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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Die Hygiene und trotzdem keine Seifenspuren in der Landschaft



Dominik
26.11.2012, 17:31
Um die konstruktiven Vorschläge mal umzusetzen, starte ich einfach mal verschiedene Themen die auch in den Workshops besprochen werden.

Die 3 zentralen Fragestellung kann man dabei als Struktur im Kopf haben:
- Welche Auswirkungen hat mein Verhalten auf nachfolgende Menschen?
- Welche Auswirkungen hat mein Verhalten auf die regionale Fauna
- Welche Auswirkungen hat mein Verhalten auf regionale Flora

In diesem Thread also:
Die Hygiene und trotzdem keine Seifenspuren in der Landschaft

Grüße
Dom

smeagolvomloh
26.11.2012, 18:03
Der wesentlich Hinweis wäre nun mal gar keine seifenartigen Mittel für die Säuberung von Körper, Kleidung und Kochzeug zu verwenden!

Auf Kurztripps (z.B. verlängertes Wochenende) braucht man keine Säuberungsmittel! Katzenwäche am See oder Bach, Kleidung muss nicht gewaschen werden, Kochzeug kriegt man mit Scheuern auch so sauber.

Im Sommer auf längeren Tripps geht es auch ohne. Wenn die Temperaturen hoch genug sind, dass Kleidung zügig trocknet, kann man auch die Wäsche ganz ohne Säuberungsmittel hinkriegen; Körperwäsche ist ja wohl auch kein Problem. Wenn ich die Möglichkeit habe, bei angenehmen Temperaturen in einen See oder Fluss zu springen, brauche ich doch wohl nicht ernsthaft Seife?

Freue mich auf weitere erhellende Beiträge.

T0M
26.11.2012, 19:06
Ich nehme für den Körper einfach feuchtes Toilettenpapier, das bewirkt Wunder!

Nicht auf Seife verzichte ich beim Abwasch, ich mische in Becher, Topf und Nalgene lustig Kaffee mit Essen mit Brausetabletten mit Müsli. Nach ein paar Tagen wird das Geschirr einfach ranzig und wird gewaschen.

Chouchen
26.11.2012, 19:34
Ich versuche Seife möglichst zu vermeiden. Wenn ich ehrlich bin, hauptsächlich aus Faulheit, ich möchte nichts Unnötiges schleppen.
Ich nutze gerne antihaft-beschichtete Töpfe, da reicht in der Regel ein einfaches Auswischen ohne Spüli. (O.k., nicht beschichtetes Geschirr könnte man mit Sand schrubben, aber erstens gibt es nicht überall geeigneten und ausserdem finde ich das persönlich nervig.)

Zur Körperhygiene reicht unterwegs meistens wirklich Wasser. Ich nehme dann gerne noch einen rauen Waschhandschuh und schrubbe richtig schön.

Die Haare werden zwangsläufig seltener gewaschen. Bisher habe ich das nie unterwegs gemacht, sondern konnte immer abwarten, bis eine entsprechende Infrastruktur erreicht ist. (Ich bin halt eine Pienze: Ich will nicht bei 8° und weniger und Wind mit nassem Kopf rum laufen, will kein Gletscherwasser zum Waschen nehmen - brrrrrr - und will keinen Brennstoff verschwenden, um Wasser warm zu machen. Da müsste man ja wieder mehr schleppen.) Rein optisch macht es keinen Unterschied, ob ich die Haare täglich oder erst nach 4 Tagen wasche, ich sehe bereits nach einem halben Tag Unterwegssein so aus, als sei ich aus einem Sumpf gekrochen. Ich bin aber immer heilfroh, wenn ich endlich Gelegenheit dazu habe, da ich mich nach spätestens 2, 3 Tagen am liebsten skalpieren würde.)

Klamotten dürfen auch mal müffeln, das wäre auch mit Seife unterwegs nicht unbedingt zu vermeiden. Bei besonders vollgeschwitzen Teile kann man die Salze auch gut mit Wasser entfernen. Spätestens am Ende des Urlaubs werfe ich im Regelfall alle Klamotten in einen Münzwascher, damit meine Mitmenschen auf der Rückreise keine Erstickungsanfälle bekommen.
Für alle Fälle habe ich meistens noch ein Minipack feuchte Tücher dabei, habe ich aber noch selten gebraucht.
Für alle anderen Fälle die Seife erfordern, ist je nach Tourläge und Region ein 50-80 ml-Fläschchen Universal-Flüssigseife dabei.

Fletcher
26.11.2012, 19:52
Wenn mein Geschirr mit Kernseife abgewaschen habe, kippe ich das Wasser manchmal ins "Stuhlgangsloch". Ob das nun richtig ist, frage ich hier ganz einfach mal.
Das längerfristige Ergebnis konnte ich noch nie sehen, da ich an solcher Stelle eigentlich nicht mehr vorbei komme.
Das kurzfristige Ergebnis ist eine teilweise Verflüssigung der Fäkalien, von der ich mir schnelleren Abbau erhoffe.
Wenn es dann wieder zugeschüttet ist, ist eigentlich auch nichts mehr zu sehen.
Bei meiner eigenen Reinigung sieht das anders aus. Im Sommer tut es ab und an ein Bad im See/Fluss/Tümpel ohne Seife, Im Winter lass ich das Waschen, bis ich ne Dusche, ein Waschbecken oder dergleichen finde.
Zahnputzrückstände landen meist hinter nem Busch oder im obrigen Loch.
Das bezieht sich jetzt auf gemäßigte Breiten und auf (Ost) Karelien.

T0M
26.11.2012, 19:57
Wenn mein Geschirr mit Kernseife abgewaschen habe, kippe ich das Wasser manchmal ins "Stuhlgangsloch". Ob das nun richtig ist, frage ich hier ganz einfach mal.


Dadurch entsteht eine punktuelle Belastung, wenn das Seifenwasser großflächig verteilt wird, kann es schneller abgebaut werden.

Fletcher
26.11.2012, 20:20
Na ja, meiner Überlegung liegt auch das Anlocken von Tieren zugrunde.
Wenn ich mein fettiges/öliges Spühlwasser verbuddel, anstatt es großflächig zu verteilen, minimiere ich das. Wer mal gesehen hat wie geil Rehntiere auf das im Urin enthaltene Salz sind, weiß was ich meine.
Aber das mit der punktuellen Belastung trifft wohl zu, auch wenn ich das Wasser unter die Wurzelgrenze von Gras bringe.

peavis
27.11.2012, 07:54
In Armenien waren wir Zelten und die Frauen die mit uns waren zeigten mir etwas voellig unbekanntes, sie wuschen sich generell nicht mehr mit Seife sondern mit Lavash also Fladenbrot. Sie nannten mir als Grunde den hohen basischen pH-Wert der Seifen, der weit über dem pH-Wert der Haut liegt. Basische Lösungen aber greifen sowohl Textilien als auch die Haut an.
Und ich muss zugeben ich fande es sehr angenehm mich mit dem Lavash zu waschen und biologisch abbaubar ist es auch.

Goettergatte
27.11.2012, 18:30
Wer mal gesehen hat wie geil Rehntiere auf das im Urin enthaltene Salz sind, weiß was ich meine.
Aber das mit der punktuellen Belastung trifft wohl zu, auch wenn ich das Wasser unter die Wurzelgrenze von Gras bringe.

Ja, die können Stundenlang "Urinsteinlecken", die Rene,
je näher man ans Zelt pullert, desto besser kriegt man sie Vor die Linse :bg:

Wenn das Spül-, und auch das Waschwasser in großem Schwunge verteilt wird, und die Feststoffe zuvor ausgefiltert wurden, können die Rückstände von Klein- und Mikroorganismen schneller abgebaut werden, ohne große punktuelle Belastungen.
Mit dem Vorteil, das die Rückstände wesentlich kürzere Weil als Lockstoff für größere Tiere wirken.

Mus
30.11.2012, 16:15
Mein Lieblingstipp zum Seife und Spülwasser Sparen ist: sehr lecker und etwas zu knapp kochen (notfalls gibt's ein bisschen mehr Käse und Schokolade zum Nachtisch) und alle ihr Schüsselchen auslecken lassen. Der Topf wird in diesen Fällen meist auch sehr gründlich geleert.Dann reicht der feuchte Mikrofaserlappen fürs Abspülen.
Mikrofaserlappen (der von Onkel Waldi tut's) spült auch mit wenig bis gar keiner Seife gut sauber. Auch bei der Körperhygiene lässt sich mit so einem Lappen (einem zweiten natürlich!!!) viel Wasser und Seife einsparen.

Apropos Lappen: der stinkt ja gerne nach ein paar Tagen wie totes Tier und müsste dann eigentlich gewaschen werden. Das lässt sich vermeiden, wenn man immer etwas mehr kochendes Wasser heiß macht als benötigt und den Rest über den Lappen schüttet. Mindestens 10 Mitnuten "ziehen" lassen und wenn man ihn gerade so wieder anfassen kann fest auswringen und aufhängen. (Übrigens auch der heiße Tipp für den häuslichen Spül- und Tischwischlappen)

Auch bei der Körperhygiene lässt sich mit so einem Lappen (einem zweiten natürlich!!!) viel Wasser und Seife einsparen. Ich finde es relativ unangenehm nach einem heißen Tag verschwitzt in den Schlafsack zu kriechen und friere dann nachst auch leichter. Perfekt, wenn ich einen Fluss oder Bach habe, in den ich direkt vorm Schlafen noch mal kurz reinspringen kann. Aber wenn nicht reicht es auch, wenn ich mich mit dem waschelnassen Lappen von Kopf bis Fuß abfeudel. Wasserbedarf: ca. halber Liter, eiskalt macht bei diesem System nicht viel aus. Seife: null.

Jetzt aber noch eine Frage: macht es eigentlich einem Bach oder See nix aus, wenn ich mein ganzen Dreck da runterwasche?? Ich vermute zwar, es ist abhängig von: der Größe, Lage,..???.. des Gewässers und der Zusammensetzung des Drecks wie z.B. Schweiß, Deo, Sonnencrem,......
Aber wann wird's eigentlich kritisch? Es sollen ja auch schon deutsche Badeseen umgekippt sein, wegen zu viel Sonnencrem auf der Haut. Wie mag es dann einem kleinen Waldtümpel gehen??? Muss ich mich dann waschen bevor ich reinspringe?

Dominik
30.11.2012, 16:47
Jetzt aber noch eine Frage: macht es eigentlich einem Bach oder See nix aus, wenn ich mein ganzen Dreck da runterwasche?? Ich vermute zwar, es ist abhängig von: der Größe, Lage,..???.. des Gewässers und der Zusammensetzung des Drecks wie z.B. Schweiß, Deo, Sonnencrem,......
Aber wann wird's eigentlich kritisch? Es sollen ja auch schon deutsche Badeseen umgekippt sein, wegen zu viel Sonnencrem auf der Haut. Wie mag es dann einem kleinen Waldtümpel gehen??? Muss ich mich dann waschen bevor ich reinspringe?
Eine fundierte Antwort kann ich da nicht geben. Mir fällt da aber eine Situation ein.
Kanada, Nova Scotia, Flusslandschaft mit vielen kleinen Creeks. Wir waren 4 Wochen stationär im Wald und haben uns in einem kleinen Bach gewaschen (und geschwommen). Ganz am Anfang habe ich mich mit "Ökoseife" gewaschen. Am nächsten Tag sind die Seifenspuren im gesamten Creek sichbar gewesen. Das war bereits ein erster Schock. Faktisch blieben die Spuren noch ca. weitere 2 Wochen sichtbar.
Ziemlich dämliche Aktion damals. Hat sich aber in mein Hirn reingebrant und seitdem ist Seife für mich tabu.

Mus
30.11.2012, 22:30
Das ich mich im Gewässer nicht mit Seife wasche ist eh klar.
Meine Frage war eben: Und wie sieht's ohne Seife aus???? Ich habe an meinem Körper Schweiß, Fett und im Zweifelsfall auch so Sachen wie Deo und Cremreste (ist ja schon einen ganzen Tag geschwitzt worden) kleben.
Ich nehme mal an, dass größere Flüsse hier in Deutschland das wegstecken, aber wie sieht es mit kleinen, stehenden Gewässern und anderen Regionen aus?
Ab wo heißt es dann: vorher waschen, dann baden gehen? (So wie im Schwimmbad halt.)

rapidfire22
01.12.2012, 00:08
guten abend,

mal ganz ehrlich: wenn seife in ihrer urform und im einem mindestmaß verwendet wird, davon ausgenommen synthetische tenside im weitesten sinne, sollte von einer recht guten biologischen abbaubarkeit ausgegangen werden und eine verwendung von seife in der freien natur nicht geradezu verteufelt werden.:o

fett löst sich nun mal schlecht mit reinem wasser! ;-)


Ich nutze gerne antihaft-beschichtete Töpfe [...]

na dann bitte die, ohne polyfluorierten kohlenstoffe ... :cool:

gruß rapid

Prachttaucher
01.12.2012, 05:49
Beim Kochen (wie anders wo schon geschrieben) geht es bei meiner eher einfachen Küche bestens ohne Seife. Da brauche ich auch keinen beschichteten Topf. Die Haare müssen auch mal eine Woche ohne können. Ansonsten wenn sich im Norden mal die Gelegenheit an einer Hütte bietet. Wobei man da fragen könnte, ob die Seifennutzung dort dann besser ist. Die Norweger haben meist eine Stelle wo alles hingekippt wird, die Schweden eine Grube. Ob das dann irgendwie entsorgt wird, weiß ich nicht. Stelle mir das dort aber schwierig vor.

Ansonsten muß ich gestehen, daß ich doch etwas Seife mitführe - eine oder zwei Wochen im Norden ganz ohne, ist für mich schwer vorstellbar. 2 bis 3 Tage geht aber dank Merino bei heimischen Kurztouren gut.

changes
05.03.2013, 22:52
Wir halten das meisstens so:
Infrastruktur (und wenn es das WC beim gelben M ist, oder der WC Container an nem Strand), da kann man sich auch mal mit Seife waschen. Wenn's eh kaum "Zivilisation" gibt, stört es niemanden (der Mief) und es geht paar Tage nur mit Wasser.
Verschmutzen des Schlasa Kann man denk ich mit nem Liner in Grenzen halten.
Kleidung kann man mit warmem Wasser von Schweiß und groben Verschmutzungen befreien und wo es möglich ist s.O., dann auch mal mit etwas Seife auswaschen.

Ultraheavy
05.03.2013, 23:23
Entweder bin ich entfernt von der Zivilisation, dann kann ich mich einige Tage lang auch ungewaschen gut riechen oder
in Zivilisationsnähe, dann gibt es auch immer Waschgelegenheiten.

Ich finde es ja ganz toll, daß man sich hier so viel Gedanken über die Schonung der Umwelt macht, aber so manchmal finde ich schon, daß hier der Bezug zum Alltagsleben nicht hergestellt wird. Wenn schon LNT, dann bitte auch zuhause und das ist nicht so ganz einfach.

changes
06.03.2013, 00:53
Ich finde es ja ganz toll, daß man sich hier so viel Gedanken über die Schonung der Umwelt macht, aber so manchmal finde ich schon, daß hier der Bezug zum Alltagsleben nicht hergestellt wird. Wenn schon LNT, dann bitte auch zuhause und das ist nicht so ganz einfach.
Wenn nach LNT "Draussen" gefragt wird, macht es Sinn auch nur das Draussen zu beantworten. Ob und wie man damit Alltags umgeht steht ja nicht zur Debatte, von daher ist es einleuchtend wenn es keine Erwähnung findet. Gibt aber glaube ich einen Faden dazu.

Ansonsten kann m.M.n darüber bestimmt am/im Lagerfeuer diskutiert werden, da es nicht im direkten Zusammenhang mit dem Outdoorhobby steht.
...... dann bitte auch zuhause....... ich frage mich warum du das in Fage stellst

Waldhexe
06.03.2013, 07:44
Ich sehe reine Seife, die nicht direkt im Gewässer benutzt wird als völlig unproblematisch. Etwas verteilt und etwa 2 Höhenmeter oberhalb eines Gewässers benutzt schadet das nicht. Der einzige Effekt kann sein, dass an dieser Stelle dann eine zeitlang eine Pflanze wächst, die in der Umgebung vorkommt und die mehr Nährstoffe braucht. So what??

Wie entsorgt Ihr die Alternativen, das feuchte Toilettenpapier oder die Feuchttücher zum Beispiel? Und was passiert damit weiterhin, wie kommt das zur Mülldeponie und was passiert dort damit?

Ich bin sicher, das es sinnvoll ist, sich vor dem Baden oberhalb des Gewässers abzuseifen und abzuspülen, zumindest wenn man Deo oder Sonnencreme oder gar (DEET-haltigen!) Mückenschutz benutzt hat. Andernfalls ist nichtwaschen oder ohne Seife waschen eine umweltverträgliche Alternative, in meinen Augen und vor meinem fachlichen Hintergrund aber eine unnötige Kasteiung.

Gruß

Waldhexe

tiwaz
06.03.2013, 23:37
Wenn nach LNT "Draussen" gefragt wird, macht es Sinn auch nur das Draussen zu beantworten. Ob und wie man damit Alltags umgeht steht ja nicht zur Debatte, von daher ist es einleuchtend wenn es keine Erwähnung findet. Gibt aber glaube ich einen Faden dazu.

Ansonsten kann m.M.n darüber bestimmt am/im Lagerfeuer diskutiert werden, da es nicht im direkten Zusammenhang mit dem Outdoorhobby steht.
...... dann bitte auch zuhause....... ich frage mich warum du das in Fage stellst

:o

Schau mal das hier bitte an:
http://www.youtube.com/watch?v=DP5gUP-bhfc&feature=player_detailpage#t=287s
Erkläre mir bitte deine Sicht auf Umwelt? Nur punktuell in deinem Reisegebiet?
Ist das konsequent?
Es geht hier ja nicht darum, ob das umweltbewusste Agieren im Leben hier unter dem Aspekt "Urlaub" betrachtet wird - das ist ja eindeutig das Hauptthema.
Und die Art und Weise wie sich hier gegen ein Vergleich mit anderen Lebensbereichen gesträubt wird macht mir Angst :o
Lasst doch den Vergleich zu, so bedacht mit der Umwelt wie ihr seid, kann er doch sicher nur Vorbildfunktion haben.

Ich würde mir wünschen, dass die Weltbevölkerung aufgeklärt würde, generell nichts direkt in Gewässer einzuleiten(egal wie groß der Fluss ist!).
Zuhause wie auch auf Tour.
Wenn man dafür Menschen sensibilisiert werden, ist das schon ein riesiger Gewinn für die Natur.
Auf Touren kann man besonders diese Selbstkontrolle üben, denn Flüsse "verführen" den Menschen geradezu zum Ballastbeseitigen :(
Die Wahrheit ist, dass dort fast keine Selbstreinigung stattfinden kann.
Im Gegensatz wenn die Seifenlauge auf den Boden trifft, wird es vom Boden (der Selbstreinigung hat) aufgenommen und das Wasser wird gefiltert in den Bach gelangen.
Ein Grundsatz, der in den Sachkundeunterricht der Grundschule gehört.

Wenn es wirklich um die Spuren (optisch) in der Landschaft (Boden) geht, dann spült halt Wasser nach.
Wenn es um die momentane Befriedigung des Gewissens geht (=keine Spuren?), dann ist Trockenshampoo zum Sprühen (zB bei Pfennigpfeifer) sehr zu empfehlen :-) Natürlich nicht auskämmen oder abwischen sondern am Körper belassen.

Hat jemand Erfahrungen mit einer Seifenmühle wie die von den Zügen der DB, wo nur Flocken rauskommen?

changes
07.03.2013, 12:10
Habe das Video überflogen, möchte mich dazu hier nicht äußern weil 1. offtopic, 2. dies nur eins von vielzuvielen Misständen aufzeigt, derer ich mir leider nur zu Bewusst bin. Gerne per PN aber nicht hier.


Erkläre mir bitte deine Sicht auf Umwelt? Nur punktuell in deinem Reisegebiet?
Ist das konsequent?Ich verstehe nicht was du meinst. Meine Sicht auf die Umwelt ist Global und schränkt sich nicht auf das Gebiet ein wo ich mich evtl. 1x im Leben für Wenige Stunden/Tage aufhalte.


Und die Art und Weise wie sich hier gegen ein Vergleich mit anderen Lebensbereichen gesträubt wird macht mir Angst :o
Lasst doch den Vergleich zu, so bedacht mit der Umwelt wie ihr seid, kann er doch sicher nur Vorbildfunktion haben.

Es wird sich nicht gesträubt, ist hier nur offtopic und diese Grundsatzdisskussionen zerfleddern leider Das Eigentliche Thema.

awiawi
12.03.2013, 10:09
Bei uns läuft eigentlich alles über feuchte Taschentücher. Als Weichei konnte ich mich noch nicht überwinden, mich in einem Gletscherbach zu waschen. Die benutzten Tücher landen dann einfach im Müllbeutel, der je nach Tour ziemlich voll werden kann. Aber so lassen wir zumindest nichts in der Natur zurück.

Haare werden einfach gar nicht gewaschen. Und ja - das ist ziemlich schrecklich bei 2 Wochen ;-) Ich versuche, den Kopfbewuchs so gut es geht zu ignorieren.

Waldhexe
12.03.2013, 10:49
Und wo entsorgt Ihr den Müllbeutel mit den Feuchttüchern? Je nach dem, wo man unterwegs ist, ist Tourimüll ein mehr oder weniger großes Problem. Meist bewegen wir uns ja in sensiblen, abgelegenen Landschaften ohne oder mit wenig Infrastruktur, bzw. Infrastruktur wie Müllverbrennungsanlagen sind weit weg, der Transport des Mülls dorthin verursacht Verkehr.
In den Alpen wird man auf den Hütten meist aufgefordert, seinen Müll nicht auf der Hütte zu entsorgen und nicht nur ins Tal zu tragen sondern möglichst mit nach Hause zu nehmen und dort zu entsorgen. Schließlich wollen wir alle vom Berggipfel auf schöne Landschaft schauen, und nicht auf Müllverbrennungsanlagen.
Auf den Fjällhütten wird Müll gesammelt und erst im Winter mit Schneekatzen abgeholt, das ist billiger als Hubschrauber. Der Müll macht nur dann keine Probleme, wenn er trocken, sauber und kompakt ist. Deshalb wird man aufgefordert, leere Dosen zu spülen, bevor man sie zerlegt und zerdrückt. Feuchter Müll sollte nicht anfallen, keiner will den Gestank den Sommer über um die Hüttenanlage haben!

Ich denke, strikte Müllvermeidung ist auf Tour ebenso wichtig wie (für mich persönlich) gemäßigtes LNT (also keine unnatürlichen oder dauerhaften Spuren hinterlassen). Seifenreste im Boden - oder kurzfristig auch sichtbar auf dem Boden - sind meist das geringere Problem.

IM Gletscherbach sollte man sich sowieso nicht waschen. Nach jahrzehntelangem Experimentieren mit Waschlappen, Schüsseln ect. finde ich eine 1l-PET-Flasche mit Sport- oder Nuckelverschluss für die Körperpflege am optimalsten. Ein Liter (eventuell angewärmtes) Wasser reicht wirklich für eine Grundreinigung mit anfeuchten, abseifen (Gesicht und Problemzonen) und abspülen des ganzen Körpers. Ich denke, das ist umweltfreundlicher und angenehmer als Feuchttücher. Haare waschen ist dann eben ganz seltener Luxus...

Gruß,

Claudia

Maedhros
12.03.2013, 11:08
Moin,

ich muss ja sagen, dass ich ein großer Freund vom regelmäßigen Haarewaschen bin. Ich habe sehr dichtes Haar und schon nach 2-3 Tagen fängt das unglaublich an zu Jucken (insbesondere, wenn 24/7 eine Mütze getragen wird). Ich sehe aber kein Problem darin, mit ein wenig Seife und ausreichend Abstand zum nächsten Gewässer das Waschwasser im Gebüsch verrieseln zu lassen oderi m Winter zu vergraben. So viel kommt ja auch nicht zusammen und Spuren hinterlassen die Bio-Seifen auch keine. Was an reiner Seife so schlimm sein soll, habe ich bis heute leider auch noch nicht verstanden. Wir reden hier ja schließlich von Seife und nicht von einem parfümierten Shampoo. Ebenso sollte es kein Problem sein, auf längeren Touren mal eben durch einen schönen See zu schwimmen und sich, selbstredend ohne Seife, im Wasser abzuspülen. Wem das zu viel Eintrag in die Natur ist, der sollte vielleicht ganz zu Hause bleiben (Alpen mit dem teilweisen Massentourismus mal außen vor). Ich kann diese strikte Abneigung des Waschens vieler nicht wirklich nachvollziehen. Im gleichen Maße ist es auch kein Problem, Bekleidung regelmäßig zu spülen, abhängig von der Umgebung. Das bisschen Salz, was in die Natur eingetragen wird ist defintiv zu vernachlässigen.
Für die Katzenwäsche am Abend eignen sich natürlich auch Feuchttücher ganz gut. Mit einem kann man fast seinen ganzen Oberkörper reinigen und viel Müll kommt dabei auch nicht zusammen. Im Zweifelsfall werden die einfach mit dem restlichen Müll in den nächsten Ofen gesteckt, da die zumindest hier in Schweden eh als brennbar gelten und auf den Hütten in schicken Verbrennungsöfen entsorgt werden.


Grüße,

Benni

Mumba
12.03.2013, 15:08
Ich denke mal, dass man unterwegs durchaus mal 'ne Zeit auf Seife verzichten kann.
Es fühlt sich zwar nicht so frisch an, aber ich denke, dass es mit kräftigem Abreiben und ausreichend klarem Wasser genug ist.

Hygiene ist 'ne wichtige Angelegenheit, sehe ich ein. Aber ich denke nicht, dass man wirklich jeden Komfort mit in die Natur nehmen kann. Da geht man eben ein wenig back to the basics. Da wird keiner dran sterben.

Sabine38
13.03.2013, 07:59
Also ganz ehrlich: Ich weiß ja nicht was ihr auf Tour so veranstaltet dass ihr unbedingt Seife braucht (Haare waschen ausgenommen, das geht tatsächlich nicht ohne Seife/Shampoo). Ich benutze auch zuhause bei weitem nicht jedes Mal wenn ich dusche Seife; Schweiß etc. gehen auch ohne hervorragend runter. Jedenfalls hat mir noch nie jemand vorgeworfen dass ich stinke. :ignore: :bg:

Klar, wenn man einer Tätigkeit nachgeht bei der man dreckig oder stinkig wird (Mechatroniker, Bergbau, Landwirt...) braucht man Seife. Aber wer das nicht tut... Trekken fällt da für mich auch mit rein. Ohne Seife waschen ist ganz davon abgesehen auch besser für die Haut...

Und das meine ich alles ganz unabhängig von der k(l)eine Spuren/LNT-Problematik.

outdoorbiker
13.03.2013, 12:26
Also ich verpasse mir vor jeder Tour einen 9mm-Haarschnitt. Somit erübrigt sich das Waschen mit Seife, weil die Haare nicht so fetten. Ist natürlich klar, dass das nicht Jederfraus Sache ist. :)

changes
13.03.2013, 14:39
Somit erübrigt sich das Waschen mit Seife, weil die Haare nicht so fetten.
Die Haare fetten gar nicht. Es ist die Kopfhaut welche das Fett produziert (wie die restliche Haut ebenso)
Ob es zu ständig fettigen Haaren kommt hat erstmal mit der Veranlagung zu tun wie auch bei Gesicht(Fettige Haut, trockene Haut, etc), nicht mit der Haarlänge.

Vielleicht kennen einige die Weisheit, täglich 100 Bürstenstriche durch die (langen)Haare. (Am besten Weiche/Naturborsten)Das dient dazu das Fett gleichmäßig in den Haaren zu verteilen und ist nicht ihh, sondern Schutz und Pflege für das Haar.

Zusätzlich wirken wir mit der Nutzung von Pflegeprodukten auf die natürliche Hautfettung ein, bringen das natürliche Gleichgewicht durcheinander. Je nachdem wie die Haut reagiert kann sie zu trocken werden und wir stören zusätzlich mit Cremes. Oder sie versucht schnell wieder nachzufetten, was gerade in Haar und Gesicht sehr nervig ist.

Ich finde die Variante von Sabine38 ziemlich gut,(nicht jedesmal Pflegesubstanzen zu verwenden) denn so kann die Haut ihr Gleichgewicht besser halten. Der Staub und Schweiß wird abgewaschen aber die Natürlichen Fette werden so nicht gelöst und bleiben zum Schutz erhalten.

!!! Natürlich gibt es auch Krankheitsbedingte Funktionsstörungen der Haut, ich habe mich mit dem Beitrag allerdings auf gesunde Haut bezogen.!!!!!

Maedhros
13.03.2013, 17:26
Moin,

wer über den Sinn und Zweck von Seife in Bezug auf die Haut diskutieren will, kann dies gern im nächstbesten Dermatologen-Forum tun. Dass man mit und ohne ausreichend sauber wird, sollte ja mittlerweile klargestellt sein; ebenso, dass in bestimmten Bereichen, wie dem Haarewaschen, teilweise nicht drauf verzichtet werden kann (insbesondere bei Touren die länger als 7 Tage dauern).

BtT muss jedoch auch festgestellt werden, dass durchaus Seife verwendet werden kann, ohne dass Spuren hinterlassen werden. Wie es so schön heißt: "Die Dosis macht das Gift. Wofür Seife verwendet werden kann bzw. sollte, ist unter dieser Frage Stellung nicht der springende Punkt. Es ist immer sehr einfach, einfach "Ja" oder "Nein" zu schreien - vielmehr sollte sich jedoch über den sinnvollen und zweckmäßigen Umgang Gedanken gemacht werden.

Grüße,

Benni

awiawi
14.03.2013, 12:22
Und wo entsorgt Ihr den Müllbeutel mit den Feuchttüchern?
Claudia

Die schleppen wir bis zum Ende der Tour im Rucksack mit. Der Müllbeutel wird gegen Ende immer großvolumiger, aber zumindest hinterlassen wir nichts.

TobiHeld77
20.03.2013, 17:02
Was ist denn von den Smartwash-Produkten zu halten? Die nehmen "greenwashing" ja ziemlich wörtlich. Ich kenne mich leider nicht genug mit den ganzen chemischen Stoffen darin aus, um deren Unbedenklichkeit bestätigen zu können...

peter97
21.03.2013, 21:49
Was ist denn von den Smartwash-Produkten zu halten? Die nehmen "greenwashing" ja ziemlich wörtlich. Ich kenne mich leider nicht genug mit den ganzen chemischen Stoffen darin aus, um deren Unbedenklichkeit bestätigen zu können...

Darin ist Dexpanthenol enthalten was im Verdacht steht Kontaktalllergien auszulösen, zu dem hat es entzündungshemmende Eigenschaften. -> MUSS NICHT

Peter;-)

_Matthias_
22.03.2013, 21:24
Also ganz ehrlich: Ich weiß ja nicht was ihr auf Tour so veranstaltet dass ihr unbedingt Seife braucht
Wenn man in südlicheren Gefilden unterwegs ist, dann entsteht da auch beim Trekking tagsüber ein sehr hartnäckiges Konglomerat aus Schweiß, Sonnencreme, eventuell noch Mückenschutzmittel und dem Dreck, Matsch, usw. der Wege und da hilft Seife oder eine sonstige Waschsubstanz schon erheblich das ganze Zeug wieder runter zu bekommen und sich sauber zu fühlen. Mit nur Wasser klappt das, zumindest bei mir, nicht wirklich.

Sabine38
23.03.2013, 23:51
Wenn man in südlicheren Gefilden unterwegs ist, dann entsteht da auch beim Trekking tagsüber ein sehr hartnäckiges Konglomerat aus Schweiß, Sonnencreme, eventuell noch Mückenschutzmittel und dem Dreck, Matsch, usw. der Wege und da hilft Seife oder eine sonstige Waschsubstanz schon erheblich das ganze Zeug wieder runter zu bekommen und sich sauber zu fühlen. Mit nur Wasser klappt das, zumindest bei mir, nicht wirklich.

Okay, Sonnenmilch sehe ich definitiv ein. Die ist ganz sch***e zu entfernen ohne Seife.

Goettergatte
24.03.2013, 18:48
Abschaben,
mit einer Ziehklinge,
so haben früher Ringkämpfer sich vom Öl befreit ;-)

Aber ein bisschen Seife nehme ich immer mit.

0lsenbande
28.03.2013, 17:26
also ich weiss ja nicht wie ihr drauf seit, aber wenn ich in den good old alps unterwegs bin treffe ich so gut wie nie leute die ausserhalb der hütte, also im zelt pennen oder bivakieren und sich darum auch im freien waschen. die nachhaltige und messbare "verunreinigung" eines fliessenden berggewässers durch seife (also jetzt echt son stück, net shampoo oder so) zweifle ich mal bei der anzahl an leuten die sich wirklich darin waschen (meine erfahrung) stark an! sorry das ich so unöko drauf bin aber ich bin mir sicher das die gesamte nachhaltige wirkung auf die natur deutlich geringer ist wenn ich mich in nem bergflüssle mit nem stück seife wasche (was ich besonders an den füssen und händen nachm klettern immer tue, einfach weil die haut auch schneller verheilt) und dann abends im zelt penne und mal im gebüsch oder im geröll "le toilet outdoor" benutze als wenn ich auf einer berghütte übernachten würde. :ignore:

das mag sicher anders sein wenn da jetzt 100erte leute unterwegs wären die das tun, darum gibts ja auch kläranlagen, aber so vereinzelt wie da leute unterwegs sind...

changes
28.03.2013, 23:20
wenn aber alle die da unterwegs sind so denken würden wie du?

Waldhexe
29.03.2013, 16:16
Da jeder eine Wasserflasche dabei hat oder auch eine PET-Flasche zusätzlich mitnehmen kann, gibt es überhaupt keinen einzigen Grund, warum Seife direkt ins Gewässer gelangen sollte!!!
Nochmal: Flasche im Bach oder See füllen, Hände oder Körper einige Meter vom Wasser entfernt waschen und abspülen, ganz einfach!

Gruß,

Claudia

Sabine38
29.03.2013, 16:20
@changes, Waldhexe: Wir können uns hier leider den Mund fusselig reden, es wird anscheinend leider immer wieder Leute geben die meinen dass das was sie persönlich tun nichts ausmacht, weil es ja nur sie sind. :ignore:

Sepriot
01.04.2013, 12:45
Ich halte auch nichts von Seife in der Natur und verwende hier lieber naturbelassene Vulkan -oder Lavaerde zum waschen.

peter97
01.04.2013, 18:22
Ich halte auch nichts von Seife in der Natur und verwende hier lieber naturbelassene Vulkan -oder Lavaerde zum waschen.

Der Grundsatz ist nicht schlecht, aber gewisse Gerüche erfordern einfach Seife, gegen Seife ist nichts einzuwenden wenn man weit genug vom nächsten Gewässer entfernt ist.

Viele Leute schicken noch heute ihre Kinder eingeseift in das Wasser und wundern sich dann warum der See eutrophiert und umkippt, dann sollen oft die "bösen" Fischer schuld sein.

Peter

Mario294
07.04.2013, 19:31
Ich halte auch nichts von Seife in der Natur und verwende hier lieber naturbelassene Vulkan -oder Lavaerde zum waschen.


Der Grundsatz ist nicht schlecht, aber gewisse Gerüche erfordern einfach Seife, gegen Seife ist nichts einzuwenden wenn man weit genug vom nächsten Gewässer entfernt ist.

Peter

Also ich finde das alle Gerüche mit Lavaerde (Ghassoul) beseitigt werden können, ich wasche auch zuhause Haare und Körper nur damit und bekomme von meinem Mitmenschen nicht zu hören das ich stinke :D

Mfg Mario

Outdoorfetischist
09.04.2013, 14:14
Könnte jemand fachgerecht darlegen, ob und falls ja wo das Problem besteht, wenn man (abseits von einem Gewässer) mit 1-2 Tropfen Outdoorseife vermichtes Wasser in die Fauna kippt? Bisher gab es hier im Thread zum einen die Meinung "ist unbedenklich" und "man braucht keine Seife", ich wüsste gern, wie viel Schaden man tatsächlich anrichtet.

Wir nutzen auf Tour ein Sea to Summit Kitchen Sink als Waschbecken. Da kommt dann Wasser nud ein Tropfen Outdoorseife rein und man kann sich oder Klamotten ziemlich gut Waschen. Insbesondere hilft das Waschbecken beim Wasser sparen. Wir haben schon mit 1,5L Wasser Ganzkörperwäsche für zwei Personen (inkl. Haare) betrieben.
Nach dem Waschen kippen wir das Wasser in die Pampa. Ich dachte bisher immer, dass das (abseits von Gewässern) unbedenklich sei, der Thread hat mich aber etwas ins Zweifeln kommen lassen.

peter97
09.04.2013, 15:53
Könnte jemand fachgerecht darlegen, ob und falls ja wo das Problem besteht, wenn man (abseits von einem Gewässer) mit 1-2 Tropfen Outdoorseife vermichtes Wasser in die Fauna kippt? Bisher gab es hier im Thread zum einen die Meinung "ist unbedenklich" und "man braucht keine Seife", ich wüsste gern, wie viel Schaden man tatsächlich anrichtet.

Die "Outdoorseifen" sind alle ca. zu 95% biologisch abbaubar, Schmierseife ist auch zu ca. 95% biologisch abbaubar, die Restlichen fünf Prozent sind Vergällungsmittel, rückfettende Substanzen (Glyzerin, ...). Die Quelle ist ein Gespräch mit einem Mitarbeiter der Firma Henkel.
Früher hat man Seifenwasser zum Bekämpfen von Blattläusen genommen, den Pflanzen hat es nicht geschadet, deshalb gehe ich davon aus, dass Wasser nicht sonderlich schadet. Hier (http://www.lerntippsammlung.de/Auswirkungen-von-Reinigungsmitteln-auf-Wachstum-und-Keimung-von-Pflanzen.html)hat ein Schüler eine Ausarbeitung zum Thema "Auswirkungen von Reinigungsmitteln auf Pflanzen" geschrieben, bei ihm zeigten die Pflanzen leichte Vergiftungserscheinungen, aber Regenerierten sich relativ schnell wieder.


Peter;-)

LihofDirk
09.04.2013, 20:18
Die "Outdoorseifen" sind alle ca. zu 95% biologisch abbaubar, Schmierseife ist auch zu ca. 95% biologisch abbaubar, die Restlichen fünf Prozent sind Vergällungsmittel, rückfettende Substanzen (Glyzerin, ...). Die Quelle ist ein Gespräch mit einem Mitarbeiter der Firma Henkel.

Zu 95% abbaubar laut OECD Test, d.h. definierte Bedingungen in definiertem Zeitraum. Die restlichen 5% können auch noch Teile enthalten, die einfach etwas länger abbauen. (Quelle: auch Gespräche mit Henkel Mitarbeitern :ignore:, und eigenen Kollegen von Care Chemicals :baetsch:).
Das kritische bei Seifen in der Natur ist wohl wirklich die Herabsetzung der Oberflächenspannung, d.h. gerade Wasserlebende Insekten mit Trichäen (oder so ähnlich) kriegen einfach Probleme mit der Atmung, zusätzliche Inhaltsstoffe können auch Schäden auslösen, z.B. hier (http://www.paradisi.de/Beauty_und_Pflege/Haut-_und_Koerperpflege/Seife/News/7225.php) beschrieben.
Ich habe auch mal gelernt (von Oppa natürlich) sich nicht die Hände mit Seife zu waschen, bevor ich ans Aquarium gehe, das liest man immer noch in Aquaristik Literatur, mein Aquarien Zubehörhändler betont in der Gebrauchsanleitung von etlichem, daß es ohne Seife auszuwaschen sei, scheint also dem Aquarium zu schaden, wenn man zu putzverliebt ist...

Waldhexe
09.04.2013, 20:28
Das kritische bei Seifen in der Natur ist wohl wirklich die Herabsetzung der Oberflächenspannung, d.h. gerade Wasserlebende Insekten mit Trichäen (oder so ähnlich) kriegen einfach Probleme mit der Atmung, zusätzliche Inhaltsstoffe können auch Schäden auslösen, z.B. hier beschrieben.

Aus diesem Grund ist es ja so wichtig, Seife nicht direkt in Gewässern zu benutzen. Nicht nur, dass Tierarten direkt geschädigt werden, auch die Selbstreinigungsmechanismen werden durch die fehlende Oberflächenspannung beeinträchtigt.

Gruß,

Claudia

_Matthias_
09.04.2013, 20:34
Nach dem Waschen kippen wir das Wasser in die Pampa. Ich dachte bisher immer, dass das (abseits von Gewässern) unbedenklich sei, der Thread hat mich aber etwas ins Zweifeln kommen lassen.
Also ich hab hier eigentlich nichts gelesen, was deine Zweifel bestätigen würde. Das einzige was wohl vermieden werden sollte ist Seife direkt im Gewässer zu verwenden und auf ein "mir doch egal" post gabs dann die entsprechende Antwort.

Wo bei es in vielen Ländern durchaus üblich ist sich und die Wäsche direkt im Fluss zu waschen, mit viel Seife, zumindest dort hätte ich dann auch keine Hemmungen ein paar Spritzer Outdoorseife beizutragen.

Lobo
10.04.2013, 08:33
Wo bei es in vielen Ländern durchaus üblich ist sich und die Wäsche direkt im Fluss zu waschen, mit viel Seife, zumindest dort hätte ich dann auch keine Hemmungen ein paar Spritzer Outdoorseife beizutragen.

Da hätte ich Hemmungen mich zu waschen...
Mir schweben da gerade so ein paar Bilder des Ganges vor dem geistigen Auge vorbei :kotz:

changes
10.04.2013, 11:41
In den Reportagen wo der Fluss der Lebensmittelpunkt ist wird aber auch auf die Nachteile hingewiesen.
In den Flüssen wird sich selbst und die Wäsche gewaschen, evtl landen dort auch Fäkalien. Und das Wasser ist gleichzeitig das Trink und Nutzwasser der Anwohner. Sollte es dort noch Fische geben werden diese als Nahrungsquelle gefangen. Zustand dieser Flüsse und die mangelhafte Gesundheit der Menschen dort, wird meist nicht verheimlicht.

Luis
10.04.2013, 17:26
Um mal wieder zum eigentlichen Thema zurückzukommen: Ich nehme auch keine Seife, da ich denke dass es auch gut ohne geht. Wenn man irgendwo ein wenig Wasser findet kanna man sich und seine Gegenstände da ganz einfach drin waschen. Und Wasserlöcher gibt es selbst in den trockensten Wüsten. Ich war auch einmal für ca. 2 Wochen im australischen Outback unterwegs und da habe ich mich auch nur in Wasserlöchern gewaschen. Das war gar kein Problem.

_Matthias_
10.04.2013, 21:17
Mir schweben da gerade so ein paar Bilder des Ganges vor dem geistigen Auge vorbei :kotz:
Man muss ja nicht gleich vom schlimmsten ausgehen, aber in Asien, Afrika und Südamerika sieht man an Flüssen eigentlich überall Menschen, die sich und ihre Wäsche dort waschen. Und die Flüsse sind auch normal aussehend und nicht irgendwie eklig.
Wie sollen es die Leute dort auch sonst machen um sich zu waschen? Die können ja nicht ein paar Tage später richtig duschen (und selbst wenn, in den Ländern stellt sich die Frage wo das Duschwasser dann hinläuft).

schneeziege
12.04.2013, 12:40
Der Ganges als höchst frequentierter Fluss ist aber doch nicht zu vergleichen mit irgendwelchen anderen Flüssen hier?

Ich benutze auch ein bisschen Seife, wenn es absolut sein sollte. Sonst eben nicht, dann wird gewartet, bis das nächste Hostel kommt ;)

Ullrich
23.04.2013, 20:17
Übertreibt Ihr hier nicht ein klein wenig? :)

Ich hab immer ein Stückchen Kernseife dabei und bin nach einem langen verschwitzten Tag heilfroh abends sauber in den Schlafsack steigen zu können.

Die Regel die für Vergiftungen bei Menschen gelten (die Menge machts) gilt auch für die Natur und alle Lebenwesen darin. Ich bezweifle doch sehr das sich der Waldboden oder der Strand am See an dem halben Gramm Seifenabrieb in irgend einer Form stört. Die Natur besitzt hervorragende Selbstreinigungsmechanismen und kommt problemlos mit ein wenig verdünnter Seifenlauge zurecht. Abgesehen von der Kernseife bin ich natürlich ebenfalls ein großer Fan des spurenlosen Wanderns.

Luis
24.04.2013, 13:47
Also ich benutze keine Seife. Ich finde das nicht notwendig. Wenn ich mich an einem Fluss oder Bach mit Wasser wasche werde ich auch so sauber. Und sonst gibt es genug Utensilien aus der Natur, die sich für die Körperreinigung optimal eignen....

PharmazieFlip
30.04.2013, 08:27
Also ich finde das alle Gerüche mit Lavaerde (Ghassoul) beseitigt werden können, ich wasche auch zuhause Haare und Körper nur damit und bekomme von meinem Mitmenschen nicht zu hören das ich stinke :D

Mfg Mario


danke für den Tipp

ich habe mir jetzt auch mal einen Topf mit Ghassoul (=Wascherde) bestellt & bin nach den ersten zwei Testwäschen mit der Waschwirkung zufrieden. Die Haare (mein Hauptwaschziel, da inzwischen doch recht lang ;-) ) fühlen sich zwar etwas anders/trocken an, werden aber gut sauber & das Fett/der Talg gut entfernt.

Ob ich es auch daheim auf Dauer nehme weiß ich noch nicht, aber für Touren allemal top & um Welten besser als zB diese AllInOne Outdoorseife, die war zum Haarewaschen mal gar nicht zu gerbauchen

dwdrums
30.07.2013, 03:43
Die wohl älteste bekannte und genutzte Seife ist schlichtweg Asche. Haarewaschen sollte sich da wohl schwierig und unangenehm gestalten, aber für die Hände etc. geht das ganz gut.

Was Seifen in Gewässern bewirken kann ich für den groben Einstieg nur wieder auf die Zeit vor Wikipedia & Co. verweisen:

http://www.youtube.com/watch?v=PDJuUNr4gLE

Das Problem ist nicht, dass Seife direkt schadet, sondern dass es zu einer Überdüngung kommt (durch die im Waschmittel enthaltenen Phosphate) - heißt Pflanzen wachsen dadurch zu schnell und entziehen dem stehenden (!) Gewässer den Sauerstoff (Pflanzen und Tiere sterben daraufhin), was zur Folge hat, dass anaerobe Bakterien mit dem Abbau des organischen Materials beginnen und dabei Gase wie bspw. Methan produzieren. Letztendlich spricht man dann vom Umkippen des Sees.

Für die, die es chemisch gerne genauer wissen möchten können mich fragen, oder hier im Sinne des Zeitalters auch noch mal grob nachlesen ;-)

http://de.wikipedia.org/wiki/Umkippen

Liebe Grüße,
Micha

Sawyer
30.07.2013, 09:00
Das ist mal mit wenigen Worten für einen Laien verständlich formuliert. Danke.
Wie verhält es sich, wenn das Seifenwasser, sei es durch Körperpflege oder Geschirrspülen abseits von Gewässer auf den Boden gekippt wird? Ist in dem Fall ebenfalls mit Langzeitschäden zu rechnen, z.B. Einsickern ins Grundwasser?

dwdrums
30.07.2013, 18:04
Nun, ich bin kein Pedologe, aber rein chemisch müsste das den selben Effekt haben wie mit den Pflanzen im See. Da jedoch nur sehr wenig Seife recht punktuell auf eine Stelle des Bodens trifft, wird dort vermutlich der Boden ein wenig extra gedüngt werden und dort selektiv drei Pflanzen im Wachstum bevorzugt werden. Das hat sich dann auch recht schnell wieder, da die Zugabe der Seife ja einmalig war.

Einsickern ins Grundwasser kann denke ich ebenfalls nicht pauschalisiert werden, da der Stand des Wasser stark ortsabhängig ist. Wir haben letztes Jahr im Garten eine Grundwasserbohrung für einen Brunnen vorgenommen und mussten doch sehr tief graben.
Deshalb würde ich als Vermutung äußern, dass wenn man nicht gerade 2m neben einer Wasserquelle sich mit 100L (ich übertreibe) Wasser und ordentlich Seife abwäscht und das ganze punktuell versickert, auch nichts ins Grundwasser gelangt. Aber wissen tue ich das wie gesagt nicht.

Hoffe, es hat trotzdem ein wenig geholfen ;-)

Micha

Sawyer
31.07.2013, 09:49
Ja, geholfen hat es.
Das Beispiel mit den 100 Litern ist gar nicht so übertrieben, wenn man es hinsichtlich einer Gruppe betrachtet, die unterwegs ist. Da stellt sich dann die Frage, ob es besser ist, wenn alle an einem Platz die Outdoordusche betreiben oder besser verteilt.