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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [US] Es muss nicht immer der AT sein: 5 Wochen Winterwandern in den Appalachen



German Tourist
09.02.2013, 21:36
Diesen Winter wollte ich es nun mal endlich wissen: Kann ich die Wandersaison für mich auf den Winter ausdehnen? Ich hatte zwar schon mehrere einwöchige Wintertouren in Deutschland und auch Skandinavien hinter mir, aber noch keine richtige Langstreckenwanderung – was bei mir bei 4 Wochen aufwärts losgeht. Würde mir Wandern im Winter über einen so langen Zeitraum Spaß machen?

Als Testgebiet hatte ich mir die südlichen Appalachen herausgesucht, da ich aufgrund meiner Mississippi-Paddeltour eh schon in den USA war. Die südlichen Appalachen schienen für meine Zwecke ideal. Selbst im Dezember noch mehr als 10 Tageslicht, die zu erwartenden Temperaturen würden im Normalfall -10 Celsius nicht unterschreiten und auch der Schnee würde sich in einem normalen Jahr eher im Zentimeter- als im Meterbereich bewegen. Vor allem aber gibt es mit dem Appalachian Trail, dem Benton MacKaye Trail und dem Pinhoti Trail eine recht gute Infrastruktur. Dennoch war mir klar, dass dieser Trip wohl eher Typ II fun sein würde, also erst rückblickend Spaß macht, denn diese Ecke der USA ist sehr nass. Und kalter Regen bei um den Gefrierpunkt ist für den Wanderer ja so ziemlich das schlimmste. Aber ich wollte ja meine Grenzen austesten und so hatte ich auch schnell eine Route geplant: 130 Meilen auf dem Appalachian Trail nordwärts von Neel's Gap nach Fontana Dam und dann wieder 120 Meilen südwärts zurück auf dem Benton MacKaye Trail, bis dieser auf den Pinhoti Trail trifft – und dann den ganzen Pinhoti Trail 325 Meilen durch Georgia und Alabama.

Den kompletten Reiseberichte mit mehr Photos gibt es hier auf meinem Blog (http://christine-on-big-trip.blogspot.de/search/label/Winter%20hike%20in%20the%20Appalachians).

Am 20.12.12 ging es los. Ein alter AT-Wanderfreund brachte mich frühmorgens nach Neel's Gap. Der Wetterbericht sagte 100% Regenwahrscheinlichkeit voraus. Schon auf der Hinfahrt schüttete es in Strömen. Mein Kumpel fragte mich mindestens 5 Mal, ob ich wirklich bei diesem Sauwetter starten wolle – und leider sagte ich 5 Mal ja. Und so startete ich mit Proviant für 8 Tage in strömendem Regen und musste bereits nach der ersten Meile feststellen, dass eine 3-monatige Paddeltour auf dem Mississippi wohl nicht die richtige Vorbereitung für eine Langstreckenwanderung sind. Auf meinem AT thruhike 2008 bin ich in dieser Gegend locker 20 Meilen jeden Tag gelaufen – das würde im Winter wohl nicht so gut klappen.....Der Regen hörte den ganzen Tag nicht auf. Der ganze Trail war überflutet und meine niegelnagelneuen Goretex-Schuhe standen innerhalb von einer halben Stunde voller Wasser. Selbst die beste Regenkleidung hält so einem Dauerregen nicht stand und meine Ausrüstung war alles andere als neu. Bei Temperaturen knapp über 0 Grad war an eine Pause nicht zu denken und so marschierte ich direkt bis zum ersten Shelter, wo sich auch prompt noch zwei der letzten AT southbound thruhiker einstellten. Im Shelter überprüfte ich erst mal, wie schlimm der Regenschaden war – und leider war ich durchnässt bis auf die Haut, d.h. wirklich alle Isolationsschichten waren tropfnass bis feucht. Ich hängte ohne große Hoffnung meine Sachen zum Trocknen auf, schlüpfte in meine noch trockene Schlafkleidung aus dem Rucksack und schlief erschöpft ein.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/32/Winter_Appalachen2.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72227&title=appalachian-trail-im-winter&cat=32)

Tag zwei ließ sich erst mal gut an: Ich erwachte zu blauem Himmel. Doch die böse Überraschung kam, als ich meine Schuhe anziehen wollte: Steif gefroren! Ditto meine Socken, meine Wanderhose, meine Regenjacke und alles, was ich zum Trocknen aufgehängt hatte. Der Wetterbericht hatte für die nächsten Tage extrem kalte Temperaturen auch für tagsüber prognostiziert. Um meine Sachen zu trocknen gab es jetzt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: An der nächsten Straße in den nächsten Ort trampen und einen Waschsalon mit Trockner finden oder die Kleidung am Körper trocknen. Ich entschied mich für letzteres, denn schliesslich wollte ich ja meine Grenzen austesten. Nur leider kann man bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt nicht einen komplette steif gefrorenen Ausrüstung auf einmal trocken tragen. D.h. ich musste Stück für Stück vorgehen. Um es kurz zu machen: Es dauerte drei Tage, bis ich alles trocken hatte. Dabei musste ich auch leidvoll feststellen, dass gefrorene Kleidung deutlich mehr Platz im Rucksack einnimmt als nasse oder trockene.

Nun nahte Weihnachten – und mir dämmerte, dass ich weit hinter meinem Zeitplan her war. Am 27.12. wollte ich in Fontana Dam sein, aber das schlechte Wetter, meine untrainierten Beine und das wenige Tageslicht schienen das zu verhindern. Die Lösung war Nachtwandern. Nur leider ist der AT nicht gerade technisch einfach, vor allem nicht, wenn alles vereist ist. Ich war schon fast am Verzweifeln, als ich eine Forststrasse ausmachte, die parallel zum AT verlief. Ein breite Forststrasse konnte ich auch im Winter bei Neumond laufen und so verbrachte ich den Heiligabend 2012 in dichtem Nebel auf einer herrlichen Forststrasse in den Appalachen. Endlich kam ich voran und wanderte beschwingt bis 21 Uhr. Als ich mich so langsam an die Zeltplatzsuche machen wollte, tauchte auch prompt mein persönliches Weihnachtsgeschenk auf: Ein Haus mitten im National Forest. Das Haus hatte vor allem eine offene überdachte Veranda! Ich konnte leider nicht erkennen, ob es sich um Privateigentum oder eine Forsthütte handelte. Aber nachdem ich festgestellt hatte, dass es auf der Veranda elektrisches Licht, einen Stuhl und sogar eine funktionierende Steckdose gab, beschloss ich, das ganze als mein persönliches Weihnachtsgeschenk zu akzeptieren. Ich baute mein Zelt unter dem Vordach auf und kochte auf einem Stuhl sitzend bei elektrischem Licht mein Weihnachtsessen. Luxus pur! Da störte es mich auch nicht, dass es so kalt war, dass sich meine Smartphonebatterien nicht an der Steckdose aufluden.

Nach einer Stunde wunderte ich mich allerdings, warum der Mond so hell war.... bis ich voll Entsetzen feststellte, dass da nicht der Mond durch die Bäume schien, sondern ein Auto die Forststrasse hochkam. Schnell löschte ich alle Lichter, aber das Auto hielt genau vor meiner Weihnachtsunterkunft. Oh Gott, war ich wirklich auf Privatbesitz gelandet? Der Beifahrer stieg aus und mir rutschte das Herz in die Hose. Jetzt war es wohl vorbei mit meiner Weihnachtsidylle bei -5 C auf der Veranda. Aber gerade, als ich meine Stirnlampe einschalten und mich mit vielen Entschuldigungen bemerkbar machen wollte, stieg der Mann wieder ein und verschwand in die Nacht. Glück gehabt! Ich kroch in mein Zelt und verbrachte den Rest der Nacht ungestört.

Meine Nachtwanderung hatte mich wieder auf den Zeitplan gebracht und mein erster Ruhetag in der Zivilisation nach einer Woche Kälte war zum Greifen nah. Da beschloss das Wetter, mir doch noch mal kurz zu zeigen, was eine Harke ist. Am 26.12. fing es nachmittags an zu schneien. Eigentlich ganz harmlos, aber der AT kletterte auf über 1.000 Meter und der harmlose Schnee verwandelte sich in einen halben Schneesturm, der durch die hereinbrechende Dunkelheit und das schwierige Gelände immer bedrohlicher wurde. Die letzten 2 Meilen zum Shelter zogen sich in die Länge und auf dem letzten Aufstieg fing ich an, deutsche Schimpfwörter durch die Gegend zu schreien. Eine Woche kalter Regen und Schnee hatten mich mürbe gemacht. Als das Shelter endlich im Schein meiner Stirnlampe auftauchte, hätte ich vor Freude den Boden küssen können. Bibbernd verzog ich mich in mein Zelt im Shelter. Immerhin hatten die Temperaturen den Vorteil, dass es keine Mäuse in den Sheltern gab – was im Sommer ja ganz anders ist. Die Kälte machte mir auch das Kochen schwer. Obwohl ich die Gaskanister unter meiner Jacke anwärmte, gab der Kocher nur eine Mini-Flamme von sich. Das Kochen dauerte ewig und ich hatte ständig Angst, dass die schwache Flamme ganz verlöschen würde, bevor ich das Wasser zum Kochen gebracht hatte. So konnte es nicht noch weitere 4 Wochen weitergehen. Ich brauchte eine bessere Lösung für den Kocher. Ich verbrachte eine unruhige Nacht alleine im Shelter, während draußen der Schneesturm weiter tobte. Seit 4 Tagen hatte ich keinen einzigen Wanderer gesehen – und das auf dem populären AT!

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/32/Winter_Appalachen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72226&title=appalachian-trail-im-winter&cat=32)

Am nächsten Morgen hatte ich nur noch 12 Meilen vor mir. Eigentlich kein Problem, aber was sollte ich tun, wenn der Sturm meterhohen Schnee aufgetürmt hatte? Ängstlich schaute ich beim ersten Tageslicht aus meinem Zelt: Draußen sah ich die perfekte Winterlandschaft! Alles in weiß, aber glücklicherweise nur wenige Zentimeter Schnee. Dennoch brauchte auf dem teilweise felsigen und schneebedeckten Gelände lange, bis ich endlich Fontana Dam vor mir sah. Wildcat, ein amerikanischer Wanderfreund, würde mich dort abholen. Zudem schien er Gedanken lesen zu können, denn entgegen unserer Abmachung wartete er bereits an der ersten Straßenkreuzung mit einem kleinen Proviantpaket auf mich. Ich sank erleichtert in seinen geheizten Jeep und freute mich auf die erste warme Dusche nach einer Woche Winterwandern.

Fortsetzung folgt

gearfreak
09.02.2013, 23:13
Das geht ja schonmal spannend los!

Ich finde super, daß Du auch als erfahrene Outdoorerin immer wieder Neues (wie auch die coole Mississippi-Tour) ausprobierst und dadurch irgendwie ewige Lernende bleibst.

Schön!

German Tourist
09.02.2013, 23:29
Ich finde super, daß Du auch als erfahrene Outdoorerin immer wieder Neues (wie auch die coole Mississippi-Tour) ausprobierst und dadurch irgendwie ewige Lernende bleibst.


Ja, da hast Du völlig recht! Sonst wird es ja langweilig...;-)
Angefangen habe ich mit dem Wandern, dann kam das Radwandern dazu und letztes Jahr habe ich mir dann ein Faltkayak gekauft. Und die nächsten Lernprojekte sind schon in der Pipeline: Als nächstes Lernziel habe ich Seekayaken anvisiert.

Pylyr
10.02.2013, 01:17
Mach schnell weiter, ich warte schon auf die Stelle mit deiner Sonderschlafstelle...

_Matthias_
10.02.2013, 09:48
Echt irre! Und ich meine das voller Bewunderung..

Ich kann zwar beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie man die Selbstüberwindung aufbringen kann, steifgefrorene nasse Klamotten am Körper trocken zu tragen, bzw. die überhaupt anzuziehen, aber ich bin fasziniert davon mit welcher Willenskraft du dein Ding durchziehst.

Atze1407
10.02.2013, 10:15
Echt irre! Und ich meine das voller Bewunderung..
Ich kann zwar beim besten Willen nicht nachvollziehen, wie man die Selbstüberwindung aufbringen kann,...

Oh ja Matthias, es gibt nicht nur Warmduscher sondern auch noch richtige harte...:bg:

Werner Hohn
10.02.2013, 10:31
Weihnachten in seiner ursprünglichsten Form: Ein Dach überm Kopf. Nun warte ich auf Silvester.

Atze1407
10.02.2013, 10:33
:bg:

German Tourist
10.02.2013, 10:34
Weihnachten in seiner ursprünglichsten Form: Ein Dach überm Kopf. Nun warte ich auf Silvester.

Werner, da hattest Du den richtigen Riecher... Neujahr wird in der Tat nochmal interessant...

German Tourist
10.02.2013, 10:41
Benton MacKaye Trail Teil 1:

Wildcat, Triple Crown hiker wie ich, verwöhnte mich mit luxuriösen zwei Tagen in seinem Haus in Maryville, TN. Warme Dusche, weiches Bett, großartiges Essen – alles, was ein hiker Herz begehrt. Zudem konnte ich einige meiner Ausrüstungsproblem lösen: Ich kaufte eine neue Regenhose und fand sogar einen Aldi, so dass ich auf der nächsten Teilstrecke gute deutsche Schokolade statt der ewig gleichen Snickers essen konnte. Aldi ist im übrigen im Osten der USA recht weit verbreitet. Nur mein Kocherproblem schien ich nicht lösen zu können. Ich suchte einen neuen Kocher mit externem Kartuschenanschluss, aber der war in keinem Laden aufzutreiben. Und so bastelte ich mir aus Schaumstoffverpackungen einen „canister cosy“. Wildcat verhalf mir auch zu einem Treffen mit Sgt. Rock aka Ernest Engman, dem Autor des Führers für den Benton MacKaye Trail, der mir bei ausgezeichnetem Southern Barbecue erklärte, welche Stellen auf dem BMT im Moment wohl eher schwierig wären. Dies betraf vor allem die Furt durch den Slickrock Creek, der bei den derzeitigen Regenfällen wohl sehr schwierig wäre. Da Wildcat sich anbot, mich fast überall hin zurückzufahren, beschloss ich, diese Stelle auszulassen und meine Wanderung auf dem BMT etwas weiter südlich, ab Mud Gap zu beginnen.

Schon auf der 1,5 stündigen Fahrt zum Mud Gap wurde mir leicht mulmig. Je höher wir stiegen, desto mehr Schnee. Auf den letzten Meilen war nicht mal mehr die Straße geräumt und ich war froh um Wildcat's Jeep. Mud Gap liegt auf fast 1.400 Meter Höhe und über Nacht hatte es ordentlich geschneit. Dennoch waren es dann doch nur 15 cm Schnee, also immer noch ohne Schneeschuhe machbar. Nach dem Abschied von Wildcat erwartete mich ein traumhafter Winterwandertag. Unberührter Pulverschnee bei strahlend blauem Winterhimmel. Und zudem ging es immer nur bergab! Der viele Regen und Schnee brachte aber dennoch ein Riesenproblem mit sich: Die Flussüberquerungen. Im Gegensatz zum AT gibt es auf dem BMT sehr viele Fluss- und Bachfurten und so gut wie keine hat eine Brücke. Im Sommer ist das alles (bis auf den schon genannten Slickrock Creek) kein Problem, aber im Winter wird die Sache schon schwieriger – wie ich gleich bei meiner ersten Furt feststellen durfte. Es wurde schon dunkel, als ich am ersten Creek ankam. Das Wasser war zu hoch, um noch mit Schuhen durchzulaufen. Es gab aber einen ideal gefallenen Baumstamm, auf dem ich drüber balancieren wollte. Schlechte Idee: Der Baumstamm war mit einer dicken Eisschicht überzogen und ich hätte beinahe ein zu erfrischendes Bad am Abend genommen. Flussüberquerungen im Dunkeln sind keine gute Idee und so zeltete ich am Ufer. Auch keine gute Idee, denn im Tal direkt neben einem reißenden Bach ist es so kalt wie nur möglich. Immerhin konnte ich so meinen neuen „canister cosy“ unter Extrembedingungen testen und siehe da: Nach Anwärmen der Kartusche funktionierte der Kocher wie im Sommer.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/32/1-Collagen1.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72244&title=benton-mackaye-trail-im-winter&cat=32)

Am nächsten Morgen war der Creek im Tageslicht kein Problem. Für die vielen Furten hatte ich mir nämlich eine ganz gute Lösung überlegt: Neoprensocken. Die Furten waren technisch zwar so einfach und nur kniehoch, dass sie wohl auch barfuß machbar gewesen wären, aber die Kälte war das Problem. Raus aus den Schuhen, barfuß erst durch den Schnee, dann durch das eiskalte Wasser und dann wieder durch den Schnee zum Schuhe Anziehen? Dann kann ich gleich auf Eisblöcken statt auf Füßen wandern... Auch mit den Schuhen zu Furten war keine Lösung. Bei den niedrigen Temperaturen wären mir die Schuhe dann spätestens über Nacht wieder bretthart gefroren. Die Neoprensocken schützten die Füße im Wasser vor Verletzungen und hielten sie wenigstens halbwegs warm, wenngleich sie auch nicht wasserdicht waren. Nur leider war das ständige Umziehen sehr zeitaufwendig – 20 Meilen am Tag waren auch hier wohl nicht machbar.

Das Wetter startete nun auch eine zweite Regenoffensive: Dauerregen ab Silvester! Die Silvesternacht verbrachte ich im Zelt direkt auf dem Trail, weil sich sonst kein windgeschützter flacher Zeltplatz fand und ich wachte zum vertrauten Dauerregen auf. Der nächste Abschnitt folgt dem Hiawassee River und ist traumhaft schön. Wenn man denn was sieht.... was in meinem Fall der Dauerregen und Nebel erschwerte. Stattdessen kämpfte ich mich auf schmalen rutschigen Pfaden über dem Fluss ab. Die Kombination aus Dauerregen und Trekkingstock-Einsatz bringt folgendes Problem mit sich: Wasser läuft über die Handgelenke die Arme hinunter die Ärmel entlang in die Regenjacke. Im besten Fall nur bis zum Ellenbogen, im schlimmsten Fall bis zu den Achselhöhlen. Deshalb verzichte ich bei Dauerregen am liebsten auf die Trekkingstöcke. Die Arme hängen dann runter und das Wasser kann nicht in die Ärmel laufen. Nur leider war das Gelände hier so schwierig, dass ich meine Stöcke brauchte – mit dem erwarteten Effekt. Schon mittags war ich wieder nass bis auf die Haut und kein Unterstand in Sicht für das Mittagessen.

Ich hatte gehofft, es abends bis zu einem kleinen Laden mit Mini-Campingplatz und einem Unterstand zu schaffen, aber das würde ich zeitlich nicht schaffen. Eine Nacht im nassen Zelt mit komplett nasser Wanderkleidung würde ich zwar überleben, aber schön wäre es nicht. Ich hoffte nun auf die mit dem Auto zugänglichen Rastplätze am Hiawassee River. Vielleicht gab es da ja einen Unterstand? Den gab es zwar nicht, dafür aber ein Standard US Forest Service Plumpsklo! Nach fünf Jahren Outdoorleben habe ich so ziemlich jegliche Hemmung verloren. Das Klo roch gar nicht mal so schlecht und der Boden war ziemlich sauber – ich hatte meine Unterkunft für die Nacht gefunden. Ich breitete meine nassen Sachen im Klo zum Abtropfen aus und machte es mir auf dem Betonfußboden bequem. Den ohnehin nicht starken Geruch nahm ich nach einer Weile eh nicht mehr wahr. Als ich dann in meinen trockenen Schlafklamotten im warmen Quilt lag, dankte ich dem Schicksal für diese großartige Übernachtungsmöglichkeit. So verbrachte ich die erste Nacht im neuen Jahr also in einer Latrine und betrachtete das als Geschenk Gottes – so tief kann man sinken....

Nur leider wurde es eine sehr unruhige Nacht. Um Mitternacht kam ein Auto auf den Parkplatz. Lautes Hundegebell! Die Hunde verschwanden, aber das Auto blieb. Was in drei Teufels Namen macht jemand um Mitternacht im strömenden Regen auf einem Parkplatz mitten in der Pampa? Den Einsatz als „love lane“ schloss ich angesichts der frostigen Temperaturen eher aus. Nach einer halben Stunde startete das Auto und preschte unter lautem Gebrüll der Fahrer vom Parkplatz. Und dieses Schauspiel wiederholte sich noch zwei Mal bis drei Uhr morgens. Glücklicherweise kam niemand auf die Idee, in meinem Plumpsklo einem menschlichen Bedürfnis nachzugehen. Die Auflösung erhielt ich am nächsten Morgen im Fly and Tackle Shop: Meine nächtlichen Besucher waren wohl Bärenjäger. Die fahren mit ihrer Hundemeute auf die Parkplätze, lassen die Hunde mit ihren „radio collars“, also Funk-Halsbändern los und warten auf dem Parkplatz, bis die Hunde Witterung aufgenommen haben. Sobald sich dann im Wald etwas tut, preschen sie mit ihren Geländewagen los.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/32/Collagen.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72245&title=benton-mackaye-trail-im-winter&cat=32)

Atze1407
10.02.2013, 10:49
Schon mittags war ich wieder nass bis auf die Haut und kein Unterstand in Sicht für das Mittagessen.

Oh je, nicht das Du noch süchtig nach Winterbaden wirst. :bg:

German Tourist
10.02.2013, 10:51
Oh je, nicht das Du noch süchtig nach Winterbaden wirst. :bg:

Nee, eher nach "duftenden" Notunterkünften...:p

lina
10.02.2013, 10:54
Klasse, spannend, vielen Dank für’s Schreiben, ich freu mich schon auf die Fortsetzung :cool:

Hätten eigentlich Handschuhe mit Bündchen über den Ärmeln dem Wassereinbruchs-Problem in den Ärmeln abgeholfen oder verursachen die andere Schwierigkeiten?

German Tourist
10.02.2013, 11:07
Hätten eigentlich Handschuhe mit Bündchen über den Ärmeln dem Wassereinbruchs-Problem in den Ärmeln abgeholfen oder verursachen die andere Schwierigkeiten?

Lina, das ist eine interessante Frage und ich habe es ehrlich gesagt noch nicht ausprobiert. Meine bisherige Erfahrung ist, das Handschuhe (genau wie andere Regenkleidung) nie auf Dauer wirklich wasserdicht sind. D.h. früher oder später werden die Handschuhe nass und werden dann totes Gewicht. Meine MLD Über-Handschuhe waren ebenfalls nicht wasserdicht. Bei Regen laufe ich daher fast immer ohne Handschuhe und verstecke bei Wind die Hände in den Jackenärmeln oder zwischen Körper und Rucksack. Bei Deinem Vorschlag sehe ich auch das Problem, dass das ganze Kontrukt zu warm wird beim Laufen.

Werner Hohn
10.02.2013, 12:05
Billig, leicht, geringes Packmaß, in jedem Supermarkt vorrätig und bewährt: Putzhandschuhe drüber über den normalen Handschuh. Klappt sogar mit rosa Modellen zur himmelblauen Jacke, und hält auch auf dem Fahrrad die Hände trocken und warm. Okay, spätestens wenn man andere Menschen sieht, sollte man diese Handschuhe ausziehen.

German Tourist
10.02.2013, 13:13
Benton MacKaye Trail Teil 2

Einige Tage und mehrere Kubikmeter Dauerregen später ereilte mich der nächste Schicksalsschlag: Ich wachte doch sehr gekühlt und hart gebettet auf – meine nagelneue NeoAir All Season hatte wohl ein Leck. Mir war sofort klar, dass ich jetzt ein echtes Problem hatte. Die Reparatur an sich ist zwar einfach und natürlich hatte ich das entsprechende Reparaturset dabei, aber wie sollte ich das Loch finden? Zunächst mal brauchte ich eine Wasserstelle, die nicht eingefroren und tief genug war. Das war bei -5 Grad gar nicht so einfach. Als ich dann nun endlich einen passenden Bach gefunden hatte, bewahrheitete sich auch gleich meine schlimmste Befürchtung: Durch das Hantieren mit der NeoAir im eiskalten Wasser sind mir natürlich gleich die Finger eingefroren, ohne dass ich das Loch gefunden hatte. Offen blieb auch weiterhin die Frage, wie ich die Matte vor der Reparatur wieder Trocknen sollte. Ich griff deshalb zu Plan B: Glücklicherweise kreuzte der BMT an diesem Tag einen Highway, von wo aus man per Shuttle/Anhalter in eine Stadt mit Motel kommen konnte. Ich beschloss daher, die Lecksuche in einer Hotelbadewanne fortzusetzen.

Nur war auch das nicht so einfach, wie gedacht. Als ich den kostenlosen Hotelshuttle anrufen wollte, gab es natürlich keinen Handyempfang. Nach einer Meile laufen stellte ich am Wildwater Center fest, dass die dortige Telefonzelle kaputt und das Center im Winter geschlossen war. Halbherziges Trampen brachte mich auch nicht weiter, aber immerhin konnte ich einen arglosen Touristen attackieren und ihn dazu bewegen, mir sein Handy für einen Anruf zu leihen. 15 Minuten später war der Hotelshuttle auch schon da und nach 5 Minuten in der Badewanne hatte ich dann auch das Loch gefunden. Die Reparatur war dann letztendlich einfach, aber mein Vertrauen in die NeoAir endgültig weg. Ich hatte noch 3 Wochen Winterwandern vor mir und dazu erschien mir die NeoAir jetzt als viel zu unzuverlässig. Ich brauchte als Backup eine Schaumstoffmatte – nur wo sollte ich die herbekommen? In Ducktown, GA gab es definitiv keine, aber mein nächster town stop war Dalton, GA, wo es laut Internetrecherche einen Outdoorladen gab. Das hieß aber immerhin noch 3 Nächte mit der NeoAir alleine mit der knackigen Wettervorhersage, dass die Temperaturen selbst tags kaum über den Gefrierpunkt klettern würden. Aber ich hatte keine andere Wahl... am nächsten Morgen war ich wieder auf dem Trail.

Am Big Frog Mountain erwartete mich dann ausnahmsweise mal eine positive Überraschung – Tipi Walter. Tipi-Walter ist in den dortigen Breitengraden eine kleine Legende. 20 Jahre hat er in einem Tipi gelebt, daher der Name. Jetzt durchstreift er die südlichen Appalachen zu jeder Jahreszeit mit seinem Hilleberg-Zelt und Komplettproviant für 19 Tage. Zunächst sah ich allerdings nur einen Rucksack am Wegesrand. Das angeschnallte Hilleberg-Zelt ließ mich vermuten, um wen es sich handelte. Und nach 10 Minuten kam er auch vom Wasserholen zurück. Der sich anschliessende Plausch war zwar unglaublich interessant, danach hatte ich mich aber fast in einen Eisklumpen verwandelt... Leider musste ich noch weiter und konnte nicht mit Walter zelten. Ich wollte noch über den Big Frog und am nächsten Pass mein Zelt aufschlagen. Leider war mir auch diesmal keine ruhige Nacht beschert: Die NeoAir hielt zwar dicht, aber eine Hundetreibjagd ging fast direkt an meinem Zelt vorbei. Ich betete nur, dass mich die Hunde nicht überrennen würden.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/32/1-Collagen5.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72249&title=benton-mackaye-trail-im-winter&cat=32)

Es wurde wohl die kälteste Nacht der ganzen Wanderung. Auf 1.000 Meter Höhe wurde es nachts -10 Grad und ich erwachte wie üblich zu einer gefrorenen Wasserflasche. Aber Rettung war in Sicht. Morgen würde ich den Pinhoti Trail erreichen und damit nicht mehr über 1.000 Meter laufen müssen. Die letzten ca. 20 Flussüberquerungen auf dem BMT nahm ich dann ich mit stoischer Gelassenheit mit.

German Tourist
10.02.2013, 14:00
Benton MacKaye Trail Infos:

Der Benton MacKaye Trail ist ein 460 km langer Wanderweg in den südlichen Appalachen von Springer Mountain, der auch Startpunkt des Appalachian Trail ist, bis an den Nordrand des Great Smoky Mountain National Park. Der BMT und der AT kreuzen sich dabei 3 Mal und bilden grob gesagt eine große Acht. Hier (http://www.bmta.org/OverviewMap.htm) gibt es eine gute Übersichtskarte. In Kombination aus AT und BMT ergeben sich mehrere Möglichkeiten von Rundwanderungen.

Der BMT wurde viel später als der AT angelegt mit dem Ziel, Druck vom überaus populären AT zu nehmen, sozusagen eine Art „Überlaufventil“. Nur leider hat sich der BMT nicht herumgesprochen. In einer Woche auf dem BMT habe ich nur einen einzigen Wanderer getroffen. Der AT ist schon ziemlich in Mitleidenschaft gezogen, was ich jetzt vor allem bei meiner Winterwanderung merkte. Überall gibt es Landschafts“narben“ in Form von Wildzeltplätzen und Feuerringen. In Shelternähe liegt leider ziemlich viel Müll rum. Und in wärmeren Jahreszeiten ist der AT eine Hikerautobahn, vor allem wenn im Frühjahr die Massen von thruhikern starten. Der BMT dagegen ist noch ein sehr einsames Abenteuer – und noch dazu ein sehr schönes!

Im direkten Vergleich fand ich den BMT sogar deutlich schöner und vor allem abwechslungsreicher als den AT in derselben Region. Der AT verläuft fast ausschliesslich auf schmalen Wanderwegen auf den Höhenzügen und zwar fast immer im Wald mit nur sehr wenigen Aussichtspunkten. Der BMT hat eine viel abwechslungsreichere Wegführung. Er verläuft zwar auch überwiegend auf schmalen Wanderpfaden, verwendet aber auch oft alte Forststraßen, die allerdings so zugewachsen sind, dass nur ein schmaler Pfad frei bleibt. Es gibt auch nur einen einzigen kurzen Teerstrassenabschnitt. Am meisten beeindruckt haben mich auf dem BMT die Flusspassagen, wie z.B. der sehr abenteuerliche Abschnitt entlang des Hiawassee River mit spektakulären Ausblicken. Durch die vielen Furten ohne Brücken ist der BMT auch deutlich abenteuerlicher als der AT. Um einen Überandrang von Wanderern zu vermeiden, wurden auf dem BMT zudem auch bewußt nur 2 Shelter errichtet. Auf dem BMT ist man auf sein Zelt angewiesen, aber schöne Zeltplätze gibt es mehr als genug. Wer eine schöne Wanderung in den südlichen Appalachen sucht, ist auf dem BMT viel besser bedient als auf dem AT.

Sgt. Rock aka Ernest Engman hat einen perfekten Wanderführer dazu geschrieben, der jedes Jahr aktualisiert wird und hier (http://www.bmta.org/Store-Guides.html) bestellt werden kann. Karten kann man sich kostenlos hier (http://www.postholer.com/mapbooks/preview.php?trail_id=14) herunterladen. Auch die Logistik ist relativ einfach, da man auf die Anbieter des AT zurückgreifen kann. Startpunkt von AT und BMT sind identisch: Springer Mountain, und dorthin kommt man leicht von Atlanta aus mit den zahlreichen AT shuttle Anbietern. Weitere Infos gibt es auf der BMTA website.

Fortsetzung Pinhoti Trail folgt

Pylyr
10.02.2013, 14:48
Sehr schön, ich freu mich schon auf die Fortsetzung.

Das mit dem einlaufendem Ärmelwasser ist ätzend, ich hab da an Überfäustlinge gedacht, wie die hier (http://www.ultralightoutdoorgear.co.uk/extremities_tuff_bags_goretex_paclite_overmitts.html). In der Hoffnung, daß sie nicht zu wärmend sind. Oder Gummibänder um die Ärmelenden?:confused:

German Tourist
10.02.2013, 14:57
Das mit dem einlaufendem Ärmelwasser ist ätzend, ich hab da an Überfäustlinge gedacht, wie die hier (http://www.ultralightoutdoorgear.co.uk/extremities_tuff_bags_goretex_paclite_overmitts.html). In der Hoffnung, daß sie nicht zu wärmend sind. Oder Gummibänder um die Ärmelenden?:confused:

Ich hatte mal ähnliche Überfäustlinge aus Goretex Paclite von MLD und die waren trotz nachträglicher Nahtimprägnierung alles andere als dicht. Ich traue Paclite überhaupt nicht mehr, schon gar nicht bei Handschuhen, die ja einer ziemlichen Abnutzung ausgesetzt sind.
Ich habe zwar keine Gummibänder ausprobiert, aber meine Regenjacke hat Klettverschlüsse am Ärmelende, mit der man den Ärmel richtig dicht ziehen kann. Hat leider überhaupt nicht geholfen. Stattdessen hat mich das Klett genervt, weil es das Wasser angesogen hat und nur sehr langsam trocknete.

blauloke
10.02.2013, 18:01
So lange Touren wie du, wollen vermutlich viele hier im Forum machen. Ich muss leider noch ein paar Jahre warten, bis ich mir so was vornehmen kann. Schön, dass du uns an deinen Erlebnissen teilnehmen lässt.
Von mir ein besonderer Dank dafür, dass du deine letzten Berichte in Deutsch einstellst. So kann ich sie auch lesen und muss nicht rätseln, was du alles erlebt hast.

motion
10.02.2013, 21:48
Hallo german Tourist,

habe vor kurzem mal länger auf Deiner tollen Internetseite rumgestöbert. KLasse das Du das so durch ziehst. Mich würde interessieren ob DU die Arbeitswelt seit 5 Jahren komplett hinter Dir gelassen hast oder ob Du ab und an einen Gelegenheitsjob machst um Dich ein bisschen zu finanzieren. Oder hast Du Dir in Deinem "alten" Leben ein entsprechendes Polster aufgebaut um davon zehren zu können?

Für Dein Problem mit den Händen und Regen reinlaufen würde ich vielleicht eine ähnliche Lösung nutzen wie ich am Fahrrad: Bei Starkem Regen habe ich immer 2 Plastiktüten und 2 Einweggummis dabei. Seit dem habe ich nie wieder Probleme mit nassen Schuhen von oben reinlaufenden Wasser usw. OK die Optik leitet ein bisschen wie bei Werners Vorschag aber wenigstens hilft es.

German Tourist
11.02.2013, 10:50
Georgia Pinhoti Trail:

60 Meilen, bevor der BMT bei Springer Mountain wieder auf den AT trifft, befindet sich das nördliche Ende des Pinhoti Trail, auf den ich nun abbog. Ich war ziemlich erleichtert, denn nun würde der Trail nicht mal mehr ansatzweise über 1.000 Meter gehen und außerdem lief ich jetzt immer weiter südwärts, wo nicht mehr mit ernsthaftem Schnee zu rechnen war. Leider erwarteten mich auf dem Pinhoti in Georgia auch zwei sehr lange Straßenabschnitte, der erste davon war der 20 Meilen road walk nach Dalton, GA. Ich hatte gut geplant und die letzte Nacht noch im National Forest verbracht, so dass ich jetzt in einem Rutsch nach Dalton durchlaufen konnte. Eigentlich wollte ich mir in Dalton ja ein Motel gönnen, hatte aber im letzten Moment noch interessante Couchsurfing Gastgeber gesehen, die mich auch noch kurzfristig angenommen haben. Und so marschierte ich zügig nach Dalton, wo alles wie am Schnürchen klappte. Zunächst stellte ich voll großer Freude fest, dass ein Aldi am Wegesrand lag. Also schnell deutsche Schokolade gekauft. Dann fand ich den heiß ersehnten Outdoorladen, in dem ich endlich eine Schaumstoffmatte als Back up für meine NeoAir kaufen konnte. Ein Riesensupermarkt war auch noch neben dran und ich war punktgenau dann mit meinen Einkäufen fertig, als meine CS Gastgeber auftauchten, um mich abzuholen.

Nach warmer Dusche, Klamotten waschen und einer Nacht im weichen Bett brachten sie mich am nächsten Morgen auf den Trail zurück, wo mich ein neues Wetterphänomen erwartete. Eine Hitzewelle rollte auf mich zu – im Januar!!!! In den nächsten 5 Tagen wurde es kontinuierlich wärmer, bis ich schließlich am Ende tagsüber bei 20 C im T-shirt lief. Ich konnte es nicht glauben: Noch eine Woche zuvor war das Thermometer selbst tagsüber nicht über 0 Grad geklettert. Diese sommerlichen Temperaturen waren allerdings höchst ungewöhnlich: Seit über 50 Jahren war es im Januar hier nicht mehr so warm gewesen.

Der Pinhoti wartete mit 2 nächtlichen Überraschungen auf mich: Der erste Tag brachte mich aus Dalton heraus in ein sehr nettes, enges Bachtal, wo ich mein Zelt direkt neben dem schmalen Wanderweg aufschlug. Ich wollte gerade im Dunkeln meinen Kocher anwerfen, als mich helles Licht blendete. Aber auf dem schmalen Wanderweg konnte doch kein Auto unterwegs sein? Waren es Jäger? Schnell schaltete ich meine Stirnlampe aus, um ungesehen zu bleiben. Des Rätsels Lösung waren Mountain biker, die hier nachts nach der Arbeit noch ein bisschen trainierten. Das Phänomen wiederholte sich noch 4 Mal bis 10 Uhr. Mehrere Gruppen von Mountain bikern passierten mein Zelt mit starken Stirnlampen. Wie ich später erfuhr, war dieser Teil des Pinhoti der sogenannte Snake Trail, auf dem jedes Jahr mehrere MTB Rennen veranstaltet werden.

Zwei Nächte später hatte ich ein ähnliches Erlebnis: Ich hatte mein Zelt sehr abseits versteckt von einer Forststraße aufgebaut, als ich nachts um 10 Uhr plötzlich den Schein einer Taschenlampe wahrnahm. Ich war starr vor Schreck. Seit Tagen hatte ich niemanden im Wald gesehen (außer den Mountain Bikern) und jetzt schlich jemand um mein Zelt! Ich wagte es kaum, mich zu bewegen und einen Laut von mir zu geben. Die Sache war umso unheimlicher, als der Unbekannte zu Fuß gekommen war. Sollte es sich um einen Wanderer handeln? Das erschien mir zwar höchst unwahrscheinlich, aber anhand der Geräusche, die jetzt an mein Ohr drangen, baute der Unbekannte ein Zelt auf. Erstaunt, aber halbwegs beruhigt, schlief ich ein. Am nächsten Morgen sah ich mich im Tageslicht um: Tatsächlich, 150 Meter neben mir stand ein Zelt, und zwar ein Tarptent Contrail. Es musste sich also um einen anderen Langstreckenwanderer handeln, der jetzt allerdings noch im Tiefschlaf lag. Ich wanderte bei Tagesanbruch los und war sehr gespannt, ob mich der Unbekannte einholen würde. Gegen Mittag tauchte er dann auf: Robert aka Alabama, der sich gleich Hundert Mal für die nächtliche Störung entschuldigte. Er hatte mein Zelt tatsächlich gesehen, mich aber nicht stören wollen. Und so hatte ich jetzt plötzlich Wanderbegleitung. Robert war gerade den AT gelaufen und wollte nicht aufhören. So war er über den BMT auf den Pinhoti gekommen und wollte jetzt bis in seinen Heimatstaat Alabama – genau wie ich. Allerdings hatte er dafür viel weniger Zeit und musste daher nachts laufen. Wir liefen und philosophierten den ganzen Tag, aber als ich nachts mein Zelt aufbaute, ging Robert weiter, denn er wollte noch 5 Meilen machen.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/32/Collagen2.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72250&title=benton-mackaye-trail-im-winter&cat=32)

Der nächste road walk erwartete mich vor Cave Springs. Dabei läuft der Trail glücklicherweise aber meist auf einer alten Bahnstrecke neben dem Highway und nur selten auf dem Highway selbst. Nur die Highway-Brücke über den Coosa River war etwas gruselig, denn leider gibt es keinen Seitenstreifen, der Verkehr ist ziemlich dicht und vor allem sind viele Holztransporter unterwegs. Ich rannte förmlich über die Brücke, um nicht noch das Opfer eines Verkehrsunfalls zu werden. Cave Springs, die letzte Stadt in Georgia auf dem Pinhoti, war dafür ein Traum. Ein kleines niedliches Kaff mit einem Hotel, zwei kleinen Supermärkten, zwei Restaurants und einer Bücherei – und das alles in Laufweite. Dies war mein letzter Halt auf dem Pinhoti, aber vor mir lag noch über eine Woche Wandern.

ChrisColumbus
11.02.2013, 12:44
Der Bericht ist spannend, danke für Berichte abseits der ausgetretenen Pfade.
Ich habe noch eine Frage:

Warum zieht es dich im Winter nicht in den US-Südwesten der?

German Tourist
11.02.2013, 13:38
@ChrisColumbus:
Aus zwei Gründen:
Erstens war ich dort schon viele Male unterwegs. Wie Du auf meinem Blog nachlesen kannst, bin ich 2010 den kompletten Arizona Trail gelaufen (http://christine-on-big-trip.blogspot.de/search/label/Arizona%20Trail) und danach noch 2 Monate durch den Südwesten geradelt (http://christine-on-big-trip.blogspot.de/search/label/Cycling%20USA). Und auf den langen thruhikes des PCT und des CDT bin ich komplett durch Kalifornien und New Mexico gelaufen. Den Südwesten der USA kenne ich also sehr gut aus vielen Trips.
Zweitens ist der Südwesten der USA nur bedingt eine Winterdestination. Obwohl sehr weit südlich gelegen, liegen viele für Wanderer interessante Gegenden einfach zu hoch, um schneefrei zu sein. Auf dem Arizona Trail bin ich Mitte Mai noch am Nordrand des Grand Canyon durch hüfthohen Schnee gelaufen! Wandertechnisch ist der Südwesten ideal nur im Frühjahr und bedingt im Herbst (Wasserknappheit). Im richtigen Winter, also Dezember bis Februar, gibt es nur wenige Gegenden bzw. Nationalparks, in denen man richtig gut und lange wandern kann wie z.B. Big Bend National Park in Texas.
Die grosse klassische Winterwanderattraktion in USA ist allerdings im Südosten, genauer in Florida. Den Florida Trail bin ich ebenfalls 2010 gelaufen (http://christine-on-big-trip.blogspot.de/search/label/Florida%20Trail). Und den kann man wegen Hitze und Mosquitoes wirklich nur in der Zeit von Dezember bis März machen.

ChrisColumbus
11.02.2013, 13:43
Danke!

Schon wieder was gelernt.

RockingKatja
11.02.2013, 16:20
Noch ne Idee für die nassen Arme :) Hab eigentlich immer bissl Duct Tape dabei, das kann man für fast alles gebrauchen. Könnte man sich auch um die Handgelenke kleben und so den Wassereinbruch im Ärmel zumindest einschränken. :bg:

motion
11.02.2013, 17:18
Noch ne Idee für die nassen Arme :) Hab eigentlich immer bissl Duct Tape dabei, das kann man für fast alles gebrauchen. Könnte man sich auch um die Handgelenke kleben und so den Wassereinbruch im Ärmel zumindest einschränken. :bg:

Waxing inklusive :bg::grins::bg:

German Tourist
14.02.2013, 15:27
Alabama Pinhoti Trail:

Der Wetterbericht sagte eine einzige Katastrophe voraus: Die 20 C Tagestemperatur würden im Laufe der nächsten 4 Tage auf den Gefrierpunkt sinken – und das bei Dauerregen, der sich am vierten Tag in Schnee verwandeln sollte... Trotz dieser wenig erfreulichen Vorhersage hatte ich Glück im Unglück: Auf dem vor mir liegenden Abschnitt des Pinhoti Trails gibt es alle 15 bis 20 km ein Shelter, so dass ich wenigstens die Nächte nicht im Zelt verbringen musste, wenn ich das nicht wollte. Gleich für die erste Nacht strebte ich das erste Shelter auf dem Pinhoti an. Als ich bei Einbruch der Dunkelheit ankam, war es noch frühlingshaft warm. Um Mitternacht fing das Unwetter an. Bei Blitz und Donner kamen wahre Wassermassen runter und ich fragte mich, welchen Effekt das Metalldach wohl bei diesem Gewitter haben könnte. Die Temperatur fiel von Minute zu Minute. Abends war ich noch im T-shirt in meinen Quilt gekrochen und morgens brauchte ich schon mehrere Pullover – der Winter war also zurück.

Viel schlimmer als der Temperatursturz war allerdings der Dauerregen. Ich lief vier Tage, ohne dass der Regen mal für länger als ein paar Minuten aufgehört hätte. Glücklicherweise hatte ich die Shelter und einen guten Zeitpuffer. In den ersten zwei Tagen reduzierte ich meine Tageskilometer auf 15 – 18 km und lief einfach immer nur zur nächsten Hütte in der Hoffnung, dass der Regen nachlassen würde. Das tat er aber nicht... Am Tag drei war es mit der Schonhaltung vorbei: Ich musste wieder Kilometer machen, sonst würde ich den Trail nicht rechtzeitig fertig kriegen.

Bisher hatte ich die Shelter immer für mich alleine gehabt, aber aus dem Register hatte ich entnommen, dass zwei Wanderer vor mir waren, die ich jetzt wohl einholen würde. Und so kam es auch: Nach einem furchtbaren 33 km Tag im strömenden Regen kam ich total durchnässt 2 Stunden nach Sonnenuntergang im Shelter an, wo ich zwei völlig überraschte Herren in langen Unterhosen antraf. Die hatten nun so gar nicht damit gerechnet, dass zu dieser Jahreszeit in diesem Wetter und vor allem noch zu dieser Nachtzeit ein Wanderer auftaucht – noch dazu eine Frau aus Deutschland. Sie machten mir bereitwillig Platz, aber mir schwante nichts Gutes: Zwei Herren über 50, noch dazu mit leichtem Bauchansatz.... das versprach eine unruhige Nacht. Und richtig: Während ich mich noch mit dem einen der beiden unterhielt, schlief der andere ein und versetzte die Hütte durch lautstarkes Schnarchen in Schwingungen. Sein Kollege gestand darauf, dass auch er wohl schnarchen würde. Deswegen hatten die beiden für mich auch den Schlafplatz zwischen ihnen ausersehen – wegen des Stereoeffektes sozusagen. Beim Schnarchen hört für mich der Spaß allerdings auf und so schlug ich zum großen Erstaunen der beiden Schnarchweltmeister nachts um 10 Uhr im strömenden Regen noch mein Zelt auf.

Tag vier wurde der schlimmste Tag der Regenserie: Die Temperatur war auch tagsüber nur noch knapp über dem Gefrierpunkt und der Regen in Schneeregen übergegangen. Leider wurde ich vom Schneeregen aber genauso nass wie vom Regen – und musste wieder 32 km machen. Glücklicherweise war das Gelände einfach und mit den letzten Sonnenstrahlen kam ich am Shelter an. Nach 4 Tagen Regen war mittlerweile natürlich wirklich alles außer meinen Schlafklamotten nass, aber Rettung war in Sicht. Der Wetterbericht versprach Sonnenschein für den Rest der Tour – und sehr kalt. Daher überraschte es mich nicht, als ich am Morgen zu einer neuen Variante des Themas „steifgefrorene Klamotten“ aufwachte. Diesmal hatte es vor allem meinen Rucksack erwischt, den ich ziemlich exponiert zum Abtropfen aufgehängt hatte. Einen steif gefrorenen Rucksack zu bepacken war schon eine interessante Erfahrung – sonst hatte ich mir vor allem beim Zusammenrollen des Zeltes immer die Finger abgefroren.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/32/1-Collagen3.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72247&title=benton-mackaye-trail-im-winter&cat=32)

Der Sonnenschein am nächsten Tag hob meine Laune drastisch. Noch mehr spornte mich das Restaurant im Cheaha State Park an. Der Alabama Pinhoti führt nämlich durch keinerlei Ortschaften. Für einen richtigen Resupply muss man ein Stück trampen. In Laufweite vom Trail liegen nur ein paar Tankstellen mit Mini-Shop. Ich hatte daher Proviant für 8 Tage dabei und füllte an einer Tankstelle nur mal kurz meine Schokoladenvorräte auf. Ein Restaurant war daher ein echtes Highlight! Tagelang phantasierte ich, was ich denn dort essen könnte. Im Cheaha State Park angekommen war ich erst mal überwältigt von der Anzahl der Wanderer. In einem halben Tag traf ich hier mehr Leute als in den zwei Wochen vorher. Leider verplauderte ich mich bei diesen Treffen und stellte bald zu meinem Entsetzen fest, dass ich es wohl nicht mehr zum Abendessen ins Restaurant schaffen würde – eine echte Katastrophe. Als ich dann endlich mal wieder Empfang für mein Smartphone hatte, stieß ich auf eine viel bessere Lösung. Das Restaurant hatte am Wochenende ein AYCE Frühstücksbuffet – und ich würde Sonntag morgen dort ankommen! Pünktlich traf ich also um 7.30 Uhr Sonntagmorgen als erster Gast im Restaurant ein und frühstückte dort bis zum Ende der Frühstücksschicht um 10.30 Uhr.... Dabei fanden Unmengen von Speckstreifen, Rühreiern und Pancakes den Weg in meinen Magen. Mittagessen konnte ich mir an diesem Tag sparen.

Cheaha State Park war ein echtes Highlight mit vielen schönen Ausblicken und strahlendem Sonnenschein. Die letzten Tage vergingen wie im Flug. Nach 5 Wochen endete meine Wanderung am Bull's Gap, wo mich die Frau eines alten Wanderfreundes abholte. Der Alabama Pinhoti ist noch 30 Meilen länger, aber in diesem letzten Abschnitt noch nicht fertiggestellt. Die Wanderer müssen daher momentan noch 20 Meilen Straße laufen. Diesen Abschnitt habe ich mir gespart und daher meine Wanderung am Bull's Gap beendet.

http://www.outdoorseiten.net/fotos/data/32/1-Collagen4.jpg (http://www.outdoorseiten.net/fotos/showphoto.php?photo=72248&title=benton-mackaye-trail-im-winter&cat=32)

Ich hatte befürchtet, dass ich auf meiner Winterwanderung die Tage zählen würde, aber genau das Gegenteil war der Fall. Bevor ich es realisiert hatte, war ich am Ende meiner Wanderung angelangt und fast ein bisschen traurig, dass es vorbei war. Ich hätte noch Wochen so weiterlaufen können. Trotz teilweise miserablen Wetters habe ich die Tour sehr genossen. Am schönsten war das Gefühl der Befriedigung, nach einem harten, kalten und meist nassem Tag abends mit trockenen Schlafklamotten in meinen warmen Quilt zu klettern. Dieses Glücksgefühl war unbeschreiblich und ließ mich auch die ungemütlichen Tage überstehen.

Das Experiment „Winterwandern“ ist sehr positiv ausgegangen. Ich habe sehr viele neue Tricks gelernt und meine Komfortgrenzen ausgelotet. Und dabei zu meiner eigenen Überraschung festgestellt, dass alles nicht so schlimm war wie erwartet. Die Wandersaison hat sich für mich deutlich ausgeweitet. In Zukunft werde ich jetzt auch längere Touren in gemäßigtem Winterklima angehen.

German Tourist
14.02.2013, 23:59
Pinhoti Trail Infos:

Der Pinhoti ist ein toller Geheimtipp! Wer gerne auf schmalen Pfaden durch Laubwald läuft und dabei möglichst wenig Zivilisationskontakt haben möchte, der ist auf dem Pinhoti, vor allem dem Alamba-Teil genau richtig. Ich fühlte mich wie Lederstrumpf oder Pocahontas. Andere Wanderer trifft man so gut wie nie. Der Pinhoti verläuft größtenteils auf Bergkämmen, und trotz des vielen Waldes hat man doch schon mal die eine oder andere schöne Aussicht. Technisch ist der Trail recht einfach, wenngleich auch manchmal felsig. Er verläuft unter 1.000 m und hat auch keine sehr großen Auf- und Abstiege. Aber genau wie auf dem BMT gibt es keine Brücken bei den Fluss- oder Bachüberquerungen, was aber kein Problem ist, da es sich meist nur um kleinere Bäche handelt. Die schwierigste Flussüberquerung auf dem Pinhoti war gerade mal kniehoch. Wasserknappheit kann im Sommer eher ein Problem werden, da der Weg meilenweit auf dem Bergkamm entlang läuft. In diesem verregneten Winter war Wasser allerdings überhaupt kein Problem – im Gegenteil: Es gab eher zuviel davon.

Den Pinhoti kann man das ganze Jahr über laufen. Ich war im Januar auf dem Pinhoti unterwegs und habe nur stellenweise Schnee angetroffen, der allerdings nicht wirklich nennenswert war. Wen der kalte Regen nicht abschreckt, für den ist der Pinhoti sogar eine echte Winterdestination. Shelter gibt es nur auf dem Alabama Pinhoti, aber entlang des gesamten Trails gibt es jede Menge schöner Zeltmöglichkeiten. Schwierig sind diesbezüglich einzig die Straßenabschnitte in Georgia. Karten kann man kostenlos herunterladen hier (http://parkaymaps.110mb.com/). Leider gibt es aber keinen Führer wie für den BMT, aber man kann sich viele Infos auf der etwas konfusen Seite der Pinhoti Trail Association (http://www.pinhotitrailalliance.org/) zusammensammeln.

Wer nur begrenzt Zeit hat, sollte sich auf den Alabama Pinhoti konzentrieren, der ausschließlich Wanderern zugänglich ist und keine nennenswerten Straßenabschnitte aufweist, wenn man bei Bull's Gap / Rebecca Mountain anfängt bzw. endet. Der Georgia Pinhoti hat leider zwei lange Straßenabschnitte und ist zudem auch für Reiter und Mountainbiker zugelassen. Gerade die Mountainbiker nutzen den Pinhoti intensiv, was dem Trail aber bisher nicht geschadet hat. Jedoch finden pro Jahr mehrere Mountainbike-Rennen statt, und als Wanderer möchte ich zu dieser Zeit dann lieber doch nicht auf dem Trail sein.

Die An- und Abreise ist für amerikanische Verhältnisse sogar relativ einfach. Zum nördlichen Ende des Pinhoti kommt man am besten über Atlanta. Von dort einen der vielen AT-Shuttle bis nach Springer Mountain und dann 60 Meilen auf dem BMT bis zum Terminus des Pinhoti. Am südlichen Ende des Pinhoti in Alabama gibt es einige trail angels, die Wanderer gegen Spende abholen. Der nächste größere Ort ist Birmingham, von wo aus man sehr bequem mit Megabus, Greyhound oder Amtrak zurück nach Atlanta kommt.