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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [TJ, KG, KZ] Tadschikistan, Kirgistan, Kasachstan in 3 Monaten mit dem Rad



estate
28.02.2013, 13:04
Übersicht:

Ich bin 3 Monate lang im Sommer 2011 in Zentralasien unterwegs gewesen. Ausgangspunkt war Duschanbe, da diese Stadt sehr gut mit der Air Baltic erreichbar ist.
Über den Khaburabot-Pass ging es ins Panjital und über Ishkashim in den Wakan Korridor.
Ich konnte Zugang zum Zorkul-Nationalpark bekommen und auf sehr einsamen Pfaden nach Murgab zurückfinden.
Dem Pamir-Highway folgte ich nach Kirgistan, um über Jalal-Abad und Kasarman zum Song-Kul-See zu glangen.
Am Rand vom Issuk Kul vorbei habe ich die erst waghalsig enge, und später irrational breite Hauptstraße nach Biskek genommen.
Von Biskek ging es direkt nach Almaty um von dort eine recht ordentliche Runde durch Kasachstans Westen zu machen: Assy-Plateau - Dschungarischer Alatau - ordentlich viel Wüste - Ust Kamenogorsk - Altaigebirge - Marcakolsee - Wüste - noch mehr Wüste - Almaty


Dauer: 89 Tage
Kilometer: einige (RIP Tacho)
Gewicht: 20 Kg (ohne Essen, Fahrrad und Mich)
Höhenmeter: Weniger als man denkt
Regentage: 4
Langweilige Tage: 3
Beste Orte: ZorKul See, Narntal, Song Kul, Assyplateau, Marakolsee
Böse Menschen: 4
Spontane Ausweiskontrollen auf der Straße: 1
Bestechungen: 3
Radfahrer: 43
Entkeimtes Wasser: 450 Liter
Maximale mitgeschleppte Wassermenge: 9l
Wassermelonen: 13
Reifenpannen: 7
Ruinierte Reifen: 2
Übernachtungen in Unterkünften: 3
Gegessener Grieß: 2 KG
Gegessene Nudeln: Ich mag keine Nudeln mehr
Verbrauchtes Benzin: 10 l
Kosten: 1200 Euro mit Visa, ohne Ausrüstung
Probleme: keine

Route:

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Zentralasien_politisch_2010_preview.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Zentralasien_politisch_2010.jpg)

Original Karte: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Zentralasien_politisch_2010.jpg&filetimestamp=20100419203957

Der Reisebericht ist schon länger fertig, allerdings muss ich ihn nach und nach mit einem Konverter von HTML in BB Code konvertieren.

estate
28.02.2013, 13:06
Zuerst gilt es nach Wien zum Flughafen zu gelangen. Am Bahnhof in Wien wird erst mal alles aufgeladen und losgefahren.

Irgendwie komme ich mir in Europa mit so viel Gepäck schon etwas eigenartig vor. Das GPS zeigt mir die Luftlinie zum Flughafen an, und es geht los. Jedenfalls so weit, bis das GPS an einer Bodenwelle vom Vorbau fällt. Die Sicherheitsleine hält es fest und es baumelt von der Lenkerstange, jedenfalls so lange bis es in die Speichen gerät und etwa 10 Meter nach vorne geschleudert wird. Ein paar Sekunden lang zeigt es noch alles normal an, bis die Flüssigkeit des gebrochenen LCDs ins restliche Display läuft. Am Straßenrand ersetze ich noch die dabei gebrochene Speiche, sowie den Schlauch der ebenfalls ein Loch bekommen hat. Die Felge muss auch ganz schön nachzentriert werden. Etwas frustriert bin ich schon, ich hab zwar keine Probleme mit Kartennavigation, jedoch hatte ich auf dem GPS Wege eingezeichnet, die man nur am Satellitenbild sehen kann.



Die Vorfreude lässt mich aber den Verlust schnell vergessen, und ich fahre mit dem Kompass weiter. Auch wenn ich sehr selten in Wien bin, weiß ich immerhin dass der Flughafen im Westen liegt. Ich erfahre, dass man mit dieser Art von Navigation in Österreich auch im Stadtgebiet sehr schnell auf einen Feldweg zwischen den Krautäckern gelangen kann. Aber ich habe genug Zeit, der Flug ist erst am nächsten Vormittag. Irgendwann erreiche ich dann doch den Donauradweg und kann sogar einen Zeltplatz neben dem Donaukanal finden.



Am nächsten Tag wird noch einmal eingekauft. In der Früh zuvor hatte ich kein Wasser mehr und war mir offenbar zu schade, es in der Donau aufzufüllen. Wenn ich gewusst hätte, aus welchen Gewässern ich erst in Kasachstan trinken würde...

Das kaputte GPS wird noch bei der Post heimgeschickt, und dann der Flughafen angesteuert. Am Flughafenschalter verlangt die Dame vom beauftragten Subunternehmen, dass ich mein Fahrrad irgendwie einpacken solle, worauf ich sie auf die Transportbedingungen der Fluglinie aufmerksam mache. Am Sperrgepäckschalter ist das dann natürlich kein Problem, nur solle ich ein wenig Luft aus den Reifen lassen, da die Reifen in der Druckkabine sonst kaputt werden...


Jetzt geht’s los:

Nach einem recht rauen Landeanflug geht es mit dem Flughafenbus zur Ankunftshalle. Dort läuft alles gut, mein Einreiseformular wird ohne Probleme vom Beamten korrigiert und mein Fahrrad durch die Kofferklappe durchgereicht. Ein paar andere Fahrräder sehe ich auch noch, allerdings gut verpackt. Nachdem überprüft wird, ob man auch sein eigenes Fluggepäck mitgenommen hat, tritt man durch eine normale Brandschutztür und steht plötzlich auf der Straße.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0001.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0001.jpg)

Der Flughafen in Duschanbe

Das Rad ist schnell beladen, und es gilt an Bargeld zu gelangen. Es ist erst 5 Uhr früh, aber der Platz vor dem Flughafen ist gut bevölkert.
Offenbar gibt es keinen Warteraum, und die 2 Check in Schalter haben noch nicht offen. Die 3 Bankomaten im Hauptgebäude verweigern mir ihre Dienste. Gut, dass ich etwa 250 Dollar und 250 Euro eingepackt habe. Erst in Ust-Kamenogorsk, nahe der russischen Grenze werde ich das erste Malbeim Bankomaten Geld bekommen. 40 Euro sind erst einmal gewechselt, jedoch werde ich doch etwa 80 Euro in Tadschikstan verbrauchen. Der Wetterbericht hat 42 Grad in Duschanbe angesagt, was ich ja durchaus mal erleben möchte, aber nicht heute. Da in Duschanbe michwederbürokratische noch touristische Attraktionen aufhalten können, fahre ich direkt auf den Pamir-Highway und damit raus aus der Stadt. Es ist gut, dass ich ein Touristenvisum bekommen habe, andernfalls müsste ich mich erst hier registrieren.

Zuerst werden Brot und Tomaten, dann Benzin gekauft. Durch die frisch asphaltierte Straße kommt man sehr gut aus der Stadt raus. Es ist schon sehr viel auf der Straße los, überall gibt es Händler und Pendler die auf Mitfahrgelegenheiten warten. Auf den Feldern ist auch schon einiges los, der kühle Morgen wird intensiv genutzt. Dabei hat es um 7 Uhr schon 32 Grad. Die Luft ist unheimlich dunstig, und es bessert sich auch nicht, wenn ich aus dem Kessel, in dem Duschanbe lieg herauskomme.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0003.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0003.jpg)

Es geht eine Zeit lang durch eine Hügellandschaft, und wie erwartet wird es mir dabei ziemlich warm.

Noch bin ich nicht soweit, dass ich das Wasser aus den Bewässerungssystemen trinke, deshalb muss ich mir recht häufig in den unzähligen Verkaufsständen Nachschub holen. Traurig ist, dass das Mineralwasser in den Geschäften das einzige Produkt aus das Tadschikistan ist, das mir auf der gesamten Tour unterkommt. Außerdem habe ich nur im Fernsehen Industriebetriebe gesehen.

Ich habe mich entschlossen die Tour komplett mit kurzer Hose und kurzem Trikot zu fahren, was ich nicht bereue. Bei der Hitze wäre etwas anders sowieso schwer möglich geworden, und bei Fremden wird das offenbar sowieso akzeptiert.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0005.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0005.jpg)

Dunstige Landschaft 30km westlich von Duschanbe.

Wurde ich im Iran schon häufig angesprochen, ist das in Tadschikistan bestimmt doppelt so häufig. In einem Ort werde ich vom ersten Polizisten aufgehalten, der mich aber sehr freundlich fragt "woher" "wohin" und wie viel das Rad kostet. Woher und Wohin, diese beiden Fragewörter werde ichoch sehr oft hören, und später auch von einander unterscheiden lernen. Immerhin kann ich aber schon flüssig aufsagen aus welchem Land ich stamme.
Da aber mit "Afstrija" jeder nur Australien versteht werde ich eben Deutscher. Statt Telematik studiere ich halt "elaktrotachik" und das Rad kostet 500 Dollar. 500 ist nämlich die höchste Zahl im Sprachführer und außerdem recht nahe dran. Den Mechanikern an der Tankstelle muss ich deshalb die 10000 aufzeichnen, als sie danach fragen, wie lange meine Reifen halten werden. Ein ziemliches Staunen ist die Folge. Nach den Erfahrungen in Kasachstan hätte ich aber wohl im Nachhinein etwa 4000 hinschreiben sollen.

An diesem Tag geht es noch einen kleinen Pass hinauf, und dort aber nicht wieder bergab sondern kontinuierlich kaum merkbar bergauf. Die Landschaft ist neben der trockenen Textur damit auch von der Form komplett anders, als man in Europa gewohnt ist.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0006.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0006.jpg)

estate
28.02.2013, 13:08
Die Gegend hier ist offenbar sehr streng muslimisch, hier tragen alle Freuen ihr Kopftuch sehr gewissenhaft. Wenn ich meine Schlauchhaube so aufsetze, dass es wie ein Kopftuch aussieht, dann hören prompt alle Männer zu grüßen auf. Am Abend sollte ich mir langsam einen Schlafplatz suchen, aber die Gegend ist recht dicht besiedelt, und es gibt keine Bäume als Deckung. Ich fühle mich in dem Land wegen der freundlichen Menschen schon recht wohl, komplett öffentlich möchte ich aber heute noch nicht schlafen. Es passt mir deshalb recht gut, dass mich ein Mann anspricht und mich zu sich nach Hause einlädt.


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Das Zimmer meines ersten Gastgebers.

Ich werde zuerst mal durch den Hof herumgeführt. Wie alle Dörfer sind auch hier dichte Pappelalleen vorhanden, die die Grundstücke von einander trennen und Schatten für die Gemüsefelder bieten.

Im Garten werden zwischen Apfelbäumen Kartoffeln angebaut und ein kleiner Kuhstall ist vorhanden. Es gibt fließendes Wasser, allerdings aus dem Bewässerungssystem im Hof. Hier werden Kleider Körper und Geschirr gewaschen. Trinkbar ist diese Wasser jedoch nicht, es wird jedoch zum Teekochen verwendet. Der Mann zeigt mir stolz seine Besitztümer, einen alten Lada, einen Lastwagen den er einmal berufsmäßig gefahren ist, sowie sein größter Stolz, ein UAZ - vergleichbar mit dem amerikanischen Jeep. Er deutet er auf einen halben Motorblock in der Garage, den er offensichtlich eigenhändig ausgetauscht hat.
Heute sei Benzin aber nicht mehr leistbar um mit den Fahrzeugen zu fahren. Die kleine Landwirtschaft wird offenbar ohne weitere Maschinen geführt.

Die Frau des Gastgebers ist schon gestorben, aber es gibt noch die Tochter die mit ihrer Familie im Nachbarhaus wohnt. Mir wird gleich von ihr eine große Schale Joghurt mit Fladenbrot aufgetischt. Als sie reinkommt grüßt sie nur kurz und richtet ihren Blick permanent auf den Boden. Das saure Joghurt wird höflich mit viel Fladenbrot heruntergewürgt, und ich fange mit dem Gastgeber zu reden an. Viel verstehe ich nicht, jedoch dass er selbst mit dem Fahrrad über den Pamir einmal nach Osh gefahren ist. Ob das noch zu Sovietzeiten war finde ich nicht heraus, muss aber fast sein, da der Mann relativ alt ist, und folglich vor dem Tadschikischen Bürgerkrieg gefahren sein muss. Offenbar war es damals möglich in Panjital zu reisen. Vielleicht ist er aber gar nicht über den Pamir gefahren. Auf jeden Fall dürfte damals die Straße besser gewesen sein.

Da es recht anstrengend ist mit jemanden russisch zu reden, wenn man nur 12 Vokabel beherscht, bin ich froh dass der Schwiegersohn dazu kommt. Er kann zwar kein Englisch, akzeptiert jedoch, wenn ich etwas nicht verstehen kann.Einige Bewohner der Ex-Sovietländer scheinen nämlich die Angewohnheit haben, Sätze oder Worte einfach nochmals und lauter zu wiederholen. Beim 5. Mal, wenn es schon fast geschriehen wird, geben sie dann meistens auf. Der Schwiegersohn ist offenbar der Stolz der Familie. Er ist 25 und arbeitet in Duschanbe als Jurist. Ich finde es lustig, dass er mich fragt ob ich schon Kinder habe, aber er ist nur 2 Jahre älterund hat schon 3 Stück. Ebenso stolz ist er auf seinen Chinesischen Minivan, der ihm nur 5000 Dollar gekostet habe. Mir kommt dieser Preis aber doch recht hoch vor, zumal er schon sehr lange gebraucht wurde.

Seine Frau kommt vorbei, und will irgendetwas von ihm, wobei er ihr deutlich zeigt, wer das Sagen hat. Aber offenbar ist diese Geste durch meine Gegenwart induziert worden, denn die Frau lässt ihm das nicht durchgehen, und fängt an Ihn anzuschreien. Nach ein wenig hin und hergeschubse setzt er sich dann durch und bleibt bei uns im Zimmer. Nach dem es dunkel geworden ist, wird da Licht ausgeschaltet, indem einfach die Glühbirne aus der Fassung gedreht wird. Trotz Widerspruch ist mir das Bett des Gastgebers zugeteilt worden, er schläft mit Decken auf der Plattform neben mir. Um 6 Uhr werde ich geweckt und es gibt Brot mit Tee als Frühstück. Ich bekomme noch Brot mit auf den Weg und werde sehr herzlich verabschiedet.

Mein heutiges Tagesziel lautet Nudeln kaufen. Das russische Wort aus dem Sprachführer zeigt nicht viel Erfolg, "Macoron" lautet das Zauberwort, mit dem der Verkäufer beginnt dieses Grundnahrungsmittel aus einem gut versteckten Sack hinter der Theke abzufüllen. Heute aber kaufe ich nur eine Packung Spaghetti, die offenbar mehr kostet als in Europa. Beim Einkaufen muss man sehr acht geben. Die Produkte kosten in der Regel etwa 1/4 des Preises in Europa. Jedoch gibt es nur die Grundnahrungsmittel um den Preis. Alle importierten Produkte aus Europa der Türkei oder Russland sind recht teuer. Allgemein muss man erst lernen in Länden einzukaufen. Wenn man das beherrscht kann man sich auch in Tadschikstan gut eindecken.

Ich komme an dem ersten Polizeicheckpoint vorbei, jedoch muss ich hier im Gegensatz zu anderen Radfahrern nichts vorzeigen. Der Polizist fängt nur kurz zu plaudern an, und erzählt mir, dass 2 Schweizer vor einer Stunde durchgefahren sind. Ich solle ihnen schnell nach und sie treffen. Ich beeile mich jedoch nicht, wenn ich schneller bin werde ich sie sowieso einholen. Ich vernichte jetzt die Höhenmeter die am Vortag gemacht wurden und fahre in das Tal hinab, in dem in Zukunft der Rogun Staudamm stehen wird. Es gibt eine Abzweigung Richtung Rogun, und Propaganda deutet an, dass man hier zur Baustelle kommt.

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Rogun Baustelle in dicken Staubschwaden.

Eigentlich sollte ich die Baustelle auch von der Straße aus sehen, aber das ist leider nie der Fall, vielleicht ist das auf dem Foto oben schon die richtige Baustelle. Ich kann lediglich die Steinbrüche sehen, aus denen der Schotter für den künftig höchsten Staudamm der Welt gewonnen wird.
Der Staudamm ist für Tadschikistan von doppelter Bedeutung. Der Strom lässt sich gut nach Usbekistan exportieren, außerdem ist damit auch das Wasser besser kontrollierbar, welches ebenfalls exportiert wird.

Mit der Abfahrt endet der relativ neu Asphalt, jetzt bin ich bis Kirgistan auf die Überreste des Sovietasphalts angewiesen. Grund für den schlechten Straßenzustand soll auch der Rogun sein, dessen Damm hier einmal alles fluten soll. Diesem Tal folge ich heute fast den ganzen Tag lang. Für alle Täler in Tadschikistan gilt Aufstiegsverhälniss 1:3 : Um 100 Höhenmeter am Flussverlauf zu gewinnen müssen 300 Höhenmeter durch die Gegensteigungen gewonnen werden. Bis Ishkashim kann man diese Regel anwenden.


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Versorgungsbrücke für das Garmtal, allerdings nicht breit genug für Autos.

Die Landschaft fängt mir an richtig zu gefallen, allerdings ist es so staubig, dass man nicht sehr weit sieht. Trotz der schlechten Straße und den vielen Steigungen macht es hier richtig Spass Rad zu fahren.

Ein Polizist hält mich wieder an, er möchte aber nur etwas plaudern und ist ziemlich erfreut über die Abwechslung die ich ihm biete. In älteren Reiseberichten hätte ich jetzt schon 3 Ausweiskontrollen und 2 Checkpoints hinter mir. Es ist also schon jetzt ersichtlich, dass es immer lockerer wird. Man muss auch sagen, dass speziell diese Region sich sehr entspannt. Es gab den Fluss aufwärts vor 1,5 Jahren recht heftige

Auseinandersetzungen mit Regierungsgegnern, mehr als 60 Soldaten sollen die Tadschiken dabei bei einen Hinterhalt verloren haben. 3 Monate vor meiner Abreise kam aber die Nachricht, dass man jetzt die letzten Bandenchefs erwischt habe. Als ich durchkomme erinnert aber höchstens der einzelne unbewaffnete Soldat, der den Checkpoint am Ende des Tales verstärkt, daran.

An diesem Checkpoint überquert man den Fluss und man gelangt in ein steiles Seitental.

Bei dem ersten Checkpoint wusste ich noch nicht so recht was man tun muss, aber es ging trotzdem sehr einfach. Die Polizei hat hier kein Auftreten wie die Europäische Polizei. Die Polizisten machen eher einen kumpelhaften Eindruck. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass sie die Abwechslung lieben die wir ihnen bereiten oder, dass mit den Fremden besonders allgemein freundlich umgegagen wird. Immerhin müssen die Tadschiken an jeden Checkpoint umgerechnet etwa einen halben Dollar Bestechungsgeld bezahlen. Die Wassermelonen, mit denen jeder Checkpoint gut ausgestattet ist, sprechen für sich. Einen Checkpoint zu besuchen ist schon eine Erfahrung für sich. Die Uniformen der Polizisten sind in Top Zustand alles sitzt perfekt, dann folgt man dem Polizist in die bescheidene Kabine, die im ersten Fall aus einem ausrangierten Baustellenanhänger besteht. Dort ist nur ein Tisch ein Stuhl und ein Teekocher und an der Wand sind sehr alte Bilder der gesuchten Personen aufgehängt. Auf dem Tisch gibt es dann einen Kugelschreiber und ein riesiges Buch. Dort werden dann die Daten eingetragen. Der Polizist fragt einen wie man heißt, und er trägt es dann in kyrillisch ein. Meine kyrillische Visitenkarte brauche ich nie herzuzeigen.

Nach dem Checkpoint fahre ich in das enge Tal hinein und frage mich wann ich endlich die Serpentinen zum Khaburabot-Pass erblicken werde. Da ich keine Karte mithabe, sondern nur die digitalen Karten auf dem Ebookreader, verschätze ich mich gewaltig. Ich werde den kompletten nächsten Tag noch diesem Tal folgen, bis der Pass in Reichweite kommt.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0014.jpg


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0015.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0015.jpg)
Erste Bachquerung - Das Wasser vor dem Abfüllen kosten, hier ist es leicht salzig


Jetzt muss ich wieder einmal einen Zeltplatz zu finden. Durch das heftige Terrain gibt es aber nicht viele Möglichkeiten. Als ich am Rand einesDorfes vorbeikomme erblickt mich ein Bursche im späten Volksschulalter. Er sprintet bemerkenswert schnell den steilen Hang zu mir hinunter. Erwirkt dabei fast so als hätte er Angst, ich würde vorbei sein, bevor er die Straße erreicht.
Er macht mir deutlich, dass ich ihm folgen soll, er zeigt mir eine Stelle wo ich mein Zelt aufstellen kann. Wie gut dass ich dieses Vokabel heutegelernt habe. Er hilft kräftig mit, indem er mich anschiebt.

Im Dorf gesellen sich andere Jungen dazu, und ich muss fast nicht mehr treten.
Sie machen ein Gartentor auf und meinen hier sei es perfekt. Jetzt muss ich erst einmal überlegen, ob die Besitzer des Gartens auch von der
Gastfreundschaft der Dorfjugend wissen. Aber es gibt offenbar derzeit keine Erwachsenen im Dorf. Erst später trudeln sie mit den Ziegenherden ein.Da ist das Zelt mit Unterstützung der Kinder schon aufgebaut, zur Belohnung darf mit meinem Fahrrad gefahren werden. Einige der Männer kommen
vorbei, reden etwas mit mir und meinen natürlich, dass es in Ordnung ist. Niemand von Ihnen scheint hier zu wohnen, jedoch holen sie immer wiederDinge aus dem Schuppen.

Mir wird langsam klar, dass das Haus so etwas wie ein Gemeindehaus oder Schule ist, da keine Landwirtschaft vorhanden ist. Außerdem ist die Bankneben meinem Zelt eine Art Treffpunkt.



http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0016.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0016.jpg)

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0017.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0017.jpg)


Jetzt bin ich in der Situation, dass ich zwar nichts mehr zu tun habe, aber die Augen der Kinder immer noch auf mich gerichtet sind. Also fange ichzu kochen an, was ja mit dem Benzinkocher auch nicht unspektakulär ist. Jetzt kommt endlich der Besitzer des Hauses vorbei. Er schickt die Kinderweg, die uns augenblicklich verlassen. Ich bin ziemlich von seiner Autorität beeindruckt. Auch die Männer scheinen viel Respekt vor ihm zu haben.Ich halte ihn entweder für einen Geistlichen oder Lehrer. Auf einmal stehen alle Männer auf und gehen auf den Dorfweg. Ich sehe ich etwa 12
Soldaten recht eilig auf uns zumarschieren. Da in dieser Region schon einiges vorgekommen ist, beobachte ich natürlich gespannt was nun passiert.Die Soldaten werden freundlich von den Dorfbewohnern begrüßt, dem Oberhaupt wird natürlich zuerst die Hand gegeben. Dann sehe ich den Grund fürdie Eile, die Wasserquelle neben dem Grundstück. Erst wenig später entdecken sie mich. Der kleinste von ihnen, ihr Kommandant begrüßt mich
ebenfalls herzlich, und spricht selbst für europäische Maßstäbe sehr gut Englisch.

Erst ist er entsetzt, dass ich alleine in so ein gefährliches Land reise und auch kein Russisch spreche. Er etwa gleich alt wie ich, und seit 2Jahren Offizier. Nachdem ich ihm gezeigt habe, dass ich kein Greenhorn bin, und auf alle Eventualitäten vorbereitet bin, scheint er sich etwas zuentspannen. Er meint aber, Tadschikistan sei sehr gefährlich, aber hauptsächlich weil man bei einem Unfall sehr schlechte
Evakuierungsmöglichkeiten habe. Ich spreche Ihn darauf an, ob es Kriminalität gegen Ausländer gebe, aber er meint so etwas würde in Tadschikistannicht vorkommen. Da er ziemlich ehrlich ist glaube ich ihm das auch. Er meint der Militärdienst sei in etwa wie bezahltes Gefängnis und seine
Mission sei relativ unnötig. Der permanente Auftrag seiner Truppe ist es auf die Berge zu steigen und dort zu patrollieren. Auf die Frage, ob erin den Bergen Menschen treffe antwortet er, dass er irgendwann schon mal jemanden getroffen habe. Das wichtigste sei aber viel mit den Menschen inden Dörfern zu reden, damit sie wissen, dass es Soldaten in den Bergen gibt. Der Offizier scheint recht intelligent, auf Fragen die er nicht
beantworten darf, weicht er sehr geschickt aus. Ich bekomme beispielsweise nicht aus ihm heraus, mit welchen Fahrzeugen die Soldaten unterwegssind. Interessant finde ich, dass er selbst gerne Reisen unternimmt, meist mit dem Bus nach Pakistan, Afghanistan, Indien oder Usbekistan.

Die Soldaten werden in dem Gebäude neben meinen Zelt untergebracht und sind bei Tagesanbruch schon in die Berge unterwegs.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0019.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0019.jpg)
Versorgungsbrücken in die Dörfer auf der anderen Talseite


Immer noch mit staubiger Luft geht es dem Tal entlang weiter. Diese Region scheint mir ziemlich schlecht entwickelt zu sein. Die Hütten werdenärmer und es gibt viele Entwicklungshilfestationen in den Dörfern. Es scheinen recht viele Menschen den wenigen Boden zu bewirtschaften. Nach
einigen Stunden komme ich zur markanten 90 Grad Kehre des Flusses und auch zum Checkpoint. Dieser Checkpoint ist für mich nur dadurch zu erkennen,dass ein Soldat raus stürmt und mir nachschreit stehen zu bleiben. Ich hatte zwar die Checkpointtafel gesehen, aber nicht gedacht, das diese Hütteschon der Checkpoint ist. Trotzdem ist auch hier niemand unfreundlich. Der Polizist deutet auf die Namen im Buch und meint, dass auch das Radfahrergewesen seien. Diesmal ist das Personal mehr am Fahrrad interessiert, besonders die faltbare Isomatte wird intensiv begutachtet. Es gibt noch einegenaue Angabe, wo ich zu Pass abzweigen muss, die wirklich auf den Kilometer genau stimmt.



20 Kilometer sind es noch bis ich den Fluss verlassen werde und endlich zum Pass ansteigen kann. Unterwegs treffe ich noch eine neuseeländischeRadfahrerin, die erste von 43 Radfahrern die ich noch in Zentralasien sehen werde. Sie wirkt ziemlich ausgehungert, und freut sich schon sehr aufetwas Besseres zu essen in Duschanbe. Der Pamir Highway führt jetzt kurz durch ein Geröllfeld, dass erst durch die Unwetter vor 2 Jahren
entstanden ist. Hier ist die schlechteste Stelle auf der Strecke, die Straße ist nur mehr so breit wie ein Feldweg und viel unebener. Unglaublichdass hier fast sämtliche LKWs durchfahren, die Waren aus China importieren.

Der Fluss wird überquert, und bei einer Rast das Hinterrad ziemlich stark nachzentriert. Irgendwie schade, jetzt habe ich mir extra für so eineTour ein mit Tensiometer eingespeichtes Hinterrad gekauft, und jetzt schon ist die Speichenspannung komplett unregelmäßig. Ein Schlag bleibt, erstin Kasachstan wird mir langweilig genug sein, auch das noch zu beseitigen.

Knapp nach der Flussüberquerung gibt es noch einen Checkpoint. Zur Verabschiedung drückt mir der Polizist mit seinen großen Händen kräftig dieHand, was ich noch fester erwidere. Er ist begeistert, dass ich auch so große Hände habe, und wir halten eine Runde Armdrücken ab. Da ich zuerstmit meiner schwachen Hand gewinne habe ich den Verdacht, dass er mich die erste Runde gewinnen hat lassen.


Ein Dorf später winkt mich eine Gasthausbesitzerin so freundlich zu sich, dass ich spontan beschließe einzukehren. Ich finde heraus, dass Suppekeine Vorspeise ist, und bestelle "fried meat". Die Wirtin hat nämlich eine handgeschriebene Übersetzungsliste zur Hand. Erst gibt es Tee, dannkommt das Brot und schließlich gekochte Ziegenteile mit Salz und Zwiebeln. Irgendwie habe ich nicht mitgedacht, dass es so etwas sein könnte.
Ziegenfleisch bekomme ich in Europa ja schon nicht herunter, und jetzt das. Ich bin höflich kaue, schlucke, würge und stelle mir vor das es jetzt3 Wochen lang bestimmt kein Fleisch mehr geben wird, und das ich es genießen soll. Irgendwie geht es dann schon, aber die Niere lasse ich übrig.Das restliche Brot packe ich ein, das bekommt man nämlich kaum in den Geschäften zu kaufen. Ich verabschiede mich von den Damen, und darf ein
Abschiedsfoto machen. Trinkgeld ist unbekannt, der zusätzliche Som wird sofort erkannt, und mir mit Unverständnis zurückgegeben.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0021.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0021.jpg)
Erst gibt es Tee...



http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0022.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0022.jpg)
...dann gekochtes Schaffleisch (man beachte die Niere)...


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0023.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0023.jpg)
...und zum Schluss noch ein Abschiedsfoto der Gasthauscrew.

ronaldo
28.02.2013, 13:09
Hi,

oh geht ja schon los!

Insbesondere interessiert mich:


Langweilige Tage: 3
Böse Menschen: 4
Bestechungen: 3
Radfahrer: 43

estate
28.02.2013, 13:09
Bei einsetzender Abendstimmung folge ich dem Seitental weiter. Ich mache schon ordentlich Höhe, dabei ist der Pass noch nicht in Sicht. Das Talwird enger, und zu einem richtigen Canyon, mit enorm hohen Felsformationen.
http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0025.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0025.jpg)

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0026.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0026.jpg)


Es überholt mich ein Geländewagen, der mir heute schon begegnet ist. Ich erkenne ihn sofort wegen der markanten Reserveradabdeckung wieder. In dernächsten Kurve steht das Auto am Straßenrand mit dem Fahrer drinnen, und ich überhole den Wagen. Später überholt er mich wieder und ich passiereihn erneut. Als er nicht dann wieder überholt wächst in mir Unbehagen, immerhin macht der Wagen das Spiel genau in der einzigen einsamen Gegenddie ich heute durchquere. Um meine Paranoia zu zerstören fange ich mit dem Fahrer bei der nächsten Gelegenheit ein Gespräch an. Sofort sind alleZweifel beseitigt, er wirkt sehr freundlich, und ich sehe, dass sein Beifahrer dabei ist, an den Straßenböschungen wilde Zwiebeln zu ernten.

Heute finde ich einen guten Ort für mein Zelt, das Flussbett ist breiter und auf der anderen Seite gibt es eine ebene Fläche. Ich bin zwar füralle sichtbar, aber außer der Reichweite der Straße. Etwa 500m ist ein Haus entfernt, und der Besitzer beobachtete mich eine recht lange Zeit
lang. Allerdings hatte er wohl keine Motivation den Bach zu überqueren und seine Neugierde mit einem Gespräch zu stillen.


Am Morgen stehe ich wieder sehr früh auf, ich will von der Kühle des Morgens in die Kühle der Höhe gelangen, ohne dazwischen ins Schwitzen zu
kommen. Mein Zelt steht auf 2500m und ich muss nur noch auf 3250m zum Pass. Ich bin aber noch nicht so gut trainiert und so erreiche ich erst zuMittag den Pass.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/panoramen/thumbs/panor3r.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/panoramen/panor3r.jpg)
Der Pass mit der bekannten Bushaltestelle

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0031.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0031.jpg)
Die Haltestelle war offenbar einmal eine Stellung im Bürgerkrieg.



Es ist schon eigenartig, dass man auf über 3200 Metern Höhe ist und rundherum nur Grashügel sind. Da ich noch nie so hoch gewesen bin freue ichmich, dass ich die Höhe nicht spüre und sehe das als gutes Zeichen für den Pamir. Leider bin ich noch der Meinung mein Rad schonen zu müssen undfahre also deutlich langsamer bergab, als ich eigentlich könnte. Durch die schlechte Straße trägt der Luftwiderstand nicht zur Bremsleistung beiund ich muss viele Pausen machen, um die Felgen abzukühlen.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0032.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0032.jpg)
Bei der Landschaft stört das aber nicht


Leider ist die Luft immer noch alles so staubig. Irgendwann während der Abfahrt fängt etappenweise der Sovietasphalt an, und man muss
Notbremsungen machen wenn er plötzlich wieder aufhört.
Im Tal angekommen wird man erst einmal durch den Militärcheckpoint abgebremst. Hier sollen also die Drogen abgefangen werden, die von Afghanistannach Europa kommen - Also rohes Opium zur Weiterverarbeitung. Es gibt ja aber noch die andere Strecke über den Nurekstaudamm, und die Grenze zuAfghanistan ist ja noch viel länger. Es wäre ja schon traurig, wenn alle Drogen durch diesen Checkpoint kommen würden. Aber auf jeden Fall weisich jetzt warum die Route über Tadschikistan und nicht den Iran läuft: Im Iran habe ich einen der vielen Drogencheckpoints gesehen. Dort sieht daswie eine richtige Grenzabfertigung aus, und hier sind das 4 Soldaten mit einer gemauerten LKW Rampe. Der Kommandant nimmt den Pass geht in diebefestigte Hütte und gibt ihn mir nach 3 Minuten wieder. Der einzige bewaffnete Soldat öffnet mir das Tor und ich bin durch. Ein Jahr zuvor
mussten hier Radler noch ihr Gepäck durchsuchen lassen.


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Ungebremst rauscht der Seitenfluss Richtung Panji.



Das Tal fällt jetzt steil ab und der Rückenwind verstärkt meinen Spaß den ich dabei habe. Viel zu schnell mündet der Fluss in den Panji ein.
Die Taxifahrer im Ort an der Mündung zeigen starkes Interesse an mir, aber ich lasse sie schnell hinter mir, hauptsächlich weil es immer noch
bergab geht.

Im Ort treffe ich noch kurz einen Niederländer, welcher aber zu schnell mit dem Sammeltaxi los muss. Leider kann ich nicht herausfinden, was manohne wandern und bergsteigen 3 Wochen lang in Tadschikistan unternehmen kann. Ich besuche gleich noch das Geschäft im Ort. Man merkt sofort, wennder Laden noch im Gebäude ist, in dem er schon zur Sovietzeit war. Es ist eine recht große Halle, mit recht wenigen Lebensmitteln drin. Dort kaufeich die erste von endlos vielen Kondensmilchdosen. Ich mache mir sogar die Mühe das Wort "Haferflocken" aus dem Sprachführer vorzulesen, aber dasgibts nicht.

Jetzt ist es an der Zeit ins Panjital vorzudringen und auch einmal einen Blick nach Afghanistan zu werfen. Afghanistan ist wie zu erwarten einekomplett andere Welt, es gibt nur Gebäude ohne Verputz, Blechdächer, Felder, Esel und Ziegen. Faszinierend ist, wie intensiv die Felder bewässertwerden, und wie viele Terrassen vorhanden sind.

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Die afghanischen Kinder begrüßen mich im Panjital.


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Eines der vielen Dörfer auf der anderen Flussseite.


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Haupttransportmittel, Autos gibt es nur in der Nähe der wenigen tadschikischen Brücken

Das richtig faszinierende aber ist die Abgeschiedenheit dieser Dörfer. Obwohl Tadschikistan gleich über den Fluss ist, sind manche Dörfer nur überdie Berge mit dem Rest des Landes Verbunden. Tolle Pfade führen dort so lange den Hang hinauf, bis man sie mit freiem Auge nicht wahrnehmen kann.In den tadschikischen Dörfern rennen wieder die Kinder enthusiastisch auf mich zu, diesmal gibt es aber auch welche von der bösen Sorte. Einensymbolisch kleinen Stein bekomme ich zugeworfen, und ein 4 Jähriger Knirps will Geld haben. Im nächsten Dorf halte ich eigentlich um Tomaten zukaufen, aber ein eifriger Gastwirt nutzt meine Erschöpfung und Unentschlossenheit, um mich zur Übernachtung zu überreden. Also übernachte ich daserste Mal in meinem Leben auf einer Radtour in einer Unterkunft. Ich werde in den Schlafsaal bugsiert und bekomme gleich das Abendessen
aufgetischt.


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Abendessen


Leider ist der Gastwirt eher unangenehm und übertreibt es mit der Gästeunterhaltung. Mich ärgert vor allem, dass er mir keinen Preis nennen will.Später malt er schließlich 50 Som (~10 Dollar) in den Sand, und ich halte es für recht teuer. Später finde ich heraus, das dieser Preis
mittlererweise Standard ist. Immerhin ist das Abendessen dabei, diesmal Hühnerfleisch, das wegen dem besseren Tier auch besser schmeckt. Währendder Dämmerung erschüttert eine Explosion plötzlich erst Boden und dann Trommelfell. In kurzen Abständen dann noch dreimal schnell hintereinander.Als heute 23 jähriger hat man durch Computerspiele in der Jugend mehr militärische Erfahrung als ein Soldat und somit sage ich mir ziemlich
sicher, dass es vom Geräusch her Schützenpanzer sein muss. Die Vorstellung dass ein Schützenpanzer gerade auf irgendwas feuert motiviert mich dochnachzusehen was draußen vor sich geht. Kaum bin ich draußen, stürzt sich mein Gastgeber auf mich. Er beruhigt mich so energisch, als ob ich gleichin Panik ausbrechen würde. Aber langsam habe auch ich kapiert, dass die gut sichtbare Staubwolke auf der afghanischen Seite durch Sprengarbeitenentstanden ist. Die Afghanen habe offensichtlich Sprengstoff eingesetzt, um einen weiteren Eselspfad in die Steilwand zu treiben.

Was an der Stelle gesagt werden muss, ist dass man in dem Tal durchaus Zeuge von Gefechten werden kann. Besonders im westlichen Teil des Panjisliefern sich Schmuggler regelmäßig Duelle mit dem Militär, ab und zu soll es dabei auch zu Opfern auf beiden Seiten kommen.


Einmal werde ich noch in meiner Ruhe gestört als der leicht betrunkene Gastgeber mich nochmal aufweckt, um mit mir eine Unterhaltung anzufangen.Er erweist sich aber als ganz hilfreich, da er mit mir übt, die Vokabel aus dem Sprachfürer auszusprechen. Teilweise weichen die schon erheblichvon der Lautschrift ab.


Am nächsten Tag verweigere ich noch das Frühstück, weil ich schnell durchstarten will. Nach 40 Kilometern genialem bis mäßigen Tal kommt auf
einmal die Müdigkeit und Erschöpfung der letzten Tage durch und es geht nichts mehr. Ich lege mich 3 Stunden in den Schatten eines Baumes und
schaue in die Luft. Auf Sparflamme geht es durch den engsten Abschnitt des Panjitals auf meiner Strecke. Es wundert mich ein wenig warum in
Tadschikistan immer noch Platz für eine Straße ist, aber in Afghanistan manchmal hunderte Meter hohe senkrechte Steilwände. Als sich das Tal
aufweitet ergibt sich die Gelegenheit einen einsamen Zeltplatz zu finden. Durch Fahrzeugs und Schafspuren vergewissere ich mich der Minenfreiheitund schlage das Zelt auf. Hätte ich noch mein GPS könnte ich die Position verlinken.

Die russischen Militärkarten sind sehr gut und genau, jedes erdenkliche Seitental ist eingezeichnet, jedoch bin ich trotzdem unfähig festzustellenan welcher Stelle ich gerade bin, die Kurven und Kehren sind alle zu ähnlich.

Am nächsten Tag geht es wieder halbwegs zu fahren, jedoch habe ich wieder einmal das Bedürfnis eine Pause einzulegen. Wenn man in Tadschikistanseine Ruhe haben will, muss man sich ein wenig abseits hinsetzen, da man sonst sehr häufig angesprochen wird. Ich komme durch einrecht flachesGebiet mit vielen größeren Felsen, die dort verstreut liegen. Ich denke mir dass ich zwischen diesen Felsen bestimmt einen ruhigen Mittagschlafhätte. Ich will jedoch noch ein wenig weiter, um auch noch die letzten Reserven verbrauchen, und überlege gerade ob es wirklich so gut ist von derStraße runter zu gehen, da kommt mir auf einmal eine Minenwarntafel in Blickfeld. Irgendwie logisch, dass genau hier Minen platziert sind. Diehohen Felsen würden ja eine super Deckung für Angreifer abgeben.


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So sieht ein Minenfeld mit detonierter Mine aus. Wegen der fehlenden Tierspuren kann man die Felder recht leicht identifizieren.


Wenig später
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Afghanische Bewässerungen


Nach einer Flussmündung mache ich erste Bekanntschaft mit den bei Reisenden so verhassten Grenzsoldaten. Den Ersten übersehe ich fast, trotz derirrationalen hellgrünen Tarnfarbe. Er fragt mich irgendwas, aber ich bin gerade berab unterwegs und zu schnell um zu erfahren was. Auch deren
lokales Hauptquartier, ein Checkpoint an einer Brücke Richtung Afghanistan wird ignoriert, obwohl mich die Soldaten offenbar eher in freundlicherAbsicht heranwinken. Eine Kehre weiter treffe ich aber auf eine der berüchtigten Dreiergruppen. Diese Gruppen patrollieren an der Grenze, und
bestehen aus jungen Wehrpflichtigen, die oft weit vom Einflussbereich der Vorgesetzten entfernt sind. Es gibt Berichte von
Süßigkeitenbeschlagnamung bis hin zum echten Raub. Im Lonely Planet Forum hat aber angeblich ein tadschikischer Politiker versprochen sich darumzu kümmern. Auf jeden Fall habe ich niemanden getroffen der mit den Soldaten Probleme hatte, und auch ich wurde nicht behelligt. Ich glaube, dasssie einfach keine Kontrollen mit Touristen mehr durchführen dürfen. Die Soldaten betrieben mit mir nur den üblichen Smalltalk. Als sie dann
fordernd auf mich schauten, als wollten sie meine Dokumente sehen, frage ich ob ich was herzeigen soll. Sie meinten fast energisch, dass so etwasnicht notwendig ist, und verabschiedeten sich. Natürlich hätte ich nicht meinen originalen Pass hergegeben sondern entsprechende Kopien. Ein guterTipp ist es die Kopien auch wirklich griffbereit zu haben.

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So sehen die Grenzsoldaten aus (Das Foto ist erst später entstanden)


Eine Kurve weiter sehe ich die bekannten afghanischen Straßenbauer auf einer unglaublich hohen Felswand mit dem Presslufthammer agieren:

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Im nächsten Dorf treffe ich auf 2 tadschikische Radfahrer. Heute unternehmen sie gerade eine längere eine Radtour. 20 km haben sie schon hintersich, jetzt sind sie auf dem Rückweg. Sie fahren etwa dasselbe Tempo wie ich, aber müssen bergauf schieben, da sie nur Freilaufnaben haben. Ichfrage mich ernsthaft ob die Räder die Strecke überleben. Bei jedem Laufrad fehlen mindestens 3 Speichen und um die Mäntel sind Stofffetzen
gewickelt, die die Schläuche schützen, die durch den Mantel schauen. Ich kann fast nicht zuschauen, wenn die beiden schneller als ich bergab überdie aufgerissene Schotterstraße donnern. Nach 10km platzt der Schlauch des einen mit lautem Knall. Zum Glück passt mein Pannenflicken noch überdas Loch. Den Mantel repariere ich mit Klebeband, und frage mich ob ich das selbst auch Mal machen muss. Am Ende weis ich natürlich die Antwort.
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Meine tadschikischen Mitradler


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Unfallstelle

Nach dem ich mich von den beiden getrennt habe erreiche ich endlich die flache Stelle den Panji. Ich erwarte hier Militär, da jedoch nichts daraufhindeutet finde ich einen gute Stelle zum zelten. Es handelt sich um eine Art Schottergrube, also schön nett Minenfrei. Auf die Straße sehe ichdennoch gut.

Im Nachhinein erfahre ich, dass offenbar noch Martin, ein deutscher Radfahrer, an den Abend noch vorbeigefahren ist. Offenbar ist mein Zeltplatzwider Erwarten nicht so leicht bemerkbar gewesen. Ich fahre durch unzählige Dörfer und auch größere Orte. Das erinnert mich daran, dass ich außerin kurz in Duschanbe eigentlich noch nie in einer tadschikischen Stadt gewesen bin. Ich bin schon gespannt auf Korogh, das heutige Ziel.


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Badeteich


Am Nachmittag passiere ich einen aufgestauten See, den einige Tadschiken zum Baden nutzen. Ich mache es ihnen nach, immerhin erspart mir das dieKleidung zu waschen. Als ich die Kamera nehme um vom Wasser aus ein Foto zu machen entdecke ich diese Zeitgenossin:


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Nach kurzem Lufttrocknen schiebe ich das Rad auf die Straßentrasse hoch, und treffe darauf auf den schon erwähnten Martin aus Deutschland, dergerade mit dem Rad aus meiner Richtung kommt.
Unser Tagesziel ist die Pamirlodge in Korogh, die offenbar fast alle Radfahrer ansteuern.


In Korogh passiert man zuerst das Flugfeld, das auf der Straßenseite mit meterhohem Zaun abgesperrt ist, und sonst völlig offen liegt. Tatsächlichweidet dort auch heute eine Herde Schafe.

Jetzt gilt es die gut versteckte Pamirlodge zu finden. Gerade als Martin eine Gruppe Polizisten fragt, treffen wir auf ein Schweizer Ehepaar, dassuns erst in die Bäckerei, und dann in die Lodge mitnimmt.

Alleine hätten wir da durchaus noch ordentlich suchen müssen.



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Bäckerei

estate
28.02.2013, 13:11
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Pamirlodge


Die Lodge hat Zimmer, Verandaschlafplätze und die Möglichkeit Zelte aufzubauen. Ich entscheide mich natürlich für letzteres. Es sind recht vieleReisende zugegen, mehr als die Hälfte davon sind Radfahrer. Jeder scheint sich hier vom Durchfall zu erholen. Ich bleibe wie durch ein Wunder diekompletten 3 Monate davon verschont. Am nächsten Tag lege ich eine Zwangsruhetag ein, es gilt die Genehmigung für den Zorkul Nationalpark zu
beschaffen. Diese bekommt man ja angeblich bei der META Organisation im Park. (Stimmt nicht mehr, siehe Radreise Wiki)
Der erste Schritt ist also den Park zu finden. Der erste Park den ich finde ist es nicht, und als ich mich durchfrage deuten die Menschen immer indie selbe Richtung, so dass ich schließlich wieder in der Nähe der Pamirlodge bin. Offenbar wird man automatisch dorthin geschickt, wenn man alsFremder am Fahrrad in Korogh etwas fragt.

Ich fahre noch eine Runde durch die Stadt und sehe durch Zufall, dass sich der Park im Zentrum zwischen einigen Hausreihen versteckt. Die Meta,oder war es PECTA? ist ein Mittelding aus Reisebüro und Touristeninformation, und ich bekomme dort mitgeteilt, dass sie diese Permits nicht mehrausstellen dürfen, sondern ich müsse direkt zur Behörde gehen. Es gibt noch eine Wegbeschreibung, und das Stichwort nach dem man sich durchfragensoll. "Leeszhooc" Im Radreise Wiki habe ich eine Wegbeschreibung hinterlassen.
Die Behörde wird tatsächlich von mir gefunden, wobei ich den schlechtest möglichen Fußweg dafür nehme. Es ist dort eine schlimme Gegend,
zertrümmerte Häuser, viele Spritzen am Boden, man kann die Behörde aber auch super über die Hauptstraße erreichen.


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Hier bekommt man die Permits für alle Pamir Nationalparks.



Das Haus ist gefunden, das war der leichte Teil:

Es ist 1 Uhr Mittag, und in dem gesamten Haus ist kein einziger Mensch zugegen. Ich setze mich auf die Stufen und warte. Nach 1/2 Stunde kommenzwei Männer in meinem Alter und nehmen mich erst mal mit in ihr Büro. Ich könnte bei ihnen warten, die Beamten seien alle in der Mittagspause. Siesprechen halbwegs englisch, und ihr Büro auf halbwegs westlichen Standard. Allerdings sind sie offenbar eine komplett andere Abteilung, und auchin Containern hinter dem Haupthaus untergebracht. Ich habe den verdacht, dass hier Umweltförderungen von außerhalb angekommen sind.

Ich frage sie, wie viel mich das Permit kosten würde. 469 Som lautet die Antwort. Irgendwie unglaublich, etwa 100 Dollar sind das umgerechnet. IchHoffe, dass das eher ein Missverständnis ist, und die beiden mich nicht abzocken zu probieren. Ich überlege ob ich erklären soll, dass ich nicht aufMarcopoloschafe schießen will, sondern nur zum Radfahren dort bin. Jedoch verlasse ich das Gebäude um herzhaft in den neuen sauren Apfel zu
beißen und mir das Geld in der Stadt zu wechseln. Natürlich habe ich vor den Betrag nicht zu zahlen, aber wenn es nicht anders geht ist mir derZorkul das Geld wert.


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500 Som


12 Kilometer, 2 Liter Wasser und 50 Höhenmeter später stehe ich wieder vor dem Amtsgebäude. Diesmal warte ich gleich auf der Treppe. Langsam
trudeln die Mitarbeiter von der Mittagspause ein.

Ein weiterer Juniorbeamter lädt mich in sein Büro ein. Es tut ihm leid, aber keiner der 3 Beamten die für den Zorkul zuständig sind, wird heutenoch auftauchen.
Er könne mir die Genehmigung nicht ausstellen, da er die Formulare nicht habe. Er probiert zwar in die Zorkulabteilung (Die gibt es wirklich)
einzubrechen, indem er die Bilderrahmen am Gang nach Schlüsseln absucht, aber ohne Erfolg. Als Trostpreis will er mir noch eine Genehmigung für denPamir Nationalpark mitgeben, aber dort will ich nicht hin. Ich solle morgen um 8 Uhr wiederkommen, dann bekomme ich bestimmt das Permit.

Etwas enttäuscht besuche ich den Basar, wo ich nach Proviant für den Pamir Ausschau halte. Ich entdecke jedoch heute nur frisch frittierte
Teigtaschen mit faschiertem Fleisch für mich.

Außerdem wird ein Dollar in eine riesige Wassermelone investiert, die ich direkt vom Lastwagen kaufe. Ein Melonenexperte wie ich prüft natürlichdie Melone mit der Klopfmethode. Obwohl ich keinen Zusammenhang zwischen dem Klopfgeräusch und der Qualität ausmachen kann, bekommt man vom
Händler meist ein besseres Exemplar, wenn man beim Klopfen leicht das Gesicht verzieht.

In einem Laden finde ich noch einige Trockenfrüchte und leistbare Pistazien. Mit dieser Beute geht es zur Lodge zurück. Mit Martin und dem
Niederländer Paul vereinbare ich, am nächsten Tag Richtung Ishkashim aufzubrechen.

Aber zunächst muss ich immer noch mein Permit organisieren. Um 8 Uhr bietet sich mir dasselbe traurige Bild vom Vortag, ein komplett leeres
Amtsgebäude, nur diesmal verschlossen. Um halb neun trudeln die ersten Mitarbeiter ein. Ich werde diesmal wieder herzlich aufgenommen und in eineandere Amtstube mitgenommen. Der Rechner wird hochgefahren, und die marode Sovietkochplatte zum Teekochen angesteckt. Die verdrillten Kontakte zumStecker glühen so hell, dass es in den Augen blendet. Einige der jungen Beamten können recht gut Englisch und so kann ich mich ganz gut
unterhalten. An der Wand hängt ein Original der Sovietmilitärkarten die frei im Internet verfügbar sind, und auch auf meinen Ebookreader geladensind. Eine Beamtin erzählt mir, dass sie mit einer Gruppe zu Fuß den Zorkul Nationalpark durchquert hat. Ich kann mich auch gleich versichern,dass es überall genug Wasser gibt. Allerdings stimmt das für den Pamir nach dem Zorkul Richtung Murgab nicht mehr. Nachdem ich eine 3/4 Stundelang die Beamten beim Nichtstun beobachtet habe, gibt es endlich die Nachricht, dass die Zorkulbeamtin eingetroffen ist. Mit einer Dolmetscherinan meiner Seite ist es sehr einfach das Permit zu bekommen. Ich werde nur nach dem Pass gefragt und muss einen fixen Zeitraum angeben. Ich
beantrage 3 Tage, da ich nicht sicher bin, wie viele ich bekommen kann und bekomme noch einen dazu geschenkt. Abschließend zahle ich 50 Som alsoetwa 10 Dollar. Auf dem Permit ist eine genaue Preisliste als Korruptionsprävention aufgedruckt, eigentlich müsste ich etwas mehr als 50 Som
zahlen.

Natürlich bin ich hocherfreut, dass ich so wenig gezahlt habe, immerhin hätte es bei der META 50 Dollar gekostet, nur damit ein Bote hier
vorbeischaut. Jedoch habe ich jetzt viel zu viele Som in der Geldtasche. Hoffentlich werden die Kirgistan eingetauscht.


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Korogh an der Flussmündung, der richtige Ort ist im Tal. - Endlich ist die Luft klar!

Mit toller Laune geht es jetzt nochmals zum Basar um Milchpulver und Haferflocken für den Pamir zu kaufen.

Diese Güter bekommt man übrigens in der Markthalle. Dort gibt es eine geschäftstüchtige Händlerin, die genau weis was die Radfahrer einkaufen
wollen. Sie zeigt mir sofort die Haferflocken, Grieß, Milchpulver und Snickers. Auch RC Cola scheinen die Reisenden oft bei ihr zu kaufen - eingeniales Getränk übrigens. Das Milchpulver scheint aus China zu stammen und schmeckt mir anfangs ziemlich lecker. Zu Mittag bin ich wieder zurückin der Pamirlodge und es kann losgehen. Martin ist schon am Vormittag gemütlich vorrausgefahren und ich fahre mit Paul hinterher.


Paul ist schon seit Frankreich unterwegs, und hat deshalb ordentlich Kraft in den Beinen. Auch bergab donnert er mit seinen schmalen Marathonsüber den Schotter, dass ich mit den 2.35er XRs und Thudbuster Sattelstütze kaum nachkomme. Gerade als wir nach einem Zeltplatz suchen, entdeckenwir Martin, der sein Zelt halb versteckt schon aufgebaut hat. Es ist der erste klare Tag, und der Sternenhimmel ist jetzt schon einmalig, abernoch kein Vergleich zum Pamir.
Am nächsten Tag geht es gemeinsam nach Ishkaschim. Heute habe ich den ersten von vielen Kettenrissen, die einfach nur lästig sind. Die Landschaftwird Kurve um Kurve toller, und auch der Talverlauf ist recht abwechslungsreich. Ich passiere die Kaserne, aus der der Offizier vom 2. Tag stammt,und suche mit Martin im nächsten Ort das Geschäft.

Es gibt iranische Cracker mit Fanto ohne Schreibfehler als Jause.

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Es wird ein toller klarer Tag


Später holen wir Paul wieder ein, und entdecken eine warme Quelle am Straßenrand. Es ist zwar eigentlich ein warmer Tag, aber der kühle Wind sorgtdafür, dass wir uns im Becken ziemlich wohl fühlen.
Im Hintergrund sieht man schon die hohen Gipfel des Hindukuschs und neben uns rauscht der Panji vorbei. Bei dieser Traumlage halten wir es fast 2Stunden drinnen aus. Thomas von richtungchina.de hält mit einem Kollegen kurz mit dem Motorrad bei uns an, muss aber weiter da die Elektronik
seines Motorades spinnt, und er es nicht riskieren kann das Motorrad hier nicht wieder starten zu können.


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Badewanne mit Blick auf den Hindukusch

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Mit dem warmen Nachmittagslicht im Rücken fahren wir auf den Hindukusch zu. Wir kommen durch einige Dörfer, mit wie gewohnt freundlichen Bewohnerund decken uns auch noch mit der genialen RC Cola und Schokolade ein. Seit dem Panjital sind die Frauen offener, grüßen freundlich und fangen
sogar Gespräche an.

In Ishakshim gibt es ein Homestay und ein Gästehaus. Das Gästehaus ist näher und bekannter und es existiert sogar ein Hinweisschild. Wegen derDusche kostet es leider 15 Dollar. Dafür gibt es Abendessen, Frühstück und Einzelzimmer, für mich das einzige Mal auf der ganzen Reise. Ich ziehesonst eigentlich das Zelt vor.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0065.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0065.jpg)



Es würde mich wirklich interessieren, was sich einmal in diesem Gebäude befunden hat. Die Räume sind sehr hoch, europäische Altbauwohnugen wärenneidig darum. Die Dusche entpuppt sich als Flop, das Wasser ist so heiß, dass keiner der Reisenden sich duscht. Nur Paul entdeckt noch spät
Abends eine 2. Dusche die in Ordnung ist. Im Speisezimmer versammeln sich die Reisenden und berichten von ihren Erlebnissen, und diskutieren
heftig darum, ob Afghanistan nur wegen der vermeintlichen Gefahr und der Exotik als Reiseziel so interessant ist.
Von Ischkashim aus gibt es nämlich einen Grenzübergang den man mit einem in Korogh erhältlichen Visum überqueren kann. Dieser Teil Afghanistanswar zwar immer friedlich, aber es gibt keine zuverlässigeMöglichkeit nach einem Unfall versorgt oder geborgen zu werden. Für meine Strecke überden Zorkul gilt das aber auch, ich muss also vorsichtig fahren.

Am nächsten Tag haben wir die Möglichkeit die Afghanen näher kennenzulernen, es ist Samstag und Zeit für den gemeinsamen Markt im Flussbett
zwischen den Grenzen.

Von Paul verabschieden wir uns heute, sein Visa läuft aus und er muss schnell weiterkommen. Mit Martin fahre ich die 4 Kilometer zum Markt zurück.Das Fahrrad wird das Erste und einzige Mal versperrt, aber Bei dem Militär und Polizeiaufgebot würde es sowieso niemand mitnehmen. Der Markt istim Flussbett auf einer Insel zwischen den beiden Grenzstationen. An der Brücke geben wir die Reisepässe ab, einfach deshalb, weil wir ja sonst ausTadschikistan ausreisen würden. Entgegen einem Reisebericht vor 2 Jahren, werden die Pässe nicht mehr auf der luftigen Brücke am dort
aufgestellten Schreibtisch gelagert, sondern in den Brusttaschen der Grenzsoldaten.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0068.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0068.jpg)
Der gemeinsame Markt zwischen dem Tadschikischen und dem Afghanischen Ishkashim in der Mitte des Flussbettes


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0069.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0069.jpg)
Die tadschikischen Bewacher - die Afghanischen Kollegen sind in der Menschenmenge verteilt


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0070.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0070.jpg)
Ich mit einem Afghanischen Offizier in Zivil


Das Interessante am Markt sind eindeutig die Menschen. Die angebotenen Waren sind abgesehen von den Stoffen und Teppichen, praktisch nur Importeaus Europa oder China. Bei einem Afghanischen Stoffhändler kaufe ich mir einen halben Quadratmeter Stoff als Sonnenschutz und Schal. Im Team
beginnen Martin und ich jetzt Fotos zu machen. Da Fotos nicht erlaubt sind, stellen wir und so hin, dass die Soldaten auf der Straßenböschung unsnicht dabei sehen. Trotzdem werden wir ein paar Mal erwischt. Einmal muss Martin so tun, als ob er die Bilder wieder löscht. Die Menschen hingegensind erfreut fotografiert zu werden. Zwei Afghanische Frauen legen für sogar Martin den Geschichtschleier kurz ab. Dieses Verhalten werden wir bisLangar noch häufig sehen. Ich will die frittierten Teigtaschen ausprobieren, die es offenbar überall in der Ex-UDSSR gibt, auch hier probieren. Alsich sie einpacke fallen sie mir in den Sand und ich bekomme prompt neue geschenkt.



http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/IMG_0614.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/IMG_0614.jpg)


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Russischer Einfluss?


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volx-wolf
28.02.2013, 14:06
boah!! Genial!
Danke sehr. Sehr schön geschrieben. Geniale Fotos.
Vermittelt einen wunderbaren Eindruck Deiner Reise.

Freue mich auf die Fortsetzung!

wesen
28.02.2013, 17:56
Wirklich extrem spannend. Ich bin dabei, schon mal ein bisschen weiterzulesen. ;-)

blauloke
28.02.2013, 21:20
Toller Bericht, warte gespannt auf die Fortsetzung.

Holsa
01.03.2013, 05:31
Interessanter Bericht, kann mich da nur anschließen. Aber warum hat dich dein Weg so lange durch das Grenzland zu AFG geführt, gab es keine Alternativroute?

estate
01.03.2013, 19:30
Aber warum hat dich dein Weg so lange durch das Grenzland zu AFG geführt, gab es keine Alternativroute?
Weil ich genau dort fahren wollte. Afganistan selbst ist in diesem Teil harmlos, es gibt nicht wenig Tourismus in der Wakhan Region. Das Panji Tal und der Pamir sind so spektakulär, dass man es ruhig riskieren kann.

Die Gefechte zwischen den Schmugglern und den Tadschikischen Truppen finden meistens in der Nacht statt, und betrifft keine Außenstehenden. Der Unabhängigkeitskonflikt der Tadschiken ist da schon gefährlicher, allerdings wurde auch letztes Jahr bei dem Gefecht in Korogh kein Tourist verletzt. Von den berüchtigten Tadschikischen Grenzsoldaten geht mittlererweile kaum Gefahr mehr aus, die haben die strikte Weisung Touristen in Ruhe zu lassen.

estate
01.03.2013, 19:32
Gegen Mittag brechen wir dann wirklich auf, und können uns über die unerwartete Asphaltstraße freuen. Wir treffen heute wieder auf jede Menge
Kinder, die gewöhnlich aus allen Richtungen angelaufen kommen.



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"Wir verkaufen nur den ganzen Kübel!"


Die Marillen waren eine gute Investition, das nächste Obst gibt es erst wieder in Kirgistan.


Ein dummer Zwischenfall soll mir heute die Abendgestaltung deutlich verändern:

Da ich nicht sehr gerne schwer unterwegs bin habe ich sämtliche Bücher inkl. Reiseführer für die 3 Monate auf einem Ebookreader gespeichert. Dortbefinden sich auch sämtliche Karten mit denen ich mich in Zentralasien orientieren kann. (das GPS als Backup wurde ja schon verloren) Ausgedrucktwären auch diese Karten sehr schwer gewesen. Bei einer Zwischenabfahrt gibt es noch den letzten Asphalt und fahre anschließend mit hoher
Geschwindigkeit aufs die Wellblechpiste. Dabei springt der Klickfix-Verschluss der Lenkertasche auf und die Lenkertasche fällt auf den Boden vordas Fahrrad und wird sofort von beiden Rädern überrollt. Alles andere in der Tasche ist heilgeblieben, nur das Display des Ebookreaders ist
zersprungen. Jetzt habe ich Abends nichts zu tun und fahre deshalb meist länger in den Abend hinein.


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Ich bin nicht gerade glücklich darüber.



Etwas frustriert bin ich schon, die Zorkulroute werde ich noch finden, aber zurück nach Murgab wird es nicht so leicht werden. Immerhin habe ichja noch meinen Kompass, und ich kann auch Martins Karte abfotografieren, auch wenn das kein Vergleich zu den Russenkarten ist. Für die kleinenStrecken werde ich ab jetzt in den Internetcafes die Bildschirme abfotografieren.

Die Landschaft und das perfekte Wetter lassen den Vorfall aber schnell vergessen und ich kann mich daran trösten, dass jetzt 230 Gramm wenigerGepäck dabei ist.


Später kommt uns ein Bursche auf dem Fahrrad entgegen. Wir sollen mit ihm ein Rennen fahren. Ich nehme die Herausforderung an und sprinte mit
einem leichten Gang davon. Da es bergauf geht bin ich trotz Gepäck durch die Gangschaltung im Vorteil. Gerade als ich darüber nachdenke den
Burschen gewinnen zu lassen, wird es flacher und er kann ordentlich Kraft aufbauen und rauscht triumphierend an mir vorbei.

Am frühen Abend werden wir von einem 23 Jährigen Mann angehalten, er spricht gut Englisch und lädt uns zu sich nach Hause ein. Wir nehmen die
Einladung an und folgen ihm auf kleinen Pfaden zu dem Haus seiner Familie. Es ist gut, dass wir seine die Einladung angenommen haben: Er hat vonseiner Mutter, die uns Stunden zuvor im Bus überholt hat, erfahren, dass Radfahrer auf dem Weg sind. Deshalb hat er extra seine Zeit in der
Nähe der Straße verbracht um auf uns zu warten.


Das Haus in dem er mit seinen Eltern wohnt ist ein richtiges Pamirihaus. Von außen erkennt man das nur durch die Fensterkuppel. Pamirihäuser
bestehen aus einem Holzgerüst welches von 4 Holzsäulen, die quadratisch im Raum stehen, getragen wird. Traditionell gibt es immer nur einen Raum,in dem sämtliche Familienmitglieder schlafen. Es gibt abgesehen von einem Schrank keine Möbel, alles wird auf den Plattformen im Raum gemacht. Esgibt einen Holzofen, der in eine der Plattformen so integriert ist, dass man im Winter auf der warmen Stelle sitzen und schlafen kann. In diesemHaus gibt es auch Nebenräume, die vom Familiennachwuchs künftig bewohnt werden. Im Winter zieht die ganze Familie in einen der kleineren Räume umHeizkosten zu sparen.



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Pamirihaus mit Aga Khan Bild

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Die ganze Familie

Da unser junger Gastgeber sehr gut Englisch spricht, kann er uns viel von seinem Leben und der Familie berichten. Er hat ein abgeschlossenes
Jurastudium und studiert für 2 Jahre lang Englisch. Danach hat er eine fixe Stelle als Lehrkraft in der Universität. Da Lehrpersonal in
Tadschikistan gerade sehr gefragt ist, muss er auch keinen 2 jährigen Militärdienst leisten. Seine Eltern sind Getreidebauern und Schafhirten. DieFamilie hat einige Schafherden in den Bergen, die immer wieder besucht werden müssen. Von den Frauen bekommen wir Essen serviert, aber nur dieMänner essen mit uns. Es gibt Nudeln mit Dill und Schafsfett. Ich bin schon sehr froh, dass es kein Fleisch dazu gibt. Nach dem Essen wird kurzferngesehen, die derzeitige Lieblingssendung ist Fashion TV, die vom tadschikischen Fernsehen ausgestrahlt wird. Dabei wird offenbar einfach derSender Fashion TV durchgeschaltet. Die Männer geben offen zu, dass sie Sendung wegen der attraktiven Europäischen Frauen schauen. Die Frauen habeninzwischen Verwandte aus dem Ort zu uns eingeladen. Der Cousin des Gastgebers ist professioneller Musiker der für 1000 Dollar auf Hochzeiten
auftritt. Er baut sein Keyboard auf, und zeigt dass er wirklich Talent hat. Bei manchen Liedern singt er selbst mit, bei anderen wird er von derFlöte begleitet. Die Männer und Frauen beginnen zu tanzen und es wird wirklich ein toller Abend.


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So herzlich wir aufgenommen wurden, so werden wir nach dem Frühstück auch verabschiedet.
Wir stecken dem Familienoberhaupt noch etwas Geld alsDank zu, welches zwar höflichkeitshalber abgelehnt, aber dann doch dankend angenommen wir


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Abschied vorm Haus

estate
01.03.2013, 19:34
Einen Tag lang geht es noch durch den Wakan Korridor, ehe der richtige Wakan nach Afghanistan abzweigt.

Die Hindukuschgipfel, die immer wieder zum Vorschein treten, sind jedes Mal aufs neue genial und übertreffen sich scheinbar, je weiter man
vorankommt. Afghanistan reicht an dieser Stelle wirklich nur von der rechten Talseite bis zu den Gipfeln.

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Kurzzeitig wird es auch auf der Straße sandig


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Ein richtig toller Laden in der einsamen Gegend. Es gibt sogar Ketchup, Trockenfrüchte sowie einige Fahrradteile (Passen nicht an übliche
Reiseräder, hier muss man alles selbst mithaben!)


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Vor dem nächsten Laden


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Der Laden ist ein Bus aus besseren Zeiten, heute gibt es keinen Busverkehr mehr.



Am Abend treffen wir noch auf eine richtige Mineralwasserquelle, das Wasser schmeckt genau wie daheim das Mineralwasser frisch aus dem Supermarkt.Einen Ort vor Langar finden wir ein dann ein Homestay. Es hat eine Dusche, die offenbar als Investition für die Touristen gebaut wurde. Mit
Kanistern schleppen die Frauen Wasser in den Tank am Dach. Die Dusche lohnt sich für die Besitzer, Homestays mit Dusche kosten in der Regel 5
Dollar mehr.

Für das Abendessen dürfen wir den Kochraum nutzen, der sich aber nur von einer Plastikunterlage und einer der berüchtigten Kochplatten von denanderen Räumen unterscheidet. Auch dieses Haus ist ein Pamirihaus, aber diesmal sind mehrere kleine Räume statt einem großen vorhanden.

Heute will ich endlich eine Schnittverletzung auf der Fußsohle loswerden, die ich seit 2 Tagen am Fuss habe. Ich frage mich ernsthaft, wobei ichsie mir geholt habe. Da die Wunde auf einmal da war. Der Schnitt ist recht tief und brennt heftig beim pedalieren. Mit der Nagelschere hole ichkleine Steine heraus, die ihren Weg dort hineingefunden haben. Mit dem Nähzeug wird der Schnitt einfach zugenäht. Jetzt kann ich wieder normalauftreten und nach 3 Tagen merke ich nichts mehr davon.


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Wer sagt, dass Reiseberichte immer appetitliche Fotos enthalten müssen?

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Die Gastfamilie im Homestay. Der Vater ist schon zum Volleyballspiel aufgebrochen.


Das Ziel des nächsten Tages ist es etwa auf 3500 Meter Höhe zu gelangen, um an die 4000m des Pamirplateaus gewöhnt zu werden. Bei Langarzweigtder Panji nämlich in den afghanischen Wakan ab, und man steigt dem Pamirfluss aufs Pamirplateau auf. Langar selbst hat eine Höhe von 2800m, manist also schon perfekt an sie Höhe angepasst wenn man mit dem Fahrrad dort eintrifft.

Kurz vor Langar halten wir nochmal um uns das Volleyballspiel anzusehen. Es sind so viele Zuschauer da, dass man sich wundert wo diese Menschenhier überall wohnen.


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In Langar will ich Benzin, Nudeln und Zigaretten kaufen. Benzin bekomme ich keines mehr, was wirklich ungut ist, ich habe vor eventuell nach demZorkul noch eine sehr große Pamirrunde zu machen. Dafür reicht jedoch mein vorhandenes Benzin nicht mehr aus. Wenn das Fahrrad ausfallen würde, undich tagelang auf die Straße zurückschieben müsste wäre ich sehr blöd dran. Die Vorfreude auf den Pamir lasse ich mir jedoch nicht wegen der
Aussicht auf zerkaute trockene Nudeln verderben. Außerdem habe ich jetzt schon den begründeten Verdacht viel zu viele Vorräte mitgenommen zu
haben. Die Zigaretten kaufe ich deshalb, da sie neben dem Permit soetwas wie die Eintrittskarte in den Zorkul-Nationalpark sein sollen. Bei einemPreis von 60 Cent lohnt es sich durchaus mehrere Packungen mitzunehmen.


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Die jetzt schon maroden Lippen werden vor der Sonne geschützt, die Höhe macht jedoch das Tuch unmöglich da es beim sowieso schon schweren Atmenhindert.
Nächstes Mal kommt Lippensonnenschutz auf die Reise mit. Ein Amerikaner zeigt mir später den Trick, einfach Frauenlippenstift zu verwenden.


Nach Langar gibt es ein paar steile Kehren, welche einiger Leistung bedürfen um sie ohne schieben fahren zu können. Grund dafür ist der lose
Untergrund. Ein paar Kinder schieben mich ohne meine Zustimmung an. Auch Martin wird dabei geholfen. Oben angekommen beginnen die Kinder Geld zuverlangen. Jetzt müssen sie von uns lernen, dass so etwas nicht geht. Nach einigem Gezeter geben sie sich dennoch mit den angebotenen Keksen
zufrieden. Den ganzen Nachmittag lang geht es langsam die Straße hinauf. Die Berge sehen wieder einmal sehr gut aus, vor allem der Blick zurückauf die Hinduschkette ist genial.



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Langar ist hinter den Hügeln verschwunden

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Dieses Tal geht es entlang

Tatsächlich erreichen wir heute noch 3500m Meter und finden einen Schlafplatz neben der Straße.


Am nächsten Tag trenne mich schon hier von Martin, er hat noch genug Zeit, und will die Etappe sehr ruhig angehen. Ich muss den Zorkul
Nationalpark erreichen, da die Erlaubnis zeitlich limitiert ist. Es gilt heute den Militärposten Khargush zu passieren, was anderen Radfahrerennicht immer leicht gefallen ist. Zurück zum Pamir Highway über den Kargushpass geht normalerweise problemlos, jedoch zum Zorkul sind die Soldatenkomplizierter. Ich starte früh durch, und es geht erst einmal zum Pamirfluss wieder bergab. Dort folgt der Weg dem Fluss und die Landschaft
verändert sich von der Bergkulisse in eine hügelige Wüste. Auf der anderen Seite des Flusses treffe ich das erste Mal auf baktrische Kamele.

estate
01.03.2013, 19:36
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Landschaftswechsel, mit zwei netten Hirtinnen.

Das Foto ist deren Idee, ich bin zu erschöft um sie zu fragen.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0096.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0096.jpg)
Genialer Rückblick, die Gipfel sind allerdings jetzt schon vom Pamir.

Das weiße Pulver ist kein NaCl und brennt gehörig im Rachen wenn man es probiert.



Die Strecke ist recht sandig, und irgendwie frustrierend zu fahren. Immer noch am Flussbett hole ich eine Ziegenherde mit 2 Hirtinnen ein. Siebitten mich um ein Foto zu machen und bedanken sich. Eine von ihnen treibt eine Schneise in die Herde, und ich kann durchfahren. Das Flussbettmuss verlassen werden, und der Militärposten rückt ins Blickfeld. Bevor ich den Checkpoint erreiche reißt die Kette zum 2. Mal. Die letzte Etappevor dem Checkpoint ist die sandigste der gesamten Tour. Wenigstens sehe ich etliche Fahrradspuren und kann die Spur besser wählen.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0097.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0097.jpg)
Der Militärposten Khargush


Vor dem Checkpoint stehen Barikaden, um die man im Zickzack herumfahren muss, damit man den Schranken nicht mit hoher Geschwindigkeit rammen kann.Auf der Seite ist eine kleine Hütte, in der der Eintrag in das Buch erfolgt. Es ist dort nur ein Soldat zu gegen, und ich dürfte heute sein
zweiter Kunde sein. Nach ein bisschen Smalltalk werden akribisch der Eintrag ins Buch vorgenommen und die Dokumente studiert. Der Soldat ist sehrgenau, immerhin bedeutet jeder Fehler Geld für ihn. Am Schluss heist es dann natürlich "Zorkul njet!" inklusive einer dramatischen Armgeste. Ichdiskutiere nicht lange und lege eine Packung Zigaretten auf den Tisch. Der Soldat tut noch ein wenig hin und her, um es nicht so offensichtlich zumachen. Er meint er könne ja mal den Kommandanten fragen. Er gibt irgendetwas mit seinem Funkgerät durch und nimmt das Permit an sich. Ich solle mitdem Rad zum Kaserneneingang fahren. Ein bisschen verwirrt bin ich schon was ich dort ohne Permit tun soll, aber der Soldat nimmt einen Trampelpfadals Abkürzung zum Tor. Der Kommandant grüßt mich auf die Ferne mit einem Salut, ich muss jedoch vor dem Tor bleiben.

Ich warte deshalb bis der Soldat das Permit zum Kommandanten trägt und nach 5 Minuten wieder zurückkommt. Er sagt nur "Zorkul OK", und bittet michum noch eine Schachtel Zigaretten. Da ich sie nicht ewig mitschleppen will und ich gerade gute Laune habe, bekommt er sie auch. Ich hoffe ich habedamit den Preis für die nächsten Radfahrer nicht zu sehr in die Höhe getrieben. Durch die zweite Schachtel ist der Soldat auf einmal ziemlich
freundlich, meint das es eine tolle Idee ist zum Zorkul zu fahren, und wünscht mir gute Reise. Ein wenig fahre ich noch in den Abend hinein,
hinter den Hügeln tritt die Wakankette zum Vorschein.

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Langsam wird mir bewusst, dass ich jetzt in die wohl eine der einsamsten Gegenden meines Lebens eindringen werde. Also muss ich gut aufzupassen,dass ich mich nicht verletzte.


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Die Vorräte, etwa für 5-7 Tage, jedoch viel zu viel da ich im Pamir wenig Appetit habe.



Die Höhe spüre ich jetzt deutlich, allerdings komplett anders als ich es mir vorgestellt habe. Es geht mir nur die Puste aus, wenn ich schnellerals ein gewisses Limit fahre. Diese Grenze stört nur bergauf, wenn ich eine gewisse Mindestgeschwindigkeit erreichen will um nicht umzukippen.Natürlich muss ich auch ausprobieren, was passiert wenn man einen Sprint hinlegt. Resultat: Es wird einem vor jeden Pulsschlag schwarz vor denAugen. Das Zelt baue ich heute einfach irgendwo neben der Straße auf, Windschutz wird man hier nicht finden.

Der Benzinkocher versagt heute, eine Dichtung die ich zuhause vergessen habe, hatte ich zuvor mit einem Stück Fahrradschlauch ersetzt. Leider
ändert Butyl je nach Laune seine Größe.

Ich habe keine Lust herumzufummeln, und esse nichts. In dieser und den folgenden Nächten habe ich seltsame Albträume, wahrscheinlich ein Symptomder fehlenden Höhenanpassung.

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Kurz vorm Zeltplatz Richtung Afghanistan

Holsa
02.03.2013, 01:31
Weil ich genau dort fahren wollte. Afganistan selbst ist in diesem Teil harmlos, es gibt nicht wenig Tourismus in der Wakhan Region. Das Panji Tal und der Pamir sind so spektakulär, dass man es ruhig riskieren kann.

Die Gefechte zwischen den Schmugglern und den Tadschikischen Truppen finden meistens in der Nacht statt, und betrifft keine Außenstehenden. Der Unabhängigkeitskonflikt der Tadschiken ist da schon gefährlicher, allerdings wurde auch letztes Jahr bei dem Gefecht in Korogh kein Tourist verletzt. Von den berüchtigten Tadschikischen Grenzsoldaten geht mittlererweile kaum Gefahr mehr aus, die haben die strikte Weisung Touristen in Ruhe zu lassen.

Eigentlich wollte ich nicht als weltverbesserer auftreten, da hier aber auch jüngere und in dem Bereich unerfahrene Menschen mitlesen möchte ich das aber auch nicht so stehen lassen. Ich sehe du hast dich gut vorbereitet und verfügst auch über einiges Hintergrundwissen, aber als harmlos würde ich die Region durchaus nicht bezeichnen, allein schon die teilweise unklare Mienenlage spricht für sich. AFG ist nach wie vor ein Kriegsgebiet, Entführungen, Raubmord und Gefechte kommen durchaus auch zur zeit keine 100Km von der Grenze im Norden entfernt vor. Das Thema fällt nur leider nicht mehr ins öffentliche Interesse weshalb die Medien bei uns kaum noch darüber Berichten und sollte jemand denken weil man als Tourist in Nord-AFG unterwegs ist hat man einen Sonderstatus ist das naiv. Gerade als westlicher Tourist stellt man für manche Banditen ein lohnendes Ziel dar. Eine gute Kamera deckt in etwa das Einkommen eines Bauern für ein Jahr. Da auch ich Steuern zahle und somit eventuelle Rettungsaktionen mit finanziere sehe ich mich genötigt meinen Senf dazu zu geben. Hin und wieder mal ein Blick auf die Seite zB des Auswärtigen Amtes kann durchaus hilfreich sein.
Bin gespannt auf Kirgisistan und Kasachstan ;)

winnetoux
02.03.2013, 09:43
Ich hab mich auch gewundert, dass man Tadschikistan als Ausgangspunkt nimmt. Weil es so einen praktischen Direktflug anscheinend gibt. Hinweis auf AA greift mir zu kurz. Macht wohl jeder und ist nun wirklich kein Sondertipp. Dazu diplomatisch und dann sagen sich die Abenteurer gerne: die wollen nichts riskieren und übertreiben mit ihren Warnungen.

Es wäre besser, ab und an Zeitung zu lesen (nicht nur die deutschen), in eine Zeitschrift zu kucken und bisschen weitschweifiger zu fahnden. Solche Länder erklären sich nicht mit einem Blick auf die Fakten des AA. Das wäre mal Reisevorbereitung – bisschen über die ersten drei google-Treffer hinaus. Abgesehen davon muss man doch nun wirklich nicht immer sofort unterstellen, die naiven Nachahmer packen gleich begeistert ihren Rucksack.

Eine tolle Reise – anscheinend schon fast eine Radfahrerstandardroute. Gibt’s in den Dörfern keine Schule?

Holsa
02.03.2013, 12:08
Hinweis auf AA greift mir zu kurz. Macht wohl jeder und ist nun wirklich kein Sondertipp. Dazu diplomatisch und dann sagen sich die Abenteurer gerne: die wollen nichts riskieren und übertreiben mit ihren Warnungen.
Es wäre besser, ab und an Zeitung zu lesen (nicht nur die deutschen), in eine Zeitschrift zu kucken und bisschen weitschweifiger zu fahnden. Solche Länder erklären sich nicht mit einem Blick auf die Fakten des AA. Das wäre mal Reisevorbereitung – bisschen über die ersten drei google-Treffer hinaus.


Darum schrieb ich auch zB AA. Und auch die denken sich die beschrieben Tatsachen nicht aus.
Über sehr vieles was in AFG passiert wird auch über die ersten 3 google Treffer hinaus nicht berichtet.



Abgesehen davon muss man doch nun wirklich nicht immer sofort unterstellen, die naiven Nachahmer packen gleich begeistert ihren Rucksack.


Genau das ist das Problem, es sind genug westliche Touristen zu schaden gekommen weil sie naiv ihren Rucksack gepackt haben. Ich persönlich habe ein Problem mit Menschen, denen es anscheinend durch ihren westlichen Wohlstand zu langweilig geworden ist und die dann als Tourist Staaten der 3.Welt bereisen und dort gezielt den Nervenkitzel suchen. Teure Rettungsaktionen oder Lösegeldzahlung sollten und werden dann vom eigenen Staat mit hohen Zinsen und Bearbeitungskosten auf die Personen übertragen.

Ich finde den Reisebericht sehr Interessant und gut geschrieben, würde die Strecke auch gerne mal fahren, aber es sollte dazu erwähnt das man sich vorher gut einlesen sollte wie die Lage zur Zeit ist. Aussagen wie man kann "Mienenfelder recht leicht identifizieren weil dort keine Tierspuren sind" halte ich für nicht hilfreich. Ansonsten aber gut geschrieben.

sibirier
02.03.2013, 12:43
estate
Mein Respekt! Echt stark!

estate
02.03.2013, 17:11
Eine tolle Reise – anscheinend schon fast eine Radfahrerstandardroute. Gibt’s in den Dörfern keine Schule?

Die Route ist wirklich sehr viel von Radlern befahren. Schon alleine meisten Weltreiseradler die von Europa nach Asien unterwegs sind machen schon 1-2 Radler pro Tag aus. In den Dörfern gibt es durchaus Schulen.

estate
02.03.2013, 17:38
Der nächste Tag ist wie alle Tage bisher fast wolkenfrei. Heute werde ich den See erreichen, muss aber noch einige Gegensteigungen absolvieren. Ineiner Ebene begegne ich dem ersten von 2 Autos heute. Es ist ein alter UAZ, also wahrscheinlich Soldaten. 10 Meter vor mir wird gehalten, und 5Männer in Zivil steigen aus. Nach knapper Begrüßung wird nach meinem Permit verlangt und die Ausweise hergezeigt. Auf den Ausweisfotos sind
Soldaten abgelichtet. Da noch ein Stützpunkt in meiner Richtung ist, schließe ich darauf, dass sie gerade abgelöst wurden. Das sie aber trotzdemeine Kontrolle durchführen, erweckt mein Misstrauen. Nach gründlichster Musterung werde ich aber nur gefragt, wo ich das Permit beantragt habe.Alles ist dann in Ordnung und ich darf weiter.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0101.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0101.jpg)
Wilde Kamele auf der anderen Seite des Pamirflusses. Afghanistan ist jetzt sehr viel näher gekommen. Es gibt sogar einen Reiseführer der
Trekkingtouren mit einer Überquerung hier in der Nähe vorschlägt, jedoch davor warnen, dass die Tadschiken Grenzgänger manchmal erschießen.



http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0102.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0102.jpg)
Rückblick, der Himmel ist wirklich so blau


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Afghanische Reiter, was die da wohl machen?


Ich komme noch an einem ehemaligen Stützpunkt vorbei, der jetzt nur noch von Hirten benutzt wird.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0103.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0103.jpg)
Knapp darauf taucht endlich der Zorkul auf, und sorgt für viel Motivation.


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Die Berge sind zum greifen nah


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Die Piste wird jetzt immer schlechter, und verzweigt sich. Eine Stunde später komme ich in die Nähe von Hirtenhäusern, worauf 3 Kinder auf michzustürmen. Ich bin beeindruckt, wie schnell sie in der Höhe laufen können. Der größte von ihnen will Geld sehen, und zwar ziemlich energisch. Ichmache noch ein Foto, aber als er dann noch immer nichts bekommt, hebt er einen spitzen Stein auf, und bedroht mich damit. Da er sicher gut darintrainiert ist, und einen Stein zu werfen keine große Hemmschwelle darstellt, nehme ich die Bedrohung ernst. Ich schreie und drohe ihm ordentlich,aber er geht nicht aus dem Weg, und tritt obendrein kräftig gegen das Vorderrad. Wenn das ein Erwachsener gemacht hätte, wäre das ein richtigerÜberfall. Aber da der Knirps sicher noch keine 10 ist sehe ich das eher gelassen, wobei ich insgeheim seinen Mut bewundere. Ich überlege, ob ichdas Rad hinwerfe und ihn angreifen soll, jedoch könnte er mich dann trotzdem bewerfen, abgesehen dass er in der Höhe viel schneller ist. Ich schaumich ein wenig um, und entdecke die Mutter etwa 300 Meter weit bei der Unterkunft. Ich winke ihr zu, und der Bursche geht augenblicklich auf dieSeite.
Da es keinen Sinn macht wegzusprinten, fahre ich gemächlich los um dem Kind zu zeigen, dass ich nicht flüchte und wiederkommen könnte falls erjetzt anfängt mir Steine nachzuwerfen. Tatsächlich aber bekommt die hintere Gepäcktasche einen ordentlichen Treffer ab, und der Bursche sucht
recht rasch das Weite.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0106.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0106.jpg)
Der mit dem roten Pullover ist der böse von denen, und kann mit seinen Sandalen sehr schnell rennen.


Ich habe jetzt genug von den Hirten, und will auch direkt an den See. Deshalb verlasse ich die sowieso schon sehr traurige Piste und fahre
Querfeldein ans Ufer des Zorkuls.


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estate
02.03.2013, 17:39
Ich verbringe die Nacht am Ufer und staune am nächsten Morgen über den Wetterumschwung.
Es ist jetzt bewölkt und die Landschaft wirkt stark verändert.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/IMG_0948.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/IMG_0948.jpg)
Stimmungswechsel


In weiter Ferne sehe ich den Militärstützpunkt der die Landgrenze zu

Afghanistan sichern soll.
Ich folge der Trasse der Stromleitung entlang. Hier kommt man noch am besten voran. Holztrümmer erinnern daran, dass hier wirklich mal eine
Straße gewesen ist.

Jetzt gibt es nur noch die Trasse die von sehr vielen Bächen teilweise weggespült. Stacheldrahtreste deuten darauf hin, dasshier vielleicht mal der Grenzzaun der Sovietgrenze gewesen ist. Ich

brauche fast 2 Stunden für die 9 Kilometer und bin ziemlich erschöpft als ichzum Militärstützpunkt gelange.

Hier hat man eine tolle Sicht auf den See, und auf alle die um ihn herum

einwandern wollen. Nach dem See verläuft die Grenze zu Afghanistan in derunüberquerbaren Wakankette, aber an dieser Stelle kann man von der anderen Seite leicht nach Tadschikistan wechseln. Am

Stützpunkt ist ein
Schlagbaum, und niemand weit und breit zu sehen. Von einem anderen Radler kenne ich den Trick der Soldaten: Erst verstecken und dann Strafe
kassieren, wenn man den

Schranken kreuzt. Deshalb warte ich mal 5 Minuten und schreie ein paar Mal. Aber die Soldaten scheinen ausgeflogen,
vielleicht war in dem UAZ vom letzten Tag der komplette Stützpunkt.


Einen Ausflug nach Afghanistan unternehme ich aber natürlich nicht. Gäbe es hier keine Grenze, wäre es möglich recht eben bis zu den Gletschernder Wakankette zu wandern, einen Pass in den

Wakan soll es auch geben. Sehr interessieren würde mich auch, wie es auf der anderen Seite aussieht,hier gibt es eine 4 Km breite und 30 Km lange Hochebene im äußeren afganischen Wakan. Wer hier

irgendwelche Fotos kennt, kann mir gerne einen Linkschicken!

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0113.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0113.jpg)
Ob an diesem Außenposten irgendjemand nicht strafversetzt ist?


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0114.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0114.jpg)
Die grüne Grenze

nach Afghanistan


Der Schranken wird übersprungen, und der jetzt besseren Piste gefolgt. Orientieren muss ich mich hier nicht mehr, es gibt nur mehr diesen Weg undkeine

Abzweigungen.

Nach jetzt noch köstlicher Pulvermilch mit Keksen geht es 15 Kilometer der Hochebene entlang.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0111.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0111.jpg)
Mhmm

Immer

wieder sind die Gipfel in Richtung Afghanistan sehr toll, obwohl sie Richtung Osten kleiner werden. Auf der Tadschikischen Seite sind dieBerge ebenso hoch, jedoch liegt auf der Südseite kaum

Schnee.

Ein Hirtenhaus sehe ich von weitem, aber sonst bin ich sehr alleine. In so einer einsamen Gegen war ich noch nie und es gibt bestimmt nicht vieleso entlegene Orte. Wenn man

allerdings dort unterwegs ist, gehen mit der einsamen Lage keine Gefühle einher, es ist einfach eine normale Radtourallerdings mit deutlich tollerer Landschaft.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0115.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0115.jpg)
Das ist

tatsächlich die richtige Piste

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0116.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0116.jpg)
Die tadschikische Seite der Hochebene


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/panoramen/thumbs/panxxo6r.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/panoramen/panxxo6r.jpg)


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Jetzt muss ich zum sehr abgelegenen Dorf Jarty Gumbez (netter Name), das im Gegensatz zu

allen anderen auf den Karten eingezeichneten Orten
wirklich ein Dorf ist. Dort muss ich mich entscheiden, ob ich eine Mischung aus querfeldein und Piste nach Kyzylrabot mache, oder direkt nach


Murgab zurückfahre.





Ich muss noch einen Pass überwinden um zum abgelegenen Dorf Jarty Gumbez zu gelangen. Der Pass kostet mich sehr viel Kraft, aber ist dann doch

überraschend schnell erreicht. Ich habe keine Ahnung wie hoch er ist, mein Höhenmesser zeigt seit Tagen 3999m an. Später sehe ich, dass der Passeine Höhe von 4400m hatte. Seit dem Zorkul habe ich

offenbar unbemerkt an Höhe gewonnen. Kein Wunder, dass mir hier die Puste ausgeht.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0117.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0117.jpg)
Der Pass mit positivem Wetterumschwung


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Die

Abfahrt ist ziemlich nett, von den 200 Höhenmetern hat man lange etwas. Ich sehe die erste Jurte und viele Hirten. Wie schon seit Kargush sindhier unzählige Murmeltiere beheimatet, die sehr

gefährliche Löcher in die Straße gegraben haben. Im Tal - oder auch Hochebene, mündet die Fahrspurin eine andere Fahrspur die aus der Richtung Afghanistan kommt. Am Satellitenbild ist sie kaum

erkennbar, als Radfahrer könnte man hier einen
Abstecher machen.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0120.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0120.jpg)
Jarti Gumbez!

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0121.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0121.jpg)
Bye bye Wakan

Kette!

Was ebenfalls am Satellitenbild nicht richtig erkennbar war, ist die Verbindung Jarti Gumbez ins 50 km östlich gelegenen Kyzylrabot. Am GPS hatteich einen Track, aber jetzt habe ich

nur eine abfotografierte Karte mit einer vagen strichlierten Linie. Irgendwie scheint mich die Landschaft indiese Richtung nicht mehr so zu reizen, und die Lust auf schlechte Wege ist auch in den

letzten Tagen sehr gesunken. Hinzu kommt, dass es nichtklar ist wie oft dort Menschen verkehren, sollte ich irgendwie fahrunfähig werden, würde mich möglicherweise niemand finden. Diese Gründe,

sowiedie Tatsache, dass der Weg Richtung Murgab richtig spektakulär aussieht, lassen mich für die kürzere Variante entscheiden.


Nach Dzhartygumbez ändert sich die Landschaft ziemlich

schnell. Die hohen Berge weichen jetzt tollen Felsformationenen, die mich an Utah erinnernwürden, wäre ich schon mal dort gewesen. Alles ist auch in der Realität so bunt wie auf den Fotos, die

Abendsonne mit den restlichen dunklen
Wolken hilft da gewaltig mit. Heute zelte ich mitten in der Ebene, was mich beim nächtlichen Gewitter nervös macht. Allerdings bleiben die Blitzezwei

Kilometer entfernt.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0122.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0122.jpg)
5 Km weiter schaut der Pamir doch etwas anders aus

hambe
03.03.2013, 10:18
Ein faszinierender Reisebericht von einer Gegend die (zumindst bei mir) nicht sehr präsent ist.
Tolle Fotos, Respekt !!

5sterne

estate
05.03.2013, 00:13
Der Morgen beginnt wieder sonnig, und mit einer Querfeldeinpartie zum Fluss um ordentlich Wasser aufzunehmen. Es soll die letzte Gelegenheit biszum Abend sein, um an Wasser zu kommen. Jetzt muss ich das erste Mal auf der Reise wirklich ein wenig navigieren. Aber mit Kompass findet man
mangels vieler Pisten ganz gut den Weg.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0123.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0123.jpg)

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Es ist wirklich alles so bunt


Vom Osten schaut eine sehr dunkle Regenwolke her und ich rüste mich für Regen um. Hier gibt es keine Möglichkeit sich irgendwo unterzustellen,also muss ich da durch. Es soll aber kein Regen sein:
Erst fällt die Temperatur von 20 auf 0 Grad, und es beginnt zu schneien. Es schneit recht heftig und einiges bleibt liegen. Ich kämpfe mich
weiter, und bin etwas froh, dass ich mir nur kalt und nicht nass wird. Nach 15 Minuten ist der Spuk vorbei, und ich rühre Pulvermilch mit Keksenzum Frühstück an. Ich habe noch keinen Löffel zu mir genommen, als der Wind wieder stärker wird, und in Sekunden eine Wolke über den nahen
Bergrücken geblasen wird.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0124.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0124.jpg)

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0125.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0125.jpg)

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0126.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0126.jpg)

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Nicht viel Zeit für gute Fotos

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Es beginnt wieder zu schneien, diesmal allerdings mit sehr starken Wind. Ich trage jetzt sämtliche Kleidungsstücke die ich mitgenommen habe. InEuropa könnte ich mit meiner Ausrüstung im Winter damit ganz normal fahren, aber hier wird mir durch den beißenden Sturm so kalt, dass ich es
nicht mehr aushalte, und deshalb beginne das Zelt aufzubauen. Da jeder Schritt im Zeltaufbau perfekt sitzt und genügend Steine herumliegen gelingtmir das auch. Immerhin lenkt der Zeltaufbau von der Kälte gut ab. Hoffentlich reißt mir bei dem Wind nicht die Zeltstange. Alles ist fertig undim Daunenschlafsack löffle ich den aufgeweichten eiskalten Keks-Milchbrei. Kaum bin ich fertig, scheint schon wieder die Sonne, und alle Wolkensind wieder weit weg.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0128.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0128.jpg)
Mein rettender Unterstand für 5 Minuten


Der Weg zwischen den Bergen sieht zuerst wie ein Pass aus, jedoch gibt es keine Abfahrt, sondern ein weiteres Plateau. Hier überholt mich nochdas einzige Auto auf diesem Weg, und es geht durch tolle Felsformationen in Richtung Murgab. Immer wieder treffe ich auf ausgetrocknete Seen, dieoffenbar auch im Sommer Wasser haben können.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/P1010565.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/P1010565.jpg)


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Die Hörner werden offenbar von Hirten gefunden und am Straßenrand abgelegt.



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Jetzt stimmt die Karte nicht mehr mit der Landschaft überein, zumindest meiner Meinung nach. Ich wähle bei einer Abzweigung den optisch besserenWeg der mich auf einen 4400er Pass bringt, dessen Abfahrt nun wirklich nicht mehr in die Richtung zeigt in die ich eigentlich möchte. Aber ich binmutig und neugierig wohin mich dieser unbekannte Weg führen wird. Ein anderes Ziel als Murgab gibt es hier sowieso nicht.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0129.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0129.jpg)
Wohin wird dieser Weg führen?


Nach einer sehr langen Abfahrt mit mehreren Richtungsänderungen befinde ich mich in einem richtig breiten Wüstental. Hätte mich jemand blind
hierher geführt und mir erzählt, dies wäre das Death Valley in Nevada, ich hätte es durchaus geglaubt.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0130.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0130.jpg)
Dahin gelangt man

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Gibt es hier Wasser?

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Auf jeden Fall ist es sehr beeindruckend und ich hätte nicht erwartet, dass ich nach dem Ende der Passabfahrt auf einmal in so einer Wüste bin.Ich spekuliere darüber, ob es hier einen Fluss geben könnte. Optisch deutet nichts darauf hin, und das Wasser geht langsam aus. Jedoch sehe ich inder Ferne eine Straße. Als ich darauf einige LKWs ausmachen kann, wird mir klar, dass dies die Hauptverbindung nach China sein muss. Nach einerhalben Ewigkeit ist die andere Seite des Tals erreicht, und der Fluss gefunden. Die Straße ist auf der anderen Seite, aber wegen einem Bergwerk aufmeiner Seite gibt es eine Brücke über den Fluss.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0135.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0135.jpg)


Die Straße ist schlicht enorm: Breit wie eine Schnellstraße und aus frisch angeschütteten Schotter. Die LKWs werden offenbar blockweise an derGrenze abgefertigt und passieren mich im Minutentakt. Die LKWs samt Fahrer stammen aus China und fahren zu den Frachtterminals in der Nähe vonMurgab oder Korogh, um die Waren zu übergehen. Die Straße wurde offenbar von China gebaut, um den eigenen LKWs die Strecke zu vereinfachen. Ineiner Flusskehre finde ich einen tollen Übernachtungsplatz und kann mal meine Kleidung waschen. Über Nacht wird sie durch den Wind und die
trockene Luft tatsächlich trocken. Allerdings fängt es am Morgen gleich zu regnen an, und ich kann in Ruhe mein Handy zerlegen das schon seit
einer Woche keine Funktion mehr hat. Ich komme zum Schluss, dass jetzt das dritte Elektrogerät defekt ist. Um 10 Uhr geht es endlich Richtung
Murgab, wo ich vor allen Benzin kaufen will. Einkaufen muss ich wegen den Vorräten nicht viel, außerdem habe ich sowieso umgerechnet nur mehr 3Euro übrig.



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Ein kleiner Ort vor Murgab, das Wetter kann einen auch auf diese Art motivieren

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Murgab


In Murgab wundere ich mich erst mal über die Größe, ich hatte mir eher ein Dorf vorgestellt, nach der langen Einsamkeit wirkt es eher wie einekleine Stadt.

Ein paar Engländer geben mir einen Tipp für ein Internetcafe, offenbar auch das einzige hier. Die Tankstelle hat kein Bezin, was ich durchaus
frustrierend finde. Martin hat mir in Langar zwar noch etwas Spiritus überlassen, jedoch muss ich feststellen, dass mein Kocher nichts damit
anfangen kann. Am Basar kaufe ich noch etwas Gemüse und Eier ein. Eine Tankstelle am Ende von Murgab rettet mir dann doch noch den Tag. Ein
kleines Mädchen, maximal 5 Jahre alt bedient mich. Abgesehen, dass sie den schweren Zapfhahn kaum heben kann, stellt sie sich recht gut dabei an.Umgerechnet 1 Euro bleibt mir noch, mal sehen was ich mir in Karakul dafür kaufen kann.


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Jetzt fahre ich wieder auf dem richtigen Pamir Highway. Eine Abzweigung zu einem Fluss beschert mir den ersten windgeschützten Platz seit langerZeit. Ich koche noch Nudeln mit Gemüse und bin frustriert wie lange man in dieser Höhe das Gemüse kochen muss. Ich bin froh heute nicht in derEbene zu zelten, wieder gibt es ein nächtliches Gewitter und diesmal spüre ich die elektrostatische Ladung sehr deutlich, indem mir alle Haare zuBerge stehen.


Am nächsten Tag will ich den Ak-Batail Pass erreichen. An diesem Tag ist der Pamir zwar recht nett, aber ich bin von den letzten Tagen tolleresgewohnt. Die heutige Etappe zieht sich gewaltig.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0139.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0139.jpg)
In der Nacht hat es auf den Bergen frisch geschneit.



Am späteren Nachmittag biegt die Straße in ein engeres Tal ab, aber von der Passhöhe ist noch keine Spur.
Es ist ziemlich kalt und zweimal fängt es kurz an zu schneien. Das Problem ist, dass man in dieser Landschaft nirgends wirklich rasten kann, daeinen der Wind sofort auskühlt. Heute merke ich das erste Mal richtig die Höhe, ich bin unfit und habe ordentliches Kopfweh. Zwei Ibuprofen
Tabletten helfen da auch nicht. Von wegen, man soll absteigen wenn Ibuprofen gegen den Höhenkopfschmerz nicht hilft. Um den nicht so tollen Tagabzurunden reißt mir zum zweiten Mal die Kette. Gegen Abend kann ich dann endlich die Passstraße auf den Pass erkennen. Kurz vorher gibt es nocheinen geschützten Schlafplatz in einem Seitental. 4400 Meter bin ich hoch, also nicht schlecht um mich über Nacht an die Höhe zu gewöhnen.

In der Früh hat es 0 Grad, und ich habe den Fehler gemacht nur leicht bekleidet zu schlafen. Es fordert doch einige Überwindung bei solchen
Temperaturen aufzustehen. Schon um sieben Uhr bin ich mit dem Grießbrei fertig und bereit den Pass anzugehen. Ich finde es recht nett, dass manauf der Passstraße den schneebedeckten Gipfeln recht nahe kommt. Das Wetter ist auch wunderbar, der Himmel ist auf dieser Höhe wunderbar
dunkelblau, und die Sonne lässt einen über die 2 Grad Celsius wegkommen.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0141.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0141.jpg)
Rückblick 100 vom Pass entfernt

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Passabfahrt

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estate
05.03.2013, 00:14
Heute spüre ich nichts mehr von der Höhe und fühle mich fit. Schnell erreiche ich den höchsten Punkt der Tour und kann die Aussicht auf derandere Seiten bewundern. Hier schaut der Pamir doch wieder toll aus. Nach der Passabfahrt mache ich ersten Kontakt mit dem Grenzannäherungszaun,der fälschlicherweise oft für die chinesische Grenze gehalten wird. Der Zaun soll aber nur die Grenze in den Bergen sichern. Die echte chinesischeGrenze werde ich aber noch in Kasachstan sehen. Nach einem Minipass kann ich am Horizont den Karukul See erkennen. Zwei englische Motorradfahrerkommen mir entgegen und sind etwas besorgt, da ich mangels Rastplatz auf dem Straßenrand sitze und die Proviantsäcke rund um mich angeordnet sind.Sie sind über die Anzahl der Radfahrer überrascht die sie hier treffen. Alleine in Tadschikstan haben sie heute schon 10 getroffen. Da es nichteinmal mehr 100 Kilometer nach Kirgistan sind, ist das schon beeindruckend.

Als ich später noch einmal halte, holt mich ein Niederländer auf dem Fahrrad ein. Er heißt Martin und ist 6 Wochen in Zentralasien unterwegs. Seinevorgenommene Tour ist recht beachtlich und er muss dazu etwa 100 Kilometer pro Tag fahren, was er auch im Pamir bis jetzt durchgehalten hat. Inseinem Windschatten geht es nach Karakul dem letzten Ort vor der Grenze. Das Homestay ist gleichzeitig das Magazin, und ich wandle die letzten Somin Kekse und Zucker um. Dieses Geschäft, welches nur aus einem winzigen Lagerraum mit Säcken und Waage besteht, hat die besten Kekse in
Zentralasien, zumindest abgesehen vom Angebot in den Hauptstädten. Da die Frau einen 40 Kilo Sack davon hat, dürfte das noch länger ein Geheimtippbleiben.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0145.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0145.jpg)
Karakolsee, Pik Lenin im Hintergrund falls ich mich nicht irre


Der Ort Karakul hat nichts was einen dazu verleitet länger zu bleiben deshalb fahren wird noch eine Stunde lang weiter. Der Wind ist ziemlich rau,und kommt genau von vorne. Martin ist jedoch ziemlich fit und prescht mit 20 km/h gegen den Wind voran, während ich im Windschatten kaum
mitkomme. Wir sollten langsam ans Zelten denken, jedoch ist nirgends ein Windschutz zu finden. Deshalb beschließen wir einfach die Straßentrasseals Schutz zu nehmen, und schlagen die Zelte neben einem Bach an der Straße auf. Ich bereite die Nudeln zu und Martin spendiert eine Dose Fleisch.Das Dosenfleisch ist etwa auf die selbe Art hergestellt wie Hundefutter, also keine echten Fleischstücke, sondern komische Klumpen die irgendwiedoch aus Fleisch sind. In Europa würde so etwas wohl kaum jemand essen, aber auf der Tour und besonders heute nach 10 Tagen Zwangsvegetarismusschmeckt mir dieses Fleisch sehr gut.


Am nächsten Morgen bricht Martin früh auf, und ich hole noch etwas Schlaf nach. Die Strecke bis zur Grenze ist nur noch etwa 60 Km lang, aber dieanstrengendste Etappe der gesamten Tour.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0146.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0146.jpg)
Rückblick auf die Strecke am Karakolsee


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0151.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0151.jpg)
Da haben sich wohl ein paar Schweizer gespielt


Die Straße ist nicht die beste, aber der Gegenwind macht mich richtig fertig. Um 14 Uhr schaffe ich es dennoch bis zur Grenzstation. Dort wirdgerade gebaut, offenbar wollen die Tadschiken eine richtige Grenzstation haben. Die aktuelle Station ist ja nicht sehr ansehlich. Derzeit herrschtnoch eine Mischung aus Containern und improvisierten Hütten vor. Ich spreche ein paar Bauarbeiter an wo ich hingehen soll. Sie bieten mir eineZigarette an und deuten auf die erste Hütte. Drinnen ist tatsächlich jemand, ein Offizier in Räuberzivil. Nach den üblichen Zollfragen bietet ermir an Geld zu wechseln. Ich bin recht misstrauisch und erwarte einen denkbar schlechten Kurs. Ich weis leider nur den richtigen Kurs für EuroSomoni und nicht für Dollar, und Kopfrechnen macht in der Höhe auch nicht so viel Spaß. Aber 5 Dollar kann ich ja mal wechseln. In Kirgistan solles erst am dritten Tag eine Bank geben.

Wie sich später herausstellt, hat mir der Offizer einen ziemlich guten Kurs angeboten, sämtliche Banken in Kirgistan bieten einen geringfügig
schlechteren Kurs. Nach dem Zoll kommt die nächste Behörde, bzw. Hütte und dann noch einmal das selbe. An der letzten sind Soldaten in richtigerUniform, hier bekomme ich endlich meinen Stempel. Vor der Hütte muss ich eine ganze Weile warten. Der Drogenhund leistet mir Gesellschaft, er
kommt sogar her als ich ihn mit "Laika" und "Sabaka" rufe. Allerdings ist er an mir weniger interessiert und beginnt lieber die Grashalme vor derBaracke zu fressen. Der Schlagbaum ist schon in Sichtweite, und seitlich stehen die Soldatenunterkünfte. Dazu wurden offenbar in zwei alte
Treibstofftanks Fenster und Türen hineingeschnitten und Bettgestelle eingebaut. Nach der längeren Wartezeit bekomme ich von einem Offizier meinenPass zurück, der mich in Englisch fragt ob alles problemlos gelaufen ist und mir eine gute Weiterreise wünscht. Am Schlagbaum sperrt der
Wachsoldat den Schranken auf, und ich reise aus Tadschikistan aus.


Ich weis zwar, dass ich im Niemandsland problemlos übernachten kann, aber ich will heute noch nach Kirgistan gelangen. Das Niemandsland ist etwa30 Kilometer lang, Grund dafür dürfte sein, dass die Kirgisen die Grenze lieber im Tal überwachen und hier sowieso nicht viele Menschen wohnen. Deroft schlammige Pass ist heute trocken, und die Abfahrt viel kürzer als ich es von den Fotos erwartet hätte.


http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0153.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0153.jpg)
Das erste Yak, gleich nach der Grenze

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Die Passabfahrt nach Kirgistan


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Die Straßenmeisterei


Ich treffe das erste Mal in Asien auf Yaks, also auf die coolere Sorte von Kühen. So bedrohlich sie auch aussehen, sind sie deutlich scheuer undschneller als ihre fauleren Verwandten. Im Tal halte ich die Straßenmeisterei zunächst kurz für die Grenzstation. Die Familie die dort wohnt istsehr nett, ich werde sofort zu allem möglichen eingeladen, was ich aber ablehnen muss, da ich noch nach Kirgistan will. Die Familie ist kirgisisch,jedoch gehören sie politisch zu Tadschikistan. Der Mann hat einige Raupenfahrzeuge und eine Sammlung verrosteter Warntafeln. Er ist für die
Erhaltung und Schneeräumung der Straße bis Karakul zuständig.

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Ich mit dem Nachwuchs - diesen Hut tragen hier sehr viele Kirgisen


Weiter im Tal kommt mir ein Mann entgegen mit Rucksack und einer Plastiktüte in der Hand. Er sieht nicht wie ein Wanderer aus, eher wie ein
Europäer beim Einkaufsbummel.

Er ist tatsächlich Niederländer und per Autostop unterwegs. Heute hat er Pech gehabt und niemanden für die Strecke gefunden.
Übernachtungsausrüstung hat er keine mit, er hat eigentlich geplant nach der tadschikischen Grenze eine Möglichkeit zu finden. Die Familie vorhinwird ihn aber bestimmt gut aufnehmen. Radfahrer hatten mich Tage zuvor gewarnt, dass eine Flussüberquerung ansteht da die Straße weggespült
wurde. Auch die Bewohner der vermeintlichen Grenzstation hatten mich davor gewarnt.
Aber die erste Flussüberquerung meines Lebens stellt sich als viel leichter heraus als gedacht. Barfuß und mit vollem Gepäck am späten Nachmittagist ja eigentlich Worst-Case für eine Flussdurchquerung aber es geht trotzdem einfach.

http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/thumbs/Bild_0156.jpg (http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Bild_0156.jpg)
Abend am Rand vom Pamir


Ich fahre weiter aus dem Tal heraus und in die Ebene von Sary Tash hinein. Hinter mir tauchen die vergletscherten und verschneiten Gipfel des
Pamirs auf. Die Landschaft hat sich total verändert, alles ist grün und endlos weit. Von der Steinwüste des Pamirs bin ich in eine fruchtbare
Hochebene gewechselt. Trotz der langen Abfahrt bin ich immer noch auf 3200 Metern Höhe.


Endlich taucht dann die Kirgisische Grenzstation auf. Wie auch die Tadschikische Station ist das hier eine "richtige" Grenze die vom Militär
verwaltet wird. Ich fahre zum Schranken hin, begrüße den Soldaten und gebe ihm erst einmal den Pass. Daraufhin wird das Tor aufgemacht, und ichmuss die 3 üblichen Stationen absolvieren. Die Grenzkaserne ist deutlich besser ausgestattet als alles was man von Tadschikistan kennt. Vor mirist ein Taxifahrer der die Formalitäten von 10 Fahrgästen erledigen muss, deshalb warte ich überall relativ lange. Dafür weiß ich immer wo ich alsnächstes hingehen muss.

Während der Wartezeit schaue ich mich in den Kasernen etwas um, die Offizierswohnungen sind ziemlich nett, aber normaler Soldat möchte ich hiernicht sein. Die letzte Station ist der Zoll, der für mich sehr schnell erledigt ist. Auch hier muss ich niemanden meine Taschen öffnen. Nach
insgesamt einer Stunde heißt es "Welcome to Kirgistan" und ich darf das Tor passieren.


Es sind bis jetzt noch nicht einmal 3 Wochen vergangen und 3/4 meiner Reise liegen noch vor mir.

estate
05.03.2013, 00:15
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Übersicht:

Ich bin von Tadschikistan südlich von Sary Tash eingereist und habe die Hauptstraße nach Osh genommen, wo ich aber bei Gulcha über einen netten Pass abgebogen bin. Durch das Ferganabecken bin ich dann bis Jalal Abad und über den Pass nach Kazarman. Über die nördliche Route und vielen Pässen gelangte ich zum Hochgebirgsee Song Kol. Nach der spektakulären Abfahrt ging es dann nach Kochkur und dem rießigen Issuk Kul See. Nach Biskek habe ich dann die Hauptstraße genommen, und das Land Richtung Kasachstan verlassen.
Eigentlich hatte ich eine längere Route geplant, doch Taschikistan dauerte fast 8 Tage länger als gedacht, deshalb habe hier eine schnellere Route wählen müssen.

Karte:

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Video
Videos und Fotos von Kirgistan (http://www.youtube.com/watch?v=oTMq12wfZLs&feature=plcp)

estate
05.03.2013, 00:15
Nachdem ich mit der Grenzabfertigung fertig war, ging gerade die Sonne unter.
Schon in der nächsten Kurve nach dem Grenzposten komme ich am ersten Jurtendorf vorbei.
Ich fahre zügig durch, als die ersten von bestimmt über 100 Hirtenhunde auf mich zustürmt. Allerdings fehlt mir die Angst, bzw. der Respekt von den Hunden und ich ignoriere sie. Erst daheim lese ich in ein paar Berichten, dass Radler duraus schon von den Hunden in Zentralasien gebissen wurden.
Ich fahre noch einige Kilometer in den Abend, bellende Hunde um mein Zelt mag ich einfach nicht. Die Straße verläuft jetzt quer durch das riesige Tal, auf dessen anderen Seite Sary Tash liegt.

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Mein einsamer Zeltplatz im Flussbett ist eigentlich nicht so einsam wie gedacht, kurz nach Sonnenaufgang werde ich von einem Autofahrer geweckt, der mich aus der Entfernung grüßt. Als ich nicht aus dem Zelt komme fährt er weiter. Beim Frühstück kommt ein Lastwagen, der ebenfalls in der Nähe meines Zeltes den Fluss überquert.

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Nach einer Stunde bin ich in Sary Tash, einem Ort mit einem Cafe, einem Lebensmittelgeschäft und keiner Bank. Viele Reisende haben hier schon versucht Geld zu wechseln. So auch vier Radler die gerade aus China kommen. Sie haben sich nur zufällig an der Grenze getroffen und gehen jetzt verschiedene Wege. Sie sind von dem Angebot im Laden nicht so überascht wie ich. Hier gibt es schon mehr als praktisch in den meisten Taschikischen Läden, sogar ein Eis am Stiel. Ich bekomme noch Chinesische Ramen Nudeln geschenkt, von denen die Radler wohl in China genug gegessen haben. Ich beschließe mit Daniel, einem Südkoreaner auf Fahrradweltreise, Richtung Osh zu fahren. Daniel ist nicht sein richtiger Name, er nennt sich so, sein richtiger Name ist nicht aussprech, bzw. merkbar.
Obwohl wir schon auf 3000 Meter höhe sind, müssen wir erst noch auf 3500 um dann ins Ferganabecken abfahren zu können.

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Einige kirgisische Bauarbeiter mit Daniel
Nach einigen Gegensteigungen erreiche ich den Pass, während Daniel schon länger wartet.

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Die Passstraße ist noch immer im Bau, die Chinesen treiben hier eine richtig breite Straße in den Berg. In Europa würde man soetwas nicht machen, sondern die Straße und den Hang mit Bewehrungsanlagen schützen. Hier übernimmt einfach die Breite diese Aufgaben.
Nur durch die Serpentinen werden nicht so viele Höhenmeter vernichtet. Als wir unten zwei Amerikaner treffen, sind wir nur 400 Meter niedriger. Die Amerikaner sind auch auf den Rädern auf Weltreise, allerdings nehmen sie ab Duschanbe den Flieger, da sie ja nicht durch den Iran können.
Wenige Kilometer später können wir es kaum fassen: Es gibt frischen Asfalt! Die weitere Abfahrt ist denkbar lustig.

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In den Orten kommen die Kinder aus allen Richtungen angerannt, obwohl hier wirklich sehr viele Radler durchkommen. Normalerweise wird fröhlich gewinkt, nur bei einem Melonenstand an dem wir nicht halten, werden uns ein paar Steine nachgeworfen, allerdings sehr schlecht gezielt.
Als die Sonne anfängt aus dem Tal zu verschwinden, und ich schon ziemlich erschöpft von Daniels Tempo bin, meint er "Let's push it for 100 Kilometer" Ich bin mir nicht sicher wie viel er heute schon gefahren ist, aber ich klemme mich in den Windschatten seines Surly Long Haul Truckers und halte brav durch. Das Nachtlager schlagen wir in aller Öffentlichkeit bei einem verlassenen Haus auf. Gegenüber ist ein Dorf 300m entfernt. Natürlich bekommen wir noch Besuch von der Dorfjugend, die uns sehr neugierig begutachtet. Die Burschen haben einen Anführer, einen 12 jährigern der als Einziger auf einem Esel reitet. Er unterhält sich mit uns und weist die anderen Kinder zurecht, als sie zu neugierig werden.
Ich werde am nächsten Tag von 10 Eseln geweckt, die zwischen den Zelten herummaschieren. Schließlich gehen sie in die Grundmauern des verlassenen Hauses, wo sie dann einfach eine Stunde lang grundlos herumstehen.
Den Vormittag geht es weiter durch das Tal immer leicht bergab. In Gulcha verabschiede ich mich von Daniel und probiere Geld zu wechseln. Die einzige Bank hat Mittagspause, und ich kaufe mir in einer Bäckerei ein paar Weckerln. Soetwas hat es in Taschikistan nicht gegeben. Da musste man schon froh sein, wenn die Läden überhaupt Brot hatten. In der gut bewachten Bank wird mir wird der Weg zur "Kassa" gezeigt, wo man Geld wechseln kann. Offenbar gibt es nur dort in der Bank Geld, denn der Schalter ist sehr gut gegen Überfälle gesichert.
Nach Gulcha möchte ich noch möglichst weit auf einen 2500m Pass rauf, der mir die Stadt Osh und noch einiges an langweiliger Strecke ersparen soll. Da ich kein GPS und keine guten digitalen Karten mehr habe, frage ich mich nach dem Pass durch, was eigentlich gut funktioniert. Ein Bursche am Fahrrad zeigt mir den falschen Weg an, weil er mich seinen Freunden vorstellen will und mich einlädt mit ihnen am Fluss zu Baden. Seine Freunde zeigen mir dann den exakten Weg, können aber kaum glauben, dass ich mit dem Rad dort drüber will.
In den Dörfern nach Gulcha treffe ich einige Betrunkene Usbeken, die in dieser Gegend eine große Bevölkerungsgruppe darstellen. Nach den Unruhen im Jahr zuvor sind sehr viele von ihnen geflüchtet.
In dem Seitental, das ich jetzt Richtung Pass hinauffahre herrscht irgendwie eine eigenartige Stimmung. Man wird nicht mehr so freudig begrüßt und ein Auto schneidet mich absichtlich. Allerdings kann es auch Einbildung sein, da mir andere Reisende erzählt haben, dass die Kirgisen hier nicht so freundlich sind wie im Norden. Der Eindruck wird aber schnell zerstört, als mich ein Kühlwagen anhält der Fahrer etwas mit mir redet und ich dann zwei Eis am Stiel geschenkt bekomme. In diesem Tal sind nach der Reihe langgezogene Dörfer, und alle Einwohner scheinen an den zahlreichen Berghängen Gras zu ernten. Erst später komme ich drauf, dass das Gras für den Winter ist, und die andere Hälfte der Einwohner gerade mit dem Vieh in Jurten auf den Bergen ist.Wieder einmal muss ich noch einige extra Kilometer leisten, bis ich einen Zeltplatz abseits der Häuser finde.
Am nächsten Tag geht es die restlichen Höhenmeter auf den Pass hinauf. Die Grasernter sind schon überall auf den Hängen. Einer davon lädt mich zu einer Wassermelone ein, was ich aber freundlich ablehne, ich will auf den Pass, bevor es warm wird, und ihm nicht die Jause wegessen. Nach viel weniger Kehren als gedacht bin ich am Pass, wo einige Jurten aufgeschlagen sind. Neben den Ziegen gibt es hier auch Truthäne und Hühner.

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Die Abfahrt führt durch einige Dörfer und eine Schlucht und endet schließlich im Ferganabecken.
Hier gibt es wenig zu sagen, höchstens dass die Menschen viel freundlicher sind als beschrieben. So bekomme ich Melonen und eine Mitfahrgelegenheit nach Bishkek angeboten. Als ich Tomaten kaufen will, schenkt mir der Verkäufer gleich die besten seiner Exemplare.

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Kriegerdenkmal für den Afghanistankrieg

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Hier ist es garnicht so leicht einen Platz zum Zelten zu finden. In einem Flussbett werde ich dann doch fündig. Sehen kann mich allerdings jeder.
Am nächsten Tag kaufe ich mir das erste Mal seit Jahren eine Flasche Coca Cola - noch bin ich nicht so weit, dass ich einfach aus den Flüssen und Bewässerungsanlagen das Wasser entnehme.
Nach einigen Kilometern kann ich nach Usbekistan schauen denn die Straße verläuft knapp der Grenze entlang.
Interessant auf wie viele Länder ich während der Tour blicken kann: Afganistan, Pakistan, Usbekistan, China, sowie fast in die Mongolei und Russland.

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Das Ferghana Becken
In Jalal Abad brauche ich das Internet, ich möchte neue Lieder für meinen MP3 Player - die alten hat ein Virus zuvor gelöscht - sowie Google Maps Karten abfotografieren.
Überall sehe ich das Grafiti "Kyrgisk" oder so ähnlich. Ich denke nicht darüber nach, allerdings sehe ich es so oft, dass ich mich noch genau daran erinnern kann.
Nach der Reise erfahre ich dass damit Eigentum von Kirgisen markiert wurde, damit es bei den Unruhen vor einem Jahr verschont bleibt.

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Endlich Fleisch!
Was mir an Jalal Abad sonst so auffällt, sind sehr viele gehobene Hausbauprojekte, die im Rohbau stehen geblieben sind.
Gegen den Abend hin, fahre ich noch aus der Stadt raus und nehme die unscheinbare Straße nach Kasarman.
Erstaunlich wie unspektaklär diese Straße aus der Stadt verläuft, immerhin verbindet sie Jalal Abad zumindest flächenmäßig mit einem Drittel von Kirgistan.
Einen Zeltplatz zu finden ist schwer, überall sind noch Hirten und Bauern am Arbeiten. Sie nutzen offenbar den kühlen Abend aus.
Natürlich werde ich eingeladen, als ich frage, ob ich auf dem Acker übernachen darf. Allerdings war es heute zu anstrengend, und ich lehne dankend ab.
Außerdem soll man ja 3x aus Höflichkeit ablehen. Die Bauern meinen etwas von Wölfen, was ich mir in dieser Gegend nur schwer vorstellen kann. Vielleicht meinen sie wilde Hunde.
Der nächste Tag dient der Passanfahrt und stellt den Übergang des Beckens ins Gebirge dar. Als ich raste hält ein Audi, und ich bekomme eine frische Sonnenblume vom Durchmesser einer Pizza. Sonnenblumenkerne sind offenbar sehr beliebt, an allen Rastplätzen sieht man ihre Schalen.

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estate
05.03.2013, 00:16
Auf dem Weg zum Pass treffe ich die einzigen Österreicher auf der Reise, zwei Tiroler mit Pickup. Durch ihr Autokennzeichen fange ich gleich auf Deutsch mit ihnen zu reden an, was sie ziemlich überrascht.

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Der Pass ist in Sicht
Vor dem Pass zelte ich gleich neben der Straße, und werde noch vo vielen Hirten und Fahrzeugen gegrüßt. In diesem Tal gibt es schon wieder Jurten, aber auch Baustellenwagons und ein alter Buss dient als Sommerwohngelegenheit. Es gibt außerdem sehr viele Bienenstöcke.
Der nächste Tag beginnt mit dem Passaufstieg. Der Pass ist 3000m hoch, also etwa 1000hm hinauf. Das Geniale ist, dass der an einem Berggrad hinaufgeht, neben den Serpentinen hat man auch noch einen 130 Grad Knick drinnen, was für abwechslungsreiche Aussichten sorgt.

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Außerdem kann man hier den Grund für die breiten Sovietstraßen sehen. Auf der Talseite der Straße bröckelt das Material ab, und auf der anderen Seite wird die Straße vom Hang verschüttet. Manchmal ist deshalb die Straße nur noch für ein Fahrzeug breit.
Es gibt auf der Hälfte der Strecke eine kleine Quelle, die aber sicher nicht immer Wasser hat. Ich treffe zwei Australier auf Rädern die mir entgegenkommen. Sie erzählen mir vom Australier in Almaty, der via Warmshowers schon zig Reiseradler heuer bei sich aufgenommen hat. Schon das zweite Mal, dass ich von ihm höre.
Auf der Passhöhe gibt es Wind und eine tolle Aussicht. Genial wäre es halt, wenn es nicht so staubig wäre. Dann könnte man ewig weit in das Narntal hinausschauen.

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Bei der Abfahrt vollziehe ich einen Paradigmenwechsel: Zuvor habe ich darauf geachtet, immer schön brav und vorsichtig zu fahren, um mein Rad zu schonen. Jetzt fahre ich so schnell wie es mir Spass macht. Hefige Notbremsungen sind öfters nötig, wenn der Straßenbelag abrupt endet und Schotter anfängt.
Von Weitem sieht man schon die Gegensteigung, sowie ein Zwischenplateu mit vielen Jurten.
Durch die Hügel fahre ich weiter ab, bis zum Fluss, um dort zu übernachten.

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Flinker Kerl, schwer zu fotografieren.
In Kasarman decke ich mich für viele Tage ein, es gibt aber in 3 Tagen doch nocheinmal Geschäfte.
Beim zweiten Laden am hinteren Dorfrand gibt es sogar Wurst. Eine Kirgisin spricht mich draußen an.
Sie studiert in Bishkek Englisch und macht mir bewusst, dass die Kirgisen nicht wissen, ob ihre Landesgenossen zu Fremden überhaupt freundlich sind.
Das könnte auch ein Grund sein, warum alle immmer so besorgt um einen sind. Zu mir ist jedenfalls jeder freundlich, auch wenn man es in Bishkek manchmal auf mein Geld absehen wird.
Mit dem Jeep braucht man nach Bishkek von hier aus 2 Tage. Sie meint auch, dass man von hier aus am besten ein Taxi nehmen soll, da die Straße so schlecht ist. Einige Radler haben das auch gemacht, oder auf die tolle Route verzichtet und einen Umweg gefahren.
Aber ich bin leidensfähig. Zu Hause bin ich ja auch mehr Mountainbiker als Rennradfahrer.
Zugegeben nach Kasarman gibt es einige Kilometer Waschbrett, aber dann sind es einfach normale Schotterstraßen.
Die Straße ist ziemlich paradox: Ich muss das Narntal entlang, die Straße verläuft jedoch in den Bergen, um einige Dörfer zu verbinden. Im Tal selbst ist es zu trocken für einen Lebensbasis. Der Umstand führt jedenfalls zu einer der abwechslungsreichsten und schönsten Strecken meines Lebens.
Es gibt einige Pässe durchs Hügelland, während man immer an einer hohen Bergfront entlangfährt.
Auch Hund gibt es hier. Einer wird von einer jungen Kirgisin zurückgepfiffen, bzw. so lange mit Steinen beworfen, bis er von mir ablässt. Der Hund heist Laika, genau wie der erste Weltraumhund. Für so eine abgelegene Gegend kann das Mädchen überraschend gut Englisch, fast gleich gut wie der Englischlehrer in Tadschikistan. Sie ist auch erstaunt, dass man auf der Straße mit dem Rad fahren kann, und verspricht mir Asfalt auf meiner Strecke. Komisch was sie wohl gemeint hat, in den nächsten 5 Tagen gibt es davon nichts.

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Die Würste quellen ganz schön auf.

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Auch mit 3x so großen Würsten schmeckt es
Weitere Bilder:

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So abwechslungsreich, auf einmal ist man in einem Canyon

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Rückblick

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Am Pass / bzw Hochfläche

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Freundliche Jurtenbewohner, bieten mir an mein Handy zu laden. - Sie haben eine Solarzelle an der Jurte.

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estate
05.03.2013, 00:17
Der nächste Tag führt mich zunächst in ein Tal hinein. Das erste Mal auf der Reise treffe ich auf kleine Wälder, oder zumindest kleine Gruppen von Fichten.

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Später geht es dann in Serpentinen den Pass zum Song Kul hinauf. Die Aussicht ist herrlich, und der Kontrast zur Wüste in Richtug China und den grünen Wiesen mit den spitzen Fichten ist enorm. Von Weitem höre ich Motorengeräusche und erkenne zwei Motorradfahrer.
Es sind Schweizer auf dem Weg nach Sibirien. Ich erfahre, dass sie auch in der Softwarebranche tätig sind. Schon interessant, dass etwa 70% der mänlichen Reisenden die ich treffe auf diesem Gebiet tätig sind. Im Gegensatz zu mir haben sie es geschafft Openstreetmap für ihr Navi zu konvertieren, und ich erfahre wie hoch der Song Kul liegt - etwa 3000 Meter. Leider schaffen sie es nicht nach Sibirien, in der Mongolei machen ihre Motorräder schlapp, und sie müssen abbrechen.

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Nach ein paar tollen Kurven bin ich am Pass. Aber Pass ist das ja eigenlich keiner. Nachdem ich eine Passstraße im Stil der Alpen erklummen habe, geht es auf der anderen Seite kaum bergab, sondern es ist ist fast eben!
Einige hundert Meter weiter fühlt man sich nicht mehr in hochalpinen Gelände sondern mehr in einer lieblichen Hügellandschaft. Das Gras ist grün, überall stehen Jurten, und der Song Kul taucht im Hintergrund auf. So ein Landschaftwechsel ist ein tolles Erlebnis. Kaum zu glauben, dass man auf 3000m Höhe ist.

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Zwar sind die Jurten eine alte Tradition, aber in der Sovietunion gab es sie nur selten. Damals lebten die Menschen per Verordnung in festen Siedlungen. Die Menschen in den heutigen Jurten haben durchaus Häuser und Verwandte in den niedrigergelegenen Dörfern. Es zahlt sich jedoch für sie aus, im Sommer die Herden auf die hohen Lagen zu treiben und dort zu leben. Man muss aber jedoch bedenken, dass gleichzeitig viele Kirgisen in den Tälern viel Zeit verbringen, um händisch Gras für den Winter zu schneiden.
Mich würde interessieren, wie das funktioniert. Ob da ein Teil der Familie für das Gras sorgt, oder ob das einfach anderen abgekauft wird. Natürlich beschäftigen einen noch mehr Fragen: Wie einigen sich die Kirgisen wo jeder seine Jurte aufstellt, und wie werden in den Jurten die vielen Kinder gezeugt?
Das Zelt baue ich diesmal so auf, dass ich genau zum Ufer blicken kann. Ich beobachte die Hirten die auf schnellen Pferden die Herden zurück zu den Jurten treiben. Die Tiere werden dann über Nacht in einem runden Zaun eingesperrt. Ein kaum 10 jähriger Hirtenjunge treibt seine Herde knapp an meinem Zelt vorbei, und bleibt einfach so lange vor meinem Zelt, bis ich ihm ein paar Kekse gebe. Hier haben die Touristen die Kinder halt schon ein wenig verdorben.
Ich nehme mir vor früh aufzustehen, und den Sonnenaufgang zu fotografieren. Über Nacht hat es gefroren, und ich wische eine beachtliche Schicht Reif vom Zelt ab. Ich beginne in der Früh viele Fotos von der Szenarie zu machen, einfach herrlich das Licht am Morgen.

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Einige Kilometer weiter probiere ich am Ufer etwas Wasser zu holen, was aber misslingt da der Pegel so hoch ist, dass das Ufer deshalb sumpfig ist.
Den restlichen Tag geht es eher gemütlich um den See herum, um auf der anderen Seite einen kleinen Pass hochzufahren.

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Ein Touristendorf

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Die Kinder posieren und verlangen anschließen Süßigkeiten

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Seine Übernachtungseinladung muss ich leider ablehnen, es ist einfach noch zu früh.

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TLow
05.03.2013, 12:06
Hammer!

Philipp
05.03.2013, 13:37
Großartiger Bericht, grandiose Landschaft, ein Muß für Später.

Nur: geht es nur mir so, daß ich erst ab Beitrag 24 bilder sehe? Alle Deine Beiträge auf Seite 1 dieses Berichts erscheinen bei mir bilderlos.

Gruß, Philipp

Homer
05.03.2013, 13:44
geht nur dir so:baetsch:

wait
06.03.2013, 00:26
Bei mir sind (oder heute sind) die Bilder alle wieder da.

Echt eine absolut spannende Tour!

Atze1407
06.03.2013, 08:02
Wow, ein toller Reisebericht. Über die Fotos braucht man auch kein Wort verlieren.

5sterne

Danke.

LG
Atze1407

estate
06.03.2013, 22:05
Einen Tag von Kirgistan habe ich wohl übersprungen:

Zwei Tage später erreiche ich den letzen Pass bevor es wieder in das Narntal geht. Die Aussicht ist eine besten überhaupt. Man ist selbst von Jurten und grünen Wiesen umgeben, und kann durch das trockene Narntal fast bis nach China sehen.

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Vielleicht die beeindruckenste Aussicht meines Lebens, auf den Bilder allerdings nicht so spektakulär.
Rechts geht es so weiter, aber durch das Gegenlicht diese Richtung nicht fotografierbar.

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Am Fluss ist die Strecke für einige Kilometer wieder Waschbrett, bis man vom Tal wieder in die Berge zum Song Kul abzweigt.

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Am Abend begegne ich noch zwei Franzosen, die auf einem Reisetandem unterwegs sind.

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Die Gräber schauen überall toll aus.

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Übernachtung in den Feldern



Das war der letzte Teil von Kirgistan. Von Kasachstan habe ich nur einen kürzereren Bericht mit vielen Bildern. Mal sehen ob ich den auch hier reinkonvertieren kann.

Übrigens hab ich gestern meine Flugtickets nach Kirgistan gekauft. Diesen Sommer geht es zwei Monate lang nochmals dort hin. Diesmal zwar auch mit dem Rad, allerdings nur mit Minimalgepäck und hauptsächlich abseits der Straßen.

estate
06.03.2013, 23:13
Das war doch nicht der letzte Teil, hier ist noch die Fahrt vom Song Kul nach Bishkek:


Nach dem Pass ist man auf einmal wieder in den Bergen. Auf der anderen Seite geht eine langgezogene Passstraße hinunter, diesmal mit wenig Serpentininen, so dass sich die Landschaft bei der Abfahrt ständig ändert.



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Nach einer Übernachtung in einem Seitental geht es zunächst bergab, dann macht das breite Tal eine Kurve, und die Straße folgt jetzt einem anderen Tal kurz bergauf. Das ist für Zentralasien sehr typisch, dass die Straße nicht den Tälern folgt, da die Täler kurzerhand zu Schluchten werden, dass es nicht einmal mehr einen Pfad hindurch gibt. Nach einer kurzen bizarren Mondlandschaft, aus errodierten Schotterablagerungen gibt es ein Dorf und somit seit langem ein Geschäft. Hier finde ich Mayonaise, Schokolade und Brot. Brot mit Mayonaise als Aufstrich ist so ziemlich das Highlight auf der ganzen Zentralasientour. Mir wird bewusst, dass ich außer den Schokoriegeln eigentlich schon seit Wochen kein Fett mehr in irgendeiner Form zu mir genommen habe.
Vielleicht schmeckt die Mayonaise deshalb so gut.
Auf der Straße drückt mir dann ein betrunkener Kirgise mein Fahrrad in die Hand, dass er aufgestellt hatte, und zuvor herumgeschoben hatte.
Einen winzigen Pass gibt es noch, dann bin ich auf der asfaltierten Hauptstraße. Der Chinesische Asfalt lässt darauf schließen, dass hier eine derHauptrouten nach China verläuft. Tatsächlich kommen kurz darauf schon die ersten Monsterlkws daher. Hier gibt es keine Eu oder sonst irgendwelche Vorschriften die sich durchgesetzt werden. Da verwundert es nicht, wenn man einen ewig langen Sattelschlepper sieht, der sich in der Mitte erstreckend weit durchbiegt, oder einen Lastwagen, mit permanenter Schräglage.
Ich komme an einem Rastplatz für LKWs vorbei, und bekomme in Fett rausgebackene Teigstücke sowie Fisch zu essen.



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Der Hauptstraße wird diesen Tag gefolgt, mit einem Abstecher nach Kochkor, einfach nur deshalb weil die Route dort mit sehr alten Alleebäumen ausgestattet ist. Teilweise sollen diese Alleen älter als die Sovietunion sein. Aber auch die Soviets haben dankbarer Weise versucht fast sämliche Straßen mit solchen Alleen auszustatten. Die Strecke zum Issuk Kul ist jetzt etwas langweilig, immer gerade aus. Ich klemme mich daher in den Windschatten eines überladenen LKWs, der selbst nur 30 fahren kann. Ein VW Bus mit Schweizer Kennzeichen überholt mich. In einer Kurve beginnt es sich auf einmal zu stauen. Schnell sehe ich die Ursache - ein Checkpoint. Schade, ich dachte der Blödsinn hätte sich schon in Tadschikstan erledigt. Immerhin ist Kirgistan seit kurzem keine Diktatur mehr. Aber der Checkpoint hält die Autos nicht auf, sondern lässt sie nur kurz anhalten, damit die Nummer erfasst werden kann. Der Schweizer VW Bus, der mich vor einer halben Stunde überholt hat, steht aber noch immer dort vor der Barrake. Während ich duchfahre, sehe ich die Schweizer relativ gestresst wieder in den Bus einsteigen. Für mich interessiert sich jedoch niemand, und ich fahre Blickkontakt vermeidend durch die Barrikade durch.


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Song Kul in der Ferne



Ich biege in eine kleine Seitenstraße ein, die mich ans Ufer des Song Kuls führen soll. Mein Wasser ist aufgebraucht, allerdings schaut die Landschaft vor so aus, als würde bald ein Bach aus den Bergen kommen. Leider Fehlanzeige. Wasser gibt es hier sicher, immerhin liegen überall Rückstände von Sovietischen Bewässerungsleitungen herum. Aber jedes Flussbett ist ausgetrocknet, höchstens etwas Gras wächst hier. Offenbar gibt es ein neues unterirdisches Kanalsystem. Langsam sehe ich den Issuk Kul auftauchen. Er ist zwar ein Salzsee der im Winter nicht zufriert, aber ich weis, dass die Tiere das Wasser trinken können, also kann ich notfalls dort was trinken.
Ich brauche jedoch nicht davon Gebrauch machen, denn wieder auf der Hauptstraße gibt es einen Wasserfontäne mit kleinem Teich.


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Der Abend ist doch noch gerettet, und an einem kleinen Seitenweg schlage ich das Zelt auf. In der Früh schlendert noch ein Viehhirte vorbei, der sofort mit mir ein Gespräch anfängt, als er sieht, dass ich schon wach bin. Viel erfahre ich aber nicht von ihm, außer dass er einen Kilometer weiter sein Haus hat, und seine Herde am Issuk Kul ist.

Der vorige Tag war der letzte schöne Tag in Kirgistan, jetzt muss ich zwei Tage Lang nach Bishkek fahren, was nicht sehr lustig ist.


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Zuerst durch ein enges Tal mit sehr vielen Autos und sehr enger Straße, aber immerhin bergab. Ich treffe zwei Schotten die vor ein paar Tagen in Kirgistan angekommen sind. Ob Welt oder Sommertour weis ich nicht mehr, allerdings wirken sie recht paranoid was das Zelten anbelangt. Ein Einheimischer hat ihnen gesagt, dass das Campieren gefährlich ist, und sie haben deshalb letzte Nacht keinen Platz gefunden. Außerdem sei die Grenzstraße entlang der Grenze Kasachstans voll mit Militär und Polizei. Naja, Zeltplatz habe ich natürlich einen gefunden, sogar gut versteckt. Entlang der Straße verläuft nämlich ein 1 Meter hoher Wall aus Erde, vermutlich von den Straßenbauarbeiten. Dahinter kann man gut Zelten, und hat eine Aussicht über den Fluss auf Kasachstan. Auf der Kasachischen Seite sehe ich noch im Laufe des Abends einige Patrollien. Immerhin kann man hier ja einfach durch den Fluss maschieren.

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Man merkt den Tourismus


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Der Zug hupt mir zu


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Die Bushaltestellen der Sovietunion sind wirklich kreativ.



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Ich muss unbedingt von und mit jedem im Laden ein Foto machen.


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Breit und Glatt, soetwas ungewohntes


Der nächste Tag bringt Rückenwind, und trägt mich die 88 Kilometer so schnell nach Bishkek, dass ich schon um 3 Uhr nachmittags dort ankomme. Zuvor kaufe ich noch die billigste Wassermelone der Reise, etwa 45 Dollarcent für eine 6 Kilo Melone.



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ohne Worte

In der Stadt suche ich eine Unterkunft, treffe aber zwei Franzosen, die mir das Nomads Inn empfehlen. Hätte ich doch nur gewartet, bis die Franzosen mit dem Einkaufen fertig sind. Nur mit der Wegbeschreibung ist es der Horror die Unterkunft zu finden. Zwar bin ich schnell dort, aber ich sehe die Straße nicht, in die man einbiegen muss. Nach den Weg fragen bringt auch nichts, diese Unterkünfte sind in der Regel relativ geheim wahrscheinlich um Staat, Mafia und Steuern fernzuhalten. Der Typ den ich frage, will mir zuerst einreden bei um für 10 Dollar zu übernachten, später will er einfach so einen Dollar von mir. Ich kann mich aber dann doch losreissen, und fahre weiter so um den Block. Schließlich sehe ich die "Straße", ein Fussweg zwischen zwei Häusern und einen Strommasten, dort gibt es dann die richtige Türfarbe und richtige Nummer. Ich läute und bin doch beruhigt, dass es auch wirklich das Quartier ist.
Die Nomads Inn schaut so aus: Eine Familie vermietet Nebenhaus und Garten an Gäste. Ich schlage im Garten mein Zelt auf, und nehme die erste Dusche seit, naja, 5 Wochen. Der Grund warum in Bishkek so viele Touristen sind liegt nicht etwa an der lieblichen Stadt, oder weil es hier so viel zu sehen gibt. - Nein Bishkek ist eher so etwas wie eine Zwangsraststation für Weltreisende, die hier allerhand Visa besorgen müssen.
Etwas frustriert sind die Menschen hier schon, ein Niederländer wartet schon zwei Wochen hier auf seine Visa (China, Pakistan, Indien) Ich erkenne, dass meine kürzeren Sommertouren schon gewissen Vorteile bringen.



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Wie im Paradies. Die Preise sind aber recht nah am EU Niveau. Die Hälfte der Produkte stammt auch von dort.


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Stadt der fehlenden Kanaldeckel - Die werden als Schrott nach China verkauft.



https://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/kirgistan%20skaliert/thumbs/111.jpg (https://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/kirgistan%20skaliert/111.jpg)
Nomads Inn, hier stehen durchaus auch mal 12 Zelte


Ich lege das erste Mal in meinem Leben ein paar freiwillige Ruhetage ein, und mache etwas Urlaub vom Radfahren. Da meine Karten und GPS Infos weg sind, muss ich die Kasachstan Tour im Internetcafe recherchieren und abfotografieren. Sonst gibt es in Bishkek wenig zu erleben. Ich probiere allerhand Lebensmittel aus, trinke das geniale Kvas und andere Getränke in den Parks. Darunter aufgeschäumter Trinkjogurt - Lecker. Ich sehe mir die Schauplätze der Revolution im letzten Jahr an. Es ist beeindruckend, dass eine so friedliche Stadt mit so netten Menschen so heftig demonstiert hat, dass die Regierung sich absetzen musste und es dadurch zur Einführung einer parlamentarischen Republik gekommen ist.

Nach 3 Tagen verlasse ich die Stadt, um nach Kasachstan aufzubrechen. Ich fahre um 6 Uhr in der Früh los, um bei der Grenze nicht zu lange warten zu müssen. Der Streckenabschnitt ist kritisch, viele Radler wurden hier noch von korrupten Polizisten ums letzte Kirgistangeld gebracht. Ich kaufe mir davon jedoch Brötchen und ein asiatisches Cornetto. An einer Kreuzung höre ich Polizeisirenen, zwei Polizeiautos rasen in die Kreuzung, gefolgt von einem wuchtigen, vollbesetzten Schützenpanzer. Sie sind auch Richtung Grenze unterwegs, hoffentlich kein Zwischenfall immerhin darf ich nur noch einen Tag hier bleiben. Aber nichts da, der Weg zur Grenze ist frei, jedenfalls bis zum Grenzstau. Die Menschen aus den Bussen sitzen hier überall am Straßenrand und in der Wiese. Sie haben es sich so gemütlich gemacht, dass ich aufs schlimmste gefasst bin. Souverän überhole ich sämliche Autos, an der ersten Schranke steige ich ab, schiebe das Rad vorbei, und ordne mich wieder zu den Autos ein. Gut dass ich nicht als Fussgänger behandelt werde, diese Schlange ist sehr lang.
Ich gebe jedoch prompt meinen Pass ab und bekomme ihn kurz darauf kommentarlos wieder. Bin ich jetzt ausgereist? Keine Ahnung immerhin hat es in Tadschikistan eine halbe Stunde gedauert, bis ich den Ausreisestempel habe. Egal, ich fahre einfach los und erreiche den Kasachischen Posten ebenfalls ohne Wartezeit. Es gibt zwei Schalter, bei einem bekomme ich das Formular, beim zweiten gebe ich es ab.
Ein Soldat erklärt mir was ich wo eintragen muss. Nicht so einfach, obwohl das Formular auch auf Englisch ist. Ganz groß steht drauf, das das Formular nichts kostet, und dass man niemanden Geld zahlen muss. Am zweiten Schalter gebe ich es mit dem Pass ab, und bekomme prompt den Stempel. Das ging ja viel schneller als gedacht.
Ich fahre weiter, der Soldat, der eigentlich meinen Stempel kontrollieren sollte ignoriert mich und so fahre ich seitlich am geschlossenen Schranken vorbei und bin in Kasachstan, dem spannendsten Land auf dieser Reise. Kaum zu glauben, die Hälfte der Tour liegt noch vor mir.

hambe
07.03.2013, 20:20
wow, eine wirklich tolle Reise und geniale Bilder ! :wohoo:

slarti
08.03.2013, 12:38
Ein Melonenexperte wie ich prüft natürlichdie Melone mit der Klopfmethode. Obwohl ich keinen Zusammenhang zwischen dem Klopfgeräusch und der Qualität ausmachen kann, bekommt man vom
Händler meist ein besseres Exemplar, wenn man beim Klopfen leicht das Gesicht verzieht.

Herrlich! Habe mal von einem Radler gelesen, der sich für Südostasien einen langen grimmigen Bart wachsen lassen hat um bei Preisverhandlungen deutlichen Rabatt oder zumindest keinen Langnasenaufschlag zu bekommen.

estate
10.03.2013, 11:27
Jetzt geht es in Kasachstan weiter. Ich hatte 45 Tage Zeit für eine Route für ich 50 Tage gebraucht hätte. Ich hab deshalb viele Mitfahrgelegenheiten angenommen.

Das war die Route:
http://dl.dropbox.com/u/28026309/fotos/zentralasien_skaliert/Zentralasien_politisch_2010_preview.jpg

Nach 500 ereignislosen Kilometern von Bishkek nach Almaty habe ich endlich meine Couchsurfing Unterkunft in Almaty gefunden.
http://i.imgur.com/R1sRRpJ.jpg
Es schaut zwar nicht so aus, aber hier wohnt die Elite der Stadt.
Mit dem Gastgeber und zwei neuseeländischen Radlern machen wir eine Wanderung im nahen Tien Shan. Von 1600m auf 3500m geht es am Nachmittag was einen reinen Radler wie mich ziemlich fertig macht. Die Baumgrenze ist hier sehr hoch.
http://i.imgur.com/z16aZDB.jpg
Ein paar Tage später bin ich schon auf dem Weg weiter, auf das Assy Plateau, einer Hochebene im Tien Shan.
http://i.imgur.com/Nr3p5iQ.jpg
Der erste Morgen auf dem Plateau beginnt mit einem Schlechtwettereinbruch.
http://i.imgur.com/Z8Mm2kF.jpg
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http://i.imgur.com/qjmOCHZ.jpg
Bei der Familie hab ich kurz Unterstand vor einem Gewitter gesucht.
http://i.imgur.com/k13B5q7.jpg
Durch den Regen haben die Flüsse viel mehr Wasser.
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Am nächsten Tag bin ich wieder in der Wüste.
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Heute will ich den Charyn Canyon besuchen, immerhin liegt er auf meiner Route. Der Weg dorthin ist aber beschwerlich und sorgt für Frustation.
http://i.imgur.com/RH8ZRGJ.jpg
Zwar nicht der Grand Canyon, aber trotzdem nett. Unten am Fluss beim Wasser holen treffe ich noch zwei Australier, die Grenze zu Kirgistan hier zu passieren wollen. Ich muss ihnen mitteilen, dass das nicht mehr möglich ist, was deren Stimmung ruiniert.
http://i.imgur.com/fAAF4H7.jpg
Durch die Steppe geht es nach Norden weiter.
http://i.imgur.com/RSxjZua.jpg
Die Flüsse versickern her in der Ebene, je weiter man durch ein Tal berauf fährt, desto mehr Wasser ist vorhanden.
http://i.imgur.com/dj05fjs.jpg
Meine Route ist so lang, dass sie mit dem Rad in der Zeit nicht zu schaffen ist. Deshalb nutze ich alle Mitfahrgelegenheiten aus. Hier wurde ich ein paar Kilometer auf das Hochplatau mitgenommen.
http://i.imgur.com/SOP8Fol.jpg

http://i.imgur.com/JK006qX.jpg
http://i.imgur.com/kqcPl0W.jpg

estate
10.03.2013, 11:30
Zur wanderung in Almaty hab ich noch eine Galerie hochgeladen:
http://imgur.com/a/f3JwD

Libertist
11.03.2013, 13:10
Hut ab!

MatthiasK
11.03.2013, 14:51
Hast dir an Hut in Afrika kauft?

Wild!

:D

hidenseebengel
11.03.2013, 19:59
still a better lovestory than twilight :)

schlump
11.03.2013, 20:46
wortlos, neidisch,beeindruckt...
5sterne

estate
12.03.2013, 01:14
Hast dir an Hut in Afrika kauft?
Nein, die Hutträger sind Neuseeländer, die ich schon aus Bishkek kannte, und auch beim Warmshowers Gastgeber dabei waren.

estate
12.03.2013, 01:15
still a better lovestory than twilight :)

Willkommen im Forum, Spambot.

estate
13.03.2013, 19:22
Weiter geht es mit dem Dschungarischen Alatau Gebirge. Der Weg ist zwar eine Sackgasse, aber soll sich landschaftlich lohnen. Dieses Gebirge liegt an der Grenze zu China und deshalb schaut der Eingang zum Nationalpark/Grenzsperrgebiet so aus:
http://i.imgur.com/ZPoT3rx.jpg

Später gibt es noch einen Schlagbaum, und ich muss umgerechnet 5 Euro Bestechungsgeld zahlen, um hier ohne Genemigung hineinzukommen. Dafür bekomme ich eine handgeschriebene Notiz, damit ich mich vor Patroullien ausweisen kann.

Das war wohl eine ehemalige Sovietische Kaserne.
http://i.imgur.com/qcPl0Ws.jpg
http://i.imgur.com/mREhzyU.jpg
Der Bunker ist noch erhalten.
http://i.imgur.com/SbWZx1Z.jpg
http://i.imgur.com/1lSKrDC.jpg
Diesem Fluss geht es einen halben Tag entlang.
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Auf dem Weg sind viele Jurten, mit überdurchschnittlich großen Herden.
http://i.imgur.com/iEBIXDt.jpg

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Fast wie in den Alpen.
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Bis zu diesem Pass fahre ich, hätte ich noch mehr Zeit würde noch ein ganzer Tag fast bis zur Chinesischen Grenze drinnen sein.
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Ziemlich klar, welcher von denen begeistert war mich zu sehen.
http://i.imgur.com/d33fcMl.jpg
Weiter geht es wieder auf der Hauptstraße in Richtung Russland. Die Baumreihen gibt es sehr häufig und waren ein Versuch die Steppe in Ackerland zu verwandeln.
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Nach einem ganzen Tag Hügelland wird es flach.
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An diesen zwei Tagen geht mir zweimal das Wasser aus. Ich habe etwas 7 Liter mit, was aber viel zu wenig ist. Das erste Mal habe ich echte Halluzinationen, ich imge mir ein Motoradfahrer in der Steppe zu sehen. Sie sind auch noch da nachdem ich kurz die Augen schließe, verschwinden aber als ich näher komme. Zum Glück gibt es dann am Nachmittag Wasser, allerdings ziemlich salzig, da das Wasser in den Seen nicht abfließen kann. Nach einer Nacht ist das eckelhafte Wasser wieder weg, und ich habe einen ordentlichen Kater man nächsten Tag. Zum Glück finde ich am späten Vormittag einen Sumpf mit salzfreien Wasser und auch noch einige Wassermelonenverkäufer.
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estate
18.03.2013, 20:57
Einige Tage lang geht es noch durch die Steppe weiter. Erwartet hatte ich ödes Flachland, aber es kam anders.
Auch wenn sich einige Teile ziehen, war es durchaus lohnenswert dort zu fahren.
http://i.imgur.com/zdzWZRs.jpg
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Nach zwei Tagen treffe ich endlich wieder auf mehr oder weniger fließendes Wasser.

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Es ist erst Anfang September, aber die Bäume sind schon sehr verfärbt. Der Herbst kommt hier deutlich früher als in Europa.
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Einen Tag lang geht es noch durch die Steppe, allerdings mit so viel Gegenwind, dass ich mich von einem LKW Fahrer nach Ust-Kamenogorsk mitnehmen lasse.
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Jetzt merke ich erst, was diese LKW fahrer auf diesen Straßen für Qualen erleiden. In so einem unbeladenen Kamaz wird man so durchgeschüttelt, dass man ohne Haltegriffe quer durch die Kabine fliegen würde. Der Fahrer hat so viel Spiel in der Lenkung, dass er ständig mit dem Lenkrad weite Kurbelbewegungen machen muss. Bei einem Checkpoint fahren wir mit Schritttempo durch, da der zweite Gang offenbar nicht funktioniert. Als ich ihn in der Nähe eines Waldes vor Ust-Kamenogorsk bitte zu halten, mussen wir erst warten bis es eben ist, um anhalten zu können. Ein Schraubenzieher am Gaspedal sorgt dabei für das notwendige erhöhte Standgas.
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Von Ust-Kamenogorsk gibt es keine imger, es ist einfach eine typische russische Stadt. Meine Packtaschen sind jetzt zum bersten voll mit Lebensmitteln aus dem westlichen Supermarkt.

estate
18.03.2013, 20:58
Weiter geht es mit einer großen Runde im Altaigebirge.

So schauen die Dörfer typischerweise aus:
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Die Runde verläuft rund um den rießigen Saissansee, der aber zu dem Buchtarma Stausee geflutet wurde.
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Die Landschaft nördlich des Sees ist schon relativ trocken, auf der südlichen Seite fängt wieder die Steppe an.
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Ich zweige von der Uferregion in ein Tal ab, welches bis zum Mongolisch, Russisch, Chinesischen Grenzgebiet führt. Leider hab ich weder Zeit noch die Genemigungen dafür.

Wie so oft werde ich wieder mal von neugierigen Kasachen angehalten. Diesmal gibt es was zu essen für mich. Allerdings ist das Fleisch so grauslich, dass ich es nicht schlucken kann. Den Brechreiz kann ich verbergen, das Stück Fleisch bleibt bis zur Verabschiedung im Mund, um es dann unbemerkt auszuspucken.
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Die Birkenwälder sind schon sehr toll in Kombination mit Herbstfarben und Abendlicht.
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Einen halben Tag lang geht es noch auf der guten Straße in das Tal hinein, dann muss ich die Piste zum Markacolsee finden.
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estate
18.03.2013, 20:59
Heute will ich über eine kleine Schotterstraße in den Markakol Nationalpark gelangen.
Das Problem ist, dass im Internet von einer Genemigung die Rede ist, die ich nicht habe. Die Straße zum See führt nämlich direkt an der Chinesischen Grenze vorbei, und Grenzgebiet ist in Kasachstan in der Regel Sperrgebiet. Meine Route führt aber von Norden über mehrere Pässe zum See, und ich bin zuversichtlich dort durchzukommen.

Zuerst muss ich die Abzweigung finden, was nicht so leicht ist, da ich nur abfotografierte Google Maps Screenshots als Karte habe. Nach einigen Sackgassen finde ich endlich den Weg.

http://i.imgur.com/Lkldv9n.jpg

Mit dem Kamerazoom als Fernglass kann ich etwa 500m vor mir eine Nationalparkwächterhütte ausmachen, so wie ich sie schon am Charyn Canyon gesehen hatte. Um einen Hügel herum im Gegenlicht ist allerdings eine Traktorspur den Hang hinauf, und so kann ich ungehindert dort vorbei.

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Im Abendlicht geht es noch so weit den Pass rauf, bis ich einen ebenen Übernachtungsplatz finde. Am nächsten Morgen sehe ich einen Wolf, der sich meinem Zelt angenähert hatte, aber bei Blickkontakt leider sofort die Flucht ergreift.
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Auf der Passhöhe hat man einen guten Blick auf den Belucha, dem höchsten Berg im Altai.
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Die Strecke ist traumhaft, bis auf die Straße ist die Natur völlig unberührt. Nur zwei Autos gibt es heute, eines davon ist ein Militärjeep. Zuerst bekomme ich einen Schrecken als die Soldaten stehenbleiben und aussteigen, aber sie scheinen nicht im Dienst zu sein, oder wollen zumindest keine Genemigung sehen. Noch wahrscheinlicher ist, dass gar keine Genemigung mehr nötig ist. Sie sind ziemlich besorgt über meinen Hinterreifen, der nur mit Klebeband zusammengehalten wird. Ich kann ihrnen jedoch versichern, dass ich einen Ersatz dabei habe. Sie geben mir noch einen Tipp für einen guten Lagerplatz, und fahren weiter.
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Nur Natur, nicht einmal Land oder Viehwirtschaft.
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Grenzüberwachung?
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Der letzte Pass ist geschafft.
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Der Marcakol See ist wunderschön, allerdings ist es Vormittag, und im Gegenlicht ist es schlecht möglich Fotos davon zu machen.
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estate
20.03.2013, 08:55
Nach dem Markakol See geht es am nächsten Tag auf einen kleinen Pass hinauf. Auf der anderen Seite gibt es einen krassen Landschaftswechsel.
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Ich wusste im vorhinein, dass ich hier einen Blick nach China werfen kann, aber die Dünen haben mich sehr überrascht.
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Das ist die Grenze. Weder ich noch alle anderen die ich gefragt habe, hätten gedacht, dass man hier ohne jeglichen Checkpoint so nah dran kommen kann.
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Im nächsten Ort gibt es Brot und Kekse, sowie tiefgefrorene Fleischnudeln. Das Wasser wird diesmal gewissenhafter aufgestockt.
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Es folgt ein recht ereignisloser Tag in der Steppe, über den es nichts zu schreiben gibt. Dann kommt ein schlechter Tag, der mit einem Sandsturm beginnt, auf den Gegenwind und kahle flache Landschaft folgt.

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Diesmal habe ich Glück und ich bekomme eine Mitfahrgelegenheit. 20 Kilometer mache ich in dem Oldtimer gut, und werde dann auch noch zum Mittagessen eingeladen.
http://i.imgur.com/5L7xSia.jpg
Die Fahrt ist wieder einmal ein Abenteuer. Das Auto ist schon etwa 40 Jahre alt, und ziemlich desolat. Genial ist aber das Motorengeräusch, welches sich bei Tempo 100 wie in einem Rennwagen anhört. Als mein Gastgeber seine Frau anruft, sucht er irgendwas im Handschuhfach und prompt kommt die einzige kleine Kurve auf der Strecke. Wir kommen aber nicht von der Straße ab, aber ein Rad war bereits auf der Bankette der anderen Straßenseite.
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Ich werde eingeladen mich im Badezimmer zu waschen. Ein großer Topf Wasser auf einem Pferdemistofen sorgt für Sauna Temperaturen.
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Später machen wir noch eine Runde im Dorf um jemanden zu finden, der ein Foto von uns macht. Ich werde noch zurück auf die Hauptstraße gebracht und mit vielen guten Wünschen bedacht.
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estate
20.03.2013, 08:56
Zwei Tage geht es noch durch die Ebene, das Wasser ist wieder sehr schlecht, und ich muss mich an ausgebaggerte Löcher halten, die als Viehtränken dienen. Der Ort auf meiner Karte entlarft sich als große Enttäuschung, da alle Häuser verlassen sind. Ein Erdbeben dürfte dafür die Ursache gewesen sein.

http://i.imgur.com/9OBy8Ku.jpg

Allerdings wurde der ganze Ort einige Kilometer neu aufgebaut.
http://i.imgur.com/zYwJss1.jpg
Alle Häuser sind identisch und es ist schwer das Geschäft zu finden. Schließlich gehe ich einfach selbstwusst nach Beschreibung in das 4. Haus einer Reihe hinein und finde in einem Zimmer einen Verkaufsraum.

Es folgen einige Tage durch eine Wüstenhügellandschaft, allerdings gelegentlich mit Bäumen und Flüssen.


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Bevor ich mich wieder in die Ebene wage, rüste ich meine Vorräte in einem von der Straße abgelegenen Dorf auf. Dort hat mich offenbar eine Familie gesehen, und fährt mir mit dem Auto hinterher, um Fotos von mir zu machen, und mir eine Flasche Mineralwasser zu schenken.


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Ab jetzt müsste ich eigentlich die selben 200km wieder noch Süden zurückfahren, aber ich schaffe es einen Bus aufzuhalten und mit kräftig viel Geld einen Platz zu bekommen. Buskarten bekommt man sonst nur in den größeren Städten, und man müsste früh am Morgen dort sein, um den Bus zu erwischen. Für 10 Euro die ich nach kräftigen Verhandeln hinter dem Bus bezahle, darf ich dann auch nebem dem Busfahrer sitzen.

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200km südlich geht es erst Richtung Chinesischer Grenze, und dann in die Ausläufer des Dschungarischen Alataus. Von Grenzsoldaten, sowie von einem Polizisten, der sich als Sheriff vorstellt, werde ich noch aufgehalten. Allgemein gibt es sehr viel Militär in der Nähe der Chinesichen Grenze.

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Einige Tage später verlangt auch noch einem Mann in Zivil meinen Reisepass. Auf mein Weigern kann er mir aber seinen Militärausweis zeigen. Es ist die erste Kontrolle in Zentralasien, die zwecks Bestechung durchgeführt wird. Allerdings kann ich ihm klar machen, dass mein Visum nicht abgelaufen ist, sondern 60 Tage hat, und so fährt er kommentarlos weiter.

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Der Alatau ist wieder mal sehr beeidrucken. Zwischen der Straße und den Bergen ist absolut garnichts, weder Felsen, Wald noch Wege.

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Nach dem Ausflug ins Gebirge muss ich wieder mal durchbeissen und die direkte Straße nach Almaty nehmen.
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Einen Tag vor Almaty beginnt es stark zu regnen und ich bin froh 60km mitgenommen zu werden. Allerdings bleibt der Fahrer nicht stehen, als wir von der Hauptstraße abbiegen, sondern biegt in ein Industriegebiet ab. Alle meine Bemühungen veranlassen ihn nicht stehenzubleiben. Ich wundere mich warum ich noch so ruhig bin, immerhin hat der Fahrer vor 5 Minuten gefragt, wie ich mich unterwegs mit Geld versorge.
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Bei seinem abgelegenen Haus will er dann plötzlich doppelt so viel Geld haben wie vereinbart war, und jammert mich mit den Benzinpreisen voll. Ich lasse mich schließlich kleinkriegen und gebe ihm die 5 Euro. Er stellt mir seine Frau vor, lässt mich allerdings in der Türe stehen und fängt zu telefonieren an. Mir recht es, die Stimmung ist irgendwie ungut und ich gehe zurück zum Auto, und lade mein Rad und Gepäck aus. Am liebsten wäre ich gleich mit dem Auto abgehauen. Als ich fast fertig bin stürzt der Mann aus dem Haus und will mein Gepäck wieder einladen. Ich gebe aber nicht auf, und fahre dann mit dem Rad einfach weg.

Gegen Mittag zelte ich dann in den Büschen am Straßenrand, und höre für 12 Stunden lang mein Hörbuch fertig. Die Schuhe und Socken werden dann am Benzinkocher getrocknet, und am nächsten Tag geht es gleich zum Flughafen, auf dem ich die Nacht bis zum Heimflug verbringe. Dann zahle ich noch 90 Euro übergepäck für das Rad, und fliege schließlich über Riga heim.
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Detti
20.03.2013, 12:03
Wow, beeindruckender Bericht. Absolut spitze.

Tolle Fotos, klasse Bericht. Bin total fasziniert.

Abt
20.03.2013, 19:24
Danke für deinen Klassebericht und die beindruckenden Bilder. Wie soll hier eine Steigerung noch aussehen? (Will natürlich andere Berichte hier nicht herabstufen.)
Wie hast du deine Haut geschützt gegen die Sonnestrahlung und den Wind?
Wie viele km bist du so in etwa täglich bei schlechten Wegverhältnissen gefahren?

estate
20.03.2013, 21:53
Danke für deinen Klassebericht und die beindruckenden Bilder. Wie soll hier eine Steigerung noch aussehen?

Man muss es ja nicht jedes Jahr steigern. Diesen Sommer nochmals 2 Monate nach Kirgistan fahren, und hautpsächlich abseits der Straßen mit viel leichterem Gepäck unterwegs sein.


Wie hast du deine Haut geschützt gegen die Sonnestrahlung und den Wind?

Mit Sonnenmilch. So eine Tube reicht durchaus für 3 Monate aus.


Wie viele km bist du so in etwa täglich bei schlechten Wegverhältnissen gefahren?
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Bei schlechten Wegen sind meistens viele Steigungen dazugekommen, was einen Kilometervergleich hinfällig macht. Ich kann mich eher wenig an Kilometer erinnern, aber es dürften so zwischen 40 und 50 auf den schlechtesten Straßen gewesen sein. Ich schätze mit dem Rennrad ohne Gepäck und auf der Straße dürfe man etwa 4x so viel bei gleicher Energie schaffen.