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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : (NZ) Mit dem Radel um die Welt - 4 Jahre unterwegs



grenzenlos
03.07.2013, 12:16
Hallo liebe Forumgemeinde,

über eine Tour von 4 Jahren ausführlich zu berichten ist natürlich nicht möglich. Möchte aber zumindest einen Überblick von unserer etwas längeren Radeltour, in einigen Teilen, versuchen rüber zu bringen. ;-)
Als Reisepunkt habe ich <a target="blank" title="Neuseeland im Outdoorwiki nachschlagen." class="wikilink" href="http://outdoorseiten.net/wiki/Neuseeland">Neuseeland</a> angegeben. Dort war Halbzeit unserer Tour.
Über Fragen, Anregungen und Kritik freue ich mich.
Auf unserer Webseite sind weitere Bilder und Infos einsehbar.


Weltradeltour 2007 – 2011 - 48.000 km - 5 Kontinente - von Herzlichkeit bis Überfall

Teil 1

Von Deutschland bis Indien ( Deutschland - Österreich - Slowakei - Ungarn - Kroatien - Serbien - Bulgarien - Türkei - Iran - VAE - Oman - Jemen - Indien )

Beim Start unserer Weltradeltour waren wir zusammen schon 101 Jahre alt. Zum Glück war dies aber unseren Drahteseln egal. Wir hatten aber schon einige Radelerfahrungen aus vorher pedalten Touren. 2003 waren wir für 4 Wochen im Jemen unterwegs. Damals war radeln dort noch irgendwie möglich. 2004 besuchten wir unseren Sohn in Sri Lanka. Er war selbst 2003 von Deutschland aus in die weite Welt per Radel gestartet. Gemeinsam pedalten wir für 4 Wochen durch die herrliche Tropeninsel. Erst Jahre später reifte dann unser Entschluss die große Radelwelttour selbst zu wagen. Wir wollten unseren Sohn, sozusagen am Ende der Welt besuchen. 2007 war es endlich so weit. Wir hatten Martin versprochen zu kommen, allerdings würde es etwas länger dauern, denn mit den Rädern zu Besuch bis nach <a target="blank" title="Neuseeland im Outdoorwiki nachschlagen." class="wikilink" href="http://outdoorseiten.net/wiki/Neuseeland">Neuseeland</a>, dauert halt etwas länger. Aus diesem Versprechen wurde dann letztendlich unsere 4 jährige Tour um die Welt.
Ein Fazit unserer Reise: ,,Bei all den Erlebnissen über die vier Jahre wurde uns immer bewusster, wie kurz unsere Zeit auf diesem Planeten ist und wie klein und unwichtig wir doch eigentlich sind. Zwei radelnde Sandkörner in Raum und Zeit…‘‘
Vorbereitung und Eingebung
2006 wurde uns klar: wir können noch sooft – wenn auch in der Regel so untypisch anders – Urlauben, ein schnelles Ende ist dabei leider immer in Sicht. Das wertvolle Gut Zeit war bei uns immer zu knapp bemessen. Wie viele Menschen auch, so vertrösteten wir uns gedanklich auf das noch ferne Rentenalter. Durch den frühen Tod unserer Väter wurde uns aber schnell bewusst, was mit erhofften Träumen urplötzlich geschehen kann.
Eigentum verpflichtet! Wir verkauften viel von unseren geliebten Eigenheiten. Dies aber waren noch die kleinsten Hürden, denn nebenbei mussten wir noch mit unseren Arbeitgebern einiges abklären und, und und ….
Nach 6 Monaten war die unendlich erscheinende Liste abgearbeitet und die Reise konnte beginnen.

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Unsere Radel

Europa

Vom thüringischen Sonneberg aus ging es im April 2007 immer Richtung Süden. Die Donau war unser erstes Ziel. Diese begleiteten wir durch Bayern, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Serbien, Kroatien bis Bulgarien. Der Donauabschied in Bulgarien viel uns recht schwer, denn meist waren die Donauwege Radel-schön, von Land zu Land lies auch der Muskelkater spürbar nach und die Ledersättel waren endlich eingeritten. Auch hatten wir endlich gelernt unseren Radelhaushalt in den Griff zu bekommen. Jedes Teil hatte nun seinen bestimmten Platz und das Auf- und Abbauen unserer Lagerplätze dauerte dann meist nur noch eine gute Stunde.

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Donauradweg

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Chaosradelhaushalt

Türkei

Fast drei Monate ließen wir uns für die Türkei Zeit. Wir lernten recht schnell, dass die Zeit für uns ein wichtiger Faktor sein wird, denn erst ab der Türkei fühlten wir uns irgendwie frei und die Zeit an sich spielte keine treibende Rolle mehr. Auch hatten wir nun das Gefühl, jetzt kann uns niemand mehr zurückholen, wir sind in Asien angekommen. Nach Istanbul ging es mitten durch die herrliche Türkei. Landschaften wie aus dem Bilderbuch, Karawansereien, Salzwüsten, Kappadokien, der Vansee und die meist netten Menschen, versüßten uns die türkischen Radelmonate. Besonders gut war es für uns in Kappadokien. Die Landschaft dort ist einmalig schön. Wochen könnte man da verbringen. Die Visa für den Iran wurden in Erzurum besorgt. 10 Tage dauerte die Visageschichte. Diese Zeit nutzten wir aber sinnvoll zu einem Ausflug ans Schwarze Meer. Am biblischen Berg Ararat öffneten die Iranis für uns dann aber sehr unkompliziert das verschlossene Grenztor.

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Herrlicher Lagerplatz bei 35 Grad

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Mädchen in Kurdistan

Iran

Auch wenn es oft schwer begreiflich erscheint, der Schurkenstaat Iran wurde für zwei Monate eines unserer angenehmsten Radelländer. Unvergessen ist dabei die eigentlich unbeschreibliche Gastfreundschaft der Perser. Da Gi (Gisela) im Iran für 4 Wochen Zahnschmerzprobleme hatte, lernten wir auch viele Zahnärzte kennen. Gi hätte sicherlich darauf verzichten können, doch letztendlich brachten uns diese Zahnprobleme auch viele weitere ungeahnte Einsichten in ein absolut interessantes Land. Leider, vielleicht auch zum Glück, wurden uns die Visa für Pakistan verweigert. So lernten wir auf der Strecke von Tabriz, Esfahan über Bandare Bushehr nach Bandare Abbas auch noch die iranische Küste am Persischen Golf kennen. Über 1000 km radelten wir immer am Golf entlang. In Bandare Abbas setzten wir mit einer Fähre in die Emirates über. Vorher besuchten wir noch die vorgelagerten Schmugglerinseln. Alles was es eigentlich im Iran nicht geben dürfte ( Heineken-Bier, unsaubere Videos, leckeren Krimsekt, süffigen Whisky ) bzw. Mangelware ist (Kühlschränke, Autoreifen, TV – Geräte, ausgefallene Klamotten und, und …), findet in Nacht – und Nebelbootsschmuggeltouren von Arabien herüber seinen Weg in den Iran.

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Familienleben in Esfahan

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Einen Monat Iranzahnschmerzen

Vereinigte Arabische Emirate

Die Vereinigten Arabischen Emirate überraschten mit wenigen klobigen aber durchaus interessanten Betonburgen in viel Sand. Das höchste Gebäude der Welt war gerade im endstehen. Ein Reporter vom VAE – Fernseher wollte unbedingt viele Fragen von uns beantwortet haben. Die wichtigste für ihn war: Was esst und trinkt ihr denn, um diese Strapazen durchzuhalten? Unsere Antwort war: Wir essen und trinken was es in den jeweiligen Ländern gibt. Dies konnte er absolut nicht verstehen. Wir denken, noch heute würde er liebend gerne in unsere Packtaschen rumwühlen, in der Annahme, dort sind, dort müssen garantiert tausender von Wunderpillen versteckt sein.
Uns zog es aber alsbald über die Wüstenstrecke Richtung Oman. Wir lieben die Wüsten. Kamele, kleine Oasen, putzige Moscheen, leben wie die Beduinen, Sand, Sand, Sand…. waren angesagt. Es waren sehr angenehme Tage und Nächte im ewigen Sand. Somit waren die nur 200 km bis zur Grenze für uns Wüstenschön.

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Wir lieben die Wüsten

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...und auch die Wüstenschiffe

Oman

Wir mussten zuerst nach Maskat radeln um die Visa für den Jemen zu besorgen. Dies war nicht so einfach, denn der Botschafter wollte uns keine Visa ausstellen. Erst als Gi ihn sprachlich auf Arabisch lange umgarnte, wurde er weich.
Der Radelweg nach Maskat war einfach nur herrlich, denn die vorgelagerten Gebirgszüge garantieren absolute Abwechslung. Heiße Quellen, verträumte Oasen, überaus nette Menschen, Gebirgszüge von über 3000 m Höhe und Wüsten soweit das Auge reicht, ließen die Tage wie im Radelflug vergehen.
Von Maskat aus starteten wir Richtung Salalah. Über 1000 km ging es durch die Wüste Rub al Khali (Leeres Viertel). Absolut wichtig war dabei immer Trinkwasser zu bunkern. Teilweise wogen unsere Last-Radel dann bis über 80 kg. 80 km vor Salalah ist mir die Hinterradfelge eingerissen. Die geschweißte Felge bin ich dann noch 3 Jahre über 30.000 km geradelt (die wurde erst auf der Rückreise in Ägypten ausgewechselt). Noch heute könnte ich den pakistanischen Felgenschweißer (es war seine erste Felge) küssen.
Die Radelzeit in der Rub al Khali selbst werden wir nie vergessen. Die Höchsttemperatur war 47 Grad. Wir haben uns trotzdem immer wohl gefühlt. Wahrscheinlich muss man hierfür Wüsten absolut lieben und natürlich auch kopfmäßig gut vorbereitet sein.
Von Salalah aus ging es über die Mondberge zur jemenitischen Grenze. Im letzten omanischen Dorf wurde uns immer wieder erklärt, radelt ja nicht in den Jemen, dort sind alles Verbrecher, wenn ihr Glück habt, rauben die euch nur aus.

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Ruhezeit in Salalah

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Geht nicht in den Jemen!

Jemen

Nur mit viel Überzeugungskunst (Frauen schaffen halt fast alles) unsererseits hatte uns der jemenitische Botschafter in Maskat letztendlich die Visa für den Jemen ausgestellt. Wir mussten uns aber an bestimmte Abreden halten (Radeln war 2007 im Jemen nicht mehr möglich). Wir mussten an einem bestimmten Tag am Grenzübergang in den Mondbergen sein.
Ein Freund holte uns fast an der Grenze mit dem Auto ab (die Abholung war auch Absprache mit dem Botschafter). Zum Glück kam der Freund wie erwartet aber später. So konnten wir zumindest die ersten 70 km entlang der Piratenküste im Jemen radeln. Unvergessen sind dabei die unzähligen Meeresschildkröten und unsere erste Übernachtung in einem Fischerdorf. Unser Nachtlager war auf dem Flachdach der Dorfschule.
Für 3 Monate lebten wir dann in Sanaa. Dort gibt es wohl die schönste Altstadt der Welt. Wir tauchten ein in dieses faszinierende Land, erlebten dabei Hochzeiten, Landschaften, Gastfreundschaft, Beerdigungen und unzähliges mehr.
Trotz vielfältiger Bemühungen bekamen wir keine Schiffsüberfahrt nach Indien. Der Abschied vom Jemen viel uns schwer, zählt er doch schon viele Jahre zu unseren Lieblingsländern.

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Wadi Dohan

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Ausblick bei Sanaa

Indien

Indien wurde unser erstes Kulturschockland. Über Monate und tausende von Kilometern sogen wir all die Schockerlebnisse und Schockleckerbissen ein. Letztendlich entwickelte sich Indien für uns zur Hassliebe. Jederzeit würden wir Indien wieder bereisen, allerdings müsste dies nicht mehr unbedingt mit den Fahrrädern sein, denn der Straßenverkehr kann mörderisch sein. Nur in Südindien kehrte etwas Ruhe ein. Richtung Nepal begann die ewige Huperei und der quälende Kriegsstraßenverkehr erneut. Indien kann echt verrückt sein! Indien kann aber auch schön sein! Unvergesslich ist die Vielfältigkeit in diesem Land, leider auch die unvorstellbare Armut. Manches zermürbt die Sinne. Manches gibt Rätsel auf. Martin hatte uns gewarnt. Seinen Rat, betrachtet die Inder als große Kinder, konnten wir irgendwann beherzigen. Von da an lief vieles kopfmäßig einfacher.

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Indischer Lasttransporter

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Taj Mahal am Abend

Versuche den nächsten Teil in kürze einzustellen.

Auf Fragen und Anregungen freuen sich echt ;-)

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Wi + Gi Grenzenlos


www.grenzenlosabenteuer.de (http://www.grenzenlosabenteuer.de)

dingsbums
03.07.2013, 12:40
Vielen Dank für den Bericht bisher. Deine 'Zusammenfassung' liest sich super und macht Lust auf mehr. Werde also bei Gelegenheit auch mal auf eurer Homepage stöbern. Aber bitte auch hier weiterschreiben!

grenzenlos
03.07.2013, 12:57
Hallo dingsbums,

werde ich tun. Allerdings brauche ich etwas Zeit dafür.
Übrigens ein schöner Name, ich meine dingsbums!:p

Fabian485
03.07.2013, 13:19
Hallo,

sehr schöner Bericht; wirklich interessant. Ein etwas detailierterer Reisebericht wäre dennoch schön gewesen; auch, wenn es viel Zeit in Anspruch nimmt.:p

Wie habt ihr das in der Wüste mit dem radeln gemacht?
Ging das auf dem Sand problemlos oder musstet ihr auch oft absteigen und schieben?
Wie sah es dort mit der Wasser- und Nahrungsversorgung aus?

Danke im Voraus.

Gruß Fabian.

grenzenlos
03.07.2013, 13:39
Hallo Fabian,

ausführlicher wäre natürlich besser, doch es hängt echt an der Zeit.
Wir waren viel in Wüstenländern unterwegs. In der Regel gibt es da Pisten, oft auch irgendwelche Straßen.
Im Oman z.B., im Leeren Viertel, führt eine Sraße (gut zu radeln) über 1000 km bis zur Jemengrenze.
Das Problem ist, wenn man am Abend abseits der Straße einen Lagerplatz sucht. Da geht es dann echt an die Schmerzgrenze mit schieben.
Wasser hatten wir bei längeren Wüstentouren immer am Rad gebunkert. Bedarf immer doppelt rechnen wegen der Sicherheit.
Die größten Entfernungen zwischen Versorgungspunkten hat im Oman, Ägypten auch in Australien über 200 km betragen.
Da hatten wir mindestens 30 Liter Wasser am Rad.
Sonst ist Wasser kein Problem. Am besten und kostenfrei ist es in arabischen Ländern. Einfach an den Moscheen auffüllen.
Nahrung ist eigentlich auch kein Problem. An den Versorgungspunkten einfach bunkern. In Wüsten hatten wir immer Datteln in ausreichender Zahl dabei. Nur sieben Datteln am Tag geben die Energie für einen ganzen Tag. Haben wir von den Bedus im Jemen gelernt.

Libertist
03.07.2013, 17:18
Genial! Ich finde es auch gut, dass du hier nur einen kurzen Überblick über die Reise gibst; das ist genug, um genauere Nachfragen stellen zu können. Und wer eure Erlebnisse im Detail erfahren will, der kann sich ja das Buch bestellen. ;-)

grenzenlos
03.07.2013, 18:09
Hallo Libertist,

ich antworte auch gerne auf Fragen. Beim Bericht schreiben ist das Problem, wo fange ich an, wo höre ich auf. Ein Monat wäre kein Problem, obwohl ja auch dies theoretisch schreibtechnisch ausufern könnte. Vier Jahre sind nicht machbar. Gibt ja aber noch einige Teile.

Bist Du ein Eisbärfreund? ;-)
Ich frage wegen dem Schneezeltbild.

motion
03.07.2013, 19:59
vielleicht eine kurze Länderzusammenfassung in chronologischer Abfolge. Da könnte man die Reise gut nach voll ziehen und hätte einen kleinen Überblick zu jedem Land. Bisher hatten viele ja begeistert vom Iran auf solchen Weltumrundungen berichtet. Jemen z Bsp. wird kaum erwähnt und fand ich von Dir interessant zu lesen.

Edit: Wo wurdet Ihr überfallen?

Libertist
03.07.2013, 20:57
Bist Du ein Eisbärfreund? ;-)
Ich frage wegen dem Schneezeltbild.

Eisbärfreund, naja, nicht unbedingt. Hab im letzten Jahr ein paar Eisbären in Kaktovik gesehen, aber das war's auch schon. Das Bild ist in den Alpen entstanden.

grenzenlos
03.07.2013, 21:10
vielleicht eine kurze Länderzusammenfassung in chronologischer Abfolge. Da könnte man die Reise gut nach voll ziehen und hätte einen kleinen Überblick zu jedem Land. Bisher hatten viele ja begeistert vom Iran auf solchen Weltumrundungen berichtet. Jemen z Bsp. wird kaum erwähnt und fand ich von Dir interessant zu lesen.

Edit: Wo wurdet Ihr überfallen?

Dank für den Hinweis. Werde bei Teil 2 die chronologische Abfolge einfügen.
Ja, der Jemen ist zwar schwierig, doch ein absolut interessantes Land.

Der Überfall war in Kenia. Schreibe dazu was in Teil 4.

grenzenlos
03.07.2013, 21:11
Eisbärfreund, naja, nicht unbedingt. Hab im letzten Jahr ein paar Eisbären in Kaktovik gesehen, aber das war's auch schon. Das Bild ist in den Alpen entstanden.

Wir haben noch nie welche gesehen. Finde deine Sichtung Klasse.
Uns zieht es immer in die Wärme.

grenzenlos
04.07.2013, 12:47
Jemen z Bsp. wird kaum erwähnt und fand ich von Dir interessant zu lesen.?

Sollte ich mal mit der Welttour fertig werden, dann bringe ich mal was genaueres vom Jemen.
Der Jemen ist nämlich fast unsere zweite Heimat. Waren schon 16 x dort für insgesamt ca. 18 Monate. Sind da auch mal 2003 geradelt.
Unser letzter Besuch war erst im Februar 2013. Die Visa dafür hatten wir uns in Äthiopien besorgt. In D. wollten die uns keine ausstellen. Die Welt wird immer verrückter.
Gruß Wi

Enja
04.07.2013, 13:32
Findest du das verrückt? Hat doch seine Gründe.


Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen nach Jemen. Die Lage im ganzen Land ist weiterhin unübersichtlich. Es bestehen erhebliche Risiken durch innere Konflikte, Stammesauseinandersetzungen, Massendemonstrationen und terroristische Anschläge, die in einzelnen Landesteilen, aber auch in der Hauptstadt Sanaa, auftreten und von denen auch Unbeteiligte betroffen sein können. Zudem besteht in ganz Jemen, auch in der Hauptstadt, die Gefahr, Opfer einer Entführung zu werden.

Die Jemeniten haben keine Lust, ständig nach entführten Touris zu suchen.

Aber natürlich ist der Jemen ein interessantes Land. Ich war da 1982. Vor Erfindung der Entführungen als zentraler Geschäfts-Idee. Landschaft: überwältigend. Architektur: phantastisch. Leute: ganz reizend. Aber rumgeballert wurde damals schon ohne Ende.

grenzenlos
04.07.2013, 15:07
Findest du das verrückt? Hat doch seine Gründe.



Die Jemeniten haben keine Lust, ständig nach entführten Touris zu suchen.

Aber natürlich ist der Jemen ein interessantes Land. Ich war da 1982. Vor Erfindung der Entführungen als zentraler Geschäfts-Idee. Landschaft: überwältigend. Architektur: phantastisch. Leute: ganz reizend. Aber rumgeballert wurde damals schon ohne Ende.

Ich meine ja eigentlich, dass die Welt leider immer verrückter wird. Dies ist ja nicht nur im Jemen der Fall. Dies finde ich hallt absolut schade, denn vor gut 10 / 20 Jahren war es einfacher die Welt zu bereisen, auch Gegenden die nun leider weit komplizierter erscheinen.

Enja
04.07.2013, 15:42
Dafür kann man nun andere Gegenden bereisen, die früher ziemlich unzugänglich waren.

Der Jemen war nur sehr kurz reisegeeignet. Als wir 1982 dort waren, war diese Möglichkeit noch ganz frisch. So richtig unter Regierungs-Kontrolle war das Land (also der Nord-Jemen, in den Süd-Jemen gab es nur Gruppenreisen und sowas machen wir nicht) damals nicht. Nicht allzuweit von Sanaa entfernt, hatten die Stämme das Sagen. Jeder Mann war schwerst bewaffnet. Krummdolch, Kalaschnikow und Eierhandgranaten war die Mindestausstattung. Auch diese Pick-ups mit dem Geschütz hintendrauf waren allgegenwärtig.

Und kurz danach war es schon wieder zuende, weil Touristen-Entführungen zwecks Vermögensbildung Mode wurden.

Aber wir konnten damals immerhin überall herumlaufen, wo wir wollten.

grenzenlos
04.07.2013, 15:50
Hallo,

zur Ergänzung von Teil 1. Die Tour bis in dem Nepal führte uns über folgende Länderstationen:

Start Deutschland – Österreich – Slowakei – Ungarn – Kroatien – Serbien – Bulgarien – Türkei – Iran – Vereinigte Arabische Emirate – Oman – Jemen – Indien

Heute führt uns die Radeltour weiter in den Nepal und nach Kambodscha – schon über ein Jahr waren wir da schon unterwegs. Kilometerstand ca. 15.000 km.

Teil 2 Weltradeltour – 48.000 km – 4 Jahre – 5 Kontinente – von Herzlichkeit bis Überfall

Nepal

Nepal war für uns eine Überraschung, denn nach Indien tat uns die Ruhe gut. Was uns neben der grandiosen Bergwelt im Anapurnagebiet auch absolut faszinierte, war das Tiefland mit seinem Dschungel. Elefanten, Rinos und Krokos hatten wir im Nepal eigentlich nicht erwartet.

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Da staunt Gi aber!

In den Bergen im Anapurnagebiet unternahmen wir eine Wanderung in Eigenregie. Erst auf über 3000 m wurde uns aber bewusst, weiter können wir nicht rauf. Unsere Ausrüstung war leider halt radelmäßig ausgelegt. Mit Badelatschen in den Nepalbergen war ja auch irgendwie skurril.

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In den Bergen der Anapurnaregion

Im Nepal gibt es auch ein großes Völkergemisch. Stunden schaute ich mir die so unterschiedlichsten Gesichter an. Viele Geschichten verbergen sich da. Ganze Bücher würden sich ohne Langweiligkeit füllen lassen.

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Sadus sind immer gut drauf.

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Sie könnte wohl viele Bücher schreiben.

Während unserer zweimonatigen Radelkilometer im Nepal waren gerade Wahlen. Die Maoisten hatten die Wahl gewonnen. Auch wenn Ausschreitungen befürchtet wurden, alles verlief sehr ruhig. Interessant für uns, die langen Schlangen vor den oftmals provisorischen Wahllokalen. Wohl weit über 90 Prozent nehmen da noch ihr Wahlrecht an. In Deutschland wird es so um die 60 Prozent sein.

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Maoistenfreund

Von der Hauptstadt aus wollten wir weiter in den Tibet. Leider war die Grenze in den Tibet für uns nicht machbar. Vor der Olympiade 2008 in China gab es wegen dem Aufstand im Tibet, im Vorfeld der Olympiade, keine Einreise über Land. Trotzdem sind wir bis an die tibetische Grenze geradelt. Dort stand der Wind günstig. So konnten wir wenigstens etwas Tibetluft schnuppern. Auf dem Rückweg sahen wir in weiter Ferne den Schneegipfel vom Mount Everest. Ein irgendwie erhabenes Gefühl.

Thailand / Kambodscha

Von Bangkok radelten wir recht zügig zur Grenze von Kambodscha, denn die Regenzeit lag vor uns. In Kambodscha, ca. 100 km vor Siam Rep erwischte uns der fast Dauerregen. Wir mussten lernen, dass dann wirklich nichts mehr radelmäßig geht. Um nach Siam Rep mit seinen so berühmten Tempel zu kommen, mussten wir ein Auto für unsere Schlammradel bemühen.

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Es ging wirklich nichts mehr.

In Siam Rep überlegten wir, wie wir wieder nach Thailand zurückkommen, denn Monate im Regen wollten wir uns nicht antun.
Mit einem Boot ging es über einen See. Das Seegebiet war absolut interessant, denn dort gibt es noch Seenomaden. Der Junge mit der Schlange faszinierte mich. Ich hatte als Kind einen Hamster. Hatte mir die Oma geschenkt.

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Jeder bekommt was anderes geschenkt.

In Batambang besichtigen wir die Mörderhöhle. Über 10.000 Kambodschaner wurde dort von den Roten Khmer umgebracht. Langsam beginnt man in Kambodscha die unglaubliche Pol Pot-Zeit aufzuarbeiten.

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Trauriges Kambodscha - Eingang zur Mörderhöhle

Bedingt durch den vielem Regen, fiel leider unser Aufenthalt, im durchaus sehenswerten Kambodscha sehr Radel-knapp aus. Neben den berühmten Tempeln, war das so andere Essen am Wegesrand eine auch manchmal leckere Erfahrung (mehr für Gi). Von Fröschen über Spinnen bis zu unzähligen kleinen Krabblern reicht da das Angebot.

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Gi sagte: Schmeckt ganz gut!

In Thailand erwarteten uns wieder Teerstraßen. Die Ostküste wollten wir runter pedalen. Doch davon werde ich erst im nächsten Bericht etwas erzählen.

Bis dahin viele Grüße von http://u.jimdo.com/www54/o/s07586f9dd434b7ca/img/id03dbfe90171ba25/1336650017/std/image.jpg Wi + Gi grenzenlos

www.grenzenlosabenteuer.de

grenzenlos
04.07.2013, 16:11
Dafür kann man nun andere Gegenden bereisen, die früher ziemlich unzugänglich waren.

Der Jemen war nur sehr kurz reisegeeignet. Als wir 1982 dort waren, war diese Möglichkeit noch ganz frisch. So richtig unter Regierungs-Kontrolle war das Land (also der Nord-Jemen, in den Süd-Jemen gab es nur Gruppenreisen und sowas machen wir nicht) damals nicht. Nicht allzuweit von Sanaa entfernt, hatten die Stämme das Sagen. Jeder Mann war schwerst bewaffnet. Krummdolch, Kalaschnikow und Eierhandgranaten war die Mindestausstattung. Auch diese Pick-ups mit dem Geschütz hintendrauf waren allgegenwärtig.

Und kurz danach war es schon wieder zuende, weil Touristen-Entführungen zwecks Vermögensbildung Mode wurden.

Aber wir konnten damals immerhin überall herumlaufen, wo wir wollten.

Ja leider ist es nun so. Mit den Stämmen ist heute noch so. Wir kennen eine Stammesfamilie schon viele Jahre. Dies erklärt vielleicht auch unsere vielen Besuche im Jemen in den letzten Jahren. Da es ein relativ großer Stamm ist, genießen wir immer relative Sicherheit. Ich vermute aber, die Probleme werden in den nächsten Jahren aus unterschiedlichsten Gründen noch zu nehmen. Leider wird es so sein. Wir mögen das Land aber sehr.
Wart ihr auch in Menacha? Dort habe ich 2003 den ersten Waffenmarkt in meinem Leben gesehen.

faule socke
07.07.2013, 22:52
wow, was für eine tour! gratulation!

grenzenlos
08.07.2013, 08:07
Danke für die netten Worte.
Manche Träume erfüllen sich halt erst später. Wichtig ist nur, dass man die Träume nie aufgibt.
Wünsche ''faule Socke'' eine schöne Woche!;-)

grenzenlos
09.07.2013, 14:37
Heute radeln wir von Thailand bis Malyasia weiter

Weltradeltour – 48.000 km – 4 Jahre – 5 Kontinente – von Herzlichkeit bis Überfall

Thailand

Vier Wochen radelten wir entlang der thailändischen Ostküste. Der Regen war weiterhin meist unser ständiger Begleiter, doch störte uns dies wenig da Asphalt unter unseren Reifen fast die Regel war.
Dabei schlafen wir die ersten 800 km immer im Zelt. Wunderschöne Plätze zwischen viel Dschungelgrün finden wir immer am Chinesischen Meer. Die Menschen sind nett und das Badewasser ist um die 30 Grad warm.

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Wunderschöne Plätze finden wir

Speziell in Südthailand hat es uns besonders gut gefallen. Tourismus im Neckermannstil gibt es da zum Glück noch nicht, einfach Radel-genial. Einsame Buchten, Palmen soweit das Auge reicht und köstliches Straßenessen verschönerten die 1000 km bis zum Grenzfluss. Nur weit im Süden störten die Spannungen zwischen den Religionen etwas die kopfmäßige Radellust.
Der Übergang vom buddhistischen zum islamischen Thailand vollzieht sich langsam. Statt schöner goldener Tempel sind hübsche Minarette unverkennbar.

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Im Norden ist Thailand hauptsächlich Buddhistisch

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und im Süden Islamisch

Aber egal mit welcher Religionsgruppe wir ins Gespräch kamen, verstanden haben wir uns mit allen prächtig.
In Amphoe Tak Bai setzten wir mit einem Boot über den Grenzfluss nach Malaysia.


Malaysia

Malaysia war ein weiteres Überraschungsland. Wir hatten nicht erwartet, dass Alt und Neu fast harmonisch im Einklang nebeneinander funktioniert. Obwohl Malaysia muslimisch geprägt ist, erlebten wir die Fahrradlandesmeisterschaften in ungeahnter Vielfalt, denn die recht vielen Frauenteams gaben den Meisterschaften so richtigen Pepp.
Neben Tagen am Meer, verbrachten wir auch Tage im Dschungel. Beim See Chini leben die malaysischen Ureinwohner. Noch heute benutzen die Orang Asli zur Jagd das Blasrohr mit vergifteten Pfeilen. Der See wird von den Ureinwohnern nur Schlangensee genannt. Es soll dort viele und auch gefährliche Schlangen geben. Auch ein Seeungeheuer mit Schlangenkopf soll in einer Höhle wohnen.

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Lager am warmen Meer

Die Schlangen und das Seeungeheuer waren für uns kein Problem. Ein wirkliches Problem waren die vielen Feuerameisen. Nur einmal hatte ich vergessen das Zelt exakt zu verschließen. Dies wird mir im Dschungel nie mehr passieren, denn wir hatten eine echt feurige Nacht.

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und Tage im Dschungel

In Kuala Lumpur lecken wir die Dschungelwunden. Dies war recht einfach, denn Kuala ist eine sehr angenehme Hauptstadt. Der Kontrast zwischen den alten Vierteln und der Moderne ist unglaublich reizend. Die alten Viertel sind ein Feuerwerk aus Farben, Gerüchen, auch multikultureller Vielfalt und kleiner Betrügereien. Wo sonst bekommt man an jeder Ecke ,,echte,, Rolex-Uhren schon für 100 Dollar angeboten.

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Chinesmarkt in der Altstadt

Die Petronas Towers überblicken all die Schönheiten von Kuala Lumpur. Über 400 Meter schauen die Türme gen Himmel.

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Petronas bei Nacht

Bis zu den nächsten Eindrücken bedanken sich

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www.grenzenlosabenteuer.de



Im nächsten Teil beradeln wir Indonesien (Sumatra).

wendra
09.07.2013, 19:10
Wow! Eine wirklich beeindruckende Tour. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man danach irgendwann wieder genau so weiterlebt wie vor dem Start, mit all den Bildern, Erlebnissen, Erfahrungen und neuen Sichtweisen, die man mit nach Hause nimmt.

Ich war ja neugierig und ungeduldig und habe jetzt mal den gesamten Bercht auf eurer Webseite gelesen. :bg:
Mir scheint, dass echtes "grenzenloses" Reisen heutzutage nur noch eine Utopie ist, wenn man von all den Visumsproblemen liest. Furchtbar schade, wie die Welt sich gegenseitig voneinander abschottet.

Aber auch wenn ihr einige schlechte Erfahrungen gemacht habt: für eine 4-Jahres-Tour sind die negativen Erlebnisse doch ziemlich minimal gebliebe, hoffe ich.

Vielen Dank für den Bericht!

grenzenlos
09.07.2013, 20:46
Mir scheint, dass echtes "grenzenloses" Reisen heutzutage nur noch eine Utopie ist, wenn man von all den Visumsproblemen liest. Furchtbar schade, wie die Welt sich gegenseitig voneinander abschottet.

Aber auch wenn ihr einige schlechte Erfahrungen gemacht habt: für eine 4-Jahres-Tour sind die negativen Erlebnisse doch ziemlich minimal gebliebe, hoffe ich.


Hallo,

du hast recht mit der Utopie des grenzenlosen Reisen. Es gab schon bei unserer Tour erhebliche Probleme. Z.B. Visa auf Rücktour für den Iran und Syrien. Wenn in Ägypten die Problematik so weiter geht, wird wohl in naher Zukunft auch der Nordweg durch Afrika noch problematischer. :motz:
Überhaupt hat sich diesbezüglich nach dem Fall vom Eisernen Vorhang vieles verschlechtert. Damals dachte ich noch, wau, nun ist grenzenloses Reisen kein Problem mehr. :grins:
Grenzenlos ist ja der Titel vom Buch. Der soll eigentlich nur zum Ausdruck bringen, dass nach 1990 für uns die große Sehnsucht endlich in Erfüllung ging.
Schon Helfgen (Ich radle um die Welt, Anfang der 50iger) hatte da so seine Problemchen. Heute sind es leider Probleme.

Ja, die schlechten Erfahrungen waren zum Glück relativ gering. Das viele Gute hat so manches aufgesogen. Aber auch hier denke ich, die Welt wird leider nicht besser. Es wird leider immer schwieriger. Wenn Reich und Arm noch weiter auseinander triften, wird sich diese Problematik weiterhin erhöhen. Leider, denn Armut erzeugt fast immer Gewalt.

Trotz vieler Weltprobleme glaube ich ans Gute im Menschen.

Für uns war die Rückkehr nach 4 Jahren recht schwierig. Auch in Deutschland hat sich viel geändert. Unsere Kleinstadt hat nun eine Suppenküche. Auch wurde ja Gis Welt-Radel in Sonneberg geklaut und nicht auf der Tour. Da kommt man schon ins grübeln.
Und man lebt natürlich anders. Werte haben sich verschoben. Man sieht die Welt und die Heimat mit anderen Augen. Tut manchmal gut, kann aber auch ordentlich nerven!

Wir sind aber dankbar hier geboren zu sein, denn ohne dieses Fundament in der Heimat, hätten wir die lange schöne Reise nie unternommen, unternehmen können.;-)

Gruß und herrlich Abend
Wi

grenzenlos
13.07.2013, 10:59
Weltradeltour 2007 – 2011 - 48.000 km - 5 Kontinente - von Herzlichkeit bis Überfall

Indonesien / Sumatra

In Dumai schieben wir die Räder vom Schiff aufs Land. Viele Tage brauchen wir bis zum Tobasee. Meist radeln wir durch bezaubernde Dschungelgebiete.

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Reisfelder am Dschungelrand

Ständig rufen uns die Bewohner zu. Mister, Mister klingt es aus viel Grün, aus Höfen, aus Fenstern und von den Reisfeldern.

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Mister, Mister wir haben eine Fahrradeule

Die Radel-Mühen lohnen sich, denn noch immer ist der Tobasee ein Geheimtipp. Die Samosirinsel gleicht einem Tropentraum im 100 km langen See. Wir beziehen in der kleinen Ortschaft Tuk Tuk ein Holzhaus im Batak-Stil. Es sieht aus wie ein auf den Kopf gestelltes Fischerboot. Viele Tage verbringen wir hier, sozusagen ist Radelpause angesagt.

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Wir lieben unser Batakhaus

Auf der Insel gab es vor nicht allzu langer Zeit noch Kannibalen. Geisterbeschwörungen gibt es heute noch.
Wir bestaunen Schmetterlinge so groß wie unsere Handflächen, erleben eine Inselhochzeit und besteigen Vulkanberge. Viele Abende genießen wir aber einfach nur unser kleines Tropenparadies auf Zeit. Drei Palmen stehen im knietiefen Wasser vor unserem Batak-Haus. Oft spiegelt sich der Mond zwischen ihren Stämmen.

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Schöne Aussicht

Tage später, und nach vielen weiteren Radkilometern, warten wir wieder auf eine Fähre. Sie soll uns nach Singapur schippern.

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Sumatra - Blumengruß bis Singapur



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Im nächsten Teil beradeln wir Singapur.

Bis dahin Gruß von Wi + Gi grenzenlos

Enja
13.07.2013, 11:32
Ja, klar, waren wir auch in Menacha. Das war damals einer der Touri-Hot Spots und wir teilten uns die Herberge mit Rotel Tours. Eine sehr schöne Ecke dort. Und man muss nur ein Stück weiter laufen und ist mitten im jemenitischen Bergs-Nirgendwo.

Wir waren überall. Im Nord-Jemen. Nur nicht im Dschauf. Das ging damals schon nicht.

So eine lange Reise in Gegenden, die doch sehr fremd sind, verschiebt die Prioritäten und ändert die Sichtweisen. Nach unseren Afrika-Touren, wo wir miterleben mussten, wie wenig dort ein Menschenleben gilt, hatte ich hinterher den Eindruck, dass es doch eigentlich hier in Deutschland überhaupt keine Probleme gibt.

Das rückt sich mit der Zeit wieder zurecht.

grenzenlos
16.07.2013, 13:31
So eine lange Reise in Gegenden, die doch sehr fremd sind, verschiebt die Prioritäten und ändert die Sichtweisen. Nach unseren Afrika-Touren, wo wir miterleben mussten, wie wenig dort ein Menschenleben gilt, hatte ich hinterher den Eindruck, dass es doch eigentlich hier in Deutschland überhaupt keine Probleme gibt.


Stimmt! Ist auch unser größtes Problem momentan. Natürlich gibt es in Deutschland auch Probleme. Diese sind aber ganz anderer Natur. Jedenfalls sind wir in Gedanken meist weit fort. Das hilft ein wenig. Und Träume soll man ja irgendwann aufwecken. Wir freuen uns schon jetzt darauf.;-)

Enja
16.07.2013, 16:58
Das schiebt sich wieder zurecht. Die Probleme in Deutschland sind nicht minder real als die anderswo. Sie sind nur anders.

Je länger du weg bist, desto schwieriger ist die Wiedereingewöhnung.

grenzenlos
17.07.2013, 07:39
Je länger du weg bist, desto schwieriger ist die Wiedereingewöhnung.

Wir sind nun schon 2 Jahre wieder da, doch die Wiedereingewöhnung klappt nicht so recht.;-)

Enja
17.07.2013, 09:31
Bei mir hat es nach der ersten Reise dieser Art ungefähr 10 Jahre gedauert. War teilweise etwas anstrengend. Schwer, zu verstehen, was all die Menschen, unter die ich hier zurückgekehrt war, überhaupt wollten. Kombiniert mit viel Unverständnis in der Art von "warum tust du dir das an? Was willst du da?" Und natürlich gab es auch viele, die das, was ich da berichtete gar nicht glauben wollten.

Heute kommuniziere ich selektiv. Erzähle von meinen Erlebnissen nur noch Leuten, bei denen ich echtes Interesse vermute. Außerdem habe ich gelernt, dass die Bedeutung von Problemen relativ ist. Was für den einen leicht zu regeln ist, ist für den anderen vielleicht eine unüberwindliche Hürde. Und Schicksalsschläge gibt es überall auf der Welt. - Schwer in Worte zu fassen.....

grenzenlos
17.07.2013, 10:06
Heute kommuniziere ich selektiv. Erzähle von meinen Erlebnissen nur noch Leuten, bei denen ich echtes Interesse vermute. Außerdem habe ich gelernt, dass die Bedeutung von Problemen relativ ist. Was für den einen leicht zu regeln ist, ist für den anderen vielleicht eine unüberwindliche Hürde. Und Schicksalsschläge gibt es überall auf der Welt. - Schwer in Worte zu fassen.....

Geht mir auch so. Ich merke auch gleich, ob nun wirklich Interesse da ist! Ich will mich ja auch nicht aufdrängeln. Die Touren machen wir ja auch für uns selbst. Es gibt ja nun auch dieses Forum. Da trifft man ja auf Seelenverwandtschaften. ;-)

Als wir die Weltradeltour starteten, wurden wir in der Heimat gefragt, warum habt ihr denn nur 4 Taschen am Rad? Mit den wenigen Sachen könnt ihr doch nicht um die Welt pedalen!
Jahre später wurden wir dann sehr oft in Afrika gefragt, wieso habt ihr denn so viele Taschen am Rad? So viele Dinge braucht man doch gar nicht!
Jede Frage ist irgendwie zu verstehen.;-)

grenzenlos
17.07.2013, 12:24
Weltradeltour – 48.000 km – 4 Jahre – 5 Kontinente – von Herzlichkeit bis Überfall

Singapur

Der Stadtstaat ist ja nur 20 mal 40 km groß.

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Kulturschock-Hochhäuser

So erradeln wir zwangsweise nur sehr kurze Strecken. Zwangsweise steht auch für die vielen Verbote und unfreundlichen Radelschilder.

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Bei Nichtbeachtung so um die 500 Euronen!

Sofort wird uns auch klar, Singapur ist ein Mikrokosmos der Kulturen, ein moderner asiatischer Kulturschock, ein reiches Land. Es ist bereits Ende November und wir bestaunen, belächeln und bewundern einige dieser Konsumtempel im vollen Weihnachtsrausch. Das internationale Flugdrehkreuz bietet alles, was man so braucht, was man glaubt zu brauchen, und was man nicht braucht.

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Was man braucht? Was man nicht braucht? Was man glaubt zu brauchen?

Alle internationalen Modefirmen, Uhrenhersteller von Ruf und Elektrogerätehersteller sind vor Ort – und diese wollen nur eines: nämlich unter allen Umständen verkaufen, verkaufen und nochmals verkaufen. Sogar die Liebe im islamisch geprägten Singapur muss dafür ein Tänzchen vorführen.

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Tänzchen der besonderen Art

Der Konsumrausch nervt uns recht ordentlich. Singapur ist die reichste Region in ganz Südostasien. Singapur ist deshalb auch nicht billig. 49 Euro berappen wir für ein Zimmer. Nach nur 3 Tagen wollen wir raus. Wir sehnen uns nach nur kurzer Zeit wieder nach Einfachheit, Ruhe, Freiheit und unbebaute Landschaften. Der Kulturschock Singapur, sitzt nach Indien, Kambodscha und Sumatra einfach zu tief.
Singapur mag uns verzeihen. Vielleicht schauen wir irgendwann genauer hin?

Wir freuen uns umso mehr auf Australien.
Ob Australien unsere Wünsche erfüllt, beschreibe ich im nächsten Teil.

Bis dahin Grüße von
Wi + Gi

Julia
23.07.2013, 15:34
Wir freuen uns umso mehr auf Australien.
Darauf freue auch ich mich ganz besonders, und ich bin gespannt auf Euer "Urteil"!

grenzenlos
30.07.2013, 13:26
Darauf freue auch ich mich ganz besonders, und ich bin gespannt auf Euer "Urteil"!

Schon jetzt, Australien ist der Schönhammer. Habe allerdings einige Probleme mir der Bildeinstellung. Wird aber sicherlich klappen. Bis bald!;-)

grenzenlos
30.07.2013, 15:07
Weltradeltour

Australien

Martin (unser Sohn) hatte uns gewarnt, Australien zur Sommerzeit, von Nord nach Süd zu beradeln. Die Alten können ja aber nicht hören, also haben wir es zumindest versucht. Von Darwin aus wollten wir bis Sydney pedalen (so um die 6.000 km). Kurz vor Alice Spring kam die Rache. Den Stuart Highway darf man einfach nicht unterschätzen. Gi hatte ein absolutes Tief (ist irgendwie noch untertrieben). Es ging für einige Tage nichts mehr.

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Den Stuart Highway sollte Mann und Frau nicht unterschätzen!

Besonders hat uns der dschungelartige Norden fasziniert. Ob Wasserfälle, Krokoflüsse, Heiße Quellen, alles war eigenartig schön.

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Bei Krokoflüssen immer 1 Auge aufmachen!

Das einzige was uns negativ aufgefallen war, war der versteckte und unversteckte Rassismus gegenüber den Ureinwohnern. Rassismus gibt es leider weltweit. Australien ist da keine Ausnahme.
Am Ayers Rock wurde uns innig bewusst, wie schön Australien ist und wie leider auch oft auf Kosten der Aborigine diese Schönheit vermarktet wird.

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Ayers Rock

Der Stuart Highway und die Küstenverbindung von Melbourne bis Sidney, war trotz vieler Radelmühen, eine weitere positive Erfahrung unserer langen Tour. Neben Krokodilen, Fledermäusen, Giftfröschen, Wellensittiche, Papageien, Kängurus, Wallabys, Spinnen, Landschaften wie aus dem Bilderbuch und Millionen von Fliegen, bekamen wir auch was ganz putziges zu sehen. Viele Stunden verbrachten wir mit den überaus drolligen Koalas in unberührter Natur.

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Einfach putzig!

Erst in Sidney holt uns das normale Leben wieder ein. Wir besteigen einen Luxuskahn nach Neuseeland. 11 Tage schippern wir damit bis Auckland. In dieser Zeit versuchen wir all die schönen Australiengedanken zu verarbeiten. Nur manchmal werden diese unterbrochen, denn wir sind unheimlich aufgeregt. Nach vielen Jahren der Trennung, nach fast 24 tausend Radelkilometern in knapp zwei Jahren, erwartet uns unser Sohn in Auckland. Unser Versprechen, Martin mit den Radeln zu besuchen, rückt täglich näher. Wir können es kaum erwarten.

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Bei der Oper von Sidney ist unser Schiff nach Auckland.

Bis Neuseeland
viele Grüße von
Wi + Gi ;-)

DocBrown
30.07.2013, 15:11
boahh... was würd ich die geschichte gern live hören :o
des klingt ja hier, in der gekürzten fassung, schon unglaublich.... wahnsinn.
respekt und hut ab vor der leistung.

grenzenlos
30.07.2013, 15:20
Danke für die netten Worte!
Habe in Dein Profil geschaut. Dein Wunsch (bis zum Schwarzen Meer) muss unbedingt Wirklichkeit werden. Drücke Dir absolut die Wunschdaumenerfüllung ;-).
Ist FFB Frankfurt? Fürstenfeldbruck?

DocBrown
30.07.2013, 15:36
des is des gute, alte Fürstenfeldbruck :D
danke fürs daumendrücken, ich arbeite dran. des schwierigste wird sein, so lange urlaub zu verwirklichen (ich rechne so mit 3-4 monaten... aaber wo ein wille, da eine bootstour ;-)

grenzenlos
02.08.2013, 06:43
(ich rechne so mit 3-4 monaten... aaber wo ein wille, da eine bootstour ;-)

Soweit ich mich erinnere, müssten es so um die 2000 km sein? Ich hatte nämlich Mitte der 90iger darüber mal kurz nachgedacht. 3 Monate hatte ich mir damals dafür so ausgemalt.

Auf den Kanu-Geschmack bin ich auf einer Faltboottour in den Kornaten gekommen. Damals war Kroatien noch sehr, sehr ruhig.
Im Hinterland tobte da noch der Krieg. Auf der Insel Murter waren wir die einzigen Touris.

Vor der langen Radeltour haben wir aber das Kanu verkauft, leider denn Kanus finde ich Klasse. Unser großer Sohn hat darin während seiner Angeltouren manchmal gar geschlafen.

Schönen heißen Tag wünscht
Wi grenzenlos

Julia
02.08.2013, 08:42
Herzlichen Dank für Australien ;-) (und den Rest natürlich auch)! Da mitten durch zu radeln ist ja krass. Die Hitze, immer nur geradeaus, die Fliegen (!!!), Wasserversorgung...

Ihr seid den ganzen Stuart Highway runter bis Adelaide und dann ostwärts? Querdurch bis Melbourne und dann an der Küste lang nach Sydney?

Wie lange habt Ihr denn für Darwin-Sydney gebraucht? Nich dass ich das nachmachen möchte... (es sei denn vielleicht mal im Auto ;-), aber auch da schwebt mir eher die Westküste vor, und dann abschließend noch runter bis Alice). Schön, dass Träume nichts kosten ;-)! Und schön, dass sie für manchen, so wie Euch, auch wahr werden!

grenzenlos
02.08.2013, 09:55
Guten Morgen Julia,

danke für die netten Sätze.
Wir sind ''nur'' von Darwin bis kurz vor Alice Spring geradelt. Dies hat gute 3 Wochen gedauert. Gi hatte dann ein arg gesundheitliches Problem. Die Hitze und Wassermangel waren für Gi das eigentliche Problem. Auch die Fliegen nerven zur Sommerzeit ordentlich. Sie konnte einfach nicht mehr radeln. Beine gezittert, wohl total unterzuckert.
Deshalb haben wir in Alice ein Auto gemietet bis Melbourne. War die richtige Entscheidung, denn unser Sohn in Neuseeland sollte ja irgendwie seine Eltern noch erkennen.
Von Melbourne aus sind wir dann wieder geradelt. Es waren so um die 1500 km bis Sidney. Die Strecke war echt herrlich ( Meer, Berge im Hinterland, Temperaturen angenehm, Tierwelt und keine Wasserprobleme).
Gesamt sind wir in Australien ca. 3500 km geradelt und um die 2000 km mit dem Auto unterwegs gewesen. Gute 3 Monate waren wir in Australien unterwegs.
Heute sind wir schlauer. Quer durch Australien funktioniert garantiert. Man sollte dies aber nicht zur Sommerzeit tun. Wir hatten den Abschnitt einfach unterschätzt. Wir waren schon viel in Wüsten unterwegs, doch Australien muss man anders angehen.
Würden es sofort wieder tun, doch dann weit überlegter durchs Outback radeln.
Keine Ahnung wie alt du bist, ich vermute aber noch sehr jung. Somit bleibt dir viel Zeit zum träumen. Wir hatten in jungen Jahren auch Träume. Viele haben sich erfüllt. Hätten aber nie gedacht, dass wir mal in Australien radeln werden.
Ich glaube auch, egal wo du in Australien unterwegs bist, jede Gegend hat unglaubliche Reize. Es ist ein absolut faszinierendes Land. Der einzige Nachteil, das Land ist groß. Unsere guten 3 Monate waren eigentlich viel zu kurz. Doch war unsere Sehnsucht nach unserem Sohn auch unheimlich groß. Vier Jahre hatten wir uns nicht gesehen. Ich denke auch, unser Drang endlich Martin in die Arme zu schließen, lies uns im Outback etwas unvorsichtig, etwas getrieben pedalen.
Im Übrigen war die Strecke von Darwin bis Alice, ausgenommen Gis Problem, herrlich. Ich liebe Krokos, heiße Quellen, Dschungel, unendlich erscheinende Weite, Wasserfälle, Lagerfeuer (natürlich umweltfreundlich) und grandiose Sonnenuntergänge. Alles ist dort zu bestaunen, zu genießen und brennt sich ins Gehirn.
Wenn dein Traum mit dem Auto durch Australien mal Wirklichkeit wird ;-) dann nehme dir unbedingt viel Zeit. Die genommene Zeit wird es dir unvorstellbar danken.

Markus K.
02.08.2013, 10:42
Hallo Wi, Hallo Julia,
wenn man Australien bereist, dann habe ich die Erfahrung gemacht, sollte man sich nur einen bestimmten Teil vornehmen und sich darauf konzentrieren. Australien selbst hat ja sämtliche Klimazonen der Erde vereint. Dazu kommen jede Menge tödlicher Tiere und die Gefahren im Outback reichen von Wassermangel, Hitzeproblemen zu sintflutartigen Regenfällen, verschlammte Tracks, überspülte Strassen, Sandpisten mit Löchern zum Einsinken, kaum ärztliche Versorgung, Buschbränden und so weiter.

Es ist gerade deswegen ein wunderbares Reiseland. Politisch stabil, die Menschen sind freundlich, aufgeschlossen und hilfsbereit. Allerdings gibt es eben auch die Schattenseiten wie Du Wi schon genannt hast. Noch zu nennen wäre der hohe Alkoholismus und das Leben vieler Ureinwohner unter dem Existenzminium.

Ich persönlich war nur in Westaustralien, genauer gesagt in der Kimblerly Region unterwegs. Aber es stimmt, es hinterlässt tiefe Eindrücke.

@Wi
Klasse Reisebericht!

grenzenlos
02.08.2013, 10:52
Hallo Wi, Hallo Julia,
wenn man Australien bereist, dann habe ich die Erfahrung gemacht, sollte man sich nur einen bestimmten Teil vornehmen und sich darauf konzentrieren. Australien selbst hat ja sämtliche Klimazonen der Erde vereint. Dazu kommen jede Menge tödlicher Tiere und die Gefahren im Outback reichen von Wassermangel, Hitzeproblemen zu sintflutartigen Regenfällen, verschlammte Tracks, überspülte Strassen, Sandpisten mit Löchern zum Einsinken, kaum ärztliche Versorgung, Buschbränden und so weiter.

.

Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. :p

Wenn die Zeit knapp ist, dann unbedingt sich nur einen Teil vornehmen.
Übrigens gibt es zur Einstimmung ein absolut gutes Buch über Australien ( Frühstück mit Kängurus / Bill Bryson ). ;-)

Markus K.
02.08.2013, 11:11
Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. :p

Wenn die Zeit knapp ist, dann unbedingt sich nur einen Teil vornehmen.
Übrigens gibt es zur Einstimmung ein absolut gutes Buch über Australien ( Frühstück mit Kängurus / Bill Bryson ). ;-)

Und mein absoluter Favorit war immer Malcolm Douglas. Schaut mal unter Youtube nach. Er hat sämtliche Klimazonen bereist und entsprechende Filme gedreht. Und er gibt darin immer Tips und Tricks wie man darin klarkommt. Und das unaufgeregt und mit seiner eigenen coolen Art. Für mich war/ist er der Peter Lustig Australiens.

@Wi
Euer Reisebericht vom Iran hat mir auch gut gefallen. Meine persönlichen Kontakte dort sind immer sehr nett und freundlich. Irgendwann in den nächsten paar Jahren werde ich das Land auch bereisen. Wie habt Ihr die Frauen dort erlebt? Sie scheinen teilweise sehr selbstbewusst zu sein.
Letztes WE hatten wir via FB eine Unterhaltung: Ich habe geschrieben, dass wir Deutschen über die 37°C Hitze stöhnen. Da hat mir die Person zurückgeschrieben: Sie haben in Ahwaz gerade Sommer mit 57°C.. ;-)

grenzenlos
02.08.2013, 11:49
@Wi
Euer Reisebericht vom Iran hat mir auch gut gefallen. Meine persönlichen Kontakte dort sind immer sehr nett und freundlich. Irgendwann in den nächsten paar Jahren werde ich das Land auch bereisen. Wie habt Ihr die Frauen dort erlebt? Sie scheinen teilweise sehr selbstbewusst zu sein.
Letztes WE hatten wir via FB eine Unterhaltung: Ich habe geschrieben, dass wir Deutschen über die 37°C Hitze stöhnen. Da hat mir die Person zurückgeschrieben: Sie haben in Ahwaz gerade Sommer mit 57°C.. ;-)

Markus,

im Iran waren wir 2 Monate. Ich mag es immer nicht so recht schreiben, da es leider, was auch zu verstehen ist, nicht viele vermuten, der Iran ist eines unserer Lieblingsländer. Die iranischen Frauen waren für uns in der Region Iran / Arabien die aufgeschlossensten Wesen. Sie sind in der Regel auch sehr gebildet. Im Jemen und teilweise West - Oman ist dies wegen fehlender Schulbildung und anderer Probleme anders.
Sie sind oft wirklich selbstbewusst, kritisch gegen das System im Iran und sehr wissbegierig. Wir hatten da unzählige sehr angenehme Bekanntschaften.
Wir haben in keinem anderen Land auch soviel Gastfreundschaft erlebt.
Mir stehen schon wieder die Haare zu Berge vor lauter Rührung.

Ach ja, am Golf vom Iran hatten wir so 30 bis 40 Grad. Der Hammer war im Oman. Da zeigte uns das Quecksilber mal 47.
War für uns aber angenehmer zu radeln wie im z.B. Outback oder Südostasien, da die Hitze im Oman Wüstenhaft war, also sehr trocken.;-)

Gruß wi

Hab noch was vergessen. Die Perserinnen sind auch sehr hübsch. War zumindest unsere Meinung.;-)

Julia
02.08.2013, 13:08
Zitat von Markus K.
Hallo Wi, Hallo Julia,
wenn man Australien bereist, dann habe ich die Erfahrung gemacht, sollte man sich nur einen bestimmten Teil vornehmen und sich darauf konzentrieren. Australien selbst hat ja sämtliche Klimazonen der Erde vereint. Dazu kommen jede Menge tödlicher Tiere und die Gefahren im Outback reichen von Wassermangel, Hitzeproblemen zu sintflutartigen Regenfällen, verschlammte Tracks, überspülte Strassen, Sandpisten mit Löchern zum Einsinken, kaum ärztliche Versorgung, Buschbränden und so weiter.

.Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen.

Wenn die Zeit knapp ist, dann unbedingt sich nur einen Teil vornehmen.
Übrigens gibt es zur Einstimmung ein absolut gutes Buch über Australien ( Frühstück mit Kängurus / Bill Bryson ).

OT:
Ich kann Australien schon ganz gut und kenne die skizzierten Probleme bestens. Wenn, dann würde ich dafür mindestens 3 Moante absehen, und die Länge der Tour wäre eben genau das, was ich wollte. Weil man eben sonst auf einer Reise nur so wenig schafft... (Aber das war nicht das, was ich hier diskutieren wollte. ich wollte nur sagen, dass ich auch mal so lange in Australien sein will und das Land mehr oder weniger in seiner gesamten Ausdehnung abdecken möchte, egal wie lange ich dazu brauche.)

PS: Frühstück mit Känguruhs ist göttlich (wie Bryson überhaupt).

Julia
02.08.2013, 13:27
Keine Ahnung wie alt du bist, ich vermute aber noch sehr jung.
Tja. Nein, leider nicht mehr. Aber 20-25 gute Jahre bleiben mir hoffentlich noch, allerdings ist der Nachwuchs auch noch lange nicht aus dem Haus, was ja auch einschränkt.


Ich glaube auch, egal wo du in Australien unterwegs bist, jede Gegend hat unglaubliche Reize. Es ist ein absolut faszinierendes Land. Der einzige Nachteil, das Land ist groß. Unsere guten 3 Monate waren eigentlich viel zu kurz. Doch war unsere Sehnsucht nach unserem Sohn auch unheimlich groß. Vier Jahre hatten wir uns nicht gesehen. Ich denke auch, unser Drang endlich Martin in die Arme zu schließen, lies uns im Outback etwas unvorsichtig, etwas getrieben pedalen.
Im Übrigen war die Strecke von Darwin bis Alice, ausgenommen Gis Problem, herrlich. Ich liebe Krokos, heiße Quellen, Dschungel, unendlich erscheinende Weite, Wasserfälle, Lagerfeuer (natürlich umweltfreundlich) und grandiose Sonnenuntergänge. Alles ist dort zu bestaunen, zu genießen und brennt sich ins Gehirn.
Wenn dein Traum mit dem Auto durch Australien mal Wirklichkeit wird ;-) dann nehme dir unbedingt viel Zeit. Die genommene Zeit wird es dir unvorstellbar danken.
Ja, Australien ist einzigartig, und ich kann nie genug davon bekommen. Und obwohl ich schon 5mal das Glück hatte, hinfliegen zu können, habe ich nur einen Bruchteil gesehen. Das Rote Zentrum, der Norden, ganz Westaustralien - das alles fehlt mir noch. Dafür durfte ich aber Tasmanien schon zweimal erforschen (aber auch da blieb beide Male zu wenig Zeit, so dass es auch dort noch genügend auf der to-do-Liste gibt). Am besten kenne ich neben Tasmanien das Inland zwischen Melbourne und Sydney (Alpen) und dann die Küste zwischen Sydney und Fraser Island. Nord-Queensland und Ecke Adelaide nur bruchstückartig. Und überhaupt alles völlig unzureichend...

Und die Fliegen, ja. Mit denen haben wir auf unseren Wanderungen in den Alpen auch Bekanntschaft geschlossen... das kann völlig zermürbend sein.

grenzenlos
02.08.2013, 16:28
Na gut, sind halt nun 5 Jährchen gedanklich mehr. Die Bergbilder von Tansania zeigen mir ja auch vorbildlich schön das gefühlt junge Alter.;-)

Unser Nachwuchs ist zum Glück, zum Unglück schon lange selbstständig. Die Touren mit den Kindern werde ich nicht vergessen.
Die hatten ihre eigene Dynamik. Heute sind wir dafür Entscheidungsfreier.

An Tasmanien sind wir leider nur vorbeigeschippert. Stelle ich mir echt gut vor. Hast du ein ''Teufelchen'' dort gesehen?

Ja, die Gegend zwischen Melbourne und Sidney ist gut, wirken irgendwie verspielt die Berge im Hinterland. Ich glaube die Alpen hatten irgendwas mit der Farbe blau zu tun. Die Stimmungen waren am Rande der Berge für uns sehr schön. Da gab es einen Radelweg ohne Radler. Auch stammt das Bild vom putzigen Koala aus der Gegend. Werde ich nie vergessen, denn den Kerl habe ich Heiligabend aufgenommen.
Unser Sohn lebte recht lange in Melbourne. Er lernte da intensiv das Surfen.
Da du ja schon oft in Australien warst, kann ich nun auch deine Sehnsucht verstehen, dort mal länger zu bleiben. Ich war nur einmal und erwische mich immer weider bei meiner Sehnsucht.

Was bleibt uns bezüglich der Sehnsucht? Wir drücken einfach gemeinsam die Daumen, der Doppeldruck wird helfen!!! :D

Julia
02.08.2013, 18:01
Na gut, sind halt nun 5 Jährchen gedanklich mehr. Die Bergbilder von Tansania zeigen mir ja auch vorbildlich schön das gefühlt junge Alter.;-)
Hehe, danke schön!


An Tasmanien sind wir leider nur vorbeigeschippert. Stelle ich mir echt gut vor. Hast du ein ''Teufelchen'' dort gesehen?
Nein, leider nicht. Nur Wobats, Wallabys, Känguruhratten und schöne Vögel. Und unglaublich viel schöne Landschaft, wilde Berge und die weißesten Strände meines Lebens (aber die Brandung ist heftig).
Man sagt ja, Tasmanien spiegele den ganzen Kontinent in einer Insel, und das ist auch (fast) so. Für mich bisher eins der absolut schönsten Stücke Australiens.


Da du ja schon oft in Australien warst, kann ich nun auch deine Sehnsucht verstehen, dort mal länger zu bleiben. Ich war nur einmal und erwische mich immer weider bei meiner Sehnsucht.
Ich habe noch nie irgendwo auf der Welt so das Gefühl gehabt, dort hinzugehören wie in Australien. Ich witzele immer, dass ich dort wohl mal in einem früheren Leben gelebt haben muss, denn ich habe immer das Gefühl nach Hause zu kommen, wenn ich dort lande. Und ich reise immer so ungern wieder nach Hause...


Was bleibt uns bezüglich der Sehnsucht? Wir drücken einfach gemeinsam die Daumen, der Doppeldruck wird helfen!!! :D
Da drücke ich gern mit - für uns beide!

grenzenlos
02.08.2013, 18:41
Ich habe noch nie irgendwo auf der Welt so das Gefühl gehabt, dort hinzugehören wie in Australien. Ich witzele immer, dass ich dort wohl mal in einem früheren Leben gelebt haben muss, denn ich habe immer das Gefühl nach Hause zu kommen, wenn ich dort lande. Und ich reise immer so ungern wieder nach Hause...




So geht es immer meiner Frau. Bei Lieblingsländern tröpfelt so manches Abschiedstränchen bei ihr. Auch sie behauptet immer, somit kann es ja kein Witz sein, sie muss in einem früheren Leben da gelebt haben.
Ich bin eher der Typ Wandervogel. Somit war ich garantiert auch in einem früheren Leben ne Wanderseele zwischen den Welten. Nur ganz selten verspüre ich den Drang länger zu bleiben. Komischerweise war dies halt in Australien so. Ganz besonders in der ''Roten Tortenmitte''. Ich war fasziniert von den Farbenspielereien. Es hatte an einem Abend stark geregnet. Am nächsten Tag war Wundertag. Die Luft war unheimlich klar. Die rote Erde stand verwunschen im Kontrast zum spärlichen grün. Stundenweise wechselten die Farbtöne spielerisch. Einfach toll! Werde ich nie vergessen.

Muss nun noch was arbeiten und drücken will ich natürlich auch. Soll ja Erfolg haben, unsere gemeinsame Sehnsuchts-Drückerei. Will da meinen Beitrag ordentlich zudrücken.;-)

grenzenlos
05.08.2013, 08:56
Welttour 4 Jahre / sozusagen Halbzeit in
Neuseeland

Es nieselt leicht im ,,Land der langen weißen Wolke‘‘. Doch das stört uns nicht. Vier lange Jahre haben wir uns nicht gesehen. Jetzt soll es endlich so weit sein. Lange liegen wir uns in den Armen. Küsse fliegen hin und her. Die Sehnsüchte sind Wirklichkeit geworden. Es ist geschafft.
Was vor zwei Jahren irgendwie halb im Ernst durch die Telefonmuschel kroch, ist eingehalten. Um die 2 Jahre und 24.000 Radelkilometer liegen hinter uns. Wir sind echt da!
Piha ist die neue Heimat von Martin und seiner Frau. Es liegt eine Autostunde von Auckland entfernt. Ein Tausendseelendorf vor der Westküste – wie hingezaubert in den Bergen und am langen Strand.
Knapp ein Jahr wohnen Dana und Martin nun schon auf einem Grundstück am Berg. Die Hütte ist klein, aber umgeben von viel Pihagrün.

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Die Hütte ist klein.

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Aber umgeben von viel Neuseelandgrün.

Erst 2 Jahre später ziehen sie in ein richtiges Holzhaus um. Dies mit berauschender Aussicht auf den Pihastrand. Die Mühen haben sich gelohnt.

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Nach 2 Jahren endlich eine Dusche und Toilette im Haus mit Aussicht.

2 Monate bleiben wir in Neuseeland. Natürlich schauen wir uns einiges gemeinsam an. Neuseeland überrascht uns mit viel Natur, einer bezaubernden Tierwelt und überaus netten Inselbewohnern.

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Unser Freund auf Zeit.

Nach zwei Monaten nehmen wir Abschied mit überholten Fahrrädern. Dabei hoffen wir, dass Martins und Danas Zukunftsträume in Erfüllung gehen. Beim Abschied will uns Martin noch unbedingt etwas sagen. Ihr werdet Oma und Opa. In etwa sieben Monaten ist es soweit. Sieben Monate später erblickt Leilani das Licht der Welt.
Wir sind da schon lange in Südamerika unterwegs. Radelnd sind wir da überaus großelternstolz.
Von Südamerika erzähle ich aber erst im nächsten Teil ein wenig.

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Der Möwe gleich zieht es uns weiter Richtung Südamerika.

Eine kleine Bitte!

Was mich nämlich selbst mal interessieren würde, kennt vielleicht jemand vom Forum (sind ja viele Weltenbummler dabei) unseren Sohn von irgendeiner Begegnung unterwegs?
Es macht uns immer Freude mit Bekannten/Freunden von Martin in Kontakt zu treten.
Er ist 2003 mit dem Fahrrad bis Malaysia geradelt. Er war auch lange in Indien. Hat Indien beradelt. War auch mit einem Motorrad in Indien unterwegs und auch mit einem Segelschiff von Indien nach Thailand.
Er war auch für gut 6 Monate auf der Dschunke von den Thüringer Weltumradlern/Abenteurern Brümmer und Glöckner.

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Martin auf der Dschunke.

Die Dschunkentour führte Martin von Thailand, Sri Lanka, Indien, Oman, Jemen, Ostküste Afrika (da lernte er seine Frau kennen) bis nach Ägypten.
Da er nicht zurück mit nach Deutschland mit der Dschunke segeln wollte, ging es zurück nach Indien. Anschließend war er längere Zeit in Südostasien unterwegs. Danach lebte er für gut ein Jahr in Australien. Seit 2008 lebt er nun in Neuseeland. Mittlerweile hat er 2 Kinder und in Piha ein kleines Baugeschäft. Da arbeiten auch manchmal Langzeitreisende/Neuseelandentdecker für kurze Zeit bei Martin.
Sollte sich jemand erinnern, dann einfach melden. Danke! Kann natürlich auch über PN sein.

Gruß Wi grenzenlos

grenzenlos
06.08.2013, 09:55
Weltradeltour

Chile

Wir sind noch keine Stunde in Santiago de Chile, da stellt Gi fest, die Stadt ist schön. Habe ich mir anders vorgestellt. Freunde der Stadt Paris werden es mir verzeihen, denn ich muss gestehen, in Paris war ich noch nie – und somit ist mir erlaubt, Santiago in die ,,Stadt der Liebe‘‘ umzutaufen. Denn noch nie habe ich so viele Menschen beim Küssen gesehen.

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Kussengel

Ob Jung oder Alt, man scheint unheimlich gerne zu küssen, richtig verliebt zu küssen, und kein Platz scheint dafür ungeeignet. Dieser Umstand macht uns die Stadt nicht unangenehmer, denn Santiago versprüht Lebensfreude, Herzlichkeit und Gastfreundschaft.
Auch haben wir nicht erwartet, so viele Radelfreunde anzutreffen.

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Radelfreunde in Santiago

Nach einer Woche zieht es uns aber weiter. Wir wollen noch vor dem ersten Schnee über die Anden. Es wird höchste Zeit. Als wir schließlich Richtung Berge pedalen, rufe ich Gi zu. Wenn du eine alte Frau mit lila Haaren siehst, recke die Faust nach oben und halte unbedingt an!
Warum?
Vielleicht ist es Margot Honecker? Die ist doch mit ihren lila Haaren und dem Erich nach Santiago abgehauen.
Margot sehen wir nicht. Dafür sehen wir nur noch Berge, Berge, Berge.
Mein auserwählter Pass über die Anden war schon vor langer Zeit ein Inkapfad. Tagelang sehen wir die schneebedeckten Gipfel immer im Osten.
An der Steilstraßenstrecke treffen wir Armando. Wir sind Gast auf seinem Grundstück. Beim letzten Glas Wein erzählt uns Armando von seinem Traum.
Ein, zwei Jahre auf den Rücken meiner Pferde stelle ich mir gut vor.
Bis Brasilien reicht sein Traum!

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Armando hat einen Traum. Mit seinen Pferden will er bis Brasilien reiten!

Drei Tage noch quälen wir uns rauf. Nur ganz selten pedalen wir wirklich. Schieben ist Tagesgeschäft. 30 Haarnadelkurven zähle ich am Stück. Es kommt der Moment, wo man sich alle hundert Meter fragt, warum tue ich mir das nur an? Gi klagt über Kopfschmerzen und nervt ständig mit der Frage, wann geht es denn endlich wieder runter?

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30 Haarnadelkurven zähle ich am Stück

Erst nach dem Tunnel Cristo Redentor auf 3185 m wird der Pass im Kopf greifbar, spürbar. Die Grenze zu Argentinien kann nicht mehr weit sein.
Die letzte kalte chilenische Zeltnacht verbringen wir an einem wildromantischen Gletschersee.
Wir freuen uns in dieser sehr, sehr kalten Nacht auf die Abfahrt, auf wärmere Nächte und die argentinische Pampa.

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Wildromantischer Kaltsee

Bis zu den nächsten Berichtzeilen und Bildchen
Grüße Wi www.grenzenlosabenteuer.de

Julia
06.08.2013, 12:04
Wir sind noch keine Stunde in Santiago de Chile, da stellt Gi fest, die Stadt ist schön.
Das habe ich auch schon woanders gelesen, und wenn alles gut geht, kann ich mich vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft auch selbst davon überzeugen!


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30 Haarnadelkurven zähle ich am Stück
Das hier ist echt der Hammer! Wie lange braucht man denn schiebend da hoch? Mehrere Tage? Und wo zeltet man unterwegs? Im Staub neben der Straße? Meine Güte!

Ich hab ja schon ein wenig auf Eurer Website vorausgelesen und muss hier an dieser Stelle Gi mal meine absolute Hochachtung aussprechen! Ich finde besonders ihre Leistung generell auf der ganzen Tour, aber vielleicht besonders in Australien und hier auch ganz unglaublich (von einem Mann erwartet man vielleicht eher, dass er sowas packt ;-)?)!

Ich find es auch toll, dass Eure Ehe dieses Abenteuer offensichtlich ohne Kratzer überstanden hat (im Gegenteil?). Wenn man sich 4 Jahre lang unter solch körperlichen Anstrengungen und extremen Situationen so nahe ist (und man mehr oder weniger auch so lange allein mit einander ist), dann ist das nicht selbstverständlich!!!

5sterne

Philipp
06.08.2013, 13:19
Hallo Wi,

danke für Euren Reisekurzbericht, der das wichtigste dennoch sehr unterhaltsam und kurzwelig zusammenfaßt.

Bitte entschuldige, wenn ich den Berichtsfluß kurz mit einer technischen Frage trockenlege: hattet Ihr auf Eurer langen und weiten Reise jemals ernste Schwierigkeiten mit der Rohloff? Stelle mir einen Schaden damit zwar unwahrscheinlich, wenn er aber eintritt schwer zu reparieren vor.

Danke für's Weitererzählen, Philipp

grenzenlos
06.08.2013, 13:42
Das habe ich auch schon woanders gelesen, und wenn alles gut geht, kann ich mich vielleicht in nicht allzu ferner Zukunft auch selbst davon überzeugen!


Das hier ist echt der Hammer! Wie lange braucht man denn schiebend da hoch? Mehrere Tage? Und wo zeltet man unterwegs? Im Staub neben der Straße? Meine Güte!

Ich hab ja schon ein wenig auf Eurer Website vorausgelesen und muss hier an dieser Stelle Gi mal meine absolute Hochachtung aussprechen! Ich finde besonders ihre Leistung generell auf der ganzen Tour, aber vielleicht besonders in Australien und hier auch ganz unglaublich (von einem Mann erwartet man vielleicht eher, dass er sowas packt ;-)?)!

Ich find es auch toll, dass Eure Ehe dieses Abenteuer offensichtlich ohne Kratzer überstanden hat (im Gegenteil?). Wenn man sich 4 Jahre lang unter solch körperlichen Anstrengungen und extremen Situationen so nahe ist (und man mehr oder weniger auch so lange allein mit einander ist), dann ist das nicht selbstverständlich!!!

5sterne

Du kannst dich schon jetzt auf Santiago freuen. Uns hat die Stadt wirklich gut gefallen. Gibt da wunderschöne Märkte. Nach Möglichkeit in der chilenischen Sommerzeit bestaunen.

Ja, die Straße ist absolut der Hammer. Am Fuß vom Pass auf ca. 1200 m haben wir dann geschlagene 3 Tage mit viel Schieberei (Radelgewichte zw. 50 und 65 kg, ist trotz Kälte schwitzen angesagt) rauf gebraucht (auf ca. 3500 m Höhe). Einen Platz für das Zelt, meist sogar wildromantisch, findet man eigentlich immer etwas abseits (abseits ist auch gut wegen der Sicherheit). Es ist nur etwas mühsam die Räder an den sicheren, wildromantischen Platz zu schieben, zu tragen, zu wuchten (meine Arbeit). Probleme gab es für uns wegen der ungewohnten Nachtkälte und der Höhe (speziell für Gi) ab 3000 m.
Solche Straßen (hatten wir ja öfters) stellen dann schon die Eigenfrage, warum tue ich mir das an? Am Pass angekommen sind all die Mühen vergessen. Die eigene Leistungsgrenze ausgeschöpft (bildet man sich zumindest in dem Moment ein), die herrlichen Aussichten, die Gewissheit es geht ja nun irgendwie runter, senden die bekannten Glückshormone (wirst du von deinen Bergtouren, Kili, sicherlich kennen) millionenfach. Diese sind wohl auch am Wiederholungsdrang schuld (die schlimmen, argen)?

Ja, auch ich habe Achtung vor Gi. Meist haben wir nur Langzeitradler getroffen, also Männer. Nur selten war da mal ein weibliches Wesen dabei (eigentlich nur 2 x). Diese Radelfeen waren aber im Radelkampffeenalter, sprich so um die beneidenswerten 20 bis 30 Lenze.

Für uns war unsere irgendwie ausgewogene Alterssturheit, gepaart mit Jugendgefühlen, von Vorteil. Mann und Frau kennen sich, kennen ihre Grenzen, kennen ihre guten und schlechten Seiten und verfügen über einen relativen Erfahrungsschatz bezüglich Alter. Wenn sich Gut und Schlecht gegenseitig ergänzen, ist dies dann ideal. Mann und Frau bügeln die Schwächen des anderen aus.

Bezüglich Ehe: Natürlich gibt es unterwegs auch mal Kratzerlein;-). Die gibt es ja zu Hause auch;-).
Ein Rezept ist vielleicht gegenseitige Achtung, auch Schwächen des Partners zu akzeptieren, die eigene Leistungsgrenze nicht dem Partner aufdrängeln und sich an den Stärken des Partners zu erfreuen. Damit meine ich nicht nur die Passüberquerung. Da ich z. B. ein echt guter Kaffeekocher bin, war es sozusagen 4 Jahre mein Job, Gi den Morgenkaffee ins Zelt (Frauen frieren ja auch bei 30 Grad oft) zu reichen bzw. ans Bett zu stellen.:p
Ich war auch immer zuständig für den Weg und die Lagerplätze. Männer wissen halt immer wo sie sind!;-)
Eine von Gis Stärken sind die Sprachen, der Umgang mit anderen Menschen und somit Kontaktaufnahmen (ist auf solch einer Tour ziemlich wichtig). Durch ihr Sprachentalent konnte ich Dinge erleben, welche mir alleine nie geschehen wären.:p
Natürlich sind 4 Jahre, täglich 24h, sehr intensiv. Als Tipp, ich bin eigentlich fast immer 2 / 3 km vorneweg geradelt (an wichtigen Wegkreuzungen habe ich natürlich gewartet). Gi war darüber nicht böse.;-)

Julia, danke für die Fragen! Hat mir Freude bereitet sie zu beantworten, hoffe nur sie sind sinnig!;-)

Gruß wi grenzenlos

grenzenlos
06.08.2013, 13:56
Bitte entschuldige, wenn ich den Berichtsfluß kurz mit einer technischen Frage trockenlege: hattet Ihr auf Eurer langen und weiten Reise jemals ernste Schwierigkeiten mit der Rohloff?
Hallo Phillipp,
danke für die netten Sätze. Du unterbrichst nicht, denn Fragen sind oft in so kurzen Berichten die Würze. Ich hoffe, Du bist jetzt nicht enttäuscht, denn Rohloff (noch dazu für 2 Räder) war uns einfach zu teuer. Wir hatten 8 Gang Shimano Nabenschaltung. Meine funktioniert immer noch (jetzt ca. 60.000 km in der Nabe).
Meine Schwiegertochter, also Martins bessere Hälfte , ist mit einer Rohloff von Deutschland nach Nordafrika geradelt (über Tunesien, Libyen, Ägypten). Ihre Roloff-Schwärmerei war so groß, dass ich dachte, Sie wird wohl eher eine Rohloff heiraten und nicht mein Söhnchen. Hätte ich verstanden, denn von der Rohloff, auch von Anderen unterwegs, habe ich nur positives gehört. Gab da eigentlich nie Probleme. Wäre ja auch ein Witz bei dem Preis!:p

Gruß Wi grenzenlos

Philipp
06.08.2013, 14:13
Hallo Phillipp,
danke für die netten Sätze. Du unterbrichst nicht, denn Fragen sind oft in so kurzen Berichten die Würze. Ich hoffe, Du bist jetzt nicht enttäuscht, denn Rohloff (noch dazu für 2 Räder) war uns einfach zu teuer.

Oh, da habe ich wohl nicht richtig geschaut.


Wir hatten 8 Gang Shimano Nabenschaltung. Meine funktioniert immer noch (jetzt ca. 60.000 km in der Nabe).

Das nötigt mir jetzt noch mehr Respekt ab :o. Eine solche Fahrradweltreise mit einer Schaltung mit eher wenig Entfaltung finde ich jetzt noch hammerhärter. Klar, früher ging alles auch ganz ohne Schaltung, aber das waren auch härtere Schweine als wir es heute sind ;-).

Hutziehende Grüße, Philipp (ganz dekadent mit Rohloff)

grenzenlos
06.08.2013, 14:36
Das nötigt mir jetzt noch mehr Respekt ab :o. Eine solche Fahrradweltreise mit einer Schaltung mit eher wenig Entfaltung finde ich jetzt noch hammerhärter. Klar, früher ging alles auch ganz ohne Schaltung, aber das waren auch härtere Schweine als wir es heute sind ;-).



Philipp,
ich glaube, auch wir können noch hart sein, doch müssen wir es?;-) Ich finde Weiterentwicklungen prima, sofern sie, je nach Personbedürfnis sinnig erscheinen. Helfgen (Ich radle um die Welt), hätte sicherlich auch eine Rohloff gerne gehabt. Er hatte damals (Anfang der 50iger) ne Dreigang. Er ist ja damit regelrecht um die Welt gesaust (1 Jahr glaube ich).
Für uns war folgendes wichtig: Preiswert sollte die Nabe sein und einigermaßen zuverlässig. Gi wollte auch unbedingt Rücktritt haben. Meine hat es durchgehalten. Gis Nabe ging in Indien flöten. Die nächste hatte dann bis D. durchgehalten. Nochmals 3 Naben hätten wir bei Gis Radel wechseln können um auf einen Rohloffpreis bei Gis Radel zu kommen.
Auch war uns vorher bewusst, wir werden durch die relativ wenigen Gänge öfters schieben. War uns egal, denn anders Helfgentour hatten wir etwas sehr wertvolles in den Radeltaschen. Es war die Zeit von 4 Jahren.
Somit relativiert sich der Respekt auf respektvolle Sinnigkeit.;-)

Gruß wi grenzenlos

lina
06.08.2013, 15:18
Ich kenne Eure Reisebeschreibungen ja schon länger von Eurer Webseite, aber es macht nach wie vor Freude, davon auch hier lesen zu können. Wunderbar, dass es noch weiter geht, auch mit den vielen superschönen Bildern. Vielen Dank für’s Teilhaben-Lassen! :cool:

grenzenlos
06.08.2013, 15:30
Ich kenne Eure Reisebeschreibungen ja schon länger von Eurer Webseite, aber es macht nach wie vor Freude, davon auch hier lesen zu können. Wunderbar, dass es noch weiter geht, auch mit den vielen superschönen Bildern. Vielen Dank für’s Teilhaben-Lassen! :cool:

Danke Lina!

Was ich im Forum gut finde ist, man kann auch auf gezielte Berichts-Fragen relativ schnell antworten (sofern die Zeit gerade vorhanden), somit was weitergeben bzw. selbst noch viel lernen.:p

Gruß Wi grenzenlos

grenzenlos
08.08.2013, 09:03
Welttour weiter mit

Argentinien

Die Abfahrt vom Bergpass hat es zu Beginn gewaltig in sich. Viele km fällt die Straße Angst einflößend ab. 71 km/h zeigt mein Tacho an. Neuer Rekord!
Nur wenige km weiter radeln wir in Sichtweite des Cerro Aconcagua. Er bringt es auf stolze 6962 Höhenmeter. Über eine Stunde schauen wir Berg. Die Luft ist klar. Gi atmet wieder besser. Alles passt. Unvergessliche Bilder speichern wir.

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Der höchste Berg Amerikas im Hintergrund.

Noch viele km sausen wir abwärts.

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Gi ist happy! Es geht lange abwärts.

Vor Mendoza bleiben wir für 2 Nächte an einem See. Wir tanken Sonne, baden im herrlich klaren Wasser und schauen kindergleich immer wieder zu den Andenbergen hoch.

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2 Nächte am herrlich See.

Über Mendoza und Tafi del Valle wollen wir bis Salta in Nordargentinien radeln. Über 1600 km liegen vor uns. Die Route hat 3 Vorteile: Wir werden gut 1000 km durch die Pampa pedalen, sehen linkerhand immer die Anden, dann kommen ein paar Berge und Salta ist greifbar. Und: Das Zusammenspiel zwischen Pampa und Anden macht mich happy.
Die Pampastraße hat einen weiteren Vorteil. Wir sehen schon am Morgen wer uns am Abend entgegenkommt.

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Wir sehen schon am Morgen wer uns am Abend entgegenkommt.

Auf den letzten 600 km geht es wieder die Berge hoch. Auf 3040 m überqueren wir einen der vielen Pässe. Dabei sehen wir die ersten Alpakas und können in der Ferne Tafi del Valle erblicken. Nebelfelder ziehen auf. Als wir vom Nebel flüchten, staunen wir mächtig: Kakteen, wie wir sie bisher nur von Bildern kannten, säumen hundertfach unseren Weg.

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Unser erstes Alpaka.

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Wir staunen mächtig: Kakteen...

Die letzten km bis Salta sind ein Schluchtentraum. Alles wirkt verzaubert, still und manchmal auch ausgegraben wie aus uralter Zeit. Kein Wunder, denn in den Schluchten wurden die ältesten Dinosaurierknochen ausgebuddelt.

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Schluchtentraum!

Nach gut einem Monat treffen wir in Salta ein. Ich will unbedingt nochmal die Anden hoch. Für Gi der lange erhoffte Grund endlich mal im fernen Deutschland nach über 2 Jahren nach ihrer Mutter zu schauen. Für 10 Tage fliegt sie übers große Wasser.
Ich schraube mich dafür die Berge hoch. Es wird die Tour in die Wolken, die Tour der Leiden und die Tour der Freuden. Ich ringe nach Luft, bin kaputt und doch glücklich. 4080 Meter Höhe zeigt mir der Schriftzug auf einem verrosteten Schild. Der Abra Blankapass ist geschafft.

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Die Luft wird knapp auf 4080 m.

In San Antonio miete ich mich in einer kleinen Pension ein. Bei meinen Radelausflügen quäle ich mich auf 4800 m. Viel Sonne, Salzseen, Alpakas, der schneebedeckte Nevado de Acay und die Gewissheit, dass ich meine kleine Heizquelle im kleinen Zimmer auf Dauerbetrieb geschalte habe, versüßen mir die kalten Höhentage.

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Alpakas sind wie ich. Sie vertragen die Höhe.

Sehr schnell wird mir in der Höhe bewusst, dass dies nichts für Gi wäre. Einfach zu wenig Luft für ihre Lungen, ihr Gehirn. Schon öfters hatte sie ab 3000 m echte Kopfwehprobleme. Wir hatten uns vor der großen Tour vorgenommen, gegenseitig Rücksicht nehmen soll uns in guten und in schlechten Zeiten begleiten.

Da Bolivien und Peru nicht unbedingt Flachländer sind, mache ich Gi nach meiner Bergrückkehr in Salta den Vorschlag die Räder in Salta zu lassen und mit Bus und per Anhalter die zwei Bergländer zu erkunden. Gi stimmt sofort zu.
Ob Bolivien nun auch für Radelfreunde per Auto OK ist, davon berichte ich etwas näher aber erst im nächsten Teil.

Bis dahin schöne Grüße,
Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de

sibirier
09.08.2013, 07:48
Respekt!!! Und noch zich Mal RESPEKT!!!;-) Australien...Sudamerika...:o Einfach toll!!!

grenzenlos
09.08.2013, 08:34
Respekt!!! Und noch zich Mal RESPEKT!!!;-) Australien...Sudamerika...:o Einfach toll!!!

...und Russland war leider nicht dabei!:( Doch es ist noch immer ein Traum!;-) Und manche Träume werden Wirklichkeit!:steuermann:

sibirier
09.08.2013, 09:34
Und manche Träume werden Wirklichkeit!:steuermann:Tja! Manche(Leute) tun was dafur!;-)
Mit Fahrrad weiss ich nicht(hab' einfach keine Zeit dafur:() aber mit Auto an den Pazifik zu fahren(ich meine russs. Vernost)-das werd ich bestimmt machen,wenn die Kinder etwas grosser werden.

grenzenlos
09.08.2013, 10:14
Tja! Manche(Leute) tun was dafur!;-)



Hat ja auch jeder zum Glück andere Interessen. Stelle dir mal vor, jeder wollte sogleich in deiner neuen Stadt wohnen oder jeder wollte um die Welt radeln. Die Ruhe im Camp wäre sofort vorbei und du bräuchtest 1000 Bärenwächter. Und wir hätten nur Stau auf den Radwegen :motz:
Zum Glück tun viele was für andere Dinge die ihnen wichtig sind;-)

sibirier
09.08.2013, 10:58
Zum Glück tun viele was für andere Dinge die ihnen wichtig sind;-)
Eine sehr gute und IMHO richtige Einstellung!

Also,wenn du irgenwann deine Raeder in Richtung Russland richtest,du weisst,wo du rasten kannst;-)

grenzenlos
09.08.2013, 14:43
Eine sehr gute und IMHO richtige Einstellung!

Also,wenn du irgenwann deine Raeder in Richtung Russland richtest,du weisst,wo du rasten kannst;-)

OK Sibirier! Danke! Sollte ich vorbeikommen, dann nehme ich die Einladung echt an. Werde dafür dann auch mal Bärenwache schieben, oder halt meine Frau :grins:

grenzenlos
12.08.2013, 08:10
Welttour weiter mit

Bolivien

Unser Schrottbus – er bringt uns in acht Stunden auf grausamster Schotterpiste bis Uyuni – ist nicht beheizt. Wie denn auch, beim Anblick vom Fahrerhaus wird mir einiges klar, fällt mir auch sofort mein TÜF – Mensch in Deutschland ein. Der hätte echt seinen Spaß, Freude und einige graue Haare mehr.

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Beim Anblick vom Fahrerhaus wird mir einiges klar!

Es ist wirklich kalt – denken wir. Doch in Uyuni bekommen wir mit: es geht noch kälter! Der Nachtfrost ist für uns fast tödlich. Und auch im Billighotel macht nicht die kleinste Heizquelle die Kälte erträglicher. Es ist Ende Juni, somit Winterzeit in diesen Breiten. Die Durchschnittstemperatur für das Nest am Rande des Altiplano auf 3700 Metern Höhe wird mit 5 Grad angegeben. 21 Grad minus sind es am Abend. Wir halten die Eskimonächte irgendwie aus. Warum wolltest du in diesen Kühlschrank Wi?
Wirst du morgen sehen Gi.
Was wir sehen ist überwältigend. Von der ,,Fischerinsel‘‘ aus blicken wir über den größten Salzsee der Erde, den Salar de Uyuni.

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Von der Fischerinsel aus ...

Zwischen riesigen Kakteen hindurch schauen wir auf einen Vulkanberg, der weit, sehr weit entfernt am Rande dieses schneeweißen Fleckens Erde liegt. Und eines wird uns klar: Der Salzsee ist neben dem Kältehoch unser Naturhoch in Uyuni.

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Blick über viel Salz

Mit dem nächsten Schrottbus quälen wir uns nach La Paz. Auch in La Paz ist es Hundekalt.

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Hundekalt in La Paz.

Die Stadt liegt in einem gigantischen Kessel. Bei der Abfahrt wird mir schnell klar, die Stadt verdient mehrere Tage. Fast 1000 Höhenmeter schieben sich die Kesselränder nach oben. Kreisrund kleben die backsteinroten und oft unendlich verschachtelten Häuser an den Hängen. Der Kesselrand wird von den vier mächtigen Gipfeln des Illimani (6439 m) beherrscht, er ist nicht nur der zweithöchste Berg Boliviens, sondern auch das unübersehbare Wahrzeichen von La Paz.

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La Paz mit Hausberg

An einem Tag lassen wir uns bis zur Hütte vom Club Andino auf 5300 Meter fahren. Stunden bin ich unterwegs um auf ca. 6000 Meter hochzusteigen. Das Wetter ist prima, meine Kondition auch. Ich verspüre kaum Mühen. Die Aussicht macht mich glücklich.

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Club Andino

Erst am Abend wird mir bewusst, dass ich noch nie auf knapp 6000 Meter war. Ich fühlte mich vogelfrei. Es war mir auch egal ob es nun 6000 m waren oder etwas darunter. Die Höhenmarke war mir nicht wichtig. Das Gefühl den Wolken sehr nah zu sein war dafür unbeschreiblich schön.

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Ich fühlte mich vogelfrei

In La Paz selbst gibt es täglich was Neues zu entdecken. Ganze Straßenzüge gleichen einem arabischen Basar. Wir durchstreifen auch die Gassen der Wahrsager und Wunderheiler, eine Aufreihung unzähliger Hütten. Diese sind vollgestopft mit Cocablättern, Salben, Tabletten, Cocapulver, Vogelfedern, ausgestopften Schlangen, Tierpfoten, Tigerfellen, Holzspänen, billigen Gipsfiguren, geraspelten Wurzeln, Käfern, Wässerchen in allen Farben, Lamaföten und Sachen, die wir einfach nicht enträtseln können.

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Lamaföten in Wunderheilerhütte

Aber egal, wo wir uns am Kesselrand befinden, es gibt immer einen Blick nach unten. La Paz hat viel zu bieten. Wenn die Sonne untergeht, schieben sich ihre letzten wärmenden Sonnenstrahlen nach oben und der Rand erstrahlt für kurze Zeit in herrlich gelben und rötlichen Tönen. Spätestens dann wird es Zeit, den Kesselrand zu verlassen, denn La Paz soll zur Nachtzeit nicht ungefährlich sein.

In Copacabana am Titicaca-See lassen wir die Zeit in Bolivien sehr langsam ausklingen. Die Ortschaft bereitet uns viel Freude. Viele Wanderungen, Ausflüge auf dem See und Erkundung so mancher Kirchlein in Copacabana sind angesagt.

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Aussicht auf Copacabana

Da wo die Sonne untergeht ist der Titicaca noch lange nicht zu Ende. Peru wartet schon auf uns.
Doch davon berichte ich erst im nächsten Teil.

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Der Sonnenuntergang zeigt uns den weiteren Weg

Bis dahin Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de

grenzenlos
15.08.2013, 15:27
Welttour weiter mit

Peru

In Pune am Titicacasee finden wir ein hervorragendes Sonnenscheinzimmer für einige Tage. Die relativ große Stadt liegt an einer weiten Bucht. Zwei hohe Berge versperren die Sicht nach Westen. Steigt man aber die Gassen hinauf, so eröffnet sich ein schöner Blick über den See. Was dabei sofort auffällt, ist der breite Schilfgürtel in der Bucht.

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Blick von Pune mit Betonkondor auf den See

Dort leben die Seenomaden. Natürlich ist schnell klar, dass wir uns die schwimmenden Inseln und die Schilfboote ansehen werden. Unser Fazit: Alles durchaus interessant, doch was die Inka nie geschafft haben, nämlich die Seenomaden zu unterwerfen, der Massentourismus hat es hinbekommen. Die Seenomaden haben sich dem globalen Geschäft unterworfen.

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Seenomadeninsel

All der Touristenrummel regt uns etwas auf. Kann natürlich auch sein, dass uns einfach nur die Radel fehlen, die angenehme Ruhe fehlt uns.
Viele Tage später kommen wir in Cabanaconde auf 3300 Metern Höhe zu unserem Frieden mit Peru. Die Ortschaft liegt an einer wunderschönen Schlucht (Colca Canyon). Hier kann man seinem Wandertrieb nachgeben und mit etwas Glück auch Kondore sehen.

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Colca Schlucht

An einem Tag wandern wir die Schlucht hinunter.

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Schluchtengrund

So um die Tausend Meter runter und so um die Tausend wieder rauf. Wir sind fix und fertig an diesem speziellen Wandertag.

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Wir treffen Schluchtenaufsteiger...

...doch Kondore sehen wir nicht.

Am nächsten Tag – wir sind noch immer irgendwie fertig – hängen wir einfach nur ab. Keine hundert Meter laufen wir am Stück. Bei einem dieser kurzen Fertig-Spaziergänge sehen wir zwei von den gewaltigen Vögeln in weiter Ferne. Der Andenkondor bringt es auf unglaubliche 3,20 Meter Flügelspannweite.

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Ruhetag mit Hoffnung auf einen Kondor

Gerade als wir wieder zum Dorf zurücklaufen wollen, ruft mir Gi zu: Dreh dich schnell um! Da kommt ein ganz großer direkt auf uns zugeflogen.
Ich blicke durch den Sucher meiner Kamera, drücke auf den Auslöser und höre dabei den Wind durch sein Federkleid rauschen.

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gewaltiges Gefühl

Es ist ein überaus gewaltiges Gefühl von leider nur wenigen Sekunden. Nur Momente später ist er am Rand der Schlucht gegenüber zwischen Felsvorsprüngen verschwunden.

Wir überlegen noch die Touristenhochburg Cusco zu besuchen. Wir müssen aber nicht lange nachdenken, wie unsere Reise weitergehen soll, denn die Busfahrer nehmen uns die Entscheidung ab. ,,Streik‘‘ heißt das Zauberwort. Kein Bus fährt mehr.
Bis nach La Paz schlagen wir uns per Anhalter durch. Die Sehnsucht nach unseren Stahlrössern ist dabei groß. In Bolivien besteigen wir wieder die rollenden Schrottbusse. Die Heizungswärme ersetzt oft ein wärmespendendes Tier.

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Schäfchenheizung

Nach knapp 2 Monaten Bolivien und Peru treffen wir wieder in Salta ein. Die Auto - Bustouren durch beide Länder war eine weitere lohnenswerte Erfahrung. Besonders haben uns die Wanderungen in den Bergen gefallen. Ein Bild von diesen bitterarmen Ländern wird mir dabei nie aus dem Kopf gehen. Es ist eine wunderschöne Zeichnung. Der Junge darauf erinnert mich ständig an ein Lied aus längst vergangener Zeit. ,,Der Indiojunge von Peru, der will Leben so wie du‘‘, war, denke ich, der Titelname.

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Eine wunderschöne Zeichnung erinnert mich

In Salta bekommen wir die uns traurig erscheinenden Radel zurück. Die Entscheidung, die beiden Bergländer nicht mit den Radeln zu erkunden, war für uns richtig. Doch nun brennen wir wieder auf weitere lange, interessante Radelstrecken.

Im nächsten Teil erzähle ich davon.
Bis dahin viele Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de (http://www.grenzenlosabenteuer.de)

hosentreger
15.08.2013, 16:15
Ich bin gespannt und freue mich darauf...
Hosentreger

grenzenlos
20.08.2013, 07:48
Ich bin gespannt und freue mich darauf...
Hosentreger
Habe wieder etwas Zeit. Gleich geht's weiter!;-)

Die Flüssetour und den Stiefel rauf...einfach prima!;-)

grenzenlos
20.08.2013, 08:02
Weltradeltour weiter mit

zurück in Argentinien

Nach nur 2 Tagen in Salta springen wir wieder auf unsere Räder und radeln in den nächsten Tagen knapp 1000 km durch die argentinische Pampa. Nach Wochen extremer Nachtkälte hatten wir eigentlich Pampawärme erwartet. Darauf müssen wir jedoch noch lange warten, denn am Morgen herrscht oft sogar leichter Frost.

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Denn am Morgen herrscht oft leichter Frost.:o

Meist erst gegen Mittag steigt die Temperatur auf angenehme 20 Grad.
Die Pampastraße Nummer 16 werden wir nie vergessen, denn sie führt uns über viele hunderte von Kilometern immer schnurgerade durchs Land. Doch Langeweile gibt es an der Strecke nicht.
Da zur Pampakorn - und Fleischkammer natürlich ja auch der Gaucho gehört, sehen wir diese berittenen Viehhirten täglich.

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Gaucho

Wir fühlen uns irgendwie seelenverwandt, denn wo es ihnen gefällt bleiben sie eine Weile. Meist schlafen sie unter freiem Himmel und verkörpern so den alten Mythos weiter. Ungebundenheit und Freiheit sind ihnen sehr wichtig. Sie kümmern sich um das Vieh, markieren die Jungtiere, reparieren die unzähligen Weidezäune, treiben die Herden über lange Wege ins nächste Weidegebiet und fangen mit ihren Lassos ausgerissene Kühe ein. Ein tellergroße Hut, oft ein buschiger Schnauzer, ein weiter Poncho, Kalbslederstiefel, Pumphosen, lange Sporen und ein großes Messer im Gürtel gehören zu jedem ordentlichen Gaucho dazu.

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Nicht jeder ist Besitzer von Kalbslederstiefeln.

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Aber jeder hat irgendwie Spaß.

In so manchem Pampanest erleben wir eine weitere angenehme Seite der Gaucho kennen. Es wird unheimlich viel Kuh gebraten.

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Fleisch, Fleisch, Fleisch ....

Und dies macht natürlich unheimlich durstig. Auf Durst, Essen und viel Musik folgt zwangsweise Tanz. Argentinien ist gleich Tango. Und Tango bestimmt die Seele. Gibt es schöneres?

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Tango

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Tangoliebesgeflüster

Natürlich gibt es noch was. Täglich trinken wir auch Mate-Tee. Die Argentinier sind gastfreundliche Menschen.

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Mate-Teegastfreundschaft

Die Straße mit viel Essen, Mate-Tee und Tango endet vor dem Rio Parana. Die Landschaft ändert sich. Sie wird bestimmt vom großen Fluss.

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Auf der anderen Seite ist Paraguay

Immer in der Nähe des Flusses pedalen wir 200 km bis Posadas. Auf der anderen Seite befindet sich Paraguay – unser nächstes Radelziel.

Doch davon erzähle ich erst im nächsten Teil.

Bis dahin Grüße von Wi www.grenzenlosabenteuer.de (http://www.grenzenlosabenteuer.de)

Julia
20.08.2013, 11:12
Wunderschön und unglaublich beeindruckend...

Markus K.
20.08.2013, 12:06
Einfach alles klasse! 5sterne

grenzenlos
21.08.2013, 10:03
Wunderschön und unglaublich beeindruckend...
Dankeschön Julia und Markus.

grenzenlos
22.08.2013, 11:49
Weltradeltour weiter mit

Paraguay

Die Grenzstadt Encarnacion ist eine vergammelte Schmugglerhochburg. Sie macht den Eindruck wie viele andere Schmuggler- und Grenzstädte dieser Welt. Sie ist schmutzig, in der Nacht mit Vorsicht zu genießen und versprüht den intensiven Geruch von Prostitution, Gaunereien, Betrug und viel Armut.

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einsamer Camping

Nur eine Nacht bleiben wir auf dem einsamen Camping. Beim Abschied wird uns gesagt, passt auf euch auf. Das dabei vermittelte ungute Gefühl verstärkt sich auf den nächsten Kilometern, denn die vielen Dörfer entlang unserer Radelstraße wirken alle recht armseelig.

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Trotz Armut immer ein Lächeln.

Die Landschaft ist aber lieblich. Die Menschen sind freundlich. Bei Sonnenschein wirkt so manches erträglicher, sage ich zu Gi.
Ja, komisch … Armut wirkt dann oft weniger arm…
Es ist gut so mit der Sonne, denn bis zum Grenzübertritt nach Brasilien, werden wir noch oft an solchen armen Dörfern vorbeiradeln.
Begeistert sind wir von der verspielten Langweiligkeit. Auch die Katzen halten dabei ihre Sonnensiesta.

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Siestakatze

Und so mancher Schmetterling ist überraschend fleißig.

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fleißiger Schmetterling

Erst viel später wird die angenehme Langweiligkeit durchbrochen.
Hohenhau klingt irgendwie deutsch. Wir finden für einige Kilometer eine völlig andere Welt vor. Kleine, schmucke Häuser kämpfen dabei um den Schönheitspreis. Alle haben einen Vorgarten. Blumen neigen sich darin im Wind und grüner Rasen lacht uns dabei entgegen. Alle Straßen sind geteert. Die Hohenauer Tankstelle und Autowaschanlage könnte so auch in unserer Heimatstadt stehen. Die Schule, der Kindergarten und die Kirche wirken zeitnah frisch gestrichen. Der Bankautomat spuckt ohne Probleme den gewünschten Betrag aus. Straßen und Gassen haben einen Namen. Diese Namen sind deutsche Schriftzüge.
In der Kirche schaut uns eine Madonna irgendwie fragend an.

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Bei diesem Blick wollen wir gehorchen.

Ihr wollt doch nicht etwa ins Hotel Kuschel, scheint die Frage zu sein.

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Kuschelhotel

Der Name Kuschel versprüht eigentlich viel Wärme. Doch kuscheln geht auch in einer kleinen Pension für uns. Der unerwartete Vorteil, alle in der Familie sprechen deutsch. Lange reden wir noch am Abend, über Armut und Reichtum, über das oft harte Leben in ihrem Auswandererland, über Gott und die Welt.
Am Morgen bekommen wir ein Frühstück der deutschen Art. Der Radlermagen begreift es erst gar nicht so recht. Beim herzlichen Abschied zeigt uns die Oma der Familie einige Städte und Dörfer auf meiner Straßenkarte. Zu jedem Namen erschallt ein deutscher Kommentar.
Dort müsst ihr unbedingt halten. Es ist die schönste deutsche Gemeinde in Paraguay. Eisbein und Sauerkraut gibt es da. In der Stadt müsst ihr auch halten. Der beste Kuchen. Das beste Bier.
In dieser Gemeinde müsst ihr auch halten. Da leben nur Italiener. Guter Wein und Spaghetti-Eis.
Da radelt ihr am besten durch, denn dort leben viele Japaner und die essen ja nur diesen eingerollten Fisch.
Einige der guten Tipps beherzigen wir auf unserem Weg bis Ciudad del Este. Dabei sind wir immer wieder sprachlos, wie unterschiedlich doch die Lebensformen in Paraguay sein können. Der Kontrast ist überaus groß.
Fast an der Grenze zu Brasilien, werden wir im ,,Salzburger Hotel‘‘ schnell handelseinig.

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Salzburger Hotel

Man spricht deutsch. Auf der Speisekarte steht Eisbein mit Sauerkraut und ,,Paulaner`` gibt es zum Runterspülen. Nach nur gut 300 Kilometern in Paraguay ist Brasilien greifbar nah.
Am Abend beim Paulaner, rieche ich schon irgendwie die so nahen, so berühmten Iguazu-Wasserfälle. Wir können es kaum erwarten.

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Ich kann sie schon irgendwie riechen.

Von Brasilien berichte ich erst im nächsten Teil.
Wünsche schönes Wochenende. Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de (http://www.grenzenlosabenteuer.de)

Julia
22.08.2013, 12:04
Wünsche schönes Wochenende. Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de (http://www.grenzenlosabenteuer.de)
Danke ebenfalls!

Iguazu... Da war meine Schwester letzten Winter. Die Liste der Träume ist lang!

Hammfred
22.08.2013, 13:04
Vielen Dank für diesen tollen Bericht, ist wirklich eine Freude ihn zu lesen

palmy
25.08.2013, 17:23
Hab gerade ein bisschen in Eurem Reiseabenteuer geschmökert und muss sagen, ich bin echt beeindruckt... 4 Jahre, echt wahnsinn. Da kribbelts richtig in mir, vor allem bei den Orten wo ich selbst schon war (war 9 Monate mit dem Rucksack unterwegs)

Ein paar Fragen hätte ich, hab nicht alle Kommentare gelesen und weiß leider nicht ob schon die ein oder andere gestellt hab:

Hattet ihr Heimweh oder mal Zwischenstation in Deutschland gemacht?

Wie habt ihr das finanzielle "Problem" gelöst? Angespart und dann Arbeit gekündigt?

Gab es oft Probleme zwecks blonder Frau? Oder allgemein, dass Euch Leute überfallen haben, ist man mit einer Frau doch weniger sicher und hat mehr Angst um sie oder?

Würde mich über Antworten freuen ;-)

Bin richtig begeistert und bekomm auch richtig Lust wieder die Taschen zu packen!

grenzenlos
26.08.2013, 07:42
Iguazu... Da war meine Schwester letzten Winter. Die Liste der Träume ist lang!
Liste langsam abarbeiten!;-)

grenzenlos
26.08.2013, 08:22
Ein paar Fragen hätte ich, hab nicht alle Kommentare gelesen und weiß leider nicht ob schon die ein oder andere gestellt hab:

Hattet ihr Heimweh oder mal Zwischenstation in Deutschland gemacht?

Wie habt ihr das finanzielle "Problem" gelöst? Angespart und dann Arbeit gekündigt?

Gab es oft Probleme zwecks blonder Frau? Oder allgemein, dass Euch Leute überfallen haben, ist man mit einer Frau doch weniger sicher und hat mehr Angst um sie oder?


Hallo palmy,
will versuchen in Kurzform zu antworten.

Heimweh: Wir hatten nie Heimweh. Natürlich sind im Kopf immer die Lieben, doch so richtig Heimweh gab es nie. Ich selbst war die 4 Jahre nicht in Deutschland zu Besuch. Gi hatte nach gut 2 Jahren ihre Mutter für 10 Tage besucht. Sie wollte damit eigentlich nur ihr Mutter beweisen, dass es ihr gut geht und sie sich keine Sorgen machen muss und ich ordentlich auf ihr aufpasse. ;-)

Finanziell: Auf die lange Tour haben wir natürlich angespart. Wir hatten nie ein großes Auto, nie eine Kaffeemaschine und so. Haben immer für Reisen das Geld zurückgelegt. Hatten auch Glück, denn wir hatten vorher recht ordentlich verdient. Sehr geholfen hat, dass Gi wieder ihren alten Job nach der Tour bekommen hat. War vorher schon klar (Öffentlicher Dienst).
Ich selbst habe gekündigt. Jetzt mache ich halt andere Sachen. Ein positiver Nebeneffekt der Tour: Mann und Frau haben keine Zukunftsangst mehr!;-)

Blonde Frau: Muss da etwas schmunzeln:confused: Wenn man sich den Ländern, Regionen unterwegs, als Frau, übrigens auch als Mann anpasst, so gibt es kaum Probleme. Man sollte sich vorher etwas belesen. Ich finde die Mischung, Mann und Frau als absoluten Vorteil, sofern die Beiden selbst harmonieren.
Wir hatten fast zum Schluss unserer Tour einen Überfall. Natürlich war dabei meine größte Sorge, dass Gi nichts passiert. Gi hat sich dabei tapfer geschlagen. Wir hatten auch Glück dabei, zum Glück:p.
Angst hatten wir nie, zumindest bis zum Überfall. Was mir wichtig erscheint, ist, dass Mann und Frau Respekt bei solch einer Tour haben, angemessene Vorsicht walten lassen. Da gibt es einiges zu beachten. Dies schützt natürlich nicht absolut, doch hilft dies ungemein. Wochen nach dem Überfall waren die Angstgefühle wieder weg. Angemessene Vorsicht zog wieder ein.
Durch Gi habe ich mich echt sicherer, wohler gefühlt, denn durch die Begleitung einer Frau bekommt man oft einen ganz anderen Zugang, Bezug zu anderen Menschen. Habe so Sachen erlebt, welche ich alleine nie erlebt hätte.
Egal ob als Mann unterwegs, egal ob als Frau unterwegs, egal ob zusammen unterwegs, will dir jemand etwas wirklich böses, so wird es sein. Zum Glück sind über 99 Prozent der Menschheit noch immer prima Leute. Es gehört auch etwas Glück dazu, auf die anderen nicht zu treffen.

Danke für die Fragen. Hat mir Freude bereitet, diese aus meiner Sicht zu beantworten. Kannst ruhig weiter fragen.;-)
Wünsche dir noch viele herrliche Touren!

grenzenlos
27.08.2013, 08:04
Weltradeltour weiter mit

Brasilien (bis Rio)

Die Frau des ehemaligen US- Präsidenten Franklin D. Roosevelt soll beim Anblick der Iguazu- Wasserfälle gesagt haben: Poor Niagara! (Arme Niagarafälle)
Ich kann ihr nur Recht geben, denn die größten Wasserfälle der Erde sind wohl auch tatsächlich die schönsten. Auf einer Breite von 2,7 Kilometer rauschen die Wassermassen in 255 Einzelfällen bis zu 82 Meter in die Tiefe.

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Millionen von Wassertröpfchen

Die stürzenden Wassermassen, deren weithin hörbares Brüllen, das Dschungelgrün, die weißen Wolken, der blaue Himmel, die Millionen von Wassertröpfchen und gigantische Regenbögen gleichen in ihrem Zusammenspiel einer einzigartigen Naturinszenierung.
Nach viel Wasserfallwasser, pedalen wir über unendlich erscheinende grüne Hügelketten immer Richtung Osten. So mancher Flusslauf muss dabei überquert werden.

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So mancher Flusslauf muss durchquert werden

Wir fühlen uns wohl, denn die Sonne begleitet uns mit ihrer endlich wieder heißen Strahlenwucht. Nur die vielen Moskitos nerven zeitweise arg.
Abgekämpft erreichen wir nach gut 2 Wochen den Atlantik. Um die 8000 Kilometer Küste kann Brasilien sein eigen nennen. Bei dieser Länge ist natürlich Vielfältigkeit angesagt. Unser Radelweg führt uns der Küste entlang immer nördlich. Da an der brasilianischen Küste alles möglich ist, erleben wir sehr oft den Traum aller Radelfreunde. Es gibt nämlich viele Strände, die sehr gut zu beradeln sind. Uns überraschen auch die oftmals schönen Küstenortschaften.

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Verwunschenes Küstendörfchen

Von Ortschaft zu Ortschaft, von Strandabschnitt zu Strandabschnitt, von Flüsschen zu Flüsschen, fressen unsere Räder Kilometer für Kilometer.

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Strandradeln macht Spaß

Immer von rechts spielen dabei die Wellen im Wind. Von links verneigen sich die Dünen und vereinzelte Palmen scheinen uns zu grüßen. Oft suchen wir uns am Abend einen Lagerplatz zwischen spielenden Wellen und grüßenden Palmen.
Wochen später treffen wir in Rio ein.

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Wir treffen am Strand Copacabana ein

Da wir einige Zeit in Rio verweilen, erfüllen wir weit mehr als das übliche ,,Pflichtprogramm``.
Was bleibt von Rio in meinem Kopf hängen?
Für mich ist Rio eine Stadt unter Strom, unter Starkstrom. Sie riecht gut, sie stinkt, sie ist supermodern und doch auch vergammelt, sie ist liebenswert und betrügerisch, frisch gestrichen und angefault, sie ist verriegelt und doch 24 Stunden offen, sie ist verfressen und schreit gleichzeitig vor Hunger, sie ist versoffen und gewaltbereit, sie ist überschwänglich und gastfreundlich, sie ist naiv und raffiniert, sie ist durchaus eine Stadt zum Verlieben, doch zu verdanken hat sie dies hauptsächlich der unglaublich schönen Landschaft.

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Der Leuchtturm Christo schaut über die Stadt

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Unter Starkstrom?

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Sie ist verfressen und schreit gleichzeitig nach Hunger

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Sie ist durchaus eine Stadt zum verlieben...

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...doch hat sie dies hauptsächlich der Landschaft zu verdanken

Da Brasilien groß ist, pedalen wir im erst im nächsten Teil bis zum Amazonas weiter.

Bis dahin alles Gute von Wi www.grenzenlosabenteuer.de

Julia
27.08.2013, 09:35
Heimweh: Wir hatten nie Heimweh. Natürlich sind im Kopf immer die Lieben, doch so richtig Heimweh gab es nie.
Mal andersherum gefragt: Gab es denn irgendwo einen Ort, an dem Ihr am liebsten für immer geblieben wärt? Und wenn ja, wollt Ihr dort letztendlich für immer hin?

grenzenlos
27.08.2013, 10:37
Mal andersherum gefragt: Gab es denn irgendwo einen Ort, an dem Ihr am liebsten für immer geblieben wärt? Und wenn ja, wollt Ihr dort letztendlich für immer hin?

Schönen Tag Julia

Es gibt viele schöne Orte auf der Welt. Ich bin aber leider, oder vielleicht auch zum Glück, ein Wandervogel. Ich kann Monate an einem Ort verweilen. Und da unheimlich Freude empfinden, doch es zieht mich unweigerlich weiter. Der Tag kommt da immer sehr bestimmend.
Gi würde am liebsten in Arabien wohnen. Dies hat unterschiedlichste Gründe. Die Kultur ist durch viele Touren vor Ort ein Teil ihres Kopfes geworden. Ich selbst mag die Region auch, doch spaltet so manches mein Köpfchen.

Nur einmal gab es einen Ort, welcher mir sozusagen als Alterssitz im Kopf herumspukte. Es war eine Insel. Doch heute denke ich, auch da wäre der Tag gekommen um loszulassen. Neben der Insel wäre auch Australien weiterer Gedanken wert, denn sie ist ja wie für Wandervögel geschaffen.

Anfang Dezember werden wir die Wüsten vom Oman für gut 5 Wochen bereisen. Wir möchten dort einige Sehnsuchtsorte unserer Radeltour beleben. Mit etwas Glück (wenn der Wind günstig steht) trägt der Wind vielleicht den Geruch meiner Lieblingsinsel rüber. Ich denke aber, die muss noch warten, denn der Kopf verweigert mir strikt ans Alter und somit einen Alterssitz zu denken.;-)

Grüße Wi grenzenlos

PS: Übrigens ist die Sendung unterwegs

Chrissa
27.08.2013, 10:56
Wow, wow, und nochmals wow! Vielen Dank für den tollen Reisebericht!
Und die fantastischen Bilder. Da möchte man am liebsten gleich on tour gehen.
Weiter so!

grenzenlos
27.08.2013, 11:23
Wow, wow, und nochmals wow! Vielen Dank für den tollen Reisebericht!
Und die fantastischen Bilder. Da möchte man am liebsten gleich on tour gehen.
Weiter so!

Danke, werde mir Mühe geben.

Julia
27.08.2013, 11:42
Nur einmal gab es einen Ort, welcher mir sozusagen als Alterssitz im Kopf herumspukte. Es war eine Insel [...] Mit etwas Glück (wenn der Wind günstig steht) trägt der Wind vielleicht den Geruch meiner Lieblingsinsel rüber.
Da ich ja in Eurem Blog schon vorgelesen habe, dachte ich mir das schon fast ;-).


Ich denke aber, die muss noch warten, denn der Kopf verweigert mir strikt ans Alter und somit einen Alterssitz zu denken.;-)
Ich dachte aber nicht unbedingt (nur) als Alterswohnsitz, sondern auch ggf. schon jetzt, zum Leben (und Arbeiten).

Also, anders gefragt: Hat es Euch irgendwo mal verlockt, die Tour abzubrechen und Euch dort niederzulassen (wenn es praktisch möglich gewesen wäre)? Oder wart Ihr immer fest entschlossen, nach D zurückzuradeln, egal was kommt?

Ich bin halt auch so jemand, der gerne überallhinfahren würde, ein Wandervogel eben, wie Du sagst. Aber ich würde - am liebsten - beim nächsten Mal nicht wieder aus Australien wegmüssen, und aus Norwegen übrigens auch nicht. Aber das hab ich eigentlich erst festgestellt, als ich (für längerfristig bzw. immer?) hier war, auch wenn es mir vorher schon auf vielen Reisen ausnehmend gut gefallen hat. Ich habe seit 15 Jahren nicht einmal Heimweh nach D gehabt, aber Heimweh nach Australien schon ;-). Aber das hatten wir ja schon...

Sonnige Grüße aus dem Norden
Julia


PS: Übrigens ist die Sendung unterwegs. Bin seeeeeehr gespannt ;-)!!

grenzenlos
27.08.2013, 13:44
Weltradeltour weiter mit
Brasilien (2)

Im Norden von Brasilien ist es für uns wirklich angenehmer, stellen wir gemeinsam fest. Tausend Kilometer Küste, hunderte Kilometer Strandradeln, tausend Kilometer Zuckerrohr, tausend Kilometer Dschungel, tausend Kilometer Pampa und tausend Kilometer Freundlichkeit, scherze ich. Dabei blicken wir in Belem (hier trifft der Amazonas aufs Meer) auf den Amazonas.
Die letzten Wochen von Rio bis zum Amazonas bleiben unvergessen. Besonders prägend war wieder die Strandradelei.

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Strandradeln vom feinsten

Unvergessen bleiben auch all die netten Küstenorte. Bilderbuchansichten machen sich da sehr breit.

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Bilderbuchansichten an der Küste

Speziell in Rio hat uns der Unterschied von Arm und Reich mächtig irritiert. Im Norden ist vieles sozial verträglicher für unsere Köpfe.
Wir wollen weiter nach Manaus. Natürlich ist hier nichts mit Radeln. Wir brauchen ein Schiff.
Das Amazonasgebiet sprengt alle Vorstellungen. Halb Europa passt hier spielend rein. 3600 Flusskilometer bringt uns der Seelenverkäuferkahn stromaufwärts. Die Bewegungsfreiheit während der 6 Bootstage ist ziemlich eingeschränkt.

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Hängemattenabteil im Seelenverkäuferbauch

Die Freizeitkulisse bildet halt in diesem Fall der Fluss, der so berühmte Amazonas. Man stellt schnell fest, der Fluss an sich ist allemal so manches Übelchen wert. So verbringen wir viele, viele Stunden an Deck und schauen in die Landschaft. Neben dieser täglichen Abwechslung gibt es bis Manaus sechs Zwischenstopps. Allerdings ist es uns nur ein Mal möglich, für 3 Stunden von Bord zu huschen. In dieser Spring-von-Bord-Ortschaft steigen ein Großteil der Goldsucher und weitere Männer mit Adlerblick aus. Es sind meist recht zwielichtige Gestalten. Ein Teil der Särge könnte hier eigentlich mit von Bord genommen werden, denn die Sterbe- und Mordrate ist in diesem Gebiet ausgesprochen hoch, flüstere ich Gi zu.

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10 Särge waren mit an Bord.

Zwei Drittel der der Tour liegen da bereits hinter uns. Und genau in dieser Ortschaft steigen dann auch keine Damen vom horizontalen Gewerbe mehr zu. Es lohnt sich einfach nicht mehr. Die Goldjungs und Adlerblickjungs sind ja von Bord.
Von Manaus aus erforschen wir für einige Tage den Dschungel an einem Nebenarm des Amazonas.
Ein Indianer ist uns dabei behilflich. Er zeigt uns die Schönheiten und Gefahren der ``Grünen Hölle``.
Wir leben für Tage am Fluss.

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Tage am Fluss

Wir sind begeistert, denn unser Dschungelführer ist ein absoluter Glücksgriff. Wir lernen unheimlich viel.
Ist die Spinne giftig?

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Ja sie ist giftig.

Wo gibt es sauberes Trinkwasser? In ganz bestimmten Lianen ist reichlich sauberes und kühles Trinkwasser, ist die Antwort. Wie funktioniert das? Einfach mit der Machete einen halben Meter absäbeln und trinken.

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Einfach absäbeln und trinken.

Georg ist sein Name. Ein komischer Name für einen Indianer. Ist uns aber egal, denn Georg ist genial. So nebenbei spricht er auch 7 Sprachen. Er zeigt uns den Wasserfilter in den Lianen.

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Natürlicher Wasserfilter

Wir sind begeistert und trinken unheimlich viel Lianenwasser.
Am letzten Abend sitzen wir im Kanu. Georg will uns zeigen, wie man in der Dunkelheit Krokodile mit den Händen fangen kann. Georg schafft alles. Nach nur einer Stunde hält er das erste Kroko in den Händen.

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Georg schafft alles. Danke:p!

Am nächsten Morgen verzichte ich auf mein schon gewohntes Morgenbad im Fluss, denn unsere Tour soll ja weiter gehen.

Doch davon berichte ich dann erst im nächsten Teil.
Bis dahin viele Grüße von Wi + Gi grenzenlos www.grenzenlosabeteuer.de

grenzenlos
27.08.2013, 15:12
Also, anders gefragt: Hat es Euch irgendwo mal verlockt, die Tour abzubrechen und Euch dort niederzulassen (wenn es praktisch möglich gewesen wäre)? Oder wart Ihr immer fest entschlossen, nach D zurückzuradeln, egal was kommt?



Die Vernunft sagte uns, wir müssten mal wieder länger nach Hause. Unsere Mütter waren da schon älter, machten sich natürlich auch immer Sorgen um ihre Wandervögel. Auch lebt unser kleiner Sohn (33) hier. Er übernahm all die Arbeit während wir weg waren. Die Omas betreuen, ist ja oft nicht einfach. Er kümmerte sich auch um unsere Wohnung und, und, und. Irgendwann geht auch die Geldreserve immer weiter runter.
Die Heimkehr (die letzten Monate der Tour) ist besonders Gi schwer gefallen. Tränen über Tränen gab es da manchmal.
Verlockt hat es uns tatsächlich im Jemen. Wir hatten kurz überlegt, im Jemen, auf der Insel oder in den Bergen vom Festland, ein Geschäft aufzubauen für die Zukunft. Was ich aber damals vermutete, es wird keine Zukunft haben im Jemen, hat sich leider in der Zwischenzeit bestätigt. Hatte zum Glück den 7 ten Sinn vorher. Der Jemen ist kein Mustergeschäftsland und mittlerweile ist kaum noch ein Visa erhältlich.
Heute sagen wir zum Glück, denn wir waren noch nicht lange zu Hause, da wurde Gis Mutter schwer krank. Die Zeit der Begleitung war uns sehr wichtig.
Abrechen wollte wir die Tour nie wirklich. Gedanken dazu waren aber durchaus da. Wir hätten auch bei unserem Sohn in Neuseeland bleiben können. Dort mit ins Geschäft einzusteigen wäre einfach gewesen. Nur fehlte uns dort die absolute Liebe zum Land. Wir mögen es sehr, aber wir lieben es nicht.
Es war somit kein Ja und auch kein Nein unterwegs. Dies hatten wir vorher auch so abgesprochen. Wir wollten einfach sehen was da kommt. Wir wussten auch nicht, dass es einmal um die Welt gehen wird. Ein wirklich vorher ernsthaftes Ziel war der Besuch beim Sohn in Neuseeland. Das wollten wir unbedingt schaffen.
Auch wenn mir bewusst ist, dass Deutschland mein eigentliches Heimatland ist, so empfinde ich als meine wirkliche Heimat etwas ganz anderes. Sehnsucht und komischerweise auch Heimweh sind auf andere Gebiete dieser Welt verteilt. Deutschland ist für uns das Sprungbrett für hoffentlich weitere Reisen, eventuell dann auch die erfolgreiche Sprungbrettsuche nach einem festen Platz bei einen eventuellen Reiseabbruch.
Ich kann deine Gedanken zum Heimweh echt verstehen. Heimat ist für mich da, wo ich mich sehr wohl fühle.
Für mich ist nur oft das Problem, unterwegs fühle ich mich sehr oft sehr wohl. Für die Wohlfühlheimat konnte ich mich noch nicht entscheiden.;-)

Grüße in den sonnigen Norden
Wi

Stippvisite
27.08.2013, 15:20
5sterne

Ich verfolge den Thread ja schon etwas länger und denke, es wird Zeit mal Danke dafür zu sagen, dass du uns an eurer eindrücklichen Reise rund um die Welt hier teilnehmen lässt.

Freue mich schon auf die Fortsetzung :D

grenzenlos
28.08.2013, 07:36
5sterne

Freue mich schon auf die Fortsetzung :D

Danke. Dauert halt immer etwas!
Schöne Grüße in die Schweiz! ;-)

grenzenlos
28.08.2013, 09:04
Weltradeltour weiter mit

Panama

Panama-Stadt hatten wir uns nicht so modern vorgestellt.

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anders vorgestellt

Wir nächtigen während unserer Tage in Panama-Stadt natürlich nicht im modernen Centrum. Wie üblich in Großstädten suchen wir ein billiges Quartier in der Altstadt. Volltreffer!
Unser Hotel ist da älteste der Stadt. Es hat gut 95 Jahre in den Mauern und entstand zu Zeiten des Kanalbaus. Es gibt einen schönen Innenhof mit Brunnen.
Doch aus den goldigen Wasserhähnen fließt schon lange kein Tropfen mehr.
Dafür ist unsere Aussicht auf unsere Gasse umso interessanter. Holzhaus drängt sich da an Holzhaus. Es ist noch immer ein Viertel der Armen.

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Unsere Gasse

Als wir das Viertel nach Tagen radelnd verlassen wollen, schaffen wir nur einen Straßenzug. Ein Polizeiauto versperrt uns den Weg. Wo wollt ihr hin, werden wir gefragt. Zur Panamericana.
Nach nur 2 Kilometer sind wir auf deren Asphalt. Das Polizeiauto begleitet uns im ersten Gang. Durchs offene Fenster schaut dabei die Mündung einer Maschinenpistole. Wir sollen aufpassen, wird uns gesagt. Gi macht sich leichte Sorgen.
Am Stadtausgang überqueren wir die Brücke an der Kanalausfahrt. Dort erwartet uns eine Straßensperre. Die vermummten Kerle sind filmreif bewaffnet. Sie kontrollieren gerade einen schäbigen Bus. Dabei sind sie nicht zimperlich. Die Lautstärke ihrer Befehle wirken verwirrend auf uns. Wenig später sind wir allein auf der Panamericana.

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Die berühmt-berüchtigte

Gi hat ihre Sprache wiedererlangt. Ich habe kein gutes Gefühl, sagt sie. Ich will sie beruhigen. Die Panamericana ist die Hauptschmuggelroute für allerlei Trogen. Die Kerle tun nur ihren Job. Sie sehen zwar nicht unbedingt so aus, doch sicherlich sind es nette Burschen, zumindest meistens…
Ich denke, Panama ist in Wirklichkeit ganz anders. Meine Gefühle sind gut.
Die nächsten Tage geben mir Recht. Und so, wie ich zum Glück Recht behalte, so ändern sich auch Gis Gefühle zu diesem Land. Viele Tage flitzen wir auf der berühmt-berüchtigten Straße entlang. Keine Bewaffneten und auch kein Berg versperren uns den Weg. Es lässt sich prima radeln. So schaffen wir an manchen Tagen um die 100 km. Dabei machen wir noch Abstecher zum Pazifik für längere Pausen. Jeden aber auch wirklich jeden Nachmittag fängt es zu regnen an. Wir schlafen an der Strecke im Zelt, in netten kleinen Hotels, auf dem Grundstück einer Kirche und finden sogar einen Campingplatz.
Manchmal suchen wir uns auch einen Platz im Dschungel.

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Lagerplatzsuche

Ideal ist es immer, wenn ein Fluss in der Nähe ist. Flüsse benutzen wir immer für Pausen, zur Abkühlung und Körperpflege.

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Flusspause

Die Strecke bis zur Grenze überrascht uns immer wieder mit viel Dschungelgrün.

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Dschungelgrün am Straßenrand

So manche Blume gleicht einem Wunder.

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Blütenwunder

Überaus fasziniert sind wir von der Farbenpracht der Tukane.

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Tukan

Nach knapp zwei Wochen warten wir geschlagene 2 Stunden auf unsere Ausreisestempel. Was wir da noch nicht wissen, unser nächstes Radelland wird ein ganz besonderes für uns werden.

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Die Grenzwarterei wird sich lohnen

Vom herrlichen Costa Rica berichte ich aber erst im nächsten Teil.

Bis dahin viele Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de (http://www.grenzenlosabenteuer.de)

Stippvisite
28.08.2013, 10:05
Dauert halt immer etwas!
Kein Problem. 4 Jahren sollte man auch eine entsprechende Erzählzeit zugestehen ;-)



Schöne Grüße in die Schweiz! ;-)
Danke zurück ins Dütsche :D

Julia
28.08.2013, 11:09
Vom herrlichen Costa Rica berichte ich aber erst im nächsten Teil.
Ich freu mich drauf!

grenzenlos
28.08.2013, 14:06
Weltradeltour weiter mit
Costa Rica

Costa wird für uns ein Naturleckerbissen. Schon die kleine Denise zeigt uns am ersten Tag ihren weitläufigen Dschungelgarten. Zum Abschied zeigt sie uns noch was ganz besonderes. Sie hat zwei Hundeföten für die Ewigkeit aufbewahrt. Denis strahlt dabei unendlich viel Kinderstolz aus.

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Kinderstolz

Uns sind natürlich lebende Tiere trotzdem lieber. Wir radeln entlang der Westküste immer Richtung Norden. Wir merken sehr schnell, das wird ein gutes Radelland. Tage verbringen wir am Meer. Noch nie haben wir so viele Papageien gesehen. Sie begleiten uns in Schwärmen. Genau wie wir scheinen sie das Meer zu lieben. Zwischen sehr viel Wasser halten wir es sehr lange aus.

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zwischen sehr viel Wasser halten wir ...

An einzelnen Flussläufen treffen wir immer wieder auf Krokos. Aus sicherer Entfernung bestaunen wir die Urgetüme. Über 5 Meter sind sie lang. Stunden kann ich sie beobachten ohne Langweile. Gi lässt mich leider, oder vielleicht auch zum Glück, nicht näher ran, denn das Flussufer ist oft sehr schlammig und somit eine echte Gefahr.

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Die Krokos zeigen uns den Weg

Die Krokos zeigen uns den Weg zum nächsten Ziel. Flussaufwärts geht es in die Berge. Tage später erblicken wir den Arenal. Den aktivsten Vulkan im Land, den Arenal, wollen wir unbedingt anradeln. Er ist 1670 Meter hoch. Seit 1968 fließt regelmäßig Lava von seinen Hängen ins Tal. Der Weg dorthin ist mühsam, denn über 1100 Höhenmeter müssen wir bis zu seinem Fuß pedalen. Wenn Pisten geradelt werden, ist eine Großreinigung am Abend Pflicht.

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Großreinigung angesagt

Überqueren wir jedoch kleine Bäche, dann ist die Reinigung der Radel ein Kinderspiel. Und selbst fühlen wir uns da auch oft wie Kinder, einfach Kinderwohl.

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Kinderspiel

Wir selbst baden oft bei heißen Quellen. Diese gibt es entlang der Strecke sehr reichlich. Den Eintritt in die teuren Thermalbäder sparen wir uns, denn so mancher Bach und Flüsschen wird von den Quellen gespeist. Dort baden die Einheimischen und natürlich auch wir sehr freudig kostenlos. Man muss die Stellen halt nur finden.
In der Nähe vom Vulkan gönnen wir uns Luxus. Wir mieten ein Traumzimmer mit Aussicht.

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Traumzimmer! Echt gut auch mal ohne Zelt.

Die Gegend um den Vulkan ist einzigartig schön. Wir verlieben uns regelrecht ins viele Grün mit all seinen wunderbaren Rätzeln.

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Wir verlieben uns regelrecht ins viele Grün....

Wanderung folgt auf Wanderung. Und jede Wanderung lässt uns staunen.

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Jede Wanderung lässt uns staunen.

Über all diese Schönheiten ragt der erhabene Vulkanberg. Wir können uns nicht satt sehen.

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Wir können uns nicht satt sehen!

Unser Radelmonat in Costa ist leider bald um. 3 Tagesetappen brauchen wir bis in die Hauptstadt San Jose. Doch bevor uns die Hauptstadt schluckt, besuchen wir noch den Hausvulkan der Hauptstadt. Hier qualmt es uns mächtig um die Ohren.

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Hausvulkan der Hauptstadt

Der Vulkan selbst schluckt uns nicht. Wir freuen uns darüber, denn Kuba soll unser nächstes Radelziel werden.
Costa selbst wird eines unserer Lieblingsländer. Ein Monat und um die 1000 Radelkilometer waren uns fast zu wenig. Ein Wiedersehen treibt uns schon lange um.

PS: Costa ist wirklich echt schön. Naturleckerbissen erster Güte! Speziell auch für Wanderer sehr zu empfehlen!
Nächste Woche können wir dann zusammen in Kuba eine Radelrunde drehen. Es gibt für euch dabei garantiert keinen Muskelkater.

Bis dahin noch schöne Woche,

Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de

grenzenlos
03.09.2013, 07:43
Weltradeltour weiter mit

Kuba

Fidel Castro, Schweinebucht, Zigarren, Trauminsel, Kalter Krieg, Palmen und Che Guevara, spukt es mir bei den Gedanken zu Kuba ständig in meinen Kopf herum.
Wir beziehen für 3 Tage das Hotel Lincoln. Es wurde 1926 als zweites Hotel in Havanna erbaut. Zwischen Frühstück und Abendbrot erkunden wir die berühmte Stadt.
Woran mag es liegen, dass die Menschen hier so wenig lächeln, fragt mich Gi. Erst viel später finden wir darauf eine Antwort.
Im Altstadtviertel treffen wir täglich den Rotsternzigarrenmann. Auch er lächelt nie.

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Auch er lächelte nie.

Er wünscht uns aber viel Freude für unsere Radelrundtour auf Kuba. Die Freude vergeht uns die ersten Radeltage, denn es macht uns absolut Mühe die so notwendigen Kalorien in Form von Nahrung aufzutreiben. Die Tropeninsel scheint kein Nahrungsmittelpardies zu sein. Wir halten ständig Ausschau nach irgendwelchen Läden.

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Wir halten ständig Ausschau

Doch schnell begreifen wir, da wo eine Schlange Menschen steht, da ist auch ein Laden. Zum Glück gibt es dann wirklich immer irgendwas. Irgendwas ist in der Regel Brot, Zucker, Mehl, Reis, Bohnen, Zigaretten und sonderbarerweise immer reichlich Schnaps. Für uns ein zusätzliches Problem, was verkauft man uns denn außer Brot von den Leckereien? Sofern man uns dann - von Laden zu Laden recht unterschiedlich - etwas ohne Bezugsschein (viele Sachen gibt es nur auf Bezugsschein) verkauft, ist es zumindest unheimlich billig. Wir gewöhnen uns Häppchenweise an den real existierenden Sozialismus.

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Reiter am Dorfladen

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Leere Regale sind normal.

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Freude über jedes Brot.

Auf unsere knapp 1000 Radelkilometer lernen wir aber auch die Schönheiten der Insel kennen. Diese sind hauptsächlich in der Nähe von den Touristenhochburgen gruppiert. Noch nie haben wir so unterschiedliches Meeresblau erlebt. Die Strände sind genial. Auch schimpft dort kein Tourist über Nahrungsmittelknappheit. Fidels Urlauberwirtschaftspolitik sei‘s gedankt.

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Unterschiedliches Meeresblau

Von der Nordküste zur Südküste überqueren wir wildromantische Berglandschaften. In dieser Gegend sind Tiere oftmals das einzige Transportmittel.

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Tiermaschinen

Was uns noch auffällt? Auch wenn die Menschen in den Bergdörfern oft noch ärmer dran sind, sie lächeln weit öfter als die Städter. Dies tut uns gut. So manche Freundschaft schließen wir dabei. Auf so manchem Grundstück dürfen wir unser Zelt aufschlagen.

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Pioniere bringen uns Morgenkaffee :p

An einem Morgen bringen uns sogar Pioniere den Morgenkaffee ans Zelt. Wir sind nur noch gerührt.
Wir vergleichen Kuba immer wieder mit der ehemaligen DDR. Wir stellen schnell fest, die Ehemalige war ein Mercedes, Kuba im Vergleich dazu ein uralter Trabant.
Gedankenversunken treffen wir wieder in Havanna ein. So mancher Oldtimer kreuzt dabei unseren Radelweg.

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Oldtimer

Vom Lincoln schauen wir wieder über die Stadt. Kuba war irgendwie gestrig spannend.

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War Kuba nun ein Karibiktraum?

Ich frage Gi, war Kuba nun ein Karibiktraum?
,,Eine tropische Insel, auf der es für die eigenen Bewohner kein Obst gibt, ist ein Alptraum. Für einen Pauschaltouristen, der die wenigen Früchte im Hotel vorgesetzt bekommt, das herrlich blaue Meer sorglos genießen kann und von Brotmarken und Milchrationen nichts erfährt, für den kann Kuba ein Karibiktraum sein.‘‘ Dabei blättert Gi in einer der Hochglanzbroschüren. Fröhliche Kubaner lächeln uns daraus an.

Wir fliegen rüber nach Afrika. Es wird unser nächster Radelkontinent. Wir freuen uns auf Afrika. Was wird uns, der unter Radlern so bekannte, härteste Kontinent bringen? Davon berichte ich im nächsten Teil.

Bis dahin viele Grüße
Von wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de

grenzenlos
06.09.2013, 08:56
Weltradeltour weiter mit

Ägypten

In Kairo besorgen wir uns neue Pässe. Unsere sind randvoll. Randvoll in randleer umzuwandeln, kostet Zeit, Nerven und viel, viel Geld. So lernen wir aber ausgiebig Kairo kennen. Wir riechen in viele Armutsecken und beradeln auch zwangsweise immer wieder die Viertel der Reichen, denn da befindet sich natürlich auch die Botschaft zur Neupasserlangung. Eine gute Woche dauert der Hürdenlauf zwischen Arm und Reich.

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Reiches Kairo

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Armes Kairo

Nach gut 2 Wochen pedalen wir endlich auf dem löchrigen Teerband in die Wüste. Das wüste Teerband soll uns bis Luxor den Weg weisen.
Wir lieben die Wüste. Zu unserer Liebe gehört aber auch die Demut. Nur damit, mit Liebe und auch Hingabe zu diesen ungewöhnlichen und starken Landschaftsformen, ist solch ein Vorhaben überhaupt machbar. 21 Tage Wüstenradeln und Wüstenschieben liegen vor uns.

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Liebe und Demut gehören zum Wüstenschieben

1500 Kilometer liegen vor uns. Logistisch ist die Strecke nicht unbedingt leicht, doch durchaus erlebenswert, denn einige Oasen, teilweise sogar mit heißen Quellen gesegnet, liegen recht gut verteilt am langen Weg. Nur zwei Mal sind um die 250 Kilometer ohne jegliche Ansiedlung zu überbrücken.

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Liebe und Demut gehören zum Wüstenradeln

Es ist Januar, somit in den Nächten Wüstenkalt. Doch Gi hat eine wärmende Idee. Sie erfindet die Gi-Zeltbodenheizung. Den Beduinen gleich, nutzen wir die Wärme unserer Feuerstellen. Die Feuerstelle wird mit viel Sand abgedeckt und darauf kommt immer unser Zelt. Nach anfänglichen Problemchen funktioniert die Zeltbodenheizung genial.

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Vorbereitung für die Zeltbodenheizung

Wir durchradeln die ,,Schwarze Wüste‘‘. Doch der absolute Hammer ist für uns die ,,Weiße Wüste‘‘. Wir schweben da regelrecht in die Schneewittchensenke, beradeln mit viel Anmut das helle Tuch der Schönen und erreichen nach unzähligen Kilometern den Höhepunkt in dieser ,,Weißen Wüste‘‘. Es sind bizarre Gebilde aus weißem Kalkstein. Die von Wind, Sturm und seltenem Regen geformten Schönheiten wirken wie überdimensionierte Regenschirme, Steinpilze oder Fabelwesen. Wir sind einfach nur noch happy.

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Happy in der ,,Weißen Wüste''

Nach Wochen von Anstrengungen und Glücksgefühlen ist Luxor greifbar. Es wird auch Zeit, denn Gi braucht unbedingt neue Schühchen und die Räder verlangen nach neuem Flickzeug gegen die vielen Dornen am Wegesrand.

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Gi braucht Schühchen

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Dornen am Wegesrand

In Luxor erhandeln wir zwei Tickets für ein Boot bis Aswan.
Tage später bekommen wir – wir sind fast geschockt – nach wirklich nur 15 Minuten unsere Visa im Sudanesischen Konsulat von Aswan in unsere jungfräulichen Pässe gestempelt.
Doch noch fünf weitere Tage müssen wir auf die Fähre über den Nassersee warten. Aswan macht uns die Warterei aber sehr leicht. Fünf Tage wandern oder pedalen wir durch die herrliche Gegend.

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Wandern um Aswan

Nach fast 2 Monaten in Ägypten bekommen wir unser Abschiedsgeschenk. Von der Fähre aus bestaunen wir in den Morgenstunden Abu Simbel.

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Abschiedsgeschenk Abu Simbel

Vier Stunden später legt unser Boot in Wadi Halfa an. Wir sind unheimlich aufgeregt, denn im Sudan waren wir noch nie. Von einigen Sudaneindrücken berichte ich aber erst im nächsten Teil. ;-)
Bis dahin viele Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de

grenzenlos
11.09.2013, 13:16
Weltradtour weiter mit

Sudan

Was uns immer wieder überrascht, ist die meist plötzliche Andersartigkeit um uns herum beim Passieren einer Landesgrenze. Die Menschen sind anders, die Ortschaften sind anders, das Essen ist anders – und dies alles geschieht binnen weniger Augenblicke. Etwas liegt hinter uns, etwas völlig anderes liegt vor uns.
Der Grenzort Wadi Halfa wirkt verschlafen. Unsere Absteige für die erste Nacht im Sudan ist sehr einfach. Sandboden im Zimmer und Waschwasser wird aus einem ehemaligen Ölfass geschöpft. Das Trinkwasser befindet sich in schön geformten Tonkrügen. Die Decke ist ein Strohdach mit kleinen Blicköffnungen zum Himmel. Die Menschen in Wadi Halfa sind ruhige Gesellen, freundlich, noch nicht massentourismusversaut und sie lächeln uns aus sehr dunklen Gesichtern an. Wir genießen wie so oft den Zeitsprung in die Andersartigkeit.

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Zeitsprung in die Andersartigkeit

Über 1200 Kilometer liegen vor uns. Füllt immer Wasser nach! Die Wüste ist kein Brunnen. Vergesst das nicht, wird uns zum Abschied gesagt.

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Wir bunkern Trinkwasser

Die ersten 400 Kilometer pedalen wir bis Dunqula meist am Nil entlang durch die Nubische Wüste.

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Am Nil entlang

Es gibt nur wenige Oasen. In jeder besorgen wir uns aber Wasser und was zum Essen. Begeistert sind wir von den oftmals bunt bemalten Nubienhäusern.

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Nubienhaus

In den Gärten der Oasenbewohner entdecken wir manch prächtige Blüten.

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Manch prächtige Blüte sehen wir

Viele Tage später pedalen wir durch die Bayada Wüste. Hier haben wir ein echtes Wasserproblem. Erst hunderte Kilometer weiter stoßen wir wieder auf den Nil. Manchmal stehen Tonkrüge an der Wüstenstrecke. Oft zeigen uns Kinder den Weg zu den Wasserstellen.

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Oft helfen uns die Kinder

Sie sind im Notfall für die wenigen LKWs an der Strecke gedacht. An jeder dieser Wüstenraststätten füllen wir unsere Flaschen auf.

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Wüstenraststätte

Wir haben weder einen Wasserfilter noch Entkeimungstabletten. Und somit die Sorge, dass uns die Bilharziose beglücken könnte. Über 50 Prozent der Nilanwohner leiden unter dieser unangenehmen Wurmerkrankung. Um uns Sicherheit zu vermitteln, kochen wir das Wasser an langen Wüstenabenden ab und immer spiele ich filmreif dabei den Vorkoster.
Auch wenn mancher Wüstentag hart ist, das Radeln durch die Wüste bereitet uns sehr viel Freude. Ca. 400 Kilometer vor Khartum treffen wir wieder auf den Nil. In den Dörfern sind oft ausgestopfte Krokodile zu sehen.

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Ausgestopftes Warnkroko

Sie dienen zur Warnung für die Kinder, denn oft greifen die Krokos Kinder an. In Karthum erleben wir solch ein Drama. In der Nacht wird ein Mörderkroko auf den Camping gebracht. Das Kroko hat ein Kind getötet. Damit die Seele der Getöteten seinen Weg findet, werden die Mörderkrokos nach Möglichkeit erlegt.
Es ist fast vier Meter lang und hat am Kopf ein Einschussloch. Gi hilft den Krokometzgern beim Zerlegen. Vier Stunden dauert es, bis die wertvolle Haut vom Fleisch getrennt ist.

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Gi hilft bei der Häutung mit.

Die traurige Angelegenheit beschäftigt uns noch lange auf unserm weiteren Weg zur Grenze von Äthiopien. Wir durchqueren eine weitere Wüste. Erst im Grenzgebiet ändert sich die Landschaft. Auch unterscheiden sich die wenigen Ortschaften und Streusiedlungen gewaltig von den nubischen Ansiedlungen auf dem Weg nach Khartum. Die Dörfer hier bestehen aus Rundhütten. Bei Sichtung der ersten Rundhütten keimen Afrika – Kindheitsgedanken in mir auf, denn damals war bei mir für Afrika, im Kopf immer die Rundhütte greifbar. Sozusagen als Abschiedsgeschenk vom Sudan werden wir von Mustafa eingeladen, in einer seiner Rundhütten die Nacht zu verbringen. Wir sind begeistert.

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Unsere Rundhütte kurz vor der Grenze.

Der Sudan war ein echt gutes Radelland für uns. Was wird uns Äthiopien bringen, fragt Gi in der letzten Sudannacht. Keine Ahnung. Das Land ist sehr arm. Wir werden sehen…, ist meine Antwort.

Kurze Einblicke zu Äthiopien folgen im nächsten Teil. ;-)

Bis dahin Grüße von Wi und Gi www.grenzenlosabenteuer.de

Franky66
14.09.2013, 19:55
Was für eine Reise - wow 5sterne !

Ich ziehe meinen imaginären Hut vor Euch !

Die tollen Fotos lassen ein wenig daran teilhaben , wenn auch nur visuell - herzlichen Dank !


Liebe Grüße

Franky

Klappstuhl
14.09.2013, 23:59
Danke und natürlich von mir auch 5sterne für diesen tollen Bericht und Respekt für die "Verwirklichung" eures Traumes/ Wunsches/ Sehnsucht...

Was für ein Erlebnis!

Ich freue mich wenns weitergeht (allerdings hab ich auf dem Blog schon "gespitzelt" :bg:) und alles alles Gute, viel Sand, viele wunderbare Sternenhimmel und tolle Begegnungen im Oman (und danach viel Zeit zum Reiseberichtschreiben :ignore::grins:)

grenzenlos
15.09.2013, 17:14
Danke und natürlich von mir auch 5sterne für diesen tollen Bericht und Respekt für die "Verwirklichung" eures Traumes/ Wunsches/ Sehnsucht...

Was für ein Erlebnis!

Ich freue mich wenns weitergeht (allerdings hab ich auf dem Blog schon "gespitzelt" :bg:) und alles alles Gute, viel Sand, viele wunderbare Sternenhimmel und tolle Begegnungen im Oman (und danach viel Zeit zum Reiseberichtschreiben :ignore::grins:)
Danke für die netten Worte. Habe mir deinen Annapurnabericht rein gezogen! 5sterne
Dort hatte es uns auch besonders gefallen. Prima Berichte in diesem Forum. Nur ein Problem dabei, ständig kommt da Fernweh auf. ;-) Na ja, Oman ist ja schon recht nah.

grenzenlos
16.09.2013, 12:35
Weltradeltour weiter mit

Äthiopien (1)

Jung und Alt rufen uns zu: You, you! Give me money!
Das hören wir ab den ersten äthiopischen Kilometern fast täglich. An manchen Tagen erklingt es hundertfach. Leider fliegen auch manchmal Steine. In Äthiopien erleben wir unseren zweiten Kulturschock auf unserer Radeltour.

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Give me Money!

Bis in die Hauptstadt liegen 700 km vor uns.

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Weiter Weg bis Addis Abeba

Über viele Berge pedalen wir, begleitet von den nervenden Rufen und so manch schöner Landschaft. Nur von den Nilfällen hatten wir etwas mehr Dampf erwartet. ,, Dampfende Wasser‘‘ dampfen zur Zeit nicht. Die ,,Schrumpffälle‘‘ wirken zur Trockenzeit trotzdem irgendwie schön auf uns.

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Die Schrumpffälle

An einem frühen Morgen rollen wir 20 Kilometer bergab. Von über 2000 Meter Höhe bremsen wir uns auf 1000 Meter hinab. Als wir den Nildurchbruch erblicken, machen wir eine längere Pause und genießen von dort aus den Blick in die gigantische Schlucht. Im Canyon ist es feucht und heiß. Es müssen weit über 30 Grad sein. Der Abenteurer Rüdiger Nehberg hat mehrmals hier den Nil befahren. Bei einer seiner Niltouren wurde seine Gruppe von einheimischen Räubern überfallen. Einer seiner Freunde wurde dabei tödlich getroffen.
Passt auf euch auf, sagen uns die netten Kaffeefrauen vom Kaffeehüttenstand an der Straße. Viele der Männer da unten sind mit Waffen unterwegs, geben sie uns mit auf den Weg.

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Kaffeebude. Äthiopien hat den besten Kaffee!

Für uns ist der Anstieg auf der anderen Schluchtenseite aber ein weit größeres Problem. Bewaffnete Männer treffen wir nicht. Stunden schieben wir die Radel bergauf. Wir nehmen wie so oft Anlauf und nach vielen weiteren Bergen und Tälern, nach Nächten im Zelt oder in Billigunterkünften treffen wir Tage später ziemlich erschöpft in der Hauptstadt Addis Abeba ein.
Noch nie haben wir in einer Hauptstadt so viele Obdachlose, Bettler und Kranke gesehen. Vieles tut uns in der Seele weh.
Es gibt aber zwischen viel Elend auch Besinnliches zu bestaunen. Trotz Armut lächeln uns viele Kinder an. So manche Freundschaft schließen wir da.

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Manche Freundschaft schließen wir.

Nach einem schlechten Start – Gi wird noch in Addis Abeba von einem Minibus angefahren – radeln wir in 9 Tagesetappen 700 km bis Arba Minch. Die Strecke ist recht durchwachsen, doch da wir meinen, Äthiopien nach über einen Radelmonat etwas zu kennen, was uns kopfmäßig unheimlich hilft, nehmen wir vieles gelassener. Die Steine werfenden Kinder versuche ich auf Distanz zu halten. Das Pistenradeln geht aber unheimlich an die Substanz. Hunderte Kilometer Piste liegen noch vor uns.

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Piste, Piste, Piste!

Die körperliche Belastung ist enorm. Abwechslung der guten Art finden wir in der unglaublich schönen Tierwelt. Wir sehen unsere ersten Nilpferde in freier Natur. Doch auch die Kleintierwelt bezaubert uns im Grabenbruchgebiet (Rift Valley). Fast täglich beobachten wir den Bienenfresser. Am Zwaysee sichten wir unsere ersten Pelikane.

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Äthiopisches Farbenspiel

Auch wenn wir täglich aufs Neue hoffen, ab Arba Minch gibt es keinen Teerbelag auf den Straßen mehr. Schließlich verschwinden auch die Strommasten. In dieser stromlosen Gegend treffen wir auf die ersten Volksstämme. Es gibt keine ,,You, you‘‘ Rufer mehr und es fliegen auch keine Steine mehr. Wir genießen die vielfältige Andersartigkeit der Stämme.

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Wir treffen auf die ersten Volksstämme.

Erst in Turmi, 80 km vor dem Grenzort Omorate, ändert sich wieder einiges für uns. In Turmi fragt uns der Postenchef ob wir nach Omorate mit den Fahrrädern wollen. Das geht nicht, erklärt er uns sofort.
In der Richtung aus der ihr kommt, sind die Stämme friedlich, die Menschen gut und es gibt keine Probleme. In Richtung Omorate, nur wenige Kilometer weiter, gibt es schon seit Jahren Probleme. Vor zwei Tagen wurden wieder zwei Männer erschossen. Bleibt hier! Nehmt ein Auto, sagt er uns sehr bestimmend.
Wir bleiben, denn was er uns erzählt klingt sehr ernst. Wir hoffen auf ein Auto.

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Sandflohlager in Turmi

Es kommt jedoch kein Auto. Unsere Stimmung sinkt gen null. In der Siedlung gibt es nur Wasser und die gehassten Kekse. Was es aber im Überfluss gibt, raubt uns fast den Verstand. Es sind Sandflöhe. Mit Einbruch der Dunkelheit gesellen sich zu den Sandflöhen dann auch noch zahllose Moskitos. Sie suchen sich zwischen den Sandflohbissen eine freie Einstichstelle. Gi hat es dabei besonders schlimm getroffen.

Ob wir nach Omorate kommen und dort die Grenze nach Kenia überradeln, erzähle ich erst im nächsten Teil.

Bis dahin viele Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de (http://www.grenzenlosabenteuer.de)

grenzenlos
20.09.2013, 06:57
Weltradeltour weiter mit

Äthiopien (2)

Am zweiten Abend im Sandflohdorf schieben wir uns wieder Kekse rein. Dazwischen werden wir uns einig. Egal wie gefährlich die Mörderpiste bis Omorate nun wirklich ist – das halbe Dorf hat uns in der Zwischenzeit seine persönliche Gruselgeschichte dazu erzählt -, bekommen wir bis zum nächsten Morgen keine Mitfahrgelegenheit, radeln wir die Strecke. Ich schaue mir auf meiner rustikalen Karte die Strecke an. Es sind nur ca. 45 Meilen.

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Rustikale Karte

Am nächsten Morgen will es der Postenchef nicht glauben. Wir radeln zügig gen Süden.
Omorate ist für uns die Enttäuschung schlechthin. Es gleicht eher einem Räubernest. Nur die versprochene Dusche kann ich Gi ermöglichen.

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Lagerplatz in Omorate

Ich kaufe dafür 4 Eimer Wasser. Zumindest fühlen wir uns danach sauber.
Bei Viehhütern erfragen wir den Weg zur Grenze. Weitere 80 km sollen es sein.

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Wir fragen nach der Piste
Leider ist der gezeigte Sandweg für uns mit den Fahrrädern nicht machbar. Wir müssen zurück nach Omorate und einen zweiten Weg suchen. Dafür überqueren wir aber erst über den Omoriver. Nach langen Verhandlungen werden wir mit Einbäumen übergesetzt.

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Mit dem Einbaum über den Omoriver

Am anderen Ufer lernen wir zwei Jungs kennen.

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Die Jungs schickt uns der Himmel

Die hat uns der Himmel geschickt. Sie zeigen uns den Weg. Sie zeigen uns auch eine sichere Übernachtungsstelle. Am Fluss wimmelt es von Krokodilen. Der Platz liegt versteckt zwischen Büschen und kleinen Bäumen. Das Ufer hat eine 2 Meter hohe und somit Kroko-sichere Böschung.

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Krokoomoriver

Auf der restlichen Strecke bis zur Grenze flicke ich zwei Löcher. Die Piste ist mit vielen Dornen regelrecht übersäht.

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Auch noch das!

Abgekämpft, aber mit neuer Energie im Leib schieben wir recht schwungvoll unsere Räder in den großen Innenhof der Grenzstation. Nur Minuten später bricht eine Welt für uns zusammen. Man lässt uns nicht über die Grenze. 2 Stunden versuchen wir eine Lösung zu finden. Erst als man uns mit Gefängnis droht, treten wir den Rückzug an.

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Rückzug

Wie zwei geprügelte Hunde verlassen wir den Grenzposten. 600 Kilometer Umweg zum nächsten Grenzposten liegen vor uns. Am nächsten Tag sind wir wieder in Omorate.

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Piste nach Omorate zurück

Die letzten Tage waren nicht unbedingt unsere besten, doch in Omorate beginnt eine ungeahnte Glücksphase. Die ersten 300 km auf der uns schon bekannten Pistenstrecke nimmt uns ein LKW Richtung Norden mit. Im Schutzraum unseres Moskitonetzes verbringen wir auf der Ladefläche die Nacht.

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300 km in 2 Tagen mit LKW zurück

An einer Querpiste radeln wir über 150 km immer östlich um die Straße nach Moyale zu finden. Tage später kommen wir am Grenzposten Moyale total erschöpft an.
2 Monate Äthiopien liegen hinter uns. Äthiopien war kein einfaches Radelland. Den Grenzübergang bei Omorate werden wir nie vergessen, brachte er uns doch so manches ungeahnte Problem. Was wir da noch nicht ahnen, nur gut zwei Jahre später fliegen wir nach Äthiopien zurück. Wir besuchen bestimmte Orte, welche sich bei der Raddurchquerung im Kopf eingebrannt hatten. Es war richtig dies zu tun, denn wir finden auf dieser zweiten Tour unseren Frieden mit Äthiopien. Schönländer sind halt nur schön, Problemländer wollen verstanden werden.
Kenia wird uns neue Abenteuer bringen. Doch davon erzähle ich erst im nächsten Teil etwas.

Bis dahin viele Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de (http://www.grenzenlosabenteuer.de)

grenzenlos
01.10.2013, 08:45
Weltradeltour weiter mit

Kenia

Am Grenzübergang Moyale bekommen wir zum Glück problemlos die Visa für Kenia. Allerdings sind die nächsten 500 Pistenkilometer ein dickes Problem, wird uns erzählt. Mit den Rädern wird es nichts, denn die Piste ist neben schlecht auch Banditenland. Viehdiebe, Stammesfehden, Banden, Verbrecher und vieles mehr, fliegt uns um die Ohren.
Wir nehmen ein Auto. Sicher ist sicher! Omorate war spannend genug, schlage ich Gi vor. Gi nickt sogleich.
Wir werden mit dem LKW-Fahrer zügig handelseinig. Auf die erste Klasse im Fahrerhaus verzichten wir. Wir wählen die Ladefläche. Genau 24 Stunden dauert die Schlaglochpistenfahrt bis Isiola. Unser Problem dabei ist die LKW-Ladung. Es sind schätzungsweise 180 Säcke voll mit Knoblauch. Knoblauchgeschwängert treffen wir in Isiola auf die Teerpiste Richtung Nairobi.

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Knoblauchtransporter

Endlich ist wieder radeln angesagt. Beim Mount Kenia überradeln wir den Äquator auf knapp 2000 Höhenmetern.

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Äquator auf ca. 2000 Höhenmetern

Trotz vieler sozialer Widersprüche gefällt uns Nairobi irgendwie. Tage später erblicken wir die Schilder von 2 Nationalparks. Wir erleben Afrika pur. Herrliche Landschaften und die Tierwelt versüßen uns die Radeltage. Elefanten, Zebras, Giraffen und so manche einfache Unterkunft sind unsere täglichen Begleiter.

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Einfache Unterkunft

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Radeln mit Zebras

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Bestaunt Gi einen Elefantenhaufen?

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Ja, es war einer!

In Mombasa treffen wir nach Monaten endlich wieder auf Ozeanwasser. Bei Tiwi, einer kleinen Ortschaft am Meer, bleiben wir einige Tage. Es sind Tage der Erholung und Entdeckungen. Das Meer ist bezaubernd.

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Tage der Erholung am Ozean

Der Abschied von Tiwi fällt uns nicht leicht, doch nach einem kräftigen Frühstück tun wir, was wir müssen. Wir wollen ja in einigen Tagen an der Grenze zu Tansania sein. Es drängt uns weiter und so kehren wir dem Paradies den Rücken. Letzte schnelle und auch gierige Blicke sollen den Abschied erleichtern.
Doch nur wenige Minuten später schlägt ungeahnte Härte auf uns ein: Auf dem Weg zur Hauptstraße werden wir von vier jungen Kerlen, bewaffnet mit Macheten, überfallen. Das Strandparadies wird zum Alptraum.
Zum Glück haben wir Glück im Unglück. Letztendlich fehlen uns nur 3 Packtaschen. Wir sind körperlich unverletzt. Später erklärt uns die Polizei: Ihr habt Glück gehabt, ihr lebt, habt keine Verletzungen.

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Überfallpiste

Kurz nach dem Überfall waren meine ausgesprochenen Gedanken: ,, Gi, wir werden Kenia und somit auch Afrika so schnell wie möglich verlassen!‘‘
Wenig später waren wir uns aber schnell einig. Ein Überfall kann in allen Ländern passieren. Wir geben uns und Ostafrika eine zweite Change.
Stückchenweise kehrt der fast normale Radelalltag zurück. Doch auch wenn man sich schwört, dass man in Zukunft noch besser aufpasst, ein blödes Gefühl bleibt. Was ich vorher auch nicht gedacht hätte, ich kaufe mir nun selbst eine Waffe. Die Machete platziere ich griffbereit an meiner rechten Vorderradtasche.

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Griffbereit

Vier Tagesetappen bis zur Grenze nach Tansania liegen vor uns. Was uns am ersten Abend nach dem Überfall bewusst wird und uns auch noch lange begleiten wird, wir radeln nicht mehr so unbekümmert durch die Landschaft. Die Ereignisse sitzen zu tief.

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Piste zur Grenze Tansania


Von Tansania erzähle ich aber erst im nächsten Teil einiges.
Bis dahin wünschen Wi + Gi schöne Tage! www.grenzenlosabenteuer.de

grenzenlos
07.10.2013, 09:03
Weltradeltour weiter mit

Tansania

In Tansania treffen wir täglich viele einheimische Radler. Sie pedalen ins nächste Dorf, zum nächsten Markt, zum nächsten Krankenhaus, in die Schule oder transportieren irgendwelche Sachen. Sie haben keine Vergnügungsradel. Alle sind Arbeitsräder.

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Wasserarbeitsrad

An einem Morgen besteigen wir eine Abbruchkante. Auch wenn wir dabei viel schwitzen, wir bereuen die Mühen nicht, denn wir blicken einige hundert Meter in die Tiefe.
Jenseits von Afrika liegt da unter uns, liebe Gi.
Ja herrlich!

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,,Jenseits von Afrika‘‘

Der Ausblick ist gigantisch! Der Fernblick in diese unberührte Weite muss um die hundert Kilometer betragen. Sie hat noch ungestört Platz für den Inbegriff von Afrika. Da unten unter den verspielten Schatten und den goldenen Savannenflecken müssen sich die wilden Tiere befinden. Sie ruhen, ziehen, spielen und jagen. Anders kann es gar nicht sein.
Die Tage und Nächte im Savannengebiet sind abwechslungsreich. Meist schlafen wir im Zelt an verwunschenen Plätzen. Oft leuchten uns dabei Hunderte von Glühwürmchen in den Schlaf.

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Verwunschener Lagerplatz

Viele Tage Tage sind wir bis zum Kilimandscharo unterwegs. Leider ist der schöne Berg immer in Wolken.

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Kili leider immer in Wolken

Doch Abwechslung gibt es an unserer Radelstrecke genug. Wir erleben ,,Jenseits von Afrika‘‘ fast täglich. So manch herrliche Landschaft zieht vorbei. Auch viele Tiere kreuzen unseren Radelweg.

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So manche Tiere….

Doch ,,Jenseits von Afrika‘‘ zeigt uns auch täglich die Schattenseiten der Region. Wir reden mit den Massai am Wegesrand. Ein Hirtenjunge zeigt uns seine Waffen. Er geht in keine Schule. Die Kühe sind wichtiger. Mit den Waffen verteidigt er die große Herde.

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Massaijunge

Ein anderer Junge will uns ein Kaninchen verkaufen. Natürlich würde es prima schmecken, doch der putzigen Kreatur das Fell über die Ohren ziehen, das würden wir einfach nicht fertig bringen. Er hat es im Busch gefangen.

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Er hat es im Busch gefangen

Wir laden den Jungen am Wegesrand zum Essen ein. Uns trennen Welten, doch beim Verspeisen der dicken Marmeladenbrote und dem Genuss des süffigen Tees verschmelzen diese für kurze Augenblicke. Wir fühlen uns dabei alle wohl. Augen leuchten beim Abschied.
Ein anderer Junge zeigt uns seinen ganzen Stolz. Es ist ein Fußball der besonderen Art. Ein Lumpenfußball ist es. Was mir dabei sofort einfällt? Es ist gerade Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Die Fußballmillionäre spielen dort gerade um zweifelhafte Ehre und viel Geld. Die Kinder von Afrika spielen mit ihren Lumpenfußball um Anerkennung und eine zweifelhafte Zukunft.

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Fußballjunge

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Sein ganzer Stolz

In unserer Unterkunft in Arusha erzählt uns eine Engländerin, dass gestern drei Kanadier überfallen wurden. Die Räuber hatten Macheten. Tage vorher trafen wir zwei europäische Fernradler an der Strecke. Sie warnten uns vor der Radelstrecke. Beide wurden überfallen.
Bei unserem Afrikastart in Kairo vor vielen Monaten war uns bereits bewusst, Afrika wird nicht leicht. Bereits damals war uns klar, wir werden von Land zu Land neu entscheiden wie es weiter gehen wird. Ostafrika ist schön. Ostafrika ist aber auch schwierig. Der schwierige Part liegt sicherlich auch an unserer Reiseform. Pauschal wird man meist nur gute Erlebnisse sammeln. Ich kann dazu auch nur ermuntern, denn Afrika kann wirklich unglaublich schön sein.
Da die Zeit ein unheimlich kostbarer Faktor für uns ist, wurde uns in den letzten Wochen aber stückchenweise immer bewusster: Warum sollen wir weiter Länder beradeln, in denen es mit der Sicherheit bei unserer Reiseart ziemlich riskant ist?
Für die Entscheidung, Afrika nach knapp 10 Tausend Radelkilometern zu verlassen, sind letztendlich viele kleine Bausteine verantwortlich.
Wochen später verlassen wir von Nairobi aus Afrika. Wir werden die schönen, doch oft auch anstrengenden Monate, nie vergessen. Was wir Afrika für die Zukunft wünschen?
Wir wünschen

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allen Kindern ein glückliches Leben.

Wie unsere Tour weiter geht, erzähle ich erst im nächsten Teil.
Schöne Zeit bis dahin wünschen,
Wi + Gi www.grenzelosabenteuer.de

grenzenlos
14.10.2013, 09:39
Welttour weiter mit

Sokotra / Jemen

Den Namen der Inselgruppe Sokotra mit ihrer Hauptinsel gleichen Namens kennen wir zwar schon lange, doch eine richtige Vorstellung, was uns da wirklich erwartet, haben wir nicht. Wer würde auch vermuten, dass sie, so nahe an Ostafrika gelegen, zum Jemen gehört? Sie befindet sich nur gut 100 Kilometer vor der somalischen Piratenküste und ist vom eigentlichen Mutterland fast 300 Kilometer entfernt. Auf 100 mal 50 Kilometern Inselfläche leben keine 50 000 Menschen. Die Einwohner versuchen irgendwie zu überleben, den Monsunen zu trotzen und sie ernähren sich hauptsächlich vom Fischfang.
Da die Insel recht klein ist, erkunden wir sie zu Fuß. Wir schultern unsere Rucksäcke und sind nur noch gespannt was uns erwartet.

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Wir schultern unsere Rucksäcke

Im Schutz von Bergen liegt der Hauptort Hadibu. Kleine Häuser ziehen sich entlang der Hauptstraße oder ducken sich versteckt in Palmenhainen am weiten Strand.

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Kleine Häuser ziehen sich…

Wir verbringen viele Tage in den Bergen. Oft brennt unser verräterisches Feuer noch bis weit in die Nacht zwischen den Felsbrocken. Die Orte zu finden, war schwierig, denn Stein streitet sich hier mit Stein um genügend Platz. Wir sind aber nicht böse mit dem Berg, mit den Steinen, denn einen Schlafplatz finden wir immer.

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Hängemattenbergschlafplatz

Jeden Morgen ereilt uns dichter Nebel. Er zieht geschwind den Berg herauf. Nur Stunden später strahlen die benetzten Drachenblutbäume in voller Sonnenpracht.

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Drachenblutbaum

Hunger treibt uns immer wieder runter ans Meer, denn Fisch gibt es hier im ewigen Meeresblau noch reichlich. Mit etwas Glück kann man Fische noch mit den Händen greifen.

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Handfangfisch

Wir sind begeistert von den Stränden auf unseren Entdeckungstouren entlang der wildromantischen Küste. So manchen Paradiesstrand finden wir.

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Paradiesstrand

Wo es uns besonders gefällt, bauen wir unser Zelt auf. An einem Strand, wir nennen ihn den ,,Muschelstrand‘‘, umbaut Gi unsere Zeltfestung mit tellergroßen Muscheln. Zwei Stunden schleppt sie diese dafür heran, platziert sie als Hauseingang, als Kochbereich, als unsere Grundstücksgrenze und als gewünschten Vorgarten.

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Zeltfestung
Die kleinen Brüder und Schwestern der großen Muscheln sind viel farbenfroher und dienen zum Verzieren der Zwischenräume unserer Muschelvilla im Sand.

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Die Brüder und Schwestern

Die Ruhe, die Friedfertigkeit, die angenehme Sorglosigkeit, das Brot, das gute Wasser und viele wohlschmeckende Fische produzieren neue Kraft, geben Energie und sorgen so für die Auffrischung der in Ostafrika völlig verbrauchten Reserven (wog da nur noch 64 kg).
So vergehen die Tage in absoluter Friedfertigkeit – mit der erfolgreichen Suche nach neuen Sand-Wasser-Übernachtungsplätzen, dem Erkunden der Inselschönheiten und den Überlegungen zu den armen und doch so freundlichen und hilfsbereiten Inselbewohnern. Alle sind irgendwie gleich: gleich arm, gleich lieb und warmherzig.

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Gleich arm, gleich lieb und warmherzig

Unsere Herzen freuen sich unendlich über die Menschen. Nach Ostafrika ist Sokotra wie eine Erholungskur für unsere Seele. Lange überlegen wir, lange reden wir darüber warum hier alles so anders ist?
,, Es liegt sicherlich ein wenig an der Religion, aber auch an der Abgeschiedenheit der Insel und sicher ein wenig an der touristischen Unberührtheit. Doch es muss noch etwas anderes geben Gi? ‘‘
Gi findet recht schnell eine plausible Antwort.
,, Wi, ich glaube, ich weiß woran es liegt! Hier auf Sokotra fehlt der Gegenspieler der Armut-der Reichtum. ‘‘
Wir müssen leider weiter. Doch Sokotra werden wir nie vergessen, es war einfach nur schön. Wie so oft zeigt uns die Sonne die Richtung. Im Norden liegt der Oman.

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Im Norden liegt der Oman

Wir wollen auf unserer Rücktour nochmals das ,,Leere Viertel‘‘ durchradeln. Wir lieben die Wüsten, deshalb fällt uns der Abschied letztendlich etwas leichter.
Ob wir die tausend Wüstenkilometer nochmals ohne große Probleme schaffen, verrate ich aber erst im nächsten Teil.

Bis dahin viele Grüße von Wi und Gi www.grenzenlosabenteuer.de (http://www.grenzenlosabenteuer.de)

Julia
14.10.2013, 11:52
Ihr seid unglaublich :D. Das Muschelheim und der Strand sehen toll aus.

grenzenlos
17.10.2013, 10:02
Ihr seid unglaublich :D. Das Muschelheim und der Strand sehen toll aus.
Die Insel war echt unglaublich. Ist nun unsere Lieblingsinsel!:D

grenzenlos
21.10.2013, 09:58
Weltradeltour weiter mit

Oman

Einen großen Teil der omanischen 1143 Wüstenradelkilometer pedalen wir durch das uns bereits gut bekannte ,,Leere Viertel‘‘. Diesmal nur halt in die entgegengesetzte Richtung bis an die Grenze der Vereinigten Arabischen Emirate. Dem Oman mögen wir sehr gut leiden. Wüsten lieben wir und der uns bestens bekannte Wüstenabschnitt ist wegen unserer Vorkenntnisse geradezu ein Vergnügen, denn uns sind ideale Lagerplätze und auch die so wichtigen Versorgungsstellen noch in bester Erinnerung. Somit können wir beim zweiten Radelversuch durch das ,,Leere Viertel'' vieles weit besser eintakten.
An den langen verwunschenen Stränden von Salalah finden wir viel Muße und können uns kopfmäßig vorbereiten.

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Puderzuckerstrand Salalah

Ab Salalah müssen wir diesmal leider bis zum Beginn der eigentlichen Wüstenstrecke fast 1000 Höhenmeter erradeln und erschieben.

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1000 Meter hoch Richtung Muskat

Kurz hinter Salalah bekomme ich die letzte Abkühlung. Das Wasserauto ist wie bestellt. Die Wasserautobesatzung (es sind alles Inder) und natürlich wir haben unendlich Spaß.

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Kommt wie gerufen!

Auf der Höhe beginnt dann die pure Leere der gleichnamigen Wüstenlandschaft. Bis diese sich wieder mit etwas Leben füllt, brauchen wir elf Tagesradeletappen. Die elf Tage im ,,Leeren Viertel‘‘ sind auch diesmal für uns nicht leer. Die Zeit ist angefüllt mit Wüstenschönheit, Wüstenstille, Wüstennächten, Wüstenromantik, auch Wüstenanstrengungen, verschwitzten Tagen, Essen mit Feinsandeinlage, manchmal auch mit durstigen Kehlen.

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Die Zeit ist angefüllt mit Wüstenstille…

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…Wüstenschönheit

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…und viel Wüstenromantik.

In der Oase Adam erblicken unsere freudigen Augen das Hinweisschild nach Nizwa. Auf diesem Weg erblicken wir nach vielen Tagen wieder die ersten Ruhe-Lagerplatz-Schatten-Bäume.

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Ruhelagerplatzschattenbaum

Hier sage ich zu Gi: ,,Zum zweiten Mal haben wir diese lange, schöne, anstrengende und unvergessliche Wüstenstrecke durchradelt, bezwungen, erlebt und genießen können. Wahrscheinlich sind wir die ersten Fernradler, die diesen Weg jetzt sogar zum zweiten Mal erfolgreich geradelt sind.‘‘
Wir sind uns schnell einig. Wir sind nicht stolz, wir sind nur unendlich glücklich, es erlebt haben zu dürfen.
So vergehen die Tage und Nächte leider viel zu schnell in wildromantischen Oasen entlang der omanischen Berge Richtung VAE.

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Wildromantischer Lagerplatz in der Oase Tank

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Herrliche Sonnenuntergänge verwöhnen uns

Dass wir den Oman so mögen, liegt im Besonderen auch an seinen Bewohnern. Sie sind nett, hilfsbereit und warmherzig. Fast täglich werden wir eingeladen. Ab Adam haben wir kein Trinkwasserproblem mehr. Das Wasser reicht kurz vor der Grenze sogar für ein Gesichtsbad als grandiose Wüstenerfrischung. Wir wollen ja auch irgendwie sauber in den Vereinigten Arabischen Emiraten einradeln.

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Gesichtdusche

Von den VAE berichte ich im nächsten Teil.

Bis dahin liebe Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de

grenzenlos
28.10.2013, 10:34
Weltradeltour weiter mit

Vereinigte Arabische Emirate

An der Grenze dauert es etwas länger. Die Wüstensöhne nehmen es genau. Gegenüber den Omanis sind sie ein etwas anderer Menschenschlag. Die Emirate tragen ihren durch Öl- und Gasvorkommen erworbenen unvorstellbaren Reichtum offen zu Markte. Rampenlicht- und Mittelpunktbestrebungen gehören da zum täglichen Geschäft.
Drei Tage lassen wir uns Zeit, um die 160 km bis nach Abu Dhabi zu radeln. Bei nur 35 Grad, wir haben Mitte Oktober, fühlen wir uns wieder Wüstenwohl.

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Wieder Wegpistensuche in der so geliebten Wüste

Wir genießen die Tage und Nächte im vielen Sand. Täglich treffen wir auf unsere Freunde. Manchmal fühlen wir uns schon selbst wie Kamele.

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Unsere Freunde

Fasziniert sind wir von den Landschaftsformen. Die Wüste lebt durch Farben, Tiere, Wind und die Beduinen.

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Die Wüste lebt durch Farben…

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…Tiere und die Bedus

Erst in Abu Dhabi holt uns die Moderne ein. Hier wechseln die Elemente. Sand gibt es nur noch am langen Sandstrand. Beton, Glas, Aluminium und viel Marmor streiten im Verbund um einen Platz in Himmelsnähe.
Wir radeln zum weltweit berühmten Segeltuchhotel. Fast jeder kennt es, zumindest von Hochglanzproschüren.

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Das teure Traumsegelsandstrandhotel

Ich muss aber gleich gestehen, die Nacht verbrachten wir am Strand. Dies war auch gut so, denn die vielen, vielen Dollars wollten wir garantiert nicht ausgeben. Unser kleines geliebtes Zelthotel hatte in dieser Nacht Tausende von Sternen. Ständig schauen wir nach oben zum Sternenhimmel. Es ist ein Traum. Das Traumhotel nebenan hat nur sechs Sternchen. Wir sind echt zufrieden. Was wollen wir auch mehr?
Tage später schauen wir wieder nach oben. Wir sind am Himmelstor angekommen, ruft Gi.
Schon aus knapp 100 km Entfernung sehen wir die Wunderrakete von Dubai. Das höchste Gebäude der Welt gibt sich die Ehre.

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Der Turm des Kalifen

Die unendlich erscheinende Höhe lässt den Burj Khalifa aus der Ferne nicht wie ein bewohnbares Hochhaus erscheinen. 828 Meter ragt die Rakete vor uns in die Höhe. Neben der architektonischen Meisterleistung an momentan machbarer Höhe ist auch das Umfeld des Turmes eine Meisterleistung an momentan machbarer Eleganz, Sinnestäuschung und verspielter Schönheit. Das überraschende dabei, alles harmoniert, scheint sich zu ergänzen und gibt somit dem Turm die unglaublich wichtigen Standbeine. Ob nun das Armani-Hotel, der große künstliche See, die weiten Grünflächen, die Einkaufscenter oder auch das Karussell aus Großmutters Zeiten, alles scheint nur eine Aufgabe zu haben: dem langen Ding notwendiges Bodenleben einzuhauchen. Der aus der Ferne irgendwie tollpatschig, fehlplatziert oder von Außerirdischen einfach in die Erde gerammt erscheinende Turm beginnt erst im nahen Umfeld zu atmen, zu leben.
,,Glückwunsch!‘‘ murmele ich.

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Verspielte Feinheiten

,,Gigant-City‘‘ hat aber leider auch eine weitere Wahrheit, weitere Feinheit. Nur durch die fleißigen Arbeitsameisen aus Asien konnten letztendlich all die Wunder im Wüstensand geschaffen werden. 70% der Bewohner im Wüstenland sind sehr, sehr billige Arbeitsameisen aus Indien, China, Thailand und, und, und…
Wir treffen sie täglich. Da wir ihre Heimatländer oft kennen, gibt es viel zu erzählen. Bei den Ameisen fühlen wir uns wohl.

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Freude mit indischen Arbeitern

Wie unsere Tour weiter geht, erzähle ich im nächsten kleinen Bericht.
Bis dahin Grüße von
Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de

elcom
29.10.2013, 15:28
Ich hab mich jetzt mal von der ersten Seite bis hier hin durchgewühlt und muss sagen: Hut ab! Was ihr da zustande gebracht habt, entzieht sich jeder Vorstellung. Meine bisher längste (Wander-)Tour hat 6 Monate gedauert, und das kam mir schon wie eine Ewigkeit vor. Alleine der Gedanke, 4 Jahre lang durch die gesamte Welt zu ziehen, erfüllt mich mit Bewunderung und Respekt. Zumal ihr ja zu der Zeit schon in dem Alter wart, wo die meisten Leute schon anfangen es eher ruhig zugehen zu lassen und sesshaft werden. Und dann kommt ihr und setzt euch auf's Rad, um die gesamte Welt zu durchqueren. Wahnsinn! :o

Aber eine Frage hab ich dazu doch: wie hat das in den vielen verschiedenen Ländern eigentlich mit der sprachlichen Verständigung geklappt? Ich gehe jetzt mal davon aus, dass in den Gegenden, die ihr befahren habt, nicht jeder über eine Schulbildung und somit Kenntnisse der englischen Sprache verfügt.

biketourglobal
29.10.2013, 17:17
Tolle Bilder. Wollt ich mal sagen...

grenzenlos
31.10.2013, 10:11
Ich hab mich jetzt mal von der ersten Seite bis hier hin durchgewühlt und muss sagen: Hut ab! Was ihr da zustande gebracht habt, entzieht sich jeder Vorstellung. Meine bisher längste (Wander-)Tour hat 6 Monate gedauert, und das kam mir schon wie eine Ewigkeit vor. Alleine der Gedanke, 4 Jahre lang durch die gesamte Welt zu ziehen, erfüllt mich mit Bewunderung und Respekt. Zumal ihr ja zu der Zeit schon in dem Alter wart, wo die meisten Leute schon anfangen es eher ruhig zugehen zu lassen und sesshaft werden. Und dann kommt ihr und setzt euch auf's Rad, um die gesamte Welt zu durchqueren. Wahnsinn! :o

Aber eine Frage hab ich dazu doch: wie hat das in den vielen verschiedenen Ländern eigentlich mit der sprachlichen Verständigung geklappt? Ich gehe jetzt mal davon aus, dass in den Gegenden, die ihr befahren habt, nicht jeder über eine Schulbildung und somit Kenntnisse der englischen Sprache verfügt.
Hallo,

egal was man macht, wichtig ist, dass Mann und Frau sich wohlfühlen. Dann funktioniert es auch noch im höheren Alter und über längere Zeit.
Deine 6 Monate Wandertour ist prima. Wir überlegen auch zur Zeit, ob wir es nicht mal für länger versuchen mit dem Wandern. Ich denke, wäre eine weitere wertvolle Erfahrung für uns.
Wenn man länger unterwegs ist, spielt die Ewigkeit keine Rolle mehr. Es ist ja dann das gewollte Leben (Zelte wurden ja vorher radikal abgebrochen). Idealerweise gehen Mann und Frau darin auf. Waren zumindest unsere Erfahrungen.

Englisch ist natürlich gut. Damit kommt man irgendwie durch die Welt. Man muss es aber wirklich auch nicht unbedingt perfekt können (meine erste Fremdsprache war Hochdeutsch in der Schule) :D
Bei unserer Tour hatten wir sozusagen Arbeitsteilung. Gi hat eine wohl angeborene Sprachenbegabung. Sie spricht neben Englisch sehr gut Arabisch (schreibt es auch) und leidlich einige weitere (spanisch, türkisch, griechisch). Somit war die Sprache für uns kein wirkliches Problem. Natürlich kommt man auch in Regionen, da hilft keine angelernte Sprache mehr weiter. In Äthiopien im Omerategebiet werden z.B. ca. 50 unterschiedliche Sprachen/Dialekte gesprochen. Da hilft natürlich die Hand- und Fußsprache etwas weiter. Irgendwie funktioniert es da auch. Wichtig ist dabei dann die Zeit. Wenn alle Stricke reißen, dann gibt es die Möglichkeit etwas aufzumalen (im Sand, auf Zettelchen). Dies funktioniert überraschend gut. Haben dies oft mit Kindern so gemacht. Dein gegenüber denkt ja auch mit. Hatten so viele absolut lustige Malsprechstunden. :p
Ach ja, bei der Arbeitsteilung war meine Stärke Kaffee kochen. :p und immer wissen wo wir wirklich gerade sind, hinwollen.;-)

grenzenlos
31.10.2013, 10:16
Tolle Bilder. Wollt ich mal sagen...
Danke Martin.
Du hast einen wirklich schönen Namen. So heißt unser großer Weltenbummler-Sohn auch.;-).

grenzenlos
01.11.2013, 09:49
Hallo elcom,

mal eine Frage, ist dein Siegburg im Ruhrgebiet?
Wenn ja, ich war da relativ oft in den 90iger Jahren geschäftlich in einer Keramikfabrik.

Gruß Wi

Klappstuhl
01.11.2013, 13:43
Ich muß immer wieder hier "Abschnitte" querlesen. Ich kann nicht anders ... :bg:

Ich finde, das muß ein faszinierendes Gefühl sein soviel Facetten dieses Planteten aufzunehmen, zu verarbeiten, zu speichern (mitunter sicher auch mal anstrengend oder überwältigend)... das kann einem nie wieder jemand nehmen ... danke auf jedenfall dass ihr das hier teilt ... wie geht das Sprichwort? "Lehre sie nicht den Umgang mit Hammer und Nagel sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem Meer".

Meine Sehnsucht wird hier beim Lesen geradezu "überfordert :motz: :grins:

grenzenlos
01.11.2013, 16:33
Ich muß immer wieder hier "Abschnitte" querlesen. Ich kann nicht anders ... :bg:

Ich finde, das muß ein faszinierendes Gefühl sein soviel Facetten dieses Planteten aufzunehmen, zu verarbeiten, zu speichern (mitunter sicher auch mal anstrengend oder überwältigend)... das kann einem nie wieder jemand nehmen ... danke auf jedenfall dass ihr das hier teilt ... wie geht das Sprichwort? "Lehre sie nicht den Umgang mit Hammer und Nagel sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem Meer".

Meine Sehnsucht wird hier beim Lesen geradezu "überfordert :motz: :grins:

Hallo,

erstmal Dankeschön für die netten Sätze.
Ja, die Gefühle sind dabei meist faszinierend. 4 Jahre sind eine lange Zeit. Mann und Frau wird ein anderer Mensch. Mann und Frau kommen dem eigenen Ich dabei sehr nahe. Dies entfacht Spaß, Freude und manchmal auch Trauer. Mit manchen Situationen, egal ob nun positiv oder negativ, ist man wirklich auch manchmal überfordert, denn es sind echt deren sehr viele. Deswegen hätte die Tour eigentlich viel länger dauern können, dürfen, sollen, müssen. Die Verarbeitung dauert bis heute an.
Natürlich sind all die Sätze und Bilder hier im Forum nur ein Holzsplitter vom Erlebnisbaum.
Es gibt zu: Grenzenlos - 4 Jahre mit dem Fahrrad um die Welt - ein Fazit, welches mir 2011 spontan in den Kopf kam.
,,Bei all den Erlebnissen über die 4 Jahre wurde uns immer bewusster, wie kurz unsere Zeit auf diesem Planeten ist und wie klein und unwichtig wir doch eigentlich sind. Zwei radelnde Sandkörner in Raum und Zeit...''
Schon alleine wegen dieser eigentlich einfachen, plausiblen Erkenntnis hat sich die Tour für uns gelohnt. Die vielen anderen Erkenntnisse, bezahlen wir momentan mit Qualen unserer Sehnsüchte, welche uns unaufhaltsam zurück in Raum und Zeit führen wollen.
Wir hoffen die Qualen gewinnen ;-) und das Frühjahr 2014 wird uns eine weitere Tour bringen.:steuermann:
Wir können es kaum erwarten.
Dir selbst wünschen wir die Erfüllung all deiner Träume.

Grüße
Wi + Gi grenzenlos

Ach ja, dein Bericht zur Annapurnaregion hat mir viel Freude bereitet. Wir selbst fühlten uns auch dort in Raum und Zeit!;-) Unvergesslich!

grenzenlos
04.11.2013, 08:30
Weltradeltour weiter mit
Jordanien
Jordanien ist kein leichtes Radelland, denn Hügel folgt hier auf Hügel. So angenehm manche Abfahrt ist, so unangenehm ist dann der folgende Aufstieg. 12 Prozent Steigung, manchmal auch mehr, sind keine Seltenheit. Höhe und Hügel bedeuten aber auch mehr Frische. Die richtig heißen Wüstenländer liegen hinter uns. In Amman versuchen wir die Visa für Syrien zu erhalten. Doch leider köchelt der arabische Diplomatenkochtopf. Die Kochtopf-Diplomatenkrake hat unsere Visa aufgefressen. Wir sind absolut enttäuscht. Doch nur Stunden später steht fest: Wir radeln einfach Richtung Süden weiter und wenn dort kein Diplomatenkrieg herrscht, können wir auf die Sinai-Halbinsel kommen.
Das Tote Meer liegt bekanntlich sehr weit unten. Das Ufer des Sees ist mit 442 Metern unter dem Meeresspiegel der am tiefsten gelegene nicht von Seewasser oder Eis bedeckte Bereich der Erde. Da dies so ist, müssen wir vorerst nicht ewig über Hügel radeln.

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Runter zum Toten Meer

Vom letzten Hügel aus sind es um die 2000 Höhenmeter, die wir runterflitzen. Am Wegesrand sehen wir Trinkwasser. Etwas ganz wichtiges in dieser Region, denn Trinkwasser wird in Jordanien seit vielen Jahren eingeführt. Manchmal denke ich, Wasserrechte werden die Konflikte der Zukunft sein.

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Konflikte der Zukunft?

Kahle Berge umschließen das Tote Meer. Die Landschaft ist sehr reizvoll, bizarr und meist von viel Einsamkeit geprägt.

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Sonnenuntergang am Toten Meer

Mit der Einsamkeit ist es an den heißen Quellen vorbei. Die Jordanier sind absolute Picknick-Fans. Wir meiden diese Orte. Auch wenn jede Familie über irgendeinen fahrbaren Untersatz verfügt, so finden die lieben Picknicker keinen Platz im Auto für den Müll. Das Endergebnis sind unzählige Fliegen.

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Unzählige Fliegen

Doch Frauen sind immer irgendwie gerüstet. Auch wenn Gi nicht raucht, so tut sie zumindest so. Mit ihrer Antifliegenrüstung hat sie zweifellos Erfolg.

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Antifliegenrüstung

Tage später geht es wieder rauf, rauf ins Gebirge. Der verschwitzte Lohn ist der Königsweg. Wir genießen die Radelzeit in den Bergen.

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Königsweg

Wir genießen dabei auch die Ruhe, die Einsamkeit und so manch herrlichen Sonnenuntergang.

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Wir genießen einfach

Am Rande vom weiten Wadi Rum kommen wir Akaba täglich etwas näher.

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Schlafplatzsuche im Wadi Rum

In der Touristenstadt finden wir neben einer Dusche, einem Bett mit weißen Laken, arabischer Küche, vielen netten Strandmenschen auch viele gelbe, nette Strandenten.

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Nette Strandenten in Akaba

Auch finden wir nach langer Radelei, irgendwann in der Nacht, noch pünktlich die Fähre nach Nuwaiba.

Was uns auf dem Sinai erwartet, erzähle ich im nächsten Teil.

Bis dahin, lieb Grüße
Wi und Gi www.grenzenlosabenteuer.de

elcom
04.11.2013, 09:00
Hallo elcom,

mal eine Frage, ist dein Siegburg im Ruhrgebiet?
Wenn ja, ich war da relativ oft in den 90iger Jahren geschäftlich in einer Keramikfabrik.

Gruß Wi

Nein, Siegburg liegt nicht im Ruhrgebiet, sondern bei Bonn/Köln.

Eure Bilder aus Jordanien sind auch klasse! Spätestens seitdem ich hier im Forum Libertist's Reisebericht aus dem Libanon gelesen habe, hat sich bei mir auch die Lust breitgemacht, den nahen Osten mit Rucksack und Zelt zu bewandern. Durch euren Bericht wird dieses Verlangen noch verstärkt ;-)
Im Moment würde ich allerdings besonders wegen der Lage in Syrien davon absehen.

grenzenlos
04.11.2013, 09:31
Nein, Siegburg liegt nicht im Ruhrgebiet, sondern bei Bonn/Köln.

Eure Bilder aus Jordanien sind auch klasse! Spätestens seitdem ich hier im Forum Libertist's Reisebericht aus dem Libanon gelesen habe, hat sich bei mir auch die Lust breitgemacht, den nahen Osten mit Rucksack und Zelt zu bewandern. Durch euren Bericht wird dieses Verlangen noch verstärkt ;-)
Im Moment würde ich allerdings besonders wegen der Lage in Syrien davon absehen.

Ja stimmt, Siegburg war bei Köln/Bonn. Hatte ich verwechselt. Ist schon 20 Jahre her.

Ich denke, momentan ist Jordanien noch machbar. Zumindest wenn man in der Region Totes Meer, Wadi Rum und dem herrlichen Königsweg bleibt und sich nicht an der Grenze zu Syrien aufhalten will.
Am Königsweg gibt es neben dem berühmten Petra viele kleine Ortschaften. Wirklich ein Wanderparadies. Hat unheimlich Spaß dort bereitet.
Wünsch noch schönen Tag!:p

grenzenlos
07.11.2013, 07:47
Weltradeltour weiter mit

Ägypten zurück

Wir radeln die Küstenorte entlang der Sinaihalbinsel ab.
Die Hafenstadt Nuwaiba ist ein ruhiger, verschlafener Ort. Es gibt nur kleine Pensionen im Stil der frühen Sechziger. Hier vermischt sich noch die salzige Meeresluft mit Haschischduft. Das diese Luftmischung allzeit gut gemixt bleibt, dafür sorgen die Beduinen ohne jegliches Schuldgefühl, denn der Stoff gilt bei ihnen schon immer als heilende Quelle.

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Luftmischung allzeit gut gemixt

Der zweite Badeort entlang der Küste, Dahab, gibt sich da schon spießiger. Die Pensionen erreichen Kleinhotelcharakter und in so manchem Vorhof wird kostbares Süßwasser in gekachelten Poolwänden aufbewahrt.
Bis Scharm El-Scheich zeigt sich die landschaftlich viel gerühmte Halbinsel von ihrer allerbesten Seite. Die Ausläufer des mehr als 2000 Meter hohen Sinaimassivs stürzen hier mutig ins Meer. Wadis und Schluchten spalten sie tausendfach. Ideale Schlafplätze finden wir da.

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Ideale Schlafplätze

Es ist wieder mal Winterwüstenzeit (Dezember). Und somit beleben wir jeden Abend unsere Lagerfeuer-Zeltbodenheizung. Dafür sucht Gi täglich ordentlich Holz am Wegesrand und deponiert es auf meinem Eselchen.

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Holztransporter

Natürlich dient uns das viele Holz auch als Heizquelle für den abendlichen Kaffee und für die allabendliche Wüstenlagerfeuerromantik.

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Ich liebe Kaffee

Der Wüstenzauber ist in Scharm El-Scheich aber vorbei, denn die weitläufige Touristenhochburg ist nicht lieblich, nicht schön und auch nicht unbedingt erkundenswert.
Nur kurz bleiben wir, denn mit Tauchen wird es nichts, Haialarm gilt schon einige Tage. Niemand darf zum Tauchen raus.

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Touristentrubel und Haialarm in Scharm El-Scheich

Unser Radelweg bis Alexandria ist lang. Abwechslung bieten uns der Sueskanal, der Tunnel unter der Schifffahrtslinie und natürlich die vielen Wüstentage- und Nächte.

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Auf dem Weg nach Alexandria liegt so manches Kamel

Alexandria gefällt uns gut, denn es hat einiges zu bieten. Wir besuchen viele Kirchen, Moscheen, die urige Altstadt und so manche Ausgrabungsstätte. Dabei begleitet uns die hübsche Fatima.

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Dabei begleitet uns die hübsche Fatima

Sie sagt uns: Ägypten steht am Abgrund. Es muss bald etwas geschehen. Das Brot wird immer knapper.

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Das Brot wird immer knapper

Zu Weihnachten besuchen wir die Al-Qiddissine-Kirche. Nur eine Woche später geht dort eine Bombe hoch (über 20 Menschen sind dabei in der Silvesternacht umgekommen). Die Vorboten des Arabischen Frühlings haben Alexandria erreicht. Alexandria hat was-leider aber nicht nur Gutes…
Doch die meist guten Menschen bleiben uns in Erinnerung.

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Gutmensch - Katzenfreund in Alexandria

Irgendwie sind wir traurig, denn uns wird auch bewusst, nur noch wenige Kilometer trennen uns von Europa. Wir müssen weiter.

Doch davon erzähle ich im nächsten Teil.

Bis dahin liebe Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de

Julia
07.11.2013, 09:09
Nur kurz bleiben wir, denn mit Tauchen wird es nichts, Haialarm gilt schon einige Tage. Niemand darf zum Tauchen raus.
Wie schade, denn das Rote Meer ist da wirklich einzigartig und übergeht, was den Farbreichtum der Korallen und Fische anbelangt, (meiner Meinung nach) z.B. das Barriereriff um Längen. Ich fühle mich in arabischen Ländern und Wüsten nicht so wohl wie Ihr (mein Magen übrigens auch nicht ;-)), aber die Schorchel- und Tauchausflügen zum Ras el Mohammed-Riff waren einfach unübertroffen, und da war meine Welt in Ordnung :D.

grenzenlos
07.11.2013, 11:48
Wie schade, denn das Rote Meer ist da wirklich einzigartig und übergeht, was den Farbreichtum der Korallen und Fische anbelangt, (meiner Meinung nach) z.B. das Barriereriff um Längen. Ich fühle mich in arabischen Ländern und Wüsten nicht so wohl wie Ihr (mein Magen übrigens auch nicht ;-)), aber die Schorchel- und Tauchausflügen zum Ras el Mohammed-Riff waren einfach unübertroffen, und da war meine Welt in Ordnung :D.

Stimmt, die Farbenpracht und Vielfalt ist da kaum zu überbieten. Begonnen hatte bei uns auch alles mit Schnorcheln vor vielen Jahren. Speziell am Sinai kennen wir fast jeden Tauchplatz. Einfach grandios!:p
Als wir Ende 2010 mit den Rädern da waren, war leider gerade Tauchverbot. Ein Hai hatte eine Deutsche beim Schnorcheln am Ras el Mohammed angegriffen. Sie ist leider später im Krankenhaus verstorben. Zum Glück warst du gerade nicht da zum schnorcheln ;-). Hätte dir aber garantiert geholfen, Ehrensache!:cool:

Denke nun, du kennst dann ja garantiert auch die Berge auf dem Sinai? Könnte mir zumindest vorstellen, dass du am Mosesberg unterwegs warst. Wir waren vor vielen Jahren mal dort mit unseren Kindern zum Wandern. Werden wir nie vergessen. War unglaublich schön.
Mit den Rädern war es uns zu hoch gelegen und im Dezember ist es auch recht kalt.

Bezüglich Magen hilft nur eine Radikalkur in Indien. Wenn die indischen Bakterien die eigenen besiegt haben (dauert so in der Regel 2 Wochen) dann ist Mann und Frau weltweit einsetzbar ;-) Man muss allerdings ja auch nicht alles haben:bg: Stimmts?;-)

Grüße in den Norden
Wi grenzenlos

Schon Schnee bei euch?

Julia
07.11.2013, 14:26
Denke nun, du kennst dann ja garantiert auch die Berge auf dem Sinai? Könnte mir zumindest vorstellen, dass du am Mosesberg unterwegs warst. Wir waren vor vielen Jahren mal dort mit unseren Kindern zum Wandern. Werden wir nie vergessen. War unglaublich schön.
Ich war da damals (ist sehr lange her) pauschal, aber den Ausflug zum Mosesberg haben wir gemacht. Mit tausenden anderen, aber das Erstaunliche war, dass wir irgendwo ein etwas stilleres Plätzchen fanden, und dass alle die anderen Menschen völlig aus der Wahrnehmung verschwanden, als die Sonne aufging. Es war ein unglaubliches Gefühl: erhaben, urweltlich, als wäre man persönlich im Alten Testament zugegen. Eine Stunde später war allerdings nur noch Hitze (40 Grad im Schatten) und das normale Touristengerummel...

Schnee? Ja, in der Höhe (ca. 40 Min von uns) kann man schon langlaufen.

Julia
07.11.2013, 14:28
Man muss allerdings ja auch nicht alles haben:bg: Stimmts?;-)

Nö :-). Und man muss knallhart prioritieren ;-)!

pushbike
07.11.2013, 23:28
Ich war da damals (ist sehr lange her) pauschal, aber den Ausflug zum Mosesberg haben wir gemacht. Mit tausenden anderen, aber das Erstaunliche war, dass wir irgendwo ein etwas stilleres Plätzchen fanden, und dass alle die anderen Menschen völlig aus der Wahrnehmung verschwanden, als die Sonne aufging. Es war ein unglaubliches Gefühl: erhaben, urweltlich, als wäre man persönlich im Alten Testament zugegen. Eine Stunde später war allerdings nur noch Hitze (40 Grad im Schatten) und das normale Touristengerummel...

War vor ein paar Jahren im Febr./März dort.
Als Anfahrt per Rad hab ich mir die Strecke über Serabit el Khadim und den Forest of Pillars ausgesucht. Beide habe ich leider nicht besucht. Teils wegen Sandpiste (schon mal 20 km ein vollbeladenes Rad durch Sand geschoben?), teils wegen Orientierungsproblemen. Jedenfalls war ich froh, im Wadi Feiran wieder auf Asphalt gewesen zu sein.

Nachmittags bin ich dann am Kloster angekommen und dann zum Sonnenuntergang auf den Mosesberg. Hatte da den ganzen Berg für mich. Natürlich war es dann zu spät für den Abstieg und das hat dann Übernachten bei den Beduinen in deren Hütten bedeutet. Decken waren kein Problem.
Nachdem um ca. 4 Uhr die Touri-Massen auftauchten war es dann mit der Ruhe dahin. Natürlich freuten sich die Beduinen über das Geschäft, hab es ihnen auch gegönnt.

In den nächsten Jahren werde ich aber den Schwerpunkt Richtung Asien verlegen. Wird wohl so ne kleine Overland-Geschichte.

EinmalumdieWelt
09.11.2013, 14:30
Respekt !!!

Mein nächstes Ziel ist Kenia!! Dieser Bericht (http://www.reiseberichte-online.net/reisebericht-kenia-rundreise-vom-15-bis-24-juni-2013/) hat mich überzeugt und natürlich auch dieses Forum!!!

LG

grenzenlos
09.11.2013, 16:01
Es war ein unglaubliches Gefühl: erhaben, urweltlich, als wäre man persönlich im Alten Testament zugegen.

Voll getroffen! ;-)

grenzenlos
10.11.2013, 11:09
Weltradeltour weiter mit

Zypern / Türkei

Wir beradeln auf gut 500 Kilometer beide Teile der Insel und lernen so die theoretischen Gemeinsamkeiten beider Volksgruppen kennen. Für jede ist heute der Tourismus die ,,heilige Kuh‘‘.
Da keine Saison ist, kommt uns zumindest eines zugute: Die Urlaubsorte sind fast leer gefegt. Angenehme Einsamkeitsgefühle machen sich da breit.

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Einsamkeitsgefühle an langen Stränden

Uns ist es recht, denn kein Bananenboot, keine Stranddisco und kein Budenzauber stören uns bei langen Strandwanderungen.
Die geteilte Hauptstadt erinnert uns nur bedingt an Berlin, denn die ehemals so gewaltige Mauer ist hier nur ein Mäuerchen, eine Grenze aus Hauswänden und Verbotsschildern an ungefährlich erscheinenden Zäunen und Toren.

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Verbotsschilder in der Hauptstadt

Bei den griechischen Zyprioten sind Spielcasinos der große Renner. Davor stehen oft unheimlich erscheinende Luxuskisten.

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Luxuskiste

Die Griechen setzen mehr auf Stripteaselokalitäten. Irgendwie hat Zypern sich ja in der Vergangenheit den Titel einer ,,Geldwäscheinsel‘‘ erworben. Vieles riecht förmlich danach.
Trotzdem fühlen wir uns irgendwie wohl, denn unsere Fenstertaube vertreibt uns die Zeit bis zur Fährabfahrt in die Osttürkei. Wir müssen nämlich 3 Tage länger in Girne bleiben, denn auf See stürmt es gewaltig. Dann ist es aber endlich so weit. Der Abschied von unserer liebgewonnenen Fenstertaube muss sein.

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Unsere Fenstertaube

Die Fähre bringt uns ins türkische Mersin. Über 1500 Kilometer erradeln von Mersin bis Marmaris, dabei geht es immer entlang der türkischen Südküste – bei Wetter so wild, so schön, so saumäßig, so nass, so warm und so kalt, wie Wetter zur türkischen Winterzeit nur sein kann. Einfach unberechenbar.
Jeden Abend fragen wir uns beim Sonnenuntergang, was erwartet uns denn morgen?

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Was erwartet uns morgen?

Wir sind aber froh, dem nahen Europa ein Schnippchen zu schlagen. Egal, wie das Wetter auch ist, ob es…

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…regnet…

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…hagelt…

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…oder die Sonne scheint, die Gebirgsketten

des mächtigen Taurus ist uns eine treue Begleiterin. Egal wo wir ankommen, immer ist ein Teil des Berges schon da. Dabei sind das verschlafene Tasucu, der Burgberg von Alanya, das Ausgrabungsfeld von Side, die Felsengräber von Myra und auch die verspielte Ortschaft Kas für uns besonders hübsche Perlen einer superlangen Perlenkette. Diese endet für uns nach gut 3 Wochen in Marmaris.
Eine Fähre soll uns zu den griechischen Inseln bringen.

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Der mächtige Taurus ist immer nah am Meer

Wir sind gespannt auf Griechenlands Inselwelt. Davon erzähle ich im nächsten Teil.

Bis dahin Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de

grenzenlos
10.11.2013, 14:58
Weltradeltour weiter mit

Griechenland

Die Altstadt von Rhodos ist von mächtigen Mauern eingepackt. Kirchen und Moscheen stehen hügelan. Gassen, Gässchen, schmucke Plätze, kleine Häuser, Palmengärten, Kneipen, Kopfsteinpflaster, und so manche Pension bilden einen angenehmen Verpackungsinhalt. Aber der Inhalt hilft Gi nicht. ,,Ich will nicht nach Hause. Seit wir wieder in Europa sind, fühle ich mich eingeengt, fremd und nicht gerade glücklich‘‘, versucht Gi oft zu erklären.

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Ich will zurück, einem Vogel gleich, sagt Gi oft.

Erst das Baumauge lässt sie ruhiger werden.
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Beruhigendes Baumauge

Dem Auge gleich sehen wir dann gemeinsam all die kleinen, manchmal versteckten Schönheiten der Insel. Die Schwämme wachsen weit unten am Meeresgrund, versuche ich zu erklären. Noch heute gibt es Schwammtaucher auf den Inseln. Kein einfacher Job, denn sehr tief müssen die Taucher runter.

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Es gibt sie noch

Täglich füttern wir die vielen Inselkatzen. Sie bringen uns die innere Ruhe zurück.

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Sie bringen uns die Ruhe zurück.

Einen wunderhübschen Husky sehen wir beim Rhodosabschied. Er hat eigenartig schöne Augen.
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Zweiaugenfarbenhund

Uns zieht es weiter nach Santorin. Wir sind gespannt auf die angebliche Trauminsel. Werden unsere eigenen Augen vielleicht enttäuscht? 300 Höhenmeter quälen wir uns rauf.
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300 Meter rauf

Die Schieberei stört uns nicht, denn auf diesen Schiebekilometern wird uns schnell bewusst: das ringförmige Archipel ist etwas ganz Besonderes. Alles erscheint uns als fantastisches Schauspiel – unwirklich verwunschen, schwer greifbar, schwer verdaulich schön. Wir vergessen Europa für kurze Zeit.
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Unwirklich verwunschen

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Schwer verdaulich schön

In Piräus holt uns Europa wieder ein. Griechenland steht vor dem Konkurs. Natürlich radeln wir ins nahe Athen. Doch egal, mit wem wir dort auch reden, Resteuropa und unsere Bundeskanzlerin bekommen dabei immer ihr Fett weg. Nur einer redet nicht mit uns, er darf es zum Glück auch nicht.
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Nur einer redet nicht mit uns

Tage später pedalen wir nach Patras. Eine Fähre soll uns nach Venedig bringen.

Der letzte Teil unserer Tour folgt in wenigen Tagen.

Liebe Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de

grenzenlos
11.11.2013, 11:09
Weltradeltour weiter mit Ankunft nach 4 Jahren in

Deutschland

Die Begrüßung in Venedig ist herzlich für uns.

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Herzliche Begrüßung durch Pinocchio

Das Wetter spielt auch mit. Wir erleben Venedig von der schönen Seite. Natürlich können wir nicht radeln, der Gassen, Wasserstraßen und Brücken sind einfach zu viele. Wir schieben trotzdem die Fahrräder über die erste Brücke, fragen im ersten Hotel und erschrecken über den geforderten Preis. ,,30. März!‘‘, flüstert mir Gi zu. ,,Dein Geburtstag! Schluck den Preis!‘‘ Ich schlucke und wir bereuen nicht.

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Postkartenvenedig

So wandern wir 2 Tage durch Venedig, genießen all die Gassen, all die Kanäle und erfreuen uns der Masken, Kirchen, den Lichtspielereien und massenhaften Tauben.

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Masken-Venedig-Spielerei

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Tauben-Venedig-Spielerei

Nach der Venedig-muse radeln wir lange bergauf. Wir überqueren die Alpen. Die Nächte verbringen wir im Zelt. Dies schont die Radelkasse.

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Radelkassenschonung

Europa ist teuer. Dies wird uns täglich bewusster. Nach den Bergen überschütten uns unsere 3 Münchner Freundinnen mit viel Herzlichkeit.
Die letzte Zeltnacht unserer langen Welttour verbringen wir Tage später bei Bamberg. Unsere Reise neigt sich dem Ende zu.

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Letztes Nachtlager bei Bamberg

Nach 48.110 Radelkilometern schließen wir am 16. April 2011 unsere Familie und viele Freunde in die Arme.
Wir haben fertig! – doch so richtig fertig werden wir selbst damit wohl nie sein.

Kurze Schlussgedanken

3 Wochen später

Während unserer 4 jährigen Radeltour um die Welt hatte ich selbst nie einen Termin bei einem Arzt. Nach 3 Wochen in Deutschland holen mich jedoch Bauchschmerzen ein. Es ist aber keine Magenverstimmung. Ein Pole untersucht mich in der Notaufnahme. Ein Rumäne gibt mir die Narkose und ein deutscher Arzt schnippelt mir den Blinddarm raus. Das Leben ist irgendwie verrückt!
Noch immer sind wir nicht richtig in Deutschland angekommen, denn Deutschland hat sich verändert. Und auch wir haben uns verändert. Die ganze Welt verändert sich ständig. Dies merken wir auch an den Nachrichten, denn egal welcher Tag gerade ist, Weltnachrichten - meist nicht so gute – gibt es immer. Wir selbst sind weit sensibler für die Probleme der Welt geworden. Wir sind aber auch sensibler für die Schönheiten der Welt geworden.
Noch heute werden wir bei der Sichtung der vielen Digitalbilder, der Aufzeichnungen und eben dieser täglichen Nachrichten zurückgeholt in unsere fernen Länder.

Monate später
Gis geliebtes Welt-Radel wird in unserer Heimatstadt geklaut. Es ist bis zum heutigen Tag spurlos verschwunden.

2 Jahre später
Wir merken immer mehr, dass das Fernweh uns zurückholen will in unsere fernen Länder. Ein Kompromiss mit den fast ständig klopfenden Fernwehgedanken wurde geschlossen. Das Fernweh muss sich noch einige Monate gedulden, doch ab Frühjahr 2014 soll die Sucht erneut befriedigt werden. Wir können es kaum erwarten!

Für das Interesse, die Fragen, Anregungen, Zuschriften und Infos der Forumleser/Forummitglieder möchten wir uns bedanken.

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Danke sagen Wi und Gi grenzenlos


Wir selbst wünschen allen die Erfüllung der eigenen Träume. Abenteuer beginnen oft vor der eigenen Haustür. Dabei wünschen wir die notwendige Gelassenheit unserer Lieblingskatze...

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Siestalieblingskatze

....und viel Zeit für Momente der inneren Ruhe.

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Viel Zeit für innere Ruhe

Liebe Grüße von Wi + Gi www.grenzenlosabenteuer.de

PWD
11.11.2013, 14:32
Ganz einfach d a n k e für das gedankliche mitreisen dürfen - und Euch noch viele erfüllte Träume.

LG, Joachim

Julia
11.11.2013, 14:59
Ganz einfach d a n k e für das gedankliche mitreisen dürfen - und Euch noch viele erfüllte Träume.

LG, Joachim

Dem schließe ich mich an! Ich wünsche Euch eine fantastische Reise 2014, egal wie und wo es hingehen wird! Aber Ihr wisst, dass die Liste der unerfüllten Träume mit jedem erfüllten weiter wächst ;-)?

Stippvisite
11.11.2013, 15:59
5sterne
Danke, dass ihr uns mit auf eure Reise rund um die Welt genommen habt :D
5sterne


Ich wünsche euch noch viele schöne weltweite Erlebnisse und freue mich schon, wenn du/ihr auch weiterhin davon hier im Forum berichtet :D

tobibot
12.11.2013, 10:29
Danke für den tollen Bericht und alles Gute für eure kommenden Abenteuer.

tizzano1
12.11.2013, 11:12
Vielen , vielen Dank für eure grenzenlose Radelreise und alles , alles Gute für die nächste!

Solltet ihr beim Aufbrechen oder Zurückkommen in Salzburg durchkommen seid ihr natürlich herzlich eingeladen bei uns zu übernachten und euch aufzufrischen.

Nochmals alles Gute,
tizzi

RockingKatja
14.11.2013, 11:23
Tja, was soll man da sagen. Viele träumen sicher von so einer Tour und machen es dann am Ende aus verschiedenen Gründen doch nicht. Auch wenn eine ganze Menge ("gut gemeinter" :bg:) Neid mitschwingt, kann ich nur den Hut respektvoll vor euch ziehen. Wow. Was für eine Tour!!! :o
Danke dass ihr uns einen winzigen Einblick in eure Erfahrungen und Begegnungen gegeben habt, auch wenn ihr damit den Fernweh-Virus sicher nicht nur auf mich wieder übertragen habt :motz::bg:

5sterne

grenzenlos
20.11.2013, 07:05
Hallo,

Julia, Stippvisite, tobibot, RockingKatja, PWD,

danke für die netten Worte.

Grüße Wi + Gi

sibirier
20.11.2013, 08:23
Einfach toll die ganze Reise.Unglaublich.Der Traum kann doch wahr werden.;-)
Erst nach 4 Jahren nach Hause zu kommen...nach all dem was gesehen wurde.Man wird wahrscheinlich etwas müde,oder?;-)

Weitere Pläne? Gibt es die?

grenzenlos
20.11.2013, 09:10
Einfach toll die ganze Reise.Unglaublich.Der Traum kann doch wahr werden.;-)
Erst nach 4 Jahren nach Hause zu kommen...nach all dem was gesehen wurde.Man wird wahrscheinlich etwas müde,oder?;-)

Weitere Pläne? Gibt es die?

Hallo Sibirier,

wenn ich ehrlich bin, müde waren wir nicht. Eigentlich hätte es so weiter gehen können. Es war einfach unser ganz ''normales'' Leben.

Auf der anderen Seite mussten wir irgendwie wieder zurück, denn Eigentum (wenn auch im geringen Umfang) verpflichtet. Auch waren unsere Mütter nicht mehr die Jüngsten. Heute sagen wir, es war richtig, denn so hatten wir noch eine rührend, angenehme Zeit mit Gis Mutter (sie wurde kurz nach unserer Ankunft schwer krank).

Auch wenn Geld nicht alles ist, so braucht man es doch. Somit war/ist Geld verdienen angesagt. Gi bekam ihren alten Job wieder und ich kümmerte mich um die liebe Schwiegermutter. Nebenbei konnte ich das Buch schreiben und Vorträge halten. Somit ist der Kassenboden wieder etwas gefüllt.

Anfang Dezember sind wir für 5 Wochen im Oman unterwegs.
Für Frühjahr 2014 planen wir die nächste längere Tour (so um die 2 Jahre). Wie, wo und was, wissen wir noch nicht so richtig. Wir wissen nur, es wird nicht mit den Rädern sein. Ideen, somit noch Träume, gibt es einige. Welcher Traum in Erfüllung gehen wird, wir sind selbst noch gespannt;-)

Gruß in die sibirische Weite

Wi grenzenlos

Palle
10.12.2013, 17:25
Danke für den schönen Reisebericht, hab Bilder und Text genüsslich verschlungen. Musste angesichts der letzten Meldungen aus dem Jemen übrigens an euch denken, weil ihr ja so schöne Erinnerungen an das Land habt (das war das erste Mal, dass ich mal etwas über den Jemen gelesen habe, dass nicht mit einer Katastrophe zusammenhing). Wünsch euch ganz viel Spaß im Oman, vielleicht mit einem neuen Reisebericht im Forum? (*winkt mit dem Zaunpfahl*)

Viele Grüße
Palle

PS: Eine Frage an Gi: Wie lange hast du (Hoch)Arabisch gelernt, dass du dich mit deiner Umgebung so gut verständigen konntest? Die Sprache soll ja höllisch schwer sein ...

grenzenlos
14.01.2014, 10:45
Viele Grüße
Palle

PS: Eine Frage an Gi: Wie lange hast du (Hoch)Arabisch gelernt, dass du dich mit deiner Umgebung so gut verständigen konntest? Die Sprache soll ja höllisch schwer sein ...
Hallo,
höllisch schwer ist die Sprache nicht, denn sie wird ja sogar von Kindern gesprochen :bg:
Spaß beiseite. Gi behauptet zumindest, Arabisch wäre relativ einfach, denn es gibt da relativ wenige Wörter. Wichtig ist dabei die Betonung und irrsinnige Kehllaute. Man sollte auch gleichzeitig die Schrift lernen. Für mich selbst allerdings nicht machbar, denn für Sprachen braucht man auch irgendwie Talent und Begabung. Gi hat dies. Hinzu kommt die Liebe zu arabischen Regionen.
Ab 2003 hat sie an der Volkshochschule für 3 Jahre Arabisch gelernt. Zwischendurch waren wir oft in Arabien unterwegs. Diese Praxis war unheimlich hilfreich. In der Zwischenzeit gibt sie für Frauen in einer befreundeten Familie sogar Unterricht, denn viele Frauen können im Jemen noch immer nicht Schreiben und Lesen. Dies geschieht seit 2003 in unregelmäßigen Abständen. Dieser Unterricht ist Goldwert zur Erweiterung eigener Kenntnisse.
Der Wunsch die Sprache zu lernen, ist auch dem Umstand geschuldet, dass bei unserem ersten Besuch im Jemen, keine der vielen Familienfrauen Englisch sprach. Frauen reden ja aber gerne;-).
Ich finde es genial, dass ich sozusagen meine eigene Dolmetscherin dabei habe;-), denn neben Englisch ist auch Arabisch in der Zwischenzeit eine wichtige Sprache in vielen Ländern.
Gruß Wi