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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Alleine unterwegs mit Kindern: Mehr Sicherheit durch PLB o.ä.?



clinepid
28.04.2013, 20:38
Auf unseren Wanderungen bin ich meist alleine mit den Jungs (5 & 10 Jahre) unterwegs. Wir sind alle kletter- und gebirgserfahren. Mit dem zunehmenden Alter der Jungs werden die Wanderziele abgelegener (bald schottische Highlands, auf der Wunschliste der Kinder steht dann Island, Grönland und Asien).
Das Unglücksszenario bei dem ich als Erwachsener verunglücke (Ausmaß egal) stellt den GAU dar.

Zwei Fragen habe ich an Euch:
1. Welche Wanderziele (Beispiele?) sind für Euch unter dem Aspekt "1 Erwachsener + Kinder" akzeptabel?
2. Bringt ein PLB (oder moderner wie Delorme InReach oder Pieps Globalfinder), das vom älteren Kind bedient werden müsste, ein Zugewinn an Sicherheit?

clinepid

PS. 1. Post nach mehrmonatigem Mitlesen: Ein Hallo in die Runde.

oo0OooO0oo
28.04.2013, 21:39
zu 1: Island (Laugavegur), Schottland (Glen Affric)

zu 2: In bestimmten Situationen ergibt sich natürlich ein Sicherheitsplus. In der Hauptsaison aber bei den o.g. Zielen unnötig, da dort viele Menschen sind, die man um Hilfe fragen kann.

3. Bei vielen guten PLBs kostet der Batteriewechsel ungefähr soviel wie ein Neukauf. Die Batterie hält etwa 5 Jahre. Daher das PLB lieber erst dann kaufen, wenn Du es wirklich brauchst.

Hunter9000
28.04.2013, 23:38
Du solltest neben einem PLB oder Spot aber auch deine Kinder (gerade den 10 jährigen) aktiv in mögliche Unfallszenarion einbinden - dafür ist er bereits alt genug.

Hier geht es um ganz einfache Sachen wie: Verhalten im Notfall, Informieren der Bergrettung + Anweisungen geben, Karten lesen, vielleicht auch etwas erste Hilfe. Das halte ich persönlich für fast wichtiger ein ein PLB.

@ Schottland:
Es geht doch nix über den Klassiker West Highland Way.

TanteElfriede
29.04.2013, 13:14
...mit "Kinder" habe ich nicht so die Erfahrung. Mit Kind bin ich auch in den Alpen unterwegs gewesen. Ich würde sehr viel vom Kind abhängig machen. Ich habe meinem großen vor dem Watzmann Hocheck (er war 10) und der Karwendelquerung inkl. Birkaspitze (er war 11) eingeschärft, dass ein Komando von mir in den Bergen nicht diskutiert wird. Mein Kleiner würde diese Regel nie akzeptieren und daher mache ich mit Ihm andere Strecken. Wo er auch weiter rumtollen kann, wenn ich es eigentlich nicht mehr möchte.
Der Große hatte immer ein PLB dabei. Er wußte das er zunächst mit dem Telefon versuchen sollte. Nummer war eingespeichert. Ich habe ihm immer gesagt wo wir in etwa sind, dass er dass eben auch ansagen kann. Falls das alles nicht hilft, wußte er, er soll die rote Kappe abbrechen, dass Ding platt hinlegen und warten.

Das ist bei den angesprochenen Routen eigentlich nicht notwendig, weil immer genug Volk da sein sollte....aber im Fall eines Falles...

clinepid
29.04.2013, 17:04
@Hunter9000
Mögliche Szenarien haben wir durchgesprochen.
Beim Wandern auf Mallorca war er mit Mobiltelefon, Nummer der deutschsprechenden Unterkunft und einer Landkarte ausgerüstet.

Das gab etwas mehr Sicherheit.


Weitere Kommentare?

blue0711
29.04.2013, 17:48
Ich war zwar bisher nicht in einsameren Gegenden mit Kind unterwegs, eher Umgebungen wie die Alpen, aber auch da kann im Notfall eine halbe Tagestour bis zur Zivilisation anstehen.

Ich sehe auch primär die Vermittlung von Orientierung und Notfallkenntnissen.
Ein Handy bringt zB. nix, wenn man nicht weiß, wo man ein Netz finden könnte und stattdessen hilflos umeinanderspringt.
Ein Biwak errichten kann den Kleinen richtig Spass machen und sie lernen was für den Notfall.

Auf Tour lass ich meine Kleine schon immer vorlaufen. Wir sprechen den Weg durch und sie sucht ihn dann. Dadurch ist sie in der Lage, den Weg zurück oder eben auch weiter zu finden und auch einzuschätzen, was davon besser ist.
Und ebenso wichtig für mich: Wenn Fragen sind, fragt sie, nicht ich. Damit sie sich im Ernstfall nicht abstellen lässt.

Kurz, ich hab immer versucht, alles so einzurichten, dass das Kind auch ohne mich mindestens die nächste Station findet.

Auf der Basis würde ich mir mittlerweile auch anderes zutrauen. Schottland würde ich keinesfalls zuviel finden.

Problematisch finde ich eher, wenn dann noch unbekannte Sprachhürden dazukommen. Englisch sollte für einen zehnjährigen ja schon möglich sein, aber in manchen Gegenden ist man schon auf Hände und Füße und eine gute Portion Durchsetzungsvermögen angewiesen.
Leider ist ja Ausland nicht gleichbedeutend mit kinderfreundlicher.

In einer hilflosen Situation sind Kinder dann schnell völlig überfordert und ausgeliefert.
In so einer Situation handeln die Kleinen dann völlig irrational und unvorhersehbar.
Und dann hilft auch beherrschte Technik nicht weiter.

clinepid
29.04.2013, 20:15
Danke für die Einschätzungen.

Es beruhigt mich zu lesen, dass abgelegene(re) Wanderziele in der Konstellation "1 Erwachsener + Kind(er)" auch von anderen als machbar (und nicht gleich als unverantwortlich) angesehen werden.

Ich denke, die Jungs (der ältere zumindest) ist auf einem gutem Weg, Outdoor-Alltagstauglichkeit zu erreichen - einige Anregungen nehme ich mit (wie z. B. Ausschau halten nach geeigneten Stellen für Mobilempfang).

Weitere Erfahrungen und Einschätzungen, vor allem zu PLB o. ä., sind willkomen.

Jakob
30.04.2013, 13:50
Hallo

Ich frage mich bei solchen Fragen immer, sind Eltern mit ihren Kindern vor 20 Jahren ohne Handy und GPS-Ortung nicht in abgelegeneren Gegenden unterwegs gewesen??

Die Frage nach der Sicherheit und was man im Unglücksfall macht haben wir auch oft von anderen gehört. Uns selber hat das Thema zwar immer unterwegs mit Bedacht agieren lassen, aber für jedes Szenario was passieren kann waren wir nicht vorbereitet.

Natürlich ist die Konstellation von nur einem Erwachsenem und 2 Kindern was anderes als bei mehrer Erwachsenen. Aber wenn die Kinder auch "outdoorerfahren" sind der Große mit einem GPS umgehen kann dann sind es doch eher andere Fragestellungen die über die Machbarkeit eines Reiseziels mit Kindern entscheiden. Wandern auf Island und Grönland habe ich auch mit meinen Kindern geplant!

Jakob

TanteElfriede
30.04.2013, 14:14
...ich nochmal. Klar bringe ich meinen Kindern bei sich zu orientieren, den Weg zu finden, Entscheidungen über weiter oder nicht zu treffen... den PLB habe ich meinem Kind deswegen geben, weil u.U. ja der Papa abstürzt, dann unten wimmernt liegt. Ob der Zwerg da vorwärts oder rückwärts zu einer Hütte gehen will/soll, ob er die Stelle wo der Alte liegt sicher wieder findet?... Um ihm für diesen Fall nicht allein zu lassen hatte er den PLB in seinem Rucksack. Für nichts sonst.

Und klar, vor 20-30 Jahren ist man ohne losgegangen. Aber mal im Ernst, heute ist die Technik da, warum also nicht diese Stück Sicherheit nutzen? Ich gehe ja auch mit Karte wandern. Oder Nachts Traillaufen. Aber es ist doch nett zu wissen, dass ein GPS im Handy (ja auch das kann aus sein, der Empfang getrübt oder sonst ein Problem), falls man dann doch bibbernd an einer Ecke steht und sich verdaddelt hat, das man dann flott den Punkt wiederfindet wo man gerade ist.

Und Orientierung ist so eine Sache. Die haut halt nicht immer hin. In der Flugausbildung hies dann immer die 5C berücksichtigen. Confess, Circle, Communicate, Calculate, Cry....Und das gilt beim Wandern auch. Sich eingesetehen das man nicht mehr weiß wo man ist. Circle ist nicht so wichtig, man kann ja stehen bleiben, im Flieger nicht so gut, reden (ggf. mit anderen aus der Gruppe) nachrrechnen wo man wohl sein könnte.... tja und wenn alles nicht hilft heulen.

clinepid
30.04.2013, 17:27
Es geht mir tatsächlich um den Punkt "Was passiert, wenn der einzige Erwachsene verunglückt?". Und das nicht aus der Perspektive des Erwachsenen, sondern aus der der Kinder.

Mus
30.04.2013, 17:58
Ich glaube auf den Gedanken darf man sich nicht zu sehr einlassen, sonst bleibt man tatsächlich zu Hause und das ist bestimmt nicht besser. Man sollte halt wirklich schauen, welches Risiko man bereit ist einzugehen, wie man es möglichst gering hält und zu was die Kinder in der Situation realistischerweise fähig sind. Die emotionale Komponente dabei lässt sich nicht abschätzen, wird immer katastrophal sein und darf einen aber nicht an jedem "Abenteuer" mit Kindern hindern.

blue0711
01.05.2013, 20:02
Sagen wirs mal so: Die emotionale Komponente ist auch im "normalen" Leben katastrophal. Da kann man nix dran drehen.

Auf Tour müssen die Kids aber halt handlungsfähig bleiben, bis sie Hilfe bekommen können, sonst wird aus emotional existentiell.