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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Klimafreundliche Anreise zum Outdoor



cabrow
23.11.2012, 20:26
Hallo Leute,

nachdem sich immer wieder Leute finden die sagen (und das meiner Meinung nach zurecht), dass wir mit unseren Anreisen zu den entlegenen Zielen für unsere Touren mehr Schaden anrichten als wir auf unseren Touren durch LNT-Verhalten verhindern können nun hier ein Faden dazu.

Ich würde gerne von euch mehrere Dinge wissen:
1. Warum muss es eurer Meinung nach Nordschweden, Patagonien, Zypern oder wo auch immer sein?
2. Wie kommt man eurer Meinung nach guten Gewissens dort hin?

Meine Antwort zu Frage 1:
Ich will auch mal was sehen, was nicht die Natur vor meiner Haustür ist. Die kenne ich nämlich schon ziemlich gut, da ich versuche so viel Zeit wie irgendwie möglich dort zu verbringen. Das heißt es muss nicht Lappland oder Patagonien sein, aber von Zeit zu Zeit leiste ich mir den Luxus und fahre weiter weg um dort Natur zu erleben.

Meine Antwort zu Frage 2:
Ich fahre wenn es irgendwie geht mit der Bahn und wenn das nicht geht mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Sollte ich mal fliegen, dann kaufe ich mir ein gutes Gewissen, indem ich meinen CO2-Ausstoß in Wäldern kompensieren lasse.
Ich weiß, dass das auch nur Ablasshandel ist, aber ich finde es besser als gar nichts zu tun.
Womit wir wieder bei Frage 1 wären, nämlich warum fliege ich dann überhaupt. Ich fliege weil ich was neues kennen lernen will und es für meine persönliche Freizeitgestaltung will.

Nun also die Frage an euch, wie verhaltet ihr euch zu den Fragen 1 und 2?

Ingwer
23.11.2012, 20:40
Meine Antwort zu Frage 1:

Wenn ich schon zu einem entfernteren Ziel reise, dann bleibe ich dort nicht für zwei Wochen. Ich fahre dann meist für Monate bzw verbinde dies mit einer Tätigkeit (z.B. Praktikum) vor Ort. Ich habe einfach ein Interesse an mir fremden Kulturen und die Menschen in der Fremde auch an mir.


Meine Antwort zu Frage 2:
Ein schlechtes Gewissen habe ich nur dann, wenn ich für ein paar Tage oder für eine Woche mit dem Flugzeug verreist bin. Oder wenn ich anstatt eines möglichen Zuges dann doch ein Flugticket buche.
Ich habe immer noch ein schlechtes Gewissen dass ich mit dem Flugzeug von Basel nach Nizza geflogen bin. Aber der Flug dauerte mit Anreise und Transport vor Ort ingesamt nur 3 Stunden und kostete nur ein Drittel der Zugfahrt (die 9 Stunden Fahrt mit drei Mal umsteigen bedeutet hätte). Ein schlechtes Gewissen habe ich diebezüglich schon, aber das Flugzeugticket hat eben nur einen Bruchteil des Zugtickets gekostet, und auch die Transportzeit war wesentlich kürzer und der Transport wesentlich unkomplizierter. Glücklicherweise (für mich) wird bald die TGV Strecke Freiburg Marseille eingerichtet, ich drück mir also die Daumen.

Enja
23.11.2012, 21:02
1. Im Gegensatz zu früher bin ich nicht mehr der Meinung, dass es möglichst weit weg von zu Hause am schönsten ist. Seit ein paar Jahren schwärme ich für Touren "von der Haustür aus". Die Rückreise dann gerne mal mit der Bahn. Das erweitert den Radius. Kurztouren sind dagegen eher Rundtouren. Also von Haustür zu Haustür.

2. Wie kommt man dahin? Oder zurück? Ich finde es schwierig, dass Flüge meist die günstigsten Alternativen sind. Das ist regelmäßig sehr verlockend. Aber ich versuche, sie zu vermeiden.

winnetoux
23.11.2012, 21:03
Ich finde, das gehört eher in "Natur und Umwelt" oder meinetwegen ganz oben bei Reisevorbereitungen.

LNT ist nun mal spezieller zu einem immer noch recht breiten Thema: ich outdoors: ohne Motor, unterwegs in der irgendwie-Wildnis oder Natur. WandernKanuRad. schon angekommen. Natürlich schön, wenn man per Rad hingefahren ist.

So kann man wieder über das große Ganze labern, sich gut oder schlecht fühlen, weil man irgendwie problematisiert, aber viel kann man ja nicht tun, man bemüht sich - und passt sich gar noch an die an, die LNT nicht interessiert. Ist sicher gut, auch darüber zu reden. Aber nicht unter LNT. Oder ich erwarte hier einfach keine überraschenden Neuigkeiten. Ich bleib immer daheim, da gefällt es mir am besten? Vielleicht kann man auch einfach mal sein "Gewissen" vergessen - weil man sich eine Norm gegeben hat und sich so verhält, dass sich das Gewissen gar nicht erst melden muss.

Enja
23.11.2012, 21:40
Das wäre ein Beitrag für das Thema "Sinn und Unsinn einer Diskussion über eine klimafreundliche Anreise". In einem Sachfaden. Also eigentlich das, was nicht mehr sein soll.

Torres
23.11.2012, 22:08
Ich finde das Thema echt diffizil. Im Grund steht die Antwort doch fest und es gibt Berechnungen, welches Verkehrsmittel am schädlichsten ist und welches am klimafreundlichsten ist. (Wobei man da im Kern zur Antwort kommen könnte, dass am umweltfreundlichsten wohl wäre, durch den Stadtpark zu joggen oder mit dem Rad von zu Hause aus los zu fahren. Aber das vernachlässigen wir jetzt mal.)

Also was ist der Sinn der Frage?
Im Kontext des Ablasshandels aufrechnen zu können? Zum Beispiel:
Wer steht besser da: Wer 8 Zelte und 7 Kocher in ständiger Benutzung hat, aber nie in Urlaub fliegt oder wer nur einen Kocher und ein Zelt hat, aber mehrere Jahre mindestens zweimal im Jahr in Urlaub fliegt? Darf man dann, wenn man keinen Kocher, kein Zelt und keine Outdoorsachen hat und niemals fliegt, die Natur mit Müll + Klopapier + sonstigen Spuren verunreinigen, weil man ja auf der anderen Seite eine positive Bilanz hat? Dagegen muss derjenige / diejenige, der / die ständig für 6 Tage Trips in Urlaub fliegt, mehr Müll mitbringen als er selbst produziert hat?

Okay, ich weiß, das ist jetzt nicht zielführend, aber das fiel mir jetzt gerade so ein. Sorry.

Versuchen wir es anders: Ich finde, dass Klima nicht das einzige Kriterium ist. Dazu gehörten für mich bei der Verkehrsmittelwahl auch Lärm, Flächenverbrauch, Arbeitsplatzsicherung, Zeitfaktoren, Distanzen, Gesundheit der Betroffenen, Verfügbarkeit etc. dazu. Und auf der anderen Seite auch wiederum die Existenzgrundlagen der bereisten Gebiete (Abhängigkeit von Tourismus u.ä.). Es gibt sicherlich Länder, die nur mit dem Flugzeug in halbwegs annehmbarer Zeit erreichbar sind. Wären diese vom Tourismus ausgeschlossen, könnte das Auswirkungen auf das Lebenshaltungsniveau und womöglich sogar auf die Weltwirtschaft haben. Ist klimafreundliche also wichtiger als menschenfreundlich?

Das sind einfach mal so unsortierte Gedanken, die mir dazu einfallen. Schwierig.

Ich reise übrigens lieber mit Bahn, Schiff oder Rad an. Ich kann allerdings nicht ausschließen, dass ich irgendwann mal ein Ziel wähle, das ich nur mit dem Flugzeug erreichen kann.

_Matthias_
23.11.2012, 22:34
1. Warum muss es eurer Meinung nach Nordschweden, Patagonien, Zypern oder wo auch immer sein?
Ganz klar: JA! Und das ist völlig unabhängig davon, wie schön es vor der Haustür ist. Einmal im Jahr muss ich was total anderes sehen, nur so kann ich mich erholen und Kraft fürs nächste Jahr schöpfen.
Alexander von Humboldt soll gesagt haben: "Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben." und da steckt meiner Meinung nach viel wahres drin. Wenn ich mir, z.B. einige ehemaligen Schulkameraden betrachte, von denen einige nie aus den deutschsprachigen Ländern rausgekommen sind und was für ein kleinkariertes engstirniges Weltbild die entwickelt haben, oder wenn ich mir die ganzen Vorurteile und Stereotypen anschaue, die bei uns Querbeet, auch durch die Medien verbreitet, vorherrschen (z.B. gerade im Bezug auf Afrika), dann muss ich sagen, dass viel mehr Leute, viel öfter, viel weiter weg sollten um zu sehen, wie die Welt wirklich aussieht.


2. Wie kommt man eurer Meinung nach guten Gewissens dort hin?
Ist es in Laufweite zu Fuß, sonst mit dem Auto oder Zug und wenn weit weg mit dem Flieger. Am Fliegen stört mich nicht das schlechte Gewissen, sondern, dass es langweilig ist, lange dauert, das Essen mies und der Platz eng ist.
Das geht jetzt schon Richtung OT, aber ich kaufe mir auch keine "Klimaschutz"-Zertifikate als Kompensation, das ist genauso schizophren wie fair trade und ähnliche Initiativen (Ausgleich für von mir bezahlte Subventionen durch von mir bezahlte Subventionen), Aufforstung in Ländern zu bezahlen, die daneben ihre Wälder für Profit abholzen lassen. Ich wäre bereit meine Flüge ausgleichen, wenn damit bestehende Wälder und damit freier Lebensraum für Wildtiere erhalten würden, aber nicht für Klimaschutzmonokulturen, die in ein paar Jahren wahrscheinlich eh im Sägewerk landen. Aber das kann ja jeder handhaben wie er will.
Im übrigen bin ich nicht überzeugt davon, dass der CO2-Ausstoß für den Klimawandel ausschlaggebend ist (trotzdem sollte man natürlich jegliche Art von Emissionen versuchen zu vermeiden), da gibt es ganz andere Gründe: http://venganza.at/files/bilder/diagramm2.jpg

dingsbums
24.11.2012, 00:18
Warum muss es eurer Meinung nach Nordschweden, Patagonien, Zypern oder wo auch immer sein?
Die Welt ist schön, die Welt ist interessant, ich reise dorthin, wo ich Lust drauf habe. Außerdem immer wieder Nordschweden, weil: Ich dort zwei Wochen oder mehr wandere, ohne auf irgendeine Zivilisation zu stoßen. Kein Strom, keine Straße, kein Handynetz, ich bin weg. Und nirgendwo sonst im Urlaub habe ich mich bisher so gut erholt.


Wie kommt man eurer Meinung nach guten Gewissens dort hin?
Ich habe kein schlechtes Gewissen zu fliegen, wie immer andere das beurteilen mögen. Im Fall Nordschweden bedeutet das zwei mehr Urlaubstage vor Ort, das ist es mir wert.

Ich muss sagen, ich gehe ja nicht wandern, weil das eine bessere Ökobilanz hat. Ich gehe wandern, weil ich Spaß daran habe. Natürlich hat mein Handeln Auswirkungen auf die Umwelt, aber das betrachte ich eher losgelöst von meinem Wanderurlaub. Um die Umwelt sollte man sich grundsätzlich seine Gedanken machen. Aber muss ich das mehr als andere, nur weil ich lieber wandere, anstatt im Pauschalhotel am Strand zu liegen?

LihofDirk
24.11.2012, 00:32
Zu 1)
Es muß nicht immer weit weg sein, aber im Norden im Winter ist es einfach schöner.
Zu 2)
Warum wird eigentlich immer Akzeptiert, daß eine Bahnreise gut, und eine Flugreise schlecht ist? Es gibt auch Studien, daß bei einer Komplettbilanz incl. Fahrwegen (die Betonschwellen, beim Klinker zu Zementbrennen wird mächtig viel Energie verblasen) die Bahn sogar schlechter weg kommt, als ein modernes Flugzeug.
Ich versuche meinen Gesamtenergieverbrauch zu minimieren. Egal ob Strom, Sprit oder Lebensmittelferntransporte. Und lieber fliege ich nach Norwegen, als meine Erdbeeren aus China ein fliegen zu lassen.
Und für mein Gewissen gehe ich zur Arbeit, da kann ich mit einem Projekt mehr Energie einsparen, als ich im Urlaub verfliegen könnte. Weil nur in der Freizeit Verzicht predigen, und dann fette Spritfresser vertickern, wäre mir zu wenig.

Jack68
24.11.2012, 08:32
1. Ich mag die tägliche Tour in der Umgebung ("Kötertrekking"-Gassirunde;))
Deshalb muss es manchmal was anderes sein...andere Natur, andere Menschen, andere Kultur

2. Ich nehm auch das Flugzeug! Bahn in Deutschland eher weniger, die ärgert mich nur! Ich würde aber gern mehr Bahnreisen wegen der Zugreisende selbst machen...transsibirisch eben oder in Afrika oder Kanada...oft seeeeehr teuer, da ist ja die DB dagegen echtttt preiswert.

Ich habe mir so überlegt, als Kompensation mal eine Zeitlang kein Fleisch zu essen...das entlastet die Umwelt auch schön, obwohl ich es seh mag, Steak, Gulasch, Wurst...:grins:

SavinKuk
24.11.2012, 08:55
Zu 1) Es fasziniert mich etwas Neues zu sehen (andere Landschaften, andere Kulturen, andere Sprachen). Zudem gibt es in Deutschland nur noch wenige schöne Landschaft, da fast alles zugebaut ist.

Zu 2) Unangenehmes Thema bei mir: Aus Zeitgründen bleibt fast nur der Flieger. Ich muss auch zugeben, dass ich oft nur recht kurze Reisen unternehmen, da ich von der Arbeit her oft nicht mehr als ein verlängertes Wochenende freimachen kann.

Prachttaucher
24.11.2012, 13:09
zu 1) : Ein oder zweimal im Jahr muß es für mich woanders sein - zumindest den zweiten Teil der Strecke mache ich im Norden mit der Bahn.

zu 2) : Bei uns finde ich es sehr schön und versuche möglichst oft am WE mal was zu machen. Manchmal freue ich mich sogar im Urlaub schon wieder auf die Touren, die ich zu Hause machen werde. Anreise da immer mit Bahn. Um das halbwegs bezahlbar / und praktikabel zu halten gehört für mich die (teure) BC50 dazu.

Wo ich allerdings nicht um´s Auto rumkomme : Wenn ich paddle (Festrumpfboot). Das sind dann aber eher nur 2 oder 3 Fahrten im Jahr - insgesamt fahre ich wenig km im Jahr, da ich auch häufig das Rad für den Arbeitsweg nutzen kann.

Zum Thema Bahnfahren : Mit Erfahrung und großzügiger Planung läßt sich einiges an Ärger verhindern. Und wenn doch mal was schief geht : Gutes Buch, MP3-Player, Gelassenheit...:bg: so zumindest die Theorie

Sabine38
24.11.2012, 13:41
Zu 1: Ja, ich muss auch mal aus Deutschland raus. Die Eifel, der Harz, die Lahn... Alles schön, ja. Gegenden in denen ich wirklich gerne unterwegs bin. Aber ich brauche auch mal Sonnengarantie. Andere Kulturen. Fremde Landschaften. Neue Erfahrungen.

Zu 2: Indem man abwägt. Wie lang ist die Reisedauer -- ist es angemessen dafür von so weit anzureisen? Welche Anreisemöglichkeiten gibt es und wie sieht die Kosten/Nutzen Rechnung (Anreisedauer, Umweltverträglichkeit, Kosten, Bequemlichkeit) aus? Kann man Kompromisse machen? Und indem man es nicht übertreibt. Man muss nicht viermal im Jahr um die Welt fliegen. Aber das heißt nicht, dass man nie einen Fuß in ein Flugzeug setzen darf.

cabrow
25.11.2012, 23:53
Danke für die vielen Antworten.
Ich finde es interessant zu sehen, dass es wohl vielen so geht wie mir selbst und die Eifel und das Siebengebirge etc. nicht nur reichen.
Was mich ein wenig gewundert hat ist, dass es bei mir persönlich so ankam, als ob man sich dafür rechtfertigen müsste, wenn man fliegt.
Ich finde es persönlich zwar nicht so gut wenn Menschen viel fliegen. Aber das ist einer persönliche Ansicht, auf Grund derer ich niemanden angreifen oder verurteilen will.
Wenn ihr also fliegt, dann ist es für mich völlig ok.
Ich wollte nur einen Faden schaffen in dem man diskutieren kann wie man auch klimafreundlich anreisen kann.
Also bitte bitte nicht unter Rechtfertigungszwang gestellt fühlen oder gar angegriffen.

Jack68
26.11.2012, 01:06
1. Klar, auch ganz woanders hin und auch weit. Am liebsten bei kurzen Trips nicht so weit...wenn Stunden der Anreise draufgehen, dann lieber mal wieder eine Ründe im nahegelegenen Wald.

2. Wenn möglich, Auto randvoll mit Menschen laden, dann ist wenigsten der Sprit für 5 nicht nur für 2,1 Personen verbrannt worden. Flugzeugreisen können auch klimatechnisch neutral gehalten werde...gibt's verschiedene Modelle! :grins:
Vg Jack

berni71
26.11.2012, 01:22
nachdem sich immer wieder Leute finden die sagen (und das meiner Meinung nach zurecht), dass wir mit unseren Anreisen zu den entlegenen Zielen für unsere Touren mehr Schaden anrichten als wir auf unseren Touren durch LNT-Verhalten verhindern können nun hier ein Faden dazu.


Nein, nicht zu Recht. Die Verknüpfung von Anreise und Verhalten auf Tour ist m.E. von der Argumentation her unzulässig.

Ich wähle immer das günstigste und bequemste Verkehrsmittel. Klimaargumente spielen dabei gar keine Rolle. Welche Alternative hat man denn auch ernsthaft zum Flug, wenn man größere Distanzen überwinden möchte?

beigl
26.11.2012, 09:02
1. Muss es nicht sein. Es gibt hier in Österreich so viele schöne Ecken, auch wenn ich an sich wirklich kein Patriot oder sowas bin, und auch kulturell eher andere Tendenzen habe. Aber was die Natur betrifft... Bezieht sich aufs Berggehen bzw. -steigen.

2. Nachdem mein Haupttätigkeitsgebiet Weitwanderungen bzw. Überschreitungen sind, reise ich meistens öffentlich an. Zum Ausgangspunkt zurückkehren, um das Auto zu holen, macht meist den Zeitgewinn bei der Anreise wieder zunichte. Außerdem macht stundenlanges Autofahren nach einem 8, 9-Stundentag am Berg meist keinen Spaß. Mit dem auto verliert man meist einen Tag, da man auch eher am Vortag anreist.

Alles ganz einfach, wie schon die legendären Aeronauten aus der Schweiz sangen. ;-)

Gerade bei längeren Reisen kommt es auf eine etwas längere Anreise doch nicht so an. Problematisch sind bei mir eher 1- oder 2-Tagestouren. In den ostösterreichischen Alpen ist die Lage des öffentlichen Verkehrs am Wochenende ziemlich prekär, da gibt es eigentlich kaum eine Alternative zum PKW.

Atze1407
26.11.2012, 09:20
Alexander von Humboldt soll gesagt haben: "Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben.

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, und alle Postings hier gelesen. Aber den Spruch den Matthias ausgegraben hat, dem ist nichts engenzustzen. Er passt!

LG
Atze1407

atlinblau
26.11.2012, 09:32
Thema und Fragen widersprechen sich doch irgendwie.
Um outdoor zu sein, mache ich meine Tür auf...
Die Frage: "Muss es für sein Outdoor-Erlebnis jedes Jahr/mehrmals im Jahr eine Flugreise sein"
beantworte ich für mich mit einem klaren NEIN...
das sagt mir nicht nur mein Blick auf mein CO2-Footprint.
Ich genieße das ambivalente Gefühl zwischen Genuss und Verzicht.
Neben den Erlebnis "outdoor" vermittelt mir outdoor auch Erfahrungswerte.
Die Erfahrung, mal drei Monate auf der anderen Seite Europas "zivisationsfrei" verbracht zu haben
hat mich geprägt...ich muss es aber nicht jedes Jahr haben.
Der Outdoor-Kick kann auch Suchtcharakter bekommen.
Ach ja, und dann noch mein allgemeines Statement zum reflektieren:
"Wer reisen will, bracht ein Zuhause, in das er gerne zurück kehrt, ansonsten ist er ein Flüchtling."

Zum Thema Humbolt....ja, das war noch Anreise. Heute ist es eher ein Antransport!!!
meine Nichte ist seit drei Jahren Stewardes bei der LH.
Sie hat viel von der Welt gesehen...aber das ergibt keine "Weltanschauung" im ursprünglichen spirituellen Sinn.

Thomas

blue0711
26.11.2012, 09:46
Nein, nicht zu Recht. Die Verknüpfung von Anreise und Verhalten auf Tour ist m.E. von der Argumentation her unzulässig.Seh ich genauso.

Wenn jemand eine Zugreise mit all ihren Unwägbarkeiten, ihrer Dauer und ihrer Lastspitzen für Nerven und Körper auf sich nehmen will, gut. Wer Fernreisen mit Praktika und Landesstudien verbinden kann, schön.
Aber bitte, der Regelfall sieht 2-3 Wochen Urlaub am Stück vor und in manchen Branchen ist nichtmal das möglich.
Und komm mir jetzt keiner mit, das könnte man ändern - kann man nicht, wenn man nicht Kaiser oä. ist oder schlicht Glück hat. Freie Zeitgestaltung ist ein seltenes Gut. Die es haben, mögen es geniessen, aber bitte auch zur Kenntnis nehmen, dass das selten ist.

Kurz, die Freiheitsgrade, Erholung zu erreichen, sind oft gering. Oft korreliert das auch mit der Notwendigkeit, nicht erreichbar zu sein und damit auch, weiter weg zu sein. Zum einen, weil dann faktisch ein Rückruf aus dem Urlaub nicht mehr möglich ist, zum anderen, weil erst mit dem nötigen Abstand echte Erholung möglich ist.

Die Frage lautet also eher, wo die persönlichen Notwendigkeiten für Erholung liegen und erst dann, wie man das möglichst umweltschonend erreicht.

Und letzteres ist ein weites Feld.
Ich glaube auch nicht, dass auf Langstrecken, die eben noch so mit der Bahn machbar sind, die Bahn wirklich das bessere Verkehrsmittel ist. Und auf kürzeren Strecken wird sie von manchem Überlandbus ebenfalls geschlagen.
Bei der Bahn ist halt auch die Tendenz, all die Selbstverständlichkeiten auszublenden, die dort aber für die Bilanz relevant werden: z.B. Materialverbrauch für Streckenvorhaltung und Leerfahrten für Aufrechterhaltung von Anbindungen.

Und selbst wenn ich Strecken finde, auf denen die Bahn das bessere Verkehrsmittel ist, frage ich mich immer noch, ob es das wert ist, ca. 3 Tage des Urlaubs alleine für die Erholung von der Fahrt zu benötigen (weil ich die nicht habe, siehe oben).

Für mich kommt seit langem deswegen Bahn nur noch im Regionalbereich in Frage.
Längere Strecken bis ca. 1 Tagesreise per Motorrad, danach folgt direkt der Flieger.

Gundhar
26.11.2012, 11:24
...
nachdem sich immer wieder Leute finden die sagen (und das meiner Meinung nach zurecht), dass wir mit unseren Anreisen zu den entlegenen Zielen für unsere Touren mehr Schaden anrichten als wir auf unseren Touren durch LNT-Verhalten verhindern können nun hier ein Faden dazu.

Ich würde gerne von euch mehrere Dinge wissen:
1. Warum muss es eurer Meinung nach Nordschweden, Patagonien, Zypern oder wo auch immer sein?
2. Wie kommt man eurer Meinung nach guten Gewissens dort hin?

Meine Antwort zu Frage 1:
Ich will auch mal was sehen, was nicht die Natur vor meiner Haustür ist. Die kenne ich nämlich schon ziemlich gut, da ich versuche so viel Zeit wie irgendwie möglich dort zu verbringen. Das heißt es muss nicht Lappland oder Patagonien sein, aber von Zeit zu Zeit leiste ich mir den Luxus und fahre weiter weg um dort Natur zu erleben.
...

Mit den Leuten, die uns sagen daß wir mit unseren Touren Schaden anrichten, sind ja wohl die Grünen Politiker und deren Anhänger von der GAL(Grün-Alternative-Lehrerschaft) gemeint.
Diese Leute predigen Wasser und saufen Wein. Es gab mal einen Bericht bei Spiegel TV wo einer dieser Herren auf Wahlkampftour gefilmt wurde. Es ging im 7er BMW mit 240-250 über die Autobahn, danach mit 80-90 durch die Stadt bis ca. 100m vor die Halle. Dort stand dann jemand mit einem Fahrrad bereit und der gute Herr Politiker radelte damit in die Halle. Seine Anhänger jubelten! Ich war über derartige Dummheit sprachlos.

In dem Moment wo die grünen Gutmenschen mit gutem Beispiel vorangehen und sich so verhalten wie sie es von uns verlangen, bin ich bereit mit dem Zug nach Lappland zu fahren, vorher nicht!

Gruß Gundhar

Ditschi
26.11.2012, 11:59
OT:

Das ist das erste mal, seit ich dabei bin, daß hier jemand Parteipolitik in eine Diskussion einbringt. Zum Glück sind wir bislang davon verschont geblieben, denn auch Schubladendenken ersetzt keine Argumente. Ich möchte auch garnicht wissen, wer welcher Partei zugeneigt ist.
Gruß Ditschi

iwp
26.11.2012, 12:13
Es geht schon um Umweltbelange aber nicht um (umwelt-)politische Parteien. Weitere Exkurse Richtung politischer Themen werden gelöscht

Rüro
14.10.2013, 23:17
Hallo zu Punkt 1:
Ich fahre auch hin -und wieder mal ins Ausland. Seit ein paar Jahren habe ich aber Fernreisen komplett aus meinem Portfolio genommen. Ich vermisse dabei auch nichts, da im Zentrum all meiner Outdooraktivitäten die Aktivitäten selbst stehen und zum Wandern, Klettern, Skifahren, Kanu, und und und gibt's ja in Europa e genug zu tun :-)

Punkt 2:
Ich fahre oft mit dem Mietauto in den Urlaub. Da ich meist mit Vollbesetzung unterwegs bin, und die zurückgelegten Strecken kaum weiter als 800km in eine Richtung betragen ist der CO2-Impact für mich noch tolerabel...

hansen
17.10.2013, 16:45
Ich muss Dir schon allein dazu gratulieren, dass du Dich zu so einer Reise aufgerafft, hat, ich find in meinem Bekanntenkreis keinen, der mich bei so ner Reise begleiten würde. Humboldt hatte schon recht, aber ich denk trotzdem, dass auch vor der Haustüre lohnende Ziele auf einen warten.;-)

Lolalotte
31.10.2013, 11:27
Hallo,

da ich zum Glück wunderbare Wanderreviere vor der Haustüre habe, muss ich nicht so oft wegfahren. Hin und wieder mache ich das aber gerne und dann benutze ich auch schon mal den Flieger. Wenn immer möglich allerdings die Bahn. Dafür fahre ich im Alltag nur sehr selten Auto. Für den Arbeitsweg nutze ich außer bei extremen Wetterbedingungen das Fahrrad - das ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern hält auch fit und ist billig :bg:. Wenn es eine Möglichkeit gibt, nutze ich auch vor Ort auf dem Weg zu den Wanderungen Bahn, Bus oder Fahrrad.

Was mich immer wundert ist, dass die meisten Leute aus den Großstädten mit dem Auto hierher zum Wandern kommen. Das ist auf dieser Strecke weder schneller, noch bequemer. Im Gegenteil - es ist doch sauanstrengend, nach einer langen Tour noch 2 Stunden konzentriert auf der Autobahn runterreissen zu müssen! Die Bahn hat hier Stundentakt, die Anreise dauert nicht länger und mit Bayernticket ist es auch noch günstig. Die Beine kann man auch schön ausstrecken und falls man doch mal eine halbe Stunde auf den Zug warten muss, geht halt noch ein Käffchen.

Trotzdem fahren die meisten mit dem Auto und erwarten dann frische Luft am Zielort :motz:!

blue0711
31.10.2013, 12:04
Dann fahr mal öfter Bahn, dann weißt Du, warum.

Den größten Klops, den die Bahn auf der Strecke ins Allgäu gebracht hat, war ein nicht gekennzeichneter und nirgends verzeichneter Kurswagen.
Wenn man die Strecke nicht gekannt hätte, wäre man an einem völlig anderen Ziel angekommen.
Mehr dazu im passenden Nachbarthread.

Gegen solche Überraschungen sind 2h gemütliches Autobahncruisen geradezu entspannend.
Da bin ich einfach nicht leidensfähig genug. :bg:
Mit ner ganzen Familie würd ich bei sowas durchdrehen.

In den Schwarzwald nehm ich dagegen immer die Bahn. Die ist dort erstaunlich zuverlässig und hat halt auch den Vorteil, dass Start und Ziel verschieden sein können.

Lolalotte
31.10.2013, 12:52
Hallo,

das mache ich doch - ich bin hier regelmäßig mit der Bahn unterwegs und Probleme gibt es nur selten, Verspätungen halten sich in Grenzen. Unangenehm kann es nach meiner Erfahhrung nur am Sonntag -später Nachmittag/Abend im Alex werden, wenn viele Ausflügler und Wochenendheimfahrer zurück an den Arbeitsplatz/Uni nach München müssen. Unbezeichnete Kurswägen sind mir noch nicht untergekommen - einige Züge werden in Immenstadt geteilt (Kurswagen nach Oberstdorf bzw. Lindau). Das steht aber deutlich dran und wird auch im Zug sehr häufig durchgesagt. Das heißt nicht, dass nichts daneben gehen kann. 5 Stunden Stau auf der Autobahn können ja auch passieren.

Prachttaucher
31.10.2013, 14:20
@Lolalotte : Ich kann Dir nur zustimmen. Bei Wanderungen habe ich für An-und Abreise noch nie das Auto genommen - wäre mir zu anstrengend am frühen Morgen schon Auto zu fahren und genauso nach der Wanderung.

:( Daß es mit der Bahn dafür immer wieder Ärger gibt ist aber leider auch eine Tatsache. Gerade wenn ich mich auf dem (Wander-) Rückweg sehr beeilt habe, um noch einen bestimmten Zug zu bekommen und dann dafür wieder mal 2 h länger unterwegs bin oder bei der Anreise 2 h zu spät ankomme und meine Strecke eigentlich bis zum dunkelwerden nicht mehr schaffen kann....

Die eher wenigen Male wo ich mit PKW / Kajak unterwegs bin zeigen mir dann aber, daß es da auch nicht immer funktioniert : Stau, gesperrte Ausfahrt...

Lolalotte
31.10.2013, 15:24
Hallo,

ja eben, es funktioniert nicht immer - weder mit der Bahn noch mit dem Auto. Ich will auch gar nicht die DB verteidigen - ich schimpfe auch oft genug auf sie :bg:. Nur wenn ich mit dem Auto fahre, schimpfe ich auch auf den Verkehr, den Stau etc. Und die Bahn ist nunmal die umweltfreundlichere Alternative. Ich frage mich oft, wie manchner Ort hier noch das Label "Luftkurort" haben kann, wenn ich mir die Verkehrslawine anschaue, die da täglich auf dem Weg zur Bergtour durchrollt.

Grundsätzlich könnte die Bahn sich mehr um den Nahverkehr kümmern und auch günstigere Tickets im Nahverkehr anbieten. Die meisten Wanderer sind ja in der Gruppe unterwegs und da ist das Bayernticket schon super. Günstige Wochen-Netzkarten gibt es hier vor Ort allerdings nur für Touristen mit Übernachtung. Sowas wäre aber auch für Leute interessant, die vor Ort wohnen und öfter mit den Öffentlichen zum Wandern wollen -ein Oberallgäu-Umwelt-Wanderticket für Busse und Bahnen das im gesamten OA-Streckennetz gilt und nicht nur auf einer bestimmten Strecke (damit man beim Wandern nicht an eine bestimmte Rückfahrstation gebunden ist).

Viele Grüße

Raphsen
02.11.2013, 12:00
Ich finde das ein sehr schwieriges Thema. Im Grunde genommen wärs ja für die Natur am besten wenn man sie nicht betreten würde. Outdoorsport und Naturschutz ist meiner Meinung nach ein Widerspruch. Wie man damit umgeht und wo man Grenzen setzt ist total individuell und "willkürlich". Meiner Erahrung nach hängt es in erster Linie davon ab wie man das eigene Wohl/Vergnügen gewichtet in Relation zu dem Schaden den man anderen Leuten zufügt. Dazu werden die eigenen Wünsche sehr stark beeinflusst dadurch dass wir uns mit anderen Leuten vergleichen und schauen was die machen. (Wer XX nicht aufs Fliegen verzichtet, dann tue ich es auch nicht). Wenn man gar nicht Fliegen könnte wäre ich wohl gar nicht so ein Problem.

Die Aussage das man einmal im Jahr ein grössere Reise machen "muss" kann ich nicht nachvollziehen. Ein Grossteil der Weltbevölkerung tut das wohl nicht bzw weiss gar nicht was Urlaub überhaupt ist. Ich persönlich sehe Reisen/Urlaub als purer Luxus.

wir hatten kürzlich um Alpinforum einen ähnliches Thema, ist leider etwas aus dem Ruder gelaufen. Wohl auch weil ich etwas zu sehr provozierte:


http://www.outdoorseiten.net/forum/showthread.php/73932-in-die-Berge-mit-dem-Auto-ein-no-go

blue0711
02.11.2013, 12:21
Outdoorsport und Naturschutz ist meiner Meinung nach ein Widerspruch.Warum?
Bei echter Wildnis (wo gibt es die noch) vielleicht noch nachvollziehbar, aber in Kulturlandschaften, die sowieso vom Menschen geprägt sind?
Und selbst in der echten Wildnis: Die kann man gar nicht in Ruhe lassen. Ob das jetzt Luft- oder Wasserkreisläufe sind, die darauf einwirken oder Tierwanderungen bzw. Populationsänderung, die durch den Menschen ausgelöst sind. Wir wirken immer darauf ein.
Da das so komplex ist, darf man IMHO nie den psychologischen Aspekt außer Acht lassen: Wer wird etwas schützen, was er gar nicht kennt und nicht nutzen kann? Naturerfahrung trägt ja zum bewussten Verhalten der Natur gegenüber bei.


Ein Grossteil der Weltbevölkerung tut das wohl nicht bzw weiss gar nicht was Urlaub überhaupt ist. Ich persönlich sehe Reisen/Urlaub als purer Luxus.Der Vergleich hinkt IMHO.
Wird gerne gebracht, funktioniert aber nicht.
Man könnte ihn erst dann anbringen, wenn derjenige, der ohne Urlaub lebt, auch dauerhaft die geistige Leistung erbringen könnte, die der mit Urlaub erbringt.
Das gilt auch langfristig: In jeder Gesellschaft, in der die Bildung gestiegen ist, haben die Menschen auch persönliche Freiheit mit solchen Sachen wie Urlaub und Reisen eingefordert.

Und: Reisen bildet. Alt aber wahr. Sicher nicht Pauschaltourismus von der billigen Sorte, aber das Kennenlernen anderer Kulturen weitet den Horizont und bringt offenere Einstellungen und Verhaltensweisen sowie ein globaleres Verständnis mit nach Hause.

Torres
02.11.2013, 14:15
@Raphsen
Natürlich ist Reisen Luxus. Das wissen alle die, die trotz Urlaub nicht reisen können (wegen Geld oder Verpflichtungen) oder die gar keinen Urlaub haben. Die gibt es auch in Deutschland.
Dennoch sind auch in den Zeiten, in denen es noch keinen Urlaubsanspruch gab, die Menschen gereist. Die nämlich, denen es wichtig war. Abenteurer, Auswanderer, Seefahrer. Oder man ist in die größere Stadt gereist. Mit der Postkutsche auf Bildungsreise nach Italien. Gereist ist der Mensch immer. Wenn er es sich leisten konnte.

Die Konsequenz, um einen Widerspruch zwischen Outdoor und Naturschutz aufzulösen, könnte sein, seinen persönlichen Outdoorsport auf die von Tourismusverbänden oder Gemeinden dafür bereitgestellte Natur unter Nutzung der vorhandenen Infrastruktur zu beschränken. Das macht grundsätzlich Sinn (im Sinne von LNT) und macht vor allem in sehr dichtbesiedelten Gebieten Sinn. In dünn besiedelten Ländern und Gebieten dagegen hat die Natur abseits von Massentourismus ausreichend Zeit und Raum, sich zu erholen, so dass der Schaden, den Outdoorsport hervorruft, kaum messbar ist. Dummerweise sind aber gerade diese Gebiete - als logische Folge der dünnen Besiedlung - meist nur schlecht mit der Bahn oder einem Bus zu erreichen.

Insofern: Ich versuche immer, mit der Bahn zu reisen, wenn es weiter weg geht. Aber für das Wochenende in dünner besiedelte Regionen nehme ich dann doch das Auto. 3 Stunden mehr Anreisezeit fallen einfach ins Gewicht. Wenn ich das Fahrrad im Gepäck habe, auch längere Strecken.
Das kann ich nicht wegdiskutieren. Und da ich Europa bald durch habe, überlege ich sogar, ob ich nicht mal mit Fliegen anfange. :ignore:

Also alles nicht so einfach.

blue0711
02.11.2013, 14:19
Natürlich ist Reisen Luxus. Das wissen alle die, die trotz Urlaub nicht reisen können (wegen Geld oder Verpflichtungen) oder die gar keinen Urlaub haben. Die gibt es auch in Deutschland.Wo?
Also mal vorausgesetzt, man will das (soll ja Leute geben, die lieber auf Balkonien oä. abhängen)
Also IMHO ist selbst HartzIV kein Hinderungsgrund für eine Reise. Die fällt dann halt etwas kleiner aus.
Aber in der Natur bin ich auch, wenn ich mit dem Bus auf die Schwäbische Alb fahre.

Torres
02.11.2013, 14:57
Ich dachte eher an kleine landwirtschaftliche Betriebe mit Vieh, Angehörige Pflegebedürftiger, kleine Einzelhändler, Freiberufler mit prekärem Beschäftigungshintergrund, Kleinstunternehmer mit zu guter oder zu schlechter Auftragslage oder Studierende, die in den Semesterferien ihren Lebensunterhalt verdienen müssen, u.ä...... Kurz: Alle, die darauf angewiesen sind, sich selbst auszubeuten :ignore:

blue0711
02.11.2013, 15:20
Naja, die machen das alle nicht langfristig, weil jeder von denen dann irgendwann mal sowas von auf der Nase landet.
BurnOut ist dann noch leicht untertrieben.

Lolalotte
02.11.2013, 18:37
Hallo,

also ob eine Reise bildet oder nicht, hängt sicher von der Reise ab :bg:. Einmal Ballermann - eine Woche lang volllaufen lassen und wieder zurück - bildet mit Sicherheit nicht :bg:. So gesehen muss man sicher nicht jedes Jahr unbedingt eine Flugreise machen. Aber manchmal eine gut selbst geplante Reise mit viel Natur, Kultur und neuen Menschen ist ein Erlebnis, dass einen nicht nur andere Länder anders sehen lässt, sondern auch das Zuhause. Ich nehme z.B. die Natur und meine gesamte Umgebung immer wieder viel bewusster und deutlicher wahr bzw. aus einer neuen Perspektive, wenn ich von so einer Reise zurückkomme.


@Raphsen
Die Konsequenz, um einen Widerspruch zwischen Outdoor und Naturschutz aufzulösen, könnte sein, seinen persönlichen Outdoorsport auf die von Tourismusverbänden oder Gemeinden dafür bereitgestellte Natur unter Nutzung der vorhandenen Infrastruktur zu beschränken.


Das stimmt, aber ich habe auch oft den Eindruck, dass sich das doch wenigstens teilweise von alleine regelt. Die Allgäuer Berge sind schon ziemlich voll - trotzdem gibt es ruhige Ecken, in denen man kaum Touristen trifft. Die Masse an Touristen konzentriert sich auf leichten Talwanderwegen und Gipfeln mit Bergbahn. Das sind also die "zugänglich gemachten" Gebiete. Auch wenn ich den Massenbetrieb dort eher abschreckend finde, halte ich es für wichtig, dass es z.B. für ältere, Familien mit kleinen Kindern etc. Möglichkeiten gibt. Bergwanderer gibt es natürlich auch viele, aber schon deutlich weniger und die sind ebenfalls auf ausgewiesenen Wanderwegen unterwegs.

Bedenklich ist vor allem der "Actionsport", der viel Infrastruktur benötigt, viele Leute anspricht und halt auch Geld in die kassen bringt, weshalb viel Natur der Infrastruktur geopfert wird. Eben auch von den Tourismusverbänden. Die Leut wollen aber auch leben ...

klaus81
03.12.2013, 16:02
Hallo,

ich denke generell dass Zeit und Bequemlichkeit die maßgebenden Faktoren der Verkehrsmittelwahl darstellen. Nur darum geht es. Wer es sich finanziell leisten kann und will, nutzt doch überwiegend das Auto. Wenn du morgens aufstehst ist Benzin und Diesel unendlich vorhanden. Die Natur schaut beim Blick aus dem Fenster auch nicht so aus, als ob sie Schutz bräuchte. Zeit ist der begrenzende Faktor. Das Auto wird doch nur dort nicht immer genutzt, wo es deutlich benachteiligt ist. Z.B. in Großstädten, wo ausreichend Straßen und Parkplätze fehlen.
Ich denke, wirklicher Umweltschutz in Sachen mobilisierter Individualverkehr kann nur gelingen, wenn der Faktor Zeit eingebunden wird. Die Leute werden doch nur dann nicht mehr Autofahren, wenn es die schlechtere Alternative darstellt. Wovon wir heute allerdings meilenweit entfernt sind.

Zum eigentlich Thema noch: Ich nutze für meine normalen Freizeitaktivitäten sowohl die Bahn als auch das Auto. Ich fahre dahin wo ich will, und nutze dafür das mir am besten erscheinende Verkehrsmittel. Hierbei geht es ausschließlich um die Faktoren Zeit, Bequemlichkeit und Erreichbarkeit. Falls eine Wahlmöglichkeit sehr viel günstiger als die andere ist, spielt der Faktor Kosten auch noch eine Rolle. Der Faktor Umwelt kommt allerdings überhaupt nicht vor.

Was mich etwas stört an einigen Umweltschutzverfechtern ist, dass nicht selten irgendwer oder irgendwas schlechter wie das eigene Tun sei, und deshalb als "No-Go" erhoben wird. Der Sinn und auch die Aufenthaltsdauer einer Reise ist für die Umwelteinflüsse doch überhaupt nicht von Bedeutung. Ob ich nun für einen Tag oder für drei Wochen nach Mallorca fliege um dort jeden Tag Party zu machen, oder ob ich dort Kultur, Bildung und Natur fröne, verändert nichts am Schadstoffausstoß des Fliegers.

wegener
04.12.2013, 06:54
Jeder soll sich selber prüfen, ob er Schadstoffausstoss vermeiden oder reduzieren soll, kann und will.

Darüber hinaus leben wir in einer Gesellschaft, wo man erst mal zum Gesetzgeber gewählt werden muss, um anderen Vorschriften zu machen.

Auch über die Gewissensschiene kann man Einfluss auf das Verhalten anderer nehmen.

Meine Meinung dazu, ich sag es immer wieder: Ins Gewissen reden lass ich mir im Zusammenhang von mir selber, oder von jemandem, der:

- kein Auto hat
- nicht zur lukrativen Arbeit weit pendelt
- kaum transportierte Güter kauft
- kaum heizt

Heuchelei und falsches Moralaposteltum sind dem gegenüber langweilig und abstossend.

Darüber hinaus hab ich es an anderer Stelle schon postuliert:

Unverbrüchliche Gesetze der Menschheit:
- Alles Öl wird zügig verbrannt
- Dann alle Kohle
- Dann Methan
- Wenn es opportun ist, werden zwischenzeitlich schnellstens wieder Kernkraftwerke gebaut

Damit bei uns das Schlafzimmer warm ist, und der Weihnachtsbaum leuchtet und der Mittelklassewagen rollt. Das fleissige Konsumieren, wird jeder Einzelne kaum, die Menschheit insgesamt so gut wie unmöglich verringern.

Man kann ja meiner Meinung nach ehrenvoll versuchen, die Geschwindigkeit des Gesamtausstosses der Treibhausgase um 5 % zu reduzieren.

Was aber ethisch gesehen deutlich relevanter ist, ist, ob man als reicher Einzelner (Staat) die eh schon relativ oder sehr Armen unterstützt, die demnächst an der Küste (in Wüsten, etc.) in Wanderbewegungen gezwängt werden.

Teilen ist mit Kosten verbunden, dann kann man weniger selbst konsumieren. Ich glaube sogar, dass einige dazu freiwillig bereit wären.

Regierung und Grossunternehmen haben im globalen Wohlstandsverteilungssystem auch noch ein Wort mitzureden.

Aber das System von ich will's mal nenne mangelnder Solidarität oder Egoismus ist, glaube, ganz schön eingeschliffen. Ich selber kauf ja auch noch nicht mal fair gehandelte Produkte. Allerdings würde ich gerne mal dahinkommen.

wegener
04.12.2013, 07:12
Ganz banal gesagt ist es schon so:

Ist man sparsam und teilt nimmt man seine Verantwortung wahr und macht die Welt ein bissl besser.

Das geht wahlweise durch banales Umgewöhnen (Umziehen um näher an den Bergen oder am Outdoor zu sein, weniger Licht, weniger heizen, unnötigen Transport reduzieren) bis hin zu mehr oder weniger "schmerzhaften" Einschnitten (Verzicht).

Verheize ich alles wie blöde und raffe nur für mich, dann mach ich die Welt eher ein klein bissl schlechter.

woodcutter
04.12.2013, 11:11
Hallo,

ich denke generell dass Zeit und Bequemlichkeit die maßgebenden Faktoren der Verkehrsmittelwahl darstellen. Nur darum geht es. Wer es sich finanziell leisten kann und will, nutzt doch überwiegend das Auto. Wenn du morgens aufstehst ist Benzin und Diesel unendlich vorhanden. Die Natur schaut beim Blick aus dem Fenster auch nicht so aus, als ob sie Schutz bräuchte. Zeit ist der begrenzende Faktor. Das Auto wird doch nur dort nicht immer genutzt, wo es deutlich benachteiligt ist. Z.B. in Großstädten, wo ausreichend Straßen und Parkplätze fehlen.
Ich denke, wirklicher Umweltschutz in Sachen mobilisierter Individualverkehr kann nur gelingen, wenn der Faktor Zeit eingebunden wird. Die Leute werden doch nur dann nicht mehr Autofahren, wenn es die schlechtere Alternative darstellt. Wovon wir heute allerdings meilenweit entfernt sind.


Stimme ich weitgehend zu, mit dem Unterschied, dass ich fest überzeugt bin, dass zum Faktor Zeit der Faktor Geld/Kosten immer mitläuft.

Ist der Sprit zu günstig, gerät der Kostenfaktor in den mentalen Hintergrund. Werden in den Medien und Bekanntenkreis die steigenden Spritpreise diskutiert, dann drängt sich dieser Faktor auf, bis er vom Zeitfaktor wieder plattgemacht wird.

So allzuoft erlebt.



... Der Faktor Umwelt kommt allerdings überhaupt nicht vor.

Was mich etwas stört an einigen Umweltschutzverfechtern ist, dass nicht selten irgendwer oder irgendwas schlechter wie das eigene Tun sei, und deshalb als "No-Go" erhoben wird. Der Sinn und auch die Aufenthaltsdauer einer Reise ist für die Umwelteinflüsse doch überhaupt nicht von Bedeutung. Ob ich nun für einen Tag oder für drei Wochen nach Mallorca fliege um dort jeden Tag Party zu machen, oder ob ich dort Kultur, Bildung und Natur fröne, verändert nichts am Schadstoffausstoß des Fliegers.

Immer wieder interessant zu lesen, dass der Faktor Umwelt non-existent ist. Als ob wir die Natur als Nebenkosten für unsere Zivilisation rein wirtschaftlich betrachten. Und nicht als Lebensgrundlage für den ganzen Planeten.

Also ein Wahrnehmungsproblem.

Wer sich mit Umweltschutz beschäftigt, mal mit denjenigen redet die das beruflich tun, sich versucht ein eigenes Bild von der Situation zu verschaffen ... ach ja. Das Zeitproblem. Mitunter der Grund, diese Dinge zu verdrängen. Solange noch etwas Grünes in den täglichen Blickwinkel gerät, geht´s der Natur und Umwelt doch gut. :roll:

Es macht einen Riesenunterschied, ob ich auf Mallorca mein Geld in Hotelburgen und für Schnaps vergeude oder für eine geführte Tour abseits des Massentourismus Geld ins Land bringe, um damit nachhaltigen Tourismus mitzufinanzieren.


Ich würde gerne von euch mehrere Dinge wissen:
1. Warum muss es eurer Meinung nach Nordschweden, Patagonien, Zypern oder wo auch immer sein?
2. Wie kommt man eurer Meinung nach guten Gewissens dort hin?


zu 1:
Wir verzichten komplett auf Fernreisen. Bin vor über 20 Jahren zuletzt für eine Urlaubsreise geflogen, Mittelmeergebiet, schon damals stand Übersee u.ä. außer Frage. Die Klimadiskussion gab es in Deutschland in aller Breite spätestens seit Rio 1992.

Zu 2:
Gutes Gewissen ist immer möglich, man muss es sich nur schönargumentieren.

Fernreisen und Fragen zum korrekten Mobilitätsverhalten bedingen einander. Da kann es keine ultimativen Tipps geben, vom Anzünden einer Kerze in der Kirche bis zum Ablaßhandel. Entscheidend finde ich die Ernsthaftigkeit mit der persönlichen Klimabilanz. Sich transparent zu machen, wo sind für mich Umweltressourcen unvermeidlich (Essen, Trinken, Bekleidung, Beruf, Basismobilität, Basiskonsum) und wo kann ich steuern in Richtung nachhaltigen Lebensstil.

In der Zahl der Fernreisen etwa oder in der (mentalen) Orientierung, was muss ich mit eigenen Augen gesehen haben, wo meinen Fußabdruck abtotografiert, hinter welchen Busch geschi..en haben.

Es gibt Menschen, die grenzenlosen Egoismus pflegen. Auch oder gerade in der Outdoorszene. Denen ist mit Argumenten Null beizukommen. Man mag anfügen, immerhin kommen die mal rum und lernen andere Kulturen und Lebenseinstellungen kennen. Das glaube ich gerne und wünsche allen Egomanen dieser Welt den Besuch von "unterentwickelten" Ländern. Wer es dort nicht begreift, begreift es niemals.

Und zwar was eine gerechte Verteilung der Ressourcen unseres Planeten bedeutet und dass dies keinesfalls Verzicht für uns als Konsequenz haben muss. Verzicht worauf ? Auf grenzenlose Ausbeutung ? O.k. dann nehme ich alles zurück, diese Art von Verzicht ist eine Denksportaufgabe. Wo unsere menschlichen Grenzen liegen, ob wir gerne Diktator wären oder zur privilegierten Elite gehören wollen.

Regelmäßige Fernreisen sind elitär. Weil (erstens) nur ein Bruchteil der Menschheit das finanzieren kann und (zweitens) wir noch keine umweltfreundliche Fortbewegung für einen massenhaften Reiseverhalten gefunden haben. Ausser dem zu Fuß zu gehen bzw. mit dem Rad zu fahren.

Was sich in Zukunft ändern kann, etwa mit sich selbst speisenden Solar-Fahrrädern, Mini-Zeppelinen u.ä. futuristischem Gefährt. Ich würde es uns allen wünschen, die unvermeidliche Globalisierung hautnah erfahren zu dürfen. Doch es gibt Risiken und Gefahren des massenhaften Verkehrs, seien es das Ressourcenproblem (Treibstoff, Flächenverbrauch, Verbrennungsprodukte, Regenerationsfähigkeit der Natur u.a.) oder andere Nebeneffekte (Ansteckungsrisiken, invasive Pflanzen und Tiere, Meinungsbildung und politische Umwälzungen etc.).

Die Welt ändert sich so oder so, wir passen uns entweder an, folgen positiven oder negativen Trends und sind ein Stück weit mitverantwortlich, in welche Richtung es geht.

Die Augen zu bzw. blind für die Umwelt auf´s Smartphone und virtuelle Welten gerichtet ... das kann für unseren Planeten sehr böse ausgehen. Die Geschichtsbücher kennen Hochkulturen, die untergegangen sind. Ob zu schnelles Wachstum, zu geringe Anpassung der Organisation, Kriege, Naturkatastrophen, mangelnde Vorausplanung wie Vorratshaltung usw. usf.

Die menschliche Existenz auf dem Planeten Erde ist begrenzt, da sind sich alle einig. Es folgen uns noch einige tausend Generationen nach. (Darüber hinaus zu planen oder zu visionieren ist utopisch). Wir können für unseren Teil entscheiden, wie wir unsere Lebensspanne - evtl. die unserer Kinder und Enkel - gestalten und erleben wollen.

Fernreisen - die könnten die Menschheit vielleicht besser und nachhaltiger zusammenführen als ich es heute glaube. Wahrscheinlich besuche ich doch einmal meine Cousine in den USA. Und erweitere das Ganze zu einem Urlaub. ;-)

klaus81
04.12.2013, 12:36
Ist der Sprit zu günstig, gerät der Kostenfaktor in den mentalen Hintergrund. Werden in den Medien und Bekanntenkreis die steigenden Spritpreise diskutiert, dann drängt sich dieser Faktor auf, bis er vom Zeitfaktor wieder plattgemacht wird.

So allzuoft erlebt.



Ja, wobei es aber genau darauf hinaus läuft, was ich beim Faktor Umwelt sehe. Die Erhöhung an der Tankstelle ist deutlich zu sehen, also hat sie einen großen Einfluss auf den Menschen. Der wahre Einfluss auf die Kosten für den eigenen PKW ist allerdings verschwindend gering. Bei einer Verteuerung um 20 Cent pro Liter erhält man Mehrkosten pro Monat im Bereich von 10-15 Euro (bei ca. 10 000 km Jahresfahrleistung). Die Gesamtkosten pro Monat belaufen sich für einen PKW in Bereichen von 200, 300, 400, 500 oder noch mehr Euro.
Ich denke, dass verglichen mit der Umwelt, sich dort solange nichts wesentliches ändert, wie die Auswirkungen nicht unmittelbar sicht- und spürbar sind.





Es macht einen Riesenunterschied, ob ich auf Mallorca mein Geld in Hotelburgen und für Schnaps vergeude oder für eine geführte Tour abseits des Massentourismus Geld ins Land bringe, um damit nachhaltigen Tourismus mitzufinanzieren.



Für wen? Für die eigene Lebenseinstellung und die eigenen Ideale wohl einen großen. Aber die tatsächlichen Auswirkungen auf die Umwelt dürften wohl nicht der Rede wert sein.

wegener
07.12.2013, 22:56
Für wen? Für die eigene Lebenseinstellung und die eigenen Ideale wohl einen großen. Aber die tatsächlichen Auswirkungen auf die Umwelt dürften wohl nicht der Rede wert sein.

Im Sinne von die Nachfrage regelt auch das Angebot.

Kaufen die Leute wie blöde Pauschalreisen, wachsen halt Betonsilos und Bettenburgen wie Pilze aus dem Boden. Und die Hotelfirmen scheffeln Gewinn.

Kaufen die Leute wie blöde von mir aus Bildungsreisen, oder von kleinen Einheimischen Anbietern organisierte Abenteuerreisen, dann wird es für Anbieter von solchen Sachen attraktiv, sich ebensolche von mir aus im Idealfall nachhaltige Reiseangebote auszuarbeiten und anzubieten. Wobei der Gewinn im Idealfall den lokalen Anbietern verteilt zugute kommt. Und nicht von Hotelketten aufgesaugt wird.

Kaufen alle importierte Produkte und Südfrüchte im Winter wie verrückt, wird es rentabel, noch mehr solche Sachen hierherzufliegen und anzubieten.

findkfn
08.12.2013, 11:55
Kaufen die Leute wie blöde von mir aus Bildungsreisen, oder von kleinen Einheimischen Anbietern organisierte Abenteuerreisen, dann wird es für Anbieter von solchen Sachen attraktiv, sich ebensolche von mir aus im Idealfall nachhaltige Reiseangebote auszuarbeiten und anzubieten. Wobei der Gewinn im Idealfall den lokalen Anbietern verteilt zugute kommt. Und nicht von Hotelketten aufgesaugt wird.


Und was meinst du was passieren würde wenn die Menge an Leuten die jetzt in "Betonsilos und Bettenburgen" Urlaub macht sowas nachfragen würde ?

resistance01
28.12.2014, 15:30
Da die Maßstäbe, was man umwelttechnisch für vertretbar hält, letztendlich subjektiv sind, schlage ich vor, zunächst einmal Bewusstsein dafür zu entwickeln, welche Reisemittel, -methoden etc. welche Auswirkungen auf die Natur haben. Dass Fahrradfahren weniger schädlich ist als Fliegen, dürfte z.B. unstrittig sein. Daraus folgt direkt, dass man im Sinne aller lieber mehr Radfahren als Flugzeugfliegen sollte.

Wenn man sich anhand solcher Überlegungen bei seinem Handeln einfach immer vor Augen führt, welche Konsequenzen es jeweils hat, kann vielleicht jeder Einzelne sich in Bescheidenheit üben. Das ist doch dann auf alle Fälle eine Bewegung in die richtige Richtung, völlig unanbhängig von vermeintlich objektiven Wertmaßstäben. Jeder kann damit sofort bei sich anfangen, und es gibt immer noch etwas zu tun.

Ich bin der Meinung, dass man durchaus ein paar kleine Stellschräubchen hat, die zusammengenommen etwas bringen: Weniger Verbrennungsmotoren nutzen, Ökostrom anmelden, Fairtrade- und Bio-Produkte kaufen, zur Ethikbank wechseln, gebrauchte Klamotten tragen etc. Das alles wird die Welt nicht retten, geht doch aber in die richtige Richtung. Zu diesem Portfolio gehört sicherlich auch, so weit es mit dem persönlichen Wohlbefinden vereinbar ist, auf lange Reisen zu verzichten.

woodcutter
28.12.2014, 15:47
Wenn man sich anhand solcher Überlegungen bei seinem Handeln einfach immer vor Augen führt, welche Konsequenzen es jeweils hat, kann vielleicht jeder Einzelne sich in Bescheidenheit üben. Das ist doch dann auf alle Fälle eine Bewegung in die richtige Richtung, völlig unanbhängig von vermeintlich objektiven Wertmaßstäben. Jeder kann damit sofort bei sich anfangen, und es gibt immer noch etwas zu tun.

Für die einen ist Bescheidenheit, nur 2x im Jahr mit dem Flugzeug zu fliegen.

Für andere ist es kein Problem, gänzlich auf das Fliegen zu verzichten.

Natürlich sind das objektiv völlig unterschiedliche Ansätze von Bescheidenheit.


Ich bin der Meinung, dass man durchaus ein paar kleine Stellschräubchen hat, die zusammengenommen etwas bringen: Weniger Verbrennungsmotoren nutzen, Ökostrom anmelden, Fairtrade- und Bio-Produkte kaufen, zur Ethikbank wechseln, gebrauchte Klamotten tragen etc. Das alles wird die Welt nicht retten, geht doch aber in die richtige Richtung. Zu diesem Portfolio gehört sicherlich auch, so weit es mit dem persönlichen Wohlbefinden vereinbar ist, auf lange Reisen zu verzichten.

Lange Reisen kann man umweltfreundlich gestalten. Weite Reisen auch, wenn man als Maßstab die "sonst üblichen" Klimabelastung im täglichen Leben anlegt.

Die Welt retten ... falls dieses Ziel nun wirklich auf der Agenda der Outdoor Aktivisten stünde, dann könnten sie einen gewichtigen Beitrag leisten.

Verzicht würde ich persönlich unabhängig vom "Wohlbefinden" sehen, zuhause bleiben ist ein hoher Garant für Wohlbefinden. Aber oft unvereinbar mit dem Glücklichsein und -werden. Unsere Gesellschaft definiert (und wir mit ihr), was und wie oft ein Mensch konsumieren sollte, Urlaubsreisen gehören dazu wie auch Freizeitvergnügen aller Art mit "Anreise". Dem kann sich entziehen, angesichts der niedrigen Kosten für umweltschädliche Verkehrsmittel ist der Widerstand i.d.R. schwach ausgeprägt.

Gecko
30.12.2014, 20:33
Und was meinst du was passieren würde wenn die Menge an Leuten die jetzt in "Betonsilos und Bettenburgen" Urlaub macht sowas nachfragen würde ?

Gut gefragt, findkfn. Ich nehme mal die Antwort vorweg, die du - nehme ich an - bewusst provoziert hast: Dasselbe wie mit der einen oder anderen Ecke in Südostasien, die zunächst echter Geheimtipp, dann Geheimtipp im Lonely Planet und heutzutage Geheimtipp bei TUI ist, mit all den entsprechenden Begleiterscheinungen.

Ibiza soll noch in den sechziger Jahren des letzten Jahrunderts eine echte Aussteigerinsel gewesen sein. Ökos, Hippies, Künstler und Künstlerinnen, beliebt bei Indiviualreisenden. War jemand mal in letzter Zeit da?

Und dank mancher - insbesondere deutscher? - Outdoortourenanbieter sehen sich in Schweden manche Kommunen gezwungen, das Jedermannsrecht zu verschärfen oder aufzugeben.

Nee nee, es gilt wohl weiterhin: Erst kommen die Expeditionen, dann die Individualisten, dann die Pauschalisten.

resistance01
30.12.2014, 21:00
Unsere Gesellschaft definiert (und wir mit ihr), was und wie oft ein Mensch konsumieren sollte, Urlaubsreisen gehören dazu wie auch Freizeitvergnügen aller Art mit "Anreise".

Ich würde ja die Betonung auf die Klammer setzen. Die Individualisierung innerhalb unserer Kulturepoche hat neben dem krass hervortertenden Egoismus und diversen anderen Übeln sicherlich den Vorzug, dass doch nun jeder die Möglichkeit hat, selbst zu entscheiden und auch sich selbst gegenüber Verantwortung zu übernehmen. Den gesellschaftlichen Gegebenheiten kann man sich zwar schwerlich entziehen, aber kritisch hinterfragen können wir sie allemal.