel ist die Ravensburger Hütte. Da es mehrere Zustiege gibt wollte ich fragen, was man den Kindern zutrauen kann. Der sicher schönste Zustieg hat rund 600 HM. Ist das für einen 4 jährigen zu viel oder schaffen das unsere recht fitten Kids?

Danke für die Hilfe

clinepid
16.07.2013, 20:33
Vor einer Woche bin ich mit dem Kleinen (gerade 5, aber nur so groß wie ein kleiner 4-jähriger) in zwei Etappen den Ben Nevis hoch. Das waren also je 650 Hm/Tag.

Kurz: Geht!

Wugler
17.07.2013, 09:20
Danke für die Antwort. Dann werden wir es wohl probieren.

volx-wolf
17.07.2013, 09:35
Kräftemässig kommt es auf die Kinder drauf an.
ERfahrungsgemäss ist ihnen eher langweilig, weshalb sie nicht mehr laufen wollen.
Stundenlang nur Berge, Wiesen und Wälder ist für sie nicht so erholsam, wie für einen Erwachsenen.
Kleine Dinge am Wegrand anschauen, ist interessant, frisst aber unheimlich viel Zeit.

Gut geht bei uns an der Hand laufen und Märchen erzählen.
Und notfalls dürfen die Kinder abwechselnd auf Papas Schulter.

volx-wolf
17.07.2013, 09:45
Wobei ich den Kindern mehr als 10/12 km je Tag (unter Berücksichtigung der Höhenmeter!) nicht zumuten würde.
Kräftemässig als auch mit Blick auf die Beschäftigung.

Tragekindmama
17.07.2013, 10:22
Hallo, in dem aktuellen "Trekking"-Magazin ist ein Artikel über das Thema Wandern mit Kindern enthalten.

Doch wird als eine "Grundregel" erwähnt, dass Kinder ab 4 Jahren an nicht mehr als 400 Höhenmeter bewältigen sollen. Ob es für die gesamte Wanderung oder pro Tag gilt, ist nicht enthalten. Ebenso nicht mehr als 2 Stunden Gehzeit ...

Jedoch ist es auch immer indiv. vom Kind abhängig, was das Kind bereits gewöhnt ist. So läuft ist unser fast 3 Jähriger Sohn auf unser letzten Wanderung 3 Stunden insgesamt mit großer Freude gelaufen :-)

(Quelle des Artikels; Trekking, Ausgabe 04/ 2013, Seite 68)

Und wie bereits erwähnt, wollen Kinder nicht nur "gerade aus laufen". Wir haben immer eine Becherlupe dabei und lassen unterwegs allerhand Schätze sammeln (Steine, Stöcke, ...)

Wugler
17.07.2013, 15:35
Hab jetzt nochmal geschaut. Es sind nur 450 HM. Da wir eine große Gruppe sind sollte es den Kindern nicht langweilig werden. Auf dem Weg soll auch ein Wasserfall sein und einige Spielereinen wollen wir auch machen (Schatzsuche etc.) Und wenns dann doch mal langweilig wird hol ich halt das neue Fernglas für die Kinder raus.

Jakob
18.07.2013, 12:01
Hallo

vor 2 Jahren sind bei einer Wanderung in Schweden (http://bike-nord.de/neu/schweden/schweden11.html#g05) fast 1000 Höhenmeter auf einen Berg gestiegen (an einem Tag), da war unser jüngerer Sohn kurz vorher 5 Jahre alt geworden.

Der Weg war spannend und oben hat die Seilbahn gelockt die uns wieder ins Tal gebracht hat. Die Motivation war da und somit war es kein Problem für die Kinder, ich habe mich nach der Wanderung erstmal schlafen gelegt, die Kinder sind sogar noch ins Schwimmbad gegangen ;)

Wenn ihr euch Zeit lasst sind 600HM auch für 4-jährige kein Problem. Zumal in der Gruppe mit anderen Kindern die Motivation noch viel höher ist.

Jakob

Mus
18.07.2013, 16:34
"kann man" kann man bei Kindern nicht sagen, das ist - wie ja schon viele geschrieben haben - sehr unterschiedlich. Und es ist ja wenig hilfreich den Kindern zu sagen: "Aber du bist doch x Jahre, da musst du das doch können!" oder den Eltern zu sagen: "Aber das Kind ist doch erst y Jahre, da kann es das doch noch gar nicht!"

Mögliche Faktoren sind außer Kraft und Ausdauer beim Kind die Tagesverfassung, die Moral, die Geduld der Eltern, das Wetter, die Gruppendynamik, ....
Langeweile ist meiner Erfahrung nach weniger das Problem, als dass es nicht weitergeht, weil sie an etwas hängenbleiben das sehr spannend ist.
Außerdem ist es eine Frage der Zeit und der Geduld. Meine Dreijährige läuft quasi immer weiter (weigert sich auch meistens sich tragen zu lassen) wird aber dabei so langsam, dass es für alle anderen Beteiligten irgendwann unerträglich wird (und wir sie dann doch tragen. Wahrscheinlich würde sie abends einfach aus dem Laufen heraus schlafend umfallen:ignore:).

Meine Dreisatz für jedwegliche Unternehmung mit Kindern:
1. Unter einfacheren Bedingungen antesten, dann
2. bei gutem Bauchgefühl einfach ausprobieren und dabei (ganz wichtig!!!)
3. immer einen Plan B bereit haben, der eine echte Alternative und nicht nur ein Notfallplan ist.

So ist man entspannt und dann klappt es meistens besser.

Pfad-Finder
18.07.2013, 16:42
Eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen ist eine Besteigung des Säntis. Da war ich wohl 4 1/2 Jahre alt. Mit der Seilbahn (sensationell für mich Flachlandkind!) ging es wieder runter. Dementsprechend dürften es lt. Wikipedia 1123 hm gewesen sein.:o

Randonneur
18.07.2013, 18:08
Auch noch meinen Senf: Wenn die Kinder gerne laufen sind 450 oder 600hm mit 4 Jahren kein Problem. Bei unseren vieren habe alle ab 2 Jahren aehnliches problemlos gemacht. Wenn sie nicht gerne laufen, ist so eine Wanderung aber auch mit 10 oder mehr noch eine Qual, wie wir an einigen Klassenkameraden sehen konnten.

Wenn es langweilig wird ist es gut Geschichten zu erzaehlen oder ein Spiel zu spielen. Einige Suessigkeiten unterwegs helfen auch falls der Blutzuckerspiegel zusehr absinkt.

chrischian
18.07.2013, 18:34
Eine meiner frühesten Kindheitserinnerungen ist eine Besteigung des Säntis. Da war ich wohl 4 1/2 Jahre alt.

Hut ab! 5sterne Ich kann mich nicht erinnern, welche Berge ich mit 4 Jahren bestiegen habe. Der Säntis war es auf keinen Fall. Da durften wir zu dieser Zeit nicht hin. ;-)

Pfad-Finder
18.07.2013, 21:37
Die nächstfolgende Kindheitserinnerung ist die Besteigung eines Wäscheständers zuhause, um dort eine Lego-Seilbahnstation einzurichten (1,2 hm). Ich scheiterte und büßte als Folge einen Fingernagel ein.:bg::ignore:

Mus
19.07.2013, 09:33
Wenn es langweilig wird ist es gut Geschichten zu erzaehlen oder ein Spiel zu spielen. Einige Suessigkeiten unterwegs helfen auch falls der Blutzuckerspiegel zusehr absinkt.

Stimmt, das sind auch meine beiden Geheimtipps. Im letzten Teil der Tour hab ich immer ein Tütchen Trockenobst offen in der Hosentasche und immer bei der nächsten Kreuzung oder beim nächsten Baum oder bei der nächsten Kuh oder......(was halt gerade passt, muss bei Kleinen eigentlich schon in Sichtweite liegen) gibt's im Laufen das nächste Stück.
Dazu dann eine selbst ausgedachte Geschichte in der was möglichst anstrengendes geschieht (Der Zug der Normaden durch die Wüste mit 100 Details ist der Brüller wenn's Wasser knapp ist. An dem Tag, an dem wir beinahe die 40 voll gemacht hätten war's die Geschichte von Marathon, natürlich seeeehr ausführlich ausgeschmückt.)

cd
24.07.2013, 21:43
Wir haben letzte Woche auf einer Hütte in Südtirol (ca. 2440m ü. NN, Zustieg ca. 800hm) eine Familie getroffen, die mit einem 4-Jährigen (naja, fast 5 ;-)) unterwegs war.
Da schien genau der das Tempo vorgegeben zu habe, jedenfalls ist er mit Papa vorweg marschiert :o - die Mama und der ältere Bruder waren deutlich später oben.

Am nächsten Tag sind alle abgestiegen und ca. 1000hm zu einer anderen Hütte aufgestiegen. (Wir haben an dem Tag eine schöne Überschreitung gemacht und waren dann ebenfalls auf der Hütte)
Der Kleine hat da offensichtlich wieder ganz gut mitgemacht.

Mal sehen, ob mein Kleiner mit 4 oder 5 mal so toll unterwegs ist... :cool:

chris

rotfuxx
25.07.2013, 01:19
Also bei mir war als Kind eher die Langeweile das Problem. Müdigkeit macht Kinder knatischig, die kann physische oder psychische Gründe haben. Daher sollte man schon einplanen, was für das Kind interessant sein könnte. Also auf absehbare Fragen zu Sachen, die man sehen wird, Infos und vielleicht eine Geschichte auf Lager haben. Vorfreude erzeugen. Kleine Spiele für zwischendurch einbauen. Als Notbehelf kleine Geschichten oder Märchen bereithalten. Und eben zusätzliche Zeit für Pausen oder das Betrachten von irgendwelchen Dingen einplanen.

Wanderzwerg
25.07.2013, 11:13
Hallo!

Höhenmeter sind für Kinder nicht so ein Problem wie für Erwachsene (haben ja auch viel weniger Gewicht raufzuschleppen), vie problematischer sind Motivation, Langeweile Strecken übers Flache und plötzlich einsetztende Unlust. Wenns gut läuft würde ich bei Kindenn über 8 immer noch min 1,5 mal soviel Zeit einplanen wie bei einer normalen Erwachesenentour, bei kleineren Kindern ehr 2-3 mal soviel. Ein zwei Stundenspaziergang kann sich so schnell mal zu einer Tageswanderung auswachsen. Zudem sehen Kinder manchmal einfan nicht ein warum sie noch weitergehen sollten. Also:
1) Routen mit ausreichend Reserve planen
2) Planung sollte berücksichtigen was Kindern Spaß macht (bei uns: unwegsame wege, Wald, Hütten mit ausreichend Platz drumherum zu spielen, lange Mittagspausen an Orten mit ausreichend Auslauf (ja selbst das quängeligste Kind ist in der Lage bein Fangenspielen in der Mittagspause mehr Strecke zurückzulegen als am ganzen Tag); Tiere, notfalls reichen Kühe, Wasser usw.)
3) Wichtiger als die Frage wieviel das Kind schafft ist was schafft der Vater notfalls mit Kind auf dem Buckel.
4) Weniger ist oft mehr, klar können sich Kinder auch für spektakuläre Wege und Wanderungen begeistern, auch ein Gipfel ist immer was besonderes, aber mit einen langweiligen endlosen Anstieg auf die erste Hütte kann man einen Kind auch die Berge auf Jahre verleiden.

Gruß
Zwerg

Mus
25.07.2013, 14:56
5sterne@Wanderzwerg
Aus meiner Sicht hast du das Problem wirklich auf den Punkt und anschaulich beschrieben.

Ich habe mich entschieden meine weiteren Kommentare und Nachfragen als Off-Topic zu kennzeichnen und dafür einen extra Thread (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/73732-(warum)-können-Kinder-(nicht)-rollen?p=1189898#post1189898)aufzumachen, da sie hier wirklich zu weit weg von der ursprünglichen Frage führen würden.
Bitte alle Antworten zu meinem Kommentar nur in dem neuen Thread (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/73732-(warum)-können-Kinder-(nicht)-rollen?p=1189898#post1189898) posten.

Was mich ja wirklich mal noch genauer interessieren würde ist das folgende, von mir ebenfalls immer wieder beobachtete Phänomen:


(ja selbst das quängeligste Kind ist in der Lage bein Fangenspielen in der Mittagspause mehr Strecke zurückzulegen als am ganzen Tag)
Gruß
Zwerg

Es spricht dafür, dass es zumindest bei 3+ weniger eine Frage von Kraft und Ausdauer (und Schrittlänge:baetsch:) ist sondern neben der ganz wesentlichen Motivationslage auch ein weiteres physiologisches (?) Phänomen.
In einem langen Wanderurlaub mit langen (und ich gestehe auch z.T. langweiligen Etappen) hab ich das mit meinem Großen ausführlich erörtert und die Quintessenz scheint für mich folgende:

Bei Erwachsenen stellt sich nach einer Weile gleichmäßigen Gehens / Laufens / Radfahrens / Schwimmens das Gefühl des "Rollens" ein. Kennt ihr das? Es scheint, als hätten die Füße (Arme) die gleichförmigen Bewegungen programmiert und würden jetzt von alleine und losgekoppelt vom Kopf, weitergehen. Dadurch sind lange Strecken kein Problem mehr.

Bei Kindern fehlt diese Möglichkeit oder ist nur sehr schwach ausgeprägt. (Mir fehlt sie beim Joggen.)
Dafür haben sie deutlich mehr Ausdauer bei Stop-and-go Bewegungen und bei solchen mit Richtungswechsel.

Kennt ihr das "Rollen" von euch?
Habt ihr das bei allen Ausdauersportarten oder gibt's wie bei mir "schwarze Flecken"
Kennen eure Kinder das (falls sie alt genug sind, über sowas nachzudenken und zu reden)?
Woran mag das wohl liegen, welche physiologische / neurologische Besonderheit mag da dahinter stehen? (Am ehesten würde mir der Vergleich zum Unterschied zwischen Buchstabieren und automatischem Lesen so wie wir es tun einfallen.)
Bitte alle Antworten zu meinem Kommentar nur in dem neuen Thread (http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/73732-(warum)-können-Kinder-(nicht)-rollen?p=1189898#post1189898) posten.

Wugler
29.07.2013, 16:10
So jetzt mal ein kurzes Feedback unserer Vater Kind Tour. Es ging morgens aus Mittelfranken mit dem PKW Richtung Lech (genauer nach Zug) und von dort zu Fuß zur Ravensburger Hütte. Die Kinder waren 4,6 und 9 Jahre alt. Nach dem ersten 150m auf einem breiten Schotterweg hörten wir das erste Mal das die Kinder nicht mehr können, getragen werden möchten und grundsätzlich keine Lust mehr hatten. Glücklicherweise wurde der Zustieg dann deutlich spannender und nachdem wir dann als Ziel ein großes Schneefeld ausgemacht haben, war die Motivation auch wieder zurück. Wir haben uns dann auf dem Weg immer wieder Ziele und Anlaufpunkte gesetzt, an denen wir Pausen gemacht haben. Höhepunkt war dann noch eine Pferdeherde, die recht zutraulich mit Wanderern umging und uns abends auch auf der Hütte, auf der Suche nach Nahrung, besuchte.
Wir brauchen für die Strecke, die mit 1 3/4 Stunden Wanderzeit angegeben ist, insgesamt etwas über 3 Stunden.
Anschließende waren wir mit den Kindern noch Klettern. Dabei hatten die Kids dann sogar mehr Ausdauer als die Väter.
Am nächsten Tag ging es dann, nach einigen Kletterrouten, über den Spuller See, an dem wir noch baden waren, mit dem Bus zurück zum Auto.
Insgesamt war es eine super Tour. Die Hm waren überhaupt kein Problem. Ganz im Gegenteil, solange es für die Kinder interessant und spannend ist, wären sie noch stundenlang weitergewandert.
Die Hütte war mit einem großen Spielplatz und ohne absturzgefährdtes Gelände, mit vielen leichten Kletterrouten in der Nähe, ideal.

Gruß Steffen

Mus
30.07.2013, 00:37
Das freut mich, dass es bei euch so gut geklappt hat.
Schön, dass du das hier mit einem kleinen Bericht dokumentierst.